afrika

Boko Haram in Nigeria, Islamic State (IS) und südafrikanische Söldner

Dr. Alexander von Paleske —- 10.5. 2015 —
Jahrelang war es still um die Söldner aus Südafrika geworden. Die ehemaligen Mitglieder der Apartheid-Terrorbrigaden wie Koevoet, Recce, 44 Parachute Regiment, 32 Buffalo Bataillon und Civil Cooperation Bureau machten keine Schlagzeilen mehr – verschwunden aus dem Bereich des Söldnerunwesens waren sie jedoch nie.

Ihre letzten grossen Auftritte hatten sie bei dem Putschversuch in Äquatorial Guinea im März 2004, im Irakkrieg und in Afghanistan.

Kein Bedarf in Südafrika
Im Postapartheid-Südafrika wurden ihre „Fähigkeiten“ nicht mehr gebraucht. Sie heuerten deshalb bei Söldnerfirmen wie Erinys , Blackwater (jetzt Academi), Executive Outcomes Dyncorp, Aegis und anderen an, wo ihre blutigen Fertigkeiten „proven in combat“ hochwillkommen waren.

Nachdem die USA aus dem Irak abgezogen waren ging es weiter nach Afghanistan und in die arabischen Emirate. Nicht zu vergessen: die bewaffnete Begleitung auf vielen Schiffen, die das Horn von Afrika umschifften, und das Ziel von Piraten-Angriffen waren.

Auch zum Aufbau einer Truppe im Somaliland waren sie erwünscht, und – nicht zu vergessen – jetzt in der Ukraine, wo es gilt, die marode Armee auf Vordermann zu bringen (dank der finanziellen Unterstützung der EU).


Söldner auf einem Schiff im Golf von Aden Screenshot: Dr. v. Paleske

Strafbare Handlung
Offen auftreten als Südafrikaner können sie nicht, denn die Söldnerei ist dort mittlerweile eine strafbare Handlung, trotz diplomatischer Interventionen seinerzeit seitens der britischen Regierung unter Tony Blair.
Nun sind sie in einem afrikanischen Konflikt aufgetaucht, der seit Monaten Schlagzeilen macht: Im Einsatz gegen die Terrortruppe der Religionsfaschisten von Boko Haram im Norden Nigerias.


Nigeria

Seit Monaten auf der Flucht
Die nigerianische Armee befand sich seit Monaten auf der Flucht vor Boko Haram , die sich im Nordosten Nigerias wie eine Pest ausbreitete, und weite Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hatte.


AK47 und Koran – Logo der Terrortruppe Boko Haram

Tausendfache Morde an Zivilisten, Verschleppung, Versklavung und Misshandlungen von Frauen und Kindern, Zerstörung ganzer Ortschaften, und Bombenanschläge selbst in der Hauptstadt Abuja gehörten zu ihrem Terrorkatalog-.


Boko Harams Schreckensbilanz Screenshot: Dr. v. Paleske

Zum Entstehen dieser Formation trug zweifellos sowohl die wirtschaftliche Unterentwicklung des Nordens bei, trotz des Ölreichtums – Nigeria ist der grösste Erdölexporteur Afrikas – wie auch die beispiellose Korruption, die sich wie ein Krebsgeschwür ausgebreitet hat.

Aber aus der einstigen Protestbewegung, die von der nigerianischen Armee brutal unterdrückt wurde, entwickelte sich eine Religions-Terrortruppe, unter der vor allem die ausgepowerte Zivilbevölkerung leiden musste.

Ein politisches Programm, wie es von einer Befreiungsbewegung erwartet werden kann, besass diese Truppe nie, es sei denn man sieht die Scharia und die Bezeichnung Boko Haram – westliche Erziehung ist Sünde – als politisches Programm an.

Der Anführer Abubakar Shekau, der in seinem Outfit und seinen Auftreten an einen wildgewordenen Räuberhauptmann erinnert, ist vor allem durch Drohungen, Verwünschungen und schadenfreudiges teuflisches Grinsen aufgefallen, Begleitmusik für die zunehmende Brutalisierung seiner Truppe.


Abubakar Shekau ….teuflisches Grinsen Screenshot: Dr. v. Paleske

Forderungen nach Bodenreform und gerechterer Verteilung der Einnahmen aus den Ressourcen des Landes: Fehlanzeige.

Personell aufgestockt
Trotzdem: Boko Haram konnte personell aufstocken angesichts der völligen Perspektivlosigkeit für die junge männliche Bevölkerung.

Statt der Zukunftslosigkeit unter der Zentralregierung, eine scheinbar rosige Zukunft nach den Regeln der Scharia, mit einem AK47 Schnellfeuergewehr unter dem Arm..

Auf den „Kalifatszug“
Nach den Anfangserfolgen der Religionsfaschisten des Islamic State (IS) im Irak und Syrien, sprang Boko Haram auf den „Kalifatzug“ und erklärte sich als Teil der internationalen „Terror-Kalifatsbrigaden“

Auch in die Nachbarländer
Boko Haram beschränkte sich im Laufe der Zeit nicht nur auf den Nordosten Nigerias, sondern dehnte seine Raub- und Terrorfeldzüge auch auf die Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad aus
..
Während die Boko-Haram Terrortruppe in Nordnigeria noch verhältnismässig leichtes Spiel mit den demoralisierten und miserabel ausgerüsteten Regierungssoldaten hatte, wo offenbar die fuer Verpflegung und Ausrüstung bestimmten Gelder nur zum geringeren Teil die kämpfende Truppe erreichten, sondern im Korruptionssumpf versickerten, griffen die Nachbarländer effektiv in die Kämpfe ein, fügten Boko Haram erhebliche Verluste zu, jedenfalls in den Grenzregionen.

Weiter ins Land lassen wollte Nigeria sie jedoch nicht, sondern die Regierung heckte einen anderen Plan aus.

Nun haben die nigerianischen Truppen eine neue Offensive gestartet, und dabei mehr als 700 gefangene Frauen und Kinder aus den Klauen von Boko Haram befreit. Die jungen Frauen und Mädchen aus Chibok, die international Schlagzeilen machten „Bring back the girls“ sind allerdings nicht darunter.

Was diese Entführungsopfer über ihre Zeit der Gefangenschaft berichten ist erschreckend: Körperliche Gewalt, Vergewaltigungen, Hunger, Exekutionen.

Nicht in den Nachrichten

Was in den meisten Nachrichten unterschlagen wird: Die nigerianische Regierung hat Söldner angeheuert, südafrikanische Söldner, um die eigenen Truppen auf Vordermann zu bringen, die südafrikanische investigative Wochenzeitung Mail and Guardian berichtete darüber.


Mail & Guardian (Südafrika)

Bock zum Gärtner
Man möchte sich die Augen reiben: Mehr als 50 Jahre nach der Unabhängigkeit Nigerias wird der Apartheiddreck rekrutiert, ehemalige Mitglieder von Terrorverbänden, die jetzt mithelfen sollen, den Terror zu bekämpfen. Der Bock zum Gärtner.

Wenn Nigeria schon aus eigener Kraft wegen schwerer Versäumnisse in der Vergangenheit und blühender Korruption nicht vorwärts kommt, dann hätte die Afrikanische AU mit Ausbildern einspringen können und müssen. Stattdessen wurde nur eine kleine AU-Streitmacht in Aussicht gestellt.,

Zahnloser Tiger
Es zeigt sich leider erneut mit aller Deutlichkeit, dass die Afrikanische Union (AU), wenn es um die Lösung nationaler bzw. regionaler Konflikte geht, sei es im Süd-Sudan, Libyen, Mali und jetzt Burundi , ein zahnloser Tiger ist.

Lediglich im Ostkongo haben vorwiegend südafrikanische Truppen den Expansionsgelüsten des Nachbarlandes Ruanda und dessen Präsidenten Paul Kagame mit der Vernichtung der von Ruanda gesteuerten Terrortruppe M23 einen deutlichen Dämpfer versetzt.

Söldner sind jedoch gewiss nicht die Antwort auf die Konflikte in Afrika.

Zu Nigeria
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