vermischtes

Jahresbewilligung für die USA zur Benützung des schweizerischen Luftraums

Bern – Der Bundesrat wurde an seiner heutigen Sitzung von UVEK und EDA darüber informiert, dass die Jahresbewilligung für die USA zur Benützung des schweizerischen Luftraums bis zum 31. Dezember 2006 erteilt worden ist. Diese Bewilligung nimmt explizit Bezug auf die Einhaltung des Völkerrechts.

Es handelt sich um eine Überflugsbewilligung für offizielle amerikanische Flugzeuge im Sinne von Art. 4 der Verordnung über die Wahrung der Lufthoheit (VWL). Die Bewilligung sieht ein vereinfachtes Verfahren für die Erteilung von Überflugsrechten vor, für eine definierte Anzahl von Flugzeugen und unter Angabe von allen relevanten Daten. Das anwendbare Recht behält den Schweizerischen Behörden die Möglichkeit vor, in begründeten Verdachtsmomenten Kontrollen durchzuführen.

Ende 2005 wurde die bestehende Bewilligung bis Ende Januar 2006 vorläufig verlängert, und zwar vom BAZL (Bundesamt für die Zivilluftfahrt) nach Absprache mit dem EDA. Die Erneuerung der Jahresbewilligung war ausdrücklich an die eingeforderten Erklärungen gebunden.

Mitte Dezember 2005 hatte die amerikanische Aussenministerin Frau Condoleeza Rice erklärt, dass die USA keine Gefangenentransporte zum Zwecke von Verhören mit Folteranwendung durchgeführt haben und die Anwendung von Folter unter keinen Umständen tolerieren. Die amerikanischen Behörden haben darüber hinaus der Schweiz am 30. Januar 2006 Zusicherungen erteilt, dass sie in der Vergangenheit die Souveränität der Schweiz stets respektiert haben und in Zukunft weiterhin respektieren werden. Zudem haben sie bestätigt, dass sie den Schweizerischen Luftraum oder Schweizerische Flughäfen nicht für Gefangenentransporte benutzt haben.

Die durch die US-Behörden erteilten Zusicherungen erlauben die Erneuerung der Jahresbewilligung gemäss geltendem Recht und in voller Einhaltung des Völkerrechtes. Das Erneuerungsverfahren ist somit abgeschlossen.

spionage

CIA-Flugzeug in den französischen Alpen abgestürzt?

World.Content.News – Am 16.01.05 sind beim Absturz eines Kleinflugzeuges in den französischen Alpen bei Le Bourget-du-Lac/Bourdeau in den Savoyen vier Menschen ums Leben gekommen. Augenzeugen berichteten, die einmotorige Maschine sei am 1390 m hohen Berg Dent du Chat in einer Höhe von 900 bis 1000 Meter aufgeschlagen und in Flammen aufgegangen. Die Leichen wurden geborgen, über ihre Identität schweigt man sich bisher aus.


Die Leichen wurden geborgen, über ihre Identität schweigt man sich bisher aus.

Recherchen haben inzwischen ergeben, dass die Maschine vom Typ Socata TB-20 Trinidad mit der Registrierungsnummer N250AG von der Firma Aircraft Guaranty Title LLC aus Houston betrieben wird, ein Unternehmen, das in Verdacht steht, der CIA Flugzeuge für Gefangenentransporte zur Verfügung zu stellen. Zum Flugpark des Unternehmens gehört auch ein Learjet 35A mit der Registrierungsnummer N35NK, eine Maschine, die nach mehreren Berichten als CIA-zugehörig beschrieben wird.

Ob CIA-Agenten oder gar Gefangene an Bord waren, ist bisher nicht bekannt. Nur wenige Medien haben seltsamerweise bisher überhaupt von dem Absturz berichtet. Unüblich ist auch, dass die US-Regierung der Presse gegenüber keine Angaben zur Identität der Opfer machen will, obwohl es sich dabei um Zivilisten zu handeln scheint. Aus dem Hinweis, dass das Flugzeug seinen Stützpunkt in Europa hatte, könnte man schlussfolgern, dass es vermutlich keine Touristen oder Geschäftsleute transportierte.

Bereits am 12. Dezember 2005 war eine Maschine der gleichen Firma an der Küste der französischen Karibikinsel St. Barthelemy abgestürzt. Die beiden Insassen der Cessna 172 mit der Registrierungsnummer N8547X blieben damals unverletzt.

Quellen:
Wayne Madsen Report vom 17.01.06
Bodies From Jet Crash Found in the Alps
Vier Tote – Flugzeug zerschellt in Alpen

spionage

Spione machen den Kotau

Simon Spengler, Sandro Brotz & Alexander Sautter – KNIEFALL Die Schweizer Geheimdienste und der Bundesrat machen vor der US-Regierung den Bückling. Dass es sogar eine Entschuldigung bei der CIA gab, wird die Parlamentsdelegation morgen vor der Öffentlichkeit verschweigen. Ein Bericht aus der Dunkelkammer.

E s ist ein Kampf mit Platzpatronen, den der frühere Mafia-Jäger Dick Marty (61) gegen die CIA führt. Der Europarats-Sonderermittler hat nur eine einzige Waffe: «Ich kann öffentlich anprangern und so Druck erzeugen. Mein Ziel ist es, ein Klima zu schaffen, das die Leute zum Reden bringt.»


Geheimdienst-Kommission sagt nicht ganze Wahrheit

Dieses Ziel hat Marty in der Schweiz erreicht. Die Leute wollen reden. Bei SonntagsBlick melden sich seit der Veröffentlichung des ägyptischen Fax immer wieder Mitarbeiter der Nachrichtendienste. Aber auch bei Beamten in den Departementen der Bundesräte Christoph Blocher (65), Samuel Schmid (58) und Micheline Calmy-Rey (60) wächst der Unmut darüber, wie die offizielle Schweiz mit der CIA-Affäre umgeht.

Aus diesen Gesprächen mit zuverlässigen Quellen, bei denen den Geheimnisträgern absolute Anonymität zugestanden wurde, geht hervor:
Der Inlandgeheimdienst DAP (Dienst für Analyse und Prävention) und der Auslandgeheimdienst SND (Strategischer Nachrichtendienst) haben sich auf informeller Ebene bei hochrangigen CIA-Vertretern entschuldigt. Der DAP unter Urs von Daeniken (54) und der SND unter Hans Wegmüller (60) drückten gegenüber dem US-Geheimdienst ihr Bedauern über das Leck in den eigenen Reihen aus. Den Schlapphüten ging es in den Kontakten nicht um die Frage der Menschenrechte, sondern um die weitere Zusammenarbeit. Sie entschuldigten sich lieber für die Indiskretion, als nachzufragen, was es mit den Folterfliegern und Geheimgefängnissen auf sich hat.

Geheimdienst-Kommission sagt nicht ganze Wahrheit
«Über Kontakte zu ausländischen Diensten geben wir den Medien und der Öffentlichkeit grundsätzlich keine Auskünfte», sagt SND-Sprecher Roman Weissen. Dieselbe Auskunft erteilt auch DAP-Sprecherin Danièle Bersier. Was offiziell nie bestätigt würde, tönt auch SVP-Ständerat Hans Hofmann (66, ZH) nur an: «Jetzt muss wieder Vertrauen hergestellt werden. Dazu gehören Gespräche mit den Staaten und den Nachrichtendiensten. Es gehört sich, dass aktiv auf sie zugegangen wird, das Leck bedauert und in persönlichen Gesprächen wieder Vertrauen aufgebaut wird.»

Hofmann muss es wissen: Er ist Präsident der geheimsten Arbeitsgruppe der Schweiz, der Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments (GPDel). Ihre sechs Mitglieder haben den Auftrag, die Arbeit der Geheimdienste zu kontrollieren. Selbst der Treffpunkt ihrer letzten Sitzung hätte nicht bekannt werden sollen. Erfolglos. Mittwochmorgen um neun Uhr trafen sich die GPDel-Mitglieder vor dem Eingang des Bundeshauses West. Erst im Innern des Gebäudes erfahren sie, wo die Sitzung stattfindet. Und wo am Nachmittag der Sicherheitsausschuss mit den Bundesräten Blocher, Schmid und Calmy-Rey antraben muss. «Wir wurden von ihnen umfassend orientiert und dokumentiert», sagt Hofmann. Ob damit alle Fragen beantworten seien, werde er erst an der Präsentation des Berichts am Montag sagen.


Die Schweizer Geheimdienste hängen am Tropf der CIA.

Wird man uns die ganze Wahrheit sagen? Nein. SonntagsBlick weiss: Die Kommission wird behaupten, dass der Bundesrat und die Geheimdienste in der Fax-Affäre alles richtig gemacht hätten. Die Entschuldigung der Schlapphüte an die Adresse der CIA soll der Öffentlichkeit verschwiegen werden. Der Hintergrund ist klar: Die Schweizer Geheimdienste hängen am Tropf der CIA. Die meisten vom SND oder DAP intern als Erfolge verkauften Informationen beruhen auf Erkenntnissen des amerikanischen Geheimdienstes. «Diese Zusammenarbeit will man unter keinen Umständen aufs Spiel setzen», sagen übereinstimmend Quellen im In- und Auslandgeheimdienst. «Wenn ein Leck bekannt wird, betreiben die Dienste Schadenbegrenzung», sagt der renommierte deutsche Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom. «In diesem Fall besteht die Angst, dass die CIA ihren Informationsfluss in die Schweiz stoppen könnte.» Das Leck kümmert Bundesbern mehr, als dass die USA im Krieg gegen den Terrorismus zu unheiligen Mitteln greifen.

Nichts sehen. Nichts hören. Nichts sagen. Nur einer schaut hin: Europarats-Sonderermittler Dick Marty, der Washington diese Woche in seinem CIA-Zwischenbericht eine «systematische Auslagerung von Folter» vorgeworfen hat. Möglicherweise seien mehr als hundert Terrorverdächtige in andere Länder geflogen und dort misshandelt worden.

Von dem will unsere Regierung lieber nichts wissen. Ein Geheimdienst-Insider: «Das Schlimmste wäre für den Bundesrat, wenn seine Geheimdienste einen Beweis für die illegalen CIA-Machenschaften finden würden.» Warum interessiert sich der Bundesrat nicht für die Wahrheit? Der Insider: «Dann müsste er reagieren und einen wichtigen Handelspartner verärgern. Deshalb ist die Regierung heilfroh, dass die Schweizer Nachrichtendienste gar nicht erst genau hinschauen.» Selbst die NZZ forderte gestern in einem Kommentar: «Die Politik kann im Einsatz für die Menschenrechte nicht warten, bis ihr Beweise vorliegen.»

Nur gerade Aussenministerin Micheline Calmy-Rey versucht mit Interventionen bei der US-Botschaft in Bern, Informationen über die Überflüge und Landungen von CIA-Maschinen in der Schweiz zu bekommen. Auf eine Antwort wartet sie noch heute. Justizminister Blocher fällt ihr dabei in den Rücken: «Vermutlich werden wir keine Auskunft bekommen. Wir müssten zuerst beweisen, dass sie etwas Unrechtes gemacht haben», sagte er am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos gegenüber SonntagsBlick.

Calmy-Rey will sich dazu nicht äussern, aber aus ihrem Umfeld ist zu hören, dass mit Blochers Aussage ihre Interventionen torpediert wurden.

Es ist ein Trauerspiel, was der Bundesrat in der CIA-Affäre aufführt.
Keifen.
Kneifen.
Kuschen.

Mitarbeit: Christian Dorer
Der Artikel erschien im Sonntagsblick und erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autoren.

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spionage

Schweizer CIA-Affäre: Blankoschein von Delegation

Stephan Fuchs – Es wurde nichts anderes erwartet. Die schweizerische Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) stellt dem Strategischen Nachrichtendienst SND und dem Eidgenössischen Departament für Äussere Angelegenheiten EDA in der Geheimdienstaffäre Blankoscheine aus.

Gut gemacht, richtig gehandelt ist der Tenor der Delegation. Somit ist erneut ein Geheimdienstskandal hinter verschlossenen Türen rein gewaschen worden. Die Geschäftsprüfungsdelegation schiesst auch gleich sämtliche Anfragen ab. Die Schweiz liebt es eben sauber.


Bern’s Geheimdienstkontrolleure werden vom Geheimdienst kontrolliert

Die GPDel ist ein ständiger Ausschuss der beiden Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) der eidgenössischen Räte. Sie besteht aus je drei Mitgliedern des Nationalrates und des Ständerates aus den vier Bundesratsparteien und der Grünen und übt die Oberaufsicht über den Staatsschutz und die Nachrichtendienste aus. Im folgenden der ungekürzte Bericht der GPDel:

A. Gegenstand der Kontrolltätigkeit der Geschäftsprüfungsdelegation
Im Verlaufe des Jahres 2005 haben schweizerische und ausländische Medien sowie Menschenrechtsorganisationen verschiedentlich Behauptungen über mutmassliche Aktivitäten zur Terrorismusbekämpfung der amerikanischen Nachrichtendienste in Europa aufgestellt.

Gemäss diesen Quellen hätten mehrere CIA-Flugzeuge das europäische Territorium und/oder den europäischen Luftraum für illegale Gefangenentransporte benutzt. In gewissen europäischen Ländern hätten sich geheime Gefängnisse der CIA befunden oder befänden sich sogar heute noch dort.

Diese Behauptungen führten zu mehreren parlamentarischen Vorstössen (Frage Banga 05.1093 , Frage Günter 05.5232 und Fragen Teuscher 05.5244 und 05.5282 ). Der Bundesrat beantwortete sie am 23. September, am 5. Dezember und am 12. Dezember 2005.

Die Beantwortung weiterer parlamentarischer Vorstösse ist noch ausstehend (Motion Müller Geri 05.3842 , Motion Zisyadis 05.3819 , Interpellation Lang 05.3744 , Fragen Banga 05.1181 und 05.1182 ).

Die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) beschloss an ihrer Sitzung vom 13. Dezember 2005, diese Vorwürfe – soweit sie in den Kompetenzbereich der parlamentarischen Oberaufsicht über den Staatsschutz und die Nachrichtendienste fallen (Art. 53 des Parlamentsgesetzes vom 13. Dezember 2002; SR 171.10) – zu untersuchen.

Die GPDel wollte mit ihrer Untersuchung in Erfahrung bringen, welche Informationen die Bundesbehörden besitzen und welche Massnahmen sie ergriffen haben. Im Fokus der Untersuchung stand auch die Frage, ob die schweizerischen Nachrichtendienste Kenntnis der CIA-Aktivitäten hatten und gegebenenfalls aktiv oder passiv involviert waren.

Schliesslich wollte die GPDel vom Bundesrat wissen, wie er die Arbeiten des Europarats zu diesem Dossier zu unterstützen gedenkt.

Die GPDel liess dem Bundesrat am 15. Dezember 2005 einen Katalog mit über 20 Fragen zukommen und forderte ihn zu einer Stellungnahme bis am 20. Januar 2006 auf.
Am 8. Januar 2006 veröffentlichte der SonntagsBlick ein geheimes Dokument des Eidg. Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).

Es handelt sich um die französische Übersetzung eines Fax der ägyptischen Behörden. In diesem vom VBS abgefangenen Fax wird darauf hingewiesen, dass die Existenz von geheimen Gefängnissen in gewissen europäischen Ländern wahrscheinlich sei.

Am 25. Januar 2006 analysierte die GPDel die Antwort des Bundesrates auf ihre Fragen vom 15. Dezember 2005. Sie hörte danach eine Delegation des Bundesrates an.

Diese bestand aus Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Vorsteherin des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), aus Herrn Bundesrat Samuel Schmid, Vorsteher des VBS, und aus Herrn Bundesrat Christoph Blocher, Vorsteher des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements (EJPD).

Nebst den öffentlich zugänglichen Informationen standen der Geschäftsprüfungsdelegation insbesondere folgende Dokumente zur Verfügung:

die Liste der verdächtigten Flugzeuge, welche die Schweiz überflogen haben oder in der Schweiz gelandet sind (inkl. Abflugsorte und Destinationen),
der Entscheid des Bundesrates vom 12. Februar 1997 betreffend das Überfliegen des schweizerischen Hoheitsgebiets und die Landung auf schweizerischen Flugplätzen durch ausländische Militär- und andere Staatsluftfahrzeuge (Bewilligungskategorien und zuständige Bewilligungsbehörden),
ein Beispiel der Jahresbewilligungen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) für ausländische Militär- und andere Staatsluftfahrzeuge,
eine Kopie des durch die elektronische Funkaufklärung des VBS abgefangenen Fax,
eine Kopie der integralen Übersetzung des abgefangenen Fax,
eine Kopie der aufgrund des Fax erstellten Informationsnotiz des Strategischen Nachrichtendienstes (SND).

Die GPDel erhielt alle von ihr geforderten Informationen. Sie wurde durch den Bundesrat und seine Delegation umfassend und transparent informiert.

B. Feststellungen der Delegation
Zu den aussergerichtlichen Gefangenentransporten der Vereinigten Staaten
1. Der Bundesrat ist klar gegen aussergerichtliche Gefangenentransporte. Solche Transporte sind ein Verstoss gegen das Völkerrecht. Auch stehen sie im Widerspruch zum Schweizer Recht, soweit die Schweiz oder ihr Luftraum für solche Zwecke benutzt wird. Das EDA hat gegenüber den Vereinigten Staaten verlauten lassen, dass die Schweiz es nicht zulassen werde, dass ihr Gebiet und ihre Luftraum für aussergerichtliche Gefangenentransporte benutzt werden. Solche Transporte würden eine Verletzung der Schweizer Souveränität darstellen.

2. Anlässlich von Besuchen in Washington teilte der Staatssekretär des EDA am 14. Juni und die Vorsteherin des EDA am 27. Juni 2005 mittels eines Memorandums ihren amerikanischen Amtskollegen im Aussenministerium die Besorgnis der Schweiz über die Praxis der ausserordentlichen Überstellungen („extraordinary renditions“) mit und ersuchten sie, sich an die Völkerrechtsnormen zu halten.

3. Am 8. Dezember 2005 hat die Botschaft der Vereinigten Staaten in der Schweiz dem EDA eine Kopie der Erklärung von Staatssekretärin Condoleezza Rice übermittelt, welche sie anlässlich ihrer Reise nach Europa am 5. Dezember 2005 abgegeben hatte: „The United States has not transported anyone, and will not transport anyone, to a country when we believe he will be tortured“.

Zur Benutzung der Schweiz und ihres Luftraumes für den aussergerichtlichen Gefangenentransport
4. Der Bundesrat und seine Nachrichtendienste wissen, dass die Geheimdienste der Vereinigten Staaten, insbesondere die CIA, über eigene Flugzeuge verfügen oder solche bei privaten Gesellschaften chartern. Die Bundesverwaltung hat indessen weder konkrete Kenntnisse über die Benutzung dieser Flugzeuge noch über die beförderten Personen und/oder das Frachtgut.

5. Alle ausländischen Militär- und anderen Staatsluftfahrzeuge sind verpflichtet, für Überflüge über die Schweiz oder Landungen in der Schweiz eine Bewilligung („diplomatic clearance“) einzuholen. Diese werden vom BAZL ausgestellt. Es gibt Jahresbewilligungen wie auch Einzelbewilligungen. 26 Staaten, darunter die Vereinigten Staaten, und zwei internationale Organisationen verfügen für ihre Flugzeuge über eine Jahresbewilligung des BAZL. Zudem werden ihnen einmalige Bewilligungen für besondere Flüge ausgestellt.

6. Privatluftfahrzeuge müssen keine Überflug- und Landebewilligungen einholen (Art. 5 des Abkommens vom 7. Dezember 1944 über die internationale Zivilluftfahrt; Abkommen von Chicago; SR 0.748.0).

7. Im Mai 2005 wurden Bundesstellen auf Meldungen in der Presse und in NGO-Berichten aufmerksam, wonach die CIA auch in Europa aussergerichtliche Transporte von Gefangenen durchgeführt haben soll.

Anhand der veröffentlichten Immatrikulationsnummern und den Angaben von Skyguide konnte das BAZL die Start- und Landeorte der fraglichen Flugzeuge (hiernach: verdächtige Flugzeuge) feststellen.

Aus den Ermittlungen des BAZL ging hervor, dass in der Zeit zwischen Dezember 2001 und Dezember 2005 vier der in den Medien erwähnten verdächtigen Flugzeuge in Genf landeten und verschiedene andere verdächtige Flugzeuge die Schweiz überflogen (insgesamt 74 Überflüge [Stand: 5. Januar 2006]).

Unter den verdächtigen Flugzeugen hatten alle offiziellen Flugmaschinen eine entsprechende Bewilligung. Die Privatflugzeuge waren, wie unter Ziff. 6 erwähnt, nicht bewilligungspflichtig.

8. Keines der verdächtigen Flugzeuge, das die Schweiz überflogen hat oder in der Schweiz zwischengelandet ist, befand sich im Direktkurs von oder nach Guantánamo-Bay. Es kann nicht festgestellt werden, ob es sich um Anschlussflüge von oder nach Guantánamo-Bay handelte.

9. Die Schweizer Nachrichtendienste und andere Bundesstellen haben keine Kenntnis darüber, ob die verdächtigen Flugzeuge, welche die Schweiz überflogen haben oder hier zwischengelandet sind, in diesem bestimmten Zeitpunkt von der CIA benutzt wurden und falls ja, zu welchem Zweck. Im Zeitpunkt, als diese Flugzeuge die Schweiz überflogen oder hier zwischenlandeten, bestand kein Verdachtsgrund, der eine besondere Kontrolle durch die Schweizer Behörden gerechtfertigt hätte.

10. Neben seiner Demarchen vom 14. Juni und 27. Juni 2005 (vgl. Ziff. 2), hat das EDA viermal Auskünfte über Landungen verdächtiger Flugzeuge in Genf verlangt (Auskunftsbegehren vom 26. Juli, 2. September, 15. November und 14. Dezember 2005). Trotz der partiellen Antworten der amerikanischen Staatssekretärin, die sie anlässlich ihrer Europareise gab, wartet die Schweiz – wie viele andere europäische Länder – noch immer auf entsprechende Erklärungen der Vereinigten Staaten.

Aus diesem Grund wurde die bis anhin geltende Jahresbewilligung für die betroffenen Staatsflugzeuge der Vereinigten Staaten nicht erneuert, sondern nur bis Ende Januar 2006 verlängert.

11. Der Bundesrat und seine Verwaltung verfügen momentan über keine Beweise, dass die amerikanischen Flugzeuge, welche die Schweiz überflogen haben oder hier gelandet sind, erstens von der CIA, zweitens zur Verschleppung von Personen, drittens zur Durchführung von Folterverhören an diesen Personen in Drittländern benutzt wurden.

12. Dem Bundesrat und seiner Verwaltung liegen Hinweise vor, wonach ein amerikanisches Flugzeug, das die Schweiz am 17. Februar 2003 überflog, für einen aussergerichtlichen Transport von Italien nach Ägypten (via die amerikanische Militärbasis Ramstein in Deutschland) hätte benutzt werden können. Bei der beförderten Person soll es sich um den ägyptischen Imam Abu Omar gehandelt haben – mit richtigem Namen Hassan Mustafa Osama Nasr – der von der CIA aus Mailand entführt worden sei. Da genügend Indizien für eine Verletzung des Schweizer Rechts vorlagen, wurde von der Bundesanwaltschaft ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Zur Frage der Existenz geheimer Gefängnisse der CIA in Europa
13. Der Bundesrat und seine Verwaltung haben Kenntnis von den Pressemeldungen und den Berichten von NGOs über mutmassliche Geheimgefängnisse der CIA in Europa.

14. Der Bundesrat und seine Verwaltung haben derzeit weder Beweise für die Existenz geheimer CIA-Gefängnisse in Europa noch Informationen über Folterpraktiken der CIA in Europa. Der Bundesrat kann dementsprechend dem Europarat dazu keine Informationen zur Verfügung stellen, die den Arbeiten des Europarats dienlich wären.

Zur Veröffentlichung eines als geheim klassifizierten Dokumentes
15. Bei der am 8. Januar 2006 im SonntagsBlick publizierten Abschrift handelt es sich um ein Dokument des VBS. Es ist die Übersetzung eines Auszugs einer Dienstnote, welche das Büro des Assistenten des ägyptischen Ministers für europäische Angelegenheiten im Aussenministerium per Fax an die Botschaften und Konsulate Ägyptens in Europa übermittelte. Darin werden verschiedene aktuelle Ereignisse kommentiert, unter anderem die Wahrscheinlichkeit der Existenz von geheimen Gefängnissen in Europa. Das arabische Original war nicht verschlüsselt.

16. Der Fax aus Ägypten wurde zufällig vom elektronischen Aufklärungssystem des VBS abgefangen.

17. Der Fax wurde im VBS übersetzt und an den SND zur Auswertung weitergeleitet. Davon ausgehend wurde, ohne Angabe der Quelle, eine Informationsnotiz mit einer Zusammenfassung der Fax-Meldung erstellt.

Diese Notiz wurde am 29. November 2005 dem Vorsteher des VBS, dem Chef der Armee und drei Dienstchefs des EDA zugestellt. Die Vorsteherin des EDA und der Vorsteher des EJPD erhielten weder eine Abschrift des Fax, noch seiner Übersetzung, noch die Informationsnotiz des SND.

18. Der Inhalt des Fax enthält mit Ausnahme der Nationalitäten der mutmasslich im Gefängnis in Rumänien verhörten Personen keine Neuigkeiten. Er gibt Informationen wieder, welche aus der Presse und aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bereits hinlänglich bekannt sind.

19. Die Geheimklassifizierung des im Sonntagsblick veröffentlichten Dokuments war gerechtfertigt, weil es Informationen über die Aufklärungsverfahren der Schweizer Nachrichtendienste enthält.

20. Die Weiterleitung und die Publikation eines Geheimdokumentes ist u.a. eine strafbare Handlung im Sinne des Strafgesetzbuchs. Aus diesem Grund sind von den zuständigen Justizorganen Untersuchungen gegen den Autor der Indiskretion und gegen die Zeitung, die das Dokument publiziert hat, eingeleitet worden.

Beurteilung und Kommentar der Delegation
21. Den Schweizer Behörden liegt gegenwärtig kein Beweis vor, dass der Schweizer Luftraum oder Schweizer Flughäfen von der CIA für illegale Tätigkeiten benutzt wurden. Im Falle Abu Omar besteht ein Verdacht auf eine unrechtmässige Nutzung des Schweizer Luftraums. Dieser Verdacht bildet derzeit Gegenstand eines gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens.

22. Das EDA handelte richtig, als es wiederholt an die amerikanischen Behörden gelangte. Dies ermöglichte dem EDA, die Position der Schweiz zu aussergerichtlichen Gefangenentransporten klar zu machen und von den Vereinigten Staaten Erklärungen in Bezug auf die für die Schweiz relevanten Flüge zu verlangen. Mit seinen wiederholten Interventionen zeigte das EDA Beharrlichkeit gegenüber den amerikanischen Behörden.

23. Das EDA hat gegenüber den Vereinigten Staaten alles getan, was auf Grund der wenigen Informationen, die ihm zur Verfügung standen, möglich war.

24. Das Abfangen des ägyptischen Fax durch die Dienste des VBS erfolgte innerhalb des legalen Rahmens des Schweizer Rechts.

25. Der ägyptische Fax enthält keine grundsätzlich neuen Informationen; jedenfalls bildet sein Inhalt kein Beweis für die Existenz von geheimen Gefängnissen in Europa. Aus diesem Grund bestand zum damaligen Zeitpunkt kein Anlass, ihn der Vorsteherin des EDA und dem Vorsteher des EJPD zur Kenntnis zu bringen.

26. Der Bundesrat hat der GPDel versichert, dass er zu allen Fragen, die ihm der Berichterstatter der parlamentarischen Versammlung des Europarates offiziell vorlege, Stellung nehmen werde.

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kultur

Glut der Freiheit

Stephan Fuchs – Andra Borlo überschreitet Grenzen. Die ehemalige Berner Sängerin der Rockformation k’daar und Menschenrechtsaktivistin gibt mit „New York Diary“ ihr Solo Debüt. Das in ihrer zweiten Heimat Brooklyn aufgenommene akustische Album besticht mit klever arrangierten Songs und überschreitet mit Oboe, Geige, Bass, Piano und Drums auch musikalische Grenzen. Sie nennt ihre Musik „alternative acoustic pop“ und singt nebst englischen Songs erstmals auch einige Songs in deutscher Sprache. Stephan Fuchs sprach mit Andra Borlo über die Glut ihrer Stimme und ihre Arbeit als Politologin.

Andra Borlo ihre Stimme hat die Glut der Freiheit, sie berührt das Knochenmark in ihrem sensibelsten Bereich. In einem anderen sensiblen Bereich sitzen Häftlinge und warten auf die Exekution. Sie berühren beide Punkte mit der gleichen Leidenschaft…


„Die Gefängnisse sind inzwischen eine ganz wichtige Industrie der amerikanischen Wirtschaft. Sie müssen voll sein.“

Ich versuche, alles in meinem Leben mit Leidenschaft zu machen. Es freut mich, dass Sie diese Intensität in meiner Musik wahrnehmen.

In ihrer Stimme höre ich auch die ungehörten Schreie dieser Menschen. Sie haben durch Ihr Engagement das Leben nahe an den Tod geknüpft. Wie machen Sie das, ohne zu verbittern?

Das ist sicher für alle Menschen eine grosse Herausforderung. Wir haben nur eine Chance, wenn wir nie den Blick auf die positiven Entwicklungen und Momente verlieren. Und diesen Blick habe ich über die Jahre trainiert. Für meinen Alltag kann ich persönlich viel relativieren. Ich fühle mich vom Leben sehr beschenkt und spüre eine tiefe Dankbarkeit.

Verstehen sie Musik als Ventil?

Ja, die Musik ist für mich ein wichtiges Ventil, um Erlebtes zu verarbeiten –auch im Bereich meines Engagements gegen die Todesstrafe. Das heisst nicht, dass ich nur solche Songs schreibe. Auf meiner neuen CD sind vor allem Songs, in denen ich von Liebe singe, oder von Abschied und Verrat. „Das ist der Ort“ ist ein Stück, welches ich nach einem Gefangenenbesuch im texanischen Todestrakt geschrieben habe. Ich brauchte einen Weg, dieses Gefühl von absoluter Ohnmacht und Trauer loszuwerden.

Amerika versteht sich als zivilisierteste und demokratischste Gesellschaft der Welt.

Und dennoch warten Tausende von Menschen auf ihre Hinrichtung – viele davon sind unschuldig zum Tode verurteilt. Die Gefängnisse sind inzwischen eine ganz wichtige Industrie der amerikanischen Wirtschaft. Sie müssen voll sein.

Sind die Menschen im Todestrakt die Monster wie sie uns von den US Medien präsentiert werden?

Die meisten zum Tode verurteilten sind Afroamerikaner, Latinos oder Weisse aus den ärmsten Einkommensschichten. Viele davon waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie landen im Todestrakt, weil sie sich keinen privaten Anwalt leisten können. Viele davon sind unschuldig. Selbst wenn sie schuldig sind: hätten sie Geld, würden sie nicht zum Tode verurteilt. In den Medien werden sie als Monster dargestellt und nie gefragt, warum jemand eine bestimmte Tat begangen hat. Es ist, als hätten viele Amerikaner die Idee, dass Menschen gut oder schlecht geboren werden. Darum ist das Justizsystem nicht auf Prävention und Rehabilitation ausgerichtet.

Vielleicht ein Todeskult?

Ich glaube nicht. Eher eine Verquickung der amerikanischen „erst schiessen – dann fragen“ Mentalität, des biblischen „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ Gedankens und einer guten Portion Korruption, welche der Gesellschaft einen Schuldigen, vor die Beine werfen muss um…

…um das System am Leben zu erhalten?

Ja, den Glauben daran, die Rache sei Gerechtigkeit. Aber Rache ist nur Selbstzweck, damit alle an ihrem Platz bleiben. Im Falle der Todesstrafe ist das eine Fortsetzung der Lynchjustiz.

Sie haben über das Gefängnis ihre Stimme als Instrument entdeckt…

Das war vor sechzehn Jahren. Mein damaliger Freund war als Dienstverweigerer in einem Schweizer Gefängnis. Ich wollte mit ihm sprechen und habe deshalb in einer Privatwohnung gegenüber dem Gefängnis geklingelt. Einer liess mich rein und so konnte ich, quer über die Strasse hinweg mit meinem Freund sprechen. Ich musste brüllen, damit er mich versteht. Meine Stimme hallte in den Gassen, eine gute Akustik… Sein Zellenpartner war Gitarrist und war von meiner dunklen, kratzigen Stimme fasziniert. Er lud mich ein, nach seiner Haftzeit in seiner Band zu singen. Ich tat es und habe so meine Leidenschaft zum Gesang entdeckt.

Sie sind schwer in eine „Kiste“ einzuteilen. Sie sind Sängerin und Menschenrechtsaktivistin, arbeiten als Politologin selbständig an diversen Projekten im Menschenrechtsbereich, wohnen in Bern und seit einigen Jahren mit zweitem Wohnsitz in Brooklyn. Dass Sie keine Grenzen kennen, zeigen Sie nun auch mit Ihrer „New York-Diary“ Tour. Dazu haben sie Bryonn Bain eingeladen. Ein Hip-Hop Künstler aus Brooklyn. Das ist seltsam, Musik die Gewalt zelebriert?

Ich kannte Hip-Hop auch nur in dieser Form vom Radio her. Gewalt. Drogen, Bandenkrieg. Bis ich Bryonn Bain kennen lernte. Ich lud ihn als Referent zu einem Medienevent ein, welches ich für Nanon Williams organisiert hatte. Bryonn hat mich dann in die Kultur des „Spoken Word“ eingeweiht, welcher von starken Texten lebt – von Poesie bis zu politisch anspruchsvollen Inhalten. Bryonn gehört zu einer in den USA immer grösser werdenden Gruppe von Künstlern, welche Hip-Hop wieder zu seinen Wurzeln zurückführen will, zu Texten, welche soziale Veränderung bewirken. Bryonn hat Literatur studiert, dann Jura in Harvard abgeschlossen, ist Literaturprofessor, Journalist, Poet, Bürgerrechtsaktivist und eben Musiker. Diese Kombination gibt ihm eine konstruktive Explosivität. Er kämpft mit Geist, Herz und Brillanz. Sein erster Artikel in der New Yorker Zeitung Village Voice hat 100’000 Leserreaktionen ausgelöst. Das hatte es in derer Zeitungsgeschichte bis dahin noch nie gegeben.

Musik als Nachrichtenmedium?

Das ist richtig. Schauen sie, was Bryonn passierte ist klassisch für Amerika. Es nennt sich „racial profiling“: Bryonn wurde von der Polizei im Auto angehalten, man fand unter seinem Namen ein Strafregistereintrag, das irgendjemand bei den Behörden gepflanzt hat der ihm schlecht wollte. Sie fragten wer er sei. Er sagte er sei Harward Law School Absolvent, habe eine Professur für Literatur, sei Poet und Hip-Hop Künstler. Sie haben Bryonn in die psychiatrische Abteilung des Gefängnisses verfrachtet. Sie haben ihm schlicht nicht geglaubt und ihm eine Schizophrenie attestiert. Ein 27 jähriger Schwarzer, dachten die, kann doch nicht Professor sein und in Harvard studiert haben! Einem Weissen wäre das nicht passiert. Weder die Verhaftung noch der Unglaube, dass er eine gute Ausbildung hat.

Bryonn ist ein Dorn in den Augen konservativer Politiker?

Ja und dazu ein begnadeter Musiker, der eben mit dem Hip-Hop das Publikum erreicht welches für Nachrichten wie sie Bryonn in seinen Spoken Words erzählt, empfänglich ist. Mit seinen politischen und literarischen Texten setzt er einen Kontrapunkt zum kommerziellen Hip-Hop. Bryonn Bain spricht die kontroversen Themen der USA wie Chancenungleichheit oder das marode Justizsystem an.

Bryonn stand in den letzten Jahren mit Leuten wie Maceo Parker, the Last Poets, Amiri Baraka, oder dead prez auf den Bühnen. Warum kommt er mit Ihnen auf die Bühne? In der Schweiz, wo wir ganz andere Themen haben?

Bryonn hat zwei Songs auf meiner CD vertont und dabei den Narren an meiner Musik gefressen. So entstand die Idee, dass wir zusammen auf die Bühne stehen. Er ist ein unglaublich charismatischer Performer. Ich möchte diese Kunst dem Schweizer Publikum zeigen. Und „seine“ Themen haben wir hier auch. Vor allem Rassismus, den ich in der Schweiz als immer stärker werdend empfinde. Ein guter Nährboden für die menschenverachtende Asylpolitik der SVP. Ein düsteres Kapitel in der Schweizer Politlandschaft. Es gäbe noch viel zu den Missständen in der Schweiz zu sagen.

Und dazu kommt auch KuttiMC als Gast auf die Tour?


„Ich glaube, wir glühen alle auf der Bühne – die Mühle ist aus Holz, das kann gefährlich werden!“

Ja genau. Darüber freue ich mich besonders! So überschreiten wir wieder eine Grenze. Hip-Hop ist nicht nur in den USA lebendig, sondern eben auch in der Schweiz. Ich freue mich extrem, die beiden gemeinsam auf der Bühne zu haben und zu einem Rap-Duell in Schweizerdeutsch und Englisch antreten zu lassen. Das wird lustig, weil Bryonn die Mimik von KuttiMC lesen muss und kein Wort versteht! KuttiMC hat mit dem Rap eine Form gefunden, seine guten und originellen Texte in eine anmächelige Form zu verpacken. Der Rap steht im gut!

Aber sie selber sind keine Hip-Hop Künstlerin! Sie haben eine Stimme der Leidenschaft, sie machen guten Pop und groovigen Jazz.

Ich habe keine Berührungsängste. Ich finde es spannend! Das Programm „New York Diary“ wird als Delikatesse den akustischen Pop mit Hip-Hop verknüpfen. So steht ein Hip-Hop Künstler mit Oboe, Bass, Violine, Drums und Piano auf der Bühne. Wir bleiben akustisch, trotz Hip-Hop Elementen. Diese musikalische Zusammenarbeit ist eine Premiere. Es war gar nicht so einfach, in der Schweiz Musiker zu finden, die so vielseitig sind, dass sie klassische, jazzige, rockige und popige Sounds und Grooves spielen können. Vor allem für Oboe, Geige und Bass war das knifflig. Mit Mathias Z. Bühler, Simon Heggedorn und Richard Pechota habe ich grosses Glück gehabt. Auch Schlagzeuger Adrian Christen ist sehr vielseitig und Pianist Philippe Kuhn, der meine CD produziert hat, ist für mich sowieso ein musikalisches Wunder!

Hat die Glut ihrer Stimme genügend Platz in dem Programm?

Auf jeden Fall. Ich werde alle 12 Songs meiner neuer CD– drei Songs mit Bryonn als Ergänzung, performen. Dann gibt es einen Block mit Songs von Bryonn und KuttiMC, bei dem ich mich als Background-Sängerin versuche und ja vielleicht auch glühen kann…Apropos Glühen: ich freue mich sehr auf die Stimme von Jamie Wong-Li. Jamie hat einige Backing Vocals auf meinem Album gesungen und wird das auch in der Mühle Hunziken tun. Und sie wird auf jeden Fall auch ein Solo singen. Ich glaube, wir glühen alle auf der Bühne – die Mühle ist aus Holz, das kann gefährlich werden!

Andra Borlo, ich bedanke mich für ihr Engagement für die Menschlichkeit und wünsche ihnen und den Musikern einen guten Tourstart.

Andra Borlo ist mit den Gästen Bryonn Bain und KuttiMC vom 8. bis 19. März 200 auf Schweizer Tournee. CD Taufe: 12. März in der Mühle Hunziken, Bern / 20:00 Uhr
Andra Borlo
Bryonn Bain

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Todesstrafe für psychisch Kranke: Amnesty kritisiert USA

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) hat die USA aufgefordert, die Todesstrafe für psychisch Kranke unverzüglich abzuschaffen. Amnesty veröffentlichte heute einen neuen Bericht zur Todesstrafe in den USA.


Fünf bis zehn Prozent der Todeskandidaten in den USA psychisch krank

Obwohl der Oberste Gerichtshof der USA im Juni 2002 die Todesstrafe für Straftäter mit einem gestörten geistigen Entwicklungsstand für nicht mit der Verfassung vereinbar erklärt habe, werde sie für diesen Personenkreis weiter angewandt, sagte USA-Expertin Eva Markwig.

Nach Angaben der National Association of Mental Health sind fünf bis zehn Prozent der Todeskandidaten in den USA psychisch krank, wie es in dem ai-Bericht heisst. Demnach warten derzeit mehrere hundert psychisch kranke Straftäter auf ihre Hinrichtung.

Wie ai betonte, können viele psychisch Kranke die Verbrechen, derer sie angeklagt sind, nicht nachvollziehen oder sind unfähig, die Schwere ihrer Verbrechen einzuschätzen. Daher erschienen die Täter den Geschworenen oft reuelos.

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Schweizer Bundespersonal wurde um den Teuerungsausgleich betrogen

Bern – Der heute von Finanzminister Hans-Rudolf Merz präsentierte Rechnungsabschluss macht zumindest eines klar: Die Bundesangestellten sind mit negativen Prognosen um den Teuerungsausgleich betrogen worden. Die Gewerkschaften PVB, garaNto und vpod der Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal (VGB) haben sich Ende 2005 gegen das Diktat des Bundesrates gewehrt.

Während ausserhalb des Bundes 2006 zwischen 1% und 3% ordentliche und versicherte Lohnerhöhungen bezahlt werden, begründete der Bundesrat seine nur um 0,5% erhöhte „einmalige Zulage“ ans Bundespersonal mit der angeblich miserablen Finanzlage, die keinerlei Spielraum lasse.

Heute, nur ein paar Wochen später, präsentiert Herr Merz einen „unerwartet“ guten Rechnungsabschluss jenseits seiner gezielt pessimistischen Budgetschätzung mit über 500 Millionen Mehreinnahmen und Minderausgaben von 1,1 Milliarden. Dies ohne die über 8 Milliarden Zusatzeinnahmen von Nationalbank und Swisscom.

Die tieferen Ausgaben liegen noch 1,8 Milliarden unter den harten parlamentarischen Vorgaben zur Schuldenbremse. Genug Spielraum für mehr Lohnausgaben fürs Personal. Der Verdacht liegt nahe, dass der Bundesrat Ende 2005 die Finanzlage gezielt schlecht geredet hat, um dem Personal den Teuerungsausgleich zu verweigern. Das ist angesichts der Tatsache, dass der Bund 2005 beim Personal zusätzlich 2% und 865 Stellen weggespart hat, ein Affront.

Die Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal fordert nun vom Bundesrat, diese Lohnabbaupolitik für 2007 entsprechend zu kompensieren und dem Bundespersonal die seit 15 Jahren verweigerte Reallohnerhöhung zuzugestehen.

medien

Die Revolution der Nachrichten hat begonnen

John Pilger – Die indische Schriftstellerin Vandana Shiva hat zu einem Aufstand gegen „versklavtes Wissen“ aufgerufen. Der Aufstand hat schon begonnen. Millionen von Menschen haben sich in ihrem Bemühen, die gefährliche Welt, in der wir leben, zu verstehen, von den herkömmlichen Nachrichten- und Informationsquellen ab- und dem Internet zugewandt in der Überzeugung, dass der vorherrschende Journalismus die Stimme der zügellosen Macht ist. Der große Irak-Skandal hat dies beschleunigt. In den USA haben mehrere etablierte Radiojournalisten zugegeben, dass die Invasion vielleicht nicht stattgefunden hätte, wenn sie die Lügen, die über die Massenvernichtungswaffen im Irak verbreitet wurden, beim Namen genannt und enttarnt hätten, anstatt sie zu verstärken und zu rechtfertigen.

Eine solche Ehrlichkeit ist diesseits des Atlantiks noch nicht zu finden. Seit seiner Gründung 1922 hat die BBC jedes britische Establishment während des Krieges und der zivilen Unruhen in Schutz genommen. „Wir“ verleumden nie und begehen nie große Verbrechen. Also werden die schockierenden Ereignisse im Irak – die Zerstörung der Städte, das Abschlachten unschuldiger Menschen und die Farce einer Marionettenregierung – routinemäßig übergangen. Eine Studie der Jornalistenschule in Cardiff ergab, dass 90 Prozent der Kommentare der BBC zu Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen von der Annahme ausgingen, er besäße sie und dass das „Schönreden der britischen und US Regierungen die Berichte erfolgreich in das entsprechende Licht rückten“. Das gleiche „Schöngerede“ hat bis jetzt dafür gesorgt, dass der Gebrauch verbotener Waffen durch die Amerikaner und die Briten im Irak in den Nachrichten unterdrückt wurden.

Ein Eingeständnis des amerikanischen Auswärtigen Amts vom 10. November, dass seine Truppen in Fallujah weißen Phosphor verwendet hätten, erfolgte laut BBC-Programm Newsnight aufgrund von „Gerüchten im Internet“,. Es waren keine Gerüchte. Es war erstklassig recherchierte Arbeit, die gutbezahlte Journalisten beschämen sollte. Mark Kraft von insomnia.livjournal.com fand den Beweis in der März/April 2005 Ausgabe des Magazins „Field Artillery“ und anderen Quellen. Er wurde unterstützt durch die Arbeit der Filmemacherin Gabriele Zamparini, Begründerin der exzellenten Seite, thecatsdream.com.

Im Mai 2005 führten David Edwards und David Cromwell von medialens.org eine aufschlußreiche Korrespondenz mit Helen Boaden, Leiterin der Nachrichten der BBC. Sie hatten gefragt, weshalb die BBC zu bekannten Gräueltaten der Amerikaner in Fallujah Stillschweigen bewahrt hatte. Sie antwortete: „ Unser Korrespondent in Fallujah zu der Zeit (d.h. der Zeit des US-Angriffs), Paul Wood, berichtete diese Dinge nicht, weil er diese Dinge nicht gesehen hat“. Diese Feststellung sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wood war bei den Amerikanern „verankert“. Er interviewte weder die Opfer amerikanischer Gräueltaten noch „unverankerte“ Journalisten. Er verpaßte nicht nur den Gebrauch weißen Phosphors durch die Amerikaner, den sie jetzt zugeben, sondern er erwähnte auch mit keinem Wort den Gebrauch einer weiteren verbotenen Waffe, Napalm. So waren BBC-Zuschauer in Unkenntnis über die schönen Worte von Colonel James Alles, Kommandant der US Marine Luftwaffe Gruppe II. „ Wir haben beide Brückenzugänge mit Napalm beworfen“, sagte er. „Leider waren da Leute …man konnte sie im Cockpit-Video sehen…es ist keine schöne Art zu sterben. Die Generäle lieben Napalm. Es hat eine große psychologische Wirkung.“

Als die unbesungene Arbeit von Mark Kraft und Gabriele Zamparini im Guardian und dem Independent erschienen war und die Amerikaner dazu zwang, über das weiße Phosphor Farbe zu bekennen, beschrieb Wood in „Newsnight“ ihr Geständnis als „ein public relations Desaster für die USA“. Dies war ein Echo auf Menzies Campbell von den Liberaldemokraten, der vielleicht am meisten zitierte Politiker seit Gladstone, der sagte, „Der Gebrauch dieser Waffe war vielleicht technisch gesehen legal, aber ihre Wirkungen sind so, dass sie sich als Propagandamittel für den Aufstand bestens eignet.“

Die BBC und die Mehrheit des politischen Establishments und Medienestablishments in Britannien weisen solchem Horror unweigerlich die Rolle eines die Öffentlichkeitsarbeit angehendes Problem zu, wobei sie die Zerstörung einer Stadt von der Größe der Stadt Leeds, das Töten und Verletzen zahlloser Männer, Frauen und Kinder, die Vertreibung Tausender und die Verweigerung von medizinischen Lieferungen, Nahrungsmitteln und Wasser – ein größeres Kriegsverbrechen – minimieren.

Die Beweise sind umfangreich und werden von Flüchtlingen, Ärzten, Menschenrechtsgruppen und ein paar mutigen Ausländern geliefert, deren Arbeit nur im Internet erscheint. Im April letzten Jahres sammelte Jo Wilding, eine junge britische Jurastudentin, eine Reihe von außergewöhnlichen Augenzeugenberichten aus der Stadt. Sie sind so gut, daß ich einen ihrer Texte in einer Anthologie des besten investigativen Journalismus aufgenommen habe. Ihr Film, „Ein Brief an den Premierminister“, der in Fallujah mit Julia Guest gedreht wurde, ist im britischen Fernsehen nicht gezeigt worden. Außerdem beschrieb Dahr Jamail, ein unabhängiger lebanesisch-amerikanischer Journalist, der einige der besten Reportagen von der Front produziert hat, die ich je gelesen habe, all die „Dinge“, die von der BBC nicht „gesehen“ wurden. Seine Interviews mit Ärzten, Beamten aus der Region und Familien sind im Internet, zusammen mit der Arbeit derjenigen, die den weit verbreiteten Gebrauch von Sprengköpfen mit Uraniumspitzen aufgedeckt haben, eine weitere Waffe, die verboten ist, und sogenannte Clusterbomben, von denen Campbell sagen würde, sie seien „technisch legal“. (Clusterbomben ist die Bezeichnung für eine Vielzahl von kleinen Bomben, die durch Auslösen eines einzigen Bombenkopfs oder Behälters abgeworfen werden; Anm. d. Üb.) Sehen Sie sich mal diese Webseiten an: dahrjamail.com, zmag.org, antiwar.com, truthout.org, indymedia.org.uk, internationalclearinghouse.info, counterpunch.org, voicesuk.org. Es gibt noch viele andere. „Jedes Wort“, schrieb Jean-Paul Sartre, „hat ein Echo. Jedes Schweigen auch“.


Übersetzt von: Gesine Stone
Erstveröffentlichung in Zmag

Krieg

Vier Tote nach Gefängnistumult im Südirak

Stephan Fuchs – Wie der amerikanische Pressedienst im Irak mitteilte wurden bei einem Gefängnistumult in Camp Bucca Leaves vier Gefangene getötet und sechs verletzt.

Der Tumult brach offensichtlich während einer Routinesuche nach Schmuggelgut in einem der zehn Blocks los. Der Kommandant des Gefängnisses liess alle verfügbare Wachen aufmarschieren.

Der Tumult entwickelte sich rasch zu einem Flächenbrand, der sich auf vier Blocks ausweitete. Die Gefangenen warfen Steine und Material aus ihren Umzäunungen. Wie der Pressedienst weiter ausführt, beteiligten sich 2900 Häftlinge. Im gesamten Gefängnis leben 5300 Gefangene.

Laut offiziellen versuchten die Wachen die schnell anschwelende Gewalt der Häftlinge verbal unter Kontrolle zu bringen, was offensichtlich nicht gelang. Danach wurden Nichttödliche Waffen eingesetzt. Nach weiteren 45 Minuten eskalierender Gewalt wurden tödliche Waffen eingesetzt. Mit dem Einsatz tödlicher Waffen beruhigte sich der Tumult schnell, wie die Pressestelle mitteilt und hinterliess vier Tote und sechs Verletzte. Medizinische Hilfe wurde nach dem Tumult geleistet. Wie es zum Aufstand kam und wie die Befehlskette zum Schusseinsatz genau war, ist Gegenstand einer Untersuchung.

terror

Gefahr schmutziger Bomben nur psychisch?

Harald Haack – Schmutzige Bomben sind Bomben mit konventionellen Sprengstoffen, denen radioaktive Partikel beigemischt werden. Ziel solcher Bomben ist, ganze Regionen zu kontaminieren. Eingesetzt wurden schmutzigen Bomben offiziell noch nicht.

In der „Welt am Sonntag“ warnt Deutschlands Bundesinnenminister Schäuble vor so genannten schmutzigen Bomben. Es sei keine Frage mehr ob Terroristen sie zünden könnten, sondern die Frage sei wann und wo es damit Anschläge gebe.

Kreise terroristischer Aggressoren
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen oder schmutzigem Material ließe die Gefahr wachsen, sagte Schäuble, dass man mit solchen Bedrohungen auch in Deutschland rechnen müsse. Er wisse von „Kreisen terroristischer Aggressoren“, die „im Internet und sonst wo“ „mehr oder weniger perverse Überlegungen“ anstellen. Nach Erkenntnissen der Geheimdienste sei der Bau solcher Bomben eine „realistische Option“, sagte er und das klingt fast so, als hätten Geheimdienste die Option, diese Bomben zu bauen, als seien Geheimdienste im internationalen Terrorismus eingebunden. Verhökern Geheimdienste ihre Bomben an Terroristen, damit diese ihre „perversen Überlegungen“ in Taten umsetzen? Nein, und solche Machenschaften der Geheimdienste blieben selbstverständlich geheim, wenn es sie denn gäbe. Aber nichts kann so geheim gehalten werden, dass es nicht irgendwann einmal publik wird – wie die schmutzigen Aktionen der CIA zeigten.


Schäuble wisse von „Kreisen terroristischer Aggressoren“, die „im Internet und sonst wo“ „mehr oder weniger perverse Überlegungen“ anstellen.

Den Sicherheitsbehörden sei bislang nichts über konkrete Beschaffungsaktivitäten bekannt, sagte denn auch Schäuble. Schäubles vorlauter bayrischer Kollege Günther Beckstein (CSU) aber weiß offensichtlich mehr. In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk behauptete er, Terroristen würden zum Bau von schmutzigen Bomben Abfälle der Nuklearmedizin in Asien nutzen.

Während sich deutsche Behörden nun angeblich auf mögliche Anschläge mit schmutzigen Bomben vorbereiten, die Feuerwehr laut Beckstein derzeit entsprechend geschult wird, aber es noch Nachholbedarf bei der Polizei gebe, sieht das Bundesamt für Strahlenschutz in den schmutzigen Bomben keine Gesundheitsgefährdung. Es kam zur Einschätzung, dass die Strahlung der meisten in Frage kommenden Radionukliden dafür zu gering sei: „Nur bei Plutonium-239, das eine wesentlich höhere Radiotoxizität aufweise, wären in der näheren Umgebung bis zu wenigen Kilometern Entfernung vom Freisetzungsort Maßnahmen des Notfallschutzes erforderlich.“ Die Hauptgefahr entstünde nach Meinung der „Experten“ des Bundesamtes für Strahlenschutz durch überreagierende Bürger, aus „Unkenntnis über die tatsächlichen Gefahren“.

Alles also nur psychisch?

Wenn dies zuträfe, dann bräuchte sich kein Terrorist mehr die Finger schmutzig machen, dann müssten die „perversen Überlegungen“, die Schäuble kennt, ausreichen, um mit seiner bombigen Hilfe Angst und Hysterie in der Bevölkerung explodieren zu lassen.