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Eine Begnadigung in Südafrika und ein unaufgeklärter Mord in Schweden

Dr. Alexander von Paleske — 1.2. 2015 — Was der Justizminister der Republik Südafrika, Michael Masutha, vorgestern verkündete, war keine wirkliche Sensation: Der Massenmörder der Apartheidzeit, Eugene de Kock, ist begnadigt worden, einen Tag nach seinem 66. Geburtstag.


Eugene de Kock

Mörderischer Vollstrecker
Eugene de Kock war einer der mörderischen Vollstrecker des Apartheidregimes. Auf sein Konto gehen unzählige Morde von Aktivisten, Bürgerrechtlern und Freiheitskämpfern.

De Kock war 1996 zu 212 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 89 Anklagepunkte umfassten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sechsfacher Mord, Verabredung zum mehrfachen Mord, mehrfacher versuchter Mord, schwere Körperverletzung, Entführung und Betrug. Und es waren wohl längst nicht alle Straftaten, die zur Anklage kamen.

Schicksale aufgeklärt, Namen genannt
De Kock gestand nicht nur seine Verbrechen, sondern half, die Schicksale vieler Aktivisten aufzuklären, die seinerzeit „spurlos verschwunden“ waren.

Mehr noch: de Kock, der am Ende der Befehlskette stand, nannte Namen der Verantwortlichen, die Befehle gaben, sich selbst nicht die Hände schmutzig machten, und offenbar bestens informiert waren, bis hinauf zu den Apartheidpräsidenten Botha und de Klerk.


Eugene de Kock mit Angehörigen eines der Opfer, die ihm vergaben

Rückblick auf die Apartheidjahre
Mit dieser Begnadigung rücken noch einmal die 70er und 80er sowie der Beginn der 90er Jahre in Südafrika in das Licht der Öffentlichkeit, in welcher der Apartheidstaat mit aller Gewalt, einschliesslich der Ermordung politischer Gegner, sein Überleben sichern wollte, was bekanntermassen misslang.

Zu diesen Versuchen, das Apartheid-Überleben zu sichern, gehörte vermutlich auch die Ermordung des schwedischen Regierungschefs Olof Palme im Jahr 1986. Die schwedische Regierung leistete damals ehebliche Finanzhilfe für die Befreiungsbewegung Afrikanischer Nationalkongress, ANC, die jetzige Regierungspartei Südafrikas.

De Kock, der zunächst als Offizier am Aufbau der Terrortruppe Koevoet beteiligt war, die im Grenzgebiet zwischen Namibia und Angola operierte, und Jagd auf Befreiungskämpfer der SWAPO, der heutigen Regierungspartei Namibias machte, übernahm 1982 Vlakplaas,
ein als Farm getarntes Folter- und Todescamp der Todesschwadron C10, 20km ausserhalb von Pretoria gelegen.


Vlakplaas: Folter- und Todescamp

Folteropfer wurden auch mit Hilfe von Gift umgebracht, das von dem Arzt und Kardiologen Dr. Wouter Basson bereitgestellt worden war.
Viele zu Tode Gefolterte wurden an der Feuerstelle verbrannt, während sich die Apartheid-Mörder mit Branntwein vollaufen liessen. Die Überreste der Leichen wurden dann irgendwie „entsorgt“.

Enttarnt wurde alles durch die Investigativarbeit des Journalisten Max du Preez in seiner Wochenzeitung Vrye Weekblad, der den Gründer und Leiter des Terrorcamps von 1979 bis 1982, Dirk Coetzee,
zum Reden brachte.


Max du Preez 1989

Während de Kock vor der Wahrheitskommission (Truth and Reconciliation Commission) detaillierte Angaben machte und um Vergebung bat, kamen seine Befehlsgeber weitgehend ungeschoren davon. Weder gestanden sie, noch baten sie um Vergebung. So praktiziert auch Dr.Wouter Basson weiter als Kardiologe.

Die Ermordung Olof Palmes
Während seines Prozesses behauptete de Kock, Schwedens Regierungschef Olof Palme sei vom südafrikanischen Geheimdienst umgebracht worden.
Weitere Angaben nach dieser explosiven Enthüllung machte er jedoch nicht.

Am 21. Februar 1986 hatte Olof Palme in einer Regierungserklärung das Apartheidregime in Südafrika attackiert, in der bisher schärfsten Form.


Olof Palme (r) mit Willy Brandt (m) und Bruno Kreisky (l)

Eine Woche später wurde er ermordet.

Craig Williamson, notorischer Apartheid-Mörder, befand sich zu diesem Zeitpunkt in Schweden. Ebenso der Apartheid-Berufskiller Roy Daryl Allen.

Die schwedische Polizei ermittelte in alle Richtungen, nur nicht in Richtung Südafrika.

Nach drei Jahren wurde schließlich ein Verdächtiger präsentiert: Christer Pettersson, der aber dann vom Mordvorwurf durch ein schwedisches Gericht schließlich freigesprochen wurde.

Im Jahre 2007 veröffentlichte der südafrikanische investigative Journalist De Wet Potgieter sein Buch:

„Total Onslaught, Exposing Apartheid‘s Dirty Tricks“

in welchem er aufgrund von Indizien als Mörder den Südafrikaner Roy Daryl Allen ausmacht, der mittlerweile in Australien lebt, und der natürlich alles abstreitet.

Roy Allen war im Project Longreach involviert, und befand sich zum damaligen Zeitpunkt in Schweden. Nach seiner Rückkehr verschafften die Apartheid-Dienste für den fraglichen Zeitraum ihm ein gefälschtes Alibi in Namibia.
Seine Reisekostenabrechnung jedoch, die er einreichte, wies den Aufenthalt in Schweden nach.


Spesenabrechnung widerlegt Alibi

Der Chef der Kriminalpolizei Schwedens zum Zeitpunkt der Ermordung Palmes erklärte in einer TV-Sendung des schwedischen Fernsehens am 8.9. 2010, dass der Hauptverdächtige der Ermordung Palmes die Apartheidregierung Südafrikas sei.

Es ist zu hoffen, dass de Kock nach seiner Freilassung noch einige Angaben machen kann, die zur Aufklärung des Mordes an Olof Palme führen können.

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