deutschland

Bundestagswahl in Deutschland: SPD – Todesanzeige (noch) verfrüht

Dr. Alexander von Paleske – Die Bundestagswahlen haben eine Schwarz-Gelb-Regierung zur Folge.

Die SPD – es gibt sie noch, aber nur noch mit 23% der Stimmen. Das ist die Hälfte von dem, was die SPD mit Willy Brandt 1972 erzielte, lange ist’s her. Damals war dieWahl eine Entscheidung für eine neue Ostpolitik, also für die Aussöhnung, für ein neues Strafrecht, für mehr Demokratie, für ein neues Hochschulrecht. Kurzum, hier stand das Neue gegen das verkrustete Alte, damals repräsentiert duch die CDU/CSU.

Heute ist vorwiegend eine Traditionswählerschaft für die SPD übriggeblieben, vornehmlich über 50 Jahre alt.

Inhalte? Welche Inhalte? Was die SPD inhaltlich anzubieten hatte, war eigentlich nichts anderes als: „Weiter so Deutschland“. Auf die brennenden Fragen keine Antworten mehr:

– Positiv zum Afghanistaneinsatz , a disaster in the making.

– Keine Antworten auf die Fragen, welche durch internationale Finanz-und Wirtschaftskrise aufgeworfen sind.

– Kein wirkliches Eintreten für die Stärkung der Freiheitsrechte gegenüber dem Staat u.s.w.

Und so dümpelt eine Partei, die vorwiegend von der Vergangenheit lebt, vor sich hin. Wer grün wählen will, wählte eh die Grünen. Wer linke Politik will wählte die Linkspartei, wer Steuersenkungen und damit wohl weiteren Abbau der Sozialleistungen in Kauf nimmt, der wählte CDU/CSU oder FDP.

Die SPD: Von der Arbeiterpartei, zur Volkspartei, zur Partei im Mittelfeld. Demnächst Kleinpartei? Brauchen wir die SPD überhaupt noch? So wie sie ist, gleicht sie eher einem Dinosaurier, der in die Kreidezeit gekommen ist. Bekanntermassen war es mit den Dinosuariern dann vorbei. Oder anders ausgedrückt: eine Partei auf der Suche nach menschenwürdigen Antworten für die Herausforderungen der Welt von heute und morgen, und schon gar nicht Basta-Antworten

Auf diesem Wege ist die SPD bisher nicht nennenswert vorangekommen.Dabei hatte Willy Brandt seinen Genossen in einem Grusswort an den Kongress der Sozialistischen Internationale kurz vor seinem Tode 1992 folgendes mit auf den Weg gegeben:
:
Nichts kommt von selbst, und nur wenig ist von Dauer. Darum besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.

Seine Genossinnen und Genossen haben ihn offenbar nicht verstanden und jetzt die Quittung bekommen.

spionage

Kaperung der Arctic Sea – Mehrfacher Waffenschmuggel?

Dr. Alexander von Paleske – 27.9. 2009 — Ein bisher ungelöstes Problem bei der Aufklärung der Hintergründe der Arctic Sea- Kaperung war der Zeitablauf.
Wie konnte, bei der relativ kurzen Zeitspanne zwischen dem offenbaren Aufladen von Waffen und der dann folgenden Kaperung, eine derarartige Aktion vorbereitet werden, eine Aktion , welche nicht nur die Rekrutierung von kräftigen Kleinkriminellen, sondern auch deren “Kapertraining” voraussetzt.

Auch der Mossad, der offenbar hinter der Kaperung steckt, hätte das wohl in der kurzen Zeit kaum schaffen können.
Wenn nicht – ja wenn nicht – dies nicht der erste, sondern einer von mehreren Transporten war, denen nun mit der Kaperung der Garaus gemacht werden sollte.

Hinweise für Mehrfachtransport
Es gibt jetzt erste Hinweise dafür, dass dies offenbar tatsächlich nicht der erste Transport dieser Art war..
Wie die Internetseite Russland aktuell meldete ist der Frachter Arctic Sea in den letzten vier Jahren angeblich mehrfach “vom Radar verschwunden”.

Das automatische Identifikationssystem AIS der Arctic Sea war dieses Jahr zwischen dem 1. und 11. April abgeschaltet. Ebenfalls zwischen dem 13. Februar und 4. März 2008 und zwischen dem 26. April und 14. Mai 2007 . Immer mit angeblicher Holzladung an Bord und immer an der gleichen Stelle, nämlich der Strasse von Gibraltar am Eingang zum Mittelmeer.

Es fällt schwer, hier an Zufälle zu glauben. Offenbar sollte die wahre Destination verschleiert werden.

Verbliebene Schiffscrew ohne Kommunikation
Die auf der Arctic Sea verbliebene russische Schiffscrew, neben dem Kapitän Sergej Zaretsky noch zwei weitere Männer, konnte bisher keinen Kontakt zu ihren Angehörigen aufnehmen. Sie mussten angeblich die SIM-Cards für ihre Mobiltelefone abgeben.
Die Angehörigen haben nun an das Internationale Rote Kreuz sowie an die Regierungen Maltas, Finnlands und Russlands appelliert,
die Rückkehr oder zumindest die Kontaktaufnahme zu ermöglichen.
Offenbar hat die russische Regierung Veranlassung, jeden Aussenkontakt zu unterbinden. Die Mitglieder der Crew sollen wohl, wie schon die bisher heimgekehrten elf Crewmitglieder, in Russland erst einmal in die Mangel genommen werden, wohl wieder im Lefortowo-Gefängnis. Motto: Schweigen ist Gold, Reden sehr gefährlich.

Der Crew steht also wohl noch Einiges bevor.

Mittlerweile ist das Schiff offenbar im Mittelmeer auf dem Weg ins Schwarze Meer, nachdem die russische Regierung den Plan aufgegeben hat, das Schiff in den Hafen von Las Palmas/Kanarische Inseln einlaufen zu lassen.
Die international Presse wäre dort gewesen, und diesen Auflauf sah man offenbar nicht allzu gerne. Zumal die Gefahr bestand, dass ein Crewmitglied ein paar “unvorsichtige” Bemerkungen hätte machen können.

Nachtrag 3.10.2009
Heute hat in der britischen Financial Times die nach Archangelsk gereiste Journalistin Catherine Belton einen Artikel mit dem Titel „Vexed Voyage“ veroeffentlicht, der noch einige weitere Indizien beisteuert, die im Wesentlichen die von uns von Anfang an aufgrund von Indizien vertretene Einschätzung bestätigen, dass es sich um eine Geheimdienstoperation, vermutlich des Mossad, handelte.

Die Crewmitglieder der Arrctic Sea haben sich aus Furcht geweigert, nähere Angaben zu machen.

Arctic Sea: Die Öffentlichkeit wird getäuscht
Die Kaperung der Arctic Sea – oder: Windiges aus der russischen Seefahrt
Die Kaperung der Arctic Sea: Fakten, Indizien, Spekulationen
Arctic Sea“- Kaperung: Indizien deuten auf Geheimdienstaktion – vermutlich Mossad – und nicht Piraten
Arctic Sea – Die Besatzung ist frei, die Fragen bleiben
Geheimdienste in das Verschwinden der „Arctic Sea“ verwickelt?

Und als Satire:
Die „Arctic Sea“, ihre Fracht und Radio Eriwan

kriminalitaet

Professor Christoph Broelsch – Die lange Reise eines Starchirurgen auf die Anklagebank

Dr. Alexander von Paleske — 23.9. 2009 — Der Transplantationschirurg Professor Broelsch steht nicht mehr im Operationssaal, zumindest nicht in Deutschland. Nicht weil er mit 65 Jahren ohnehin ausscheidet, sondern weil er bereits vor 2 Jahren wegen gegen ihn erhobener massiver Vorwürfe suspendiert wurde.Jetzt steht er vor Gericht.

Ihm wird von der Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung, Betrug und Bestechlichkeit vorgeworfen. Wenn man die Reportagen in der Presse liest, dann kommen sie oftmals einer de facto Vorverurteilung nahe.

Es kann einfach nicht mehr zugewartet werden, bis die Zeugen nicht nur gehört, sondern sie auch auf ihre Glaubwürdigkeit abgeklopft werden.

Auch Professor Broelsch hat aber das Recht als unschuldig zu gelten, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist. Gleichwohl muss die Frage gestellt werden: Wie kommt es, dass ein Chirurg mit derartiger Reputation überhaupt auf der Anklagebank landet?

Ein Ruf nach Hamburg
Broelsch hat einen erheblichen Teil seiner Karriere in den USA verbracht, und zwar nicht irgendwo, sondern an einer der renommiertesten Universitäten in den USA, der Universität von Chicago (UoC).

Im Universitätskrankenhaus Hamburg- Eppendorf gab es seinerzeit eine Transplantation von Leber und Pankreas bestenfalls in rudimentärer Form.

Der dortige transplantierende Oberarzt war in erster Linie Abdominalchirurg, der auch gelegentlich mal eine Lebertransplantation vornahm.

Mit der Emeritierung des damaligen Leiters der Abdominalchirurgie, Prof. H.W. Schreiber, sollte nun, neben der Knochenmarktransplatation, die sich damals im Aufbau befand, auch die Transplantation von Leber und Bauchspeicheldrüse auf Weltstandard gehoben werden.

Dafür kam aber aus Deutschland kaum jemand in Frage, der mit der Erfahrung von Broelsch und den von ihm initiierten Fortschritten im Bereich der Transplantationsmedizin mithalten konnte. Broelsch erhielt folgerichtig den Ruf und legte in Hamburg, später dann in Essen, los.

Grenzgänger und Tabubrecher
Allerdings muss man Broelsch wohl auch als Grenzgänger und gleichzeitig als Tabubrecher bezeichnen. Grenzgänger insoweit, als er dort weitermachte, wo andere längst aufgegeben hätten.

Tabubrecher insoweit, als er einstmals die Pfortader in einer intraoperativ festgestellten terminalen Situation bei einer Patientin öffnete, woran die Patientin verblutete. Im nachfolgenden Strafverfahren konnte eine signifikante Kausalität des Eingriffs als letztliche Todesursache jedoch nicht festgestellt werden.

Wem er helfen konnte, der wurde zu seinem Bewunderer. Wer starb, dessen Angehörige wurden enttäuscht und nicht gerade zu seinem Freunden. Die Enttäuschung ist umso grösser, je mehr die mit solchen Operationen verbundenen Risiken vor der Operation heruntergespielt werden. Wie weit das für Broelsch zutraf, wird möglicherweise im Prozess zur Sprache kommen.
Broelsch war – auch hier steht er nicht allein – offenbar ein „Besessener“, gerade dort, wo andere keine Chance mehr sahen, da sah er seine Herausforderungen.

Und dass Broelsch nicht nur ein guter Chirug, sondern ein Starchirurg war, einer der absolut Besten seines Faches, auch daran gibt es wenig Zweifel.

Masslosigkeit als Resultat einer Erwartungshaltung
Ohne dem Ergebnis des Prozesses vorgreifen zu wollen, so lässt sich aber wohl zweierlei sagen: ein gewisses Mass an Masslosigkeit und ein Environment, dass diese Masslosigkeit nicht zurechtstutzte, sondern offenbar förderte. Denn jemand wie Broelsch mit seinem ausgezeichneten Ruf motivierte weltweit Patienten, so sie es sich leisten konnten, nach Hamburg und später dann nach Essen zu kommen. Auch der verstorbene ehemalige Bundespräsident Johannes Rau liess sich von Broelsch eine von Krebs befallene Niere herausoperieren.

Die Macht der Krankenhausverwaltung

Anders als noch vor 20 Jahren, müssen Chefärzte heute aber mehr als die Hälfte ihrer Privatliquidationen an die Krankenhausverwaltung abführen, und jemand wie Broelsch brachte die Ladenkasse der Universitätsklinik wohl ordentlich zum Klingeln.

Ansonsten sind die Krankenhaus-Verwaltungen gegenüber den leitenden Aerzten in den letzten Jahren immer mächtiger, man möchte fast sagen dreister, geworden, machen ihnen Vorschriften, kürzen Budgets, jedenfalls dann, wenn sie nicht von der Statur eines Broelsch waren. Bei ihm war das wohl etwas anders.

Weiter gilt: Je höher man in der Medizinerhierarchie aufsteigt, und so hoch wie Broelsch kommen nur sehr, sehr wenige, je unangreifbarer werden sie, komme was da wolle. Und das hat in Deutschland eine lange Tradition. Das schlimmste Beispiel dafür ist das berufliche Ende des wohl bedeutendsten Chirurgen Deutschland, des Professors Ferdinand Sauerbruch, in Buchform glänzend beschrieben durch Jürgen Thorwald Die Entlassung. Das Ende des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch

Heute gibt es eigentlich genügend Sicherungen, die in den Krankenhäusern, anders als zu Sauerbruchs Zeiten, eingebaut sind, und die gerade das verhindern sollen: Ethik-Kommission, Mortality Meetings, pathologische Konferenzen, wo die Klinik-Todesfälle besprochen werden um dann daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Wenn ein Chef sich darüber hinwegsetzt?
Da gibt es doch Oberärzte und Assistenzärzte?.
Wer mit dem Alltag in den Krankenhäusern, insbesondere in den Universitätskrankenhäusern vertraut ist, der weiss, dass dies eine Sicherung ist, die überhaupt nur funktioniert, wenn der Klinikchef nicht mit Furchtverbreitung sondern mit Überzeugung agiert, wenn er Kritik nicht nur zulässt sondern dazu einlädt.

Ich hatte das Glück, mit meinem Eppendorfer Chef, Professor Dieter K. Hossfeld, ehemaliger Leiter der Abteilung Hämatologie/Onkologie, so jemanden gehabt zu haben, der Kritik austeilte, aber auch dazu einlud und eigene Fehlentscheidungen freimütig und vor allem selbstkritisch einräumte. Diese Art der intellektuellen Bescheidenheit ist an Universitätskliniken allerdings keineswegs immer vorhanden.

Wer eine Krankenhaus- oder gar Universitätskarriere anstrebt, der muss sich habilitieren. Selbst kleinere Krankenhäuser verlangen heute für Chefärzte diese Qualifikation, die nichts über die praktischen Fähigkeiten und klinischen Erfahrungen aussagt, also gerade das was in diesen kleineren Krankenhäusern am meisten gebraucht wird. Der Titel „Professor“ soll Patienten anlocken.

Wer das Pech hat, unter einem autoritären Chef zu arbeiten und sich mit ihm anlegt, der kann seine Karriere an den Nagel hängen. Diese Karriereabhängigkeit, die auch Einstellungen bei anderen Kliniken oftmals unmöglich macht, führt dann zu dem was in Zeitungsartikeln als „Duckmäuserei „ bezeichnet wurde, eine höchst ungerechte Betrachtungsweise. „Halbgott in Weiss“, Dr. Mausbach und Professor Ungeheuer in Frankfurt, wer erinnert sich noch an die Auseinandersetzung in den 70er Jahren?

Politiker auf die Anklagebank
Der vor Gericht verhandelte Fall steht aber nicht nur stellvertretend für Machtstrukturen an Krankenhäusern, sondern auch für das Versagen der staatlichen Gesundheitspolitik unter der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, eine Ministerin, die ohnehin kaum eine Gelegenheit auslässt, die Aerzteschaft anzugreifen.

Der Fall Broelsch kommt da vermutlich wie gerufen. Aber dieser Fall hat auch damit zu tun, dass die Krankenhäuser finanziell unterversorgt sind, dass die Abkehr vom Tagessatz zur Fallpauschale die Kliniken nicht nur zwingt, Patienten möglichst schnell zu entlassen, aber auch damit, dass eine geordnete Gesundheitspolitik die auch den Ärzten längerfristiges Planen ermöglicht, überhaupt nicht mehr erkennbar ist.

Der Fall hat auch damit zu tun, dass, um vernünftige Forschung zu betreiben, die Einwerbung von sogenannten Drittmitteln nicht nur wünschenswert sondern zwingend erforderlich ist.

Eine nicht unerhebliche Anzahl von Ärzten wird mittlerweile über Drittmittel finanziert, obgleich sie, zumindest teilweise, an der Patientenversorgung teilnehmen, also eigentlich insoweit von den Universitätskliniken bezahlt werden müssten, aber selbst dafür fehlen die Gelder. Von Forschungsgeldern ganz zu schweigen.

In dieser Situation hat offenbar Prof. Broelsch zu einem Mittel gegriffen, das angreifbar ist, und das ich persönlich für moralisch inakzeptabel halte. Nicht notwendigerweise strafrechtlich relevant, da kommt es auf die weiteren Umstände an, die jetzt im Prozess aufgeklärt werden sollen: Die Zahlung vor der Operation oder die Spende oder wie immer man das bezeichnen will, auch wenn sie nicht in der Privatschatulle des Professors Broelsch landete.
.
Der Patient ist verzweifelt und möchte natürlich die beste Behandlung bekommen, also versucht er irgendwie die Mittel aufzutreiben, nachdem er erkannt hat, dass offenbar nur dies den Zugang zum Starchirurgen erleichtert bzw. ermöglicht.

Spenden als Selbstverständlichkeit
In den USA, wo Professor Broelsch seine Weiterbildung hinter sich brachte, gehört es für viele vermögende Patienten als Ausdruck der Dankbarkeit,oder als Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit dazu, z.T. grosse Summen bereitzustellen.
Es wäre sicherlich erfreulich, wenn eine derartige Einstellung sich auch hier durchsetzen würde.

Bessere Wege
Es hätte wohl kaum jemand etwas einzuwenden gehabt, wenn nach der Operation die Patienten um Zuwendungen gebeten worden wären, aber da wären erstens einmal alle diejenigen weggefallen, bei denen die Operation erfolglos geblieben wäre, zum anderen löst Dankbarkeit leider oftmals eine weniger starke Spendenbereitschaft aus, sofern man das überhaupt so nennen will , wie Verzweiflung. Aber Verzweiflung sollte niemals ausgenutzt werden. Gerade deshalb die Einstufung als „inakzeptabel“.

Dass es auch andere Möglichkeiten gibt, zeigt die seinerzeitige Initiative der Krebskinderklinik Eppendorf damals noch unter Professor Landbeck, wo die Aerzteschaft in der Innenstadt Geld für eine Krebskinderklinik sammelte. Das Echo war enorm. Das Geld kam zusammen. Oder Prof. Hossfeld mit der Errichtung der Abteilung für Knochenmarkstransplantation in Eppendorf – aus Spendengeldern – und zwar nicht von verzweifelten Patienten..
Es gibt also bessere Wege, die von Prof. Broelsch verfolgten Ziele zu erreichen. Und gerade in der Medizin gilt nicht uneingeschränkt der Satz, dass der gute Zweck automatisch die Mittel heiligt.

Wenn man dann die Gesamtsumme allerdings betrachtet, um die es hier geht, weniger als 200.000 Euro, und sie in Relation setzt zu dem, was die Banker – straflos – verzockt haben, nämlich Milliardenbeträge, Zehntausende der Arbeitslosigkeit ausgeliefert haben, einige aus Verzweiflung in den Selbstmord getrieben, dann ist man doch geneigt, Fragen zu stellen, unangenehme Fragen…

Der Verfasser ist leitender Arzt in Gaborone/Botswana und ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M)

Satire zu Ulla Schmidt
Schluss mit den Angriffen auf Ulla Schmidt
Ministerin Ulla Schmidt: Nie wieder unter Hartz IV- Bedingungen leben

SATIRE

Frankreich: Jahrhundertprozess und Liebesnovelle

Dr. Alexander von Paleske — 21.9. 2009 — Nach den unerfreulichen Meldungen über den Jahrhundert-Strafprozess in Frankreich, der heute begann, auch wir mussten diesem Verfahren zwei Artikel widmen, gab es aus dem Land der feurigen Liebhaber nun wirklich auch Positives zu berichten.

Nein, ich meine nicht, wie Ex-Premier Dominique de Villepin sich vor dem Gericht samt Familie aufbaute und im Brustton der Ueberzeugung seine Unschuld proklamierte. Das erinnert doch einfach zu fatal an das schlechte Benehmen des Deutschbankers und Feldherrn Ackermann im Strafprozess um Mannesmann. Solche Vulgärheiten können einfach keine Freude auslösen.

Ein Ex-Präsident verweigert sich
Ich hatte auch erwartet, dass der ehemalige Staatspräsident Chirac seinem einstmals treuen Vasallen zu Hilfe eilen würde und dessen Unschuld bezeugt.

Nein, Chirac hat sich einfach geweigert als Zeuge aufzutreten.
Das kann man verstehen, denn schliesslich könnte ja auch noch sein Zusatz-Altersruhegeld in Höhe von 46 Millionen US Dollar, auf einer japanischen Bank deponiert, das er sich mit dem Fregattenverkauf von der Firma Thales an Taiwan doch redlich verdient hatte, noch zur Sprache kommen. Insbesondere die peinliche Frage, ob seine Frau einen Teil davon für Schuhkäufe ausgegeben hat..

Das hat es ja noch nie gegeben, da könnte ja jeder kommen, wo kämen wir denn dahin.

Intriganten an den Fleischerhaken
Und dann diese vulgäre Aeusserung des Herrn Präsidenten Sarkozy vor Prozessbeginn, dass er den oder die Intriganten „am Fleischerhaken aufhängen wolle“.
Stammt der Herr aus einer Metzgersfamilie? Er sollte doch wissen, dass in Frankreich mit der Guillotine geköpft wird, aber nicht am Fleischerhaken aufgehangen wird.

Nein, das ist doch alles nahe oder in der Gosse. Und nach einem Stossseufzer „Oh mon dieu“ fiel dann mein Blick auf die folgende Meldung, die alle meine positiven Einstellungen über Frankreich wiederherstellte.

Denn rechtzeitig zum Gossenprozess, pardon: Jahrhundertprozess, veröffentlichte der frühere Präsident Giscard d’Estaing ein neues Buch, das in der rechtsliberalen Zeitung Figaro vorabgedruckt wurde, sozusagen ein Veilchen neben dem Prozess-Stinkbovist. Titel: Die Prinzessin und der Präsident. Auszug:

„Die Prinzessin und der Präsident“ beschreibt die leidenschaftliche Liebe zwischen einem französischen Staatschef namens Jacques-Henri Lambertye und einer walisischen Prinzessin namens Patricia, die sich beim Abschlussdiner nach einem Gipfeltreffen der G-7 in London begegnen.
Als er seinen Stuhl zurückgeschoben habe, damit die Prinzessin ihren Platz einnehmen könne, habe sie ihm „einen Seitenblick“ zugeworfen, schreibt der erfundene Staatschef in Ich-Form in dem Buch. Ihr fragender Blick aus „schiefergrauen Augen“ traf ihn demnach auch, als er ihre Hand küsste. „Mein Kopf stand in Flammen und mein Herz zitterte vor Glück, als ich in den Elysée zurückkam und die Stufen hochging“, lässt Giscard d’Estaing seinen Helden erzählen.
„Zwei Wochen vor meiner Hochzeit hat mein künftiger Mann mir gesagt, dass er eine Geliebte hat und entschlossen sei, die Beziehung zu ihr auch nach der Heirat fortzuführen“, lässt der Altpräsident die britische Prinzessin sagen – wer würde an dieser Stelle nicht an Prinz Charles und seine zweite Frau Camilla denken, mit der er jahrelang, auch während der Ehe mit Diana, eine Liebschaft unterhielt.

Ja, da kann man doch befreit aufatmen, Es gibt es also doch noch, dieses Frankreich, voll feuriger Liebhaber, wo die Liebe regiert und nicht der schnöde Mammon. Wo der Seitensprung zelebriert und deutsches Sauerkraut verachtet wird
Vive la France, Vive L’Amour

2 Kommentare
Dr. Carsten Spannhuth (Gast) – 22. Sep, 21:34
choucroute
Da ich in Paris lebe, muss ich doch einwerfen, dass Sauerkraut hier durchaus nicht verachtet wird. Es ist vielmehr von September bis Mai, roh oder gekocht, in jedem Supermarkt und in jeder Fleischerei erhältlich, die auf sich halten. Aber vielleicht wird ja nur „deutsches Sauerkraut“ verachtet, und französisches nicht?

dreamcatcher-traumfaenger (Gast) – 25. Sep, 22:02
Vielen Dank für den guten Artikel

Clearstream ein Megaskandal in Frankreich
Elf – oder Sprit für Bestechungen im Grossformat

……und aus der Abteilung Satire

Schluss mit den Angriffen auf Ulla Schmidt
Ministerin Ulla Schmidt: Nie wieder unter Hartz IV- Bedingungen leben
Hannibal aus Tripolis oder: Ein schweizer Bundespräsident auf Canossa-Reise

kriminalitaet

Elf – oder Sprit für Bestechungen im Grossformat

Dr. Alexander von Paleske —- 20.9. 2009 — Dieser Artikel fällt eher in die Abteilung Zeitläufte, nicht weil die Ereignisse schon sehr lange zurückliegen, sondern weil er sich mit einer Materie beschäftigt, die eigentlich immer noch der Aufklärung harrt, aber, so wie es aussieht, wohl vergeblich.

Dabei geht es hier um Riesenbestechungsgelder, die angeblich an Personen ganz oben in der Politikerhierarchie geflossen sind, und immer wieder taucht ein Name auf: Elf-Aquitaine (jetzt Total).

Nicht dass es jetzt Elf schlägt, nein, auch mit einem Elferrat hat das nichts zu tun, denn es handelt sich nicht um eine Karnevalsveranstaltung, ganz im Gegenteil, vielmehr um offenbar sehr, sehr schmutzige Geschäfte.

Die Länder, die es zu besuchen gilt sind Frankreich, Deutschland und Taiwan und als Knotenpunkt für Geldtransfers das Grossherzogtum Luxemburg.

Auftanken bei ELF
ELF –Aquitaine war ein französischer Mineralölkonzern, bevor er im Jahre 2000 mit Total fusionierte und sich fortan TotalFinaElf nannte.
ELF war nicht nur vorwiegend im Mineralölgeschäft tätig, und unterhielt ein ausgedehntes Tankstellennetz in Frankreich, sondern offenbar gleichzeitig eine „Grosstankstelle“ für eine ausgewählte Kundschaft, vorwiegend Politiker, eine Geldtankstelle sozusagen, also ein Knotenpunkt für Bestechungen im Grossformat.

Der Sprit lief angeblich auch über Finanz-Clearing-Firmen wie CEDEL, angeblich ohne deren Wissen.

Seit 2000 ist Cedel in Clearstream aufgegangen, ein Finanzinstitut in Luxemburg, über das wir gerade berichtet haben. Es gehört seit 2002 voll der Deutschen Börse AG und wird von morgen ab, zumindest namensmässig, im Zentrum eines hochpolitischen Strafprozesses stehen, denn der vor Gericht verhandelte Skandal ist nach ihm benannt: Der Clearstream II -Skandal.
.
Ein Blick zurück
Starten wir in Taiwan, eine grosse Insel und ein Gebilde, das im Prinzip eine Provinz Chinas ist, wohin sich der Kuomintang- Führer Tschiang Kai-schek mit den Resten seiner geschlagenen Armee seinerzeit hinflüchtete, nachdem MaoTse-tung ihn aus dem Kernland China vertrieben hatte.

Eine Insel, die staatliche Eigenständigkeit beanspruchen will, aber nur noch von weniger als einer Handvoll Staaten als eigenständiger Staat anerkannt wird.

Taiwan wollte Ende der 80er Jahre Fregatten kaufen, um gegen Angriffe der Volksrepublik China besser gewappnet zu sein.
Sechs Fregatten sollten es sein, zum Gesamtpreis von 2,8 Milliarden US Dollar, angeblich darin 350 Millionen US Dollar Schmiergelder versteckt.

Aber jedes Land, das solch einen Auftrag annimmt, muss sich anschliessend auf diplomatische Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik China gefasst machen, bis hin zum Handelsboykott.

Auf der anderen Seite sind solche Fregatten natürlich ein verlockendes Geschäft, weil zu dem normalen Kaufpreis noch erhebliche, sagen wir mal „Unbequemlichkeitszuschläge“ für die dann zu erwartenden diplomatischen Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik China hinzukommen.

Aber nicht nur das, auch innerhalb eines auftragnehmenden Landes, und da kommen nicht viele in Frage, führt so etwas dann in der Regel noch zu innenpolitischen Auseinandersetzungen.

Also, die französische Firma Thomson CSF, die sich jetzt Thales
nennt, war hochgradig interessiert. Aber der damalige französische Aussenminister Roland Dumas,
der sozialistischen Partei angehörend, sagte 1990 NEIN, vorläufig jedenfalls.

Ein Politiker fällt um
Daraufhin trat die bereits erwähnte Firma ELF-Aquitaine in Aktion, getreu dem Motto „Wer gut schmiert, der gut fährt“ und bestach Dumas. Dumas fiel um, der Fregattenbau begann.
Der Politiker Dominique Strauss-Kahn,
auch er Mitglied der sozialistischen Partei, aber eher deren rechtem Flügel damals angehörend und ausserdem Mitglied einer Freundschaftsgesellschaft Frankreich –Taiwan, soll angeblich ebenfalls „Unbequemlichkeitszuschläge“ kassiert haben.

Strauss-Kahn musste aus anderen Gründen zurücktreten, verschwand aber, anders als Roland Dumas, anschliessend nicht in der politischen Versenkung, sondern wurde wieder Minister und ist heute Chef des IMF, des internationalen Währungsfonds.

Ein Offizier wird ermordet
Wäre ja alles gutgegangen, wenn in der taiwanesischen Armee nicht jemand versucht hätte, sich querzulegen, ein Offizier namens Yin Ching- Feng, der ein kritisches Dossier über dieses Fregattenbauprogramm verfasst hatte. Also musste der aus dem Wege geräumt werden. Er wurde 1993 ermordet.

Die Schüsse auf ihn gingen aber letzten Endes nach hinten los, denn die Polizei Taiwans trat nun in Aktion, und bei deren Untersuchungen stellte sich heraus, dass 1/3 der oben angegebenen Bestechungsgelder an taiwanesische Generäle zwecks „Gehaltsaufbesserung“ geflossen waren, der Rest angeblich an hochgestellte politische Persönlichkeiten in Frankreich.

Auch der ehemalige Präsident Frankreichs, Chirac, soll profitiert haben. Die satirische Zeitung Canard Enchaine
jedenfalls berichtete von 45,5 Millionen US Dollar, die angeblich auf einer japanischen Bank für Chirac bereitstünden.

Die anderen Bestechungsgelder seien angeblich dann unter anderem über Cedel, der Vorgägerin von Clearstream, auf Geheimkonten gelandet, was von Cedel/Clearstream allerdings heftig bestritten wird.

Nachdem die Angelegenheit ruchbar wurde, bemühte sich die französische Justiz Licht in die Affäre zu bringen, um dann ggf. Anklagen zu erstellen – bisher vergeblich.

Aber einen anderen Prozess gab es bereits, einen Schiedsgerichtsprozess. ELF wollte nämlich jetzt seinen Lohn für die intensive Lobbyarbeit bekommen, siehe oben. Aber Thomson/Thales wollte nicht zahlen. Darauf hin verurteilte ein Schiedsgericht Thomson CSF zur Zahlung.
Auch Schmiergelder müssen ja wohl bezahlt werden, jedenfalls dann, wenn sie von anderen vorgeschossen werden, möchte man meinen, jedenfalls in diesen Kreisen.

Elf und die Leuna-Affäre

Als Mineralölfirma hat ELF- Aquitaine natürlich mit Schmierfetten zu tun, aber auch in Deutschland, wie zuvor in Frankreich, handelte es sich um Schmierfette der besonderen Art.
Damit sind wir beim Leuna -Skandal angekommen.
Dieser Skandal hat mit einem Tankstellennetz aus DDR Zeiten zu tun, genannt Minol, was hochprofitabel war, und das wollte Elf Aquitaine gerne kaufen, nicht nur Elf- Aquitaine, es gab noch andere Interessenten.
Aber dazu musste noch eine Kröte geschluckt werden, nämlich die marode Raffinerie Leuna, wo praktisch ein Neubau erforderlich war, und dazu die Beseitigung der Altlasten, nicht zu vergessen.

Hier half die Kohl-Regierung und das Land Sachsen, oder soll man sagen köderte, mit unglaublichen Subventionen in Milliardenhöhe. So verwandelte sich die „Kröte“ dann in „leckere Froschschenkel“.
Details finden sich hier.

Das interssiert uns aber weniger. Wir sind vielmehr an den von ELF-Aquitaine vorgenommenen angeblichen Schmiergeldzahlungen an Partei(en) oder Politiker in Deutschland interessiert, die niemals aufgeklärt wurden, jedenfalls nicht in Deutschland. Immerhin aber in Frankreich, dank der hervorragenden und unerschrockenen Untersuchungsrichterin Eva Joly.

Als Zahlmeister und Bestechungskassenwarte für die Schmiergeldzahlungen fungierten der ELF-Mann Alfred Sirven und der Konzern-Manager Le Foch-Prigent
Auf deutscher Seite waren als Empfänger der Schmiergeldzahlungen angeblich der mittlerweile wegen anderer Delikte verurteilte Rüstungslobbyist und Ex-Staatssekretär Ludwig Holger Pfahls
und Dieter Holzer beteiligt. Pfahls tauchte 1999 für 5 Jahre unter und wurde erst im Jahre 2004 in Paris gefasst.

Die Strafverfolgung blieb jedoch bei ELF in Frankreich stehen, niemals schlug es zwölf für die Verdächtigen in Deutschland und anderswo. Dafür gab es aber offenbar Bundeslöschtage

Es hätte doch nahegelegen, mal in Luxemburg vorbeizuschauen, und dort zu sehen, ob Herr Pfahls die von ELF übermittelten Geldströme so lange hin- und herschob, bis sie im Konten- Nirwana verschwanden. Aber es ist mit dem Geld so, wie mit den Donau-Versickerungen: Sie kommen irgendwo wieder ans Tageslicht, und finden könnte man sie auch, wenn man nur intensiv suchen würde .

Hier sind die Staatsanwaltschaften offenbar überfordert.

In einem Interview, das ich vor acht Wochen mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Hansjürgen Karge, führte, schnitt ich auch dieses Thema an:

Frage: Die Staatsanwaltschaften nennen sich scherzhafterweise manchmal Einstellungsbehörden statt Strafverfolgungsbehörden, weil mehr als 70 Prozent aller Verfahren eingestellt werden.
Ist die Staatsanwaltschaft nicht „Klassenjustiz“ insofern, als Tagediebe, Handtaschenräuber etc., wo der Sachverhalt meistens recht einfach aufzuklären ist, verfolgt, angeklagt und verurteilt werden, hingegegen Wirtschaftkriminelle, wo der Sachverhalt oftmals komplex ist, wo Sachverständige notwendig sind, weil den Staatsanwälten die erforderlichen Kenntnisse fehlen, oftmals frei ausgehen, weil die Staatsanwaltschaft kapituliert?

Antwort:Ich selbst habe mich nach zwei Jahren allgemeiner Kriminalitätsbekämpfung auf das Wirtschaftsstrafrecht gestürzt, aus genau diesen von Ihnen genannten Gründen. Es gab aus vielen soziologischen Untersuchungen, beispielsweise aus den USA, die Erkenntnis, dass vornehmlich der Kleinkriminelle verfolgt wird. Boshafterweise könnte man sagen: Das entspricht dem, was die Staatsanwälte können.

Wenn es kompliziert wird, wozu die organisierte Kriminalität im allgemeinen aber insbesondere die Wirtschaftskriminalität gehört, war jedoch die Hoffnung, dass wir auch da effektiver werden können.

Man hatte zuerst in Nordrhein-Westfalen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften gegründet, inzwischen gibt es überall schwerpunktmässig arbeitende Wirtschafts-Staatsanwälte.

Jedoch, wir sind, aus meiner Sicht gesehen, letztlich gescheitert. Die Justiz hat nicht die finanziellen Resourcen gehabt, um genügend gute Fachleute einzustellen. Und neben den Fachleuten muss die Justiz Staatsanwälte haben, die den energischen Willen haben, Straftaten zu verfolgen. Das ist nichts Anstössiges, wie manche „fortschrittliche“ Menschen meinen.
Verfolgungswillen zu haben, und sich auch wehzutun beim Arbeiten, und nicht nachzugeben, ohne diesen starken Willen wird man bei schwierigen Komplexen keinen Erfolg haben.

Und daran fehlt es neben der Masse und den Resourcen. Es ist nicht so sehr die fehlende wirtschaftliche Ausbildung der Staatsanwälte, es ist der Wille, zu verfolgen und natürlich die Möglichkeiten der Unterstützung durch die Polizei und durch Wirtschaftsfachleute, die uns nach wie vor weitgehend fehlen.
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Das gesamte Interview hier

E-Mail avonpaleske@yahoo.de

Clearstream ein Megaskandal in Frankreich
Justiz in der Krise oder Krisenjustiz?

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SPIRI: Wieder Steigerung bei Rüstungsexporten

Thomas Mitsch – Im Mai 2009 veröffentlichte das Stockholmer Institut für Internationale Friedensforschung (SPIRI) eine Analyse, die besagt, dass Deutschland mit 10 Prozent seinen dritten Platz in der Liste der größten weltweiten Waffenexporteure verteidigte. Weiterhin führt die USA mit 31 Prozent, gefolgt von Russland mit 25 Prozent die Liste von Exporten von Rüstungsgütern an. Eine Zusammenfassung der Analyse kann im Internet heruntergeladen werden: SIPRI

Deutsche Exporte
Deutschland steigerte seine weltweiten Exporte von 7 auf 10 Prozent. Um 123 Prozent haben sich die deutschen Ausfuhren zwischen 2004-2008 gegenüber dem Zeitraum 1998-2003 an europäische Länder gesteigert. Das Bestreben, einen einheitlichen europäischen Rüstungsmarkt herauszubilden, scheint hier Fürchte zu tragen. Die gesamten Rüstungsexporte Deutschlands stiegen in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent.

Davon gingen 57 Prozent an europäische Staaten. Mit 15,2 Prozent war die Türkei der größte Empfänger deutscher Rüstungsexporte gefolgt von Griechenland mit 12,9 Prozent und Südafrika mit 12,4 Prozent. Hier waren vor allem Leopard Panzer vom Typ 2A4 sowie in Lizenz gebaute U-Boote die Exportschlager.

Insgesamt stiegen die deutschen Rüstungsexporte von 8,7 Milliarden Dollar auf 11,5 Milliarden Dollar (Die Angaben vom Stockholmer Friedensinstitut liegen höher als die offiziellen Zahlen, da es gebrauchte Militärausrüstung und andere Formen von Militärhilfen mit einbezieht).

Internationale Exporte
Die globalen Rüstungsexporte stiegen in den Jahren 2004-2009 gegenüber 1998-2003 um 21 Prozent. Hier fällt auf, dass vor allem der Nahe Osten bzw. die dortigen Krisenregionen massiv aufgerüstet wurden. Sie stehen für 18 Prozent des Handels mit Rüstungsgütern weltweit. Die Rüstungseinfuhren in diese Länder stiegen um 38 Prozent. Allein 37 Prozent der amerikanischen Ausfuhren gingen in diese Länder, u.a. 207 Flugzeuge und 5000 Bomben.

Hauptabnehmer der amerikanischen Exporte waren Süd Korea (15%), Israel (13%) und die Vereinigte Arabische Emirate (UAE) mit (11%).

Ebenfalls steigerte Russland seine Exporte um 14 Prozent, wobei die Hauptabnehmer Asien, Afrika und Lateinamerika waren. Hier waren Kampfflugzeuge und Marineschiffe die Exportschlager.

Auf Platz 4 der Rüstungsexporteure steht Frankreich, das 40 Prozent seiner Waffenexporte ebenfalls in Staaten des Nahen Osten lieferte, gefolgt von Großbritannien. Die größten Kunden Großbritanniens waren die USA mit 21 Prozent und Indien mit 14 Prozent aller Lieferungen. Allein Indien ist gerade dabei 66 Hawk-100 Trainer Flugzeuge und 20 Jaguar-S Fighter Flugzeuge zu erhalten. Ebenfalls sollen auch noch insgesamt 72 Typhoon Combat Flugzeuge im Jahr 2009 an Indien geliefert werden.

Einzig China hat seine Einfuhren von Rüstungsprodukten stark eingegrenzt. Das liegt daran, dass China sich selbst immer mehr zum Waffenhersteller entwickelt. So gibt es insgesamt wenig erbauliches über den Stand der Bemühungen zu berichten, den weltweiten Waffenexport einzudämmen – leider!

sendenThomas Mitsch ist Mitglied der BAG rote reporter/innen der Partei DIE LINKE.

Frankreich

Clearstream – Ein Megaskandal in Frankreich

Dr. Alexander von Paleske — 14.9. 2009 — Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, pflegte zu Journalisten zu sagen „Wir haben so viel Dreck im eigenen Land, dass wir uns um die anderen gar nicht zu bekümmern haben“

Wohl wahr, gleichwohl wollen wir uns heute mal nicht daran halten, sondern über den Zaun nach Frankreich blicken, dort steht am 21. September in Paris ein Gerichtstermin an, nicht irgendeiner, sondern Termin in Sachen Clearstream-Skandal.

Nicht irgendein Skandal, sondern einer, der in den obersten Etagen der Politik und Wirtschaft spielt.

Dies ist nun schon der zweite hoch angesiedelte Gerichtsfall in Frankreich neben dem noch laufenden „Angolagate-Prozess“, über den wir bereits ausführlich berichteten. Und während es beim Angolagate um schmutzige Waffenlieferungen in einen afrikanischen Bürgerkrieg in den 90er Jahren geht, handelt es beim Clearstream-Skandal um angeblich geheime Bankkonten, vor allem aber um einen offenbar schmutzigen Machtkampf um die seinerzeitige Nachfolge des französischen Staatspräsidenten Chirac, der mittlerweile bekanntlich zugunsten von Nicolas Sarkozy entschieden ist.

Und es ist der zweite Skandal mit dem Namen Clearstream. Doch Nomen ist diesmal offenbar keineswegs Omen. Im Gegenteil!.

Clearstream – ein Blick zurück
Wer ist Clearstream und was macht diese Firma?
Clearstream International S.A ist eine Tochter der Deutschen Börse AG, allerdings nicht mit Sitz in Frankfurt, sondern in Luxemburg. Nicht in Deutschland, sondern dort, wo das Bankgeheimnis offenbar besser vor neugierigen Blicken ausländischer Staatsanwaltschaften und Steuerbehörden geschützt ist.

Die Firma Clearstream ist im Jahre 2000 hervorgegangen aus einer Fusion der beiden Clearing-Häuser Deutsche Börse Clearing AG und der CEDEL International.

Aufgabe dieser Gesellschaft ist die Sammelverwahrung von Wertpapieren, denn die einzelnen Banken verwahren heutzutage keine Wertpapiere mehr. Der Wert dieser bei Clearstream eingelagerten Wertpapiere beläuft sich auf rund 10 Billionen Euro.
Mit anderen Worten: Wenn irgendwo in Deutschland Wertpapiere gekauft und verkauft werden, dann bekommt Clearstream das mit, dort lagern sie ja. Clearstream rechnet dann zwischen den Banken ab, und verdient gut daran.

Die Banken müssen also beim Kauf von Papieren kein Geld mehr über die Strasse tragen. Und bunkern brauchen sie die Wertpapiere eben auch nicht mehr, das macht alles Clearstream. Sozusagen ein Lager- und Verrechnungshaus, aber nicht nur das, sondern natürlich über eine Tochtergesellschaft auch eine richtige Bank. mit Konten und allem Drum und Dran was eben so zu einer Bank gehört.

Clearstream ist aber nicht nur Lagerverwalter, sondern international auch als Wertpapier- Finanzierer und Investmentfond-Dienstleister tätig , eine richtig dicke Adresse, noch dazu im finanzfreundlichen Grossherzogtum Luxemburg.

2500 Finanzinstitute in über 100 Ländern sind Kunde bei Clearstream. 150 Millionen Transaktionen waren es bereits im Jahre 2000, dem Gründungsjahr..

Die Gesamttransfersumme betrug 10 Trillionen Euro.

In der breiten Oeffentlichkeit kannte kaum jemand die Firma, die im Jahre 2002 von der Deutschen Börse voll übernommen wurde.

In Zukunft wird die Bedeutung von Clearstream noch weiter steigen, nämlich dann, wenn die bisher über den Tresen gehandelten Derivate wie Swaps, mitursächlich für die Weltfinanzkrise, nunmehr über Clearinghäuser laufen müssen.

Und gerade hat der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass, jedenfalls vor einigen Jahren, Clearstream eine Art marktbeherrschende Stellung hatte, die es offenbar ausgenutzt hat, um sich Konkurrenten vom Leibe zu halten. Wie unschön.

Nicht alles hasenrein?
Wer so viele Transaktionen bewerkstelligt, durch dessen Hände rinnt auch kriminelles Gut – zwangsläufig- , also Papiere der Mafia, sei es der italienischen, sei es der russischen, und natürlich auch von Terrororganisationen, dann auch aus Waffen- und Drogengeschäften.

Die Fragen sind nur: Weiss Clearstream davon, könnte Clearstream davon wissen oder hat Clearstream sogar die Wertpapier- und Geldtransfers dieser kriminellen Organistaionen erleichtert oder zumindet nicht unterbunden? Diesen Fragen sind zwei investigative Journalisten nachgegangen, einer davon vom Bankfach und ehemals bei CEDEL international: Ernest Backes und Denis Robert.

Im Jahre 2001 erschien ihr Buch , das sich mit Clearstream und dessen angeblichen Machenschaften beschäftigt: Révélations- dt: Das Schweigen des Geldes.

Das Buch löste den ersten Clearstream Skandal aus. Die Anschuldigungen der Journalisten betreffen auch den französischen Rüstungsriesen Thomson CSF/Thales und seine Geschäftsbeziehungen zu Taiwan >aber ebenso andere Grossfirmen.

Insgesamt war jedoch die Beweisführung der Autoren wohl zu dünn, was Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz auf Seiten von Clearstream und seinen Managern angeht, obwohl man vermuten darf, dass die Autoren sich auf Insider- Infos stützen konnten, Infos, für die sich auch der BND interessierte, dessen Mitarbeiter Backes offenbar dann wurde.

Und so verlor der Autor Robert gleich mehrere gegen ihn angestrengte Verleumdungsklagen.

Die Staatsanwaltschaft in Luxemburg stellte die Ermittlungen gegen Clearstream im Jahre 2004 ein.
Zu den weiteren Hintergründen siehe hier

Langsam verschwindet Clearstream wieder aus den Schlagzeilen. Aber doch nur kurzfristig, wie man sehen wird.

Aus Clearstream I wird Clearstream II
Drei Jahre nach der Veröffentlichung des Buches , also im Jahre 2004, taucht plötzlich eine Liste mit angeblichen weiteren Clearstream-Geheimkonten auf und landet auf dem Tisch eines französischen Untersuchungsrichters, der Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit Fregattenlieferungen an Taiwan nachgeht.

Die Papiere wollen glauben machen, dass russische Oligarchen über Clearstream ganze Unternehmensgruppen unterwandern und kontrollieren. Also das, was schon die Enthüllungsjournalisten Backes und Robert in ihrem Buch behauptet hatten.

Dies war offenbar nur das „Warmlaufen“, denn kurz darauf folgt eine weitere Sendung, die eine Liste mit angeblichen Geheimkonten enthält, welche aber diesmal mit Namen verknüpft sind. Als Konteninhaber werden genannt :

– Der Vizepräsident von Airbus, Philippe Delmas

– Der damalige Finanzminister und nunmehrige Staatspräsident Nicolas Sarkozy,

– Der Ex Minister Dominique Strauss-Kahn

– Der Ex-Innenminister Jean-Pierre Chevènement

– Und der UMP-Abgeordnete Alain Madelin.

Absender der Papiere: Vorläufig unbekannt.

Französische Intrigenwirtschaft
Das hat nun offenbar alles weniger mit der Firma Clearstream zu tun, als vielmehr mit einer Intimfeindschaft zwischen dem damaligen Innenminister und späteren Premier Dominique de Villepin, vom damaligen Staatspräsidenten Chirac als sein Nachfolger auserkoren, und Nicolas Sarkozy, dem jetzigen Präsidenten Frankreichs und damaligen Finanzminister.

Parallel dazu tobt bei der Luftfahrtfirma EADS/Airbus ein Pöstchenmachtkampf gleicher Art, nämlich zwischen dem Vizepräsidenten von EADS , Jean Louis Gergorin und dem Vizepräsidenten von Airbus, Delmas. Als als ob es da nicht schon genügend Probleme mit der Herstellung des Airbus A 380 gäbe.

Mein Feind ist dein Feind
Was Gergorin und de Villepin offenbar vereint, ist die Verachtung Sarkozys. De Villepin nennt ihn einen Zwerg, und darüberhinaus vereint beide der starke Wunsch, die Präsidentschaft Sarkozys unter allen Umständen zu verhindern.
Und so kommt es angeblich zu einer Gemeinschaftsaktion von de Villepin und Gergorin.

Ein schillernder Geheimdienstmann betritt die Bühne
Somit haben wir schon einmal zwei der insgesamt fünf Angeklagten in diesem Prozess vorgestellt, Gergorin und de Villepin. Die Anklage lautet auf Diffamierung, Verschwörung, Urkundenfälschung, Diebstahl und Hehlerei.

Der Dritte im Angeklagten-Bunde ist der Computerspezialist und Geheimdienstmitarbeiter Imad Lahoud, seines Zeichens Neffe des ehemaligen libanesischen Präsidenten Emile Lahoud
und vom französischen Geheimdienst angeheuert um Bankverbindungen von Osama bin Laden aufzudecken.

Lahoud wurde von dem Top-Gemeindienstmann Frankreichs, General Rondot, bei Gergorin seinerzeit vorgestellt und von diesem dann bei EADS untergebracht. Ein richtig schönes Netzwerk.

Eine Intrige nimmt ihren Lauf
Dieser Imad Lahoud trifft nun auf den Enhüllungsjournalisten Denis Robert, den wir bereits erwähnten, auch er ein Angeklagter in diesem Prozess.

Und nach dem Motto gib Du mir was und ich geb Dir was, erhält Lahoud von Denis Robert die Clearstream- Liste. Diese Liste wurde angeblich von dem weiteren Mitangeklagten Florian Bourges, einem Angestellten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen bei Clearstream gestohlen dann offenbar an Denis Robert weitergereicht.

Ueber Gergorin landet diese Liste dann auf dem Tisch eines Untersuchungsrichters, selbstverständlich ohne Absenderangabe.

Erst im Jahre 2006 gesteht Gergorin seine Absenderschaft und fliegt prompt bei EADS raus.

Lahoud ergänzte angeblich die Liste im Beisein des damaligen Polizei-Geheimdienstchefs, Yves Bertrand, noch ein wenig, wie er nun gestanden hat, und setzte, nach seinem sensationellen Geständnis, eben auch unter anderem den Namen von Sarkozy drauf.

Der Geheimdienstchef wiederum behauptet aber, diesen Lahoud niemals getroffen zu haben, geschweige denn in seinem Büro zugeschaut zu haben, wie Lahoud die Liste verschwörungsmässig auf Vordermann brachte.

Das Strafverfahren nimmt seinen Lauf
Sarkozy tobt, er will ein Strafverfahren gegen die angeblichen Intriganten, vor allem natürlich gegen de Villepin, und das bekommt er nun. Denn mit dem Geständnis von Lahoud und dem Geständnis von Gergorin hat die Staatsanwaltschaft offenbar genügend Belastungsmaterial in den Händen.

Mit de Villepin sitzt nun ein ehemaliger Premier auf der Anklagebank, zwar kein Novum in Frankreich, bereits der frühere Premier Alain Juppé wurde vor fünf Jahren wegen Korruption verurteilt, aber eher ungewöhnlich.

Der Ex- Geheimdienstchef Bertrand ist Zeuge in dem nun anstehenden Prozess und nicht Angeklagter. Er hat in einem Interview mit der Londoner Zeitung SUNDAY TIMES das am 13.9. 2009 veröffentlicht wurde, schon einmal vorab erklärt, dass hier Präsident Sarkozy einen Rachefeldzug gegen seinen einstmaligen Widersacher de Villepin betreibe.

Das Notizbuch dieses Geheimdienstlers Bertrand befindet sich auch in den Gerichtsakten. Dort finden sich allerlei Eintragungen, die mehr eines Joseph Fouche, des Polizeiministers Napoleons, würdig sind.

Eine Notizbuch-Reise nicht etwa in die politische Unterwelt,
sondern stattdessen in die Unterwäsche der Creme de la creme, also wer mit wem ins Bett gegangen ist, ausserehelich versteht sich, und wer ausserdem noch Kokain geschnupft hat.

Immerhin, das Wort „Unter“ haben beide Reisen ja gemeinsam.
.
Und so stellt sich die Frage, wie eigentlich bei diesen ganzen Intrigen noch Zeit für das Regieren geblieben ist.

Sarkozy hat sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen und einen der durchdringensten Advokaten zur Vertretung seiner Interessen in dem Prozess bestellt, den Herrn Thierry Herzog, der Sarkozy angeblich versprochen hat, den Kopf des Herrn de Villepin auf einem Tablett zu servieren.

Apropos Kopf, in dem gleichen Raum, in dem der Prozess stattfindet, dem wohl ganz Frankreich interessiert zuschauen wird, fand vor 216 Jahren der Prozess gegen Königin Marie Antoinette statt. Sie endete bekanntlich unter der Guillotine.
.
Ja, so aufregend kann es zugehen in der Politik und Wirtschaft. Nicht nur in Frankreich, das sollten wir ergänzend anmerken.

Nachtrag 17.5. 2011
Der Journalist Denis Roberts hat mittlerweile in letzter Instanz gegen Clearstream in Paris in vollem Umfang gewonnen. Clearstream musste eine empfindliche gerichtliche Niederlage einstecken.
Details hier:

David gegen Goliath: Französischer Journalist Denis Robert obsiegt im Verfahren wegen übler Nachrede gegen die Deutsche Börse-Tochter Clearstream.

Angolagate in Frankreich – Geldgier, Geschütze und Granaten
Angolagate in Frankreich – Ein Schmiergeldprozess mit Prominenten nähert sich dem Ende
Elf oder Sprit für Bestechungen im Grossformat

deutschland

Die CSU ist bekanntlich näher am Menschen… und die Bayerische Staatsregierung selbst?

Erich Neumann – Wahlkampfzeit ist und eine Flut von halt- wie und unhaltbar phantastischen Wahlver-sprechen wabern durch die diversen Talkshows wie die Rauchschwaden durch die (vergehende?) Glückseeligkeit Bayerischer Bierzeltkultur.

Besonders zupackend und gewollt populistisch gibt sich dabei Landsvater und CSU-Vorsitzender Horst Seehofer. Auch wenn er erst kürzlich den Geist von FJS zum Weiterleben dekretierte, stellt sich die Frage, ob dies auch für die Ungeister dieser Epoche gelten muss, oder nicht vielmehr ein markantes Aufräumen damit zu neuer Wählergunst führen würde?

Die Gebrüder Förstl – Hoteliers – aus Kirchheim bei München können ein Lied davon singen, denn seit über 30 Jahren werden sie von allen Ebenen der Bayerischen Polit-landschaft buchstäblichst im Regen stehen gelassen.

Angefangen hat Alles mit einer rechtswidrigen Baugenehmigung der Gemeinde Kirchheim. Vergleichbare Bauten – bei denen die Eigner als seinerzeitige Gemeinde-ratsmitglieder zumindest keine Nachteile erfuhren – gibt es eine ganze Reihe, doch scheint es, als hätte man hier nun quasi ein Exempel statuieren wollen.

Obwohl der seinerzeitige Landrat keine ausreichende Gründe dafür sah und höchste Gerichte die Rechtswidrigkeit bestätigten, verschleppt der Bayerische Staat das Verfahren Jahr um Jahr – gerade als wolle er es über die Lebzeit der Geschädigten bringen und sich so seiner Verantwortung entziehen.

Lt. Gerichtsentscheid zu leistende Zahlungen unterbleiben mangels Haushaltsmitteln und ein ursprünglich durch ca. TDM 300 zu regelnder Schaden hat sich zwischenzeit-lich auf über € 3 Mio. aufgeschaukelt – ein Ende dabei noch lange nicht in Sicht.
Zu Zeiten leerer Kassen und mannigfaltigster Rettungsschirme für die Großen ein Ge-bot der Wahrung von Bürgerinteressen endlich auch konstruktiv und präventiv – was sagen bsw.

Oberster Bayersicher Rechnungshof oder Bund der Steuerzahler trotz bis-herigem Schweigen auf erfolgte Anfragen zu dieser Geldvernichtung wirklich? – an diese leidige Thematik heranzugehen – Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen!

In höchster persönlicher Not hat sich Toni Förstl (56) im Sommer zu einem Protest wie Hilferuf um öffentliche Aufmerksamkeit entschlossen und für einige Stunden in luftiger Höhe am örtlichen Maibaum angekettet.

Im Boulevard registriert, doch für die Bayerische Politik dennoch nach wie vor kein Anlass, näher an den Menschen zu rücken!?

Die BürgerInnen im Freistaat werden es am 27. September mit zu bewerten wissen!

www.ig-mueller-risch.de

sendenErich Neumann ist freier Journalist – Mitglied im DPV Deutscher Presse Verband e. V.

sport

Caster Semenya – Tragödie einer südafrikanischen Athletin

Dr. Alexander von Paleske — 13.10. 2009 — Ich habe mit diesem Artikel bewusst gewartet, um nicht in den Chor derjenigen einzustimmen, die Rassismus-Vorwürfe gegenseitig erheben.

Denn was sich abgespielt hat, das ist der Stoff für eine Tragödie, bei der eine junge (schwarze) Athletin droht unter die Räder zu kommen, karrieremässig ohnehin, aber auch und vor allem emotional.

Was war geschehen?
Caster Semenya ist eine südafrikanische Top-Athletin, die kürzlich in Berlin die Goldmedaille im 800 Meter-Lauf gewann.

Caster Semenya ist eine Frau, allerdings eine Frau, die zur Gruppe der Pseudo-Hermaphroditen gehört, also Menschen, die einen männlichen Chromosomensatz haben, auch 46,XY genannt, aber äusserlich eine Frau sind, als Frau aufwachsen und sich als Frau fühlen.

In diesen Fällen handelt es sich um das Nichtansprechen der Zielorgane auf männliche Hormone, auch Androgenresistenz genannt.
Ein angeborenes Leiden, wenn man so will. Die Betroffenen wehren sich aber zu Recht dagegen, als Kranke bezeichnet zu werden.

Den Betroffenen fehlen die Gebärmutter und die Eierstöcke stattdessen haben sie Hoden, ohne Hodensack, irgendwo im Bauchraum versteckt.
Diese Hoden produzieren Hormone, männliche Hormone.
Also äusserlich eine Frau, mit oftmals deutlich erhöhtem Testosteronspiegeln, was wiederum von den Muskeln ein dann eher männliches Erscheinungsbild hervorrufen kann.

Da sich die Betroffenen zu Recht als Frau fühlen, als Frau aufwachsen, ist es Aufgabe der Medizin, hier helfend einzugreifen, z.B. durch Entfernung der Hoden, so man sie findet und Substitution mit weiblcihen Hormonen, so erforderlich.

Vor all dem geht es aber darum, behutsam mit dem Patienten die Möglichkeiten zu besprechen, also eine Beratung durchzuführen, die den Patienten auf die mögliche Diagnose vorbereitet.

Das erfordert nicht nur grosse Erfahrung als genetischer Berater, sondern auch ein erhebliches Einfühlungsvermögen als Arzt.
Oftmals kommen die Patienten zum Arzt, weil sie keine Menarche also den Beginn der Monatsblutungen haben.

Was sich aber im Falle von Caster Semenya abgespielt hat, ist an Erbärmlichkeit kaum noch zu unterbieten.

Blut, das mit ihrer Zustimmung entnommen wurde, um es auf Hormone und mögliche Dopingmittel zu testen wurde dann aber zur Chromosomenanalyse benutzt.

Ueber die Presse konnte sie erfahren, dass sie eine Pseudo-Hermaphroditin ist.

Eine australische Zeitung brachte die Nachricht, die dann weltweit verbreitet wurde. Dem Journalisten Mike Hurst wurde diese Nachricht offenbar von der International Association of Athletics Federations ( IAAF) zugesteckt.

Schlimmer geht’s nimmer.

Und so reagiert dann zu Recht die südafrikanische Presse darauf.


Saturday Star vom 12.September 2009


Star vom 11. September 2009

Wirtschaftskrise

Vor einem Jahr: Lehman-Pleite am 15.9.2008 und Beginn der Weltfinanzkrise

Dr. Alexander von Paleske – War da was? Der Deutsche Aktienindex DAX schon wieder über 5400 Punkten, die Talsohle der Krise offenbar erreicht, die Deutsche Bank schreibt schon wieder Milliardengewinne.

Eine rhetorische Frage, denn schliesslich handelte es sich um die schwerste Finanz-und Wirtschaftskrise weltweit seit 1929 und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland werden in ihrer vollen Wucht erst in den nächsten Monaten zum Tragen kommen. Dann nämlich, wenn in grossem Umfang Kurzarbeiter entlassen werden.

Ausserdem halten sich angeblich Firmen mit Entlassungen vor den anstehenden Bundestagswahlen zurück, um damit die Chancen einer schwarz-gelben Regierung zu verbessern, wie die Financial Times Deutschland berichtete.

Aus den USA haben wir schon ein paar Zahlen, was die Krise gekostet hat:

– 5 Millionen Arbeitsplätze vernichtet

– 1 Million Häuser zwangsversteigert

– 26 Billionen Dollar an Ersparnissen vernichtet

– Der gleiche Betrag noch einmal in die Wirtschaft
gepumpt, um einen weiteren Absturz zu verhindern.

War sonst noch etwas?
Ja natürlich, dass die Politiker unisono erklärten, von der Krise überrascht worden zu sein. Das erstaunt, denn es gab ja einige Warnungen und genügend Warnhinweise nach der Subprimekrise, , u.a. haben auch wir hier mehrfach auf die bevorstehende Weltfinanzkrise hingewiesen.

Dann dass Frau Merkel sie zunächst einmal für ein rein US-amerikanisches Phänomen hielt, mit dem man selbst eigentlich gar nichts zu tun habe.

Dass beim ersten Rettungsversuch der Hypo Real Estate Worte fielen wie , „das dürfe sich aber auf gar keinen Fall wiederholen“. Und dass die Staatsbank KfW noch schnell 300 Millionen an die Lehman-Bank nach deren Pleite überwies – Peanuts in der Bankensprache.

Mittlerweile sind aus diesem ersten goldenen Rettungsanker für die HRE von 30 MilliardenEuro mehr als 100 Milliarden geworden – nur für die HRE alleine.

Die Gesamtstaatsverschuldung Deutschlands beträgt mittlerweile 1,65 Billionen Euro und wird weiter ansteigen, um mindestens 100 Milliarden Euro bis zum nächsten Jahr.

Selbstmorde als Folge
Das Elend, das in jeder Arbeitslosigkeit steckt und das in einigen Fällen zum Selbstmord der Betroffenen führen kann lässt sich in den oben genannten Zahlen kaum ausdrücken..

Am Montag hat der Vorsitzende des Nationalen Suizid-Praeventionsprogramms, Armin Schmidtke, aber darauf aufmerksam gemacht. Zwar nicht aus Deutschland, aber aus Frankreich lägen bereits diesbezügliche Suizid-Zahlen vor.

Nun hat die hochangesehene Medizinzeitung LANCET in ihrer Ausgabe vom 25.7.2009, (Vol. 374 Seite 315ff) eine Studie von Davis Stuckler et al. von der Universität Oxford veröffentlicht, in welcher diese vemuteten Zusammenhänge belegt werden. Als Beobachtungszeitraum diente ihnen die Zeit von 1970-2007, damit war die jetzige Krise natürlich noch nicht erfasst. Für die jetzige Krise erwarten sie schlimmere Auswirkungen, da abrupt einsetzend und tiefer gehend.

Ihre Schlussfolgerungen sind:

Rises in unemployment are associated with significant short term increases in premature deaths.

Wobei sich dann noch herausstellte, dass in Ländern, in denen gute soziale Programme bestehen, die auch die psychosozialen Folgen der Arbeitslosigkeit abfedern, wie beispielsweise in Schweden und Finnland, ein derartig deutlicher Anstieg der Selbstmordrate nicht zu verzeichnen war.

Wer kann zur Verantwortung gezogen werden?
Damit stellt sich automatisch auch die Frage, was haben eigentlich die Casino-Banker, die sich gerne Investment Banker nennen, strafrechtlich zu befürchten. Sie waren es ja, die mit dem Derivate-Handel, insbesondere den Credit Default Swaps, ganz erheblich zum Entstehen der Finanzkrise und ihr folgend der Wirtschaftskrise beigetragen haben?

Ich richtete diese Frage an den ehemaligen Leiter der Berliner Staatsanwaltschaft, Generalstaatsanwalt a.D. Dr. Hansjürgen Karge im Rahmen eines Interviews vor wenigen Wochen.

Frage: Kommen wir auf die sich verändernde Kriminalität zu sprechen. Nun haben wir ja eine Finanz-und Wirtschaftskrise , die zum Teil durch verantwortungsloses Verhalten sprich: Zockerei ausgelöst wurde, mit enormen Schäden für die Wirtschaft mit konsekutiver Arbeitslosigkeit. Mit Schäden, die letztlich von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen, die aber, sofern man das jetzt beurteilen kann, meist nicht als strafbares Verhalten eingestuft werden können, auf der anderen Seite aber Tagediebe im Rückfall zu erheblichen Strafen verurteilt werden.
Führt dieses diskrepante Vorgehen, das aber den Strafgesetzen entspricht, nicht zu einer massiven Erschütterung des Vertrauens in Justiz und Staat?

Antwort: Doch, ich sehe das auch so, die Leute sind verzweifelt und geraten neben Verzweiflung in Zorn, wenn sie sehen, je höher man sitzt, und je weiter man agieren kann, und je mehr Geld man hat, umso mehr wird man von der „Eierdieb-Verfolgung“ der Staatsanwaltschaft verschont.
Man muss nur sich darüber im klaren sein, dass das Problem sich durch nationale Staatsanwaltschaften allein nicht mehr lösen lässt.
Das ist ein internationales Problem und internationales Ueberwachungsproblem. Ich bin sehr dafür, dass man nicht versucht, dies mit örtlichen Staatsanwaltschaften auf dem Lande zu verfolgen, sondern dass man die ja vorhandenen Kontrollmöglichkeiten, die nicht genutzt wurden, von denselben Staaten, die jetzt auf die Banker schimpfen, dass man diese Ueberwachungs- und Kontrollmöglichkeiten ausnutzt und wenn dann jemand dagegen verstösst, dann kann ihn auch die Staatsanwaltschaft verfolgen.

Dem kann man nur zustimmen.

Das vollständige Interview hier.

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