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Xstrata und Glencore – Schweizer Konzerne auf dem Weg zum Rohstoffmonopol?

Dr. Alexander von Paleske – 10.10. 2009 — –Dieser Tage kam eine Meldung über den Ticker, die nur für Eingeweihte etwas bedeutet und deshalb vorwiegend in dem Wirtschaftsteil der Tages- und Wochenzeitungen ihren Niederschlag fand: der schweizer Bergbaukonzern Xstrata hat bis zum 20 Oktober Zeit, ein Cash-Angebot für den südafrikanisch- britischen Bergbaukonzern Anglo-American auf den Tisch zu legen, oder für ein halbes Jahr sich jeglicher Uebernahmeaktivitäten zu enthalten.

Solche Merger bräuchten uns weiter überhaupt nicht zu interessieren, wenn hier nicht die Entwicklung zu einem Rohstoffriesen im Bereich von Kupfer, Platin, Kohle und Gold sich abzeichnen würde, mit den fatalen Folgen der möglichen Preismanipulation und einer überwältigenden Machtposition gegenüber den Rohstoff-Förderländern, also weit überwiegend Ländern der Dritten Welt.

Ein Mann namens Marc Rich und Glencore
Bevor wir uns aber damit damit näher beschäftigen, wollen wir uns mit den drei Firmen, um die es hier geht, vertraut machen. Und prompt haben wir es mit einem Herrn zu tun, der uns bereits im Zusammenhang mit den Spenden für den Ex-US-Präsidenten Bill Clinton beschäftigte: Marc Rich

Marc Rich kann als der Gründer von Glencore bezeichnet werden, eine Firma, die mittlerweile zum umsatzstärksten schweizer Unternehmen aufgerückt ist.

Aber Marc Rich verkörpert nicht den Prototyp eines Tellerwäschers, der sich zum Milliardär hochgearbeitet hat, sondern vielmehr den skrupellosen Geschäftsmann, der offenbar auch die wohlverstandenen Interessen seines Heimatlandes USA, das seiner von den Nazis verfolgten Familie 1942 Zuflucht gewährte, mit Füssen trat. Grober Undank vermutlich eine bessere Beschreibung.

Nachdem er bei einer Brokerfirma in den USA das Handwerk im Rohstoffhandel erlernt hatte, und Zeit und Gelegenheit hatte, Kontakte zu arabischen Ländern und zum Iran zu knüpfen, kam mit dem Yom Kippur Krieg im Jahre 1973 und dem von den arabischen Ländern verhängtem Oelembargo sein erster grosser Coup: Er kaufte Oel im Irak und Persien ein und verhökerte es in den USA zum doppelten Preis.

Berührungsängste mit Diktatoren, Mullahs oder Menschenverächtern kannte Rich nicht. Geld stinkt bekanntlich nicht und davon kann man ohnehin nie genug haben, das war offenbar seine Lebensphilosophie. Und so schlug er besonders Kapital aus internationalen Krisen, wie zum Beispiel dem Konflikt zwischen dem Iran und den USA nach der Besetzung der US- Botschaft in Teheran und der Geiselnahme des Botschaftspersonals.

Während die USA ein Embargo gegen den Iran verhängten, machte Rich daraus ein Geschäft. Auch der Handel mit Apartheid -Südafrika gehörte zu seinen geschäftlichen Aktivitäten. Ein wendiger Herr wie Marc Rich hatte offenbar immer Einfälle, Embargos und Sanktionen zu umgehen – gegen Bares.

So landete er schliesslich auf der FBI-Liste der „Most wanted Persons“. Der damalige New Yorker Staatsanwalt und spätere Bürgermeister Rudolph Giuliani war hinter ihm her. Aber Rich war in der Schweiz und die dachte gar nicht daran, Rich zu behelligen. Schliesslich ist Rich nicht mit Roman Polanski zu vergleichen.

Und noch schöner: seine geschiedene Ehefrau spendete reichlichst für Bill Clintons Wohltätigkeitsvereine und – rein zufällig versteht sich – begnadigte Bill Clinton in den letzten Stunden seiner Amtszeit Marc Rich, wir berichteten darüber.

In der Schweiz gründete Marc Rich die Marc Rich & Co AG, die später dann in Glencore umbenannt wurde.Ein Unternehmen, das mittlerweile direkt oder indirekt 62.000 Menschen beschäftigt und im Jahre 2008 einen Umsatz von 158 Milliarden US Dollar machte.

Denn längst ist aus dem Handel mit Rohstoffen der Besitz von Minen und die Weiterverarbeitung in Schmelzen geworden, wohl wissend, dass nur der Besitz der Rohstoffquellen und die Weiterverarbeitung letztlich eine vorteilhafte Preisgestaltung ermöglicht.

Die Firma Glencore behauptet, sämtliche Kontakte mit Herrn Rich abgebrochen zu haben, das Sagen hat jetzt ein Willy Strothotte, aus Deutschland stammend. Die Firma soll dem leitenden Management gehören. Nachprüfen lässt sich das nicht. Da Glencore keine Aktiengesellschaft ist, besteht keinerlei Publizitätspflicht.
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Diese Firma ist aber keineswegs ein Wohltätigkeitsverein, das lässt sich mit Bestimmtheit sagen.

Für Arbeitsbedingungen in Ländern der Dritten Welt erhielt die Firma den Negativpreis des Public Eye Forums. Konkret: Wegen unsozialen und umweltschädigenden Verhaltens in kolumbianischen Kohleminen.

Xstrata und Glencore
Aber Glencore ist nicht nur Glencore, sondern zu 35% auch an der Firma Xstrata beteiligt.

Willy Strothotte – geschätztes Vermögen des Herrn dank harter Arbeit bei Glencore mittlerweile angeblich 2,6 Milliarden US Dollar – ist dort Aufsichtsratsvorsitzender, wie praktisch.

Und wie Glencore besitzt Xstrata Minen und Schmelzen. Rohstoffe, die von Xstrata gefördert werden, sind neben Kohle und Kupfer Eisenerz Gold und Kobalt. Liest sich fast so ähnlich wie die Rohstoffliste von Glencore. Umsatz 2008: 28,542 Milliarden US Dollar, direkt und indirekt werden 50.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Und auch angeblich unsoziale Arbeitsbedingungen tauchen in der Presse auf. So erkrankte offenbar ein Drittel der Belegschaft des südafrikanischen Tochterunternehmens Vantech an Atemwegsleiden, nachdem sie erhöhten Konzentrationen des giftigen Vanadiumpentoxids ausgesetzt waren. Nach Feststellung der Erkrankung erfolgte die Kündigung.

Und auch jüngst wurde wieder von eskalierenden Arbeitskonflikten in Tochterfirmen von Xstrata und Glencore berichtet.

Nun will Xstrata den Konzern Anglo-American übernehmen. Auch als „Merger of Equals“ bezeichnet.
Bar bezahlt werden soll nichts, sondern lediglich Aktien getauscht werden. Dagegen gibt es Widerstand, vorerst jedenfalls.

Wer ist Anglo-American?
Dieser Konzern wurde 1917 von dem legendären Südafrikaner Ernest Oppenheimer
gegründet und ist einer der führenden Minen- und Rohstoffverarbeitungskonzerne im südlichen Afrika.
Die Rohstoffliste umfasst Gold, Platin, Diamanten, Kohle und Eisen. Passt also gut zu Xstrata und Glencore.

Anglo American ist der weltweit grösste Platinproduzent und besitzt neben den 5 Minen in Südafrika auch noch die entsprechenden Schmelzen. Ueber eine 16% Beteiligung an Ashanti Gold ist Anglo auch noch der viertgrösste Goldproduzent in der Welt.

Mag sein, dass Xstrata jetzt (noch) nicht bei Anglo- American zum Zuge kommt, aber der Plan dürfte dann trotzdem wohl weiterverfolgt werden.

Welche Konsequenzen?
Für Länder der Dritten Welt ergeben sich keinerlei Vorteile aus diesen Monopoly-Rochaden, im Gegenteil. Da die Multis nicht nur Minen kontrollieren, sondern auch die Schmelzen und die anschliessende Vermarktung, haben sie gegenüber Ländern der Dritten Welt eine Machtposition, gegen die kaum anzukommen ist.

Durch die angestrebte Marktmachtstellung können sie gleichzeitig massiven Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen. Es war im Jahre 1973 als Salvador Allende, Präsident Chiles, durch einen vom CIA finanzierten blutigen Putsch gestürzt wurde.
Auf Allendes Liste stand die Stärkung und Ausweitung des Kartells CIPEC ähnlich der OPEC, um die Kupferpreise zu stabilisieren, zum Wohle der Kupfer produzierenden Länder. Chile war und ist einer der grössten Kupferproduzenten.

Ein derartig effektiv handelndes Produzentenkartell zum Wohle der rohstoffproduzierenden Länder ist nicht mehr in Sicht. Stattdessen haben wir nun Glencore, Xstrata und Anglo-American.

NACHTRAG vom 12.10.2009
Kaum hatte wir unseren Artikel über Xstrata und Glencore abgefasst, da kamen weitere Meldungen über den Ticker, die vermuten lassen, dass Xstrata nach wie vor beabsichtigt, die südafrikanisch-britische Firma Anglo American zu übernehmen.
Und im Gegensatz zur bisherigen versuchten Uebernahme, soll nun offenbar auch Cash angeboten werden.
Zu diesem Zweck verkaufte Xstrata seinen 70% Anteil an der chilenischen Kupfermine El Morro an die kanadische Bergbaufirma Barrick- Gold.
Macht Summa summarum 465 Millionen Dollar.
Mit der Firma Barrick Gold hatten wir uns bereits früher beschäftigt.

Aber damit nicht genug: Auch Kohleminen in Kolumbien, die Xstrata der mit ihr verbandelten Firma Glencore erst im März diesen Jahres abgekauft hatte, und wo offenbar ein Arbeitskonflikt den nächsten jagte sollen nun von Glencore zurückgekauft werden – der Preis soll bei mehr als 2 Milliarden US Dollar liegen.
Mit diesem Geldsack sollen offenbar jetzt die Aktionäre von Anglo- American weichgeklopft werden.

Glencore und Xstrata – Besuch von Demonstranten
Bill Clinton und seine grosszügigen Spender
Gold, Uran, Frank Giustra und Bill Clinton
linkGletscher, Safari und Zyanid – Barricks-Gold

spionage

Bestätigung aus Moskau: „Arctic Sea“ hatte nicht nur Holz an Bord

World Content News – Jetzt geht es ans Eingemachte: Hohe russische Beamte haben am Mittwoch zum ersten Mal bestätigt, dass das in der Ostsee gehijackte Schiff eine verdächtige Ladung an Bord gehabt haben könnte.

Ob bald auch die zahlreichen Spekulationen bestätigt werden, dass die angeblich entführte Arctic Sea möglicherweise Waffen oder sogar nukleares Material transportierte?


Arctic Sea nach ihrer „Zwangs-Umbenennung“ in Jon Jin 2
(Quelle: sledcomproc.ru, Aufnahmeort: Kanaren)

Soweit will der leitende Untersuchungsbeamte in Moskau, Alexander Bastrykin, natürlich nicht gehen. Aber:

Wir schließen nicht aus, dass die Arctic Sea noch etwas anderes transportierte als Holz

gestand er in einem Interview mit der amtlichen Regierungszeitung „Rossiyskaya Gazeta“ ein. Die Zeitung selbst schränkte allerdings kurz danach ein, dass dies nicht bedeute, dass Informationen vorlägen, die auf eine illegale Fracht hindeuten würden.

Der Generalstabschef der Russischen Streitkräfte, Nikolai Makarow fügte hinzu: „Wir wissen nicht was sie transportierten, wir wissen nur es war Holz – was sonst noch, müsse durch die Untersuchung geklärt werden.“ Es wäre außerdem nicht „besonders klar“ welche Motive hinter der Kaperung lägen.


Sichergestelltes „Piraten“-Schlauchboot
(Quelle: sledcomproc.ru)

Soweit der Stand vom 26. August. Grinz :-). Die Behörden haben die runtergelassenen Hosen längst wieder hochgezogen. Eigentlich sind die Untersuchungen inzwischen abgeschlossen, seitdem gab es keine diesbezüglichen Verlautbarungen mehr dazu. Die zuständige Kommission hatte dafür in der letzten Woche Bilder von Beweismitteln veröffentlicht, die belegen sollen, dass das Schiff tatsächlich entführt worden sei.

Und auch aus dem für gestern angekündigten Eintreffen in dem algerischen Hafen Bejaia scheint vorerst nichts zu werden. Laut dem Eigner Solchart befindet sich das Schiff seit Tagen 65 Seemeilen östlich von Gibraltar. An Bord sollen sich bewaffnete Soldaten und die restlichen vier Besatzungsmitglieder befinden.

Deren Angehörige hatten laut dem Seefahrtsexperten Michail Wojtenko am Wochenende an Ministerpräsident Putin persönlich appelliert, ihre Männer endlich nach Hause zu schicken, da sie unter einem schlechten Gesundheitszustand litten.


Stummes Beweismittel: „Zerstörter Alarmknopf“
(Quelle: sledcomproc.ru, mehr Bilder …)

Nicht nur das Interesse der Presse an der Arctic Sea hat inzwischen schlagartig nachgelassen. Weder Russlands Regierung noch den Eigentümern und den Holzfirmen scheint es besonders nahe zu gehen, was mit dem Irrschiff und seiner vielleicht schon verschimmelten Ladung in nächster Zeit passieren soll. Wartet man etwa darauf, dass letztendlich das Meer sich des beschädigten Schiffes erbarmt?

Dabei ist die Reederei Solchart Management, mal heißt es die Firma wäre pleite und dann auch wieder nicht, in letzter Zeit doch besonders vom Schicksal gebeutelt worden, statistisch gesehen so arg, dass man es gar nicht glauben mag:

Neben den Scherereien mit der „Arctic Sea“ wäre z.B. das der Reederei anvertraute Schiff „Arctic Spirit“ im Juli dieses Jahres, wenige Tage vor dem Überfall auf die Arctic Sea, im finnischen Hafen von Loviisa beinahe untergegangen. Ursache: Wassereinbruch im Maschinenraum. Kurioserweise konnte sie die Fahrt mit Holz an Bord bereits wenige Stunden später fortsetzen.


„Arctic Sky“: Schadensmeldung Nr.3 – viel Holz von Solchart

Und vor wenigen Tagen erst der nächste Hammer Neptuns: Ein weitere Schwester der „Arctic Sea“, der Frachter „Arctic Sky“, ebenfalls unter liberianischer Flagge, ebenfalls in Malta registriert und mit einer russischen Mannschaft besetzt, ist am Samstag vor der schwedischen Küste nördlich von Stockholm auf Grund gelaufen. Zuerst hieß es das Schiff sei gesunken, späteren Meldungen zufolge wurde das beschädigte Schiff nach Riga in eine Reparaturwerft geschleppt.

Quellen:
Zurückgelassen auf der „Arctic Sea“
(Tagesschau, 05.10.2009)
Russia Admits Mystery Ship May Have Had Suspect Cargo
(Maritime News, 05.10.2009)
Probing the Arctic Sea conspiracies
(BBC, 05.10.2009)
Arctic Sea sister ship runs aground off Sweden
(The Local, 04.10.2009)
Arctic Sea anchored near Gibraltar
(Nyheter, Google-trans SE-EN, 04.10.2009)

Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

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Robert Friedland hat es geschafft: Schürfrechte für Ivanhoe in der Mongolei

Dr. Alexander von Paleske – Der ehemalige Drogenbaron,spätere Umweltverschmutzer und nunmehr Minenmagnat Robert Friedland hat es mit seiner kanadischen Firma Ivanhoe schliesslich geschafft: Die Regierung der Mongolei plante für heute die Unterzeichnung eines Abkommens mit seiner Firma Ivanhoe über die Ausbeutung der Bodenschätze in Oyu Tolgoi, 60 km von der chinesischen Grenze entfernt.

An der Unterzeichnung sollte der Mongolische Ministerpräsident Sanj Bayaar sowie leitende Angestellte der Minenfirmen Ivanhoe und Rio Tinto teilnehmen. Die global operierende Minenfirma Rio Tinto hält 9% der Anteile an Ivanhoe.

Toxic Bob alias Robert Friedland wollte der Unterzeichnungszeremonie nicht beiwohnen, obgleich er aus dem “sich die Hände reiben” wohl für einige Tage kaum herauskommen wird.

Seit 2001, nachdem er in der Mongolei eines der grössten Kupfer- und Goldvorkommen, Oyu Tolgoi, entdeckt hatte, ist er hinter den Minenrechten her. Dort werden 21 Millionen Unzen Gold und 17 Millionen Tonnen Kupfer vermutet, eines der weltweit grössten Kupfervorkommen überhaupt..

Friedland hat guten Grund dort nicht sich blicken zu lassen, denn bereits im Jahre 2006 hatten empörte Demonstanten aus Protest gegen den Ausverkauf der Minenrechte an Friedland und seine Firma Ivanhoe Puppen, die unter anderem Friedland und den damaligen Premier der Mongolei darstellten, verbrannt.
Nun hat es Friedland also geschafft, nachdem er schliesslich auch noch einen ehemaligen kanadischen Premier namens Jean Chretien mit besten Asien-Kontakten in seine Ivanhoe-Pressure-Group geholt hatte, wir berichteten darüber.

Bessere Bedingungen
Allerdings hat sich auf mongolischer Seite auch etwas getan: Die Minenrechte, die Friedland seinerseits nahezu für n Appel und n Ei bekommen hätte, sind für ihn erheblich teurer geworden.
Der mongolische Staat wird nun zu 34% Miteigentümer der Minenfirma, ohne eigenes Kapital aufzubringen. Das muss Ivanhoe aufbringen, was Friedland nicht schwerfallen dürfte, denn die Investoren stehen vermutlich bereits Schlange. Und der grösste Abnehmer des Kupfers, China, ist nur 80 km entfernt, wie praktisch.

Die Mongolei wird also jetzt auch an den Gewinnen der Firma beteiligt.Da die Kupferpreise rasant im Anstieg begriffen sind und weltweit eine deutliche Knappheit an Kupfer besteht, hätte die Mongolei aber wohl noch bessere Bedingungen erzielen können.

Für „Toxic Bob“ alias Robert Friedland setzt sich aber damit ein „American Dream“ fort. Allerdings nicht der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Milliardär sondern der Aufstieg vom Drogenhändler über den Verursacher von Umweltkatastrophen in Summitville (USA) und dann Guayana bis schliesslich zum internationalen Minenmagnaten. Ein schmutziger Traum in der Tat.

Global Player –
Ex-Drogenhändler Robert Friedland und seine Spießgesellen

Global Player –
Robert Friedland in Guayana und auf den Spuren von Dschingis Khan

Minenbosse tagen, Robert Friedland Key Speaker
Neues von Robert Friedland, Bill Clinton und Frank Giustra – oder: wie man Politiker als Türöffner einsetzt

Frankreich

Frankreich: Ein Ex-Geheimdienst-General sagt aus – Wende im Clearstream Prozess ?

Dr. Alexander von Paleske – In Strafverfahren, bei denen der Sachverhalt komplex ist und die Angeklagten jede Schuld abstreiten, kann manchmal die Aussage eines einzigen Zeugen, Klarheit schaffen, die Wende bringen, komme hinterher was da wolle.

Ein derartiger Zeuge ist gestern offenbar im Clearstream-Schlammschlacht-Prozess aufgetreten, ein Prozess, über den wir bereits mehrfach berichtetet haben. Es handelt sich um den französischen Drei -Sterne Geheimdienst -General a.D. Philippe Rondot..

Sowohl aus seinen Aufzeichnungen, die bei einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit dem Clearstream-Verfahren beschlagnahmt wurden, als auch mit seiner gestrigen Aussage schält sich heraus, dass der angeklagte vormalige Premier Dominique de Villepin bei Treffen mit General Rondot seinerzeit ein brennendes Interesse bekundete, Sarkozy zu belasten. Trotz der Indizien und der von Rondot vertretenen Einschätzung, dass es sich bei den Clearstream Listen um Fälschungen handele.
Bisher hatte de Villepin dieses angeblich geäusserte „brennende Interesse“ an der Belastung Sarkozys vehement abgestritten, ja, nicht einmal der Name Sarkozys sei gefallen.

Ein Intellektueller im Geheimdienst
Wer ist dieser Philippe Rondot, der in Frankreich zur Geheimdienst-Legende wurde, und dessen Aussage in diesem Verfahren so bedeutsam ist?
Obgleich Rondot in einigen Presseorganen als „französischer James Bond“bezeichnet wurde, hat der nunmehr 73-jährige mit James Bond herzlich wenig gemeinsam, wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass beide, Bond und Rondot Geheimdienstleute waren.
Vielmehr handelt es sich bei Rondot um die Ausnahmeerscheinung eines Intellektuellen im Geheimdienst, wo normalerweise Intellekt und
unabhängiges Denken unter den Schlapphüten nicht gerade weitverbreitet sind.

Philippe Rondot ist der Sohn von Pierre Rondot, einem General der französischen Armee, der zu einem Experten der arabischen Welt avancierte. Pierre Rondot baute den syrischen und libanesischen Geheimdienst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg auf, und unterrichtete in den 70er Jahren Internationale Politik an der Hochschule für Journalismus in Lille/Frankreich.
Schon dies eine ungewöhnliche Karriere für einen Mann des Militär.

Philippe Rondot, sicherlich beeinflusst von seinem Vater, startete ebenfalls eine Militärkarriere, gab diese aber nach seinem Einsatz im Algerienkrieg schleunigst auf und wurde Mitglied der französischen Gegenspionage DGSE.

Mittlerweile fliessend in Deutsch, Englisch, Arabisch, Russisch und Rumänisch, kehrte er dem Geheimdienst nach einiger Zeit den Rücken und studierte Politik und Soziologie, schloss mit einem PhD ab und veröffentlichte mehrere Bücher über Syrien, Jordanien und den Irak.

Als Experte für arabische Länder kehrte er in den Geheimdienst zurück, stieg rasch die Stufenleiter im Geheimdienst DGSE auf um dann später in den Geheimdienst Directorate for Territorial Surveillance (DST) überzuwechseln.

Bekannt wurde Rondot der Oeffentlichkeit durch die erfolgreiche Befreiung französischer Geiseln nach Verhandlungen mit Libyen. Ebenfalls durch sein Treffen mit Abu Nidal, einem Palästinenser, der in den 70er und 80er Jahren weltweit für Dutzende von Anschlägen , darunter auch im Auftrag Gaddafis, verantwortlich zeichnete.

Schliesslich gelang es Rondot, den international gesuchten Terroristen Ramirez Sanchez, genannt Carlos im August 1994 im Sudan zu finden und festnehmen zu lassen. Carlos wurde nach Frankreich ausgeliefert und dort wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nur Verlierer?
Nach der gestrigen Aussage Rondots muss de Villepin, dessen Auftritt vor der UN im Jahre 2003 – damals Aussenminister Frankreichs – gegen den geplanten Irakkrieg der USA ihm international ausserordentliche Sympathien und Respekt eingebracht hatten, wohl prozessual als angeschlagen bezeichnet werden, zumal sich Rondot in seiner gesamten Karriere politisch neutral verhalten hatte und sowohl mit rechten wie auch mit linken Ministern zusammenarbeitete. Seine Aussage dürfte deshalb besonderes Gewicht haben.

Ob aber Präsident Sarkozy letztlich als der Sieger aus dieser prozessualen Schlammschlacht hervorgeht, wird sich noch zeigen. Seine Teilnahme am Prozess als Nebenkläger und seine „Schuldigsprechung“ der Angeklagten in einer Fernsehsendung haben ihn auch bei seinen eigenen Parteifreunden erhebliche Sympathien gekostet.

Die Prozess-Schlammschlacht geht derweil weiter.

Clearstream–Prozess in Frankreich oder: Die Schlammschlacht geht weiter
Frankreich: Jahrhundertprozess und Liebesnovelle
Clearstream ein Megaskandal in Frankreich
Elf – oder Sprit für Bestechungen im Grossformat

Katastrophen

Die Zukunft heisst Resistenz? – Antiinfektiva verlieren ihre Wirksamkeit

Dr. Alexander von Paleske – 04. 10. 2009 — Ein Gespenst geht um in der Welt, eine wahre Zeitbombe. Oft genug wurde davor gewarnt, jetzt beginnt die protrahierte Explosion. Der Name des Gespensts: Resistenz von Infektionserregern, also Bakterien, Pilzen, Viren und Parasiten gegen herkömmliche Medikamente.

Zur Zeit findet in den Medien die Diskussion statt: soll man sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen oder nicht und soll man sich gegen Papillomaviren, die Erreger von Zervixkarzinom, Vulva-Karzinom, Peniskarzinom und Analkarzinom impfen lassen oder nicht.

Aber im Hintergrund tickt eine der gefährlichsten Zeitbomben: die Resistenz der Erreger von Malaria, Tuberkulose, AIDS aber auch herkömmlichen Infektionen durch Bakterien, wie Lungenentzündungen und Geschlechtskrankheiten, gegen Antiinfektiva.

Die Gefahr droht, dass wir eine der Haupt-Errungenschaften der modernen Medizin, nämlich Medikamente gegen Infektionen in der Hand zu haben, alsbald wieder verlieren und zwar nahezu auf allen Fronten.

Starten wir mit der Tuberkulose
Die Tuberkulose kann erst seit 50 Jahren erfolgreich mit Medikamenten behandelt werden. Die Behandlungsmethoden vor dem Siegeszug der Anti TB-Medikamente waren neben Liegekuren und kaorienreicher Ernährung die Chirurgie bei lokalen Herden in der Lunge, und die Hoffnung, dass der Körper irgendwie mit der Infektion allein fertig wird.

Für viele Menschen eine trügerische Hoffnung, anschaulich dargestellt in dem grossartigen Buch von Thomas Mann „Der Zauberberg“.

In den 70er Jahren verschwand die Tuberkulose weitgehend, zumindest in Mitteleuropa. TB-Kliniken und Sanatorien schlossen. Universitätskliniken hatten oftmals Mühe, den Studenten noch Tuberkulose-Kranke vorzustellen.

Inzwischen hat sich das Bild vollständig gewandelt. Nicht nur ist die Tuberkulose weltweit wieder auf dem Vormarsch, sondern zunehmend werden Resistenzen beobachtet. Zum einen die Multidrug-Resistant TB auch MDR-TB genannt, die nur mit einer langwierigen Behandlung und zu Kosten, die das 100 -fache der Standardbehandlung betragen, erfolgreich unter Kontrolle gebracht werden kann

Aber damit nicht genug, mittlerweile breitet sich die extensiv Medikamenten-resistente Tuberkulose, auch XDR -TB genannt, aus. Ueber 90% der Patienten sterben innerhalb weniger Monate
Ein paar Zahlen aus Botswana, die diesen Trend verdeutlichen.
Multidrug resistente Tuberkulose (MDR) (in Prozent aller diagnostizierten Tuberkulosefälle)
1994 — 0,2%
1999 —- 0,6%
2002 —- 0,8%
2008 —– 3,4%

Weltweit wurden im Jahre 2007 9 Millionen Tuberkulosekranke gezählt, davon 1,32 Millionen koinfiziert mit HIV.
1,77 Millionen Menschen starben im gleichen Jahr an Tuberkulose.
511.000 Fälle von MDR wurden im gleichen Jahr registriert.


WHO: Inzidenz der Tuberkulose pro 100.000

Mit HIV-AIDS steigt die Tuberkulose
Parallel zu den HIV Infektionen steigt die Zahl der TB -Patienten an. Zur Zeit gilt die 50% Regel: 50% der Tuberkulosekranken sind mit HIV ko-infiziert und und parallel dazu steigt die Zahl der Medikamenten- resistenten Tuberkulose.

Die Situation in Südafrika ist weitaus schlimmer. Dort ist durch die Verzögerung der Behandlung der HIV-Kranken mit antiretroviralen Medikamenten die Tuberkulose weitaus stärker angestiegen – dank der Politik des HIV- Leugners und vorigen Präsidenten Thabo Mbeki – und damit auch die MDR- und XDR- Tuberkulose.

Die MDR-Rate in Südafrika wird auf 2% geschätzt eher eine Untertreibung, wobei die Lage von Provinz zu Provinz schwankt und die medizinische Versorgung ausserhalb der Ballungszentren oftmals nach wie vor völlig unzureichend ist.

Inzwischen hat es Ausbrüche von XDR-Tuberkulose insbesondere in der Provinz Kwa Zulu-Natal gegeben.

Keine neuen Medikamente in Sicht
Wirklich neue Medikamente, nicht nur Abwandlungen bekannter Medikamente, sind vorläufig nicht in Sicht.
In einigen Ländern, wie der Schweiz, wird eines der wichtigen Anti-TB Medikamente zur Schädlingsbekämpfung (Feuerbrand)
im Obstanbau breitflächig eingesetzt: Streptomycin.

Das Medikament taucht dann in der menschlichen Nahrung – z.B. im Bienenhonig – wieder auf. Damit sind die Weichen zur Resistenzentwicklung gestellt. Hochgradige Verantwortungslosigkeit ein anderes Wort dafür.

Die Mittel zur Erforschung neuer Medikamente zur Behandlung der TB sind, gemessen an den Herausforderungen, völlig unzureichend. Eine Aufstockung, nach dem Pumpen von Milliardenbeträgen in den Bankensektor, ist erst recht nicht in Sicht.

Verantwortungslosigkeit bei der Massentierhaltung
Die Probleme der Medikamenten-Resistenz werden verschärft durch den verantwortungslosen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung.
Bisher galt als Ursache für Resistenz im Krankenhausbereich der verantwortungslose Einsatz der Antibiotika duch die Aerzte und im Niedergelassenenbereich das Verschreiben von hochaktiven Antibiotika ohne notwenige Indikation für banale Infektionen.
Die Massentierhaltung hat jetzt dazu geführt, dass auch hochpotente Antibiotika, wie die Cephalosporine wirkungslos werden.
Die hochangesehene Medizinzeitung The Lancet berichtet nun in Ihrer Ausgabe vom 5.9.2009, S. 773
Poultry politics and antibiotic resistance, von schockierenden Feststellungen in den USA und Kanada, insbesondere bei der Geflügeltierhaltung.

Diese Massentierhaltung – besser als Tierfabriken zu bezeichnen – findet ohne Reinigung der Ställe (Kosteneinsparung!) statt. Die Tiere stehen in ihrem Kot. Statt Reinigung werden sie mit Antibiotika vollgepumpt. Das beginnt bereits mit der Injektion des hochpotenten Cefalosporins der 3. Generation, Ceftiofur, in das Ei.

Routinemaessig werden Antibiotika dem Tierfutter beigemischt, die genaue Zusammensetzung wird verheimlicht.

Der direkte Nachweis, dass die Zufütterung von Antibiotika tatsächlich für die erschreckende, seit dem Jahre 2000 zu beobachtende Resistenzentwicklung gegen Cephalosporine verantwortlich ist, gelang durch den Stop des Einsatzes dieser Antibiotika für eine begrenzte Zeit. Prompt nahmen die Antibiotika-Resistenzen ab.

In Europa ist die Beimischung von Antibiotika erst seit drei Jahren verboten, in den USA und Kanada gelang es der Lobby der Tierfabrikinhaber und der Tierärztevereinigung ein derartiges Verbot bisher zu verhindern. Weiteres siehe hier

Resistenzen auch bei der Behandlung der Malaria
Als wäre das alles nicht schon schlimmm genug, auch in der Behandlung der Malaria, speziell der Malaria tropica, der gefährlichsten Form der Malaria, hervorgerufen vom Plasmodium falciparum, eine Erkrankung, an der schätzungsweise weltweit 1 Million Menschen pro Jahr sterben, davon die Hälfte Kinder unter 5 Jahren, gibt es Resistenzprobleme, nicht erst seit gestern.

Diese Probleme haben sich jetzt insoweit verschärft, als keine weiteren Alternativmedikamente mehr verfügbar sind.

Wer wissen will, wohin die Reise geht, der sollte nach Südostasien schauen, in das Grenzgebiet von Kambodscha und Thailand,und zwar in die dortige Provinz Pailin. Jede Resistenzentwicklung, die sich später weltweit ausbreitete, wurde hier zuerst beobachtet.

Im Juni diesen Jahres wurden dort erstmals Resistenzen gegen die sogenannte „letzte Instanz“ der Malariabehandlung beobachtet, gegen die Artemisinine, wie die Medizinzeitung The Lancet am 25.7.2009 berichtet.
„Countries race to contain resistence to key antimalarial”.

Es begann mit Chloroquin
In den 70er Jahren fing es an mit der Resistenz gegen Chloroquin, zunächst in Südostasien. Chloroquin ist ein preiswertes, oral einzunehmendes Antimalariamittel. Aber Mitte der 80er Jahre wurden die Erreger auch in Afrika resistent dagegen..
Heutzutage muss das Medikament weltweit als weitgehend wirkungslos bei der Malaria tropica angesehen werden.

Dann kamen Sulfadoxin-Pyrimethamine (Fansidar) und schliesslich Mefloquin (Lariam) in den 80er Jahren auf den Markt. Zu Beginn hochwirksame Medikamente. Aber auch hier gab es schwere Nebenwirkungen und Resistenzen bei Fansidar und ebenfalls Resistenzentwicklung gegen Mefloquin (Lariam). Insbesondere wohl auch deshalb, weil Mefloquin als Prophylaxe eingenommen wurde und ebenfalls als Monotherapie in der Behandlung der Malaria tropica. Ein Cocktail zur Resistenzentwicklung.

Bleiben die Artemisinine, aus einer seit Jahrhunderten bekannten chinesischen Heilpflanze entwickelt. Hochwirksam gegen die Erreger der Malaria tropica. Aber aber auch gegen sie gibt es mittlerweile Resistenzen. Möglicherweise gefördert durch die Einnahme von subtherapeutischen Dosen, die vielfach in Ländern der Dritten Welt von skrupellosen Herstellern vertrieben werden.

Was ist zu tun?

Langfristig kann nur die Impfung gegen Malaria ein wirklicher Ausweg sein. Die Fortschritte dahin sind jedoch bisher eher als gering einzustufen, auch wenn es neuerdings etwas ermutigendere Nachrichten gibt.

So bleibt kein anderer Ausweg als die Entwicklung neuer Medikamente, sowohl Antibiotika, als auch Anti-TB-Medikamente, Anti-Malaria-Medikamente und nicht zuletzt antivirale Medikamente. Nicht zu vergessen Impfseren.

Milliardenbeträge sind dafür erforderlich, allerdings nur ein Bruchteil von dem, was in den Finanzsektor gepumpt wurde, würde schon Fortschritte ermöglichen.

Daneben natürlich und vordringlich der Bann jeglichen überflüssigen unnötigen und unrichtigen Einsatzes der vorhandenen Medikamente.

Hilflos bei Infektionen – Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit
Tierfabriken, Schweineviren und die Zukunft
Welt-Tuberkulose Tag – eine Krankheit weiter auf dem Vormarsch

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Südafrika: Neue Statistiken zur Kriminalität – Gewaltverbrechen auf dem Vormarsch

Dr. Günter Pabst – Jedes Jahr im September werden sie der Öffentlichkeit serviert: die Statistiken zur Kriminalität für ein Jahr, jeweils vom April bis März. Im September ist das schon ferne Vergangenheit. Besonders, wenn eine neue Verwaltung im Amt ist – ein neuer Präsident, ein neuer Polizei-Minister, ein neuer Polizei-Chef.

Sie alle haben der Kriminalität den Kampf angesagt, so wie das alle Vorgänger auch getan hatten. Sie werden nun gemessen an den Statistiken für den Zeitraum April 2008 bis März 2009. Und niemand in der Regierung oder in der Polizei-Spitze muss sich für diese aktuellen Zahlen verantworten. Und sie sind erschreckend!

Man hat sich ja schon daran gewöhnt, dass in Südafrika täglich 50 Menschen ermordet werden, in weiteren 50 Fällen ein Mord versucht wird, über 450 Raubüberfälle stattfinden und rund 1.500 Mal eingebrochen oder ein Auto geklaut wird. Und immer wieder glauben die Menschen in diesem Land, dass es nicht schlimmer werden kann. Wird es aber.

Zwar ist die Zahl der erfassten Morde zurückgegangen – um 300. Jetzt werden also nicht mehr im Durchschnitt 51 Menschen am Tag ermordet, sondern nur noch 50. Das sind immer noch insgesamt 18.148 Morde. Und wenn man sich die letzten sechs Jahre anschaut, kann man feststellen, dass sich Mord auf hohem Niveau als Verbrechen etabliert hat.

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Richtig alarmierend ist aber, wie sich Raub als neuer Verbrechenstrend entwickelt hat. Ich hatte in einem Beitrag am 24. Juli 2009 hiervon berichtet, ohne Zahlen an der Hand zu haben, einfach gestützt auf das, was eigentlich jeder Beobachter wahrnehmen konnte. Die Zahlen liefern nun eine deutliche Bestätigung: Gegenüber 2007/08 sind Raubüberfälle in Wohnimmobilien um fast 28% gestiegen – von 14.481 auf 18.438. Betrachtet man hier den Sechs-Jahres-Zeitraum 2003 bis 2009 liegt der Anstieg bei 97% – eine Verdoppelung. Und im Western Cape hat es in dieser Zeit sogar eine Verdreifachung gegeben – +205%.

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Geradezu verheerend sind die Zahlen zu Raubüberfällen auf Geschäfte und Betriebe. Hier verzeichnet die Statistik einen Anstieg von 41% in nur einem Jahr und von 287% in sechs Jahren; im Western Cape gab es zwischen 2003 und 2009 sogar eine Steigerung von 870%.

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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Man kann es wohl so formulieren: Es herrschen kriegsähnliche Zustände; es gehört viel Idealismus dazu, in Südafrika freiwillig zu leben und Geschäfte zu machen, oder Ignoranz, oder beides. Denn diese nun statistisch erfassten Verbrechen sind alle verübt worden, nachdem die Menschen in ihren Häusern und Betrieben mit viel Geld schon kräftig aufgerüstet haben im ihrem Versuch, nicht ins Fadenkreuz des Verbrechens zu gelangen. Sie werden noch weiter aufrüsten und die Verbrecher werden neue Nischen aufspüren und ihrerseits an der Rüstungsspirale drehen.

linkDieser Artikel wurde durch Capetown-online ermöglicht

linkDr. Günter Pabst hat in den letzten Jahren zu verschiedenen rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen und politischen Themen in Fachzeitschriften und Magazinen Beiträge veröffentlicht. Mehrfach wurde er eingeladen, vor Wirtschaftsdelegationen in Südafrika und auf Seminaren und Workshops in Deutschland Vorträge zu diversen Südafrika-Themen zu halten. Dr. Papst ist Rechtsanwalt, seine Hompage finden sie unter Pabst & Pabst Consulting.

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Verhaftung Roman Polanski – oder wie „Kinderfeindlich“ ist die Schweiz?

Am Samstag dem 26. September 2009 wurde Star-Regisseur Roman Polanski am Flughafen Zürich verhaftet. Aufgrund eines von den USA herausgegebenen internationalen Strafbefehles wegen Missbrauchs einer Minderjährigen im Jahre 1978, schlossen sich die Handschellen um die Hände des von den Kritikern gefeierten Regisseurs. Die Aufregung danach war groß, zeigte sich unter anderem auch der französische Kulturminister Frédéric Mitterand schockiert und nannte die Verhaftung „absolut schrecklich“ (absolument épouvantable). Doch die Schweiz bleibt hart, denn wie sagte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in ihre Rede „Pädophilie verjährt nicht“.

Und genau damit trifft Frau Eveline Widmer-Schlumpf den Nagel auf den Kopf, ist die Verhaftung Polanskis vom moralischen und gesetzlichen Standpunkt aus betrachtet vollkommen rechtens. Dennoch wirft diese Aktion auch einen fahlen Nachgeschmack auf die Schweiz, scheint es sich dabei doch eher um den plumpen Versuch zu handeln den USA zu gefallen, nachdem das Klima zwischen der Schweiz und USA im Zuge der Bankenkrise bzw. des UBS Debakels merklich an Wärme eingebüsst hat.

Ein weiterer Punkt, der die aktuelle Zelebrierung des schweizerischen Rechtssystems nur schwer goutierbar macht ist die Tatsache, dass innerhalb der Schweiz ein mehr als nur „Kinderfreundliches“ Klima vorherrscht. Bestes Beispiel hierfür ist der so genannte TIERKREIS, der vor allem von Basel aus operiert und sich gänzlich seinen Pädophilien Neigungen hingibt.

Seit der TIERKREIS 1998 durch eine große schweizerische Tageszeitung „enttarnt“ wurde, ist es in Basel ein offenes Geheimnis, dass verschiedenste Staatsdiener ihre Hände an unschuldige Kinderkörper legen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es in Basel einen Lehrer gibt, der obwohl er in seinem Heimatkanton wegen Pädophilie im Gefängnis saß und deswegen auch keine Zulassung mehr Besitzt, trotzdem noch an Schulen unterrichten darf.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die vornehmlich hochrangigen Männer des TIERKREIS ungeniert weiter ihrem Treiben frönen, da sie von der Staatsanwaltschaft und vor allem auch vom Bund nichts zu befürchten haben. Es wäre an dieser Stelle nämlich gelogen zu behaupten, dass weder die Staatsanwaltschaft noch der Bund von diesem Treiben keine Kenntnis haben würden. Beide Institutionen, die in unserem Land Recht und Ordnung vertreten sollten, sind sehr wohl über den TIERKREIS und die dahinter stehenden Namen informiert. Dennoch wird nichts unternommen. Die Frage ist nur, wieso?

Wie oben schon angedeutet verbergen sich hinter dem TIERKREIS hochrangige Männer, die nicht nur im Staatsapparat ihr Geld verdienen, sondern auch innerhalb der schweizerischen Wirtschaft tätig sind. So wird z.B. auch einem ehemaligen und während der Finanzkrise in Ungnade gefallenen Generaldirektor der UBS AG nachgesagt, ein Teil dieses TIERKREISE zu sein bzw. ähnliche Gelüste wie die TIERKREIS-Herren zu haben. Ganz nach dem Motto „wer Macht hat, braucht die strafende Hand nicht zu fürchten“, kümmern sich die Mitglieder des TIERKREISES in keiner Weise um strafrechtliche Konsequenzen, da sie genau wissen, dass sie nichts zu befürchten haben.

So verschwinden auf der Basler Staatsanwaltschaft eventuell belastende Beweise einfach so ins Nirgendwo, werden Hinweise aus der Bevölkerung von Eveline Widmer-Schlumpf einfach mit Ignoranz belohnt und geschädigten Opfern über eine Konto auf der UBS AG Schweigegeld ausbezahlt. Die Herren des TIERKREISE scheinen sich in einer rechtsfreien Zone zu bewegen, einem elitären Club anzugehören, zu dem man in der Schweiz nur dann Zutritt erlangt, wenn man über Geld und Macht verfügt. Und Roman Polanski verfügt zwar über Geld und Macht, aber allem Anschein nach nicht in der Schweiz, und daher haart er hinter Gittern nun den Dinge die da kommen mögen. Denn in der Schweiz gilt die Regel „Pädophilie verjährt nicht“, vorausgesetzt man gehört nicht zum TIERKREIS.

Sex Industrie: Kind für 1000 Euro

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A Fugitive at his Own Will – Roman Polanski

David Dastych – I have been following the Polanski case for the last few days, since his arrest in Zurich, Switzerland, on the 26th of September 2009. This is a very strange arrest, after 31 years since his crime (1977).

On September 29, a spokeswoman for Department of Justice (DoJ) told a Polish TV channel that most probably Polanski’s arrest in Switzerland was caused by a blunt letter of his French lawyers to the Prosecuting Attorney’s Office of California.

As the crime (a rape of a minor, 13 year-old-girl) is 31 years old, and as Polanski is still chased for it, as he has fled from the U.S.A. before the trial, his French lawyers demanded that the case be closed as prescribed. But the U.S. law allegedly has no prescription for such crimes.

Roman Polanski is a French citizen and he owns a house in Switzerland and has visited that country very often without any harrassment. But probably that unfortunate demand of his lawyers to the California Public Prosecutor’s Office caused that the case was “unearthed” again and an arrest warrant was issued.

The timing was perfect: Polanski was to receive a top prize, Lifetime Achievement Award, at a Zurich Film Festival for the whole of his undoubfully great artistic achievements. His arrival to Zurich was made public in advance. He was arrested at the airport and put in jail (“a provisional detention”), awaiting extradiction to the U.S.A.

The film media, his fans and many public officials in Europe, the U.S.A., and also in Poland have been shocked. But from the legal side, the arrest holds water. In spite of public protests in many countries of the world, the famous film director has to await the extradiction procedure. He might be probably released from detention on bail but still he has to stay in Zurich and show in court.

Roman Polanski is 76 years old by now and he has a French wife and two children. Since that crazy party in Hollywood in 1977, he never commited any crime but became world-famous for his excellent work as film director, producer and actor. His first Hollywood movie was Rosemary’s Baby (1968), followed by Chinatown (1973). Chinatown is considered Polanski’s greatest achievement as a filmmaker. After fleeing to Europe, he made Tess (1979), For Tess, Polanski won French César Awards for Best Picture and Best Director and received his fourth Academy Award nomination.

In 2002 Polanski released The Pianist, a World War II-set adaptation of the autobiography of the same name by Jewish-Polish musician Władysław Szpilman, whose experiences have similarities with Polanski’s own (Polanski, like Szpilman, escaped the ghetto and the concentration camps, whilst family members did not). In May 2002, the film won the Palme d’Or (Golden Palm) award at theCannes Film Festival, as well as Césars for Best Film and Best Director, and later the 2002 Academy Award for Directing. Polanski did not attend the Academy Awards ceremony in Hollywood because he would have been arrested once he set foot in the United States.

In September 2009 Polanski was awarded a lifetime achievement “Golden Icon Award” by the Zurich Film Festival, which he was travelling to receive when he was arrested on 26 September. (Wikipedia).

His personal life was not happy until he married the French actress Emmanuelle Seigner in 1989. They have two children, daughter Morgane and son Elvis, who is named after Polanski’s favorite singer, Elvis Presley. His first wife was a Polish actress Barbara Lass (née Barbara Kwiatkowska) and his second wife Sharon Tate.

On August 9, 1969, Sharon Tate, who was eight months pregnant with the couple’s first child (a boy), and four others (Abigail Folger, Jay Sebring, Wojciech Frykowski, and Steven Parent) were brutally murdered by members of Charles Manson’s “Family”, who entered the Polanskis’ rented home at 10050 Cielo Drive in the Hollywood Hills intending to “kill everyone there” (Wikipedia).

In 1977, Polanski, then aged 44, became embroiled in a sex scandal involving 13-year-old Samantha Gailey (now Samantha Geimer). It ultimately led to Polanski’s guilty plea to the charge of unlawful sexual intercourse with a minor. Afraid of being jailed for life, he fled from the U.S.A. Polanski escaped initially to London on February 1, 1978, where he maintained residency. A day later he traveled on to France, where he held citizenship, avoiding the risk of extradition to the U.S. by Britain (Wikipedia).

After his arrest in Switzerland,the United States must make a formal extradition request within 40 days to have Polanski extradited and stand trial.

What will happen to Roman Polanski then? I won’t make any guess. Most probably the case will be settled finally and he might avoid prison and receive a permission to visit the United States again. This could be a positive solution. But who knows what’s in store…

sendenThis article was first published on Canada Free Press

linkDavid Dastych is a veteran journalist who served both in the Polish intelligence and the CIA; jailed in Poland by the Communist regime he spent several years in special prison wards; released in early 1990’s he joined international efforts to monitor illegal nuclear trade in Europe and Asia; handicapped for lifetime in a mountain accident in France, in 1994; now he returned to active life and runs his own media agency in Warsaw.

afrika

Rainbow-Nation, oder was?

Klaus D. Doll – Das Thema Rassismus bewegt nicht nur die Menschen in Südafrika und es verdient jede Aufmerksamkeit. Zwei der jüngsten Beispiele für Rassismus im Zusammenhang mit Südafrika zeigen plastisch und auf gegensätzliche, in beiden Fällen höchst fragwürdige Art, wie tölpelhaft und leichtsinnig noch immer mit der Karte Rassismus gespielt wird.

Irgendwie schade, denn der von Desmond Tutu 1994 geprägte Begriff der „Rainbow-Nation“ sollte doch das Nach-Apartheid-Südafrika als friedliches Land der unterschiedlichsten Rassen charakterisieren. Nun beginnen wir uns langsam zu fragen, was aus dem Regenbogen von Bischof Tutu geworden ist.

Da ist die Geschichte um den weißen Südafrikaner Brandon Huntley aus Kapstadt. Anfang September berichteten die internationalen Medien über kanadische Behörden, die Brandon Huntley als Flüchtling anerkannt haben. Er sei ein Opfer seiner Rasse, behauptete dieser und erklärte den Behörden eilig, dass Weiße in Südafrika das Ziel schwarzer Krimineller seien und dass die Regierung nichts unternehme, um sie zu schützen. Die Einwanderungsbehörde befand den Angaben zufolge, dass Huntley „eher ein Opfer wegen seiner Rasse als ein Opfer von Kriminalität ist“. Weitere Stellungnahmen gab die Behörde nicht zu dem Fall, der auf höchst dünnem kanadischen Eis gebaut ist. Brandon Carl Huntley gab weiterhin an, sieben Mal von Schwarzen überfallen worden zu sein.

Südafrika ist zurecht empört und ein Sprecher des südafrikanischen Einwanderungsministeriums erklärte schnell und recht unglücklich, die Aussagen des Mannes würden „den guten Namen schwarzer und weißer Südafrikaner beflecken und sind rassistisch motiviert“. Die Regierung arbeite hart daran, die Kriminalität zu bekämpfen, kontert der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) nicht minder ungelenk. Dessen Sprecher meinte zudem, die Aufnahme führe dazu, den Rassismus in Südafrika zu zementieren.

Und schon haben wir den rassistisch angemachten Salat und allseits wird darauf hingewiesen, dass schon seit einigen Jahren zunehmend mehr weiße Bürger Südafrika verlassen, weil sie dort immer häufiger Opfer von gewalttätigen Übergriffen werden. Bei all der Aufregung wird schnell vergessen, dass Rassismus und Kriminalität aus zwar grundsätzlich schlechten, aber doch unterschiedlichen sozialen Kinderstuben kommen.

Der zweite, aber nicht minder miese Fall einer schlecht gespielten Rassimuskarte bewegt sich im Umfeld der umstrittenen Sportlerin Caster Semenya. Schnell und ungefragt meldeten sich da die Politprofis, wie Winnie Mandela: „Steckt euch eure wissenschaftlichen Test sonst wo hin. Wir haben die Rassentrennung besiegt und wir werden wieder siegen.“ Natürlich darf der Scharfmacher Julius Malema vom Jugendverband des ANC nicht fehlen: „Wir sind für den Sieg geboren. Wir haben das sinnloseste Regime der Welt bezwungen und das hier ist ein leichter Sieg.“ Und weiter war von ihm zu hören, man werde Geschlechtertests von Caster Semenya genauso wenig wie Rassismus akzeptieren. Ich verweise hier gerne auf die sehr guten Artikel von Wolfgang Drechsler: „Rassistisch und selbstgerecht“ vom 27.09.09 im Tagesspiegel und ebenso auf Dr. Pabst in seinem Artikel: „Das Gold der Caster Semenya, Empfindlichkeiten, Peinlichkeiten + verbale Entgleisungen„, vom 10.09.09, für capetown-online.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um Rassimsus weiter entwickeln wird und die unterschiedlichen Lager agieren werden. Ich wünsche mir mehr geschichtliches und verantwortliches Bewustsein für dieses Thema auf allen Seiten und mehr Respekt vor so klugen und hoffnungsvollen Menschen, wie Desmond Tutu und Nelson Mandela.

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SATIRE

Clearstream–Prozess in Frankreich oder: Die Schlammschlacht geht weiter

Dr. Alexander von Paleske – Es ist Zeit nachzuschauen, was sich in dem Gossenprozess, auch Jahrhundertprozess genannt, weiter getan hat.

Ex-Premier Dominique de Villepin beteuerte gestern erneut seine Unschuld, wortreich und eindringlich, diesmal nicht vor dem Gerichtsgebäude sondern im Gerichtssaal. Nicolas Sarkozy, seines Zeichens gelernter Jurist, schenkte aber den Beteuerungen des Dominique de Villepin offenbar keinen Glauben und hat stattdessen zu einem weiteren Schlag ausgeholt.

Sarkozy ist in dem Prozess ja auch Nebenkläger, gleichzeitig Präsident aller Franzosen, und wir staunen, wie fabelhaft er diese Rollen unter einen Hut bringt. Jetzt hat er sich offensichtlich auch gleich noch zum Gerichtsvorsitzenden bestellt.

Das Gericht hat noch nicht einmal mit der Zeugenvernehmung begonnen, da erklärte Präsident Sarkozy in einer Fernsehansprache die Angeklagten schon für schuldig. Und anders als in einem normalen Strafprozess hat er vor seinem nunmehrigen Schuldspruch bereits die Strafe verkündet: „Am Fleischerhaken aufhängen“.

Diese Ruck-Zuck Vorgehensweise und Multifunktionalität des Präsidenten und Juristen wird sicherlich auf grosses Verständnis stossen. Sarkozy weiss, wie teuer heutzutage die Strafprozesse sind.

Angesichts der Milliarden, die in den Bankensektor gepumpt wurden, muss man einfach auf die Kostenbremse drücken. Gewaltenteilung hin, Gewaltenteilung her. Schliesslich hat die französische Geschichte ja erfolgreiche Beispiele parat, z.B. Monarch Ludwig der XIV, wie gut das funktioniert: L’état, c’est moi. Genau.

Vielleicht dürfen wir dann bald mit Stellenanzeigen für Hofmarschälle, Hofschranzen und Mätressen rechnen

Da war der ehemalige Kanzler Schröder in Deutschland ja vergleichsweise harmlos. Der sagte nur öfter mal basta, dabei bliebs.

De bello gallico – Fortsetzung darf erwartet werden.

Frankreich: Jahrhundertprozess und Liebesnovelle
Clearstream ein Megaskandal in Frankreich
Elf – oder Sprit für Bestechungen im Grossformat