afrika

Viktor Bout, Afrikas “Merchant of Death”

Dr. Alexander von Paleske – –3.7. 2007 — Wir haben bereits vor einem Jahr in dem Artikel “Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe” über Viktor Bout (Butt) und seine Waffenlieferungen an die Konfliktparteien in Angola, Sierra Leone, Liberia und Demokratische Republik Kongo geschrieben und festgestellt, dass Bout diese Konflikte durch Waffenlieferungen angeheizt beziehungsweise erst ermöglicht hat.


Viktor Bout: Immer hilfsbereit im Krieg

Die Journalisten Douglas Farah und Stephen Braun haben zusammen ein Buch über Viktor Bout geschrieben, Titel: “Merchant of Death: Money. Guns, Planes and the Man who Makes War Possible”.

Das Magazin VOGUE ((Mensvogue) hat gerade eine kurze Zusammenfassung und ein Interview mit den beiden Autoren veröffentlicht.

Douglas Farah war Starjournalist der Washington Post und berichtete vor Ort über die Bürgerkriege in Westafrika, also in erster Linie aus Sierra Leone und Liberia, aber auch aus der Elfenbeinküste.

Er besitzt nach wie vor solide Kontakte dorthin und ich habe ihn vor 18 Monaten kontaktiert, um ihn für eine Berichterstattung über die Hintergründe des fehlgeschlagenen Coups in Äquatorialguinea zu interessieren.

Douglas Farah hatte schon in seinem Buch “Blood from Stones” aufgezeigt, wie das Netzwerk der Al-Qaida sich in Westafrika festgesetzt hatte und in den Handel mit Diamanten involviert war. Charles Taylor, der ehemalige Präsident von Liberia und jetzt wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt, hatte beste Kontakte zu dem Terrornetzwerk. So was bringt das Buch nun an neuen Erkenntnissen?

Weniger spektakuläre Enthüllungen als mehr Details. Wir hatten berichtet, dass Bout für die Taliban bis 2001 Waffen nach Afghanistan flog und anschließend für die Amerikaner die Transporte übernahm. Nachdem Präsident Clinton’s Administration vergeblich versucht hatte, ihm das Handwerk zu legen, schloss die Bush Administration offenbar einen Deal mit ihm ab: “Bring unsere Leute nach Afghanistan und wir lassen Dich in Ruhe”.

Seine Piloten kannten, aufgrund vorangegangener Lieferungen an den Gegner, dort jede Flugpiste und die russischen Iljuschin Maschinen konnten landen und selbst nach einer Crashlandung wieder starten, wo es bei Boeings und Airbus Maschinen zu einer Bruchlandung mit Totalverlust gekommen wäre.

Und nicht nur in Afghanistan wurde Bout gebraucht, auch im Irak. Seine Flotte von 50 Flugzeugen operierten unter Liniennamen wie “Irbis Air”, “Air Bas” oder “Air Moldavia”. Bis zum Ende 2004 soll er mit seiner Armada etwa 1000 Flüge abgewickelt haben. Gegen Bares aus dem US Staatssäckel versteht sich.

Zum gleichen Zeitpunkt, nämlich im Juli 2004, ordnete die Bush Regierung die Beschlagnahme sämtlicher Konten Bouts in den USA an. Das kann man allerdings nur als schlechten Witz auffassen.

Waffen Lieferungen wie beim Versandhandel
Bout lieferte alles, das war sein Geschäftgeheimnis, vom Helikopter bis zum Maschinengewehr vor die Haustür, wie ein Versandhändler. Das, wofür andere Waffenhändler Monate brauchten, erledigte der ehemalige KGB Offizier dank seiner KGB Kontakte und seiner Luftflotte in höchstens 2 Wochen. Er war der “All inclusive man”. Und er nahm nicht nur Bares, sondern auch Diamanten, die er dann wieder über sein Netzwerk losschlagen konnte.


Brachiale Gewalt im Bauch: hier eine Szene des Filmes „Lord Of War. Die im Film verwendete Antanov AN 12 Cargo Maschine ist interessanterweise die 9L-LEC von Skylink – eben jene Maschine die zu Viktor Bouts Staffel gehörte und auch im Irak operierte. Dies sind die lustigen Zufälle im Leben…

Hilfreich waren ihm dabei nicht nur die alten KGB Kontakte, sondern auch die Waffenarsenale des ehemaligen Warschauer Paktes. Und natürlich, neben seiner Luftflotte von etwa 50 russischen Frachtmaschinen, seine russischen Piloten. Jene flogen viel lieber mit Bout und amerikanischen Dollars, als in irgendwelchen heruntergekommenen Kasernen mit geringem Geld den alten Tagen nachzutrauern oder sich gar in Tschetschenien als Kanonenfutter einsetzen zu lassen.

Je mehr Konflikte, desto besser
Die Konflikte in Angola, Sierra Leone, und Liberia sind zwar vorbei, aber glücklicherweise gehen für Bout andere Konflikte weiter. Z.B. die Plünderung des Ostens der Demokratischen Republik Kongo. Dort sichert im Auftrage von Ruanda, das mittlerweile zum größten Exporteur von Coltan aufgestiegen ist, der General Laurent Kunda den Rohstoffnachschub. Die UN und die kongolesischen Regierungstruppen haben dort nichts zu sagen. Die Zivilbevölkerung leidet jämmerlich. Viktor Bout “hilft” mit den Transporten von Rohstoffen und Waffen. Deutsche Firmen stecken in diesem Geschäft mit drinnen, wie ein UN-Report im Jahre 2002 enthüllte.
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Neuerdings lieferte Bout auch Waffen an die Islamic Courts in Somalia, als diese noch in der Hauptstadt Mogadischu das Sagen hatten. Aber auch im Libanon verdient er gerne Geld, jetzt ist er öfter bei der Hisbollah gesichtet worden. Die wollen ihre Waffenlager auffüllen nach dem Waffengang mit Israel.

Bekannt ist, dass die Al-Qaida gerne eine schmutzige Atombombe besitzen und zünden möchte. Auch hier kann Viktor Bout sicherlich weiterhelfen, bei seinen guten Kontakten zu den alten Kollegen im KGB sollte das eigentlich kein Problem sein. Für Bout alles nur eine Frage des Geldes.

Allerdings sollte Douglas Farah, der eine Website DouglasFarah.com betreibt, nicht falsch verstanden werden. Er vertritt amerikanische Interessen und unterstützt publizistisch z.B. AfriCom.

Geheimer Waffendeal mit MEK Terroristen?
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Ugandas Ölfunde: Söldner fördern es, die Amerikaner kaufen es.
The agency that runs Pakistan
The criminal stories of the good soldier Bout

Krieg

NorthCom will “Special Operation” Kommandos in Amerika einsetzen

Stephan Fuchs – Das amerikanische Militärkommando NorthCom, welches mit dem Heimatschutz beauftragt ist, will vom Pentagon ein Kontingent von Special Operation Einheiten einsetzen, um mutmassliche Terroristen auf amerikanischem Boden zu bekämpfen. NorthCom wurde von Bush nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 eingerichtet.


Auch bald in den USA?

Das US Northern Command (NorthCom), auf der Peterson Air Force Base in Colorado stationiert, will Kampfkommandos wie sie in Afghanistan und im Irak eingesetzt werden nun auch auf amerikanischem Boden einsetzen um Terroristen zu bekämpfen.

Die Initiative zu der Einsatzverlegung ins Innere, hatte vor sechs Monaten der damalige Kommandant des NorthCom, Admiral Timothy Keating. Mittlerweile hat er das US Pazifik Kommando übernommen. Seine Idee, nun auch auf amerikanischem Boden militärische Specialforces einzusetzen, blieb allerdings bestehen und wird wohl von seinem Nachfolger Air Force General Gene Renuart übernommen. Die Sprecherin des NorthCom meinte:

„This capability resides in every other geographical combatant command and would allow the commander of U.S. Northern Command to deploy these unique capabilities for homeland defense and civil support operations.“

Die Entwicklung im NorthCom, beängstigt: noch nie wurden auf amerikanischem Boden Special Operation Kommandos eingesetzt. Sie arbeiten als verdeckte Krieger und bestens ausgebildete Kämpfer.

Krieg

Massaker an der Zivilbevölkerung – Deutsche Beteiligung

Karl Weiss – Nach über 60 Jahren gibt es wieder Massaker an der Zivilbevölkerung mit Beteiligung deutscher Truppen.

Die „Süddeutsche“ schrieb am 30.6.07:

„Bei Luftangriffen der US-geführten Koalitionstruppen gegen Aufständische im Süden von Afghanistan sind nach Angaben afghanischer Behörden 70 Zivilisten getötet worden, darunter mehrere Frauen und Kinder. Der Leiter der Behörden des Bezirks Gereschk in der Provinz Helmand, Dor Alischah, korrigierte seine [früheren] Angaben am Samstagabend. Er berief sich auf amtliche Untersuchungen.
(…)
Fünf Häuser seien völlig zerbombt worden. Die Dorfbewohner seien „so außer sich“, dass sie dem Untersuchungsteam eine umfassende Mitarbeit verwehrt hätten…“

Dazuzusetzen ist: Diese Luftangriffe werden nach den „Aufklärungen“ durch deutsche Tornados durchgeführt. Es gibt also eine deutsche Beteiligung an Massakern an der Zivilbevölkerung. In diesem Zusammenhang sei auch an ein anderes Massaker erinnert, das schon etwas zurück liegt:

Abschlachten von Zivilpersonen

War es eine der wesentlichen Errungenschaften des modernen bürgerlichen Staates, dass er keine Zenzur mehr ausübte, so ist dies nun gefährdet oder sogar schon völlig aufgehoben. In Afghanistan haben US-Truppen eine Filmkamera zerstört, mit der das Abschlachten von Zivilpersonen gefilmt worden war. Die US-Armee hat nun dazu offen Stellung genommen und dies verteidigt. Filmaufnahmen könnten einen Ablauf ins falsche Licht rücken.

Afghanistan: US-Armee zerstört Filmkamera
So wurden auch früher, im Feudalismus und in den Übergangsgesellschaften vom Feudalismus zum Kapitalismus, wie dem preussischen Obrigkeitsstaat „Deutsches Kaiserreich“, und in allen Tyranneien zu jeder Zeit, die Zensurmassnahmen begründet.

Der Herrscher herrscht, das Volk gehorcht. Da ist das Grundmuster. Dass Journalisten natürlich in besonderer Weise zum gehorchenden Volk gehören, ist selbstverständlich.

Es handelte sich in diesem Fall um Journalisten der Presseagentur Associated Press (AP) und deren Fernseh-Nachrichtenagentur, die auch mit einer Filmkamera ausgerüstet waren, die sich im ost-afghanischen Bharikav an den Ort eines Sprengstoffanschlags annäherten. Sie wurden von US-Soldaten nicht näher herangelassen und filmten dann aus einiger Entfernung, was geschah: US-Soldaten feuerten blindlings auf afghanische Zivilpersonen, die sich in der Nähe aufhielten. 8 Zivilisten wurden getötet und 34 weitere verletzt.

Es war keinerlei Aggressivität von diesen Zivilpersonen ausgegangen. Die Soldaten feuerten „nur“ aus Frust.

Als die Verantwortlichen der US-Armee bemerkten, dass diese Szene gefilmt worden war, liessen sie Kamera und Filmmaterial beschlagnahmen und zerstören (Bild). Das Filmmaterial enthielt auch schon ein Interview mit Personen, die berichteten, wie an anderer Stelle US-Soldaten aus einem fahrenden Auto drei Zivilpersonen erschossen hatten.

Auch andere Journalisten hatten bereits über schwere Behinderungen der Pressearbeit durch die US-Truppen bei der jüngsten Offensive berichtet.

Dieser Artikel erschien bei Karl Weiss

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Kroat-Rocker Marko Perkovic und die Hypo-Alpe-Adria Bank

Dr. Alexander von Paleske— 29.6. 2007 — Heute Morgen erschien eine kleine Meldung in dem Weblog “Die Jüdische”, der in Österreich beheimatet ist. Danach soll die Skandalbank Hypo-Alpe das Sponsorship für den kroatischen Rocksänger Marko Perkovic alias Thompson eingestellt haben. Das wäre normalerweise keine Zeile wert, aber Marko Perkovic ist nicht irgendwer, sondern der zurzeit wohl populärste Rocksänger Kroatiens. Er hat eine Welttournee hinter sich gebracht, die in der Hafenstadt Split im Jahre 2002 mit 40.000 Menschen begann und im Jahre 2005 in Melbourne Australien zu Ende ging.

Auch in Deutschland trat er auf, im April in Frankfurt vor 13.000 zahlenden Besuchern und im Juni in Zagreb/Kroatien vor 60.000. Die Musik soll von der legendären Pop-Gruppe Abba abgekupfert sein, behaupten einige, die Texte sind offenbar außerordentlich rechtslastig.

Eine Kostprobe:
“Jasenovac und Gradiska Stara, da sind die Schlächter von Maks zu Hause.“

Zur Erinnerung:
Jasenovac war ein KZ zur Zeit der faschistischen Ustascha-Herrschaft in Kroatien und Bosnien Hecegovina nach dem Einmarsch deutscher Truppen im Jahre 1941. Die Ustascha wurde von einem Zagreber Rechtsanwalt namens Ante Pavelic angeführt und war das Pendant zu Adolf Hitlers NSDAP. Wie in Nazi-Deutschland wurden von der Ustascha (übersetzt: Freiheitskämpfer) Rassengesetze nach deutschem Vorbild erlassen und Konzentrationslager eingerichtet. Das größte war Jasenovac, 100 km südlich von Zagreb gelegen. Dort wurden Juden, Roma und Serben sowie antifaschistische Widerstandskämpfer eingeliefert und auf brutalste Weise ermordet. Die Zahl der Getöteten schwankt. Es sollen etwa 290.000 Serben, 30.000 Juden und 30.0000 Roma gewesen sein. Kommandant des Lagers war der von Perkovic besungene Vjekoslav ‘Maks” Luburic (1914-1969)

Nun ist das Sponsorship der Skandalbank Hypo-Alpe für Faschistenfreunde nichts Neues. Schon der Vertreter des ehemaligen Mehrheitseigentümers der Hypo-„Skandalpe“ des Landes Kärntens, der Landeshauptmann Jörg Haider war durch die Empfehlung der hitlerschen Arbeitsmarktpolitik aufgefallen.

Auch der von der Hypo-„Skandalpe“ gesponserte kroatische Skiathlet Ivica Kostelic hatte durch Nazi-freundliche Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht, wie schon unter „Journalismus – Nachrichten von Heute“ berichtet.

Nun also auch Marko Perkovic, alias Thompson. Allerdings kann sich die Bayerische Landesbank als neuer Mehrheitsaktionär, anders als der Rechtsaußen Jörg Haider, derartige Faschistenfreunde auf der Liste der Gesponserten nicht leisten. Nur so ist die Entscheidung der Hypo-„Skandalpe“ zu verstehen.

linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale
linkEin kroatischer Rechtsrocker und die „Junge Freiheit“ in Deutschland
Kroatiens Rechts-Rocker Marko Perkovic – im Ausland unerwünscht
Jörg Haiders Hypo-Alpe (Skandalpe) auf dem Balkan
Der Fall Hypo-Alpe-Adria- Bank (Skandalpe) – Ein österreichisch-deutsches Schmierenstück.
Hypo-Alpe wird zum Beckstein-Skandal
Prostituierte, Parties, Pferderennen, Penny Stocks, Deutsche Bank in Toronto und Khashoggi
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe

kriminalitaet

Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien

Dr. Alexander von Paleske —- 29.6. 2007 — Unser Ausflug in die Skandallandschaft der österreichischen Banken, der sich ausschließlich mit der Hypo-Alpe Adria beschäftigte, kann nicht abgeschlossen werden, ohne einen Blick auf den zweiten großen Skandal zu werfen, den mit der Bank für Arbeit und Wirtschaft. Das soll nicht heißen, dass die Alpen-Republik nicht noch weitere Skandale zu verdauen hat, aber dies es sind die größten und die meist diskutierten.

Wie alles anfing
Begeben wir uns also in die Seitzergasse in Wien, zum Hauptquartier dieser Bank, einstmals von dem ehemaligen Marxisten und späteren Staatskanzler und Sozialdemokraten Karl Renner im Jahr 1922 gegründet; dort sollten sich die Arbeiter günstige Kleinkredite beschaffen können und nicht von der Benutzung kapitalistischer Einrichtungen abhängig sein. Der Vorläufer war der Kreditverband der österreichischen Arbeitervereinigungen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland gab es ähnliche Einrichtungen, genannt sei die Bank für Gemeinwirtschaft, eine Gewerkschaftsbank und einstmals viertgrößte Bank der Bundesrepublik, bevor sie Mitte der 80er Jahre durch Misswirtschaft in die roten Zahlen abrutschte und schließlich als selbständige Bank verschwand.

Nachdem die Nazis in Österreich die Arbeiterbank aufgelöst hatten, entstand sie nach dem 2. Weltkrieg erneut als Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (BAWAG). Die BAWAG hatte, als “Bank der kleinen Leute” einen großen Kundenkreis und durch die Streikgelder der Gewerkschaften, die dort Mehrheitsaktionär waren, eine solide Grundlage. Das sollte sich jedoch grundlegend ändern, denn jetzt machte sich der Gierfaktor allenthalben breit, mit dem es zunächst hoch hinaus ging, bevor dann der geschickt verschleierte Absturz kam.

Die flotten Flöttls – oder: Wenn der Vater mit dem Sohne.
Walter Flöttls begann seine Karriere noch in den geruhsamen Zeiten der BAWAG. Stetig stieg er von 1950 an die Stufenleiter in der Bank herauf, bis er 1981 Vorstandsvorsitzender wurde. Diese Geruhsamkeit redete ihm offenbar sein Sohn Wolfgang aus. Der hatte nicht nur in Österreich das Recht studiert, sondern sich auch an der London School of Economics und an der Harvard Universität in den USA weitergebildet.

Und da die Kassen der Bank mit Arbeitergeldern gut gefüllt waren, sollte das Geld jetzt erst einmal richtig in Schwung gebracht werden; nicht läppische Kreditzinsen, sondern satte Spekulationsgewinne bei denen der Sohn als Vermittler natürlich auch ordentlich mitverdienen sollte. Also ab in die Karibik in das Paradies der Briefkastenfirmen! Zum Beispiel: Anguilla, wo hinter hochtrabenden Namen sich oftmals nicht einmal ein Büro befindet. Zwei Milliarden US Dollar erhielt der Sohn für das Handeln mit Swaps, etwas, was mehr mit dem Casino als mit solider Banktätigkeit zu tun hat. Und weil der Vater Flöttl offenbar den Sohn als Teil von sich ansah, wurde natürlich der Aufsichtsrat auch nicht informiert. Das Swapsen fing erstmals im Jahre 1987 an und ging bis 1994 gut – im Bermudadreieck verschwindet ja auch nicht jedes Schiff. Aber die Öffentlichkeit war empört, dass die Arbeiterbank sich an diesem Casinokapitalismus beteiligte, steuerfrei versteht sich.

Ein Sturmtief im Bermudadreieck
Der Vater zog 1995 in den Ruhestand, aber der Nachfolger Helmut Elsner, zur Zeit im Gefängnis zu erreichen, hatte offenbar Gefallen an dieser scheinbar unermüdlichen Gelddruckmaschine gefunden, und so ging es also wieder mit Wolfgang Flöttl und den Arbeiter- und Gewerkschaftsgeldern ins Bermudadreieck. Und dieses Mall erwartete das mit Geld beladene Schiff ein Sturmtief: Eine Milliarde Euro gingen über Bord bei riskanten Spekulationsgeschäften.

Nun folgte der zweite Teil des Schmierenstücks: Die Verheimlichung. Für diese Casinoverluste musste ja gerade gestanden werden, und das tat der österreichische Gewerkschaftsbund. Der opferte die Streikkasse. Rund 1 Milliarde Euro wanderten in Richtung Karibik schön versteckt hinter wohlklingenden Namen im Briefkastenformat und mit Hilfe einer Brokerfirma namens REFCO, geleitet von einem gewissen Herrn Philip Bennett. Im Jahr 2005 geriet dann der gute Freund REFCO bzw. Bennet in Schwierigkeiten.

Ein guter Freund
Das war nicht das Ende einer wunderbaren Freundschaft, sondern die Verlängerung. Denn jetzt gab die BAWAG dem Herrn Bennet bzw. seiner notleidenden Firma REFCO, die so schön bei der Verschleierung mitgemacht und mitverdient hatten, noch einen Kredit über 350 Millionen Euro, wenige Tage bevor REFCO zusammenbrach und erhielt dafür 34 Prozent der REFCO-Aktien als “Pfand”, wenige Tage später nichts mehr wert. Herr Bennett wanderte ins Gefängnis.

Aber damit nicht genug, denn jetzt rückten die anderen REFCO-Gläubiger der BAWAG auf die Pelle. Sie beschuldigten die BAWAG, bei REFCO mit im Buero bei dessen Betrugsmanövern gesessen und mitgemischt zu haben. Also, um das Problem loszuwerden: Nochmal zahlen, dieses Mal eine Milliarde Euro.

Die bayerische Landesbank, der jetzige Käufer der anderen Skandalbank, der Hypo Alpe, hatte sich offenbar rechtzeitig im Jahr 2004 von ihrem Aktienpaket getrennt.

„A Bank for Sale“
BAWAG war nun reif zum Verscherbeln. Und als Käufer trat eine Equity Firma namens Cerberus (zu Deutsch: Höllenhund) auf den Plan. Die Bank wurde sozusagen „verheuschreckt“. Die ganzen Details der chronique scandaleuse sollten nun im Untersuchungsausschuss des österreichischen Parlaments ans Tageslicht befördert werden. Dazu soll es aber nicht kommen. Denn das Ende der Ausschussberatungen wurde für den 2 Juli festgesetzt. Etliche Zeugen sind aber erst danach abkömmlich. Warum diese Eile?

Es bestehen vielleicht nicht grundlose Vermutungen, dass nicht alles Geld im Bermudadreieck über Bord gegangen ist, sondern ein Teil davon seinen Weg in die Alpenrepublik zurückgefunden hat, in diesem Fall in die Parteikasse der SPÖ. Und da die ÖVP sich mit einem ähnlichen Problem herumschlägt und Haider mit der Hypo-Alpe sowieso, sieht alles nach einer einverständlichen Skandalbeerdigung erster Klasse aus.

Wäre ja noch schöner, wenn man neuerdings auch noch die eigenen Skandale ausgraben muss! Nur die Grünen wollen weiter graben, aber haben nicht die Mehrheit, um das durchzusetzen.

Tu felix Austria ….. dupe

Die lange Reise der Finanzjongleure in den Knast
Jörg Haiders Hypo-Alpe (Skandalpe) auf dem Balkan
Der Fall Hypo-Alpe-Adria- Bank (Skandalpe) – Ein österreichisch-deutsches Schmierenstück.
Prostituierte, Parties, Pferderennen, Penny Stocks, Deutsche Bank in Toronto und Khashoggi
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Adnan Khashoggi, Rakesh Saxena and the Spiderweb

kultur

Berner Kulturjournalismus „Super Light“ verabschiedet sich

Stephan Fuchs – Mit 84 Wörtchen, respektive 533 Zeichen verabschiedet sich die „Berner Kulturagenda“ in einer super knappen Medienmitteilung vom Berner Steuerzahler. Kein Warum, kein Wieso. Das Geld fehle eben. Et voilà, Kulturjournalismus „Super Light“ eben. Tragisch ist, dass in den zwei Jahren mit 65 publizierten Ausgaben à 32 Seiten mit 5 (!) redaktionellen Seiten eine Million Franken Steuer- und Kulturgelder verbraten worden sind.

Autsch das schmerzt. Das schmerzt den Steuerzahler, das schmerzt die Kultur; denn da herrscht ein finanzieller Scherbenhaufen. An ganz vorderster Front verantwortlich für das Debakel ist der Berner Kultursekretär Christoph Reichenau. Er hat das Projekt trotz Warnungen von verschieden Seiten durchgeboxt. Wollte er sich ein Denkmal setzen? Dass die „Berner Kulturagenda“ schon länger am verkümmern war, ist Beobachtern schon lange aufgefallen. Offensichtlich auch Reichenau, denn der trat im günstigsten Moment vom Präsidialposten des gegründeten Vereins „Verein Berner Kulturagenda“ zurück. An seine Stelle setzte sich Dorothe Freiburghaus, die sich in ihrem ersten geschriebenen Editorial auf dem Foto als Präsidentin denn auch prompt mit Weinglas ablichten liess.

Zumindest in der, laut Reichenau „vorläufig letzten Nummer“, die heute Donnerstag zum letzten mal im Frühverteiler der Berner Zeitungen „Bund“ und „BZ“ beigelegt ist, hätte der Steuerzahler und kulturinteressierte Berner vielleicht etwas Substantielles vom Verlagsleiter Oliver Wermuth erwarten können. Es ist unglaublich: In der Rubrik „Kulturkopf“ erzählt er in seiner letzten Publikation über seine Zuneigung zu „Schoggi“, insbesondere der Kinderschokolade. Hier einige Passagen des Verlagsleiters:

„…ab, und zu gibts ein bisschen Schoggi. Meine Lieblingssorten? Eigentlich alle, obwohl die Kinderschokolade mein Favorit ist.“

„Wo ich in zehn Jahren sein werde, ist schwer zu sagen. Meistens weiss ich nicht einmal, wo ich in den nächsten fünf Minuten bin, weil immer mal wieder das Telefon klingelt oder ein Mail reinflattert, und dann muss ich springen.“

„Noch letzte Woche hatte ich die Anzahl der gelben Zettel auf ein Minimum reduziert, aber heute pflastern sie schon wieder meinen Schreibtisch zu. Doch zu diesem Phänomen wie auch zu meiner unkonventionellen Pultordnung (Anm d Red: Pultordnung ist ein Grundstufenausdruck in der Schweiz) sage ich: An meinem Arbeitsplatz laufen die Geschicke der Kulturagenda zusammen, das braucht halt seinen Raum.“

Berner Kulturjournalismus „Super light“ eben. In einer E-Mail die mich heute erreichte stand:

„Das ist einfach nur SCHWACHSINN… und wenn das die Berner LeserInnen und die Berner Kulturinstitutionen nicht sehen – wenn die also wieder für nichts weiter als SCHWACHSINN Geld in die Aare schmeissen, dann… bin ich einfach nur sprachlos und des Journalismus überdrüssig.“

Ja, da kann man sich nur anschliessen. Denn wenn es nach Kultursekretär Reichenau geht, dann ist die Geschichte einer Berner Kulturagenda noch nicht abgeschlossen. Er will es wieder versuchen. Dieses mal als Beilage beim Berner Anzeiger – einem Gratisblatt, das die Meisten mit einem „WILL ICH NICHT“ Aufkleber aus dem Briefkasten raushalten wollen. Reichenau, will aber genau da rein:

„Dies ist im Interesse aller und macht die eingesetzten Steuermittel nützlich. Eine Win-win-Situation in jeder Hinsicht also, wenn deren Finanzierung möglich ist.“

Ja klar, das haben wir auch schon bei der ersten „Kulturjournalismus Light“ Version gehört. Was wir aber auch gehört haben ist, dass von Seiten Reichenau in den neuen Verhandlungen mit den Geldgebern – den Kulturhäusern und schlussendlich dem Steuerzahler – wieder Druckmittel eingesetzt werden. Sizilien ist eben nicht weit von Bern.

Berner Kulturagenda
Berner Kulturagenda kann sich kaum mehr überbieten

spionage

Intelligence officials confirm Kissinger role in Turkish invasion

Larisa Alexandrovna and Muriel Kane – Release of CIA’s ‘Family Jewels’ provides insight into political juggernaut and Bush Administration adviser

Former Secretary of State Henry Kissinger pushed for the 1974 Turkish invasion of Cyprus and allowed arms to be moved to Ankara for an attack on that island in reaction to a coup sponsored by the Greek junta, according to documents and intelligence officers with close knowledge of the event.


“In all the world the things that hurt us the most are the CIA business and Turkey aid,” Kissinger declares in one of those documents. On the surface, the comment seems innocuous, but the context as well as the time period suggests Kissinger had abetted illegal financial aid and arms support to Turkey for its 1974 Cyprus invasion.

Nearly 700 pages of highly classified Central Intelligence Agency reports from the 1970’s, known collectively as the „Family Jewels,“ are slated for public release today. However, the National Security Archive had previously obtained four related documents through the Freedom of Information Act and made them public Friday. “In all the world the things that hurt us the most are the CIA business and Turkey aid,” Kissinger declares in one of those documents, a White House memorandum of a conversation from Feb. 20, 1975. On the surface, the comment seems innocuous, but the context as well as the time period suggests Kissinger had abetted illegal financial aid and arms support to Turkey for its 1974 Cyprus invasion.

In July and August of 1974, Turkey staged a military invasion of the island nation of Cyprus, taking over nearly a third of the island and creating a divide between the south and north. Most historians consider that Kissinger – then Secretary of State and National Security Advisor to President Gerald Ford – not only knew about the planned attack on Cyprus, but encouraged it.

According to columnist Christopher Hitchens, author of the book „The Trial of Henry Kissinger,“ „At the time, many Greeks believed that the significant thing was that [Prime Minister Bulent] Ecevit had been a pupil of Kissinger’s at Harvard.“

However, a former CIA officer who was working in Turkey at the time, suggests that Kissinger’s statement in the memorandum about Turkish aid likely means the Ford administration, following Kissinger’s advice, conducted business under the table with right-wing ultra-nationalist General Kenan Evren, who later dissolved Parliament and became the dictator of Turkey in a 1980 coup.

“The implication is that the US government was dealing directly with General Evren and circumventing the [democratically elected] Turkish government,” the former CIA officer said. “This was authorized by Kissinger, because they were nervous about Ecevit, who was a Social Democrat.”

“We technically cut off military aid for them,” the officer added, referring to an arms embargo passed by Congress after the invasion. “Technically… technically, but this would imply that the military and/or probably CIA aid continued even after the aid was cut off by Congress. This may substantively be what led to the overthrow eventually of Ecevit.” Read all @ RawStory

vermischtes

Erzherzog Hugo Köhler – Neue Geheimnisse umgeben das Haus Habsburg

Malte Olschewski – Die Geschichte des Hauses Habsburg muss ein wenig umgeschrieben werden, denn Erzherzog Johann Salvator ist 1890 ziemlich sicher nicht bei einem Sturm vor Kap Hoorn umgekommen. Er hat als Hugo Köhler in Norwegen ein neues Leben begonnen und ist 1945 in Kristiansand gestorben. Seine Nachkommen erheben nun Anspruch auf den früheren Besitz des Erzherzogs, darunter auch auf das bekannte Schloss Ort im Traunsee. DNA-Tests sollen in Kürze Klarheit bringen, doch hat das Tagebuch Köhlers für neue Verwirrung in der Tragödie von Mayerling gesorgt.

Johann Salvator ist als Mitglied der habsburgischen Toskana-Linie 1852 geboren. Die Habsburger mussten nach Gründung der italienischen Republik flüchten und fanden Aufnahme bei Kaiser Franz Joseph. Johann Salvator schlug die militärische Karriere ein und wurde mehrmals in die hintersten Winkel der Monarchie strafversetzt. Trotzdem wurde er, weil er eben ein Habsburger war, Feldmarschall-Leutnant. Zu seinem Cousin, Kronprinz Rudolf, unterhielt er eine enge Freundschaft. Man tauschte Ideen zu einer Reform der Monarchie aus. Beide Erzherzöge wurden deshalb vom k. und k. Geheimdienst überwacht, der sich fragen musste, wer von beiden der grössere Sonderling war. Während Rudolf jeden Monat seine Haartracht änderte und an Syphilis laborierte, unterstützte Johann Salvator den Pfarrer Saunier bei der Suche nach dem Heiligen Gral.

Während Rudolf schon nach einer Gefährtin für den Freitod suchte, lehnte Johann Salvator die bulgarische Krone ab. Wie sein Cousin Rudolf publizierte er unter Pseudonymen in verschiedenen Zeitschriften. Rudolf hat am 30.1.1889 im Jagdschloss Mayerling seine Geliebte Mary Vetsera und dann sich selbst erschossen, wobei einige Umstände dieser Tat bis heute noch nicht aufgeklärt sind. Die Gräfin Larisch, erzählt die habsburgische Legende, verwahrte in der Folgezeit eine Kassette, deren Inhalt die Wahrheit über Mayerling bergen würde. Sie sollte sie nur jenem aushändigen, der ihr das Kürzel „RIOU“ (Rudolf Imperator Österreichs und Ungarns) mitteilen würde. Wer dann kam, das Kürzel wusste und die Kassette erhielt, war Johann Salvator.

Tatsache ist, dass Johann Salvator acht Monate nach der Tragödie von Mayerling den Militärdienst quittierte. Er verliess auch das Haus Habsburg und verzichtete damit auf alle Ansprüche. Er nannte sich nach seinem Besitz im Traunsee Johann Ort. Mit seiner langjährigen Geliebten Milli Stubel, ging er nach Hamburg, wo er ein Schiff kaufte. Nach einer Landung in La Plata wollte er nach Chile segeln. Bei der gefährlichen Passage um Cap Hoorn ging die „Santa Margarita“ unter. Der Erzherzog und seine Geliebte sollen nicht überlebt haben. 1911 wurde Johann Ort für tot erklärt.

Aus den Schriften und Briefen des Erzherzogs geht hervor, dass er ein zweites Leben schon seit langem geplant hatte. Es ist sicher, dass er bereits 1881 in Hamburg für viel Geld die Papiere des Kartografen Hugo Köhler gekauft hat. Köhler brauchte damals Geld, um in Ägypten seine Tuberkulose auszuheilen. Nach den Eintragungen seiner Heimatgemeinde Eilenberg in Sachsen ist Köhler in Ägypten gestorben. In den Jahren nach 1890 ist ein Mann mit seinen Papieren mehrfach durch Norddeutschland und Skandinavien gereist, um sich dann in Kristiansand niederzulassen. Am Totenbett hat Hugo Köhler seinen Nachkommen mitgeteilt, dass er der verschollene ehemalige Erzherzog Johann Salvator sei. Sein Enkel Franz Johan Köhler Nielsen (*1927) und sein Urenkel Henrik Danielson (*1970) haben dem Schloss Ort und der Gemeinde Gmunden einen Besuch angestattet.

Familienexperten konnten bei den Besuchern keine der berühmten Spezifikationen des Hauses Habsburg -schmale Kopf- Karotte, näselnde Sprechweise und tief hängende Unterlippe- feststellen. Dass die Nachkommen des Erzherzogs Hugo Köhler das Schloss Ort rückerstattet bekommen, ist nur schwer möglich. Das Schloss war 1918 wie alle anderen Besitztümer der Habsburger verstaatlicht worden und gehört heute als Touristenattraktion und Standesamt der Gemeinde Gmunden. So wie sich die Stadt über Belebung aus dem hohen Norden freut, so kann auch die habsburgische Memorabilien- Industrie Österreichs eine weitere Variante der Tragödie von Mayerling abarbeiten. Es hat Hugo Köhler in seinem Nachlass viele Briefe, Tagebucheintragungen und Skizzen hinterlassen. „Wunderliches Schicksal. Bereue meinen Schritt doch nicht: Tot für die Welt, lebend für edle Taten.“

So schreibt er. Es ist auch eine farbige Skizze zu sehen, in der er Kaiser Franz Joseph bei einem Diner mit seinen toskanischen Verwandten zeigt. Als er auf Mayerling zu sprechen kommt, geht dem habsburgischen Sonderling die Fantasie durch. Er will mit vielen anderen am 30.1.1889 an einem rauschenden Champagnerfest in Mayerling dabei gewesen sein. Mary Vetsera habe völlig betrunken den Kronprinzen zur Annahme der ungarischen Krone gedrängt.

Er, Johann Ort, habe in diesen Aufgenblick die Szene verlassen. Dann habe er einen Schuss gehört. Er sei zurückgekehrt, worauf noch ein Schuss gefallen sei. Es sei ihm dann Kammerdiener Loschek mit rauchender Pistole entgegengekommen. Mary Vetsera habe aus Enttäuschung über Rudolf eine Champagnerflasche auf seinem Schädel zertrümmert und ihn so getötet. Kammerdiener Loschek haben den Mord an seinem Herren gerächt und Mary Vetsera erschossen. Diese Version ist völlig ausgeschlossen, doch führt sie zu der Frage, warum Johann Ort alias Hugo Köhler die Schuld an der Tragödie auf die unbedarfte 16jährige Mary schiebt.

spionage

Der CIA „Family Jewels Bericht“ – nicht mehr als Toilettenpapier

Stephan Fuchs – Um 11.30 wurde die bemerkenswerte Sammlung des amerikanischen National Security Archive um ein Juwel reicher. CIA Agenten brachten die lange erwartete 702 Seiten umfassende Geheimgeschichte des amerikanischen Auslandgeheimdienstes CIA, den „Family Jewels Report“. Nach 15 jähriger Wartezeit. 1992 stellte das Archiv über den Freedom of Information Act FOIA den Antrag zur Veröffentlichung der geheimen Dokumente.


Jane Fonda beim Feind im Vietnamkrieg; den Vietcong

Der FOIA gibt jedem US-Bürger das Recht, Zugang zu Dokumenten der Regierung der USA zu verlangen. Das Gesetz wurde am 4. Juli 1966 von Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet und trat ein Jahr später in Kraft. Der Johnson-Regierung gelang es jedoch, die Gesetzesvorlage, so weit zu verwässern, dass das Gesetz kaum praktische Auswirkungen hatte. Erst 1974 wurde das Gesetz zu einem wirksamen Instrument. Geheime Dokumente können – nach der Sperrfrist – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, allerdings sind sie nicht viel mehr als Toilettenpapier: Blütenweiss.

Der „Family Jewels Report“ gibt Einblick in einen Teil der schmutzigen Arbeit im Dienste für das Vaterland. Die Veröffentlichung schildert die illegalen CIA Operationen aus den 60er und 70er Jahren. Der Bericht – von den Medien als „Aufräumaktion“ und als „Schlussstrich unter geheimdienstlicher Schmutzarbeit“ umgarnt und lobend geschildert, ist aber Altweibergewäsch. Nichts Neues. In den 700 Seiten „Brisanz“ wird bestätigt, was mittlerweile zum Allgemeinwissen gezählt wird. Ja, die CIA wollte den kubanischen Präsidenten Fidel Castro ermorden – mit Hilfe des Cosa Nostra Mafiosi John Roselli, steht in dem Bericht. Nicht nur Castro, sondern auch andere Politiker standen auf der Abschussliste des Auslandgeheimdienstes. Auch gegen den „Inneren Feind“ war der Dienst aktiv beteiligt. Ja, US Journalisten wurden bespitzelt. Ja, die amerikanische Vietnamgegnerin Jane Fonda ebenso.

1976 fand man die Leiche von Jonny Roselli bei der Dumfounding Bay in Florida, in einem 55 Gallonen Ölfass. Wie er da rein kam, das weiss der CIA Report nicht zu klären – vielleicht ist die Geheimgeschichte im „Family Jewels Report“ eben doch nicht ganz erzählt – oder versteckt sich unter den seitenlangen weissen Stellen.

Der „Family Jewels Report“ als PDF

Krieg

US – Generalmajor Taguba zwangspensioniert – Er untersuchte die Folter von Abu Ghraib

Karl Weiss – Der Generalmajor der US-Army, der damals in den Jahren 2003/2004 die Untersuchungen über die Folter an irakischen Gefangenen im Lager Abu Ghraib durchgeführt hatte, ist gezwungen worden, sich vorzeitig pensionieren zu lassen.

Generalmajor Taguba, damals zuständig für die Abu Ghraib-Untersuchungen, hat dem „New Yorker“ ein Interview gegeben, in dem er sich beklagte, man habe ihn zuerst aufgefordert, die Vorgänge zu untersuchen, aber später, als er dies wirklich tat, ihm vorgeworfen, er sei „übergenau“ vorgegangen.


Illoyal zu Bush? Loyal zum Recht: Der General muss packen

Er sei brüsk vom damaligen Verteidigungsminister Rumsfeld behandelt worden, nachdem die Untersuchungen im Jahr 2004 beendet worden waren, ebenso wie von anderen führenden militärischen und zivilen Amtsträgern.

Er liess durchblicken, dass man offensichtlich keine objektive Untersuchung von ihm erwartet hatte, sondern ein „Unter-den Teppich-kehren“ des Falles. Man habe ihn als illoyal bezeichnet.

Die Besten der Armee müssen gehen
Er nannte den Namen des Vize-Verteidigungs-Staatssekretärs Hall, der ihm im Januar 2006 eröffnet habe, „er sei nicht mehr Teil des Teams“. Er habe sich noch innerhalb dieses Jahres in die Pension zu verabschieden, wurde ihm im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang damit bedeutet.

Im März 2004 hatte Taguba, seit Januar 2007 pensioniert, einen Bericht geschrieben, in dem er betonte, es sei in Abu Ghraib „zu zahlreichen Fällen von sadistischen, blutigen und grausamen Behandlungen von Gefangenen“ durch Soldaten der 372. Kompanie der Militär-Polizei gekommen. Später waren einige der Soldaten zu geringfügigen Strafen verurteilt und z.T. aus der Armee entlassen worden.

General Taguba hatte bereits in einem frühen Stadium der Untersuchung Teilberichte und die später bekannt gewordenen Bilder (so wie auch andere Bilder) an seine Vorgesetzten im Pentagon geschickt. Trotzdem behauptete Rumsfeld noch im Mai 2004, man habe ihm weder ein Exemplar des Berichts noch die Bilder zu sehen gegeben.

Dazu erklärte auf Anfrage der „New York Times“ Rumsfelds frühere Top-Assistentin Di Rita, der Minister sei von seinen Anwälten gewarnt worden, sich den Bericht und die Bilder anzusehen. Sie verneinte, dass Rumsfeld die Frühpensionierung von Taguba angeordnet hätte, machte aber im Wortlaut deutlich, was sie und Rumsfeld von Taguba hielten: Sie sagte, Rumsfeld und sie seien überzeugt gewesen, der General habe bei der Untersuchung „getan, was seine Fähigkeiten ermöglichten“.

Die Ehre der Armee gehört dem General, nicht Bush
Taguba wies noch ausdrücklich darauf hin, er habe wesentliche Bilder und Videos nicht veröffentlichen lassen, weil sie zu grausam gewesen seinen, darunter ein Video, das einen US-Soldaten in Uniform beim „Sodomisieren“ (sodomizing) einer weiblichen Gefangenen zeigte. Unter „Sodomisieren“ versteht man im US-Sprachgebrauch den Analverkehr.

Der General hatte damals keine Erlaubnis erhalten, die Untersuchungen auf die Frage auszudehnen, ob und von wem die Soldaten zu der Folter angehalten worden waren. Er eröffnete nun im Interview seine Ansicht, die verhörenden Beamten des Militärgeheimdienstes (der direkt Rumsfeld unterstand) hätten Anordnungen dieser Art gegeben.

Damit ist nun nachträglich deutlich geworden, was man damals schon vermutete. Die Folter in Abu Ghraib war weder ein Einzelfall noch waren es einzelne Soldaten, die „über die Stränge schlugen“. Es handelte sich um systematische Folter, die angeordnet wurde und weiterhin wird.

Das einzige, was an Abu Ghraib von Bush und seiner Truppe für falsch angesehen wird, ist die Veröffentlichung und die Untersuchung darüber. Das macht deutlich, was man von diesem Typ von Politikern zu erwarten hat.