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Zum Tod des italienischen Schwerverbrechers Licio Gelli

Dr. Alexander von Paleske —- 16.12. 2015 —- Gestern starb der wohl grösste Verbrecher Nachkriegs-Italiens, Licio Gelli, im biblischen Alter von 96 Jahren.
Die Gehilfen seiner kriminellen Aktivitäten sassen im Vatikan, in der Wirtschaft und in der Politik.

Grobe Verharmlosung
Die heutige Meldung dazu:

Gelli, einst ein Sympathisant der Faschisten, hatte 1970 die berüchtigte Freimaurerloge Propaganda Due (P2) gegründet, die tief im italienischen Establishment verwurzelt war und Politiker, Richter, Bankiers und hochrangige Armeevertreter zu ihren Mitgliedern zählte.

Das riecht nach grenzenloser Verharmlosung. Die brutale Wirklichkeit sah etwas anders aus:

Licio Gelli war der führende Kopf der grössten kriminellen Verschwörergruppe Italiens in den 70er und 80er Jahren, in der Anfangszeit wurde er auch vom CIA finanziert.


Licio Gelli

Rechtsradikale Loge als kriminelle Vereinigung
Diese Verschwörergruppe firmierte als Freimaurerloge mit dem Namen P2 (Propaganda Due).

Mitglieder waren:
– sämtliche Führungsoffiziere der Geheimdienste Italiens,

– 44 Parlamentsabgeordnete des Mitte-Rechts Spektrums,

– hochrangige Militärs (über 50 Generäle und Admiräle),

– hochrangige Angehörige der Justiz,

– katholische Kardinäle und Bischöfe

– leitende Geschäftsleute, darunter auch der spätere Regierungschef Silvio Berlusconi

Gelli machte aus der Loge P2 eine rechtsradikale terroristische Vereinigung, in der

– Mord

– Herbeiführen einer Bombenexplosion im Hauptbahnhof Bolognas mit 85 Toten und 200 Verletzten , ,

– Betrug

– betrügerischer Bankrott

– Börsenmanupulation

– Drogenhandel

– Finanzierung der und Geldwäsche für die Mafia

alles vorhanden war. Die Vatikanbank mittendrin.

Die Hauptakteure
Hauptakteure der kriminellen Aktivitäten neben Gelli waren:

– ;Roberto Calvi, Banker der später in Konkurs gegangenen Banco Ambrosiano, die eng mit der Vatikanbank zusammenarbeitete und wo der Betrug und die Geldwäsche sozusagen zum Tagesgeschäft gehörten.


Roberto Calvi……..täglich Betrug und Geldwäsche

Michele Sindona, Rechtsanwalt sizilianischer Herkunft, eng mit der sizilianischen Mafia, der Cosa Nostra verbunden, aber ebenso in den Anfangsjahren mit dem US-Geheimdienst CIA. Später wegen betrügerischen Bankrotts verhaftet. Zog die Fäden im Hintergrund, machte Calvi mit dem Vatikanbankchef Marcinkus bekannt und dirigierte aus dem Hintergrund die betrügerischen Transaktionen.


Michele Sindona …..Mafia-Rechtsanwalt, Geldwäscher, Banken-Bankrotteur und Strippenzieher.

Fanatischer Antikommunismus
Zusammengehalten wurde dieser Verschwörerhaufen durch den fanatischen Antikommunismus.

Gelli teilte mit, wann und gegen wen ermittelt wurde, und war vermutlich indirekt auch an der Ermordung des Ermittlungsrichters Emilio Alessandrini beteiligt, der das Verfahren gegen die Banco Ambrosiano führte.


Emilio Alessandrini ….ermittelte gegen die Finanzgangster und wurde ermordet.


Grabstein

– Ebenso an der Ermordung des Rechtsanwalts Giorgio Ambrosoli


Giorgio Ambrosoli

– an der Ermordung des Journalisten Carmine (Mino) Pecorelli.


Carmine Pecorelli

– und an der Ermordung des Polizeidirektors Boris Giuliano


Boris Giuliano

Ein Banker namens Erzbischof Marcinkus
Auf der Seite des Vatikans führte der Erzbischof Paul Casimir Marcinkus die (kriminellen) Geschäfte, in enger Zusammenarbeit mit dem Banker der Banco Ambrosiano, Roberto Calvi, der nach dem Zusammenbruch der Bank von der Mafia ermordet,und an einer Brücke über der Themse aufgehängt gefunden wurde.


Paul Casimir Marcinkus …..Papst Johannes Paul I wollte ihn rauswerfen, sein Nachfolger, Johannes Paul II (hier ebenfalls im Bild) hielt ihn im Amt.

Die Vatikanbank musste schliesslich an die Gläubiger der zusammengebrochenen Banco Ambrosiano zahlen…

Keine Strafverfolgung
Wer so gut vernetzt ist, wie Gelli es war, dem droht natürlich keine Strafverfolgung. So konnte Gelli seinen Lebensabend in der Toskana geniessen, und auf ein ereignisreiches (blutgetränktes) Leben zurückblicken. Bella Italia.

Zur Verbindung Banco Ambrosiano und Deutsche Börse-Tochter Clearstream

David gegen Goliath: Französischer Journalist Denis Robert obsiegt im Verfahren wegen übler Nachrede gegen die Deutsche Börse-Tochter Clearstream.

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