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Die neue (Un)Sicherheitspolitik Deutschlands (6) „Peng Bumm Paff Buff“ – Geh’n wir klauen!

Michael Schulze von Glaßer – Aufgrund mangelnder Rohstoffe im eigenen Land war die Bundesrepublik Deutschland schon immer ein Rohstoff importierendes und fertige Produkte exportierendes Land. Das Bundeswehr-Weißbuch nimmt dazu auf seiner Seite 23 Stellung:

„Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abhängt, hat ein elementares Interesse an einem friedlichen Wettbewerb der Gedanken, an einem offenen Welthandelssystem und freien Transportwegen. […] Die Kehrseite des freien Austauschs von Informationen und Ideen liegt im Risiko der illegalen Aneignung und des Missbrauchs von sensiblem Wissen, Technologien und neuen Fähigkeiten durch Staaten, nichtstaatliche Akteure, den internationalen Terrorismus oder organisierte Kriminalität.“

Aufgaben verfehlt
Der Zugang zu Rohstoffen ist also fundamental wichtig für die deutsche Wirtschaft. Doch nicht nur für Deutschland werden dadurch Länder wie die demokratische Republik Kongo zu einem wichtigen Partner, sondern für die gesamten westlichen Industrienationen: Die EUFOR-Mission in der demokratischen Republik Kongo im Jahr 2006 hatte die Absicherung demokratischer Wahlen nicht als alleiniges Ziel. Der Kongo stand am Scheideweg, ein Jahr zuvor wählten die Kongolesen eine neue Verfassung. Ein guter Zeitpunkt, um Einfluss auf das Rohstoffreiche Land in Zentralafrika zu nehmen. Das Land ist 6,6mal so groß wie Deutschland und zum Großteil mit Regenwald bedeckt. Allein am Regenwald können westliche Unternehmen Milliarden verdienen, haben schon vor einigen Jahren damit begonnen den gigantischen Wald zu vermessen und billige Lizenzen von der korrupten kongolesischen Regierung erworben.

Doch unter den Baumwipfeln, die eine einzigartige Flora und Fauna beherbergen, liegen weit größere Schätze. Die Bodenschätze des bürgerkriegszerrütteten Landes sind unvorstellbar. Allein das Kupfer in dem Land soll einen Verkaufswert von 450 – 500 Milliarden US-Dollar haben. Riesige, weit unterdurchschnittlich genutzte Vorkommen liegen offenbar in Katanga im Südosten des Kongo, wo aufgrund des anhaltenden Kriegszustands der Abbau lange Zeit auf niedrigem Niveau stagnierte und erst in jüngster Zeit wieder an Schwung gewinnt, berichtete „German Foreign Policy“ Anfang 2006. Daneben finden sich noch Diamanten, Kobalt, Gold und das sehr teure Tantal (auch Coltan genannt) im Erdreich des Kongo. Tantal ist ein sehr hitze-, rost- und säure- beständiges Metall, das in Kondensatoren für Mobiltelefone, Computer, usw. eingesetzt wird. Da das Metall sehr selten ist und der Bau hochmoderner elektronischer Geräte ohne dieses Metall nicht funktioniert, wird von Unternehmen beinahe alles getan, um Tantal in die Hände zu kriegen.

In der demokratischen Republik Kongo wird etwa ein Fünftel der Weltproduktion an Tantal aus dem Boden geholt. Hauptakteur ist dabei das Unternehmen H.C. Starck, ein Tochterunternehmen des Leverkusener Unternehmens BAYER. Die Gewinnung des seltenen Metalls profitierte in den letzten Jahren von den chaotischen Zuständen im Kongo, was zugleich jedoch auch der größte Nachteil war, da ein sicherer Zugang zu den Minen nicht immer gegeben war.

Noch mehr Wirtschaftszweige hätten ein Motiv und würden es begrüßen, wenn sich die Lage im Kongo stabilisierte. Darunter auch der deutsche SIEMENS-Konzern, der zurzeit als größter deutscher Investor im zentralafrikanischen Kongo auftritt und versucht Milliardenprojekte an Land zu ziehen.

Durch den Ausbau von Wasserkraftwerken und den Bau von Staudämmen im Fluss Kongo soll das Land eine zuverlässige Stromversorgung erhalten. Das Geschäft soll ein Volumen von 30 Milliarden US-Dollar haben und kann am besten in einem friedlichen Kongo realisiert werden.

Präsident der demokratischen Republik Kongo war vor den Wahlen Joseph Kabila, seine Chancen auf den Wahlerfolg waren schon weit vor den Wahlen sehr gut, dabei ist Kabila für seine Selbstbereicherung und Korruption bekannt, aber eben auch dafür, dass er Staatsunternehmen verscherbelt und leichtfertig Lizenzen verkauft.

Dass Joseph Kabila nach den Wahlen nicht mehr Präsident sein könnte, schien fast unmöglich. Damit dieser Wahlsieg, der den westlichen Interessen entgegen käme, auch sicher war, wurden die EU-Truppen unter Führung von 780 deutschen Soldaten in das Land geschickt. Doch agierte die 2.000 Soldaten starke EUFOR-Truppe nur in der Hauptstadt und im gleichzeitigen Machtzentrum des Landes.

Das auf die Hauptstadt Kinshasa beschränkte Mandat der Truppe war höchst zweifelhaft: Jeder Kandidat, der bei den Wahlen antrat, hatte beispielsweise seine eigene Miliz, die sich mit den Milizen der anderen Kandidaten bekriegte. Dabei handelte die vortrefflich ausgerüstete kongolesische Polizei im Namen des früheren Präsidenten Laurent-Désiré Kabila – dem Vater Joseph Kabilas. Diese Polizei gilt inzwischen als aggressiv, weil sie nach Medienberichten mehrmals friedliche Oppositionelle angriff. Die EU-Truppen dürfen in solchen Fällen jedoch nicht eingreifen und müssen zusehen, wie mit Knüppeln auf friedliche Demonstranten eingeschlagen wird. Schon die Zahlen der Milizionäre zeigt, welche Übermacht Kabila Junior hatte: Seine Truppe zählte 16.000 Mann, die von Herausforderer Jean-Pierre Bemba nur 6.000 Mann. Weitere Zweifel an der als humanitär geltenden EU-Mission sind folgende Zahlen der deutschen Regierung:

– Der Einsatz in der demokratischen Republik Kongo kostete 56 Millionen Euro. Eine Ausgabe, die die Regierung bereitwillig für die Mission hergab;
– Der deutsche Beitrag für die Kongo-Nothilfe beträgt jährlich nur 2,2 Millionen Euro.

Der Krieg um Rohstoffe ist entbrannt und die Bundeswehr sieht sich in der Pflicht, die Rohstofflieferungen für die deutsche Industrie im Namen und zum Wohl des deutschen Volkes zu sichern. Das einem dabei als deutscher Bürger sehr unwohl werden kann, scheint die Bundesregierung nicht zu interessieren. Diese plant zusammen mit den Generälen schon den nächsten Coup in der sudanesischen Region Darfur, in der es große Erdölvorkommen geben soll.

Neben dem Bekenntnis zur kapitalistischen Marktwirtschaft und der auch gewaltsamen Sicherung von Ressourcen, schreibt sich die Bundeswehr auch den Schutz von Technologien und geistigen Ressourcen auf die Fahne. Die Bundeswehr als Patentschützer im Namen der deutschen Wirtschaft?

„Allerdings kann diesen neuartigen Risiken weder allein noch vorrangig mit militärischen Mitteln begegnet werden.“

Die Bundeswehr sollte sich die Frage stellen: Ob der Raub von Technologien und Patenten überhaupt durch irgendwelche militärischen Mittel verhindert werden kann. Die Analyse der Bundeswehr scheint zwar korrekt zu sein, doch viele sowohl ökonomische als auch soziale Missstände fallen einfach nicht in den Aufgabenbereich der deutschen Bundeswehr. Die Sicherheit Deutschlands wird durch Patentraub nur wenig angegriffen. Was will die Bundeswehr machen, wenn Chinesen eine Magnetschwebebahn bauen, die dem deutschen Transrapid zum verwechseln ähnlich sieht und dieselbe Technik hat? Auch nimmt sich die Bundeswehr in einem kurzen Abschnitt auf Seite 23 des Weißbuches dem „Cyber-Raum als mögliche Plattform von Terroristen und potenzielles Angriffsziel terroristischer Aktivitäten an, doch was will die Bundeswehr dagegen tun? Wird es bald eine Anti-Virus-Software der deutschen Bundeswehr gegen mutmaßlich von El-Kaida ins Internet geschleuste Computerviren geben? Im Weißbuch treibt die Bundeswehr die Analyse der Globalisierung auf die Spitze:

„Armut, Unterentwicklung, Bildungsdefizite, Ressourcenknappheit, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung, Krankheiten, Ungleichheiten und Menschenrechtsverletzungen bilden neben anderen Faktoren den Nährboden für illegale Migration und säkularen wie religiösen Extremismus. Sie können damit zu Ursachen für Instabilität und in ihrer radikalsten Form Wegbereiter des internationalen Terrorismus werden.“

Eine Analyse beinahe wie aus einem Buch der Globalisierungskritiker von „Attac“ – doch weit gefehlt: Diese Sätze stammen aus dem Weißbuch der Bundeswehr, das vom Bundesministerium der Verteidigung und somit unter Federführung von Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) herausgegeben wurde. Da die Bundeswehr sich als Ziel setzt den internationalen Terror zu bekämpfen, müsste sie also die oben beschrieben Missstände, die neben anderen „Wegbereiter des internationalen Terrorismus“ sind, bekämpfen – was sie allerdings nicht tut. Die Ausgaben für die Bundeswehr konkurrieren mit denen für Entwicklung und mit der Verfolgung eigener ökonomischen Ziele. Damit kommt die Hilfe für die so genannte Dritte Welt ins Hintertreffen.

„Peng Bumm Paff Buff“: So stellt sich nach Information von SPIEGEL-Online SPD-Chef Beck die nächste Generation der Deutschen vor. Sie spielen nicht am Klavier, sondern Ballerspiele am PC. Vielleicht freut sich der Bundesverteidigungsminister Jung (CDU) darüber, denn: Früh übt sich, wer ein rechter Soldat werden will. Heute noch als Killer am PC, vielleicht schon morgen als Bundeswehr-Soldat in einem rohstoffreichen Land der Dritten Welt. Jung aber müsste sich mit Beck bekriegen, denn der wünscht sich die lieben Kleinen zurück ans Klavier. Aber vielleicht bleibt am Ende nur eine Blechtrommel übrig.

© by Michael Schulze von Glaßer

Die mehrteilige Serie wird morgen weitergeführt

Krieg

American Passports Found on Bodies of Al Qaeda Fighters in Somalia

Alexis Debat – A senior official in the Somali government’s new Ministry of the Interior told ABC News government forces had recovered „dozens of foreign passports,“ including several American passports, on the bodies of al Qaeda fighters killed in combat between forces affiliated with the Union of Islamic Courts (UIC) and Ethiopian forces in Somalia.

According to the same source, most of the foreign passports were Sudanese, Pakistani and Yemeni, but several American, British and Australian passports were also recovered.

The senior Somali government official told ABC News that the American passports found on the dead bodies near Baidoa, in Somalia, would be turned over to the American government.

Yesterday al Qaeda’s No. 2 leader, Ayman al Zawahri, issued an audiotape statement urging Muslims to join the fight for „jihad“ in Somalia.

The UIC, which took power in Somalia’s capital of Mogadishu in June 2006, are believed to be linked to al Qaeda networks in Pakistan, the Sudan and Yemen. Read more @ The Blotter

vermischtes

US-Atom-U-Boot hat Tanker gerammt

Ein atombetriebenes amerikanisches U-Boot ist im Arabischen Meer nahe der Strasse von Hormus mit einem japanischen Tanker kollidiert.

Japanische Medien zitierten einen Vertreter der US-Marine sowie den Ölkonzern Showa Shell Sekiyu, wonach es bei dem Zusammenstoss am Vorabend Ortszeit weder zu einem radioaktiven noch zu einem Ölleck kam.

Das atomar betriebene Jagd-U-Boot «USS Newport News» der Los- Angeles-Klasse sei südlich der Strasse von Hormus mit seinem Bug gegen das Heck des Tankers «Mogamigawa» gestossen, hiess es.

Der Tanker weise leichte Beschädigungen auf und sei auf dem Weg in einen nahegelegenen Hafen im Ostteil der Vereinigten Arabischen Emirate, teilte das japanische Aussenministerium weiter mit.

Die Strasse von Hormus ist eine Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Das Atom-U-Boot steht nach Medienberichten unter Befehl des US-Marinestützpunktes in Bahrain.

An Bord des von der japanischen Reederei Kawasaki Kisen Kaisha betriebenen Tankers befanden sich 8 Japaner und 16 Philippiner. Der Tanker war laut Medien mit 280’000 Tonnen Öl auf dem Weg von Saudi Arabien nach Singapur.

Im Jahre 2001 hatte ein amerikanisches U-Boot bei einem Auftauchmanöver vor Hawaii ein japanisches Fischerboot gerammt. Die «Ehime Maru» sank. Neun Menschen wurden dabei in den Tod gerissen.

spionage

Negroponte ins US-Aussenministerium

SDA – US-Geheimdienstdirektor John Negroponte wird neuer Vize-Aussenminister. US-Präsident George W. Bush wolle den Postenwechsel am Freitag bekannt geben, teilte ein ranghoher Regierungsvertreter mit.

Nach Angaben des Senders NBC hat Negroponte bereits akzeptiert, Stellvertreter von Aussenministerin Condoleezza Rice zu werden. Das Vizeamt ist seit dem Rücktritt von Robert Zoellick im Juni vergangenen Jahres unbesetzt.

Der 67-jährige frühere UNO-Botschafter Negroponte war erst im Frühjahr 2005 zum ersten Nationalen Geheimdienstdirektor ernannt worden, um künftig die Arbeit der 16 US-Geheimdienste mit rund 100 000 Mitarbeitern weltweit und ihre Haushalte zu beaufsichten.

Negropontes Amt sei Michael McConnel, dem früheren Chef der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) angeboten worden, sagte der Regierungsvertreter weiter.

Vor seinem Wechsel zur NSA 1992 war McConnell Geheimdienstchef des Generalstabes im Pentagon. Er hatte diese Position auch während des ersten Golfkrieges inne. Als NSA-Direktor galt er nach NBC-Angaben als enger Vertrauters von Vizepräsident Richard Cheney, der damals Verteidigungsminister war.

Bei der Umsetzung dieser Mammutaufgabe war Negroponte im Kongress bei Demokraten wie Republikanern in die Schusslinie geraten.

Parlamentarier beider Couleur warfen ihm vor, den bürokratischen Wust der einzelnen Dienste nicht konsequent genug zurückgestutzt zu haben. Zudem habe er die im Zuge der Anschläge vom 11. September 2001 offen zu Tage getretenen Schwächen in der Zusammenarbeit zwischen dem FBI und dem Geheimdienst CIA nicht effektiv genug angehalten, ihre Arbeit besser zu koordinieren.

Die Nachricht von Negropontes Wechsel fällt in eine Zeit, in der Präsident Bush wichtige Weichenstellungen für seine verbleibende zweijährige Amtszeit unter veränderten politischen Machtkonstellationen vornimmt.

Krieg

Bush’s Rush to Armageddon

Robert Parry – George W. Bush’s shakeup of top military and intelligence officials for the Middle East may have a worrisome subtext. Though widely viewed in Official Washington as routine personnel changes, the removal of key critics of military escalation give Bush a freer hand to implement options that could include expanding the conflict to Iran and Syria.

Possibly with the help of Israeli air strikes on Iranian nuclear targets, Bush could be charting a course to Armageddon.

Read all @ Consortiumnews

spionage

Portugal: Neue Enthüllungen zu Gefangenenflügen

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World Content News – Die aus Portugal stammende Abgeordnete des EU-Untersuchungs-ausschusses Maria Gomes hat einen Sonderbericht veröffentlicht, der mit neuen Details zu den Gefangenenflügen von CIA und EUCOM aufwartet. Neben den Flugdaten der Flugaufsichtsbehörde Eurocontrol hätten es u.a. auch Geheimdokumente und Informanten aus den USA ermöglicht, erstmals einen Teil des militärischen Flugverkehrs nach Guantanamo nachzuverfolgen, der über die Azoren abgewickelt wurde. Zudem soll es laut einem Radio-Interview mit Gomes mehrere Zeugen geben, die auf dem Stützpunkt Lajes auf den Azoren den Transport angeketteter Menschen beobachtet haben wollen.

Der Gomes-Report weist insgesamt 94 Flüge über die Azoren von / nach Guantanamo aus, dabei handelt es sich um 77 Überflüge und 17 Landungen. 82 Flüge davon waren bisher nicht bekannt, man kann davon ausgehen, dass einige Aufschluss über den Transportzeitpunkt und -weg von entführten Personen geben könnten. World.Content.News hat die Flugdaten dechiffriert und analysiert und stellt sie am Ende dieses Artikels zum Download bereit.

Insgesamt 77 Flüge gingen von Militärflugzeugen aus, davon waren 5 bei den portugiesischen Behörden ordnungsgemäß vorher angemeldet. Einer dieser angemeldeten Flüge betrifft den Transport von Shaker Aamer und 30 weiterer Gefangener, die am 12. Februar 2002 von Afghanistan über einen bisher unbekannten Flughafen in Deutschland und über die Incirlik Airbase in der Türkei transportiert wurden. Damit wurde ein Bericht der Menschenrechtsorganisation „Reprieve“ voll bestätigt. Ferner wird der Transport des Gefangenen Abdurrahman Khadr von Guantanamo nach Tuzla, Bosnien am 07.11.2003 durch die Gulfstream IV mit der Registriernummer N85VM erwähnt.

Ein militärischer Flug mit der Flugnummer PAT653 war sogar als Staatsflug (STS/State) ausgewiesen und startete am 24.12.2002 von Terceira /Azoren mit Ziel Guantanamo. Dies nährt die Gerüchte, wonach die Regierung Portugals mit den US-Entführern zusammenarbeitete. Das portugiesische Nachrichtenmagazin „Visao“ hatte im Dezember dem Außenminister Luis Amado vorgeworfen, er habe EU-Ermittler über CIA-Flüge in die Irre geführt und in seiner Zeit als Verteidigungsminister Informationen zu möglichen CIA-Flügen zurückgehalten.

Neu und aufregend ist, dass auch Luftwaffenflugzeuge aus Europa auf Guantanamo gelandet sind. Es handelt sich um die Länder Belgien, Finnland, Großbritannien und Spanien. Doch gemach, gemach, es hat sich zumindest in einigen Fällen herausgestellt, dass sie nur ihre Staatsbürger wieder nach Hause holten, die der allierte Internierungspartner für sie aufbewahrt hatte. Entweder verzichtete man auf den berüchtigten Bringservice der Amerikaner oder der Große Bruder hatte aus entführungslogistischen Gründen gerade keine Maschine frei.

Auch Deutschland gerät wieder in die Schusslinie. Inzwischen wurde bekannt, dass bei dem ominösen Flug von Guantanamo über Nürnberg nach Duschanbe in Tadschikistan am 17.07.2004 sechs Passagiere an Bord gewesen sein sollen. Die Gulf 3 mit der Registriernummer N982RK startete nach einer Zwischenlandung auf Santa Maria/Azoren um 14:24 Uhr Richtung Deutschland, bei dem damaligen Operator soll es sich um die Firma „Water Above Mountain Holdings LLC“ aus Burlington, North Carolina handeln (Flugzeugeigentümer: Richmor Aviation).


Fette Sache so eine C17 Foto: Borut Smrdelj

Durch die Gomes-Daten wurde auch ein militärischer Flug aufgedeckt, der am 17.04.2005 von Guantanamo nach Frankfurt/Main startete und zwischen 13:17 Uhr und 14:42 Uhr den portugiesischen Luftraum durchquerte. Es handelte sich um eine C17 (militärische Boeing-Version) mit der (temporären) Flugnummer RCH951 und der (festen) Seriennummer 01-0193, geflogen von der 437th Airlift Wing der US AirForce. Der Flugzweck? Wird wohl auch noch irgendwann aufgeklärt.

Unter den sechs zivilen US-Flugzeugen mit Guantanamo-Destination sind drei auffällige Maschinen, deren Flugdaten bisher noch nicht vom EU-Untersuchungsausschuss recherchiert wurden und deshalb dringend einer eingehenden Überprüfung bedürften, da der Verdacht von Gefangenentransporten bei so einer Route naheliegt. Es handelt sich um eine Gulf IV mit der Registriernummer N248AB, (Prime Jet LLC), N970SJ (Gulf IV, New World Aircraft GIV-1146 Llc) und N982RK (Gulf3, Richmor Aviation). Alle drei wurden auch wiederholt in Deutschland auf den Flughäfen Frankfurt, Berlin und München beobachtet. Die restlichen zivilen Flüge über die Azoren verteilen sich auf die alten Bekannten N85VM, N379P und N313P, deren Flugdaten inzwischen fast lückenlos ausgewertet sind. Erst vor wenigen Wochen hatte der EU-Untersuchungsausschuss Portugal bescheinigt, dass insgesamt 91 Flüge verursacht von 17 Flugzeugen mit CIA an Bord auf portugiesischen Flughäfen zwischengelandet waren.

Bei den Überflügen der Militärmaschinen dominiert als Herkunft oder Ziel der Luftwaffenstützpunkt Incirlik bei Adana in der Türkei bei fast der Hälfte aller Flüge. Möglicherweise wurden sie vom US-Hauptquartier EUCOM in Stuttgart-Vaihingen geplant und gesteuert, wie dies bei der Entführung der „Algerian Six“ der Fall war. Laut Medienberichten hat ein General von EUCOM Entführungen von Terrorverdächtigen bereits vor 2 Jahren bestätigt. Die Gefangenen wurden damals ebenfalls in Incirlik „umverladen“ und nach Guantanamo geflogen, berührten aber anscheinend nicht portugiesisches Hoheitsgebiet. Weitere Startpunkte oder Ziele von US-Militärflügen aus den Gomes-Daten mit Guantanamo-Bezug waren Marokko (Rabat, Casablanca), Spanien (Moron Airbase, Cardiz, Madrid), Libyen (Mitiga), Belgien (Bruxelles, Melsbroek), Großbritannien (Northolt), Deutschland (Frankfurt), Frankreich (Evreux), Albanien (Tirana) und Saudi-Arabien (Riad).

Zu den Beobachtungen über die angeketteten Gefangenen, die auf den Azoren in Busse verladen worden sein sollen, sagte die Abgeordnete Gomes im französischen Radiosender TSF, sie könne ihre Informanten aus Zeugenschutzgründen derzeit nicht benennen.

Auch in Polen sind Zeugen aufgetaucht, die über ungewöhnliche Geschehnisse auf dem Flughafen von Szymani berichten. Die ehemalige Direktorin des Flughafens, Mariola Przewlocka, schilderte der BBC ausführlich seltsame nächtliche Begebenheiten, die sich auf dem sonst eher ruhigen Flughafen zugetragen haben: „Sie kamen aus Kabul und flogen weiter nach Guantanamo. Sie hatten eigentlich keinen Grund gehabt, mit diesem großen Flugzeug auf dem kleinen Flughafen zu landen.“

Frau Przewlocka, die Anweisungen hatte, sich den Flugzeugen nicht zu nähern und die abweichenden Landeformalitäten nicht in Frage zu stellen, „sonst würden Köpfe rollen“, erinnert sich: „Militärfahrzeuge parkten immer in einer Weise vor dem Flugzeug, dass es unmöglich zu sehen war, was dort vor sich ging. Die Flugzeugfenster waren abgedunkelt.“ Bevor die Flugzeuge ankamen, seien stets hochrangige Grenzschützer aus Warschau eingetroffen, um die Modalitäten abzuwickeln. Die Landegebühren wurden in unüblicher Weise von polnischen „Zivilisten“ entrichtet.

Laut dem Europaparlament wurden in Polen mindestens 11 dieser CIA-Flüge registriert. Frau Przewlocka wurde letztes Jahr „aus politischen Gründen“ gefeuert, als sie die Europa-Parlamentarier dazu aufforderte, eine offizielle Erklärung abzugeben, dass Terrorverdächtige auf europäischem Boden festgehalten würden.

In Spanien sind die Untersuchungen über CIA-Flüge soweit gediehen, dass es ähnlich wie in Italien mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Anklage wegen Entführung gegen 13 namentlich bekannte CIA-Agenten kommen dürfte, die von Mallorca aus zur Entführung von Khaled el Masri aufgebrochen waren. Der spanische Geheimdienst CNI hat angeblich über die CIA-Flüge nichts gewusst und zum ersten Mal davon aus der mallorcinischen Presse davon erfahren und sträubt sich nun, relevante Dokumente für weitere Untersuchungen herauszugeben.

Deutschland dagegen hat noch Ermittlungsbedarf, nicht zuletzt im Fall einer möglichen geheimen Gefangenenhaltung von hochrangigen Terrorverdächtigen in Mannheim, bei denen der Augenzeuge, ein Militärpolizist, nach wie vor nicht auffindbar ist. Ein Friedensaktivist, der mit dem Verschwundenen zuvor Kontakt hatte und diese für die Bundesregierung höchst brisante Alarmmeldung an die Öffentlichkeit brachte, geht davon aus, dass dieser inzwischen nach Amerika ausgeflogen wurde und dort an einem unbekannten Ort im Gefängnis sitzt. Die Bundesanwaltschaft sieht dagegen keine Veranlassung, im Fall der Gefangenenflüge zu ermitteln, da es sich hier nicht um Straftatbestände mit politischem Hintergrund handele. Aber hallo, dieser Entführungsterror hat keinen politischen Hintergrund? Doch schon, aber deutsche Behörden haben ja selbst ordentlich mitgeholfen, c’est la vie in einer Gänsefü0chen-Demokratie.

Von den Medien kaum bemerkt, hat inzwischen der investigative Journalist Stephen Grey, der viele Details mit Beweiskraft zu den Gefangenenflügen recherchiert hat, sein Versprechen wahr gemacht und mehr als 3500 mutmaßliche CIA-Flüge, die meisten via Europa, auf der Webseite „Ghostplane.net“ veröffentlicht. Dort kann man bequem in einer Datenbank anhand verschiedener Merkmale filtern, wann wo welche CIA-Flugzeuge ihr Unwesen getrieben haben.<

🙂   Na also, langsam kommt doch noch Butter an die (fliegenden !) Fische …
Download: Dechiffrierte Flugdaten Gomes-Report
(WCN, incl. military flights Azores-Guantanamo, zipped Excel-Sheet, 18 KB)

Ressourcen:
Summary Gomes-Report (pdf-Datei, 3 Seiten, 84 KB, 11.12.06)
Detailed Gomes-Report (pdf-Datei, 67 Seiten, 3611 KB, 31.08.06)
Original flight table Azores-Guantanamo (Icao)
(provided by Navegaçao Aérea de Portugal, pdf-Datei, 4 Seiten, 2189 KB, 12.12.06)

Medienberichte:
Illegale CIA-Flüge in Portugal beobachtet
(Financial Times Deutschland, 05.01.07)
Portuguese EU lawmaker says detainees from alleged CIA flights were seen at base in Azores ( International Herald Tribune, 05.01.07)
Hunt for CIA ‚black site‘ in Poland (BBC, 28.12.06)
Polish airport at heart of CIA flights row (rinf.com, 03.01.07)

Ergänzende Quellen:
CIA-Flugdatenlisten: Untersuchung des Europaparlaments
(13.6.2006, Autor: Claudio Fava, PDF-Download, 874 KB)
Liste N313P    (WCN, Juni 2006)
Liste N379P    “    –    „
Liste N85VM    “    –    „
464 CIA-Landungen in Deutschland (WCN, 30.7.2006)

Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content Now

spionage

Special Forces clash with the CIA

Greg Miller – U.S. Special Forces teams sent overseas on secret spying missions have clashed with the CIA and carried out operations in countries that are staunch U.S. allies, prompting a new effort by the agency and the Pentagon to tighten the rules for military units engaged in espionage, according to senior U.S. intelligence and military officials.


Special Forces teams have sometimes launched missions without informing the CIA. Also In Europe. Also in Switzerland? Also Tom?

The spy missions are part of a highly classified program that officials say has better positioned the United States to track terrorist networks and capture or kill enemy operatives in regions such as the Horn of Africa, where weak governments are unable to respond to emerging threats.

But the initiative has also led to several embarrassing incidents for the United States, including a shootout in Paraguay and the exposure of a sensitive intelligence operation in East Africa, according to current and former officials familiar with the matter. And to date, the effort has not led to the capture of a significant terrorism suspect.

Some intelligence officials have complained that Special Forces teams have sometimes launched missions without informing the CIA, duplicating or even jeopardizing existing operations. And they questioned deploying military teams in friendly nations – including in Europe – at a time when combat units are in short supply in war zones.

The program was approved by Secretary of Defense Donald H. Rumsfeld in the aftermath of the Sept. 11 attacks, and is expected to get close scrutiny by his successor, Robert M. Gates, who takes over today and has been critical of the expansion of the military’s intelligence operations.

Senior officials at the CIA and the Pentagon defended the program and said they would urge Gates to support it. But they acknowledged risks for the United States in its growing reliance on Special Forces troops and other military units for espionage.

„We are at war out there and frankly we need all the help that we can get,“ said Marine Maj. Gen. Michael E. Ennis, who since February has served as a senior CIA official in charge of coordinating human intelligence operations with the military. „But at the same time we have to be very careful that we don’t disrupt established relationships with other governments, with their liaison services, or [do] anything that would embarrass the United States.“

Ennis acknowledged „really egregious mistakes“ in the program, but said collaboration had improved between the CIA and the military.

„What we are seeing now, primarily, are coordination problems,“ Ennis said in an interview with The Times. „And really, they are fewer and fewer.“

The issue underscores the sensitivity of using elite combat forces for espionage missions that have traditionally been the domain of the CIA.

After Sept. 11, the Bush administration gave expanded authority to the Special Operations Command, which oversees the Army Green Berets, Navy SEALs and other elite units, in the fight against terrorism. At the same time, Rumsfeld, who lacked confidence in the CIA, directed a major expansion of the military’s involvement in intelligence gathering to make the Pentagon less dependent on the agency.

Officials said this led to the secret deployment of small teams of Special Forces troops, known as military liaison elements, or MLEs, to American embassies to serve as intelligence operatives. Members of the teams undergo special training in espionage at Ft. Bragg and other facilities, according to officials familiar with the program.

The troops typically work in civilian clothes and function much like CIA case officers, cultivating sources in other governments or Islamic organizations. One objective, officials said, is to generate information that could be used to plan clandestine operations such as capturing or killing terrorism suspects.

Ennis said MLE missions were „low level“ compared with those of the CIA. „The MLEs may come and go,“ he said, „but the CIA presence is there for the long term.“

In a written response to questions from The Times, a spokesman for the Special Operations Command in Tampa, Fla., described MLEs as „individuals or small teams that deploy in support of (regional military commanders) in select countries, and always with the U.S. ambassador and country team’s concurrence and support.“ But critics point to a series of incidents in recent years that have caused diplomatic problems for the United States.

In 2004, members of an MLE team operating in Paraguay shot and killed an armed assailant who tried to rob them outside a bar, said former intelligence officials familiar with the incident. U.S. officials removed the members of the team from the country, the officials said.

In another incident, members of a team in East Africa were arrested by the local government after their espionage activity was discovered.

„It was a compromised surveillance activity,“ said a former senior CIA official familiar with the incident. The official said members of the unit „got rolled up by locals and we got them out.“ The former official declined to name the country or provide other details.

He said it was an isolated example of an operation that was exposed, but that coordination problems were frequent. „They’re pretty freewheeling,“ the former CIA official said of the military teams. He said that it was not uncommon for CIA station chiefs to learn of military intelligence operations only after they were underway, and that many conflicted with existing operations being carried out by the CIA or the foreign country’s intelligence service.

Such problems „really are quite costly,“ said John Brennan, former director of the National Counterterrorism Center. „It can cost peoples‘ lives, can cost sensitive programs and can set back foreign policy interests.“ Brennan declined to comment on specific incidents.

There have also been questions about where teams have been sent. Although conceived to bolster the U.S. presence in global trouble spots, the units have carried out operations in friendly nations in Europe and Southeast Asia where it is more difficult to justify, officials said.

On at least one occasion, a team tracked an Islamic militant in Europe. „They were trying to acquire certain information about a certain individual,“ said a former high-ranking U.S. intelligence official who spoke on condition of anonymity. The official declined to name the country, but said it was a NATO ally and that the host government was unaware of the mission.

Critics said such operations risked angering U.S. allies with a dubious prospect for payoff. In some countries where MLE teams are located, „There’s not a chance … we’re going to send somebody in there to snatch somebody unilaterally,“ said a government official who is familiar with the program.

At a time when the military is stretched thin, the official questioned the priority of using Special Forces for espionage, noting that the MLE program has not produced a significant success in terms of disrupting a plot or capturing a terrorist suspect.

„These are a highly trained, short-supply resource of the U.S. government,“ the official said. „What … are they doing there instead of Pakistan or Afghanistan?“

Gates, the former director of the CIA who is to run the Pentagon, has voiced concern over the military’s encroachment on CIA missions. In an opinion piece published this year, Gates said that „more than a few CIA veterans, including me, are unhappy about the dominance of the Defense Dept. in the intelligence arena and the decline in the CIA’s central role.“

In response to such conflicts, the Bush administration previously designated the CIA director as the head of all U.S. human spying operations overseas, with CIA station chiefs serving as coordinators in specific countries.

Ennis, whose position at the CIA was created last year, said the agency and the Pentagon were developing a more rigorous system for screening proposed military intelligence operations.

„Like a pilot with a checklist,“ CIA station chiefs will be required to sign off on all aspects of a proposed military intelligence operation before it is allowed to proceed, Ennis said. The CIA station chief, he added, „would look at the risk in terms of embarrassment to the government. Do they have the right level of training to do what they claim that they want to do, and is this already being done somewhere else?“

Col. Samuel Taylor, director of public affairs for the Special Operations Command, dismissed the suggestion of coordination problems with other agencies, saying, „We have an excellent, effective and productive working relationship with the CIA.“

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Die neue (Un)Sicherheitspolitik Deutschlands (3) „Entwicklungshilfe“ mit Überwachungskameras und Waffengewalt

Michael Schulze von Glaßer – Die Bundeswehr wagt einen neuen Schritt. Zwar ist die Bundeswehr als Entwicklungshelfer nur eine Täuschung, tatsächlich aber ist sie der Grund für mangelnde Entwicklungshilfe aus Deutschland, denn sie hat sich neue „zivil-militärische“ Aufgaben geschaffen und sich diese auch zugeschoben.

Ein Beispiel: Der Kongo-Einsatz der Bundeswehr 2006 zeigt, wie versucht wird durch militärische Absicherung ein nicht-militärisches Ziel, die Schaffung von sicheren und fairen Wahlen im Kongo, zu erreichen. Der Kongo-Einsatz, an dem 780 deutsche Soldaten teilnahmen und hitzige Diskussionen auslösten, wird von der Bundeswehr und der Regierung als Erfolg angesehen, um Kritik daran zu übertünchen. Doch was kommt als nächstes?

Die Bundeswehr als „Aufbauhelfer“ im Kosovo hatten wir schon, auch als angebliche „Wahlhelfer“ in Afrika waren die deutschen Soldaten tätig. Für mich stellt sich nun die grundlegende Frage, wie viele Aufgaben die Bundeswehr im zivil-militärischen Bereich übernehmen und sich somit in souverän staatliche Angelegenheiten einmischen darf, um nicht die demokratische Ordnung Deutschlands zu gefährden.

Die Bundeswehr könnte, wie der angeblich erfolgreiche Kongo-Einsatz zeigt, weltweit als Wahlhelfer eingesetzt werden. Warum also sichern wir im Kongo die demokratischen Wahlen und nicht auch im Irak?

Bei solchen Einsätzen verlieren unsere Militaristen oft die eigentliche Aufgabe der Bundeswehr – die deutsche Bevölkerung vor Angriffen zu schützen und bei Natur-Katastrophen zu helfen – aus den Augen. Dies liegt vor allem daran, dass viele Einsätze nichts mit der Sicherheit Deutschlands zu tun haben, wie beispielsweise die Wahlen im Kongo, sondern nur der künftigen Pfründe deutscher Unternehmen dienen, von denen nicht wenige US-Konzernen angehören. Selbst die Missionen in Afghanistan und Jugoslawien sind von diesem Standpunkt aus betrachtet falsch und mit der Aufgabe der Bundeswehr unvereinbar. In diesem Kontext gelesen wirkt der nachfolgende, auf Seite 21 im Weißbuch stehende Satz wie die Offenbarung einer von Konzernen gelenkten deutschen Politik:

„Deutschland steht zu seiner internationalen Verantwortung für Freiheit und Frieden und verfolgt so den dauerhaften Schutz und das Wohl seiner Bürgerinnen und Bürger.“

Egal, ob die Einsätze der Bundeswehr nun am Hindukusch, im Kongo oder am Horn von Afrika stattfinden, alle werden von der Bundeswehr als zum „Wohl seiner (der deutschen) Bürgerinnen und Bürger“ gepriesen. Und diese Aussage ist in zweierlei Hinsicht äußerst interessant: Einerseits, weil die Bundesregierung ihre Militärinterventionen immer mit der Hilfsbedürftigkeit der lokalen Bevölkerung begründet und anderseits, weil deutsche Interventionen auch immer mehr zur Unsicherheit des eigenen Landes beitragen.

Gewalt erzeugt Gegengewalt
Es ist fraglich, ob die von der deutschen Bundeswehr abgesicherten demokratischen Wahlen im Kongo zum Wohl der deutschen Bürger beitragen. Außerdem können die deutschen Interventionen auch zum Gegenteil, nämlich zum Unwohl der deutschen Bürgerinnen und Bürger führen, wie der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Oskar Lafontaine, in seiner Rede vom 10. November 2006 vor dem deutschen Bundestag erklärte:

„Seitdem die NATO in immer größerem Umfang im Süden Afghanistans bombt, ist dieser Einsatz absurd geworden. Es ist doch kein Wunder, wenn die Nachfahren der Opfer dieser Bombenkämpfe eines Tages Terrorattentate bei uns in Deutschland und in anderen NATO-Staaten verüben. Genauso wie heute gesagt wird, dass unsere Freiheit bzw. unser Land am Hindukusch verteidigt wird, werden Sie eines Tages sagen, dass sie ihre Ehre und ihre Familien in den NATO-Staaten verteidigen. Das ist dieselbe Logik.“

In diesem Zusammenhang ist Großbritannien ein schlimmes Beispiel. Neben den USA ist dieser Staat am eifrigste am „Krieg gegen den Terror“ beteiligt – wie die Veränderungen nach dem 11. September 2001 zeigen:

– Das schon im Jahr 2000 verabschiedete Antiterrorgesetz wird nach den Anschlägen in New York und Washington nochmals verschärft und führt zu absurden Überreaktionen bei Polizei und Wachdiensten und den daraus resultierenden „versehentlich“ getöteten Unschuldigen;

– Großbritannien beteiligt sich mit 3.300 Soldaten in Afghanistan und später mit etwa 9.000 Soldaten im Irak, zudem hat Großbritannien mit 53 Milliarden Euro die höchsten Rüstungsausgaben in Europa und mit einer Anzahl von 67.000 die meisten Soldaten im Ausland;

– Nach den Terroranschlägen auf den Londoner Nahverkehr am 7. Juli 2005 wurden die Antiterrorgesetze in Großbritannien nochmals verschärft, was zu einer Verhaftungswelle führte bei der bisweilen 12 Personen ohne Gerichtsverhandlung ins Gefängnis kamen;

– Der Stereotyp des bösen islamischen Terroristen mit schwarzen Haaren und Vollbart wurde von den „Mundschenken der Macht“, den Mainstream-Medien erfunden und führte auch in Großbritannien zu mehr Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierungen gegenüber Minderheiten. Das Misstrauen gegen Menschen islamischen Glaubens wuchs dramatisch an und es wurden erstmals offen anti-islamische Äußerungen gemacht;

– Großbritannien ist mittlerweile zum „Überwachungsstaat“ geworden, wie der Datenschutzbeauftragte der britischen Regierung, Richard Thomas, kürzlich feststellen musste:

„Vor zwei Jahren habe ich gewarnt, dass wir
uns schlafwandelnd auf dem Weg in eine Überwachungsgesellschaft befinden. Jetzt sind wir beim Aufwachen davon umgeben.“

Thomas spricht hier auf die mehr als 4,2 Millionen staatlichen und privaten Überwachungskameras in seinem Land an und bemängelt, dass dies zu einem „Klima des Verdachts“ führe. Neben den Kameras besitzt die britische Regierung die DNA von 3,5 Millionen Einwohnern und von 6 Millionen Briten auch die Fingerabdrücke. Die Kameras können heute sogar die Kennzeichen von Autos erkennen und bald sollen von den Kameras auch Gesichter „erkannt“ werden. In London ist mittlerweile eine beinah flächendeckende Überwachung möglich. Alles für den Kampf gegen den Terrorismus. Doch was geschieht, wenn der Kampf eines Tages gewonnen wird, wenn der Terrorismus besiegt ist? Werden die Kameras dann wieder abgebaut? Wohl kaum, wie ich denke, denn die Kameras dienen offensichtlich dem Terrorismus;

– Die Kameras konnten die Terroranschläge vom 7. Juli 2005 auf den Londoner Nahverkehr somit auch nicht verhindern. Bei den Bombenexplosionen auf drei U-Bahn Züge und einen Doppeldeckerbus starben 56 Menschen (darunter auch die vier Attentäter). In einem Bekennerschreiben hieß es, dass die Anschläge eine Vergeltung für den Einsatz britischer Soldaten in Afghanistan und im Irak sein sollen – es gibt allerdings keinen Beweis für die Echtheit des Dokuments;

– Und Großbritannien steht weiter im Fadenkreuz von Terroristen, wie verbreitet wurde: Im August 2006 griff die britische Polizei nach eigenen Aussagen in letzter Minute ein und nahm 24 vermeintliche Terroristen in Gewahrsam. Sie sollen geplant haben in mehreren Flugzeugen, auf dem Weg zwischen Großbritannien und Amerika, „Flüssigsprengstoff“ zur Detonation bringen zu wollen. Die Folge war ein Flüssigkeitsverbot auf allen Flügen und noch mehr Überwachung und idiotisch anmutende Überreaktionen, auch unter Flugpassagieren. So schob eine Amerikanerin ihr Baby durch die Durchleuchtungsanlage für Handgepäck und verursachte Panik unter den Bediensteten, die befürchteten, das Kleinkind sei durch die Röntgenstrahlung ernsthaft geschädigt worden. In gewohnter Weise wurde danach von einem Flughafen-Sprecher der Fall verharmlost.

Kritiker behaupten, die verschärften britischen Antiterrorgesetze führen zu Menschenrechtsverletzungen. Auch der Fall des Briten Steven Jago zeigt dies in krasser Weise:

In Großbritannien wurde der Buchhalter angeklagt, weil er den Schriftsteller George Orwell zitierte. Er soll am 18. Juni 2006 im Regierungsviertel ein Transparent mit dem Orwell-Zitat getragen haben:

„In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt“ (George Orwell in seinem Roman »1984«).

Die britische Polizei filzte den wahrheitsliebenden Buchhalter und konfiszierte „als Beweis“ für die Verbreitung von „subversivem Material“, einige Kopien des US-amerikanischen Magazins VANITY FAIR mit dem Titel: „Blairs Big Brother Vermächtnis“«, die Jago bei sich getragen hatte.

Deutschland aber scheint bisher mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Doch auch hierzulande beobachten gewaltbereite Menschen die deutsche (Außen-)Politik.

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Dadurch schraubt sich eine Gewaltspirale in die Höhe, die wiederum auch die deutschen Bürgerinnen und Bürger gefährdet und eben nicht dem „Wohl der Bürgerinnen und Bürger“ dient, wie es das Bundeswehr-Weißbuch weiß zu machen versucht.

© by Michael Schulze von Glaßer

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Die neue (Un)Sicherheitspolitik Deutschlands (4) Partytime – die angriffslustige Bundeswehr

Michael Schulze von Glaßer – Die Bundeswehr will sich offensichtlich nicht von ihrem aggressiven Weg abbringen lassen. Mittels „Transformation“ will sie sich verändern. Zurück zu einer Wehrmacht? Der Hinweis auf Seite 22 im Weißbuch weist darauf hin:

„Die Bundeswehr beschreitet seit Jahren konsequent den Weg des Wandels zu einer Armee im Einsatz und verändert sich dabei tiefgreifend.“

Dieser Wandel wird speziell bei der Ausrüstung der Bundeswehr klar. War die Bundeswehr im Kalten Krieg noch eine reine Verteidigungsarmee mit defensiven Waffen, sind die teuren Neuanschaffungen nun meistens offensiv ausgerüstet.

Schon im März 2004 machte der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sein Anliegen deutlich:

„Wir beschaffen das, was die neue Bundeswehr braucht und streichen Vorhaben, die dem neuen Anforderungsprofil und dem streitkräftegemeinsamen Ansatz nicht mehr entsprechen.“

Noch vor 15 Jahren hatte die Bundeswehr nach eigenen Angaben 1.800 schwere Leopard 2 Kampfpanzer im Einsatz, heute sind es nur noch 300. Einsätze, wie in Afghanistan, lassen es aber nicht mehr zu mit großen Panzern anzurollen. Aber auch ohne Panzerung auf gefährliche Missionen zu gehen käme nicht in Frage. Die Bundeswehr wird daher 3.800 geschützte Fahrzeuge der Typen „GTK“, „Mungo“, „Duro“, „Dingo 2“, „Wiesel 2“ sowie zusätzliche Multi-Fahrzeugschutzausstattungen erwerben. Dafür verzichtet sie auf die Beschaffung von gut 10.000 ungeschützten Fahrzeugen, so Struck im Jahr 2004. Kleine wendige Fahrzeuge und Truppentransporter sind also die Zukunft des deutschen Heeres. „Mobilität“ scheint dabei das Zauberwort künftiger Angriffe und fluchtartiger Rückzüge zu sein.

Jungs Unterhaltungsmittel – aus der Rüstungsindustrie: Alles für Wandertage, Höhenflüge und Poolpartys

„Fennek“ *
Bravo! Wir gratulieren Ihnen zum Erwerb dieses schicken Späh- und Kampfwagens, der 115 km/h auf die Piste bringt und in den drei Kerle vom A-Team hineinpassen. Sein wunderbarer Allradantrieb lässt den Jeep auch durch widrigstes Gelände vordringen. Dabei ist er wendig, mit Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffnet und zur Ausrüstung gehört sogar eine tolle Aufklärungsdrohne vom Typ „Aladin“. Die von Ihnen bestellten 206 Fennek kosten nur 330 Millionen Euro.

„GTK Boxer“ *
Bravo! Wir gratulieren Ihnen zum Erwerb dieses schicken Gepanzerten-Transport-Kraftfahrzeugs (GTK), mit dem Ihre Streiter auf 4 Achsen eine Geschwindigkeit von circa 100 km/h erreichen. Der Clou: Auf das Fahrzeugchassis, das den gesamten Motor und die Fahrerkabine enthält, können Sie verschiedene „Module“ ähnlich wie Container setzen. Zu jeder Party der passende Anzug! Innerhalb von Minuten verwandelt sich der GTK Boxer von einem Ambulanz zu einen Truppenfahrzeug und umgekehrt. Die von Ihnen bestellten 272 GTK Boxer kosten nur 900 Millionen Euro.

„Dingo“ *
Vielen Dank für Ihr Interesse an diesem hinreißenden Unimog-ähnliche Gefährt, mit denen Sie vor allem bei Auslandseinsätzen groß heraus kommen könnten. Alles in allem ein sehr sicheres und leistungsfähiges Radfahrzeug. Zu Ihrer Erinnerung: Anfang Juni 2005 fuhr ein „Dingo“ nahe der Afghanischen Hauptstadt Kabul auf eine Panzerabwehrmiene und wurde dabei völlig zerstört. Die fünf Insassen des Fahrzeuges kamen mit dem Schrecken davon – die dicke Panzerung schützte sie im Innenraum. Der Stückpreis beträgt, weil Sie’s sind, nur 650.000 Euro.

* Hersteller: Krauss-Maffei Wegmann

„A 400 M“
Atmen Sie tief durch! Das Transportflugzeug „A 400 M“, mit dem Sie bis zu 30 Tonnen Nutzlast durch die Luft schicken können, werden wir Ihnen schon 2010 liefern. Damit wird die Verlegung von Radfahrzeugen wie dem „Boxer“ oder auch kleinen Panzern wie dem „Wiesel“ zum Vergnügen! Ist das nicht super? Dieser Airbus ist 900 km/h schnell und zum Schnäppchenpreis zu haben: 60 Maschinen dieses Typs für nur 9 Milliarden Euro.

„Tiger“
Zeigen Sie Ihrem Gegner die Krallen! Mit dem Unterstützungs- und Kampfhubschrauber „Tiger“ spielen Sie im Luft-Bodenkampf eine überragende Rolle. Greifen Sie zu, falls Sie es nicht schon längst getan haben: Die 80 „Tiger“ kosten nur 4 Milliarden Euro.

„NH-90“
Ihre Nachbarn beneiden Sie! Jeder will ihn haben, den neuen Hubschrauber „NH-90“. Überall einsetzbar und für verschiedene Bereiche: in der Luft, über dem Land und auf dem Wasser. Damit geben Sie Ihrer Luftwaffe, Ihrem Heer und Ihrer Marine ein geiles High-Tech-Gefährt, denn bis zu 23 Kellner können damit auch größere Kisten zu Ihrer nächsten Party bringen. Und der Preis? 114 NH-90-Hubschrauber für nur 2,5 Milliarden Euro.

© by Michael Schulze von Glaßer

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Die neue (Un)Sicherheitspolitik Deutschlands (Teil 1) Gefahr wohin man schaut

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Michael Schulze von Glaßer – Durch die zunehmende Globalisierung hat sich die Außenpolitik Deutschlands stark gewandelt. Nicht zuletzt die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der darauf folgende so genannte „Krieg gegen den Terror“ sind Anzeichen für neue Gefahren, die mit der Globalisierung einhergehen.

Anfang November erschien die neueste Ausgabe des „Weißbuches der Bundeswehr“, das so genannte „Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“. Bundeswehr-Weißbücher erscheinen selten – meist nur zu besonderen Anlässen. Die neue sicherheitspolitische Lage Deutschlands war es denn auch, die den Verteidigungsminister und die Regierung dazu bewegt haben sollen nach über zehn Jahren wieder ein neues Weißbuch heraus zu geben. 1994, als das letzte Weißbuch erschien, waren der Fall des Eisernen Vorhangs und die Auflösung der Sowjetunion der Grund. Heute sind es die sich häufenden Auslandseinsätze der Bundeswehr im Rahmen des „Krieges gegen den Terror“ und das Thema „Terrorismus“ allgemein.

Gleich zu Beginn des Kapitels mit dem Namen „Grundlagen deutscher Sicherheitspolitik“ wird Lesern auf der Seite 20 der neue Hauptfeind deutscher Sicherheit präsentiert:

„Mit der Globalisierung eröffnen sich auch für Deutschland neue Chancen. Zugleich bringt der grundlegende Wandel im Sicherheitsumfeld neue Risiken und Bedrohungen mit sich, die sich nicht nur destabilisierend auf Deutschlands unmittelbare Umgebung auswirken, sondern auch die Sicherheit der gesamten internationalen Gemeinschaft berühren. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert den Einsatz eines breiten außen-, sicherheits-, verteidigungs- und sicherheitspolitischen Instrumentariums zur frühzeitigen Konflikterkennung, Prävention und Konfliktlösung.“

Die Globalisierung eröffnete Deutschland, dies verbreitet die Bundeswehr, zwar neue Chancen, doch die Bedrohungen die von Globalisierung ausgehen, scheinen dem gegenüber unberechenbar zu sein. Dass über die Globalisierung vielfach nichts Gutes geschrieben wird – sie nur eine gute „Chance“ sei – wundert kaum, sieht doch die Bundeswehr jedes Land, das nicht mit Deutschland verbündet ist, plump als feindlich an.

Die Bundeswehr stellt sich also gegen Globalisierung und damit gegen die Linie der deutschen Regierung. Dies beweist der zweite, oben zitierte Satz. Demnach sieht die Bundeswehr die Globalsierung nur als Argument für ihr Fortbestehen. Ohne Globalisierung gäbe es folglich keine neuen Gefahren und mutmaßlich auch keine neuen Kriege und ohne Kriege keine Berechtigung für Armeen wie die Bundeswehr. Anstatt aber die Globalisierung interessiert in kritischer Weise zu hinterfragen, folgt die Bundeswehr den oftmals dumpfen Ablehnungen und spricht von neuen Bedrohungen und scheint damit gleich mit allen Geschützen in Stellung zu gehen; die Bundeswehr reagiert auf die Globalisierung nämlich mit Aufrüstung:

Außenpolitik
Die deutsche Außenpolitik wurde nach Ende des Ost-West-Konfliktes zunehmend aggressiver. Dies belegen unter anderem die sich häufenden Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die ehemalige „Kasernen-Armee“, die Bundeswehr, wuchs mit dem Einsatz im Kosovo zu einer offensiven Armee heran und nimmt seitdem oft an Einsätzen im Ausland teil. Schon heute sind rund 8.900 deutsche Bundeswehrsoldaten an 10 Auslandseinsätzen beteiligt. Tendenz steigend!

Sicherheitspolitik
Die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik zeichnet sich vor allem durch Abschreckung und stetige Aufrüstung aus. Auch wenn die Bundeswehr (noch) keine Atomwaffen besitzt, hat sie durch Bündnisse wie die NATO und die EU ein hohes Abschreckungspotential. Trotzdem rüstet die Bundeswehr unbeirrt weiter auf. Neben neuen Kampfjets vom Typ „Eurofighter“ gibt es noch neue Hubschrauber („Tiger“ und „NH-90“), Radfahrzeuge („Fennek“ und „Boxer“), Panzer („Puma“), Transportflugzeuge („Airbus A 400 M“), Abwehrraketen („MEADS-System“), U-Boote („Klasse A 212“) und sogar ein neues 6 Milliarden Euro teures internes Kommunikationssystem namens „Herkules“!

Verteidigungspolitik
Die Bundeswehr setzt bei der Verteidigung des Heimatlandes vor allem auf Prävention, und sie schreckt nicht davor zurück die neu erworbenen Technologien auch einzusetzen. So werden selbst ein paar Mohn anbauende islamistische Fundamentalisten im 4.800 Kilometer entfernten Afghanistan (Berlin-Kabul)) zu einer Bedrohung Deutschlands. Doch Prävention wird nicht nur im Ausland betrieben – auch im Inland soll die Armee bald mehr sein dürfen. Nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer will Bundesinnenminister Schäuble den „Mehrwert“ für die Bundeswehr: Zur Freude deutscher Militärs will er die Bundeswehr auch im Inland einsetzen. Doch dazu muss er das Grundgesetz ändern. Allein schafft er es aber nicht – nicht nach dem in der Verfassung festgelegten demokratischen Reglement. Auch der farblose Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung wird ihm dabei keine große Unterstützung sein können. Vielleicht deshalb versucht sich die Bundeswehr schon jetzt im Innern Deutschlands, klammheimlich in Bereich, die eigentlich für die Bundeswehr tabu sein sollten – so wird von Teilen der Opposition vermutet.

Von den drei deutschen Geheimdiensten, dem Auslandsgeheimdienst BND (Bundesnachrichtendienst), dem Inlandsgeheimdienst BfVS (Bundesamt für Verfassungsschutz) und dem MAD (Militärischer Abschirmdienst) gehört letzterer, wie der Name schon verrät, zur Bundeswehr. Der MAD soll nun stärker mit den anderen beiden Geheimdiensten vernetzt werden – die Priorität dabei liegt zwar bei der Vernetzung mit dem BND, und dies intensiver als es erscheinen könnte, aber auch eine bessere Zusammenarbeit mit dem BfVS soll es geben.

Nicht umsonst wird der Bundeswehr im Grundgesetz der Einsatz im Innern verweigert: Die Erfahrungen während des Nazi-Regimes in Deutschland lehrten, welchen Schaden das Militär im Innern oder viel mehr die damit einhergehende Verschmelzung von Polizei, Geheimdiensten und Armee mit sich bringen kann. „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“ hieß es 1848/1849 bei Aufständen. Freikorps waren es, die 1918/1919 die Revolution niederschlugen. Die so genannte Reichswehr ging 1920 gegen die Arbeiterbewegung an, was drei Jahre später zur so genannten Reichsexekution gegen die SPD-KPD-Regierungen in Sachsen und Thüringen führte.

Könnte die Bundeswehr im Innern zu jeder Zeit und nicht nur bei Katastrophenfällen, Gedenkfeiern und Gelöbnissen, wie es heute der Fall ist, eingesetzt werden, so wäre dies ein großer Schritt in Richtung Totalitarismus – ein krasser Rückschritt.

Die Behauptung, die Bundeswehr und damit das Militär sei bei der Fußball- Weltmeisterschaft 2006 nicht zum Einsatz gekommen, zählt wohl zur Verschleierungspropaganda des Bundesinnenministeriums, denn 2.000 Soldaten haben rund 112 Unterstützungsanfragen von Ländern und Kommunen erfüllt; für den Fall eines Terroranschlags standen 5.000 Soldaten in den Kasernen stets bereit. Eine Zusammenarbeit, so genannte Amtshilfe, gab es auch bei der Polizei – die Bundeswehr stellte den Polizisten 6.000 Schlafplätze zur Verfügung und sorgte sich um deren leibliches Wohl. AWACS-Flugzeuge der NATO kreisten zu WM-Zeiten über Deutschland um „Sicherheit“ zu gewährleisten.

Seit geraumer Zeit versuchen der Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) Gesetze auf den Weg zu bringen, um die Bundeswehr noch stärker im Inland einsetzen zu dürfen; mit einem Gesetz, das es der Luftwaffe erlauben soll mutmaßlich entführte zivile Flugzeuge über deutschem Boden abzuschießen: Für zivile Passagierflugzeuge und deren Passagiere wie auch überall in Deutschland am Boden sich aufhaltende Menschen brächte ein solches Gesetz mehr Unsicherheit und vor allem Lebensgefahr.

Die beiden „Schreibtisch-Helden“ scheiterten vor dem Bundesverfassungsgericht. Das Verfassungsgericht lehnte das Gesetz wegen Verstoßes gegen die Menschenwürde ab. Doch Schäuble und Jung geben nichts auf das „Luftsicherheitsgesetz“ sowie auf den richtungsweisen Entscheid des Bundesverfassungsgerichts. Es fällt schwer, so denke ich, sie nicht für Politiker mit notorischem Hang zu Diktatur zu halten, denn sie wollen das Grundgesetz nach ihren Willen dahingehend ändern, dass der von ihnen gewünschte Abschußbefehl gegeben werden kann – „Mord per Gesetz“ sagen dazu ihre Kritiker.

Entwicklungspolitik
Auch wenn es so aussieht als passe dieser Punkt nicht in das Spektrum der neuen Bundeswehraufgaben, wird die Entwicklungspolitik in Zeiten der Globalisierung immer wichtiger. Die Entwicklungspolitik fällt unter die zivil-militärischen Aufgaben, wie sie beispielsweise in Nord-Afghanistan von etwa 3.000 Bundeswehr Soldaten durchgeführt wird. Dabei arbeitet die Bundeswehr eng mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zusammen.

Bei zivil-militärischen Einsätzen geht es vor allem um den Wiederaufbau eines Landes, um die „Herzen der Menschen“ zu gewinnen. Diese Strategie scheint besonders in Afghanistan aufzugehen. Dort baute die Bundeswehr bisher rund 120 Kilometer Straßen, Strom und Wasserversorgungen für mehrere Städte und zwei Krankenhäuser. Die Kosten für die Projekte werden teilweise von der Bundeswehr selbst aber auch größtenteils von Geldern aus der allgemeinen Entwicklungshilfe finanziert.

Dass die „Entwicklungshilfe“ in Ländern der so genannten Dritten Welt vorangetrieben wird, ist sehr erfreulich. Doch dergleichen geht auch ohne den Einsatz bewaffneter Soldaten. Anstatt teurer Auslandseinsätze sollte das Geld besser direkt in die Entwicklung von Ländern gesteckt werden. Durch Entwicklungshilfe macht man sich Freunde in aller Welt – nicht durch Waffen.

Diktatorische und undemokratische Regime sollten jedoch nicht unterstützt werden – wie es schon häufiger vorkam.

Im Haushalt der Bundesrepublik konkurrieren Entwicklungshilfe und Verteidigungsausgaben miteinander. Die Verteidigungsausgaben für den Bundeshaushalt 2007 sind 6,3-mal so hoch wie die Ausgaben für Entwicklungshilfe. Die Verteidigungsausgaben stiegen im Haushalt 2007 auf 28,4 Milliarden Euro (+1,9 Prozent). Durch weitere Beteiligungen an Einrichtungen der Weltbankgruppe sowie für den Europäischen Entwicklungsfonds stiegen die Ausgaben für Entwicklung jedoch auch um 7,8 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Die große Differenz zwischen den Beträgen zeigt deutlich, wo momentan die Prioritäten der Bundesregierung liegen.

© by Michael Schulze von Glaßer

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