vermischtes

Nachruf auf die Ärztin Dr. Johanna Davis und ihren Mentor Hugo Pfeil, vor 70 Jahren aus dem KZ Dachau befreit

Dr. Alexander von Paleske —- 3.5. 2015 —–Am 17.4. 2015 verstarb im Alter von 96 Jahren in Bulawayo / Simbabwe die Missionsärztin Dr. Johanna Davis.

Ich habe bereits in einem längeren Artikel ihren Lebenslauf dargestellt und ihre Arbeit gewürdigt:

Die Afrikaner nennen sie Ma Khumalo – Besuch bei einer außergewöhnlichen Ärztin.


Dr. Johanna Davis-Ziegler – Foto: Dr. v. Paleske

In einer würdigen Trauerfeier am 22.4. wurde noch einmal das Lebenswerk dieser aussergewöhnlichen Ärztin dargestellt.

Ich will bei dieser Gelegenheit noch einmal das Augenmerk auf ihren Mentor, den Pfarrer Hugo Pfeil, lenken.

Wegbestimmend für ihren Entschluss, Missionsärztin zu werden, war der Pfarrer Hugo Pfeil in ihrer Heimatgemeinde Humes im Saarland. Dem hatte sie ihren Wusch anvertraut, Missionsärztin zu werden und er bestärkte sie in ihrem Entschluss nach Kräften, während ihre Eltern davon abrieten.


Hugo Pfeil

1948, nach Abschluss des Medizinstudiums und Arbeit in mehreren Krankenhäusern, kam sie, nach Simbabwe, das damals als Rhodesien britische Kolonie war.

Einer der wenigen
Hugo Pfeil gehörte zu den nicht gerade zahlreichen Pfarrern, die nicht nur das Nazi-Regime durchschauten, sondern auch dagegen ihre priesterliche Stimme erhoben.

So wurde er einmal unter dem Vorwurf verhaftet, dass er nie den „deutschen Gruß“ Heil Hitler verwende. Pfarrer Pfeil grüßte lieber mit „Grüß Gott“. Mit diesem „altdeutschen Gruß“, wie er ihn nannte, machte er öffentlich, wer für ihn die Autorität war.

Bei den Reichstagswahlen 1936 und der Volksabstimmung zur Ermächtigung der Rheinlandbesetzung, ging Hugo Pfeil nicht zur Wahl – trotz Wahlpflicht. Kurz vor Schließung des Wahllokals zwangen Mitglieder der SA unter körperlicher Gewalt ihn zur Urne.

In seiner Predigt am ersten Sonntag nach Kriegsbeginn1939 bezeichnete Pfarrer Pfeil den angeblichen polnischen Überfall als Propaganda.

Am 20. September 1939 verhaftete ihn die Gestapo, und brachte ihn über Zwischenstationen iim Dezember 1940 in den Pfarrerblock des KZ-Dachau.

Vor 70 Jahren wurde er zusammen mit den anderen Inhaftierten von der US-Armee befreit, und kehrte nach Humes zurück.

Dort aber lernte er, dass Hitlers Propaganda noch fest in den Köpfen der Einwohner sass. Statt freudig ihn als aufrechten Rückkehrer zu begrüssen, stiess er auf offene und versteckte Ablehnung, sodass er schliesslich um seine Versetzung bat.

Zum weiteren Lebenslauf siehe hier.

So wie die Teilnehmer des Aufstands am 20. Juli 1944 in der Nachkriegszeit zunächst keine breite Würdigung fanden, sondern ihnen weiter das Stigma der Verräter anhaftete, so geisterte die braune Propaganda weiter in vielen deutschen Köpfen. Humes war da keine Ausnahme.

Mehr noch
Nazi-Richter wie Otto Thorbeck, der unter anderen die Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, Ludwig Gehre, Hans Oster und Karl Sack im Schnellverfahren zum Tode verurteilt hatte, wurde von der Beihilfe zum Mord 1956 vom Bundesgerichtshof freigesprochen, obwohl es sich um einen reinen Schau- und Terrorprozess handelte, noch dazu ohne Verteidiger..

Thorbeck durfte als Rechtsanwalt weitermachen.

In der Urteilsbegründung hiess es:

Einem Richter, der damals einen Widerstandskämpfer wegen seiner Tätigkeit in der Widerstandsbewegung abzuurteilen hatte und ihn in einem einwandfreien Verfahren für überführt erachtete, kann heute in strafrechtlicher Hinsicht kein Vorwurf gemacht werden, wenn er angesichts seiner Unterworfenheit unter die damaligen Gesetze […] glaubte, ihn des Hoch- und Landesverrats bzw. des Kriegsverrats (§ 57 Militärstrafgesetzbuch) schuldig erkennen und deswegen zum Tode verurteilen zu müssen.

Nicht anders der Beisitzer am Volksgerichtshof, Hans-Joachim Rehse, auch der wurde vom Bundesgerichtshof freigesprochen, und die Witwe des Vorsitzenden Roland Freisler erhielt eine Beamtenpension – trotz des mörderischen Justizterrors ihres Mannes.

Beschämende Verharmlosung und Rechtfertigung

Die beschämende Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nazi -Regimes, die Durchsetzung des öffentlichen Dienstes mit schwer- und leichtbelasteten braunen Figuren, all das geschah nach der Befreiung 1945.

Wie sagte doch in diesem Zusammenhang der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer:

Man schüttet kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines hat!“.

Und nach dieser Maxime wurde gehandelt.

Auch daran sollte – mit Scham – erinnert werden, am Gedenktag der Befreiung des KZ Dachau.

Die Befreiung der Deutschen von brauner Ideologie fing da erst an – allerdings nur sehr zögerlich.

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