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Lukas Vogelsang – Totgeschwiegene leben länger: Die 50. Ausgabe! Wir sind stolz, nach 5 Jahren ein rundes Jubiläum feiern zu dürfen – ohne Pleite zu sein. ensuite – kulturmagazin ist schweizweit das grösste Kulturmagazin und über 45 Menschen produzieren monatlich dieses Heft. Doch die Kultur ist der Sparwut der Politik unterworfen – das spüren auch wir. Trotzdem: Die öffentliche Hand hat uns in den letzten 5 Jahren mit insgesamt „nur“ 50’000 Franken unterstützt. Das ist lächerlich, wenn man sieht, was wir erreicht haben. Private Institutionen haben da mehr Initiative gezeigt.


ensuite kulturmagazin – die Nr 1 der Schweizer Kultur

Die Situation wird sich so rasch nicht ändern. Bern spart sich wieder unter den Boden. In der neuen Ausgaben drucken wir dazu den offenen Brief vom „Mühle Pesche“ (Mühle Hunziken) ab, der Brief hat doch in den Medien für Echo gesorgt. Nur, damit man auch versteht, worum es in kulturpolitischen Dingen geht.

Tja, viel Zeit für die Jubiläumsfeier bleibt uns sowieso nicht, denn der Februar ist kurz und das Programm dicht!

ensuite kulturmagazin

spionage

Deutschland: Haftbefehle gegen 13 CIA-Entführer

World Content News – Das Amtsgericht München hat heute gegen die Kidnapper von Khaled el Masri auf Antrag des Oberstaatsanwalts August Stern hin Haftbefehl erlassen. Sie werden nun in Deutschland wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung gesucht. Noch nicht geklärt dagegen ist die Frage: Gab es auch deutsche Helfer und Mitwisser ?

Der Münchener Staatsanwaltschaft sind die Namen der 13 CIA-Agenten durch Ermittlungen der spanischen Polizei bekannt. Es sind zwar überwiegend nur Tarnnamen, mit denen die Entführer mittels gefälschter Pässe operierten, bei drei Piloten konnte anhand journalistischer Recherchen auch der tatsächliche Name und deren Wohnort im US-Bundesstaat North Carolina ermittelt werden. Sie hatten unter den falschen Identitäten Eric Fain, James Fairing und Kirk James Bird für die CIA-Firma Aero Contractors mehrfach Menschen verschleppt, darunter auch Khaled el Masri am 23.01.2004 von Mazedonien nach Afghanistan.

Khaled el Masri zuvor am 31.12.2003 am serbisch-mazedonischen Grenzübergang bei Tabanovce verhaftet worden und wurde 23 Tage im Hotel „Skopske Merak“ in Skopje gefangen gehalten und verhört. Am Abend des 23. Januar wird er aus dem Hotel geholt. Ihm werden Handschellen angelegt und die Augen verbunden. In einem Gebäude am Flughafen wird er zum ersten Mal gefoltert. Stunden später bekommt er eine Spritze, durch die er bewusstlos wird. Schließlich wird er in eine Boeing 737 mit der Registriernummer N313P verfrachtet, die, von Mallorca kommend, ihn in das berüchtigte Foltergefängnis namens „Salzhöhle“ bei Kabul entführt.

Die Tarnnamen der CIA-Agenten, die nun gesucht werden und anhand der Nachforschungen des englischen Journalisten Stephen Grey aufgedeckt und zunächst der spanischen Polizei übermittelt wurden, lauten ( / = Schreibweise laut spanischer Liste):

Bird, Kirk James
Bryson, Charles Goldman
Decker / Deckard, John Richard
Fain, Eric Matthew
Fair / Fairing, James
Franklin, Jason
Grady, Michael
Greesbore, Walter Richard
Lorenzo / Loren, Hector
Lumdsen, Lyle Edgard / Lumsden II, Lyle Edgar
O’Hale, James
Riloy / O’Riley, Patricia
Payne, Jane

Laut einem Spiegel-Online Interview mit Tyler Drumheller, dem früheren CIA-Chef in Europa, handelt es sich bei diesen „Überstellern“ teilweise um speziell geschulte Kräfte, die dem Umfeld der Paramilitärs zuzurechnen sind. Drummheller erwähnt sie als „schillernde Typen“, die ansonsten wahrscheinlich Banken überfallen würden, wären sie nicht beruflich im Auftrag der Regierung unterwegs. Stephen Grey, der über seine Nachforschungen zu den Entführern auch ein spannendes Buch veröffentlicht hat, meint, es wäre ziemlich einfach gewesen, ihnen auf die Spur zu kommen, da sie sich bei ihrer Tarnung nicht besonders Mühe gegeben hätten. Mehrere von ihnen sollen sogar im Besitz von Diplomatenpässen gewesenen sein, was für normale Besatzungsmitglieder eines Flugzeugs doch ziemlich ungewöhnlich ist. Und in dem 5-Sterne-Hotel auf Mallorca, wo sie vor der Entführung abgestiegen waren, hätten sie sogar mit durchnummerierten Kreditkarten bezahlt.

Das Flugzeug N313P, in der Presse inzwischen auch als „Folter-Taxi“ bezeichnet, soll für Dutzende Entführungen benutzt worden sein, die Crew war im Großen und Ganzen immer ähnlich zusammengesetzt, insbesondere die Piloten gehörten zum Stamm der Besatzung. Seit Ende 2004 gab es mehrere Umregistrierungen und Eigentümerwechsel der N313P. Aktuell ist sie unter der Nummer N720MM registriert, ihr offizieller Besitzer ist jetzt MGM Mirage Aircraft Holdings LLC. Dahinter verbirgt sich einer der reichsten Männer der USA: der 89-jährige Multimilliardär und Hotelkönig von Las Vegas, Kirk Kerorian.

Dass damit jetzt mit den CIA-Flügen Schluss ist, kann man jedoch nicht daraus schlussfolgern. Einer der ersten Flüge der Boeing nach der Umregistrierung ging auf einen Luftwaffenstützpunkt in San Antonio, Texas (Lackland Air Force Base, auch „Security Hill“ genannt). Dort hat auch die „Air Intelligence Agency“ (AIA) ihren Sitz. Außerdem befindet sich in San Antonio die Filiale eines Unternehmens namens Jeppesen Dataplan. Ein früherer Mitarbeiter hat nach einem Pressebericht diese ansonsten gutsituierte Firma, die auch einen Ableger in Deutschland hat, als Reisebüro der CIA bezeichnet, das Entführungen regelrecht organisiert haben soll.

Viele Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen also. Dass die USA einem möglichen Auslieferungsersuchen nachkommen wird, daran glaubt niemand. Die Entführer könnten derzeit also nur festgenommen werden, wenn sie nach Deutschland einreisen. Und da sind dann noch die vielen ungeklärten Fragen, in wie weit deutsche Nachrichtendienste in diesen Fall verwickelt waren (die Identität des perfekt deutsch sprechenden Verhörers „Sam“ ist immer noch ungeklärt) und ab wann politische Funktionsträger von der Entführung gewusst haben.

Der verbale Eiertanz um das seelenlose Geschacher um die Zurücknahme des in Guantanamo gefolterten Deutsch-Türken Kurnaz, die Tatsache dass Entführungen auch von deutschem Staatsgebiet aus organisiert wurden und der Einsatz von Bundeswehr-Spezialkräften bei der Bewachung von US-Gefangenenlagern lassen vermuten, dass auch die Hintergründe um die Entführung von Khaled el Masri noch längst nicht vollständig ausgeleuchtet sind, eine passive oder aktive Beteiligung der damaligen Bundesregierung kann man nach wie vor nicht ausschließen.

Vor wenigen Tagen jedenfalls hat ein Hamburger Rechtsanwalt Strafanzeige gegen Steinmeier im Fall Kurnaz wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung erstattet. An wem die Verbalitäten „infam“ und „heuchlerisch“, wie sie von Otto Schily als Reaktion auf den Vorwurf verwendet wurden, die frühere rot-grüne Regierung habe die frühzeitige Freilassung von Kurnaz hintertrieben, am Ende kleben bleiben, das wird sich noch herausstellen.

Auf der anderen Seite schlagen die Geheimniskrämer jetzt zurück: So ist von der Hamburger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen drei Redakteure des Magazins „Stern“ eingeleitet worden. Der Vorwurf: Verdachts der Beihilfe zum Geheimnisverrat. Sie hätten am 21.09,2006 in einem Artikel über den von der CIA entführten deutschen Staatsbürger Khalid al-Masri aus geheimen Unterlagen zitiert. Dem „Stern“ zufolge hat der BND-Untersuchungsausschuss selbst diese staatliche Verfolgung angeleiert. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestierte inzwischen scharf gegen die Ermittlungen. „Die Justiz versucht, mit der Keule des Ermittlungsverfahrens gegen Journalisten kritische Berichterstattung zu bestrafen“, so deren Vorsitzender Michael Konken.

Quellen
Deutsche Justiz jagt CIA-Kommando (Spiegel Online, 31.01.07)
Berlin verweist im Fall Masri auf Justiz (Netzeitung, 31.01.07)
Chronik al Masri: Fünf Monate verschwunden (Spiegel Online, 31.01.07)
Hintergrund: CIA beschäftigt Justiz mehrerer europäischer Länder(Der Standard, 31.01.07)
Spanisches Gericht fordert geheime Unterlagen über CIA-Flüge an
(Frankfurter Neue Presse, 31.01.07)
„Die Regierung wollte den Krieg“
(Interview Drumheller, Spiegel Online, 29.01.07)
Strafanzeige gegen Steinmeier im Fall Kurnaz (Der Standard, 27.01.07)
Steinmeier an Abweisung beteiligt (Hamburger Abendblatt, 27.01.07)
<a href="http://www.taz.de/pt/2007/01/29/a0111.1/text&quot; title="externer Link“ target=“_blank“>Schily verteidigt sich – und Steinmeier (taz, 28.01.07)
Ermittlungen gegen „Stern”-Journalisten (Kölner Stadtanzeiger, 31.01.07)
Flugdaten N313P (eigener Beitrag, Juni 2006)
Datenbank mit mehr als 3700 CIA-Flügen
(Stephen Grey, ghostplane.net, Dez. 2006)

Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

deutschland

Drei deutsche Bundesminister – verfassungswidrig und infam?

Michael Schulze von Glaßer – Egal, ob es sich um rechts-, links- oder religiös-extremistische Organisationen handelt: Penibel werden im Verfassungsschutzbericht Details über diskreditierte Organisationen festgehalten. Im aktuellsten 394 Seiten starken Verfassungsschutzbericht [1] (aus dem Jahr 2005) wird augenscheinlich jede auch nur annähernd verfassungsfeindliche Organisation oder Person genannt. Die mutmaßlich größten Feinde der Verfassung aber werden alljährlich vergessen. Hier eine aktuelle Liste jener im Verfassungsschutzbericht fehlender Personen, die meiner Meinung nach dafür in Betracht kämen.

Wolfgang Schäuble (CDU)
Der 64-jährige Wolfgang Schäuble ist Bundesminister des Innern und gehört den Christdemokraten an [2]. Engagiertes Machtstreben zeichnet ihn aus. So will Schäuble den Einsatz der Bundeswehr im Innern [3], den Abschuss mutmaßlich von Terroristen entführten Passagierflugzeugen [4] und eine Vernetzung von Polizei und Geheimdiensten [5] durchsetzen, doch alle diese drei Forderungen verstoßen (noch) gegen die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.

Die Bundeswehr darf bisher nur bei Notfällen, wie dem Oder-Hochwasser 2002, im Inland eingesetzt werden. Das im Grundgesetz verankerte Verbot von Inlandseinsätzen der Bundeswehr wird, dank Schäuble, jedoch schon heute durchlöchert. Immer wieder hilft die Bundeswehr meist unauffällig im Inland aus. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 leistete die Bundeswehr der Polizei Unterstützung indem sie den Polizisten Schlafplätze und Verpflegung zur Verfügung stellte [6]. Dies war ein unterstützender Einsatz im Inland, der zwar ganz nett und generös wirkte, doch klar gegen die Verfassung verstieß:

„Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es erlaubt“ GG Artikel 87 a [Streitkräfte] (2)

Das Grundgesetz erlaubt den Einsatz der Bundeswehr zur Unterstützung und Übernahme polizeilicher Aufgaben nur, wenn es zum Verteidigungs- oder Spannungsfall kommt. Manche aggressive Zeitgenossen, Hooligans genannt, sehen im Fußball zwar so etwas wie Krieg, doch offiziell tritt der „Verteidigungsfall“ nur ein, wenn Deutschland von einem anderen Staat angegriffen wird – dann herrscht Krieg. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bestand zwar eine erhöhte Sicherheitsgefahr, aber sie war unzureichend, um damit den „Spannungsfall“ auszurufen, der durch den Bundestag hätte beschlossen werden müssen. Der „Spannungsfall“ kann vor einem unmittelbar anstehenden Krieg ausgerufen werden – dann können auch Reservisten eingezogen werden. Der Einsatz der Bundeswehr im Inland war und ist somit verfassungswidrig.

Ein weiterer Gesetzeswunsch Schäubles [7] ist, den Piloten der deutschen Luftwaffe zu ermöglichen auch einmal ein reales Flugzeug vom Himmel zu pusten. So erklärte der Innenminister am 2. Januar 2007 gegenüber der Süddeutschen Zeitung, er wolle das zuvor beim Bundesverfassungsgericht durchgefallene Luftsicherheitsgesetz „verfassungsgemäß“ machen. Das Luftsicherheitsgesetz soll es der Bundeswehr erlauben, ein von Terroristen gekapertes Zivilflugzeug abzuschießen bevor dieses, wie im Fall des 11. Septembers 2001 in New York, als Waffe benutzt wird. Das Gesetz scheiterte im Februar 2006 vor dem Bundesverfassungsgericht [8].

Mit Blick auf die Garantie der Menschenwürde sei es

„schlechterdings unvorstellbar, auf Grundlage einer gesetzlichen Ermächtigung unschuldige Menschen, die sich in einer derart hilflosen Lage befinden, vorsätzlich zu töten“,

urteilten die Verfassungsrichter.

Nun wagt der Innenminister einen neuen Versuch indem er einen „Quasi-Verteidigungsfall“ als rechtliches Konstrukt etabliert [9]. Laut Schäuble wäre mit dem „Quasi-Verteidigungsfall“ der Abschuss eines vollbesetzten Zivilflugzeuges zur Vermeidung einer mutmaßlich noch größeren Katastrophe rechtens. Dies führe jedoch zu einer rechtsfreien Grauzone, weil ein permanenter Ausnahmezustand problemlos ausgerufen werden könnte. Außerdem verwischten sich damit die Grenzen zwischen Kriegs- und Friedensrecht, womit die Bundeswehr im Innern eingesetzt werden könnte – möglicherweise sogar gegen unbescholtene und völlig unbeteiligte Deutsche. Besonders sie wären der staatlichen Willkür und einer bislang nur im Zweiten Weltkrieg existierenden Todesgefahr ausgesetzt, denn über dem dichtbesiedelten Deutschland kann kein Verkehrsflugzeug abgeschossen werden, ohne nicht auch am Boden, auf dem die brennenden Trümmer prasseln, Gebäude, Fahrzeuge, Tiere und vor allem Menschen zu treffen. Ein Abschuss, die so genannte „Vermeidung einer noch größeren Katastrophe“, könnte somit eine weitaus größere Katastrophe verursachen, eine Kettenreaktion von tragischen Ereignissen am Erdboden, und damit genau das Ziel von Terroristen unterstützen.

Aber das Luftsicherheitsgesetz wurde vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt, weil es zweifelsfrei gegen die Verfassung verstößt; Menschenleben können nun einmal nicht gegen andere Menschenleben abgewogen werden. Trotz dieses höchstrichterlichen Rückschlags versucht Innenminister Schäuble, mit Unterstützung der SPD, erneut das Luftsicherheitsgesetz durchzupeitschen. Dies zeigt, mit welcher unmenschlichen und menschenverachtenden Ignoranz er dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland begegnet.

Schon Schäubles Vorgänger im Amt des Innenministers, Otto Schily (SPD), machte sich am Anti-Terror-Gesetz, auch „Otto-Katalog“ genannt, zu schaffen. Das Gesetz ist sehr umfassend und wird stets, dank solch ehrgeiziger Politiker wie Wolfgang Schäuble, erweitert. Direkt nach den Terroranschlägen von New York und Washington wurden so genannte Rasterfahndungen eingeleitet. Die Antwort des Verfassungsgerichts im Urteil vom 4. April 2006:

„Eine allgemeine Bedrohungslage, wie sie im Hinblick auf terroristische Anschläge seit dem 11. September 2001 durchgehend bestanden hat, oder außenpolitische Spannungslagen reichen für die Anordnung der Rasterfahndung nicht aus.“ 1 BvR 518/02

Die Anti-Terror-Gesetze sind jedoch weit umfangreicher als die verfassungswidrige Rasterfahndung. Auch das verfassungswidrige Luftsicherheitsgesetz und das Terrorismusbekämpfungsgesetz [10] fallen in den Bereich der Anti-Terror-Gesetze. Letzteres hat die Befugnisse der Geheimdienste erweitert und das Post- und Fernmeldegeheimnis drastisch eingeschränkt.

Das Terrorismusbekämpfungsgesetz trat am 1. Januar 2002 in Kraft und führte zu Pässen mit biometrischen Daten und einer Verschärfung des Ausländerrechts.

Das Terrorismusbekämpfungsgesetz ist ein Angriff auf die Pressefreiheit und die freiheitlich demokratische Grundordnung [11]. Dem Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und Militärischen Abschirmdienst wurden horrende Rechte eingeheimst. Die Geheimdienste können jetzt ohne juristische Hindernisse in Wohnungen lauschen, Bankkonten überprüfen und harmlose Bürger ohne konkreten Verdacht bespitzeln.

Wermutstropfen an dieses Gesetz: Es wurde auf fünf Jahre beschränkt. Aber Anfang 2007 sollte das Terrorismusbekämpfungsgesetz nicht mehr tonangebend sein, doch „Anti-Terror-Kämpfer“ Schäuble kam dem zuwider und legte 2006 das Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz vor [12]. Der Zungenbrecher ist eine Verlängerung und zusätzliche Verschärfung des Vorgängergesetzes. Vor allem die im Zuge des Gesetzpaketes angestrebte Anti-Terror-Datei ist sehr umstritten.

Die Innenministerkonferenz unter dem Vorsitz von Günther Beckstein (CSU) bereitete der Anti-Terror-Datei am 4. September 2006 mit dem Beschluss für die Datei den Weg [13]. Die Datei kann von allen bundesdeutschen Polizeidienststellen und Geheimdiensten des Bundes und der Länder erweitert und benutzt werden. Dies führt zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Geheimdiensten und Polizei, was einen Bruch des Grundgesetzes gleichkommt. Die Geschichte lehrt uns, wie fatal die Verzahnung von Geheimdiensten mit der Polizei sein kann: Im Nazi-Deutschland unter dem Diktator Hitler vereinte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) beide Organe in sich. Auch die Staatssicherheit (Stasi) in der Deutschen Demokratischen Republik war Geheimdienst und Polizei zugleich.

Schnell griff Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Idee der Innenministerkonferenz auf und entwarf das „Gemeinsame-Dateien-Gesetz“ [14]. Die Bundesregierung segnete das Gesetz am 20. September 2006 ab, im Bundestag wurde das Gesetz am 1. Dezember 2006 beschlossen [15]. Schäuble begründete die Notwendigkeit der Anti-Terror-Datei, die ursprünglich als „Islamistendatei“ geplant war, mit den Attentatsversuchen auf Züge der Bahn in Dortmund und Koblenz. Dabei wären die beiden Attentäter, hätte es eine Anti-Terror-Datei zum Zeitpunkt der Anschlagsversuche schon gegeben, nie in ihr erschienen, weil die beiden mutmaßlichen Täter weder polizeilich noch geheimdienstlich auffällig waren. Aus gut informierten, regierungsnahen Kreisen sickerte zudem kürzlich das Gerücht, beide Täter seien von geheimer Stelle angeheuert worden, um Schäuble bei der Durchsetzung seiner Ziele zu helfen. Dafür spreche die dilettantische Konstruktion der Bomben, die offensichtlich vorsätzlich als Blindgänger gebaut wurden. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Hinweis nur um eine diskreditierende Propaganda Oppositioneller. Doch dafür, dass es eine „üble Nachrede“ ist, gibt es weder Beweise noch Indizien.

Bei der geplanten Anti-Terror-Datei, die im März 2007 in Betrieb genommen werden und vom Bundeskriminalamt geführt werden soll, handelt sich um präventive Datensammlung. Ins Fadenkreuz kommen vornehmlich Menschen mit ausländischem Hintergrund, die aus dem arabischen Raum kommen. Fast vierzig staatliche Behörden sollen Eingabe- und Zugriffsbefugnisse auf die Dateien bekommen, darunter unter anderem: Bundespolizei, Zollkriminalamt, Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz, Militärischer Abschirmdienst aber in begründeten Fällen auch einfache Polizeidienststellen. Die Datei soll online abrufbar sein und ist in zwei Bereiche geteilt: Im ersten Dateibereich, der für alle Institutionen einsehbar ist, befinden sich die Identifikationsdaten der gesuchten Person (z.B. Name, Adresse). Im zweiten Datenbereich befinden sich persönlichste Angaben (z.B. Waffenbesitz, Flug- und Führerscheinbesitz). Um den Zugang zum Datenbereich Zwei zu erhalten, müssen sich die staatlichen Stellen an das Innenministerium wenden. Dieses prüft die Anfrage. Es ist davon auszugehen, dass nur wenige Anfragen abgelehnt werden. Eilanfragen werden erst gar nicht kontrolliert, der Zugriff auf die sensiblen Daten wird einfach gewehrt.

Wenn es nach dem SPD Innenexperten Dieter Wiefelspütz ginge, sollten sogar sexuelle Auffälligkeiten gespeichert werden. Besteht der erste Datenbereich noch aus Indexdaten, so sollen sich im zweiten Bereich ganze Volltexte über verdächtigte Personen finden lassen. Diese präventive und hochsensible Datensammlung stellt viele zumeist ausländische Menschen, die in Deutschland leben, unter Generalverdacht – unabhängig davon, ob von ihnen eine Gefahr ausgeht oder nicht. Wie einst im Nazi-Deutschland jeder Jude im Fadenkreuz des Staates geriet, so wird es künftig jeder Ausländer und besonders jeder Orientale sein, egal ob Muslim oder Jude.

Anti-Terror-Einsatz in London: Hysterie und Hass
Was passieren kann, wenn Regierungen die Stimmung mit der Angst vor Terroranschlägen aufheizen, wie die Bundesregierung und vor allem deren Innenminister Schäuble es maßgeblich machen, mussten die Briten am 22. Juli 2005 erfahren. Bei einem Anti-Terroreinsatz der Londoner Polizei wurde der 27-jährige Jean Charles de Menezes, ein damals seit drei Jahren in London lebender Brasilianer, in der Londoner U-Bahn gezielt getötet [16]. Polizisten hatten ihn mit einem Terrorverdächtigen verwechselt. Elf Schüsse wurden auf den harmlosen Menezes abgefeuert, sieben trafen ihn in den Kopf – letztere aus nur einer Waffe in der Hand eines Zivilfahnders. Bei der Untersuchung durch die „Independent Police Complaints Commission“ wurde erhebliches Fehlverhalten der Polizei festgestellt. Die Londoner Polizei versuchte den Fall herunterzuspielen, verstrickte sich bei der Untersuchung jedoch immer wieder in Widersprüche. Warum gerade Jean Charles de Menezes ins Fadenkreuz der Ermittler geriet? Am 7. Juli 2005 ereigneten sich Terroranschläge auf Londoner U-Bahnen und Busse, dabei wurden 50 Menschen getötet, in einem Wrack fand die Polizei einen Rucksack, der wahrscheinlich einem der Attentäter gehörte. In dem Rucksack befand sich wohl eher zufällig ein Zettel mit der Anschrift des Wohnblocks Menezes.

Genau dies ist der Knackpunkt: In der deutschen Anti-Terror-Datei sollen auch Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte, Sportkameraden und alle Personen die irgendwie und irgendwann Kontakt mit der Zielperson haben, eingetragen werden und mit überwacht werden. So wird aus einem grundlos Verdächtigten eine ganze Horde Verdächtiger. Jeder Kioskbesitzer, Tankwart, Briefträger, Bankangestellter, Handwerker und sogar Rettungssanitäter, der mit einem Verdächtigten Kontakt hatte, geriete in die Gefahr von einem in Anti-Terror-Ekstase geratenen Polizisten während eines Einsatzes erschossen zu werden.

Großbritannien aber ist kein fernes, exotisches Land. Schließlich betonen immer wieder Politiker wie Innenminister Schäuble, dass die dort existierenden Gefahren auch auf Deutschland zutreffen könnten, folglich auch die „unbeabsichtigte“ Tötung unbescholtener Menschen – aber das wird gerne unter dem Teppich der Verschwiegenheit gekehrt. Dabei ist der „Generalverdacht“ ebenso wenig im Sinne des Grundgesetzes wie das „Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ)“ in Berlin [17].

In der 2004 gegründeten Behörde tauschen 220 Beamte von Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst, Zollkriminalamt und Militärischem Abschirmdienst, sowie Vertreter der Landeskriminalämter, der Bundespolizei und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Erkenntnisse und Erfahrungen über Terrorismus aus – eine weitere Verschmelzung von Geheimdiensten, der Polizei und weiteren staatlichen Organen. Eine Trennung der Organe, wie sie von den Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg angestrebt wurde und im Polizeigesetz sowie im Grundgesetz (GG Art. 73 Nr. 10 und 87 Abs. 1 Satz 2) verschrieben ist, findet nicht mehr statt. Deutschland ist zwar souverän geworden. Aber darf die Regierung deshalb gleich wieder kriminell, d.h. verfassungswidrig handeln?

Die Auffassung des Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble über Recht und Unrecht sorgt für Negativschlagzeilen und Entrüstung, Beispielsweise im Dezember 2005 verlangte er, die Aussagen von Gefolterten bei der Ermittlungsarbeit von Sicherheitsbehörden zu nutzen. Schäuble: Gerade im „Kampf gegen den Terror“ könnten durch Folter erwirkte Aussagen nützlich sein. Eine Vorgehensweise, die in der Zeit der Inquisition praktiziert wurde. Und eine Haltung, von der sich die katholische Kirche distanzierte – wenn auch dies spät durch den Vorgänger des jetzigen Papstes erfolgte. Unter Folter erzwungene Geständnisse wurden immerhin zum Sinnbild der Inquisition. Die Abkehr des Vatikan von derlei bestialischen Praktiken hätte längst auch bei christlichen Politikern wie Schäuble bekannt sein müssen. Hätten die Rektoren der Universität Freiburg (Schweiz) diese Haltung Schäubles schon im November 2005 gewusst, wäre ihm wohl nie der Ehrendoktortitel der rechtswissenschaftlichen Fakultät verliehen worden.

Es ist somit festzuhalten, dass der Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble permanent mit seinen unfassbaren Gesetzesvorschlägen gegen die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verstößt und somit die Sicherheit des deutschen Volkes maßgeblich gefährdet.

Dr. Franz Josef Jung (CDU)
Der promovierte Jurist wurde 1949 im Rheingau geboren und ist seit 2005 Bundesminister der Verteidigung [18]. An der Seite von Wolfgang Schäuble versucht Jung den Einsatz der Bundeswehr im Inland so wie die Änderung des Luftsicherheitsgesetzes zu erstreiten. Bei letzterem geht Jung sogar noch einen Schritt weiter als Innenminister Schäuble. Am 7. Juni 2006 sagte der Verteidigungsminister einem Journalisten in Brüssel, die Bundeswehr wolle auch entgegen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vom Mai 2006 mutmaßlich entführte Passagierflugzeuge abschießen wird:

„In der Zwischenzeit würden wir beispielsweise unter Berufung auf einen übergesetzlichen Notstand eingreifen, auch wenn keine grundgesetzliche Klarstellung erfolgt ist“ Handelsblatt 8. Juni 2006

Jung spielt hier auf die für den Flugzeugabschuss notwendige Grundgesetzänderung an und gibt sogleich zu, dass er dieses brechen wird, wenn es zu einem Ernstfall käme [19]. Wahrscheinlich hat er den Verfassungsbruch des ehemaligen Hamburger Innensenators Helmut Schmidt (der später Bundeskanzler wurde), begangen während der großen Sturmflut von 1962, völlig missverstanden. Schmidt hatte damals eigenmächtig die Bundeswehr nach Hamburg geholt, um Leben zu retten, um (so Wikipedia) „trotz fehlender Rechts- und Vorschriftenlage schnell und unbürokratisch Hilfe zu leisten“. Jungs Coups aber sind Kriegseinsätze im Ausland mit der ihm unterstehenden deutschen „Bundeswehr“.

Einen aalglatten Verfassungsbruch beging die Bundesmarine, als sie Kriegsschiffen der amerikanischen und britischen Marine, die sich im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak befanden, Geleitschutz gaben [20]. In 26 Fällen konnte dies stichhaltig bewiesen werden. Trotzdem wurde das Mandat der am „Horn von Afrika“ stationierten Marine im letzten Jahr zum fünften Mal verlängert. Jeder Bundestagsabgeordnete, der für die Verlängerung des Einsatzes gestimmt hat, hat somit auch für weitere Verfassungsbrüche gestimmt – dabei war dieser Skandal den Abgeordneten zur Zeit der Abstimmung längst bekannt.

Gemäß Artikel 26 des Grundgesetzes ist es Deutschland verboten einen Angriffskrieg vorzubereiten:

„(1), Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“

Angriffskriege vorzubereiten ist also verboten, einen Angriffskrieg zu führen jedoch nicht. Was die Väter des Grundgesetzes mit dem Artikel 26 aussagen wollten, ist klar: Nie wieder sollte Deutschland einen Angriffskrieg führen. Nach zwei Weltkriegen sollte Deutschland endlich friedlich werden. Doch 50 Jahre nach Inkrafttreten der Verfassung, sind besonders Militärs wie Franz Josef Jung wieder an Angriffskriegen interessiert.

Mit Biegen und Brechen schafften es die Militärs 1999 am völkerrechtswidrigen Krieg gegen die ehemals souveräne Bundesrepublik Jugoslawien mit teilzunehmen. Die Ausreden der damaligen rot-grünen Regierung und der Bundeswehr waren dabei primitiv wie keck: Sie hätten den Krieg schließlich nicht vorbereitet, diese Aufgabe den anderen Staaten überlassen.

Was im 20. Jahrhundert funktionierte, funktioniert im 21. Jahrhundert sogar noch besser – weiß der derzeitige Verteidigungsminister. Wo früher selbst in den Mainstream-Medien auf das Grundgesetz verwiesen wurde, wird heute nicht mehr nachgefragt mit welchem rechtlichen Hintergrund Einsätze passieren. So geschehen beim Bundeswehreinsatz in der Demokratischen Republik Kongo und auch beim Einsatz der Marine vor der libanesischen Küste. Der Mechanismus dahinter ist längst publik: Journalisten, die beim Bundespresseamt akkreditiert sind und die sich als regierungskritisch erweisen, werden ganz einfach kalt gestellt und nicht mehr in die „gut informierten Kreise“ der Bundesregierung zu Häppchen und Umtrunks eingeladen.

Gegen Gesetz und wahrscheinlich auch Mandat verstieß auch der Einsatz deutscher Kommando-Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan. Bei der „Operation Anaconda“, die im März 2002 stattfand, wurden etwa 1.000 Soldaten von Spezialeinheiten verschiedener Nationen in den Südosten Afghanistans gebracht, um Taliban und El-Kaida-Anhänger aufzuspüren und zu eliminieren [21]. An dem offensiven Kriegseinsatz nahmen auch deutsche KSK-Soldaten teil. Die Ausrede, nur zu schießen, wenn die Soldaten selbst beschossen würden, zählte bei dem Angriff nicht. Wie so oft wurde der Einsatz von den USA geplant und geleitet. Das Bundestagsmandat war für die „Operation Anaconda“ jedoch keinesfalls ausreichend.

Was die KSK-Soldaten genau in Afghanistan suchten, wurde der Öffentlichkeit bisher verschwiegen und wird zurzeit im Untersuchungsausschuss des Bundestages erörtert. Auch sollen KSK-Soldaten den Bremer Murrat Kurnaz verhört und vielleicht sogar gefoltert haben. Des Weiteren kam kürzlich heraus, dass deutsche Soldaten auf einem amerikanischen Militärstützpunkt in Afghanistan mithalfen, Gefangene zu transportieren. Die deutschen Soldaten sollen außerdem bei der Bewachung und Sicherung des Stützpunktes geholfen haben [22].

Auch mit der Wehrgerechtigkeit nimmt es die Bundeswehr nicht mehr ernst. Ob ein junger Mann gemustert wird oder nicht hängt wie beim Lotto vom Glück ab [23]. Die gesetzlich vorgeschriebene Wehrgerechtigkeit wird seit Jahren nicht mehr eingehalten. Die Wehrgerechtigkeit soll für eine Gleichbehandlung aller jungen Männer dienen. Niemand soll aus Zufall und Willkür zum Dienst herangezogen werden. Mittlerweile werden nur noch ein Viertel aller jungen Männer zum Wehrdienst herangezogen, von denen gar ein Drittel ausgemustert werden und weder Wehpflicht noch Zivildienst ableisten müssen.

Der 21. April 2004 war ein folgenschwerer Tag für die Verfechter der Wehrpflicht. Das Verwaltungsgericht Köln entschied erstmals in der deutschen Geschichte, dass ein zur Wehrpflicht herangezogener Mann seinen Dienst nicht antreten muss, da die Wehrgerechtigkeit wie sie im Grundgesetz verankert ist, nicht existiert [24]. Das Bundesverwaltungsgericht hob das Urteil später jedoch auf und wies es an das Verwaltungsgericht Köln zurück. Diese leitete den Prozess weiter an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wo bald ein Urteil gefällt werden soll.

Dies könnte zu einer Abschaffung der Wehrpflicht aufgrund der Verfassungswidrigkeit führen. Insbesondere wird gegen den Artikel 12 des Grundgesetzes verstoßen, in dem die Wehrpflicht „allgemein und für alle gleich“ sein muss. Verteidigungsminister Franz Josef Jung sieht jedoch keinen Handlungsbedarf die Wehrgerechtigkeit – so sehr sie überhaupt gerecht sein kann – wiederherzustellen.

Jung und seine Truppe machen was sie wollen – ohne jegliche rechtliche Handhabe. Dafür bestraft wurde der Oberbefehlshaber Jung bislang noch nicht, dabei sollte gerade er als promovierter Jurist es besser wissen.

Brigitte Zypries (SPD)
Die Bundesministerin der Justiz ist schon seit dem Jahr 2002 im Amt. Zypries wurde 1953 in Kassel geboren und studierte Rechtswissenschaften in Gießen [25]. Als langjährige Justizministerin war Zypries vor allem an den Gesetzen für den „Großen Lauschangriff“ beteiligt, wofür sie den „Big Brother Award 2004“ in der Rubrik „Politik“ erhielt [26]. Ist folglich selbst die Bundesministerin der Justiz verfassungsfeindlich?

Am 3. März 2004 erklärte das Bundesverfassungsgericht den „Großen Lauschangriff“ für nicht verfassungskonform und gab dem Bundesministerium der Justiz bis zum 30. Juni 2005 Zeit das Gesetz konform zu gestalten. Bei dem Gesetz geht es um das Abhören privater Wohnungen. Obwohl das Gesetz gegen die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ (GG Artikel 13) verstößt, war dies nicht der Hauptgrund für die ablehnende Haltung des Verfassungsgerichts: Es sah die Persönlichkeitsrechte und die Menschenwürde in Gefahr. Nur in absoluten Ausnahmefällen sollte das Abhören von Wohnungen, so das Gericht, erlaubt sein. Die anfallenden Daten müssten dabei sofort gelöscht werden:

„Von der Möglichkeit zur akustischen Wohnraumüberwachung können Einschüchterungseffekte ausgehen, denen insbesondere auch der Unverdächtige ausgesetzt ist, weil auch er […] jederzeit und ohne sein Wissen von der Ermittlungsmaßnahme betroffen werden kann“ (BVerfGE 109, 279 [354])

Schon drei Monate nach dem Urteil des Verfassungsgerichtes legte das Ministerium der Justiz unter ihrer Chefin Brigitte Zypries einen neuen Referentenentwurf für den „Großen Lauschangriff“ vor. Dieser Entwurf wurde binnen weniger Tage zurückgezogen, da es in der Öffentlichkeit heftige Kritik an dem Entwurf gab [27]. Zum Teil wurden Anmerkungen des Verfassungsgerichts ins Gegenteil verkehrt, wie Kritiker urteilten. Rechtswissenschaftler und Datenschützer plädierten dafür, ganz auf den „Großen Lauschangriff“ zu verzichten. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger trat 1996 sogar als Bundesjustizministerin zurück, weil sie das Gesetz nicht mittragen wollte [28]. Sie erkannte die Verfassungsfeindlichkeit des Gesetzes.

Doch lässt sich meiner Meinung nach Brigitte Zypries nicht lumpen, wenn es um sensible Daten geht. Mitte 2007 soll die EG-„Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung“ in Kraft treten [29] – mit freundlicher Hilfe von Brigitte Zypries. Datenschützer kritisieren, dass die Menschen unter Generalverdacht gestellt werden. Sowohl gegen das Menschenrecht auf Privatsphäre als auch gegen die Meinungsfreiheit werde verstoßen [30].

Das Gesetz erlaubt es den EU-Staaten Telefon-, Mobilfunk-, Internet- und E-Mail-Daten aller Menschen in der EU für mindestens 12 und höchstens 36 Monate zu speichern. Im Gegensatz zum „Lauschangriff“ werden die Gespräche jedoch nicht abgehört, sondern andere anfallende Daten gespeichert: Rufnummer, IP-Adresse, Benutzerkennung, E-Mail Adressen, Standorte der Nutzer, angerufene Telefonnummern, Telefonnetz, Provider, usw. das Ganze natürlich versehen mit dem Namen und der Adresse des Nutzers.

Das EU-Gesetz ist daher sehr umstritten. Irland klagt zurzeit vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das Gesetz.

Die Bundesministerin der Justiz aber kämpft offensichtlich mit dem Grundgesetz, schließlich hat sie es nicht gemacht und ich mutmaße, dass auch sie von dem unter deutschen Politikern gegenwärtig bornierten Reformstreben beseelt ist. Brigitte Zypries ist somit nicht die Justitia, die sie sein sollte.

Fazit
Ich stelle fest, dass einige Mitglieder der Regierung immer wieder mit verfassungsfeindlichen Bestrebungen auffallen und sogar offen verfassungswidrig handeln. Bestraft wurde deshalb noch keiner von ihnen. Und an Rücktritt wegen ihrer Rückschritte, die sie als „Reformen“ umschreiben, denken sie selbst am allerwenigsten. Selbst die Ankündigung Franz Josef Jungs die Verfassung zu brechen, wurde vom Verfassungsschutz nicht verfolgt. Forderungen wie „Wehret den Anfängen“ in Erinnerung an den Hitler-Faschismus bleiben offensichtlich von jenen ungehört, die das demokratische Deutschland sichern und es als Minister vertreten sollten. Aber einmal im Jahr, im Januar, lauschen sie elegischen Geigenklängen im Bundestag, wenn während einer Feierstunde dem Holocaust gedacht wird.

Quellen

[1] http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/vsbericht_2005.pdf

[2] http://www.wolfgang-schaeuble.de/

[3] http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/schaeuble-bundeswehr-im-inneren/83832.asp

[4] http://www.sueddeutsche.de/,tt1l2/deutschland/artikel/855/96759/

[5] http://www.bigbrotherawards.de/2006/.pol/pol-02/

[6] http://www.ulla-jelpke.de/news_detail.php?newsid=299

[7] http://www.netzeitung.de/deutschland/432978.html

[8] http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20060404_1bvr051802.html

[9] http://www.ulla-jelpke.de/news_detail.php?newsid=333

[10] http://217.160.60.235/BGBL/bgbl1f/bgbl102003s0361.pdf

[11] http://www.labournet.de/diskussion/grundrechte/terror/index.html

[12] http://buzer.dyndns.org/gesetz/4197/index.htm

[13] http://www.bigbrotherawards.de/2006/.pol/pol-02/

[14] http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5876802_REF1_NAV_BAB,00.html

[15] http://www.heise.de/newsticker/meldung/81859/from/rss09

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Charles_de_Menezes

[17] http://www.ulla-jelpke.de/uploads/PE_070109_BSHA.pdf

[18] http://www.franz-josef-jung.de/

[19] http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200050&_t=ft&_b=1090075

[20] http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/end-freedom-zumach.html

[21] http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afghanistan/kriegschronik/maerz02.html

[22] DER SPIEGEL Nr.4/22.1.2007 „Elektroschocks im Drahtkäfig“

[23] http://www.zentralstelle-kdv.de/wehrgerechtigkeit-2005.pdf

[24] http://www.vg-koeln.nrw.de/presse/pressem/2004/p040421.htm

[25] http://www.brigitte-zypries.de/

[26] http://www.bigbrotherawards.de/2004/.pol/

[27] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17849/1.html

[28] http://www.leutheusser-schnarrenberger.de/index.php/Person/Lebenslauf?MttgSession=7291ccec9cab2324626c8ca72a8b7dac

[29] http://www.heise.de/newsticker/meldung/69881

[30] http://www.vorratsdatenspeicherung.de/

vermischtes

Unity Dow – Portrait einer afrikanischen Richterin

Dr. Alexander von Paleske —- 31.01. 2007 — Als Botswanas Obergericht am 13. Dezember 2006 das Urteil in Sachen Buschmänner gegen die Regierung von Botswana verkündete, da hatte eine Nachrichtenagentur bereits voreilig gemeldet, die Klage sei abgewiesen worden sei. Zu diesem Zeitpunkt war das Verdikt der dritten Richterin, Unity Dow, die sich nicht nur als Juristin, sondern auch als Schriftstellerin einen Namen gemacht hat, noch nicht verlesen worden.

Was die internationale Presse aber dann zu hören bekam, war ein Feuerwerk an juristischen Highlights, das insgesamt die Rechte von Minderheiten stärken würde und nicht sparte mit herber Kritik an den Prozessparteien und ihren Bevollmächtigten.

Ausgehend von der Geschichte der Buschmänner und ihrer Stellung innerhalb der anderen Stämme in Botswana und im südlichen Afrika zeichnete Richterin Unity Dow die Verpflichtungen der Regierung auf, die Stellung von Minderheiten zu stärken und auf ihre Tradition Rücksicht zu nehmen. Die Menschenwürde und die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu achten sei eine der Hauptverpflichtungen des Staates, so die Richterin – in Deutschland in der Verfassung in den Artikeln 1 und 2 des Grundgesetzes verankert.

Ein paar Zitate aus dem umfangreichen Urteil sollen hier vorgestellt werden:

“The case was ultimately about people demanding dignity and respect. It is a people saying in essence: Our way may of life may be different, but it is worthy of respect, we may be changing and getting closer to your way of life, but give us a chance to decide, what we want to carry with us into the future.” – (Im vorliegenden Fall ging es letztlich um das Verlangen nach Achtung der Menschenwuerde und Respekt. Grundsätzlich ist es das was der Volksmund sagt: Unser Lebensweg kann unterschiedlich sein, aber ist es wert, geachtet zu werden, wir können uns ändern und Eurem Lebensweg näher kommen, aber gebt uns eine Chance ueber das Wie und Wann selber zu entscheiden.)

An die Adresse von Survival International gerichtet, die Organisation, die in aller Welt die Lügen verbreitete, Botswanas Diamanten seien Blutdiamanten und die Buschmänner seien wegen der Diamantensuche umgesiedelt worden :

“While diamond mining as a reason for the relocation of the bushmen might be an emotive rallying point, evoking, as it does images of greedy multinationals snatching land from, and thus trampling on the rights of small indigenous minorities, the case before this court does not fit that bill. It would be completely dishonest of anyone to pretend, that this is the case before this court.” – (Während es sich gut macht, die Diamantenförderung als den Grund für die Umsiedlung der Buschmänner anzugeben, mit der Darstellung von habgierigen, Land raubenden, multinationalen Konzern die auf diese Art auf den Rechten von kleinen einheimischen Minderheiten herumtrampeln, so trifft dies im vorliegenden Fall keineswegs zu. Es wäre völlig unehrlich dies zu behaupten.)

Und auch Roy Sesana, der von Survival International gepäppelte Sprecher der Buschmänner, der überall mit massiver finanzieller Unterstützung durch Survival Internationals Spendengeldern in der Welt herumreiste, um die Lügen über die angeblichen Blutdiamanten zu verbreiten und zum Boykott von Botswanas Diamanten aufzurufen, der aber selbst in der Zivilisation sich prächtig eingerichtet hat und dessen Kinder eine Privatschule besuchen, bekam die scharfe Zunge der Richterin zu spüren.

He had a lot to say outside the court, but to this court he said absolutely nothing. Outside court, through the media and without the limitations of an oath to tell the truth he had plenty to say, some of which, sadly, was pretty ridiculous.” (Er hatte viel außerhalb des Gerichtes zu sagen, aber zu diesem Gericht sagte er absolut nichts. Außerhalb des Gerichtes durch die Medien und ohne die Beschränkungen eines Eids um die Wahrheit zu sagen, sagte er eine Menge von dem was unglücklicherweise ziemlich lächerlich war.)

Wer ist diese Richterin Unity Dow?
Unity Dow, die auch in Deutschland mit ihrem Buch “Die Beichte” bekannt wurde, kam 1959 als Kind von Kleinfarmern zur Welt. Ihre Mutter konnte kein Englisch sprechen, und die Gemeinschaft, in der sie aufwuchs, war von Männern dominiert. Nach dem Schulbesuch studierte sie Rechtswissenschaft an der Universität von Botswana und Swaziland sowie in Edinburgh/Schottland.

Bekannt wurde sie als Rechtsanwältin und als Human Rights Aktivistin; sie klagte erfolgreich gegen ein Gesetz Botswanas, das die Nationalität von Kindern ausschließlich nach der Nationalität des Vaters bestimmte. Die Nationalität der Mutter spielte keine Rolle.

Unity Dow wurde Mitbegründerin von “Women and Law in Southern Africa”, einer Forschungseinrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den legalen Status von Frauen in diesen Ländern zu verbessern.

1990 gründete sie das “Metlhaetsile Women’s Information Centre”, dessen Direktorin sie von 1994 bis 1998 war. Ziel der Einrichtung war und ist es, die Rechte von Frauen und Kindern zu fördern und zu stärken.


Unity Dow – als erste Frau Botswanas Richterin am High Court

Im Jahre 1998 wurde sie von dem damaligen Staatspräsidenten Botswanas, Sir Ketumile Masire, zur Richterin am High Court Botswanas ernannt; als erste Frau.

Der High Court ist vergleichbar dem Oberlandesgericht in Deutschland. Der Supreme Court, die höchste Instanz, vergleichbar dem Bundesgerichtshof in Deutschland, ist – vorerst – ausschließlich mit ausländischen Richtern besetzt. Das erste Jahr dort war für sie schwierig sich in einem bis dato vornehmlich von Männern besetzten Gremium als Frau durchzusetzen. Aber sie hielt durch und manch einer verschätzte sich in ihr; hinter ihrem weiblichen afrikanischen Charme verbarg sich knallharte Professionalität.

Im Jahre 2004 wurde sie in die Internationale Juristenkommission berufen (International Commission of Jurists), der von deutscher Seite Professor Jochen Frowein angehört. Seit 2006 zählt sie zum Exekutiv-Komitee der Organisation.

Zu ihrem Bekanntenkreis gehört auch der ehemalige deutsche Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm, den sie in Seminaren an der Yale Universität kennenlernte.


Botswanas Richterin Unity Dow ….. hinter ihrem weiblichen afrikanischen Charme verbirgt sich knallharte juristische Professionalität.

Unity Dow – die Autorin
Neben Ihrer Arbeit als Richterin ist Unity Dow als Schriftstellerin hervorgetreten. Ihr Erstlingswerk “Far and Beyon” erzählt die Geschichte einer Familie, in der zwei Söhne an AIDS versterben. Das Buch gibt einen faszinierenden Einblick in die afrikanische Gesellschaft – konfrontiert mit einer tödlichen Seuche und Armut sowie dem Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt.

In ihrem zweiten, auch in Deutschland unter dem Titel “Die Beichte” erschienenen Buch, prangert sie in Form eines Kriminalromans verpackt die nicht auszurottenden Ritualmorde an, denen vor allem Kinder zum Opfer fallen.

And the Final Winner is Botswana
Buschmänner gewinnen Prozess in 1. Instanz
Botswana, Survival International, Leonardo DiCaprio und die Buschmänner
Survival International, Leonardo diCaprio and the Bushmen

vermischtes

Israels Präsident als Vergewaltiger

Malte Olschewski – Ständig war da an oberster Stelle ein Tasten und Tappen, ein Grabschen und Greifen. Zitternde Finger huschten unter Blusen und Röcke. Der Mann im obersten Amt suchte Körperkontakt mit seinen Sekretärinnen. Es muss heftig zugegangen sein in den Amtsräumen des israelischen Staats-präsidenten Moshe Katzav, der nun wegen einer gerichtlichen Untersuchung seine Funktionen zurückgelegt hat, aber nicht zurückgetreten ist.

Der 61jährige hat laut Generalstaatsanwalt Menahem Mazuz Sekretärinnen und Mitarbeiterinnen unsittlich bedrängt und bestürmt. Laufend habe er Anspielungen auf körperliche Vorzüge gemacht. Er soll eine Mitarbeiterin in den Amtsräumen und zwar „hinter einer Glastüre“ vergewaltigt haben. Seine Favoritinnen habe er ständig mit der Mitteilung belästigt, im Ehebett mit Gattin Gila von ihnen geträumt zu haben. Von einigen Vorzimmerdamen habe er verlangt, wegen „besserer Zugänglichkeit“ aufknöpfbare Kleidung zu tragen. Katzav geniesst trotz Aufgabe seiner Funktionen weiter Immunität und kann, falls er nicht offiziell zurücktritt, erst nach Ablauf seiner Amtszeit im Juli 2007 wegen Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Amtsmissbrauch angeklagt werden.

Aus den Kommentaren israelischer Medien spricht tiefe Beunruhigung über die nicht abreissende Serie von Skandalen und Korruptionfällen. Die unabhängige Studiengruppe „Transparency International“ hat 1996 Israel in einer weltweiten Liste korrekter Regierungen noch auf den zehnten Platz gereiht. Nun ist das Land nach den Arabischen Emiraten, Bhutan und Katar auf Platz 34 zurückgefallen. Israel hatte immer voller Stolz auf die Tatsache verwiesen, unter den korrupten Diktaturen der Region die einzige, mustergültige Demokratie zu sein, doch im vergangenen Jahr war eine Rekordzahl von Anklagen wegen Korruption und Amtsmiss-brauch zu verzeichnen. Von einem „verrottenen Staat“ (rotten state) schreiben Dutzende Kommentatoren. Eine Eingabe von „Rotten State Israel“ bei Google ergibt über eine Million Treffer. Es dürfe sich niemand mehr über antisemitische Äusserungen auf-regen, heisst es in mehreren Einträgen im „Talkback“ der Zeitung „Haaretz“.

So war der Sohn des damaligen Ministerpräsidenten Ariel Sharom, Omri, am 14.2.2006 wegen illgealer Geschäfte zu neun Monaten Haft verurteilt worden. Es ging um den Ausbau einer griechischen Insel zu einem Paradies für Millionäre. Gegen den Regierungschef selbst war zwar ermittelt worden, jedoch kam es nicht zu einer Anklage. Im Februar 2006 stand die Vizeministerin für Energie, Naomi Blumenthal, wegen illegaler Parteifinanzierung, Korruption und Zeugenbeeinflussung vor Gericht. Am 16.4.2006 wurde der mehrmalige Minister Tzachi Hanegbi wegen Betruges, Bestechung und Meineides angeklagt. Am 4.5.2006 musste Justizminister Haim Ramon zurücktreten, weil er eine Soldatin unsittlich bedrängt hatte.

Nach dem Krieg gegen die Hizbollah im Libanon wurde bekannt, dass Generalstabschef Dan Halutz das Wissen um den bevorstehenden Angriff genutzt und seinen Aktienbesitz dementsprechend umdisponiert oder verkauft hatte. Er wurde nach dem Krieg kalt gestellt und erst Anfang 2007 entlassen. Der Nachfolger Sharons im Amt des Regierungschefs, Ehud Olmert, soll als Finanzminister in den Verkauf der zweitgrössten Bank des Landes eingegriffen haben. Er soll die Verhandlungen so gesteuert haben, dass die „Leumi“ in den Händen seines Freundes, des Australiers Mark Lowey, landen sollte. Da der Transfer nicht gelang, verwickelte sich Olmert in undurchsichtige Immobiliengeschäfte. Es war auch der Vorgänger Katzavs als Staatspräsident, Ezer Weizmann, im Jahr 2000 zurückgetreten, weil er von dem Industriellen Eduard Saroussi hohe Summen angenommen hatte.

Auch gegen die früheren Ministerpräsidenten Benjamin Netan-yahu und Ehud Barak sind wegen illegaler Finanzgeschäfte Ermittlungen eingeleitet worden, die aber nicht in einer Anklage mündeten. Der Kommantatoren merken an, dass sich Korruption und Betrug in allen Bereichen breit machten und bald schon so selbstverständlich seien wie die Luft zum Atmen. So etwa hat der Abgeordnete Yehiel Hazan bei den Abstimmungen in der Knesseth den Knopf seines abwesenden Sitznachbarn gedrückt. Der Politker Yair Peretz errang nach dreimonatigem Studium in einem betrüge-rischen College mit einer kopierten Diplom-arbeit akademische Würden. Ex-Minister Salah Tarif ermöglichte nach Erhalt eines schönen Geschenkes einem Jordanier einen israe-lischen Pass. Usw.

Katzav ist Abkomme iranischer Juden aus Yazd. Er war der jüngste Bürgermeister Israels. Von Likud-Chef Menahim Begin entdeckt, wurde er Regierungsmitglied und brachte es bis zum Vizepremier. Wegen seiner Unauffälligkeit wurde er 2000 bei der Wahl des neuen Präsidenten von der konservativen Likud-Partei gegen den Labour-Kandidaten und anerkannten Staatsmann Shimon Peres aufgestellt. Zur allgemeinen Überraschung wurde dann Katzav von der Knesseth zum Präsidenten gewählt.

Vier Jahre später spaltete Sharon den Likud und gründete mit „Kadima“ eine neue Partei. Sharon erkrankte im Dezember 2005 und fiel Wochen später in ein Koma, aus dem er bis Ende Jänner 2007 nicht erwacht ist. Bei den Wahlen am 28. März 2006 errang die „Kadima“ unter Sharons Vize Olmert 29 Mandaten. Olmert bildete mit mit der sozialistischen Partei „Avoda“ und den Orthodoxen vom „Shas“ eine Koalition, der später auch die Rechtsradikalen unter Avigdor Liebermann beitraten.

Schon als Tourismusminister hatte Katzav Fremdenverkehr unter Blusen und Röcken betrieben. Seine Leidenschaft war in politi-schen Kreisen bekannt, trotzdem war er als Präsidentschaftskandidat aufgestellt worden. Katzav hat alle seine Autorität eingesetzt, um seine Opfer davor zu warnen, die Polizei oder die Medien einzuschalten. In diesem Fall würden sie im ganzen Land keine Arbeit mehr finden, soll er gesagt haben. Unklar und rätselhaft ist die Tatache, dass Katzav die Affäre selbst ins Rollen brachte. Auf Grund anderer Vorfälle bleibt nur die Annahme übrig, dass unerfüllter Sexualdrang dem Präsidenten das Hirn umnebelt hat.

An die Staatsspitze gelangt, hat er offenbar jedes Gefühl für Anstand, Vorsicht und Verhältnissmässigkeit verloren, wobei er freilich nicht der erste in dieser Disziplin gewesen wäre. Katzav beklagte sich am 5.7.2006 bei Generalanwalt Mazuz, dass er von einer Büroangestellten erpresste werden würde. Mazuz liess die Frau unter dem Decknamen „Aleph“ am 16.7. vergangenen Jahres 14 Stunden lang befragen. „Aleph“ hat peinliche Aussagen gemacht. Er habe immer nur die schlanken und die jungen Sekretärinnen begehrt, wusste „Aleph“ dem Chef der Ermittlungen zu berichten. Einmal habe der Staatspräsident einem bedrängten Opfer sogar Wasser über die Bluse geschüttet habe, um die Körperformen besser hervortreten zu lassen.

Am 23.8.2006 musste der Staatspräsident fünf Stunden seine Aussagen machen. Am 15.10. folgte die Empfelhung der Polizei an den Staatsanwalt, Katzav wegen verschiedener Delikte anzuklagen. Der Präsident hatte auch ein Abhörsystem installieren lassen, mit dem er die Telefonate seiner Mitarbeiter belauschte. Er hat aussenstehenden Personen Einblick in Amnestieakte gewährt und dafür wahrscheinlich auch Geld kassiert. Er hat bei privaten Anlässen Silberkelche verteilt, die Eigentum des Präsidialamtes waren. Durch „Aleph“ wurden auch andere Frauen ermutigt, sch zu melden und gegen Katzav auszusagen. Dabei waren einige Trittbrettfahrerinnen am Werk, die jeden Blick des Präsidenten den Boulevard-medien als sexuellen Angriff verkaufen wollten. Von zehn Frauen blieben letztlich nur mehr vier übrig. In zwei Fällen soll Vergewaltigung zur Anklage kommen, für die eine Maximalstrafe von 16 Jahren vorgesehen ist.

Die Anwälte des Präsidenten reagierten, wie in solchen Fällen immer. „Aleph“ sei ein Luder und habe mit vielen Männern Geschlechts-verkehr gehabt. Sogar ein Liebesbrief wurde vorgebracht, in dem „Aleph“ dem Staats-präsidenten versicherte, er werde für immer „einen Platz in ihrem Herzen“ haben. Es gehe darum, Katzav als nächsten Chef der Kadima-Partei zu verhindern. Das ganze sei ein politisches Manöver. Die hasserfüllten Medien („tiksjoret oyene“) hätten ihn seit Amtsantritt verfolgt, rief Katsav bei einer turbulenten Pressekonferenz aus.

Im Prinzip könnte auch das Parlament, die Knesseth, mit 90 der insgesamt 120 Stimmen die Amtsenthebung des Präsidenten beschliessen. Ob 90 Abgeordnete für die Amtsenthebung stimmen, ist nicht sicher. Katzavs Amtszeit ist im Juli 2007 zu Ende. Bis dahin wird er von der Parlamentspräsidentin Dalia Itzik vertreten, womit Israel erstmals in seiner Geschichte ein amtierendes, weibliches Staatsoberhaupt erhält.

vermischtes

Opium-Anbau in Afghanistan: kein Einsatz von Herbiziden

Kabul – Trotz einer Opium-Rekordernte in Afghanistan will die Regierung in diesem Jahr noch nicht nicht mit Herbiziden gegen die illegalen Pflanzungen vorgehen. Das Kabinett habe beschlossen, auf den Einsatz von Chemikalien zu verzichten und die Felder mit traditionellen Mitteln zu zerstören, teilte Said Mohammad Asam vom Ministerium für Drogenbekämpfung am Donnerstag mit. Dabei werden üblicherweise Arbeiter auf die Felder geschickt, die die Pflanzen zerstören.

«Wenn das funktioniert, dann ist es in Ordung», sagte Asam. «Wenn nicht, dann gehört das Besprühen zur Liste der Optionen.» Die Opium-Produktion stieg im vergangenen Jahr um 49 Prozent auf 6.700 Tonnen – diese Menge reicht aus für etwa 670 Tonnen Heroin. Dieses Rauschgift kommt zu mehr als 90 Prozent aus Afghanistan. Die USA haben von Präsident Hamid Karsai verlangt, verstärkt gegen den Opium-Anbau vorzugehen und dabei auch Herbizide einzusetzen.

zeitgeschichte

Watergate-Organisator Howard Hunt gestorben

Miami – Einer der Organisatoren des Watergate-Einbruchs, Howard Hunt, ist am Dienstag im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Skandal brachte 1974 US-Präsident Richard Nixon zu Fall. Hunt war Soldat während des Zweiten Weltkriegs, Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA, Organisator eines Staatsstreichs in Guatemala und der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht auf Kuba, aber auch Autor von mehr als 80 Büchern, bei denen es sich oft um Spionagegeschichten handelte.

Als Watergate-Einbrecher wollte Hunt sich nicht bezeichnen lassen. Er sei ein Watergate-Verschwörer gewesen, erklärte er. Noch während er beim CIA arbeitete, warb er vier der fünf Männer an, die schliesslich am 17. Juni 1972 in das Hauptquartier der demokratischen Partei im Watergate-Haus in Washington einbrachen. Bei einem von ihnen wurde Hunts Telefonnummer gefunden. Die fünf Männer, Hunt und ein weiterer Verschwörer, Gordon Liddy, wurden drei Monate später angeklagt. Hunt verbrachte 33 Monate im Gefängnis.

Die Ermittlungen zu dem Einbruch machten auch die Verwicklung des Weissen Hauses und von Nixon in den Fall deutlich, so dass der Kongress ein Amtsenthebungsverfahren einleitete, dem der Präsident mit seinem Rücktritt zuvor kam.

Sämtliche Artikel zu Watergate

spionage

Google Earth: Wenn Bilder lügen …

World Content News – Kaum hat sich die Aufregung über die Manipulation“ href=“http://www.netzeitung.de/internet/379268.html“&gt;Zusammenarbeit von Google mit der CIA wieder gelegt, erschüttert ein neuer Fall von Google-Zensur die Internetgemeinde: Google Earth hat sich den Kriegsherren im Irak gebeugt und hat diverse Aufnahmen von Stellungen der Besatzer teilweise retuschiert und manche auch durch Uralt-Fotos ersetzt, die vor dem Krieg entstanden sind. Trau schau wem in unserem so visuell geprägten „Informationszeitalter“.

Nachdem der „Daily Telegraph“ letzte Woche berichtete, es seien Ausdrucke von Satellitenfotos von Google Earth bei Aufständischen im Irak gefunden worden, die die Gegend um die südirakische Hafenstadt Basra zeigten. und deren Auswertungen möglicherweise für bewaffnete Angriffe auf britische Stützpunkte genutzt würden, hat Google umgehend reagiert und ist nach einer Aufforderung durch die britischen Militärs unter die klammheimlichen Bilderfälscher gegangen. So wurden Satellitenaufnahmen ohne entsprechende Kenntlichmachung retuschiert oder durch altes Bildmaterial ersetzt, wie ein aufmerksamer Blogger dokumentieren konnte.

Dass die Millionen User zählende Google-Earth-Community diese Manipulationen schlucken und sich in diesen Krieg nach dem Bush-Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ hineinziehen lassen wird, das glauben wohl nur dumme Kommiss-Köpfe.

Zwar hat ein Earth-Freak ein Java-Tool, das Vergleiche von verschiedenen Satelliten-Aufnahmen erlaubt, nach einem Zeitungsbericht wieder vom Netz genommen (vermutlich ebenfalls auf Druck der Militärs). Was aber einmal im Internet ist, verschwindet so schnell nicht mehr: Ausgerechnet im Google-Cache 🙂 befand sich noch eine Kopie dieser Seite : der Quellcode ist somit gerettet, das Tool steht jetzt im sicheren neutralen Schweizer Webspace. So lassen sich bisher bekannte Google-Falsifikate weiterhin interaktiv nachvollziehen:

Ein von Google „ausradierter“ Stützpunkt
Wie über Nord-Basra Wüste „geklebt“ wurde
Baath-Parteizentrale: Mit und ohne Krater

Was mit diesen Aufnahmen passiert ist, und wann sie aufgenommen wurden, kann man ausführlich hier“ href=“http://www.ogleearth.com/2007/01/did_google_cens.html“&gt;geheime Militärbasen in Faslane, Schottland dem digitalen Korrekturstift zum Opfer gefallen sein.

Wenn man die Gradangaben eines zu vergleichenden Objektes kennt und mit Koordinaten umgehen kann, lässt sich das findige Tool auch direkt adressieren.
Beispiel:
Lat:  30° + 33′ (=33/60) + 51,92“ (=51,92/3600) = 30.5644222
Lng: 47° + 47′ (=47/60) + 12,74“ ( =51,92/3600) = 47.7868722
Url: http://stephanfuchs.ch/Googlemap.htm?ll=Lat,Lng&zoom=17&one=
s12&two=s13

Wie mir von scharfsichtigen Beobachtern versichert wurde, zeigt die Aufnahme mit obigen Koordinaten ein gekentertes Boot auf dem Schatt el Arab, das gerade geplündert wird.

Überhaupt sei allen, die mit Google Maps und Earth-Bildern arbeiten, die Anleitungen von Mike’s Little Web Page wärmstens empfohlen, die neben unzähligen Tipps für den erweiterten Umgang mit diesen Programmen auch undokumentierte Programmierschnittstellen (API-Funktionen) aufzeigen, mit denen der Blick auf unsere schöne Welt voll ausgereizt werden kann.

Und um dem Durchblick“ href=“http://worldcontent.twoday.net/stories/3167815/“&gt;verbotenen Orten mitzuteilen.

Vielleicht findet sich ja jemand, der das Ganze dann auf einer eigenen Website mal hübsch dokumentiert.

Denn bush- und blairfromme Boys and Girls kommen mit Sicherheit in den Homeland-Himmel, die frechen kommen überall hin. Die Erde gehört uns allen, nicht den Militär-Fuzzis, mag Google auch noch so trickreich an seinen Bildern herumfummeln, die Community lässt sich nicht veräppeln – pardon: vergoogeln.

Quellen
Bildbereinigung durch Google Earth (Telepolis, 21.01.07)
Terrorgefahr: Google Earth löscht Bilder im Irak (pressetext.de, 18.01.07)
Google Earth im Nahostkonflikt (Telepolis, 18.01.07)
Terrorists ‚use Google maps to hit UK troops (Daily Telegraph, 13.01.07)
Google Earth: Die Welt in Echtzeit (PC Professionell, 22.01.07

Dieser Artikel erschien erstmalig bei WorldContent News

vermischtes

Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt – Mythos oder Wahrheit? Teil 2

Die Crux mit dem Codex Alimentarius oder dem Gesetz der Nahrungsmittel

Dr. Billa Hofmann – Das Codex-Komitee wurde 1962 von der WHO und UN gegründet, um das Lebensmittelrecht und die Sicherheitsstandards in den Ländern einander anzugleichen, die Gesundheit der Verbraucher zu schützen und für redliche Praktiken im internationalen Nahrungsmittelhandel zu sorgen. In den Geltungsbereich fallen also Nahrungsergänzungsmittel aus Vitaminen und/oder Mineralstoffen, die in Kapsel-, Tabletten-, Pulver- oder flüssiger Form als Lebensmittel angeboten werden.

Diese dürfen in Deutschland maximal die dreifache Menge des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Tagesbedarfs enthalten. Dosierungen, die darüber hinausgehen, gelten als Arzneimittel. Für sie muss, damit sie in Deutschland verkauft werden dürfen, eine Zulassung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beantragt werden. Arzneimittel brauchen eine Zulassung, in der die Qualität und die Wirksamkeit belegt werden muss!

Eine Arzneimittel-Zulassung bedeutet einen hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand für die jeweilige Pharmafirma, denn sie muss beispielsweise einen eindeutigen Wirkungsnachweis vorlegen. Bis jetzt gibt es kein Vitaminpräparat, das als Arzneimittel mit den Anwendungsgebieten „Vorbeugung vor Herzinfarkt“ oder „Vorbeugung vor Krebs-Erkrankungen“ zugelassen ist. Der Grund dafür ist, dass es bis heute keine wirklichen Beweise dafür gibt. Vitamine werden in der Medizin dafür eingesetzt, um einen Versorgungsmangel beim Patienten mit den entsprechenden Substanzen vorzubeugen, nicht aber um Krankheiten damit zu heilen. Ein nachgewiesener Mangel besteht z.B. bei Unter- oder Fehlernährung und bei bestimmten Krankheiten, sowie in der Schwangerschaft.

Die Codex-Alimentarius-Kommission hat aber noch keine international gültigen Regelungen verfasst. Bis es soweit ist, gelten in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bestimmungen. In Deutschland sind die erlaubten Dosierungen für Nahrungs-Ergänzungsmittel wie z.B. Vitamine niedriger als in anderen Ländern. Daher gelten manche Produkte, die im Ausland keine Zulassung benötigen, in Deutschland als Arzneimittel.

Diese Lücke im internationalen Regelwerk machen sich manche dubiose Firmen zu Nutze. Sie beliefern den deutschen Markt mit Produkten, die in Deutschland nicht verkauft werden dürfen. Weil sie aber außerhalb des deutschen Staatsgebiets agieren, sind sie für die deutschen Gesundheitsbehörden nicht greifbar. Das Internet macht den großen Markt dafür möglich.
(Quelle:“>Netdoktor Empfehlungen )

Was sagt die deutsche Zulassungsbehörde zu Dr. Rath`s Pillen?
Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt es keine Anhaltspunkte für die Wirkung seiner Pillen. Dort geht man davon aus, dass Dr. Rath offensichtlich nicht in der Lage sei, diese Wirksamkeit zu belegen, denn sonst hätte er schon längst die Zulassung beantragt!
(Quelle: Ärzte warnen vor „Wunderdoktor“ Matthias Rath, eine Sendung vom 09.11.2004 ).

Prof. Christoph Steffen, ein Sprecher vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sagte, dass es kriminell sei, solche Produkte ohne ausreichende Prüfung und ohne Zulassung als Arzneimittel zu bewerben (siehe auch Berliner Morgenpost, weiter unten )

Auch Ulrike Beisiegel, eine Herzinfarkt-Forscherin von der Universität Hamburg, bei der Rath seine Promotion absolviert hatte, sagt, dass sie keine Studie kennt, die belegt, dass seine Präparate auch nur einen Patienten vor dem Infarkt bewahrten.
(Quelle: Krebs ist keine Krankheit, Abendblatt vom 11. Februar 2004, und
netdoktor.de, Klaus Koch, Verschwörungstheorien um Vitamine )

Auch die USA reagiert. Die amerikanische Zulassungsbehörde, die FDA, wurde auf Dr. Rath`s Vorgehensweise aufmerksam und erstellte ein Schreiben, dass die Vermarktung seines Arzneimittels Vitacor gegen das dem Codex Alimentarius entsprechenden amerikanischen Gesetz (Federal Food, Drug and Cosmetic Act) verstöße. Siehe FDA

Die Verschwörungstheorie
Rath beutet nach dem Gut-Böse-Prinzip gezielt Vorurteile beim Verbraucher über angebliche Nebenwirkungsfreiheit von Naturstoffen und die Gefährlichkeit synthetischer Pharmapräparate aus. Mit einem Verschwörungsszenario auf Plakaten und in Anzeigeserien in der Tagespresse schürt er Ängste beim Verbraucher. Ein so genanntes „Pharmakartell“ fördere den Verkauf teurer und schädlicher synthetischer Arzneimittel und unterbinde, dass mit Hilfe der Rath`schen Zellular Medizin „Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele andere Volkskrankheiten auf natürliche Weise verhindert würden. „Natürliche Vitamine verhindern Herzinfarkt! Und die einzige Nebenwirkung……sie zerstören unseren Pharmamarkt. Also: Weltweit verbieten“ – lautet die Verschwörungstheorie.
(Quelle: Arzneimitteltelegramm, blitz-a-t, 16. Juni 2000, und Dr. Rath Foundation )

So ist auf Dr. Rath`s Homepage wörtlich zu lesen (siehe Homepage): „Die Gesundheit und das Leben von Millionen von Menschen wird bewusst geopfert, indem man ihnen lebensrettende Gesundheitsinformationen vorenthält. Und das aus einem einzigen Grund: sie sind nicht patentierbar und damit weniger gewinnträchtig. Die patentierbaren synthetischen Arzneimittel, die stattdessen vermarktet werden, verursachen so schwere Nebenwirkungen, dass sie die viertgrößte tödliche Epidemie unter der amerikanischen Bevölkerung ausgelöst haben – den Tod durch verschreibungspflichtige Arzneimittel (JAMA 4/15/98). Die Kosten dieses “Pharma-Betrugs” für die Gesellschaft belaufen sich auf mehrere Milliarden Dollar.“

Mag ja sein, dass Vitamine als Substanz an sich nicht patentierbar sind, wohl aber neu entdeckte und in der Wirksamkeit belegte Anwendungsgebiete. Könnte Dr. Rath zeigen, dass sein Vitamincocktail vor Herzinfarkt, Krebs…etc. schützt, dürfte er diese Substanz unter dem entsprechenden Hinweis verkaufen und sich dies durch ein Patent schützen lassen. Millionen Patienten wären dankbar und hohe Umsätze wären garantiert. Also, wir warten auf den Beweis und hoffen, dass demnächst die Zulassung und mit ihr die Garantie für den Patienten, dass Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität des Vitamin-Arzneimittels belegt sind, anstehen wird.

Die Belege des Dr. Rath
Als Belege für den Nutzen seiner Produkte zitiert Rath Arbeiten anderer Forscher, in denen Hypothesen formuliert bzw. experimentelle Daten oder Auswertungen von Surrogatkriterien dargestellt werden (blitz-a-t, 16. Juni 2000). So lassen epidemiologische Studien vermuten, dass niedrige Antioxidantien-Spiegel mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert sind und eine erhöhte Aufnahme von Antioxidantien protektiv zu sein scheint. Dass aber klinische Studien, die kardiovaskuläre Vorteile durch Antioxidantien-Supplementation überprüfen, zu kontroversen Ergebnissen führten, scheint Rath nicht zu interessieren. So z. B.:

Eine Studie untersuchte die Sterblichkeit an akutem Myokardinfarkt bei Frauen des US-Bundesstaates Iowa über sechs Beobachtungsjahre und fand ebenfalls keine signifikante Korrelation.

In mittleren Dosen (8-12 I.E./Tag) zeigte Vitamin E nützliche Effekte, das Risiko der Sterblichkeit nahm aber bei höheren Dosen (>12 I.E./Tag) wieder zu.

Kushi LH, Folsom AR, Prineas RJ, Mink PJ, Wu Y, Bostick RM. Dietary antioxidant vitamins and death from coronary heart disease in postmenopausal women. N Engl J Med 1996; 334: 1156-1162.

Autoren, die aus epidemiologischen Studien einen potentiellen Nutzen für höhere Dosen an Vit. C und E als die empfohlenen Tagesdosis ableiteten, gaben aber ausdrücklich an, dass weiter Studien dazu nötig sind, um das Ergebnis zu bestätigen. Beispiele hierfür sind:

Stampfer MJ, Hennekens CH, Manson JAE, Colditz GA, Rosner B, Willett WC. Vitamin E consumption and the risk of coronary disease in women. N Engl J Med 1993; 328: 1444-1449

Rimm EB, Stampfer MJ, Ascherio A, Giovannucci E, Colditz GA, Willett WC. Vitamin E consumption and the risk of coronary heart disease in men. N Engl J Med 1993; 328: 1450-1456.

Gey KF, Stähelin HB, Eichholzer M. Poor plasma status of carotene and vitamin C is associated with higher mortality from ischemic heart disease and stroke: Basel prospective study. Clin Invest 1993; 71: 3-6

Dies wird von Dr. Rath allerdings vollkommen ignoriert und ist auf Seite 48 seines „Warumbuchs“ etwas anders dargestellt. Dort heißt es kommentarlos, „Auch Vitamin E und Karotin beugen dem Herzinfarkt vor.“

Ganz im Gegenteil, Vitamin E und Carotin können auch gefährlich sein. Bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko (= Männer zwischen 50 – 69 Jahren, Raucher; 1 durchgemachter Herzinfarkt) zeigte sich sogar, dass Vitamin E und beta-Carotin, im Vergleich zum Placebo (= Scheinmedikament ohne Wirkstoff) das Risiko eines tödlichen Herzinfarktes erhöht ist.

Rapola JM, Virtamo J, Ripatti S, Huttunen JK, Albanes D, Taylor PR, et al. Randomised trial of -tocopherol and -carotene supplements on incidence of major coronary events in men with previous myocardial infarction. Lancet 1997; 349: 1715-1720

Eine andere placebokontrollierte Studie mit beta-Carotin (50 mg alternierend eingenommen; über 12 Jahre) zeigte bei 22.071 männlichen Ärzten (40 – 84 Jahre), dass diese nicht vor kardiovaskulären Erkrankungen bzw. dem Herzinfarkt geschützt waren.

Hennekens CH, Buring JE, Manson JAE, Stampfer M, Rosner B, Cook NR, et al. Lack of effect of long-term supplementation with beta carotene on the incidence of malignant neoplasms and cardiovascular disease. N Engl J Med 1996; 334: 1145-1149.

Dr. Rath beschreibt auf Seite 50 seines „Warumbuchs“ diese „Physicians Health Study“, allerdings in etwas anderer Art und Weise!!!

Die Kombination aus beta-Carotin (30 mg/Tag) und Vitamin A (25.000 IE/Tag) führt zu einem erhöhten Risiko an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben (erhöhtes Herzinfarktrisiko). Diese Studie wurde abgebrochen, als sich außerdem auch gezeigt hat, dass die Patienten, die Vitamine einnahmen, vermehrt an Lungenkrebs starben.

Omenn GS, Goodman GE, Thornquist MD, Balmes J, Cullen MR, Glass A, et al. Effects of a combination of beta carotene and vitamin A on lung cancer and cardiovascular disease. N Engl J Med 1996; 334: 1150-1155

Vorsicht vor zuviel an Vitamin
Generell scheint sich Dr. Rath weniger mit den Nebenwirkungen seiner Vitamine zu beschäftigen. Das heißt aber nicht, dass es diese nicht gibt. Die kontroversen Ergebnisse der epidemiologischen Studien bestätigen dies ja zusätzlich. So ist es falsch, anzunehmen, „was der Körper nicht braucht, wird ausgeschieden“ Fettlösliche Vitamine bleiben im Körper! So ist die Unbedenklichkeit von Vitamin A in der Schwangerschaft nicht gesichert. Es wurden schon Fehlbildungen nach hohen Dosierungen beschrieben. Grammmengen von Vitamin C fördern das Risiko der Bildung von Oxalat- und anderen Steinen durch angesäuerten Urin. Und beta-Carotin kann auch bei Rauchern das Risiko für Gesamt- und Lungenkrebsmortalität erhöhen (Arzneimitteltelegramm 1996; Nr. 3:30 und 1997; Nr. 12:126).

Wissenschaftler und auch die Öffentlichkeit wurden aufgerüttelt, als in der ATBC-Studie (The Alpha-Tocopherol Beta-carotene Cancer Prevention Study, Finnland) und der CARET-Studie (The Beta-carotene and Retinol Efficacy Trial, USA) eine erhöhte Sterblichkeit und Inzidenz an Bronchialkarzinomen auftraten. In der ATBC-Studie hatten 29.133 männliche Raucher, in der CARET-Studie 18.314 männliche Raucher und Asbestarbeiter Supplemente mit dem Ziel erhalten, einem Bronchialkarzinom vorzubeugen.

Die Häufigkeit für das Auftreten von Lungenkrebserkrankungen in der Gruppe derjenigen, die Beta-Carotin einnahmen, war signifikant höher als bei denjenigen, die ein Scheinmedikament einnahmen. Auch die Sterblichkeit war in der Gruppe der Beta-Carotin-Anwender erhöht. In Nachuntersuchungen zeigte sich, dass in einer dieser Studien auch sechs Jahre nach ihrem Ende das Risiko für das Auftreten einer Lungenkrebserkrankung in der Beta-Carotin-Gruppe noch erhöht war.

Das BfArM gab deshalb für starke Raucher die Warnung heraus, dass Arzneimittel mit hohen Dosen von Beta-Carotin (mehr als 20 Milligramm pro Tag) nicht mehr eingenommen werden dürfen.
(Quelle: Pressemitteilung BfArM vom 04.01.2006 )

Rath`s letzte Hoffnung
Auf seiner Homepage „Natürlich gegen Krebs (siehe Stopping Cancer) schreibt er über den „Durchbruch in der Vitamin-Krebs-Forschung“. Hier finden Sie wichtige Infos zu der US-Studie, die den wissenschaftlichen Durchbruch von Dr. Rath und seinem Forschungsteam jetzt bestätigt, ist dort zu lesen. Hier werden geschickt die Lorbeeren anderer Forscher für die eigenen Zwecke genutzt! Dr. Rath bezieht sich auf eine Studie, die von Qi Chen und Kollegen vom Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) in Bethesda, die im Original in der Fachzeitschrift „PNAS“ (2007, Vol. 102, S. 13604) veröffentlicht ist.

Dieser neuen Studie zufolge könnte direkt in die Vene gespritztes (intravenöses) Vitamin C gute Dienste im Kampf gegen den Krebs leisten. Durch die intravenöse Injektion von Vitamin C ist die Blutkonzentration besonders hoch. Wasserstoffperoxid, der durch Vitamin C entsteht, konnte gezielt Krebszellen abtöten. Auch bei anderen Krankheiten soll der Wirkstoff gute Dienste leisten. Dabei scheint Dr. Rath aber vollkommen übersehen zu haben, dass sich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen lassen. Die Forschergruppe schreibt nämlich ausdrücklich in der Originalveröffentlichung, dass aus Vitamin C nur bei den hohen Konzentrationen, die durch die intravenöse Verabreichung erzielt wird, Wasserstoffperoxid gebildet werden kann.

Dies gilt aber nicht für die orale Aufnahme (schlucken einer Tablette), da die Bioverfügbarkeit wesentlich geringer ist. Man hat einen gewissen Verlust an Wirkstoff, dadurch dass das Vitamin C erst aus dem Magen-Darm ins Blutsystem absorbiert werden muss. Im Unterschied dazu hat man bei der intravenösen Verabreichung die Gesamtkonzentration direkt am Wirkort (Blut) verfügbar. Insofern ist das, was die Forscher in ihrer Studie beschreiben, nicht auf Dr. Rath`s Pillen übertragbar!

Und so ganz ohne Nebenwirkungen ist diese Anwendung auch nicht. Bei Patienten, die unter einem angeborenen Mangel an dem Enzym Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase leiden, kann intravenös verabreichtes Vitamin C zu intravaskulärer Hämolyse führen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Autoren am Ende ihrer Publikation schreiben, „To proceed clinically in potential treatment of infectious diseases and cancer, clear safety documentation of i.v. ascorbate administration is necessary“. D. h. weitere Studien sind nötig, um die Sicherheit von intravenös verabreichtem Vitamin C zu dokumentieren, bevor man die Anwendung bei Krebs oder anderen Infektionskrankheiten weiter erforscht.
(Quelle: Qi Chen et al, Pharmacologic ascorbic acid concentrations selectively kill cancer cells: Action as a pro-drug to deliver hydrogen peroxide to tissues, PNAS 2007, Vol. 102, p. 13604)

Und wo sind die Sicherheitsbelege von Dr. Rath? Wo sind die Studien, die dokumentieren, dass die Anwendung der Rath`schen Pillen ohne Nebenwirkungen ist? Wo ist die Garantie für den Patienten, dass Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität der Arzneimittel belegt sind?

Die Herausforderer
Uwe Tröger und Frank Meyer vom Institut für Klinische Pharmakologie in Magdeburg haben überprüft, ob das, was Dr. Rath zu dem Arzneimittel Vitacor 20/90 bewirbt, der Wahrheit entspricht. Ihre Ergebnisse haben sie im British Medical Journal 1998 veröffentlicht.

Sie fanden keine Bestätigung, dass die Inhaltsstoffe von Vitacor generell das kardiovaskuläre Risiko senken könnten und fanden keine positiven Beweise für eine verbesserte Lebensqualität sowie eine positive Beeinflussung der Sterblichkeit, die assoziiert mit Herz-Kreislauferkrankungen, Herzschwäche, Bluthochdruck, Arrythmien oder Diabetes ist.

Des Weiteren stellten sie fest, dass die einzige Studie, die Dr. Rath im Journal of Applied Nutrition (1996) veröffentlicht hat, nicht den Qualitätskriterien für die Durchführung kontrollierter Studien entsprechen würde. Außerdem war die tägliche Dosis in dieser Studie 3mal höher als es von Rath auf der Packung angegeben wird.
(Quelle: Uwe Tröger und Frank Meyer, Validity of advertising claims for multivitamin preparation Vitacor 20/90 on the internet, BMJ 1998;317:1069-1071)

Auch ein Berliner Arzt hat Dr. Raths Vitaminpräparate (Vitamin-C-Präparat „Lysin-C-Drink“) im Tierversuch getestet. Er hat keine nachweisbaren Wirkungen festgestellt. Die Krebszellen hätten sich bei Mäusen in der Versuchs- und Kontrollgruppe gleichermaßen todbringend ausgebreitet. Die Tumoren hätten sich in der Leber der Versuchstiere trotz des Vitamin-Präparats gebildet.

Die Rath Foundation bemühe sich wohl um eine Studie. Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Jens Kellersmann, im niederländischen Almelo, sagt zum Vorwurf, dass es an wissenschaftlichen Studien mangele, lediglich: „Wir können uns nicht in ein System integrieren, das wir grundlegend ablehnen.“
(Quelle: Berliner Morgenpost vom 07.07.2004, L. Wagner, „Studie widerspricht Wunderheiler“)

Mehr Werbung als Wirkung
Und letztendlich stellt sich Conny Becker, Autorin bei der Pharmazeutischen Zeitung die Frage, wie wichtig sind nun Nahrungsergänzungsmittel, die uns Allen in teuren Werbekampagnen die Heil- und Glückseligkeit versprechen?

Der Trend zum Kauf von Mineralstoff- und Vitaminsupplementen sei ungebrochen. Er ist gekoppelt mit einer Wohlstandsgesellschaft, die in Teilen bewusst ungesund isst und lebt und dies per Substitution vermeintlich oder gesichert fehlender Substanzen wettzumachen versucht. Und dies, obwohl das ganze Jahr über nahezu alle Obst- und Gemüsesorten überall erhältlich sind und die Ernährung im Allgemeinen abwechslungsreicher geworden ist. Ein echter Vitamin-Mangel mit gesundheitlichen Konsequenzen bei gesunden Menschen in Deutschland sei nicht mehr zu beobachten. Auch die tägliche Vitamin-E-Aufnahme ist vollkommen gedeckt, wenn man sich vollwertig ernährt (pflanzliche Öle, Vollkornprodukte).

Lediglich für Schwangere, Hochleistungssportler, Raucher oder Personen mit starkem Alkoholkonsum sowie Senioren, die sich einseitig oder unzureichend ernähren, könnte eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.
(Quelle: Mehr Werbung als Wirkung, Conny Becker, Pharmazeutische Zeitung Ausgabe 37/2006 )

Vitamin-C-Mangel verursacht Atherosklerose: Rath`s Beweis an Meerschweinchen
Um seine Theorie Vitamin C Mangel führt zu Arterienverkalkung zu beweisen, führte Dr. Rath ein Experiment mit Meerschweinchen durch. Man entschied sich deshalb für das Meerschweinchen, weil es eine Ausnahme im Tierreich war. Wie der Mensch, so kann auch das Meerschweinchen kein eigenes Vitamin C produzieren. 2 Gruppen von Meerschweinchen erhielten fünf Wochen lang jeweils das gleiche Essen, bestehend aus Cholesterin, anderen Fetten, Eiweißstoffen, Zucker, Salz und anderen Nahrungsbestandteilen.

Lediglich die Zufuhr der Vitamin C Menge war unterschiedlich. Eine Gruppe bekam viel Vitamin C (umgerechnet auf das menschliche Körpergewicht etwa 5000 mg/Tag), die andere nur ganz wenig (umgerechnet auf das menschliche Körpergewicht etwa 60 mg/Tag). Die Tiere der Gruppe die wenig Vitamin C futterte, entwickelte, laut Rath, rasch atherosklerotische Ablagerungen (weiße Flächen), besonders in Herznähe. Die Arterien der Tiere, die viel Vitamin C zu sich genommen hatten, waren laut Rath gesund. Dies hält Rath für den Beweis, dass es sich bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen um eine Vitaminmangelerkrankung handelt.

Ist das Meerschweinchen ein geeignetes Modell für den Menschen? Und macht es wirklich Sinn, reine Vegetarier, also Pflanzenfresser, nun mit Cholesterin, also tierischen Produkten, zu füttern, um dann Beweis führende Aussagen über Arterienverkalkung zu machen? (siehe Seite 60-62)

Der Gegenbeweis
Der Gegenbeweis wurde schon 1908 geliefert. Nämlich durch Alexander Ignatovski, einem russischen Wissenschaftler und Pionieren in der empirischen Cholesterinforschung. Auf der Suche nach dem Grund für Arterienverkalkung, fütterte der Forscher stark cholesterinhaltige Nahrung an Hasen. Einige der Tiere starben an Herzinfarkt! Unter dem Mikroskop sah er mustergültige Ablagerungen in den Gefäßen: Atherosklerose!

Da aber Hasen zu den Tieren zählen, die Vitamin C selber produzieren können, hätte es – nach Dr. Rath`s Theorie – dieses Ergebnis nicht geben dürfen!!!!!
(Quelle: Cholesterin, siehe Absatz „empirische Hinweise“)

Und die Moral von der Geschicht`
….trau` den Rath`schen Pillen nicht!

Es mag genügend billigere Methoden geben, um sich vorbeugend gesund und fit zu halten. Und was wollen wir mehr, wenn wir auch noch Schokolade (dunkle!) essen, Kaffee trinken und Rotwein genießen dürfen?

Da hat man schon ein bisschen mehr Genuss als beim bloßen Schlucken einer Pille!

Nicht umsonst warnt auch das europäische Verbraucherzentrum EVZ vor den Produkten des Dr. Rath.

Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt – Mythos oder Wahrheit? Teil 1

vermischtes

Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt – Mythos oder Wahrheit?

Dr. Billa Hofmann – Diese Frage stellt man sich immer wieder, und Dr. Rath hat diesbezüglich sogar ein Buch mit dem Titel „Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt“ veröffentlicht. Aber müssen wir Alles glauben? Zu lesen unter: Warumbuch

Tiere und Herzinfarkt oder die Kunst, beim Reh, Hasen oder Huhn ein Langzeit-EKG durchzuführen?
Laut Dr. Rath bekommen Tiere keinen Herzinfarkt, weil sie selbst Vitamin C herstellen können und deshalb davor geschützt sind. Allerdings ist weder der Zusammenhang zwischen Herzinfarkt und Vitamin C belegt, noch dass Tiere keinen Herzinfarkt bekommen können. Und was ist mit den Tieren, die wie der Mensch kein Vitamin C produzieren können (Affen, Meerschweinchen) – kann man da den Umkehrschluss ziehen, dass diese dann einen Herzinfarkt bekommen?

Überhaupt, wie ist es technisch machbar, ein Belastungs-EKG z. B. beim Reh, welches man zuvor mit Trari-trara durch den Wald gejagt hat, zu messen? Wenn wir dies nicht können, woher wissen wir dann, dass Tiere keinen Herzinfarkt bekommen? Dass für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vielmehr genetische Veranlagungen oder Risikofaktoren (ungesunde Ernährung, Stress….) verantwortlich sein können, scheint Dr. Rath nicht zu interessieren.

So sind Tiere viel vernünftiger als Menschen. Im Gegensatz zu uns Menschen, scheinen sie doch mehr Wert auf gesunde Lebensweise zu legen. Sie rauchen und trinken nicht und besonders viel Stress scheinen sie auch nicht zu haben. Außer vielleicht beim Beutefangen! Tiere fressen nur dann, wenn sie Hunger haben und instinktiv auch nur Gesundes. Oder hat schon jemand von einem Cola trinkenden und Pommes essenden Löwen, Tiger oder Haifisch gehört?

Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied zwischen den Wildtieren und unseren Lieblingen im Haus. Tierarzt Till Robl berichtet in der Morgenwelt, einem Magazin für Wissenschaft und Kultur, über Diabetes, Leberverfettung, Gelenkbeschwerden und Herzproblemen bei unseren vierbeinigen Lieblingen, als Folgen von Übergewicht. „Wenn die Tiere zu fett sind, muss das Herz weitaus mehr arbeiten, mehr Blut durch die Organe pumpen. Das kann frühzeitig zu einer erhöhten Herzbelastung und Herzproblemen führen. Herzinfarkt, Schlaganfall, das alles ist auch bei Tieren möglich. Sie können davon ausgehen, dass die Krankheiten, die Menschen haben, auch Tiere haben können“, so Till Robl, Tierarzt aus Berlin. Quelle: Weg mit dem Speck, Anna-Maria Gerhart

Alexander Ignatovski, ein russischer Wissenschaftler und Pionier in der Cholesterinforschung, machte 1908 ein Experiment, indem er, auf der Suche nach dem Grund für Arterienverkalkung, an Hasen Eigelb und Milch, also stark cholesterinhaltige Nahrung, verfütterte. Tatsächlich bekam den meisten Hasen die Diät nicht gut. Einige der Tiere starben an Herzinfarkt! Wie wir später noch lesen werden, wird Alexander Ignatovski, der Pionier von 1908, den Gegenbeweis zu Dr. Raths Theorie bringen. (Quelle: www.csatvb.ca ).

Der Herzinfarkt bei Tieren scheint also doch möglich!

Was ist nun dran am Mythos um Vitamine, Antioxidantien & Co.?
Lassen Sie mich das beleuchten:

5 am Tag
5 am Tag, so heißt eine Aktion, die von der Deutschen Krebsgesellschaft initiiert wurde. Hintergrund dafür war, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gemeinsam mit den entsprechenden Organisationen der Schweiz und Österreich neue Empfehlungen für die Aufnahme verschiedener Nährstoffe herausgegeben hat. Die wichtigsten Änderungen waren dabei höhere Referenzwerte für die Aufnahme von Vitamin C, Vitamin E und Calcium.

Professor Dr. Günther Wolfram, Vizepräsident der DGE, Institut für Ernährungswissenschaft der Technischen Universität München, hält es aber für unnötig, auf Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel zurückgreifen. Eine Ernährung, die reich an Gemüse, Obst und Vollkorngetreide ist und ein bewusster Umgang mit Fett würde ausreichen. Lediglich für Risikogruppen mit erhöhtem Bedarf, wie Schwangere, Hochleistungssportler, Raucher oder Personen mit starkem Alkoholkonsum sowie Senioren, die sich einseitig oder unzureichend ernähren, könnte eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.

Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der DGE e. V., Frankfurt war der Meinung, dass Essen aber nicht auf die Zufuhr von Nährstoffen reduziert werden sollte, es habe auch soziale Aspekte und der Genuss dürfe dabei nicht zu kurz kommen. In diesem Sinne haben die Fachleute die zehn Regeln der Deuteschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) umgestaltet und die „5 am Tag“- Empfehlung aufgenommen. Spaß am Essen steht im Vordergrund, Verbote werden nicht ausgesprochen.

Die Kampagne empfiehlt, fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich zu nehmen. Eine Waage braucht man dafür nicht, das Maß ist die eigene Hand. Und egal ob frisch, tiefgefroren oder als Saft – alles ist möglich!

Laut Professor Dr. Hans K. Biesalski von der Universität Stuttgart-Hohenheim, Leiter der AG Wissenschaft von „5 am Tag“ beeinflusse die Ernährung fast alle Krebsformen, und zwar stärker als den meisten Menschen bewusst ist. So präsentierte er Daten einer Studie, nach der die Ernährung für etwa 35 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich ist. Eine andere prospektive Studie hatte zum Beispiel gezeigt, dass das Lungenkrebsrisiko von Nichtrauchern gegen Null geht, wenn sie viel Obst und Gemüse zu sich nehmen.

Wichtig für die Krebsprävention sei eine abwechslungsreiche Ernährung, da für keine einzige einzelne Substanz nachgewiesen wurde, dass sie Krebs verhindere. Es gibt keine Studie, die darauf hinweist, dass z. B. isoliert eingenommenes Vitamin E Krebs verhindern kann. Neue Studien zeigen aber, dass Menschen, die möglichst viele unterschiedliche Gemüsearten im Laufe einer Woche verzehren, ein geringeres Krebsrisiko haben.

Im Gegensatz dazu glauben die meisten Menschen, dass Zusatzstoffe in den Nahrungsmitteln und die Luftverschmutzung am häufigsten Krebs hervorrufen – Faktoren, die sie kaum beeinflussen können. Zusatzstoffe verursachen jedoch weniger als 1 Prozent, die Luftverschmutzung etwa 2 Prozent der Krebserkrankungen, erklärte Biesalski.

Verantwortlich für den protektiven Effekt von Gemüse und Obst sind die sekundären Pflanzenstoffe wie Carotinoide, z. B. Lycopin“>Flavonoide, das sind Stoffe, die die Pflanzen vor UV Strahlung, Fraßfeinden oder mikrobiellem Befall schützen und als Farb-, Duft- oder Lockstoffe fungieren.
(Quelle: Zusätzliche Präparate bei gesunder Ernährung unnötig, Ulrike Wagner, Pharmazeutische Zeitung Ausgabe 27/2000, Fünf Hände voll Obst und Gemüse schützen vor Krebs, Ulrike Wagner, Pharmazeutische Zeitung Ausgabe 22/2000, Die Praxis ist der Wissenschaft weit voraus, Gudrun Heyn, Pharmazeutische Zeitung Ausgabe 04/2003 Siehe dazu auch: 5 am Tag

Antioxidantien sind natürliche oder künstlich hergestellte Substanzen, die die Oxidation empfindlicher Moleküle zu verhindern, also die Reaktion mit dem Luftsauerstoff oder anderen oxidierenden Chemikalien. Meistens wirken sie als Radikalfänger

Die Mittelmeerdiät
Die so genannte Mittelmeer-Diät mit viel Gemüse, Obst und Getreide kann das Leben, einer Studie zufolge, tatsächlich verlängern. Nach den Berechnungen von Professor Antonia Trichopoulou und ihrem Team lebt ein gesunder 60 Jahre alter Mann, der sich relativ strikt an die mediterrane Ernährung hält, rund ein Jahr länger, als ein anderer Mann gleichen Alters. Die Forscher der Universität Athen hatten dafür Daten von 74.000 Menschen ab 60 Jahren aus neun europäischen Ländern ausgewertet. Liegt das nun an den Vitaminen? Wohl nicht nur, Grundlage der Mittelmeer-Diät sind pflanzliche Kost, insbesondere auch ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Olivenöl enthalten sind. Zudem gibt es eher Fisch als Fleisch.

Die Anhänger verzichteten weitgehend auf Käse und Jogurt sowie auf gesättigte Fettsäuren, die sich hauptsächlich in tierischen Nahrungsmitteln finden. Neben dem lebensverlängernden Effekt stellten die Wissenschaftler auch fest, dass es bei der Mittelmeer-Diät unerheblich ist, ob ein Mensch einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu sich nimmt. Die Forscher analysierten Daten aus Griechenland, Spanien, Dänemark, Italien, Deutschland, Schweden, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Die Angaben bezogen die Wissenschaftler aus der EPIC-Studie an der insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen teilnahmen. Ziel der EPIC-Studie (European prospective investigation into cancer and nutrition) von 1992 bis 2000 war es, Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs sowie anderen chronischen Erkrankungen zu untersuchen.
(Quelle: BMJ 2005 (330) 991Modified Mediterranean diet and survival: EPIC-elderly prospective cohort study, Antonia Trichopoulou et al.)

Wie gesund ist Kaffee oder – Kaffee als Krebsbekämpfer?
Kaffe, so verkündete der US-Chemieprofessor Joe Vinson von der University of Scranton, sei für den menschlichen Organismus der effektivste Lieferant von Antioxidantien – und damit eine potente Substanz zur Krebsprävention.

Die Forschergruppe von der Universität Scranton hatte hundert verschiedene Lebensmittel auf ihren Gehalt an Polyphenolen analysiert. Dabei zeigte sich, dass Kaffee die meisten Antioxidantien liefert.

Laut Vinson reichen schon ein bis zwei Tassen am Tag für den Tagesbedarf aus. Dabei muss es nicht einmal der starke Muntermacher sein, selbst die entkoffeinierte Variante genüge vollauf, den Körper gegen schädliche Oxidationsprodukte zu schützen. So schlägt Kaffee der Studie zufolge andere Produkte, die ebenfalls als hochwertige Antioxidantien-Quellen gelten, wie Milch, Kakao, Tee und Cranberries.

Vorsicht ist trotz allem geboten, denn Kaffee hat auch Nebenwirkungen: von erhöhter Nervosität über Magenbeschwerden bis hin zu erhöhtem Blutdruck.
(Quelle: Charmayne Marsh und Michael Bernstein, American Chemical Society, Coffee is number one source of antioxidants )

Kaffee senkt das Risiko einer Leberkrebserkrankung um die Hälfte
So berichten Forscher um Manami Inoue vom Nationalen Krebsforschungszentrum in Tokio, dass die tägliche Dosis Kaffee das Risiko einer Leberkrebserkrankung um die Hälfte reduziere. Die Wirkung verbesserte sich, je mehr Kaffee getrunken werde [1].

Ob es das Koffein ist oder ein anderer Wirkstoff, der die Leber schützt, ist noch unklar, weil bei dieser Studie nicht zwischen entkoffeiniertem und normalem Kaffee unterschieden wurde. Ungeklärt ist auch die Frage, ob Kaffee oder Koffein zudem gegen andere Krebsarten wirken.

Diesbezügliche Theorien, nach denen dieser Genuss auch vor Tumoren im Dick- und Enddarm schützen soll, haben nun Forscher um Karin Michels vom Brigham and Women’s Hospital in Boston widerlegt [2]: Sie konnten keinerlei Effekt von Koffein in Tee oder Kaffee auf die Entwicklung dieser beiden Krebsarten feststellen und bestätigten damit frühere Studien.

Wir merken uns, Kaffee reduziert zwar das Risiko einer Leberkrebserkrankung, vor Darmtumoren bewahrt er allerdings nicht. Aber schon allein die Aussage, das Risiko einer Leberkrebserkrankung sei um die Hälfte reduziert, mag ja nicht allzu schlecht sein!
(Quelle:
(1)Influence of Coffee Drinking on Subsequent Risk of Hepatocellular Carcinoma: A Prospective Study in Japan, Manami Inoue et al, Journal of the National Cancer Institute 97; 293-300 (2005)
(2)Colon and Rectal Cancer, K. Michels et al, Journal of the National Cancer Institute 97; 282-292 (2005)

Allerdings sollten Sie auf die Zubereitungsart des Kaffees achten. So heißt es in spectrumdirekt vom 25. April 2000, dass ungefilterter Kaffee den Cholesterinspiegel erhöhen kann. Ursache dafür sei der Wirkstoff Cafestol (siehe auch Wiki). Nach Aussagen der niederländischen Wissenschaftler erhöht der Konsum von täglich fünf Tassen an ungefiltertem Kaffee den Blutcholesterinspiegel um rund sechs Prozent.

Cafestol ist in Kaffee enthalten, der auf griechische, türkische, arabische oder auch skandinavische Art gebrüht wird. Dabei wird das Wasser direkt auf den gemahlenen Kaffee gegossen. Aber auch in Kaffee, der in Glaszylindern aufgebrüht und der Sud mittels Metallfilter abgetrennt wird, ist Cafestol enthalten. Lediglich Papierfilter halten den Stoff zurück.
(Quelle: spectrumdirekt, 25.04.2000, sowie Wageningen University)

Schokolade gegen Herzinfarkt?
Dass Schokolade nicht nur dick macht, sondern wegen der antioxidativen Effekte des Kakaos auch durchaus positiven Einfluss auf die Gesundheit ausüben kann, haben verschiedene Studien gezeigt. So haben Schweizer Forscher herausgefunden, dass auch Raucher von den gesunden Effekten der Schokolade profitieren können: Weil bei ihnen die Funktion der die Gefäße auskleidenden Endothel-Zellen und Blutplättchen dauerhaft gestört ist, neigen sie eher zu Arterienverhärtung und kardiovaskulären Erkrankungen als Nichtraucher.

Wie die Studie jetzt zeigte, genügen schon wenige Riegel einer Schokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 74 Prozent, um dieses Risiko zu reduzieren. Bei dunkler Schokolade ist der Anteil der Antioxidantien höher als in den meisten anderen antioxidativen Lebensmitteln wie Rotwein, Grünem Tee und Beerenobst, so die Forscher. Im Rahmen ihrer Studie mussten die Teilnehmer täglich vierzig Gramm dunkle Schokolade konsumieren. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, durften sie in dieser Zeit keinerlei weitere Lebensmittel zu sich nehmen, die eine antioxidative Wirkung besitzen.

Schon zwei Stunden nach dem Schoko-Genuss zeigten Ultraschall-Aufnahmen einen deutlich geschmeidigeren Blutfluss in den Arterien. Dieser Effekt hat nach Beobachtung der Forscher acht Stunden lang angehalten. Allerdings hätten Versuche mit weißer Schokolade keinerlei positive Effekte auf die Arterien gezeigt.
(Quelle: Heart 92, 119-120 (2006), Dark chocolate improves endothelial and platelet function, R. Corti et al)

Walnüsse gegen Arterienverkalkung?
Im Rahmen einer Studie fand ein Spanisches Forscherteam um Emilo Ros heraus, dass Walnüsse die Gefäße sogar besser schützen als das hoch gelobte Olivenöl! So erklärt der Forscher, „immer, wenn wir eine fettreiche Mahlzeit zu uns nehmen, lösen die Fettmoleküle Minientzündungen aus, die neben anderen krankmachenden Effekten die Elastizität der Arterien vermindern“. Die besondere Gefahr liegt dabei beim Salamibrot, Butter & Co.

Alle 24 Studienteilnehmer ernährten sich zwei Wochen vor dem Untersuchungsbeginn und während der gesamten Studiendauer nach der mediterranen Diät. D. h. Verzicht auf gesättigte Fettsäuren, wie in fettem Fleisch oder in Käse, da diese die Cholesterinwerte in die Höhe treiben. Stattdessen war die Kost reich an vollwertigen Produkten, Gemüse, Obst und Olivenöl.

Nach dieser Vorbereitungsphase teilten die Forscher die Teilnehmer in zwei Gruppen ein. Beide Gruppen verzehrten ein Salami-Käse-Sandwich auf weißem Brot und einen vollfetten Yoghurt – und damit reichlich gesättigte Fettsäuren. Die eine Gruppe erhielt zusätzlich 25 ml Olivenöl zu ihrer Mahlzeit, die andere 40 g Walnüsse.

Anschließende Untersuchungen ergaben, dass Walnüsse wie auch Olivenöl die Minientzündungen in den Gefäßen reduzierten. Die Gefäße der Walnusskonsumenten profitierte jedoch doppelt: Die Nüsse hielten die Arterien flexibel. Das ermöglichte es den Blutbahnen, sich bei Bedarf auszudehnen, um den Blutfluss im Körper zu erhöhen.

Auf der Suche nach dem Grund für diesen positiven Effekt stießen die Forscher auf die Aminosäure Arginin, die in Walnüssen enthalten ist. „Diese Substanz benötigen die Gefäßinnenwände, um Stickoxid herzustellen, einen Stoff, der die Arterien elastisch hält“, erläutert Emilio Ros.

Eine fettreiche Mahlzeit legt die Produktion des natürlichen Gefäßschutzes normalerweise zeitweilig lahm. Dieses Problem könnte der Verzehr von Walnüssen verhindern. Außerdem enthielten die Walnüsse im Gegensatz zum Olivenöl Alphalinolensäure, eine pflanzlich basierte Omega-3-Fettsäure, die ebenfalls die Gefäße schützt.
(Quelle: Walnüsse halten Gefäße elastisch, C. Fux, Focus-online vom 10.10.06 und
Acute Effects of High-Fat Meals Enriched With Walnuts or Olive Oil on Postprandial Endothelial Function, Emilio Ros et al, Journal of the American College of Cardiology, 2006; 48:1666-1671

Was hat Rotwein mit Zahnfleischentzündungen zu tun?
Die in Rotwein enthaltenen Polyphenole können helfen, Zahnfleischentzündungen vorzubeugen und zu heilen. Kanadische Wissenschaftler haben diese positive Wirkung der vor allem aus roten Trauben stammenden Substanzen an Zellen von Mäusen nachgewiesen. Die Polyphenole fangen freie Radikale ab, die sich bei einer Zahnfleischentzündung bilden, berichteten die Forscher auf einem Treffen amerikanischer Zahnmediziner.

Frühere Studien hatten schon gezeigt, dass Rotwein zum Beispiel die Entwicklung von Tumoren aufhalten und Herzkrankheiten vorbeugen kann. Urheber der schützenden Wirkung sind so genannte Polyphenole, die in den Schalen von roten Weintrauben in großer Menge vorkommen. Die dunkle Farbe des Rotweins beruht auf im Wein enthaltenen Farbstoffen, den Anthocyanen (gehören ebenfalls zu den Polyphenolen). Beim Rotwein werden die Traubenhüllen mit vergoren, weshalb er im Vergleich zu seinem weißen Gegenstück besonders viele Polyphenole enthält. Diese Substanzen gehören zu den Antioxidantien, die im Körper schädliche freie Radikale auffangen. Eine wichtige Substanz aus dieser Gruppe heißt Resveratrol und ist u. a. für das „Französische Paradoxon“ verantwortlich.

Seitdem bekannt ist, dass in Frankreich die Sterblichkeit durch Herzerkrankungen trotz fettreicher Mahlzeiten bedeutend geringer ist als in anderen Industrieländern, spricht man vom „Französischen Paradoxon“. Dies wird durch den höheren Verbrauch von Rotwein erklärt.

Polyphenole sind aromatische Verbindungen mit mehr als einer an den aromatischen Ringen gebundenen Hydroxylgruppe. Natürliche Polyphenole kommen in Pflanzen als bioaktive Substanzen wie Farbstoffe (Flavonoide, Anthocyane), Geschmacksstoffe und Gerbsäuren (Tannine) vor. Sie sollen die Pflanze vor Fraßfeinden schützen oder durch ihre Farbe Insekten zur Bestäubung anlocken.

Polyphenole wirken unter anderem entzündungshemmend und krebsvorbeugend. Flavonoide und Anthocyane schützen Körperzellen vor freien Radikalen und verlangsamen die Zelloxidation. Sie vermindern die Fettablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen und beugen damit der Arteriosklerose vor.

Polyphenol hemmt die Bakterienart Streptococcus mutans, die zum Aufbau von Zahnbeläge beitragen. Polyphenol ist also auch vorbeugend gegen Zahnfäule und Karies.
(Quelle: Anna-Lena Gehrmann, Was Rotwein im Mund bewirken kann, ddp/wissenschaft.de)

3 apples a day keep medication away
Äpfel sind nicht nur schön grün, sondern können auch noch dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, wie eine Studie von Shea et al. zeigt. Äpfel schützen vor Demenz! In der Untersuchung erhielten Mäuse drei verschiedene Diäten. Ein Drittel futterte wie immer. Ein Drittel erhielt eine nährstoffarme Diät. Und ein weiteres Drittel nahm ebenfalls eine nährstoffarme Diät zu sich, die allerdings durch Apfelsaftkonzentrat ergänzt wurde, das die Wissenschaftler dem Trinkwasser beimengten. Die Menge lag, auf Menschen hochgerechnet, bei zwei Gläsern Apfelsaft oder drei Äpfeln pro Tag. In jedem Fall zeigte die Apfelinfusion Wirkung: Die Tiere mit der Apfeldiät schnitten in Maze-Tests am besten ab.

Maze-Tests sind eine in der Verhaltensforschung häufig eingesetzte Sorte von Gedächtnistests.
Der Unterschied war aber nicht nur klinisch, sondern auch biochemisch nachweisbar. Der Acetylcholin-Gehalt im Gehirn jener Mäuse, die Apfelsaft bekamen, blieb nämlich mehr oder weniger konstant. Die Kontrollmäuse mit nährstoffarmer Diät zeigten dagegen eine Verringerung dieses Parameters. Das ist interessant, weil moderne Antidementiva auf genau die gleiche Weise wirken: Cholinesterasehemmstoffe blockieren den Abbau des Acetylcholins und sorgen so für zusätzliche Neurotransmitter (Botenstoffe) im Gehirn von Alzheimerpatienten. Shea zieht denn auch gleich die klinische Konsequenz: „Wir erwarten, dass Äpfel, Apfelsaft oder andere Apfelprodukte eines Tages für Alzheimerpatienten empfohlen werden“!
(Quelle: Shea et al, Apple juice concentrate maintains acetylcholine levels following dietary compromise, Journal of Alzheimer Disease, Vol 9, p. 287 – 291, 2006)

Das Unglaubliche – Polyphenole bieten mehr Schutz als Vitamin C!
Eine andere Studie zum Thema Alzheimerrisiko sagt, wer regelmäßig Frucht- und Gemüsesäfte konsumiert, senkt sein Alzheimerrisiko um 76 Prozent (siehe BBC).

Die Natur hilf mit, ob Äpfel, Trauben oder Orangen, Karotten, Tomaten oder Sellerie – Obst und Gemüse verfügen in flüssiger Form über erstaunliche Kräfte im Kampf gegen das Vergessen. 1836 demenz- und alzheimerfreie Amerikaner japanischer Herkunft wurden in einer groß angelegten klinischen Studie am Vanderbilt University Medical Center untersucht. Über einen 10-jährigen Beobachtungszeitraum folgten in regelmäßigen Abständen weitere Tests. Auf diese Weise waren die Forscher in der Lage, die Alzheimerentwicklung innerhalb der ursprünglich gesunden Gruppe zu beobachten.

Gleichzeitig mussten die Studienteilnehmer Angaben über ihre Ernährung machen. Anhand standardisierter, bebilderter Fragebögen ließ sich auf diese Weise am Ende der Studie rekonstruieren, welche Patienten nach 10 Jahren immer noch keine Anzeichen von Alzheimer zeigten.

Das Ergebnis: 76 Prozent aller Studienteilnehmer, die mindestens drei Mal pro Woche Obst- oder Gemüsesäfte konsumiert hatten, waren frei von Alzheimer – obwohl 1047 davon das Risikoallel ApoE-ε4 besaßen, ein wichtiger Risikofaktor für die Bildung und Ablagerung von senilen Plaques.

Dass ausgerechnet diese Hochrisikogruppe durch regelmäßigen Obst- und Gemüsesaftkonsum gesund bleibt, stellte die Mediziner zunächst vor ein Rätsel. Denn die ursprüngliche Annahme, antioxidative Vitamine allein würden die Plaques-Bildung verhindern, ließ sich nicht bestätigen: Probanden, die Vitamine zu sich genommen hatten, ohne die Säfte zu trinken, waren weitaus häufiger an Alzheimer erkrankt als die Saft-Konsumenten!

Nach Auswertung der Daten scheinen in der Biochemie der Alzheimerprävention Polyphenole (siehe Rotwein) die entscheidende Rolle zu spielen. Vor allem der in Äpfeln und Trauben vorkommende gelbe Naturstoff Quercetin, eine zur Untergruppe der Flavonoide gehörende Substanz, vermag die Blut-Hirn Schranke des Menschen zu überwinden. Dort greift Quercetin direkt in den Entstehungsprozess von Alzheimer ein – und blockiert die Bildung der gefürchteten Plaques.

Die Ergebnisse sind im Fachblatt „American Journal of Medicine“ publiziert. Sie lassen zudem vermuten, dass Polyphenole einen weitaus stärkeren oxidativen Schutz bieten als beispielsweise Vitamin C.

Warum Säfte die Entstehung der Erkrankung besser aufhalten als die Früchte selbst, lässt sich auch erklären: Die potenten Polyphenole sind als Naturfarbstoffe in den Schalen enthalten (ähnlich wie bei den Trauben für den Rotwein!) – und die gelangen, anders als etwa bei einem geschälten Apfel, in konzentrierter Form in den menschlichen Organismus. Wer sich demnach gegen den geistigen Verfall schützen möchte, sollte eine simple Regel befolgen: jeden Tag einen anderen Fruchtsaft konsumieren!
(Quelle: Qi Dai et al, Fruit and Vegetable Juices and Alzheimer’s Disease: The Kame Project, The American Journal of Medicine, Vol 9, September 2006, Pages 751-759)

Wozu brauchen wir dann noch Dr. Rath und seine Pillen?
Die Natur hat uns also bestens ausgestattet, um mit den richtigen Lebensmitteln gesund und fit zu bleiben, wie uns nur einige Beispiele zeigen. Wozu dann noch Dr. Rath?

Dr. Raths Vitaminprogramm ermöglicht den „Sieg über den Herztod“, wie es so viel versprechend in seinem „Warumbuch“ heißt.

Rath`s Lösungen hören sich einfach an: „Herzkreislauferkrankungen sind keine echten Krankheiten, sondern die zwangsläufige Folge von einem Mangel an Vitaminen und anderen Biostoffen, welche die Zellen brauchen. Und wenn sie die nicht bekommen, dann wird das Organ krank.“ Bei Dr. Rath gibt es die Vitamine (hauptsächlich Vitamin C) und Biostoffe (z.B. Lysin und Prolin) zu kaufen.
(Quelle: Atherosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall: Dr. Raths Vitaminprogramm zur Vorbeugung und unterstützenden Therapie)

Dass man sich irren kann, haben Qi Dai und Kollegen mit ihrer Annahme gezeigt, dass antioxidative Vitamine allein die Plaques-Bildung bei Alzheimer verhindern würde. Dies ließ sich nicht bestätigen, da die Probanden, die Vitamine zu sich genommen hatten, ohne die Säfte zu trinken, weitaus häufiger an Alzheimer erkrankten als die Saft-Konsumenten!

Und Dr. Rath hat in seiner Studie (Journal of Applied Nutrition, Vol 48, 1996), nicht gezeigt, was mit der Vergleichsgruppe passiert. Wie auch, es gab keine! (siehe Dr. Rath ).

Dass diese „erste klinische Studie, die zeigt, dass eine definierte Vitamintherapie die koronare Herzerkrankung innerhalb eines Jahres zum Stillstand bringt“ wissenschaftlich ohne Aussagewert ist, hat auch das „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) erkannt. Rath`s Veröffentlichung wurde vom JAMA abgelehnt, was er geschickt in seine Verschwörungstheorie einarbeitete.
(Quelle: Arzneimitteltelegramm, blitz-a-t, 16. Juni 2000, und
Openletters )

Bedenklich jedoch ist, dass in manchen Naturheilpraxen mit Rath`s Studien geworben wird, wie hier“>hier
Mit dem Zusatz: Die Anwendung der Zell-Vitalstofftherapie ist für alle Menschen möglich, wirksam, Nebenwirkung frei und erschwinglich. Informationen zu diesem Thema oder Terminvereinbarungen über natürliche Therapien an das Naturheilzentrum Böhmerwald.

2. Teil: Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt – Mythos oder Wahrheit?