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Malediven: Wird das Touristenparadies zur Terroristenhochburg?

Dr. Alexander von Paleske —– 4.10.2014 —- Am 29.9. 2007 explodierte eine Bombe in Malé , Hauptstadt der Malediven. 12 Touristen wurden dabei verletzt: Zwei Briten, acht Chinesen und zwei Japaner, einige davon schwer.



Malediven

Der Bombenanschlag war das Werk von Terror-Salafisten, offenbar mit Verbindungen zu einem pakistanischen Terror-Netzwerk.

Verhaftung, Verurteilung – und baldige Entlassung
10 Malediver und zwei Ausländer wurden verhaftet – drei davon waren geständig – und wurden zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Jetzt beginnen die Merkwürdigkeiten: Nach drei Jahren wurde für die Haupttäter , Mohamed Sobah und Ahmed Naseer, die Reststrafe von 12 Jahren in eine dreijährige Bewährungsstrafe umgewandelt und beide freigelassen, obgleich die Polizei Ahmed Naseer nach wie vor als gefährlich einstufte.

Paradise lost?
Die Malediven praktizieren „Null Toleranz“ in Sachen Religion. Islam ist Staatsreligion, andere Religionen bzw. deren Ausübung sind verboten, wer Christ ist, verliert automatisch die Staatsbürgerschaft.

Gleichwohl: Die Malediven sind ein Urlaubsparadies, das jährlich von knapp 800.000 Touristen (ca. 77.000 aus Deutschland, 28.000 aus der Schweiz und 15.000 aus Österreich) besucht wird.

Der Bombenanschlag von 2007 hatte keinen nachhaltigen Einfluss auf den Touristenstrom. Es herrschte Ruhe danach dort. Es könnte sich in der Zukunft allerdings um eine trügerische Ruhe handeln, denn:

– rund 200 Malediver kämpfen mittlerweile auf Seiten der ISIS oder IS wie sie sich diese Terrortruppe jetzt nennt, im Irak, fünf davon starben bereits. Die meisten sind ehemalige Angehörige der maledivischen Armee.

– In Malé, der Hauptstadt der Malediven, fand kürzlich eine Demonstration zur Unterstützung der IS statt, auf der auch die schwarzen Banner gezeigt wurden.


Demonstration von IS-Sympathisanten in Malé

– Ein prominenter investigativer Journalist namens Ahmed Rilwan Abdulla wurde mit Waffengewalt aus seiner Wohnung in Male entführt, und ist seitdem verschwunden, vermutlich getötet. Er berichtete kritisch u.a. auch über Islamisten.


Ahmed Rilwan Abdulla mit seiner Mutter – vor zwei Monaten entführt, vermutlich tot.

– Der Führer der säkularen maledivischen Oppositionspartei MDP erhielt Todesdrohungen. Eine der Drohbotschaften zeigte sein Bild zusammen mit dem Bild des von der IS getöteten US-Journalisten James Foley mit der Bildunterschrift: „You‘ll will be the next“

Ehemaliger Präsident warnt
Der ehemalige Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, warnte daher auch während eines Besuchs im September in London in einem Interview mit der britischen Tageszeitung Independent vor der wachsenden Zahl von Salafi-Terror-Anhängern in seinem Lande.


Interview mit Nasheed, Independent vom 14.9. 2014

Die gegenwärtige Regierung unter Präsident Abdullah Yameen sei zu schwach, um diesen Terroristen im eigenen Lande wirksam entgegenzutreten. Hinzu käme, dass Armee und Polizei längst von Salafisten infiltriert seien, das Resultat der „Missionierung“ des Landes durch Saudi-Arabien mit dem Wahabismus und der Finanzierung radikaler Geistlicher.

Nach dem Aufruf zur Tötung von Bürgern weltweit, deren Staaten militärisch den Kampf gegen IS unterstützen, könnte es mit der Ruhe auf den Malediven alsbald vorbei sein, auch wenn der ehemalige Präsident Rasheed insoweit die Gefahr herunterspielt.

Touristen sollten sich jedoch der Gefahr bewusst sein, auch wenn das Auswärtige Amt bisher nicht von Reisen dorthin abrät.

Eine deutsche Botschaft gibt es auf den Malediven nicht. Auch keinen deutschen Generalkonsul. In dringenden Fällen kann ein wohlhabender lokaler Geschäftsmann, der die Funktion eines Honorarkonsuls ausübt, kontaktiert werden – nur in Notfällen wohlgemerkt.
Zuständig ist ansonsten die Deutsche Botschaft in Sri Lanka –
1 1/2 Flugstunden entfernt – und dies trotz 77..000 deutschen Touristen pro Jahr. Wie schön.

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