deutschland

Die Macht der reichen G8 (2) – Der Gipfel als Katastrophe

Michael Schulze von Glaßer – Nichts fürchten die Regierungschefs der sieben größten Industrienationen (G7) und Russland, die so genannten G-8 Staaten mehr, als dass der Inhalt der dreitägigen Konferenz bekannt wird. So wurde das Kempenski-Hotel im Ostseebad Heiligendamm vorsichtshalber schon ein halbes Jahr bevor der erste Regierungschef den Ort betritt von der Bundesregierung gemietet. Schon jetzt stehen rund um die Uhr Wachmänner bereit, um jeden „Eindringling“, sei es Maus oder Mensch, unschädlich zu machen. Keine Chance für Spionage – doch auch nicht für Demokratie. Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben!

Der Tagungsort, Heiligendamm, gehörte früher zur DDR – einem Land, das von einem breiten Todesstreifen zum Westen hin abgeschottet wurde. Rund um den westlichen Teil von Berlin gab es eine Mauer, die „Berliner Mauer“, errichtet im Auftrag der damals Verantwortlichen der DDR, von Ulbricht und seinen SED-Genossen. Diese Mauer wurde noch während ihres Baus zum Sinnbild für Intoleranz, Diktatur, Unterdrückung und Menschenfeindlichkeit. Nach dem Fall der Mauer Ende 1989 sollte es nie wieder eine solche Mauer in der wiedervereinten Bundesrepublik geben. Doch das war ein Trugschluss.

Am 15. Januar 2007 rückten Arbeiter an, um auf zwölf Kilometer Länge über Straßen, Wiesen und Wälder, einen zweieinhalb Meter hohen Zaun um Heiligendamm zu errichten. Damit aber nicht genug: 50 Zentimeter soll der mit Beton verankerte Zaun in den Boden reichen, um auch ja keinen „Maulwurf“ durchzulassen. Mit NATO-Stacheldraht, Kameras und Bewegungsmeldern bespickt ist dieser Mauerzaun und es ist schon jetzt unmöglich nur in die Nähe des Zauns zu kommen – bereits nach kurzer Zeit kreisen Hubschrauber der Bundespolizei über Besucher der Mauer. Allein der Zaun kostet 12,5 Millionen Euro – Bundesland Mecklenburg-Vorpommern muss zahlen; nur ein kleines Bruchstück der Kosten für den dreitägigen Gipfel, die sich auf rund 100 Millionen Euro belaufen.

Es gibt zwei Durchgänge durch den Zaun, die von der Polizei kontrolliert werden. Die 280 Einwohner von Heiligendamm wurden im Frühjahr von der örtlichen Polizei registriert. Jeder, der während des Gipfels, vom 6. – 8. Juni in das abgeriegelte Terrain muss – vor allem die Bediensteten des Hotels Kempinski – wird vorher genau gefilzt.

Die Polizei gründete anlässlich des G8-Gipfels in Deutschland schon im Jahr 2005 den Arbeitskreis „Kavalar“, der sich um die „Sicherheit“ des Gipfels kümmern sollte. Der Arbeitskreis erarbeitete die Strategie der Polizei während des Gipfels.

Ob die Polizisten damit die Demokratie schützen, mag dahingestellt sein. Der Leitende Polizeidirektor Knut Abramowski sprach in einem Interview von weit mehr als 12.500 Polizisten die während des Gipfels und natürlich auch schon im Vorfeld für „Ruhe“ sorgen sollen. Globalisierungskritiker rechnen mit etwa 16.000 Polizisten vor Ort. In einer Reportage der ARD sprach eine Einwohnerin von Heiligendamm davon, laut Polizeiangaben stünden jedem Haushalt drei Polizisten beiseite – davon zu sehen soll bisher allerdings wenig sein.

Neben der Polizei ist auch die Bundeswehr im Einsatz. Mal wieder ist die Armee im Inland unterwegs, jedoch nicht wegen Katastrophenschutz, sondern mit der Begründung „Amtshilfe“ leisten zu müssen.

Bisher lehnte die Bundeswehr keine Anfrage der örtlichen Landkreise ab. Dies kann als Indiz dafür genommen werden, dass es der Bundeswehr vor allem um Akzeptanz von Inlandseinsätzen geht. Verteidigungsminister Jung wird 1.100 Soldaten und zivile Mitarbeiter der Bundeswehr in die Region um Heiligendamm schicken. Die Luftwaffe soll, wie zurzeit in Afghanistan, auch über Heiligendamm Aufklärungsarbeit leisten. Außerdem stellt die Bundeswehr in Heiligendamm für 6.500 Polizisten Unterkünfte zur Verfügung. Besonders auf der Ostsee soll die Bundesmarine dafür sorgen, dass der G8-Gipfel ohne Zwischenfälle verläuft. So sind neben einigen Verkehrsbooten, die während des Gipfels für die Infrastruktur sorgen sollen, auch zwei Minenjagdboote und sogar eine Fregatte im Einsatz.

Von der Ostsee droht den G8 vor allem Gefahr von Greenpeace. Die Umweltorganisation besitzt zahlreiche Schiffe. Aktionen vor der Küste Heiligendamms sollen sich in der Planungsphase befinden. Auf dem Festland rechnen die Sicherheitskräfte vor allem mit Blockaden der Zufahrtswege. So hat sich in den letzten Monaten unter dem Namen „Block G8“ ein breites Bündnis von Organisationen gesammelt, die sich zum Ziel gesetzt haben den G8-Gipfel mit Menschenansammlungen und andere Aktionen zu verhindern.

Diese Strategie zielt vor allem auf die Infrastruktur des Gipfeltreffens ab. So werden die Staatsoberhäupter wohl stillecht mit dem Hubschrauber anreisen, das Personal und die Zulieferer werden jedoch, wohl oder übel, den Landweg benutzen müssen. Natürlich wissen die G8-treuen Kräfte dies und werden aller Voraussicht nach versuchen, viel Personal und Verpflegung auf dem Seeweg zum Hotel, dass eine eigene Landungsbrücke besitzt, zu bringen. Während des Gipfels mit dem Flugzeug zum Flughafen Rostock-Laage zu fliegen empfiehlt sich nicht, weil auch der Flughafen blockiert werden soll.

Das Bundes und Mecklenburg-vorpommerische Innenministerium und besonders der von vielen Deutschen mittlerweile als „Hass-Prediger“ empfundene Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warten nun wenige Wochen vor dem G8-Gipfel mit einer ganz neuen, noch nie da gewesenen Taktik auf. Um jede Opposition und Störung auf dem Gipfel zu vermeiden, werden potenzielle G8-Gegner schon vor dem Gipfel eingebuchtet und kriminalisiert. Welcher interessierte Bürger wird dann noch zu den Gegendemonstrationen gehen, wenn die reale Gefahr besteht in ein Massengefängnis zu kommen? Das Grundgesetz, das Meinungsfreiheit zusichert, steht offenbar nur noch auf dem Papier, auf dem es gedruckt wurde. Und wie es aussieht, nutzen rechte Politiker den G8-Gipfel gerne zur Kriminalisierung der linken und globalisierungskritischen Szene. Aber was insgesamt gegenwärtig geschieht, scheint psychologische Kriegsführung gegen das eigene Volk zu sein.

In der Schweiz erinnern sich noch einige ehemalige Wehrpflichtige an einen ähnlichen Fall von psychologischer Kriegsführung. Man hatte sie zu militärischen Wiederholungskursen eingezogen. In der Schweiz geschieht dies für alle Wehrpflichtigen drei Wochen im Jahr. Man erzählte ihnen 1997, die Nazis kämen aus ganz Europa zum Zionistenkongress in Basel, um die Teilnehmer auszubomben. Die Wehrpflichtigen erwarteten deshalb massive Schlägereien. Es wurden Überwachungshelikopter, Schützen- und Überwachungspanzer eingesetzt, und im Vorfeld gab es ähnliche Schlagzeilen wie jetzt in den deutschen Medien. Alles wirkte extrem gefährlich und gewaltig, doch letztendlich kam keiner und bombte. Lediglich die Nachrichtenoffiziere sollen sich über den Erfolg ihrer Propaganda gefreut haben. Sie hatten ihren Vorgesetzten bewiesen, wie gut sie die Psychologische Kriegsführung beherrschen.

Für Heiligendamm erwartet selbst die Polizei 100.000 Demonstranten. Wie viele es am Ende werden und mit welchen Mitteln sie aufgehalten werden sollen, wird sich Anfang Juni dort zeigen.

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Links und Quellen:
Konzentrationslager für G8-Kritiker
Ulla Jelpke – PE_070427_BundeswehrG8.pdf
Ulla Jelpke – 1604983_Bundeswehr_G8.pdf“
Ulla Jelpke – vorab_BWHeiligendamm.pdf
polizei.mvnet.de – G8-kavalareport.pdf
uni-kassel – Globalisierung/g8-2007
attac.de – Heiligendamm
move-against-g8
block-g8
smash-g8

deutschland

Konzentrationslager für G8-Kritiker

Marcel-Franz Paulé – Die deutschen Koalisationspolitiker legen sich mächtig ins Zeug und wollen die Terroristen von Links und Rechts „zum Schutz“ des G8-Gipfels in Heiligendamm bekämpfen, die Terroristen der ominösen Mitte jedoch werden übergangen als gebe es sie nicht. Wer aber wollte ihre Existenz noch leugnen, wo sie doch ihre Anschläge aufs deutsche Volk angekündigt haben, wozu besonders Konzentrationslager für alle G8-Kritiker zählen sollen – neudeutsch „Massengefängnisse“ und „Gefangenen-Sammelstellen“ genannt. Bundesdrohminister – pardon: Bundesinnenminister Schäuble natürlich – erwartet Bombenanschläge wie einst in London, und das wirkt auf mich so, als er hätte er sie in seiner Schublade parat.

Deutschland war bisher ein ruhiges Land. Die Taten der Baader-Meinhof-Gestalten, die von der DDR gesponsert wurden, gehören der Vergangenheit an, aber um darauf hinzuweisen, dass es nicht nur unter den Islamisten Terroristen gibt, sondern gerade unter den Deutschen, wurden sie in den vergangenen Wochen mit Unterstützung von Christian Klar wieder hochgekocht. Es scheint, als habe sich der inhaftierte Terrorist mit den Terroristen der ominösen Mitte verbündet und wunschgemäß seine linkisch verquirlt wirkende Botschaft über die Medien geblasen. Dies wird der Grund dafür sein, dass ihn Bundespräsident Köhler nicht begnadigte, denn der Bundespräsident ist schließlich nicht auf den Kopf gefallen und lässt sich nicht gängeln, auch nicht mit Pöbeleien, die fast schon einer Majestätsbeleidigung glichen.

Lorenz Caffier, der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, hat nun angeboten „alle Möglichkeiten ausschöpfen“, um eine Grabesstille über Heiligendamm zu schaffen, doch festlegen wollte er sich nicht. Im Zeitalter der Kaminöfen vielleicht ein versteckter Hinweis auf eine weiter gehende „Sonderbehandlung“ für Festgenommene, denn jedes Massengefängnis wird angesichts der von Schäuble geschürten Proteste schnell überfüllt sein. Er fügte auf der Bundespressekonferenz hinzu, in seinem Land könnten „Personen“ zur Verhinderung von Straftaten „bis zu zehn Tage“ in „Unterbindungsgewahrsam“ genommen werden. Offensichtlich gilt dies alle Deutschen und Ausländer – auch für jene, die nicht gegen den Terror der ominöse Mitte demonstrieren wollten, von denen jedoch erwartet wird, dass sie es könnten; aber wahrscheinlich nicht für jene Nazis, die als Linke getarnt Anschläge verübten und linke Bekennerschreiben versandten.

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spionage

Geiselnahme „light“ am Golf: Nach CIA-Offensive Verhaftungswelle im Iran

Malte Olschewski – Ein Militärschlag der USA gegen Teheran ist durch die Eskalation im Irak unwahrscheinlich geworden, doch die Regierung Bush unterstützt und unternimmt subversive Aktionen gegen den Iran. Das hat zu einer Verhaftungsserie unter prominenten Persönlichkeiten geführt. Der Iran pokert mit „soft hostages“ (weichen Geiseln), um in erster Linie jene Diplomaten und Geheimnisträger freizubekommen, die am 11.1. von US-Kommandos in der Kurdenhauptstadt Arbil festgenommen worden waren.

Mehreren, im Iran geborenen Amerikanern wird durch eine „Geiselnahme light“ die Ausreise verweigert. Den USA geht es in diesem Geheimdienstkieg um Details der iranischen Atomrüstung, während sich der Iran hauptsächlich um Ersatzteile für seine Waffen aus der Zeit des Shahs bemüht.

Der frühere Chefverhandler in Atomfragen, Hussein Mousavian, ist nach zweiwöchiger Haft gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt worden, doch soll er wegen Spionage angeklagt werden. In allen Fällen werden Einzelheiten und Hintergründe nicht bekannt gegeben. Im Fall Mousavian glauben Geheimdienst – Experten wie etwa James Risen in seinem Buch „State of War“, das Motiv zu kennen.


Es wäre nicht das erste Mal, dass die üppig wuchernden „Centers“ in den USA zu Spionagezwecken benutzt worden wären. Es ist auch das eine oder andere „Center“ nur mit dieser geheimen Agenda gegründet worden.

Die amerikanische CIA hätte vor Jahren Pläne zum Bau des Auslösemechanismus für Nuklearwaffen gefälscht und über einen russischen Wissenschafter dem Iran zugespielt. Die Pläne seien Mousavian von dem Russen während einer IAEA-Sitzung in Wien übergeben worden. Dieser habe allerdings auch die Änderung der Bauskizzen verraten. Mousavian, der als enger Vertrauter des Oppositionsführes Rafsandjani gilt, war mit Amtsantritt Ahmadinejads 2006 von einem Hardliner abgelöst worden. Dass er erst jetzt angeklagt wird, dürfte mit den Machtkämpfen in Teheran zusammenhängen.

Üppig wuchernde Centers zu Spionagezwecken
Die Leiterin der Nahostabteilung des Wilson-Centers, Haleh Esfandiari, sitzt schon seit 30.12.2006 in Teheran fest. Die seit 30 Jahren in den USA tätige Frau hatte ihre kranke Mutter besucht. Bei der Rückreise war sie auf der Fahrt zum Flughafen von Unbekannten überfallen worden, die ihr das ganze Gepäck und auch den Pass raubten. Die Behörden weigerten sich, einen neuen Pass auszustellen. Frau Esfandiari wurde immer wieder vom Geheimdienst verhört. Dabei liessen die Beamten durchblicken, dass das hochangesehene Wilson-Center Spionage gegen den Iran betreiben würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass die üppig wuchernden „Centers“ in den USA zu Spionagezwecken benutzt worden wären. Es ist auch das eine oder andere „Center“ nur mit dieser geheimen Agenda gegründet worden.

Auch zwei anderen, im Ausland lebenden Personen wurde nach einem Besuch im Iran die Ausreise verweigert: Der in Kanada lehrende Philosophieprofessor Ramin Jahanbeglou ist ebenso der Spionage verdächtigt worden wie Parnaz Azima. Frau Azima ist eine Mitarbeiterin des Senders „Radio Farda“, der einst wie „Free Europe“ nach Osteuropa nun mit US-Geldern oppositionelle Programme in den Iran sendet. Am 16.4.2007 sind zwei schwedische Bauarbeiter vorzeitig freigelassen worden, nachdem sie im Vorjahr Militäranlagen fotografiert und zu einer längeren Haftstrafe verurteilt worden waren. Auch der französische Wissenschafter Stephane Dudoignon, der eine schiitische Prozession ablichten wollte, bekam erst nach Monaten seinen Pass ausgehändigt, mit dem er dann ausreisen konnte.

Nicht gefoltert, sondern übergelaufen
Am 12.4.2007 liess das Teheraner Aussenministerium den Diplomaten Djalal Scharafi in einem Rollstuhl auftreten. Das Mitglied der iranischen Botschaft in Bagdad gab an, von Amerikanern entführt und während seiner Gefangenschaft von 57 Tagen gefoltert worden zu sein. Des weiteren war am 6.2. 2007 der iranische Vizeverteidigungsminister Ali Reza Asgari aus einem Hotel in Istanbul verschwunden. Zuerst glaubt man an ein Kidnapping durch amerikanische oder israelische Agenten. Dann stellte sich heraus, dass der General und Mitbegründer der libanesischen „Hizbollah“ übergelaufen war. Seine Familie konnte kurz vor seinem Verschwinden den Iran verlassen. Anfang März war mit Amir Shirazi auch ein hoher Offizier der Revolutionsgarden im Irak zu den USA übergelaufen. Wegen mehrerer solcher Fälle soll Teheran sehr vorsichtig mit der Entsendung von Diplomaten und Militärs in das Nachbarland geworden sein. Die Iraner werden von US-Agenten kontaktiert und mit hohen Summen zum Seitenwechsel verführt.

Teheran ist bemüht, möglichst hochrangige Amerikaner in seine Gewalt zu bekommen, um dann einen Austausch einzuleiten. Doch setzten die USA in diesem Spionagekrieg Personen ohne Rang und genaue Biographie ein.

Der Fall Levinson
Vom pensionierten FBI-Beamten Robert Levinson, der von einem Flug zur iranischen Insel Kisch nicht mehr zurückgekehrt ist, weiss man nur, dass er als Jude zu Israel Kontakte unterhielt, Filmprojekte avisierte und gegen Zigaretten-fälschung eingesetzt war. Levinson war im Maryam-Hotel auf Kisch mit einem Überläufer der anderen Richtung zusammengetroffen. David Belfield hatte vor 27 Jahren in Maryland den führenden Exiliraner Ali Akbar Tabatabai ermordet. Dann war er in den Iran geflüchtet, wo er Moslem wurde und den Namen Daoud Salahuddin annahm. US-Dienste hatten schon mehrfach versucht, seiner habhaft zu werden. Nun hätte ihn Levinson offenbar mit Millionengeschäften in Film und Tabak aus dem Iran locken sollen. Für einen Besuch der Freihandelszone von Kisch brauchen Amerikaner kein Visum.

Levinson flog von Dubai nach Kisch, wo ein iranisches Kommando bereits wartete. Levinson wurde verhaftet und musste nun alles erzählen, was er wusste. Dass der Mann viel wusste und mit einer verborgenen Agenda unterwegs war, bewies auch die baldige Formation einer Unterschriftenpetition in den USA: „Free Bobby!“ Levinson soll vor wenigen Tagen für eine noch unbekannte Gegenleistung der USA den kurdischen Behörden im Nordirak übergeben und nach Washington ausgeflogen worden sein.

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Glosse: The Day After Soli

World Content News – Nicht schlecht, Herr und Frau Specht! Einen so schnellen Schulterschluss unter den Linken hat es in der Geschichte der Bundesrepublik nur selten gegeben: Nur wenige Stunden nach der vollkommen überzogenen Terror-Razzia der Bundesanwaltschaft kam es in fast allen größeren Städten in Deutschland zu spontanen Aufläufen, an denen sich nach vorliegenden Teilnehmer-Berichten und entgegen Meldungen der bürgerlichen Krawallpresse keineswegs nur das autonome Spektrum beteiligte.


Verhaftungen in Hamburg: Entgegen Meldungen der bürgerlichen Krawallpresse keineswegs nur das autonome Spektrum beteiligt.

Die scharfe Verurteilung der Polizeiaktionen von Organisationen aller Couleur, die Demokratie noch als ernst zu nehmende Aufgabe wahrnehmen und nicht als abstraktes Beiwort für sukzessive Marktwirtschaft und als Blubberblase für willkürliches Autoritätshandeln verstanden wissen wollen, war Konsens an diesem Tag. Friedensbewegung, Hartz-iV-Gegner, Umweltverbände und Rechtsanwaltsvereine bekundeten ihre Solidarität mit dem breiten Spektrum der Globalisierungskritiker. Kein Wunder – es geht um unseren Rechtsstaat, der sich offenbar in einer eklatanten Krise befindet.

„Sind wir nicht alle ein bisschen 129a?“ – fragte gestern abend ein Transparent auf der Kölner Solikundgebung. Wenn es nach den Terrorphobien eines Herrn Schäuble geht, müssen wir künftig das Gegenteil auch noch selbst beweisen. Polizei und Geheimdienste bedienen sich schon jetzt kräftig aus den Daten unserer Privatsphäre, ohne dass ein richterlicher Hahn danach kräht und bald soll mit dem Bundestrojaner, der Speicherung zentralen Speicherung von Passfotos, Fingerabdrücken und biometrischen Merkmalen der Sack zugeschnürt werden. Für wen oder was eigentlich?


Computer & Datensicherung: Kämpft dieses System bereits um seine Daseinsberechtigung?

Geht es wirklich um die maximale Absicherung des Staates vor Gefahren, die von Al Kaida und Co. ausgehen, oder sitzt der Kuckuck des Terrors längst im eigenen Staatsnest ? Kämpft dieses System bereits um seine Daseinsberechtigung oder folgt es nur brav den interventionistischen Vorgaben konservativer transatlantischer Think-Thanks, die im kommenden Kampf um die Weltherrschaft als Sieger hervorgehen wollen?

Die Bundesregierung kann nicht einmal mehr eine klare Antwort auf die Frage geben, ob nach dem 11. September immer noch
der Bündnis- oder Verteidigungsfall vorliegt, der eine Teilnahme an den Angriffen der sogenannten „Operation Enduring Freedom“ im Süden Afghanistans vom Grundgesetz her rechtfertigen würde. Die Zahl der „versehentlich“ umgebrachten Zivilisten steigt dort von Tag zu Tag, während der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, Craddock, stolz verkündet: „Die Tornados leisten hervorragende Arbeit.“

Man paktiert mit Staaten, die Folter anwenden und Menschen in geheimen Gefängnissen verschwinden lassen. Der angekündigte Bericht des Sonderermittlers Dick Marty, bei dem CIA-Agenten auch über die aktive Hilfeleistung der Bundesregierung ausgepackt haben, dürfte uns in Kürze die Ohren klingeln lassen.

Die Bürokratie lässt hilflose Menschen verhungern, nachdem ihnen durch den Staat das Existenzminimum versagt wurde. Auch nach dem Tod des Hartz IV-Empfängers in Speyer sieht sie keinerlei Veranlassung, ihre Gesetze zu dahingehend zu ändern, dass sich solche erschütternden Vorfälle nicht wiederholen.

Und nun, um den Bogen wieder zurückzuverfolgen, werden sich Anfang Juni angesichts des Treffens der führenden Vertreter der kapitalistischen Industrienationen in Heiligendamm wohl mehr als 100.000 Menschen aus aller Welt versammeln, denen in erster Linie daran gelegen ist, der Öffentlichkeit Konzepte für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung vorzustellen,, die die Ausbeutung von Mensch und Natur endlich ad acta legen, die ihre Schwerpunkte auf Dialog und solidarische Hilfe statt auf Kriege setzen, die diskutieren und zivilen Ungehorsam leisten anstatt für Profit und geostrategische Pläne zu marschieren.

Dabei wird es nicht nur um die Bewältigung des jäh hereinbrechenden Klimawandels unter Umweltgesichtspunkten gehen, auch unsere Demokratie droht zu ersticken. Die Uhr für die Weltkriegsgefahr steht wieder auf 2 Minuten vor zwölf, die Ausgrenzung großer Teile der Weltbevölkerung vom wohlhabenden Rest, die Sichselbstüberlassung nicht mehr leistungsfähiger Menschen, welche für die Ausbeuter nicht mehr zum produktiven Humankapital zählen – diese Themen werden alle auf dem gleichzeitig stattfindenden Gegengipfel behandelt (selbstverständlich etwas modifizierter als in dieser Schnellschreibe hier dargestellt).

Es mag sein, dass die Mehrheit der Presseorgane etwaige Gewaltszenen von Menschen, die nicht mehr daran glauben, dass Konflikte auch gewaltfrei lösbar sind, in den Vordergrund ihrer Berichterstattung stellen werden. Wahrscheinlich auch, dass die Polizei so lange provoziert, bis solche Szenen dann auch stattfinden.

Es mag sein dass die skandalösen Razzien der Bundesanwaltschaft auch ein politisches Kalkül gewesen sind, um die Demonstrierwilligen einzuschüchtern. Sicher ist auch, wie die gegenwärtige RAF-Hype nach 30 Jahren Deutscher Herbst beweist, dass konservative Politiker gewaltsam Feindbilder konstruieren müssen, um ihren demokratischen Kahlschlag legitimieren zu können.

Dies alles ändert aber nichts daran, dass die versprengte politische Linke praktisch über Nacht wieder zu sich selbst gefunden hat. Dass jetzt noch mehr Menschen entschlossen sind, ihren Protest nach Heiligendamm zu tragen. Dass auch der eine oder andere ältere Mitstreiter seine verstaubten Demolatschen wieder aus dem Schrank holen wird. Und dass die Angelegenheit nicht nur auf organisierte Globalisierungskritiker beschränkt bleiben wird.

Stell Dir vor es ist der G8-Gipfel der Superreichen und unverschämterweise gehen alle hin !

Hier noch einige wenige Links zur Berichterstattung über die Solidaritäts-Demonstrationen von gestern abend:

Berichterstattung Medien:
Tausende protestieren gegen Razzien (Tagesschau, 10.05.2007)
Tausende protestieren gegen Razzien (Spiegel Online, 10.05.2007)
30 Festnahmen nach Krawallnacht (stern.de, 10.05.2007)
Polizeigewerkschaft: „Linker Terror in neuer Dimension“
(Rheinische Post, 10.05.2007)

Presseschau:
Presseschau Berliner Umschau (berlinerumschau.com, 10.05.2007)
Presseschau inforadio rbb (inforadio.de, 10.05.2007)

Analysen:
Präventivstaat in Aktion (Telepolis, 10.05.2007)
Die repressive Regel (Telepolis, 10.05.2007)

Einige Reaktionen aus dem Bundestag:
Dramatisierung oder Gewaltprävention? (Tagesschau, 10.05.2007)

Diskussionsforum:
Razzien in der linken Szene (Tagesschau, 10.05.2007)

Berichte von Demo-Teilnehmern in:

Berlin, Bochum, Bremen, Duisburg, Gießen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Jena, Köln, Leipzig, Marburg, Rostock, Siegen, Wolfsburg und Amsterdam

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deutschland

Deutschland: Bundesarbeitsgericht hebelt Schutzrecht aus!

Karl Weiss – Ein Skandalurteil des Bundesarbeitsgerichts stellt die Nichtzulassung der Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision gegen ein anderes Skandalurteil, nämlich in diesem Fall des Landesarbeitsgerichtes Hamm dar. Obwohl im Gesetz völlig klar geregelt ist, dass Jugendvertreter nicht entlassen werden dürfen bzw. übernommen werden müssen nach der Lehre, hat das Arbeitsgericht und später das Landesarbeitsgericht der Entlassung bzw. Nichtübernahme von Lisa Gärtner und weiteren 5 Jugendvertretern bei Opel Bochum zugestimmt, was nun das Bundesarbeitsgericht abgesegnet hat.

Der selbständige Streik bei Opel Bochum war den GM-Bossen gehörig in die Knochen gefahren. Jetzt versuchen sie jeden, der etwas Aktivität und Eintreten für die Rechte der Arbeiter zeigt, durch Entlassung und Nichtübernahme zu bestrafen und damit Zeichen an die Wand zu schreiben, damit niemand mehr es wagt, gegen sie aufzumucken.

Da müssen sie aufpassen, dass dieser Schuss nicht nach hinten losgeht, denn Unterdrückung erzeugt Widerstand.

Besonders bemerkenswert ist an diesen Entlassungen, dass offen gegen bestehende Gesetze verstossen wird und die Gerichte das bis hin zum Bundesgericht absegnen.

Damit werden immerhin willkürlich Schutzrechten durch Gerichte aus politischen Gründen ausser Kraft gesetzt. Das ist nun allerdings eine neue Qualität. Bisher hatte die Gerichtsbarkeit in der Bundesrepublik es fast immer noch vorgezogen, sich an die Gesetze zu halten und nicht offensichtlich werden zu lassen, dass sie nichts als ein Teil des Gewalt- und Unterdrückungsapparat der kapitalistischen Diktatur ist.

Nun werden die ersten Vorhänge fallengelassen, die bisher immer noch die Rolle der Justiz verbargen. Kein Zufall, dass es Fälle bei Opel Bochum betrifft, wo im Oktober 2004 der wohl bedeutendste selbständige Streik der letzten Jahre gegen die Antreiber- und Lohnraubpläne eines der grössten Monopole der Welt, der General Motors (GM), stattfand.

Gerade vor kurzem hatte die GM einen bezeichnenden Beschluss gefasst: Man hat die Schliessung des Bochumer Werks oder Massenentlassungen dort, die bereits als Möglichkeit genannt worden war, doch lieber nicht beschlossen, sondern stattdessen Massenentlassungen im Antwerpener GM-Werk angeordnet. Die kampferfahrene Belegschaft in Bochum hätte sich wohl Massenentlassungen nicht so ohne weiteres gefallen lassen.

Da scheint es logisch, dass man die Bochumer nicht übermütig werden lassen will und mit den Entlassungen bzw. der Nichtübernahme der Jugendvertreter ein Exempel statuiert, um den Arbeitern den Mut zu nehmen.

Lisa Gärtner war als Jugendvertreterin durch besondere Aktivität aufgefallen. Sie war u.a. zweimal Teil einer Bochumer Arbeiterdelegation, welche die Solidarität der Bochumer Kollegen den GM-Arbeitern in Antwerpen überbrachte. Man merkt also die Absicht.

Der Betriebsrat von Hoesch Spundwand in Dortmund, wo viele mit Familienangehörigen bei Opel Bochum arbeiten, hat eine bemerkenswerte Solidaritätserklärung abgegeben. Darin heisst es u.a.:

„Es geht aber nicht nur um Lisa Gärtner und die anderen nicht übernommenen Jugendvertreter. Es geht uns auch ums Prinzip! Wir haben unsere Rechte als abhängig Beschäftigte nicht geschenkt bekommen! Deshalb werden wir nicht zulassen, dass diese Rechte willkürlich außer Kraft gesetzt werden! Vor allem aktive und kämpferische Kolleginnen und Kollegen sind immer wieder der Willkür von Unternehmern ausgesetzt! Sie müssen wissen: Sie stehen nicht allein! Wer einen von uns oder Rechte der Gewerkschaften, der Arbeiter, Angestellten und ihrer Organ angreift, muss mit dem Widerstand aller rechnen!“

„Was für Wertvorstellungen vermitteln sie jungen Menschen, wenn diese für ihr soziales und politisches Engagement abgestraft werden? Offensichtlich zählt in ihren Wertvorstellungen nur der Kurs der Aktien! Umso verständlicher, wenn junge Menschen sich Gedanken über eine andere Zukunft machen, wo ihre Fähigkeiten, Kenntnisse, ihr Wissens- und Tatendrang gefordert und gefördert wird.“

Krieg

Iraq: Being the Target

Jeff Huber – Monday night, during a FOX News interview with Sean Hannity and Alan Colmes, right-wing pundit Dick Morris made one of the most insane pro-Iraq war statements I’ve heard to date (transcript courtesy of Think Progress). His statement was so chockfull o‘ nuts that we need to analyze it in two parts. First:

I think that withdrawal from Iraq–it obviously gives al Qaeda a huge victory. Huge victory. On the other hand, if we stay in Iraq, it gives them the opportunity to kill more Americans, which they really like.

Gee, Dick. Do you think that if their goal is to kill Americans, giving them a convenient opportunity might in fact be handing them a huge victory? And would a U.S. withdrawal from Iraq not then defeat them by depriving them from their objective? Read all @ at-Largely

deutschland

Terrorverdacht: Bundesweite Razzien gegen G8-Gegner

World Content News – Mindestens 900 Polizisten und 20 Staatsanwälte haben heute morgen in einer bundesweiten Großrazzia gegen Globalisierungsgegner rund 40 Objekte – Kulturzentren, Häuser und Privatwohnungen – durchsucht. Die Durchsuchungsbeschlüsse waren mit dem „Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung nach § 129a“ begründet. Von der Aktion betroffen waren insbesondere Hamburg, Berlin, Bremen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.


Foto: Indymedia.de

In Hamburg rückte die Polizei mit 20 Einsatzfahrzeugen und einem Rammbock an, um sich Zugang zum linken Szene-Treff „Rote Flora“ zu verschaffen. Dabei ist es auch wegen Nichtbefolgens eines Platzverweises zu mehreren vorübergehenden Festnahmen gekommen. Für heute abend und die nächsten Tage werden nicht nur in Hamburg sondern auch in Berlin, Bochum, Bremen, Frankfurt und Kiel Protestaktionen zu diesen Kriminalisierungsversuchen des G8-Protestes erwartet.

In Berlin wurden mindestens 7 Wohnungen und Büro-Räume durchsucht, darunter zwei Büros im Bethanien sowie der Fusion-Laden in der Skalitzer Straße. Dort organisiert sich die Antifaschistische Linke Berlin und das Netzwerk Interventionistische Linke. Ebenfalls heimgesucht wurde ein Buchladen im Mehringhof und die Büros von alternativen Medienprojekten in der Lausitzer Straße. Die Polizei soll eine Liste mit 18 gesuchten Personen bei sich gehabt haben, nach denen derzeit gefahndet wird. Sie werden verdächtigt, der so genannten Militanten Gruppe anzugehören und werden für mehrere kleinere Brandanschläge verantwortlich gemacht. Auch Computer und Datenträger sollen beschlagnahmt worden sein.

Ein besonderes Augenmerk legte das BKA auf den alternativen Server SO36.net. Auch dort wurden Daten eingesammelt. Viele linke und alternative Projekte haben ihre Webseiten, Mailinglisten und Mailadressen dort abgelegt. Damit soll die Kommunikationsstruktur der Anti-G8-Bewegung empfindlich gestört werden.

Nach Ansicht des Rechtsanwaltes eines der Beschuldigten ist die Durchsuchung das Ergebnis 18-monatiger verdeckter Ermittlungen des Bundesverfassungsschutzes. Mit der jetzt erfolgten Aktion sei beabsichtigt, die Infrastruktur der G8-Gegner lahmzulegen. In der Linkspartei ist die Razzia auf scharfen Protest gestoßen Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping (MdB) meinte, dies sei nicht im Sinne einer Deeskalation. Unter dem Vorwand einer angeblichen Bildung einer terroristischen Vereinigung zur Verhinderung des G8-Gipfels werde hier der Versuch unternommen, bereits im Vorfeld die Proteste zu kriminalisieren. Für die Konsequenzen sei die Bundesregierung verantwortlich.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass laut Innenminister Schäuble während des Ausnahmezustandes in Heiligendamm Reisende damit rechnen müssten, an den Grenzen zu den Schengen-Nachbarstaaten wieder kontrolliert zu werden. Offenbar soll so Demonstranten von vorneherein die Möglichkeit genommen werden, nach Deutschland einzureisen.

Doch Schäuble hat noch mehr vor: Nach den Absichten des Innen- und Justizministeriums soll nun der Paragraph 129 für Einzeltäter durch zwei weitere Abschnitte ergänzt werden. Mit der Ergänzung soll die Möglichkeit geschaffen werden, schon in die mögliche Vorbereitung von terroristischen Taten einzugreifen, um beispielsweise „das Einsammeln von Finanzmitteln, das Beschaffen von Waffen und Sprengstoffen sowie die Verbreitung von Plänen für den Bombenbau im Internet“ besser unterbinden zu können.

Kritiker der Durchsuchungsaktion hoben hervor: Wer noch einen Beleg dafür gesucht hat, dass der Gipfel der G8 eine undemokratische Veranstaltung ist, hat ihn nun von der Polizei geliefert bekommen. Und: Dies werde der Mobilisierung gegen den Gipfel eher nutzen als schaden. Beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen und Russlands werden 50 000 bis 100 000 Demonstranten erwartet.

Jacques Chirac: „Der Planet ist krank“
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afrika

Gericht in Zimbabwe erlaubt Auslieferung von Söldner

Dr. Alexander von Paleske – Ein Gericht in Harare hat heute erwartungsgemäss entschieden, dass die Auslieferung des Söldners Simon Mann zulässig sei. Dagegen kann Berufung eingelegt werde, was der Verteidiger von Mann, Samkange, auch tun will.

Zuletzt hatte Mann noch versucht, aus Gesundheitsgründen in ein Krankenhaus verlegt zu werden. Er klagte über einen Leistenbruch und wollte einen Hüftgelenkersatz.

Es wird allgemein mit einer raschen Entscheidung des Berufungsgerichts und der vermutlichen Auslieferung Manns gerechnet.

Auch die Republik Südafrika hat nun Auslieferungswünsche geäussert, wegen Verstosses gegen das Anti-Söldner-Gesetz. Nach diesem Gesetz war bereits Mark Thatcher zu einer saftigen Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Simon Mann – Auslieferung gegen Öl?
HARARE-MALABO – Das Ende einer Söldnerkarriere
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Der Wonga Coup
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Brasilien bricht Patent für AIDS-Medikament

Dr. Alexander von Paleske – Brasiliens Regierungspräsident und Staatsoberhaupt Luiz Inácio Lula da Silva gab bekannt, von nun an werde das Medikament Efavirenz – ein AIDS-Medikament zusammen mit der Medikamentenkombination Combivir, das Mittel der ersten Wahl in der Behandlung der HIV-Krankheit – in Brasilien hergestellt. Das Medikament hat noch Patentschutz, der aber nun von Brasilien ignoriert wird – zum Wohle der Patienten. Konflikte mit den USA sind damit vorprogrammiert.

Zwar sind die AIDS-Medikamente im Zeitraum von 2003 bis 2006 zwischen 37 und 53 Prozent im Preis gefallen, wie die Medizinzeitung THE LANCET im April berichtete, das aber immer noch zu viel für arme Länder ist, wo die Mehrzahl der Bevölkerung von weniger als einem US Dollar pro Tag lebt und selbst diese erniedrigten Preise unerschwinglich sind.

Rund zwei Million Menschen werden derzeit mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, 5 Millionen Behandlungsbedürftige erhalten bisher keine. Ein Zustand, der dringend geändert werden muss.

Hinzu kommt, dass die Zahl Behandlungsbedürftiger in den nächsten Jahren steil ansteigen wird. Außerdem bilden sich Resistenzen unter der Behandlung nach einiger Zeit, die einen Wechsel auf eine Behandlungskombination der zweiten Wahl erforderlich machen. Eines der dabei eingesetzten Medikamente, Tenofovir, kostet 3 US-Dollar – pro Tag- und ist damit außerhalb der Reichweite für arme Länder aber auch für Schwellenländer wie Südafrika.

Und ein Faktor wird gerne vergessen, zwischen 10 und 40 Prozent der Patienten werden im Lauf ihres HIV-Leidens zu Krebspatienten und bedürfen dann außerdem einer teuren Behandlung mit Krebsmedikamenten. Nicht zu vergessen damit auch die Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, die epidemieartige Ausmaße in den Ländern angenommen haben, die von der HIV-Krankheit heimgesucht werden.

Der G8-Gipfel in Heiligendamm hat nicht etwa die Lösung für diese Probleme auf der Agenda, sondern den verstärkten Patentschutz.

Es hilft allerdings auch wenig, wenn, wie heute in der TAZ, eine brasilianische „Gesundheitsexpertin“, Eloan Pinheiro, zum Rundumschlag ausholen darf und behauptet, seit 1940 seien keine Medikamente gegen Tuberkulose mehr entwickelt wurden. Ein ärgerlicher Unsinn, denn das erste Medikament gegen Tuberkulose – Streptomycin – kam Anfang der 50er Jahre zum Einsatz, die anderen wie INH, Ethambutol, Pyrazinamid etc. später.

Ein gutes Beispiel hat Novartis gegeben, mit seinem Krebsmittel Imatinib–Gleevec, das zur Zeit beste Medikament gegen chronisch myeloische Leukämie, das 2.000 Euro pro Monat kostet und lebenslang eingenommen werden muss. Wer es sich nicht leisten kann, bekommt es kostenlos, über eine Stiftung, die Max Foundation, in Südafrika sind es mittlerweile mehr als 500 Patienten. Wir werden es demnächst in Botswana bekommen.

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Bajonette und Minarette – Das politische System der Türkei

Malte Olschewski – Die Türkei unterscheidet sich in ihrem politischen System ganz wesentlich von westeuropäischen Demokratien. Die wachsende Kraft des Islams und die politischen Ansprüche der 15 Millionen Kurden haben zu einer Abwehrfront von Militär, Justiz und Verwaltung geführt, die sich in den für 22.7.2007 geplanten Neuwahlen behaupten muss. Die regierende Islamistenpartei AKP (Entwicklungs- und Gerechtigkeitspartei) konnte ihren Kandidaten, Aussenminister Abdullah Gül, in zwei Parlamentsabstimmungen nicht durch-bringen. Die Aussicht, dass neben Ministerpräsident Recep Erdogan ein Islamist die höchste Position im Staat einnimmt, hatte zu einer Putschdrohung des Militärs und zu massenhaften Demonstrationen geführt.


Erdogan – wird verdächtigt eine „geheime grüne Agenda“ zu haben

Nun will die Islampartei ein ganzes Paket von Änderungen zur Behauptung ihrer Herrschaft verabschieden. Sie will als wichtigste Massnahme, dass gleichzeitig mit dem Urnengang für das Parlament auch der Staatspräsident vom Volk gewählt wird. Weiter soll seine Amtszeit von sieben auf fünf Jahre verkürzt werden. Das Wahlalter soll wie das Quorum im Parlament gesenkt werden. Dazu aber ist eine Verfassungsänderung notwendig, die nach einer ersten Lesung zweimal mit einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden muss. Dann kann der Präsident sein Veto einlegen. Beharrt das Parlament, so kann der Staatschef eine Volksabstimmung ausschreiben. Doch die Amtszeit des kemalistisch orientierten Präsidenten Ahmed Sezer endet am 16.5.2007. Die Türkei verliert sich in einem Irrgarten konstitutioneller Fragen. Bajonette werden gegen Minarette gerichtet. Die von den Militärs nach dem Putsch von 1980 eingeleitete „türkisch-islamische Synthese“, die Religion und Nationalismus verbinden sollte, ist endgültig gescheitert.

Seit 1945 über vierzig kommunistische Parteien
Die Ursache der politischen Wirrungen in der Türkei liegt eindeutig in der Klausel von zehn Prozent für einen Einzug in die Nationalversammlung. Diese Hürde war zusammen mit der Sitzverteilung ursprünglich gegen eine grosse, vereinigte Partei der Kurden gedacht. Die türkischen Kurden, wiewohl niemals genau gezählt, sollen heute rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, das wären etwa 15 Millionen Menschen, ausmachen. So kam die prokurdische HADEP bei den Wahlen von 1999 landesweit 4,7 Prozent der Stimmen nicht in die Volksversammlung, obwohl sie in elf Ostprovinzen auf über 50 Prozent kam. Die Zehnprozenthürde kann auch als eine Massnahme gegen den türkischen Volkssport der Parteigründung angesehen werden. Derzeit sind über fünfzig Parteien registriert. Seit 1945 sind in der Türkei über vierzig kommunistische Parteien gegründet worden.

Die Hürde von zehn Prozent führte auch zu dem Wahlergebnis von 2002. Die AKP stellte mit 34,4 Prozent der Stimmen anfänglich 365 der 550 Abgeordneten. Die nichtreligiöse, sozialdemokratische „Republikanische Volks-Partei“ (CHP), die mit neun Prozent bei den Wahlen von 1999 gar nicht im Parlament vertreten war, hatte anfangs mit 19,5 Prozent 177 Mandatare. Keine andere Partei kam ins Parlament. Durch das ausgeprägte Klientelwesen kommt es aber regelmässig zum so genannten Parteientransfer.

Dem Abgeordneten sind Vorteile für sich, seine Familie und seinen Wahlkreis wichtiger als die Treue zu einer Partei. Bis März 2007 sind der AKP 13 und der CHT 22 Mandatare abhanden gekommen. Ohne gewählt worden zu sein, bildete sich nur durch Abtrünnige die „Mutterlandspartei“ (ANAP: 2002 „ 5.1 Prozent) mit zwanzig Abgeordneten. Die „Partei des rechten Weges „ (DYP „ 2002: 9,5 Prozent) rekrutierte sich aus fünf Überläufern. Daneben sitzen noch drei Einmannparteien im Parlament. Zwischen 1999 und 2002 hatten sogar 71 Abgeordnete, das sind 13 Prozent aller Mandatare, die Partei gewechselt. Ein Volksvertreter erzielte Weltrekord, indem er sieben Mal zwischen den Parteien unterwegs war.

„Grüne“ Banken, Meer von Kopftüchern und andere Phänomene
Das nach Europa projizierte Image der AKP als eine gemässigte, religiös orientierte Partei, wie etwa die CDU in Deutschland, ist ein Trugbild. Die islamistische Bewegung hat sich durch einen Jahrzehnte langen Kampf mit dem Militär und den Verfassungsorganen derart fein abgeschliffen, dass sie nun als eine Allzweckpartei auftreten kann. Aber sie hat, wo immer sie an der Macht war, ihre religiösen Prinzipien durchgesetzt. Das Militär hat eine Fülle von Beweisen gesammelt, dass in der Türkei seit 2002 eine Islamisierung läuft. Erdogan und Gül werden verdächtigt, eine „geheime, grüne Agenda“ zu haben.

In Dörfern und Kleinstädten ist der Trend stärker als in den Urlaubszentren an der Küste: Alkoholverbot durch extreme Steuern, ein wogendes Meer von Kopftüchern, Arabischkurse, Neubau von Moscheen, „grüne“ Banken und andere Phänomene beweisen nicht nur den kemalistischen Generälen den Aufbau einer religiösen Parallelgesellschaft. Das türkische Militär sieht sich zusammen mit der Justiz als Hüter der laizistischen Verfassung und als Erbe des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk: Staat und Religion müssen scharf getrennt bleiben.

Erdogan und Gül hatten einander beim Aufstieg der mehrmals umbenannten Islamistenpartei einander wechselseitig ersetzt und ergänzt. War Erdogan durch Politikverbot oder Haftstrafe behindert, so durfte Gül an seine Stelle treten. Dass nun Gül Staatschef mit wesentlich grösserer Machtfülle als Präsidenten in Europa werden soll, hat nicht nur das Militär alarmiert. Das türkische Militär hat seit Staatgründung der Republik durch Mustafa Kemal 1923 die Politik kontrolliert und mitbestimmt. 1960 wurde Ministerpräsident Adnan Menderes in einem Putsch gestürzt, verurteilt und auch gehenkt. 1971 putschte das Militär neuerlich und liess erst nach drei Jahren wieder Wahlen zu. Als rechtsradikale und kommunistische Bewegungen einander bekämpften, kam es am 12.9.1980 zu einem weiteren Staatsstreich unter Miltärchef Kenan Evren. Parteien wurden verboten. 1 500 Personen wurden vor Gericht gestellt. Etwa 30 000 Menschen verloren ihren Beruf. Es soll 150 Tote allein durch Folter gegeben haben. Das Militär war diskreditiert.

Politischer Vormarsch der Islamisten
1983 folgten Neuwahlen. Damals begannen die Islamisten ihren politischen Vormarsch. Als Nemcettin Erbakan durch geschicktes Koalieren im Regenwald der Parteien Regierungschef wurde und die Islamisierung vorantrieb, setzte das Militär 1997 seinen verlängerten Arm im Nationalen Sicherheitsrat ein. In einem „kalten Putsch“ und ohne rollende Panzer erzwangen die Gene-räle den Rücktritt Erbakans, des politischen Ziehvaters von Erdogan und Gül.

Dieser durch die Verfassung von 1982 geschaffene Rat hatte mit der Mehrheit der Militärs unter seinen Mitgliedern eine bestimmende Funktion. Mit 352 Abgeordneten im Rücken hat Erdogan die Entmachtung dieses Gremiums im sieben-ten “Anpassungspaket“ zur EU versteckt. Von Brüssel wird die Auschaltung des Militärs verlangt, wiewohl in erster Linie die Generäle die ebenfalls von der EU gewünschte, laizistische Ordnung garantieren.

Die EU wünscht aber auch keine Islamisierung. Wie es scheint, sind ihr aalglatte Islamisten lieber als politisierende Generäle. Mit Parlamentsmehrheit wurde im „Anpassungspaket“ dem Sicherheitsrat nur mehr eine „beratende“ Funktion zugebilligt. Ausserdem ist seine Zusammensetzung so verändert worden, dass die Generäle über diese Schiene kaum mehr Einfluss haben. Als Gegenreaktion sind im Militär die Hardliner in führende Positionen gelangt. Generalstabschef Yasar Büyükanit hatte sich in seiner ganzen Karriere als Verteidiger der Trennung von Staat und Religion erwiesen.

Der “@-Putsch“ am 1.5.07
Im Gegensatz zu bisherigen zögerlichen und übervorsichtigen Armeeführern ist er ein Mann, dem ein neuer Putsch zuzutrauen ist. Er hat Verbindungen in alle Richtungen aufgebaut. Per Internet mit Absender „Der türkische Generalstab“ liess er in einem so genannten „@-Putsch“ am 1.5.2007 wissen, dass die Armee ihren Verpflichtungen nachkommen werde. Das hiess: Die Armee wird Abdullah Gül als Staatspräsidenten, sollte er bei Volkswahlen kandidieren und gewinnen, notfalls mit einem Putsch verhindern.

Es eilte in dieser kritischen Situation der EU-Beauftragte Xavier Solana herbei, um Aussenminister Gül bei seiner Kandidatur für das oberste Amts mit den Floskeln zu unterstützen, die eine geringe Kenntnis der tieferen Gründe verrieten. Statt unerträglicher Lobeshymnen für den ständig lächelnden Gül hätte Solana auch sagen können: „Die EU wünscht eine Aufhebung der Zehnprozentklausel!“ Da Solana und Gül einander so herzlich umarmten, demonstrierten in Istanbul eine Millionen Menschen mit den Parolen: „Kein Putsch! Keine Scharia! Weg mit der EU! Weg mit den USA!“

Am 27.4. schritt die Volksvertetung in Ankara zur Wahl des neuen Staatspräsidenten, bei der Abdullah Gül als einziger Kandidaten nominiert worden war. In den ersten beiden Durchgängen ist dabei eine Zweidrittelmehrheit notwendig, in den beiden folgenden Abstimmungen genügt die absolute Mehrheit. Die Opposition boykottierte die Wahl. Es waren nur 361 Abgeordnete, davon 352 von der AKP, anwesend. Damit war die notwendige Zweidrittelmehrheit von 367 Stimmen von vornherein nicht gegeben. Die oppositionelle CHT klagte trotz Scheiterns der AKP beim Verfassungsgericht wegen des fehlenden Quorums, das ist die notwendigen Anwesenheit von Parlamentariern.

Ein höchst komplizierter Verfassungsstreit

Das Gericht ist seit Staatsgründung in Händen der Kemalisten. Obwohl kein Ergebnis vorlag, wurde der erste Wahlgang annulliert. Es entwickelte sich ein höchst komplizierter Verfassungsstreit und ein Kampf um das Quorum. Was soll geschehen, wenn bei einer vorgeschrieben Zweidrittelmehrheit keine zwei Drittel der Parlamentarier anwesend sind? Im zweiten Durchgang am 2.5.2007 stellte Parlamentspräsident Erinc die Anwesenheit von 356 Abgeordneten fest. Eine zweite Zählung nach zehn Minuten ergab 358 Parlamentarier, das waren neun weniger als notwendig. Das war das Ende der Sitzung.

Man eilte in die Ausschüsse. Die AKP brachte sieben Anträge auf Änderung der Verfassung ein, darunter jenen auf Volkswahl des Präsidenten. Die oppositionelle CHP stellte fest, dass laut Artikel 121 der parlamentarischen Geschäftsordnung bei Verabschiedung von Gesetzen und damit auch bei der Wahl des Präsidenten eine Anwesenheit von zwei Dritteln der Abgeordneten notwendig sei. Die AKP entgegnete, laut Artikel 102 der Verfassung werde bei der Wahl des Präsidenten kein Quorum vorgeschrieben. Es seien auch vergangene Präsidenten oft nur bei Anwesenheit von 200 bis 300 Abgeordneten gewählt worden. Schliesslich einigte man sich auf Neuwahlen des Parlamentes am 22.7.2007.

Die AKP wollte eine unweigerlich folgende Neuordnung der Parteienlandschaft mit einem früheren Termin unterlaufen, kam aber damit nicht durch. Jetzt beginnen neue Hochzeiten unter den Parteien. Man vereinigt sich, um die zehn Prozent gemeinsam zu überspringen. Wenn dieser Schritt gelingt, so kann man mit vielen Madataren in der Nationalversammlung rechnen. Stimmen werden gekauft und hinzugekauft. Klans und Klienten rotieren. Allianzen überschlagen sich. Die CHP will sich durch die Inhalation kleinerer Linksparteien stärken. Die Konservativen, die bei den letzten Wahlen so schmachvoll untergegangen waren, kaufen sich eine neue Allianz zusammen.

Je mehr Parteien über die Hürde kommen, umso schlimmer werden die Islamisten im Parlament verkürzt. Doch auch die Islamisten haben in den fünf Jahren Regierungszeit genug Gelder beiseite geschafft, um einkaufen zu gehen im Basar der Stimmen. Die AKP ist guten Mutes und verweist auf ihre Wirtschaftsdaten. Dies aber sind Daten der Globalisierung, in denen eine kleine Klasse von Gewinnern und ungeheure Massen von Verlierern verschlüsselt sind. Die Islamisten hoffen auf mehr als 34 Prozent, doch hängt alles davon ab, ob und wer über die Hürde springen wird. In der Türkei hat es schon mehrmals bei Wahlen dramatische Abstürze und Aufstiege gegeben. Das kann auch am 22.7. geschehen.