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Grosse Feier beim Axel Springer-Verlag: Blatt- Plattmachers 100. Geburtstag

Dr. Alexander von Paleske — 2.5. 2012 —-
Heute jährt sich zum 100. mal der Geburtstag Axel Springers, Gründer des nach ihm benannten Verlages, und Blattmacher im Nachkriegsdeutschland. Mit Bild, Hamburger Abendblatt und Hör Zu (später folgten andere ) die binnen kurzem hohe Auflagen erzielten, wurde Springer steinreich, aber in seinen Blättern war der unabhängige liberale Qualitätsjournalismus eher selten nur zu finden.


Blattmacher, Plattmacher und Meinungsmacher

Heute findet eine grosse Feier in Berlin mit seiner Witwe Elfriede statt.
.
Und heute darf sich jeder Haushalt in Deutschland über eine kostenlose Bild aus Anlass des Jubiläums freuen. Zur Freude besteht für die Freunde des guten Journalismus allerdings wenig Veranlassung.

Kein Grund zur Freude
Axel Springer war ohne Zweifel der „Rupert Murdoch Nachkriegsdeutschlands“. Aber anders als der britische Pressezar wollte er messianisch seine Überzeugungen unter das Volk bringen, notfalls auch gegen den Strom. Überzeugungen, die stark rechts von der Mitte im politischen Spektrum angesiedelt waren.

Dagegen ging und geht es Murdoch in erster Linie darum, auf die jeweiligen Regierungen grösstmöglichen Einfluss zu haben, um so seine Projekte voranzubringen, ohne auf politischen Widerstand zu stossen.

Als die Bundesrepublik erwachsen wurde, der Kampf um die Pressefreiheit nach der Spiegel-Affäre geschlagen war, (wobei Springer ausdrücklich verbot, dem bedrängten SPIEGEL Hilfestellungen jeglicher Art zu gewähren), begann dem Träumer und Narzissten politisch der Wind von links, aber auch aus der liberalen Ecke ins Gesicht zu blasen.

Springer hatte mittlerweile fast eine meinungsbeherrschende Stellung erlangt.

Gegen ihn traten jetzt traten vor allem DER SPIEGEL, DIE ZEIT und der STERN publizistisch an.

Trotz Gegenwind weiter aufwärts
Der Gegenwind schadete allerdings zunächst seinen Blättern wenig, allen voran dem von Peter Boenisch ausgeführten „Kettenhund“ BILD. „Pepe“ Boenisch drosch auf alles ein, was nach links aussah insbesondere natürlich die Studenten. Die Auflage von BILD stieg bis auf 5 Millionen.

Kommentar des SPIEGEL- Herausgebers und Journalist des Jahrhunderts, Rudolf Augstein:

Eine Zeitung, die von 5 Millionen Deutschen gelesen wird muss widerwärtig sein.

Keine Blätter für Liberale
Die liberale intellektuelle Elite hingegen verschmähte nicht nur Bild, sondern gleichfalls die anspruchsvolleren Blätter Die Welt und Welt am Sonntag, welche Springer in den 50er Jahren dazugekauft hatte. Sie blieben ein Zuschussgeschäft, da „Gesinnungslappen“, denn wirklich gute Journalisten konnten diese Blätter, die in der Anfangszeit von Springers Mentor Hans Zehrer geleitet wurden, nie auf Dauer anlocken. Und so blieben Journalisten mit „vorauseilendem Gehorsam“, wie Peter Bacher, Rolf von Bargen, Peter Boenisch, Matthias Walden alias Otto Baron von Saß, und andere..

„Noch nie habe ich so viele gedemütigte Redakteure erlebt“

sagte die ehemalige WELT-Journalistin Anneliese de Haas.

Das ist so unerträglich gewesen, dass ich das Haus Springer verlassen habe“.

Hans Zehrer war übrigens einstmals Chefredakteur der Zeitschrift DIE TAT </i>zu Zeiten der Weimar Republik, und konnte mit Fug und Recht als intellektueller Wegbereiter der Naziherrschaft bezeichnet werden.,

Die Essentials
Es waren vier Essentials, die jeder Redakteur bei Springer vor der Arbeitsaufnahme unterschreiben musste:

– Eintreten für die Wiederherstellung der deutschen Einheit

– Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden und Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes

– Ablehnung jeder Art von politischem Terrorismus

– Bejahung der sozialen Marktwirtschaft

Essentials, gegen die es kaum etwas einzuwenden gab.

Aber essentiell, wie seine Gegner behaupteten, war gerade wie die Vorstellungen des Verlagsherrn in Druckerschwärze umgewandelt wurden, bzw. unter Springers geistiger und persönlicher Anleitung bzw. Einmischung sich daraus entwickelten:

Verfälschung der Wahrheit

Unterdrückung von Nachrichten

Springer-Redakteure, die das Manipulieren von Nachrichten als besondere Form der Recherche ansahen

Minderheiten, die per Schlagzeile gejagt wurden.

Justiz gegen Springer
Als der Springer Verlag diese Behauptungen 1968 verbieten lassen wollte, musste er vor der Pressekammer des Landgerichts Hamburg eine dicke Niederlage kassieren.

Auch das Bundesverfassungsgericht haute ihm mit dem Blinkfüer-Urteil auf die Finger, nachdem er seine Macht ausgenutzt hatte, um die Verbreitung einer kleinen Programmzeitschrift zu hintertreiben, die es gewagt hatte, auch das Programm des DDR-Fernsehens mit abzudrucken.

Es war der Journalist und Buchautor Günter Wallraff, der sich bei Bild– Hannover unter falschem Namen als Redakteur einstellen liess, und dann aus dem „Reich des Bösen“ haarklein berichte: „Der Aufmacher“.

Alle Versuche Springers, das Buch ganz oder Teile davon gerichtlich verbieten zu lassen, scheiterten vor dem Bundesgerichtshof. Eine Sternstunde bundesrepublikanischer Justiz.

Keine Vorbehalte gegen Diktatoren
Gegen die Faschisten Franco (Spanien), Salazar und Caetano (Portugal), den Diktator Pinochet (Chile), sowie das Obristenregime in Griechenland, gab es natürlich – trotz der Essentials – keine Vorbehalte.

Kampf gegen die sozial-liberale Regierung
Und Springer bekämpfte mit seinen Medien die Aussöhnungs- und Entspannungspolitik der SPD / FDP- Koalition mit dem Osten, und schoss aus allen Rohren auf den Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, den er einst im Berlin der 50er und Anfang der 60er Jahre publizistisch massiv unterstützt hatte, und mit dem er sich erst kurz vor seinem Tode wieder versöhnte.

Studenten gegen Springer
Die Studentenproteste kulminierten Ostern 1968 mit der Blockade der Auslieferung der BILD in mehreren Städten nach dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke, als dessen geistiger Attentats-Wegbereiter Springers Hetzkampagnen gegen die Studenten angesehen wurden.

Was die seinerzeitigen Proteste der Studenten („Springerpresse halt die Fresse“, „Enteignet Springer“, „Aaaxel, wir kommen“) nicht schafften, das besorgt jetzt das Internet, wo auch die andauernde Aufklärung über die Unwahrheiten von BILD in Niggemeiers Bild-Blog betrieben wird.

Nicht aufzuhaltender Sinkflug
Die Auflagen fast aller seiner Print-Postillen fallen: starker Sinkflug.
So gehört die Bild am Sonntag mit einem Rückgang von 10 Prozent im letzten Quartal zu den TOP-Verlierern der Printmedien.


Unaufhaltsamer Sinkflug von BILD und BILD am Sonntag

Aber auch die Glanzzeiten von Hör Zu sind vorbei: Von einstmals 4,5 Millionen Exemplare, mittlerweile auf 1.3 Millionen in den vergangenen Jahren abgestürzt. Ein Trend, der allerdings auch Zeitschriften anderer Verlage nicht ungeschoren lässt.

Israel, meine Liebe
Wenn sich überhaupt etwas Positives über Axel Springer sagen lässt, dann war es sein Eintreten für die Verantwortlichkeit Deutschlands für den Holocaust, und die Verpflichtung zu wenigstens materieller Wiedergutmachung. Da hat der Mann, der mit den Nazis nie etwas am Hut hatte, durch grosszügige Spenden und Unterstützung von Projekten in Israel vorbildlich gehandelt.

Allerdings krass einseitig ignorierte er das Leid der Palästinenser, deren Recht auf einen eigenen Staat, und forderte keineswegs den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten.


Axel Springer mit Bürgermeister Teddy Kollek beim Rundgang in Ost-Jerusalem. Palästinenser mussten derweil mit erhobenen Händen an der Hauswand stehen.

Fazit:
Springer war sicherlich nicht der Gralshüter der Pressefreiheit, er war ein Kämpfer im politischen Spektrum rechts von der Mitte angesiedelt, dessen enge Freundschaft mit dem gleichfalls dort beheimatet gewesenen Franz Josef Strauss insoweit keine Überraschung darstellt .

Mag der Springer Verlag feiern, und in jeden Haushalt heute eine Bildzeitung senden:. Über Springers seinerzeitiges falsches Verständnis von Pressefreiheit und Qualitätsjournalismus kann das kaum hinwegtäuschen.

Kein Grund zum Mitfeiern.

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Literatur
Besonders empfehlenswert: Michael Jürgs: Der Fall Axel Springer – 1995 –

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