Medizin

Schlangengift-Antiseren herzustellen lohnt sich nicht – also weg damit

Dr. Alexander von Paleske —— 10.9.2015 —- Nach Schätzungen der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) werden jährlich 5 Millionen Menschen Opfer des Bisses einer Giftschlange, die Mehrheit in Afrika. 100.000 sterben daran, 400.000 tragen dauernde Schäden davon, wie notwendige Amputationen von Gliedmassen.


Giftschlangen – Jährlich 100.000 Tote durch Bisse

Erst die Behringwerke…..
In den 90er Jahren kaufte ich regelmässig in Deutschland Schlangengift -Antiserum ein. Hersteller damals: Die Behringwerke in Marburg. Diese Firma, seinerzeit zum Hoechst-Konzern gehörend, stellte jedoch diese Produktion ein.
Der Hintergrund: Aus dem Pharmabereich der Firma Hoechst wurde zunächst Aventis, und Aventis schliesslich von dem französischen Pharmariesen Sanofi übernommen.

Die Traditionsfirma Behringwerke wurde zerlegt und in Einzelteilen verkauft, die Produktion von afrikanischem Schlangengift-Antiserum 1996 eingestellt. Das war damals immerhin der Wochenzeitung DIE ZEIT einen Artikel wert.

„Die aufwändige Produktion des Serums erfordere einen hohen Preis“

hiess es von den neuen Herren in Marburg, die auf Biotechnologie setzten,

„und der lasse sich durch die Einnahmen nicht decken“.

Also weg damit.

…..dann Sanofi
Blieb in Europa nur noch eine hochqualitative Produktionsstätte: das Institut Merieux, zum Sanofi-Konzern in Frankreich gehörend, eine der grössten Pharmafirmen in Europa.

Aufwendige Herstellung.
Die Herstellung des Schlangengift-Antiserums ist in der Tat aufwendig, insbesondere Personalaufwendig:

– Ein Pferdegestüt und eine Schlangenfarm müssen unterhalten werden.

– Die Giftschlangen müssen regelmässig „abgemolken“ werden. Die Prozedur bedeutet das Festhalten der Schlange von mindestens zwei Hilfpersonen. Die Schlange muss dann ich ein Tuch beissen und ihre Giftdrüse entleeren.


Abmelken“ einer Giftschlange

– Das Substrat wird in einem Gefäss aufgefangen, und nach Verdünnung Pferden gespritzt, die dann Antikörper dagegen entwickeln. Das verarbeitete Pferdeserum mit den Antikörpern ist dann das Gegengift.

Vor einem Jahr eingestellt
Voriges Jahr hat nun auch das Institut Merieux die Produktion eingestellt.. Die noch vorhandenen Chargen dürften alsbald aufgebraucht sein, bzw. das Verfallsdatum überschritten haben.

Der Grund für die Aufgabe der Produktion: Kein Profit damit zu erzielen.

Zum Verkauf gestellt
Wer will, kann die Produktionsstätten, die Schlangenfarm und das Pferdegestüt von Sanofi übernehmen. Einen Käufer gibt es dafür jedoch (noch) nicht, denn mit dem Schlangengift-Antiseren lassen sich zwar viele Menschenleben retten, nicht jedoch Geld verdienen. Wozu also die Produktionsstätten kaufen?

Die Zeiten, als zum Beispiel in den Behringwerken die Produktion weitergeführt wurde, obwohl sich damit kein Geld verdienen liess, sind in der Pharmabranche offenbar längst vorbei. Hier regiert Shareholder-Value, auch bei Sanofi, ein Konzern mit Milliardenumsätzen Jahr für Jahr.

Die Strategie der Konzerne offenbar: alles wird auf den Prüfstand gestellt, Und wo kein Geld rausspringt: weg damit. Zumal es ohnehin arme Gegenden der Welt sind, die besonders von Schlangenbissen heimgesucht werden.

Humanität und Profit vertragen sich schlecht, nicht nur bei den Behringwerken und Sanofi.

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