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Axel Springer Konzern: Teil-Rückzug vom Printmarkt – Weniger Meinungsmache?

Dr. Alexander von Paleske —- 26.7. 2013 —— Mit drei Printerzeugnissen Hamburger Abendblatt, Hör Zu und BILD hatte sich der Hamburg-Altonaer Kleinverlegersohn Axel Springer im Nachkriegsdeutschland zum grössten Verleger Europas aufgeschwungen.


Axel Springer …..Blattmacher, Plattmacher und Meinungsmacher Nachkriegsdeutschlands.

Marktmacht für Meinungsmache
Diese Marktmacht nutzte er auch, um gegen alles was links war, oder nach links aussah, anzudrucken: Zuerst gegen die Sowjetunion und die DDR, in den 60er Jahren dann gegen die Studentenbewegung , und schliesslich die Verständigungspolitik Willy Brandts mit dem Osten, dem „Wandel durch Annäherung.
Da galt sein Leitspruch „seid nett zueinander“ natürlich nicht.

Hetz-und Kampfblatt BILD
Am schlimmsten trieb es Axel Springer mit seinem „Kettenhund“ BILD, den in den 60er Jahren sein Lieblings-Chefredakteur, der „schöne Pepe“ Peter Boenisch ausführen durfte, und dessen Schlagzeilen oft genug hart am Straftatbestand der Volksverhetzung vorbeischrammten.

Von den unzähligen Geschichten, marktschreierisch hart bzw. voll an der Wahrheit vorbei, ganz zu schweigen.

Printmedien-Glanzzeiten vorbei
Die Glanzzeiten der Printmedien, deren Markt Axel Springer einst in Westdeutschland zu fast 30%, und in Berlin fast vollständig beherrschte, sind längst vorbei.

Die Auflagen der meisten Printmedien fallen und fallen, ein Ende der Abwärtsfahrt ist nicht in Sicht..

Abwärtsfahrt ohne Ende


Auflage von BILD und BILD am Sonntag


Computerbild-Auflage

Das Internet mit seiner Schnelligkeit und seiner Vielfalt hat ihnen das Wasser abgegraben. Neben die Online-Auftritte der Printmedien sind eine Vielfalt von anderen Anbietern, Online-Magazinen und Bloggern getreten.

Die Verlage reagierten auf den Auflagenrückgang mit Entlassungen von Redakteuren, und der Auslagerung ganzer Redaktionen, was den Absturz nicht aufhielt, sondern wegen des damit einhergehenden Qualitätsverlustes oft nur noch beschleunigte.

Die kostenlosen Internetauftritte der Traditionsmedien spielten wegen der drastisch gefallenen Werbeinnahmen keinen mit den Printmedien vergleichbaren Gewinn ein.

Bezahlauftritte sollen es bringen
Nun sollen es die Bezahlauftritte im Internet bringen. Ob dieses Kostenmodell sich neben den zahllosen kostenlosen Internetauftritten behaupten kann, bleibt abzuwarten, erhebliche Skepsis ist angesagt.

Springer hat sich unter seinem Chef Mathias Döpfner umorientiert: Im Vordergrund stehen jetzt Internetauftritte, die keine Zeitung mehr darstellen, sondern Märkte bedienen, von Immobilienangeboten, Jobbörsen bis zum Automarkt (Stepstone, Immonet, Kaufda ), autohaus24, finanzen.net . Hierfür werden keine Redakteure gebraucht, sondern Leute, die Internetseiten ansprechend und gefällig herstellen können und Content-Manager.

Mit diesen Auftritten verdient Springer bereits Geld, aus dem Medienhaus wird ein Internet-Auftrittshaus, das von Firmen bis Kleininserenten alles bedient.

Keine Überraschung
So stellt dann die Meldung des heutigen Tages keine Überraschung mehr dar:

Axel Springer Verlag verkauft Traditionstitel wie Hör Zu.

Springer verkauft nicht nur Traditionstitel, die ihn gross und reich gemacht hatten, allen voran die Hör Zu unter dem damaligen Chefredakteur Eduard Rhein, sondern gleich auch einen erheblichen Teil seiner Palette von Printerzeugnissen: Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, TV- digital, Funk Uhr, Bildwoche, Bild der Frau, Frau von heute.

Weg mit allen Frauen- und Programmzeitschriften heisst die Devise.

„Kettenhund“ BILD bleibt
Bei Springer bleiben jedoch „Kettenhund“ BILD und BILD-Ableger wie Auto-Bild, Computer- Bild und Sport-Bild, aber auch der einstige Axel Springer „Meinungslappen“ und deshalb seinerzeitige Verlustbringer Welt, die über Jahrzehnte von den Bombenerlösen der anderen Printerzeugnisse mit durchgefüttert wurde – auf Anordnung des Hausherrn Axel.

Abladeplatz: Medienhaus Funke
Verlagshaus Springer lädt diese von ihm erfundenen und nun zum Verkauf gestellten Produkte für schlappe 920 Millionen Euro bei jemandem ab, der offensichtlich den Glauben an Printerzeugnisse noch nicht verloren hat, zumindest nicht wenn diese neuen Medien eine knallharte Schlankheitskur mit entsprechenden Entlassungen hinter sich gebracht haben.

Jemand, der auch auf eigene „positive“ Schlankheitskuren bei bereits aufgekauften Medien stolz zurückblicken kann: Das Medienhaus um die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, auch „WAZ-Männer“ genannt. Mittlerweile als Funke-Medienhaus das drittgrösste Medienhaus Deutschlands.

Einige Springer-Titel dürften – falls das Bundeskartellamt die Übernahme genehmigt – dann wohl zusammengelegt werden. Für viele Redakteure dürfte dieser Verkauf auch das endgültige „Aus“ bedeuten, denn es gibt schon zu viele von ihnen, die bereits auf der Strasse gelandet sind, ohne jegliche Perspektive auf eine erneute Einstellung.

Zwei WAZ-Männer
Die „WAZ-Männer“, das waren einstmals Jakob Funke und Erich Brost, denen die Alliierten nach dem 2. Weltkrieg die Lizenz zur Herausgabe einer Tageszeitung im damaligen Herzen der deutschen Industrie, der Krupp-Stadt Essen, gemeinsam erteilten.

Der eine Herausgeber (Funke) eher rechts von der Mitte, der andere (Brost) eher links als SPD Mitglied angesiedelt. Dadurch sollte eine ausgewogene Meinung sichergestellt werden-

Lizenzen zur Herausgabe einer Tageszeitung waren damals wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Und mit diesem Geld wurden die beiden Eigentümerfamilien nicht nur reich, sondern kauften sich weitere Zeitungen dazu, zunächst regional, dann national, später international, und stiegen zur drittgrössten Medien-Verlagsgruppe Deutschlands auf.

Die beiden Eigentümer sind mittlerweile verstorben, die Familie Brost verkaufte Anteile an die Familie Funke, und so wurde aus Brost & Funke nun Funke.

Besonders guten journalistischen Ruf genoss dieses Medienhaus noch nie: nach bzw. bei der Übernahme von Zeitungen wie der NRZ
der Westfalenpost, der Westfälischen Rundschau und Anzeigenblättern nicht gerade zimperlich, wurde ihnen grösseres Interesse an der Deutschen Mark und Euro als an einem guten Zeitungsartikel nachgesagt. Entsprechend sollen sie mit Redakteuren umgegangen sein.

Funke will weiter drucken, Springer im Internet sich verbreitern, und mit seinem neuen Funke-Geldsack, 920 Millionen Euro schwer, im Internet expandieren.

Weiter präsent
Ohne meinungsbeeinflussende Medienpräsenz ist Springer natürlich auch nach dem Verkauf nicht, dank Welt und BILD .

Genug, um Verlegerwitwe Elfriede Springers Freundin Angela Merkel ordentlich Rückenwind zu machen, auch wenn gelegentlich einer ihrer Spezis mal an- bzw. abgeschossen wird, wie seinerzeit der Bundespräsident Wulff – Spass muss sein.


Ein Herz und eine Seele – Elfriede Springer (li) und Angela Merkel

Den „Kettenhund“ BILD darf natürlich weiter der Chefredakteur Kai Diekmann ausführen, just zurück von einem Sabbatical im Silicon Valley, wo er zu Füssen des Internet- Gurus und Propheten Jeff Jarvis sicherlich ein paar Weisheiten und Zukunftsperspektiven aufschnappen konnte, ohne gleichwohl am Konzept der BILD zu rütteln. Ein „Drecksblatt“, wie einige missgünstige Redakteure der Süddeutschen Zeitung sie nannten.


Kai Diekmann …….viel gelernt im Sabbatical

Also noch genügend Geschütze für den Luftraum über Deutschlands Stammtischen, einschliesslich des Boulevard-Mix von Sex und Crime, und Geschichtchen über Prominente, die mit dem BILD-Fahrstuhl mal hoch, und mal runtergefahren werden.
.
Was die Studentenbewegung einst mit der Forderung „Enteignet Springer“, um dessen Meinungsmacht zu brechen, nicht geschafft hatte, haben das nun Internet und Döpfner bewerkstelligt? – Teilweise. Auch wenn BILD weiter für rechten Wind sorgen wird: Nichts ist mehr so, wie es einst war.

Dem ist wohl kaum eine Träne nachzuweinen.

Zum Axel Springer Verlag (keine Satire)
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Zur WAZ
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