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Hamid Mir – Anschlag auf einen Top-Journalisten und die Pressefreiheit

Dr. Alexander von Paleske —– 20.4. 2014 ——Anschläge auf Journalisten machen in Deutschland kaum Schlagzeilen, es sei denn, eine deutsche JournalistIn ist davon betroffen, wie zuletzt die Bildjournalistin Anja Niedringhaus.

Journalisten in Ländern wie Pakistan, Irak, Syrien und Ägypten riskieren ihr Leben – jeden Tag – um Öffentlichkeit zu schaffen, für das, was wirklich ist, Hintergründe zu beleuchten, den Lügen von Regierung bzw. Opposition die eigene Meinung und das Ergebnis ihrer Recherchen entgegenzustellen.

Lange Liste
Die Liste getöteter Journalisten ist lang, so sind in Syrien seit Beginn des letzten Jahres 30 Journalisten getötet worden, im Irak 15, in Ägypten 7, und in Pakistan 6 . Die meisten von ihnen nicht durch Kriegseinwirkung, sondern gezielt getötet.

Am18.4. wurden die französischen Journalisten Edouard Elias, Didier François, Nicolas Hénin und Pierre Torrès nach mehrmonatiger Geiselhaft, und vermutlicher Zahlung eines hohen Lösegeldes, in Syrien von den Rebellen freigelassen.

Anschlag auf Hamid Mir – nicht der erste
Gestern wurde wieder ein Anschlag in Pakistan auf einen Journalisten verübt, der aber trotz mehrerer Schussverletzungen überlebte: Hamid Mir. Er befand sich auf dem Weg vom Flughafen in Karachi zu seinem Büro, als von einem Motorrad aus mehrere Schüsse auf ihn abgefeuert wurden.


Hamid Mir – Screenshot: Dr. v. Paleske

Es war nicht der der erste Mordanschlag auf ihn: Bereits im November 2012 war ein Bombenanschlag auf ihn versucht worden. Eine Bombe war unter seinem Auto angebracht worden, sie wurde rechtzeitig entdeckt und entschärft. Drohanrufe kommen nahezu täglich.

Hamid Mir ist einer der bekanntesten TV-Journalisten Pakistans. Er war der letzte, der Osama bin Laden interviewte, und zu seinen Interviewpartnern gehörten u.a. die US- Ex-Aussenministerin Condoleeza Rice und Tony Blair.

Er ist für seine Kritik an Armee und Geheimdienst Pakistans bekannt und schrieb auch auf diesem Blog.

Hamid Mir, der aus einer Journalisten-Familie stammt, arbeitet seit 2002 für die private pakistanische Fernsehstation GeoTV. In seiner Talk Show „Capital Talk“ treten Vertreter der Regierung wie der Opposition auf.

Seinem Bruder teile er in einem Brief kürzlich mit, dass er mit einem Anschlag seitens des pakistanischen Geheimdienstes ISI rechne, ein Geheimdienst der insbesondere für brutale Folter, gelegentlich auch mit Todesfolge, traurige Berühmtheit erlang hat, und der auch Folteraufträge für den britischen Geheimdienst übernahm , wir berichteten darüber.

Vorletzter Anschlag vor nur drei Wochen
Der vorletzte Mordanschlag auf einen Journalisten in Pakistan liegt nur drei Wochen zurück, er galt Raza Ahmed, besser bekannt als Raza Rumi. Er überlebte, sein Fahrer starb.

Es war der fünfte Anschlag auf Mitarbeiter des Medienhauses Express, drei Mitarbeiter verloren Anfang des Jahres bei einem der Anschlag ihr Leben.

Nach dem Anschlag fanden in Pakistan Demonstrationen von Journalisten statt, die einen besseren Schutz vor derartigen Anschlägen forderten.


Journalisten demonstrieren nach dem Anschlag —- Screenshot: Dr. v. Paleske

Autoritäre Regime und deren terroristische Gegner, wie die Taliban hassen die Öffentlichkeit, weil sie ihre Propaganda Lügen straft. Wer sich als Journalist der Wahrheit verpflichtet fühlt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Wenigstens darüber sollte regelmässig berichtet werden, auch wenn es sich nicht um deutsche Journalisten handelt.

Hier veröffentlichte Artikel von Hamid Mir
Hamid Mir, The Last Man To Interview Osama Bin Laden
The burden of being Osama’s daughter

The way forward
Taliban will be defeated this time

Zum pakistanischen Geheimdienst ISI
Folter wird zum “Normalfall” oder: Zurück ins Mittelalter

Siehe auch Reporter ohne Grenzen
http://www.reporter-ohne-grenzen.de/

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