Medizin

Hochrangige Forscher kritisieren Deutschlands Politik im öffentlichen Gesundheitswesen – national wie international

Dr. Alexander von Paleske —- 25.7. 2015 —– Eine internationale Expertengruppe, eingesetzt

– von der Akademie der Wissenschaften (Leopoldina),

– von der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften

– und von der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften

hat Krach geschlagen

Die Akademie der Wissenschaften, früher Leopoldina, ist eine Vereinigung, zu der nur die Spitzenforscher unter den Naturwissenschaftlern Zutritt haben.

Zu seinen prominentesten Mitgliedern gehörten einst neben J.W. von Goethe auch Nobelpreisträger wie Albert Einstein und Werner Heisenberg. Entsprechend darf man von diesem Gremium Stellungnahmen von Substanz erwarten.

Die Expertengruppe sollte ein Gutachten über die Deutschlands Beitrag zur Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens (Public Health) national wie international .

Integrative Wissenschaft
Public Health wird in dem 80-seitige Gutachten,

das im vergangenen Monat vorgelegt wurde, als integrative Wissenschaft verstanden, die Grundlagenforschung in praktische Massnahmen für die Gesundheit der Menschen umsetzt, also nicht die nur die Behandlung einzelner Erkrankungen.

Versagen der Politik
Das Gutachten konstatiert ein Versagen der bundesdeutschen Politik, hier Schrittmacherdienste zu leisten, und Weichen zu stellen.

Deutschland habe zwar nach dem Krieg bedeutende Fortschritte gemacht, wie z.B. bei der Behandlung und Reduktion von Infektionserkrankungen. Gleichzeitig stehe aber Deutschland vor Herausforderungen, wie

– Zunahme übertragbarer wie nicht übertragbarer Erkrankungen (Herz, Kreislauf , Krebs),

– zunehmendes Lebensalter der Bevölkerung,

– Ungleichheiten bei der Gesundheitsversorgung

– zunehmender Druck auf die Gesundheitsversorgung.

Kritisiert wird insbesondere:

– Unzureichende öffentliche Gesundheitsaufklärung

– Unzureichende Forschung im Bereich des öffentliches Gesundheitswesen.

– Fehlen politischen Willens, das öffentliche Gesundheitswesen weiterzuentwickeln, und die entsprechenden Ressourcen dafür breitzustellen.

Gleichzeitig werden in dem Gutachten ein Reihe von Vorschlägen gemacht, darunter auch die Forderung an die Wissenschaft,Wege zu finden, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und Fortschritte in die Praxis umgesetzt werden können.

Der Deutschland-Radio Journalist Jan Wildermuth, der bei der Vorstellung der Studie dabei war, bemerkt dazu:

Politische Entscheidungen beeinflussen auch die Gesundheit. Gerade aktuell ist ja die Sparpolitik in Griechenland oder Portugal. Die führt eben nicht nur abstrakt zu einer Sanierung der Staatshaushalte, die führt zu Kürzungen im Sozialsystem, zu geringeren Renten und das schlägt sich dann messbar in einer Zunahme an Selbsttötungen und einer generell steigenden Sterberate nieder. Also: gesellschaftliche Realität und Gesundheit hängen eng zusammen“,

Sparpolitik zeigt Folgen
Die Sparpolitik, die der Regierung Griechenlands bisher aufgezwungen wurde, hat bereits zu einer deutlichen Verschlechterung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung geführt, Viele Patienten mit chronischen Erkranku7ngten können sich die Medikamente nicht mehr leisten, und die Zustände in vielen öffentlichen Krankenhäusern gleichen tendenziell Zuständen wie in eine Land der Dritten Welt.

Trotzdem soll auch im Bereich des Gesundheitswesens nach dem Willen der Kreditgeber noch weiter gespart werden.

Aber auch bei der Ebola-Epidemie in Westafrika hat Deutschland wenig Engagement gezeigt. Wir haben das bereits mehrfach kritisiert.

Die von den akademischen Gesellschaften herausgegebene Studie ist zweifellos zu begrüssen, unmittelbare Konsequenzen sind jedoch nicht zu erwarten, nicht einmal national: Das neue Gesundheitsprogramm der Grossen Koalition wird die Lage im Gesundheitswesen ohne Zweifel weiter verschärfen.


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