Medizin

Ebola-Epidemie und die Krise im Gesundheitswesen in Westafrika

Dr. Alexander von Paleske —— 8.2. 2015 —- „Überwindung der Ebola-Krise zum Greifen nah“, hiess es Mitte Januar. Davon kann jedoch nach neuesten Daten noch nicht die Rede sein, denn mittlerweile steigen die Erkrankungfälle in Sierra Leone wieder an.


Ebola-Neuerkrankungen in Sierra Leone in den letzten Monaten

Die Ursache könnte in nachlassenden Vorsichtsmassnahmen liegen, verschärft möglicherweise durch Mutationen des Virus mit der Folge einer erhöhten Infektiosität.


Notwendige Schutzmassnahmen bei Bestattungen

Bereits 1 Jahr
Seit Dezember 2013 wütet die Ebola Epidemie in Westafrika, mit mehr als 8000 Toten und mehr als 20.000 Infizierten. Von der Länge der bisherigen Ebola-Epidemien her gesehen ein trauriger Rekord, denn die bisherigen Ebola-Ausbrüche im Länderdreieck Sudan, Kongo und Uganda konnten innerhalb von Wochen unter Kontrolle gebracht werden.

Das lag keineswegs nur an der geringeren Mobilität der betroffenen Bevölkerung, sondern vor allem daran, dass diese Länder sofort auf die Ausbrüche reagiert haben.

Nach mehreren Ebola-Ausbrüchen war die Bevölkerung ohnehin nicht mehr unvorbereitet, sondern akzeptierte und befolgte die von den Gesundheitsbehörden angeordneten Massnahmen und Empfehlungen.

So konnte auch die jüngste Ebola Epidemie im August 2014 in der Demokratischen Republik Kongo vergleichsweise rasch unter Kontrolle gebracht werden.

Ganz anders jedoch bei dem Ausbruch in Westafrika. Er traf die Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone erstmals – und damit völlig unvorbereitet.

Fehlende Infrastruktur
Die Epidemie traf auf eine Gesundheitswesen-Infrastruktur, die in Sierra Leone und Liberia nach langen Jahren des Bürgerkriegs völlig zerstört war, und sich erst langsam wieder im Aufbau befand.

Es zeigt mit aller Deutlichkeit, dass der Aufbau einer Gesundheitswesen-Infrastruktur wesentlich ist, um gerade auch erstmals auftretenden Epidemien erfolgreich zu begegnen.

Versagen der WHO
Über das kolossale Versagen der Weltgesundheitsorganisation(WHO), diese Epidemie und ihr Ausmass rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln, haben wir bereits berichtet. Ergänzend erwähnt werden soll aber noch, dass die WHO, ihr Krisenzentrum nicht etwa in einem der betroffenen Staaten einrichtete sondern in dem mehr als 1000 Km entfernten Accra, der Hauptstadt Ghanas. Ein Land, das noch nicht einmal direkt an eines der betroffenen Länder grenzt. Offenbar wollte man sich selbst keiner Gefahr aussetzen. Wie schön.

Milliarden nur für gerettete Millionen
Konnten die milliardenschweren Kampagnen der Melinda und Bill Gates Foundation, des Global Fund zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose, und der Global Alliance for Vaccines and Immunisation,GAVI nicht bei der Errichtung der Infrastruktur nach den Bürgerkriegen helfen?


Bill und Melinda Gates

Diese Organisationen sind Krankheits-orientiert, nicht aber Gesundheitswesen-orientiert.
Statt der bitter nötigen Verbesserung der Infrastruktur des Gesundheitswesens in vielen armen Ländern, werden Milliarden zur Bekämpfung von bestimmten Krankheiten ausgegeben: was interessiert ist die Messbarkeit des Erfolges. Konkret: Die Zahl der geretteten Menschenleben.

Wer ausserhalb dieser Krankheiten Hilfe braucht, fällt durch das Netz dieser Nichtregierungsorganisationen: das trifft für alle nichtübertragbaren Krankheiten zu, also Krebs, Herz- und Stoffwechselerkrankungen wie Hochdruck und Diabetes. Die Kritik daran wächst.


Sunday Times (Südafrika) 28.12. 2014

So stieg beispielsweise die Hilfe für Liberia durch diese Organisationen nach 2002, also nach dem Ende des Bürgerkriegs, um das Zwanzigfache; 45% davon waren ausschliesslich zur Bekämpfung von Malaria, Aids und Tuberkulose bestimmt. Im Jahre 2002 waren es erst 2%.

Jedoch: nur die Hälfte der dortigen Bevölkerung hat überhaupt Zugang zu Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Zahl der Krankenhausbetten ist – gemessen am Krankenstand vor der Ebola Epidemie – völlig unzureichend ..

10% für die Verbesserung der Infrastruktur
So ist es keine Überraschung, dass auch der Global Fund lediglich 10% der 25 Milliarden US Dollar, die ihm in den letzten 12 Jahren zur Verfügung standen, zur Verbesserung der Infrastruktur bereitgestellt hat.

Organisationen wie Global Fund haben ausserdem oftmals nur eine geringe Koordination mit anderen Nichtregierungsorganisationen.

Workshops – überflüssig wie ein Kropf
Es finden jede Menge gesponserte Workshops statt, an denen die im Gesundheitssektor Beschäftigten nur allzu gerne teilnehmen, weil sie dafür finanzielle Unterstützung und freies Essen bekommen. Wir haben bereits mehrfach auf diesen Unfug hingewiesen.

Schlimmer noch: Der Global Fund versteht sich als Spendensammler und Spendenverteilungsstelle für Projekte, hat aber keine eigenen Leute direkt vor Ort, die nicht nur den Projektbedarf bzw. dessen Sinnhaftigkeit konkret ermitteln, sondern auch strikt die ordnungsgemässe Verwendung der Mittel überprüfen können, und zwar regelmässig..

Keine eigene Kontrolle vor Ort
Die Folge: Verschwendung von Mitteln in einem Netz von aus dem Boden springender lokaler Nichtregierungsorganisationen mit schönen Namen, ggf. sogar Hochglanzbroschüren, die aber wenig oder kaum Effektivität besitzen.

Mehr noch: WHO und gesponserte Nichtregierungsorganisation bieten Gehälter an, die weit über den lokalen Gehältern liegen. Die Folge sind ein Run der lokalen Ärzte auf derartige Positionen, wobei das Gesundheitswesen nicht nur noch mehr ausgedünnt, sondern auch Neid geschürt wird.

Ausnahme MSF
Als Ausnahme muss hier erneut die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) angeführt werden, die nicht nur hocheffektiv arbeitet, sondern keine vergleichsweise exorbitanten Gelder für die Helfer zur Verfügung stellen kann und will.

Die Ebola-Epidemie hat diese Schwächen der Infrastruktur mit aller Brutalität offengelegt. Ob es wirklich Konsequenzen haben wird, das wird sich zeigen.

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