medien

OSCE ASKS SWISS TO ADD RIGHT TO KNOW TO SECRECY LAWS

The OSCE Representative on Freedom of the Media, Miklos Haraszti, has voiced his concern over possible consequences for the media stemming from investigations into the disclosure of confidential military information by a Swiss newspaper.

Swiss Federal and Military Attorneys have started probes into SonntagsBlick’s publication on 8 January of classified data on the interception by Swiss military intelligence of a fax from the Egyptian Foreign Ministry to its Embassy in London. The fax, sent via a satellite link on 15 November 2005, was a summary of world press reports on the issue of alleged clandestine CIA prisons in Europe.
In letters to Defence Minister Samuel Schmid, and Justice Minister Christoph Blocher, Haraszti has requested the Swiss Government to do everything in its power to limit action against the media in the SonntagsBlick case.

He also asked the Government to start amending the country’s punitive provisions on breach of confidentiality, in order to bring them into line with modern concepts of the overriding public interest.

„The protection of government should be balanced with the internationally recognized principle of the public’s right to know“, he wrote. „The concept of overriding public interest – already applied by some courts in Switzerland – should be built into the provisions which penalize the breach of state secrets.“ Haraszti also noted the media could not be held accountable for revealing confidential information.

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deutschland

Digitale Personalausweise – in einem ganz anderen Licht

Harald Haack – Sieben Tage in der Woche musste er arbeiten. Jimmy Massey (39), ehemaliger US-Marine, konnte die blinde Tötungsbereitschaft nicht mehr ertragen. Acht Jahre lang war er im Irak dabei, von Anfang an. Er tötete auf Verlangen der US-Regierung. Er tötete Menschen, die seine Regierung ihm als Terroristen unterschob, darunter ein sechsjähriges Mädchen. Er verlangte von seinen Vorgesetzen die Erklärung, weshalb dieses Kind ein Terrorist hatte sein sollen. Sie erklärten ihm, es sei zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Die Standard-Ausrede für so genannte Kollateralschäden.

Jimmy verkraftete das Töten nicht mehr. Vor allem hatte er verstanden, wie man ihn, der als Kind frommer Christen zum Nichttöten erzogen worden war, im Training zum Killer gewandelt wurde. Für die Militärs war er mit dieser Erkenntnis unbrauchbar geworden. Wegen psychischer Schäden, einem posttraumatischen Verarbeitungssyndrom, wurde er – ehrenhaft – entlassen und schluckt gegen seine Alpträume täglich bis zu sechs Pillen Psychodrogen.

Häufig steht er am Straßenrand, so wie etliche andere der ehemaligen US-Soldaten, in der beigefarbenen Tarn-Uniform für Wüsteneinsätze. In den Händen hält er ein großes Schild. „Für meine Regierung habe ich unschuldige Zivilisten im Irak getötet“, steht darauf.

Die Infanterie braucht dringend Nachschub, und scheitert kläglich an diesen ehemaligen Soldaten, die den Krieg und das Töten hassen gelernt haben. Feldwebel Christopher Wunsch, dessen Aufgabe es ist, „warm bodies“, auf deutsch auch „Frischfleisch“ genannt, für Einsätze im Irak zu finden, weiß von über einhundert Desertierten, die schon nach Kanada geflüchtet sind, weil sie von diesen Kriegsveteranen, die vom Töten reden, hörten. Keiner will mehr im Irak dem US-Militär dienen.


Charlie Daniels, Unterhalter und Betreuer der US-Truppen kämpft im US-Army-TV …


…gegen den Frust der dienstunwilligen US-Soldaten im Irak.

Die Armee rekrutiert aber unermüdlich. Einwanderer, die noch keinen amerikanischen Pass besitzen, sind eine besondere Zielgruppe. Man lockt sie mit der Aussicht auf den „begehrten“ amerikanischen Pass. Bald sollen aber auch junge Europäer, die noch daheim in ihren Heimatländern leben, die Chance erhalten, in der US-Army zu dienen. Man könnte sie mit der „Sicherheit der USA“ locken, weil Europa zukünftiges Kriegsgebiet werde, philosophiert ein anderer US-Rekrutierer. Wer von den jungen Europäern wolle denn „für die falsche Seite“ kämpfen?

Hilfreich bei der Suche nach geeignetem „Kanonenfutter“ könnte den US-Rekrutierern der neue digitalen Personalausweis werden, und ab 2008 soll es ihn in Scheckkarten-Format in Deutschland geben. Das wurde von der vorherigen rot-grünen Regierung unter Kanzler Schröder und Bundesinnenminister Schily entschieden, obwohl aus rechtlicher Sicht noch nichts geklärt ist.


Sollen künftig deutsche „Wehrsportler“ ihre irakischen „Kameraden“ erschießen? Beim US-Militär heiß begehrt und für nur $57.99 zu haben: Weltkrieg-II-Veteran „Volksgrenadier Hans Ebner“ wartet bei wartoys.com auf seine sofortige Anlieferung.

Deutsche Behörden dürfen bisher laut Gesetz nur die Ausweisdaten verwenden und an andere Behörden weitergeben. Nicht jedoch an die Behörden anderer Staaten, wenn nicht berechtigte Interessen bestehen und plausibel erklärt werden – wie beispielsweise bei der Strafverfolgung. Die Abwerbung potentieller Soldaten aber würde sich kein Land gefallen lassen und würde Personaldaten deshalb zurück halten. Doch obwohl noch nichts gesetzlich geregelt ist, erhoffen sich US-Rekrutierer künftig den Zugriff auf die Daten deutscher Bürger, um gezielt nach militärischen „Grünschnäbeln“ suchen zu können, die bereitwillig fürs US-Militär im Irak dienen wollen. Dies könnte über den Identitätsnachweis geschehen, der für Unternehmen mit der Einführung des digitalen Personalausweises möglich sein soll – gegen Entgelt und online.

Woher die Überlegungen des Bundesinnenministeriums stammen, die Daten auf dem neuen digitalen Personalausweis für Unternehmen gegen Gebühr abrufbar zu machen, gilt nach Informationen der Analysten Kuppinger Cole und Partner (KCP) als geheim. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte die Geschichte – Personaldaten gegen Bares- grundsätzlich.

medien

Newsbattery das Politmagazin der Blogsphäre

Stephan Fuchs – Zum vierten Mal erscheint Newsbattery, das Politmagazin aus den Blogs. Themenschwerpunkte dieser Ausgabe sind das Geheime Abhörsystem ONYX des Schweizer Geheimdienstes, die Freilassung des Papstattentäters Ali Agca und die Verbindungen zum Irakkrieg, der Countdown zum Atomkrieg, Kriegsbilder – wie Medienfotos verschleiern anstatt zu informieren und über die Choreografie ziviler Gewalt.

Nicht nur, es geht auch um das Leck im Pariser Ritz Hotel, das Indiskretionen prominenter Gäste an die Boulevardpresse weitergibt und geht der Frage „Gefahr schmutziger Bomben nur psychisch?“ nach. Themen die angehen, Themen die brisant sind.



In NewsBattery herrscht die schnelle Blog-Sprache ebenso wie fundierte Hintergrund- und Rechercheartikel.

NewsBattery ist Europas erstes Polit- Magazin das mit Blog-Artikeln aus verschiedenen Weblogs in den Print geht. Und das Webkonform. NewsBattery braucht man sich nicht am Kiosk holen und der Postbote braucht sich nicht vor bissigen Hunden zu fürchten. Das Magazin braucht keinen Vertrieb, keine große Logistik, keine retournierten und weggeschmissenen Rohstoffe.

NewsBattery ist ohne Abo und ohne Kosten für Sie erhältlich. Das im PDF Format downloadbare Magazin lässt sich selbstverständlich ausdrucken, das Design ist für A4 konzipiert und wird vorwiegend in Graustufen gehalten. Das Magazin lässt sich archivieren und ergibt über einige Monate eine beachtliche Sammlung spannender und brisanter Artikel. Das Magazin können Sie Ihren Freunden verschicken, vervielfältigen & auf ihrem Blog oder Ihrer Homepage ebenfalls zum Download anbieten. Das gute auch für Sie, auch Ihr Weblog mit journalistisch aufbereiteten Polit-Storys kann vertreten sein.

Newsbattery Schweiz
Newsbattery Deutschland

terror

Wilde „Verschwörungstheorien“ oder berechtigte Zweifel?

Karl Weiss – Eine Gruppe glaubwürdiger Experten und akademischer Autoritäten hat die offizielle Darstellung der Ereignisse des 11. September als freche Fälschung („hoax“) bezeichnet. Sie selbst sind als Ganzes über jeden Verdacht erhaben sind, Spinner zu sein. Damit ist diese Meinung, die von bestimmten Mainstream-Medien vom ZDF bis zum Spiegel immer als absurde Theorie von Spinnern abgetan wurde, zu einer geworden, die von jedem ernst genommen werden muß – will er nicht selbst in die Kategorie der naiven Leichtgläubigen geraten.

Die Experten- und Akademikergruppe setzt sich u.a. aus folgenden Personen zusammen: Robert M. Bowman, James H. Fetzer, Wayne Madsen, John McMurtry, Morgan Reynolds und Andreas von Bülow (ehemaliger Bundesminister).

Diese Experten sind der Meinung, daß jene Ereignisse von Elementen innerhalb der US-Administration orchestriert wurden, um die US-Öffentlichkeit zur Unterstützung einer agressiven kriegerische Politik zu bringen,. Was nie geschehen wäre ohne ein „neues Pearl Harbour“.

Sie haben sich mit vielen anderen zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die sich „Akademiker für die 9/11-Wahrheit“ nennt.

Was die Beurteilung der offiziellen Behauptungen angeht, raten sie den internationalen Medien, sich bei universitären Institutionen schlau zu machen, wenn es um die wissenschaftliche Einschätzung solcher Behauptungen geht.

Sie halten das Weisse Haus und die ihm unterstehenden Institutionen für offensichtlich unfähig, sich selbst diesbezüglich zu überprüfen und meinen, daß es eine leere Hoffnung ist, der US-Kongreß könnte darüber unabhängige Untersuchungen führen.

Wenn die Medien beginnen würden, die offizielle Verschwörungstheorie mit Hilfe unabhängiger Experten zu überprüfen, so würde nach ihrer Meinung bald die nackte Wahrheit ans Tageslicht kommen, und die wirklichen Hintermänner würden bekannt werden.

Nach ihren Angaben haben sie die offizielle Version studiert und mit den bekannt gewordenen Indizien und Zeugenaussagen verglichen und sind zu dem klaren Ergebnis gekommen, daß sie nicht aufrecht zu erhalten ist und im klaren Gegensatz zu bekannten Tatsachen steht. Diese offizielle Verschwörungstheorie, daß angeblich 19 Araber unter Leitung eines in der afghanischen Wildnis versteckt lebenden Oberverschwörers dies alles alleine in Szene gesetzt hätten, sei auf keinen Fall mit den wirklichen Untersuchungsergebnissen in Übereinstimmung zu bringen. Außerdem geben sie an, daß es überzeugende Anzeichen gibt, daß einige angeblich von Osama bin Laden stammenden Videobotschaften nicht authentisch sind.

Unter anderen werfen die Experten folgende Fragen auf:

– Der Flug 77, der an jenem Tag das Pentagon getroffen habe, ist weit entfernt davon von den Radar-Schirmen verschwunden, im Bereich der Grenze zwischen Kentucky und Ohio, um dann plötzlich in unmittelbarer Nähe Washingtons angeblich wieder aufzutauchen. Wie ist das möglich?

– Transportminister Norman Mineta berichtete, er habe an jenem Tag in einem unterirdischen Bunker des Weissen Hauses beobachtet, wie Vize-Präsident Chenney einen jungen Offizier zurechtwies, der ihn – angesichts der andauernden Annäherung eines verdächtigen Flugzeuges an das Pentagon – gefragt hatte, ob die gegebenen Befehle immer noch aufrechterhalten würden. Es kann sich nur um den Befehl gehandelt haben, das Flugzeug nicht abzuschiessen. Wie ist das möglich?

– Das Flugzeug, das das Pentagon traf, machte einen großen Bogen um das Gebäude herum, um es von der Westseite her zu treffen. Dies war die einzige Seite, auf der das Pentagon bereits durch spezielle Außenmauern gegen solche Einschläge geschützt war, so daß der Schaden entsprechend minimiert wurde. Wie ist das möglich?

– Ein früherer Generalinspekteur der US-Luftwaffe gab an, daß die Teile des in Pennsylvania abgestürzten Fluges 93 sich im Umkreis von etwa einem städtischen Häuserblock (das ist in den USA üblicherweise eine Quadratmeile) befunden haben müßten. In Wirklichkeit wurden die Trümmer aber in einem Gebiet von 8 Quadratmeilen gefunden. Wie ist das möglich?

– Die Video-Aufnahme eines Interviews mit Luftverkehrskontrolleuren, die an jenem Tag Dienst hatten, wurde absichtlich zerstört, zerschnitten und tauchte später nur in kleinsten Teilen an unterschiedlichen Orten auf. Wie ist das möglich?

– Am 24. Oktober 2000, fast ein Jahr vor den Anschlägen, führte das Pentagon eine Übung namens MASCAL durch, in der angenommen wurde, eine Boeing 757 sei in ein Gebäude gelenkt worden. Trotzdem haben alle Verantwortlichen in der US-Administration nach dem 11. September behauptet, sie hätten sich vorher niemals auch nur vorstellen können, daß ein Airliner als Waffe genutzt werden könnte. Wie ist das möglich?

Diese Experten und akademischen Lehrer wurden aufgrund der Tatsachen zu der Annahme gebracht, daß es sich bei der offiziellen Verschwörungstheorie über die verbrecherischen Anschläge des 11. September um jene Herangehensweise handelt, die der nächste Berater des US-Präsidenten, Karl Rove, so benannt hat: „Unsere eigene Realität schaffen“.

Diese Aussagen stammen von dem Sprecher der Gruppe, James Fetzer von der University of Minnesota.

Anruf aus der Hölle: 9/11 Audio Files veröffentlicht
Fotos: Oliver Dähler, Ballettmeister, Choreograf und Fotograf, Bern

medien

Den LeuMund kennen lernen…

Stephan Fuchs – …und dabei die ganze Wahrheit erfahren? Wenn es der Bundesrat, geschweige denn der Strategische Nachrichtendienst schon nicht schafft sein Volk über die ganze Wahrheit zu informieren, wie sollen es dann die BloggerInnen schaffen? Oder vielleicht eben doch? Mischeln die Blogger die Medienkarten neu?


Herr Leu, mischeln die Blogger die Medienkarten neu?

In der Schweiz tut sich was. So oder so. Das Weblog wird auch hier mehr und mehr zu einer Nachrichtenquelle und Geschichtenkiste. Nicht nur, denn offensichtlich auch zu einem Leim. Mit Dank an die alten Hasen der Bloggo sapiens, die sich um den Leim kümmern, rückt man sich in Bern ein bisschen näher.

Es wird zum Bloggertreffen eingeladen. Am Sonntag 05.02.06 ab 17:00 trifft sich die Bloggkultur im Il Grissini in Bern. Hingehen und weiterbloggen.

LeuMund.ch
Blog.ch
Ignoranz
Schutzkreis
Limmatquai
Cyberwriter
Kaffeehaus
~tmp
u.v.a.

spionage

Ist die GPDel geblendet?

Stephan Fuchs – Es gibt Fotos. Es gibt Videomaterial. Es gibt amerikanische Soldaten und Offiziere die sagen: „Wir foltern“. Es gibt Berichte und Anhörungen von Personen, die irrtümlich entführt, verschickt und gefoltert worden sind. Einige dieser Flugzeuge haben die Schweiz überflogen, sind vielleicht gar in Genf gelandet. Mit oder ohne „Paket“.

Die Presse wurde darauf aufmerksam, löste einen kleinen Skandal aus. Nicht dass der Skandal klein wäre, nein, er wurde von den Regierungen klein gehalten. Einige Parlamentarier im Schweizer Bundeshaus wollten von ihrer Regierung mehr wissen und haben den Bundesrat um Klarstellung ersucht. Der Sonntagsblick veröffentlichte ein vom Schweizer Geheimdienst abgefangenes Fax und klassifizierte es als Geheim.

Geheim für wen, wenn das darin enthaltene Wissen nahezu allgemeingut ist? Die Veröffentlichung war ein kleiner Skandal. Nicht dass der Skandal klein wäre, nein, er wurde von den Regierungen klein gehalten. Nicht der Inhalt kam durch die geschickte Kommunikation zum Skandal, sondern die Veröffentlichung kam zu Skandal. Einigermassen brisant war, zu beobachten, dass die Geschäftsprüfungsdelegation GPDel, ein Gremium das die Geheimdienste kontrollieren soll, sich voll und ganz hinter den Geheimdienst stellte und sich zum Wasserträger des Geheimdienstes macht.

Die tranig- öligen Wasserträger
Die GPDel nahm sich, die Meinung wurde über deren Präsident Hans Hofmann im Vorfeld bereits klar kommuniziert, der Thematik an. Nebst den öffentlich zugänglichen Informationen standen der Geschäftsprüfungsdelegation insbesondere folgende Dokumente zur Verfügung:

die Liste der verdächtigten Flugzeuge, welche die Schweiz überflogen haben oder in der Schweiz gelandet sind (inkl. Abflugsorte und Destinationen),

der Entscheid des Bundesrates vom 12. Februar 1997 betreffend das Überfliegen des schweizerischen Hoheitsgebiets und die Landung auf schweizerischen Flugplätzen durch ausländische Militär- und andere Staatsluftfahrzeuge (Bewilligungskategorien und zuständige Bewilligungsbehörden),

ein Beispiel der Jahresbewilligungen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) für ausländische Militär- und andere Staatsluftfahrzeuge,

eine Kopie des durch die elektronische Funkaufklärung des VBS abgefangenen Fax,

eine Kopie der integralen Übersetzung des abgefangenen Fax,

eine Kopie der aufgrund des Fax erstellten Informationsnotiz des Strategischen Nachrichtendienstes (SND).

Die GPDel erhielt alle von ihr geforderten Informationen. Sie wurde durch den Bundesrat und seine Delegation umfassend und transparent informiert. Meint die GPDel in ihrer Erklärung. Unter uns gesagt: Die oben erwähnten und von der GPDel stolz verlangten Dokumente sind ein Furz. Selbst diese Dokumente sind mit ein bisschen Zeitungslesen und Parlamentsseiten durchforsten einsehbar. Sie haben sich „ein Beispiel“ des BAZL zeigen lassen und eine Kopie des Fax. Aha. Nicht das Original.

Alles ist gut
In der GPDel Erklärung steht zu aller Beruhigung: Am 8. Dezember 2005 hat die Botschaft der Vereinigten Staaten in der Schweiz dem EDA eine Kopie der Erklärung von Staatssekretärin Condoleezza Rice übermittelt, welche sie anlässlich ihrer Reise nach Europa am 5. Dezember 2005 abgegeben hatte: „The United States has not transported anyone, and will not transport anyone, to a country when we believe he will be tortured“.

Somit ist alles gut und hat seine Richtigkeit. Foltern tut man nicht. Die Nazis haben schliesslich, so war sich der Bundesrat im Zweiten Weltkrieg gegen aussen einig obwohl er es durch interne Schreiben einiger Ärzte besser wusste, auch keine tötungs- -KZ’s unterhalten. Damals war es auch ein Skandal, den Nazis so etwas zu unterstellen.

Aber nun gut, Frau Rice bestätigt, dass Amerika keine Gefangenen transportiert und sie auch nicht foltert. Und die GPDel ist froh über Frau Rice’s Bestätigung.

14 Leichen im Irak entdeckt: Vermutlich Folteropfer

Vor einigen Stunden kam dann aber, wieder eine Meldung rein: Die irakische Polizei hat heute in Bagdad 14 Leichen gefunden, die nach Angaben aus Regierungskreisen Anzeichen von Folter aufweisen. Den Toten seien die Augen verbunden und die Hände am Rücken zusammengebunden worden, sagten Vertreter des Innenministeriums. Die Todesursache sei noch unklar. Die Polizei suche nach weiteren Opfern. In den vergangenen Wochen wurden im Irak zahlreiche Tote gefunden, die offenbar misshandelt worden waren.

Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch Leichen in Afghanistan, Usbekistan oder Rumänien oder Kosovo gefunden werden. Aber das macht nichts. Bis dahin ist Frau Rice, Bush und ihre Todesengel längst aus dem Weissen Haus und über das Bundeshaus und der GPDel eine schwere Käseglocke gestülpt. Man vergisst ja so schnell, vor allem wenn man die Verantwortung hat.

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terror

Komplizen von Folterern sind Verbrecher

Elmar Getto – Schon ist die CIA- und Folterlageraffäre fast völlig aus den Medien verschwunden. Aus Brüssel wird noch etwas nachgekartet, aber alle betroffenen europäischen Regierungen sind zur Tagesordnung übergegangen und mit ihnen, wie üblich, die Mainstream-Medien.

Plötzlich ist es völlig egal, ob Regierungen von angeblichen Rechtsstaaten Komplizen von Entführungen und von Folter sind, plötzlich regt es niemand mehr auf, nicht einmal die Linkspartei mit ihrem neuen Mitglied Lafontaine stellt mehr hörbare Fragen. Wie hat man das geschafft?

Man hat einfach das Thema gewechselt. Es war nicht mehr Thema, ob die US-Regierung Verbrechen wie Entführung, Einrichtung von Folterlagern und Folter auf dem Gewissen hat und ob europäische Regierungen ihr dabei geholfen haben, sondern ob man angebliche Wahrheiten aus Foltern verwenden darf, wenn man nicht selbst foltert.

Schwarze-Kassen-Schäuble erklärt, selbstverständlich müsse man im ‚Kampf gegen den Terror’ durch Folter erhobene ‚Erkenntnisse’ nutzen und es sei nichts dagegen zu sagen, so lange man nicht selbst foltere und schon war die ganze Diskussion auf diese Ebene verschoben: Darf man erfolterte ‚Wahrheiten’ verwenden oder nicht – einer war dafür, einer dagegen usw.

Das Problem an dieser verschobenen Diskussion ist aber nicht nur, daß über handfeste Verbrechen von Regierungen einfach nicht mehr gesprochen wird, sondern auch, daß es eine Phantom-Diskussion ist. Es gibt keine Wahrheiten, die durch Folter ans Tageslicht kommen. Folter ist noch nie in der Geschichte der Menschheit dazu verwendet worden, um Wahrheit zu ermitteln und wird es auch jetzt nicht. Sie ist auch gar nicht dazu geeignet. Ein Gefolterter wird, wenn er spricht, alles sagen, was seine Peiniger hören wollen oder was er glaubt, daß sie hören wollen. Dabei kann sogar einmal die Wahrheit sein, sie ist aber durchweg aus der Masse der erfundenen Aussagen nicht herauszufinden.

Das liegt hauptsächlich daran, dass Folter ja auch nie dazu dient, an die Wahrheit zu kommen. Folter wurde in der Geschichte der Menschheit millionenfach verwendet. Es gibt kein Land, das sie nicht kennt. Die Gründe für Folter sind im wesentlichen die folgenden:

1. Die Folternden – meistens der Staat und seine Staatsdiener – wollen bestimmte Aussagen haben, seien es Geständnisse oder Beschuldigungen gegen Andere, seien es Bestätigungen von Thesen oder Theorien der Folternden.

Beispiele für 1 sind u.a. erfolterte Geständnisse, die einfach die Fälle schnellstmöglich lösen sollen. Das war z.B. bei der englischen Polizei der Fall, die Sprengstoffanschläge der IRA aufklären sollte. Man griff sich einfach irgendwelche als Sinn Fein-Anhänger bekannte Personen, die zur fraglichen Zeit in jener Stadt waren und folterte sie solange, bis alle gestanden, die Bomben gelegt zu haben. Peinlich nur, daß sich nach vielen Jahren unschuldigem Gefängnisaufenthalt herausstellte, daß nicht einer der Verurteilten beteiligt gewesen war.

Die wirklichen Täter konnten nach so vielen Jahren dann auch nicht mehr gefunden werden. Ein Beispiel für die ‚Thesen und Theorien’ waren ein großer Teil der Foltern durch die katholische Kirche im Mittelalter und bis tief ins siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert hinein. Man wollte beweisen, daß es den Teufel gibt und zwar in konkreter, ‚leibhaftiger’ Form, der direkt ins menschliche Leben eingreift und Besitz nimmt von Menschen. So ließ man denn die angeblichen Hexen in aller Ausführlichkeit und mit vielen Details gestehen, wie sie sich mit ihm getroffen und sich an ihn verkauft haben und natürlich – nicht zu vergessen – es mit ihm getrieben haben.

2. Die Folternden wollen Angst und Schrecken unter Regimegegnern und Oppositionellen verbreiten.
Es ist offensichtlich, dass Guantánamo und andere Folterlager ebenso wie die Entführungen und die Transporte von Opfern in Flugzeugen um die ganze Welt durch die US-Regierung vor allem potentielle Täter in Angst versetzen sollen. Ob diese Rechnung aufgeht, läßt sich bezweifeln. Unter der faschistischen Hitlerdiktatur hatten die meisten der wenig zimperlichen Horden in den Folterkellern einfach diese Aufgabe. Man kann sich kaum an Fälle erinnern, in denen auch nur behauptet wurde, man habe gefoltert, um die Wahrheit herauszukriegen. Das konnte man eben auch nicht. Auch die Foltermethoden waren nicht dazu angetan, denn meistens wurden die Opfer schnell ohnmächtig und waren nach wenigen Stunden oder Tagen bereits ermordet.

3. Die Folternden wollen Macht- und andere Lustgefühle erleben (nicht umsonst ist bei vielen Foltern eine sexuelle Konnotation gegeben).

Beispiele für 3 sind speziell die Foltern in Abu Ghraib im Irak durch US-amerikanische Täter sowie einige der bekannt gewordenen Foltern durch britische Soldaten. Man zwingt die Opfer zur Nacktheit – für die Täter das Gefühl der Überlegenheit und ein sexueller Anreiz. Man läßt Hunde bis wenige Zentimeter vor dem Penis von Opfern schnappen. Man zwingt Männer zu gestellten homosexuellen Szenen.

Man baut ganze Haufen aus nackten Körpern, so als ob man eine Gruppensexszene hätte. Man läßt sich eine Frau über den zusammengeschrumpelten Penis eines Mannes lustig machen. All dies beinhaltet das Weiden an Angst und Erniedrigung der Opfer ebenso wie das Erleben von Überlegenheits- und Wichtigkeitsgefühlen.

Das Erleben von Machtgefühlen soll einer der stärksten psychischen Anreize sein. Dazu kommt die sexuelle Stimulierung. Es gibt Folterer, die beim Foltern unmittelbar zum Höhepunkt kommen, aber auch die Möglichkeit, sich später an die Szenen zu erinnern, wenn man masturbiert. Deshalb ist auch die Verwendung von Photos, Filmen und Videos bei Foltern heutzutage so häufig. Man kann sich die Szenen später erneut ansehen und die erlebten Gefühle wiederholen.

Soweit man bei Foltern Stromschläge verwendet, werden die Elektroden bevorzugt an den Geschlechtsteilen angelegt. Bei Folter von Frauen ist sexuelle Komponente meistens noch ausgeprägter. Gefoltert wird fast immer eine nackte Frau. Neben der normalen Vergewaltigung ist das Einführen von Gegenständen in die Vagina eine häufige Methode. Auch bei Frauen ist das Zwingen zu gestellten homosexuellen Handlungen häufig Teil der Folter.

Zwar haben in der Regel die meisten Folterer zu jeder Zeit immer angegeben, es ginge ihnen um die Wahrheit, aber dies hat lediglich dazu gedient, ihre wahren Intentionen zu verstecken. Das ist heute nicht anders.

Die polnische Regierung hat vor kurzem ihre Untersuchung über die von Menschenrechtsorganisationen behauptete Existenz einer geheimen CIA-Haftanstalt im Nordosten des Landes abgeschlossen. Das Ergebnis wird geheimgehalten. Das wäre ganz bestimmt nicht der Fall, wenn die Untersuchung einfach nur ergeben hätte, daß an den Vorwürfen nichts dran ist. Warschau ist sich offenbar absolut sicher, daß ihr verdächtiges Schweigen von den anderen EU-Staaten nicht nur geduldet wird, sondern geradezu erwünscht ist.

Es geht zum einen darum, die Diskussion nicht absterben zu lassen. Die Fragen müssen wieder und wieder gestellt werden. Wer Komplize von Leuten ist, die Entführungen durchführen, ist selbst ein Verbrecher. Wer Komplize von Leuten ist, die systematisch foltern bzw. foltern lassen, ist selbst ein Verbrecher. Wer Komplize von Leuten ist, die Menschen gefangen nehmen und auf unbegrenzte Zeit festhalten, ohne Anklage und Gericht, ist ein Verbrecher.
Selbstverständlich ist auch jener ein Folterer, der ‚lediglich’ die Gefolterten befragt, genauso wie jene, die Folter angeordnet oder ‚nahegelegt’ haben oder sie einfach als Verantwortliche nicht gestoppt haben. Ausreden wie ‚ich habe aber nicht selbst Hand angelegt’ können unmöglich akzeptiert werden.
Auf der anderen Seite geht es darum, daß die Diskussion wieder auf ihre Kernpunkte zurückgeführt werden muß: Folter ist ein Verbrechen. Entführung ist ein Verbrechen. Das Anlegen von Folterlagern ist ein Verbrechen. Wer eng mit einem Verbrecher bei seinen Taten zusammenarbeitet, ist ein Komplize. Komplizen sind ebenfalls Verbrecher, auch wenn bei ihnen die Strafzumessungen geringer sind (Beihilfe zu …). Es geht also bei dieser Affäre nicht einfach um politisch Sinnvolles oder um ethisch Zweifelhaftes, sondern schlicht um Verbrechen – ja oder nein.

kultur

ensuite kulturmagazin k-notes:

Lukas Vogelsang – Von Januarloch kann bei uns nicht gesprochen werden. Obwohl die E-Mails und Telefonleitungen erstaunlich ruhig waren, haben wir einen fast 80 % Werbezuwachs zu verzeichnen. Es ist klar spürbar, dass der 4. Jahrgang nicht nur viel arbeit hinterlassen hat, sonder auch einen „brand“ – also eine Marke, die sich jetzt etabliert hat und anerkennend angenommen wird.

Das klingt alles etwas sehr marktorientiert, doch wer unsere Geschichte mitverfolgt hat, weiss, was dies bedeutet. das unternehmen „ensuite“ hat in den letzten 4 Jahren über 800’000 Franken in dieses kulturmagazin investiert. Es ist klar, dass wir grundsätzlich kein Interesse haben, diesen „Markt“ ohne Gegenleistungen abzugeben. Über 30 Menschen möchten eine finanziell gesicherte Zukunft oder einfach einen lohn beziehen können…

Unsere strategische Ausrichtung wird für dieses Jahr also noch mehr in den eingeschlagenen weg konzentriert. das bedeutet, dass wir uns dafür einsetzen, dass Kulturgeld nicht in die Werbung, sondern Werbegelder in die Kultur fliessen! Die Kultur in Bern hat Finanznotstand. Wenn alle Kulturprojekte und Institutionen so finanziert werden sollten, wie gewünscht, so muss der Steuerzahler tief in die Tasche greifen. Doch dieses Geld ist in absehbarer Zukunft nicht vorhanden. Weder bei den steuern noch bei der wirtschaft. Bern hat ein Problem.

Die Verhandlungen um die neuen Kulturverträge der Stadt Bern mit den subventionierten Kulturinstitutionen haben deswegen eine besonders heikle Dimension angenommen. Der städtische Kultursekretär will die Institutionen ab 2008 „zwingen“, Werbegelder in eine gemeinsame Kulturpromotion zurück zu investieren. Das heisst, Kulturgeld in die Werbung zu investieren. Damit verschliessen sich aber die Möglichkeiten, die wirtschaft in sachen Sponsoring und Kultur zu sensibilisieren und reaktivieren. nachhaltig wird die zwangs-lösung also keine Sparvariante mit Rücklauf, sondern ein Verlust zur folge haben. Natürlich nur bei den nicht-subventionierten Betrieben, Companies, Künstlern und Artisten.

Eine Lösung habe ich auch nicht parat und es ist auch nicht unsere Aufgabe, diese zu liefern. Doch scheint mir, dass mit dem gewünschten Geld auch die Probleme wachsen. Wer die Vergangenheit analysiert, bekommt ein Verständnis, warum wir hier angelangt sind und kann die Zukunft ändern. die Vergangenheit hat uns ohne grosses Geld bis hierher gebracht. Soziale Aspekte sind also zentraler zu gewichten und die Kultur bleibt der Leim der Gesellschaft. Und das muss auch in Zukunft unsere kulturelle Ausrichtung sein.

ensuite kulturmagazin

spionage

Was sagen Sie jetzt?

Urs Paul Engeler – Der Fichenskandal war gestern, jetzt kommt Onyx: Das Abhörsystem kann jeden Bürger belauschen und ist so geheim, dass selbst Parlamentarier nur den Tarnnamen kennen.

Wäre im Januar 1999 ein Gemeinderat der kleinen Berner Kommune Zimmerwald nicht etwas zu geschwätzig geworden und hätte Der Bund die kleine Information, dass die bestehende Horch- und Auswertungszentrale auf dem Längenberg südlich der Bundesstadt ausgebaut werde, nicht aufgeschnappt und verbreitet, wüsste die Schweizer Bevölkerung bis heute gar nichts.


Sie wüsste nicht, dass Hunderte von Millionen Franken am Parlament vorbeigeschmuggelt wurden.

Sie wüsste nicht, wozu an drei Orten der Schweiz riesige Parabolantennen errichtet wurden. Sie wüsste nicht, dass Hunderte von Millionen Franken am Parlament vorbeigeschmuggelt wurden. Sie wüsste nicht, dass militärische Schnüffler sämtliche Telefongespräche und andere Kommunikationsakte via Satellitenlinks registrieren und auswerten können. Und sie wüsste nicht, dass alle ins Ausland laufenden Satellitenverbindungen tatsächlich auch systematisch überwacht und nach bestimmten, aber geheim gebliebenen Kriterien durchforscht werden.

Was die Geheimdienstler allerdings genau abhören und wer welches Material zu welchem Zweck erhält und wie weiterverwendet, ist auch bis heute nicht ganz klar. Zwar stellen Parlamentarier ab und zu Fragen, doch das zuständige Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) windet sich.

Der grösste und perfideste Lauschangriff der Geschichte der Schweiz wurde an allen Kontrollinstanzen vorbei eingerichtet und dem Volk verschwiegen. Darum ist denkbar bis sehr wahrscheinlich, dass in einigen Jahren (wieder einmal) eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) diese Anmassung der Militärs und Politiker aufarbeiten und stoppen muss.

Am Mittwoch, dem 13. August 1997, tagte der Bundesrat in der Besetzung Jean-Pascal Delamuraz (FDP), Kaspar Villiger (FDP), Arnold Koller (CVP), Flavio Cotti (CVP), Ruth Dreifuss (SP), Moritz Leuenberger (SP) und Adolf Ogi (SVP). Ogi, der damalige Wehrminister, brachte den hochgeheimen Antrag ein, es sei das «Projekt Satos 3» zu starten, die dritte Stufe eines seit Anfang der neunziger Jahre laufenden militärischen Geheimprogramms.

«Satos 1» und «Satos 2» waren Systeme, mit denen die Kommunikation per Kurzwellen, Richtfunk und Faxsignale abgefangen werden konnte. Nun sollte Satos 3 die vollständige «elektronische Aufklärung von Satellitenverbindungen» ermöglichen, genau wie das grosse Vorbild, das «Echelon»-System der USA.


Plan unter dem Kommando von Divisionär Peter Regli ausgearbeitet

Ausgearbeitet hatte den Plan, von Zimmerwald aus weltweit die Telefon-, Fax- und Mailverbindungen zu überwachen, der militärische Geheimdienst unter dem Kommando von Divisionär Peter Regli. Die Kosten für den Aufbau der Infrastrukturen und für die Software wurden intern auf rund fünfzig Millionen Franken geschätzt, ohne die Löhne der über vierzig Sprachspezialisten und Informatiker, die rekrutiert werden mussten.

Die Landesregierung stimmte erstens dem Vorhaben Satos 3 zu, segnete zweitens die versteckte, also illegale Finanzierung und drittens die totale Geheimhaltung ab. Der Entscheid vom 13. August 1997 fehlt sogar im hochvertraulichen Verzeichnis der Beschlüsse des Bundesrates. Ein Protokoll existiert offenbar auch nicht; an die Öffentlichkeit drang nichts.

Mysteriöser Gedächtnisschwund
Bis die lokalen Behörden schwatzten. Der Generalstab reagierte mit einem summarischen Communiqué des spärlichen Inhalts, dass er «zwecks elektronischer Aufklärung sicherheitspolitisch bedeutsame Informationen» sammeln wolle. Ende der Durchsage. «Weiter gehen wir, im Interesse des Projekts, nicht», erklärte Divisionär Regli, Chef der Untergruppe Nachrichtendienst (Una), im betriebsinternen Blättchen, «wir müssen auch dafür sorgen, dass wir es der ‹Gegenseite› nicht zu leicht machen.» Wobei er und seine Geheimdienstler mit «Gegenseite» offensichtlich vorab das Parlament und das Volk meinten.

Erst einige Wochen nachdem das Vorhaben durch die Info-Panne publik geworden war, also knapp zwei Jahre nach dem Beschluss und nach ersten Pressemeldungen, bequemte sich Generalstabschef Hans-Ulrich Scherrer, die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) knapp einzuweihen. Die sechs GPDel-Mitglieder, verantwortlich für die parlamentarische Kontrolle der Geheimbereiche, hielten sich brav an die von der VBS-Spitze ausgegebene Order («Es wurde strengstes Stillschweigen befohlen!») und konnten sich wie SVP-Ständerat Bernhard Seiler, Präsident des behördentreuen Ausschusses, bald «an gar nichts mehr erinnern».

Die sicherheitspolitischen Kommissionen wurden gar nie informiert. Nur deren Präsidenten, Nationalrat Jean-Pierre Bonny (FDP, BE) und Ständerat Eric Rochat (LPS, VD), erhielten nachträglich eine vertrauliche Abreibung mit dem Ziel der Vertuschung und Verwedelung. In keinem parlamentarischen Ausschuss wurde das folgenschwere Projekt je andiskutiert.

In fast fahrlässiger Ahnungslosigkeit hatte darum das Parlament zuerst unter nicht näher deklarierten Rubriken, später unter dem verschleiernden Titel «Neubau eines Mehrzweckgebäudes in Zimmerwald» blind ab 1997 regelmässig Kredittranchen bewilligt. Unter den «verschiedenen Zwecken» der Anlage, die nie genau benannt wurden, sind Dutzende von Arbeitsplätzen für die elektronischen Überwacher, Antennen sowie der Einbau von Grossrechnern zu verstehen.

Die Abhöranlage war bereits konzipiert, viele Einrichtungen erstellt, als ausgewählte Vertreter des Parlaments erstmals davon erfuhren. Als der Nationalrat das Projekt kurz besprach (die Ständeräte verzichteten auf jede Wortmeldung!), waren erste Probeläufe schon absolviert. Im April 2000 nahm das mittlerweile in «Onyx» umgetaufte System zum ersten Mal seinen Betrieb auf; im April 2001 ging es in einen «operationellen Probebetrieb» über. Ab 2004 läuft der «operationelle Betrieb». Ab 2005 soll Onyx mit voller Leistung arbeiten; dazu wird die Zahl der Parabolantennen nochmals verdoppelt.

Bereits die verdeckte, illegale Finanzierung des gigantischen Systems ist ein Skandal, wenn auch noch der kleinste. Das zweite Ärgernis ist der steile Anstieg der Kosten. Gemäss inoffiziellen Angaben bewilligte der Bundesrat im August 1997 einen Betrag von 50 Millionen für das Projekt. Diese Summe hat sich laut GPDel-Berichterstatterin, FDP-Ständerätin Helen Leumann (LU), bis Mitte 2003 bereits verdreifacht.

Experten sprechen sogar davon, dass die derzeit erwarteten (aber nie bestätigten) Gesamtkosten für das ausser Kontrolle geratene Vorhaben nicht bei 150 Millionen, sondern bei rund 400 Millionen Franken lägen. Die Betriebskosten werden, je nach Quelle, auf 10 bis 30 Millionen Franken jährlich beziffert. Die Zahlen werden dem Steuerzahler aus Gründen der Geheimhaltung verschwiegen.

Genaue Beträge will auch die spät auf den delikaten Fall aufmerksam gewordene Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) nicht nennen. Sie monierte indes in ihrem Jahresbericht 2003 erstmals, «dass die geschätzten Kosten, die dem Entscheid des Bundesrates zugrunde gelegt wurden, zu wenig fundiert waren beziehungsweise ungenügende Hinweise auf Unsicherheiten und Risiken gemacht wurden». Mit der Abwicklung des Projektes über drei verschiedene Budgetrubriken werde zudem die finanzielle Transparenz eingeschränkt. Mehr hat die zahlende Öffentlichkeit bisher nicht vernommen. Offensichtlich ist das Projekt Satos-Onyx den internen Revisoren bereits definitiv entglitten.

Denn auch die Finanzdelegation des Parlaments, die sich am 1. April 2004 zum Problem äusserte, erklärte sich für überfordert. Sie «erkannte am Beispiel von Satos gewisse Schwächen bei der Bewilligung von Krediten bei Projekten, bei denen ein Geheimhaltungsbedürfnis besteht und bei denen aus diesem Grund den parlamentarischen Organen und der Öffentlichkeit nicht die sonst üblichen Informationen gegeben werden können». Resignierend stellte sie fest, dass sie bei der Kontrolle «dieses schwierigen Projekts» an ihre Grenze stosse: «Kreditteile sind aber verstreut in verschiedenen Krediten, was von den Finanzaufsichtsorganen einen speziellen Effort verlangt, um sich einen Überblick zu verschaffen.» Die skeptisch gewordenen Oberaufseher versprachen, später «auch Fragen über das Verhältnis von Aufwand und Ertrag bei Onyx zu thematisieren».

Illegale Volksbeschnüffelung
Zwischenzeitlich aber werden über verdeckte Zusatz- und Ergänzungskredite laufend Dutzende von Millionen Franken für Onyx abgezweigt, und zwar weiterhin so, «dass sie nicht ohne weiteres von jeder Person in Erfahrung gebracht werden können», wie der Bundesrat die wiederholte Irreführung von Parlament und Öffentlichkeit erst kürzlich wieder begründete.

Konsequent hat das Verteidigungsdepartement darum per 2005 im Sammelkredit Projektierung, Erprobung und Vorbereitung von Rüstungsbeschaffungen (PEB) wieder zehn Millionen Franken versteckt, die der Weiterentwicklung der Onyx-Technologie dienen, wie das VBS auf Nachfragen herausrückt. Der neue Tarnbegriff stammt wie der Halbedelstein Onyx aus der Mineralogie und lautet «Malachit». Ob unter diesem Namen das jetzige System erweitert, schon neu konzipiert oder einfach anders verschleiert wird, muss offen bleiben.

Die geheimen Spionageanlagen werden von der Generalstabsabteilung Elektronische Kriegsführung (EFK) betrieben. Die Führungsunterstützungsbrigade 41 führt Recherchieraufträge aller Art aus. Auftraggeber und Abnehmer ist offiziell der Strategische Nachrichtendienst (SND), wie der militärische Auslandgeheimdienst inzwischen heisst. Obwohl die rechtlichen Grundlagen dazu fehlen, wird die Einrichtung indes auch von zivilen Stellen genutzt, besonders vom Dienst für Analyse und Prävention (DAP), dem früher und klarer Bundespolizei oder Fichenpolizei genannten Inlandgeheimdienst, aber auch vom Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Die Bewilligungen erteilt, ohne öffentliche Orientierung, der Bundesrat, der die grossen Onyx-Ohren vom Aus- auch ins Inland lenken kann, etwa zur Überwachung von Grossanlässen wie dem WEF in Davos oder dem G-8-Gipfel. Der Grund für diese schlanke Erweiterung der Kompetenzen ist ebenso einfach wie illegitim: Für die traditionelle Telefon- und Faxkontrolle braucht es einen dringenden Tatverdacht und eine richterliche Verfügung. Dank Onyx werden die Bundespolizei und politische Instanzen neu formlos und frei Haus und unkontrolliert mit den gewünschten Informationen beliefert.

Hochgeheime Liste
Die Resultate des Systems dürfen nicht unterschätzt und als Spielerei abgetan werden. Auf den Onyx-Grossrechnern laufen Programme, welche alle abgesaugten Rohinformationen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), optischer Texterkennung (OCR), Sprach- und Stimmprüfung sowie von Schlüsselwort- und Themenanalysen filtern und sortieren. Werden vier bis fünf dieser «hitwords» oder «keywords» kombiniert, lässt sich die riesige Datenflut entscheidend kanalisieren.

Nach Meinung des deutschen Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom kann mit dieser Methode der undurchschaubar scheinende Informationswirrwarr auf eine überschaubare Menge reduziert werden: «Werden die Suchbegriffe gezielt verbunden, reduziert sich die gigantische Informationsmasse rasch auf ein politisch und polizeilich verwertbares Mass.» Von der hochgeheimen Liste dieser Schlüsselwörter, erstellt von den Geheimdiensten, offiziell abgesegnet vom Bundesrat, weiss man nur, dass sie «laufend aktualisiert» wird. Die Liste der «hitwords» im Bereich des Waffenhandels soll mehr als zehn Seiten mit je 25 Begriffen umfassen.


Mit Google Earth in der Krypto Hauptstadt

Wie die Internetsuchmaschine Google innert Sekunden das endlos scheinende WWW-Meer nach den gewünschten Begriffen ausfischt, so kann auch Onyx den gesamten Telefon-, Fax- und Mailverkehr, der über Satelliten läuft, permanent und methodisch clever überwachen. Je nach Auftrag werden zwischen fünf und mehreren hundert Begriffen eingegeben.

Je präziser die Schlüsselwörter, desto exakter die Resultate. Allgemeine Ausdrücke wie «Terrorismus», «Bombe» oder «Anthrax» sind laut Spezialisten ungeeignet. Die Verknüpfung konkreter Städtenamen wie «Riad», «Bagdad» oder «Falludscha» mit Sprengstoffen wie «TNT», «Anfos» oder «RDX» und den Namen verdächtiger extremer Muslime im Mittleren und Nahen Osten hingegen ist als Filter bereits durchaus geeignet. Nach dem gleichen Muster werden derzeit konkret auch Vorgänge in der russischen Politik und Wirtschaft (vom Handel mit Erdgas bis zum Verkauf von radioaktivem Material), in Transkaukasien und auf dem indischen Subkontinent ausgehorcht.

So weit, nicht so bedrohlich, könnte der Schweizer Bürger hier aufschnaufen – bis er merkt, dass er in den letzten zwei Wochen telefonische Kontakte in eine dieser Regionen hatte und dass per Parlamentsbeschluss sein Handy nun registriert ist. Was den Schnüfflern allenfalls aufgefallen ist, wird er nie erfahren.

Die tatsächlichen Recherchestrategien und deren (auch in der Schweiz verwertbare) Ziele bleiben streng geheim; zum Missbrauch wird nachgerade eingeladen. Denn die Nachrichtendienste sind im Unterschied zur Polizei «befugt, Personendaten, mit Einschluss von besonders schützenswerten Personendaten und von Persönlichkeitsprofilen, zu bearbeiten, gegebenenfalls ohne Wissen der betroffenen Personen… [Sie können] im Einzelfall Personendaten in Abweichung von den datenschutzrechtlichen Bestimmungen ins Ausland weitergeben.» Und dürfen, immer gemäss Artikel 99 des Militärgesetzes, solche Informationen, sollten sie «für die innere Sicherheit oder die Strafverfolgung von Bedeutung sein», dem Bundesamt für Polizei weiterleiten.


Sammelstelle der Informationen

Die abgefangenen Daten fliessen den Hochleistungscomputern, die im Bunker von Zimmerwald stehen, aus zwei Quellen zu: zum einen von Leuk im Kanton Wallis, wo die Bodenstation der Swisscom mit einem zusätzlichen Parabolspiegel (für 0,9 Millionen Franken) ausgestattet wurde. Die ins Weltall gerichteten Riesenohren fangen alle Wellenbündel («downlinks») ab, die von den Kommunikationssatelliten Intelsat, Eutelsat, PanAmSat, Arabsat und Gorizont an ihre Bodenstationen geschickt werden. Pro Satellit, der überwacht wird, ist eine Antenne notwendig.

Gefälligkeiten fürs US-Militär
Mittlerweile hat die Swisscom das Areal in Leuk an die Verestar Teleport verkauft, einen amerikanischen Telekommunikationskonzern, der alle Arten von leitungsgebundenen oder satellitengestützten Verbindungen anbietet und auch das US-Verteidigungsministerium beliefert. Die Behauptung, dass technische und organisatorische Verbindungen zwischen dem Schweizer Horchposten und der Verestar-Anlage bestünden, geht auf Berichte der französischen und belgischen Sicherheits- und Verteidigungskommissionen aus dem Jahr 2002 zurück.

Trotz der unmittelbaren Nachbarschaft der beiden Kommunikationsknotenpunkte beruhigte der Bundesrat: Es gebe keine Verbindung zwischen dem Onyx-System und der US-Firma; und die Verestar AG operiere nicht mit sensiblem Material. Zumindest die zweite Behauptung ist mittlerweile widerlegt: Die Verestar stellt für die US-Navy Satellitenverbindungen her, unter anderem für die Flotte im Mittelmeer.

Diese Dienste wurden zumindest zeitweise von Leuk aus erbracht. Überdies arbeitet die Firma mittlerweile eng mit der SES Americom zusammen, deren Kerngeschäft die Satellitenkommunikation für das US-Verteidigungsdepartement ist. Was für die Schweizer Behörden offenbar kein Problem darstellt. Man arbeitet, quasi als Juniorpartner, ohnehin eng mit den mächtigen US-Diensten zusammen.

Die zweite Abhörstation befindet sich in der «permanenten Einsatzzentrale Heimenschwand» ob dem Thunersee, die mittlerweile mit acht Parabolspiegeln (und Betonsockeln für weitere Anlagen) von zwischen 11 und 13 Meter Durchmesser bestückt ist (erste Kostenschätzung: 7 Millionen Franken). Verkauft wurden dem ahnungslos zunickenden Parlament die beeindruckenden Anlagen als «Umbauarbeiten an zwei Standorten für permanente Einsatzzentralen im Rahmen des Projektes Satos 3» (das es offiziell gar nicht gab).

Heute stehen ausserhalb des kleinen Dörfchens, an einem Waldrand in Richtung Hirsetschwendi, nicht nur riesige Antennen, sondern auch zwei grosse, ganz neu erstellte Gebäude mit Dutzenden von Büroräumen und eine Baracke – alles geschützt mit einem Stacheldrahthang und Überwachungskameras.

Permanente Rechtsverletzung
«Das System hat nicht nur Vorteile», stellte in auffallendem Understatement die GPDel nach einer ersten Prüfung Ende 2003 fest: Es könne «bedeutsame Risiken für die Grundrechte zeitigen». Bei näherer Prüfung durch die Parlamentarier zeigte sich, dass der Grosse Bruder Onyx während 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr in einer mehr oder weniger rechtsfreien Zone agiert. Das ist nach dem Finanzskandal die andauernde Verletzung der Bürgerrechte. Diese Verstösse haben das Potenzial, in den nächsten Jahren zu platzen.

Laut Vorgaben dient das Onyx-System allein dazu, Verbindungen im Ausland, vom Ausland in die Schweiz oder von der Schweiz ins Ausland abzuhören, lediglich Telekommunikationsteilnehmer im Ausland zu identifizieren und nur aus dem Ausland stammende Daten abzufangen und zu bearbeiten. Beteiligt an diesen Gesprächen sind jedoch meist auch Bewohner des eigenen Landes. Fallen bei dieser «Massenüberwachung von Kommunikation» (GPDel) als «Nebenprodukte» Informationen über Schweizer Bürgerinnen und Bürger an, so darf die militärische Elektronische Kriegsführung (EKF) auch solche Daten «bearbeiten» und sie in dieser Form an die «betreffenden Auftraggeber», das heisst vor allem den früheren Ficheuren und «Staatsschützern», den Bundespolizisten im Dienst für Analyse und Prävention (DAP), weiterleiten.

Eine aus mehreren Departementen zusammengesetzte UKI (eine sogenannte Unabhängige Kontrollinstanz, faktisch bestellt vom VBS selbst, abgesegnet vom Sicherheitsausschuss des Bundesrates) soll seit 2003 den Verkehr zwischen Auftraggebern und Lauschern überprüfen, «wobei sie die Prioritäten, die durch die Nachrichtenbedürfnisse der politischen Instanzen vorgegeben sind, berücksichtigt». Sonst ist von dieser UKI nichts bekannt: nicht die Zusammensetzung nach Namen oder Bundesämtern, nicht einmal die genaue Anzahl ihrer Mitglieder, nicht ein einziger Kontrollbericht. Die geheime UKI arbeitet mindestens so geheim wie die Geheimdienstler, die sie überwacht.

2003 hat sich – endlich – die Geschäftsprüfungsdelegation die Mühe gemacht, sich das diskret errichtete Ermittlungssystem etwas genauer anzuschauen. Am 10. November lieferte sie einen Bericht ab, der mit dem Bekenntnis zur Zurückhaltung beginnt. So werden explizit keinerlei «Angaben über Kapazität, Kosten und Leistungsfähigkeit des Systems» gemacht, weil diese – man staune – «den Aussenbeziehungen der Schweiz abträglich sein» und – nicht ganz unerwartet – «die Privatsphäre Dritter» verletzen könnten.

Immerhin erwähnen die vorsichtigen Parlamentarier, dass der laufende Onyx-Betrieb mit der geltenden schweizerischen Rechtsordnung unter verschiedenen Titeln gar nicht vereinbar ist:

1 – Bereits die vom militärischen Geheimdienst unter dem Titel «äussere Sicherheit» getätigten Abhörungen seien gesetzlich kaum abgestützt.

2 – In keinem Gesetz vorgesehen und geregelt, also völlig illegal seien vor allem die von den präventiv schnüffelnden Bundespolizisten im DAP in Auftrag gegebenen Kommunikationsüberwachungen. Auch wenn der Bundesrat verspreche, die gesetzliche Lücke gelegentlich zu schliessen, bestehe die Gefahr, dass der gegenwärtige Probebetrieb ein Präjudiz für neue Kompetenzen der Staatsschützer schaffe.

3 – Das Abhören eines Kommunikationsteilnehmers im Ausland auf fremdem Hoheits-gebiet stehe im Widerspruch zur territorialen Souveränität dieses Landes. Es sei zumindest denkbar, dass ein Staat oder eine Privatperson den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof, den Menschenrechtsausschuss der Uno oder den Internationalen Gerichtshof anrufe, um die Schweizer Behörden anzuklagen.

Besorgt stellte die GPDel schliesslich fest, dass die Onyx-Geheimaktivitäten «mehr als andere Tätigkeiten ein Missbrauchspotenzial aufweisen, da sie sich weitgehend der traditionellen Kontrolle wie der Justiz oder den Medien entziehen». Die Aufsicht wird erstens durch die verwaltungsinterne und anonyme UKI und zweitens durch eine kleine Gruppe, bestehend aus dem VBS-Departementschef, seinem unterstellten Generalstabschef sowie dem Onyx-Projektleiter, ausgeübt. Das System wird also ausschliesslich durch seine Ersteller und Profiteure kontrolliert.

Weltweite Tauschbörse
Vollends im Dunkeln verbleibt die Verwendung des aus dem Äther gefischten Geheimmaterials. Laut GPDel-Bericht bilden die Onyx-Informationen «ein nützliches Tauschmittel» an der internationalen Geheimdienstbörse.

Der Aufwand von Hunderten von Millionen Franken wird demnach hauptsächlich betrieben, um «befreundete Dienste» (im Klartext: die Secret Services der USA) zu beliefern: «Die mit Hilfe von Onyx eingeholten Informationen sind deshalb auch ein Instrument, mit dem die Türen zu anderen Nachrichtendiensten geöffnet werden können und mit dem sich die schweizerischen Nachrichtendienste im Ausland Glaubwürdigkeit verschaffen können.»

Freimütig bekennt sich Hans Wegmüller, Chef des Strategischen Nachrichtendienstes der neutralen Schweiz, zur schlanken Kooperation mit den USA: «Wir sind da relativ offen.» Bundesrat Samuel Schmid, oberster Chef der helvetischen Horcher und Spione, prahlte kürzlich in einer Bundesratssitzung gar: «Mein Nachrichtendienst ist die einzige Schweizer Dienststelle, die in den USA noch Vertrauen hat und die von den Amerikanern ernst genommen wird!»

Bei derart engen Verflechtungen zwischen den Schweizer und den US- oder Nato-Diensten schrumpft die immer wieder gestellte Frage nach der direkten technischen Vernetzung von Onyx mit dem amerikanischen Echelon-System zur Bagatelle. Wenn die Geschäftsprüfer vermelden, dass sie keine Hinweise «auf eine mögliche Integration des Systems Onyx in irgendein internationales Abhörnetz» gefunden hätten, dass Onyx «autonom» funktioniere und «über keine Schnittstellen mit einem anderen, ausländischen System» verfüge, dann sind diese Erkenntnisse relativ unerheblich.

Die Zusammenarbeit funktioniert vor dem Akt der Abhörung. Es werden Frequenzen, Übermittlungskanäle, Verkehrsanalysen und sogar auch Rufnummern ausgetauscht, um die Aufklärungsziele besser zu identifizieren oder um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Und die internationale Gruppenarbeit wird nach erfolgter Belauschung fortgesetzt: Die Resultate werden quasi automatisch weitergeleitet und gegenseitig abgeglichen.

Der allenfalls betroffene Bürger hat keine Möglichkeit, sich zu wehren, findet im ganzen Rechtsstaat Schweiz keine Instanz, die er anrufen könnte. Zustände, schlimmer noch als zur schlimmsten Zeit der Fichenproduktion in der Bundespolizei. Als Odilo Guntern noch oberster eidgenössischer Datenschützer war, verwies er bei Fragen nach Kontrolle und Grenzen der militärischen Sammelwut und nach den Rechten der Bürger, die Schultern zuckend, auf Artikel 99 des Militärgesetzes, das dem Nachrichtendienst alle Ausnahmen vom Schweizer Datenschutzrecht gewährt. Und er schloss seine Ausführungen jeweils mit dem deprimierenden Satz: «Ein Nachrichtendienst ist eben ein Nachrichtendienst.» Politik und Recht, Bürgerinnen und Bürger bleiben ausgesperrt.

Die Publikation des Weltwoche Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Weltwoche Redaktion.

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terror

Wo bleibt der „Krieg gegen den Terror“?

Elmar Getto – Nach Meldung von Report Mainz vom 16.1.2006 hat es in den ersten zehn Tagen des neuen Jahrs allein in Sachsen-Anhalt bereits 8 gewalttätige Übergriffe von Neo-Faschisten gegen Ausländer oder vermeintliche Ausländer gegeben. Im letzten Jahr gab es in diesem Bundesland jeden dritten Tag einen dieser Übergriffe. Angesichts dieser Zahlen – und die sind auch in anderen Bundesländern nicht wesentlich anders – ist die allgemeine Zulassung von faschistischen Aufmärschen von Kameradschaften, Burschenschaften, NPD und ähnlichem sowie ihr Schutz durch deutsche Polizisten ein Skandal.


Stadtverwaltungen, Justiz und Polizeiverantwortliche sind schon wieder auf dem rechten Auge blind

Es muß nun endlich Schluß sein mit der systematischen verharmlosung von Faschisten. Da tun Stadtverwaltungen, Richter und der Gesetzgeber so, als ob es sich um politische Gruppierungen und Freizeitvereine handeln würde, denen man die Straße nicht für ihre Umzüge sperren dürfe. Tatsache aber ist, daß es sich um terroristische Vereinigungen handelt, die – nur oberflächlich getarnt hinter populären Parolen – ihre Oberherrschaft über die Straße anstreben, so wie das damals Hitlers SA schaffte.

CDU, SPD, FDP oder auch viele Grüne sind verantwortlich für die Genehmigung dieser Aufmärsche, Verwaltungsgerichte für die Aufhebenung von völlig berechtigten Verboten. Da gibt es doch Jahrestage, an denen dieser Abschaum tatsächlich feiert, ein Jahr zuvor einen Ausländer ermordet zu haben.So geschehen in München vergangene Woche. Die „Drecksarbeit“ überläßt man dann der Polizei. Diese wendet sich fast immer hauptsächlich gegen die berechtigten Gegendemonstrationen, wird aber auch schon mal von den Faschisten verletzt, wie bei ihrem Auftritt in München.

Was „terroristische Vereinigung“ wirklich bedeutet, kann man ebenfalls dem „Report“ entnehmen, auch wenn der als die Verantwortlichen die Bevölkerung hinstellen will und nicht die Neo-Faschisten. Der Überfall von fünf Neo-Faschisten auf einen 12-Jährigen äthiopischer Abstammung wird von einem der Täter unter anderem so geschildert: „Dann hat eben einer von uns Fünfen ihm die Zigarette im Auge ausgedrückt. (…) Da hat er dann … geschrien.“ In einem anderen Fall wird berichtet, daß ein deutscher Jugendlicher, der ein T-Shirt „Gegen Nazis“ trug, mit einem Bierglas ins Gesicht geschlagen wurde, so daß er ein Auge verlor.

Solche Terrorakte sind auch von jenen zu verantworten, die rechte Horden andauernd verharmlosen und ihnen die Straße freimachen für ihre Taten, ebenso aber auch eine Justiz, die das nicht als Terrorakte, sondern als Kavaliersdelikte von „Irregeleiteten, aber eigentlich guten Jungen“ anklagt und verurteilt.

Wir brauchen ein Verbot aller faschistischen Gruppen und ein Verbot aller neo-faschistischen Aufmärsche.