SATIRE

Ex-RAF’ler beschweren sich bei WELT-Chefredakteur Stefan Aust

Dr. Alexander von Paleske —- 20.1. 2016 —- Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox

Burkhard Garweg (47)
Daniela Klette (57)
Ernst-Volker Staub (61)

Herrn
Stefan Aust
Chefredakteur von Springer’s “Die WELT
Ex Chefredakteur „DER SPIEGEL
Ex Redakteur des Sex-Blättchens „St. Pauli Nachrichten
Axel Springer Haus
Axel Springer Gedächtnisplatz 1
Hamburg 36

Sehr geehrter Herr Aust,

Gestern erschien ein Artikel von Ihnen über uns mit der Überschrift:

“Offenbar sind die RAF- Rentner wieder im Einsatz”.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, dass Sie es dorthin geschafft haben, wo Sie eigentlich schon immer hingehörten: Zum Axel Springer Verlag.
.
Ihr gestriger Artikel ist nicht nur grottenschlecht, sondern geht glatt an der Wahrheit vorbei.


Springer-Mann Aust ……..grottenschlechter Artikel .
© Raimond Spekking /

Zur Klarstellung:

1. Wir sind keine Rentner, sondern im Ruhestand, also i.R.

2. Die Rote Armee Fraktion (RAF) ist tot, mausetot, wir haben das Projekt seinerzeit beerdigt und dies der Presse mitgeteilt. Eine Wiederauferstehung gibt es nicht. Wir haben erkannt, dass dieser Staat nicht zu besiegen ist, und langsam hatte sich Ernüchterung und Enttäuschung in unseren Hirnen ausgebreitet.

Natürlich stellt sich die Frage, warum wir nicht wieder in den Nahen Osten gehen, um dort ein wenig mitzuballern, aber mit den Allah u Akhba Schreiern von der IS haben wir nichts am Hut.

Wir sind grundsätzlich gegen Religionen, und uns würden diese IS-Salafisten vermutlich sofort als Selbstmordattentäter einsetzen.

Wir, die Revolutionäre, die wir einst mal waren, wollten hingegen die Weltrevolution nicht nur persönlich miterleben, sondern in dem neuen revolutionären Unterdrückungsapparat, wichtige Funktionen einnehmen: So hatten wir damit gerechnet, zumindest Volks-Kommissare für das Innere oder für die Revolutionsgefängnisse zu werden.

Gerade mit Gefängnissen kennen wir uns gut aus. Zum einen hat sich Ernst-Volker zeitweise dort aufgehalten, nachdem die Klassenjustiz ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt hatte, zum anderen hatten wir zusammen einen Knast, der kurz vor er Inbetriebnahme stand, am 27.3. 1993 mit einem grossen Bumm in die Luft gesprengt, ich meine den in Weiterstadt.

3. Wir drei sind jetzt mittellos, haben zwar theoretisch Anspruch auf Hartz IV, wie auch alle sonstigen ehemaligen Genossen, soweit sie noch leben und ihre Strafen abgesessen haben. Aber der Weg zu Hartz IV führt nur über das Gefängnis, und zwar zu einem langjährigen Aufenthalt dort angesichts der vielen Straftaten, die wir begangen haben, als die letzten Mohikaner der RAF.

4. Wenn wir nicht verhungern wollen, bleibt also nur der rechtswidrige Erwerb unseres täglichen Unterhalts. Ladendiebstähle kommen nicht in Frage, weil das Risiko von Greifern, also Ladendetektiven, erwischt zu werden, einfach zu gross ist.

5. Nach langer Beratung in unserer Dreierzelle haben wir deshalb beschlossen: Wir schlagen richtig zu und verschwinden dann für ein paar Jahre, leben von der Beute, bis die Gelder aufgebraucht sind.
Mit den Geldern, die wir am 30.7. 1999 bei unserem letzten erfolgreichen Überfall in Duisburg-Rheinhausen erbeutet haben, konnten wir immerhin unseren Lebensunterhalt für 16 Jahre bestreiten, eine schöne, lange, bleifreie Zeit.

Wir haben noch eine Panzerfaust und zwei Schnellfeuergewehre.
Die Panzerfaust dient nur zur Abschreckung, denn wenn wir die einsetzen, fliegt der ganze gepanzerte Wagen auseinander und das Geld verteilt sich überall hin, soweit es nicht verbrennt. Um das aufzusammeln haben wir keine Zeit. Darüber würden sich nur Passanten freuen, die dann die Scheine aufsammeln und in die eigene Tasche stecken. Aber die Bevölkerung sehen wir ohnehin als reaktionär an, warum sollen wir für die was Gutes tun?.

So sagen wir erst einmal bis bald, und ziehen uns vorübergehend in unseren abseits gelegenen Bahnhof zwischen Hamburg und Bremen zurück. Dort sind wir unbehelligt, keine Nachbarn, keine Polizei. Alternativ hatten wir auch an ein Wohnschiff in den Niederlanden gedacht, aber wir sind doch Deutsche, und fühlen uns in der Heimat am wohlsten.

Mit exrevolutionärem Gruss

Burkhard Garweg
Daniela Klette
Ernst-Volker Staub

Zu den Personen:

1. Ernst-Volker Staub, geb. 1954 in Hamburg, Studium abgebrochen, vom Bayerischen ObLG 1986 zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Gehörte vermutlich zur dritten und letzten Generation der RAF, die mit mehreren Morden in Zusammenhang gebracht wird, ebenso wie

2. Daniela Klette, Freundin von Staub, geboren 1958 in Karlsruhe.

und

3. Burkhard Garweg, geboren 1968, also ein echter 68er. Kein Schulabschluss, keine Berufsausbildung, lebte seinerzeit von Sozialhilfe, tauchte in den RAF-Untergrund ab und ward nicht mehr gesehen.

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