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Rohstoffmulti Glencore und die Paradise-Papers

Dr. Alexander von Paleske ——–12.11. 2017 —–

„Der Rohstoffkonzern Glencore/Xtrata gerät nach der Veröffentlichung eines riesigen Dokumentenbergs (von der Anwaltskanzlei
Appleby Global Group Services auf den Bermudas einmal mehr ins Scheinwerferlicht“.

heisst es in einem Zeitungsbericht, der sich auf Berichte im britischen Guardian und des schweizer Tagesanzeigers stützt.


Schweizer Rohstoff-Riesenkrake

Glencore ist bei der Jagd nach Rohstoffen insbesondere an Afrika interessiert: Getreu dem Motto des Glencore CEO Ivan Glasenberg:

„Wir brauchen Afrika, um die nächste Mineralien-Nachfrage zu befriedigen, wo sonst ausser in Afrika ist das sonst noch möglich“


Ivan Glasenberg

Reichtum und Armut
Das gilt insbesondere für die Demokratische Republik Kongo DRC) DRC, denn:
Der afrikanische Staat Kongo (Demokratische Republik Kongo, DRC) hat Rohstoffreserven im Wert von geschätzten 27 Billionen (27.000.000.000.000) US-Dollar, insbesondere Diamanten, Kassiterite (Quarzstufe mit Zinn) Kupfer, Kobalt, Coltan, Zink, Niob, Gold, Uran, Eisen und Silber.

Gleichzeitig gehört das Land, genauer gesagt: seine Bevölkerung, zu den ärmsten in Afrika. Der Grund: der Reichtum des Landes kommt nur zum aller geringsten Teil der Bevölkerung zugute.

Ein Mittelsmann namens Gertler
Nach den Paradise-Papers soll ein israelischer Mittelsmann namens Dan Gertler bei dem Erwerb von Schürfrechten in der Demokratischen Republik Kongo dem Rohstoff-Multi Glencore/ Xstrata, beheimatet in der Schweiz, ein wenig behilflich gewesen sein – natürlich gegen einen nicht zu kleinen Obolus


Dan Gertler

So lief die Chose
Und so lief die Chose mit den Schürflizenzen:.
Gerller erhielt von Glencore einen Kredit von 45 Millionen US
Dollar, um sich an der Firma Katanga Mining zu beteiligen., Die Firma sollte wertvolle Schürfrechte von der staatlichen Minen-Firma Gecamines erwerben. . Als das gelang kaufte Glencore die Firma.
.
Wer gut schmiert ——
Im Kongo läuft nichts ohne Verbindungen und kräftiges Schmieren. Sehr angenehm, wenn diese „Drecksarbeit“, die für Aktiengesellschaften strikt verboten ist, von einem Mann besorgt wird, der beste Verbindungen zum Regierungschef Joseph Kabila besitzt.
So bleibt alles an Gertler hängen, dem das vermutlich herzlich gleichgültig ist, aber nichts an der feinen Rohstoff-Firma Glencore aus dem feinen Schweizer Örtchen Baar..

Einer wie der andere
DRC Regierungschef Joseph Kabila führt das Land ähnlich wie der Vorgänger und Vater Laurent Kabila, und der wiederum wie sein von ihm aus dem Amts gejagter Vorgänger, der Kleptokrat Mobuto Sese Seko: also mittlerweile ohne demokratische Legitimation, da Kabila immer wieder Neuwahlen zu verhindern weiss.

Gertlers Weg in den Kongo und zu Kabila
Gertler taucht als Diamantenhändler im Kongo auf, zusammen mit Benny Steinmetz, Milliardär, und später mit dem Karstadt Eigner, dem vorbestraften österreichischen Milliardär Rene Benko, verbandelt.

Beide wollen die Alleinvermarktungsrechte für Kongos Diamanten, und bieten im Gegenzug viel Geld an, das die DRC-Regierung dringend braucht: Im Osten ist Krieg, der zweite Kongokrieg hat mit der Invasion Ruandas und Ugandas begonnen, wird 5 Jahre 1998-2003 dauern, und schliesslich rund 4 Millionen Menschen das Leben kosten

Staatschef Kabila braucht Waffen, um die Invasoren zu bekämpfen, die dabei sind, den Ostkongo zu plündern (Coltan, Gold und Edelhölzer).

Nicht nur Diamanten
Aber nicht nur Diamanten wollen Steinmetz und Gertler, sondern auch Schürfrechte für diverse Rohstoffe.

Die Panama-Papiere, und ein darauf gestützter investigativer Bericht in der südafrikanischen Zeitung Mail and Guardian haben im Jahre 2016 ein Licht auf die Aktivitäten der Glücksritter Gertler/Steinmetz geworfen. Wir schrieben:

Die Chose mit der Vermarktung der von Kabila gewährten Schürflizenzen läuft über Zwischenstationen, denn diese Lizenzen lassen sich ja nicht direkt an die Börse bringen, und so zum Vielfachen des Einkaufspreises losschlagen. Es müssen vielmehr Firmen gegründet werden, die zweierlei Voraussetzungen erfüllen

1. Die Akteure und den Transaktionsweg verschleiern

2. Keine Steuern zu zahlen

Kleine Helfer in der Bananenrepublik
Da kann die in Panama beheimatete Anwalts-Firma
Mossack Fonseca</i> helfen. Zur Gründung von Briefkastenfirmen und der Auswahl des geeigneten Steuerparadieses.


Mail and Guardian vom 15.4. 2016

Nachdem eine Firma gegründet ist, auf welche die Schürfrechte übertragen werden, können die Lizenzen dann an eine reputable Firma, entweder neu oder alt, übertragen werden, die dann an die Börse gebracht wird. Dort, wo dann durch Aktienverkauf so richtig dickes Geld fliessen soll.
Die Firma im Falle Gertler/Steinmetz heisst Global Enterprise Corporation (GEC). Die nächste Firmen-Station ist dann Nikanor, beheimatet schon auf der Insel Man, näher dran am Finanzzentrum London.
Der Börsengang brachte 15% der Aktien für Gertler, (Wert 225 Millionen US Dollar) ) und 60% für Steinmetz (Wert 900 Millionen US Dollar). Die Rehabilitation der Minen Tilwezembe, Kananga Brownfields, Kamoto east, Oliveira Virgule und FNSR , für welche die die Schürfrechte erteilt wurden kostete schätzungsweise 600-700 Millionen US Dollar geschätzt.
Gertler hatte für die Lizenzen läppische 3 Millionen US Dollar gezahlt.
Und ein Jahr später gab es für frische Nikanor-Aktien noch einmal 775 Millionen US Dollar.

Abzüglich der Rehabilitationskosten waren also rund 1 Milliarde US-Dollar im Sack

An der armen Bevölkerung vorbei
Das Geld hätte die Regierung der DRC, wenn sie denn die Interessen der Bevölkerung wirklich am Herzen gehabt hätte, selbst besser gebrauchen können, als bei Karstadt und Immobilien-Investitionen in Europa letztlich zu landen. Insofern gleichen sich Steinmetz/Gertler und die Regierung der DRC.

Wieder Gertler
Nun also wieder Gertler, aber diesmal brauchte nichts an die Börse gebracht und über Anwaltsbüros und Firmen in Panama verschleiert werden, sondern ganz einfach Schürfrechts organisiert, und dann ein Aktienpaket an die Firma Glencore weitergereicht werden, wie die Paradise Papers enthüllen.

Die Firma Appelby, im Zentrum der Paradise Papers, half dabei

Nur der Dreck
Der Bevölkerung bleibt von dem Reichtum nichts – oder?
Stimmt nicht ganz, denn die Umweltschäden bleiben der Bevölkerung, z.B. die von der Verarbeitung der Rohstoffe.

Die Sicherung der Umwelt bei solch potentiell gefährlichen Betrieben wie Rohstoffschmelzen, wo säurehaltige Chemikalien zum Einsatz kommen, ist teuer, nagt an den Profiten, und spült weniger Geld in die Taschen der Leute, aus denen das Geld in Milliardenhöhe bereits herausquilltt. Also einfach in der Umwelt entsorgen.

Glencore
ist an der Kamoto Copper Company ( KCC), beteiligt. Diese Firma betreibt eine Rohstoffschmelze, die bis dato hochgiftige ungeklärte Abwässer in den Luilu-Fluss leitete.

Enthüllungen der Paradise-Papers
Die Paradise Papers enthüllen nicht nur, wie Multis wie Apple, Nike etc. Milliardenbeträge in Steuerparadiesen wie der Isle of Man bunkern, völlig legal, sondern auch wie Grosskonzerne indirekt durch Mittelsmänner, welche die Drecksarbeit besorgen, an Schürfrechte gelangen, und dann die Ausplünderung betreiben.

Aber auch wie z.B. Fischereifirmen in Namibia ihr Hauptquartier nach Mauritius verlegen, wo kaum Steuern bezahlt werden – im Briefkastenformat nach Vorgaben der Firma Appleby versteht sich.

Ein unerträglicher Zustand.

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