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Afghanistan: Parole heisst: Weiter Krieg und Neue Heimat

Dr. Alexander von Paleske —– 21.12. 2015 — Heute wurden in Afghanistan sechs US Soldaten in der Nähe des wohl am besten bewachten Flughafens der Welt, Bagram Airbase, Kabul, von den Taliban getötet.

Helmand droht zu fallen

Gestern warnte der Vize-Gouverneurs der afghanischen Provinz Helmand, Mohammed Jan Rasuljar, vor einer bevorstehenden Machtübernahme der Taliban in seiner Region.
Nach Monaten schwerer Gefechte mit allein 90 Toten in den vergangenen zwei Tagen stehe die südliche Provinz am Rande des Abgrunds.

In den vergangenen sechs Monaten haben die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen in Helmand deutlich zugenommen. Rasulja beklagte, die Streitkräfte würden nicht ausreichend mit Lebensmitteln und Waffen versorgt. Die Verletzten würden nicht in Sicherheit gebracht.

ZEIT-Korrespondent empfiehlt Abzug
Der ZEIT-Korrespondent Ulrich Ladurner, der sich in mehr als 30 Reisen nach Afghanistan ein genaues Bild vor Ort verschaffen konnte, schrieb vor 4 Tagen:

Die Nato hatte zeitweise 150.000 Soldaten in Afghanistan zur Bekämpfung der Taliban stationiert. Viele Milliarden sind geflossen, um eine schlagkräftige afghanische Armee aufzubauen. Und heute sind die Taliban so stark wie zuvor. Was also ist schief gelaufen?
Die Taliban sind stark, weil der afghanische Regierungsapparat durch und durch korrupt ist. Der Westen trägt dafür eine große Mitschuld. Er überhäufte das Land mit Geld. Wer in Afghanistan an der Macht war, der konnte sich in den letzten Jahren die Taschen kräftig füllen. Die Afghanistanmission war freilich auch für viele westliche Firmen ein sehr profitables Geschäft, angefangen bei den privaten Sicherheitsfirmen.

Ladurners Fazit:

Der Westen hat sich in Afghanistan in eine aussichtslose Lage manövriert. Er kann weder bleiben, noch kann er gehen.
Aus dieser Lage muss sich der Westen, muss sich Deutschland befreien – und das geht nur, wenn er den Einsatz beendet. Das ist nicht ohne Risiko. Aber es ist unter den schlechten Optionen die beste.

Politische Falschmünzerei als gängige Währung
Vor diesem Hintergrund, einer völlig hoffnungslosen Lage, fand die Bundestagsdebatte am 17.12. 2015 über die Verlängerung und Aufstockung des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan statt.

Eine gespenstische Debatte in der Tat, in der nur die Beiträge des Grünen-Abgeordneten Ströbele, der seit Jahren sich gegen den Einsatz ausspricht, und der Linksfraktion, die geschlossen gegen den Einsatz votierte, als Appelle an die Vernunft herausragten.

Lächerlich das Argument der Verteidigungsministerin :

Immer häufiger gelinge es der afghanischen Armee nach Angriffen der Taliban, diese wieder zurückzuschlagen.

Und weiter:

Am wichtigsten sei es nun, die jungen, aufgeschlossenen ehrgeizigen Afghanen mit einer Verlängerung des Einsatzes und mit einer verstärkten Entwicklungshilfe wirtschaftlich und sozial zu unterstützen.

Grüner Unsinn
Die grüne Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger hatte folgendes zu verkünden:

Sie höre und erlebe es bei ihren Besuchen immer wieder, dass das Engagement in Afghanistan insbesondere für Frauen und Mädchen grosse Veränderungen gebracht habe. ….Allerdings sei es wohl die bittere wie traurige Wahrheit, dass man das Land nicht komplett befrieden und die Taliban nicht endgültig besiegen könne. Deshalb könne es für manche Afghanen die beste Lösung sein, wenn Deutschland ihnen eine Neue Heimat bietet.

Eine Analyse, wie es zu der gegenwärtigen Lage überhaupt kommen konnte, trotz 1 Billion US Dollar, die in das Land flossen – allerdings vornehmlich zur Ölung der Kriegsmaschinerie: Fehlanzeige. Stattdessen politische Falschmünzerei als gängige Währung.

Die Abstimmung nach der Debatte wie erwartet: 480 Abgeordnete dafür, darunter auch ein Dutzend unbelehrbarer Grüne, 112 dagegen.

Fazit
Die Lage in Afghanistan ist hoffnungslos, der Krieg nicht nur nicht zu gewinnen, sondern weitgehend verloren. Die Politiker von SPD, CDU, und Teilen der Grünen versuchen sich über diese Lage hinweg zu lügen, und die Bundeswehr-Soldaten dort zu verheizen.

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