Krieg

Grand Nation droht mit Atomwaffen

Stephan Fuchs – Wie AFP heute vermeldete rasselt Frankreichs Staatschef Jacques Chirac mit Atomwaffen gegen Terror Staaten. Frankreich behalte sich das Recht auf eine Vergeltung in „nicht konventioneller“ Weise gegenüber Anführern von Staaten vor, die terroristische Mittel „gegen uns“ einsetzen würden, sagte Chirac auf dem französichen U-Boot-Stützpunkt Ile Longue vor der bretonischen Küste.


Explosiver Monsieur le Président

„Die Führer von Staaten, die gegen uns auf terroristische Mittel zurückgreifen, sowie alle, die in der einen oder anderen Weise den Einsatz von Massenvernichtungswaffen erwägen“, müssten mit einer angemessenen Antwort Frankreichs rechnen. Nicht nur einen Angriff auf Frankreichs Hoheitsgebiet werde sein Land im Notfall mit atomarer Sprengkraft vergelten, sondern auch eine Gefährdung von Frankreichs Versorgung – etwa Erdöl – könne fortan unter die „flexible Atomdoktrin fallen. Zudem könne unter anderem Beistand gegenüber Verbündeten als ein „vitales“ Interesse Frankreichs definiert werden, das einen Einsatz der Waffe rechtfertigt.

Verbale Aufrüstung
Es war die erste Grundsatz-Rede Chiracs zu Sinn und Unsinn der „Force de frappe“ seit drei Jahren. „Ein explosiver Besuch“, hatte der Fernsehsender „France 3“ im Vorfeld angekündigt. Dass der innenpolitisch bedrängte Präsident und oberste Militärbefehlshaber verbal so aufrüsten würde, hatte kaum jemand erwartet.

Irrsinn ankurbeln
Die Äusserungen Chiracs bedeuten eine weitere Zuspitzung in der aktuellen Krisensituation und könnte, bei einigen terroristischen Gruppierungen verheerend aufgefasst werden. Selbst das französische Militär ist nicht sonderlich glücklich über die Kraftrede des Monsieur le Président. Die in modernen Konflikten eigentlich wenig taugliche Waffe kostet 3,5 Milliarden Euro im Jahr und bindet 5000 Soldaten. Mancher Militär hätte nun lieber weniger oder gar keine Nuklear-Sprengköpfe und dafür mehr Helikopter. Gerade in der Zuspitzung mit dem Iran Konflikt ist Chiracs Rede Öl auf die ohnehin heissen Gemüter in Teheran und Islamabad. Aber auch für versprengte Al-Kaida Gruppen, auch wenn der Chemiewaffen-Experte und Chef-Bombenhersteller Midhat Murzi in Pakistan gezielt liquidiert worden ist.

Countdown zum Atomkrieg?

Krieg

500’000 Obdachlose Kriegsveteranen & jetzt kommen die Irak Krieger

Stephan Fuchs – In den Vereinigten Staaten leben schätzungsweise 500’000 obdachlose Kriegsveteranen. Die meisten von ihnen aus dem Vietnam Krieg. Jetzt steht eine neue Generation von amerikanischen Irak- und Afghanistan-Veteranen vor den Toren amerikanischer Obdachlosenheime.


Da draussen hat es Männer, die haben echt ein Problem.

„Wenn bereits jetzt Kriegsveteranen aus dem Krieg gegen den Terror auf den Strassen stehen, mein Gott… unsere Nation ist darauf nicht vorbereitet“, sagt Linda Boone, exekutiv Direktorin des National Coalition for Homeless Veterans, eine Organisation die obdachlose Kriegsveteranen betreut.

Da wird eine große Welle auf uns zukommen, die wir kaum brechen können. In ganz Amerika gibt es rund 300’000 registrierte Kriegsveteranen die auf der Strasse leben und eine große Dunkelziffer, wir rechnen mit 540’000 – 840’000 Soldaten. Die Hälfte von ihnen sind Vietnamveteranen.

Die Soldaten machen rund 23% der Obdachlosen aus. 47% aus Vietnam. 67% haben mehr als drei Jahre der Armee gedient, 89% haben einen Verdienstorden. 76 % haben Drogen-Alkohol und psychische Probleme.


Alle haben eines gemeinsam: Kriegstrauma.

Phantomschmerzen, Drogenprobleme, Angst, Depressionen, Suizidgedanken, Stress, mentale Verwundungen. Viele Soldaten schaffen es nicht sich in der Familie wieder zu integrieren und können ihrer zivilen Arbeit nicht mehr nachkommen. Kündigung – Scheidung. Sie landen auf der Strasse.

Allein Los Angeles hat 27’000 obdachlose Veteranen und das ist Amerikas größte Population. Die Militärkliniken für psychisch angeschlagene Soldaten sind voll. Viele werden demobilisiert, bevor sie sich erholt haben. Die Armee ist froh, wenn die Soldaten so schnell wie möglich heraus wollen – die Behandlung kostet und Neue kommen. Viele können im Moment gar nicht betreut werden, es fehlt an Platz und Personal. Die Auffanginstitutionen sind überfüllt – da draußen gibt es Männer, die haben echt ein Problem.

Daten vom Department of Veterans Affairs zeigen, dass bis zum letzten Juli 28’000 Irakveteranen Hilfe beantragten. Einer von fünf der Zurückkehrenden, 17% der heimgekehrten Soldaten, leiden an schlimmen Depressionen. Diese neue Welle an Veteranen aus dem Krieg gegen den Terror wird grausam – im Gegensatz zu Bush bleiben sie uns erhalten.

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Topterrorist unter Opfern von US-Angriff auf Pakistan

Dem amerikanischen Luftangriff auf ein pakistanisches Grenzdorf nahe Afghanistan ist nach Angaben aus Islamabad mindestens einer der meist gesuchten Terroristen zum Opfer gefallen. Demnach handelt es sich um den Ägypter Midhat Mursi al Sajid Umar, der auf einer Terrorliste der USA weit oben steht. Ferner kam den Angaben vom Donnerstag zufolge ein enger Verwandter von al-Kaida-Vize Ajman al Zawahiri ums Leben. Letzterer dagegen, dem der Einsatz offenbar galt, blieb unversehrt.

Bei dem Luftangriff auf das Dorf Damadola am vergangenen Freitag sollen mindestens drei prominente Terroristen getötet worden sein. Midhat Mursi galt als Experte für Sprengstoff und chemische Kampfstoffe. Bei dem Verwandten Al Zawahiris soll es sich um den Ägypter Abdul Rehman al Misri handeln, vermutlich der Schwiegersohn des al-Kaida-Vizes.

Ferner kam nach pakistanischen Angaben Abu Ubaida ums Leben. Er soll der Chef für al-Kaida-Einsätze in der ostafghanischen Provinz Kunar gewesen sein. Darüber hinaus meldeten die pakistanischen Behörden den Tod von 18 Zivilpersonen. Auch vier ausländischen Touristen sollen bei dem Luftangriff ums Leben gekommen sein.

surveillance

Schnüffelchips: RFID-Industrie setzt auf PR-Offensive statt auf konstruktiven Dialog

FoeBuD – Am Donnerstag, den 19. Januar 2006, findet in den Räumen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eine Lobby-Veranstaltung der RFID-Industrie statt. Veranstalter ist das „RFID-Informationsforum“, ein Zusammenschluss von Handel und Industrie.

Durchgeführt wird sie von Pleon, einem der marktführenden PR-Unternehmen in Deutschland. Geladen sind ausschließlich Vertreter von Politik, Verbänden und Medien. KritikerInnen des RFID-Einsatzes – wie Datenschützer und Bürgerrechtler – sowie besorgte BürgerInnen bleiben außen vor. „Mit immensem Kostenaufwand versucht die RFID-Industrie die Einführung dieser Kontroll- und Überwachungstechnik durchzudrücken. Gesprächsangebote wie das Expertenforum zu RFID beim Bundeswirtschaftsministerium werden dagegen von Industrie und Handel blockiert – Kritik soll offenbar mit PR erstickt werden“, bewertet Rena Tangens vom FoeBuD die Aktivität der RFID-Lobbyisten.

Die Bundesregierung hatte seit Sommer 2004 Handel, Datenschützer und Verbraucherschützer zu mehreren Treffen eines Expertenforums geladen, um gemeinsam die Rahmenbedingungen der Nutzung von RFID in Konsumgütern auszuloten. Für die DVD meint ihr Vorstandsvorsitzender Sönke Hilbrans: „Die Verbreitung von RFID in Konsumgütern als elektronischer Produktcode (der sogenannte epc) birgt erhebliche Datenschutzprobleme, die für die BürgerInnen nicht beherrschbar sind. Trotz intensiver Diskussionen im Expertenforum des Bundeswirtschaftsministeriums weigert sich die RFID-Lobby bis heute, anzuerkennen, dass RFID-Kennungen in Konsumgütern personenbezogene Daten sind. Wir fragen uns, ob die Industrie an einer Einigung mit Daten- und Verbraucherschützern überhaupt noch interessiert ist.“

Auch Rena Tangens vom FoeBuD ist unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Gespräche: „Von Seiten der Industrie gibt es bisher noch nicht einmal eine ernstzunehmende Selbstverpflichtungserklärung zum Verbraucherschutz. Bei jedem Arbeitstreffen gibt es nur immer wieder aufgewärmte unverbindliche Absichtserklärungen. Offensichtlich nutzt die Industrie die Konsultationen nur, um Zeit zu gewinnen, inzwischen Politiker durch bezahlte Lobbyisten zu beeinflussen und durch RFID-Einsatz Fakten zu schaffen. Mit dieser Hinhaltetaktik versucht die RFID-Lobby zu verhindern, dass wirksame gesetzliche Regelungen für die RFID-Nutzung zum Schutz der Bürger erlassen werden. Wir lassen uns das nicht länger bieten.“ Auch für den Fall eines Ausstiegs aus den Konsultationen der Bundesregierung ist für die Bürgerrechtler die Frage der RFID-Chips nach wie vor aktuell: „Wir werden dann die gewonnene Zeit für mehr Öffentlichkeitsarbeit, Verbraucheraufklärung, Proteste und Demonstrationen nutzen“, so Tangens. „Für einen konstruktiven Austausch sind wir aber nach wie vor offen.“

RFID (Radio Frequency IDentification) sind winzige Chips mit Antenne, die eine weltweit eindeutige Seriennummer enthalten und ohne Sichtkontakt aus einiger Entfernung und unbemerkt per Funk ausgelesen werden können. RFID-Chips sollen nach dem Willen von Handel und Industrie in Zukunft u.a. die Strichcodes auf den Waren ersetzen. Anders als beim Strichcode, der das Produkt nur der Art nach bezeichnet, ist mit RFID jedes einzelne Hemd und jede einzelne Packung Frischkäse über die weltweit eindeutige Seriennummer identifizierbar und kann damit Personen zugeordnet werden. RFID-Chips bringen eine neue Dimension des Datensammelns, der Überwachung und Manipulation. RFID-Chips betreffen Menschen deshalb nicht nur in ihrer Eigenschaft als Verbraucher, sondern sie können zu einer Gefahr für Bürgerrechte und Demokratie werden.

Weitere Informationen zu RFID Chips: FoeBuD

Deutschland kommt in den Genuss implantierbarer Chips
Schwofen bis der Chip qualmt
Chipen bis die Leiche qualmt
Die große Welt der kleinen Chips
Der gläsernere Bürger

spionage

Ist das ägyptische Geheimfax ein Plot?

Stephan Fuchs – Den Amerikanern könnte das vom Schweizer Geheimdienst abgefangene Faxschreiben gerade gelegen kommen. Wie sich immer mehr herausstellt, ist das vom Sonntagsblick publizierte „Geheimdokument“ ein Softcacke und torpediert möglicherweise Dick Martys Untersuchungen.

Das Faxschreiben des ägyptischen Aussenministers an seine Embassade in London wurde vom ONYX System des Schweizer Geheimdienstes am 10.11.2005 abgefischt. Offensichtlich ein leichter Fisch, die Nachricht war nicht verschlüsselt. Mit satten fünf Tagen Verspätung schreibt WBM, einer der Diensthabenden der Führungsunterstützungsbrigade 41 in der Kryptohauptstadt in Zimmerwald, den „Report COMINT SAT“ mit der Auftragsnummer S160018TER00000115 für seinen Auftraggeber, den strategischen Geheimdienst der Schweizer Armee.


Kryptohauptstadt Zimmerwald Bild: Google Earth

Das Fax wurde als Geheim klassifiziert, obwohl es keine neuen Informationen und schon gar keinen Beweis beinhaltet. Über einen bis jetzt unbekannten Deep Throat fand das klassifizierte Fax seinen Weg in die Redaktion des Sonntagsblicks und wurde, nachdem sich die Redaktoren über die Echtheit des Dokuments absicherten, publiziert. „Das Schreiben ist Dynamit: Zum ersten Mal sagt ein Land: Ja, es stimmt. Es gibt die CIA Geheim- Gefängnisse.“

Die Publikation wurde am darauf folgenden Tag in der Internationalen Presse kurz gefeiert und dann schnell kritisiert. Vor allem dem Ex-Mafia Jäger Dick Marty gab der Artikel kurz Auftrieb. Er untersucht für den Europarat die CIA Affäre der europäischen Black Sites. „Das ist ein Scoop“ meinte Dick Marty noch am Tag der Publikation.


Scoop abgefangen, kein Scoop abgefangen

Am nächsten Tag wurde von den Medien bereits abgemauert. Eine kleine Schar „Insider“ verwies darauf, dass das Fax überhaupt nicht spektakulär sei. Von Nationalräten hörte man, dass die Publikation vor allem dem Ansehen des Landes und dem Vertrauen des Nachrichtendienstes schade. Es sei eine Schande. Es sei Landesverrat. Armeechef Keckeis orderte umgehend eine Untersuchung gegen die Journalisten an. Es geht um Geheimnisverrat. Gegen Deep Throat laufen Ermittlungen, obwohl man von ihm oder von ihr nie mehr etwas gehört hatte. Offensichtlich laufen die Ermittlungen gegen Deep Throat abgeschottet.

Der Bundesrat und die offiziellen Stellen des Geheimdienstes schwiegen eine Woche lang. Zu Wort kamen dafür deren Satteliten wie „Insider“, Ex-Geheimdienstchef Peter Regli und parlamentsangehörige, die alle auf dieselbe Schwachstelle des Fax hinwiesen. Nicht relevant! Eine Schande! Amerika schwieg, Ägypten schwieg.

Nachdem die Medien den Wert der Publikation wirksam negiert hatten, meldete sich der Bundesrat zu Wort: „Schweiz: Keine Beweise für CIA Gefängnisse.“ „Inhaltlich ist das Dokument nicht spektakulär, es ist kein Scoop.“ Gegenüber der «NZZ am Sonntag» hielt Calmy-Rey weiter fest, dass die US-Botschafterin in Bern dem EDA eine schriftliche Erklärung von US-Aussenministerin Condoleeza Rice übergeben habe. Darin heisst es, die USA transportierten keine Gefangenen, um sie in anderen Ländern foltern zu lassen. Und Fatima al-Zahraa, Sprecherin des ägyptischen Aussenministeriums, hielt fest: «Unser eigener Geheimdienst hat keinerlei Informationen hinzugefügt oder bestätigt.»

Gemäss dem ägyptischen Magazin «Rose El-Yussuf» handelt es sich bei diesen «Quellen» um den Medienreport, der von der Botschaft in Rumänien an das ägyptische Aussenministerium und von dort unverschlüsselt zur Einsichtnahme an alle ägyptischen Botschaften verschickt wurde.

Verfasser des Artikels in «Rose El-Yussuf» ist der Chefredaktor des Magazins, Abdallah Kamal. Er gilt als enger Vertrauter des ägyptischen Aussenministers. Und das Aussenministerium verweist nun explizit auf Kamals Artikel.

Somit wurde vor allem dem ehemaligen Mafiajäger Dick Marty, der sich übrigens schon seit längerem Beschwerte er werde von den amerikanischen Geheimdiensten abgehört, den Boden entzogen.

Die Aussenpolitische Kommission APK des Schweizer Nationalrates will die USA nun mangels Beweisen nicht wegen angeblicher geheimer CIA-Gefängnisse in Europa rügen. Wie Präsident Luzi Stamm von der rechten Partei SVP an einer Medienkonferenz mitteilte, lehnte die APK mit 14 zu 3 Stimmen bei 1 Enthaltung einen grünen Antrag ab, die USA wegen Menschenrechtsverletzungen zu verurteilen und eine grosszügige Entschädigung der Opfer zu verlangen.

Es sei unmöglich für ein Land wie die Schweiz, die USA zu rügen, wenn keinerlei Beweise auf dem Tische lägen. Und, gut Glück, haben nach Angaben Stamms die Indiskretionen bisher keinen sichtbaren Einfluss auf die Aushandlung eines Freihandelsabkommens mit den USA gehabt. Vorläufig gebe es immer noch grünes Licht.

Kartell des Schweigens
Geheimdienstdokument im Schreibtischchen
Die Befehlskette des Geheimdienstes
Eingelullte Schweizer Presse?
Brigade 41 – Sie liefern perfekte Leistungen ab
Meisterleistung oder tückische List?
Schweizer Militär am kuschen?
Helvetia schläft mit dem Boss! Und der Boss ist die CIA
ONYX – Die langen Ohren der Schweiz

spionage

Landesverrat nach BND-Einsatz?

Harald Haack – Der frühere Außenminister Deutschlands, Joschka Fischer, soll laut eines Zeitungsberichts auf einen Einsatz des BND im Irak gedrängt haben. Dabei soll er von seinem Nachfolger Frank-Walter Steinmeier und vom damaligen Innenminister Otto Schily unterstützt worden sein.

Auf Weisung von Heinz Uhrlau, der damals Abteilungsleiter der Geheimdienste im Kanzleramt tätig war und heute der BND-Präsident ist, sollten die beiden BND-Agenten „keinerlei direkte Hilfe“ bei kriegerischen Handlungen der US-geführten Invasionstruppe, inklusive Zielerfassung und Einsatz-Koordination, leisten dürfen. Neben dem Schutz ziviler Einrichtungen und der Kontrolle verlassener deutscher Institutionen, seien für das spezielle Aufgabenfeld der zwei Agenten zwei faktische militärische Aufträge erteilt worden: Die Weitergabe konkreter Informationen über den Aufenthaltsort von Saddam Hussein und über mögliche Massenvernichtungswaffen. Laut Panorama und Süddeutsche Zeitung hatten die Agenten ihre während ihres Auftrages gewonnenen Informationen direkt an die Amerikaner geliefert und nicht, wie vorgeschrieben nur an die BND-Zentrale in Pullach.

Nach deutschem Recht hätten sie damit Landesverrat gemäß § 93, § 94 und möglicherweise auch § 100 des Strafgesetzes begangen. Sollte Ihnen der Prozess gemacht werden, drohen ihnen lebenslange Freiheitsstrafen oder Freiheitsstrafen von nicht unter fünf Jahren.

Das deutsche Strafgesetz

kriminalitaet

Berlusconis heikle Geschäfte

Rom – Der Chefredakteur der linken Polit-Zeitschrift „Diario“, Enrico Deaglio, hat einen Dokumentarfilm über die heiklen Geschäfte und die politische Karriere des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gedreht. Dabei nahm sich der 59-jährige Deaglio die Dokumentarfilme des amerikanischen Regisseurs Michael Moore als Beispiel.

„Als es Silvio gab“, heißt der Dokumentarfilm, der im Februar in 100.000 Kopien auf den Markt kommt. Verkauft wird die DVD mit der Zeitschrift „Diario“ um 18 Euro. Der Film, der drei Monate vor der Parlamentswahl im April für einen Eklat sorgen dürfte, wird auch in die Kinos kommen.

Anonyme Geldverleiher
Der eineinhalbstündige Dokumentarfilm bietet einen Einblick in die beispiellose Karriere Berlusconis, der in den 70er Jahren dank Immobiliengeschäften ein Imperium aufgebaut hatte, die laut dem Regisseur absolut dubios sind. Deaglio geht Verbindungen nach, die Berlusconi angeblich zum Skandalbanker Roberto Calvi sowie zu den Mafia-Bossen Luciano Liggio und Stefano Bontade hatte. „Berlusconi hat die außerordentliche Fähigkeit, sich Geld von Personen ausborgen, die anonym bleiben“, kommentierte Deaglio nach Angaben der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ am Dienstag.

Mafia-Verstrickungen
Deaglio überprüft auch die engen Beziehungen zwischen Berlusconi und seinem Vertrauensmann, dem Senator Marcello Dell’Utri. Die „Nummer zwei“ der Berlusconi-Partei Forza Italia, war 2004 wegen Mafia-Verstrickungen zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Dell’Utri, Freund und Geschäftspartner Berlusconis in den 80er Jahren, zählt zu den Gründern der Forza Italia. Er hatte den TV-Magnaten Ende 1993 zum Einstieg in die Politik überredet.

Ermittlungen gegen Berlusconi
19 jährige Deutsche soll Beihilfe am Mord des Bankier Gottes geleistet haben

vermischtes

Brandstifter der UMP

Harald Haack – In Ensisheim regiert der Mob. Anders ist es nicht mehr erklärbar, dass der Bürgermeister des kleinen elsässischen Ortes eigenhändig Wohnwagen in Brand steckte, die ihm nicht gehörten. Sie gehörten Fahrenden aus Rumänien und Kroatien. Die hatten, wie die Basler-Zeitung schreibt, „ohne Erlaubnis auf einem Gelände des Ortschaft Ensisheim geparkt“.

Bei dem Brandstifter soll es sich um Bürgermeister Michel Habig handeln, der als Mitglied der konservativen Regierungspartei UMP offensichtlich dem als Maulhelden bekannt geworden Innenminister Nikolas Sarkosy (UMP) nachzueifern versucht. Nach Sarkosys hämischen Äußerungen war es Ende 2005 in Frankreich massenhaft zu Brandstiftungen gekommen, die zumeist jugendlichen Muslimen zugeschrieben wurden. Doch auch Polizisten, so berichteten Zeugen, sollen Fahrzeuge in Brand gesteckt haben, was seitens der Polizeiführung jedoch bestritten wurde. Ermittlungen in dieser Richtung aber fanden nicht statt.


Bürgermeister Michel Habig (UMP) wird der vorsätzlichen Brandstiftung beschuldigt. [M]

Doch hier nun lässt sich die Tat eines Beamten nicht mehr bestreiten. Die Justiz ermittelt bereits gegen ihn. Der Bürgermeister hatte ohne Gerichtsbeschluss gehandelt. Ihm werden Sachbeschädigung und vorsätzliche Brandstiftung vorgeworfen. Dafür drohen ihm laut französischen Strafrechts bis zu 10 Jahre Gefängnis und bis zu 150 Millionen Euro Geldbuße.

Krieg

Kriegsbilder – wie Medienfotos verschleiern anstatt zu informieren

Norman Solomon – Es war das perfekte Bild, eine bewegende Porträtaufnahme. „Ikonenhaft“ nannten Journalisten das Foto. Dieses Bild hatte die Authentizität des Augenblicks eingefangen. Doch es trog in einer Weise, wie das bei Medienfotos häufig vorkommt – sie zeigen eher das Offensichtliche denn das Reale.


Blake Miller war erst 20 Jahre alt, als er plötzlich zu einem berühmten Archetypus wurde.

An einem Tag in der zweiten Novemberwoche 2004 sahen Millionen Amerikaner das Foto: ein verschmiertes Gesicht, die Augen klar hervorscheinend. Es war das Gesicht von Blake Miller. Er wirkt darauf resolut und entschlossen. Eine lange Zigarette baumelt zwischen seinen Lippen. Rauchwölkchen scheinen von ihr aufzusteigen.

Das Foto entstand, als sich die Marines ihren Weg nach Falludscha freikämpften. Die amerikanischen Nachrichtenblätter rissen sich frenetisch um das Bild. Blake Miller war erst 20 Jahre alt, als er plötzlich zu einem berühmten Archetypus wurde.

Einen Tag, nachdem der Schnappschuss entstand, fragte Dann Rather – Anchor von „CBS Evening News“ – seine Zuschauer: „Das Bild – haben Sie es gesehen?“ Und weiter: „Es ist das beste Kriegsbild der letzten Jahre. Es war heute in vielen Zeitungen, bei einigen sogar auf der Titelseite. Luis Sinco von der Los Angeles Times hat es gemacht. Es ist die Nahaufnahme eines US-Marines an der Frontlinie von Falludscha. Müde, schmutzig, blutbefleckt – wie er da an dieser Zigarette zieht, mit wachen, verkniffenen Augen. Das war nicht das ungläubige Starren eines Infanteristen auf tausend Yards – und jeder von uns, der schon mal Kämpfe live und aus nächster Nähe, mitangesehen hat, kennt diesen Blick -, nein, es ist der Blick eines Kriegers, der mit seinen Augen den fernen Horizont absucht, ihn nach der Gefahr abscannt.“

Nehmen Sie sich dieses Foto zu Herzen, drängt der Nachrichten-Anchor die Amerikaner. „Betrachten Sie es, studieren Sie es, nehmen Sie es in sich auf, denken Sie darüber nach. Und dann holen sie tief Luft vor Stolz“.

Fünf Tage später lud CBS die Angehörigen von Blake Miller ins Studio ein. Die Sendung hieß ‚The Early Show‘. Blakes jüngerer Bruder Todd kommt zu Wort: „Er ist eine ganz normale Person. Nur ein wenig fertig. Er kann nichts Großes an der Sache sehen“.

In den News-Stories wurde Blake – Lance Corporal Miller – als eine Art „Kriegs-Marlboro-Mann“ dargestellt, als Inbegriff des äußerlich zerschlissenen amerikanischen Soldaten, der nur seine grimme Pflicht erfüllt. Aber Blake Millers Mutter, die aus einer Kleinstadt in Kentucky kommt, sagt auf CBS: „Ich bin stolz, vielleicht ist er eine Ikone, aber für mich bleibt er mein Baby. Er ist mein Sohn. Ich will einfach nur, dass er heimkommt“.

Die Medienblätter rissen sich um die Ikone – was sie nicht wollten, war allzu viel Realität. Die Medien berichten generell wenig über die Dinge, die der Krieg so mit sich bringt – über die schreckliche Angst, über Leid und Tod.


Robert Acosta der in Bagdad seine rechte Hand verlor als eine Granate direkt neben ihm einschlug

Ungefähr zur selben Zeit, als der Angriff auf Falludscha erfolgte – im November 2004 – interviewte ich einen 21jährigen früheren Spezialisten der U.S. Army namens Robert Acosta, der in Bagdad seine rechte Hand verlor, als eine Granate direkt neben ihm einschlug. „Viele Leute begreifen nicht wirklich, wie verheerend sich ein Krieg auf einen Menschen auswirken kann – solange nicht, bis sie einen kennen, der es selbst miterlebt hat“, sagte er mir damals. „Wenn man Leute verletzt heimkehren sieht – oder auch nur psychisch verletzt, weil sie Dinge gesehen haben, die kein Mensch sehen sollte -, dann sollte das den Leuten eigentlich die Augen öffnen“.

Aber Journalisten sind in der Regel darauf erpicht, Ikonen zu präsentieren. Es ist eher die Ausnahme, dass wir durch die Medien einen Blick erharschen auf das, was nach menschlichen Maßstäben tatsächlich geschieht.

Am 3. Januar 2006 war Blake Miller – der Mann auf dem Ikonenfoto – (wieder) zu Gast bei „The Early Show“ auf CBS. Dieses Mal war die Stimmung nüchterner. „Blake Miller hat es geschafft, er ist zurück aus dem Krieg“, so Co-Moderator Harry Smith. „Aber wie viele seiner Kameraden, war es ihm nicht möglich, das alles komplett hinter sich zu lassen. Während der Hilfsmaßnahmen im Zusammenhang mit Hurrikan Katrina versah er seinen Dienst. Dabei machten sich bei ihm Symptome einer posttraumatischen Stressstörung bemerkbar. Er erhielt daraufhin seine ehrenhafte Entlassung von den Marines“.

Es passierte an Bord des Schiffes. Miller erzählt: Einer der Schiffsleute imitierte das Geräusch einer mittels Rakete abgeschossenen Granate: „Ein Kerl machte dieses pfeifende Geräusch nach. Und plötzlich, ich meine, es war einfach wie – es klang genauso wie eine RPG (Rocket Propelled Grenade). Ohne zu wissen, was ich tat – ich meine, bis es vorbei war -, schnappte ich ihn mir, ich schmetterte ihn gegen das Schott, gegen die Wand und brachte ihn zu Boden. Ich war über ihm“.

Der reale Blake Miller – nicht die Medienikone – fährt fort: „Ich werde meine Therapie fortsetzen. Ich habe sie gemacht, bis ich rauskam.“ In Hinblick auf die anderen Amerikaner, die im Irak kämpfen, sagt Miller: „Je mehr ich mit ihnen geredet habe, desto mehr fand ich heraus, dass viele Marines die gleichen Gefühle (wie ich) durchmachen. Und, ich meine – es ist wirklich hart, damit umzugehen. Ich meine, im Irak sein, darüber will niemand gerne reden“.

Als amerikanischer Soldat, als eine fotografische „Ikone“, war Blake Miller für eine kleine Weile nachrichtentauglich. Ganz im Gegensatz zum enthusiastischen Medienrummel um seine Person im November 2004 wurde über seinen Auftritt bei „The Early Show“ am 3. Januar 2006 kaum berichtet. In den Tagen danach kein größerer Bericht, in dem stand, dass Miller an posttraumatischem Stress leidet. Für den Warfare-Staat hat Blake Miller seine nützliche Funktion verloren.

Dieser Artikel erschien in der deutschen Übersetzung von Andrea Noll erstmalig bei Zmag.de


Norman Solomons aktuelles Buch ‚War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death‘

vermischtes

Schwarzenegger in Fahrt

Stephan Fuchs – Nachdem Gouverneur Schwarzenegger bereits das Gnadengesuch des Crips Gründers Stanley „Tookie“ Williams ablehnte und ihn in den Tod schickte kommt heute ein Betagter an die Reihe. Der herzkranke, blinde und im Rollstuhl sitzende Verurteilte soll eine Minute nach dem Ende seines Geburtstages um kurz nach Mitternacht (09.01 Uhr MEZ) mit der Giftspritze hingerichtet werden.


Noldi wie im Film: Judgment Day

Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat einen Vollstreckungsaufschub für den Todeskandidaten Clarence Ray Allen abgelehnt. Das Gericht wies damit den letzten Einspruch des 76 Jahre alten Allen ab.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger hatte ein Gnadengesuch am Freitag abgelehnt und dies damit begründet, dass Allen ein Verbrecher der „gefährlichsten Sorte“ sei. Allen war vor Jahrzehnten für schuldig befunden worden, im Gefängnis einen dreifachen Mord organisiert zu haben.

Mitte Dezember hatte der aus Österreich stammende Schwarzenegger ein Gnadengesuch des zum Tode verurteilten ehemaligen Bandenchefs Stanley „Tookie“ Williams abgelehnt. Er setzte sich damit über zahlreiche Gnadenaufrufe aus aller Welt hinweg.

Gründer der Crips Hingerichtet