Krieg

Afghanistan, der Westen und das Leiden der Zivilbevölkerung

Dr. Alexander von Paleske —– 24.7. 2016 —


Der gestrige Anschlag mit 80 Toten und über 200 Verletzten in Kabul durch die islamistische Terrororganisation IS auf eine friedliche Demonstration der Hazara, .einer schiitischen Minderheit mit mongolischen Wurzeln, wirft erneut ein grelles Schlaglicht darauf, was der Westen mit seinem Einmarsch in Afghanistan letztlich dort angerichtet hat:


Demonstration der Hazara am 23.7. 2016

– Unvorstellbares Leid unter der Zivilbevölkerung: mehr als 11.000 Tote und Verletzte allein im Jahre 2015.

– Die Hälfte des Zivilbevölkerung Afghanistans lebt unterhalb der Armutsgrenze – und dies trotz der seit 2001 direkt und indirekt in das Land geflossenen rund 1 Billion US-Dollar, zum ganz überwiegenden Teil in den Krieg gepumpt, und die Taschen korrupter Politiker gefüllt.

Ein Krieg der – trotz der immensen verschwendeten Mittel, die ausgereicht hätten, um gleich mehrere Länder der Dritten Welt über die Armutsgrenze zu hieven – nicht zu gewinnen ist. Im Gegenteil: Mehr und mehr Gebiete Afghanistans, insbesondere im Süden, fallen unter die Kontrolle der Taliban.
Dazu noch:

– Korruption unvorstellbaren Ausmasses seitens der afghanischen Regierung.

– Vordringen seitens der Terrororganisation IS, der versucht, mit grosser Brutalität die Taliban noch zu überholen.

Interne Flüchtlinge
Starten wir mit der Zivilbevölkerung: Dank des Krieges sind seit 2001 rund 1,2 Millionen Menschen zu internen Flüchtlingen ohne Einkommensgrundlage geworden, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres allein waren es 118.000, und seit dem Jahre 2012 hat sich die Zahl der internen Flüchtlinge glatt verdoppelt.

Ein Zeichen für die Zunahme des brutalen Kriegsgeschehens in allen Provinzen nach dem Abzug der Alliierten.
Die Ernährungslage dieser internen Flüchtlinge ist miserabel. Viele leiden an Unterernährung.

Nur ein Fünftel der von der UN angeforderten Hilfe in Höhe von 393 Millionen US Dollar ist bisher zugesagt worden, nachdem das vom Krieg geschundene Land weitgehend aus den Weltnachrichten verschwunden ist.

Gesundheitswesen in der Notaufnahme
Das Gesundheitswesen ist ebenfalls völlig unzureichend und wird notdürftig mit Hilfe von Nichtregierungsorganisation wie Ärzte ohne Grenzen aufrecht erhalten, die zudem auch noch Angriffen seitens alliierter und afghanischer Truppen wie im Falle Kunduz ausgesetzt sind.
Letztes Jahr allein leisteten Mitarbeiter von MSF Geburtshilfe bei 69.500 Entbindungen.

Noch nicht alles
Die Schreckensbilanz ist jedoch noch nicht vollständig:

– 2,6 Millionen Afghanen sind aus dem Lande geflohen, mit einer grossen Zahl weiterer Flüchtlinge in Richtung Europa muss gerechnet werden.

– Eines von 10 Kindern schafft es nicht bis zum 5. Lebensjahr.

– Weniger als die Hälfte der Kinder besucht eine Schule.

– die Analphabetenrate liegt bei rund 70%.

– Im Human Development Index liegt das Land auf Platz 171 von 188 Staaten.

Ende nur mit Schrecken
Der Krieg muss beendet werden, und zwar durch Verhandlungen mit den Taliban, und das so schnell wie möglich. Dass dabei nichts, aber auch gar nichts von den ursprünglichen Kriegszielen der Alliierten erreicht werden kann, ist mittlerweile völlig belanglos.

Ein Ende mit Schrecken ist allemal besser als ein Schrecken ohne Ende, wie seinerzeit auch im Vietnamkrieg.

Ansonsten IS
Jede weitere Verzögerung ermöglicht die weitere Ausbreitung der menschenverachtenden IS-Terroristen, und wird darüber hinaus den Krieg auch noch in die nördlich angrenzenden, mehrheitlich islamischen Nachbarländer der ehemaligen UdSSR tragen

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