Medizin

Afrikanische Krebsstation: Improvising Medicine: An African Oncology Ward in an Emerging Cancer Epidemic – eine Buchbesprechung

Dr. Alexander von Paleske — 11.10. 2012 —-

Im Mai 2006 tauchte eine an der Rutgers Universität im US Bundesstaat New Jersey im Fach Geschichte lehrende Professorin in der von mir seinerzeit geleiteten Krebsstation des Princess Marina Krankenhaus in Gaborone / Botswana auf.

Für ein paar Tage über die Schulter
Sie stellte sich vor: „Ich heisse Julie Livingston und bitte darum, für ein paar Tage Ihnen sozusagen „über die Schulter schauen“ zu dürfen“.. Sie habe mehrfach zuvor bereits Botswana zu Studienzwecken besucht, und ein Buch über das „Stigma der Behinderung“ in der botswanischen Gesellschaft geschrieben -. Debility and the Moral Imagination in Botswana .


Julie Livingston

Während ihres jetzigen Studienaufenthalts wolle sie untersuchen, wie die Palliativbehandlung von Patienten, insbesondere von Krebspatienten, in Botswana gewährleistet sei. Sie habe die Erlaubnis des Gesundheitsministeriums für diese Forschungsarbeit eingeholt..

Mit gemischten Gefühlen
Ich sah ihrem Aufenthalt, dem ich – angesichts der Erlaubnis des Ministeriums – ohnehin zustimmen musste, mit eher gemischten Gefühlen entgegen:

– Einmal weil wir dann sozusagen „unter Dauer-Beobachtung“ stünden und diese „Beobachtungsergebnisse“ dann auch noch veröffentlicht würden.

-Aber auch, weil ein Jahr zuvor eine andere US- amerikanische Professorin von der Boston Universität namens Diana Wylie in Gaborone aufgekreuzt war und mich kontaktiert hatte. Sie war dabei, ein Buch über den südafrikanischen Künstler und Anti-Apartheidaktivisten Thami Mnyele zu schreiben, der bei einem Überfall von Südafrikas Terrorgruppen auf Gaborone im Juni 1985 ermordet worden war.

Ich hatte die Hintergründe des Überfalls aufgearbeitet , mehrere der offenbar am Überfall Beteiligten herausgefunden, darunter auch den seinerzeit wegen versuchten Putsches in Äquatorial Guinea einsitzenden Südafrikaner Nick du Toit, und machte die Infos bereitwillig für sie verfügbar.
Danach hörte ich nichts mehr von ihr. An sie versandte E-Mails beantwortete sie nicht, und dass sie mir weder mittelte, dass ihr Buch nun veröffentlicht werde, noch mir ein Exemplar übersandte, rundete das Bild ab. Kurzum: Ich fühlte mich ausgenutzt.

Völlig anders
Mit Julie Livingston kam es jedoch völlig anders, als ich befürchtet hatte: Während sie auf unserer Station hospitierte, änderte sich das Konzept ihrer Untersuchung:. Die Krebsstation selbst und die Krebsbehandlung in Botswana wurden das Thema. Sie verlängerte ihren Aufenthalt auf der Station um mehrere Wochen. Und damit hatten weder ich noch meine Mitarbeiter irgendwelche Probleme, denn schnell stellte sich heraus, dass sie keine Belastung für uns war, sondern ganz im Gegenteil eine Bereicherung: Sie wurde in unsere Arbeit integriert, trotz der schwarzen Kladde, die sie ständig mit sich führte und in die sie fleissig Eintragungen machte.

Rarität unter Ausländern in Botswana: Sie beherrschte die Landessprache Setswana, und half beim Übersetzen, denn viele der Patienten sprechen kein Englisch. Auch transportierte sie Patienten zur Bestrahlungsabteilung am anderen Ende der Stadt, und half, den Patienten Mut zuzusprechen oder sie zu trösten.

Sie war weit mehr als eine Beobachterin, sie war teilnehmend und einfühlend.
Julie Livingston kam noch für insgesamt mehrere Wochen zu weiteren Besuchen in den folgenden zwei Jahren.

Während eines Stipendiums am Wissenschaftskolleg in Berlin fasste sie ihre Erfahrungen in Buchform die sie so beschrieb:
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During my stay at the Wissenschaftskolleg I will complete the revisions on a book that offers an intimate look at the cancer epidemic rapidly emerging across Africa. In 2002 Botswana, which at the time had the highest prevalence of HIV in the world, became the first African nation to provide free antiretroviral drugs (ARVs) to its citizens. Yet, the success of this policy has engendered new problems. Many patients now survive their HIV disease only to grapple with viral-associated cancers facilitated by their history of immunosuppression. This grim underside to the otherwise impressive success of the ARV program couples with the significant burden of cancers already prevalent in the population to create a situation of overwhelming proportions.
Taking a cue from Solzhenitsyn, this book examines Botswana’s lone cancer ward as both a metaphor for and instantiation of the constellation of bureaucracy, vulnerability, science, mortality, and hope that shape early 21st-century experience in southern Africa; and as quite simply, a cancer ward – a powerfully embodied social and existential space. This ward presents a compelling microcosm of contemporary tertiary health care. And so it provides one critical site for our focus group on Professional Dilemmas of Medical Practice in Africa. Care here must proceed amid the contingencies of providing high-tech medicine in a public hospital where machines are often broken, drugs go in and out of stock, and bed space is always at a premium. In the ward the oncologist works under conditions of tremendous uncertainty. He must constantly improvise, tailoring clinical medical knowledge and ethical standards forged in metropolitan settings to quite different biological, technological, social, and institutional conditions. These issues of uncertainty and practice are ones that we will also be pursuing across contexts in the collaborative work of our focus group.
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Buch veröffentlicht
Am vergangenen Freitag wurde das Buch

Improvising Medicine: An African Oncology Ward in an Emerging Cancer Epidemic

veröffentlicht.

Das Buch erlaubt einen profunden Einblick in eine afrikanische Krebsstation, wie Ärzte, Schwestern , Patienten und deren Angehörige interagieren, welche oftmals schwierigen Probleme in der Behandlung von Krebspatienten gelöst werden müssen, und wo vor allem die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt.

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