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Wolf of Wall Street, die Hypo-Alpe-Adria Bank, und wer die Multi-Milliarden-Zeche zahlen soll

Dr. Alexander von Paleske —- 15.8. 2015 —–
Vor einem Jahr kam der Film „Wolf of Wallstreet“ heraus, der die verkommenen Zustände im US-Brokerhaus Stratton Oakmont zeigte, wo der Verkauf wertloser Papiere und damit Betrug zum Tagesgeschäft, Kokain zur täglichen Nahrung, und Sexorgien zum festen Bestandteil der Entspannung während und ausserhalb der Geschäftszeiten gehörten.

Der authentische Bericht eines ehemaligen Stratton Oakmont-Brokers findet sich hier.

Kein Einzelfall
Das soll nicht heissen, dass es sich bei Stratton Oakmont um einen Einzelfall handelte, es in anderen Brokerhäusern wesentlich ehrlicher zuging: Die milliardenschweren Strafzahlungen, verhängt gegen die Grossbanken Deutsche Bank (zuletzt Libor-Skandal), HSBC, Bank of America etc. sprechen eine andere Sprache. Derartige Strafzahlungen gehören mittlerweile zum täglichen Nachrichtenangebot.

Stratton Oakmont in Österreich
Was hat dies alles mit den Skandalen rund um die ehemalige Hypo Alpe Adria Bank zu tun? Die pflegte unter ihrem damaligen Chef Wolfgang Kulterer enge Beziehungen zu einer Betrügerbank in der Wiener Schlickgasse namens General Commerce Bank, bei der es sich um eine Stratton Oakmont im Kleinformat handelte, die wertlose Papiere in alle Welt verkaufte, ein sogenannter Boiler-Room. Dort ging auch der ehemalige Waffenhändler Adnan Kashoggi ein und aus.


Skandal-Bank Hypo-Alpe-Adria ……enge .Geschäftsbeziehungen zu einer Betrügerbank

Mehr noch: Die eigentliche Mutter der General Commerce Bank war Czech Industries in den USA, eine dubiose Firma, an der wiederum die Wallstreet-Wolf-Firma Stratton Oakmont die Mehrheit hatte.

Die US-Securities and Exchange Commission (SEC) machte 1998 den Betrügerladen dicht, und das FBI verhaftete deren Broker.

Die General Commercce Bank machte jedoch weiter, bis sie 2001 auf Drängen des FBI von den österreichischen Behörden schliesslich geschlosssen wurde.

Keine Skrupel
Dass die Hypo-Alpe überhaupt mit diesem Offshoot des Betrugsvereins Stratton Oakmont Geschäftsbeziehungen unterhielt, zu einem Zeitpunkt als Stratton Oakmont längst dichtgemacht war, ist einer der ersten Skandale im Umfeld der Hypo-Alpe , dem noch viele, viele andere folgen sollten.

Trotzdem: Kauf eines Bauchladens
Dies hat allerdings weder die BayernLB davon abgehalten, diesen Skandal-Bauchladen 2007 zu kaufen, noch viele Finanzinstitute in Deutschland, sich mit Anleihen dieser Skandal-Klitsche einzudecken.


Bayern LB …..5 Milliarden für einen Skandal-Bauchladen

Wir haben regelmässig, beginnend noch vor dem Verkauf der Bank an die Bayerische Landesbank (BayernLB), über die jeweiligen Skandale berichtet, und in einer Art erster zusammenfassender Skandalchronik alle bis 2008 angelaufenen Hypo-Alpe-Skandale dargestellt.

Vier Gründe
Die Hypo-Alpe Bank ist Geschichte. Was interessieren also noch die alten Skandale? Aus vier Gründen:

1. Die Verfilzung der Politik in die Geschäfte der Hypo-Alpe: nicht nur der verstorbene Landeshauptmann und österreichische Rechtsaussen Jörg Haider, samt der Parteien, denen er angehörte, also der FPÖ und dann dem BZÖ, sondern auch die ÖVP mit ihrem damaligen Bundeskanzler Schüssel mischte offenbar mit.

2. Die BayernLB, die diese Bank einkaufte, und damit fast 5 Milliarden Euro in den Sand setzte, die der bayerische Steuerzahler zu begleichen hat.

3. 30 Deutsche Banken, die sich mit Papieren dieser Skandalbank eindeckten, obwohl alle Warnlampen hätten blinken müssen, und nun nach einem „Haircut“ die Abwicklungsbank HETA auf auf volle Zahlung vor dem Frankfurter Landgericht verklagt haben.

4. Die zahlreichen Prozesse, strafrechtlich und zivilrechtlich, die weiterlaufen.

Immerhin: die nicht gerade geringe Zahl von Zivilprozessen um Rückabwicklung, Schadenersatz und angebliche Darlehen zwischen BayernLB und Osterreich sind mittlerweile durch einen zu erwartenden Vergleich erledigt, auf den sich beide Seiten prinzipiell geeinigt haben: Österreich, das 2009 die Bank von den Bayern für 1 Euro zurückkaufte, wird noch einmal 1,23 Milliarden Euro an die BayernLB bezahlen. Damit betragen die Gesamtverluste der BayernLB für diesen Akquisitions-Ausflug in die austrische Haider-Provinz Kärnten gleichwohl noch fast 5 Milliarden Euro.

Sieben Milliarden Euro Miese für deutsche Banken?
Im Streit, ob die angelaufenen Schulden der Abwicklungsbank HETA , die sich im Falle deutscher Banken bereits auf rund 7 Milliarden Euro belaufen, einfach per Gesetz auf Null gesetzt werden können, hat der österreichische Verfassungsgerichtshof bereits in einer ersten Entscheidung über nachrangige Anleihen dieses Vorgehen für unzulässig erklärt.

Die Auseinandersetzung wird also weitergehen, letztlich wird aber wohl auch hier alles mit einem Schuldenschnitt von knapp 50% enden – macht immer noch Euro-Milliardenverluste für grenzenlos risikofreudige deutsche Banken.

Und nicht nur Kärnten wird weiter zahlen müssen (Haftungsvolumen: 11 Milliarden Euro), dazu ist es ohnehin allein nicht in der Lage, sondern auch die austrische Alpenrepublik.

Alles zusammen irgendwo zwischen 15 und 20 Milliarden Euro.

Die Ratingagenturen haben im Falle Kärntens bereits reagiert: Deutliche Abstufung der Kreditwürdigkeit auf „hochspekulativ mit negativem Ausblick“.

Schliesslich: der parlamentarische Untersuchungsausschuss. Der tagt seit März 2015 und hat bisher nichts wirklich neues zu Tage gefördert, das passiert wohl eher in den zahlreichen Strafverfahren.

So schreibt denn auch der Chefredakteur der Wiener Zeitung, Reinhard Göweil „Hypo Lärm um nichts“:

Der U-Ausschuss ist ein politisches Instrument, und da geht es halt auch um Inszenierung, nicht nur um Aufklärung….. der Erkenntnisgewinn ist gleich nulll …. und der Steuerzahler wird trotzdem Milliarden für eine ausser Rand und Band geratene Bank ausgeben müssen.“

Dürfte sich also etwas ändern? Wohl kaum. Der jahrzehntelange austrische Filz wird wohl weiter bestehen bleiben, die Politikverdrossenheit wird wohl weiter zunehmen, und damit erneut das Lotterbett bereiten helfen für populistische Politiker vom Schlage eines Haider, die scheinbar einfache Lösungen anbieten, und nichts als Flurschäden hinterlassen.

linkAustrische Hypo-Alpe-Skandalbank, das knüppeldicke Ende, Deutsche Banken und internationale Geierfonds/b>

Zentraler Artikel für alle bereits bis Dezember 2008 angelaufenen Hypo-Alpe Skandale
linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale

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