Entwicklungshilfe

Kuba und Fidel Castro – von Afrika aus gesehen

Dr. Alexander von Paleske ——- 30.11. 2016 —-
Viel wird in diesen Tagen nach dem Tode Fidel Castros über seinen Einfluss auf die politische Entwicklung in Lateinamerika gesprochen. Dabei wird gerne vergessen, in welchem Umfang Kuba geholfen hat, das Ende der Apartheid in Südafrika herbeizuführen.


Fidel Castro 1926 – 2016

Nicht nur dass es dem ANC im Exil in Angola geholfen hat, seine Freiheitskämpfer auszubilden, ebenso die Freiheitskämpfer Namibias (der SWAPO), es hat auch einen enormen Blutzoll für die Befreiung es südlichen Afrika geleistet: Rund 10.000 kubanische Soldaten wurden in den Kämpfen mit den südafrikanischen Armeeeinheiten und den Söldnertruppen des 32 Buffalo Bataillons getötet.

In der Schlacht von Cuito Cuanavale 1988, in die Fidel Castro befehlsmässig selbst eingriff, fand die bisherige militärische Überlegenheit Südafrikas ihr Ende.

Suche nach Frieden

Südafrika suchte nun eine Friedenslösung, weil es diesen Krieg nicht mehr gewinnen konnte, der auch im eigenen Land auf immer grösseren Widerstand traf. Junge Männer verweigerten den Wehrdienst weil sie sich nicht als Kanonenfutter in einem sinnlosen Krieg in den Nachbarländern verheizen lassen wollten.

Kuba und Apartheid-Südafrika nahmen Verhandlungen auf: Unabhängigkeit Namibias gegen Abzug der Kubaner aus Angola. Und so erlangte Namibia 1990 nach freien Wahlen die Unabhängigkeit, die kubanischen Soldaten zogen aus Angola ab, ebenso die südafrikanischen Truppen aus Namibia.

Der Krieg in Angola ging jedoch weiter – als Bürgerkrieg – und sollte noch 13 Jahre dauern, bis zum Tode des Rebellenführers Jonas Savimbi.

Ende der Apartheid, Kubas Anteil

1990 wurde Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen, und alle Repressalien gegen den ANC aufgehoben. Der Anfang vom Ende des Apartheidregimes
Kubas Anteil an der Befreiung des südlichen Afrika kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, und so war es nur konsequent, dass Nelson Mandela es ablehnte, die freundschaftlichen Beziehungen zu Kuba – trotz Drucks der USA – abzubrechen, und nun der südafrikanische Präsident Jacob Zuma zu den Trauerfeierlichkeiten nach Kuba reiste .

Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass die Politik der UdSSR in den 70er Jahren, die angolanische MPLA unter Agostinho Neto als alleinige Befreiungsbewegung anzuerkennen, den Keim zum 27 Jahre dauernden Bürgerkrieg schuf. Demgegenüber lehnte China eine derartige spalterische Politik strikt ab.

Vorbildliche Entwicklungshilfe

Ebenfalls nicht hoch genug kann die Entwicklungshilfe eingeschätzt werden die Kuba mit ärztlichem Personal geleistet hat und noch leistet. Mehr als 49.000 kubanische Ärzte und Schwestern arbeiten in 63 Dritte Welt Ländern. Ich selbst habe mit vielen kubanischen Ärzten in Simbabwe und Botswana bestens zusammengearbeitet, und mich hat ihr Einsatz – trotz des mageren Gehalts – immer wieder beeindruckt.
Auch während der Ebola Epidemie in Westafrika hat Kuba sofort reagiert, und medizinisches Personal in die betroffenen Länder Westafrikas gesandt: 165 Ärzte, das weitaus grösste ausländische Ärzte-Kontingent, das von einem Staat zur Verfügung gestellt wurde.

Gemessen an der Wirtschaftskraft hätten es aus Deutschland mindestens tausend sein müssen Stattdessen nur eine Handvoll.

Auf Notstand reagiert
In der 3. Welt fehlen schon seit Jahren rund 7 Millionen Ärzte, Krankenschwestern und weiteres Personal im öffentlichen Gesundheitswesen.

Kuba hat, darauf reagiert, und bildet seit Jahren Ärzte aus Dritte Welt Ländern aus – kostenlos.

Im Jahre 1998 wurde die Escuela Latinoamericana de Medicina die ELAM Medical School eröffnet, die ausschliesslich Ärzte aus unterentwickelten Ländern kostenlos ausbildet.
Mehr als 26.000 Studenten aus 123 Ländern haben ihr Medizinstudium dort absolviert, darunter auch mehrere Hundert US-Bürger, die aus armen Familien stammen, und sich ein Medizinstudium in den USA nicht leisten können. Null Studiengebühren, kostenlose Unterbringung, und etwas Taschengeld

Kubas Gesundheitswesen
Mittlerweile ist anerkannt, dass das Gesundheitswesen in Kuba selbst vorbildlich ist.

Wer akzeptiert, dass Gesundheitswesen in der Breite und für viele wichtiger ist, als einzelne Hochleistungsbereiche für wenige, der muss erstaunt feststellen:

– Kuba hat die höchste Ärztedichte in der Welt: 67 Ärzte pro 10.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Grossbritannien sind es 37 per 10.000-

– Ein Hausarzt und eine Krankenschwester kümmern sich um 150-200 Familien. Diese Ärzte leben in dieser Community, kennen die meisten beim Namen, und kennen auch die sozialen Probleme.

– Vorsorge steht an erster Stelle, resultierend in einer deutlichen Abnahme der Säuglingssterblichkeit um 40%. Die Säuglingssterblichkeit ist geringer als in den USA.

– Die Müttersterblichkeit konnte ebenfalls deutlich gesenkt werden: durch konsequente Vermeidung von Hausgeburten, und regelmässiger Ultraschall nach der 11. und 21.Schwangerschaftswoche.

Schwerpunkt Prävention
Dort gehen die knappen Ressourcen hin, durch rechtzeitige Erkennung und Behandlung beispielsweise von Herzerkrankungen können Krankenhauseinweisungen vermieden werden.

– Risikogruppen wie Hochdruckpatienten und Suchtgefährdete geniessen die besondere Aufmerksamkeit der Hausärzte.

Antwort der USA

Die USA reagierten darauf, allerdings kaum im positiven Sinne. Im August 2007 erleichterte die US-amerikanische Bush-Regierung die Einreisebestimmungen – für kubanische Ärzte und Krankenschwestern – natürlich mit dem Hintergedanken, die kubanischen Ärzte zur Flucht zu bewegen, im Falle Venezuelas beispielsweise nach Kolumbien. Ihr ist es völlig gleichgültig, ob die Bevölkerung in den Slums von Venezuela, auch dort arbeiten kubanische Ärzte, dort, wo kein venezolanischer Arzt arbeiten will, ärztlich versorgt wird. Amerika geht es darum, jegliches Programm, das den Goodwill Kubas auf dem lateinamerikanischen Kontinent erhöhen könnte, zu zerstören.

Die Ankündigungen des neugewählten US-Präsidenten Donald Trump auf den Tod Fidel Castros, alle von dem noch-Präsidenten Obama mit Kuba getroffenen Abmachungen zu widerrufen,, lassen nichts Gutes erwarten.

Kubas Gesundheitswesen – Modell für die Dritte Welt?
Post aus Bolivien

2 Gedanken zu “Kuba und Fidel Castro – von Afrika aus gesehen

  1. Sterben für eine gute Sache Mir kommen die Tränen. Die mehreren 1000 Toten die unter dem Castro Regime in Kuba umgebracht wurden lassen wir dabei mal lieber unter den Tisch fallen, denn die sind als Kollateralschaden ja für eine gute Sache gestorben.

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    1. Auch für Chile, Nicaragua, Argentinien etc? Darf ich davon ausgehen, dass Sie mit der gleichen Verve auch die Verbrechen der Putschisten in Chile verurteilen, die mit Unterstützung der USA 1973 an die Macht kamen und Tausende umbrachten, oder in Nicaragua, wo die USA mit einer Proxytruppe, den Contras einen Bürgerkrieg entfesselten, der Tausende das Leben kostete, oder in Argentinien in den 70er und 80er Jahren, wo Tausende aus Flugzeugen über dem Meer „entsorgt“ oder sonstwie umgebracht wurden?

      Die USA haben mit ihrem Jahrzehnte langem Embargo gegen den Inselstaat Kuba nicht nur einen Schaden von geschätzten 1 Milliarde US Dollar verursacht, sondern damit auch noch das innenpolitische Klima dort negativ beeinflusst. Das soll keineswegs die Unfreiheiten dort entschuldigen.

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