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Britischer Ölbaron Tony Buckingham heuert US-Oberst an und geht mit Heritage Oil nach Nigeria

Dr. Alexander von Paleske — 21.7. 2012 — Am 1. Mai 2012 kam in Grossbritannien eine Nachricht über den Ticker, die nur in wenigen Wirtschafts-Medien Beachtung fand:

Heritage Oil recruits former Head of Special Forces.

Erklärend dazu heisst es dann:

Exploration and production firm Heritage Oil has recruited US-Colonel Mark Erwin, former Head of US Special Forces as independent Non-executive director.

Erwin served in the US-Army for over 25 years culminating his career as the Chief of Staff of the US States Army Special Operations Command. He oversaw all Special Forces Operations of the US- Army and managed an annual budget in excess of 1,5 bn US Dollars (1,5 Milliarden) and coordinated a headquarters staff of more than 1000 employees, the company said.

Heritage Oil CEO Tony Buckingham liess vermelden:

„We are delighted to welcome Mark Erwin to Heritage and believe, that he will be an outstanding addition to the board.”


Tony Buckingham

Und weiter:

Marks extensive contact base through the United States and in certain countries in our core area will be invaluable to Heritage Oil, as we continue to expand our oil and gas portfolio.

Hinter dem Schaum die Fragen
Hinter dem Schaum der Lobhudeleien stellen sich allerdings Fragen:
.
– Was hat Buckingham mit dem ehemaligen US-Militär-Oberst vor?.

– Plant Buckingham die Gründung einer neuen Söldnerfirma wie einst Sandline in einem weltweit ständig expandierenden Multi-Milliarden Dollar Geschäft, nachdem er kürzlich unter Hinterlassung von Steuerschulden in Höhe eines dreistelligen US Dollar Millionenbetrags sich aus Uganda verabschiedet hatte, wir berichteten darüber?

– Oder plant er gar einen Putsch in einem rohstoffreichen Land, wie 2004 sein ehemaliger Sandline-Mitarbeiter und Ex-SAS Offizier Simon Mann im ölreichen Aequatorial Guinea (Wonga Coup)?

Rasche Antwort
Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. In diesem Monat kam die Nachricht, dass Heritage Oil, für einen dreistelligen Millionen Dollar-Betrag, 45% der nigerianischen Öl-Firma OML 30 von den Ölmultis AGIP (Italien), Shell (Grossbritannien) und Total (Frankreich) erworben hat.

Die restlichen 55% von OML 30 wurden und werden von der staatlichen National Petroleum Company of Nigeria kontrolliert, und zwar auch nicht direkt, sondern wiederum über eine Unterfirma namens Nigerian Petroleum Development Company.

Diese OML30 besitzt keineswegs nur buchmässige Schürfrechte im Nigerdelta, sondern dort wird bereits Öl gefördert, und zwar auf 8 Ölfeldern mit insgesamt 200 Förderpumpen, und der dazugehörigen Infrastruktur, einschliesslich Pipelines.


Nigeria

Heritage Oil kaufte diese 45% der OML 30 nicht direkt, sondern über die Firma Shoreline Energy Resources Nigeria Limited, eine Firma, die von Heritage Oil und einer lokalen nigerianischen Firma namens Shoreline Power Company gegründet wurde.

Genug der Verschachtelungs-Darstellung.

Warum Aufgabe lukrativer Ölquellen?
Warum geben Ölmultis wie Agip, Total und Shell Ölquellen auf, wenn die Neuerschliessung von Ölfeldern Millionen bzw. bis zu Milliardenbeträge verschlingt, und die meisten neuerschlossenen Ölquellen mittlerweile kostenträchtige Deep-Water Quellen sind?
.
Aufstand im Ölfördergebiet
Die Antwort für Nigeria dürfte allerdings nicht allzu nicht schwer sein: Die Ölquellen der OML 30 liegen im Nigerdelta, und dort geht es alles andere als ruhig zu.

Die lokale Bevölkerung dort profitiert in keiner Weise von dem vorhandenen Ölreichtum. Nicht nur nicht profitiert, sondern dort haben die Ölförderfirmen mittlerweile eine Umweltkatastrophe grössten Ausmasses verursacht, über die wir in einem separaten Artikel ausführlich berichtet haben.

Insbesondere Ölverschmutzung des einst fischreichen Nigerdeltas, Verpestung der Luft durch Abfackeln von Gas, und grossflächige Verschmutzung des Erdreichs.


Öl-Leck, das Öl ergiesst sich ins Niger Delta


Öl-verseuchtes Erdreich
Screenshots: Dr. v. Paleske

Dagegen revoltiert schon seit geraumer Zeit die lokale Bevölkerung des Nigerdeltas. Es kommt zu bewaffneten Überfällen auf die Ölförderanlagen und zu Geiselnahmen.

Das ist wiederum vertrautes Terrain für Tony Buckingham, der es mit Hilfe von Söldnern bestens verstanden hat, auch in bleihaltiger Luft schöne Profite zu machen, wie seinerzeit in Angola oder Sierra Leone, also dort, wo der Bürgerkrieg tobte und deshalb Schürfrechte billig zu erwerben waren.

Die Söldner kamen zunächst direkt von der südafrikanischen Firma Executive Outcomes, und später über seine 2004 dichtgemachte Söldnerfirma Sandline, die dann wiederum von Executive Outcomes den Söldnerdreck anheuerte.


Söldner-Erinnerungsfibel

Sinnvolle Rekrutierung
Und in diesem nigerianischen Zusammenhang macht die Rekrutierung des Ex-US Special Forces Obersten l Mark Erwin durchaus Sinn. Der kann sicherlich die Schiessprügelarbeit für Heritage Oil organisieren wie seinerzeit der britische Ex Colonel Tim Spicer (jetzt Eigentümer der Söldnerfirma Aegis) oder Simon Mann (nach Entlassung aus dem Gefängnis in Äquatorial Guinea zum Buchautor mutiert).


Simon Manns Söldnerreise in Buchform

Colonel Erwin hat die nötigen Kontakte, um ggf. ehemalige oder dienstmüde US-Special Forces-Soldaten als Söldner zu rekrutieren.

Mehr noch: Er dürfte auch die Kontakte zur Africom aktivieren, dem US-Command für Afrika.

Die USA sind gerade dabei, ein Netzwerk für verdeckte Operationen in Westafrika zu etablieren, das von der Hauptstadt Burkina Fasos, Ougadougou, aus operiert.

Zur Umweltkatastrophe in Nigeria
Nur USA? – Die tägliche Umweltkatastrophe in Nigeria
Boko Haram – Al Qaida in Nigeria?

Zum Ölbaron Tony Buckingham
Tony Buckingham: Afrika-Söldner, Ölsucher und nun ugandischer Steuerbetrüger?
Libyen: Britische Söldner wittern Geschäfte
Tony Buckingham – Ein britischer Afrika-Söldner wird Milliardär
linkUgandas Ölfunde: Söldner fördern es, die Amerikaner kaufen es.

Zum Söldnerunwesen
Kampf gegen somalische Piraten – nun mit Söldnern
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Vereinigte Arabische Emirate: Eine Söldnertruppe gegen den arabischen Frühling
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On The Road Again – Blackwater-Söldner dürfen weiter töten
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Zum Coup in Aequatorial Guinea:
Der Wonga Coup
Cry Havoc – Ein Chefsöldner packt aus und belastet auch die deutsche Beteiligungsschiene
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Zu Africom
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