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Ein krimineller Fall von Beweisunterschiebung

Harald Haack – Das BKA wollte Löcher bohren – in Firewalls von am Internet angeschlossener Computer, darunter auch private „Rechenknechte“. Alles zur Überwachung und angeblich zur Verbrechensbekämpfung. Denn Bundesbürger sind für Fahnder immer verdächtig und offenbar von Grund auf schlecht. „Alles Käse“, werden sich nun Richter am Bundesgerichtshof gedacht haben und haben nun nicht-offizielle Durchsuchungen von im Online-Zustand befindlicher Computer verboten: Die Strafprozessordnung decke nicht die heimliche Durchsuchung der im Computer eines Beschuldigten gespeicherten Daten.

SPIEGEL-Online schreibt am 7. Dezember 2006, der „ganz normale Netznutzer“ müsse sich vermutlich „keine übertriebenen Sorgen“ machen, dass die Polizei heimlich seine E-Mails mitliest. Dafür sei der technische und personelle Aufwand „zu gewaltig“.

Das werden sich Beamte der Lübecker Mordkommission mutmaßlich auch gedacht haben und beschlagnahmten meine Computer zwecks „Untersuchung“.

Mir wurde 2003 vorgeworfen, an eine Lübecker Tageszeitung drei gleich lautende Faxe gesandt zu haben, deren Inhalt meinen Nachbarn, Dieter W., einen CDU-Mitarbeiter und offenkundig guten Freund des 1. Hamburger Bürgermeisters beschuldigen, in seiner Niendorfer Wohnung zu jener Zeit einen aus Timmendorf (Ostsee) entführten Jugendlichen gefangen zu halten (Fall „Alexander“). Die Polizei stürmte daraufhin die Wohnung und fand, außer einem pikanten Kartenspiel und zerwühltem Bettzeug nichts und Niemanden vor. Obwohl sich der Junge theoretisch in Händen des – bislang von Unbekannt – Beschuldigten hätte befinden können, rief der leitende Fahnder, Kriminalhauptkommissar S., diesen an und setzte ihn von dem polizeilichen Wohnungseinbruch in Kenntnis.

Aus der Ermittlungsakte geht hervor, dass Kriminalhauptkommissar S. den Herrn W. fragte, ob dieser wüsste, von wem er beschuldigt wurde. W. nannte meinen Namen. Damit war der Weg frei, von einem Richter einen Durchsuchungsbefehl zur Durchsuchung unserer Wohnung und zur Beschlagnahme von in Frage kommender Beweismittel zu erhalten. Gesucht wurde vor allem ein Faxgerät. Doch wir besitzen keines. Lediglich in einem der dann beschlagnahmten Computer war die Faxoption enthalten. Interessant vielleicht noch: Als ich eine neue Telefonanlage kaufte, habe ich von der Firma, bei der ich diese Anlage gekauft hatte, verlangt, die Kennungen der Rufnummern und der Faxnummer sichtbar zu schalten. Ich hätte also wissen müssen, dass ich mit einem verleumderischen Fax sofort hätte auffliegen müssen. Bei meiner Vernehmung äußerte ich den Verdacht, mein Computer hätte übers Internet möglicherweise einen Trojaner erhalten und sei über diesen mittels Remote ferngesteuert worden. Da meine Mail-Box gut gesichert sei und selbst mittels Remote wohl nicht hätte missbraucht werden können, so erklärte ich es mir und den Fahndern, seien wahrscheinlich ein oder mehrere Unbekannte auf die ungeschützte Faxoption der ISDN-Karte ausgewichen.

Auf unserer damaligen Telefonrechnung entdeckten wir drei Faxverbindungen zu jener Lübecker Tageszeitung.

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie Kriminalhauptkommissar S. auf die Möglichkeit kam, man könne auf Dateien zugreifen, die von der Festplatte gelöscht wurden. Jetzt aber im Nachhinein argwöhne ich, dass er die Möglichkeit, mir Beweise unterzuschieben, damals schon als Option im Sinn hatte: Was gelöscht wurde, kann wieder zurückgeholt werden. Und was aber nicht vorhanden ist, wird einfach hinzugefügt.

Es dauert also nicht lange, da wurde meinem Rechtsanwalt mitgeteilt, man habe Beweise auf jenem Computer gefunden, die belegen, dass die Faxe von diesen abgesandt wurden.

Laut Ermittlungsakte soll von meinem Computer aus unmittelbar vor dem Absenden der betreffenden Faxe die WebSeite der Zahnärztlichen Mitteilungen besucht worden sein. Dank dieser Feststellung erinnere ich mich daran, dass ich jene WebSeite tatsächlich besucht hatte. Aber dann wurde ich von meiner Frau zum Essen gerufen. Der Computer blieb eingeschaltet und online. Es gab bei uns Pasta mit Tomatensauce. Beim Essen erzählte ich ihr von der WebSeite, von den dort abgebildeten, schrecklich zugerichteten Leichen und erntete Schelte.

Als wir beim Essen saßen, ahnten wir nicht, dass unserer Faxanschluß von Unbekannt mißbraucht wurde. Aber durch den Hinweis der Lübecker Kripo, die mich damit zusätzlich zu belasten versuchte, weiß ich was ich zum angegebenen Tatzeitpunkt tat, nämlich essen.

Der Lübecker Staatsanwalt W. erhob Anklage gegen mich. Über meinen Anwalt stellte ich beim Amtsgericht Lübeck den Antrag zur Untersuchung meines Computers durch einen unabhängigen forensischen Sachverständigen. Prof. Klaus Brunnstein von der Hamburger Universität wurde damit vom Amtsgericht beauftragt.

Nach einer fast ein Jahr dauernden Untersuchung fand er zweifelsfrei heraus, dass sämtliche mir (und zuvor auch meiner Frau) zur Last gelegten Beweise erst nach der Beschlagnahme des Computers erzeugt wurden, also zu einer Zeit, als sich das Gerät als Asservate längst in Händen der Lübecker Polizei befand. Aber damit nicht genug: Prof. Brunnstein fand auch heraus, dass Beweise, die mich hätten entlasten können, ebenfalls nach der Beschlagnahme des Computers von der Festplatte gelöscht wurden. Dazu zählt das Scan-Log der damals von mir verwendeten Anti-Viren-Software. Schließlich hatte ich wiederholt meine Vermutung geäußert, mein Computer und das darin befindliche ISDN-Fax sei mit Hilfe eines Trojaners ferngesteuert worden. Vor der Beschlagnahme des Computers hatte die Anti-Viren-Software nämlich tatsächlich wiederholt Trojaner auf der Festplatte gefunden und eliminiert. Dies wurde im Scan-Log festgehalten.

Im Oktober 2006 wurde vom Amtsgericht Lübeck das Strafverfahren gegen mich eingestellt.

Da aber Herr Dieter W. seine falsche Beschuldigung gegen mich Ende Dezember über eine Hamburger Rechtsanwältin wiederholte und von mir überdies fast 4.000 Euro Schadenersatz verlangte – für die von der Polizei eingetretene Tür seiner Ferienwohnung sowie für die entgangenen „Nutzungsfreuden“ – zeigte ich die Sache der Hamburger Polizei an und stellte Strafantrag, u.a. wegen falsche Beschuldigung.

Das Gutachten von Prof. Brunnstein ist sehr umfangreich und steht interessierten Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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Aktenzeichen des Lübecker Amtsgerichts:
63 Ds 706 Js 101113/03 (579/03)

telepolis: Wie verlässlich sind digitale Beweise?

Chaos Computer Club e.V. – BGH-Entscheidung zur Online-Durchsuchung: Schnüffeln auf privaten Rechnern

Karl Weiss: Der Bundestrojaner und die unterschobene Straftat

Indymedia (03/2003): Überfall von zivilen Mitarbeitern der Mordkommission

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Palme-Mord wirklich aufgeklärt?

Harald Haack – Angeblich hatte der Mörder Palmes seiner Geliebten den Mord gestanden, wie die Stockholmer Zeitung „Aftonbladet“ jetzt schreibt [1]. Hauptverdächtiger Christer Pettersson, des Mordes an Olof Palme ursprünglich verurteilt, wurde in zweiter Instanz wegen eines eigenwilligen Ermittlungsfehlers freigesprochen und erhielt einen hohen Entschädigungsbetrag. Zwei Jahre nach seinem Tod, am 29. September 2004, meldete sich die Frau mit seinem Geständnis bei den schwedischen Medien und legte die Briefe Petterssons vor.

In dem Fall des Mordes an Olof Palme wurden zweifellos viele Spuren verschleiert. Unter dem Titel „Schuss in den Ofen“ [2] schreibt Elke Wittich in der von deutschen Nazis verhassten antifaschistischen „Jungle World“, Ausgabe 46/2001, die Frau des 1986 ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten, Lisbeth Palme, sei „die einzige Person, die nach offiziellen Ermittlungsergebnissen am Tatort zugegen war und demzufolge den Mörder ihres Mannes sah“ und den „Sozialhilfeempfänger und bekennenden Alkoholiker“ Christer Pettersson zweifelsfrei als Täter erkannte, und ausgerechnet ihn. Sollte Palme einem „verbitterten Loser“ der schwedischen Gesellschaft zum Opfer gefallen sein? Das passte angeblich nicht ins Bild über das rechte Verschwörernetzwerk, das den Mord mutmaßlich eingefädelt hatte.

Die Liste der „Puppenspieler“ ist lang. Laut Elke Wittich ein „Who is Who der internationalen Bad Guys“, bei dem nur Osama bin Laden fehlte:

„die kroatische Ustascha in Gestalt ihrer prominenten Frontfigur Miro Baresic, südafrikanische Nazis, die internationale Waffenhändlermafia, die PKK und/oder der KGB, der sich mit der kurdischen Arbeiterpartei zusammengetan haben könnte, um dem CIA eins auszuwischen, ein baltischer Palme-Hasser, die später als Faschistenansammlung bekannt gewordene »Baseball-League« der schwedischen Rikspolitiet, Lyndon La Rouche und ein finnischer Geheimagent“.

Als am 28. Februar 1986 die tödlichen Schüsse fielen, nachdem das Ehepaar Palme die Spätvorstellung eines Kinos in der Stockholmer Innenstadt verließ, soll dort „ein ziemliches Gedränge“ von „Horden professionell aussehender Agenten“, die ihre Funkgeräte bedienten, geherrscht haben. So die Darstellung vieler Verschwörungstheoretiker, laut Elke Wittich. Doch die Kronzeugin Palme, wahrscheinlich noch beeindruckt vom unmittelbar zuvor gesehenen Kinofilm, sah nur, wie Christer Pettersson auf ihren Mann schoss. Alles andere Geschehen um sie herum verwischte sich mit aller Wahrscheinlichkeit aufgrund ihres Traumas in ihrem Gedächtnis. Es wäre auch unwahrscheinlich, wenn sie sich an jene Mörderbande erinnern könnte – es sei denn, sie zählt dazu. Und es ist wohl anzunehmen, dass Männer und Frauen mit Funkgeräten, Bodygurds und Staatsschutzbeamte – wenn denn tatsächlich Personen, die Funkgeräte bedienten, anwesend waren – zu dem von ihr gewohnten Umfeld zählten. Schließlich war ihr Mann Schwedens Ministerpräsident.


Wer ist der Mörder? Pettersson (Bildmitte) in der polizeilichen Gegenüberstellung. Eigenwilliger Ermittlungsfehler: Ermittler gaben der Witwe Palmes dabei einen Tipp.

In der Gerichtsverhandlung soll sie Christer Pettersson zweifellos als den Mörder ihres Mannes wiedererkannt haben. Daraufhin wurde er verurteilt, in zweiter Instanz aber freigesprochen.

Wieder freigelassen, verkündete er am 27. Oktober 2001 über seinen engen Freund Gert Fylking, der für die schwedische Zeitung „Expressen“ schrieb: „Ich ermordete Palme“. Das Konkurrenzblatt „Aftonbladet“ folgte der Darstellung, dass Pettersson zum ersten Mal offiziell den Mord zugegeben hatte und fügte hinzu, es seien damit gleich zwei frühere Geständnisse bestätigt worden, demnach Lars Tingstäm kurz vor seinem Tod erklärt hatte, Pettersson mit dem Mord beauftragt zu haben, und Sigge Cedergren, noch im Sterben mitgeteilt hatte, Pettersson die Mordwaffe, einen nicht registrierten Revolver, geliehen zu haben.

Doch dann kam heraus, Pettersson habe aus Geldmangel den Mord, den er vor der Polizei bislang immer bestritten hatte, mehrfach in der Öffentlichkeit gestanden und dann widerrufen. Dennoch versicherte der Journalist Fylking, im Bewusstsein, im schwedischen Presse-Boulevard einen Coup gelandet zu haben, es handele sich um „das erste wirklich ernst zu nehmende Geständnis des Verdächtigen“. Zusätzlich belastet wurde Pettersson von einem illegalen, 50-jährigen Taxifahrer, der jahrelang als Informant für die Polizei gearbeitet hatte und an jenem Abend mit „Speed“ zugedröhnt gewesen sein will. Pettersson will er aber dennoch vor dem Kino mehrfach gesehen haben. Als dann die Schüsse fielen, habe er sich instinktiv abgewendet, gab er nachträglich im Oktober 2001 zu Protokoll, weil er annahm, Pettersson habe auf ihn gezielt. Erst mehrere Stunden will verstanden haben, was er da miterlebt hatte.


Christer Pettersson: „Ich ermordete Palme“.

So meldeten sich etliche andere „Zeugen“, die zum Tatzeitpunkt ebenfalls vor dem Kino „Grand“ gewesen sein wollen, erst nach mehreren Jahren und nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen bei den Medien und erzählten von jenen geheimnisvollen Männern mit Funkgeräten, die sich dort angeblich tummelten. Wie viel schwedische Kronen sie für ihre spannenden, nach Hollywood-Verflimung schielenden Erzählungen erhielten, ist nicht bekannt.

Pettersson trat sogar in der in Schweden populären Fernsehsendung „Folkehemmet“ auf und bekannte sich zu dem Mord. Doch danach erklärte er, er habe das nur behauptet, weil der Sender ihm dafür Geld gezahlt habe und deswegen habe er „irgendwas“ erzählt. Sein „Mord-Geständnis“ wurde für ihn zum Geschäft: Circa 10.000 Euro habe er dann für ein öffentliches Geständnis verlangt, um es hinterher wieder zu widerrufen. Obwohl Petterssons Geständnisse daraufhin bald nicht mehr ernst genommen wurden und sein Bild als Mörder Palmes verblasste, blieb Lisbeth Palme unbeirrt dabei, Pettersson sei der Mörder ihres Mannes.

Und nun, nach seinem Tod, nachdem er sein schriftliches Geständnis, in Briefen an seine Geliebte festgehalten, nicht mehr widerrufen kann, gilt er mit einem Mal in Schweden, in dem Land vieler rechtsextremistisch motivierter Morde, wieder als Mörder Palmes. In den Briefen gab er als Motiv Steuerprobleme an, die ein enger Freund hatte und der sich deshalb an Palme hatte rächen wollen. Er habe ihm dabei geholfen.

Soll das die Wahrheit sein? Wer lässt sich wegen lumpiger Steuerprobleme von einem “ „Freund“ zum Mord am Ministerpräsidenten hinreissen?

Christer Pettersson?


Sorgt noch nach seinem Tod für Auflagen steigernde Schlagzeilen von Aftonbladet: Christer Pettersson

War er wirklich der Mörder Palmes? Waren Steuerprobleme und Rache die einzigen Motive für den Mord? Oder waren sie nur vorgeschoben, um ihn als Mörder anzuheuern? Was hatte seine Kopfverletzungen verursacht, mit denen er 13 Tagen vor seinem Tod im Karolinska Krankenhaus in Solna bei Stockholm eingeliefert wurde? Seine Verletzungen hatten zu schweren Hirnblutungen geführt und sollen die Todesursache sein. Wurde er, um Auftraggeber zu schützen, zum Schweigen gebracht?

Wie auch immer diese Fragen beantwortet werden, wenn jemals die Wahrheit offenbar wird, Geld wird weiterhin mit dem Palme-Mord verdient; besonders in Schweden.

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[1] AFTONBLADET – Christer Petterssons brev till sin älskade
[2] JUNGLE WORLD – Schuss in den Ofen

Weitere Quellen:

AFTONBLADET – ”Jag sköt Palme”
AFTONBLADET – Polis: Mycket intressant
Christer Pettersson och konspirationsteoretikas julafton..

Siehe auch:

Europas gefährliche Sümpfe (1) – Schweden

deutschland

Von der Geschichte eingeholt

Harald Haack – Was passiert, wenn ein sehbehinderter HIV-Positiver von einem pöbelnden Jugendlichen mit rassistischen Beschimpfungen angegriffen und verprügelt wird und sich mit Beissen wehrt, erfuhr der 57-jährige Dennis Milholland: Den Schläger lief die Justiz laufen und erhob Klage gegen Milholland wegen Körperverletzung.

Der Vorstand des Berliner Vereins „Kommunikultur“, Andreas Weiß, schilderte Dennis Milholland in seiner Prozess-Zuhörer mobilisierenden „Pressemitteilung“ vom 12. Dezember 2006 als „jüdischen Autor“, der sich beim Hass-Angriff von „Rassisten in der brandenburgischen Hauptstadt zur Wehr setzte“.

Es geschah am 27. Mai 2005
Dennis Milholland fuhr mit zwei Freunden in der Straßenbahn zum Potsdamer Hauptbahnhof, um von dort mit dem Zug zurück nach Berlin zu gelangen. Sie hatten eine „Kulturveranstaltung“ besucht. Und nun saßen sie in der Bahn und aßen sie Speisen, die sie sich zuvor von einer Dönerbude gekauft hatten. Die Knoblauchdünste stiegen aber drei jungen Männern, die ebenfalls in der Straßenbahn mitfuhren, nicht nur in die Nase sondern auch zu Kopf.

Es kam zu zunächst zu einem verbalen Streit, bei dem die Drei, von den lukullischen Gerüchen geplagt, Sprüche wie „die Knoblauchfresser fressen Türkenscheiße“ grölten und sich in Pöbeleien hinein steigerten, wobei sie, so weiß Andreas Weiß, mit „Sieg Heil“-Rufen unmissverständlich ihre niedere Gesinnung mitteilten. Doch dabei blieb es nicht.

Als Dennis Milholland und seine Freunde am Potsdamer Hauptbahnhof aus der Straßenbahn ausstiegen, wurden sie einem der drei Grölenden, dem 26-jährigen Oliver K., brutal angerempelt und als „Nigger“ beschimpft. Zusätzlich soll der K. Schwulen feindliche Äußerungen gemacht haben.

Milholland und seine Freunde stiegen bald in die S-Bahn, gefolgt von Oliver K., der erneut einen Freund von Milholland beleidigte und schlug. Obwohl auf einem Auge blind und auf dem anderen stark sehbehindert, hielt Milholland den Angreifer K. am Arm fest, um seinen Freund vor weiteren Schlägen zu schützen. Doch da schlug ihm K. plötzlich hart ins Gesicht. Milholland hatte aufgrund seiner Behinderung den Schlag nicht kommen sehen. Sein Ohr blutete. Von K. wurde er zu Boden gestoßen und erhielt von diesem Tritte. Nach Weiß‘ Darstellung gelang es Milholland jedoch wieder aufzustehen. K. soll ihn wütend angeblickt und gefragt haben, ob er blind sei, was Milhollend bestätigte. Daraufhin griff K. den verletzten Milholland erneut brutal an. Erst als er K. bei seiner Attacke in den Finger biss, ließ dieser von ihm ab. Der Finger von K. blutete. Vorsorglich informierte Milholland ihn, er sei mit dem HIV-Virus infiziert und habe Aids. K. rannte davon und mobilisierte die Polizei.

Im Polizeiverhör
Milholland und seine Freunde wurden auf der Wache im Potsdamer Hauptbahnhof verhört. Nach der Darstellung von Andreas Weiß sollen sich die Polizisten zuerst um K. freundlich gekümmert haben und dessen Aussagen mehr geglaubt haben als Milholland und seinen Freunden. So erstattete K. gegen Milholland und gegen dessen zwei Freunden Strafanzeigen wegen Körperverletzung. Der Umstand, dass auch Milholland verletzt war, wurde offensichtlich nicht von den Polizisten beachtet. Unklar blieb offenbar, ob sie wussten, dass Milholland schwul und Jude ist. Sicherlich sollten das unwesentliche Dinge sein, die in Deutschland keine Repressalien mehr verursachen sollten, doch mutmaßlich könnte gerade diese Kombination „schwuler, HIV-infizierter jüdischer Behinderter“ bei den Polizisten einen dumpfen, in Brandenburg nicht gerade seltenen Hass geweckt haben.

Die Brandenburgische Staatsanwaltschaft erhob aufgrund der Strafanzeigen von K. Anklage gegen Milholland und leitete das Verfahren wegen nunmehr „gefährlicher Körperverletzung“ ein.

Ende
Die Verfahren gegen Milhollands Freunde wurden nach einem Jahr eingestellt. Bekannt wurde zwischenzeitlich, Oliver K. sei wegen seiner Beleidigungen rechtskräftig verurteilt worden. Obwohl er bei Milhollands Biss nicht mit HIV infiziert wurde, erhielt der Staatsanwalt die Anklage gegen Dennis Milholland aufrecht. Der Prozess gegen ihn fand nun am 25. Januar 2007 im Potsdamer Amtsgericht statt.

Doch nach etwa 90 Minuten Prozessdauer beantragte auch der Staatsanwalt einen Freispruch. Das Gericht entschied: Der Biss geschah in Notwehr. Dennis Milholland wurde freigesprochen.

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Ausführlicher und leidenschaftlicher Prozessbericht bei gayBrandenburg.de

Krieg

Still No Habeas Rights for You

Robert Parry – The Bush administration is asserting that George W. Bush is the only one who can decide if you will be granted habeas corpus rights to a fair trial or be locked away indefinitely as an „enemy combatant.“

Some major U.S. news outlets have assured American citizens that they still have habeas rights even if the Military Commissions Act of 2006 took them away from everybody else. But Bush’s lawyers say no, it doesn’t matter if you’re a U.S. citizen or not.

Bush is the Decider on who gets or doesn’t get what the Founders used to call the „unalienable rights.“

For the full story on America’s truncated rights, read it all @ Consortiumnews.com

Krieg

Das Geheimnis der Schlacht von Nadjaf

Malte Olschewski – Über tausend Mann einer schiitischen Sekte sollen im Irak bei Nadjaf befestigte Positionen mit Flugabwehrgeschützen errichtet haben. Von dort aus hätten die „Soldaten des Himmels (Jund Al Samaa)“ zum Trauerfest der Aschura einen Angriff auf die in Nadjaf versammelten Geistlichkeit geplant. Die irakische Armee habe den Plan entdeckt und am 28.1. angegriffen. Die 30 Stunden dauernden Schlacht sei von amerikanischer Infanterie, von Panzern und Hubschraubern entschieden worden. Dabei sei ein US-Helikopter abgeschossen worden. Seine beiden Insassen seien ums Leben gekommen. Es habe zwischen 200 und 400 Tote gegeben. Unter den 300 Gefangenen seien auch Kämpfer aus Afghanistan, Algerien, Jemen und Pakistan gewesen.

Während das US-Militär nur den Verlust des Hubschraubers meldete, haben irakische Behörden ein Feuerwerk widersprüchlicher Angaben entfacht. Da auch jede nachsetzende Berichterstattung fehlt, kommt der Verdacht auf, dass hier etwas verheimlicht werden soll. Immerhin sind die Kämpfe vom 28. und 29.1.2007 die erste grosse Schlacht im irakischen Bürgerkrieg gewesen. Ein amerikanischer Offizier, der ausserhalb der Zensur befragt werden konnte, sprach auch von „merkwürdigen Kämpfen“.

Was also geschah unter den Palmen von Sarka, etwa zehn Kilometer nördlich der heiligen Stadt Nadjaf? Regierungsstellen in Bagdad sprechen von einer „schiitischen Erlösersekte.“ Der Vizegouverneur von Nadjaf, Abdel Hussein Attan, hat nach Besichtigung der Kampfplätze erklärt, es könne sich nur um ein grossangelegtes Projekt der Terrororganisation Al Kaida handeln. Sowohl Schiiten als Sunniten hätten gemeinsam gegen die Sicherheitskräfte der Regierung gekämpft. Der mit verschiedenen Namen bezeichnete „Sektenführer“ sei getötet worden, dann wieder soll er geflüchtet sein. Auffallend ist auch, dass bei den schweren Kämpfen auf Seiten der Sicherheitskräfte nur zehn Gefallene gezählt worden sind.

Die Festung von Sarka
Die Agenturen AFP und Reuters suchten den Hintergrund zu erhellen. Tatsache ist, dass in letzter Zeit Sunniten aus dem Ausland und hier vor allem aus Saudiarabien um Nadjaf Land angekauft hatten. Vor zwei Jahren ist unter Palmen bei Sarka eine Siedlung entstanden. Die dort lebenden „Soldaten des Himmels“ gaben vor, auf den schiitischen Erlöser, den Mahdi, zu warten. Nach den Kämpfen stellte sich jetzt heraus, dass man hier eine regelrechte Festung errichtet worden war. Schützengräben und Sperrmauern umgaben etwa 80 Häuser und eine Kommandozentrale. Man hatte eigene Generatoren installiert.

In Vorratskammern lagerten Bestände, die für Monate ausgereicht hätten. Der Fuhrpark bestand aus rund 80 Fahrzeugen. Auch eine eigene Schneiderei und eine Druckerei waren eingerichtet worden. Die „Soldaten des Himmels“ waren in Sektionen gegliedert und besassen schwere Waffen bis hin zu Flugabwehrgeschützen. Etwa tausend Menschen lebten in der Festung von Sarka, darunter auch Frauen und Kinder. Angesichts ihrer Organisation und der Ausstattung fällt es schwer, von einer Sekte zu sprechen. Unter den Opfern und unter den Gefangenen waren auch sunnitische Ausländer, jedoch keine Iraner. Regierungssprecher Ali Al Dabbagh hat in Bagdad den Verdacht geäussert, es könnte sich um eine vom Ausland unterstützte Terrorganisation handeln, die sich als Erlösersekte maskiert hat.

Für die Trauerfeiern der Aschura seien dann Attentatsserien und die Auslöschung des schiitischen Klerus geplant gewesen. Es könnte sich bei Sarka aber auch um ein Projekt des saudiarabischen Geheim-dienstes handeln. Das Regime in Ryadh fühlt sich von den Entwicklungen im Irak ausgeschlossen und vom Vormarsch der Schiiten bedroht.

Vor der Aschura am zehnten Tag des moslemischen Monats Muharram herrscht in Nadjaf und Kerbala immer fromme Erregung. Bis zu zwei Millionen Pilger marschierten in diesem Jahr zu den schiitischen Heiligtümern: Zur Moschee und Grabstätte des Imams Ali in Nadjaf und zur Moschee seines Sohnes Hussein in Kerbala. In diesen Aufmarsch mischen sich immer wieder Fanatiker, wirre Geister, selbsternannte Propheten und auch Terroristen. Schon mehrmals war es in Nadjaf und Kerbala zu Sprengstoffanschlägen gekommen. Es ist daher möglich, dass bewaffnete Terroristen im Pilgerstrom bis zur grossen Moschee von Nadjaf und in die Nähe des führenden Klerus gelangen wollten. Die Sicherheitskräfte könnten versucht haben, die Terroristen zu isolieren. Dann hat man ihren Weg bis zur Festung von Sarka zurückverfolgt.

Endzeitstimmung bei Schiiten
Das Schiitentum ist eine messianische und apokalypische Variante des Islams mit einer äusserst komplizierten Genese. Nach dem Tod des Propheten hatten seine Anhänger in Mekka nicht seinen Schwiegersohn Ali, sondern den Gefolgsmann Abu Bakr zum Nachfolger oder „Kalifen“ gewählt. Ihm folgten mit Omar und Othman zwei weitere Kalifen. Nach der Ermordung Othmans wurde Ali im Jahr 656 zum vierten Kalifen ausgerufen. Fünf Jahre später wurde er bei Nadjaf von abtrünnigen Gläubigen ermordet. Hierauf proklamierte sich der Statthalter von Damaskus, Muawiya, zum fünften Kalifen, während eine andere Partei Alis ersten Sohn, Hassan, nachfolgte. Nach der Ermordung Hassans 669 trat Alis zweiter Sohn Hussein die Nachfolge an. Es standen sich zwei unversöhnliche Lager gegenüber. Hussein brach 680 mit einem kleinen Heer in Mekka nach Damaskus auf, während ihm den Sohn Muawiyas, Jazid, entgegenkam. Beide Heere trafen sich bei Kerbala am Ufer des Euphrats. Angesichts der feindlichen Übermacht hat Hussein die Gläubigen im Zwischenstromland zu Hilfe gerufen, doch die stellten sich taub. Mit wenigen Getreuen ritt Hussein in den Märtyrertod.

Die sunnitische Mehrheit suchte immer politische Macht mit dem Titel eines Kalifen zu verbinden, während die „Schiat Ali“ (Partei Alis) nur direkte Abkommen als „Imame“ gelten lassen wollte. Es kam zu einer Abfolge von elf Imamen. Der Sohn des elften Imams, Mohammed Al Mahdi, ist im Jahr 873 nach dem Tod seines Vaters plötzlich verschwunden. Bis 941 soll dieser zwölfte Imam über Botschafter mit den Gläubigen in Verbindung gestanden sein. Diese Zeitspanne gilt als die „kleine Abwesenheit“.

Nach dem Tod des vierten Botschafters im Jahr 941 begann die „grosse Abwesenheit“, die bis heute andauert. Es ist ein Glaubesgrundsatz der Schiiten, dass dieser verschwundene Imam einmal wiederkehren und auf der Welt seine Herrschaft errichten wird. Bis dahin gilt es Sühne zu tun für den Verrat an Hussein. Zur Aschura kommt es zu Prozessionen, bei denen sich die Gläubigen selbst geisseln. Der Leidensweg Husseins wird in kultischen Inszenierungen nachempfunden. Politische Macht darf bei den Schiiten nur im Namen des verborgenen Imams ausgeübt werden. Mit Ahmadinejad als Präsident des Iran ist das Fieber um die baldige Wiederkehr des Imams wieder angestiegen. Iranische Atompläne, die Aggression der USA und der Krieg im Irak fördern die Endzeitstimmung und das Auftreten neuer Propheten.

Der Anführer der bei Nadjaf zerschlagenen Gruppe soll Ahmad Al Hassani Al Yamani gewesen sein. In einer anderen Version war es der Libanese Samir Abu Khamar. Auch ein Abdel Zahra Kassem Al Karimawi und ein Ahmad Bin Al Hassan Al Basri werden als Anführer genannt. Die Verwirrung um seinen Namen weist eher auf eine Terrorgruppe. Dass eine schiitische Sekte inmitten der Aschura religiöse Führer wie Ayatollah Al Sistani töten wollte, ist höchst fragwürdig. In der schiitischen Glaubenslehre ist auch nie die Rede davon, dass der Klerus unterzugehen hat, bevor der Erlöser erscheint.

Krieg

Um Gaza ist es still geworden

John Pilger – Ein Genozid schwappt gerade über die Menschen im Gazastreifen, während die, die dies aus der Nähe und Ferne beobachten, sich in Schweigen hüllen. Etwa 1,4 Millionen Menschen, meistens Kinder, leben zusammengepfercht in einem der am dichtesten bewohnten Region der Erde, ohne Bewegungsfreiheit, ohne Spielplatz und ohne einen Ort, um sich zu verbergen und Schutz zu finden“, schrieb der ranghohe UN-Hilfsvertreter Jan Egeland und Jan Eliasson, der damalige schwedische Außenminister in Le Figaro. Sie beschrieben die Menschen, die wie in einem Käfig leben, die weder vom Land noch vom Meer oder aus der Luft zu erreichen sind oder nach draußen können. Ohne regelmäßigen Strom und mit nur wenig Wasser, gequält von Hunger, Krankheiten und ständigen Angriffen durch israelisches Militär und Flugzeuge.

Egeland und Eliasson schrieben dies vor vier Monaten. Es war ein Versuch, das Schweigen in Europa zu brechen, dessen gehorsame Allianz mit den USA und Israel sich darum bemühte, die demokratischen Ergebnisse, mit denen Hamas bei den letzten palästinensischen Wahlen zur Macht kam, rückgängig zu machen. Der Terror hat sich seitdem verschlimmert; eine Familie von 18 Personen ist durch eine us-israelische ½ t-Bombe umgebracht worden; unbewaffnete Frauen wurden aus kürzester Entfernung niedergemäht. Dr. David Halpin, einer der wenigen Briten spricht von einer „mittelalterlichen Belagerung“ und berichtet vom Mord an 57 Kindern durch Artillerie, Raketen und kleineren Waffen“, ein Beleg dafür, dass die Zivilisten die eigentlichen Ziele Israels sind – genau wie im Libanon im vergangenen Sommer. Dr. Mona El-Farra mailte: „Ich sehe bei meiner 13 jährigen Tochter die Auswirkungen der schonungslos ohrenbetäubenden Knallbomben – eine Kollektivstrafe von Seiten der israelischen Luftwaffe – und der Artillerie. Nachts zittert sie vor Angst. Schließlich kauern wir zusammen im Flur. Ich versuche, ihr ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Doch wenn ich die Bomben fallen höre, dann erschrecke ich zu Tode und schreie …“ Als ich das letzte Mal in Gaza war, zeigte mir Dr. Khalid Dahlan, ein Psychiater, die Ergebnisse einer bemerkenswerten Untersuchung: „Die Statistik – die ich persönlich unerträglich finde – besagt, dass 99,4% der Kinder, die wir untersucht haben, an Traumata leiden. Sie waren folgendem ausgesetzt: Das Haus wurde bombardiert (99,2%), Tränengasangriffen (97%), Schießereien,(96,6), Bombardements und Begräbnisse; fast ein Viertel sah, wie Familienmitglieder verletzt oder getötet wurden. „Dr. Dahlan lud mich ein, an einer der Sitzungen mit Kindern in der Klinik teilzunehmen. Es waren 30 Kinder und alle waren traumatisiert. Er gab jedem einen Stift und Papier und bat sie darum, etwas zu malen. Sie malten Bilder mit grotesken Akten von Terror und Frauen, die in Tränen aufgelöst waren.

Der Vorwand für den letzten israelischen Terrorangriff war die Gefangennahme eines israelischen Soldaten, eines Mitgliedes einer illegalen Besatzung, durch den palästinensischen Widerstand. Das war (in den Medien) eine Nachricht wert. Das Kidnappen ein paar Tage davor von zwei Palästinensern durch Israel – zwei von Tausenden in den letzten Jahren – das war keine Nachricht wert. Ein Historiker und zwei auswärtige Journalisten berichteten die Wahrheit über den Gazastreifen.

Alle drei sind Israelis. Sie werden Verräter genannt. Der Historiker Ilan Pappe dokumentierte, dass die genozidale Politik nicht aus einem Vakuum käme, sondern ein Teil der zionistischen, beabsichtigten, historischen ethnischen Säuberung ist. Gideon Levy und Amira Hass sind Reporter der israelischen Zeitung Haaretz. Im November beschrieb Levy, wie die Leute vor Hunger zu sterben beginnen: „Es gibt Tausende von Verwundeten, Verkrüppelten und von Raketen unter Schock stehende Menschen, die keine medizinische Behandlung bekommen können …. menschliche Schatten streunen durch die Ruinen … sie wissen nur, dass die israelische Armee zurückkommen wird und was das für sie bedeutet: wochenlanges Eingesperrt-sein in ihren Häusern, mehr Tod und mehr Zerstörung in unvorstellbaren Proportionen.“

Amira Hass, die in Gaza gelebt hat, beschreibt dieses als Gefängnis, das zur Schande ihres eigenen Volkes gereicht. Sie erinnert sich, wie ihre Mutter Hannah von einem Viehtransportzug zum Nazi-KZ in Bergen-Belsen im Sommer 1944 laufen musste. Diese sah, wie deutsche Frauen sich den Zug der Gefangenen anschauten, also, nur zuschauten“, schrieb sie. Dieses Bild hat sich mir sehr eingeprägt, dieses verächtliche Daneben-stehen und „Nur Zusehen“.

Dieses „Daneben-stehen und „Nur-Zuschauen“ ist das, was all die von uns tun, die schweigen, weil man sie sonst als Antisemiten bezeichnen würde. Dieses Daneben-stehen und Zusehen ist das, was zu viele westliche Juden tun. Während jene Juden, die die humanistischen Traditionen des Judentums achten und sagen „Nicht in meinem Namen!“ werden als Selbsthasser beschimpft. Daneben stehen und nur zusehen, das ist das, was fast der ganze US-Kongress als Hörige oder Eingeschüchterte der zionistischen „Lobby“ tun. Daneben stehen und nur zusehen, ist das, was „objektive“ Journalisten tun, wenn sie die Gesetzlosigkeit entschuldigen, die die Ursache israelischer Brutalität ist, und die historischen Veränderungen im palästinensischen Widerstand unterdrücken, wie die stillschweigende Anerkennung Israels durch die Hamas.

Die Menschen in Gaza schreien auf.

Dieser Artikel wurde übersetzt von: Ellen Rohlfs
Dieser Artiker erschien erstmalig bei ZNet

Krieg

Heftige Feuergefechte in Gaza

Gaza – Kämpfer der rivalisierenden Palästinensergruppen Fatah und Hamas haben sich in der Nacht zum Freitag in Gaza heftige Feuergefechte geliefert. Auf Live-Fernsehbildern des britischen TV- Senders BBC und des US-Nachrichtensenders CNN waren Rauschschwaden zu sehen und Schüsse zu hören.

Zuvor stürmten Kämpfer der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das Gelände der islamischen Universität in Gaza. Laut BBC übernahm die Fatah die Kontrolle über die Universität. Die Hochschule galt als Bastion der radikalislamischen Hamas. In Teilen der Universität seien Brände ausgebrochen.

Die Präsidentengarde habe das Hamas-Innenministerium in Gaza umstellt. Die Hamas setze offensichtlich in Gaza auch Kassam-Raketen gegen Fatah-Ziele ein, sagte der BBC-Korrespondent. Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden.

Die gemässigte Palästinenserorganisation will in der Universität von Gaza angeblich mehrere iranische Waffenexperten gefangen genommen haben, berichteten BBC und CNN. Nach israelischen Medienangaben wurden sieben Iraner festgenommen. Die Iraner sollen für die Hamas als militärische Ausbilder gearbeitet haben, berichtete die israelische Zeitung „Haaretz“ in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf die Fatah. Einer der Iraner habe sich selbst getötet. Die Hamas erklärte laut BBC, auf dem Campus seien keine Iraner gewesen. Eine unabhängige Bestätigung für die Anwesenheit der Iraner gab es in der Nacht nicht.

Laut CNN wurde dort auch ein riesiges Waffenlager entdeckt. Es sollen nach israelischen Medienberichten rund 1400 Schusswaffen und auch Raketen gefunden worden sein. Das Waffendepot sei offenkundig das Ziel des Operation der Fatah-Kämpfer gewesen, berichtete der BBC- Korrespondent weiter.

Nach einem Bericht des israelischen Onlinedienstes „ynet“ vom frühen Freitagmorgen entführten Bewaffnete der zur Fatah gehörenden Al-Aksa-Brigaden zwei Hamas-Mitglieder in Ramallah im Westjordanland.

terror

Europas gefährliche Sümpfe (1) – Schweden

Harald Haack – Europa wird rechtsextrem. Die gefährlichen braunen Sümpfe gibt es längst in jedem EU-Land, nicht nur in Frankreich, in Deutschland oder Italien, sondern auch in Schweden.

Wikinger-Sümpfe
Nicht erst durch den bislang ungeklärten Mord an Olof Palme, Sozialdemokrat und zweimaliger Premierminister Schwedens, wurden die Schweden aufgeschreckt, sondern auch durch eine Mordserie vor einigen Jahren, deren Täter Nazis waren.

Ein Beispiel [1]: Björn Söderberg wohnte im Stockholmer Vorort Sätra, eine Plattenbausiedlung, eingebettet in dem idyllischen Grün alter Bäume und hochgewachsener Büsche. Als es an der Wohnungstür läutete, öffnete er arglos die Tür. Vor ihm standen seine Mörder, die ihm sofort mehrere Kugeln einer feinkalibrigen Waffe in den Kopf schossen. Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel. Doch Nachbarn hatten die Täter aus dem Haus fliehen sehen und konnten sie beschreiben. Kurz darauf nahm die Polizei drei Neonazis fest, die sie dringend des Mordes und der Beihilfe verdächtigte.

Bruno Jarlestad, Sprecher der Stockholmer Fahndungsleitung, erklärte den Mord als politisch motiviert, denn das Opfer war Aktivist im Gewerkschaftsverband SAC und Antirassist und überzeugter Pazifist, wie seine Genossen sagen. Ins Fadenkreuz der Nazis geriet er, als einer seiner Arbeitskollegen Nazirock dröhnen ließ. Doch sein Arbeitskollege, gegen den er sich wehrte, war aktives Mitglied in Schwedens „Nationalsozialistischer Front“ und Redakteur von „Info-14“, einer rechten Agitationszeitung. Als der sich zum Vertrauensmann des Unternehmens wählen ließ, in dem beide arbeiteten, informierte Söderberg einen ihm bekannten Journalisten, der die Angelegenheit öffentlich machte.

Die schwedische Polizei kam den Nazi-Tätern angeblich nur deshalb so schnell auf die Spur, weil sie sich wie auch die Staatssicherheit seit längerem der rechten Szene widmete und somit sensibilisiert war, um keines der sorgsam zusammengetragene Mosaiksteinchen der Morduntersuchungen ihrer Aufmerksamkeit entgehen zu lassen. Das meinte später die für „Demokratiefragen“ zuständige Vizejustizministerin Britta Lejon. Nun gut, es war ihre Meinung. Meinungen müssen nicht immer mit der Realität übereinstimmen. Mutmaßlich konnte die schwedische Polizei die Täter nur deshalb so schnell fassen, weil sie geopfert werden mussten, um nicht deren rechtsextremistische Führer innerhalb der Polizei zu enttarnen.

Margaretha Linderoth von der Sicherheitspolizei Säpo sagte, die rechte Szene werde immer unüberschaubarer, weil die Propaganda verstärkt übers Internet verbreitet werde. Das mag stimmen, aber muss das Internet nicht für alles Schlechte in der Welt herhalten? Schwedens führende Expertin Helene Lööw ergänzte, die Zahl der rechtsradikalen Aktivisten sei zwar „immer noch eher in Hunderten als in Tausenden zu rechnen“, werde aber ständig größer. Das war noch im Jahr 1999.

Die Nähe von Schwedens Nazis zu den Stay behind, einer vom CIA nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten und zu Zeiten des Kalten Kriegs unterstützten rechtsextremen Geheimorganisation zur Abwehr sowjetischer Infiltration und Invasion, ist kein Zufall.

Wie John Foster LeMay im Jahr 1996 schreibt [2], sei es dem Botschaftsattaché und CIA-Offizier William Colby, der später zum CIA-Chef aufstieg, Anfang der Fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gelungen, zusammen mit Otto Hallberg in Schweden aus der rechtsextremen Waffenbrüderschaft „Sveaborg“, die ursprünglich aus einer Unterorganisation der faschistischen Vereinigung „Schwedens Sozialistische Sammlung“ (SSS) formiert wurde, die Stay behind zu organisieren.

Um eine von der CIA in Schweden befürchtete sowjetische Invasion zu stoppen, gab es ein Netzwerk aus circa 1.200 zumeist militärisch geschulten Kontaktpersonen, die im Ernstfall ihre Guerillatruppen mobilisieren und selbstständig hätten führen können. Sie sollten mutmaßliche Unterstützer der Sowjets ausschalten – was ausnahmslos immer Mord bedeutete.

Doch 1953 flogen die Stay behind auf. Viele deren Schergen wurden von der schwedischen Polizei verhaftet. Darunter auch Otto Hallberg, der schon die SSS gegründet hatte. Aber in einem geheimen Verfahren wurde er freigesprochen. Er lebte bis 1968.

Die Ermittlungsakten über Hallberg blieben bis 2004 gesperrt und sollten jetzt eigentlich im schwedischen Reichsarchiv für jedermann zugänglich sein. Doch wer danach fragt, erntet nur Achselzucken und Schatten – farblose Gestalten, die einem auf Schritt und Tritt durch Stockholm folgen und nach einer passenden Gelegenheit suchen, um zuzuschlagen.

So wurden 1999 ein schwedischer Journalisten und sein damals achtjähriger Sohn Opfer einer Autobombe. Sie überlebten schwer verletzt. Der Mann hatte angeblich zusammen mit einem Kollegen und einer Kollegin, die damals 28-jährige Jytte Elofsson, über die Stay-behind und Nazi-Aktivitäten in Schweden recherchiert und berichtet. Seine Kollegin wurde 2005, nach ihren Erkundigungen im Reichsarchiv, an der viel befahrenen Stockholmer Straßenkreuzung Sergels Torg im Stadtteil Norrmalm von Unbekannten in ein Transportfahrzeug gezerrt und entführt. Ihre Leiche fand die Polizei Wochen später am Ufer eines Sees neben der Autobahn bei Södertalje. Diesbezügliche Anfragen an die Sicherheitspolizei Säpo ergaben eine spontane, negative Antwort: Der Fall sei den Beamten nicht geläufig.

Die Stay behind soll, so schreibt John Foster LeMay, noch 1989 intakt gewesen sein. Es ist daher nicht abwegig, dass sich die alten Stay-behind-Guerillas autonom junge Truppen geschaffen haben, die gegenwärtig als Schwedens Nazis ihre Mordspuren hinterlassen und sogar schon in der schwedischen Polizei feste Positionen haben. Ihre Opfer: Menschen wie der Gewerkschaftler Björn Söderberg oder Journalisten, die sich für die Akte „Otto Hallberg“ interessieren. John Foster LeMay vermutete also nicht grundlos einen Zusammenhang der Stay-behind mit dem Mord am schwedischen Ministerpräsidenten und Sozialdemokraten Olof Palme.

Strickmuster brauner Wolle
Und immer wieder die CIA, die nicht nur in Europa ein anrüchiges Images hat, der noch nicht einmal mehr der amerikanische Präsident George W. Bush vertraut und deren Agenten in Italien und nun auch in Deutschland steckbrieflich gesucht werden!

Laut John Foster LeMay „soll der zweite Mann der CIA in Europa und Chef des Intelligence Tactical Assessment Center (ITAC), ein gewisser Oswald LeWinter, Papiere vorgelegt haben, die beweisen sollen“, Palme sollte „im Zuge einer „Operation Tree“ ermordet“ werden. Und dann geschah der Mord und es gab viele Spuren, von denen etliche von der schwedischen Polizei verwischt wurden. Zu groß wurden die Vorwürfe in der Öffentlichkeit, so dass der Ruf der schwedischen Polizei weder durch Dementis noch durch Schwedenkrimis gerettet werden konnte.

Olof Palme wurde am 28.2.1986 vor dem Scandia-Haus in Stockholm mit einem Revolver der Marke Smith & Wesson erschossen, nachdem er ausdrücklich auf seine Leibwächter verzichtet hatte.

Palme-Mord, Spur 1
Das Scandia-Haus – früher das „Thule-Haus“ – soll die Zentrale des Stay-behind-Netzwerkes gewesen sein. Der frühere Scandia-Versicherungs-Direktor Alvar Lindencrona, angeblich Chef der Stay-behind, und der Chef der Operativen Abteilung (B) des schwedischen Sicherheitsdienstes (SÄK) P. G. Näss nahmen an Treffen des Allied Clandestine Committee/ Special Operations Planning Staff (ACC/SOPS), dem Koordinierungszentrum der Stay-behind-Netzwerke, teil. Im Gespräch waren die Pläne Palmes den Norden kernwaffenfrei zu machen und seine etwaigen Verhandlungen darüber mit Moskau. Hatten sie Palme zu sich bestellt, um mit ihm allein eine geheime Verhandlung zu führen? Hatte er deshalb seine Bewacher wegschicken müssen? Ein Mordkomplott? Oder hatten andere faschistische Gruppierungen die Situation genutzt, um Palme zu ermorden?

Palme-Mord, Spur 2 (die so genannte „Kurdenspur“)
Die „World Anticommunist League“ (WACL) vereinigt weltweit alle möglichen rechtsextremen Gruppierungen, Vertreter der freien Marktwirtschaft und radikale Antikommunisten. Auch im Umfeld der Stay-behind-Mitglieder trifft man immer wieder auf die WACL.

– So den früheren Generalsekretär der Europa-Sektion der WACL, Anders Larsson, der über Palmes Vorhaben nach Moskau zu reisen informiert gewesen sein will.

Michael Townly, Mitglied der WACL, soll Palmes Namen auf einer Todesliste geführt haben.

Miro Baresic, Mitglied der WACL und der Ustascha, eine kroatische faschistische Organisation, soll den Revolver der Marke Smith & Wesson, mit dem Palme erschossen wurde, von einem Heroinhändler mit PKK-Verbindungen beschafft haben.

Von Larsson kam die Behauptung, das „Covert Action Department“ der CIA, das den WACL durch dessen internationalen Leiter General John Singlaub kontrollierte, habe den Mord angeordnet.

Schattenspiele
Der braune Sumpf aus Stay-behind, CIA, WACL und PKK wäre nicht komplett, gäbe es nicht Schattenspiele, die zu Rechtsextremen in der schwedischen Polizei führt. Sie sollen Mitglieder eines privaten Kampfschützenvereins sein. Rekrutierungsstelle für die Stay-behind-Netze des damaligen CIA-Residenten William Colby war eine Polizeischule, an der der Anführer der „Sturmabteilung Sveaborg“ als Psychologie-Dozent unterrichtete. Er soll im Umkreis von WACL-Mitgliedern agiert haben.

Außerdem gab es noch die rechtsextreme Baseball-Liga des Hans Holmér, die sich aus Polizisten zusammen setzte. Wegen eines ungeklärten Todesfalls wurde sie 1983 aufgelöst. Holmér gilt als Trojaner. Er war damals Polizeichef von Stockholm und Mitglied der schwedischen Sozialdemokraten. Lange Zeit führte er die Mordkommission im Fall Palme. Ihm wird die Verschleierung des Mordes angelastet.

Genau genommen war der Mord an Olof Palme nur einer von vielen, die wahrscheinlich aufs Konto rechtsextremer Organisationen gehen. Gemordet haben Schwedens Nazis viel:

Ronny Landin, 21, zu Tode getreten von Skinheads. John Hron, 16, von jugendlichen Neonazis gequält und umgebracht.

Gerard Gbeyo, 25, von Rassisten gejagt und erstochen.

– In der Kleinstadt Malexander wurden bei einem Banküberfall zwei Polizisten aus nächster Nähe von Tätern erschossen, die aus dem Umkreis der „Arischen Bruderschaft“ stammen. Unterstützt wurden angeblich sie von Svea SA, einer Organisation, die enge Beziehungen zur Nationalsozialistischen Front (Nationalsocialistisk Front, NSF) pflegt.

– Die schwedische Ex-Justizministerin Leila Freivalds erhielt eine Briefbombe zugeschickt, die nicht explodierte.

Sie sind nur die bekanntesten Opfer einer langen Liste. Olof Palme war sicherlich nur deren prominentester und dessen Mord vielleicht der spektakulärste. Die Nazi-Gewalt richtet sich, wie schon Anfang der Fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die Stay behind nach Sympathisanten der Sowjetunion suchten und diese ermordeten, vornehmlich gegen jene, die für politisch links angesehen werden und die aus rassistischen Gründen ins ideologische Raster der Nazis fallen. Neu ist sicherlich, dass die Gewalt offen gegen Repräsentanten des Staates, der Justiz und der Presse gerichtet wird [3]. Richter, Staatsanwälte und Journalisten erhalten immer öfter Morddrohungen, wahrscheinlich um sie einzuschüchtern; ebenso wie Zeugen in Strafprozessen gegen Nazis, damit sie entweder keine Aussagen machen oder Aussagen widerrufen.

Zweierlei ermöglicht den schwedischen Nazis ihr Vorgehen: Einerseits existiert in Schweden das so genannte „Öffentlichkeitsprinzip“, um völlig legal Daten und Fotos von Personen und deren Familien von Behörden zu erhalten. Die schwedische Polizei ist sogar verpflichtet, Daten herauszugeben, wenn diese in „öffentlichen Akten“ enthalten sind. Und anderseits ist die schwedische Polizei von den Nazis längst unterwandert.

© 2007 Copyright by Harald Haack – Alle Rechte vorbehalten. Die Übernahme und Nutzung des Artikels und der Fotos zu anderen Zwecken und auf anderen WebSeiten und in Print-Medien sowie Fernsehen und Hörfunk bedarf der schriftlichen Zustimmung des Autoren.

[1] Kölner Stadt-Anzeiger / Frankfurter-Rundschau
[2] zoom.mediaweb
[3] wsws.org

Weitere Quellen:
Taz, 15. & 17.11.1990, 17.8.1991;
Die Presse, 2.7.1996;
Leo A. Müller: Gladio – das Erbe des Kalten Krieges. Der NATO-Geheimbund und sein deutscher Vorläufer. Mit einem Beitrag von Werner Raith. Verlag Rowohlt Taschenbuch, Reinbeck bei Hamburg 1991;
Ola Tuander: Der vielfache Palme-Mord, in: Karl Markus Michel und Tilman Spengler (Hg.): Kursbuch 124,
Verschwörungstheorien. Juni 1996. Verlag Rowohlt, Berlin 1996;
Burkhard Nagel und Klaus D. Knapp: „Mord in Stockholm“. Fernsehdokumentation in Zusammenarbeit von N3 und Arte, August 1996.
Polisen: Nu samkör vi utredningarna av syndikalistmordet och bilbomben

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Ein Grund zum Feiern – die 50. Ausgabe von ensuite – kulturmagazin

ensuite – Die Februar-Ausgabe von ensuite – kulturmagazin ist die 50. gedruckte Ausgabe. Seit über fünf Jahren publiziert ensuite – kulturmagazin für den Kanton Bern das schweizweit grösste redaktionelle Kulturmagazin mit Kulturagenda! Was mit zwölf Seiten begann, ist zu beachtlichen 88-Seiten-Zeitungen herangewachsen. Monatlich produzieren über 45 freiwillige MitarbeiterInnen aus allen Altersklassen und kulturellen Interessengruppen eines der spannendsten Kulturkommunikationsprojekte.


Seit 50 mal gut und immer besser: ensuite kulturmagazin

Finanziell hat sich das Magazin in all den Jahren ohne grosse Defizite über Wasser halten können. Das ist nicht selbstverständlich, da gerade die Werbeschaltungen im Bereich Kultur dünn gesät sind. „Insgesamt unterstützte uns die öffentliche Hand mit ‚nur’ knappen 50’000 Franken in insgesamt vier Jahren. Das steht im krassen Gegensatz zum stadteigenen Agenda-Projekt, welches mit über 200’000 Franken pro Jahr subventioniert wird“, meint Lukas Vogelsang, Initiator und Chefredaktor. Eine im Jahr 2006 grossangelegte Leserumfrage von ensuite – kulturmagazin hat eine Leserschaft von über 55’000 LeserInnen hochgerechnet. Eine Einigung mit dem Kultursekretär Reichenau konnte nicht zustande kommen. „Kultur ist Macht. Der Kultursekretär wollte von mir Dinge, die ich im Bereich Pressefreiheit und Medienethik nicht eingehen konnte. Dazu waren seine Ideen nicht sehr realistisch.“

Vogelsang hätte nie damit gerechnet, dass ensuite – kulturmagazin je so tragfähig werden würde: „Wir haben eine Möglichkeit gefunden, einen ganzen Medienbetrieb aufzubauen, ohne Kapital zu investieren. Das Konzept von ensuite – kulturmagazin entsteht aus dem Ort und den Menschen selber. Ich persönlich gab dem Projekt zwei Jahre. Jetzt, nach fünf Jahren, bin ich selber überzeugt, dass noch viel mehr möglich ist.“

Wo bei den Tagesmedien die gedruckten Kulturagenden eingestellt oder redimensioniert werden (siehe „NZZ Ticket“), denkt Lukas Vogelsang an Ausbau und Expansion. Neben der Kunstpublikation artensuite, einer Kunstbeilage bei ensuite – kulturmagazin, dem Buchverlag edition ensuite und einer Online-Kulturagenda für die gesamte Schweiz (www.kulturagenda.ch), ist eine kulturelle Nachrichtenagentur in Vorbereitung (www.kulturnachrichten.ch), ein Musiklabel und ein spezialisierter Musikvertrieb. „Wir prüfen und spielen zur Zeit mit verschiedenen kundenorientierten Dienstleistungen im kulturellen Bereich. Das Internet und die technischen Möglichkeiten der Zukunft eröffnen gerade den kleinen, innovativen Medienunternehmen grossartige Chancen. Und da in der Medienbranche immer weniger Inhalt produziert wird und alles nur noch Unterhaltungswert haben muss, haben wir die Möglichkeit, das freigewordene Terrain neu zu besetzen.“

Als nächster Schritt und hoffentlich noch in diesem Jahr möchte ensuite – kulturmagazin in Zürich Fuss fassen. Lukas Vogelsang: „Zürich wird für unsere Zukunft überlebenswichtig sein. Wir haben das Glück, dass wir auf eine grosse Infrastruktur und sehr gute Netzwerke zurückgreifen können. Zudem haben wir uns schweizweit in den letzten fünf Jahren einen sehr guten Namen geschaffen. Das Vertrauen ist auf unserer Seite und ich denke, wir haben eine sehr reelle Chance, im Zürcher Medienmarkt aufgenommen zu werden. Zudem hat Zürich zurzeit nichts Vergleichbares zu bieten – man legt uns fast den roten Teppich hin.“

Krieg

Iran Clock Is Ticking

Robert Parry – Time may be running out for Congress and the American people to put in place any constraints on President George W. Bush before he plunges ahead with a new war against Iran.

Military and intelligence sources say the preparations for a major bombing campaign are moving ahead swiftly, with the deteriorating U.S. situation in Iraq adding to Bush’s urgency.

The thinking goes that if Bush’s position collapses in Iraq, a window of opportunity for challenging Iran may close, too.

For the full story on the war dangers ahead, read it all @ Consortiumnews.com