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Der implantierbare Chip erreicht die Schweiz

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Stephan Fuchs – In einer Presserklärung vom 10. November 2003 gab Applied Digital Solutions Inc., eine Hightech Firma aus Palm Beach USA bekannt, dass ihre Tochterfirma Verichip Corporation einen Kaufauftrag über 400 implantierbare Chips und 34 Scanner erhalten habe. Käuferin ist das schweizerisch russische Unternehmen RussGPS, mit einem exklusiven Verkaufsrecht des implantierbaren Chips für die Schweiz und Russland.


Gläserner Mensch?

Verichip ist der erste implantierbare Mikrochip in Form eines Reiskorns, der einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Nach Mexiko, Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Uruguay und Spanien und einer groß angelegten Werbetour in Nordamerika, wird Verichip nun also auch in der Schweiz und in Russland aktuell. Alleine in den Südamerikanischen Absatzländern werden in den nächsten vier Jahren 135’000 Chips und 7.650 Scanner ausgeliefert. Eine Risikomanagement Gruppe, die Metro Risk Management Group mit Sitz in Miami beliefert in diesen Ländern den Markt. Die Firma wurde 1998 von Sicherheitspersonen aus CIA und FBI gegründet und spezialisierte sich auf Antiterrorismus, Geiselbefreiung und Überwachungsfragen.

Der schweizerische Vertragspartner von Verichip ist RussGPS, ein Tochterunternehmen von Russline.ru. Die Firma Russline.ru, ist ein Joint Venture russischer Investoren und dem schweizerischen Internet Service Provider SwissWeb GmbH in Zürich. RussGPS, mit Büros in Moskau und Zürich hat sich auf die Lokalisierung von Fahrzeugen und Personen spezialisiert. In einer ersten Tranche verpflichtete sich RussGPS zum Kauf von insgesamt 1000 implantierbaren Chips sowie 100 Scannern. Über die nächsten fünf Jahre, so der Deal, verpflichtet sich RussGPS zu einem Ankauf von mindestens 51’000 Chips und 2’600 Scannern, um die Exklusivverkaufsrechte über den schweizerischen und russischen Markt behalten zu können. RussGPS möchte Verichip vor allem im Sicherheits- und Identifikationsbereich anwenden.

Die Technologie an und für sich ist nicht neu. Schon lange werden Kühe, Katzen und Hunde mit Chips implantiert, doch die Implantation beim Menschen weckt Ängste.

Noch 1999 frohlockte die Firma Applied Digital Solutions ADS mit einem Produkt namens „Digital Angel“. Angekündigt wurde dabei ein Chip, der unter die Haut des Menschen implantiert werden kann und einer Vielzahl von Zwecken dienen sollte. Als primäre Anwendung sah ADS den E-Commerce, da mit solchen Chips jeder Anwender zweifelsfrei seine Identität ausweisen könnte und über das vom Militär gebaute und nun auch zivil nutzbare Satelliten-Ortungssystem GPS lokalisierbar gewesen wäre. Richard Sullivan, Vorsitzender der Firma, prophezeite sich und den staunenden Medienvertretern einen Markt von 100 Milliarden Dollar allein in Nordamerika.

ADS-Entwicklungschef Peter Zhou verglich „Digital Angel“ damals mit einer Impfung: „Beide retten Ihr Leben. Als die Impfungen aufkamen, waren die meisten Menschen dagegen. Aber heute verschwenden wir keinen Gedanken mehr darüber.“ Zhou orakelte gar, „Digital Angel“ werde eine Verbindung bilden vom Menschen zur elektronischen Welt: „Er wird Ihr Beschützer sein. Wir werden eine Hybride sein zwischen elektronischer Intelligenz und unserer eigenen Seele.“

Zhou war zu euphorisch. Der Chip für unter die Haut stieß auf harsche Kritik. Unter dem lauten Protest verschiedener Bürgerrechts- und besorgter christlicher Gruppen musste ADS den „digitalen Engel“ schnell wieder in der Schublade verstecken. Die Firmenleitung dementierte dann plötzlich, dass sie je ernsthaft über die Implantierung des Produktes nachgedacht hatte. In sozusagen abgespeckter Form ist der „Engel“ zurzeit nur als Armbanduhr oder Fußfessel für flügge Kinder, leichte Sträflinge und Alzheimerkranke zu haben.

Doch inzwischen hat sich die Situation wieder geändert. Seit das Sicherheitsbedürfnis der Bürger durch die terroristischen Aktionen in Amerika überbordete, ist auf dem Sicherheitssektor alles möglich und die führenden Köpfe bei ADS witterten Morgenluft.
Verichip ist ein in Glas gehüllter Mikrochip, der 12 Millimeter lang, 2,1 Millimeter im Durchmesser und unter der Haut eingepflanzt wird. Der Winzling in Form eines Reiskorns kann mit einem alpha-numerischen Identifikationscode zur sicheren Identifikation des Trägers und mit lebenswichtigen Informationen geladen werden, die bei einem Unfall einem Arzt schnelle und richtige Hilfe erlauben könnten.

Als Erstes dachte man an die Feuerwehrleute von New York, das Militärpersonal und alle andern, die mit „Verichip“ ein größeres Sicherheitsgefühl entwickeln möchten und gerne bereit sind, sich einen Chip implantieren zu lassen. Die Prozedur wird ambulant getätigt. Ein kleiner Pieks und ein Pflaster, fertig ist das Implantat und selbstverständlich ist es freiwillig.

Interne, also im Chip integrierte Energie, braucht der „Verichip“ nicht, denn er lässt sich lesen, sobald er von einem Scanner erkannt wird und somit der unauslöschliche Identifikationscode auf dem Display des Scanners erscheint … ähnlich wie in der Migros.

Gefertigt wird der Verichip von Raytheon Microelectronics Espãna S.A., eine Tochterfirma einer der weltgrößten Rüstungskonzerne, Raytheon. Zwei Drittel des Firmenumsatzes kommen aus den verborgenen Ecken der verschiedenen Nachrichtendienste wie der National Security Agency NSA und des Verteidigungsministerium.

Vom implantierbaren Chip für Tiere zum Verichip ist es ein kleiner Schritt. Die Firma Destron Fearing, die seit den fünfziger Jahren auf dem Gebiet der Tieridentifikation arbeitet, vermarktete bereits 1987 implantierbare Chips für Tiere. 1991 wurde deren Radiofrequenz Identifikations-Technologie von Hughes Aircraft Corporation gekauft, eine auf Kampfflugzeug- und Weltraumtechnik spezialisierte Firma in Amerika.

Hughes Aircraft modifizierte den Chip in der auf Zugangsberechtigung spezialisierten Abteilung „Hughes Identification Devices“ zum Humanimplantierbaren Chip. Die Ausweitung der Anwendung vom Tier zum Menschen geht patentrechtlich relativ einfach. Man stützt sich auf die evolutionistische Biologie, wo der Mensch als höheres Säugetier eingestuft wird, und schon ist das Problem gelöst. Don Small, Vizepräsident von Hughes Identification Devices: „Definieren wir ein Tier als Säugetier, schließt dieser Begriff den Menschen selbstverständlich mit ein.“ Der für Menschen modifizierte Chip wurde schließlich 1997 von Raytheon aufgekauft und Hughes Microelectronics Espãna S.A., da wo die Chips hergestellt werden, wurde nun zur Raytheon Microelectronics Espãna S.A. umbenannt und beliefert Destron Fearing, die mittlerweile mit Applied Digital Solutions fusionierte, welche eben den „Verichip“ anbietet.

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Chipen bis die Leiche qualmt
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Schwofen bis der Chip qualmt
Zu Besuch im Ministerium für Wahrheit
href=“http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/444254/“>Verichip geht ins All.
Die große Welt der kleinen Chips
Der implantierbare Chip erreicht die Schweiz

zeitgeschichte

Bimmerl Bammerl Weihnachtsmannderl

Viel weiss keiner über den Weihnachtsmann. Im 4. Jahrhundert, vermutlich war er Bischof, lebte er wohl im türkischen Myra und ist etwa zwischen 345 und 352 in den Himmel gekommen, nachdem er damals schon einige Wunder vollbrachte. Drei armen Mädchen schenkte er reichlich Gold um ihnen die Heirat zu ermöglichen. Er rettete drei Unschuldige vor dem Blutrichter und soll drei zerstückelte und eingepökelte Schüler wieder zum Leben erweckt haben. Handfest erinnert an ihn nur ein Sarkophag in der Basilika, obschon die Gebeine verschwunden sind. Einzig ein paar Skelettreste werden noch im nahen Antalya aufbewahrt und ob die wirklich vom heiligen Nikolaus sind vermag wohl niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Und doch: im kleinen Park von Myra, umgeben von Bäumen, Fächerpalmen und Rosen, steht er auf einem runden Sockel, hat einen Vollbart und einen langen Mantel mit Kapuze. Einige Kinder schmiegen sich an ihn und wer weiss, vielleicht sind es die zum Leben erweckten eingepökelten, aber auch das weiss keiner so recht. Eines ist sicher: er zeigt sich als der den wir alle aufs innigste lieben: Nikolaus der Weihnachtsmann, in voller Pracht. Aber, der Mann hat’s Faustdick hinter den Ohren.

Der Weihnachtsmann ist ein Tausendsassa der Wandlung. Die Katholiken von heute kennen ihn als Christkind, paradoxer weise als eine Schöpfung von Martin Luther. Zu Luthers Lebzeiten wurden Kinder am 6. Dezember, dem eigentlichen Nikolaustag beschenkt. Da eilten Nikolaus und seine Gehilfen von Haus zu Haus und verteilten Birnen an die übers Jahr als brav aufgefallenen und für die bös gefallenen, gab es die Rute. Die grosse Bescherung, so wie wir sie heute kennen, existierte damals noch nicht und die Protestanten lehnten die katholischen Heiligen fundamental ab. Damit war das Problem freilich nicht aus der Welt und schon gar nicht im Himmel, denn die Protestanten wollten vom Nikolaus-Brauch, wohl aus einem praktischen, pädagogischen Aspekt nicht abrücken. Luther der Schlaumeier, ersetzte deshalb den Nikolaus durch den Heiligen Christ bzw. das Christkind, das an seinem Geburtstag, dem 25. Dezember, Geschenke an die braven Kinder verteilt. Im 19. Jahrhundert wurde das Christkind dann von der katholischen Kirche übernommen, während es im protestantischen Weihnachtsbrauch eine immer geringere Rolle spielte, sich quasi aus dem Staub machte und langsam vom säkularisierten Weihnachtsmann verdrängt wurde. So kommt das ursprünglich protestantische Christkind heutzutage vor allem in katholischen Haushalten vor. Ob Katholik oder nicht, der Weihnachtsmann, der liebe Opa mit der lustigen Zipfelmütze, ist ein Zwitter.

Dargestellt als freundlicher alter Mann mit langem weißem Bart, gehüllt in seine rote, mit weißem Pelz besetzter Kutte, über seine starke Schulter gestemmt den prall gefüllten Geschenk-Sack und in seiner Hand, es ist dies in der Regel die Rechte… die strafende Rute. So bringt er den lieben Kindern in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember Geschenke und bestraft die bösen. Bei der Gelegenheit erinnere ich mich, wie ich als Kind tatsächlich angsterfüllt unter das Bett gekrochen bin. Das schlechte Gewissen, übers ganze Jahr sukzessive aufgebaut, muss sich wohl auf einen Schlag in Angst und Entsetzen umgewandelt haben. Der Weihnachtsmann vereinigt merkwürdigerweise die Eigenschaften des gutmütigen Sankt Nikolaus und seines strafenden Knechtes Ruprecht, der die Ruten verteilt oder noch schlimmer dem Krampus, der damit auch häufig kräftig zuschlägt.
Die europäischen Auswanderer schließlich, brachten den St.-Nikolaus-Brauch quasi als blinden Passagier mit nach Amerika. Insbesondere in den holländischen Kolonien um New York, wurde das Sinterklaas feest gefeiert und aus Sinterklaas wurde Saint Claus und schließlich Santa Claus. Im Jahre 1823 wurde daraus eine ganze Armada von Renntieren die einen sagenhaften fliegenden Schlitten hinterher zogen. Im Gedicht A Visit From St. Nicholas, von Major Henry Livingston Jr. wurde diese Geschichte zum ersten Mal veröffentlicht. Durch diese Geschichte erst, kam der Santa Claus richtig in Fahrt: Heimlich steigt er nun durch die Kamine in die Häuser, macht sich auf die Suche nach Socken und, heute wäre das ja umgekehrt, er nimmt nicht etwa Wertsachen mit, sondern bringt Geschenke. Seine Renntiere, Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen, warten derweil beim Kamin auf die Rückkehr des Helden. Und so zieht der Santa Claus, vom hohen Norden her kommend mit einer Schar stolzer und mutiger Renntiere von Haus zu Haus. Ab 1862 bekommt der Himmelsreiter, stets in höllischem Tempo unterwegs, vom deutschstämmigen Cartoonist Thomas Nast für die Zeitschrift Harper’s Weekly einen rauschenden Bart um sein Kinn. Am 27. November 1927 schrieb die New York Times: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht und Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“ Dies war also der Moment, als Santa Claus zur DIN Norm wurde, den kindlichen Träumen und Vorstellungen entrissen und als Produkt auf den freien Markt geworfen wurde. Vermarktet wurde der gute alte Mann aber erst richtig 1931. Damals beauftragte die Coca-Cola Company den schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom den Santa Claus für eine winterliche Werbekampagne zu zeichnen. Sundblom schuf einen sympathischen, knudligen „Weihnachtsmann zum Anfassen“, ziemlich genau so wie er heute durch die Kamine steigt. Seine Vorlage war das Gesicht eines pensionierten Coca-Cola Fahrverkäufers und seit dem waren manche sicher, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung von Coca-Cola. Was für eine Strategie!

Aber da muss mehr als Coca-Cola dahinter stecken. Wenn wir den Weihnachtsmann auf seinem Schlitten, im Höllenritt gezogen von 8 wilden Renntieren, seinen Rauschebart heroisch wehend über unsere Gassen und Dächer flitzen sehen, dann ist das der pensionierte Coca-Cola Fahrverkäufer, auf… Speed? Muss er! Wie sonst sollte er die über 93 Millionen europäischen Haushalte beliefern und dann das ganze noch einmal – plus einige Haushalte mehr – in Amerika. Wohl gemerkt einen Tag später. Damit aber nicht genug, denn bekanntlich gibt es ja noch einige christliche Enklaven im Süden und im wilden Osten und in Asien, wo ebenfalls brave Kinder auf einen grossen Lego-Baukasten, einen Game-Boy, oder eine Barbie-Puppe warten. Die meisten von ihnen allerdings, warten wohl leider das ganze leben, aber da kann der liebe Weihnachtsmann natürlich nichts dafür. Auch wenn der Weihnachtsmann in einigen Ländern Probleme mit den Einreise-Bestimmungen bekommen würde, keinen gültigen biometrischen Ausweis vorzeigen könnte, beim Drogen-Test positiv auffallen könnte, seines Bartes wegen als verkleideter Taliban durch Spezialisten auf geheimen Stützpunkten verhört würde, oder schlicht durch Flak- Feuer getroffen notlanden müsste, der Weihnachtsmann ist ein armer, gestresster Kerl.
Für jede Familie hat er nämlich, Anfahrt inbegriffen, nur mal knapp eine tausendstel Sekunde Zeit. Da bleibt nicht viel zum plaudern und schon gar nicht zum prügeln. Aus Kinderaugen betrachtet, ist die zeittechnische Situation in Kinderheimen natürlich interessanter. Offensichtlich gibt es da einen Quantums -Zeit -Rabatt, was dem Weihnachtsmann wirklich hoch angerechnet werden kann. Naturgemäss müssten dem Kinder Held eigentlich solche Visiten besser behagen, doch seine Verpflichtung will möglichst breit gestreut sein. Wenn also jedes Kind ein mittelgrosses Lego-Set bekommen würde, welches in etwa einem Kilogramm entspricht, sofern sich das die Zulieferer des Weihnachtsmannes nach den Steuern und Krankenkassen Prämien noch leisten können, dann hat der Schlitten ein Gewicht von sagenhaften 378.000 Tonnen. Für den Transport dieser gewaltigen Tonnagen an Legos würde er 210 000 Rentiere und entsprechend viele Schlitten benötigen. Mindestens 120 Millionen Kilometer müsste er so, man beachte, der Erdumfang liegt bei etwa 40’000 Km, in rund 36 Stunden zurücklegen. Das würde die 4000fache Schallgeschwindigkeit erfordern. Beim Anfahren müssten er und seine Rentiere das 17 500fache der Erdbeschleunigung aushalten – da kommt jede Zipfelmütze ins glühen.

822,6 Besuche pro Sekunde! Man stelle sich das mal bildlich vor! Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, sofern Klettern hier noch in Frage kommt, die Socken füllen, sofern sie nicht versteckt sind, die übrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, wenn er denn da unter den Baum kommt und sortiert nach Name, alle übrig gebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, man denke an den Bauch, den Schornstein wieder raufklettern, wenn er denn noch rein passt, reingehechtet in den Schlitten, wenn die Renntiere noch am stehen sind und hopp zum nächsten Haus geflogen. Hut ab, denn das ist ein Wunder! Doch ist das zulässig? Aus rein menschlich-ethischen und aus Gründen des Tierschutzes müsste man nämlich konsequenterweise scharf für eine Kriminalisierung der Kinder und Jugendlichen plädieren in der Hoffnung, der Weihnachtsmann könnte dadurch ein bisschen entlastet werden. Doch wollen wir das? Hand aufs Herz, zu uns Erwachsenen kommt der Weihnachtsmann ja nur nicht, weil er durch seinen Stress keine Zeit dazu hat um uns mit der Rute zu prügeln.

medien

Die Choreographie ziviler Gewalt

Der Krieg wird zivil. Die Grenzen zwischen Realität und Spiel werden unklar. Die Gefahr hieraus könnte für zukünftige Gesellschaften hohe Risiken bergen: Der Zivilist wird zum Krieger.

Orson Scott Card schrieb 1985 den Science Fiktion Bestseller „Enders Game“ eines jener großartigen Bücher, das der Welt von Gestern das Morgen vorweggenommen hat.[1] In dem Buch entdeckt eine Gruppe Kinder die sich bei atemberaubenden Video Spielen messen, dass sie eigentlich vom Militär missbraucht werden um in richtigen Kriegen zu kämpfen. Das Computer Spiel, von den Kids in einer virtuellen Welt gespielt, wird so plötzlich zum Kampf gegen einen sehr lebendigen Feind. Es verwischt die Realitäten verschiedener Räume. Der Raum der festen Materie des Kriegsschauplatzes verschmilzt mit der Welt des Cyberspace der sich in konstruierten Räumen abspielt. Für Kids natürlich ein atemberaubendes Erlebnis sich in einer virtuellen Welt zu behaupten. Für heutige Bomberpiloten ist es bereits Berufsaltag und für die militärischen Strategen eine Synphonie des sauberen Krieges.

Doch im Prinzip passiert simpel dieses: Kinder werden anhand der Konsolen und multimedialen Räume auf die Zukunft des Krieges vorbereitet. Somit verschiebt sich der von General Eisenhower erwähnte Militärisch-industrielle Komplex, der während und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde und im kalten Krieg zu seiner vollen Blüte kam, seit dem Golfkrieg von 1991 zu einem Militärischen Nintendo Komplex.

Spielhersteller wie „id Software“[2] waren maßgeblich bei der Entwicklung eines neuartigen Computerspielgenres beteiligt: des so genannten „ego-3D-shooters“. Mit dem Spiel 3D-Wolfenstein aus dem Jahre 1992 wurde erstmals die „Ich-Perspektive“ in Computerspiele eingeführt, wobei der Spieler in die Rolle des Protagonisten tritt und die Szene buchstäblich aus dessen Augen betrachtet. Das war ein Riesenerfolg für die Firma und eine unglaublich Realitätsbezogene Neuerung auf der Ebene eines Action Spiels.

Nahezu zur gleichen Zeit wurden im fernen Bagdad neuartige Bomben eingesetzt die mit einer komplett neuartigen Choreographie der Kriegsberichterstattung einherging. Der Angriff auf Bagdad, von Millionen live miterlebt, hüllte sich in das fluoreszierende Grün eines Restlichtverstärkers. Kaum erkennbare, aber von geübten Computerspielern durchaus verstehbare Szenen, flimmerten in sämtliche Wohnzimmer. Über räumlich weite Distanzen live im Krieg dabei zu sein war ein Novum.[3] Die Betrachtungsweise des Krieges als Computerspiel verdichtete sich noch mehr als Bilder eingespielt wurden die von einer im Raketenkopf eingebauten Kamera übermittelt wurden. „Ego-3D-Shooter“ in der realen Welt und „Ego-3D-Shooter“ in der simulierten Welt der Spielhersteller glichen sich somit immer mehr.

Die im Prinzip kreuzverschiedene Optik eines Spieles und derjenigen eines Krieges kam sich gefährlich nahe, da die Unterscheidung zwischen Simulation und Wirklichkeit verwischt wurde. Die reale Zerstörungskraft der bunkerbrechenden Bomben verkommt zu einem Spiel auf dem Bildschirm. Gefährlich ist der hübsch anzuschauende reale Kampfeinsatz vor allem deshalb, weil er dem Krieg, falls das überhaupt möglich ist, in keiner Weise gerecht wird. Denn „leider“ ist die Kamera nicht mehr fähig zu senden wenn Körper zerrissen werden was wiederum von Militärs sehr geschätzt wird, da der Krieg somit zu einem sauberen Krieg mit angeblich chirurgischen Eingriffen, ein humanes Gesicht bekommt. Was soweit verständlich ist, da Demokratien den Schein einer gewissen Humanität auch in der Kriegsführung aufrechtzuerhalten haben. Der Krieg wird somit nur über Bombenstatistik und Trefferstatistik konkretisierbar. Die größte Tragik eröffnet sich dem Betrachter dadurch, dass sich der telemediale, freundlich ernste General im fernen Führerbunker zu Wort meldet und die Trefferliste verkündet, worauf er leicht ärgerlich einräumt, dass einige Raketen Fehlgeleitet wurden die Zivilisten traf. Ähnlich wie in den Spielen, wenn man von Level zwei zum Level drei kommt und sich der „Commander“ über gelingen oder Nichtgelingen der Operation einschaltet. Die Bomberbesatzungen des zweiten Weltkrieges die im Tiefflug ihre Bombenlast auslinkte, oder die Bomberpiloten der Hiroshima Bombe zum Beispiel, mussten, nachdem sie sich über das Ausmaß ihrer zerstörerischen Kraft bewusst wurden, vielfach erfolglos therapieren lassen. Heute ist das kaum mehr der Fall. Bomberpiloten und Schützen auf den Schiffen sehen nichts!

Immer wieder werden Wargames wie „Doom“, „Quake“ oder „Wolfenstein“ für Tragödien verantwortlich gemacht die Schüler durch Massaker in Schulen veranstalten. In wieweit Gewaltspiele tatsächlich als Katalysator auf die Psyche Jugendlicher wirkt und sie zu unberechenbaren Massenmördern werden lässt, ist noch immer strittig. Mit ziemlicher Sicherheit kann gesagt werden, dass diese Nebenwirkung nicht gewollt ist, sie kann sich aber mit Sicherheit bei labilen Jugendlichen unter einer kausalen Kettenreaktion herausbilden. Das ist natürlich eine tragische Problematik, wird aber vom Militärischen Nintendo Komplex sicher in Kauf genommen, da hinter der Strategie solcher Spiele ein weitaus tieferer Impuls stehen könnte.

Wie oben beschrieben, laufen die virtuellen Entwicklungen und die Entwicklung der Kriegstechnologie weitaus parallel. Die westlichen Supernationen, allen voran die militärische Supermacht Amerika kann sich seit Vietnam keine eigene Toten mehr erlauben.[4] Die Gesellschaft ist seit bald 60 Jahren Kriegsuntauglich und ist sich den Krieg nicht mehr gewöhnt. Müsste da nicht eine Generation herangezogen werden die sich für eine revolutionierte Kriegsführung begeistern ließe? Darauf hin könnte der neue Militärische Nintendo Komplex zielen. Die Intensivierung des Schlagwortes Terrorismus, deutet auch seit längerem darauf hin, dass eine Revolutionierung der Kriegstechnik von Nöten gemacht wird. Wie Paul Virilio in seinem Aufsatz „New York im Delirium“ bereits 1993 notierte, beschreibt er die erste Attacke gegen das World Trade Center, das mit Sprengstoff begangen wurde, als: „ein strategisches Ereignis, das der ganzen Welt die Veränderung der militärischen Ordnung zum Ende unseres Jahrhunderts vor Augen führt.“[5] Was damals sicher eine Revolution im innern des militärischen Apparates ausgelöst hat, hat nun der neue Anschlag bei der breiten Bevölkerung nachgeholt. Abgesehen von hysterischen Rufen nach mehr Überwachung, wurde der militärische Kleinkrieg ausgerufen. Der Nintendo Krieg wie er auf den Konsolen gespielt werden kann.

Während 1984 unter der Leitung von Colonel John Alexander das Projekt JEDI, welches mittels Neuro-Linguistischer Programmierung NLP versuchte kreative visualisierungs- Techniken für Spionage Einsätze zu entwickeln, sind heute virtuelle Simulationen und Szenarien darauf bedacht den Krieg über die Fingerspitzen zu entscheiden. Spieldesigner kommen deshalb häufig in den Genuss finanzieller Zuwendungen des Pentagons. Das von id-Software entwickelte Spiel Doom (1993) wurde über Lizenzen vom Marine Corps Combat and Development Command[6] zum Marine Doom[7] weiterentwickelt, das als Training für die Marines eingesetzt wird.[8] Weit über zwanzig Spiele, die auch öffentlich zugänglich sind, wurden so modifiziert. Das Spiel BattleZone von Atari, wurde für das U.S. Militär konzipiert und ist auch zivil, jedoch unter anderem Namen zu kaufen. So mischen sich Kriegsspiele mit dem Training der Marines, einfachste Flugsimulatoren werden gebraucht um Türme virtuell wie real einstürzen zu lassen, die Produzenten des Spieles Carrier Strike Fighter bekamen sogar eine Berechtigung auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln zu Filmen um eine möglichst realitätsnahe Visualisierung des zivilen Spieles zu erreichen.[9] Was einem Spion den Galgen bringen würde, wird kommerziell vermarktet und so realitätsnah wie möglich umgesetzt. Jedes Jahr organisiert das amerikanische Verteidigungshaus Verbindungskonferenzen mit Wargame Herstellern, an denen nicht nur Firmen wie GTInteractive, sondern auch Leute der Defense Intelligence Agency DIA teilnehmen. Was dabei rauskommt sind Spiele wie Soldier of Fortune, das sich rühmt einen „bislang unerreichten Grad an Gewalt“ zu zeigen.

Der Krieg der Zukunft wird zwangsweise per Fingerklick geschlagen werden müssen, daran wird auf allen Ebenen fleißig geforscht und einzelne Systeme sind bereits im Einsatz. So können ranghohe Offiziere über Mausklick bereits heute über Satteliten Verbindung schwere Waffen auf Schiffen oder bald auch Waffen aus dem All aktivieren und sie mehr oder weniger Zielgenau ins Ziel bringen, ohne wirklich am Ort des Kriegsschauplatzes zu sein. Der Schnittpunk Hardware (Computer) und Wetware (Mensch) ist somit nahezu vollbracht und töten auf Distanz ist, ohne den Feind je physisch zu sehen, möglich.[10] Wie die Kriegsungewohnte Generation damit fertig werden wird, dürfte das größere Problem sein das durch den Militärischen Nintendo Komplex sehr effizient umgangen werden kann. In einem visualisierten Raum zu töten, in dem niemand einer Befehlsgewalt unterstellt ist und in dem selbst Kinder, Frauen, Wehrlose, Häftlinge, Gammler und Schwule hingerichtet werden können,[11] kann eine Generation herangezogen werden, die ohne Hinterfragung des Vorgesetzten Befehle in einem visualisierten realen Raum umsetzten wird.

[1] Orson Scott Card; Ender’s Game (science fiction novel, Tor, Jan 85,
based on 1977 novelet „Ender’s Game“
[2] http://www.idsoftware.com
[3] Siehe hierzu als weiterführende Literatur: Kommunikationstechnik und
Kriegsführung 1815-1945, Stufen telemedialer Rüstung, von Stefan Kaufmann,
erschienen im Wilhelm Fink Verlag München 1996
[4] Als Anmerkung: Nicht den Toten wegen sondern vielmehr den Stimmverlusten
bei künftigen Wahlen wegen.
[5] Paul Virilio, „New York im Delirium“, 30. März 1993, in Buch Ereignislandschaft 1998,
Carl Hanser Verlag
[6] http://www.mccdc.usmc.mil/
[7] Doom Goes To War, Rob Riddel in WIRED 5.4. 1997
[8] Lt. Col. David Grossman (U.S. Army Ret.), an expert on the psychology of killing,
has written On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society.
He also teaches psychology at Arkansas State University, directs the Killology
Research Group in Jonesboro, Arkansas, and has coined the term „killology“ for
a new interdisciplinary field: the study of the methods and psychological effects
of training army recruits to circumvent their natural inhibitions to killing fellow
human beings.
[9] John Naisbitt: High Tech – High Touch, auf der Suche nach Balance zwischen
Technologie und Macht. http://www.hightechhightouch.com/
[10] Air University, Maxwell Air force Base, http://www.au.af.mil/au/2025/
[11] Postal von Ripcord Games ist ein solches Spiel, in dem mit der Hinrichtung Wehrloser
gepunktet wird.

Bild:
Gregor Thoma, die Weisen 120x 150cm, 1999 Luzern, Oraclesyndicate

zeitgeschichte

Wunderwankdorf Bern…Wankende Wunder im Dorf Bern…Berns wankendes Wunderdorf…

1954 war das Jahr des Rock’ n Roll. In diesem Jahr veröffentlichte der 1925 geborene Amerikaner Bill Haley mit seiner Band „The Comets“ den wunderbaren Song „Rock around the clock“ und begründet damit eine absolut neue Musikrichtung: den „Rock’ n Roll“. Er, der das Establishment erzittern liess markierte den Beginn der wilden Kreisch-Girls, die an den ersten grossen Konzerthallen entzückt in Ohnmacht fielen. Der legendäre Song „Rock around the clock“ wurde 1955 zur Titelmusik für den noch immer spektakulären Kultfilm „Die Saat der Gewalt“ und wurde so auch zum durchschlagenden Erfolg der Plattenindustrie, mit 25 Millionen verkauften Scheiben. Rock’ n Roll wie er sich liebt: Auf seiner Deutschland Tournee kommt es in Essen und Berlin zu regelrechten Zuschauertumulten und die schockierten Erwachsenen nannten ihn Jugendverderber und Radaumusiker. So sollte Rock Musik sein. Im selben Jahr erhielt Ernest Hemingway den Literaturpreis für ‚The Old Man and the Sea‘, während die Stadt Mannheim der deutschen Tänzerin Mary Wigman den Schiller Preis zuspricht. Nicht nur: Deutschland schoss in Bern Fussball Geschichte:


Fussball wo er schön ist

„Bozsik, immer wieder Bozsik. Der rechte Läufer der Ungarn hat den Ball – verloren, diesmal an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt… Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“. Herbert Zimmermann, der deutsche Radioreporter ist außer sich. „Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt!“ Der 4. Juli 1954, der Tag des Endspiels, war sonnig, wunderbar sommerlich halt. Bis zwei Stunden vor dem Anpfiff. Da beginnt es zu regnen und Deutschland ist sechs Minuten vor Schluss, im strömenden Regen Weltmeister geworden. Deutschland, der totale Aussenseiter an der WM 54 spielte im Berner Wankdorf Stadion mit soviel Leidenschaft wie man es von der National Mannschaft in den 50 Jahren seither nur einmal gesehen hat. Wankdorf Bern, in einem wogenden Meer von 60’000 begeisterten Zuschauern erlebte Geschichte. Hoch oben in der Sprecherkabine haucht der völlig erschöpfte Radioreporter „Aus, Aus, Aus, . . . Aus, das Spiel ist aus“ in das Mikrofon. Herbert Zimmermann, der übergeschnappte, der erschöpfte Radioreporter kommentierte Radio Geschichte. Fritz Walter der Mannschaftskapitän, hält den Weltmeisterpokal, den Cup Jules Rimet, unter dem Jubel der Kameraden und tausender Zuschauer in den Himmel. Es war Fussball und Radio wie es schöner nicht sein konnte.

Zimmermann’s Reportage ist ein Juwel. In der Geschichte des deutschen Hörfunks hatte die Sportreportage während der Weimarer Republik, besonders aber unter den Nationalsozialisten mit den Übertragungen der Boxkämpfe von Max Schmeling und natürlich den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin ihre größte Zeit. Doch die Reportage vom Berner Wankdorf übertraf alles: An jenem Sonntagnachmittag des 04. Juli 1954 waren die sonst so bevölkerten Strassen der jungen Bundesrepublik leergefegt wie nie zuvor. Deutschland erstarrte, drückte die Daumen und hing in den Kneipen förmlich an den Radioapparaten. Deutschland war für sechs Minuten atemlos und lauschte. Die Sportreportage wie die vom Berner Wankdorf war eine noch nie da gewesene Übertragung. Noch nie war Radio dermassen euphorisch, spannend und hinreissend wie in jenen letzten sechs Minuten des „Wunders von Bern“. Ein kleines Stück Glück war wohl dabei, denn zwischen den vier deutschen WM- Reportern Zimmermann, Kurt Brumme, Gerd Krämer und Rudi Michel wurde gelost, wer das erste Spiel übertragen durfte. Die Vorrunden- Begegnung und das Endspiel fiel dabei in Zimmermanns Hände. Wer hätte das gedacht; Starke Männer in Tränen und in euphorischem Wahnsinn. Selbst heute werden in den meisten Berichten über das 54er Finale die schwarz- weiß Bilder des Spiels mit der Radioreportage Zimmermanns unterlegt. Sogar jenen, die kein Interesse am runden Leder hegen sind die Jubelrufe Zimmermanns bekannt: Bis in die Hitparade schaffte es der ekstatische Radioreporter, als die deutsche Popgruppe „OKAY“ in den 80er Jahren ein Hit mit einer Symbiose der Zimmermannschen Reportage und Tanzrhythmen landete.

Die Rhythmen sind unterdessen verblasst. Wankdorf, das legendäre Fussballstadion lotterte vor sich hin. Die Bänke vermoderten, die Ränge zerbröckelten und Unkraut überwucherte, was einst der Stolz der Nation war. Ein weiteres Wunder überkam Bern erst wieder am 3. August 2001, als das Stadion kontrolliert in die Luft gesprengt wurde. Das 1925 erbaute, eigentlich schützenswerte Zeitdokument, zerbarst unter grotesker Schönheit. Damit hatte, nebst dem Londoner Wembley Stadion eine zweite legendäre Fussballarena in Europa ausgedient. „Aus, Aus, Aus, . . . Aus, das Spiel ist aus…“ hauchte Radioreporter Herbert Zimmermann in sein Mikrofon. Hoch oben sass er in der Sprecherkabine, unter ihm wogt die Menge von 60.000 Zuschauern. Verblasst… Das Spiel, die Euphorie war schon lange entschwunden, im Tempel der grossen Leidenschaft herrschte beklemmende Stille. Wankdorf war manchmal gespenstisch.

Wirklich aus war es dann am Abschlussspiel der Young Boys Bern gegen Lugano, am 07. Juni 2001. Nach dem Spiel wurden die Eingeweiden aus dem Stadion herausgerissen. Da machten die Zuschauer aus der Arena „Kleinholz“ und sicherten sich die begehrten Trophäen: Trainerbänke, Eckfahnen, Tribünentafeln und hölzerne Sitze mit Würmern. Doch bereits vor einem Jahr hatten Souvenirjäger zugeschlagen. Die trennten Fein säuberlich ein Quadrat mit dem Elfmeterpunkt aus dem Rasen heraus. Erinnerungen und Gefühle von 1954 sollten damit wach gehalten werden. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, selber ein Fussballnarr, bezeichnete Wankdorf als eines jener Bauwerke, das für Deutschland eine herausragende Bedeutung hat. Schröder bekam von Bundesrat Moritz Leuenberger ein Stück des Rasens und den Kleiderhacken des damaligen Mannschaftskapitäns Fritz Walter geschenkt. „Ein Stück Nachkriegsgeschichte“, wie es Leuenberger nannte. Wankdorf und die Legenden und Mythen um das Stadion verpufften in der Explosion im Rauch und zerplatzten in den Trümmern wie die Seifenblasen kleiner Kinder.

Das romantische Stadion von Bern sorgte seit 1925 für heisse Gemüter und Tränen. Tränen der Niederlage, Tränen der geballten Euphorie und des Sieges, Tränen die während der Spiele geflossen sind. Das altehrwürdige Stadion mit dem für britische Besucher eher anrüchig lustigen Namen „Wankdorf“, wird nun zum politisch korrekten und langweiligen „Stade de Suisse“. Da gibt es nun, zumindest für die Briten, keine Lachtränen mehr. Satte 70,8 Prozent der BernerInnen finden den Namen „Stade de Suisse“ völlig daneben. Sie dürfen wohl aus sentimentalen gründen noch „Wankdorf Bern“ anhängen. Zur letzten Ehre der Berner kann man auch noch „Nationalstadion“ ganz am Schluss ansetzen. Tränen der Enttäuschung flossen den nostalgischen Berner Fussballfans und den Geschäftsleuten, die dem verpassten Geldregen hinterher winken, als der Schweizerische Fussball Verband die spannendsten Spiele der EURO 08 an die Basler vergeben hat. Und das obwohl es eigentlich den Bernern zuzusprechen war, dass die EM überhaupt in die Schweiz kommen kann. Dort, im St. Jakob-Park findet denn nun auch das Eröffnungsspiel, zwei weitere Gruppenspiele, zwei Viertel- sowie ein Halbfinalspiel statt. Basel hat somit wohl das eigentliche Nationalstadion. (Das darf man ja nur unter vorgehaltener Hand sagen und ich sag es nur Ihnen, weil ich weiss, dass sie es nicht weitersagen.)

Bern hat dafür ein tolles Shopping. Auf insgesamt 14’000 m2 sind ca. 30 Geschäfte geplant. 12 – 15’000 Besucher werden täglich im Einkaufsmarkt unter dem Spielfeld und den Tribünen ihren Einkaufsspass auf höchster Ebene auskosten können. In den Seminar- und Konferenzräumen können zahlreiche Unternehmen ihre Kunden oder Mitarbeiter über die neusten Entwicklungen informieren und ausbilden. In verschieden Restaurants mit einer Kapazität von total über 2000 Plätzen werden die Besucher auch kulinarische Vielfalt vorfinden, die jeden Geschmack treffen sollte. Sportschlemmer der Spitzenklasse. Die Superlative: Zur Zeit ist die Baustelle die grösste oberirdische Baustelle der Schweiz, sein Umfang ist grösser als das Kolosseum von Rom und das Gewicht des Armierungsstahls übertrifft mit ca. 8’500 Tonnen dasjenige des Eiffelturms in Paris um satte 20%. Das Trostpflaster: Das Grüne Bündnis und Greenpeace versuchte mit Solargekühlter Gratis-Bio-Glacé den Zuschauerinnen und Zuschauern den Abschied zu versüßen, die Wehmuts-Tränen zu trocknen und das Auge für eine sonnige Zukunft zu öffnen. In der Tat eine sonnige Zukunft: Das Sonnenkraftwerk, mit einer Gesamtfläche von 8’000 m_ und 6.5 Millionen Baukosten wird eine Leistung von 850 Kilowatt abgeben und produziert jährlich Strom von rund 700’000 Kilowattstunden. Eine Energiemenge die dem jährlichen Strombedarf von ca. 250 Haushaltungen entspricht. Hi-tech versus Nostalgie…

Wenn denn schon nicht der EM Halbfinal nach Bern kommt dann, Wunder geschehen ja in Bern, kommen vielleicht wieder die geschichtsträchtigen Veranstaltungen in den Tempel, oder zumindest ins Wankdorf Quartier. Mit ihnen vielleicht sogar Stars die Geschichte schreiben und kreischende Girls, die in Ohnmacht fallen. Denn das Wankdorf Gebiet wird, nebst dem „Stade de Suisse“ zum Gipfel des Vergnügens und das eigentlich scheussliche Quartier könnte, über kurz oder lang, zum Herzstück des Geschehens in Bern werden. Mit dem BEA Messegelände, dem monumentalen, architektonischen Wunderwerk des Paul Klee Zentrums, dem Hotel Guisanplatz, dem extra Zubringer „S-Bahn-Station Wankdorf“, da haben auch die Briten wieder was zu lachen und dem militärischen Geheimdienst an der Papiermühlestrasse, sowie dem ebenfalls architektonischen Wunderwerk des schweizerischen FBI, dem Bundesamt für Polizei, entwickelt sich Wankdorf zum eigentlichen Ballungszentrum. Bei soviel geballter Extravaganz können die Basler, seit März haben sie nicht einmal mehr ein Kulturmagazin, natürlich nicht mehr mithalten.

Wunderwankdorf Bern erschien zuerst in der Juni 2004 Print Ausgabe
ensuite – kulturmagazin, Bern Schweiz. wunderwankdorf bern (pdf)

kultur

Kultur des Grauens

Stephan Fuchs – Die „Kultur des Grauens“ ist allgegenwärtig. Nicht nur im Film oder in der Musik wird der Konsument mit Entsetzen und Erschütterung konfrontiert. Ganz generell hat sich in der Massenkultur ein konstanter Schock Effekt etabliert und sich in der Gesellschaft so verankert, dass sich ein Betrachter längstens schon daran gewöhnt hat. Durch Werbung, Video Spiele, Printmedien, Comics und TV Shows werden wir täglich mit dem schockierenden Augenblick konfrontiert. Die Kultur des Grauens generiert einen Massen Trend des Unwohlseins und noch schlimmer eine Gewöhnung des Unwohlseins. Ein seltsamer Faktor, mit interessanten Folgen: Es scheint offensichtlich, dass Kunst nicht nur das Grauen darstellen kann, sondern das Grauen selbst antreibt. Spannungen werden trainiert, bis gar nichts anderes mehr erwartet wird als die blanke Panik.

Andererseits, kann die Kultur des Grauens auch immer wieder als warnendes Symbol verstanden werden. Künstler stehen vielfach ungehört da wenn es darum geht, Gesellschaftsdramen in einem kritischen Kontext durch eine Kunstform zu zeigen. Nur zu oft werden ihre Botschaften nicht wahrgenommen oder enden, wie im Fall des „Critical Art Ensembles„, in den Mühlen der Justiz.

Vorauseilendes Gerücht
Neu ist dieser Disput freilich nicht. Zu Zeiten der rein mündlichen Überlieferungen eilten die Gerüchte von Gräueltaten einem Kriegsheer voraus, teils geschürt von den Kriegsherren selber. Doch seit es Bilder und Fotos gibt, kommt jeder Horror zweimal vor: Erst in der Realität und dann im Bild. Seit es nun bewegte Bilder und eine atemberaubende Computertechnologie gibt, ist es genau anders herum. Nun ist der Horror zuerst im Bild und anschließend in der nacheifernden Realität. Lange bevor das World Trade Center angegriffen wurde, konnten Kinder auf dem Flugsimulator die Twin Towers auf dem Heimcomputer von zu Hause aus angreifen. Lange vor dem Krieg gegen den Terror, wurden Filme über Katastrophen in N. Y. und Kriegsfilme gegen irgendwelche „Barbaren“ in der Wüste zum abendfüllenden Erfolg in den Kinos. Langeweile schleicht sich in den Kinos ein, sofern nicht mindestens ein Stadtteil brennt, dutzende von Autos explodieren und Kinohelden über Leichenberge gehen können. Schon Napoleon Bonaparte erklärte: „Befehlen heisst zu den Augen zu sprechen“, Kafka schliesslich bekräftigte: „Das Kino bedeutet eine Uniformierung des Auges“. Und beide haben sie Recht, denn das Auge ist in der Tat das Fenster zur Seele.


Kriegs-Spiel oder Spielkrieg

Explosionen im Hirn
In Japan zum Beispiel haben Ärzte herausgefunden, dass Videospiele die extrem schnelle abfolgen von Explosionen und Blitzen darstellen, bei Kindern epileptische Anfälle erzeugen können. Jedes Jahr werden Verbindungskonferenzen mit Kriegspiel Herstellern, an denen Firmen wie GTInteractive und Fachleute der militärischen Defense Intelligence Agency DIA teilnehmen für den gegenseitigen Meinungsaustausch organisiert. Was dabei rauskommt sind Spiele wie Soldier of Fortune, das sich rühmt einen „bislang unerreichten Grad an Gewalt“ zu zeigen. Eine Information freilich, auf die Spielhersteller mit besonderem Stolz hinweisen. Das von id-Software entwickelte Spiel Doom (1993) wurde über Lizenzen vom Marine Corps Combat and Development Command, zum Marine Doom weiterentwickelt, welches als virtuelles Training für Elitesoldaten eingesetzt wird. Die Produzenten des Spieles Carrier Strike Fighter bekamen sogar eine Befugnis auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln zu Filmen um so eine möglichst realitätsnahe Visualisierung des zivilen Spieles zu erreichen. Das Spiel BattleZone von Atari wurde für das Militär konzipiert und ist auch zivil, jedoch unter anderem Namen zu kaufen. Weit über zwanzig Spiele die öffentlich zugänglich sind wurden so modifiziert, dass sie einen Dual use Charakter haben. Kriegsspiele können somit im zivilen Spektrum genau so verwendet werden, wie für das Training der Soldaten.

Mediale Blutgeilheit
Immer wieder hört man aus den Medien, dass verübte Gräueltaten aus Sequenzen von Horror Filmen und Computer Spielen, oder von „Shock Musikern“ übernommen worden sind. Marilyn Manson, dem Dark Wave Musiker, oder Slipknot der ultra brutalen Powerband wird vorgeworfen jugendliche Fans so beeinflusst zu haben, dass ein Massaker wie jenes an der Colombine Highschool in Amerika erst möglich wurde. Solche Urteile über „verteufelte Musik“ kennt man bereits aus der Beatnik Zeit… Sind das nicht auch Propagandatricks, ähnlich deren der Kriegsherren, die erst den richtigen Sumpf bereiten um anschliessend den erforderten Absatz zu finden? Ist es dann nicht ein Trick der PR Abteilungen die den Journalisten Informationen mit all den möglichen Gräueltaten und okkulten Hintergründen der Bandmitglieder zustecken? Ist es dann folglich nicht die „Blutgeilheit“ der Medien die Bands wie Sklipknot dafür verwendet die Kultur der Angst zu nutzen um bessere Umsätze für ihre Zeitung zu erheischen? Da herum generiert sich wohl der Kult um Blut, Abenteuer und Horror in der Massenkultur.

Der seelische Zustand
Kann man den seelischen Zustand einer Gesellschaft anhand der Kunst ablesen? Auf jeden Fall! Wie angetönt gibt es auch Künstler die durch Gesellschaftsanalysen Warnungen in ihre Arbeit einfliessen lassen. Richard Huelsenbeck, einer der Begründer des Dadaismus, meinte 1918 in einem Vortrag in Berlin über die neuen Tendenzen der Kunst: „Wir waren für den Krieg und der Dadaismus ist noch heute für den Krieg. Die Dinge müssen sich stossen: es geht noch lange nicht grausam genug zu.“ Die Futuristen betrachteten in einem Manifest von 1908 den „Krieg als Hygiene der Welt“. „Der Schrei“ von Edvard Munch, 1893, welches im August aus dem Edvard Munch Museum in Oslo gestohlen wurde, könnte moderner nicht sein: Das Bild gilt als Symbol des ungeschützten modernen Menschen. Doch die Warnungen haben sich in den Sand geschlagen.

Die Fleischmaschine
Nach zwei verheerenden Weltkriegen im 20. Jahrhundert haben wir uns in Europa für Jahrzehnte der Illusion eines beständigen Friedens hingegeben. Spätestens seit dem Krieg in Jugoslawien, allerspätestens seit dem Krieg gegen den Terrorismus ist diese Illusion dahin. Krisenherde entstehen offensichtlich immer wieder und sie werden, wie oben beschrieben, immer mehr in das zivile Umfeld getragen. Ein Blick auf die Mode bestätigt es. Tarnkleider und uniforme Abschriften militärischer Dresscodes wurden seit den 90er Jahren immer aktueller. Aktueller wurde auch die Bedrohung des menschlichen Seins: Cloning. Der Krieg gegen menschliche Schwächen wird, dank dem Unternehmen Genom immer mehr zur Wirklichkeit und zeichnet sich bedrohlich am Horizont des menschlichen Dramas ab. Gentechnik und die so genannte biotechnische Revolution sind nicht erst seit der Sloterdijk Debatte um eine mögliche „Menschenzüchtung“ Themen der künstlerischen Imagination. Einige Künstler setzten sich mit diesen Gedanken kritisch, spielerisch und visionär auseinander. Das „Critical Art Ensemble“ aus New York ist eine jener Gruppen, die sich mit eben dieser Frage auseinander setzt. Ihr Bio Projekt, „Flesh Machine“ wurde den Künstlern kürzlich beinahe zum Verhängnis:

Am 11. Mai verstarb Hope Kurtz, die 45 jährige Frau vom Kunstprofessor, Künstler und Gründungsmitgliedes des „Critical Art Ensembles“ Steve Kurtz. Selbstverständlich rief Kurtz bei der Notfallnummer an, neben Sanitätern kamen auch Polizisten, welche die Wohnung inspizierte. Was die Polizei in der Wohnung des Künstlers sah, ließ bei ihnen den Verdacht aufkommen, sie hätten das Nest eines Bioterroristen entdeckt: Sie fanden seltsame Laborausrüstungen, Petrischalen und Bakterienkulturen… Grund genug, die Joint Terrorism Task Force – die endlich mal zum Einsatz kam – zu alarmieren. Obwohl Kurtz kooperativ reagierte wurde sein Haus von der Antiterror Einheit in Schutzanzügen durchsucht und die gesamte Strasse abgesperrt. Eine Art Probe für den Ernstfall. Ein „totaler Zirkus“, meint der Rechtsanwalt von Kurtz. Anschliessend wurde Steve Kurtz aufgrund des 175igsten Abschnittes des US Biological Weapons Anti-Terrorism Act von 1989, der durch den Patriot Act erweitert wurde verhaftet und in einem Hotel während zweier Tage vom FBI verhört. Durch die Erweiterung des Partriot Act verbietet das Gesetz den Besitz von „jeglichen biologischen Stoffen, Giften oder Herstellungsmitteln“, die nicht durch „prophylaktische, schützende, gutgläubige Forschung oder einem anderen friedlichen Zweck“ gerechtfertigt ist.

Critical Art versus Bio-Kampfstoff
Beatriz da Costa, Dorian Burr und Steve Barnes, drei weitere Mitglieder des „Critical Art Ensembles“ wurden Vorladungen ins Haus geschickt. Hope Kurtz ist, nach Auskunft von Ärzten, an Herzversagen gestorben. Es liegt kein Verdacht vor, dass ihr Tod durch irgendwelche biologische Kampfstoffe verursacht wurde. Die gefundenen Bakterienkulturen (E. coli, Bacillus globigii und serratia) wurden untersucht – ohne Ergebnis. Trotzdem hielt das FBI an dem Verdacht fest, dass bei dem seltsamen, noch dazu gesellschaftskritischen Künstler der mit dem „Critical Art Ensemble“ Bücher wie Electronic Civil Disobedience und Other Unpopular Ideas and The Electronic Disturbance geschrieben hat, ein Gefahrenpotenzial sein muss. Adele Henderson, die Leiterin der Kunstinstituts an der Universität von Buffalo an der Kurtz arbeitet, wurde von FBI-Agenten befragt ob es sie überraschen würde, wenn dieser mit Bioterrorismus zu tun habe. Steve Kurtz drohen 20 Jahre Haft.

Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg
Damit wurde nun neben der altbekannten Fragestellung, ob etwas Pornografie oder Kunst ist, vielleicht erstmals die mit erheblichen Folgen verbundene Frage gestellt, ob Bakterienkulturen oder Laborausrüstungen Material eines Künstlers oder eines Terroristen sind. Wie kann in Zeiten des Amoks, des Terrors und des Krieges, eine Kunst aussehen, die eine Plattform für humanitäre Agenden gegen Gewalt und Ungerechtigkeit sein will? Das freudsche Diktum: „Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg“ kann man wohl revidieren. Könnte es nicht sein, dass in der Kulturentwicklung selbst, Momente enthalten sind die die Kriegsbereitschaft fördert? Ist es möglich, dass die Kunst nicht nur pazifistische, sondern auch militärische Intentionen hat? Gibt es, nach Paul Virilio, nicht nur eine Kunst des Schreckens, sondern auch einen Schrecken der Kunst? Ganz klar: Wenn Umsatz und Einnahmen stimmen, darf durch die Massenkultur Grauen, Angst und Unsicherheit verbreitet werden und kann uns so fit für die nächste Katastrophe machen. Auf der anderen Seite stehen jene Künstler die unsere Gesellschaft auf Gefahren, Ängste und Unsicherheiten aufmerksam machen am schrillen Abgrund. Sie bezahlen einen hohen Preis für ihre warnenden Werke.

Dieser Artikel erschien im Berner Kulturmagazin Ensuite & Factum

kultur

Bukowski. Der Schriftsteller am Ende der Docks.

Das war’s! Marina Luise Bukowski wollte nicht, Michael Montfort konnte nicht. So sah es einige Tage vor Redaktionsschluss aus und ich war nicht glücklich. Zu gerne hätte ich Stimmen gehört, die Henry Charles Bukowski näher gestanden sind und ein subtileres Verhältnis mit dem Autor gepflegt haben. Menschen, die Dinge erzählen konnten, die man von Bukowski eben nicht erwartet. Der amerikanische Poet und Schriftsteller, Sohn deutscher Einwanderer, schrieb eine eindrückliche Menge an Gedichten, Kurzgeschichten und Romane. Seine Arbeit war, seit seinem ersten Gedichtband „Flower, Fist and Bestial Wail“ aus dem Jahre 1960, ein Gräuel für die Wächter des literarischen Elfenbeinturms und der Aufwärtsstrebenden Konsumgesellschaft: Bukowski das Scheusal, der „dirty old man“, der Alkoholiker, Autor und Antiheld amerikanischer moderner Literatur… das prügelnde, Frauenverachtende und auf das Leben fluchende Monster schlechthin. Schlagende Worte die, wenn man Bukowski gelesen hat, auch schnell so assoziiert werden können. In einem kurzen Moment des Augenschließens… sind wir ehrlich, da werden alle zu einem kleinen, wenn vielleicht auch nur träumenden Bukowski. Irgendwie, irgendwann. Und das ist sehrwahrscheinlich auch schon das ganze Geheimnis um den Erfolg des „dirty old man“. Er schrieb, was Menschen lieber verdrängen.


Am Ende der Docks

Die einzige Tochter von Bukowski, Marina Luise Bukowski, lebt heute als Computer Programmiererin, Ehefrau und Mutter in San Rafael, Kalifornien. Auf die Frage, ob sie Lust hätte über ihren Vater ein paar Zeilen für Ensuite zu schreiben, hat sie dankend und schmunzelnd abgelehnt. „I am to busy running around“ meinte sie. Über ihren Vater sagt sie: „Nein, ich habe ihn nie betrunken gesehen, er ist nicht anders als andere Väter. Wenn wir gestritten haben, dann über Jazz. Ich liebte Jazz, er hasste ihn. Mein Vater war, auch wenn man ihn anhand seiner Arbeit anders interpretiert, ein großartiger, liebenswerter Mann und ein guter Vater.“ Offensichtlich liebte Marina ihren Vater. Großgezogen wurde Marina allerdings von ihrer Mutter, der Poetin Frances Dean Smith. 25jährig, ehelichte Marina ihren langjährigen Freund Jeffrey Stone. An derer Hochzeit blies ein greiser Musiker Debussy, Papa Hank kam in nagelneuen Schuhen, feinem Zwirn und blütenweißem Hemd und stand strahlend da. Nüchtern.

7 Stunden Abgrund?
Bukowskis Lieblingsfotograf Michael Montfort, mit dem sich eine 20jährige Freundschaft verband liegt, nachdem ich ihn endlich lokalisiert hatte, wegen eines schweren Schlaganfalls in einer Prager Klinik. Er kann nicht, sehr wahrscheinlich nie mehr, erzählen wie Hank wirklich war. Er war mit Bukowski unterwegs, hat ihn in seinen Höhen und Tiefen erlebt, flog mit ihm nach Deutschland und stand mit ihm an den Pferderennbahnen. Tausende von Fotos sind das Resultat. Am Tag vor Charles Bukowskis letztem Geburtstag führte Montfort’s Kollege, der Journalist Gundolf S. Freyermuth, mit Bukowski ein siebenstündiges Gespräch.

Über dessen ungewöhnliche Karriere die ihn aus dem Pennerleben unter die Hollywoodstars führte, über das Handwerk des Schreibens, über Schriftstellerkollegen wie William S. Burroughs und Norman Mailer, über Ruhm und Geld und natürlich über den Tod… Es sollte das letzte Interview des „dirty old man“ werden. Michael Montfort nahm während dieses siebenstündigen Marathon Gespräches die letzten Bilder des Schriftstellers auf. Montfort zeigt einfühlsame Fotos. Bilder eines Mannes, der die Abgründe seines Selbst und die Abgründe verschiedener Milieus lebt und gelebt hat. Beide waren Boxkampf Fans. War ein Kampf, beide sind sie hin gerannt. War ein Pferderennen, beide waren sie da und haben gewettet, manchmal horrende Beträge. Beide haben getrunken… Jungs eben.

Leben zuvorderst an der Front!
Unbedingt: Bukowskis literarische Werke sind aggressiv, grausam und obszön, aber gleichzeitig auch außerordentlich witzig, ehrlich und zärtlich. Geschichten vom Suff und von der Lust. Protokolle der alltäglichen Hölle, Hinterhofballaden, Liebesversuche in einer grausamen Welt, in Absteigen, Bars, Hurenhäusern und Schlachthöfen. Und das ist es; Leben zuvorderst, Leben an der Front. Da, wo die Kanten noch rau sind, ungeschliffen vom ranzigen Fett der Gesellschaft. Bukowskis Erzählungen sind nicht die Seifenopern in diffusen rosa Nuancen unter dem peinlichen Abgang jeglicher Realität. Bukowski erzählt aus der Welt des wirklichen Lebens vieler Leute die am ende der Docks, am filigranen Abgrund zwischen Wahn und Witz stehen. Ohnmacht, Wut, Depression, Verlorenheit, Gier und Leidenschaft in all ihrer Wucht.

Bukowski ein Scheusal? Nein. Vielleicht nur ein Mann, der einer Welt angehört hat die den meisten fremd ist. Die Welt der Zigarren, der Drinks, des Schweißes, des Spiels, der Explosivität, des Instinktes… eines Raubtieres gleich hin und her tigernd. In der Tat eine raue Welt, aber auch eine sinnliche Welt. Eine Welt, die menschlicher und gegensätzlicher wohl nicht sein kann. Ganz klar: der Schriftsteller berührt und bewegt und das reichlich tief. Tief geschaut hat er auch als Trinker.

Als überaus menschenscheue Person, waren ihm Lesungen ein Gräuel. Bei Lesungen trank er unbegreiflich viel, betrunken haben ihn seine Zuhörer gesehen, vom trinken hat er geschrieben und als Trinker kannte man ihn. Am letzten Tag im Spital, als Bukowski wusste, dass er sterben würde, kam der Diensthabende Arzt, hockte sich auf dessen Bett und stellte seinen Pager aus. Er vergaß darüber die Nacht. Sie diskutierten über Poesie.

Henry Charles Bukowski, starb vor zehn Jahren in der Nacht auf den 4. März 1994 in Los Angeles an Blutkrebs.

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Russisch Roulett im Weissen Haus

In diesen Tagen macht der Trommelrevolver im Weissen Haus schnell die Runde. Am 24. Juni 04 durfte ihn der Präsident an die Schläfe setzen. Der Verteidigungsminister Dick Cheney und W. Bushs Rechtsberater, Alberto Gonzales haben schon früher gespielt. Das Spiel geht weiter, für den der es trifft winken 10 Jahre Haft. Es geht um Geheimnisverrat. Das enttarnen von Geheimdienst Mitarbeitern, in diesem Fall der CIA Agentin Valerie Plame. Das seien „die schlimmsten aller Verräter“ wie es Bush Senior einmal nannte.

Auf der Spielliste könnten Elliott Abrams, eine Iran Contra Figur aus Reagans Zeiten und nun unter Bush Mitglied des National Security Council, oder John Hannah und David Wurmser, beide aus dem Cheney Büro und der eigentliche Spielfavorit Karl Rove stehen.[1] Er ist das Hirn des Präsidenten, ohne ihn wäre Bush höchstwahrscheinlich noch immer mit Baseball in Texas beschäftigt. Den Spielfavoriten Karl Rove möchte der ehemalige Botschafter Joseph C. Wilson IV, gegen den die Intrige spielt, am liebsten in Ketten aus dem Weissen Haus kommen sehen. Er, Joseph Wilson, ist der Ehemann der CIA Agentin Plame. Er erregte den Zorn des Weissen Hauses, als er öffentlich erklärte, dass die Berichte über Saddams Urankäufe in Niger Unsinn sind. Tatsächlich musste die Bush Regierung später einräumen, dass die fragliche Information geheimdienstintern umstritten war und nie in einer Rede des Präsidenten hätte auftauchen dürfen.

Jetzt haben ausgerechnet die seit Nixon schärfsten Geheimniskrämer der jüngeren amerikanischen Geschichte einen krachenden Geheimnisverrat begangen: Die US-Regierung, sonst immer Misstrauisch und verschwiegen, hütet ihre reichhaltigen Schätze klandestiner Aktionen bis zum Exzess. Nichts soll nach aussen dringen. Doch selbst der Status als Wächter der Moral schützt vor Verrat nicht und die Devise: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“, richtet sich offensichtlich nicht nur gegen Staaten und Organisationen, sondern auch gegen Machtnahe Trabanten des Weissen Hauses, wie der ehemalige Diplomat Wilson.

Bereits im Juli 2003 steckten zwei «hochrangige Mitarbeiter» der Bush-Regierung dem amerikanischen Journalisten Robert Novak und sechs weiteren Reportern die Identität der CIA-Agentin zu. Ausser Novak, liess sich allerdings keiner der Journalisten dazu hinreissen sich auf den blutigen Knochen zu werfen. Und Novak hätte es wissen müssen. Wie der Journalist Murray S. Waas vom American Prospect schrieb, wurde Novak sogar gewarnt.[2] „The two officials told (FBI) investigators they warned Novak that by naming Plame he might potentially jeopardize her ability to engage in covert work, stymie ongoing intelligence operations, and jeopardize sensitive overseas sources.“ Am 14. Juli 2003 veröffentlichte Novak trotzdem die Story in seiner Kolumne bei Townhall.com,[3] einem Internet News Projekt der neo-konservativen Heritage Foundation.[4] und outete darin die Agentin mit den Worten: „Wilson never worked for the CIA, but his wife, Valerie Plame, is an Agency operative on weapons of mass destruction. Two senior administration officials told me Wilson’s wife suggested sending him to Niger to investigate the Italian report.“

Das wiederum erkläre, so streuten die Plappermäuler, warum Wilson vom US-Geheimdienst den Auftrag erhalten habe im afrikanischen Niger nachzuforschen ob Saddam Hussein dort Uran für eine Atombombe gekauft habe. Wilson, der ohne Bezahlung nach Niger reiste und nicht als Geheim klassifiziert war, hatte die Berichte über Saddams Urankäufe anschliessend als Unsinn entlarvt. Am 6. Juli 2003 ging er sogar noch einen Schritt weiter: In einem Beitrag in der New York Times unter dem Titel „What I Didn’t Find in Africa“, legte der Diplomat detailreich dar, wie und wann er die Regierung Bush vor der Uran-Ente gewarnt hatte.[5] Trotzdem griff der Präsident den Niger-Schwindel, der auf gefälschten Papieren basierte, in seiner Rede zur Lage der Nation auf und verkaufte ihn als echt. Wilson begann die Regierung deswegen der Irreführung zu beschuldigen. Nachträglich musste das Weisse Haus die Manipulation und Irreführung über die „Niger Affäre“, welche Möglicherweise auch ein Mitauslöser des Krieges gegen den Irak war eingestehen und gab der CIA die Schuld.

Natürlich kratzte Botschafter Wilson mit seiner Publikation tüchtig am Zorn der Götter und die sandten ihre Blitze in Form eben jener kleiner Indiskretion in der Hoffnung, einer der Journalisten würde den Knochen fressen. Volle zwei Monate nachdem Novak in seiner Kolumne bei Townhall.com Valerie Plame hat auffliegen lassen geschah nichts. Erst als die CIA das amerikanische Justizministerium einschaltete und eine Untersuchung forderte, explodierte der Verrat aus dem Weissen Haus und wuchs sich in Windeseile zum Skandal aus.[6] Der Zeitpunkt der Turbulenzen um Valerie Plame hätte für den Präsidenten schlechter nicht sein können: Seine Kriegspolitik im Irak geriet zu Hause just zu der Zeit massiv unter Beschuss.

Die 40 Jährige Valerie Plame, Mutter zweier Kinder, Ehefrau des Diplomaten Wilson und im Dienste der Central Intelligence Agency, bereiste als vermeintliche «Energie-Expertin» den Globus um da und dort Erkenntnisse für die CIA zu gewinnen. Mit Valerie Plame flog auch Brewster-Jennings & Associates auf, eine Tarnfirma der CIA, die der Agentin das notwendige Cover verschafft hatte. Ebenso auffliegen dürften zudem Agenten, die Plame angeworben hatte. „Jeder Geheimdienst auf der Welt wird jetzt erst mal schauen, wo Plame gewesen ist, wie oft sie eingereist ist und was sie getrieben hat“, bewertet ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter die Geschwätzigkeit der Bush Mitarbeiter.

Plames Enttarnung verstösst gegen amerikanisches Recht. Nachdem der CIA abtrünnige Philip Agee in den siebziger Jahren begonnen hatte, die Namen von CIA Agenten preiszugeben drückte die Regierung Reagan 1982 ein Gesetz durch, das derartige Indiskretionen mit Haftstrafen bis zu zehn Jahren ahndet. Wer CIA-Agenten nennt, warnte etwa George W. Bushs Vater und ehemaliger Direktor der CIA, sei der „schlimmste aller Verräter“. Es gibt offensichtlich für die „Russisch Roulette“ spielenden Plappermäuler des Weissen Hauses keinen Grund, sich an die für Agenten lebenswichtigen Regeln zu halten. Zwar meinte Georg Bush Junior, die Enttarnung von Wilsons Gattin sei furchtbar und er werde nichts unversucht lassen um die Missetäter zur Strecke zu bringen. Doch Bush wusste immerhin seit Mitte Juli, als Robert Novaks Kolumne erschien, von dem Vorgang – ohne sich jedoch zu rühren. Am Donnerstag musste sich Bush nun siebzig Minuten lang die Fragen des Sonderstaatsanwaltes Patrick Fitzgerald zu der Affäre gefallen lassen. Ein Zeichen, dass der Sonderstaatsanwalt den Präsidenten möglicherweise mit sehr detaillierten Fragen konfrontierte. Trotzdem musste Bush nicht unter Vereidigung aussagen. Unehrliche Angaben können somit nicht als Meineid sondern höchstens als Falschaussage verfolgt werden.

[1] http://www.capitolhillblue.com/artman/publish/article_4629.shtml
[2] http://www.prospect.org/webfeatures/2004/02/waas-m-02-12.html
[3] http://www.townhall.com/columnists/robertnovak/printrn20030714.shtml
[4] http://www.heritage.org/
[5] http://www.commondreams.org/views03/0706-02.htm
[6] „On Friday, Sept. 26, NBC commenced a press stampede of sorts with their exclusive report that the CIA had asked the Justice Department to investigate allegations that two government officials had broken federal laws by leaking information to Novak about Wilson’s wife, namely that she worked undercover for the CIA.“
http://msnbc.msn.com/id/3131338/

spionage

Private Spione drängen auf heisses Terrain

Cyber-spy nennt man sie. Geheimagenten die sich einer Spinne gleich durch die tiefen der virtuellen Welt, des WWW fortbewegen. Nachts werden sie aktiv, benutzen alias Namen und begeben sich auf die Jagd nach Terroristen.


Sich in die Eingeweide wühlen

Sie winden sich in die Eingeweide der virtuellen Welt, sie sehen die Welt der Propaganda, des Zorns und mit ein wenig Glück auch ein Stück in die Zukunft, just Tage oder Stunden bevor es wieder irgendwo auf der Welt kracht. Ein Cyber-spy arbeitet bisweilen derart klandestin, dass selbst die Ehepartner und Kinder der AgentInnen keine Ahnung haben was Nachts, vom Heimcomputer in der Stube aus alles geschieht. Die Cyber Agenten arbeiten nicht für das FBI, oder für sonstige spezialisierten Institutionen, sie arbeiten aus Überzeugung. Dem „Krieg gegen den Terror“.

Eine von ihnen ist Shannen Rossmiller aus Conrad. Conrad ist ein Nest mit 2’753 Einwohnern im amerikanischen Bundesstaat Montana. Eine grosse Kommune der pazifistisch–christlichen Hutterer Sekte, ähnlich der Amish People, dominiert das Städtchen. In der Umgebung sind 17 Abschussstellungen für Strategische Interkontinental Raketen stationiert, die von der nahe liegenden Malmstrom Air Force Base befehligt werden. Niemand in Conrad konnte ahnen, dass die beliebte 34 jährige Rossmiller, Mutter von drei Kindern und Richterin des Städtchens, nachts über das WWW mit radikalen Muslims am Jiahd teilnimmt. In verdeckter Agenten Manier infiltriert sie den muslimischen „Feind“, kommuniziert mit ihm und folgt ihm in die tiefen der geheimer Chat rooms. Dabei versucht sie aus ihren Chat Komplizen möglichst viele Information zu entlocken, Verbindungen festzustellen und neue Anschlagspläne zu entdecken.

Undercover Agent Rossmiller spielt auch „agent provocateur“. In ihrer Tarnidentität gab sie sich als Algerier mit Verbindungen zur verbotenen „Armed Islamic Group“ aus und schrieb einem jungen Mann Namens Amir Abdul Talhah Rashid ein E-Mail mit dem Aufruf: „A Call to Jihad!“ Eine deutliche Aufforderung. Rashid biss an. Er bezeichnet sich als „Bruder der auf der falschen Seite kämpft“, und fragt seinen neuen vermeintlichen algerischen Terror Kameraden, ob er trotzdem am Jiahd teilnehmen könne.

Selbstverständlich könne er das… meint Rossmiller. Über eine Periode von 4 Monaten entwickelt sich so eine Serie von 27 E-Mails. Bald stellt sich heraus, dass der Bruder der auf der falschen Seite kämpft, 26 Jahre alt ist, dass er ein zum Muslim konvertierter Amerikaner ist und in kürze als Nationalgardist, der „National Guard’s 81st Armor Brigade“ von Fort Lewis in den Irak verlegt werden soll. Er möchte, so schreibt er seinem Terrorpaten, den Jiahdisten möglichst viele Informationen über die Verwundbarkeit der im Irak stationierten amerikanischer Truppen preisgeben. Ein trojanisches Pferd also. Er wünschte sich, als infiltrierter muslimischer Geheimagent, dass aufgrund seiner Informationen möglichst viele Anschläge auf Amerikaner verübt werden.

Rossmiller kontaktiert die Homeland Security, die kontaktierte das FBI und die Armee. Der milchgesichtige Soldat, mit richtigem Namen Ryan Anderson wurde am 12. Februar 2004 verhaftet und die Zeitungen schrieben vom El Kaida Überläufer und El Kaida Terroristen der in einer bravourösen „Sting Operation“ festgenommen wurde.[1] Rossmiller wurde als Zeugin gegen Anderson zum lokalen Super Star.

Ryan Anderson ist natürlich kein El Kaida Terrorist in dem Sinne. Seine Geschichte, die im WWW bis in das Jahr 1995 verfolgbar ist, zeichnet eher die eines traurigen Versagers. Am 18. Dezember des selben Jahres schrieb er: „Suche Anschluss an Washington State Miltias! Ich bin College Student und suche Anschluss an patriotische Gruppen. Ich habe eigene Waffen und besuchte Kurse für deren Handhabung. Bitte meldet euch so schnell wie möglich!“[2] Kein Patriot meldete sich. Dann schrieb er im Oktober 1996 auf alt.religion.islam, einem Internet Chat Forum: „Hilfe! Ich möchte zum Islam konvertieren, aber ich weiss nicht wie! Ich bin ein 19 Jähriger Armee Offizier in Ausbildung. Inshallah. Ryan.“ Niemand antwortete. Am 26. September 1997 schrieb er: „Salaam alaaykum all, ich bin ein konvertierter Muslim und würde gerne in Ägypten oder in der Türkei ein Studien Jahr absolvieren. Kann mir jemand helfen? Salaam, Amir (Ryan).“ Niemand antwortete. So gehen seine Mails weiter und werden über die Jahre radikaler, er bittet und bettelt um Anschluss an die rechtsgerichtete Milizia und später an muslimische Terrorgruppen. Tragisch, keiner will den Naivling… Keiner ausser Shannen Rossmiller aus Conrad und sie war definitiv die falsche Adresse. Vielleicht konnte Rossmiller dadurch eine Katastrophe verhindern, vielleicht auch nicht.

Rossmiller ist nicht der einzige Cyber-spy. Es gibt sie in Kanada, in England, in Australien und auf dem europäischen Kontinent. Sie arbeiten alleine oder in Gruppen wie Shannen Rossmiller. Ihre Gruppe nennt sich „7-Seas Global Intelligence Security Team“.[3] 7-Seas, das sind 7 Agenten, darunter ein arbeitsloser Physiker, ein ehemaliger Detektiv, ein „global Media“ Spezialist, ein Architekt und ein Häusermakler. Die wahre Identität der Mitglieder behalten sie Geheim. Erfolge haben sie zu verbuchen: Am 12. Mai 2002 zum Beispiel, veröffentlichten sie eine Warnung auf der Seite itshappening.com. Die Warnung hatte sich bestätigt, einige Tage später wurde ein Australier bei einer Bombenattacke in Riad, Saudi Arabien, getötet.[4] Das ist nicht schlecht, denn keiner der Sieben weissen Ritter spricht arabisch, oder hat tief greifende Kenntnisse der Spionage.

Und da wird es gefährlich. Die Hobby Spione kommen bisweilen den richtigen Agenten in die Quere, denn auch FBI und CIA sowie andere Dienste mit Lizenz jagen in den tiefen des Webnetzes. Vereinzelt hat das auch schon zu heiklen Situationen geführt. Astley, einer der 7-Seas Agenten wurde von regulären Diensten brüsk zurückgepfiffen weil er, ohne es zu wissen, einen richtigen Agenten an der Angel hatte. Spion vs. Spion… Doch die Bundesbehörden verschliessen beide Augen und lassen, ganz nach dem Motto „neighborhood watching“ die privaten spionieren. Die Kultur des „neighborhood watching“ wird zum Teil vom „Departement of Homeland Security“ gefördert, denn der „Krieg gegen den Terror“ kennt keine eigentlichen Frontverläufe mehr. Die einfache Technik des WWW und ein bisschen Talent gekoppelt mit vermeintlicher Anonymität lässt somit jedes Sherlock Holmes Herz höher schlagen. Bis zu 80% der geheimdienstlich benötigten Nachrichtenbeschaffungen können über das Internet zusammen getragen werden. Wer die richtigen Tools, Datenbanken und die richtige Nase entwickelt, kann relevante Lagebilder erstellen. Fast wie die richtigen Geheimdienste. Laut FBI sind es hunderte, die sich an diesem privaten Geheimagenten Krieg beteiligen und sie sind sich der Gefahr für die Hobbyspione durchaus Bewusst. Technisch ist es für die Profis des FBI relativ einfach einer virtuellen Spur zu folgen und das bis in die Fingerspitzen des Computeranwenders. Auch die Profis der Terrorkommandos können das. Seit einiger Zeit ist Rossmiller unter Polizeischutz. Ihr bislang virtueller Gegner ist bereits in physischer Nähe. So wird das private Agentenspiel, harmlos anzusehen in der anonymen Welt der Daten, plötzlich sehr lebendig… oder eben tödlich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Telepolis. Die PDF Datei aus Teleopolis finden sie unter online-spitzel gehen auf terroristenjagd im web

vermischtes

Menschliche Waffensysteme

Stephan Fuchs – Figuren, die man bisher nur aus Science-fiction Filmen wie „Universal Soldier“, „Terminator“ oder „Starship Troopers“ kennt, sollen das Schlachtfeld der Zukunft dominieren. Für die DARPA, der amerikanischen Forschungsstätte für Kriegstechnik, hat die Zukunft bereits begonnen und wird die Soldaten über kurz oder lang dazu zwingen das restliche Stück Mensch sein abzugeben.


Kampfmaschinen
Grafik: Faceworks.de

Soldaten waren schon immer das schwächste, unzuverlässigste und labilste Glied in der Kette der militärischen Maschinerie. Ein ausführlich dokumentiertes Beispiel ist ein Ereignis des ersten Weltkrieges 1914 bei Flandern. Deutsche Soldaten harren in einem Stellungskrieg nur wenige hundert Meter vor ihren britischen, französischen und belgischen Gegnern in den Schützengräben aus. Hunderttausende von jungen Männern sind bis zum Dezember 1914 bereits gefallen und die Front scheint aussichtslos festgefahrenen zu sein. Neu aufgetauchte Bilder dokumentieren einen bis dahin noch nie dagewesenen Greuel. Die in der Kälte erstarrten Leichen und Kadaver wagt niemand mehr zu bergen, zu groß ist die Gefahr dabei selbst erschossen zu werden. Am Weihnachtsmorgen jedoch spielen sich groteske Szenen ab. Soldaten beider Seiten halten bemalte Schilder hoch, auf denen sie sich gegenseitig „Merry X-mas“ und „frohe Weihnachten“ wünschen. Die ersten verlassen daraufhin ihre Stellungen. Kein Schuss fällt. Gemeinsam beginnen die verfeindeten Soldaten die Toten zu bergen und zu beerdigen. Doch dabei bleibt es nicht, die Soldaten singen gemeinschaftlich bekannte Weihnachtslieder. Am nächsten morgen werden sogar Geschenke ausgetauscht und Familienfotos herumgezeigt. Man trinkt zusammen und spielt im Niemandsland des Schlachtfeldes Fußball. Der kleine Frieden im großen Krieg ist filigran. Zwei Tage später, auf massiven Druck durch die Heeresleitung mit Exekutionskommandos, wird wieder geschossen. Das Morden geht weiter, als wäre nichts geschehen. Millionen Menschen werden bis zum Kriegsende 1918 noch ihr Leben verlieren. Im Wahnsinn des Krieges jedoch, zeigt diese Anekdote einen Wesenszug des Menschen, der ihn als Mensch prädestiniert: Menschlichkeit.

Gedrillter Soldatentypus
Menschlichkeit zu minimieren und den Soldaten zu einem Mordinstrument zu konditionieren, unterlag schon immer größter Anstrengung und Perfektionierung. Ein kurzer historischer Abriss zeigt die Epochen des gedrillten Soldatentypus: Bis zu den Revolutionskriegen des 18. Jahrhunderts, galt die Linienformation als typische Kampfformation. Die Linienformation, das sind die Infanterieeinheiten, bestanden in der Regel aus gepressten und Söldnern, die überhaupt nicht motiviert waren im Kampfe zu fallen. Der unablässige Drill von Rhythmus und Bewegung durch die Instruktoren hatte zum Ziel den einzelnen zu eben jenem Soldaten zu formen der auf akustische und visuelle Reize automatisch reagiert, der sich willenlos und zum gehorsam in Fleisch und Blut gewordenen, in den dicht geschlossenen Kampfkörper eingliederte und so in die mechanisch tödliche Vorwärtsbewegung überging. Dazu taugten Trommeln, Schlachtgesänge, Dudelsäcke, Trompeten und Fahnen, mitunter aber auch physische Peinigung. Dennoch war im Angesicht der Schlacht die auftretende Panik vor dem plötzlichen Tod oder der Verwundung groß geblieben. Das löste vielfach Verweigerung und Flucht aus, im Gefecht selber aber auch zu Gnade und Verschonung. Um dies zu verhindern, standen hinter den Infanterieeinheiten die Kavallerieeinheiten, bestehend aus überwiegend adligen und sozial gut gestellten Eliten, die von hinten die Soldaten malträtierten und sogar in die eigenen Reihen schossen um die Soldaten vorwärts zu drängen. Kein Entkommen also. In der französischen Revolution fand sich die Lösung durch eine Emotionalisierung der Soldaten für Vaterland und Nation, für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, oder eben den Tod durch das Regime des Feindes. Im Zeitalter des Nationalsozialismus wurde die Konditionierung der Soldaten durch fanatische Propaganda, Massenrituale und Massenpsychologie subtiler, laut Dave Grossmann wurde sie aber auch perverser.

Leider tief sitzende Hemmung zu töten
Dave Grossmann, unterrichtete als Militärhistoriker und Psychologieprofessor an der US-Militärakademie in West Point ein Forschungsgebiet, dessen Name er selbst schuf: Killologie. Die Wissenschaft vom Töten . Im Auftrag der Armee untersuchte er wie man die Tötungsrate kriegsführender Soldaten erhöhen kann. Dabei stellte er fest, dass der Soldat eine tief sitzende Hemmung hat einen anderen Menschen zu töten. Bei Feindberührung werde vielfach gezielt danebengeschossen, als Ersatzhandlung unnötig nachgeladen, etc. Wörtlich: „Die Soldaten sind bereit zu sterben, sie sind bereit, sich für ihre Nation zu opfern, aber sie sind offenkundig nicht ohne Weiteres bereit zu töten.“ Eigentlich, aus ziviler Sicht, ist diese Aussage ein Funken der Hoffnung. Aus militärischer Sicht ist sein Untersuchungsergebnis aber eine große Katastrophe. Man hat bislang alles versucht: Physischer Druck, psychischer Druck, emotioneller Druck, Drogen aller art , der Faktor Mensch bleibt, wohl Gottgegeben, bestehen.

Kampfmaschinen
Dies wird sich nun ändern. In amerikanischen, sehr wahrscheinlich aber auch in russischen, chinesischen, japanischen und europäischen Labors , wird intensiv und mit großem finanziellem Aufwand am Kämpfer von morgen gewerkelt: Der menschlichen Kampfmaschine. Die menschliche Kampfmaschine wird über kurz oder lang das Schlachtfeld betreten und Soldaten, so heißt es in einer Vision des Pentagon für das Jahr 2020, müßten «schneller, tödlicher und präziser» werden.

Der Soldat der Zukunft soll sieben Tage, vierundzwanzig Stunden wach bleiben ohne dabei mental durchzudrehen. Er soll größeres und schwereres Waffengerät über weite Distanzen tragen können. Mittels eines hierfür konzipierten Exoskeletons, ein stählernes Gerüst an den Füßen und Beinen befestigt und durch Elektro-Motoren bewegt, wird der Soldat zum Packesel. Mit Gedankenkraft soll er unbemannte Kampfjets und fern von ihm liegende Waffensysteme bedienen, ähnlich wie die Jedi Ritter der George Lucas Filme Star Wars. Er soll keinen Schmerz mehr spüren, seine Wunden sollen sich automatisch wieder schließen und Blutungen sollen gestoppt werden. Er soll verwundet, auch mit abgerissenem Arm und Kugel im Bauch, weiterstürmen und weiter kämpfen können. Der Soldat der Zukunft muß nicht essen, er kann mit allen nötigen Elementen und Vitaminen über Verpflegungspflaster versorgt werden. Mittels Acetylcholinesterase (AChE), einem Enzym welches bei der Entwicklung des posttraumatischen Streß Syndroms eine große Rolle spielt und dessen Kontrolle die Soldaten nicht nur im Gefecht stabiler machen würde, könnte auch die anschließende psychologische Betreuung minimieren. Als Fernziel soll es möglich sein menschliche Erinnerungen in implantierbaren Mikrochips abzuspeichern, um anderen Soldaten dadurch die Kampferfahrungen und das waffentechnische Know-how durch einen Upload zu ermöglichen. Der Mensch reduziert auf simples Material, einer Schnittstelle zwischen Todbringer und Maschine. So soll der Soldat zukünftiger Kriege funktionieren. Dafür werden Millionen und Milliarden an Steuergeldern, Millionen an Brain Power Stunden unzähliger Forscher und die Qual tausender Affen, Ratten und anderer Tiere aufgewendet. Vom Leiden der Menschen, jene die als Kampfmaschinen durch die Schlachtfelder ziehen und jene die ihnen ausgeliefert sein werden, mal ganz abgesehen.

Defense Advanced Research Projects Agency, kurz DARPA, heißt die militärische Forschungseinrichtung, dessen Vorgängerorganisation 1954 als Antwort auf die Russische Sputnik Raumkapsel gegründet wurde. DARPA setzt das um, was Science-fiction Autoren für die Zukunft in Filmen wie Schwarzeneggers „Terminator“, „Matrix“ oder „Universal Soldier“ implizieren. Das Forschungskonzept der DARPA ist clever aufgebaut und verkauft sich durch den „dual use“ Aspekt, der aus solchen Forschungsanstrengungen hervorgeht, gut als Humane Investition für die zivile Welt. Was militärische Priorität hat, kann immer auch zivil angewendet werden. Für viele zivile Universitäten, zum Beispiel dem „Harrington Department of Bioengineering“ der Arizona State University, welches in Partnerschaft mit der DARPA arbeitet, kann die Forschung ein bereicherndes Unternehmen sein. Diese Schnittstelle ist ein gefährliches Schwert, denn wer ist nicht erleichtert zu wissen, daß die medizinische Wissenschaft für uns ein reparables Morgen konstruiert. Die Verlockungen, daß Blinde wieder sehen könnten, gelähmte gehen könnten und gehörlose hören könnten, sind enorm. Millionen von Menschen kann durch diese Forschungsrichtungen geholfen werden. Millionen von Menschen werden durch diese neue Kämpfergeneration zu Krüppeln. Ein Stück weitergedacht, eine Philosophische Knacknuß. Die Erfolgsmeldungen der Neurochirurgie und des Bioengineering im medizinischen Bereich, sind von dem her lediglich nur „Abfall“ Produkte der Kriegsforschung.

Gelder für Hirnimpule
Die meisten der im folgenden besprochenen DARPA Programme sind dem „Defense Science Office“ zugeteilt. Im Rahmen des $ 19 Millionen teuren Brain Machine Interface Programm werden erfolgreich Experimente mit Affen angestellt, deren Gehirnimpulse über ein Kopfsensorennetz aufgenommen und von einem Computer in Steuerbefehle übersetzt werden. Mit denen lassen sich Roboterarme oder Cursor auf einem Monitor bewegen. Ziel hiervon ist es, das Gehirn des Soldaten mit einer Maschine zu verbinden, damit ein technischer Sensor seinen Informationsstrom direkt in die zuständige Gehirnregion übermitteln kann. Dann soll der Soldat durch technische „Gedankenübertragung“ seine Waffe direkt auslösen können, ohne dabei seinen Finger zu krümmen.

Kampfhandlungen werden so in dem Moment geschehen, in dem der Soldat sie denkt. Dazu DARPA Forscher Eric Eisenstadt: „Stellen Sie sich eine Zeit vor, in der Soldaten allein mittels Gedanken kommunizieren, stellen sie sich eine Zeit vor, in der menschliche Gehirne ihre eigenen drahtlosen Modems besitzen – statt auf der Basis von Gedanken zu handeln, haben Kampfflugzeuge dann Gedanken, die handeln.“

Drug ’n‘ Kill
Das $40 Million schwere Exoskeletons for Human Performance Augmentation Programm konzentriert sich dagegen auf die physische Aufrüstung der Soldaten. Eine Exoskelettpanzerung, die mit einem Interface aus Sensoren bestückt ist, ähnlich wie man es bereits aus der Virtual Reality (VR) Technik kennt, verstärkt jede Muskelbewegung des Soldaten und ermöglicht eine Traglast, die weit über die Ausrüstung hinausgeht, die Fußsoldaten zu tragen imstande sind. Die Technik befähigt den Soldaten weite Strecken durch extrem hohe Sprünge oder gar „kurze Flüge“ zurückzulegen. Aber auch ein derart aufgerüsteter Soldat wird irgendwann müde und benötigt die 5 bis 10 Milligramm des Amphetamins Dexedrin, die ihm von der Truppenführung bereits heute, vorwiegend den Kampfpiloten, verstohlen gewährt wird. Die Droge wirkt wie Speed und um sich wieder zu beruhigen und zu schlafen, werden den Piloten Sedativa verabreicht. Neben körperlichen Symptomen wie erhöhter oder zu niedrigerer Blutdruck, Übelkeit, Schwitzen und Krampfanfälle, beeinflussen Amphetamine auch die Stimmung. Es kommt zu Euphorie, Depressionen oder Aggressionen.

Suchtgefährdung groß. Bereits im Vietnam Krieg hatten ganze Hundertschaften die sich mit Heroin, Kokain und Opiaten gedopt hatten mit Suchtproblemen zu kämpfen. Zu viele Soldaten trugen ihre Sucht nach Hause und blieben ihr Leben lang Junkies.

Müdigkeit wird auch in Zukunft ein Problem darstellen. Doch das Preventing Sleep Deprivation Program soll das verhindern helfen. Mit Hilfe von Programmen, die dem Soldaten einen quasi elektronisch gesteuerten oder simulierten Schlaf bescheren, kann der Soldat in Sekundenbruchteilen wieder geweckt werden und mit voller Aufmerksamkeit eine Woche lang kontinuierlich kampffähig bleiben. Zu den anderen Möglichkeiten zählen Implantate und die Manipulationen des Stoffwechsels. In den projektbeschrieben und Dokumenten der DARPA Forschungsabteilung findet man jedoch keine Anhaltspunkte darüber, inwiefern die psychische Verarbeitung während einer Schlafphase und die Traumlandschaft im allgemeinen darauf reagiert oder leidet. Auch in größter Streßsituation, die durchaus einige Tage andauern kann und der Körper und der Verstand durch natürliche Hormonausschüttung aktiv bleibt, brechen das Hirn und seine Funktionen in wenigen Tagen zusammen. Wird dieser Schutzmechanismus künstlich manipuliert, wird der Geist sehrwahrscheinlich unwiderruflich zerbrochen.

BIO INFO MICRO
Der Forschungsbereich „Persistance in Combat“ kümmert sich um die schnelle Wiederherstellung verletzter Soldaten. Wer sich selbst behandeln, Blutungen stoppen, und überdurchschnittliche Schmerzen ertragen kann, ist postwendend wieder einsatzbereit und kann weiterkämpfen. Kämpfen mit Verletzungen, kämpfen wie ein Terminator…
„BIO: INFO: MICRO“ , eines der Programme unter der Leitung von Dr. Eric Eisenstadt, in welches die DARPA in den kommenden zwei Jahren noch einmal 24 Millionen Dollar investieren darf, will Mensch und Maschine zu militärischen Zwecken verbinden. Nach den ermutigenden Versuchen mit navigierbaren Ratten soll durch Mikrochips oder andere Implantate, Kriegsgerät vom Kopf aus gesteuert werden – und der einfache Soldat ebenfalls. Noch interessanter ist freilich der umgekehrte Weg, denn wenn etwas ins Gehirn hineingegeben werden kann, müsste es schließlich auch möglich sein, etwas aus dem Gehirn herauszuholen. Noch einmal Dr. Eisenstadt: „Wer weiß, wenn wir dem Gehirn heimlich zuhören können, dann können wir vielleicht auch Betrug von Ehrlichkeit und Wahrheit von Erfindung unterscheiden. Was wäre das für ein Lügendetektor!“

Bereits 1999 gelang es Forschern an der Berkeley University of California, Bildsignale aus den tiefen des Gehirns einer Katze zu holen und die von ihr gesehene Welt am Bildschirm zu übertragen . Somit kann, früher oder später, das erlebte und gesehene eines Menschen in eine digitalisierte Form gebracht werden. Damit ließe sich bewerkstelligen, daß Erlebnisse aus dem einen Hirn, oder Schulungsprogramme, vielleicht gar ganze Missionen, auf ein neues Hirn eingespiesen werden könnte. Matrix.

In bewaffneten Konflikten kämpften bisher Menschen gegen Menschen, auch wenn sie erbarmungslos, barbarisch und unvorstellbar grausam waren. Krieger waren seit jeher dazu erzogen worden möglichst willenlos zu dienen. Jetzt aber werden Soldaten keine Soldaten mehr sein. Sie sind, wie die Militärs sagen, „Waffensysteme“. In den Kriegen der Zukunft werden mittelfristig Kampfmaschinen gegen Menschen kämpfen. Das erinnert wieder an einen Film: „Star Wars“ von George Lucas.

Dieser Artikel erschien erstmalig im Factum Magazin

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zeitgeschichte

Drachen der Kulturrevolution

Ambassador Robert Hutchings, Vorsitzender des National Intelligence Council und Herb Briick von der Central Intelligence Agency, veröffentlichten in den letzten Tagen 71 ehemals als geheim klassifizierte Dokumente unter dem Titel: „Tracking the Dragon“, die in der Zeit zwischen 1948-1976 von verschiedenen Quellen und Beobachtern aus China zusammengetragen wurden. Durch ihre Arbeit ermöglichen die beiden Agenten in leitender Position einen kleinen Einblick in das gesammelte Wissen das die westlichen Geheimdienste in das Reich des Drachen hatten. Eines der Dokumente das auch für das berner Kulturmagazin Ensuite spannend war, ist das National Intelligence Estimate, kurz NIE 13-7-67. Die Kurzreferenz für die grosse Kulturrevolution Chinas!


Drama um Macht

Auf der ersten Seite des Geheimberichts aus dem Jahre 1967 heisst es dazu: „The political crisis in China continues. No end is in sight“. An anderer Stelle: „…the Great Proletarian Cultural Revolution has already done immense damage to the leadership and the party… has unleashed new forces of instability… and has contributed Chinas growing isolation in the world“. Ein Drama um Macht erschütterte das Reich des Drachens bis ins tiefste Mark, dessen Anfang von ganz zuoberst, nämlich von Mao Tse-tung (1893-1976) kam.

Offensichtlich gelang es ihm nicht, seine Macht innerhalb des Parteiapparates zu erhalten. Seine Reden gegen den Pragmatismus der neuen Regierung wurden zwar angehört, aber weitestgehend ignoriert. Mao sann deswegen auf einen Weg, die revolutionären Kräfte im Volk neu zu entfachen und es für seine Vorstellungen zu gewinnen. Mit Unterstützung des Marschalls und Verteidigungsministers Lin Biao und seiner Frau Jiang Qing löste er Ende 1965 die Große Proletarische Kulturrevolution aus. Aus den sich immer mehr radikalisierenden Jugendlichen und vor allem aus den Studenten bildeten sich verschiedene Kampfgruppen, die Roten und Schwarzen Garden sowie diverse Rebellengruppen. Am 18. August 1966 folglich, fand unter der Führung Maos die erste große Massenversammlung der Roten Garden auf dem Tiananmen-Platz, dem Platz des himmlischen Friedens, in Peking statt.

Zuerst beschränkten sich ihre Aktionen auf öffentliche Denunziation, Demütigung und Folterung von als Klassenfeinden angesehenen Lehrern, Professoren, Offizieren, Ärzten und sonstigen Intellektuellen, von denen nicht wenige dabei den Tod fanden. Die Zerstörungen und Verfolgungen richteten sich gegen die „Vier Alten“: alte Ideen, alte Kultur, alte Sitten und alte Gewohnheiten. Binnen weniger Wochen jedoch entwickelte sich aus der Revolution gegen die reaktionären Kräfte ein entsetzlicher Bürgerkrieg zwischen den Angehörigen der so genannten Roten Klasse, den Gewinnern der kommunistischen Revolution, die in der gesellschaftlichen Hierarchie eine elitäre Stellung besaßen und der Mittleren Klasse, den Millionen Hilfsarbeitern und ihren Angehörigen, die von dem kommunistischen Staat und den Kollektivunternehmen ausgebeutet wurden. Die Kulturrevolution führte so natürlich zu einer Radikalisierung des politischen Kampfes.

Als zu Beginn des Jahres 1967 von Mao unterstützte Vertreter der „Massen“ in allen Teilen Chinas die lokalen Behörden weitgehend entmachteten und selbst die Macht ergriffen, bestand die Gefahr, dass Mao die Kontrolle über die Entwicklung entgleiten könnte. Um die Revolution wieder unter Kontrolle zu bringen, musste die oberste Führung schließlich die Volksbefreiungsarmee einsetzen und Mao forderte deshalb die Volksbefreiungsarmee auf, diese Machtergreifungen zu unterstützen. In blutigen Kämpfen, die das ganze Land erfassten, wurden die „Roten Garden“ schließlich im April 1969 niedergeschlagen. Die meisten Rotgardisten wurden zur „Umerziehung“ aufs Land, oft in weit abgelegene Teile Chinas geschickt. Auf dem 9. Parteitag 1969 wurde die Kulturrevolution für beendet erklärt und Marschall Lin Biao wurde offiziell zum Nachfolger Maos bestimmt. Der so genannten Viererbande unter der Führung von Maos Ehefrau Jiang Qing gelang es allerdings das Prinzip der von Mao geforderten ständigen Revolution weiterhin aufrecht zu erhalten. Während Lin Biao als Repräsentant der VBA die Rückkehr zur Normalität forderte, plädierten Mao und die Linken in der KPCh für eine Fortsetzung des Ausnahmezustands. Im September 1971 kam Lin Biao bei einem bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz, laut CIA Bericht versuchte Lin Biao gegen Mao zu putschen und versuchte anschliessend in die Sowjetunion zu fliehen – ums Leben.

Erst nach Mao Tse-tung’s Tod 1976, ließ die neue politische Führung die Witwe Maos und drei weitere Mitglieder der kulturrevolutionären Gruppe, die „Viererbande“, wie die Revolutions-Katalysatoren genannt wurden verhaften und zu Haftstrafen verurteilen. Das Machtdrama hinterliess eine vollkommen traumatisierte Zivilisation und eine komplett zerstörte Bildungsschicht. Schätzungen sprechen von 500’000 bis zu mehreren Millionen Toten.

„Tracking the Dragon, SELECTED NATIONAL INTELLIGENCE ESTIMATES ON CHINA,
1948-1976“ und das erwähnte Dokument „NIE 13-7-67“ zur Kulturrevolution in China, sowie andere Dokumente der „Tracking the Dragon“ Serie kann unter folgendem Link auf den Heimcomputer geladen werden: http://www.cia.gov/nic/NIC_foia_china.html