zeitgeschichte

Vietnam Fotogalerie

Der Vietnam-Krieg war nicht nur einer der längsten, der blutigsten und grausamsten Kriege des 20. Jahrhunderts; er brachte außerdem in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur in der visuellen Kriegsberichterstattung. Erstmals wurde ein Krieg durch das Fernsehen zum »living room war«. Er brach in den privaten häuslichen Raum und damit in einen alltäglichen Rezeptionskontext der bildersüchtigen »Heimatfront« ein. Über 1500 Fotoreporter kamen zum Einsatz, die mit ihren Kleinbildkameras viel flexibler waren als früher. Da, an der Heimatfront, wurde der Krieg offensichtlich verloren. Amerika und der Rest der Welt waren erschüttert. Eine massive Gegenbewegung, die Friedensbewegung entstand.


Schmerzliches Erbe

Der Krieg hinterließ ein schmerzliches Erbe, das die Beziehungen zwischen Streitkräften und Medien bis heute beeinträchtigt. „Ob gut oder schlecht, Vietnam war damals das wichtigste Thema, es hat uns und den Journalismus geformt“, so der Kriegskorrespondent Don North, der 1964 als freier Journalist nach Saigon kam.


Kriegsentscheidende Rolle


Parallelen zum Irak Krieg

Im Vietnam-Krieg spielte erstmals die Medienberichterstattung eine vielleicht Kriegsentscheidende Rolle. Keiner der folgenden Kriege wurde so unzensiert in die zivile Welt getragen. Die Bild Galerie besteht aus rund 200 Fotos aus Beständen des Army Signal Corps, Department of the Navy, Office of the Chief Signal Officer und dem United States Marine Corps. Die Bilder, obwohl dreissig Jahre alt, gleichen sich jenen aus dem Krieg gegen den Irak.

kultur

Freie Sicht aufs Mittelmass

Klaus Bonanomi – Die banale Bemerkung drängt sich auf: Das beste Theater in Bern wird derzeit nicht auf der Bühne, sondern hinter den Kulissen gespielt… im Stück «Habemus Intendantem?» Noch ist kein weisser Rauch aus dem Konklave aufgestiegen, noch haben Berns Theater-Kardinäle keinen Nachfolger des Anno Domini 2007 zurücktretenden «Pontifex Maximus» Eike Gramss erkoren. Bei Redaktionsschluss dieser Nummer war jedenfalls die Ausgangslage um das Stadttheater Direktorium noch offen.

«Was für ein Stadttheater will Bern?» Ein Podiumsgespräch mit diesem Titel brachte Mitte April im Schlachthaus ebenfalls keine Klärung. Henri Huber, Stadttheater-Verwaltungsrats- Präsident, kam zehn Minuten zu spät und musste sich in einem bühnenreifen Sesseltanz seinen Stuhl auf dem Podium von Samuel
Schwarz, einem der abgelehnten Intendanz- Kandidaten, erobern; der Bund ortete «Beamte im Agitationstheater», die BZ titelte zu Recht: «Die Positionen bleiben hart.» War am Ende die Frage falsch gestellt? Müsste Bern sich nicht fragen, was für ein Stadttheater, sondern: ob es überhaupt noch eines will? Warum soll sich eine mittelgrosse Provinzstadt wie Bern ein Stadttheater leisten, das mit rund 24 Millionen jährlich subventioniert wird, was zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben ist?

Zwar unterstützen Stadt, Kanton, Burgergemeinde und die Agglomerationsgemeinden jeden Theaterbesuch mit 200 Franken (das Stadttheater rühmt auf seiner Homepage den «beachtlichen Eigenfianzierungsgrad von 27 Prozent» ) – doch selten bringt das Stadttheater damit etwas zustande, das über Bern hinaus zur Kenntnis genommen wird. Ob Sprechtheater, Tanz oder Oper: andere sind besser, haben mehr Geld oder mehr Pfiff als der bernische «Theaterschlafsaal», der «sein Publikum nur selten aus den süssen Operetten- Träumen gerissen» hat, wie die NZZ am Sonntag erfrischend respektlos schrieb. Freie Sicht aufs Mittelmass.

Natürlich gibt’s nicht nur das «Wiener Blut» von Johannes Strauss (letztmals am 1. Mai): Derzeit wird auch «Der Mitmacher» gegeben, das ist – immer laut Stadttheater-Eigenwerbung – «Dürrenmatts wohl erfolgloseste Komödie»; oder die italienische Burleske «Das Vergnügen, verrückt zu sein», die sogar dem Blick
eine wohlwollende Besprechung unter dem Titel «Verrücktes Vergnügen» wert war. Leute wie Lukas Bärfuss oder Grazia Pergoletti, die in der freien Szene gross geworden sind, stehen dieser Tage im Kornhaus auf der Bühne oder führen Regie; und man kooperiert auch beim «Auawirleben»-Festival mit der freien Szene.

Doch was die Ausstrahlung auf der nationalen oder gar internationalen Ebene betrifft, kann Bern nicht mithalten. Zürich hat auch in der Ära nach Marthaler die Nase vorn, schon nur was die Spielstätten betrifft – mit dem Schiffbau fürs aktuelle und dem Pfauen fürs traditionelle Theater – und erst recht, wenn’s ums Geld geht: Man kann sich an der Limmat für das aktuelle Stück «Oblomow» ohne weiteres den Star-Architekten Peter Zumthor als Bühnenbildner leisten, auch um den Preis, dass wegen dessen grossangelegtem Dekor viermal weniger Zuschauer als üblich Platz finden. Und ihren Operndirektor Alexander Pereira halten die Zürcher so in Ehren, dass ihn auch die Mailänder Scala nicht wegzulocken vermag. Zur Tanzhauptstadt taugt Bern ebenfalls nicht, zu klein ist das Berner Ballett und seit Martin Schläpfers Abgang vor Jahren zu unbedeutend; eine Stunde Fahrzeit entfernt gibt’s bei Béjart in Lausanne mehr zu sehen. Und während Bern immer noch versucht, allen ein bisschen etwas von allem zu bieten, kultivieren andere Städte ihre jeweiligen Spezialitäten: Für klassische Musik ist Luzern mit seinem weltweit erstklassigen Konzertsaal im KKL die erste Adresse, Solothurn hat die Film- und die Literaturtage, Neuenburg sein Centre Dürrenmatt, und der beste Fussball nationwide wird immer noch in Basel zelebriert…

Das Stadttheater Bern «hat es bisher nicht in eine Liga mit überregionaler Ausstrahlung geschafft», wie die BZ richtig bemerkt. Und daran wird sich unter den gegebenen Bedingungen auch nichts ändern. Deshalb der radikale Vorschlag: Schliessen wir das altehrwürdige Haus im 102. Jahr seines Bestehens – und verwenden wir das freiwerdende Geld anderswo, wo es mehr nützt. Nutzen wir die Chance, um mit dem neuen Paul-Klee-Zentrum zu einer erstklassigen Ausstellungs-Adresse für moderne und zeitgenössische Kunst zu werden. Oder gönnen wir es unseren Wappentieren, befreien sie aus dem engen Bärengraben und bauen wir trotz Mehrkosten jetzt erst recht das neue Gehege an der Aare…

Stephan Fuchs – Spricht seit dem Artikel in der NZZ am Sonntag jemand über den Theaterschlafsaal und das Schnarchtheater, so weiss jeder, um was es geht: um das Berner Stadttheater. So gesehen hat Bern eine Superlative: das teuerste, subventionierte Stundenhotel der Schweiz, das den Steuerzahler insgesamt 23 Millionen pro Jahr kostet. Ob die Darbietungen als Schnarchtheater gelten, sei dahingestellt. Die künstlerische Leistung wird, besonders die des unterdotierten Balletts, gelobt. Dem Schauspiel wird keine grosse Chance eingeräumt und die Oper dümpelt nicht weit über die Aare, obwohl Eike Gramss jährlich ca. 4 Inszenierungen selber macht.


Kleines feines Ballett (Hildur Óttarsdóttir)

Die Verantwortlichen haben geschlafen und das seit 1991. Eike Gramss, Intendant des 300 Personen Betriebes hat es in seiner Ära nicht geschafft sein Dreispartenhaus in ein innovatives, populäres Haus umzubauen und eine neue Generation für das Haus der Götter zu begeistern.

Kurz bevor der Vorhang fällt kommt die Frage auf: «Was für ein Stadttheater will Bern?» Zeit genug hätte er gehabt, aber quasi in letzter Minute verteilt er Schuldzusprüche an die Wirtschaft und schimpft über die zu kurz gehaltenen Subventionen. Klingt nach Hemden waschen. Der Unmut und die unterschwellige Kritik gärte allerdings schon lange, von den finanziellen Sorgen wusste man. War da nicht letztes Jahr noch eine Notspritze von 500‘000 Franken zu bewilligen? Spätestens seit der Freistellung des ehemaligen Ballettdirektors Duméril, unter dem Vorwand, der Fortbestand des Ensembles könne aus ökonomischen gründen nicht garantiert werden, hätten Signale gesetzt werden können.

Aber nicht nur Gramss, sondern auch die Theatergenossenschaft unter dem alten Regime und Henri Huber, der neue Theatergenossenschaftspräsident haben verschlafen. Sie hätten erkennen müssen, wo die Welt «änet» der Aare steht und was früher oder später in Bern erwartet werden musste. Selbstverständlich haben auch wir, die Medien gut geschnarcht. Es wäre an uns gelegen zu recherchieren anstatt Hofberichterstattung zu schreiben. Und nicht nur wir, die Medien, sondern auch die BesitzerInnen des Theaters, die Steuerzahler, hätten Forderungen und Fragen stellen sollen anstatt nach Basel, Zürich und Luzern zu reisen – oder eben zu schlafen. Bern ist wirklich vereint und stark. Wir werden unserem Namen gerecht und nicht umsonst nennt und kennt man Bern vom Appenzell bis nach La Chaux-de-Fonds als die Schlafstadt par excelance.

Foto: Phillip Zinniker


Der Artikel erschien in der Mai Ausgabe von ensuite kulturmagazin. Die PDF Datei der Printausgabe finden sie im PDF Archiv unter: Freie Sicht aufs Mittelmass

weird world

Anchesenpaaton – Frau am Rande der Zeit

Eine ungewöhnliche Laune der Natur bringt bisweilen immer wieder seltsame Verknüpfungen und Kuriositäten zutage. Eine dieser Kuriositäten ist eine knapp 20 Zeilen umfassende Zeitungsnotiz der „Herald Tribune“ vom 24. Februar 1998. Sie bezieht sich auf eine in der „Chicago Herald“ aus dem Jahre 1923 beschriebenes Dinner: „Frau Edith Rockefeller McCormick ist die Reinkarnation der ersten Frau von Tutenchamun, die sich an einem Dinner in Chicago offenbarte und in Zürich, wo sie längere Zeit lebte, Psychoanalytik studierte.“


Ungewöhnliche Laune der Natur

Die ungewöhnliche Laune ist, dass Frau Rockefeller noch vor der Entdeckung des Grabes ihres Ex Mannes Tutenchamun durch das Team Carter/Carnarvon etliches „Insiderwissen“ von sich gab. Eine Kuriosität die, selbst wenn es Legende bleibt, spannend genug war zu verfolgen. Edith Rockefeller ist nicht irgendjemand, sondern die Tochter von John D. Rockefeller, dem Gründer der Standard Oil und die Schwester von John D. Rockefeller Junior, einer der einflussstärksten Männern und Philanthrop seiner Zeit. Edith Rockefeller lebte in den Jahren 1872 – 1932. Um es gleich vorweg zu nehmen, in den Archiven der Rockefeller Familie und des C.G. Jung Institutes in Zürich ließen sich keine Dokumente finden, die das Protokoll zwischen Jung und Edith Rockefeller festhielt. Trotzdem: Synchronizität, eines der Jungschen Forschungsgebiete, haftet wie ein Schatten an Edith Rockefeller und Anchesenpaaton, der Tochter von Echnaton und junge Gemahlin des Tutenchamun.


Im Keller links war der Boxring, die Schätze wurden in Tage langer Arbeit akribisch sortiert, nummeriert und katalogisiert.

Szenenwechsel. Im Keller einer alten Villa am Ufer des Vierwaltstätersees in Luzern tun sich seltsame Dinge. Im Keller links war der Boxring, im anderen stapelten sich Sarkophage, Köpfchen, Figuren aus Fayence, mumienförmige Totenfiguren, Genreszenen auf Stein, Goldschmuck und Behälter in wunderlicher Schönheit. Die Schätze wurden in Tage langer Arbeit akribisch sortiert, nummeriert und katalogisiert. Die faszinierende Welt des Vergangenen, die 18. Dynastie der großen Könige aus Ägypten, die sich hier im Herzen der Schweiz in einem Keller ausbreitete. Ein faszinierender Moment. Unzählige Geschichten über Schmuggler, Pharaonen, Archäologen und über verschlungene Wege der Schätze hörte man, ab und an kamen Besucher, dessen Namen man nie erfuhr. Stunden und Aberstunden von Arbeit… kurzum: Es war die prickelnde Leidenschaft. Die gleiche Szene spielt sich im Tresorraum der Luzerner Kantonalbank ab. Dies war die bedeutenste Sammlung ägyptischer Kunst in privatem Besitz. Nach wochenlanger Arbeit kam die Lohnfrage: Geld oder Naturalien…? …“Naturalien!“ Man durfte wählen.

Die Kombination und die daraus resultierende Frage kam aber erst viel später nach der Lektüre des kuriosen Artikels in der „Herald Tribune“: Hielt denn nun jemand Edith Rockefellers Abbild als Frau von Tutenchamun in Form von Lohn in den Händen? Wer war die Frau des rätselhaften Pharao? Wer war Edith Rockefeller?


„Können sie etwas sehen?“ fragte der Geldgeber Lord Carnarvon. „Ja“ antwortete Carter, „…wundersame Dinge!“

Szenenwechsel. Es war gegen 15 Uhr am 26. November 1922, als, nach Beseitigung der Schuttmassen achteinhalb Meter vor dem Eingangsportal entfernt, eine zweite versiegelte Tür sichtbar wurde. Carters Hände zitterten. Seit 15 Jahren ist der nicht anerkannte Archäologe auf der Suche nach dem verschollenen König, seit 15 Jahren verheizte er die Gelder seines Bosses, ohne den Erfolg seines Traumes erfüllt zu haben: Den vergessenen König. Tutenchamun. Jetzt hatte er seine allerletzte Chance, eine weitere bekäme er nicht. Sein Geldgeber stand hinter ihm wie schon so viele Male vorher, als sie an den vielen anderen Grabstätten immer wieder enttäuscht den Kopf schütteln mussten. Sie waren wohl der Verzweiflung nahe. „Können sie etwas sehen?“ fragte der Geldgeber Lord Carnarvon. „Ja“ antwortete Carter, „…wundersame Dinge!“ Am 30. November 1922 berichtet der Korrespondent Arthur Merton in der Londoner „Times“ über den ägyptischen Schatz. Der verlorene König war entdeckt und mit ihm die Geschichte von Anchesenpaaton, seiner Frau. Die Londoner „Times“ feierte seine Lordschaft Carnarvon als den großen Entdecker. Eine Tutenchamun-Manie brach in England aber auch in Amerika aus.

Dem Land der Rockefellerdynastie. Sie, das ist wohl unbestritten, waren seinerzeit wohl die Könige Amerikas. Öl und damit die Standard Oil war zu einem starken Faktor geworden. Das ist aber nicht das Einzige, für was Rockefeller stand. Rockefeller stand auch als ganz großer Kunstförderer und Mitgründer der wichtigsten Kunsthäuser und Institutionen ganz vorne da, genau wie Edith Rockefeller, die zum Beispiel das Art Institute of Chicago und die Chicago Grand Opera Company mitfinanzierte.

John D. Rockefeller Junior war bereits seit 1902 einer der ganz großen Förderer ägyptischer Expeditionen und den Kunsthäusern, die ägyptische Schätze der Öffentlichkeit zugänglich machten. 1919 eröffnete er das Oriental Institute an der University of Chicago. Der charismatische Ägyptologe James Breasted, einer der führenden Persönlichkeiten seiner Zunft, handelte im Auftrag von Rockefeller Junior. Dieser Breasted sollte einer der wenigen werden zu denen Carter vertrauen fand und der ihm auch durch die komplizierten Institutionen in Kairo half. Für die Graböffnung von Tutenchamun hat Breasted eigens die Rockefellers eingeladen, die aber mussten absagen. Konsequenterweise war es Breasteds Idee, für die Schätze aus dem Tutenchamun Grab ein neues, großartiges Museum zu bauen. Rockefeller Junior akzeptierte. Im Oktober 1925 reiste Breasted mit Plänen und Broschüren und 10 Millionen US Dollar von Rockefeller zu König Fuad. Das Projekt scheiterte offensichtlich am Widerstand der Britten, die ihren Einfluss in der Region schwinden sahen.


C.G. Jung: Synchronizität haftet wie ein Schatten

Szenenwechsel: Edith Rockefeller begab sich, nachdem ihre beiden Söhne an Scharlach gestorben waren, 1913 nach Zürich in psychologische Behandlung. Genau: Zu Carl Gustav Jung. Eine seltsame Parallele: Im Grab des jungen Königs Tutenchamun fand man zwei mumifizierte Föten, von denen eines nach dem 5. Schwangerschaftsmonat zu früh geboren wurde, das andere Baby nach dem 7. oder 8. Monat. Sie waren wahrscheinlich die leiblichen Kinder des jungen Königspaares. Die beiden Föten verschwanden auf rätselhafte Weise in Kairo.


James Joyce: Mit dem Puls der Zeit verwoben

Von der Patientin mutierte Edith zur Studentin und zeitweiligen Analystin. Während des Krieges blieb sie in Zürich und erst 1921 kehrte sie in die Vereinigten Staaten, nach Chicago, zurück. Sie, die während ihrer Zeit in Zürich nicht nur Psychologie studierte, war, wie ihr Vater und ihr Bruder auch, von Kunst gefesselt. Sie traf und unterstützte in dieser Zeit unzählige Autoren und Maler, bis 1920 ihre Schulden in die astronomische Höhe von $ 812.000 Dollar geklettert waren. Aus Briefen mit dem Vater geht immer wieder hervor, dass er ihr in ihrer Schweizer Zeit tüchtig über die Runden half. Nicht nur er. Auch ihr Bruder half immer wieder aus. Wer weiß, vielleicht zum Glück. Denn ohne die finanzielle Unterstützung von Edith Rockefeller gebe es wohl einige wichtige Bücher nicht. Der wohl bekannteste ihrer Schützlinge war James Joyce, der Dank ihrer 18-monatigen Unterstützung sein großes Werk „Ulysses“ schuf. Sie war unweigerlich verwoben mit jenen Menschen, die am Puls der Zeit die wichtigsten Ideen moderner Kunst und Geschichte vor sich ausfalteten. Eine Aufzählung würde hier komplett überborden, aber der ganze „Kuchen“ ergibt sich aus dem angeschnittenen Stück. Für Interessierte ist sicher auch der Monte Verita interessant und die Berner Szene aus dieser Zeit…

Als Anchesenpaaton war sie die Tochter des großen Königs Echnaton (Amenophis IV) und seiner Frau Nofretete. Dann, nach dem Tod ihres Vaters, heiratete sie den minderjährigen Tutanchaton, der sich später, nach dem Restaurationskurs an den alten Reichsgott Amun, Tutanchamun nannte. Sie, Anchesenpaaton, erlebte die wohl bewegendste Zeit im ägyptischen Epos.


Rilke: Welcher Gott hielt den Atem an, damit diese Menschen um den vierten Amenophis so zu sich kamen?

Rainer Maria Rilke schrieb 1922 an Charlotte von Wedel: „Was war das für ein Moment der Windstille in der großen ägyptischen Zeit? Welcher Gott hielt den Atem an, damit diese Menschen um den vierten Amenophis so zu sich kamen? Wo, plötzlich, stammen sie her? Und wie schloss sich wieder – gleich hinter ihnen – die Zeit, die einem „Seienden“ Raum gegeben, es „ausgespart“ hatte.“ Bei Rilke findet ägyptisches Gedankengut in den im Jahre 1922 geschriebenen Duineser Elegien und der Sonette an Orpheus zu einem dichterischen Höhepunkt. Er war nicht der Einzige, der von diesem kleinen Fenster der großen Geschichtsschreibung verzaubert war. Seine Freundin Lou Andreas Salomé, die übrigens auch mit Nietzsche liiert war und deren gemeinsamer Freund Sigmund Freud oder Thomas Mann, der seinerseits tief in den Brunnen herabstieg, waren von den Mysterien verzaubert. Aber auch Okkultisten wie der Bergsteiger und Schriftsteller Aleister Crowley waren von Ägypten und insbesondere jenem kleine Zeitfenster zwischen Echnaton und Tutanchaton angetan. Es gibt Opern, Essays, Gedichte, Gedankenspiele und wahrlich Abenteuer zu entdecken. Dieses Zeitfenster war so bewegend wie die Zeit der Wirren zwischen 1900 und 1923.

Als drittälteste Tochter des Häretikers Echnaton und als Gattin von Tutenchamun hat Anchesenpaaton die Wirren einer zu Ende gehenden Epoche erlebt, die an künstlerischer Vielfalt und Grazie noch heute nachklingt. Als drittältestes Kind von J.D. Rockefeller, war Edith ebenfalls Zeuge einer untergehenden Zeit und mehr als nur Beobachterin einer neuen Ordnung. Sie war Zeuge und zum Teil auch Initiantin einer Generation von Schriftstellern, Malern, Musikern und Denkern, die unser Kunstverständnis maßgeblich geprägt haben. Erst die Entdeckung von Tutenchamuns Grab 1922 hat uns ihr Bild und ihr Leben als Königin enthüllt. Die meisten Schätze der Sammlung, die in jenem Katakomben ähnlichen Keller am Vierwaldstätersee katalogisiert wurden, fanden ihren Weg in die großen Rockefeller Museen, wo sie noch immer bestaunt werden können.

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Immer mehr Armut in der Schweiz

So unwahrscheindlich es klingt, auch die Schweiz verarmt. Im Internationalen Vergleich immer noch eines der reichsten Länder, sind die Zeichen unverkennbar. Eine grosse Bevölkerungsschicht ist am verarmen.

Kinder und Jugendliche
Rund 100’000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz wachsen in Armut auf. Die Folgen sind verheerend: Ausgrenzung und fehlende Perspektiven führen viele ins gesellschaftliche Abseits und in den persönlichen Niedergang.

Hier liegt sehr viel sozialer Sprengstoff begraben, der früher oder später explodiert. Mangelnde Ausbildung, Gewalt, Drogen, Verschuldung, Betreibung, Suizidversuche, Psychiatrische Behandlung. Jeder dritte Sozialhilfebezüger war 1999 jünger als 18 Jahre. Jedes zehnte Kind war in der Stadt Zürich mindestens ein mal auf Sozialhilfe angewiesen. Jedes vierzehnte Kind bezog regelmäßig Geld vom Staat.

Für Kinder und junge Erwachsene, ist es schwierig zu der eigenen Armut zu stehen. Ständig werden sie mit der Verlockung der Werbung konfrontiert, neustens durch das Handy und SMS. Die Soziale Ausgrenzung beginnt. Freunde machen sich rar, der Frust wird groß, die Kriminalität lockt, Drogen helfen übers erste hinweg. Das Elend sitzt im Nacken.

Immer häufiger, leben bereits Zwölfjährige orientierungslos in den Tag hinein, lungern lieber rum, weil es zu Hause nicht auszuhalten ist oder sie sich nicht in die Schule trauen.

Armut, das Gefühl zu den Armen zu gehören ist Gift. Gift für den Geist und die Nerven. Minderwertigkeitskomplexe, Lernschwierigkeiten, das Gesundheitsbewusstsein nimmt ab, Depressionen und Suizidversuche hingegen nehmen bei den Gruppen armer Kinder und Jugendlicher rapide zu.


Wer der Unterschicht unterstellt, dass es in der Schweiz keinen Grund gebe Arm zu sein, irrt.

Wirklich schlimm wird es, wenn sich zur Armut fehlende Integration und fehlende Perspektiven gesellen. Gerade bei Kindern ist das schnell geschehen. Denn gerade die Kinder, die nicht über SMS erreichbar sind, sich nicht die richtigen Trend Kleider leisten können und nicht mit gleichaltrigen fortziehen können, integrieren sich nicht, oder nur in einer Randgruppe. Da herrscht in der Regel Gewalt, Diebstahl und zum Teil wird mit verhängnisvollen Mutproben das fehlende Geld wettgemacht. Die Weichen ins Abseits sind gestellt.

Meistens sind es die in Armut aufgewachsenen Jungen die über die Stränge hauen und sich schon beim Erhalt des ersten Lohnes in Schulden stürzen. Endlich sich was leisten zu können, verleitet die Jungen in den Sog des Überkonsums, den sie sich eben nicht leisten können. Übersteigen die Rechnungen den Stiftenlohn, werden die Eltern wohl kaum helfen können. Die erste Wohnungssuche endet so meistens durch die Einträge im Betreibungsregister. Heute wird zwar viel von der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt gesprochen: Für die schwachen Mitglieder der Gesellschaft ist sie jedoch noch in weiter Ferne.

Berufstätige & Familien
Auf die Oberschicht, die etwa 10% der Gesellschaft ausmacht, folgt die Mittelschicht mit 60% und die Unterschicht mit satten 30%.

Wer der Unterschicht unterstellt, dass es in der Schweiz keinen Grund gebe Arm zu sein, irrt. Für den Schweizer Bürger, ist das Bild der Armut in der Regel woanders. Somalia, dicke Hunger-Bäuche, First Aid Einsätze, Elend, Ghetto. Verdreht werden hier die Horrorbilder, denn mit der Situation in der Schweiz, als einem der reichsten Länder der Erde, haben diese Zustände freilich nichts zu tun. Und es ist wahr, selten verhungert oder verdurstet jemand unfreiwillig in der Schweiz. Aber Armut ist etwas relatives und Maßstäbe müssen in Europa anders gesetzt werden.

Die Schere von Meistverdienenden und Mindestverdienenden klafft bedrohlich auseinander. Vor allem das Kapitaleinkommen steigt durch die Börsenentwicklung, was jene begünstigt, die ohnehin schon am Reichtum partizipieren. Für die untersten 30% und jene die bald dazugehören, steigen nur die Krankenkassen und die Lebensmittel, sowie die Mieten.

Für die Klasse der beruflich minder qualifizierten Working Poor, mit immerhin 250’000 – 410’000 Betroffenen, ist das der beginn der Armut. Für Familien, welche beide zu 100% arbeiten und zusammen gerade knapp über 3000 sFr. Verdienen, ist es ein Desaster.
Da bleibt nur der Gang auf das Sozialamt, Caritas oder den kirchlichen Hilfswerken mit ihren Suppenstellen, welche von den rechten Oppositionsparteien und dem politischen sparefroh torpediert werden. Gerade jene Politischen Scharfschützen, gehören in der Regel zu den oberen 10%. Damit kann es zum Wunsch nach einer Umverteilung kommen, was die Gefahr von sozialen Unruhen in sich birgt.

Vor allem seit der Prämienteuerung der Krankenkassen, wird es für Familien mit zwei und mehr Kindern eng. Zu eng.

Viele der Väter und Mütter wissen nicht mehr, wie sie nach dem 22. des Monats noch über die Runden kommen. Es kommt vor, dass zur Überbrückung, der „Göttibatzen“ der Kinder geleert wird. Wenn Eltern zu solchen Handlungen gezwungen sind, ist es bitter. Die Spirale beginnt sich zu drehen. Die Eltern sind nervös, gereizt, schlafen schlecht, arbeiten schlecht, verlieren den Job. Die Kinder haben Konzentrationsstörungen, schämen sich, haben Angst vor der Zukunft.

Rauft sich die Familie zusammen und übersteht das tief, melden sich meistens auf Druck der politischen Scharfschützen, subito die Sozialämter und verlangen die Unterstützungsgelder zurück. Wieder leiden die schwächsten, die neue Generation.

Bestimmt hilft die rigorose Sparpolitik den Politikern einige Stimmen zu gewinnen, aber das fundamentale Gut der Schweiz wird übersehen. Für die Zukunft werden Couragierte, innovative und ausgebildete junge Menschen nötig sein um die Probleme der Zukunft zu lösen.

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kultur

Hoch fliegender Kübel

Unweit von der Berner Uni Tobler, an der Ecke Freiestrasse und Muesmattstrasse steht er, der weisse Kübel. Als ehemaliger Kiosk war der Kübel wohl Schnittpunkt täglicher Auseinandersetzung, Mittler kurzer Gespräche und Zentrifuge vieler Gedanken, die sich um Götter, Frauen und die Nachbarn kreisten. Eine Austauschkiste sozusagen. Freilich, der Kiosk ist Vergangenheit, die Kiste nicht. Es scheint, als gehe es nicht um den Inhalt der Kiste, als vielmehr um die Kiste selber, denn noch immer ist sie unübersehbarer Mittelpunkt und Anker der streng frequentierten Fussgänger Ecke im Universitätsquartier. Die Kiste, irgendwie passt sie da gar nicht hin und doch gehört sie frappant scharf ins Bild, zieht diesen langen Faden nach sich, dem selbst Skater nicht widerstehen und dem zufällig um die Ecke arbeitenden „Pfleger magischer Wesen im Garten“ ein tägliches Vergnügen verheissen. Wenn der Faden klebt, bleibt die Zeit still.


Anschlag auf die Zeit

Reality Hacking – Es mag dieser kurze Augenblick sein der in der fanatisch schnellen Hektik des Tages gefesselt wird, die Gedanken kurzzuschliessen vermag einzig um sich festzuklammern an einem Objekt das nicht sein kann, eben an jenem weissen Kübel. Ein Anschlag auf die Zeit, ein rauswerfen aus dem Trott, nur für einen Augenblick… Vorher, das heisst jetzt, war die Kiste die Station Marks Blond, eine Bushaltestelle mit allem was dazu gehört. Wartebank, Blumenkistchen mit ein bisschen grün darin und die typischen Sonntagszeitungsbehälter vor der Station inklusive Imbissbude, denn da, ob dem Fenster steht „Quick Express Buffet“. Die meisten gehen hin, schauen was die Aufmerksamkeit derart brüsk zu manipulieren vermochte, mal reinschauen durch das grosse Kübelfenster. Es geht eben doch auch um den Inhalt, jener will erforscht sein. Doch der Raum dahinter ist leer und verlassen, drin ist nichts. Nicht jetzt. Vielleicht ist das Quick erst kürzlich geschlossen worden, vielleicht hält doch bald ein Bus… Der Bus wird jedoch nie kommen, das Quick kennt keiner, einer, der Passant setzt sich auf die Bank. Er wird zur Kunst, zum Theaterspieler auf der Bühne, ohne es zu wissen. „Reality Hacking“ nennt es Georg Keller, der Kreator der Station Marks Blond, die Busstation, die es nie gegeben hat und nie geben wird.

Rennender KübelMarks Blond ist die unangenehmste Galerie die es im Moment in Bern gibt und es gibt sie noch nicht lange. Seit Mitte Juni 2004 existiert das Marks Blond Project r.f.z.k. (Raum für zeitgenössische Kunst) und man sieht, hört und liest mehr von Blond als von den meisten anderen Berner Galerien. Blond verwaltet nicht Kunst sondern betreibt, erfindet und erforscht Kunst immer wieder neu. Wöchentlich peitscht Marks Blond auf einer Fläche von 3.5m x 3.7m Installationen und Kunstinterventionen durch und zeigt so jährlich rund 40 Ausstellungen, pusht ausgewählte Künstler, verlinkt, kommuniziert und kreiert die Kunst von morgen in einem Höllentempo, dem kaum einer folgen kann. Tempo, das Spuren hinterlässt und Narben reisst im winzigen Kübel. Der Kübel mit seiner ewigen inneren Baustelle muss frisch gestrichen werden und es ist nicht das erste Mal. Doch das macht nichts. Während Marks Blond in Polen ist, wird die Kiste wieder zum „white cube“.


Das Experiment ist die Kunstform an sich (1)

Arbeiten – endlos Sie arbeiten schnell und das am Puls der Zeit und eines ist sicher: die Blond Macher schlafen nicht. Sie sind am verknüpfen, am fordern und vor allem am arbeiten – endlos. Die Vision dieses Kunstprojekts liegt im Versuch philosophische, gesellschaftliche und politische Aspekte zu prüfen und in einen Bezug zur Gegenwart zu stellen. Indes geht es dem kollektiv nicht primär um Kommerz, sondern um die Aktion, das Experiment und die Kunstform an sich. Diesen Anspruch nehmen Daniel Suter und wohl auch seine Vertrauten, Radwina Saga Seiler und Yves Ackermann locker auf sich. Kunst lebt! Kunst bewegt. Während die meisten Galeristen Kunst verwalten und in gesitteten Bahnen Kunst zu verhökern versuchen, rennt Marks Blond mit seinem weissen Kübel, den Suter fast schon zärtlich „small white cube“ nennt, die Spitzen rauf und runter.

Marks Blond rennt nicht nur nach Polen, Marks Blond rennt an der Cart Kunstmesse in Zürich, macht Art Exchange in Mazedonien mit dem Federal Departement of Foreign Affairs, sie hüllen den White Space Zürich zum Dark Room und sind am Betonsalon in Paris eingeladen. Unter anderem, denn Marks Blond bewegt einiges. Dass sich der horrende Rhythmus noch beschleunigen lässt, bewies das Projekt vor kurzem in Zürich: In zwei Ausstellungsräumen bot das Kollektiv mit täglich wechselnden Ausstellungen, Performances und Filmvorführungen einen Einblick in seine kuratorische Praxis.


Gift mit Gift bekämpfen. (2)

Offener Kübel – Das noch immer hohe Tempo welches die Berner ihrem weissen Kübel in Bern abverlangen, kann auf Unverständnis stossen… Wer hat denn schon Zeit sich all die Ausstellungen anzuschauen lautet die Kritik, wer soll bei dieser Masse an Kunst noch Qualität erkennen? Suter sieht das ein bisschen gelassener: „Der „small white cube“ steht im Raum, in der Nachbarschaft. Er ist absolut öffentlich. Jeder der hier vorbeikommt kann Teil werden, kann reinschauen, kann sich dazu Gedanken machen. Die Qualität steht immer auch im Zusammenhang und Wissensstand des Betrachters. Manche sehen hier nichts, andere sehen hier alles. Was wir zeigen sind Möglichkeiten und Situationen, und die sind endlos weit gefächert. Der Schaukasten öffnet die Sicht nach Aussen, aber auch nach Innen und stellt so die Kunst in einen sozialen Kontext.“ Ideen und Künstler werden den Blond Machern auch in ihrem rasanten Tempo wohl nicht ausgehen. In den rund 40 Ausstellungen zeigte das Kollektiv eine eindrucksvolle Breite spannendster moderner Künstler aus Israel, Deutschland, Frankreich, aus den USA, Österreich und natürlich aus Zürich und Bern. Es ist Ziel von Marks Blond, dass die Zusammenarbeit sowohl mit örtlichen, als auch überregionalen und internationalen Kunstschaffenden angestrebt und umgesetzt wird. Dies haben sie sicher erreicht.

Vielleicht ist dies der Trick am Drill mit dem Tempo. Gift mit Gift zu bekämpfen. Vielleicht gibt uns Marks Blond einige Spiegel mit an der Ecke, beim alten Kiosk im Uni Quartier, dann, wenn wir vorbei rennen und aus dem Augenwinkel merken, dass da etwas anderes steht, etwas das nicht in unser tägliches Konzept passt. Manchmal sind dies die Augenblicke die bewegen, die kommunizieren und am leben Teil haben lassen.

Dieser Artikel erschien zum ersten mal im Berner ensuite kulturmagazin. Die PDF datei der Printausgabe finden sie im PDF Archiv unter: Hoch fliegender Kübel

Bildlegenden:
1: daniel suter “ verena“ paris 2004 fotoinstallation
2: daniel suter „look me“ bern 2003 performance installation

kultur

Windiges Hackbrett

Eine Reise mit Gilbert Paeffgen führt zu Klang-Erlebnissen die überraschen. Seit Jahren schon mischt der deutschstämmige und in Bern lebende Schlagzeuger und Hackbrettspieler Gilbert Paeffgen in den oberen Rängen der Schweizer Jazz-Szene mit und was dabei entsteht heisst mitunter „Neue Volksmusik“.


Geschlagene Engel in einem neuen Kleid. Treibend, groovig, tanzbar.

Das international bekannte Trio, welches sich vor allem auch mit der viel beachteten CD „Sketches From Europe“ hervortat, gibt Einblicke in verschiedene Genres akustischer Welten. Mit dem Bassisten Urban Lienert vermischt Paeffgen Jazz, keltische Musik und Sequenzen aus Bass- ’n‘- Drum turnarounds dezent mit impulsivem Schlagzeug, Jungle und Ambient Sounds, und darüber biegen und winden sich die Melodielinien des Klaviers zu einem geschmackssicheren und unverwechselbaren Trio Sound.

Paeffgen Trio eben. Ohne Zweifel, Paeffgen ist eine kreative innovative Musikerpersönlichkeit, der heute zu den Exportartikeln der Schweizer Jazz Szene gehört. Spannend an seinem Trio und seiner Arbeit ist, dass er ein uraltes Instrument einer jungen Generation wieder nahe bringt. Mit dem Engelsinstrument, dem Hackbrett, lässt er Klänge erklingen, die sich vorzüglich in sein musikalisches arbeiten mit dem Trio einfügen. Nun hat er mit dem ursprünglich aus dem persisch – indischen Raum stammende Hackbrett eine weitere CD produziert. Joran.

Joran ist gewöhnungsbedürftig. Der Klang des Instruments ist windig, ist sicher vielen noch unbekannt und wird vielfach skeptisch belächelt, allen voran es stark mit der Appenzeller Ländler Musik assoziiert wird. Jene Musik übrigens ist auch nicht zu unterschätzen und hat durchaus seinen Reiz. Gilbert Paeffgen indes, spielt auf Joran keinen Appenzeller schottisch, er zeigt die geschlagenen Engel in einem neuen Kleid. Treibend, groovig, tanzbar.

Aber nicht nur: Er zeigt sein Instrument auch von einer verklärten und subtileren Seite. Und so ist Joran zum verweilen, zum hören, zum träumen. Die neue CD ist nicht vergleichbar mit seinem Trio Sound, er spielt nicht den Jazz. Viel Raum lassend und viel klingend, das Hackbrett ist keine einfache Geliebte, zeigt sich Paeffgen von einer anderen, spannenden Seite, zum Teil durch Gesang und Bass ergänzt. Paeffgen und andere Musiker am Hackbrett tragen im Moment eine Menge zur Wiederbelebung und Bereicherung unseres Kulturgutes bei, wurden die Trapez Engel aus dem frühen Persien doch beinahe vergessen und feiern heute Renaissance.

GILBERT PAEFFGEN – Joran – 2005 / Vertrieb: „Karbon


kultur

Warum schreiben und nicht töten?

Nicht nur an der Themse, sondern von Arosa bis Weinfelden wird gemordet, verbrochen, geschwindelt und betrogen, kräftig gefeuert und einiges gerächt. Wie sollte es denn anders sein, auch in der Schweiz klaffen die Abgründe verworrener Psychen tief, führen zu erschreckenden Handlungen und beweisen: Schweizer Krimi ist gut.


Grösster literarischer Anschlag den die Schweiz je erlebte

Schweizer Krimi wird Salonfähig. Um es spitz auf den Punkt zu bringen: schreiben macht offensichtlich mehr spass als töten. Dies demonstrieren die zwei neuen Bücher von und mit Paul Ott, dem Berner Hauptverdächtigen für Kriminalroman Liebhaber und dem Initiator der Mordstage 2005. Eine Leseveranstaltung in 16 verschiedenen mittelgrossen Schweizer Städten. Krimis mit Bezug zum Ort, das Verbrechen in ihrer Nachbarschaft.

Obwohl die Mordstage noch nicht ganz vorbei sind, ein Delikt steht in der Thalwiler Mordsnacht vom 3. September noch aus, zieht Paul Ott durchaus positive Bilanz. Und in der Tat, man staune: in den 15 bisher erfolgten Lesungen wurden 1680 Personen (lebende) gezählt. Und das Netto, also ohne kumulierte Schummler. Dies ist der flächendeckend grösste literarische Anschlag den die Schweiz je erlebte, mit durchschnittlich 112 Besuchern ein Erfolg den die Beobachter von den Medien, den Verlagen und selbst Ott verblüfft hat.

Otts Arbeit hat massgeblich dazu beigetragen, dass sich die schreibenden Kriminalisten nicht mehr im Schatten ihrer Selbst bewegen müssen und, der Erfolg tut gut, hat ihn über die schlaflosen Nächte und stressvollen Tage vergessen lassen. Er munkelt sogar von weiteren Mordstagen. Paul Ott als Einzeltäter abzustempeln, würde ihm und den Mordstagen selbstverständlich nicht gerecht werden. Spräche man von Bandentum, wäre dies sicher zutreffender: Gemeinden, Vereine und Kulturkommissionen, Autoren und Autorinnen haben mit ihren Finstrigkeiten zum grossen Coup beigetragen. Ohne ihre tatkräftige Hilfe wären die Mordstage Schweiz nicht so glatt über die Bühne gegangen.

Mit ihren Kurzkrimis entstand auch „Tatortschweiz“, eine Sammlung krimineller Geschichten, herausgegeben von Ott. Jene Geschichten, die in den Städten gelesen wurden. Mit ihren Texten zeigen die AutorInnen die erstaunliche Vielfalt der Deutschschweizer Krimi – Literatur mit so viel Ortsgenauigkeit und Aktualität wie nie zuvor in der Deutschschweizer Krimiszene auf.

Da Kriminalliteratur von der öffentlichen Kulturförderung und von der Kritik oft herablassend behandelt wird, müssen sich die Autoren selber zu helfen wissen, auch wenn das im „literarischen Kalender“ nicht wahrgenommen wird. Nebenbei gemerkt, verbindet sich hier ein Phänomen, das auch der schottische Schriftsteller und ensuite kulturmagazin Gastautor Donal McLaughlin im Interview erklärte: „Locker. So sollte Literatur sein. Öffentlich. Zugänglich. Literatur ist lebendig, darauf kommt es an.“ Siehe hierzu ensuite kulturmagazin Nr 9 2004. Ein ähnliches Prinzip verfolgten die Kriminalautoren: Das Attentat kommt zum Publikum und das wird vom Publikum offensichtlich auch in der Schweiz hoch goutiert. Dazu kommt, dass für viele Menschen – insbesondere Jugendliche – Unterhaltungsliteratur den Einstieg in die Welt des Lesens überhaupt bedeutet. Der Krimi ist die Einstiegsdroge par excellence. Insofern haben die „Mordstage“ eine wichtige Aufgabe im Literaturbetrieb die nicht zu unterschätzen ist.

Nebst dem zu den Mordstagen begleitenden Buch „Tatortschweiz“, erschien auch „Mord im Alpenglühen“, eine erstmals umfassend präsentierte Geschichte und Erklärung der Schweizer Kriminalliteratur zusammengestellt von… Paul Ott. Ein Lese – Wissens Buch, das in jedes Lesezimmer gehört dessen sich eines Kriminalliebhabers erfreut. Das Buch, eine Sammlung aus frühen Gerichtsreportagen und Verbrechensberichten um 1800 bis zur heutigen Vielfalt fiktiver Kriminalromane liefert eine fundierte, beinahe vergessen gegangene Enzyklopädie des literarischen Verbrechens in der Schweiz. Die furchtbar fruchtbare Wechselwirkung zwischen einheimischen und ausländischen Autoren sowie zwischen Literatur und Film werden dargestellt, ergänzt durch Stefan Brockhoffs „Zehn Gebote für den Kriminalroman“ und die darauf von Friedrich Glauser verfasste Antwort. Exemplarisch sichtbar wird die letztlich gescheiterte Existenz von Glauser in „Matto regiert“, wo Wachtmeister Studer, der behäbige, Brissago rauchende Kommissär der Berner Kantonspolizei, Ordnung in das Leben der Menschen bringt. Dürrenmatt übernimmt Glausers Konzept mit seinen drei Kriminalromanen aus den Fünfzigerjahren und seinem Kommissär Bärlach, bis hin zu Sam Jauns Abgründe der beschaulichen Provinz.

Interessant ist die Ausführung zu den welschen KollegInnen. Sie kennt man in der Deutschschweiz relativ schlecht und sie verfügen offensichtlich nur über eine lose Kriminal – Autorenszene. Leider wurden bisher wenige der französischen Werke übersetzt, die Schriftsteller sind aber nicht ohne, zeigen eine differenziert andere Schreibform, sind schneller im Erzählstil und kosmopolitischer. Mit Jean-Jacques Busino, Autor von „romans noirs“ schliesst „Mord im Alpenglühen“ ab. Busino bewegt sich auf musikalischem und philosophischem Gebiet ebenso gewandt, wie in der verlorenen Psyche, wenn er das langsame abgleiten seines Pommard in den düstersten Abgrund skizziert: Er masturbiert vor dem Bildschirm mit Fotos von Leichen zur Musik von Frank Zappa. Und das ist erst der Anfang… Schweizer Krimi wird in Zukunft wieder gelesen werden.

  • Das Buch zu den „Mordstagen 2005“, das alle dafür geschriebenen Kurzkrimis sammelt:
    Paul Ott (Hrsg.): Tatort Schweiz – ISBN 3-85791-477-7 – Limmat Verlag

  • Paul Ott: Mord im Alpenglühen. Der Schweizer Kriminalroman – Geschichte und Gegenwart – ISBN 3-935421-14-1 – NordPark Verlag – Reihe KrimiKritik

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AUTOREN

Larisa Alexandrovna ist die Chefredakteurin und Spezialkorrespondentin für Geheimdienste und nationale Sicherheit bei Raw Story und Nachrichten Heute. Alexandrovna arbeitete für Rolling Stone, Vanity Fair und Newsweek.

Rachel Alexander ist praktizierende Anwältin für die Regierung in Phönix im U.S. Staat Arizona. Als ehemaliges Redaktionsmitglied und Kolumnistin des Arizona Daily Wildcat, gewann sie für ihre journalistischen Arbeiten drei Auszeichnungen und schreibt Kolumnen für IntellectualConservative.com und Nachrichten Heute.

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Bill Christison ist ehemaliger National Intelligence Offizier bei der Central Intelligence Agency und Direktor der CIA Abteilung für regionale und politische Analysen. Christison ging 1979 in Pension und schrieb seither Artikel und Beiträge über die amerikanische Aussenpolitik.

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Kevin Coogan ist ein investigativer Journalist und der Autor des umfassenden Buches „Dreamer of the Day: Francis Parker Yockey and the Post War Fascist International“, herausgegeben von Autonomedia, New York 1999. Unter anderem schreibt er auch für das Magazin Intelligence Report.

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Helmut Küfner Der Informatiker und Weblogbetreiber überrascht immer wieder mit brisanten Artikeln und Hintergrundberichten über Geheimdienstaktivitäten. Mittlerweile gilt der Autor und freie Programmierer als Europas Experte über die geheimen CIA Flüge. Eine gute Übersicht und Sammlung findet sich in seinem Weblog.

Hamid Mir ist einer der wohl bekanntesten pakistanischen Journalisten und Chef von Geo TV in Islamabad. Herr Mir studierte an der Universität Punjab in Lahore Kommunikationswisenschaft. Als unbequemer, investigativer Journalist verlor er seine Stelle mehrere Male. Interviews mit Osama bin Laden und Dr. Ayman al-Zawahiri, vor und nach dem Anschlag in New York 2001 und seine Recherchen im bereich Terror verschafften Herr Mir weltweites aufsehen. Hamid Mir schreibt für verschiedene Zeitungen, unter anderem auch für Nachrichten Heute.

Thomas Mitsch ist Beirat der Informationsstelle Militarisierung e.V./IMI. In Baden-Würtemberg kandidierte er als Direktkandidat der WASG und als Oberbürgermeisterkandidat zu den Oberbürgermeisterwahlen in Esslingen. Für das IMI Magazin Ausdruck und Nachrichten Heute schreibt Mitsch vor allem militär- und sicherheitsrelevante Artikel. Seine Artikel wurden u.a. bei der Zeitung junge Welt und der Zeitung gegen den Krieg sowie bei den gedruckten Magazinen Sozialismus und Stattzeitung veröffentlicht. Mitsch ist Mitherausgeber des gedruckten Magazins Friedensblätter des Friedensnetzes Baden-Würtemberg.

Daniel Mullis 1984 geboren, hat einen BA in Geographie und Geschichte an der Universität Bern abgeschlossen. Aktuell absolviert er das MA-Studium der Humangeographie mit Schwerpunkt Stadt- und Wirtschaftsgeographie in Frankfurt am Main. Er ist Betreiber eines eigenen Weblogs zur kritischen Auseinandersetzung mit geographischen Fragen RaGeo, sein kritisches Interesse am Weltgeschehen entstammt einem längeren politischen Engagement.

Michael Schulze von Glaßer wurde 1986 im nordrhein-westfälischen Münster geboren. Er studiert an der Westfälischen Wilhelms Universität Philosophie und Geschichte und engagiert sich in verschiedenen linken Gruppen.

Dr Malte Olschewski. Der Autor hat in Wien das Studium der Germanistik und Publizistik mit einer Dissertation über die Titopartisanen abgeschlossen, war ab 1964 Redakteur des „Volksblattes“, der Tageszeitung „Die Presse“ und der „Arbeiterzeitung“. Dazwischen war Olschewski zwei Jahre freier Korrespondent in Asien mit Schwerpunkt Krieg in Indochina. Ein Jahr verbrachte er als freier Korrespondent in Lateinamerika und besuchte über hundert Staaten der Welt. Von 1983 bis 1990 war Olschewski Redakteur der Osteuropa-Redaktion im ORF, in dessen Funktion er 15 TV-Dokumentationen über kommunistische Länder verfasste. Bisherige Publikationen: „Ceausescu: Phänomen der Macht“ bei Ueberreuther, 1990. „Krieg als Show: Die Neue Weltinformationsordnung“ bei Log International, 1992. „Der Serbische Mythos“ bei Herbig in München. „Von den Karawanken bis zum Kosovo: Die geheime Geschichte des Bürgerkrieges in Jugoslawien“ bei Braumüller sowie „Kanonen, Bomben und Durchwesung“ beim Homilus Verlag.

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

Robert Parry, in den 80er Jahren Redakteur bei „Associated Press“ (AP) und „Newsweek“, und einer der Investigativ-Journalisten, die den Waffen-und Drogenschmuggel des Weissen Hauses im „Iran-Contra-Skandal“ enthüllten, gründete 1995 „the Internet’s first investigative ‚Zine“ consortiumnews.org. 1999 publizierte er das viel beachtete Sachbuch Lost History: Contras, Cocaine, the Press & ‚Project Truth. Sein neustes Werk Secrecy & Privilege: Rise of the Bush Dynasty from Watergate to Iraq erschien bei secrecyandprivilege.com.

John Pilger ist Journalist und Dokumentarfilmer. Seine Artikel erscheinen in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen wie dem Daily Mirror, The Guardian, The Independent, New Statesman, The New York Times, The Los Angeles Times, The Nation, The Age.

Marcel Pinon Passé Conseiller Fédéral de la Grande Loge De Françe, ist Chemiker und Alchemist. Er gilt als ausgezeichneter Kenner der Symbolik. Für ensuite – kulturmagazin und journalismus – nachrichten von heute schreibt er in lockerer Folge eine Trilogie. Die erste Folge: „ Das Bild und das Wort“, gefolgt von „Symbole“ und schließlich „Totentanz“.

Gary W. Potter, Professor in the Department of Police Studies at Eastern Kentucky University. Potter emphasized criminal justice in his doctoral work in Community Systems Planning and Development at the Pennsylvania State University. In addition to writing several book reviews and many articles in refereed journals on the subjects of drug law, organized crime and pornography, Potter is the author of The Porn Merchants and co-author of The City and the Syndicate: Organizing Crime in Philadelphia. Additionally, Potter is a referee for the American Journal of Criminal Justice and the American Journal of Police.

Peter Dale Scott ist ehemaliger kanadischer Diplomat und Englisch Professor an der Berkeley Universität in Kalifornien. Peter Dale Scott ist Poet und Autor unzähliger Werke und politischer Bücher die vor allem um die Problematik des internationalen Drogenhandels und des Terrorismus untersucht.

Tim Shorrock – ist ein Investigativer Journalist. Er wuchs in Japan und Süd Korea auf und lebt in Kalifornien. Er schreibt für The Nation, Salon, Mother Jones, Harper’s, Inter Press Service, The Los Angeles Times, The San Francisco Chronicle, The Progressive, The Journal of Commerce, Foreign Policy in Focus, Asia Times, Sisa Journal (Korea) Hankyoreh 21 (Korea) und Nachrichten Heute. Er schreibt vor allem über Nachrichtendienste. Er gab Interviews in Democracy Now, Air America und CBS Radio.

Norman Solomon ist Journalist, Kolumnist, Buchautor und Medienkritiker. Er lebt in den USA. Sein Gerechtigkeitsverständnis und sein Mut haben seinen Enthüllungsjournalismus mittlerweile für viele Menschen in Amerika interessant gemacht. Unter anderem hat Solomon Texte im Boston Globe, der New York Times, der Newsweek und der USA Today veröffentlicht. Norman Solomons neustes Buch, „War Made Easy„, erschien 2005 bei Wiley.

Lukas Vogelsang ist Journalist und Chefredaktor des in Bern erscheinenden ensuite kulturmagazin. Das 64 Seiten starke Magazin ist zu einem nicht wegzudenkenden Kultfaktor in der Bundeshauptstadt geworden.

Sonja Wenger ist Auslandredaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung WOZ und schreibt im berner Kulturmagazin ensuite. Zusätzlich arbeitet sie als Übersetzerin, freie Schauspielerin mit eigener Theatergruppe take five theatre und als Porträtmalerin.

Felix Werdermann, geboren 1988, lebt in Berlin und studiert dort Politikwissenschaft und Mathematik. Er ist in unterschiedlichen politischen Zusammenhängen aktiv und schreibt für verschiedene Zeitungen, u.a. für die Jugendzeitung „utopia„.

Michael Wrase ist Journalist und Korrespondent verschiedener Tages- und Wochenzeitungen. Zur Zeit lebt Wrase in Limassol – Zypern. Seine Artikel, vorwiegend aus den Themenbereichen Terrorismus und Naher Osten, erscheinen unter anderem im Tagblatt & Die Zeit.

vermischtes

Einsame Freunde…

Die Koalition der Willigen wird immer kleiner. Die Freunde der USA werden weniger. Dafür erhält der treue Verbündete Italien grosses Lob von Aussenministerin Condoleezza Rice. «Wir haben keinen besseren Freund als Italien», sagte Rice nach einem Gespräch mit ihrem Amtskollegen Gianfranco Fini in Washington.


Wir haben keinen besseren Freund als Italien

Dabei wurden die Beziehungen Anfang März etwas getrübt als amerikanische Soldaten den italienischen Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari erschossen und die Journalistin Giuliana Sgrena schwer verletzten. Rice und Fini jedoch, lobten die Zusammenarbeit bei der Aufklärung der Umstände. Fini warnte, dass voreilige Schlüsse und Erklärungen nur zur politischen Polemik beitrügen. Dass die USA keinen besseren Freund als Italien haben, heisst nicht, dass Premierminister Tony Blair zurückgestuft wurde. Grossbritannien könnte auch als gleich guter Freund gelten. Über die genaue Hierarchie der Freunde der US-Regierung ist nichts bekannt, aber man kann davon ausgehen, dass die Ukraine und Polen nicht mehr dazu gehören, denn sie gehen nach Hause:

Ukraine & Polen holen eigene Soldaten aus dem Irak zurück
Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat am Mittwoch den Abzug aller Soldaten seines Landes aus dem Irak bis Ende dieses Jahres angeordnet. Der Präsidentenerlass setze den Beschluss des ukrainischen Sicherheitsrates vom 1. März um, teilte Juschtschenkos Pressedienst in Kiew mit. Die ersten 150 der insgesamt 1600 Ukrainer im Irak waren bereits Mitte März abgezogen worden. Die Ukraine war 2003 der von den USA geführten Irakkriegskoalition beigetreten. 17 ukrainische Soldaten sind im Irak getötet worden.

Inzwischen zeigte das US-Verteidigungsministerium Verständnis für den von Polen angekündigten Rückzug seiner Soldaten bis Ende Jahr. Es sei verständlich, dass Koalitionspartner, die wesentliche Beiträge geliefert hätten, unter Druck stünden, ihren Beitrag im Irak «anzupassen», sagte der stellvertretende US- Verteidigungsminister Douglas J. Feith in Brüssel nach Gesprächen im NATO-Hauptquartier. Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski hat bekräftigt, dass sein Land noch in diesem Jahr alle im Irak stationierten Truppen abziehen wird. Mit dem Auslaufen des UNO-Mandats ende 2005 sei auch der Einsatz der polnischen Soldaten im Irak am Ende, sagte der Minister am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Warschau. Polen zählt zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Irak. Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski hatte den Abzug bereits im Oktober angekündigt, dabei aber keinen Termin genannt. Polen führt derzeit südlich von Bagdad das Oberkommando über eine multinationale Division aus rund 4000 Soldaten. Bereits nach den ersten freien Wahlen Ende Januar hatte es die Zahl seiner eigenen Soldaten im Irak von 2400 auf 1700 Soldaten verringert.

Schwere Anschläge in Bagdad
Die amerikanischen Truppen werden einem heissen Sommer entgegengehen. Optimistische Mutmassungen seitens Bush mit dem Truppenabbau im Irak zu beginnen ist eine Illusion. Rumsfeld dementierte auch postum. Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist am Montag zu einem Blitzbesuch nach Bagdad gereist. Es ist sein zweiter Aufenthalt am Tigris binnen dreier Monate und sein neunter Besuch im Irak seit dem Golfkrieg. Kurz nach seiner Abreise nach Afghanistan flammt der Widerstand im Irak wieder auf:

Bei einer Serie von Selbstmordanschlägen und Überfällen sind im Irak mehr als 20 Menschen getötet worden. Allein 15 Menschen starben bei zwei Selbstmordattentaten im Zentrum Bagdads. Mindestens 37 weitere wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt, als sich die Täter in mit Sprengstoff gefüllten Autos in die Luft jagten. Ziel der Anschläge in der Nähe des stark gesicherten Innenministeriums sei ein aus sieben Fahrzeugen bestehender Polizeikonvoi gewesen. Durch die Wucht der Detonationen wurden mehr als 15 Autos zerstört. Der Doppelanschlag war einer der folgenschwersten seit den Wahlen von Ende Januar.

Die Gruppe des jordanischen Extremisten Abu Moussa al-Zarqawi bekannte sich im Internet dazu. Ziel der Anschläge seien Polizisten gewesen, die in der Bekennerbotschaft als Abtrünnige bezeichnet wurden. Die Bombenanschläge seien eine Botschaft an den US-Vizeaussenminister Robert Zoellick, dass die Aufständischen sich nicht vernichten liessen. Zoellick war am Vortag zu einem Blitzbesuch in den Irak gekommen und hatte über die Fortschritte bei der Demokratisierung des Landes gesprochen. Die Polizei entdeckte am Tatort ein drittes mit Sprengstoff präpariertes Fahrzeug, das US-Soldaten kontrolliert zur Explosion brachten.

Wie das Innenministerium weiter bekannt gab, wurde bei einem weiteren Überfall im Westen Bagdads ein irakischer Geheimdienstoffizier niedergeschossen. Bei einem weiteren Selbstmordanschlag starben am Abend vier Polizisten. Sechs Zivilisten wurden verletzt. Nach Polizeiangaben sprengte sich der Attentäter auf dem Markt der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Mahawil in die Luft.

Weitere vier Polizisten wurden bei einem Anschlag auf ein Polizeirevier in der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk getötet. Drei weitere Polizeibeamte und ein Zivilist wurden verletzt. Vier Verdächtige wurden festgenommen. Weitere acht Menschen wurden bei einem Selbstmordattentat mit einem Tankfahrzeug in Tikrit, der Heimatstadt des früheren Staatschefs Saddam Hussein, verletzt. Ein Polizeioffizier sagte, Ziel des mit Sprengstoff gefüllten Fahrzeugs sei die von der US-Armee genutzte frühere Villa eines Onkels von Saddam Hussein gewesen.

In Baakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden vier Zivilisten und zwei US-Soldaten verletzt, als beim Vorbeifahren eines US-Konvois ein Sprengsatz detonierte. Bei einem ähnlichen Angriff in Tall Afar im Nordirak wurden nach Spitalangaben fünf Zivilisten verletzt.