Medizin

Antibiotikaresistenz – eine Warnung vom „Schnarchverein“ Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Dr. Alexander von Paleske — 1.5. 2014 —-Gestern ging es durch alle Medien: Die WHO warnt vor der weltweiten Antibiotikaresistenz.

Diesmal nicht am 7.4.
Normalerweise macht sie das am 7.4. dem Weltgesundheitstag. Dieses Jahr kommt es etwas verspätet, aber nicht minder heftig.
Die Botschaft ist zwar deutlich: Wir steuern auf eine Nach- Antibiotika-Ära zu, selbst banale Infektionen können nicht mehr wirkungsvoll behandelt werden und zum Tode führen.
Aber die Warnung kommt spät, sehr spät. Denn das Problem der Antibiotika-Resistenz, und die daraus resultierenden Gefahren, sind seit Jahren bekannt.

Die Chief Medical Officer der britischen Regierung verglich bereits im Januar 2013 die Gefahr der Antibiotikaresistenz mit der Terrorismusgefahr und der Gefahr der Klimaveränderung.

Deutsche Spitzenforscher warnten ebenfalls im Januar 2013 vor den Gefahren.

Keine konkreten Vorschläge
Detaillierte Vorschläge, wie dieser Gefahr wirksam zu begegnen sei, fehlten jedoch weitgehend, insbesondere die katastrophale Rolle, welche die Massentierhaltung dabei spielt.

Erstmalig weist der Vertreter der WHO, Keiji Fukuda, immerhin darauf hin:

dass die Weltagrarorganisation FAO seit einigen Jahren versucht, große Tierhalter über freiwillige Vereinbarungen zu einem verantwortungsvollen Einsatz von Tiermedikamenten insbesondere aber Medikamenten zu bringen, die auch in der Humanmedizin zum Einsatz kommen. Dem haben sich zwar viele Firmen angeschlossen.
Doch der Erfolg ist bisher ziemlich überschaubar. Fukuda fordert einen globalen Aktionsplan, um dem Problem Herr zu werden. Zudem kündigte er an, dass die WHO Länder bei der Überwachung der Resistenz von Keimen unterstützen will, in der pazifischen Region reicht diese Kooperation sogar schon bis in die 1980er Jahre zurück.


Keiji Fukuda Screenshot: Dr. v. Paleske

Zahlen sprechen für sich
Die Zahlen über den jeweiligen Antibiotikaverbrauch sprechen jedoch eine deutlichere Sprache:

– In der Tiermast werden in Deutschland rund 1700 Tonnen Antibiotika pro Jahr verfüttert meistens ins Trinkwasser gekippt, da eine automatische Futterbeimischung in der EU – anders als noch in den USA – seit 2006 nicht mehr zulässig ist.

– Gleichwohl ist der Verbrauch von Antibiotika in den Tierfabriken nicht zurückgegangen, ganz im Gegenteil: weiter angestiegen, zumal die Zahl der von den Tierfabriken ausgestossenen Tierkörper noch weiter zugenommen hat.

Die in der Tiermedizin verbrauchte Menge ist damit 40 mal so hoch, wie in allen Krankenhäusern zusammengenommen, und immer noch 7 mal so hoch, wie in der gesamten Humanmedizin in Deutschland.

Auch diese Zahlen – Schreckenszahlen
Auch diese Zahlen sollen genannt werden: Allein in Niedersachsen gibt es:

– 1040 Betriebe mit insgesamt 36,5 Millionen Masthühnern, wobei ein Durchgang rund einen Monat dauert, das macht fast 400 Millionen pro Jahr.

– 398 Puten-haltende Betriebe mit insgesamt 4,9 Millionen Tieren

– 10.400 Halter von fast 4,5 Millionen Mastschweinen

Das sind Zahlen von 2011 aus einem Bericht des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung.

Damit stellt Niedersachen rund 50% der deutschen Tierfabriken und damit 50% des Gesamtausstosses an Fabrikfleisch in Deutschland.

Von der Tierfabrik in die Gülle, dann in die Nahrung
Mit der Gülle aus diesen Fabriken, die auf Feldern landet, kommen die resistenten Keime in die Nahrungskette – oder gleich direkt mit den ausgelieferten Produkten.

Es gibt daher nur einen Ausweg, die sich anbahnende Katastrophe zu verhindern: das Verbot der Massentierhaltung.

Vor dieser Forderung, die auf der Hand liegt drückt sich die WHO, drücken sich die Grünen, die schwafeln vom „Zurückdrängen“, drückt sich selbstverständlich die Bundesregierung.

Schlimmer noch: der brandenburgische SPD-Agrarminister Jörg Vogelsänger fordert gar eine Ausweitung der Massentierhaltung.

Das jetzt verschärfte Arzneimittelrecht, das eine Berichtspflicht über den Antibiotikaverbrauch vorsieht, wird an den unerträglichen Zuständen ebenso wenig ändern, wie die Novelle von 2006 es seinerzeit getan hat.

Warnungen verpuffen
So verpuffen sämtliche Warnungen, da ohne Forderungen nach drastischen Massnahmen. Stattdessen wird auf den ungezügelten Verbrauch in der Humanmedizin verwiesen. Keine Frage: Dieser Verbrauch muss gedrosselt und die Hygiene im Krankenhaus verbessert werden, aber entschärft bestenfalls ein Teilproblem.

Forderungskatalog der WHO …..Witz lass nach.

Als weitere unbedingt erforderliche internationale Massnahmen seien genannt:

1. Die Verschreibungspflicht sämtlicher Antibiotika, die bisher in vielen Ländern auf Marktplätzen und in Shops frei erhältlich sind.

2. Die Verbesserung der Krankenhaushygiene, und die Dekontaminierung der Krankenhausabwässer, damit resistente Keime erst gar nicht in die Umwelt gelangen.

3. Entwicklung neuer Antibiotika

4. Schliesslich, und das wird in dem WHO-Bericht erst gar nicht behandelt: Die Qualitätskontrolle von Medikamenten im Allgemeinen und Antibiotika im Besonderen.

15% aller Medikamente weltweit halten keiner Qualitätskontrolle stand, in einigen Ländern der 3. Welt sind es bis zu 80%.

Oftmals handelt es sich schlicht um Scheinmedikamente, vielfach jedoch auch um unterdosierte Medikamente, die eine Gefahr für den Patienten und eine Gefahr der Resistenzentwicklung darstellen.

Hier hat die WHO völlig geschlafen.

Das alles ist allerdings keine Überraschung, wenn man sich die Personalstruktur dieser Organisation ansieht: Hier kämpfen Seilschaften teiweise gegeneinander, behindern sich gegenseitig, und verbrauchen einen Riesenetat, ohne dass jemals überprüft wurde, wie es um die Effizienz aussieht.

Viel muss sich ändern, damit endlich etwas geschieht.

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