global player

Verunglückte Gefahrgutzüge – Uranzug wieder unterwegs

Michael Schulze von Glaßer – Ungeachtet mehrerer Güter- und Gefahrgutzugunfälle, alles Entgleisungen, fuhr wieder der Gronauer Uranmüllzug.

Güterwaggons in Hagen von den Schienen gesprungen
Der Zugverkehr am Hagener Hauptbahnhof musste am Morgen des 11. April beinahe komplett eingestellt werden, nachdem vier Güterwaggons entgleist waren. Die Bahn vermutet einen Defekt an einem der Flachwagen, der dann zu dem Unfall führte. Weichen, Signale und Gleise wurden auf einer Länge von mehreren Hundert Metern beschädigt – die genauen Unfallkosten sind noch nicht bekannt.

Lokführer fuhr in Hamburg Gefahrgutwaggons über Prellbock hinweg
Bereits am 8. April ereignete sich ein schwerer Zugunfall in Hamburg. Beim unachtsamen Rangieren eines Güterzugs schossen zwei der 15 angeblich mit explosivem Flüssiggas gefüllten Kesselwaggons über einen Prellbock hinaus. Das Gefahrgut trat nicht aus – dennoch sperrte die Polizei das Areal am Güterbahnhof Hamburg-Unterelbe ungewöhnlich weiträumig ab – unerreichbar zunächst für Kamerateams und Fotografen.

Uranmüllzug knapp an Unfall vorbei
Es ist nun nicht so, dass Atommülltransporte sicherer sind, weil es bisher zu keinen Unfall kam. Am 4. Oktober 2007 entging nämlich ein Atommülltransport aus Gronau einer größeren Katastrophe: Der lange Güterzug passierte bei Dunkelheit bei der Ortschaft Burgsteinfurt einen völlig ungesicherten Bahnübergang, obwohl sowohl die Schranken als auch das Warnlicht wegen eines Defekts ausgefallen waren. Dass kein anderes Fahrzeug in den unbeleuchteten „Geisterzug“ raste, war purer Zufall – die für die Transporte verantwortliche Betreiberfirma Urenco und die deutsche Bahn versuchten den Zwischenfall zunächst zu vertuschen. Der Störfall wurde erst eine Woche später öffentlich bekannt.

Und wieder unterwegs
Ungeachtet dieser verunglückten Güter- und Gefahrgut-Transporte fuhr am Abend des 9. April ein mit radioaktivem Atommüll beladener Güterzug von der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau durch das Münsterland. Bei diesem Transport kam es zu keinem Unfall. Doch die Zugentgleisungen der letzten Tage zeigen jedoch die Brisanz der gefährlichen Transporte.

Unter den braunen und dunkelroten Planen des neuerlichen Transports vom vergangenen Mittwoch, befanden sich Fässer mit rund 1.000 Tonnen radioaktiven Uranmülls aus der Gronauer Anlage.

Der Uranmülltransport von Gronau fuhr über die Städte Steinfurt – Münster – Rheine – Almelo (Niederland) bis nach Rotterdam. Dort wird der deutsche Atommüll voraussichtlich am 11. April auf ein Schiff verladen. Über Nord- und Ostsee soll das Schiff mit der gefährlichen Fracht die finnische Hauptstadt Helsinki passieren um letztendlich am 16. April im russischen St. Petersburg einzutreffen – so rechnen es zumindest Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland vor.

Von St. Petersburg legt laut derer Information der Transport die letzten zweitausend Kilometer wieder als Güterzug zurück – bis nach Sibirien. Wann der Uranmüll jedoch am Zielort eintreffen wird, weiß noch nicht einmal die Urenco, ihres Zeichens Betreiberfirma der deutschen Urananreicherungsanlage und Verantwortliche für die Transporte. Allein die Anwesenheit von Greenpeace-Aktivisten im Rotterdamer Hafen verzögerte den Transport im März um einige Tage – die Urenco traute sich schlichtweg nicht den Hafen zu verlassen. Die Proteste gegen die Atommülltransporte nehmen indes immer weiter zu und begleiten den Transport mittlerweile fast an jeder Station seiner Fahrt.

Nachdem sich im Januar 2008 eine Anti-Atom-Aktivistin zwischen zwei Bäume über die Gleise abseilte und den Uranzug für mehr als sechs Stunden zum Halten brachte, wurde die Bewachung bei den letzten Transporten weiter erhöht: Bei Protesten in Emsdetten richtete die Polizei ein mittleres Chaos an als sie einen Atomkraftgegner zur erkennungsdienstlichen Behandlung mitnehmen wollten. Zahlreiche Personalien wurden festgehalten und für einige Personen Platzverweise erteilt. Bei Protesten gegen den Transport im Münsteraner Hauptbahnhof war die Polizei gleich mit der Bundespolizei im Einsatz.

Die Atomkraftgegner in Münster finden es besonders bedenklich, dass die deutschen Atommülltransporte wahrscheinlich auch durch die russische Partnerstadt Rjasan fahren und dort die Umwelt verstrahlen.

Nicht nur Radioaktivität eine Gefahr
Neben der Radioaktivität geht bei den Transporten die größte Gefahr von so genannter Flusssäure aus. Die Säure entsteht bei Kontakt des Uranhexafluorids mit (Luft-)Feuchtigkeit, ist stark ätzend und kann sich leicht gasförmig ausbreiten. Bei Protestaktionen in zahlreichen Bahnhöfen an der Strecke des Atommüllzuges wiesen Atomkraftgegner immer wieder auf diese Gefahr hin: „Wenn es im Bahnhof von Münster einen Unfall gibt und die Fässer undicht werden, müsste die gesamte Innenstadt evakuiert werden“, erklärte Matthias Eickhoff von der Gruppe „Sofortiger Atomausstieg Münster“. Er kritisierte außerdem, die Feuerwehren wüssten meist nichts von den gefährlichen Transporten und seien im Fall eines Unfalls vollkommen unvorbereitet. Zudem werden die Transporte in naher Zukunft stark zunehmen.

Die „Anti-Strahlungs-Pille“
Die Atom-Lobby ist zu einem Global-Player-Monster mutiert. Unterstützung erfährt sich durch die Bush-Administration, die schon durch ihre Verfälschung wissenschaftlicher Arbeiten böse aufgefallen war. Unter dieser Prämisse sollte man die Meldung, der nach US-Forscher einen Wirkstoff gefunden haben, der vor Schäden durch radioaktive Strahlung schützt, verstehen. Die Gefahren der Radioaktivität sollen mutmaßlich für die Öffentlichkeit negiert werden, damit noch ungehemmter mit Nuklear-Masse gehandelt werden kann. Um dies selbst für Atomgegner plausibel zu machen, heißt es in der Meldung weiter, der Wirkstoff zu einem Medikament weiterentwickelt werden, das Krebspatienten vor den Nebenwirkungen einer Strahlenbehandlung bewahrt, er eigne sich aber möglicherweise auch, um bei Unglücken in Atomkraftwerken oder bei anderen Strahlungsnotfällen wie Uranmülltransporten und denkbaren Anschlägen mit sogenannten schmutzigen Atombomben Menschen vor den Folgeschäden zu bewahren.

Über die Nebenwirkungen einer Anti-Strahlungsschäden-Pille steht in dem Artikel, der im Fachjournal „Science“ (Bd. 320, S. 226) publiziert wurde, nichts. Bislang galt: Nur Tote sind gegen radioaktive Strahlung immun. Folglich kann es sich nur um eine so genannte Todespille handeln – oder Quacksalberei mit Placebo-Effekt.

Wieviele angebliche Anti-Strahlungsschäden-Pillen sollen künftig entlang der Bahnstrecke verteilt werden?

Einladung zur Koordinierung der Proteste
Die Gronauer Urananreicherungsanlage wird gerade ausgebaut und die Kapazität mehr als verdoppelt – dabei wird auch mehr Müll entstehen. Fahren die gefährlichen Uranmülltransporte heute beinahe monatlich, werden sie wohl bald alle zwei Wochen fahren. Wieviele angebliche Anti-Strahlungsschäden-Pillen sollen entlang der Bahnstrecke verteilt werden?

Die Urananreicherungsanlage ist paradoxerweise nicht vom deutschen „Atomausstieg“ betroffen. Ein Hoffnungsschimmer für die Atomkraftgegner ist jedoch, dass die Verträge der Urenco mit Russland im Jahr 2009 auslaufen – eine Vertragsverlängerung wollen sie durch öffentlichen Protest verhindern.

Zur Koordinierung der Proteste laden Initiativen vom 1. bis 4. Mai zur internationalen Frühjahrskonferenz der Anti-Atom-Bewegung ins nordrhein-westfälische Ahaus ein. Mehr Informationen zu der Konferenz und dem dazugehörigen Camp finden sich auf www.sofa-ms.de „>www.sofa-ms.de und www.bi-ahaus.de.

terror

The Detention of AP Photographer Bilal Hussein

ROBERT H. REID (AP) – An Iraqi judicial committee has dismissed terrorism-related allegations against Associated Press photographer Bilal Hussein and ordered him released nearly two years after he was detained by the U.S. military.

Hussein, 36, remained in custody Wednesday at Camp Cropper, a U.S. detention facility near Baghdad’s airport.

A decision by a four-judge panel said Hussein’s case falls under a new amnesty law. It ordered Iraqi courts to „cease legal proceedings“ and ruled that Hussein should be „immediately“ released unless other accusations are pending.

The ruling is dated Monday but AP’s lawyers were not able to thoroughly review it until Wednesday. It was unclear, however, whether Hussein would still face further obstacles to release.

U.S. military authorities have said a U.N. Security Council mandate allows them to retain custody of a detainee they believe is a security risk even if an Iraqi judicial body has ordered that prisoner freed. The U.N. mandate is due to expire at the end of this year.

Also, the amnesty committee’s ruling on Hussein may not cover a separate allegation that has been raised in connection with the case.

AP President Tom Curley hailed the committee’s decision and demanded that the U.S. military „finally do the right thing“ and free Hussein.

In response to a question from the AP, Pentagon spokesman Bryan Whitman said it „will be up to officials in Iraq“ on whether to release Hussein. The decision, he said, will be „based upon their assessment as to whether he remains a threat.“

Under Iraq’s 2-month-old amnesty law, a grant of amnesty effectively closes a case and does not assume guilt of the accused.

Hussein has been held by the U.S. military since being detained by Marines on April 12, 2006, in Ramadi, about 70 miles west of Baghdad. Throughout his incarceration, he has maintained he is innocent and was only doing the work of a professional news photographer in a war zone.

The amnesty committee’s decision covers various allegations by the U.S. military against Hussein, including claims he was in possession of bomb-making material, conspired with insurgents to take photographs synchronized with an explosion and offered to secure a forged ID for a terrorist evading capture by the military.

The committee may still be reviewing a separate allegation that Hussein had contacts with the kidnappers of an Italian citizen, Salvatore Santoro, whose body was photographed by Hussein in December 2004 with two masked insurgents standing over Santoro with guns.

Hussein was one of three journalists who were stopped at gunpoint by insurgents and taken by them to see the propped-up body. None of the journalists witnessed his death, said Santiago Lyon, AP’s director of photography. The AP wrote a story about the incident at the time.

The AP said a review of Hussein’s work and contacts also found no evidence of any activities beyond the normal role of a news photographer. Hussein was a member of an AP team that won a Pulitzer Prize for photography in 2005, and his detention has drawn protests from rights groups and press freedom advocates such as the Committee to Protect Journalists.

„The Amnesty Committee took only a few days to determine what we have been saying for two years. Bilal Hussein must be freed immediately,“ said Curley, the AP’s president.

„The U.S. military has said the Iraqi process should be allowed to work. It has, and the military must finally do the right thing by ending its detention of a journalist who did nothing more than his job. Bilal’s imprisonment stands as a sad black mark on American values of justice and fairness,“ Curley added.

The U.S. military referred the case in December to an investigating judge, who reviewed the evidence and submitted his findings to the Central Criminal Court of Iraq to determine whether the case should go to trial.

In February, however, parliament approved a law providing amnesty to those held for insurgency-related offenses — including detainees such as Hussein who have never been convicted.

The committee from the Iraqi Federal Appeals Court ruled Monday that allegations against Hussein were covered by the Anti-Terrorist Law and were subject to the amnesty law.

The order was sent to the Iraqi public prosecutor, but it was unclear if it had been received.

A lawyer for the AP was provided a copy of the order, but Wednesday was a public holiday in Iraq and government offices were closed.

The amnesty committee — or any Iraqi institution — cannot force the U.S. military to release or turn over any of the estimated 23,000 detainees it holds in Iraq. But a provision in the amnesty law states that the Iraqi government „is committed to take the necessary measures to move the arrested people“ from U.S. control.

„The detention of Bilal Hussein has been a terrible injustice, and we are relieved that his ordeal might finally come to an end after nearly two years behind bars,“ said Joel Simon, executive director of the Committee to Protect Journalists.

Sylvia Smith, president of the National Press Club in Washington, called the amnesty ruling „a long-overdue decision.“

„The next step is to free him,“ she said.

Associated Press military writer Robert Burns in Washington and AP writer Carley Petesch in New York contributed to this report.

The AP’s site on Bilal Hussein: http://www.ap.org/bilalhussein/
The AP’s site on the Santoro slaying: http://www.ap.org/santoro/

afrika

Kenia – Übereinkommen auf Koalitionsregierung

onlineredaktion – Tausende von Tote hat es in Kenia bei den Unruhen nach den Wahlen am 27. Dezember 2007 vor dreieinhalb Monaten gegeben, über 300.000 flüchteten. Viele Menschen wurden nicht nur Opfer gegnerischer Stämme und Krimineller, sondern auch der kenianischen Polizei, die im direkten Auftrag des früheren Präsidenten Mwai Kibaki regelrecht Jagd auf Demonstranten gemacht haben soll.

Nun hat sich Kibaki mit dem designierten Ministerpräsidenten Raila Odinga auf eine Koalisationsregierung geeinigt, wie heute ein führender kenianischer Politiker der Nachrichtenagentur AFP mitgeteilt hatte. Die Nachricht wurde von einem westlichen Diplomaten verifiziert. Morgen am Sonntag soll das Kabinett der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Unter der Vermittlung des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan einigten sich Kibaki und Odinga Ende Februar auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung und ließen das Vorhaben vom Parlament absegnen. Wegen des Streits um die die Verteilung der Ministerposten drohten die Verhandlungen zunächst zu scheitern. Beide Seiten warfen sich eine Blockade der Gespräche vor.


Nach Blutbad in den Slums – USA und Großbritannien wollen Untersuchung der Kenia-Wahl


DAILY NATION: „Raila also declared ‚president'“

Kenia – Demokratie auf kibakisch
I want to go on living in Kenya
Noch mehr Blutvergießen in Kenia – Ankündigung des brutalen Volksaufstandes

terror

Kanada – „Piraterie“ im Namen der Behörden?

onlineredaktion – Auch im St.-Lorenz-Golf scheint es jetzt „Piraten“ zu geben, allerdings gehören die mutmaßlich der kanadischen Küstenwache an. Im Streit über die Robbenjagd soll die kanadische Küstenwache nach Angaben der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society das Kommando über eines ihrer Schiffe übernommen haben. Wie Paul Watson, der Präsident der Umweltgruppe, sagte, sollen mehrere bewaffnete Besatzungsmitglieder zweier Schiffe der Küstenwache am Samstag die «Farley Mowat» im St.-Lorenz-Golf betreten und die Kontrolle übernommen haben. Und weil sie angeblich zu nahe an die Robbenjäger heran gekommen waren, haben die kanadischen Behörden in der vergangenen Woche zwei Mitglieder der Sea Shepherd Conservation Society, den Kapitän und den Ersten Offizier der „Farley Mowat“, wegen der Verletzung von „Fischereigesetzen“ verklagt.

Satire – SLABBERS WELT (3)

afrika

Thabo Mbeki – Mugabes Freund in der Not

Dr. Alexander von Paleske – Während die Welt gebannt auf Simbabwe blickt und der Staat von der Krise ins Chaos abgleitet, erklärt der Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, es gebe keine Krise.

Er hielt sich heute Morgen, auf dem Weg zum Krisengipfel über Simbabwe in Lusaka/Sambia, für eine Stunde in Harare auf, um Robert Mugabe seine Aufwartung zu machen. Mugabe selbst nimmt nicht an dem Gipfel teil, weil es für ihn gar keine Krise in seinem Lande gibt. Und wo es keine Krise gibt, da muss auch diesem Denken nach kein Gipfel sein. Also schickt er aus „purer Höflichkeit“ ein paar Minister dorthin, die sozusagen als sein Sprachrohr ohne Entscheidungsbefugnis dort auftreten. Und die haben sich bereits eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Simbabwes durch den Gipfel verbeten.

Thabo Mbeki bittet um Geduld
Thabo Mbeki bat bei seinem Zwischenstopp in Harare um Geduld bei der Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Diese sind zwei Wochen nach der Präsidentschaftswahl immer noch nicht veröffentlicht worden. International ein neuer Rekord.

Leidet Präsident Mbeki an einem „Alice in Wonderland Syndrom“?

Keineswegs. Mugabe und Mbeki verstehen sich bestens. Mugabe hatte in den 80er Jahren teilweise eine Art verspätete „Vaterrolle“ für Mbeki gespielt, wie Mark Gevisser in seiner ausgezeichneten Biografie Mbekis „The Dream Deferred“ nachweist.

Beide verbindet darüber hinaus eine Art schwarzer Rassismus, worauf ich mehrfach in NACHRICHTEN HEUTE hingewiesen habe. Mbekis Äußerungen werden in der Regierungspartei Südafrikas, ANC, Unmut auslösen.

Die Regierungszeit Mbekis läuft nächstes Jahr ab. In der Erinnerung werden wohl einst nur seine kapitalen Fehler bleiben: Neben dem Versagen in der Simbabwe Krise der Unfug über HIV-AIDS, wo er den Theorien der HIV-AIDS-Leugner anhing, und der massive Anstieg der Kriminalität, ohne dass etwas Durchgreifendes unternommen wurde.

Der Gipfel in Lusaka wird daher wohl ohne die dringend notwendigen Beschlüsse auseinander gehen.

afrika

Simbabwe – Die militärische Intervention der Nachbarstaaten rückt näher

Dr. Alexander von Paleske – Morgen soll der Krisengipfel über die Lage in Simbabwe in Sambias Hauptstadt Lusaka stattfinden. Mugabe hat bereits abgesagt, stattdessen will er seinen Justizminister ohne Entscheidungsbefugnis, Patrick Chinamasa, dorthin schicken. Damit hat er möglicherweise die letzte Chance verspielt, auf das Geschehen im Sinn der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit a la Kenia noch Einfluss zu nehmen.

Stattdessen dürfte nun auf dem Gipfel eine ganz andere Option diskutiert werden: Die militärische Intervention der Nachbarstaaten, die nach den Statuten der SADC zulässig ist und erstmals in Lesotho 1998 ausgeübt wurde.

Opposition ruft zum Generalstreik auf
Die Opposition in Simbabwe hat für Dienstag zum Generalstreik aufgerufen. Und zwar für den Fall, dass die Wahlergebnisse, womit zu rechnen ist, bis dahin nicht veröffentlicht sein sollten. Die Regierung Mugabe hat im Gegenzug einen Quasi-Ausnahmezustand verhängt, Simbabwe dürfte damit ins Chaos abgleiten.

Ian Khama betritt die Bühne
Der neue Staatspräsident Botswanas, Ian Khama, Sohn des Staatsgründers Seretse Khama hat eine Woche nach seiner Amtseinführung bereits Flagge gezeigt. Er war es, der den Krisengipfel in Lusaka initiierte und dessen Außenminister Skelemani bezüglich der Situation in Simbabwe kein Blatt vor den Mund nahm. Skelemani, ein Demokrat durch und durch, hatte sich seinerzeit, als er Generalstaatsanwalt war, nicht gescheut, den damaligen Präsidenten Festus Mogae wegen einer Verfassungsstreitigkeit vor Gericht zu bringen.

Khama drängt auf Entscheidungen
Ian Khama, dessen Karriere über die Armee in die Politik führte, betrachtet die Lage in Simbabwe mit großem Missfallen und drängt auf Entscheidungen. Ich selbst hatte nach seiner Amtseinführung vor mehr als einer Woche Gelegenheit, ihn in einem kurzen Gespräch auf die Lage in Simbabwe anzusprechen, und er zeigte sich nicht nur bestens informiert, sondern auch besorgt. Dafür gibt es gute Gründe: Der Influx von Wirtschaftsflüchtlingen, die in Botswana keine Arbeit finden können, hat zu einem gewaltigen Ansteigen der Kriminalität geführt, was sich auch darin ausdrückt, dass rund 40 Prozent der Gefängnisinsassen in Botswana aus Simbabwe kommen, bei einem tatsächlichen Bevölkerungsanteil von bestenfalls 10 Prozent. Und es ist kein Zufall, dass er sich mit dem Präsidenten Sambias kurzschloss; im Gegensatz zu anderen Staaten der Staatengemeinschaft des südlichen Afrikas schulden weder Botswana noch Sambia Simbabwes aufgebrauchtem Machtmenschen Mugabe irgendetwas.

Im Gegenteil: Botswana nahm die politischen Flüchtlinge während der weißen Minderheitsregierung des Ian Smith bei sich auf, wofür der Vater Ian Khamas 1978 die Nansen Medaille erhielt, sozusagen der Nobelpreis im Flüchtlingswesen. Botswana hatte darüberhinaus Terrorangriffe auf sein Staatsgebiet sowohl von Rhodesien, wie auch vom Apartheidregime in Südafrika zu erdulden.

Botswana nahm dann in den 80er Jahren Menschen auf, die vor Mugabes Terror im Rahmen des Genozids im Matabeleland, genannt Operation Gukurahundi, nach Botswana flüchteten, und nun wieder die Wirtschaftsflüchtlinge aus Simbabwe.

Sambia war der Fronlinienstaat gegenüber Rhodesien und Südafrika, deren Befreiungsbewegungen hatten ihr Hauptquartier in der Hauptstadt Lusaka.

Anders sah es mit Mozambique aus, dem Mugabe gegen die vom Apartheidstaat unterstützte Rebellenbewegung Renamo militärisch zu Hilfe eilte. Und Simbabwe hatte nach der Unabhängigkeit unter den Terrorangriffen des Apartheidstaates Südafrika zu leiden und musste wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. Darüberhinaus war Mugabe einer der schärfsten Kritiker des Apartheidregimes. Mugabe wurde nicht müde, Südafrika und Mozambique bei Gipfeltreffen immer wieder daran zu erinnern.

Mugabes Kredit verbraucht
Mugabes Kredit als Befreiungskampfer Afrikas ist mehr als aufgebraucht. Die Staatsmänner müssen nun in Lusaka sich mit der militärischen Option ernsthaft beschäftigen. Sambia und Botswana scheinen dazu bereit zu sein, weniger dagegen die Regierung Südafrikas. Aber dessen Präsident gerät jetzt unter starken Druck der Regierungspartei ANC, und seiner Verbündeten, insbesondere des Gewerkschaftsdachverbandes COSATU, die Mbekis Politik der „stillen Diplomatie“ nach vergeblichen 7 Jahren nun als gescheitert ansehen.

SATIRE

Video-Satire © ICCA NOOR (2)

Metamorphosis
There is no life after death, but it may be mutants. The metamorphosis of GDR-Genosse Erich Honecker to China’s Premier Wen Jiabao.
                                                                                                                                                                                                                                                                                              

© 2008 Icca Noor, Stockholm

„Excellent Games“ – Video-Satire © ICCA NOOR (1)

SATIRE

Satire © RONALD SLABBERS (3)

                                                                                                                                                                                                                                                                                              slabbers_canada_400
© Copyright 2008 by Ronald Slabbers

Weitere Bilder des in Amsterdam lebenden Ronald Slabbers finden Sie auf seiner Webseite

http://www.ronaldslabbers.com/drawings

Satire – © RONALD SLABBERS (2)
Satire – © RONALD SLABBERS (1)

afrika

Gipfeltreffen in Lusaka – Lösung für Simbabwe?

Dr. Alexander von Paleske – Vor 29 Jahren fand in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, ein Gipfeltreffen statt, das für den Übergang von Rhodesien zu Simbabwe die Voraussetzungen schaffte.

Anwesend waren die Staatsmänner des Commonwealth. Haupttagesordnungspunkt war die Lösung der Rhodesienfrage; dabei auch Margaret Thatcher, die damals die sogenannte „Interne Lösung“, also das Fortbestehen der weißen Vorherrschaft verworfen hatte, und die legendaeren Staatspräsidenten Kenneth Kaunda (Sambia), Julius Nyerere (Tansania) und Seretse Khama (Botswana).

Beschlossen wurde, die Konfliktparteien nach London einzuladen zu der sogenannten Lancaster House Konferenz, an deren Ende dann die Abhaltung von freien Wahlen vereinbart wurde, aus denen Robert Mugabe und seine ZANU/PF als Sieger hervorgingen.

Afrikas Staatsmänner suchen nach Lösung
Am kommenden Samstag findet wieder ein Gipfeltreffen in Lusaka statt, diesmal sind die Staatsmänner der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) anwesend, dabei auch Robert Mugabe und der Gewinner der Wahlen, der Oppositionsführer Morgan Tsvangirai.

Auch diesmal steht Simbabwe wieder auf der Tagesordnung. Und wieder sind die anwesenden Staatsmänner entschlossen, eine Lösung des Konflikts herbeizuführen.

Mugabe hat die Wahlen verloren, obgleich die nun mutmaßlich gefälschten Ergebnisse der Präsidentschaftswahl bis zur Stunde noch nicht bekanntgegeben wurden. Die Oppositionspartei MDC (Movement for Democratic Change) hat heute Abend, am Donnerstag, erklärt, dass sie sich an einer Stichwahl nicht beteiligen wird. Der Sprecher der Opposition, Tendai Biti, erklärte, dass keine Notwendigkeit bestehe, an einer Stichwahl teilzunehmen, weil sie die Wahlen ohnehin gewonnen habe.

Das ist jedoch nach Ansicht unabhängiger Wahlbeobachter nicht ganz zutreffend. Nach deren Ansicht hat Morgan Tsvangirai die absolute Mehrheit knapp verfehlt, wobei klar ist, dass bei freien und fairen Wahlen er die Stichwahl haushoch gewänne.

Es wäre daher politisch richtiger gewesen, zu erklären, dass man sich wegen des von Mugabe geplanten und bereits begonnenen Wahlterrors, „Nachrichten Heute“ berichtete ausführlich darüber, nicht an den Wahlen beteiligen werde; das würde angesichts der bereits bekannten Vorkommnisse auch akzeptiert. Wieder einmal zeigt sich hier die ganze Schwäche der Opposition. Mugabe kann die Stichwahl nur durch Terror, Einschüchterung und Wahlfälschung gewinnen, und er ist ganz offenbar bereit dazu.

Lösung dringender denn je
Nicht bereit die Konsequenzen zu tragen, nämlich massive Flüchtlingsströme bei sich aufzunehmen, sind jetzt die Nachbarländer, wobei wieder einmal die laue Haltung des südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki auffällt, auch darüber, und die Hintergründe dafür hatten wir hier auf „Nachrichten Heute“ mehrfach berichtet.

Und so deutet alles darauf hin, dass die Staatsmänner des südlichen Afrika Druck auf Mugabe und Tsvangirai ausüben werden, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, mit Mugabe als Präsidenten. Eine faule Lösung a’la Kenia, aber im Augenblick wohl die einzige Möglichkeit, um einen Terrorwahlkampf seitens Mugabe zu unterbinden.

Wird der Oppositionsführer Tsvangirai diese „Kröte“ schlucken? Ihm wird wohl nichts anderes übrigbleiben.

Mugabe böte der Opposition dann Ministerien an, die dafür sorgen würde, dass Geld ins Land kommt, er würde aber Schlüsselministerien für sich reklamieren, also Verteidigung, Außenministerium, Landwirtschaft (um die chaotische „Landreform“ abzusichern), Bergbau und Inneres. Der Opposition böte er dann Ministerien an wie Wirtschaft, Hochschulwesen, Erziehung, Finanzen, bei denen sie sich aufreiben würde, weil die Bevölkerung schnelle Erfolge erwartet, aber das ist nach der jahrelangen Misswirtschaft unmöglich.

Die Bedeutung des Gipfels in Lusaka sollte nicht unterschätzt werden. Er wird möglicherweise dem epischen Gipfel vor 29 Jahren nicht nachstehen.

Simbabwe – Mugabes Schlägertruppe im Einsatz
Simbabwe – Der Wahlterror hat begonnen
Simbabwe – Mugabe plant Terrorwahlkampf
Wahlen in Simbabwe – Robert Mugabes letztes Gefecht, Makoni kandidiert unter Lebensgefahr
Simbabwe – Simba Makoni tritt gegen Mugabe an

afrika

Simbabwe gleitet ins Chaos

Dr. Alexander von Paleske – Während das von der Opposition in einem Eilverfahren angerufene Gericht in Harare die Entscheidung über die Freigabe der Wahlergebnisse zur Präsidentschaftswahl auf nächste Woche vertagt hat, dieses trotz klarer Rechtslage, spitzt sich die Lage in Simbabwe selbst zu.

Mugabe hat nun hohe Armeeoffiziere in jeden Wahlkreis beordert, um dort mit seinen Schlägertruppen, bestehend aus sogenannten Kriegsveteranen, Soldaten, Polizei und mobilisierbarem Pöbel, für eine „richtige“ Stimmenabgabe bei der anstehenden Stichwahl zu sorgen. Schon jetzt häufen sich Berichte über Übergriffe seitens dieser Soldateska.

Mittlerweile werden die Regierungen der Nachbarstaaten ungeduldig und haben ein Gipfeltreffen für den kommenden Samstag einberufen, um über die Lage zu beraten.

Südafrikas Regierungspartei verurteilt Verschleppung der Bekanntgabe
Der Vorsitzende der Regierungspartei Südafrikas, ANC, Jacob Zuma, hat die Verzögerung der Bekanntgabe der Wahlergebnisse verurteilt. Dies sind die von uns prognostizierten neuen Töne, die in krassem Gegensatz zu der Stellungnahme des Präsidenten Thabo Mbeki stehen, der die Situation in Simbabwe noch vor wenigen Tagen als „manageable“ bezeichnet hat und um Geduld bat, „Nachrichten Heute“ berichtete darüber.

Oppositionsführer Morgan Tsvangirai besucht derweil die Nachbarstaaten Simbabwes, um deren Regierungschefs über die Lage zu informieren. Er stellte eine Nichtteilnahme an den Stichwahlen in Aussicht, um der Bevölkerung den Terror der Regierungspartei zu ersparen.

Botswana hat mittlerweile seine Armee mobilisiert, weil bei anhaltenden Gewalttätigkeiten mit einem Flüchtlingsstrom in die Nachbarländer gerechnet wird.

Simbabwe – Mugabes Schlägertruppe im Einsatz
Simbabwe – Der Wahlterror hat begonnen
Simbabwe – Mugabe plant Terrorwahlkampf
Wahlen in Simbabwe – Robert Mugabes letztes Gefecht, Makoni kandidiert unter Lebensgefahr
Simbabwe – Simba Makoni tritt gegen Mugabe an