SATIRE

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdoğan dankt Angela Merkel für die tatkräftige Wahlhilfe

Dr. Alexander von Paleske —– 2.11. 2015 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Recep Tayyip Erdoğan
Präsidentenpalais
Ankara
Türkei

An
Angela Merkel
Bundeskanzlerin
Im Regierungsviertel 1
Berlin
Deutschland

Guten Tag sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

ganz, ganz herzlichen Dank für Ihre Glückwünsche zum gestrigen Wahlsieg meiner Partei, der AKP.


Ich bei der Stimmabgabe gestern Screenshot: Dr. v. Paleske

Gerade über Ihre Gratulation habe ich mich besonders gefreut, kommt sie doch von einer wahren Unterstützerin, nicht nur der Türkei, sondern auch von mir und meiner AKP.


Strahle nach der WahlScreenshot: Dr. v. Paleske

Ihr Besuch bei mir so kurz vor der Wahl hat meinem Volk signalisiert: Der Erdogan hat viele mächtige Freunde im Westen, der macht offenbar die richtige Politik.

Das hat der Kurden-Partei HDP Stimmen gekostet und ich bin jetzt glücklicherweise nicht mehr gezwungen irgendwelche faulen Kompromisse mit irgendwelchen Oppositionsparteien schliessen zu müssen..

Taktik der Gewalt positiv überzeugend gewirkt
Die von mir eingeschlagene Taktik im Wahlkampf hat sich voll ausgezahlt.

Meine Idee war: wir kreieren Chaos und Unruhe und preisen uns dann als die einzigen Friedensstifter an, ein Prinzip, das wir uns bei der italienischen Mafia abgeguckt haben.

So haben wir als erstes den Waffenstillstand mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gebrochen, indem wir deren Stellungen im Irak und in Syrien angegriffen haben.

Wir haben inständig gehofft, dass die PKK so dumm ist, in der Türkei Rache zu nehmen, also unser Militär anzugreifen, und uns so nachträglich die Rechtfertigung für unser Vorgehen frei Haus zu liefern.

In die Falle getappt

Die PKK ist auch prompt in diese Falle getappt. Wir liessen uns dann die Gelegenheit nicht entgehen, auch PKK Hochburgen in unserem Land selbst, wie Dyabakir mit militärischen Mitteln eine blutige Lektion zu erteilen, die den Einwohnern signalisiert: Mit dem Erdogan ist nicht zu spassen. Besser wir wählen den und haben dann unsere Ruhe, statt die PKK zu unterstützen bzw. die HDP zu wählen..

Die Luftangriffe im Irak und Syrien haben wir unter dem Vorwand veranstaltet, die Terroristen des IS anzugreifen. Über deren Gebiet haben wir als Tarnung auch ein paar Bomben abgeworfen, die allerdings keinen grossen Schaden angerichtet haben.

IS kein wirklicher Feind
Nach wie vor haben wir kein Interesse daran, den IS mit Bodentruppen anzugreifen, und denen im Ruck- Zuck-Verfahren den Garaus zu machen, denn der IS hilft ja gerade uns auf vielfältige Weise:

– Zum einen den syrischen Präsidenten Assad loszuwerden, und damit die unerträgliche Schiiten(Alawiten)-)Herrschaft zu beseitigen.

– Zum anderen auch die Kurden in Kämpfe zu verwickeln. Kurden sind Kurden, ob Peschmerga oder PKK, alles die gleichen bewaffneten Schafshirten-Banditen, die von einem eigenen Kurdenstaat träumen.

Mit der IS in unserem Vaterland sind wir prima klargekommen. Deren Ausländerbrigaden liessen wir über unser Staatsgebiet nach Syrien einreisen.

Ausserdem haben sie zwei Attentate mit hoher Zahl an Toten organisiert, die sich gegen Kurden und deren Unterstützer richteten.

Zuletzt der grosse Anschlag in Istanbul. Davon hatten wir natürlich vorab über unseren hervorragenden Geheimdienst Kenntnis, der diese IS-Sympathisanten in dem kleinen Kaff namens Adiyaman überwachten, wo die sich in ihrer Teestube regelmässig trafen.


IS-Treffpunkt: Teestube in AdiyamanScreenshot: Dr. v. Paleske

Nach diesem Bombenanschlag waren viele noch schwankende Landsleute überzeugt: Wir brauchen vor allem Frieden, und den kann nur der Erdogan liefern.

Medien angegriffen
Dann haben wir schliesslich auch noch der liberalen Presse vor der Wahl einen Maulkorb verpasst und die missliebigen Stationen Bugün TV und Kanaltürk abgeschaltet.

Unsere Pläne nach der Wahl.
Als erstes werden wir die Demonstrationsfreiheit weiter einschränken, ebenso die Pressefreiheit.
Widerspruch gegen meine Politik wird nicht mehr geduldet.

Die Kozak-Ipek Medien Holding werden wir zerschlagen.

Ich selbst will eine Verfassungsänderung, um mich zum neuen Türkei-Kalifen, zum unumschränkten Herrscher aufzuschwingen.
Für meine hochfliegenden Pläne zur Rücksichtslos-Modernisierung brauche ich natürlich einiges Geld..

Meine Geldgeber
Zusagen habe ich bereits von Katar und der Wahabiten-Islamisten-Republik Saudi-Arabien. Beide verfolgen meine Syrien-Politik mit grossem Wohlgefallen.

Aber auch Deutschland muss zahlen, darauf haben wir uns beide ja prinzipiell geeinigt, als Gegenleistung dafür, dass wir unsere Küsten für Flüchtlinge unsicher machen, und den Verkauf von Schlauchbooten, Aussenbordmotoren und Schwimmwesten unterbinden.

Liebe Frau Merkel, ich denke, hier handelt es sich um ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Hunderttausende Flüchtlinge weniger gegen Multimilliarden für die Türkei. Das wird Ihnen auch innenpolitisch etwas Luft verschaffen.

Alles wird gut, Inschallah

Ihr sehr verbundener

Recep Tayyip Erdogan

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