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Abacha-Gelder: Verfahren läuft

Lausanne – sda – Das Prozedere um die Rückgabe der Gelder des ehemaligen nigerianischen Diktators Abacha an Nigera soll nicht gestoppt werden. Das Bundesgericht sieht dazu keinen Grund. Daran ändere auch die Festnahme eines Sohnes von Abacha in Deutschland nichts.

Das Bundesgericht im schweizerischen Lausanne hat eine entsprechende Klage des inhaftierten Abba Abacha und seines Bruders sowie ihrer verschiedenen Firmen abgewiesen. Abba Abacha war am 9. Dezember im deutschen Neuss auf Betreiben der Genfer Justiz verhaftet worden. Der Genfer Untersuchungsrichter Daniel Dumartheray verdächtigt Abba Abacha unter anderem der Geldwäscherei, der Beteiligung an einer kriminellen Organisation und des Betruges. Ein Appellationsgericht in Düsseldorf hatte im Januar die Haftentlassung von Abba Abacha abgelehnt.

Strafverfahren dauert
Für das Bundesgericht rechtfertigt dieser Entscheid nicht die Aufhebung des Rückgabeverfahrens in der Schweiz. Dies vor allem deswegen, weil das in Genf eröffnete Strafverfahren auch in naher Zukunft nicht abgeschlossen werden kann.

Selbst wenn die Genfer Justiz zurückgepfiffen werden könnte, einen Teil oder das gesamte Vermögen des Abacha-Clans an Nigeria zurückzugeben, ändere dies nichts am Entscheid. Ein Rechtshilfegesuch müsse prioritär behandelt werden, schreibt des Bundesgericht.

Gelder eingefroren
Im Verlaufe von Untersuchungen und als Folge mehrerer Rechtshilfegesuche aus Nigeria hatte die Genfer Justiz das Einfrieren der Gelder angeordnet. Mehrere hundert Millionen Dollar wurden blockiert. Am 18. August 2004 beschloss das Bundesamt für Justiz die Rückgabe von 500 Millionen Dollar (über 610 Millionen Franken) an Nigeria. Abba Abacha und sein Bruder Mohammed kontrollierten einen grossen Teil des Geldes, das ihr Vater Sani Abacha während seiner Zeit als Diktator von Nigeria zwischen 1993 und 1998 anhäufte. Ein Grossteil der 2,2 Milliarden Dollar, die Abacha der Zentralbank von Nigeria entzog, wurde bei Schweizer Banken hinterlegt.

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Mafia wählte Bush

Die Colombo-Mafia-Familie unterstütze das Bush/Cheney-Team in der Wiederwahl zur neuen Amtszeit. Wie aus den Daten bei Opensecrets.org hervorgeht, spendeten die beiden Multimillionäre und Geschäftspartner John Staluppi und John Rosatti Tausende von Dollars in die Kriegskassen der Republikaner. In Florida und New York betreiben die beiden Auto- und Immobilien-Firmen, sie gehören zu den reichsten Amerikanern und sind Besitzer von Helikoptern, Jets und diversen Yachten. Mit Octopussy, Moonracker und Thunderball, allesamt James Bond Namen, besitzen sie im Moment die weltschnellsten Schiffe, die ihnen Weltruhm und Beachtung unter den Liebhabern schneller Boote eingebracht haben. Doch die beiden Italo-Amerikaner wurden auch von der Bundespolizei FBI beachtet – und als Mitglieder der altehrwürdigen Mafia-Familie der Colombos identifiziert.

Seit Jahren ging das Gerücht um, dass Staluppi und Rosatti mit der Mafia verbunden sind. Laut Salvatore (Big Sal) Miciotta, einem Mafiaaussteiger und FBI-Informanten, unterstützen die beiden Mafiosi nicht nur die Bush/Cheney-Kampagne, sondern finanzierten auch den Mafiakrieg der Colombos in den 90er Jahren, der einige Tote forderte. „Wir haben immer gewusst, dass Staluppi und Rosatti zur Familie gehörten“, meint der Pensionierte FBI-Agent Larry Doss. Doss überwachte in den 80er Jahren die verdeckten Ermittlungen gegen die Mafia in Florida. Beweisen konnte die Polizei indes nie etwas. Staluppi-Anwalt Gerald Richman präzisiert, dass sein Klient wohl einer der bestüberwachten Personen gewesen, aber doch ein respektabler Geschäftsmann sei. Staluppi selber dementiert vehement mit der Mafia involviert zu sein.

Doch die Behörden sehen das anders: John Rosatti, Staluppis bester Freund und Geschäftspartner wurde von der Casino-Kontrol-Kommission in New Jersey als „gemachtes Mitglied“ der Colombo-Familie klassifiziert. FBI-Untersuchungen zeigen, dass Rosatti und Staluppi während des Mafia-Krieges die Orena-Gruppe unterstützten, dann aber, nachdem Vic Orena 1992 inhaftiert wurde, die Seite zu Persicio wechselten. 50.000 Dollar war ihnen die Verteidigung von Orena und Pasquale Amato wert, inklusive Helikopter für Hochrangige Syndikatsmitglieder für geheime Treffen in NY. Staluppis Firma „Dillinger Charter Services“ wollte für einen Helikopter Shuttle speziell für Casino Betreiber von New York eine Lizenz. Diese wurde verweigert, die Behörden stützten sich dabei auf einen Undercover-Agenten, der sich in den 80er Jahren als Staluppies Limousinen-Fahrer in die nächste Umgebung des 007-Teams einschleichen konnte. Die Reporte des Agenten beschrieben wie er Staluppi zu Treffen mit hochrangigen Colombo-Mitgliedern, darunter Carmine (die Schlange) Persico gefahren habe. In Anhörungen bestätigte der Agent die Telefonbücher und Tages-Agenden seines „Bosses“ gesichtet und dabei Nummern und Namen der Mafia Familie entdeckt zu haben. Darunter illustre Namen wie: Victor Orena, Theodore Persicio Senior und Pasquale Amato. Staluppe war zu den Partys und gar zur Hochzeit des Capo Dominick „Donnie Shacks“ Montemarano eingeladen. Dies wusste Staluppi zu bestätigen: „Aber nur aus Geschäftsgründen“, wie er meint. Er verkaufte den Capos Autos, er kaufte mit dem Sohn von Persicio gemeinsam Häuser, er kaufte sich einen Teppich vom Capo und war ein Freund von Amato. Selbstverständlich wusste er nicht, dass seine Freunde die Elite der Colombo-Familie war.

Staluppi nennt ein 4,7 Millionen Dollar teures Anwesen in Palm Beach sein eigen. Dazu gesellt sich exklusives Eigentum in Long Island, Columbus Ohio, Montano und Wyoming. Das Leben war allerdings nicht immer aus dem Füllhorn. Seine Kariere begann er ironischerweise als Autodieb. Die Autos verscherbelte er mit fingierten Seriennummern, wurde verhaftet, erklärte sich schuldig und kam mit fünf Jahren auf Bewährung davon. In dieser Zeit gründete er mit Rosatti einen Honda-Dealer-Laden in Florida. Einige Jahre später hatten sie 29 davon. Im Jahre 2001 wurde die Rosatti–Staluppi-Auto-Gruppe als die zwanzig grösste mit einem Umsatz von 900 Millionen Dollar gefeiert.

Die legalen Geschäfte gehen so gut und glatt, das will investiert sein. 2002 bekamen die Politiker Jeff Koons 5.000, Al Zucaro 3.500 und Mary McCarty 2.500 Dollar. Sie schlitterte unlängst in einen „Fund raising“-Skandal. Der Republikaner Mark Foley bekam 5.000, Karen Marcus 46.000, Präsident Bush 6.000 und 15.000 Dollar die Elefanten-Partei (Rep). Soviel Gütigkeit will belohnt sein. Unlängst durfte Staluppi dafür einen Park an der beliebten Riviera Beach zu günstigen Konditionen kaufen. Natürlich mit Meer-Anstoss.

zeitgeschichte

Mit Deep Throat & Koks im Hinterzimmer der Mafia

Stephan Fuchs – Deep Throat, der Porno Klassiker aus dem Jahre 1972 kommt nach mehr als dreissig Jahren zurück in die Kinos. Der „Summer of Love“ 1967 führte dazu, die verklemmten Gemüter in der ganzen westlichen Welt aufzubrechen und nicht nur die damalige Jugend entdeckte ihr Recht auf die Lust, sondern auch die Filmindustrie.


„Fuck her, hurt her, rip her!“

Plötzlich war es schick, sich in den Kinos des Times Square Streifen wie „Deep Throat“, „The Devil In Miss Jones“ und „Behind The Green Door“ anzusehen. Eine Heerschar ausgehungerter Männer und Frauen strömte in die Kinos, um die neue freie Nacktheit zu sehen und einen Hauch der sexuellen Revolution mitzubekommen. Der Erfolg von „Deep Throat“ ließ dunkel ahnen, was für Möglichkeiten im Pornogeschäft steckten. Bereits 1973 hatte Deep Throat sechs Millionen Dollar eingespielt und kletterte insgesamt auf 600 Millionen US Dollar.

Gewinnspannen für die ein Regisseur in Hollywood in die Chefetage befördert würde und ein Markt, der genauso lukrativ wie gefährlich ist. Innerhalb einer Woche hatte der ehemalige Friseur Gerard Damiano den Streifen mit einem Budget von lediglich 25.000 Dollar abgedreht… mit dem Geld der Mafia-Familie Colombo. Die Familie kontrollierte in den 70er Jahren die 8-mm-Porno-Produktionen die in den versteckten Hinterzimmern New Yorks gedreht wurden. Goldbehängte Pimps und Hustler in Seidenanzügen und Krokodillederschuhen verdienten sich mit den so genannten Skin Flicks ihre Cadillacs, Mädchen der Love Generation erlebten dort die bittere Realität mit Gewalt, Kokain und Bestialität. Linda Boreman, Star von Deep Throat, war eines dieser Mädchen.

Alpträume
Ein Autounfall, bei dem Linda Boreman schwer verletz wurde, geschah in den frühen Morgenstunden des 3. April 2002. Der rote Geländewagen fuhr auf dem Highway 470, Colorado Boulevard in Denver. In einer scharfen Kurve versagten die Bremsen, das Auto überschlug sich zweimal und Linda, die nicht angeschnallt war, knallte gegen die Windschutzscheibe. Ihr Körper war zerschmettert. Nach drei Wochen Koma, beschlossen ihre zwei Kinder die Maschinen abzuschalten. Gestorben war die Frau allerdings schon als sie 10 Jahre alt war. Aufgewachsen in einem Armenviertel in New York, wurde sie von ihrem Vater, der Polizist und Alkoholiker war, verprügelt und ausgepeitscht; einigen Angaben zufolge wurde sie auch missbraucht. Mit neunzehn kriegte sie ein Kind, das ihr die Mutter wegnahm und zur Adoption frei gab.


Im späteren leben mit Brustkrebs kämpfen

Mit 20 lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen. Sein Name war Chuck Traynor, ein robuster Kerl, der am Rande der Mafia Untergrundwelt lebte und ein Schläger wie ihr Vater war. Chuck Traynor besaß eine Bar, das Vegas Inn in Miami und eben einen Cadillac. Die wohl naive Linda war beeindruckt, rauchte mit ihm Pot, schluckte Amphetamine und zog schon bald bei Chuck ein. Seine Bar lief nicht, also versuchte er Linda auf dem Markt zu verkaufen. Chucks Idee war nach New York zu ziehen um Linda in einem Bordell unterzubringen. Er schleifte sie mit. Seine Vorstellung, Linda bei Madam Xaveria Hollander, in dieser Zeit die Top Adresse und eine der bekanntesten Bordell Betreiberinnen unterzubringen, misslang ihm. Linda Boreman war zu nett, verkörperte mehr die Hippie Braut der Love Generation, hatte fusslige Haare und unechte Brüste, die sie auf Chucks drängen hatte vergrößern lassen und dadurch im späteren Leben mit Brustkrebs kämpfte.

Loops mit der Mafia
Chucks nächste Idee waren Loops. Fünf bis zehn Minuten dauernde 8-Millimeter-Pornofilme. Die Loops wurden in geheimen Hinterzimmern mit unbekannten Akteuren und Regisseuren aufgenommen, die von der sizilianischen Mafia-Familie Colombo finanziert wurden. Lovelace dreht mit ihnen dutzende Filme, hauptsächlich unter der Regie von Ted Snyder. Ein Typ mit Cowboyhut, Goldketten und einem Fingerring der selbstverständlich aus Diamanten gefertigt war und auf dem TED geschrieben stand. Sein Studio war an der 48th Street in New York in mitten des Rotlichtmilieus. „Sie liebte harten Sex“ meinte einer ihrer Partner, Rob Everett. Snyder war, wie viele andere auch in dem Business, ein manischer Kokser. 1989 wurde Snyder in seinem Vorgarten mit einem Behälter voll Kokain in seiner Hand nach Mafia-Manier erschossen. Unter der Direktion von Snyder wurden die Loops immer abgefahrener und bestialischer.


„Die Leute im Kino hatten keine Ahnung“

Auf einer Cocktail Party machte sich das Paar mit Gerard Damiano bekannt und er war fasziniert von Linda. Damiano schrieb eigens eine auf sie zugeschnittene Story, nämlich Deep Throat! Doch so einfach war das nicht, denn zuerst musste Damiano seine Paten der Mafia davon überzeugen, Linda für den Film zu gebrauchen. Louis „Butchie“ Peraino ein Sohn des Paten der Colombo Familie hatte darüber zu entscheiden. Linda war nicht in seinem Plan für das Shooting vorgesehen, da er viel lieber mit Carol Conners den Film abdrehen ließ. Die hatte große Brüste und war blond. Schlussendlich ging es auch um eine Investition mit dem Geld seines Vaters, er durfte sich also keinen Flop erlauben. Seine Einstellung zugunsten Lindas änderte sich, als Damiano sie dazu brachte Butchie ihre sexuellen Techniken vorzuführen. Butchie war begeistert und nahm sie als Hauptakteurin in den Film auf. 1972 wird der Film Deep Throat produziert. Einer der Mafia Aufpasser, ein junger Kerl Namens Streicher, spielte in dem Screen den Herrn Doktor Harry Reems, der in Linda Lovelaces Rachen, als merkwürdige Laune der Natur, ihr Lustzentrum entdeckt. Damiano kaufte ihm eine weiße Jacke, verpasste ihm eine neue Frisur sowie die passende Brille und so wurde Filmgeschichte geschrieben.

Bittere Realität
Was hinter der Leinwand geschah, darüber berichtete in Vorträgen immer wieder die nicht beachtete oder als Lügnerin dargestellte Linda Boreman alias Linda Lovelace, der Star des Deep Throat Filmes. Sie sprach von Gewalt, Vergewaltigung, Waffengewalt, Drogen und Angst. Was die Zuschauer im Film nicht sehen, erzählt Linda erst einige Jahre später als sie zu einer Gegnerin der Hardcore-Pornografie wurde und aus der bitteren Realität berichtete. Offensichtlich wurde sie von ihrem Ehemann mit Gewalt gezwungen bei dem Streifen mitzuwirken. Im Original – Film erkennt man die Striemen auf ihrem Körper.

“Die Leute im Kino hatten keine Ahnung. Ich hatte Todesangst und wurde vor laufender Kamera vergewaltigt. Millionen Menschen sahen wie ich von mehreren Männern vergewaltigt wurde“, erzählte Linda Boreman auf ihren Vortragsreisen die sie vorwiegend an Universitäten, unter anderem auch an der Kaderschmiede der Yale Universität, im Rahmen feministischer Gruppierungen hielt. „Chuck stand hinter den Kulissen und hatte eine Waffe, mit der er mich zwang. Es ekelte mich.“ Alkohol und Drogen gaben ihr den Rest, um gefügig zu sein, während Chuck und seine Freunde sich Villen und Yachten kauften. Die Frau als Lustobjekt, als Opfer. Nicht nur während der Dreharbeiten, sondern wieder und wieder in sämtlichen Kinos, als Zuschauer während des Filmes riefen: „Fuck her, hurt her, rip her!“ Sie gingen so weit, dass sie gezwungen wurde mit einem Hund zu verkehren. Auch davon gibt es 8-mm-Filme.

Wir machen Kunst
Gerard Damiano, der Produzent des „Deep Throat“ -Filmes, bezeichnet seine Hardcore-Filme als extreme Ausdrucksform der Kunst. Insofern Brutalität und Vergewaltigung als Kunst zu verstehen ist, hat er sicher Recht. Joe D’Amato, ein italienischer Pornoproduzent, meint dazu: „Selbst ein Gerard Damiano kann mir nichts von Kunst in diesem Business erzählen, das ist nur ein fadenscheiniger Vorwand, mit dem er sich rechtfertigen will. Es hat nichts mit Kunst zu tun, einen Porno zu drehen.“ Auch wenn begreiflicherweise nicht viele Frauen den Mut einer Linda Boreman besitzen gegen den Terror ihrer Peiniger, Zuhälter und die Mafia-Familien aufzustehen, gibt es doch Stimmen. Auch von einigen Männern. „Bei den Hunderten von Filmen, in denen ich als Pornodarsteller gearbeitet habe, gab es Fälle, wo die Mädchen vor Schmerzen geweint und geschrieen haben. Frauen und junge Mädchen wurden gefoltert und litten unter konstanten körperlichen Verletzungen, um den Anforderungen des Produzenten zu genügen“.

Ausstieg in die Hölle
Die Karriere von Lovelace bekam bereits 1974 einen ernsthaften Knicks, als sie im Dunes Hotel in Las Vegas wegen des Besitzes von Kokain und Amphetamin verhaftet wurde. Just vor ihrem Versuch die Hardcore-Porno-Szene zu verlassen und auf das relativ harmlose Nachtclub- und Tabledance-Geschäft umzusteigen. Das Aladdin Casino in Las Vegas buchte sie für eine Show, aber schloss sie bereits nach einer Woche wieder, da die Leute enttäuscht waren, sie nicht nackt zu sehen. Das war auch das Jahr, indem sie von Chuck loskam und so ihrer nächsten Hölle entgegen ritt: Die Reise zurück ins normale Leben, vergessen, arm, gedemütigt und krank.

Credits & Verweise für diesen Artikel

  • Der Artikel erschien unter anderem in ensuite kulturmagazin.
  • Bild:
    Dominik Winkelmann, Bern. Aus der Serie Metamorphosen, 130 x 165 cm. Bern, Schweiz 2001

Quellen

[1] Das erste Antipornografiegesetz der USA erließ Präsident Ulysses Grant im Jahre 1873 gegen die neuen, in Massen gedruckten Schundromane. Doch gleich nach der Erfindung der Filmkamera wurden auch schon die ersten Pornofilme gedreht. So genannte Stag Films, fünf- bis zehnminütige Streifen, die meist nicht mehr als den Akt selbst zeigten und nur heimlich in Hinterzimmern gezeigt wurden, tauchten 1896 auf und blieben bis in die späten 60er Jahre neben Sexheften die vorherrschende Form der Pornografie.
[2] Public Hearing anti-pornography civil rights ordinance in Minneapolis, Minnesota in 1983.
[3] Sanday, Peggy Reeves, Fraternity Gang Rape: Sex, Brotherhood, and Privilege on Campus, (New York University Press, 1990), p. 35.
[4] Heindry, John (1997) What Wild Ecstasy
[5] sehr wahrscheinlich handelt es sich hierbei um „Dog Fucker“von 1969.
[6] Axel Estein und Thomas Schweer in einem Interview mit D’Amato bei Splatting Image

zeitgeschichte

Geheimnis um Watergate bald gelöst – Deep Throat angeblich todkrank

Wie John W. Dean , ehemaliger Anwalt von Richard Nixon in der L.A. Times schrieb , wird die wahre Identität von Deep Throat bald gelüftet sein. Die anonyme Quelle, die zum Sturz des amerikanischen Präsidenten Nixon half, ist offenbar todkrank. Dean bezieht sich auf Bob Woodward und den ehemaligen Chefredakteur der Washington Post, Ben Bradlee. Bradlee soll bereits Deep Throats Nachruf geschrieben haben.


Selbst Nixon wusste von der kriminellen Tat.

Ein Raucher soll er sein, Whisky soll er mögen, bisweilen soll er etwas Lärmendes haben und gerne über die Stränge schlagen. Oft weiss er seine Gefühle nicht zurückzuhalten – fatal für einen Mann wie ihn. Deep Throat ist benannt nach dem legendären Film mit Linda Boreman, ein Porno Film der mit Hilfe der Mafia gedreht worden ist . Er, „Deep Throat“ ist die geheimnisvolle Regierungsquelle der USA die vor über 30 Jahren die Watergate Affäre auffliegen ließ und so den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte. Deep Throat ist schlechthin das bestgehütete Geheimnis des Journalismus. Dank ihm wurden die beiden Washington Post Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein zu den unangefochtenen Stars des Investigativen Journalismus, sie gelten gar als Begründer dieses Genres. Die wahre Identität von Deep Throat ist bis jetzt nicht bekannt, nur drei Menschen kennen seinen Namen: Bob Woodward, Ben Bradlee und Carl Bernstein. Die Identität von Deep Throat wird, wie Woodward und Bernstein versprochen haben erst nach seinem Tod bekannt gegeben. Ein dreissig Jähriges Rätselraten wird dann wohl sein Ende finden.

Watergate
In der Nacht des 17. Juni 1972 wurde eine Gruppe von fünf Männern verhaftet, nachdem sie in das Hauptquartier der demokratischen Partei im Watergate-Gebäude in Washington, D.C. eingebrochen waren und dort Abhörgeräte installierten. Offensichtlich war es der zweite Einbruch, die ersten Mikrofone funktionierten nicht richtig. Diese Männer waren Bernard Baker, Virgilio Gonzalez, Eugenio Martinez, James W. McCord, Jr. und Frank Sturgis. Die Beteiligung McCords, der mit dem Komitee zur Wiederwahl des Präsidenten in Verbindung stand, sorgte für Spekulationen über eine Verstrickung des Weißen Hauses in dieses Verbrechen. Und tatsächlich, selbst Nixon wusste von der kriminellen Tat. Präsident Nixons Sekretär Ron Ziegler jedoch dementierte dies, und bezeichnete den Einbruch als „drittrangig“. Bei der Verlesung der Anklage identifizierte sich McCord als ehemaliges Mitglied des Geheimdienstes CIA, was das Interesse zweier Journalisten der Washington Post erregte, die bei der Verhandlung anwesend waren. Diese beiden Journalisten waren Bob Woodward und Carl Bernstein. Sie begannen, mit Rückendeckung ihres Chefredakteurs Ben Bradlee, unermüdlich die Fakten zu den verhafteten Männern freizulegen. Deep Throat half ihnen dabei indem er die jeweiligen Recherche-Ergebnisse bestätigte oder ihnen sagte, wenn sie auf der falschen Fährte waren. Der Präsident schaltete inzwischen die CIA ein, um die Ermittlungen der Bundespolizei FBI zu verschleppen, indem nationale Sicherheitsinteressen geltend gemacht werden sollten. Am 30. April war Nixon gezwungen, zwei seiner mächtigsten Berater zum Rücktritt zu bewegen: H. R. „Bob“ Haldeman (Stabschef im Weißen Haus) und John Ehrlichman (Berater für innere Angelegenheiten). Beide wurden kurze Zeit später zu Gefängnisstrafen verurteilt. Nixon entließ ebenfalls den Rechtsberater des Weißen Hauses John W. Dean, der kurz zuvor vor dem Senat ausgesagt hatte, und später zu einem Schlüsselzeugen gegen Nixon selbst werden sollte. Am selben Tag benannte Nixon mit Elliot Richardson einen neuen Justizminister und gab ihm die Autorität, einen speziellen Ermittler für die wachsenden Ermittlungen in der Watergate-Affäre einzusetzen. Um seine Unabhängigkeit zu gewährleisten, war dieser Ermittler nicht dem Justizministerium unterstellt.

Die Tonbänder
Die Anhörungen, die vom Watergate-Komitee des US-Senats durchgeführt wurden und in denen Dean als Starzeuge neben vielen anderen ehemaligen Schlüsselpersonen der Nixon-Administration ein verheerendes Zeugnis ablegte, wurden fast während des gesamten Sommers 1973 im Fernsehen übertragen und verursachten einen katastrophalen politischen Schaden für Nixon. Die Ermittler des Senats entdeckten am 16. Juli eine ausschlaggebende Tatsache: Alexander Butterfield sagte, dass ein Tonbandsystem im Weißen Haus automatisch alles aufzeichnete, was im Oval Office gesprochen wurde. Diese Tonbandaufnahmen könnten zeigen, ob Nixon oder Dean die Wahrheit über die Schlüsseltreffen im Weißen Haus aussagten. Die Bänder wurden daraufhin sowohl von Cox als auch vom Senat zur Beschlagnahme verlangt. Im Januar 1974 verweigerte Nixon jedoch die Aushändigung der verlangten Materialien. Während Nixon weiterhin die Übergabe der Bänder verweigerte, stimmte er der Übergabe von Abschriften einer großen Zahl von Bändern zu. Sie bestätigten zum größten Teil die Aussagen Deans und führten zu weiterer Erschütterung, als entdeckt wurde, dass ein entscheidender Teil eines Tonbandes, das niemals den Gewahrsam des Weißen Hauses verlassen hatte, gelöscht worden war. Im August wurde ein zuvor unbekanntes Tonband vom 23. Juni 1972, also nur wenige Tage nach dem Watergate-Einbruch, publik, worin Nixon und sein Stabschef Haldeman den Plan zur Blockierung der Ermittlungen durch fiktive Gründe der nationalen Sicherheit schmiedeten. Dieses Band wurde als „Smoking Gun“ , also als rauchender Colt, bezeichnet. Aufgrund der Last dieses letzten Beweisstücks wurde Nixon nun auch von seinen letzten verbleibenden Anhängern im Stich gelassen. Die 10 Kongressabgeordneten, die zuvor gegen den Amtsenthebungsartikel im Ausschuss gestimmt hatten, kündigten nun an, dass sie die Amtsenthebung unterstützen würden. Nachdem die republikanischen Senatoren Nixon mitgeteilt hatten, dass eine Mehrheit für eine Verurteilung stand, entschied sich Nixon zurückzutreten. Am 9. August 1974 trat Richard Milhous Nixon als 37. Präsident der Vereinigten Staaten zurück.

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Right wing leader Blocher elected to the Swiss federal Council

Stephan Fuchs – Switzerland has voted its populist exponent Christoph Blocher to be a member of the executive Swiss federal Council. Mr. Blocher, known as right wing hawk and wealthy industrialist has herewith brought his political career to the top of Swiss politics. With Christoph Blocher, Switzerland has a brilliant and inconvenient politician who, like few before him, will bring an icy breath to the traditionally liberal concept of Switzerland.


“We need a strong man to clean up Switzerland’s mess.” Do we?

Unforgotten are those days of Mr. Blocher’s speeches at the yearly meetings called “Albisguetli Tagung”, organised by his party SVP (Swiss People’s Party). The left feared his sharp tongue, as he called them “the nice left ones” and made them appear responsible for crime, drug abuse and lax immigration laws in Switzerland. He stood on the speaker’s desk, like a wrestler ready to jump, his arms wildly gesticulating and his tirades a guaranteed slap in the face for his enemies. Also guaranteed was the standing ovation and an enthusiastic audience who were left thinking only one thing: “We need a strong man to clean up Switzerland’s mess.”

No doubt, Christoph Blocher is one of the countries most brilliant communicators, an excellent strategist and rhetorician. The political Gladiator did not even fear to attack the “classe politique”, the old established parties. By calling them puppets of the European dictate and a bunch of lazy money-makers, acting like thieves on behalf of the hard working Swiss people’s wallet. His audience and voters see him as one of their own, standing up for the people’s rights.

In fact that is not correct. If you look at those peoples furrowed faces and callous hands one understands that he does not belong to them. Owning a doctor title of law with magna gum laude, a military rank of a colonel (ret.), and as owner of a major chemical factory “EMS Chemie”, with subsidiaries in England and America, he has not much to fear. Except the tax office, and therefore he moved to the tax friendly village Herrliberg. His private wealth culminates up to 2 Billion Swiss Francs.

With his and his colleague’s enormous financial power, he was able to realize a long term offensive propaganda strategy never seen before. The calculation was right. With the party’s colossal financial background he was able to send pamphlets into each single household; Pamphlets against the immigrants, the weak government, against the left, the criminals and the destruction of Swiss fundaments and the selling out to foreigners. This and his well used practise of “I say what you think” brought him masses of politically frustrated followers, who saw a kind of messiah in Blocher. The well calculated result of that is simple. Through the massive movement of farmers, workers and the “decent” Swiss, Blocher became a political power. To end the exodus from the liberal parties to Blocher’s SVP, the liberals had to push their political agenda to the right as well and with that, Blocher’s Politic came to mainstream.

SVP has for many years been ignored and sarcastically been called the party for “angry old men”. These “angry old men” became known as being completely boring and of being negative minded concerning most of Switzerland’s decisions and voting programs, especially with the successful resistance to the EC. By attacking the established parties, they were at the same time not able to present useful concepts to work out Switzerland’s requests. But one thing has been completely overseen by the “nice left ones” as well as by the “classe politique”: The fact that Christoph Blocher’s Fraction was the only driving force in Switzerland’s slow ’n’ low moving Circus of politics. The “angry old men’s” Party made them all, from the left to the right, change their agendas and run a few steps behind, or duck in their graves.

Mr. Blocher didn’t cook his “Swiss Fondue” only with white wine. His even more radical club AUNS, (Campaign for an independent and Neutral Switzerland) includes almost the radical top of the mountain. Founded as Phalanx in 1986 against the membership to the UNO, the NATO and the EC, it became the fundament of the strong Swiss will for their independence and was cleverly used as a crack of the whip, by using slogans and pictures copied by the Swiss pro-Nazis of the Second World War, just like the SVP did. At some speeches in Zurich and elsewhere, Blocher was surrounded by Neo-Nazi Skinheads and did not do much about getting rid of this brown aura. Observing the scene, it even helped him, as he also became something like a pop icon of the “angry youth” with crude ideas.

Now the Gladiator Blocher has become Caesar and in that position his Party probably cut through its own vein of life. If Blocher can’t solve his followers demands and if he stands against their will, the “Swiss Peoples Party” will loose its mentor and with him the force behind the party. Another option could be that a new, even more radical party will take over the “old angry man” as well as the “angry young ones” and push the political landscape even further to the edge of no honour.

Dieser Artikel erschien erstmals 2003 im russischen Institute of Globalization Studies

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Zurück in die braune Zukunft?

In der Schweiz hat der harte Kern der rechtsextremen Aktivisten im Jahr 2001 weiter Zulauf erhalten. Nach Einschätzung des Dienstes Analyse und Prävention des schweizerischen Bundesamtes für Polizei besteht der harte Kern heute aus 900 bis 950 Aktivisten. Das allerdings ist nur die Sturmfront der so genannten Skinheads, die im «Kampf um die Strasse» immer aktiver und hemmungsloser werden. Sie funktionieren ähnlich wie die Schlägertrupps der Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre, die gefürchtete SA, Hitlers Schläger Truppe zu seinem persönlichen Schutz bei dessen Feuerreden. Hinter den Schlägertrupps, steht eine breite intellektuelle und philosophische Front, aus der sich auch eine neue Schutzstaffel SS abzuzeichnen droht und die versucht den Kampf um die Strasse mit geistigen Inhalten zu füllen.


«Ich begrüße alle Anzeichen, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt.“

Nährboden, auf dem okkulte Finsterlinge die paranoiden Ideen vom Übermenschen propagieren, ist wieder gewachsen und vermengt sich mit dem Gedankengut rassistischer Hetzer. Wie Friedrich Nietzsche in seiner fröhlichen Wissenschaft schreibt: «Ich begrüße alle Anzeichen, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt, das vor allem die Tapferkeit wieder zu Ehren bringen wird! Denn es soll einem noch höheren Zeitalter den Weg bahnen und die Kraft sammeln. Denn glaubt mir! – das Geheimnis heißt gefährlich leben! Seid Räuber und Eroberer, so lange ihr nicht Herrscher und Besitzer sein könnt.»

Ein Katalysator, um Okkultismus und Neonazismus zu verschmelzen, war Anton Szandor Lavey. Er gründete in der Walpurgisnacht von 1966 in San Francisco die Church of Satan. Lavey hatte zu den letzten noch lebenden Mitgliedern okkulter Bruderschaften der Vorkriegszeit Kontakt aufgenommen und war eifrig damit beschäftigt, sich ihre Philosophien und geheimen Rituale, die aus der Ära von Hitler übrig geblieben waren, anzueignen. Die Bruderschaften, von denen er sprach, sind die heroische teutonische vergangenheitsverklärende Guido- von-List-Gesellschaft und die Thule-Gesellschaft, bei der Himmler, Hitler, Rosenberg und andere die Knetmasse zum Übermenschen studierten und ihren Bluthass zu dem entwickelten, was unter der SS für Millionen zum Holocaust wurde.

Im Jahre 1912 gründete Rudolf von Sebottendorf den Germanenorden. Der Germanenorden gab 1918 sein Wahrzeichen, das Hakenkreuz, an den aus ihm hervorgegangenen Thule- Förder- und Freundschaftskreis weiter. Der Name, so Sebottendorf, klang geheimnisvoll genug, sagte aber dem Wissenden sofort, worum es sich handelte. Nach einem Jahr der Prüfung im Förderkreis konnte der Adept dann in die eigentliche Thule-Gesellschaft eingeführt werden. Sebottendorf kaufte die Sportzeitung «Münchner Beobachter» und formte sie zu seiner eigentlichen Thule-Zeitung. Adolf Hitler schließlich übernahm die Zeitung seinerseits, be- nannte sie um zum «Völkischen Beobachter», dem NSDAP-Kampfblatt, und übernahm gleich auch noch das Hakenkreuz, die SS-Zeichen und andere Symbole. Die Mitglieder der SS fühlten sich als Herrenrasse.

Heinrich Himmler, oberster Chef der SS, war seit seiner Jugend an Übersinnlichem interessiert und las reichlich esoterische und mythologische Literatur, die mit antisemitischen und völkischen Tendenzen verbunden war. Er glaubte z. B. an eine atlantische Urzivilisation, die er im Norden bei Grönland ortete. Nachfahren von Atlantis vermutete er im Tibet und in Südamerika. Er schickte sogar SS-Expeditionen dorthin, um nach einem «nordischen Rassetypus» suchen zu lassen. Spuren dieser nordischen Rasse entdeckte er auch in Deutschland in Form von Megalith-Kultstätten.

1933 veröffentlichte der Esoteriker und Hellsichtige Karl-Maria Wiligut (866-946), ein ehemaliger Oberst der österreichisch-ungarischen Armee, eine Studie über den «Kreuzzug gegen den Gral», die ihm im Bereich der Templer- und Ketzerforschung Himmlers Aufmerksamkeit weckte. Himmler war beeindruckt von Wiliguts Fähigkeiten und entschied sich, diese einmalige Informationsquelle über alte germanische Traditionen und Religion soviel wie möglich zu benutzen. So entstand zwischen Himmler und Wiligut eine enge Beziehung. Im September 933 trat Wiligut unter dem Pseudonym «Karl-Maria Weisthor» in die SS ein und wurde zum Vorsteher des Departements für Vor- und Frühgeschichte innerhalb des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS ernannt. Zur Entwicklung eines gemeinsamen Korpsgeistes in der SS ließ Himmler von Weisthor den Totenkopfring als Symbol der SS entwerfen.

Weisthors Korrespondenz beinhaltete viele Notizen über gereimte Verse, Runen-Weisheiten, mythologische Dichtung, Aufsätze über Kosmologie und die Epochen der Weltprähistorie, eine Kopie seiner «neun heidnischen Gebote» von 908 mit einem Trankskript in Runenschrift und einem Irminen-Vaterunser in gotischer Sprache. Vieles war von Himmler abgezeichnet worden. Durch seine Arbeit stieg er bis zum SS-Brigadeführer und zum engsten weltanschaulichen und mythologischen Berater Himmlers auf.

Weisthor meinte von dem germanischen Göttergeschlecht der Asen abzustammen. So behauptete er, dass die Bibel ursprünglich in germanischer Sprache geschrieben worden sei. Geschichte, Kultur und Religion der alten Germanen gehen, so Weisthor, ins Jahr 228 000 vor Christus zurück. Damals seien drei Sonnen am Himmel gestanden, und auf der Erde lebten Riesen, Zwerge und andere mythische Wesen. Er verehrte einen germanischen Gott Namens «Krist», den das Christentum sich später als seinen eigenen Erlöser angeeignet haben soll. Um 2 500 v. Chr. sei der Irminenglauben von Krist verkündet worden, dem alle Germanen von da an angehörten. Bei diesem Irrglauben handelt es sich um eine vollständige Umwertung der gesamten christlichen Lehre. Die Satanische Kirche von Anton Szandor Lavey und seine Schweizer Vertretung, die Ritterschaft des Schwarzen Ordens von Luzifer, erheben nun Weisthor und den SS-Totenkopf-Orden zur mystischen Religion. Sie unterhalten die so genannten Totenkopf-Grottos, die der Pflege und Weiterentwicklung dieser Lehren verpflichtet sind.

Im Jahre 934 mietete Heinrich Himmler die Wewelsburg vom Kreis Büren für den symbolischen Mietpreis von einer Reichsmark jährlich. Dort plante er die «Reichsführerschule SS», in der eine einheitliche ideologische Ausrichtung des Führungskaders der Schutzstaffel gewährleistet werden sollte. Der Impuls zur Gestaltung der Wewelsburg ging von Wiligut aus. Er machte Himmler mit einer alten westrätischen Sage von der «Schlacht am Birkenbaum» bekannt, die im 9. Jahrhundert in eine romantische Versform umgesetzt worden war. Diese Sage berichtete von einer künftigen «letzten Schlacht am Birkenbaum», in der ein «gewaltiges Heer aus dem Osten» endgültig vom «Westen» geschlagen würde.

Wiligut sagte Himmler voraus, dass die Wewelsburg das «Bollwerk» sei, an dem sich der «Hunnensturm» bei der von Himmler erwarteten künftigen Rolle der SS in der «großen Auseinandersetzung zwischen Asien und Europa» brechen werde. Eine vom Burghauptmann Manfred von Knobelsdorff ausgesuchte Gruppe junger «ideologisch gefestigter» Wissenschaftler für «germanische Vor- und Frühgeschichte, mittelalterliche Geschichte, Volkskunde und Sippenforschung» wurde für «Grundlagenforschung» im Sinne der SS-Ideologie eingestellt. Gleichzeitig arbeiteten dort Anhänger einer gewissen «SS-Esoterik», einer fantastischen Germanenmystik, die, gepaart mit pseudowissenschaftlicher Rassentheorie, Ahnenkult und Runenverehrung als Extrakt des zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten, deutsch-völkischen Gedankengutes entstanden war und durch den Germanenorden zur Thule-Gesellschaft seinen Weg in die SS fand. Seit 1936 verdichteten sich Himmlers Vorstellungen, in der Wewelsburg nicht nur eine SS-Forschungsstätte unter dem Projekt Ahnenerbe einzurichten, sondern sie darüber hinaus zur repräsentativen und ideologischen Zentrale des SS-Ordens auszubauen. Die Wewelsburg sollte zum «Zentrum der Welt» ausgebaut werden. Im Nordturm befand sich der so genannte «Obergruppenführersaal». 939 legte der Architekt Hermann Bartels einen ersten Entwurf für die Nutzung des Nordturms vor, in dessen Marmorfußboden das Ornament eines zwölfstrahligen Sonnenrads, die «Schwarze Sonne», eingelassen ist.

1943 waren die Bauarbeiten jedoch bereits eingestellt worden. Keine der für Himmler wesentlichen Baumassnahmen in Wewelsburg wurde vollendet. Am 3. März 945 ließ Himmler die Wewelsburg durch den SS-Hauptsturmführer Heinz Macher sprengen, um sie nicht von den amerikanischen i Truppen erobern zu lassen, die zwei Tage später in Wewelsburg einmarschierten. Bis auf die beiden Räume im Nordturm brannte die Wewelsburg vollständig aus. War der angeblich eingeschworene Zirkel um Himmlers Totenkopf- SS tatsächlich auf der Suche nach dem Urhaften Gottesbild, dem faustischen Mensch nahe und dem «Geheimen Wissen» auf der Spur? Spielt gar keine Rolle! Tatsache ist, dass die Zirkel, die das weltanschauliche Fundament erst ermöglicht haben, zielsicher wieder
aufgebaut worden sind.

Wiligut alias Weisthor war zwar einige Jahre lang im engsten Kreis um Himmler tätig. Es ist aber bis heute unklar, ob der Begriff der «Schwarzen Sonne» in der SS und bei der Ausgestaltung der Wewelsburg wirklich eine maßgebliche Rolle spielte, wie es in der rechten Szene immer wieder behauptet wird. Auf jeden Fall taucht das Symbol in den 50er Jahren bei den SS- Führern Mund (Mythos der Schwarzen Sonne) und Landig (Romantrilogie «Götzen gegen Thule») auf. Dort wird die «Schwarze Sonne» zum «Ausgangspunkt der arischen Sendungsüberlieferung und Urquell der arischen Kräfte».

Die Hauptbedeutung dieses Symbols sei das durch die jüdisch-christliche Religion verdrängte «Urwissen um die «Geburt der nordischen Seele aus dem Sternenlicht» und um die Herkunft der Germanen vom «Mitternachtsberg» im hohen Norden, wo einst «Luzifer» als Lichtbringer herrschte, bevor man ihn in das Dunkel der Hölle stieß. An seine Stelle hätten die Juden ihren «zeternden, racheheischenden Stammesgott» gesetzt und damit den Lauf der Weltgeschichte als ewigen Kampf zwischen Thule und Juda programmiert.

Gegen diese behauptete Verdrängung ursprünglicher nordischer Größe ruft Landig die «Schwarze Sonne» als Widerstandssymbol auf. Als ein solches Symbol erscheint das Sonnenrad der Wewelsburg nun auch weltweit im Logo des Online-Dienstes «Thule- Netz». Unübersehbar beherrscht die «Schwarze Sonne» die Hauptseite. Es erscheint im Logo des Thule-Seminars, die Kaderschmiede der Neonazis, unter denen die prominentesten Vordenker der neuen Rechten anzutreffen sind und etlichen anderen Orden, Gruppen und Kulten.

Den Besuchern des Online- Dienstes Thule- Netz wird der in Köln ansässige Armaden-Orden AO, der 976 aus der erwähnten neugermanisch-rassistischen «Guido von List Gesellschaft» heraus gebildet wurde, empfohlen. Der «Armanenorden» wendet sich gegen die von der Schöpfung her gegebene Gleichwertigkeit aller Menschen.

An der Spitze der hierarchisch gegliederten Organisation, deren Glaubensinhalte durch einen Rassen Okkultismus mit theosophischem Einschlag geprägt sind, steht der Großmeister Adolf Schleipfer. Stimme der «Armanenschaft» ist die Zeitschrift «Irminsul», wohl in Anlehnung an Wiliguts Irminenglauben. Regelmäßige Anzeigen finden sich in «Huginn und Muninn», dem Organ der «Arbeitsgemeinschaft naturreligiöser Stammesverbände Europas» (ANSE), welche auch zum Förderkreis des neuen Thule-Seminars zählt.

Auch ANSE kann auf prominente Köpfe zurückgreifen: Anton Pfahler war Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann sowie der ebenfalls verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend. Er ist Kopf des Naturreligiösen Stammesverbandes der Bajuwaren, der eng mit der Arbeitsgemeinschaft Naturreligiöser Stammesverbände Europas (ANSE) zusammenarbeitet.

Die treibende Kraft hinter der auf der Strasse sichtbaren neuen Szene der Rechten ist die Ideologie des immerwährenden Gerangels, der ewige sozialdarwinistische Kampf um Blut, Boden, Überleben und den paranoiden Glauben an den Übermenschen. Hinter den Schlägertrupps steht eine breite intellektuelle und philosophische Front, die versucht, den Kampf mit geistigen Inhalten zu füllen. Thule ist tatsächlich wieder da, das Fundament ist gelegt.

Quellen:
http://www.ns-gedenkstaetten.de/
http://www.infoladen.de/
http://www.idgr.de/
http://www.schwartzeorden.org
http://www.thulenet.com
http://www.thule-seminar.org/
Bundesamt für Polizei Pressemitteilung
Grafik: Thule-Seminar.

Dieser Artikel erschien 2002 in diversen Printmedien

spionage

Geheimdienstchef Porter Goss in der Gosse?

Der neue CIA Chef Porter Goss hat einen schlechten Start. Jetzt doppelt Michael Moore mit einer Filmsequenz seines neuen Filmes „Fahrenheit 9/11“ nach, die eine Interview Passage mit dem republikanischen Senator Peter Goss zeigt. Dabei meint Porter Goss: „Bei der CIA würde ich heute keinen Job mehr bekommen. Ich bin nicht qualifiziert.“ Diese Aussage machte der neue CIA Boss gegenüber Moores Filmproduktionsfirma im März dieses Jahres. Nun wurde Goss vom amerikanischen Präsidenten als Nachfolger von George Tenet ernannt.


„Bei der CIA würde ich heute keinen Job mehr bekommen. Ich bin nicht qualifiziert.“

Unglücklicherweise schaffte es die brisante Sequenz aus Moores Interview nicht in den eben angelaufenen Film „Fahrenheit 9/11“, welcher die Bush Regierung scharf kritisiert. Damals konnte Moore und sein Cutter Team die Brisanz der Aussage selbstverständlicher weise auch noch nicht abschätzen. Wer hätte gedacht, dass nur Monate später eben jener Mann, der sich als unqualifiziert einschätzt, zum Direktor der mächtigen CIA aufsteigen könnte. Der 65 jährige Goss ist ehemaliger Offizier des amerikanischen Militär-Geheimdienstes und der CIA. Für die „Firma“ war er in Europa, Lateinamerika und in der Karibik tätig. In Haiti arbeitete er mit dem Nachrichtendienst des haitianischen Diktators Papa Doc Duvalier und in Nicaragua mit Diktator Anastasio Somoza zusammen. 1971 schied er nach einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung aus den Geheimdiensten aus und musste seine Operationsbasis in London verlassen.

1972 gründete er zusammen mit zwei Spionage-Kollegen der CIA die wöchentlich erscheinende Zeitung „Island Reporter“ und kam so der Politik näher. Mit 1.356 Stimmen gewann er im Dezember 1974 die Bürgermeisterwahl in Sanibel City in Florida. Seitdem ging es steil aufwärts mit seiner politischen Kariere. Seinen Wahlkreis gewann er mit bis zu 70 Prozent der Stimmen und erhielt so den Einzug ins Kapitol in Washington. Zurzeit ist Porter Goss Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus und vertritt seit 1988 den Staat Florida im Kongress. Als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses blockierte er auch die Valerie-Plame-Affäre. Valerie Plame war ebenfalls eine CIA-Agentin, die vom Weissen Haus offensichtlich gewollt der Öffentlichkeit ausgesetzt wurde. Sie ist die Frau des Diplomaten Joseph Wilson. Wilson erregte den Zorn des Weissen Hauses als er öffentlich erklärte, dass die Berichte über Saddams Urankäufe in Niger Unsinn sind. Er war Teilnehmer der Münchner Wehrkundetagung und hat den 11. September 2001 im Kapitol erlebt. Porter und Senator Bob Graham saßen dort gerade gemütlich mit dem pakistanischen Geheimdienstchef General Mahmoud Ahmad beim Frühstück zusammen, als die Nachricht des Angriffes auf das World Trade Center eintraf. Der pakistanische General wurde wenig später als möglicher Al-Qaida Sympathisant entlassen.

Am 16. Juni brachte Goss eine Gesetzesnovelle ein, die einem künftigen CIA-Direktor die Budgethoheit über alle US-Dienste, ein Veto bei der Besetzung ihrer wichtigen Personalien und das entscheidende Wort bei nachrichtendienstlichen Prioritäten verschafft. Punkte, die auf der Wunschliste jedes CIA-Chefs standen und die einer Königinnen-Stellung nahe kommt. Denn bislang ist ein CIA-Direktor nur Präsidentenberater und Koordinator der haushaltsrechtlich selbstständigen separaten Einzeldienste.

Doch Goss ist auch ein Mann der Taten. „Terroristen pieken die Schwachen“ und „wer hierher kommt, der bekommt Probleme“, meinte er. Wie er den Terroristen Probleme bereiten will, demonstrierte er kurzerhand für den Southwest Regional Airport in Fort Myers, Florida. Er liess acht Uzis kaufen. Die kleinen schwarzen Schnellschuss-Maschinenpistolen mit einer Schusskapazität von zehn Schuss in der Sekunde, kamen freilich nie zum Einsatz. „Die Uzis hätten wir gebraucht“, meinte Goss nachträglich, „denn wenn wir das Grosse Spiel spielen, dann sind wir das grosse Spiel.“

Grosses Spiel macht Porter Goss auch in Sachen Geld, ein armer Mann ist er nicht. Der Yale-Universitätsabsolvent der Klasse von 1960 besitzt bemerkenswerte Aktien-Anteile an General Electric, Wal-Mart und IBM, Retreat Farm Produce und Fisher Island in New York. Seiner Frau geht es auch nicht schlecht. Sie hat imposante Anteile an 3M Aktien, der Bank of America, Merck, PPG Industires und Coca Cola. Alle Anteile pendeln im Bereich zwischen 500.000 $ und 5 Millionen $. Zusammengenommen gilt Goss als 53 Millionen Dollar schwerer Mann. Seine Finanzstärke behält er aber unter der Kappe der Schweigsamkeit. Ganz wie es sich für einen Geheimdienstmann gehört.

Dieser Artikel erschien im August 2004 in Printmedien

Weiterführende Artikel:

medien

Spiel Plan

Das Jahrbuch für Kulturmanagement 2005 aus dem Hause Haupt klang auf den ersten Blick als trockene Materie. Huuh, die Kulturmanager kommen! Weit gefehlt. Die lange Zeit unbeachtete Gilde der Kulturmanager erhält hier erstmalig in der Schweiz eine Diskussionsplattform. Das hat mich dann doch gepackt. Tatsächlich entpuppt sich das Jahrbuch als eine Einladung für Kulturschaffende, Kulturinstitutionen, Kulturunternehmen, und Kulturförderer… und, ich bin überzeugt, auch für Kulturkonsumenten. Und hier ist es schon, das Reizwort: Konsument! Kultur ist offensichtlich Ware, die gewinnbringend verkauft, verscherbelt und vermarktet werden will. Kultur im Griff des Kapitals, oder noch schlimmer im Schwitzkasten des Planspieles? Faktum ist, dass Kultur auch in der Schweiz immer professioneller wird, dass Kultur einen Spielplan bekommen hat und das ist sicher nicht schlecht.

Den Satz „Wer zahlt befielt“ allerdings hört man in der Szene immer öfter und zeigt wohl auch die Marschrichtung der Kultur. Sie gehört nicht mehr dem Individuum, sondern dem Kapital und seinen Spielregeln. Längst ist auch in der Schweiz die Zeit vorbei, in der sich Kultur einfach aus einem Bedürfnis entwickelt und entfaltet. Militärische und wirtschaftliche Ausdrücke wie: Strategie, Taktik, Gewinnmargen, Optimierung oder Corporate Identity haben sich in den letzten Jahren etabliert. Kultur ist Markt und der will optimiert sein. Neu ist die Okkupation nicht, denn Kultur war schon immer Spielball. Kultur definiert sich geschichtlich parallel betrachtet über die Moral der Religion, dann über die Politik der Nationen und nun eben in moderner Auslegung als Aufteilung im Marktsegment. Cultural Inc.! Die kritische Auseinandersetzung, leider fehlt sie im Kursbuch, wird nicht gross angesprochen.

Das Sachbuch beschränkt sich dafür nicht auf einzelne Sparten oder eine politische Philosophie, es versucht einen weiten Fächer über alle Mischformen staatlicher und privater, wie auch wirtschaftlicher Kulturförderung zu spannen. Als Grundlagenbuch stellt „Spiel Plan“ eine unverzichtbare Diskussionsplattform zur Verfügung, wo die Schweizer Kultur Professionalisierung in etwa steht.

Spiel plan
Schweizer Jahrbuch für Kulturmanagement
242 Seiten, / einige Tabellen & Grafiken,
kartoniert
ISBN 3-258-06804-6

Dieser Artikel erschien in der Januar Print Ausgabe von ensuite – kulturmagazin

kultur

Reduktion in die Qualität des Klanges

Das Gespräch mit Don Li

Don Li, ich habe Ihnen zwei Sachen mitgenommen: Eine furchtbare CD eines Musikers, den wir beide kennen und eine andere CD, auch schlimm, die Sounds vom Mond Titan, aufgenommen von der Huygens-Sonde.

Oh ja, also die erste CD ist wohl… na ja! Wissen sie was? Ich schenke ihnen das nächste Mal die schlimmste meiner CDs. Was halten sie davon?

Grossartig! Ich befürchte nur, dass Ihre CD, die sie mir schenken wollen, ein Genuss sein wird.

Lassen Sie sich überraschen! Aber die Titan Sound Files… das ist Grossartig. Wieso finden sie die so schlimm?

Allem voran herrscht da oben offensichtlich das grosse Rauschen. Bei genauem hinhören aber, kristallisiert sich ein Ticken… ein sanftes Wummern heraus. Ich war gerührt, denn das ist ein jungfräuliches Geräusch eines uns 1,2 Milliarden Kilometer entfernten Mondes. Das fand ich fantastisch! Es war die Reduktion die das Erlebnis ausmachte. Nachher, bitte entschuldigen Sie, dass ich ausschweife, habe ich Musik von ihnen gehört. Ich war zu Tränen gerührt, ich bekam Hühnerhaut! Auch Sie reduzieren Musik auf die Substanz, auf die Wichtigkeit des einzelnen Klanges und der Repetition. Don Li, Sie sind ein Meister!

Ich danke ihnen… ich glaube meine Musik ist, ähnlich wie bei Ihrem Erlebnis der Musik des Mondes Titan, vom grossen Rauschen befreit. Ich habe alles Rauschen, alle Eskapaden zurückgenommen und die Musik auf den Klang reduziert. Die Musik, die ich im Tonus Labor komponiere und mit den Musikern vom Orchester damit experimentiere, lebt erst durch die Reduktion. Da liegt ein grosses Potential an Energie.

Empfinden sie die Reduktion als Qualität?

Ja, unbedingt! Schauen Sie, es rauscht um uns unaufhörlich. Selbstverständlich ist es ein Genuss, wenn das ein Jazzkonzert, Klassik, irgendein Musikstück ist. Für mich geht das Erlebnis Musik aber weiter. Qualität ist Entwicklungsfähigkeit, Eigenständigkeit, Charakter, tiefes Handwerk, Inhalt. Qualität ist Zeitlos. Qualität ist bestimmt nicht etwas, das schnell kommt und schnell geht. Das Erleben wir auch mit unserem kulturellen Fundament: Klassik, Jazz… Formen, auf die ich mit dem Tonus Orchester zurückgreife…

Sie machen eine musikalische Zeitreise.

Nein, das klingt zu utopisch. Ich verbinde nur Zeiten. Ich versuche die Werte der klassischen Musik mit den Werten des Cyberspace zu verbinden. Eine Verbindung von klassischen Werten, Groove- und Minimal Music. Ich reduziere auf das Wesentliche. Qualität hat nichts mit Menge zu tun… vielleicht im Gegenteil, mit der Leere.

Das ist was ich erlebt habe bei Ihren Kompositionen. Dadurch werden Sie im ersten Moment endlos anstrengend…

…bis Sie sich gehen lassen. Es sind nicht endlose Wiederholungen des immer Gleichen, sondern eine Vertiefung des immer Gleichen…

…genau! Ich empfand es als Befreiung. Die Kompositionen gaben mir das Gefühl der Musik gegenüber mündig zu sein, selber zu entscheiden, was ich damit kreiere. Und dabei habe ich Ihre Musik als geballte Kraft erlebt.

Ja, es ist auch diese geballte Kraft des Zurückhaltens. Stellen sie sich das vor: Sie beherrschen Instrumente in der vollen Virtualität und Bandbreite. Sie dudeln damit eine dicke Wand bis sie explodiert… und Buff… und dann? Nichts geschieht weiter. Halten sie diese Energie zurück und geben diese in einen Ton… in eine Schlaufe, die Tore öffnen sich, der Klang bekommt Tiefe, bekommt Information, und eine neue Qualität. Dann bekommt jede Note Power. Das ist für mich auch Qualität. Dann bekommen Noten einen Kontext.

Kommt es nicht auch auf den Empfänger an, wie er einen Klang aufnimmt?

Sicher, der… wie Sie sagen „Empfänger“… füllt einen Klang mit seinen eigenen Werten. Er gibt ihm Inhalt und modifiziert den Wert der tonalen Information. Genau so wie Sie es bei den jungfräulichen Sounds des Titan Mondes gemacht haben.

Das ist aber eine rechte Herausforderung an den Zuhörer. Um ehrlich zu sein habe ich nur diese einzige Notiz zum Interview aufgeschrieben: Ihre Musik ist nicht Erholung, sie ist Herausforderung.

Sie machten sich wohl eine Reduktion des Interviews. Musik ist immer eine Form der Kommunikation. Sie können sich nach hinten lehnen und unterhalten lassen, oder Sie können sich Räume schaffen, Sie können sich darin aufhalten, forschen, und neues entdecken. Sicher, man muss die Bereitschaft haben zu entdecken, das mag anstrengend sein, muss aber nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass je mehr ein Musiker seine Tonleitern technisch perfekt rauf und runter spielt, also mehr quantitativ arbeitet, desto mehr krebst ein Hörer zurück. Ich habe das selbst auch erfahren. Bis vor kurzem hielt ich mein Labor hermetisch. Das heisst der Hörer kam, wurde mit meiner Musik konfrontiert und ging wieder. Ich habe dabei der Musik das Geheimnis weggenommen. Ich machte keine Ansage, nichts! Das war zu dieser Zeit sicher richtig, denn ich hatte eben mein eigenes Ding erschaffen: mein Labor, und damit musste ich mich auch klar positionieren. Jetzt hat sich das geändert. Ich habe mich positioniert. Und ich habe dabei entdeckt: Ich will nicht einen geschlossenen Raum schaffen, sondern Einladen. Heute mache ich das wieder. Ich erkläre die Musik, lade den Hörer ein, sich vorzubereiten und schaffe es so, die Bereitschaft zum hören zu öffnen. Das hat nicht im Geringsten mit Mystik zu tun, sondern mit meiner Arbeit als Musiker im experimentalen Bereich.

Also doch ein Exzentriker?

Nein, ich muss mich nicht mehr vor anderen – und vor allem mir – nichts mehr behaupten. Ich glaube, das ist der Punkt.

Wie meinen Sie das?

Schauen Sie, ich habe jahrelang gesucht. Kennen Sie das Gefühl? Sie wissen etwas ist da, und sie finden es nicht. Nirgends finden sie das Gesuchte und Sie wissen aber, dass es existiert. Irgendwo da draussen. Ich habe die Musik, die ich wollte, aber nicht gefunden. Also hab ich sie selber gemacht. Ich habe mir mein Tonus Labor eingerichtet, habe meine eigene Musik gespielt, habe experimentiert, habe mich ausgetauscht. Klar ich wurde auch belächelt und schubladisiert…

Jetzt sind Sie ein Meister!

Bin ich das? Ich glaube nicht.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich vergleiche das nun einmal mit dieser Huygens-Sonde: Der Kerl ist vor Jahren los geflogen in eine andere Welt und wurde selbst von NASA Leuten belächelt. Was nützt uns als Gesellschaft da ein fliegendes Ding, haben wir uns gefragt. Reichlich wenig…

…wirklich?

Eben! Huygens gibt unserer Gesellschaft Impulse, abgesehen von technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften. Es gibt uns philosophische und gesellschaftliche Impulse. Neue Sounds, neue Gedanken, dadurch ein neues Verständnis. Vielleicht nicht in unserer Generation, aber bei unseren Kindern. Visionen wie eine Huygens-Sonde, ein vielleicht dummes Beispiel, hat Einfluss auf die Kultur. Sie, Don Li, stehen eben auch weit vorne. Da, wo die Gesellschaftsmusik aufhört, da beginnen sie. Sie kreieren mit Ihrer Musik das Verständnis der Gesellschaft von morgen.

Wenn Sie das so sagen, kann ich das akzeptieren. Ja, ich bin vorne. Ich kreiere, ich bin aktiv am Suchen, ich kann nicht stehen bleiben, auch wenn ich dabei gut Geld verdienen könnte.

Das ist das Los, das Sie tragen.

Ich kann nicht anders. Ich würde mich selber töten, wenn ich des Geldes wegen meine Forschungen unterbinden würde. Viele Musiker haben das gemacht. Sie waren innovativ, sie waren on the edge und haben sich blenden lassen von den vollen Konzertsälen.

Reizt Sie das grosse Geld nicht?

Ich brauche Geld zum Überleben, um meine Versicherungen zu bezahlen und meinen Kühlschrank zu füllen. Wissen sie, es liegt noch so viel in meinen Händen. Ich habe noch so viel zu tun. Ich will da weiter gehen. Die Musik und das ganze daraus resultierende Gebilde sind unerschöpflich.

Wissen Sie was? Vielleicht spielt man Sie in fünfzig Jahren im Stadttheater Bern und alle finden das modern.

Ja, wer weiss. Davon werde ich auch nicht viele Kühlschränke füllen können. Im Moment geht es aber, neben dem Kühlschrank füllen, auch um die Entwicklung einer Sprache für meine Musik.

Wie darf ich das verstehen?

Ich arbeite viel mit dem Streich-Quartett und mit anderen Musikern. Das sind traditionelle Instrumente, Holzinstrumente, Blasinstrumente, Geige. Um einem klassischen Orchester zu vermitteln, was in meinem Kopf an Klangvorstellung herrscht, reichen die traditionellen Ausdrücke, die in der Klassik Verwendung haben, nicht mehr aus. Erklären Sie einem klassischen Orchester mal die Klangfarben in ihrem Kopf. Sounds, die es als Sprache noch nicht gibt.

Das sind Ausflüge auf fremde Monde. Vorstellungen zu benennen und sprachlich begreiflich zu machen für die es keine Worte gibt… Wie erklären Sie denn ihre Klangvorstellungen den Musikern?

Ich habe die Sprache noch nicht entwickelt. Es ist wirklich nicht ganz einfach. Im Moment mit Beschreibungen, oder Umschreibungen. Ich habe gemerkt, dass die Beschreibungen mehr mit einem Gefühl zu tun haben. Ein Adagio zum Beispiel ist jedem Musiker absolut klar. Das klingt so und nicht anders. Erklären sie aber mal den Klang einer aalglatten Fläche. Da kommen sie ins Rutschen.

Können sie das in Bern erreichen? Ich meine, da sind die Forschungsressourcen doch recht begrenzt oder?

Ja, Sie haben zum Teil Recht. Bern hat schon Ressourcen. Gute Musiker, absolut interessante Künstler, die sich weit vorwagen und mit ihnen arbeiten wir zusammen. Doch jetzt darf ich nicht stehen bleiben. Das Tonus Labor wird nach Manhattan New-York gezügelt und ich gehe natürlich mit. Darauf freu ich mich sehr. Da, in N.Y. ist ein noch grösserer Pool an Forschungsmöglichkeiten, ein gutes Netzwerk und eine breitere Austauschmöglichkeit, die meine Arbeit vorantreiben wird.

Was heisst das. Gute Nacht Tonus Labor Bern?

Das Tonus Musiklabor werde ich in beste Hände legen. Das Tonus Labor Bern wird es weiterhin geben, aber es jetzt Zeit mich wieder zu bewegen.

Don Li, Sie zu treffen war eine grosse Bereicherung… herzlichen Dank. Ich wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrer Reise in die Qualität des Klanges.

Don Li & Tonus Music labor

Don Li wurde 1971 in Bern geboren. Mit 16 Jahren schrieb er erste eigene, repetitive Kompositionen und befasste sich intensiv mit den Strukturen der Jazzmusik. Seit seinem 17. Lebensjahr lebt Don Li ausschließlich von der Musik. Don Li wirkte als Saxophonist, Klarinettist, Komponist und später als Produzent auf über 20 CDs und spielte mit unzähligen international renommierten Musikern.
1993 gründete er das für seine Arbeit Grundstein bildende Trio TONUS. Der Klangkörper diente dem Komponisten zur Entwicklung seiner musikalischen Intentionen. Die Gruppe wuchs bald zum Quartett und zum Quintett heran, mit dem neben minimalistisch, repetitiven Strukturen das Erforschen und Erreichen grösstmöglicher Fingerfertigkeit und vertrackter Rhythmen im Zentrum standen. Ab 1996 veröffentlichte er insgesamt vier Tonträger, wovon „Suun“ 1998 zu den best verkauften Schweizer Jazz CDs gehörte.

TONUS-MUSIC ist ein musikalisches und kompositorisches Konzept der Reduktion und Repetition. Dabei interessieren Don Li Elemente der Metrik, der Verzahnung des Gleichgewichts von rhythmischen Strukturen in Kombination mit musikalischer Askese und Meditation. Bislang schrieb er unter diesem sich ständig weiterentwickelnden Konzept über siebzig Kompositionen die er seit 1993 laufend durchnummeriert und mit japanischen Haikus vergleicht.

Im Jahr 2000 gründete Don Li zur Vertiefung und Entwicklung von TONUS-MUSIC, das TONUS-MUSIC LABOR in Bern. Seither arbeitete er dort mit über 80 Konzerten, von tibetischen Mönchen zur Butho Tänzerin bis zu indischen Meistern, und MusikerInnen wie Ania Losinger.

Die Entwicklungen aus dem Labor bezeichnet er als TONUS-MUSIC LABOR RESEACH RESULTS und spielte im Januar 2002 unter diesem Namen am Jazzfestival Bern ein fünfstündiges Marathon-Konzert mit wechselnden Formationen. Das Konzert wurde vom Schweizer Fernsehen für 3Sat und vom Radio DRS2 aufgezeichnet.
2002 gewann Don Li das New York Stipendium des Kantons Bern.
Mit der dort entstandenen 60 Minuten Surround-Komposition „THE LONGEST JOURNEY“, das binnen 6 Stunden zwischen Video-Installation und live gespielter Komposition hin und her spielt, bestätigt sein Interesse an zeitgenössischer Konzeptkunst und wurde im 2003 in der Diapason Gallery in N.Y. uraufgeführt.
Darauf folgte am 1.Mai 2003 die erfolgreiche Uraufführung des 60 Minuten Werkes „TONUS-MUSIC“. Die erste Komposition der Welt für Sinfonie Orchester und Xala.

Im August 2003 präsentierte Don Li am Jazzfestival Willisau seine neuste 60 Minuten Surround-Komposition „TIME-EXPERIENCE“ und setzte damit für Willisau technisch und konzeptionell neue Maßstäbe.
Zurzeit arbeitet Don Li an einer neuen Umsetzung von Steve Reichs Komposition „Different Trains“ aus dem Jahre 1988.

medien

Menetekel – Fotogramme zur Jahrtausendwende

Das Bild ist eine mächtige Waffe. Unablässig schlägt sie auf uns ein, so machtvoll, dass das Hirn nicht mal merkt, dass es längst verkümmert ist. Überdrüssig überfliegt der Zeitungsleser die Pressebilder, mag die geschundenen, verbrannten, ausgemergelten Menschen schon gar nicht mehr sehen. Verständlich, denn die mit rasender Schnelligkeit und Perversität kaum zu überbietende Bildabfolge von kokettierten Minuten-Stars und ihren Schosshündchen, den grinsenden Politikern, mafiösen Wirtschaftskapitänen, den Bombentrichtern und siechenden Menschen schafft es, das Denken über den Informationsgehalt eines Bildes zu zerstören. Dem Schutzmechanismus unseres Hirnes dank… der Platz in den psychiatrischen Kliniken würde wohl noch enger werden. Trotz diesem natürlichen Schutz bewirkt die beständige Bombardierung der Bilder die konsequente Ruhigstellung des Gedankens. Die Konsequenz daraus ist mit Sicherheit eine verheerende Lethargie den Dramen der Welt gegenüber. Die Macht der Bilder und vor allem der Gehalt ihrer Informationen werden erst bewusst beim Innehalten.


Peter Fahr’s „Menetekel“ ist, wie Konstantin Wecker meint, leider ein wichtiges Buch.

Peter Fahr holt aus dieser Lethargie zurück. Sein neues Buch „Menetekel“ ist der Beweis, dass unser Geist sehr wohl bereit sein kann, gerade solche Informationen zu verarbeiten und in einem grösseren Kontext zu verstehen. Peter Fahr ist gebürtiger Berner. Seine arbeiten, Gedichte, Collagen und Geschichten, seine zeitkritischen Essays und politische Lyrik wurde verschiedentlich ausgezeichnet. Mit „Menetekel“ schaffte Peter Fahr ein Werk, das durch seine Schlichtheit absolut besticht. Er vereint die Pressebilder von 170 Ereignissen chronologisch mit einer jeweiligen nüchternen, sachbezogenen Bildunterschrift, welche die Daten und Fakten des Bildes umschreiben. Dazu stellt Fahr wie ein Chor im antiken Drama Vierzeiler in reimender Form. Die quantitative Verringerung auf seine Vierzeiler, steigert in verblüffender Weise die Qualität des Bildes. Peter Fahr schafft es dadurch mit sanfter Ironie, aber auch mit analytischen, zum Teil selbstbissigen Gedankengängen das Geschehen in einen grösseren Zusammenhang zu stellen. Interessant, denn damit durchdringt Fahr den Schutzmechanismus zum denken Hirn und lässt die Bilder aus dem Jahre 2000, die meisten Fotos kennt der Leser aus der Presse, mit anderen Augen speisen. Das Buch will sich langsam gelesen wissen, verführt aber auch zum schmökern, zum einfach mal aufschlagen und überraschen lassen.

Durchaus kann das Buch auch anregen an Peter Fahr’s Gedanken weiter zu knüpfen. Vielleicht – und das wäre zu hoffen, gewinnt seine Form der Vierzeiler für manchen zu einer neuen Quelle der Bildbetrachtung und vor allem Verarbeitung. Bilder – und sind sie noch so grässlich, noch so verlogen und scheinheilig kitschig – sie gehören zu unserem Rüstzeug die Welt zu verstehen. Und darum geht es. Peter Fahr’s „Menetekel“ ist, wie Konstantin Wecker meint, leider ein wichtiges Buch.

Buchvernissage:
Menetekel Fotogramme zur Jahrtausendwende, von Peter Fahr
Lesung: Hans Saner & Sabine Ehrlich
Musik Tinu Heiniger und das Heimatland – Orchester.
Freitag, 25. Februar 2005, Aula Lerbermatt, Kirchstrasse 64, CH-3098 Köniz-Bern

„Menetekel“ Fotogramme zur Jahrtausendwende.
Von Peter Fahr
384 Seiten mit 170 farbigen Fotografien, gebunden , Leinen.
2005 Nemesis Verlag Bern / Bantigenstrasse 43, 3006 Bern
ISBN 3-9520343-3-9