surveillance

Wenn das Telefon nur einmal klingelt

Harald Haack – Das digitale Zeitalter hat der Stasi, pardon: dem BND, Vorteile verschafft. Das gesprochene Wort ist hörbar geworden. Deutlich und unverrauscht werden wir Journalisten von den geheimen Lauschern verstanden. Sie hören, was uns Informanten übers Telefon mitzuteilen haben. Aber sie hören auch unser Stöhnen, wenn wir auf dem Klo hocken. Wenn das Telefon nur einmal klingelt, dann wird sich für gewöhnlich niemand verwählt haben, dann klingelt es nämlich zweimal. Ein einmaliges Klingeln aber kann als Schaltvorgang gewertet werden, um übers Telefon in eine Wohnung oder in ein Büro hineinzuhören. Mit digitalen Telefonen ist das möglich.


Das Wanzophon hilft dem BND seine eigene Funktionsfähigkeit sicherzustellen

Wer jedoch glaubt, er sei abhörsicher weil er analoge Telefone hinter der digitalen Telefonanlage verwendet, von denen es einmal hieß, sie seien im Gegensatz zu den digitalen Telefonen abhörsicher, sollte sich nicht so sicher fühlen. Der sollte sich das Telefon, die Telefonanlage und die Umgebung näher ansehen und nach Wanzen suchen. Einige nämlich lassen sich akustisch, vom Läuten des Telefons, ein- und ausschalten. Im ausgeschalteten Zustand bleiben sie für elektronische Wanzen-Detektoren unsichtbar.

Journalisten werden in Deutschland abgehört. Und der Bundesnachrichtendienst (BND) hat darüber gegenüber der Regierung geschwiegen. Nun könnte man frotzeln, Regierungspolitiker hätten die Nachrichten der bespitzelten Journalisten sowieso am selben Abend im Fernsehen mitgekriegt oder am nächsten Tag in der Zeitung lesen können. Wozu dann noch vorab Mitteilungen über Nachrichten der Presse vom Bundesnachrichtendienst?

Mal ehrlich: Hören Bauern das Gegacker ihrer Hühner während des Eierlegens ab? Spitzel des BND hörten Journalisten während des „Gegackers“ mit Regierungspolitikern und deren Pressevertretern übers Telefon und andere technische Möglichkeiten ab. Und weil auch sie davon betroffen sind, Politiker nämlich, sind deren Hahnenschreie nun mächtig laut. Aber insgeheim regen sie sich über die Veröffentlichung der Bespitzelung auf und weniger über die damit erfolgte Einschüchterung von Journalisten. So entrüstete sich der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach über das Vorgehen des Bundesnachrichtendienstes und sagte, er nehme solche Aktivitäten „mit größter Verwunderung“ zur Kenntnis. Dagegen stellte der Innenexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelpütz, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ fest, dass die „nachrichtendienstliche In-Visiernahme von Journalisten unzulässig sei. BND-Chef August Hanning legte noch einen drauf und behauptete, er werde das außerordentlich ernst nehmen. Der BND habe aber das Recht und die Pflicht, seine eigene Funktionsfähigkeit sicherzustellen.

Oops! Hatte das nicht auch Stasi-Chef Mielke über seine Stasi gesagt noch bevor er bekundete: „Ich habe Euch doch alle lieb.“

Politiker fordern Konsequenzen aus BND-Skandal

spionage

US-Senat verlangt Auskunft über CIA-Geheimgefängnisse

WASHINGTON – Der US-Senat hat die Regierung von Präsident George W. Bush aufgefordert, ihn vollständig über angebliche Gefängnisse des Geheimdienstes CIA im Ausland zu informieren. Der Senat votierte mit 82 zu 9 Stimmen für eine entsprechende Vorlage.

Sie fordert den nationalen Geheimdienstdirektor John Negroponte auf, dem zuständigen Senatsausschuss alle geheimen Berichte mit Informationen über Geheimgefängnisse im Ausland zur Verfügung zu stellen. Die vom demokratischen Senator John Kerry eingebrachte Vorlage verlangt ausserdem, dass Negroponte selbst vor dem Ausschuss aussagt.

Die „Washington Post“ hatte vergangene Woche berichtet, die CIA unterhalte acht geheime Gefängnisse. Zu den Standorten gehörten neben Thailand und Afghanistan auch „mehrere Demokratien in Osteuropa“. Rund 30 der Häftlinge in den Einrichtungen sollen ranghohe Mitglieder des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden sein.

vermischtes

Frankreichs Polizisten können auch lesen

Er war den Polizisten zwar entwischt, doch nun soll er in Begleitung seiner Eltern vor einen Jugendrichter geladen werden. Hisam Karmouni* hatte auf seiner Website geprahlt und verkündet, der Krieg sei erst dann zu Ende, wenn die Franzosen ihren Innenminister auf dem Scheiterhaufen verbrannten. Gegen zwei Beteiligte wurde inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen „öffentlichen Aufruf zur bewaffneten Zusammenrottung“ sowie „Aufruf zu Verbrechen oder Vergehen über die Presse“ eingeleitet. Ausserdem verhaftete Frankreichs Polizei jetzt fünf Verdächtige, weil sie in Online-Tagebüchern zu Gewalt aufgerufen haben sollen.

Die jüngste Festnahme eines als „Drahtzieher“ Beschuldigten soll nach Polizeiangaben heute früh in Pontault-Combault, einer östlichen Pariser Vorstadt, erfolgt sein. Mutmaßlich über die Kommentarfunktion hatte der etwa 20jährige in etlichen Blogs zur Randale aufgerufen. Frankreichs Polizisten können auch lesen – Blogs nämlich.

* Name von der Redaktion geändert

Krieg in „Eurabien“

surveillance

Der gläsernere Bürger

Elmar Getto – Seit 1. November sind wir der völligen Überwachung wieder ein bisschen näher gekommen: Die RFID-Reisepässe sind eingeführt. Sie enthalten einen Chip, der aus einigem Abstand und ohne, dass dies bemerkt wird, abgelesen werden kann.

Chip wird in dem Dokument sein, das man ständig mit sich tragen muss

Er enthält neben den Daten des Passinhabers ein digitalisiertes Photo von ihm und wird in Kürze auch noch digitalisierte Fingerabdrücke enthalten. Platz ist auf dem Chip auch noch für die DNA-Analyse. Irgendeinen erkennbaren Nutzen hat der neue Chip nicht, außer für die Alles-Überwacher der Stasi-Dienste, die nun ein lückenloses Bewegungsprofil aufstellen können, oder jede einzelne Person einer Demonstration erfassen können, wenn jemand so schlau wäre, mit seinem Reisepaß herumzulaufen.

RFID sind ‚Radio-Frequency-Identification-Chips’, wie sie zunehmend für Supermarktwaren zur Identifikation benutzt werden. Ein Schlaumeier mag nun anmerken, dass der oben beschriebene Alptraum ja in Wirklichkeit noch nicht verwirklicht ist, dass die DNA-Kennung noch gar nicht eingeführt ist, dass die Daten bisher nur ausgelesen werden können, wenn man in ein spezielles Lesegerät den Pass eingelesen hat, dass deshalb auch noch nicht Bewegungsprofile erstellt werden können, die aber sehr wohl mit dem Handy möglich sind, das fast jeder mit sich herumträgt usw. Das ist wahr, aber es wurde ja auch noch gar nicht davon gesprochen, dass der oben angedeutete Ausweg, einfach den Pass zu Hause zu lassen, in absehbarer Zeit ebenfalls verschlossen wird. Dann wird der Chip natürlich in dem Dokument sein, das man ständig mit sich tragen muss.

Legale Terroristen
Gegen den Terrorismus, d.h. gegen Anschläge auf Zivilpersonen, bringt das überhaupt nichts, denn alle Terroristen, denen z.B. die Anschläge in New York vom 11. September oder die Anschläge auf die Vorortzüge in Madrid oder die Anschläge auf die U-Bahnen in London zur Last gelegt werden, hatten gültige Reisepässe und waren alle legal in den jeweiligen Ländern.

Was andere Verbrechen betreffen, so ist ebenfalls der Anteil von ihnen, der mit gefälschten Pässen durchgeführt wird, unter 1%. Kurz, gegen wirkliche Terroristen und Verbrecher kann sich das Ganze nicht richten.

Es beruht auf der Anweisung des Lehrmeisters aus den USA, alle Europäer müssten in Zukunft Pässe mit maschinenlesbaren Komponenten zur Identifikation besitzen, wenn sie weiterhin ohne Visum in die Vereinigten Staaten einreisen wollten. Die meisten europäischen Staaten lassen sich damit Zeit, nur die deutschen Musterschüler haben den Befehl bereits vorzeitig ausgeführt. Aye – Aye, Sir!

Das kleine Problem, das man noch mit den lesenden Maschinen hat, die z.B. Bilder mit mit wirklichen Personen vergleichen können sollen, ist, dass die dabei noch immer einige Prozent Fehler machen. Man kann sie sehr scharf einstellen, dann werden einige Prozent von Leuten mit gültigen Pässen nicht ins Land gelassen oder man stellt sie locker ein, dann erkennen sie nicht mehr in jedem Fall, dass die reale Person gar nicht mit dem Bild übereinstimmt. Jetzt raten Sie einmal, was davon man in den USA machen wird. Einer Sache kann man sicher sein: die Schlangen vor der Passabfertigung werden nicht kürzer werden.

Grüsse von der Stasi
Was da vor sich geht, ist die Stasiesierung der Gesellschaft, so wie es in der DDR war. Die Stasi wusste eine Menge, aber ihr ging auch unheimlich viel durch die Lappen, weil sie den Fehler machte, den alle Stasis machen: Sie will immer mehr Daten von möglichen Verdächtigen und erstickt sich damit selbst mit Daten und Fakten.

Die Stasisierung der Gesellschaft besteht also gar nicht darin, dass immer mehr über die Bürger des Staates gesammelt und gespeichert wird und dem Staat bekannt ist. Sie besteht darin, Angst und Schrecken zu verbreiten unter denen, die eventuell etwas vorhaben könnten, wie in den Westen zu fliehen, oder wie bei der Revolution mitzumachen – und sie so möglichst davon abzuhalten.

Es geht gar nicht so sehr um die Intimsphäre der Menschen, sondern um das Gefühl, man werde ständig überwacht. Es geht nicht um Datenschutz, sondern um die Würde des Menschen, aber die liegt seit Hartz IV in Deutschland sowieso im Sterben.

Die große Welt der kleinen Chips
Chipen bis die Leiche qualmt
Deutschland kommt in den Genuss implantierbarer Chips
US-Konzerne setzen auf RFID-Chips

terror

Palästinensischer Geheimdienst-Chef getötet

Stephan Fuchs – Unter den Toten des Anschlags auf das Hyatt-Hotel ist auch der Chef des palästinensischen Geheimdienstes.

Bei der tödlichen Anschlagsserie in der jordanischen Hauptstadt Amman ist der Chef des palästinensischen Militärgeheimdiensts ums Leben gekommen, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. General Bashir Nafeh hat sich im Hotel Hyatt aufgehalten, als ein Selbstmordattentäter die Explosion auslöste. Bei den offenbar koordinierten Explosionen sind am Vorabend über 60 Menschen getötet und 110 weitere verletzt worden.

Das Bekennerschreiben zu den Amman-Anschlägen wurde auf einer häufig von der El-Kaida genutzten Internetseite veröffentlicht. Seine Echtheit konnte zunächst nicht geklärt werden. Für die Angriffe sollen einige Hotels ausgewählt worden sein, „die der jordanische Despot in einen Hinterhof für die Feinde des Glaubens, für Juden und Kreuzritter, verwandelt hat“, hieß es in dem Schreiben. Zudem wurden weitere Anschläge angedroht. Jordanische Sicherheitskräfte hatten bereits zuvor die Vermutung geäußert, die vom Jordanier Abu Mussab al-Zarqawi angeführte Gruppe stecke hinter den Anschlägen.

Aus jordanischen Sicherheitskreisen hieß es unterdessen, der Mann, der sich im Hotel Hyatt in die Luft sprengte, habe mit irakischem Akzent gesprochen. Ein Sicherheitsagent des Hotels habe kurz vor der tödlichen Explosion mit dem Mann gesprochen, der ihm verdächtig vorgekommen sei. Eine Sicherheitskamera des Hotels habe den Selbstmordattentäter aufgenommen. Aufgrund der Videobilder werde er zu identifizieren sein.

medien

PR – Publicity-geile Randalierer

Harald Haack – Der Sketch ist uralt und wurde, so vermute ich, 1982 vom NDR innerhalb der skurrilen Comedy-Serie „Abramakabra“ gesendet. Helga Feddersen spielte eine hysterische Fernsehreporterin, Uwe Dallmeier einen tranig-langsamen Kameramann: Ein Haus brennt. Wie das Schicksal es so will, kommen sie und ihr Kameramann viel zu spät zum Unglücksort und sehen nur noch qualmende Trümmer. Das Feuer ist gelöscht. Während die Fernsehreporterin einen hysterischen Anfall kriegt, bleibt der Kameramann gelassen, geht zum Feuerwehrhauptmann und spricht ihn kumpelhaft an: „Tja, wir sind da nun etwas zu spät gekommen. Sag mal, kannste vielleicht noch mal nachlegen?“

Ein Hausbrand ist natürlich kein Kaminfeuer, in dem man einen Holzscheit nachlegen kann, um das Feuer wieder zu entfachen. Ein Gag, der auf Fernsehzuschauer wegen dieser Unsinnigkeit sehr komisch wirkte. Doch so unsinnig und fern der Realität war das nicht. So soll es schon Politiker gegeben haben, die das obligatorische Sperrband bei einer Autobahn- oder Brückeneröffnung mehrmals zerschneiden mussten, weil nicht alle anwesende Kameramänner und Fotografen den entscheidenden Augenblick zufriedenstellend hatten ablichten können. Solche Momente „hinter den Kulissen“ der Medienbranche blieben der breiten Öffentlichkeit verborgen. Doch immer öfter sah man schon Einstellungen von eitlen Politikern, die es der Pressemeute recht machen wollten und wie Filmstars oder Fotomodels vor den Kameras posierten.

Ebenso verborgen blieben den Zuschauern der ARD-Tagesschau, die – nach meiner Erinnerung war das zwischen 1991 und 1993 – live von Straßenschlachten zwischen so genannten „Autonomen“ und der Polizei in einer ostdeutschen Stadt berichtete. Ich war damals als freier Mitarbeiter für das NDR-Satire-Magazin „Extra drei“ tätig und sollte aus den Aufzeichnungen der live gesendeten Einstellungen komische Momente herauszusuchen und zu einem Beitrag zusammenstellen. Dazu musste ich in die MAZ („Magnetaufzeichnung“, die Abteilung, in der Ü-Wagen-Übertragungen etc. via Satellit hereinkommen und aufgezeichnet werden) gehen und mir die mehrstündigen und ungeschnittenen Aufzeichnungen der Unruhen vorführen lassen. Dabei fielen mir und dem mir assistierenden MAZ-Techniker auf, dass es keine Straßenschlacht gab, wenn es keine Live-Sendung gab. Sobald aber die Bilder live bundesweit gesendet wurden, und dies geschah während zweier Tagesschau-Sendungen, dann gab es mit einem Mal Randale vor den TV-Kameras. Sobald die Nachrichtensendung zu Ende war, ebbten die Auseinandersetzungen ab und die Randalierer wie auch die Polizisten zogen sich zurück.

Das fand ich sehr komisch. Ich präsentierte meinen analytischen Zusammenschnitt dem Chefredakteuer von „Extra Drei“, Hans-Jürgen Börner, vor versammelter Redaktion. Doch während mein Beitrag von den Kollegen Beifall erhielt, fand Börner den Beitrag keineswegs witzig. Er untersagte brüsk die Sendung meines Beitrags mit der Begründung, es sei als Medienkritik eine Bepinkelung des eigenen Senders. Ja, wenn es nicht der NDR oder die ARD, sondern das ZDF oder irgendein Sender der Privaten gewesen wäre, ja, dannn … wäre natürlich alles ganz anders gewesen. Es gab eine hitzige Diskussion. Kollegen sahen die Sachlage anders und hielten es für angebracht, öffentlich zu machen, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen von Randalierer missbraucht wurde. Es blieb aber beim Nein Börners. Was bei der Sendung meines Beitrages sicherlich auch an die Öffentlichkeit gelangt wäre, war, dass diese ganzen minutiös mitgeschnittenen Einstellungen zweier TV-Kameras nicht nur von mir, sondern auch von Polizei und Staatsanwaltschaft gesichtet hätten werden können. Ob dies jemals geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, denn ich war während der Sichtung der Video-Bänder nur Gast in der MAZ.

Nun aber zeigte Jean-Claude Dassier als Verantwortlicher des französischen TV-Senders LCI mehr Rückgrat und Zivilcourage. Er machte öffentlich, dass Randalierer das Fernsehen für ihre Zwecke ausnutzen. Laut SPIEGEL soll ein LCI-Kamerateam die Worte „Das Fernsehen ist da, ihr werdet gefilmt“ gehört haben. Danach seien direkt vor den Augen der Fernsehleute zwei Autos angesteckt worden.

Befeuern Fernsehbilder die Gewalt?

spionage

CIA will Quelle für Bericht über Geheimgefängnisse finden

sda – Der US-Geheimdienst CIA will untersuchen lassen, wer die „Washington Post“ über angeblich von ihm betriebene Geheimgefängnisse in mehreren osteuropäischen Ländern unterrichtet hat. Dies meldete der US-Nachrichtensender CNN.

Die CIA habe das Justizministerium darüber in Kenntnis gesetzt, dass möglicherweise geheime Informationen an die Zeitung verraten worden seien. Ob es zu einer offiziellen Untersuchung des Ministeriums kommt, blieb aber offen.

Die US-Regierung hat die Existenz der Gefängnisse bisher nicht offiziell bestätigt. Allerdings verdichten sich mit der Übergabe des Falls an das Justizministerium die Hinweise darauf, dass die Angaben der Zeitung zutreffen, wie Experten erläuterten.

Die Zeitung hatte in der letzten Woche unter Berufung auf „amerikanische und ausländische Offizielle“ von bis zu acht Geheimgefängnissen für mutmassliche Terroristen in Osteuropa berichtet. Damit löste die Zeitung bei der EU und bei Menschenrechtsgruppen Besorgnis aus.

Leitet das Justizministerium eine Ermittlung ein, wäre es die zweite Suche nach einer undichten Stelle im Zusammenhang mit der CIA. Erst am 28. Juli war der bisherige Stabschef Cheneys, Lewis Libby, im Zuge einer Untersuchung im Skandal um die Enttarnung einer CIA-Agentin unter anderem wegen Meineids angeklagt worden.

Den Berichten über die angeblichen CIA-Geheimgefängnisse wird auch Ständerat Dick Marty (FDP/TI) im Auftrag des Europarats nachgehen. Je nach Ergebnissen soll dem Thema eine Dringlichkeitsdebatte der Kommission des Europarates gewidmet werden, hiess es anfangs Woche.

Amnesty International – Recherche bestätigt Existenz geheimer US-Gefängnisse
Secret Detention in CIA „Black Sites
Geheimgefängnisse der CIA in Osteuropa?
Testimony of the ‘disappeared’ in the ‘war on terror’

vermischtes

Bush steht mit dem Rücken zur Wand…

Elmar Getto – Schließlich und endlich ist es soweit: Präsident Bush steht mehr und mehr mit dem Rücken zur Wand. Selbst seine Anhänger haben begonnen, sich von dieser Politik abzuwenden. Bedeutet das aber, das er abgesetzt wird? Daß er nicht imstande sein wird, einen aus seiner Bande zum Nachfolger „wählen“ zu lassen?

Die Nation USA ist des Irak-Krieges müde. Zweieinhalb Jahre toter US-Soldaten (inzwischen über 2000), zweieinhalb Jahre ohne erkennbare Fortschritte, das läßt selbst den konservativsten zweifeln, ob man nicht wirklich ohne Konzept jenes Land überfallen hat.

Dazu der Vorschlag seiner Anwältin, die nie Richter war, zum Obersten Bundesgericht, was bereits nach kurzer Zeit zurückgezogen werden mußte. Dazu die Anklage gegen den Führer der republikanischen Mehrheitsfraktion im Senat wegen Wahlvergehen. Dazu die Tatsache, daß nun wirklich an die Öffentlichkeit kommt, daß die Gründe des Krieges nicht falsch waren aus irgendwelchen Mißinformationen oder Irrtümern, sondern schlicht erfunden wurden, wie z.B. das jetzt veröffentlichte Downing-Street-Memorandum. Dazu, daß jetzt feststeht, daß die Bush-Bande aus Rache gegen einen Diplomaten, der eine solche Erfindung publik gemacht hat, die Identität als „Under-Cover“-Agentin des CIA von dessen Frau offengelegt hat und damit deren Karriere beendete. Dazu das Desaster, daß das reichste und technologisch fortgeschrittenste Land der Welt nicht in der Lage war, auf eine Katastrophe wie die des Hurricanes Katrina (und später des Hurricanes Rita) angemessen zu reagieren.

Das alles hat sich nun angesammelt und die Zustimmungswerte für Bush und seine Politik in den USA gehen in den Keller. Bei Meinungsumfragen, die lediglich Wähler erfassen, also nur etwa die Hälfte der Bevölkerung, fiel die Zustimmung von etwa 55 % kurz nach der „Wiederwahl“ auf heute etwa 40%, wobei dies je nach Umfrage etwas schwankt. Das Zogby-Institut findet sogar deutlich niedrigere Zahlen.

Um diese Umfragewerte richtig deuten zu können, muß man wissen, wie in den USA alle Meinungsforschungsinstitute (außer Zogby) ihre Umfragen machen: Sie rufen nach dem Zufallsprinzip bei festinstallierten Telephonen an (der Bereich und die Anzahl der Angerufenen werden dabei nach dem zu erkundenden Thema festgelegt). Damit werden schon einmal alle, die keinen festen Telephonanschluß haben, aus der „Bevölkerung“ ausgeschlossen. Das betrifft vor allem das arme USA, das etwa 20% der Bevölkerung ausmacht. Als Nächstes stellt der Anrufer das Institut vor und sagt, daß man die Meinung des Angerufenen erfragen will. Da viele Menschen (vielleicht nicht ganz so unrecht) mit ihrer Meinung nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen und den vagen Versprechungen über Beachtung der persönlichen Daten nicht viel Glauben schenken, brechen etwa 10 weitere Prozent an dieser Stelle das Gespräch ab. Das erhöht den nicht gehörten Teil der Bevölkerung auf etwa 30%.

Als drittes wird routinemässig die Frage gestellt, ob der Angerufene die Person ist, auf die das Telephon angemeldet ist. Im Verneinensfall wird gebeten, jene Person ans Telephon zu holen oder aber das Gespräch wird abgebrochen. Es wird angegeben, daß man damit vermeiden will, die Meinung unmündiger Kinder zu hören, aber damit wird ausserdem in extremer Weise ausschließlich der männliche Teil der „Bevölkerung“ befragt. Telephone sind nur selten auf Frauen zugelassen. Zwar wird bei einer Anzahl Meinungsumfragen auch gezielt weibliche Bevölkerung gefragt, aber dies trifft nicht auf die üblichen Befragungen zu Wahlen und Politikern zu. Dies verhindert für einen weiteren Teil der Bevölkerung, daß ihre Meinung in diesen Umfragen auftaucht. Es handelt sich um weitere 10 – 20 %, d.h. nun sind bereits zwischen 40 und 50% der wirklichen Bevölkerung aus den Umfragen ausgeschlossen.

Aber damit nicht genug. Jetzt wird als nächste Frage gestellt, ob der Befragte bei der letzten Wahl (je nach Befragung bundesweite, Staats- oder kommunale Wahlen) gewählt hat. Das Interview wird ebenfalls abgebrochen, falls er das verneint. Da nun aber bei den meisten Wahlen in den USA nur etwa 50% der Berechtigten zur Wahl gehen, werden damit von dem sowieso schon auf 50 – 60% reduzierten Anteil der Bevölkerung noch einmal etwa 50% ausgeschlossen. In Wirklichkeit sind es etwas weniger als 50%, weil die Nichtwähler mit den oben schon ausgeschlossenen Gruppen z.T. übereinstimmen, zählen wir also nur 40%. Damit kommen wir also auf eine Zahl von nur 30% bis 36% der Bevölkerung, die bei solchen Umfragen (repräsentativ) befragt werden.

Das mag bei Wahlumfragen noch einen gewissen Sinn ergeben, denn man konzentriert sich auf den Teil der Bevölkerung, von dem man weiß, daß er auch zur Wahl geht, aber bei Zustimmungsfragen zur Regierung bekommt man so eine extrem regierungsfreundliche Auswahl.

Wenn also selbst bei den – sagen wir – 33% der regierungsfreundlichsten in der Bevölkerung Bush nur noch um die 40% Zustimmung bekommt, sie also in der Gesamtbevölkerung unter 20% liegt, dann kann man sich etwa vorstellen, wie sehr Bush mit dem Rücken zur Wand steht.

Er machte auch bereits klar, daß ihn das im Grunde nicht juckt. Er hat zwar sicherlich nicht ein Hinterteil auch nur annähernd so massig wie Kohl, aber er wird das Ding genauso auszusitzen versuchen wie es dieser damals tat.

Das wichtigste Indiz dafür ist sein kürzliches Interview mit der „Washington Post“, in dem er angibt, daß über seine Irak-Politik bereits abgestimmt worden sei vom US-amerikanischen Volk und zwar in den Wahlen im November 2004: „Die Wähler haben mich gewählt“ behauptet er und blockt damit jede Neueinschätzung bezüglich der Irak-Politk ab.

Diese Aussage hat allerdings zwei Haken: Zum einen wurde Bush gar nicht gewählt. Wie Rbi-aktuell in einer Reihe von Artikeln nachgewiesen hat, ist es zu massivem Wahlbetrug gekommen, der dafür sorgte, daß Bush die beiden „knappen“ Bundesstaaten Florida und Ohio zugesprochen bekam. Auch die Gesamtzahl der Stimmen (wenn die auch nicht ausschlaggebend ist) wurde in der Größenordnung von 8 Millionen Stimmen zugunsten Bushs manipuliert. Die wichtigste Manipulationsmethode war offensichtlich die Verwendung elektronischer Wahlmaschinen und elektronischer Stimmzettel-Auswertungsmaschinen, die leicht manipulierbar sind.

Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum Bushs Behauptung, über seine Irak-Politik sei bereits abgestimmt worden, nicht stimmt. Bis vor nicht allzu langer Zeit haben nämlich die US-Massenmedien nicht oder kaum darüber berichtet, daß die Planungen für den Irak-Krieg bis in die Zeit vor dem 11. September 2001 zurückgehen und daß man keineswegs von falschen Geheimdienstberichten getäuscht wurde, sondern solche falschen Berichte selbst produziert hat bzw. klare Aussagen, daß sie falsch sind, einfach nicht zur Kenntnis genommen hat. Dem US-Normalbürger, speziell wenn er der republikanischen Partei zugeneigt ist und nicht im Internet nach alternativen Nachrichtenseiten sucht, war keineswegs klar, daß er in den Irak-Krieg hineingelogen wurde. Nun aber, mit der Aufdeckung der Plame/Chenney/Libby-Affäre, wird selbst in traditionelle konservativen Medien nicht mehr völlig verdeckt, daß es wirklich den Aufbau eines Popanz gab, als die Massenvernichtungswaffen im Irak „gesehen“ wurden und als man herausposaunte, Saddam Hussein habe Verbindungen zur Al Quaida.

In diesem Sinne wird der großen US-Öffentlichkeit erst jetzt langsam klar, daß man mit Lügen in einen Krieg hineingeredet wurde. Zum Zeitpunkt der letzten Präsidentenwahlen war dies keineswegs klar.

Das ist der Hauptpunkt, warum die Umfragewerte für Bush sinken, denn nun beginnen seine eigenen Anhänger zu zweifeln.

Trotzdem hat Bush alle Chancen, seine Amtszeit heil zu überstehen. Nicht, daß nicht auch eine gewisse Anzahl von Kongreßabgeordneten und Senatoren seiner eigenen Partei bereit wären, gegen ihn zu stimmen, sein entscheidender Vorteil ist die Opposition, die demokratische Partei, die zu einem Haufen verstörter Rehe verkommen zu sein scheint. Beeindruckt von der Einstimmigkeit der Medien nach dem 11. September hatten alle kritischen Stimmen in der demokratischen Partei ihre Kritik auf irgendwelche Detailpunkte zurückgeschraubt, um zu verhindern, daß sier als „unpatriotisch“ bezeichnet würden, in den USA ein Todesurteil für einen Politker. Dazu kommt, daß ein wesentlicher Teil der Demokraten überhaupt keine grundlegendend anderen Ansichten als die Bush-Bande hat, bestenfalls in einigen Nebenfragen.

Immerhin besteht jetzt aber die Möglichkeit, daß mit den US-Medien, die langsam beginnen, ansatzweise umzuschwenken und in bestimmten Fällen auch kritischen Stimmen Raum geben, auch der wesentliche Teil der Demokraten langsam wieder aus der Totenstarre erwachen könnte. Aber von da bis zu einem erfolgreichen „Impeachment“-Prozeß ist es ein langer Weg.

Ist nun aber wenigstens sichergestellt, daß Bush, der ja nicht wiedergewählt werden kann nach 8 Jahren Amtszeit, von einem demokratischen Präsidenten gefolgt wird? Keineswegs! Die Wähler, die Bush jetzt ablehenen, haben sich nämlich keineswegs den Demokraten zugewandt in ihrer grossen Mehrheit, sondern dem Lager der Unentschlossenen. Das ist auch kein Wunder, denn die Demokraten machen in letzter Zeit einen so kläglichen Eindruck, daß der typische US-Wähler sich abwendet, denn er kann alles leiden, nur keine notorischen Feiglinge.

Es ist aber auch in Frage zu stellen, ob ein zukünftiger demokratischer Präsident denn überhaupt irgendeinen Unterschied machen würde, und wenn, ob es ein positiver wäre. Die Demokraten haben in der Geschichte gezeigt, daß sie die Interessen des US-Imperialismus mindestens genauso konsequent verfolgen wie die Republikaner, ja daß sie in Fragen von Kriegen sogar aktiver waren als republikanische Präsidenten.

Man muß sich ja klar machen, daß, wenn Bush in etwa mit Stoiber vergleichbar ist, ein möglicher demokratischer Kandidat am ehesten mit Westerwelle zu vergleichen wäre, d.h. der US-Wähler hat eine wirklich erbärmliche Auswahl, wie der Vergleich deutlich macht.

Was allerdings ein ganz anderes Kapitel ist als die innenpolitische Lage in den USA ist das Ansehen der USA im Ausland und speziell das Prestige, das US-Präsidenten dort genießen. In dieser Hinsicht hat sich in den letzten Jahren allerdings sehr viel getan und das ging nicht zuletzt auf das Konto von George W. Bush. Nicht nur, daß es eine Welt-Öffentlichkeit gibt, die, soweit sie politisch bewußt ist, klar und mehrheitlich die aktuelle US-Politik ablehnt, wie es vor Beginn des Irak-Krieges in mächtigen Demonstrationen über den ganzen Erdenrund zum Ausdruck kam oder auch in Umfragen, die in ganz Europa gemacht wurden, in denen die US-Regierung eindeutig als wichtigste Bedrohung des Weltfriedens benannt wird.

Was hier weltweit an Porzellan zerbrochen wurde, ist unabschätzbar. Sind die USA heute der Weltenherrscher, so hat sich die internationale Situation doch auch schon so weit gegen sie entwickelt, daß nur noch von einer bereits eingeschränkten Herrschaft gesprochen werden kann.

Dies zeigt sich bis jetzt einerseits in den Gegen-Demonstrationen, die in jedem beliebigen Land riesig sind, falls Bush sich dort blicken läßt. Die letzten Beispiele in Argentinien und Brasilien bestätigen nur, was man auch schon vorher wußte.

Deutlich wird dies aber auch daran, daß die fast völlige Unterwürfigkeit, die vorher von fast allen Regierungen der Welt dem Besitzer der Erde gegenüber gezeigt wurde, nun bereits auffällig viele Ausnahmen kennt.

Da wagen es z.B. die Gewaltherrscher von Staaten wie Nord-Korea, Iran und Usbekistan sich, offen und frech den Wünschen der US-Regierung nicht zu entsprechen. Nord-Korea stellte jüngst neue Bedingungen, die für die USA schwer annehmnbar sind. Der neue iranische Präsident erinnerte in aller Klarheit, was dies Land schon früher gesagt hatte: Der zionistische Staat Israel muß von der Landkarte radiert werden. Der usbekische Präsident forderte einfach die US-Truppen auf, den Stützpunkt in seinem Land zu räumen, der wegen der Nähe zu Afghanistan von großem Interesse war.

Aber auch demokratisch gewählte Präsidenten wie die von Venezuela, Brasilien oder Argentinien unterwerfen sich nicht mehr so einfach den Diktaten aus Washington. Der Prozeß der Entwicklung der Interamerikanischen Freihandelszone (ALCA in spanischer Schreibweise) ist nun praktisch seit eineinhalb Jahren ohne jeden Fortschritt. Der ursprüngliche Zeitplan hatte ein Inkrafttreten im Jahr 2005 vorgesehen. Heute ist fraglich, ob sie überhaupt je aus den Schubladen herauskommt.

Die drei genannten Präsidenten haben bereits klargemacht, daß sie jeden weiteren Fortschritt der ALCA blockieren wollen, wenn die USA nicht von ihren hohen Agrarsubventionen herunterkommt, was sich Bush wiederum innenpolitisch nicht leisten kann, ebensowenig wie ein demokratischer Präsident. Weit hinten am Horizont taucht jetzt bereits die Möglichkeit einer Freihandelszone auf, die (fast) ganz Amerika einschließlich Kuba, aber ohne die USA und Kanada umfassen könnte.

In internationalen Maßstab haben die USA in einem Maße an Terrain verloren, den die Fortschritte auf der anderen Seite (Georgien, Ukraine, Libyen) kaum wettmachen können. Wer in absehbarer Zeit langsam mit dem Rücken zur Wand geraten wird, ist nicht mehr einfach ein US-Präsident, es ist der ganze US-Imperialismus.


vermischtes

Wohnst du schon oder hämmerst du noch?

Harald Haack – Das schwedische Möbelhaus mit dem Namen, der an einen frechen, neuseeländischen Papagei erinnert, hatte schwedische Armeleute-Möbel als trendiges Puristen-Design mit Abenteuer-Effekt gesellschaftsfähig gemacht. Während sich das Äußere dieser Möbel im Lauf der Jahrzehnte mehr und mehr vom Obstkisten- und Holzverschlagstil entfernte und nun eine gewisse Eleganz den zumeist jungen Käuferinnen vorgaukelt, entwickelte sich parallel dazu der Baumarktstil und kehrt als „Repro-Design“ zu den Wurzeln zurück.


Selbstbau-Möbel im Baumarktstil: Große Geniestreiche in Sachen Design sind nicht zu erwarten

Einst wurden die Schwedenmöbel von Volkseigenen Betrieben in der DDR produziert („Made in GDR“), nun aber kommen sie überfrisch aus Rumänien. Offenbar ist die Nachfrage so enorm angewachsen, dass jetzt nur noch klitschnasses Holz verarbeitet wird. In trockene, mit Zentralheizungen ausgestattete Wohnungen gestellt, verströmen diese Möbel nicht nur übers ganze Jahr verteilt einen weihnachtlichen Fichtenduft, mit dem Knistern und Knacken des nun schnell trocknenden Holzes simulieren sie einen Sound, wie man ihn nur von einem hell lodernden Kaminfeuer her kennt. Wer jedoch auf diese heimelige Atmosphäre verzichten möchte, und sich auf den echten Selbstbau seiner Möbel besinnt, sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass er dafür praktisch kein Holz kriegt – obwohl die Baumärkte davon voll sind.

Holz führen die Baumärkte in jeder bekannten Form: Fichte zerschreddert und mittels Leim und hohem Druck zu Spanplatten gepresst; Fichten-Holzstaub mittels noch höherem Druck und Formaldehyd zu MDF-Platten gepresst; Fichte in Dachlatten zersägt; Fichtenbretter zu Panelbretter gefräst und Fichtenlatten zu Leimholz verleimt. Und was ist mit dem härteren Kiefernholz? „Das führen wir nicht mehr“, lautet oft die Antwort der in den Baumärkten umhergeisternden Verkäufer. Zu teuer sei es geworden und deshalb wolle es keiner mehr kaufen. Ramin gibt es nur noch in Form von Leisten. Fragt man nach anderen einheimischen Holzsorten wie Buche, Eiche, Linde oder Kirsche, Esche, Birke, so muss man damit rechnen für verrückt erklärt zu werden. Nach Tropenhölzern braucht man gar nicht erst zu fragen. Die werden längst geächtet – wegen der Abholzung des Tropenwaldes. Doch selbst Plantagenholz wie Teak ist in Baumärkten nicht zu haben.

Der Holzmarkt hat sich gewandelt. Holz ist nicht mehr für Ottonormalverbraucher erhältlich. Holz ist in die Fänge der Konzerne der Möbelindustrie geraten. Und die bestimmen, welche Holzart gerade „gefragt“ ist. Mit der großindustriellen Vermarktung von Holz aber wächst auch die Verbreitung von Möbeln, deren Holz mit Pestiziden wie Lindan verseucht ist. Dieses Pestizid verwendet die Holzindustrie oft unmittelbar nach dem Fällen der Bäume an und erneut bei der Lagerung. Man muss sich nicht erst giftige Holzschutzmittel kaufen und in der Wohnung verarbeiten, die Möbel können auch unbehandelt krank machen.

Und weil dies so ist, wurden Zertifikate und Prüfsiegel – auch für Holz – geschaffen. Sie sollen die Verbraucher in Sicherheit wiegen. Doch was ist das für eine Sicherheit, wenn zum Beispiel der „Blaue Umweltengel“ keine Sicherheit für die Gesundheit der Verbraucher bietet, sondern nur symbolisiert, dass das betreffende Produkt umweltgerecht entsorgt werden kann!

Wer sich seine Möbel selbst zusammenzimmern und auf potthässliche Spannplatten verzichten will, muss dafür gezwungenermaßen Fichten-Leimholz kaufen und darf hoffen, dass es frei von Lindan ist. Große Geniestreiche in Sachen Möbeldesign sollte man von seinen Leimholzmöbeln allerdings nicht erwarten. Wenn auch das weiche Fichtenholz die Möglichkeiten sehr einschränkt, so erinnern die damit zustande gekommenen Kisten immerhin an die schlichten Möbel armer schwedischer Landbewohner zur Zeit des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts.

Bauplanwelt – Bau- und Bastelpläne Heimwerker und Profis

spionage

Amnesty International – Recherche bestätigt Existenz geheimer US-Gefängnisse

AI – Berichte ehemaliger jemenitischer Gefangener bestätigen, dass der US-Geheimdienst CIA Verdächtige an Orten auf der ganzen Welt „verschwinden“ lässt. ai veröffentlicht heute einen Bericht über Muhammad al-Assad. Der Jemenite lebt seit 25 Jahren in Tansania. Sicherheitskräfte des Landes nahmen ihn im Dezember 2003 fest und übergaben ihn an US-Amerikaner, vermutlich Mitarbeiter des CIA. Über 16 Monate erfuhr al-Assads Familie nichts über sein Schicksal. „Der Fall von Muhammad al-Assad zeigt eindrücklich, dass die USA in ihrem so genannten Krieg gegen den Terror systematisch die Menschenrechte verletzen“, sagte Ferdinand Muggenthaler, Amerika-Experte bei ai. „Die USA müssen alle geheimen Haftorte offen legen und die Gefangenen entweder freilassen oder in einem fairen Verfahren anklagen.“

Im Mai 2005 übergaben US-Beamte al-Assad sowie seine zwei Landsleute Salah Nasser Salim Ali und Muhammad Faraj Ahmed Bashmilah den jemenitischen Behörden. Alle drei waren ohne Kenntnis voneinander in geheimer Haft gehalten worden. Sie sitzen im Jemen weiterhin im Gefängnis, ohne dass dort etwas gegen sie vorliegt. Die detaillierten Schilderungen Muhammad al-Assads decken sich mit den Berichten von Salah Nasser und Muhammad Faraj, die ai im August 2005 veröffentlicht hat. Muhammad al-Assad berichtete, dass er in verschiedenen US-Verhörzentren eingesperrt war. Die ganze Zeit über hatte er keinerlei Kontakt zur Außenwelt oder zu Mitgefangenen. Die letzten 13 Monate verbrachte er in einem modernen Komplex in Isolationshaft. Er war 24 Stunden am Tag Kunstlicht und ununterbrochener Beschallung ausgesetzt.

Seit längerem wird vermutet, dass der US-Geheimdienst hochrangige Al-Qaida-Gefangene an geheimen Orten festhält. Die „Washington Post“ meldete vergangene Woche, die CIA betreibe Haftzentren unter anderem in einigen osteuropäischen Staaten. ai weist seit längerem darauf hin, dass die USA Gefangene „verschwinden“ lassen. Die ai-Recherchen lassen aber auch darauf schließen, dass dies nicht nur mutmaßliche Al-Qaida-Führer betrifft. Wie die Berichte der Jemeniten zeigen, ist das System illegaler Auslieferungen und geheimer Verhörzentren offenbar größer als bisher angenommen. „Alle Länder, die bisher an diesem völkerrechtswidrigen System mitgewirkt haben, fordern wir auf, den USA ihre Unterstützung zu entziehen“, sagte ai-Experte Muggenthaler.

Secret Detention in CIA „Black Sites
Geheimgefängnisse der CIA in Osteuropa?
Testimony of the ‘disappeared’ in the ‘war on terror’