spionage

ONYX – Die langen Ohren der Schweiz

Stephan Fuchs – Zimmerwald etwas südlich von Bern, ist die „Hauptstadt“ geheimdienstlicher Spionagespezialisten. ONYX, das Spionagesystems, das dem Abhören Satellitengestützter Kommunikation dient, wurde am 13.08.1997 durch den Bundesrat auf Vorschlag des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), dem auch das Militär unterstellt ist, zum Auf- beziehungsweise Ausbau beschlossen. Das Projekt war Geheim.


Hauptstadt der Geheimdienste

So Geheim, dass die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) erst zwei Jahre später, am 12.01.1999 von SATOS-3/ONYX erfuhr. Der GPDel obliegt im Auftrag des Parlaments der Schweiz, der Bundesversammlung, die Oberaufsicht, Kontrolle und Überprüfung der Tätigkeiten des Bundes im Bereich des Staatsschutzes und der Nachrichtendienste. Die Presse hatte auf das geheime Abhörsystem aufmerksam gemacht. Bis heute ist der volle Umfang der Finanzierung dem Parlament und der Öffentlichkeit nicht bekannt weil über verdeckte Kredite finanziert wurde. Man rechnet mit 100 – 400 Millionen Schweizer Franken.

Im April 2000 nahm ONYX zum ersten Mal seinen Betrieb auf, ging ab April 2001 in einen „operationellen Probebetrieb“ über und ab 2004 folgte der „operationelle Betrieb“. Ab Ende 2005 / Anfang 2006 soll ONYX den Vollbetrieb aufnehmen. Offensichtlich funktioniert das Ding.

Wie der Sonntagsblick vom 08. Januar 2006 meldete, hat der Geheimdienst am 15.11.2005 eine so brisante Meldung aus dem Raum gefischt, dass das Bundeshaus und die Dienste in Bern in seinen Grundfesten erzittern lässt. Nicht nur ist der Inhalt der Nachricht brisant, sondern auch, dass die Nachricht Ihren Weg in die Öffentlichkeit fand.

Brisante Nachricht
In dem abgefischten Fax des ägyptischen Aussenministers Ahmed Aboul Gheit schreibt er an die ägyptische Botschaft in London: „Die Botschaft hat aus eigenen Quellen erfahren, dass tatsächlich 23 irakische und afghanische Bürger auf dem Stützpunkt Mihail Kogalniceanu verhört wurden. Ähndliche Verhörzentren gibt es in der Ukraine, im Kosovo, in Mazedonien und Bulgarien.“ Das ist die Nachricht – die Bestätigung, dass im Krieg gegen den Terror in Europa geheime Vehörzenter eingerichtet wurden.


Hauptstadt des Schweigens

ONYX arbeitet für befreundete Staaten
ONYX besteht aus drei Abhörstationen in Zimmerwald bei Bern, Heimenschwand und Leuk. Eine Einbindung der ONYX Anlagen in den ECHELON Verbund verneint die GPDel. Die Behauptung dieser Verbindung wurde in Arthur Paechts ECHELON Bericht vom 11.10.2000 für die Kommission für Verteidigung des französischen Parlaments und in einem Bericht vom 25.2.2002 für das belgische Parlament aufgestellt. Die Schweiz hat selbstverständlich Interesse am Austausch nachrichtendienstlicher Erkenntnisse mit Geheimdiensten anderer Länder. Die Beziehungen zu den alliierten Diensten sind gut und für die schweizerischen Geheimdienste lebensnotwendig.

ONYX, der Staubsauger
Die ONYX Anlagen ermöglichen als COMINT System (Communications Intelligence) laut GPDel „eine Massenüberwachung von Kommunikation“ ziviler und militärischer Art, die in Form von „Telefonanrufen, Fax, Telex, E-Mail und Informatikdaten“ über Satelliten (COMSAT) übertragen werden und das Abfangen von Kommunikation über Kurzwellensignale und Leitungen ergänzt. Die Parabolantennen fangen die Wellenbündel ab, die von den Kommunikationssatelliten Intelsat, Immarsat, Eutelsat, PanAmSat, Arabsat und Gorizont an ihre Bodenstationen gesendet werden. ONYX Stationen sind primär militärische Anlagen. Für den technischen Betrieb der Anlagen und die Ausführung von Abhöraufträgen ist die Abteilung „Elektronische Kriegsführung (EKF)“ der „Führungsunterstützungsbasis FUB“ zuständig. Wer gab also den Auftrag an die FUB den Verkehr der Ägypter abzuhören?

Nutzniesser der Anlage ist der Inlandgeheimdienst „Dienst für Analyse und Prävention“ (DAP) der Bundespolizei, der zivile Arme des Auslandgeheimdienstes „Strategischer Geheimdienst“ (SND) aus dem Departement für „Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport“ (VBS) und die militärischen Geheimdienste „Militärische Nachrichtendienst“ (MND) und der „Luftwaffennachrichtendienst“ (LWND).

Helvetia schläft mit dem Boss! Und der Boss ist die CIA

spionage

Administrativuntersuchung wegen Geheimdokument eröffnet

Stephan Fuchs – Über die Abhörzentrale des Schweizer Verteidigungsministeriums in Zimmerwald im Kanton Bern, fing das Sattelitenlauschsystem Onyx offensichtlich eine Meldung des ägyptischen Aussenministers an die ägyptische Botschaft in London ab. Das Papier, das die Existenz von CIA-Gefängnissen in Europa belegen soll, wurde dem „SonntagsBlick“ zugespielt.Nach der Veröffentlichung des geheimen Papiers im Sonntagsblick von gestern, wird Verteidigungsminister Samuel Schmid eine Administrativuntersuchung einleiten.

Im Rahmen der parlamentarischen Kontrolle werde die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) ausführlich darüber informiert, heisst es in einer Stellungnahme auf der Website des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zu einem Bericht im „SonntagsBlick“.

Das Papier sei als geheim klassifiziert. Infolge der besonderen Sensitivität des Dokuments und der entsprechenden Klassifizierung nehme das VBS zu dessen Inhalt nicht Stellung, heisst es weiter.

Laut dem Bericht des „SonntagsBlicks“ hat der Schweizer Geheimdienst einen Fax des ägyptischen Aussenministeriums an die ägyptische Botschaft in London abgefangen. Darin sprechen die Ägypter von Beweisen dafür, dass 23 irakische und afghanische Bürger auf einem US-Stützpunkt in Rumänien verhört worden seien. Ähnliche Verhörzentren gebe es in der Ukraine, im Kosovo, in Mazedonien und Bulgarien.

In der Schweiz haben sich bereits mehrere Gremien in die CIA-Affäre eingeschaltet. Die Bundesanwaltschaft (BA) hat wegen der möglichen Benutzung der Schweiz und ihres Luftraumes für CIA-Gefangenentransporte ein gerichtspolizeiliches Verfahren eröffnet. Laut BA besteht der Verdacht auf verbotene Handlungen für einen fremden Staat.

Der Bundesrat wiederum verlangte von den USA Aufklärung über Überflüge und Landungen ziviler Flugzeuge in der Schweiz in den Jahren 2003 und 2004. Eine Antwort, ob während der Flüge über die Schweiz und den Landungen auf Schweizer Boden Gefangene transportiert wurden, blieb Washington noch schuldig.

Bulgarien bestritt die Existenz von geheimen CIA-Gefängnissen auf seinem Staatsgebiet erneut. In seinem Land gebe es keine geheimen Hafteinrichtungen der CIA, sagte Aussenminister Iwajlo Kalfin laut der amtlichen Nachrichtenagentur BTA am Sonntag in Warschau, wo er sich zu einem offiziellen Besuch aufhielt.

kultur

ensuite kulturmagazin ohne Defizit

Lukas Vogelsangensuite – kulturmagazin kann im 2006 weiter produzieren. wir haben alle schulden abbezahlt und das gesamte defizit von 3 jahren gedeckt! dies wurde möglich durch einen grosszügigen förderungsbeitrag vom kanton bern, amt für kultur und privaten und anonymen spendern! wir starten somit in den 4. jahrgang ohne altlasten und schreiben schwarze zahlen. für ein medienunternehmen ist dies wie eine geburt!

etwas befremdend sind aber die töne des städtischen kultursekretären, christoph reichenau, im editorial der letzten ausgabe der berner kulturagenda. ohne grund oder öffentlichen äusserungen von unserer seite her, mitten in den neuen gesprächen um eine zusammenarbeit von der berner kulturagenda und dem ensuite – kulturmagazin startet er eine attacke gegen ensuite – kulturmagazin. das ist umso erstaunlicher, da der kanton bern, amt für kultur, für das jahr 2006, eine finanzielle unterstützung nur dann garantiert, wenn beide hefte eine zusammenarbeit oder eine klare aufgabenteilung finden – so wurden die bedingungen bei uns deponiert. wir sind nach wie vor offen für eine zusammenarbeit und der meinung, dass es auf platz bern nur eine kulturagenda braucht.

was aber wirklich erstaunlich ist: dass wir in den 3 jahren ohne doppelten boden einen medientitel geschaffen haben, welcher in sachen kultur und gesellschaft die leserInnen gewinnen konnte. so zählen wir statistisch über 25’000 leserInnen und sind im ganzen kanton bern als gratiszeitung und abozeitung vertreten. unser engagement für eine unabhängige und wertfreie kulturpromotion hat uns in den letzten 3 jahren zum grössten kulturdienstleister vom kanton bern gemacht. unser unternehmen wächst von monat zu monat.

über 91 % erneuern das abonnement. wir produzieren keine wegwerfartikel und im gegenteil, ensuite – kulturmagazin wird gelesen – und wie. unsere planung hat uns recht gegeben. pro tag erreichen uns noch immer 2 – 3 neuabonnenten (trotz gratiszeitung!), und die rückmeldungen sind fantastisch. im neuen jahr werden wir mit dem projekt «kulturweb bern» für bewegung sorgen. zum einen produzieren wir die grösste online-eventdatenbank für den kanton bern (www.kulturbern.ch), haben einen eigenen kulturellen nachrichtendienst aufgebaut (www.kulturnachrichten.ch), einen buchverlag (edition ensuite), art ensuite, eine kunstbeilage und zukünftig als galerielabel unterwegs, und als nächstes folgt das musiklabel «ensuite le son» . man darf gespannt sein.

weird world

US-Fernsehprediger sieht in Scharons Erkrankung Strafe Gottes

WASHINGTON – Der umstrittene US-Fernsehprediger Pat Robertson sieht in der schweren Erkrankung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon eine Strafe Gottes. Der Politiker hätten den Gazastreifen nicht an die Palästinenser übergeben dürfen, sagte Robertson.

„Der Prophet Joel macht es sehr klar, dass Gott eine Feindschaft gegenüber jenen hegt, die „mein Land teilen““, erklärte der erzkonservative Prediger am Donnerstag in seiner Fernsehshow.

Er nannte Scharon, der am Mittwoch einen schweren Schlaganfall erlitten hatte, eine „sehr liebenswerte Person“ und äusserte Betrübnis über den Zustand des Regierungschefs.
Robertson fuhr dann fort:“ Gott sagt jedem Ministerpräsidenten von Israel, der entscheidet, das Land zu zerteilen und wegzugeben, „nein, dies ist meines“…Gott sagt:“Dieses Land gehört mir. Du lässt besser die Finger davon.“

Der israelische Botschafter in den USA, Danny Ajalon, nannte Robertsons Auftritt „äusserst empörend“. „Ich würde so etwas von Leuten wie Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Iran erwarten, ich würde es nicht von einem unserer Freunde erwarten“, sagte Ajalon dem US-Fernsehsender CNN.
Robertson ist für seine masslosen verbalen Ausfälle bekannt. Im August hatte er gesagt, die USA sollten den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ermorden. Später entschuldigte er sich dafür.

Den Wählern einer Stadt in Pennsylvania, die mit dem Auswechseln des Schulausschusses der Lehre des Kreationismus im Unterricht einen Riegel vorgeschoben hatte, prophezeite Robertson, sie habe im Falle einer Naturkatastrophe keine Hilfe von Gott zu erwarten.

Krieg

Die Choreographie ziviler Gewalt

Stephan Fuchs – Der Krieg wird zivil. Die Grenzen zwischen Realität und Spiel werden unklar. Die Gefahr hieraus könnte für zukünftige Gesellschaften hohe Risiken bergen: Der Zivilist wird zum Krieger.

Orson Scott Card schrieb 1985 den Science Fiktion Bestseller „Enders Game“ eines jener großartigen Bücher, das der Welt von Gestern das Morgen vorweggenommen hat. In dem Buch entdeckt eine Gruppe Kinder die sich bei atemberaubenden Video Spielen messen, dass sie eigentlich vom Militär missbraucht werden um in richtigen Kriegen zu kämpfen.


Verwischt die Realitäten verschiedener Räume

Das Computer Spiel, von den Kids in einer virtuellen Welt gespielt, wird so plötzlich zum Kampf gegen einen sehr lebendigen Feind. Es verwischt die Realitäten verschiedener Räume. Der Raum der festen Materie des Kriegsschauplatzes verschmilzt mit der Welt des Cyberspace der sich in konstruierten Räumen abspielt. Für Kids natürlich ein atemberaubendes Erlebnis sich in einer virtuellen Welt zu behaupten. Für heutige Bomberpiloten ist es bereits Berufsaltag und für die militärischen Strategen eine Synphonie des sauberen Krieges.

Doch im Prinzip passiert simpel dieses: Kinder werden anhand der Konsolen und multimedialen Räume auf die Zukunft des Krieges vorbereitet. Somit verschiebt sich der von General Eisenhower erwähnte Militärisch-industrielle Komplex, der während und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde und im kalten Krieg zu seiner vollen Blüte kam, seit dem Golfkrieg von 1991 zu einem Militärischen Nintendo Komplex.

Spielhersteller wie „id Software“ waren maßgeblich bei der Entwicklung eines neuartigen Computerspielgenres beteiligt: des so genannten „ego-3D-shooters“. Mit dem Spiel 3D-Wolfenstein aus dem Jahre 1992 wurde erstmals die „Ich-Perspektive“ in Computerspiele eingeführt, wobei der Spieler in die Rolle des Protagonisten tritt und die Szene buchstäblich aus dessen Augen betrachtet. Das war ein Riesenerfolg für die Firma und eine unglaublich Realitätsbezogene Neuerung auf der Ebene eines Action Spiels.

Nahezu zur gleichen Zeit wurden im fernen Bagdad neuartige Bomben eingesetzt die mit einer komplett neuartigen Choreographie der Kriegsberichterstattung einherging. Der Angriff auf Bagdad, von Millionen live miterlebt, hüllte sich in das fluoreszierende Grün eines Restlichtverstärkers. Kaum erkennbare, aber von geübten Computerspielern durchaus verstehbare Szenen, flimmerten in sämtliche Wohnzimmer. Über räumlich weite Distanzen live im Krieg dabei zu sein war ein Novum. Die Betrachtungsweise des Krieges als Computerspiel verdichtete sich noch mehr als Bilder eingespielt wurden die von einer im Raketenkopf eingebauten Kamera übermittelt wurden. „Ego-3D-Shooter“ in der realen Welt und „Ego-3D-Shooter“ in der simulierten Welt der Spielhersteller glichen sich somit immer mehr.

Die im Prinzip kreuzverschiedene Optik eines Spieles und derjenigen eines Krieges kam sich gefährlich nahe, da die Unterscheidung zwischen Simulation und Wirklichkeit verwischt wurde. Die reale Zerstörungskraft der bunkerbrechenden Bomben verkommt zu einem Spiel auf dem Bildschirm. Gefährlich ist der hübsch anzuschauende reale Kampfeinsatz vor allem deshalb, weil er dem Krieg, falls das überhaupt möglich ist, in keiner Weise gerecht wird. Denn „leider“ ist die Kamera nicht mehr fähig zu senden wenn Körper zerrissen werden was wiederum von Militärs sehr geschätzt wird, da der Krieg somit zu einem sauberen Krieg mit angeblich chirurgischen Eingriffen, ein humanes Gesicht bekommt. Was soweit verständlich ist, da Demokratien den Schein einer gewissen Humanität auch in der Kriegsführung aufrechtzuerhalten haben. Der Krieg wird somit nur über Bombenstatistik und Trefferstatistik konkretisierbar. Die größte Tragik eröffnet sich dem Betrachter dadurch, dass sich der telemediale, freundlich ernste General im fernen Führerbunker zu Wort meldet und die Trefferliste verkündet, worauf er leicht ärgerlich einräumt, dass einige Raketen Fehlgeleitet wurden die Zivilisten traf. Ähnlich wie in den Spielen, wenn man von Level zwei zum Level drei kommt und sich der „Commander“ über gelingen oder Nichtgelingen der Operation einschaltet. Die Bomberbesatzungen des zweiten Weltkrieges die im Tiefflug ihre Bombenlast auslinkte, oder die Bomberpiloten der Hiroshima Bombe zum Beispiel, mussten, nachdem sie sich über das Ausmaß ihrer zerstörerischen Kraft bewusst wurden, vielfach erfolglos therapieren lassen. Heute ist das kaum mehr der Fall. Bomberpiloten und Schützen auf den Schiffen sehen nichts!

Immer wieder werden Wargames wie „Doom“, „Quake“ oder „Wolfenstein“ für Tragödien verantwortlich gemacht die Schüler durch Massaker in Schulen veranstalten. In wieweit Gewaltspiele tatsächlich als Katalysator auf die Psyche Jugendlicher wirkt und sie zu unberechenbaren Massenmördern werden lässt, ist noch immer strittig. Mit ziemlicher Sicherheit kann gesagt werden, dass diese Nebenwirkung nicht gewollt ist, sie kann sich aber mit Sicherheit bei labilen Jugendlichen unter einer kausalen Kettenreaktion herausbilden. Das ist natürlich eine tragische Problematik, wird aber vom Militärischen Nintendo Komplex sicher in Kauf genommen, da hinter der Strategie solcher Spiele ein weitaus tieferer Impuls stehen könnte.

Wie oben beschrieben, laufen die virtuellen Entwicklungen und die Entwicklung der Kriegstechnologie weitaus parallel. Die westlichen Supernationen, allen voran die militärische Supermacht Amerika kann sich seit Vietnam keine eigene Toten mehr erlauben. Die Gesellschaft ist seit bald 60 Jahren Kriegsuntauglich und ist sich den Krieg nicht mehr gewöhnt. Müsste da nicht eine Generation herangezogen werden die sich für eine revolutionierte Kriegsführung begeistern ließe? Darauf hin könnte der neue Militärische Nintendo Komplex zielen. Die Intensivierung des Schlagwortes Terrorismus, deutet auch seit längerem darauf hin, dass eine Revolutionierung der Kriegstechnik von Nöten gemacht wird. Wie Paul Virilio in seinem Aufsatz „New York im Delirium“ bereits 1993 notierte, beschreibt er die erste Attacke gegen das World Trade Center, das mit Sprengstoff begangen wurde, als: „ein strategisches Ereignis, das der ganzen Welt die Veränderung der militärischen Ordnung zum Ende unseres Jahrhunderts vor Augen führt.“ Was damals sicher eine Revolution im innern des militärischen Apparates ausgelöst hat, hat nun der neue Anschlag bei der breiten Bevölkerung nachgeholt. Abgesehen von hysterischen Rufen nach mehr Überwachung, wurde der militärische Kleinkrieg ausgerufen. Der Nintendo Krieg wie er auf den Konsolen gespielt werden kann.

Während 1984 unter der Leitung von Colonel John Alexander das Projekt JEDI, welches mittels Neuro-Linguistischer Programmierung NLP versuchte kreative visualisierungs- Techniken für Spionage Einsätze zu entwickeln, sind heute virtuelle Simulationen und Szenarien darauf bedacht den Krieg über die Fingerspitzen zu entscheiden. Spieldesigner kommen deshalb häufig in den Genuss finanzieller Zuwendungen des Pentagons. Das von id-Software entwickelte Spiel Doom (1993) wurde über Lizenzen vom Marine Corps Combat and Development Command zum Marine Doom weiterentwickelt, das als Training für die Marines eingesetzt wird. Weit über zwanzig Spiele, die auch öffentlich zugänglich sind, wurden so modifiziert. Das Spiel BattleZone von Atari, wurde für das U.S. Militär konzipiert und ist auch zivil, jedoch unter anderem Namen zu kaufen. So mischen sich Kriegsspiele mit dem Training der Marines, einfachste Flugsimulatoren werden gebraucht um Türme virtuell wie real einstürzen zu lassen, die Produzenten des Spieles Carrier Strike Fighter bekamen sogar eine Berechtigung auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln zu Filmen um eine möglichst realitätsnahe Visualisierung des zivilen Spieles zu erreichen. Was einem Spion den Galgen bringen würde, wird kommerziell vermarktet und so realitätsnah wie möglich umgesetzt. Jedes Jahr organisiert das amerikanische Verteidigungshaus Verbindungskonferenzen mit Wargame Herstellern, an denen nicht nur Firmen wie GTInteractive, sondern auch Leute der Defense Intelligence Agency DIA teilnehmen. Was dabei rauskommt sind Spiele wie Soldier of Fortune, das sich rühmt einen „bislang unerreichten Grad an Gewalt“ zu zeigen.

Der Krieg der Zukunft wird zwangsweise per Fingerklick geschlagen werden müssen, daran wird auf allen Ebenen fleißig geforscht und einzelne Systeme sind bereits im Einsatz. So können ranghohe Offiziere über Mausklick bereits heute über Satteliten Verbindung schwere Waffen auf Schiffen oder bald auch Waffen aus dem All aktivieren und sie mehr oder weniger Zielgenau ins Ziel bringen, ohne wirklich am Ort des Kriegsschauplatzes zu sein. Der Schnittpunk Hardware (Computer) und Wetware (Mensch) ist somit nahezu vollbracht und töten auf Distanz ist, ohne den Feind je physisch zu sehen, möglich. Wie die Kriegsungewohnte Generation damit fertig werden wird, dürfte das größere Problem sein das durch den Militärischen Nintendo Komplex sehr effizient umgangen werden kann. In einem visualisierten Raum zu töten, in dem niemand einer Befehlsgewalt unterstellt ist und in dem selbst Kinder, Frauen, Wehrlose, Häftlinge, Gammler und Schwule hingerichtet werden können, kann eine Generation herangezogen werden, die ohne Hinterfragung des Vorgesetzten Befehle in einem visualisierten realen Raum umsetzten wird.

kultur

Firmenkultur, Stammesrituale & Guerillataktik

Stephan Fuchs – Geht es Ihnen auch so? Acht Stunden am Tag sitzen sie in ihrem Büro, starren die weiße Wand vor sich an und denken dabei: „Ja, das kulturelle Leben findet definitiv ohne mich statt.“ Kultur scheint immer dort zu geschehen wo wir nicht sind. Hand aufs Herz, wir sind nicht die einzigen. Zehntausenden geht es auch so.

Wußten sie das, laut einer Shell Studie, rund 80% aller Entlassungen aus kulturellen Gründen erfolgen? Wohlgemerkt; konjunkturbedingte Kündigungen ausgenommen. Sehen sie! So genommen sitzen sie unmittelbar am Puls der Kultur. Das hat eine gewisse Tragik, denn eine Kündigung reißt bei vielen enorm am Selbstwertgefühl und zieht in einigen Fällen eine regelrechte Depression nach sich. Die wenigsten sind sich nämlich bewußt, daß eine Kündigung in seltenen Fällen mit dem Mangel an fachlicher Kompetenz zu tun hat, als vielmehr ein ganz einfacher Grund aufweist: Sie passen nicht in die Stammesrituale ihrer Firma.

Jede Firma, ob Einzelfirma oder ein multinationaler Konzern hat eine eigene Stammeskultur, oder eben in dem Sinne eine Firmenkultur. Symbole, Logos, Interieur, Dreßcodes, Kommunikationsformen, Ordnung, Glaubensbekenntnisse gegenüber dem Produkt etc. sind Manifestationen dieser Kultur.

Ich habe sie nun bewußt mit „sie“ angesprochen. Ein simples Beispiel, aber von entscheidender Bedeutung, denn Aufgrund dessen wie sie das „sie“ in ihrem Kulturfenster auffassen bin ich bei ihnen unten durch, oder eben nicht. Das saloppe „du Chef, ich hab hier mal ein Problem“, funktioniert sicher in vielen amerikanischen Firmen und in trendigen dotcoms. Nicht aber in einer Genfer Privatbank, oder einer Bundesbehörde.

Die Situation ist bekannt: Sie sind neu in der Firma und voller Tatendrang und Elan. Ihr Rüstzeug, Top Ausbildung, sicheres Auftreten und knackige Witze haben den Chef überzeugt. Nicht aber den Mob in der Abteilung. Man empfindet sie als Chefschleimer und Emporkömmling, zudem gelten sie als peinlich. Resultat: Sie werden gemobbt. In einer anderen Firma, die vielleicht allgemein knackiger ist, wären sie die Ideale Ergänzung für ein innovatives, schlagkräftiges Team. Fazit: Der Chef der ersten Bude hat keine Ahnung über die Firmenkultur seines Unternehmens. Er ist es, der eigentlich ausgewechselt gehört.

Eine andere Situation: Sie arbeiten seit Jahren in derselben alteingesessenen Schweizerfirma. Sie haben ihre Jaßabende mit den Arbeitskollegen, sie haben seit Jahren korrekt und zuverlässig gearbeitet. Sie sind nicht der schnellste, aber ohne sie wäre vieles schlichtweg in die Hose gegangen. Man schätzt sie. Jetzt wird ihre Abteilung im Zuge einer Reorganisationsmaßname ausgegliedert und in ein Unternehmen aus Berlin neu integriert. Der neue Chef wirbelt rein und sagt: „Tach ma, ik bin der Jens, jetzt machen we hier ma richtich det Bär los und kiken ma wat da aus euch rauskommt!“

Jens denkt das sei ein lustiger Witz, zumal er jetzt in Bern stationiert ist. Alles geht drunter und drüber, neue Computerprogramme werden im Zweimonatsrhythmus neu eingeführt, es gibt innovative Powermeetings und selbst ein Erfolgsbonus wird auf ende Monat ausbezahlt. Sie kriegen Magenschmerzen, schlafen schlecht, mögen mit ihren Arbeitskollegen nicht mehr Jassen gehen und sie sind müde. Jens, der neue Chef bestellt sie zu sich: „Wat is denn los mit dir? Haste jute qualifikationen und spielste hier wat rum, oder wat is denn!“ meint er zu ihnen lässig und das „du“ vertragen sie von dem jungen Kerl sowieso schlecht.

Dennoch versprechen sie die Leistung zu verbessern. Auf Weihnachten haben sie die Kündigung, obwohl sie nur noch 5 Jahre vom wohlverdienten Ruhestand entfernt gewesen wären. Fazit: Sie haben nicht in die neue Firmenkultur gepaßt. „Inkompatibler Mitarbeiter“ nennt man diesen tragischen Fall.

Firmenkultur ist der „Spirit“ eines Unternehmens und umfaßt die Denkhaltungen und Grundüberzeugungen innerhalb einer Firma. Jens, in Berlin sicher der Beste am rechten Ort gewesen, bringt es sehrwahrscheinlich nicht fertig seine Firmenkultur im Schosse der behäbigen alterwürdigen Bernerfirma durchzusetzen außer, er wechselt sukzessive die gesamte Belegschaft aus und züchtet seine eigene neue Kulturversion nach.

Es ist ein Kampf der Kulturen der da tobt. Faktisch wirkt die Firmenkultur wie eine Lupe. Durch sie hindurch wird definiert was im Unternehmen wichtig ist, wie das Unternehmen sich zelebriert und wohin es steuert. Vielfach ist Firmenkultur schlecht zu erkennen und schlummert unter einer dicken Eiskruste. Trotzdem wird sie unbewußt wahrgenommen. Man fühlt sich wohl, gefordert, akzeptiert und integriert, oder eben nicht.

Firmenkultur ist genau so wichtig wie jede andere Form von Kultur. Interessanterweise verhält sich die Firmenkultur beinahe parallel zur Freizeitkultur Musik, dem Schauspiel oder dem Tanz und ähnlichen kulturellen Zweigen. Einige Manager und Firmenleiter arbeiten sehr konkret und bewußt mit ihrer Firmenkultur, gehen feinfühlig mit ihren Stammesritualen und den Stammesmitgliedern um, indem Mitarbeiter gefördert und gestärkt werden und die stärken wie auch die schwächen der einzelnen Mitarbeiter konstruktiv genutzt werden. Andere wiederum beeinflussen dynamisch, indem verschiedene Kulturrituale zelebriert werden und zum Teil auch gezielt Subkultur, ja sogar Gegenkultur eingegliedert wird um am Puls der Zeit zu bleiben. Guerillataktik sozusagen.

So kann das kraftgespannte Powerteam in der Entwicklung, der Werbung und dem Verkauf versus das etablierte Produkt, wie zum Beispiel das einer Uhr oder Mode durchaus stimulierend sein. Die Spielereien sind vielschichtig und würden den Rahmen hier sprengen. Ein Beispiel aus der Kleiderbranche: Innovative Mode, junges Publikum, fetziger Sound im Laden und ziemlich sexy daherkommend, das Management wird jedoch wie ein Ritterorden mit sehr dogmatischem Kodex geführt. Solche Spielereien machen natürlich vielfach Sinn.

Gerade da, wo das Management über die Straßenkultur erhaben ist und sich allein mit dem Produkt den jeweiligen Trends unterwirft, überlebt die Unternehmensführung mit der Ritterkultur sämtliche kurzatmigen Modegags. Die Firmenkultur führt entweder zum systematisch nachhaltigen Erfolg, oder in den garantierten Abstieg. Weder das Beharren an Traditionen die sich neuen Entwicklungen dogmatisch verschließen, noch das Zerstören von Glaubensbekenntnissen, die für alle Leistungsträger die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit darstellen, sind geeignete Ausprägungen einer Firmenkultur. Nicht alle, aber viele Manager wissen darum. Gehen sie doch in ihrem Büro mal auf Kulturreise, da macht das arbeiten gleich viel mehr Spaß. Fazit: Kultur ist spannender.

medien

2005 wurden 63 Kollegen getötet

Im Jahr 2005 sind laut „Reporter ohne Grenzen“ 63 Journalisten und fünf Medienmitarbeiter während oder wegen ihrer Arbeit getötet worden. Das seien zehn mehr als im Vorjahr, teilte die Organisation in Berlin mit.

Zum dritten Mal hintereinander ist der Irak das gefährlichste Land für Medienschaffende. Dort kamen 24 Journalisten und fünf Medienmitarbeiter ums Leben. In den meisten Fällen seien die Angriffe auf das Konto von aufständischen Gruppen gegangen, heisst es. Doch in drei Fällen seien auch US-amerikanische Truppen beteiligt gewesen.

Auf den Philippinen hätten sieben Journalisten ihre kritischen Berichte mit dem Leben bezahlt. Hinter den Übergriffen stünden weniger bewaffnete Gruppen als vielmehr Politiker, Geschäftsleute oder Drogenhändler, die kaum zur Verantwortung gezogen würden, hiess es weiter.

Weltweit sitzen gemäss Reporter ohne Grenzen derzeit 126 Journalisten und 70 Internetdissidenten im Gefängnis. Mit mindestens 1006 zensierten oder verbotenen Medien im vergangenen Jahr stieg diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60 Prozent.

Diese Zunahme sei vor allem dem „verheerenden“ Zustand der Pressefreiheit in Nepal zu schulden, wo mehr als die Hälfte der Fälle verzeichnet worden seien. In China sei die Lage nach wie vor prekär: Redakteure aller Medien erhielten fast täglich eine Liste mit Tabuthemen vom Propagandaministerium. China (32 inhaftierte Journalisten) und Kuba (24) haben nach wie vor die meisten inhaftierten Journalisten weltweit.

Äthiopien sei nach Massenverhaftungen im November mit 17 Journalisten hinter Gittern das „grösste Gefängnis für Journalisten in Afrika“ und habe das benachbarte Eritrea mit 13 inhaftierten Journalisten an dritter Stelle der Statistik abgelöst. Im Libanon nahmen laut Reporter ohne Grenzen gewalttätige Übergriffe auf Politiker und Journalisten zu.

kriminalitaet

Kultur der Korruption

Harald Haack – Es erinnert an damals, als die Mafia sich in Hollywood einkaufte, Drogen wie Kokain und LSD über „Lobbyisten“ unter die Stars verteilte und diese damit in den gesundheitlichen Ruin trieb und Präsident Nixon dergleichen u.a. zu vertuschen versuchte. Und man darf sich in der Tat fragen, was unter „andere Zuwendungen“ zu verstehen ist, die prominente US-Abgeordnete über ein verschachteltes Korruptionsnetz erhielten.

Einst war er in den USA als US-Lobbyist einflussreich: Jack Abramoff. Ihm wirft die Justiz nicht nur Betrug und Steuerhinterziehung vor. Er soll dafür gesorgt haben, dass etliche Abgeordnete von Regierung und Opposition Geld erhielten oder mit Golf-Ausflügen, Tickets für Sportveranstaltungen, Abendessen und „anderen Zuwendungen“ erhalten haben – zwecks Schmierung. Vor allem Abgeordnete der regierenden Republikaner, ganz weiß um die Nase, ängstigen sich nun vor weiteren Enthüllungen, die in dem Prozess an die Öffentlichkeit gelangen könnten. Für die Partei von Präsident George W. Bush wäre dies eine schwere Bürde vor der im Herbst anstehenden Wahl, denn viele Abgeordnete der Regierung profitierten während des letzten Wahlkampfes von Abramoffs Unterstützungen. Ob sie sich mit einer Rückzahlung, die in den vergangenen Wochen erfolgte, von mehr als 200.000 Dollar reinwaschen können, ist fraglich. Zumindest wird man ihnen vorwerfen können, sich mit der Bestechungssumme des Lobbyisten über die Jahre hinweg gesund gestoßen zu haben und dies zinslos.


„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“: US-Satire von „Independents For Kerry.org“

So soll in den Jahren 2001 bis 2004 ein enger politischer Freund von Präsident George W. Bushs, der frühere republikanische Fraktionsvorsitzenden im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, von Abramoffs Verbindungsmännern oder von ihm selbst mindestens 57.000 Dollar erhalten haben. Auch gegen ihn wird in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre ermittelt.

Abramoff drohen bis zu 30 Jahre Haft. Daher hatte er sich auf den Deal der Staatsanwaltschaft eingelassen und sich zur Zusammenarbeit erklärt, was ihm eine deutliche Reduzierung der Strafe einbringen könnte. Wenn man es genau nimmt, ist auch dies Korruption. Aber sie hilft den Ermittlern an Hintermänner heran zu kommen. Abramoff darf somit mit „nur“ elf Jahre Knast rechnen. Nach amerikanischem Recht könnte sich seine Strafe noch einmal reduzieren, wenn er vollständig mit dem Gericht zusammenarbeitet. Offensichtlich lässt es auch jetzt noch das weitere Schmieren durch Abramoffs zu. Vor Gericht sagte er, er bedauere seine Fehler, entschuldigte sich für den entstandenen Schaden und wolle mindestens 25 Millionen Dollar an Entschädigung zahlen.

Golfer nennen dies „putten“ (einlochen). Doch so gepflegt das Grün der amerikanischen Justiz auch wirken mag, es ist voller Tücken.

kriminalitaet

Jack Abramoff bekennt sich schuldig

Der einst einflussreiche amerikanische Lobbyist Jack Abramoff hat sich am Dienstag in einem Korruptionsprozess in Washington unter anderem der Verschwörung und der Steuerhinterziehung schuldig bekannt.

Abramoff erklärte sich damit zur Zusammenarbeit bei umfangreichen Ermittlungen gegen bis zu 20 führende Parlamentarier und deren Mitarbeiter bereit, die von ihm und anderen Lobbyisten bestochen worden sein sollen. Abramoff drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Er und andere Lobbyisten sollen Kongressmitgliedern für Gegenleistungen Reisen bezahlt und Wahlkämpfe finanziert haben. In Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre wird auch gegen den früheren republikanischen Fraktionsvorsitzenden im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, ermittelt. DeLay, ein enger politischer Freund Präsident George W. Bushs, soll von Abramoff oder dessen Verbindungsmännern in den Jahren 2001 bis 2004 mindestens 57.000 Dollar (48.000 Euro) erhalten haben.

Die Abramoff-Connection

spionage

Blairs trojanische Stellenbeschreibung

Harald Haack – Britische Schulabgänger aufgepasst: Tony Blair, noch amtierender Chef des vereinigten Königreiches unter seines Majestät der Königin Elisabeth, lieferte jüngst eine Stellenbeschreibung und wirbt damit für den Job des Premierministers. Demnach wird Blair, so scheint es, in naher Zukunft seinen Schreibtisch in dem Gebäude mit der Nummer 10 in Londons Downingstreet räumen und Berufsanfängern schon jetzt eine Chance bieten, die Inhalte ihrer Festplatten den britischen Geheimdiensten zu zeigen.

Premierminister Tony Blair, mit Souffleur, möchte mehr über die Festplatten anderer Leute wissen. [M]

Sein Herz für Schüler hat er nie verleugnet. Gern erinnerte er sich an seine eigene Schulzeit, als er mit Rowan Atkinson nicht nur dieselbe Schule besuchte, sondern in derselben Klasse die Köpfe zusammensteckte. Atkinson hatte Erfolg in der Rolle des von ihm erfundenen Mr. Bean, Blair glaubt dagegen Erfolg in der Rolle als Premierminister zu haben. Doch da sein Souffleur zu sehr dominierte, ernte er nur Schelte statt Applaus.

Da sich gegenwärtig alle Großen der Weltpolitik um Imagepflege mühen – Journalisten in Uniformen stecken, um Irakern, Afghanen und den Rest der Welt von der „amerikanischen Versionen einer Geschichte“ zu überzeugen oder Dichter anwerben, die in guten russischen Worten das zerbröselte Russland wieder aufbauen – entschied sich Tony Blair selbst die Drecksarbeit zu machen, um seinen Kampf ins bessere Licht zu stellen. Er dreht ein Video. Titel: „A Day in the Life“. Und er ließ ihn ins Internet stellen, damit alle ihn sehen können. Leider stehen nur Real-Player- und Windows-Media Player-Versionen zur Verfügung – ohne Angaben von Filmlänge und Speicherbedarf. Doch er will solche Briefmarkenvideos heutzutage noch sehen? Wer etwas auf sich hält, bietet im Internet Videos im MPEG-Format an. Die können heruntergeladen werden, man kann sie sich ansehen, wenn man will und man kann sie sich sogar auf eine DVD brennen und auf dem heimischen Fernseher anschauen. Man muss dazu kein Anbieter von Pornofilmen sein. Selbst für Tony Blair wäre dies eine brillante Möglichkeit gewesen, sich zu präsentieren. Doch so sieht man ihn nur, wenn man ihn denn überhaupt zu sehen kriegt, nur als von Kompressionsartefakten zerschlagenes hemdsärmliges Männchen am Schreibtisch.

Vorteile für Internet-Zuschauer gibt es keine durch die Verwendung altmodischer Video-Streaming-Technik. Lediglich die britischen Geheimdienste haben einen Nutzen, denn beide Formate, besonders die Windows-Media-Player-Version, bieten Möglichkeiten, über Ermittlungen der IP-Adressen und verwendeten Betriebssysteme, die Inhalte der Festplatten der „A Day in the Life“-Zuschauer auszuforschen. Blairs Video – ein Trojaner?

Gleich nach unserem Versuch sein wmv-Video (für den Windows-Media-Player) zu betrachten, wurde uns seitens http://www.video.twofourty.com ein Trojaner auf die Festplatte geladen. Doch der ist ein „alter Bekannter“ von AntiVir XP und ließ sich erfreulicherweise killen: „Wollen Sie löschen?“ Ein einfaches Löschen erschien uns nicht sicher genug. Wir entschieden uns zu einem Nein, um den Inhalt der verseuchten Datei mit einem Secure Eraser zigmal zu überschreiben und dann zu löschen.