umwelt

Der „Rush“ gewinnt an Tempo / Teil 3

Karl Weiss – In diesem Teil soll u.a. der Frage der Umweltbilanz der Bio-Kraftstoffe und der Bedeutung von Bio-Diesel nachgegangen werden. Bevor aber in diesem und weiteren Teilen dieser Reihe die bereits angekündigten weiteren mit dem Bioethanol als Kraftstoff zusammenhängenden Themen behandelt werden, soll die seit der Veröffentlichung des ersten Teils der Serie neuen Entwicklungen auf dem Gebiet Ethanol als Kraftstoff berichtet werden. Die Entwicklung ist jetzt so schnell geworden, daß im Monatsrhythmus neue bedeutende Veränderungen zu berichten sind.

Aus Brasilien kommt als letzte Meldung, daß nach Bill Gates und George Soros nun auch die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin in Brasilien waren und Geschäftsmöglichkeiten im Alkohol-Business erkundet haben. Die Schätzungen für die Investitionen, die in diesem Geschäft nur in Brasilien am Ende für 2006 zusammengezählt werden, liegen nun bei 9,6 Milliarden US-Dollar. Der Vergleich des brasilianischen Alkoholgeschäfts mit einem „Gold-Rush“ ist also nicht weit hergeholt.

Eine wesentliche Meldung dazu kommt nun aber aus Europa: Die niederländische ABN Amro Bank, eine der größten der Welt, hat eine bedeutende Stellungnahme zum Alkohol-Business für die Finanzmärkte abgegeben, u.a. veröffentlicht in Deutschland unter „4investors“. Dort heißt es u.a.: „… Möglichkeiten …, das Erdöl als Treibstoff zumindest teilweise zu ersetzen…. Ethanol ist ein solcher Ersatzbrennstoff.“ „Brasilien, das bereits heute 30 Prozent seiner Kraftstoffnachfrage durch Ethanol bedient, wird … auf lange Zeit unerreicht bleiben.“ „In Deutschland fristete das Thema Bioethanol bislang eher ein Schattendasein.“ „Das Wachstum ist enorm. Experten gehen davon aus, daß der Markt in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent pro Jahr wächst.“

„Die Europäische Kommission hat als Ziel ausgegeben, daß bis 2010 5,75 Prozent des Benzinbedarfs im Transportwesen durch Ethanol gedeckt werden sollen. Das dürfte machbar sein, denn bereits heute kann jeder Benzinmotor mit einer Beimischung von zehn Prozent Ethanol betrieben werden. Der Engpaß ist daher gegenwärtig die Produktion ausreichender Mengen von Bioethanol.“

Eine andere, ähnliche Empfehlung mit Bezug auf die Finanzmärkte hat „finanznachrichten.de“ veröffentlicht. Dort heißt es: „… ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest der Welt mitbekommt, was in Brasilien bereits bekannt ist: Ethanol kann Benzin ersetzen, Ethanol kann aus nachwachsenden Rohwaren (Zucker, Mais) hergestellt werden, ist umweltfreundlicher, verringert die Abhängigkeit von den Erdöl exportierenden Staaten….“ „Aus diesen Gründen rufe ich hiermit den „Megatrend Ethanol“ aus ….“

U.a. wird auch berichtet, was bereits jetzt als Vorteil für die USA herausgesprungen ist: Das Handelsbilanzdefizit, einer der besorgniserregenden Schwachpunkte der einzigen Supermacht, wäre im Jahr 2004 noch 5,1 Milliarden Dollar höher gewesen, wäre nicht der aus Mais hergestellte Alkohol gewesen. Dabei gibt es in den USA erst 600 Ethanol-Tankstellen und eine geringe Zahl von Flex-Fahrzeugen.

Eine andere Neuheit ist der Biokraftstoff-Report des World Watch Instituts, über den man am 17. Juli lesen konnte. Dort heißt es u.a.: „Innerhalb der EU könnten Biokraftstoffe in den nächsten 25 Jahren 20 – 30 % des Ölverbrauches substituieren.“

Eine andere Nachricht kam am 20. Juli zu diesem Thema in der „Berner Rundschau“. Während die Berner früher als etwas langsam galten, haben sie die bundesdeutschen nun bereits abgehängt: In Winterthur wurde die erste Schweizer Alkohol-Tankstelle eröffnet. Dort wird Bio85 verkauft, also Alkohol mit einer Zumischung von 15% Benzin, und zwar zu einem Preis von 1,395 Schweizer Franken, während der Preis an der gleichen Tankstelle von Benzin Bleifrei 95 SFr 1,765 beträgt, das sind etwa 27% mehr. Dieser Alkohol kann aus Zuckerrüben, Kartoffeln oder Holzschnitzeln hergestellt werden. Allerdings tauchen an dieser Tankstelle noch keine Kunden für Alkohol auf, weil ja die Flex-Fuel-Fahrzeuge, deren Technologie ausgereift ist und die Benzin und Alkohol in jeder beliebigen Mischung verarbeiten können, noch nicht auf dem Markt in Mitteleuropa sind. Ab September wird aber in der Schweiz das erste alkoholfähige Auto in den Verkaufsräumen stehen.

Als einziges Land in Europa ist Schweden schon weiter. Dort kann man bereits jetzt fast alle erhältlichen Fahrzeuge auch in der Flex-Version kaufen. Ein Netz von Alkohol- und Bio-Diesel-Tankstellen ist bereits am Wachsen. Anfang Juli hat eine Regierungskommission einen Plan vorgelegt, der im einzelnen darlegt, wie Schweden bis zum Jahr 2020 völlig unabhängig von Erdöl-Einfuhren werden will. Wesentlicher Teil davon ist der massive Anbau von Pflanzen, aus denen Bio-Ethanol und Bio-Diesel hergestellt werden können. Es sollen brachliegende Flächen genutzt werden und wie in der Schweiz auch auf Holzschnitzelbasis gearbeitet werden. Der Staat wird massiv in Alkohol- und Bio-Diesel-Fabriken investieren. Das reicht natürlich nicht aus, um jeglichen Erdölimport zu ersetzen. Dazu sind vor allem viele Maßnahmen der Verringerung von Energieverschwendung nötig, die auch Bestandteil des Plans sind. Dazu kommt, daß Schweden eine bedeutende Papierindustrie hat. Dort fallen eine Menge von Stoffen an, die verbrannt und damit zum Heizen und Elektrizität-Erzeugen verwendet werden können.Daß weder in Deutschland noch in Frankreich oder Italien oder anderen europäischen Ländern, die riesigen Erdölbedarf, aber kein oder so gut wie kein eigenes Erdöl haben, solche Programme in Angriff genommen werden, erscheint zunächst unerklärlich. Erst wenn man weiß, wie eng die jeweiligen Regierungs-Politiker mit den Öl-, Energie- und Auto-Konzernen verwoben sind, beginnen langsam einige Alarmglocken zu schrillen.

„Schaden vom Volk durch hochschießende Benzinpreise und Klimawandel wenden, nein wozu? Wir wollen Schaden von den Profiten der Großkonzerne und -banken wenden, denn dort kommen wir nach unserer politischen Karriere unter

“Währenddessen haben die Vereinigten Staaten entdeckt, daß es Alternativen um sündteuren Erdölimport gibt und arbeiten zügig an entsprechenden Programmen. Eben haben Ford und die Bio-Kraftstoff-Firma Vera Sun ein Programm vorgestellt, das nicht nur die Herstellung von Bio85-Alkohol vorsieht, sondern auch den Beginn eines Netzes von Alkohol-Zapfsäulen an den Tankstellen. Ford offeriert in den USA bereits vier seiner Personenwagen in der „Flex“-Version. Ford war auch in Schweden Vorreiter der Flex-Fahrzeuge.

Nun haben die Südstaaten der Vereinigten Staaten, wie die ‚Berliner Umschau’ schon meldete, ein Energie-Sicherheitskonzept vorgelegt, das ähnlich dem schwedischen Programm neben Energieeinsparungen und Gebrauch heimischer Rohstoffe (Kohle, Ölschiefer) zur Kraftstoff- und Energiegewinnung auch den massiven Einsatz von Bio-Kraftstoffen vorsieht. Diese Vereinigung der Südstaaten, die ihren Plan auf einem Treffen der Gouverneure in New Orleans vorstellte, ist überwiegend eine Republikaner-Verein, also von Bushs eigener Partei. Das bedeutet, daß zwar Bush weiterhin einen speziellen Vertreter der großen US-Ölkonzerne darstellt, aber die Republikaner als Regierungspartei mehrheitlich nicht mehr am Gängelband dieser Konzerne laufen wollen. Das hängt wohl speziell damit zusammen, daß die meisten Südstaaten weiterhin eine stark von Landwirtschaft geprägte Wirtschafts- und
Beschäftigtenstruktur haben.

Und die Vorteile für die Landwirtschaft sind eben die bei weiten sichtbarsten im Fall von Bio-Kraftstoffen im besonderen und Bio-Energie im allgemeinen. Landwirtschaftliche Produkte, die zur menschlichen Ernährung verwendet werden, haben in hochentwickelten Industriestaaten mit starker Währung nur eine Chance, mit den extrem niedrigen Weltmarktpreisen landwirtschaftlicher Produkte zu konkurrieren, wenn sie massiv subventioniert werden, was sowohl Probleme für das Budget-Defizit wie zum Teil auch für das Zahlungsbilanzdefizit bringt. Das gilt im Prinzip auch für die EU, wenn auch diesseits des Atlantiks keine so massiven Defizit-Probleme vorliegen.

Die Herstellung von Pflanzen zur Umwandlung in Energie-Flüssigkeiten dagegen ist die ideale Lösung für die landwirtschaftlichen Probleme der Industriestaaten. Die Stoffe werden im Land hergestellt und verbraucht, so daß die internationale Preissituation nur am Rande eine Rolle spielt. Man hat einen garantierten Absatzmarkt und hängt nicht von den Preisbewegungen an Börsen ab, die in manchen Jahren eine Ernte schlicht und einfach unrentabel machen. Man kann die kostenintensiven Subventionen einstellen bzw. herunterfahren und gleichzeitig die ebenso wichtigen Kosten der Erdölimporte senken. Kurz: es ist die ideale Lösung. Lediglich eine zeitweilige Steuerbefreiung oder niedrige Besteuerung ist als Anlaufinvestition nötig, was aber bei weitem nicht an die Größenordnungen der heutigen Subventionen herankommt.

Und wie mit einer magischen Anhäufung von Nur-Vorteilen, tut man auch noch etwas gegen die Verschärfung des Klimawandels und zur Verbesserung der Luft der Ballungsräume.

Der Südstaaten-Plan sieht bis zum Jahre 2030 einen vollständigen Ersatz von eingeführtem Erdöl vor, so daß ab diesem Zeitpunkt in den USA nur noch das im eigenen Land geförderte Erdöl verwendet würde. Man will, wie das auch schon die Schweden vorhaben, ein besonderes Augenmerk auf die Möglichkeit legen, Alkohol aus Holzschnitzeln herzustellen.

Die Umweltbilanz der Bio-Kraftstoffe

Immer wieder wird von interessierten Kreisen die Umweltbilanz von Bio-Kraftstoffen in Frage gestellt. Was den Alkohol angeht, so hat er bezüglich der Umwelt zuallererst und vor allem den unschätzbaren Vorteil, kein zusätzliches Treibhausgas CO2 auszustoßen, was momentan das bei weitem dringendste Umweltproblem darstellt, denn der durch die globale Erwärmung hervorgerufene Klimawandel droht in eine Klimakathastrophe umzuschlagen.

Experten geben der Menschheit im Moment nur noch etwa 15 Jahre, bis massive Verringerungen des Kohlendioxid-Ausstoßes ereicht sein müssen, um nicht in eine Katastrophe ohne Umkehrmöglichkeit hineinzuschlittern, die im Verlauf eines Jahrhunderts die Menschheit, wie wir sie kennen, auslöschen würde.

Dieser Vorteil ist so grundlegend und wesentlich im Moment, daß er allein bereits genug Grund wäre, sofort massiv auf Alkohol umzustellen, selbst wenn es keinerlei andere Vorteile gäbe. Bei allen kritischen Stellungnahmen zu Bioethanol als Kraftstoff sollte man deshalb zunächst überprüfen, ob die Stellungnahme der Bedeutung dieses Themas gerecht wird. Ist das nicht der Fall, kann man davon ausgehen, daß die Stellungnahme aus einer wesentlichen Unwissenheit heraus abgegeben wurde oder daß da jemand zynisch zum Vorteil der Profite bestimmter Öl- und anderer Konzerne Desinformation betreibt.

Von einigen Stellen wird argumentiert, daß der Vorteil des geringeren Ausstoßes von Kohlendioxid (denn das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid wurde ja vorher von der Pflanze beim Wachsen der Luft entnommen) zum Teil oder sogar vollständig von einem hohen Energiebedarf aufgewogen werde, der für die Herstellung des Alkohols notwendig sei und durch Elektrizität, die viel Kohlendioxid zur Herstellung ausstößt, geliefert werden müsse. Auf das Argument des hohen Energieverbrauchs wird noch beim Besprechen der Energiebilanz eingegangen werden, aber hier kann schon vorausgeschickt werden, daß für einen Liter Alkohol bei entsprechend entwickelten Herstellungsverfahren nicht mehr Energie benötigt wird als für einen Liter Benzin. Wichtig ist natürlich, daß man die Vorteile, mit Pflanzenprodukten zu arbeiten, auch ausnutzt. So wird in Brasilien z.B. der Abfall des Zuckerrohrs, der früher auf den Feldern verbrannt wurde, jetzt in den Zucker- und Alkoholfabriken zur Energieeerzeugung verwendet, so daß hier auch „saubere“ Energie im Sinne der Nichtausstoßes von zusätzlichem Kohlendioxid verwendet wird.

Es gibt bezüglich des Alkohols aber auch noch andere Umweltgesichtspunkte. Einer ist die Luftverschmutzung von Motoren, die mit Alkohol betrieben werden. Hier ergeben sich in der Summe wesentliche Verbesserrungen gegenüber einem unter vergleichbaren Bedingungen mit Benzin betriebenen Auto. Zunächst enthält der Alkohol keine Schwefel-Bestandteile und es entsteht damit kein Schwefeldioxid als Abgas (wie auch kein giftiges und stinkendes H2S durch den Katalysator). Damit ist der wesentliche Grund für den „sauren Regen“ bekämpft. Die Bäume werden es danken. Als zweites enthält der Alkohol im Gegensatz zum Benzin keine aromatischen Bestandteile wie Benzol und andere, die nicht nur eine Tankstelle zu einem auf Dauer krebserzeugenden Arbeitsplatz machen, sondern auch als aromatische Bestandteile in den Auspuffgasen die Luft mit krebserregenden Substanzen anreichern. Ebenso sind in den Auspuffgasen von Alkohol-Motoren keine Kohlenwasserstoffe enthalten, was ebenfalls ein wichtiges Plus für die Luftqualität ergibt.

Allerdings ist Alkohol keineswegs DIE Lösung für die Luftverschmutzungsprobleme. So stößt ein Alkohol-Auto genauso wie ein mit Benzin betriebenes Nitrose Gase aus ( NOx), die zusammen mit dem Sauerstoff der Luft das in den unteren Luftschichten unerwünschte Ozon verursachen. Nitrose Gase sind auch zum Teil an der Bildung von „saurem Regen“ beteiligt, so daß dieses Phänomen nicht völlig verhindert wird. Die Bildung von Nitrosen Gasen kann – abhängig von den Umständen – bei Alkohol-Motoren sogar etwas höher sein als bei Benzin-Motoren, weil der Alkohol etwas mehr Energie-Inhalt pro Volumeneinheit hat – verursacht durch die höhere Dichte -, was der Fahrer durch ein temperamentvolleres Auto bemerkt. Dies führt zu höheren Verbrennungstemperaturen, die wiederum zu mehr Nitrosen Gasen führen können.

Auch können in den Abgasen von mit Alkohol betriebenen Motoren neue, andere chemische Substanzen auftauchen, wie z.B. Acetaldehyd und Derivate davon, die in der Luft in keiner Weise willkommen sind. Es gibt auch noch keine umfangreichen Versuche über die Wirkungen von andauerndem Einatmen solcher Abgase – genausowenig wie über die von Benzinmotoren.

Damit kommen wir zu generelleren Überlegungen: Alkohol als Kraftstoff ist nicht mehr und nicht weniger als eine Übergangslösung, keineswegs der „Kraftstoff der Zukunft“. Er hilft in diesem Moment der Menschheitsgeschichte bei der Lösung des wichtigsten akutesten Problems und hat weitere bedeutende Vorteile. Er löst aber trotz Vorteilen nicht das wesentliche Problem der Luftverschmutzung durch den Autoverkehr und kann auch nicht vollständig Benzin ersetzen, weil dazu einfach zuviel Anbaufläche benötigt würde. Wenn wir in der Zukunft den Sozialismus erkämpft haben werden, wird man sich grundsätzlich um die Frage der Lösung des Problems des Transportes von Menschen und Gütern Gedanken machen müssen und wird wahrscheinlich zu einer Lösung kommen, die nicht Hunderttausende von Verkehrstoten jährlich fordert. Auf dieser Basis wird dann auch das Problem gelöst werden, woher die Energie für diesen Transport kommen soll – und das wird wahrscheinlich nicht der Alkohol sein.‘

Das kann aber kein Anlaß sein, den Nachdruck, mit dem jetzt die Umstellung auf Alkohol gefordert werden muß, zu verringern. Was die Umweltbilanz von Bio-Diesel angeht, so sieht die nicht ganz so positiv wie die von Alkohol aus. Stellt man sie aber – und das ist ja nur sinnvoll – in das Verhaltnis zu Diesel und nicht zu Benzin, so stellt auch Bio-Diesel, genauso wie Alkohol, den jetzt notwendigen Schritt dar. Auch hier ist das entscheidende und ausschlaggebende Argument das Verhindern oder jedenfalls starke Vermindern von zusätzlichem CO2-Ausstoß, wie gesagt das momentan dringendste Umweltproblem der Menschheit.

Auch im Fall von Bio-Diesel muß, auch bei berechtigten Kritiken, immer wieder überprüft werden, ob diese im Verhältnis zu diesem Hauptproblem eine ausgewogene Stellung beziehen oder eventuell dieses überhaupt nicht erwähnen.

Als ‚Bio-Diesel’ wird die Verwendung von Fettsäure-methyl- und -ethyl-Estern als Ersatz von Dieselkraftstoff bezeichnet, der in Deutschland auch unter dem Begriff „Heizöl“ vertrieben wird. Es sei also hier ausdrücklich nicht die Rede von Verwendung von Fettölen direkt für Dieselmotoren mit veränderter Charakteristik.

Eines der Probleme bei Bio-Diesel in Bezug auf die Umwelt ist, daß es, mit Ausnahme von Brasilien, praktisch überall in Form des Methyl-Esters eingesetzt wird, was den Hauptvorteil verkleinert. Das hängt damit zusammen, daß es sich ursprünglich um eine deutsche Entwicklung handelte und in Deutschland der Alkohol Methanol als Veresterungskomponente deutlich billiger ist als Ethanol. Nur wird Methanol eben in einem aufwendigen Prozeß aus Erdöl hergestellt und dieser Teil des Bio-Diesel stößt dann eben doch zusätzliches CO2 bei der Verbrennung in die Luft aus – auch wenn er weniger als ein Zehntel des Moleküls darstellt.

Der brasilianische Ansatz bei Bio-Diesel ging dagegen von vornherein von Ethanol zum Verestern aus, es wurden also nur die Ethyl-Ester verwendet. Damit ist auch dieser Teil des Moleküls auf pflanzlicher Grundlage gewonnen worden und stößt kein zusätzliches Kohlendioxid aus. Auch kann man noch mehr tun und ebenfalls pflanzliche Produkte zur Gewinnung der relativ großen Energiemengen benutzen, die zur Herstellung von Bio-Diesel notwendig sind.

Für den eigentlichen Umesterungsprozeß pflanzlicher Öle braucht man über 200 PC und anschließend muß das angefallene Glycerin vom Produkt abgetrennt werden, wozu energieaufwendige Zentrifugen verwendet werden. Hat die Bio-Diesel-Fabrik ein eigenes kleines Kraftwerk angeschlossen, so kann man dort andere Pflanzenteile der Ausgangspflanze und auch das anfallende Glycerin verbrennen, um Strom zu gewinnen und kommt so auf eine hervorragende Umweltbilanz. Im Moment kann man Glycerin noch zu einem höheren Preis verkaufen als ein anderer Brennstoff kostet, aber das dürfte in dem Maße zu Ende gehen, wie Bio-Diesel-Fabriken reihenweise überall aus dem Boden gestampft werden und damit ein weltweites starkes Überangebot von Glycerin erzeugt wird.

Ein anderes Problem des Bio-Diesel in bezug auf die Umwelt kann die Pflanze darstellen, aus dem der Bio-Diesel hergestellt wird. In Deutschland wird Bio-Diesel im wesentlichen aus Raps und Rapsöl gemacht (auf Englisch: rape seed oil). Es ist aber genauso möglich, Bio-Diesel aus den billigeren Fettölen Sojaöl und Palmöl herzustellen. Dabei gibt es das Problem, daß Soja die hauptsächliche Pflanze ist, die dort angebaut wird, wo Amazonas-Urwald vernichtet wird und Palmöl-Palmen-Plantagen in Indonesien auf ehemaligen Regenwald-Gelände angelegt werden. Tatsächlich gibt es also einen indirekten Zuisammenhang mit anderen schwer umweltschädlichen Vorgängen. Dies aber ist ein politischer Prozeß in diesen Ländern, der nicht durch die Herstellung von Bio-Diesel aus diesen Rohstoffen angeregt wurde, sondern bereits Jahre und Jahrzehnte vorher in Gang gekommen war, als von Bio-Diesel noch keine Rede war. Er wird nicht gestoppt, wenn statt Bio-Diesel-Rohstoffe andere Pflanzen dort angebaut werden oder man Rinder grasen läßt. Vor allem aber: Bei Benzin und Diesel zu bleiben, wird diesen Prozeß schon gar nicht stoppen.

Was die Luftverschmutzung angeht, so bringt Bio-Diesel eine wesentliche Verbesserung. Vor allem die Rußpartikel (Feinstaub), die der Dieselmotor fast gesetztmäßig von sich gibt, die meistens auch noch mit aromatischen, meist krebserregenden Substanzen an der Oberfläche angereichert sind, stellen eine der wichtigsten Gefährdungen der menschlichen Gesundheit dar. Bio-Diesel löst dieses Problem, da es die Ruß-Tendenz der Dieselmotoren drastisch senkt. Für Bio-Diesel gilt außerdem das gleiche wie für Bio-Ethanol: Kein Schwefelgehalt, dadurch fallen alle negativen Begleiterscheinungen der Schwefeldioxid-Bildung weg.

Andererseits bringt die Verbrennung von Bio-Diesel aber – ebenso wie der Alkohol – neue Substanzen in den Abgasen hervor, die noch nicht intensiv untersucht sind. Es kann aber mit Sicherheit gesagt werden, daß sie nicht annähernd die Gefährlichkeit von den krebserregenden Substanzen haben, die heute mit den Diesel-Abgasen in die Atemluft gehen.

In fernerer Zukunft wird es sicherlich eine Debatte geben, inwieweit die Dieselmotoren, deren Vorteil vor allem der billigere Kraftstoff war, den Anforderungen der Zukunft noch standhalten, aber für den Moment, in dem fast alle Motoren von Gütertransportfahrzeugen Dieselmotoren sind, ist Bio-Diesel die notwendige Wahl.

Bio-Diesel
Dabei, um auch gleich die generellen Fragen von Bio-Diesel zu behandeln, ist der wesentliche Unterschied eben der, daß Bio-Diesel in konventionellen Dieselmotoren ohne Anpassung gebraucht werden kann, während für den Alkohol (über 25% in der Mischung mit Benzin oder allein) ein Auto mit Flex-Fuel-Technik notwendig ist. Auf Bio-Diesel kann also direkt und schnell und ohne größere Investitionen umgestellt werden, während für den Alkohol neue Motorengenerationen notwendig sind.

Es könnte also nun, wenn schon die Umstellung auf Alkohol noch nicht einmal ins Auge gefaßt wird in Deutschland, zumindest die auf Bio-Diesel in kurzem Zeitraum durchgeführt werden. Doch genau in diesem Moment beschließt die unsägliche deutsche Politiker-Kaste, die Steuerbefreiung von Bio-Kraftstoffen aufzuheben und in einem ansteigendem Maße, Jahr für Jahr, auch die umweltrettenden Kraftstoffe wie die menschheitsvernichtenden zu besteuern. Diese Geisterfahrt gegen die allgemeine Fahrtrichtung wird die zarte Pflanze Bio-Diesel, für die Deutschland ja sogar wegweisend war, zermalmen und Deutschland auf unabsehbare Zeit zur Abhängigkeit von Erdöl und Erdölkonzernen verdammen.

Im übrigen müßte auch, das ist sogar besonders wichtig, die Umstellung der in Deutschland extrem weit verbreiteten Heizöl-Heizungen auf Bio-Diesel ins Auge gefaßt werden. Kurz, es müßte massiv in Bio-Diesel-Fabriken investiert werden und es müßte massiv die Umstellung der deutschen Landwirtschaft auf Bio-Kraftstoff-Herstellung angegangen werden, um die hauptsächlich winterliche Luftverschmutzung (durch die vielen Heizöl(=Diesel)-Brennstellen) und die sommerliche wie winterliche durch Feinstaub zu bekämpfen und dabei gleichzeitig einen gewaltigen Schritt in der Verminderung des Kohlendioxid-Ausstoßes zu tun.

In einem kleinen, dicht besiedelten Land wie Deutschland, das besonders unter den Folgen der Luftverschmutzung durch Verkehr und Heizung leidet, wären durchgreifende Schritte zur Verbesserung dieser Situation eigentlich angebracht, vor allem wenn dadurch auch das Problem mit der Klimakatastrophe, die Frage der Versorgungssicherheit, die stark steigenden Preise und die Sinngebung der Landwirtschaft angegangen werden kann, aber Deutschlands famose Politiker-Mafia hat anderes im Sinn.

Wird fortgesetzt.

Bill Gates und George Soros investieren in Alkohol Teil 1
Bill Gates und George Soros investieren in Alkohol: Was spricht gegen Bio-Kraftstoffe? Teil 2

Krieg

Israelische Luftwaffe für Bushs ‚New War’ greift Ambulanzfahrzeug an

Kommentar von Karl Weiss – Wenn irgendein Photo ohne Kommentar charakterisieren kann, was Israel mit dem Libanon macht, so ist es dieses. Ein Ambulanzfahrzeug des Roten Kreuzes, das deutlich erkennbar war, wurde von einem israelischen Geschoß von einem Kriegsflugzeug genau im Zentrum des großen aufgemalten Roten Kreuzes auf dem Fahrzeug getroffen.


Volltreffer

„Ein tödlicher neuer Meilenstein“ wurde von der israelischen Luftwaffe mit den exakten Treffern auf zwei Ambulanzfahrzeuge gesetzt, kommentiert der britische „Guardian“ vom 25. Juli 2006 in einem Artikel über dieses abscheuliche Kriegsverbrechen und einem Foto unter http://www.guardian.co.uk.

Nach der Meldung des „Guardian“, der bekannt zuverlässig ist in solchen Meldungen, waren beide Ambulanzfahrzeuge in geringem Abstand voneinander in der Nähe der libanesichen Stadt Tyre unterwegs, beide auf dem Weg, jeweils einen Verletzten des Krieges am vergangenen Sonntag Abend in ein Krankenhaus zu bringen.

Die Hauptscheinwerfer der Ambulanzen waren an, beide hatten Blaulicht eingeschaltet und hatten zusätzlich eine Fahne des Roten Kreuzes gehißt, die von einem anderen Scheinwerfer angestrahlt wurde, um jede mögliche Verwechslung zu vermeiden.

Es war also objektiv unmöglich, daß die israelischen Luftwaffen-Angehörigen nicht bemerkt hätten, daß es sich um Ambulanzfahrzeuge gehandelt hat. Die Tatsache, daß sie bei beiden Ambulanzen genau das Zentrum des großen aufgemalten Roten Kreuzes auf dem Dach der Ambulanz getroffen haben, beweist zudem, daß auch dies für sie gut sichtbar war.

Im Grunde sind die (wahrscheinlich jungen) Piloten der israelischen Air Force auch nicht die Hauptschuldigen. Sie wurden indoktriniert, daß gegen den „Terrorismus“ ALLES, buchstäblich ALLES erlaubt ist, also warum soll man dann gegen „Terroristen“ nicht fröhliches Zielschießen auf Lieferwagen machen, die unvorsichtigerweise noch Zielkreuze aufgemalt haben.

Hat nicht Bush für vermeintliche Terroristen alle Rechte als Verdächtige aufgehoben? Wurden nicht alle Genfer Konventionen als unanwendbar erklärt? Wurde nicht das fróhliche Foltern begonnen? Hat man nicht die Konzentrationslager wie Guantánamo eingerichtet?

Werden nicht alle Daten einschließlich Kreditkartennummern von Fluggästen nach USA an die US-Regierung weitergegeben? Darf man jetzt nicht einfach kleine Länder wie Afghanistan und Irak überfallen ohne daß die Weltgemeinschaft einen verurteilt?Hat Bush nicht den „New war“ ausgerufen, in dem alles gilt, jedenfalls fúr die Großen und Mächtigen?

Da ist es doch nicht angebracht, noch irgendwelche Skrupel wegen eines aufgemalten Kreuzes zu haben, nicht wahr? Oder wegen einer lustigen Flagge, die aussieht wie das Schweizer Kreuz, nur mit ausgetauschten Farben.

Die Zielgenauigkeit der modernen Waffen, die von Flugzeugen abgefeuert werden, ist jedenfalls beeindruckend.

Diese Zeilen schreibend, hört der Verfasser im Hintergrund BBC International. Dort wird gerade das nächste unsägliche Kriegsverbrechen berichtet. Jetzt, Dienstag abend, 25.7.: Die Israelische Luftwaffe hat eine der großen Bomben auf einen Unterstand von UN-Beobachtern im Libanon nahe der israelische Grenze abgeworfen. Der UN-Unterstand ist nur noch ein riesiges Loch. Die vier Beobachter von der UN aus vier unterschiedlichen Ländern dürften tot sein. Der Unterstand ist dort seit 1948, seit Israel begründet wurde. Er ist in allen militärischen Karten eingetragen. Man wußte also genau, wen man da mordete.

Auch das ergibt irgendwie einen Sinn. Hat nicht die UN bereits zig mal mit ihrem Sicherheitsrat Resolutionen beschlossen, die Israel nicht befolgen will? Hat der UN-gerichtshof nicht geurteilt, man müsse die Mauer niederreißen? Sollte man da nicht mal ein wenig zurück geben?

Es kann nicht mehr lange dauern, bis die US-Luftwaffe das UN-Gebäude in New York angreift, oder?

vermischtes

Arnies tödliche Appelle

Harald Haack – Ausgerechnet dort, wo der Klimawandel bislang am intensivsten auf oberster politischer Ebene geleugnet wurde, schlägt der Hitzetod erbarmungslos zu. In den USA, genauer: in Kalifornien, wo der Ex-„Terminator“-Darsteller Arnold Schwarzenegger sich als Gouverneur versucht, sorgte die anhaltende Hitze für mehr als 50 ausgedörrte Tote. Laut „Los Angeles Times“ gab es die meisten Opfer im küstenfernen Central Valley. Dort herrschen seit zehn Tagen Temperaturen von über 41 Grad Celsius. In einem Billighotel in Sacramento wurden drei Bewohner tot aufgefunden. Deren Leichen zeigten deutliche Spuren einer Dehydration, eines akkuten Wassermangels. Sie sollen wie Mumien ausgesehen haben. Der Feuerwehr-Chef soll dem „San Francisco Chronicle“ mitgeteilt haben, es sei „verrückt“ heiß in den Räumen gewesen, obwohl es Klimaanlagen gab. Aber die hatte der Hotelier gemäß der Stromspar-Appelle von Gouverneur Schwarzenegger ausgeschaltet.


Der „Terminator“ schlug erneut zu: In Kalifornien hörten Besitzer von Billighotels auf die Appelle von Gouverneur Arnold Schwarzenegger zum Stromsparen und schalteten die Klimaanlagen aus. Appelle mit tödlichen Folgen.

In dem bislang kühleren Nordkalifornien und im Süden des Westküstenstaates wurden erstmals seit 57 Jahren gleichzeitig Rekordtemperaturen gemessen. In Fresno, im Central Valley, kletterte das Thermometer am Dienstag auf knapp 45 Grad.

Schwarzeneggers Appelle zum Stromsparen schützten nur die Energiewerke und zwar vor den gefürchteten Blackouts. Es werden weitere Hitzetote in Kalifornien erwartet.

Arnies Höllenfeuer

vermischtes

Klimawandel – Heiss erwischt

Harald Haack – In der Zukunft, so warnten uns Klimaforscher im vergangenen Jahrhundert, nehme die Erderwärmung rapide zu. Spätestens ab 2006 müsse es nicht nur katastrophale Hitzewellen geben, sondern auch Gewitterstürme mit Hagelbombardement, Starkregenfälle und Windhosen. Hinzu käme die Häufung von Hurricans und Taifunen in Nord- und Mittelamerika und im fernen Osten.

Nun leben wir in jener prognostizierten Zukunft und haben die Folgen der Erderwärmung hinreichend kennen gelernt. Aber es wird schlimmer kommen. Und schon wieder warnen Wissenschaftler vor den Folgen des Klimawandels, an dem wir Menschen sicherlich nicht unschuldig sind.


Dicke Luft unter der Eisenbahnbrücke an den Deichtorhallen in Hamburg. Emissionen, besonders die von Autos, sollen schuld am Klimawandel sein.

Im vergangenen Winter glaubten dennoch einige Leute, da es so viel Schnee gab, die Erderwärmung sei nun zu Ende. Als dann dieses Frühjahr kalt und nass wurde und das große Jammern übers Wetter wahrscheinlich zum „guten Ton“ in den Medien gehört, jammerten viele Nachrichten-Konsumenten mit und ahnten nicht, was sie erwartete.


Januar 2006 im Hamburger Hafen. In diesem Winter glaubte kaum jemand an einen heißen Sommer.


Blick eines Landwirtes durch eine Eislinse in die heisse Zukunft. Die Linse bildete sich über Nacht, nachdem er in einen Eimer, in dem sich etwas Schmelzwasser vom letzten Schneefall befand, einen zweiten Eimer gestellt hatte.

Und nun ist er da und hat uns heiß erwischt. Dieser Sommer wird inzwischen als ein Sommer mit einer „besonderen Qualität“ bezeichnet. Der Europäische Kontinent wurde so heftig aufgeheizt, dass Tiefdruckgebiete an der Hitzeglocke „abprallen“. Auch Nordamerika leidet unter der Hitze. Nicht nur in New York fiel tagelang der Strom aus, sondern auch in Kalifornien. Von vielen Badeseen in Deutschland und in der Schweiz werden Unfälle gemeldet, weil sich die Menschen überhitzt ins Wasser stürzen.


Die Zukunft der vergangenen „Zukunft“? Oder jetzt schon Gegenwart: Ausgetrockneter Schlick mit Chemikalienrückständen in einer Ackerfurche in Elskop (Schleswig-Holstein).


Durch Hitze zerflossener Asphalt in den Arkaden der Berner Kramgasse.


Notreifes Getreide wegen Hitze und Wassermangel.


Wenn Gluthitze und UV andere Umweltgefahren überstrahlen: Verzweiflungstat eines Überhitzten. Kopfsprung in die verdreckte Weser beim Kernkraftwerk Esensham.


Waldbrandgefahr: Brennendes Kfz. Gut, wenn die Feuerwehr, wie hier in Woltem/Soltau, das Fahrzeug zwecks Löschübung selbst anzündet und das Feuer unter Kontrolle hat. Alle Fotos: Harald Haack

Sommer 2006: Außer Stöhnen und Schwitzen nichts gewesen? Hier eine Liste nicht repräsentativer Aspekte:

Verzogene Fenster
Eine Hitze, die nicht nur Menschen plagt, sondern auch erodierend wirkt. Weil sich der Kunststoff von Fensterrahmen in der Hitze des Sommers verbog, schließen viele Fenster nicht mehr und müssen ausgetauscht werden – damit im Winter der kalte Wind nicht durch die breiten Ritzen jault.

Holpriger Flugplatz
Gefahr durch die Hitze auf für Fluggäste: Die Hitze hatte die Dichtungsmasse zwischen den Betonplatten von eine der beiden Start- und Landebahnen des Flughafen Hannover beschädigt. Diese Start- und Landebahn wurde gesperrt. Reparaturarbeiten sind in Gang.

Schwitzende Schweine als Brandstifter
Die Hitze führte zu einer Übergärung von Heu in einem Heustock auf einem Bauernhof im solothurnischen Ichertswil (Schweiz). Es entwickelte sich ein Großbrand, bei dem nach Angaben der Polizei mehr als 200 Schweine in den Flammen umkamen. Auch ein Teil des Wohnhauses brannte nieder. Der Landwirt hatte sicherlich das Heu trocken eingelagert, doch die Luftfeuchtigkeit seiner in der Hitze schwitzende Schweine wird das Heu durchfeuchtet haben, wie Brandermittler ermittelten. Das Heu auf der Heubühne über dem Schweinestall gärte daraufhin und entzündete sich.

Angst vor Mücken oder vor neugierige Nachbarn?
Neugierige Nachbarn sind das eine Problem, Mücken das andere. In Liestal bei Basel wurde die Polizei wegen vermeintlicher Einbrecher alarmiert – von dem Nachbar eines Hauses, in dem sich die Einbrecher angeblich zu schaffen machten. Er berichtete von umherirrenden Lichtern in dem stockdunklen Haus, wie die Baselbieter Kantonspolizei mitteilte. Doch beim Eintreffen der Polizisten klärte sich der Fall rasch auf. Die spärlich bekleideten Hausbesitzer hatten das Haus wegen den hohen Temperaturen durchgelüftet. Da sie dabei keine Mücken anlocken wollten, löschten sie das Licht aus und montierten sich Stirnlampen.

Tagsüber schwitzen, nachts saufen und schießen
Einem Kneipengast in Bayern ist offenbar die Hitze aufs Gemüt geschlagen. Weil er sich nicht damit abfinden wollte, dass die Kneipe, in der er sich bis 3 Uhr in der Frühe hatte volllaufen lassen, schließt, zog er eine Waffe und schoss auf die Kellnerin, teilte die Polizeidirektion Fürstenfeldbruck mit. Da sie ihn zuvor mit Pfefferspray abgewehrt hatte und sofort weggerannt sei, habe der Mann die Frau nicht getroffen. Als später ein Bekannter der Kellnerin deren Auto holen wollte, habe der Gast seine Waffe auf ihn gerichtet, sei dann aber geflüchtet. Polizisten nahmen ihn in der Nähe fest.

Fischsterben droht
Den Flüssen droht durch die anhaltende Hitze ein Fischsterben. In Hamburg stieg die Wassertemperatur der Elbe am 24. Juli 2006 auf einen neuen Spitzenwert von 27 Grad Celsius. Laut Hamburger Abendblatt ist dies der höchste Wert seit Beginn der Messungen vor rund 20 Jahren. Mit dem Steigen der Wassertemperatur sinkt gleichzeitig auch der Sauerstoffgehalt des Flusses. So betrug die Sauerstoffkonzentration an der Messstelle in Hamburg-Blankenese lediglich 3,7 Milligramm pro Liter. Da fehlen nur noch 0,7 Milligramm und die für Fische kritische Marke ist erreicht. Dann könnte ein großes Fischsterben einsetzen. Bereits einige Tage zuvor war der Sauerstoffgehalt im Hamburger Hafen zeitweise unter diese kritische Marke gerutscht. Ein Sprecher der Umweltbehörde sagte, tote Fische „auf Grund von Sauerstoffmangel“ seien noch nicht gefunden worden. Dann müssen sich die Fische, deren Kadaver etliche Hamburger im Wasser fanden, wahrscheinlich vergiftet haben. Das Wasser der Elbe im Hamburger Hafen ist nämlich alles andere als sauber. Wer hier ins Wasser fällt und von der Wasserschutzpolizei gerettet wird, wird selbst bei diesen Badetemperaturen schnellstens in eine Klinik transportiert.

Badeverbot
Der Hamburger Eichbaumsee ist laut dem Verbraucherschutzamt Hamburg-Bergedorf mit Gabelschwanzwurmlarven verseucht. Schilder am See weisen auf das Badeverbot hin. Auch für Hunde ist das Baden im Eichbaumsee verboten. Dennoch trotzen einige Schwimmer dem Verbot. Sie sagen, sie gingen nur kurz ins Wasser, da werde schon nichts passieren. Ein Irrtum. Bernhard Fleischer, der Chef des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg, weiß es besser: „Die Larven des Gabelschwanzwurms, so genannte Zerkarien, bohren sich innerhalb von Sekunden in die Haut.“. Die Folgen: Auf der Haut kommt es zu starkem Juckreiz und Quaddelbildung. Eine „Bade-Dermatitis“, die erst nach zehn bis zwanzig Tagen abklingt. Überall dort, wo Enten sich im flachen Wasser des Gewässers aufhalten, können Zerkarien vorkommen. Die Eier des Wurms werden mit dem Entenkot verbreitet. Die Hitze bietet beste Bedingungen für die Verbreitung. Fleischer: „Wenn sich die Larven in die Haut gebohrt haben, kommen sie nicht weiter. Der Mensch ist ein ,Fehlwirt‘. Die Larven sterben, werden abgestoßen“.

Auch andere Gewässer erhitzen sich.
In der Schweiz sind Flüsse und Bäche gegenwärtig bis zu 28 Grad warm. Im Tessin und in den Seeland-Kanälen näherten sich die Wassertemperaturen Badewannenwerten, wie die Basler Zeitung schreibt: „Die Tresa im Grenzort Ponte Tresa wies laut den Daten des automatischen Messnetzes des Bundesamts für Umwelt am Dienstag einen 24-Stunden-Mittelwert von 27,9 Grad auf. Die Tagesspitze am Montag betrug sogar 28,8 Grad. Mittelwerte von 26,8 und 26,6 Grad wurden im Broye-Kanal bei Sugiez (FR) zwischen dem Murten- und dem Neuenburgersee beziehungsweise im Zihlkanal bei Gampelen (BE) zwischen dem Neuenburger- und dem Bielersee gemessen.“

Die Meere werden wärmer
Während in Südosteuropa die Hitze und die Dürre zu zahlreichen Wald- und Buschbränden führten, wurden vor der schottischen Küste wurden in den vergangenen Wochen deutlich mehr Wale und Delfine gesichtet als je zuvor. Wie die BBC berichtete, soll dafür laut britischer Wissenschaftler die Erwärmung der nördlichen Meere verantwortlich sein.

Britische Queen sauer
Die Hitze führte auch in Großbritannien zur Dürre und zu Wassermangel. Der britische Wasserversorger Thames Water verhängte ein generelles Bewässerungsverbot für Rasen. Davon betroffen sind nicht nur die Rasenflächen vieler Briten, sondern auch die der Queen. Und die inspizierte „mit finsterer Mine“ ihren Rasen, wie Michael Kröger für SPIEGEL-Online schreibt. Seit Tagen habe der königliche Rasen kein Wasser mehr gesehen und sei nun wie der „Fußballacker eines Vorstadtvereins“. So wurde aus der diesjährigen Gartenparty der Queen ein Desaster. Bei mehr als 30 Grad im Schatten drängelten sich die vornehmen Gäste unter den aufgestellten Sonnenschirmen oder unter den Bäumen im Park hinter dem Buckingham-Palast. Natürlich geht man zur Queen nicht in schrillen Bermuda-Shorts und in luftigen Hawaii-Hemden, sondern zwängt sich in standesgemäße Schale. Und da erhitzte Menschen auf engstem Raum auch die ihnen umgebende Luft erhitzen, fielen 39 der Gäste um, erlitten einen Schwächeanfall und mussten medizinisch betreut werden.

Hitze-Tote in Frankreich
Unter der Hitze leiden besonders alte und geschwächte Menschen. Europaweit fielen bislang rund 40 Menschen der Hitze zum Opfer, davon sollen es allein in Frankreich 30 sein. In 56 Regierungsbezirken von Frankreich riefen daher die Meteorologen die Alarmstufe „Orange“ aus. Das ist die zweithöchste Alarmstufe des französischen Staatsgebietes. Rekordwerte von mehr als 38 Grad Celsius im Schatten werden vor allem im Südosten des Landes erwartet. Medizinstudenten und Ärzte im Ruhestand wurden von Gesundheitsminister Xavier Bertrand aufgerufen, sich den Notdiensten zur Verfügung zu stellen. Doch nicht so sehr die Außentemperaturen sind es, an den Menschen und Tiere zugrunde gehen. Vielfach sind es schlecht isolierte Häuser und Wohnungen, in denen sich jetzt die Hitze staut. So ist unter den Todesopfern eine 90-jährige Heimbewohnerin, die in Orly bei Paris an Überhitzung starb. Sie hatte, als sie starb, eine Körpertemperatur von 41 Grad, wie die Behörden mitteilten.


Grab eines Hitzetoten: Vor einem Jahr starb der Hamburger Arzt Karl-Reiner Fabig. Am heißesten Tag Ende Mai 2005 brach er zuhause zusammen und starb. Er war Dioxin-Experte, Neurotoxikologe und Vorsitzender des Umweltausschusses der Hamburger Ärztekammer. Alle Fotos dieses Artikels: Harald Haack. © Copyright 2006.

Ritter vom Blitz getroffen
Auch in Schweden hatte es in diesem Sommer wochenlang nicht mehr geregnet. Dann gingen schwere Gewitter und Hagelstürme über zahlreiche Gebiete Skandinaviens nieder. Sonderbar ist, dass ein 51jähriger Schwede trotz des Gewitters in eine Ritterrüstung stieg. Dermaßen verkleidet wurde er von einem Blitz getroffen. Er starb anschließend.

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Dreist: Folterflieger in Zürich gelandet

World Content News – Unbehelligt hat vor kurzem das bekannteste Terrorflugzeug der CIA, der „Guantanamo Bay Express“, Zwischenstation in der Schweiz gemacht. Die Gulfstream 5 mit der neuen Registriernummer N126CH (früher: N379P, N44982) landete am 26. Juni 2006 auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Mit der N379P sollen laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen etliche Menschen entführt und nach Guantanamo sowie in geheime Gefängnisse verbracht worden sein.

Die Maschine war im Dezember letzten Jahres an eine Milliardärsclique verkauft worden (WCN berichtete). Es gibt Anhaltspunkte, dass die neuen Eigentümer über beste Kontakte zum Mossad und zur CIA verfügen. Zudem gibt es Berichte, wonach der Besitzer Bruce Menin, dem u. a. auch das Immobilien-Imperium „Crescent Heights“ gehört, am Vorabend des 9/11 kurzfristig ein für den nächsten Morgen geplantes Frühstück im World Trade Center abgesagt haben soll.

Auch die N1HC ist derzeit wieder reichlich für die CIA unterwegs. Folgende Landungen sind laut Flugbeobachtungen zu verzeichnen:

am 29.06.06 Teneriffa, Spanien
am 19.06.06 Paris, Frankreich
am 07.06.06 Genf, Schweiz
am 23.05.06 Hongkong
am 15.04.06 Mitiga, Libyen
am 12.04.06 Abu Dhabi, VAE
am 01.04.06 Algier, Algerien
am 29.03.06 Doha, Quatar
am 25.03.06 Kunming, China
am 05.01.06 Berlin-Tempelhof

Die für die CIA fliegende Firma Devon Holding hat dagegen Kroatien als neues Betätigungsfeld für sich entdeckt. Mit ihren Flugzeugen N187D und N196D
hatte sie zuletzt am 21.03.06 und am 16.03.06 den Flughafen Pula angesteuert.

Die Boeing 737 mit der Registrierung N368CE ist nach den Berichten des „Stern“ wieder aus Frankfurt verschwunden, war kurzfristig in Shannon, Irland stationiert und fliegt seit kurzem ihre ominösen Ziele direkt aus den USA an (ab Washington-Dulles mit Zwischenlandungen in Reykjavik, Island).

Sämtliche Daten bei World Content News

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Bankdaten munter an US-Regierung weitergegeben

Karl Weiss – Wie der schleswig-holsteinische Landes-Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert mitteilt, wird weiterhin alles, was international auf den Konten deutscher Banken bewegt wird, über eine belgische Privatfirma an den US-Geheimdienst CIA weitergegeben.

Nachdem schon vor einiger Zeit durch US-Zeitungsmeldungen bekannt wurde, daß dem CIA über die belgische Firma “Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication” (SWIFT) die internationalen Bewegungen auf den Konten europäischer Banken zur Verfügung stehen, haben deutsche Banken auf Nachfragen extrem wenig auskunftsfreudig reagiert. Es handele sich um Maßnahmen zur Überwachung von Geldflüssen zur Terrorfinanzierung, wird gesagt.

Nachdem die „New York Times“ diese Praktiken herausgefunden und veröffentlicht hatte, kam von US-Präsident Bush eine heftige Kritik an der Veröffentlicheng. Es handelt sich also um etwas, was man gerne geheimgehalten hätte. Stellt sich die Frage, warum man geheimhalten will, daß man terroristischen Geldströmen nachspürt. Sollten vielleicht doch ganz andere Gründe dahinterstecken? Auffallend ist ja, daß bis heute in keinem Land auch nur eine Anklage gegen irgendjemand erhoben wurde, der solche Geldströme verwaltet hätte.

Der Datenschützer aus Deutschlands Norden will nun die großen Banken in seinem Bundesland diesbezüglich überprüfen. Thilo Weichert: „Die ersten Informationen, die uns als staatlicher Aufsichtsbehörde von Bankenvertretern zur Verfügung gestellt wurden, waren nichtssagend …“

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Reihe von Entscheidungen dem Schutz der Privatshäre – und dazu gehören natürlich auch die Kontenbewegungen und -stände – eindeutigen Vorrang vor Datenweitergabe ohne konkreten Verdacht gegeben. Im Fall von konkreten Verdachtsmomenten kann eine deutsche ermittelnde Stelle auch jetzt schon Daten von den Banken abrufen, ohne dafür eine richterliche Anordnung zu brauchen.

Daß nun solche persönlichen und sensiblen Daten wie Kontenstände und -bewegungen von deutschen Banken an eine belgische Privatfirma weitergegeben werden, die sie dann einem ausländischen Geheimdienst offenlegt, ist ein Skandal.

Die Banken halten dies offenbar für völlig normal und haben nichts unternommen, um diese Praxis zu stoppen.

Die deutsche Politik, mit Ausnahme des schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten, schweigt ebenfalls still darüber. Die bürgerlichen Medien haben dies kurz gemeldet und sind zur Tagesordnung übergegangen. Wenn das Wörtchen „Terror” drangehängt wird, darf jeder alles.

Grundsätzlich sind bei allen Fahndungsmaßnahmen Anhaltspunkt eines Verdachts notwendig. Eine Fahndung, die erst einmal alle für verdächtig hält und deshalb die Daten von allen freigibt, ist ausdrücklich verboten. Und dies gilt für staatliche Organe – umso mehr also für private Institutionen wie Banken. Ganz zu schweigen von Datenweitergabe an ausländische Geheimdienste.

Es gibt ja keine Möglichkeit, von Deutschland aus zu überprüfen, was der CIA wirklich mit diesen Daten anfängt. Nicht einmal in den USA selbst gibt es irgendeine effektive Überwachung der vielen Geheimdienste, wie US-Kongreßabgeordnete erst kürzlich wieder hervorhoben.

Ganz besonders, so hob Weichert hervor, gilt dies auch für die sensiblen Daten von europäischen Unternehmen. Es gibt keinerlei Garantie, daß sie vom CIA nicht US-Konkurrenten zur Verfügung gestellt werden.

Es gab in der Vergangenheit bereits einen Fall, in dem ein US-Stasi-Dienst Industriespionage für US-Firmen bei deutschen Unternehmen betrieb.

Weichert: „Es kann und darf nicht sein, daß das Bundesverfassungsgericht zu Recht den deutschen Sicherheitsbehörden klare Grenzen bei sogenannten verdachtsunabhängigen Jedermannkontrollen setzt und daß dann über den Umweg eines belgischen Dienstleisters der US-Regierung erlaubt wird, im Trüben zu fischen und Freiheiten und Bürgerrechte zu ignorieren.“

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Südamerika: Normalität im Fußball

Karl Weiss – Während die brasilianische Fußball-Fangemeinde immer noch am Auftreten ihrer „Seleção” bei der WM kaut, ist inzwischen in Südamerika wieder Normalität eingezogen. Nicht nur die brasilianische Meisterschaft (und der Pokal) haben nach der Unterbrechung während der Weltmeisterschaft wieder Fahrt aufgenommen, auch das unterbrochene Turnier „Libertadores“, das Gegenstück zur „Champions Leage“, wird weitergeführt.

Die brasilianische Meisterschaft bewies erneut, daß sie eine Reihe wirklich sehenswerter Spiele zu bieten hat. Eines davon war am vergangenen Sonntag das Auftreten des großen Teams von Fluminense Rio de Janeiro im Süden des Landes bei Gremio Porto Alegre, das 4:4 ausging. Zunächst legte Gremio zwei Tore vor, dann drehte Fluminense das Spiel bis zu 4:2 und danach holte Gremio noch bis zum Unentschieden auf.

Hochklassiger offensiver Fußball, viele Torszenen, viele Tore, darunter ein fulminantes Fernschuß-Tor und eine direkt verwandelte Ecke von Petkovic, alles was ein Fußballfan-Herz begehren mag – im Gegensatz zum Auftreten der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM.

Die „Copa Libertadores“ war wegen der Weltmeisterschaft nach den Hinspielen des Viertelfinals unterbrochen worden. Drei der vier Rückspiele wurden am Dienstag, dem 18. und Mittwoch, dem 19. Juli ausgetragen. Das paraguayanische Team von Libertad überraschte in Assunção durch einen Sieg gegen den Favoriten River Plate Buenos Aires. Der Gegner wurde im Spiel zwischen International Porto Alegre (der Lokalrivale des oben genannten Gremio) und dem equatorianischen Team LDU im brasilianischen Süden ermittelt. International gewann 2:0 und qualifizierte sich.

Das dritte Spiel war eine der „heißen“ Begegnungen, die es jedes Mal zwischen argentinischen und brasilianischen Mannschaften gibt. Estudiantes Buenos Aires hatte im Hinspiel vor der Weltmeisterschaft zu Hause Weltcup-Gewinner F.C. São Paulo mit 1:0 besiegt. Das Rückspiel also nun in São Paulo.

Nach einem nervösen Spiel auf mäßigem Niveau konnte São Paulo ebenfalls mit 1:0 dominieren, so daß ein Elfmeterschießen entscheiden mußte. Das gewann São Paulo mit 4:3, nachdem jeweils ein Spieler danebengeschossen hatte und São Paulos Torhüter Rogerio Ceni (das ist der Reserve-Nationaltorhüter, der bei der WM im Spiel gegen Japan im Tor stand) einen der argentinischen Bälle halten konnte.

Die Argentinier reklamierten, Ceni habe sich zu früh bewegt, aber es half nichts. Diese Sache mit der Bewegung der Torhüter muß die FIFA schleunigst klären. Fast alle Torhüter bewegen sich vor dem Schuß, nur selten werden deshalb Elfmeter wiederholt. Entweder muß rigoros durchgesetzt werden, daß keinerlei Bewegung vor dem Schuß erlaubt ist, oder man gibt Bewegungen auf der Linie oder sogar im 6-Meter-Raum frei.

Da die Torhüter praktisch keine Chance haben, wenn ihnen keine Bewegung erlaubt ist, wäre die Freigabe von Bewegung auf der Linie eine annehmbare Lösung. Ein Elfmeter soll ja nicht bereits gleichwertig einem Tor sein. Nur das ‚Nach-vorne-stürmen’ würde dann abgepfiffen.

Als letztes Viertelfinale fand am 20.Juli noch das Rückspiel der beiden am stärksten eingeschätzten Mannschaften des Turniers an, zwischen Velez Sarsfiel Buenos Aires aus Argentinien und Chivas Guadalajara aus Mexiko. In Guadalajara konnte Velez ein 0:0 herausholen und war nun zu Hause im Vorteil. Aber, wie die Dinge im Fußball sind, es kam anders. Chivas konnte in Buenos Aires einen Sieg mit 2:1 verbuchen, was erneut die herausragende Stellung dieser Mannschaft belegt. Velez hatte bis dahin keine einzige Niederlage in der „Libertadores“ hinnehmen müssen, schon gar nicht zu Hause.

Damit sind nun alle argentinischen Clubs ausgeschieden, wie auch schon im Vorjahr. Velez Sarsfield war dieses Jahr einer der Topfavoriten für den Cup. Dagegen sind – ebenfalls wie im Vorjahr – noch zwei brasilianische Vereine in den Halbfinalen vertreten. Es wäre allerdings eine echte Überraschung, wenn es diesmal wieder ein rein brasilianisches Finale – wie im letzten Jahr – gäbe.

São Paulo war in der gleichen Gruppe wie der mexikanische Vertreter Chivas, auf den sie jetzt wieder im Halbfinale stoßen. Beide Gruppenspiele, sowohl zu Hause als auch in São Paulo, hat Chivas gewonnen. São Paulo kam nur als Gruppenzweiter weiter. Für São Paulo war jene Niederlage gegen Chivas zu Hause die erste Heimniederlage in der „Libertadores“ im Morumbí-Stadion (das zweitgrösste brasilianische Stadion nach dem Maracanã) seit 19 Jahren.

Nach der Logik müßte dieses Jahr Chivas dominieren und zum ersten Mal einen mexikanischen Verein zum „Südamerika-Meister“ machen – eigentlich sind die mexikanischen Clubs ja nur eingeladen, denn Mexiko gehört ja zu Nordamerika. Aber was will Logik schon im Fußball sagen, indem man mit fast reinem Catenaccio Weltmeister werden und mit einer Altherrenmannschaft ins Weltmeisterschaftsendspiel kommen kann.

Bereits nächste Woche werden die Halbfinal-Hinspiele ausgetragen. Sie finden in São Paulo bzw. Assunção statt.

vermischtes

Afrika-Reisende: Bitte melden Sie sich!

Harald Haack – Sie waren vor kurzem in Afrika? Und sie sind am 10. Juli 2006 mit Brussels Airlines, Flug SN 207, von Freetown (Sierra Leone) über Abijan (Elfenbeinküste) nach Brüssel geflogen? Dann könnten Sie sich mit dem gefährlichen Lassa-Fieber infiziert haben. Zu Ihrer eigenen Sicherheit, der Sicherheit ihrer Verwandten und Freunde und Nachbarn und natürlich auch zur Sicherheit aller in Europa lebender Menschen wie auch in anderen Teilen der Welten lebenden Menschen sollten Sie sich sofort unter der Telefonnummer 0172 6955458 melden – auch dann, wenn sie glauben noch nicht erkrankt zu sein.

Falls Sie zu den betreffenden Flug-Passagieren gehören, so sind Sie zusammen mit einem 70jährigen Unfallchirurgen geflogen, bei dem Ärzte der Uni-Klinik Münster jetzt das seltene, aber sehr gefährliche Lassa-Fieber festgestellt haben.

Doch keine Panik!

Das Lassa-Fieber kann zwar von Mensch zu Mensch übertragen werden, aber eine Übertragung der Virusinfektion ist zunächst nur bei direktem Kontakt mit Blut, Urin, Speichel oder Rachensekreten möglich.

Die Chancen für eine Infektion mögen sicherlich gering erscheinen, doch nehmen wir einmal an, der an Lassa-Fieber erkrankte Flug-Gast hatte eine „feuchte Aussprache“ als er die Flugbegleiterin um einen Drink bat. Oder er war mit anderen Passagieren in ein angeregtes Gespräch verwickelt. Dann wird er Sie zwar nicht mit seinem Blut oder seinem Urin bespritzt haben, doch sein Speichel und seine Rachensekrete könnten als Tröpfchen durch die Luft durch die Passagier-Kabine geschwebt sein und Sie getroffen haben.

Mediziner gehen davon aus: Erst wenn ein Patient Atemwegsbeschwerden habe, könne eine Ansteckung auch über die Atemwege erfolgen. Doch der erkrankte Afrikaner habe bei den Flügen angeblich noch keine Beschwerden an den Atemwegen gehabt.

Jedoch wir Menschen gewöhnen uns schnell an Beeinträchtigungen unseres Wohlbefindens. Treten Minderungen auf, so halten wir sie oft für schnell vorübergehende „Zimperlein“ und vergessen sie schnell wieder. Und wenn wir dann vom Arzt nach der Historie unserer Gesundheit gefragt werden, können wir uns im Prinzip an nichts dergleichen mehr erinnern. Deshalb ist es wichtig, dass alle Kontaktpersonen des erkrankten Afrikaner identifiziert werden. Also: Bitte melden Sie sich, falls Sie in einen der oben aufgelisteten Flieger saßen.

Übrigens: Sie könnten auch etwas gewinnen, wenn Sie sich als Betroffene oder Betroffener melden – nämlich die Rettung Ihres Lebens.

Lassa-Fieber-in West-Afrika – Fragen an Prof. Schwarz
Ein Infektionsfall in Deutschland im Jahr 2000 – Mann an Lassa-Fieber gestorben

vermischtes

Überraschung bei den brasilianischen Präsidentschaftswahlen?

Karl Weiss – Soeben ist die letzte Wählerumfrage des angesehenen brasilianischen Instituts „DataFolha” zur Präsidentenwahl im Oktober herausgekommen. Lula liegt demnach bei 44%, der Gegenkandidat der konservativen (noch konservativeren) Opposition Alckmin bei 28% und die Senatorin Heloísa Helena bei 10%.

Kein anderer Kandidat kommt auf mehr als 1%. Dazu kommen mit 7% jene, die nicht wählen bzw. einen „weißen” oder ungültigen Wahlzettel abgeben wollen. (In Wirklichkeit gibt es in Brasilien keine Wahlzettel mehr. Das ganze System ist auf Wahlcomputer umgestellt, die wie die meisten in den USA auch, keinerlei Ausdruck herstellen und somit eine Nachprüfbarkeit unmöglich machen. Wahlfälschung ist damit Tür und Tor geöffnet. Aber das ist heute nicht das Thema.)

Die Überraschung dieser neuen Umfrage sind die 10% von Heloísa Helena. Sie ist eine Art von brasilianischem Lafontaine. Bereits bei der Juni-Umfrage war sie mit 6 % als wichtigste Kandidatin der „kleinen“ Parteien aufgefallen, aber das hätte ein Ausreißer sein können. Mit den 10% der jetzigen Umfrage ist das auszuschließen. Natürlich heißt das noch lange nicht, daß sie bei den Wahlen 10% erreichen wird. Es sind noch fast drei Monate bis zu den Wahlen. Da kann noch viel geschehen.

Trotzdem Sieg
Trotzdem ist es bereits jetzt ein Sieg für sie, auf diese 10% gekommen zu sein. Das wären hochgerechnet auf etwa 100 Millionen brasilianische Wähler glatte 10 Millionen Brasilianer. Die symbolische Bedeutung dieser Zahl kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die faktische Bedeutung ist, daß damit ein zweiter Wahlgang in den Bereich des Möglichen rückt.

Seit Umfragen zu dieser Wahl durchgeführt werden, hat Präsident Lula immer mit so weitem Vorsprung geführt, daß er demnach im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit rechnen konnte und damit keine zweiter Wahlgang nötig wäre.

Nun aber ist die Möglichkleit, daß er unter 50% der abgegebenen gültigen Stimmen kommt, rechnerisch in den Bereich der Schwankungen der Umfrage gerückt. Entsprechend feierten die konservativen Parteien, die sich allesamt hinter dem Kandidaten Alckmin versammelt haben, bereits einen abzusehenden 2. Wahlgang zwischen Lula und Alckmin.

Tendenz nationales von sich zu geben
Der Vergleich von Heloísa Helena mit Lafontaine ist nicht ganz gerecht, denn sie hat keinen einzigen schwarzen Fleck auf ihrer Weste aufzuweisen, während Lafontaine bereits SPD-Vorsitzender und Kanzlerkandidat war, mitverantwortlich für die praktische Abschaffung des Asylrechts in Deutschland ist und eine Tendenz hat, Nationales von sich zu geben.

Aber ebenso wie Lafontaine war sie lange Zeit in der großen sozialdemokratischen Partei (in Brasilien die PT) und vertritt heute die Positionen, von denen sie sagt, sie stünden immer noch im Programm der PT, in der kleinen PSOL (Partei des Sozialismus und der Freiheit, die Abkürzung enthält gleichzeitig das Wort sol = Sonne).

Heloísa Helena ist bei weitem die bekannteste linke Persönlichkeit in Brasilien. Sie ist eine kleine, schlanke Person, sieht weit jünger aus als sie ist (sie ist 43 und wirkt wie 25) und hat eine Persönlichkeit von gigantischer Größe. Sie wuchs im bettelarmen Nordosten Brasiliens auf, im Bundesstaat Alagoas. Ihre Mutter war Näherin und „nähte sich die Hände wund“, um sie und ihren Bruder durchzubringen, nachdem Heloísas Vater bereits gestorben war, als sie noch klein war.

haare bis zum Knie
Als Kind war sie so krank, daß zu befürchten war, sie käme nicht durch. Rachitis, Asthma und Nierenprobleme. Ihre Mutter machte einen Schwur, der Kleinen die Haare nicht zu schneiden, wenn sie es bis zum 9. Lebensjahr schaffen sollte. Zu diesem Zeitpunkt erreichten ihre Haare die Knie. Seit damals sind die langen Haare eines der Markenzeichen von Heloisa Helena. Sie trägt sie aber fast nie offen.Vielmehr bindet sie sie zusammen, wie das Tradition bei den armen Frauen des brasilianischen Nordostens ist.

Sie ist diplomierte Krankenschwester und hat einen Lehrstuhl für Epidemiologie an der staatlichen Universität ihres Heimatstaates (von dem sie als Senatorin momentan ohne Bezüge freigestellt ist).

1985, noch während der Militärdiktatur, trat sie ins Lulas PT ein. In die Politik ging sie, wie sie sagt, um die ‚Usineiros’ beschimpfen zu können. In den Gegenden mit viel Zuckerrohranbau, so wie Alagoas, haben die Großgrundbesitzer, die Oligarchen der Region, nicht nur riesige Ländereien, sondern auch Zuckerfabriken (Usinas) und werden daher ‚Usineiros’ genannt.

Sie war als Stellvertretende Bürgermeisterin 1992 Teil des Teams, das sensationell die etablierten Kräfte in der Kommunalwahl in Maceió, der Hauptstadt von Alagoas, besiegte. 1994 zog sie als Bundestagsabgeordnete für Alagoas ins Parlament ein. 1998 schließlich wird sie zur Senatorin gewählt (in jedem Bundesstaat gibt es nur zwei Senatoren), einer der ersten Senatorenposten für die PT überhaupt.

Persoenliche Angriffe
Seither ist sie im Senat eine der beredesten Stimmen und wird von allen Reaktionären angefeindet. Mit Vorliebe werden persönlichste Angriffe tief unter der Gürtellinie benutzt. So behauptete zum Beispiel einer der wichtigsten Führer der Reaktionäre, Antonio Carlos Magalhães, kurz ACM genannt, ein getreues Abbild von Franz-Josef Strauss auf brasilianisch, er habe Einblick in die (geheimen) Wahlzettel gehabt, als der Senator Louis Estevão trotz eindeutiger Vergehen nicht seinen Senatorensitz abgesprochen bekam. Heloísa Helena habe gegen die Aberkennung gestimmt. Sie sei mit Estevão ins Bett gegangen.

Heloísas Kommentare: „Louis Estevão ist nicht mein Typ. Reiche und ordinäre Männer bringen mich zum Kotzen.“ „Das ist das Gewäsch von Hurenböcken am Bartisch.“

Bevor sie in das Plenum des Senats geht, bringt sie sich mit dem Zitieren von Psalmen in Form. „Ich brauche Schutz im Plenum. Mir laufen da die kalten Schauer herunter mit diesen Parasiten.“

Sie attackierte heftig die neoliberale Politik des damaligen Präsidenten Cardoso. Sie war überzeugt, so etwas könnte es unter einer PT-Regierung nicht geben. Welche Illusion!

2002 waren nicht nur Präsidentenwahlen (bei denen dann Lula gewählt wurde), sondern auch Gouverneurswahlen (die Gouverneure sind, wie in den Vereinigten Staaten, die Ministerpräsidenten der Teilstaaten, direkt vom Volk gewählt). Heloísa Helena sollte als Kandidatin für den Gouverneursposten in Alagoas aufgestellt werden und wäre nach den Umfragen auch gewählt worden. Aber die PT beschloß ein Wahlbündnis mit der PL (Liberale Partei). Heloísa Helena weigerte sich, für diese Koalition zu kandidieren. „Die PL repräsentiert in Alagoas genau jene Kräfte, gegen die ich angetreten bin.“

Sie wurde erneut in den Senat gewählt. Dann wurde nach Lulas Amtsantritt Anfang 2003 klar, daß er exakt die gleiche „neoliberale ökonomische Poltik vertieft, die von Collor angefangen und von FHC (Präsident Cardoso) weitergeführt wurde“.

Eklat bei der „Rentenreform“
Es kam zum Eklat bei der „Rentenreform“, sprich Kürzung von Renten und Rentenansprüchen. Heloísa weigert sich, für so etwas zu stimmen. Die PT verlangt Fraktionsdisziplin und droht mit Ausschluß. Das würde das Ende der politischen Karriere Heloísas bedeuten – jedenfalls aus der damaligen Sicht.

Sie, zusammen mit einigen wenigen Parlamentsabgeordneten der PT, bleibt standhaft. Vielen ist noch die Rede in Erinnerung, die sie damals, 2003, im Senat hielt, um ihre Nein-Stimme zu begründen. Mit Tränen in den Augen und zeitweise brechender Stimme verteidigte sie sich gegen die wutschnaubenden Angriffe der „Fürsten“ iher eigenen Partei, allen voran José Dirceu, heute bereits überführter Krimineller. Sie legt dar, daß sie es ist, die den Grundsätzen der Partei treu geblieben ist und daß die Partei das Volk verraten hat, belegt 10 Minuten lang mit Zitaten, daß die PT genau dies in all den Jahren vorher angeprangert hat und ausgeschlossen, daß sie selbst es machen würde.

Bezüglich der Drohung, sie aus der PT auszuschließen, sagte sie: „Es ist als würden sie mir mein Herz aus dem Leib reißen – sie können mir nicht die besten Jahre meines Lebens zurückgeben, die ich geopfert habe, um diese Partei mit aufzubauen.“ Nach diesen Worten trat eine Stille von fast einer Minute ein, während der die Rednerin nicht mehr in der Lage war, weiterzusprechen und verschiedentlich Schluchzer zu hören sind, von ihr, von anderen Senatoren und auch von Angestellten des Senats.

Protest-Demonstrationen gegen die Rentenreform
Ihr Protest blieb nicht nur bei Worten. Sie reihte sich damals auch in die Protest-Demonstrationen gegen die Rentenreform ein. Die Polizei im Auftrag Lulas löste einer der Demonstrationen mit Heloísa Helena an der Spitze mit brutaler Gewalt auf und verletzte die Senatorin ernsthaft. Seitdem kann sie wegen eines kaputten Knies nicht mehr die Langstreckenläufe machen, mit denen sie sich vorher entspannte.

Sie wurde zusammen mit den Bundestagsabgeordneten aus der PT ausgeschlossen, die gegen die neoliberale „Reform“ gestimmt haben. Sie gründete später zusammen mit ihnen die PSOL, die nun zu diesen Präsidentenwahlen zusammen mit den Überresten der alten Kommunistischen Partei und den Trotzkisten mit ihr als Spitzenkandidatin antritt.

Insoweit gibt es also schon auch Parallelen zu Lafontaine und auch die 10% in den Umfragen treffen ja etwa das, was die Linkspartei in den Umfragen vor der Bundestagswahl hatte.

Wäre Heloísa an einer persönlichen Karriere interessiert, hätte sie nun als Kandidatin für den Gouverneursposten in Alagoas antreten können, wo sie wahrscheinlich gewählt worden wäre. Sie opferte sich aber mit einer Präsidentschaftkandidatur, um die neue Partei bekannt zu machen und schafft so – wie die Umfragen zeigen – die dringend benötigte Alternative links von der PT.

Vielleicht knallen bei Brasiliens Konservativen zu früh die Sektkorken, wenn sie feiern, daß sie nun mit Lula in den zweiten Wahlgang kommen können, aber nicht sehen, daß da etwas heranwachsen könnte, das ihnen weit mehr Kopfzerbrechen bereiten dürfte als vier weitere Jahre Lula.

In Kürze beginnt in Brasilien die offizielle Wahlwerbung am Fernsehen. Die einzelnen Parteien bekommen dabei innerhalb der halbstündigen Sendungen dreimal am Tag soviel Minuten zugeteilt, wie es ihrem Stimmanteil bei den letzten Wahlen entspricht. Auf dieser Basis hat Alckmin deutlich mehr als die Hälfte der Sendezeit, Lula deutlich weniger und Heloísa nur Sekunden.Ihr Kommentar dazu: „Wie gut, daß ich wegen meinem Asthma gelernt habe zu reden ohne Luft zu holen.“

Zwar schwören die Brasilianer Stein und Bein, daß sie diese Wahlpropraganda gar nicht ansähen und überhaupt nicht beeinflußt würden, aber die Entwicklungen der Umfragen nach Beginn der Fernsehwerbung hat bisher noch immer das Gegenteil bewiesen. Die monatelange Wiederholung von Bildern von glücklichen Familien, die der Sonne entgegen laufen in Verbindung mit dem Bild eines Kandidaten hat Einfluß, ob man will oder nicht.

Aber wer weiß, vielleicht beweisen die Brasilianer diesmal genausoviel politische Reife wie die Deutschen im letzten Jahr und geben Heloísa 8 bis 10 % der Stimmen?

Sie hat übrigens schon angekündigt, daß sie nach einer Niederlage (und etwas anderes wäre ein politischer Tsunami) an ihren Arbeitsplatz als Hochschullehrerin in Maceió zurückkehren wird.

kriminalitaet

Politisches Ziel: Sex mit Kindern

Harald Haack – Soziologisch gilt Sex mit Kindern als typisches Zeichen für den Verfall und bevorstehenden Tod einer Gesellschaft. Offenbar war sich ein niederländisches Gericht dessen nicht bewusst, denn es unterstützt mit seiner Entscheidung eine im Mai gegründete Partei, deren Ziel es ist, die Altersgrenze für straffreien Sex mit Minderjährigen von derzeit 16 auf 12 Jahren zu senken. Das Gericht in Den Haag lehnte das Verbot der neuen Partei mit pädophilen Zielen ab und begründete dies damit, die Freiheit zur Bildung einer politischen Vereinigung sei eine Basis der Demokratie; Wähler hätten die Möglichkeit, die Parteien nach ihren Inhalten zu beurteilen.

Aus der Bevölkerung kamen scharfe Proteste. Und so ist die Pädophilen-Partei gegenwärtig noch klein. Sie hat nur drei bekennende Mitglieder. Ihre Chancen auf eine Kandidatur bei der Parlamentswahl im November gelten in den Niederlanden als gering. Doch Lawinen kommen bekanntlich durch kleinste Erschütterungen ins Rollen. Gemessen an der Menge der angeblich im Internet kursierenden Kinderpornofotos sowie der immer größer werden Kinderpornoringe, die bisher aufflogen, sollte die geringe Größe der Pädophilen-Partei nicht darüber hinwegtäuschen, dass das latente Interesse in der Bevölkerung an Sex mit Kindern wahrscheinlich enorm hoch ist.

Die Klägeranwältin Anke de Wijn schimpfte, die drei Pädophilen nutzten die niederländische Toleranz aus. Indem sie ihr Verlangen als politisches Ziel deklarieren, brächten sie geschändete und missbrauchte Kinder an den Rand der Rechtlosigkeit.

Sollte sich diese Partei durchsetzen, so dürfte der Sex mit Kindern künftig als „politischen Vereinigung“ und als „Basis einer Demokratie“ verstanden werden. Das „platte Land“, die Niederlande, haben sich mit diesem Gerichtsurteil einmal mehr platt gemacht. War es bislang der ungehinderte Handel mit Haschisch, mit dem die Niederländer in Europa auffielen, so wird es künftig vermutlich auch der Handel mit Kindern als Sexobjekte sein.

Die Niederlande haben sich soeben ihr Grab ausgehoben.

Kinderschänder-Special (inklusiv Papst-Foto)