afrika

Simbabwe nach Mugabe

Dr. Alexander von Paleske — 26.11. 2017 —
Es war eine Atmosphäre wie in Portugal 1974: Das portugiesische Militär hatte damals geputscht und den faschistischen Diktator Caetano verjagt. Die Hintergründe waren – neben der brutalen Unterdrückung der Bevölkerung – die blutigen und sinnlosen Kolonialkriege in Afrika, die das Militär nicht länger führen wollte.

Das Volk feierte die Militärs als Befreier, und steckte Nelken in die Gewehrläufe der Soldaten.

Die Nelkenrevolution wie sei genannt wurde, brachte nicht nur Portugal die Demokratie, sondern auch den Kolonien nach langem Befreiungskampf die Freiheit.

Putsch oder nicht – egal
Am 14. November putschte das Militär in Zimbabwe, setzte den Präsidenten Mugabe und seine machhungrige Ehefrau „Dr.“ Grace (Spitznamen: Grace Gucci bzw. Imelda Mugabe) unter Hausarrest, und verhaftete deren politische Verbündete, an der Spitze Jonathan Moyo, Saviour Kasukuwere und Ignatius Chombo ( in dessen Haus 10 Millionen US Dollar in bar gefunden und das angeblich von israelischen Scharfschützen bewacht wurde)

Fast geschafft
Grace Mugabe hatte es fast geschafft, die Voraussetzungen für ihre Nachfolge im Präsidentenamt zu schaffen. Insbesondere den Vizepräsidenten Mnangagwa entlassen, der daraufhin nach Südafrika flüchtete, als das Militär zuschlug, es aber gleichwohl nicht als Putsch bezeichnet wissen wollte, weil derartige Machübernahmen in Afrika mittlerweile verpönt sind.

Das Volk feiert
Vier Tage später, am Samstag den 18.11, nach einer Phase des ungläubigen Staunens, demonstrierte, nein, feierte die Bevölkerung das politische Ende Mugabes.

Hunderttausende gingen auf die Strasse in der Hauptstadt Harare, und in Städten Bulawayo (ich war dabei), Gweru, Masvingo und Mutare.

Die Soldaten auf den Panzern und Mannschaftswagen wurden überschwenglich begrüsst und am folgenden Dienstag,, dem 21.11. leitete das mehrheitlich von der Regierungspartei dominierte Parlament das Absetzungsverfahren ein, nachdem Mugabe zwei Tage zuvor in einer Fernsehansprache es abgelehnt hatte, zurückzutreten.


Bevölkerung feiert die Soldaten

Am 21.11. kam Mugabe der Amtsenthebung durch seinen Rücktritt zuvor, nachdem mit einem goldenen Handschlag von 10 Millionen US Dollar Ablösungssumme und Zusage der Straffreiheit für ihn und seine Gattin, der Abtritt schmackhaft gemacht worden war.

Kaum für möglich gehalten, aber dennoch geschehen
Was Tage zuvor kaum jemand für möglich gehalten hatte, geschah: Afrikas einst grosser Freiheitskämpfer

– der zum Massenmörder durch den Genozid im Matabeleland in den 80er Jahren wurde, ein Genozid, der rund 20.000 Menschen das Leben kostete,

– der danach im Laufe der Zeit zum brutalen Unterdrücker und Wahlfälscher wurde,

– der das Land in den wirtschaftlichen Ruin mit einer Arbeitslosenrate von 90%, und in ein Paradies der Korruption geführt hatte,

war von der Armee entmachtet worden. Der neue starke Mann: Armeechef Constantino Chiwenga.
Der ebnete dem vom Mugabe abgesetzten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa, (Spitzname: Das Krokodil) den Weg ins Präsidentenamt..

Am vergangenen Freitag wurde er als Staatspräsident unter grossem Jubel als Nachfolger Mugabes im Amts des Staatspräsidenten vereidigt.


Mnangagwa mit Frau bei der Vereidigungsfeier

Mnangagwa, der als Mugabes rechte Hand und treuer Verbündeter seit 1980,, bis er seiner Frau auf dem Weg nach oben im Wege stand, für Mugabes Missetaten mit verantwortlich war, ist nun der Hoffnungsträger.


Skeptisch: Südafrikas berühmter Cartoonist Zapiro

Wie konnte das geschehen?
Ein Hoffnungsträger kann nur werden, wenn vorher Hoffnungslosigkeit herrschte. Und genau das war der Fall:

– Wenn von 10 Erwachsenen nur einer geregelte Arbeit hat,

– wenn die natürlichen Ressourcen vorwiegend das dienen, die Elite zu mästen,

– Wenn die Minister den Staat als Selbstbedienungsladen ansehen,

– wenn die Korruption auf Autopilot läuft,

– wenn keinerlei vernünftige Entscheidungen getroffen werden, um die Wirtschaft wieder flott zu machen, und Arbeitsplätze zu schaffen

– wenn das Gesundheitswesen verrottet

– wenn dann noch die gierige und machthungrige Ehefrau, die Nachfolge ihres Gatten antreten wollte. Eine Frau, die auf illegale Weise sich mit einem Doktortitel schmückte, die sich 10 Farmen unter den Nagel gerissen hatte, die für sich selbst und ihren Sohn aus erster Ehe jeweils gerade brandneue Rolls Royce Limousinen in Empfang genommen hatte, und deren Söhne aus der Ehe mit Mugabe, die in Südafrika ein Luxusleben führten, ihre 40.000 Dollar teuren Uhren mit bestem Champagner reinigten – und noch damit prahlten – und die Durchschnittsbevölkerung von 1 Dollar pro Tag leben muss

. wenn also keine substantielle Veränderung zum Besseren zu erkennen war,.

dann musste selbst jemand wie Mnangagwa als Hoffnungsträger erscheinen, der im Hintergrund die Fäden zog, als das Militär Mugabe entmachtete.

Selbst der treue Verbündete, die Volksrepublik China, hatte angesichts der hoffnungslosen Zustände jegliche wirtschaftliche Unterstützung eingestellt.

Mnangagwas Plan
Mnangagwa will die uferlose Korruption bekämpfen, die Wirtschaft ankurbeln und die Menschenrechte wie auch freie Wahlen im nächsten Jahr garantieren.

Ausserdem will er in seine Regierungsmannschaft Mitglieder der Opposition aufnehmen. Zu einer formalen Koalition mit der zersplitterten Opposition wird es allerdings nicht kommen.

Time will tell

Die Zeit wird zeigen, ob Mnangagwa es mit seinen angekündigten Reformen ernst meint.

Prinzipiell ist Simbabwe ein potenziell reiches Land, nicht nur mit Bodenschätzen und fruchtbarem Land gesegnet, einer immer noch guten Infrastruktur, sondern auch mit einer hervorragend ausgebildeten Bevölkerung: Die Analphabeten-Rate ist mit weniger als 15% sehr niedrig. Der Prozentsatz der Universitätsabsolventen der höchste in Afrika. Die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Erholung könnten also besser nicht sein.

Die hohen Erwartungen und Hoffnungen, welche die Bevölkerung mit der neuen Regierung verbindet, werden sich jedoch so schnell nicht erfüllen lassen, zu sehr ist der Karren in den Dreck gefahren, dass es einer längeren Zeit bedarf, ihn wieder flott zu machen.

Ganze Industrien wie die Textilindustrie, verschwanden. Die Mugabe Regierung interessierte das alles nicht, solange noch genug Geld für sie selbst da war.

Wenig Besserung in naher Zukunft
Akademiker werden also weiter wie bisher – und wie viele andere Arbeitslose – als fliegende Händler an den Strassenecken Zigaretten, Bonbons und Blumen verkaufen, oder in Südafrika zu Hungerlöhnen als illegale Immigranten – und damit rechtlos – als Kellner oder Gardenboys sich ausbeuten lassen müssen.

Mittlerweile leben rund 4 Millionen Simbabwer dort, die Mehrheit ohne Arbeitserlaubnis..

Wenn Simbabwe näher an Europa läge, dann würden sich sicherlich viele auf den Weg dorthin machen, und, im Gegensatz zu der grossen Zahl unausgebildeter Menschen aus anderen afrikanischen Ländern, viel leichter integrierbar sein.

Wenn….

Gestern vor 40 Jahren: Nelkenrevolution in Portugal und die Folgen

Übersichtsartikel
linkSimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
linkDie
Hexenaustreibung der Präsidentengattin

linkSimbabwe: Das politische Ende des Präsidenten Robert Mugabe

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