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Newsbattery 05 das Politmagazin der Blogsphäre

Stephan Fuchs – Zum fünften Mal erscheint Newsbattery, das Politmagazin aus den Blogs. Themenschwerpunkte dieser Ausgabe sind der Iran, der mysteriöse Flugzeugabsturz in den französischen Alpen, Hitachichip versus Verichip, das Gift in den PET Flaschen und ein Rückblick: Eine Welt wütender Fanatiker… Neben einigen anderen brisanten Themen. Autoren dieser neuen Ausgabe sind World Content News, Harald Haack, Norman Solomon, Karl Weiss, Stephan Fuchs und Elmar Getto.



In NewsBattery herrscht die schnelle Blog-Sprache ebenso wie fundierte Hintergrund- und Rechercheartikel.

NewsBattery ist Europas erstes Polit- Magazin das mit Blog-Artikeln aus verschiedenen Weblogs in den Print geht. Und das Webkonform. NewsBattery braucht man sich nicht am Kiosk holen und der Postbote braucht sich nicht vor bissigen Hunden zu fürchten. Das Magazin braucht keinen Vertrieb, keine große Logistik, keine retournierten und weggeschmissenen Rohstoffe.

NewsBattery ist ohne Abo und ohne Kosten für Sie erhältlich. Das im PDF Format downloadbare Magazin lässt sich selbstverständlich ausdrucken, das Design ist für A4 konzipiert und wird vorwiegend in Graustufen gehalten. Das Magazin lässt sich archivieren und ergibt über einige Monate eine beachtliche Sammlung spannender und brisanter Artikel. Das Magazin können Sie Ihren Freunden verschicken, vervielfältigen & auf ihrem Blog oder Ihrer Homepage ebenfalls zum Download anbieten. Das gute auch für Sie, auch Ihr Weblog mit journalistisch aufbereiteten Polit-Storys kann vertreten sein.

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Krieg

State Department wusste vom Chaos im Irak

Stephan Fuchs – Russ Kick, der Herausgeber von The Memory Hole schaffte, was den Journalisten der New York Times nicht vergönnt war. Jene durften zwar kurz in die Akten gucken. Kopieren, geschweige denn die Dokumente auf die Redaktion mitnehmen, das wurde ihnen freilich nicht gestattet. Es geht um 1200 Seiten des State Department. Es geht um die Zukunft Iraks.


Die Arbeitspapiere haben genau das vorhergesagt, was im Irak täglicher Wahnsinn ist.

Das „Future Iraq Project“ startete im Oktober 2001. Eineinhalb Jahre bevor die Alliierten den Irak angegriffen haben. Speerspitze der Untersuchung zur Zukunft des Iraks war das State Department unter dessen Chef Colin Powell. Die Frage war simpel: Wie würde man den Irak wieder aufbauen können, sollte Saddam Hussein irgendwie seine Macht verlieren. Das irgendwie, erledigten die Streitkräfte der Alliierten gleich selber… gut hatten die Strategen gleich ein Papier bereit, um dem Zufall Herr zu sein. Nein. Denn das Papier wurde bei der Vorkriegsplanung kaum beachtet. Erst nach der Invasion wurde die CD Rom an die provisorische Übergangsregierung geliefert. Verheerend. Verheerend für die Amerikaner, verheerend für die Iraker. Denn die Arbeitspapiere haben genau das vorhergesagt, was heute im Irak täglicher Wahnsinn ist.

Für das Projekt wurden dutzende Exiliraker und internationale Spezialisten herbeigezogen. Innerhalb des Projekts arbeiteten seit dem Juli 2002 17 Arbeitsgruppen an essentiellen Fragen wie das Rechtssystem, die lokale Regierung, Agrikultur, Medien, Ausbildung und… selbstverständlich Ölproduktion und Verwertung wieder aufgebaut werden könnte. Die Evaluierungen dauerten bis März/April 2003, zwölf der Arbeitsgruppen realisierten Reporte. Das Projekt kostete 5 Millionen US Dollar.

Die detaillierten Berichte wurden der Öffentlichkeit nie zur Verfügung gestellt. Wie erwähnt erlaubten Kongressabgeordnete den zwei Journalisten der New York Times einen Augenschein auf die Papiere zu nehmen. Russ Kick nahm den Freedom of Information Act wahr und verlangte die Freigabe der Dokumente. Acht der zwölf Reporte konnte er ohne Zensur Freieisen, die restlichen vier wurden gekürzt. Nun stellt Kick den gesamten Bericht auf The Memory Hole der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ein Dokument das beweisst, dass man das Chaos vorhersah.

The Memory Hole

Krieg

Eine neue „Entente Cordiale“?

Karl Weiss – Die atomare Übereinkunft zwischen den USA und Indien wird von den Beobachtern extrem unterschiedlich eingeschätzt. Die Aussagen gehen von „untergeordnete Bedeutung“ bis hin zu „neue Epoche eingeleitet“. Tatsächlich könnte sich das Abkommen noch als relativ harmlos herausstellen, aber die Zeichen stehen mehr auf ein Epochemachendes Ereignis.

Tatsächlich ist der eigentliche Deal gar nicht so weltbewegend. Es wurde Indien von der US-Regierung lediglich eine modernere Technologie für die Anreicherungsanlagen und eine Zusammenarbeit bei Atomkraftwerken, neben weiterer wirtschaftlicher Zusammenarbeit, versprochen. Dafür versprach Indien, seine Anreicherung und die Atomkraftwerke den Inspektoren der internationalen Atomüberwachungsbehörde zu öffnen. Ausdrücklich ausgenommen von der Überwachung ist Indiens Atombombe und alle dafür nötigen Anlagen.

Die wirtschaftlichen Sanktionen, die gegen Indien seit Clinton galten, weil es nicht dem Atomsperrvertrag beigetreten war und sich stattdessen die Atombombe verschafft hat (damals noch mit Hilfe der Sowjetunion), wurden aufgehoben (übrigens auch für Pakistan). Damit ist allerdings ein Präzedenzfall geschaffen worden, der weitreichende Folgen haben dürfte – und schon allein dies lässt die Einschätzung ‚geringe Bedeutung’ für dieses Abkommen nicht zu.

Atombombe beschaffen
Am 9.3. konnte man denn auch schon auf der Internet-Site der Zeitung Khaleej Times nachlesen, was die indische Regierung aufgrund des Atomdeals mit den USA beschlossen hat: Es werden 8 (in Worten acht) neue Atomkraftwerke gebaut, jedes einzelne von der Größe eines Biblis-Reaktors. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass es nach Angaben dieser Zeitung in Indien bedeutende Thorium-Vorkommen gibt, die für lange Zeit die Basis dieser Atomkraftwerke bilden könnten. Man kann statt auf Uran-Basis Atomkraftwerke – und Atom-Bomben – auch auf Thorium-Basis aufbauen. Das ist zwar etwas teuerer, weil ein zusätzlicher Umwandlungs-Schritt notwendig ist, aber bei eigenen vorkommen rechnet sich das natürlich.

Jedes andere Land, einschließlich dem Iran, hat jetzt Indien als leuchtendes Beispiel vor Augen: Kümmere dich nicht um den Atomsperrvertrag, beschaff dir die Atombombe, dann wirst du belohnt! Wenn man es genau nimmt, ist der Atomsperrvertrag mit diesem Deal gestorben. Hatte man schon vorher Nord-Korea ungestraft austreten lassen und hingenommen, dass dieses Land bestätigte, nun die Atombombentechnologie zu haben, so sind nun alle Dämme gebrochen. Man kann nun warten, bis die nächsten Atommächte sich zu Worte melden oder jedenfalls – auch ohne offizielle Ankündigung – klar wird, daß dieses oder jenes Land nun die Atombombe hat.

Für Kanada, Australien, Deutschland, Italien, Belgien, Schweden, Norwegen oder auch Japan (um nur einige zu nennen) wäre es ein Klacks, Atombomben zu entwickeln – was noch nicht heißen will, dass all diese es nun auch tun werden. Aber auch andere Länder haben genügend Ressourcen, um in eine solche Technologie einzusteigen, wenn sie denn wollen, z.B die Türkei, Südkorea, Taiwan, Brasilien, Marokko, Ägypten, Saudi-Arabien, die Emirate, Dubai und Bahrain, oder auch Kenia, Nigeria, Südafrika, oder vielleicht Indonesien, Malaysia oder die Philippinen – der Möglichkeiten sind viele.

Belohnung
Selbst die New York Times, die in letzter Zeit fast immer auf US-Regierungslinie lag, kommentiert im „Editorial“vom 9.3.:„ The Bush administration is undermining any international controls on nuclear proliferation with its attempt to reward India for ignoring the rules and acquiring its own weapons.“ „Die Bush-Regierung unterminiert jegliche internationalen Kontrollen der Weiterverbreitung [von Atomwaffen] mit ihrer Haltung, Indien für seine Missachtung der Regeln und für das Beschaffen eigener [Atom-]Waffen zu belohnen.“

Aber die wichtigsten Folgerungen des Atomdeals zwischen den USA und Indien sind gar nicht jene, die direkt die Atomwaffen betreffen. Die wichtigsten sind die Änderungen in der geostrategischen Situation.

Bereits im letzten Jahr war klar geworden, dass sich geostrategische Änderungen andeuten. Die USA waren deutlich geschwächt durch das völlige Desaster des Engagements im Irak, die wirtschaftlichen Wachstumsraten der beiden bei weitem bevölkerungsreichsten Länder der Erde, China und Indien, ließen ernsthafte Rivalen für die bisherigen Großmächte heranwachsen, die Europäische Union war nach der Ablehnung der neuen Verfassung und mit steigenden Zweifeln über den Euro ebenfalls geschwächt, während Russland sich überraschend schnell aus der Situation der tiefen Krise von 1998 erholte und sich aufmachte, erneut eine Großmacht zu werden.

Neue Grossmacht?
Die Großmacht-Politik der US-Imperialisten war über Jahre – neben dem Versuch, den ganzen Nahen Osten zu dominieren – fokussiert im wesentlichen auf die aus der früheren Sowjetunion und dem Ostblock hervorgegangenen Mittel- und Kleinstaaten, wodurch man glaubte, Russland völlig isolieren und zur Bedeutungslosigkeit verurteilen zu können. Zwar ging – nicht zuletzt durch den Einsatz massiver Mittel – diese Rechnung in einigen Ländern auf, in denen man ‚mithelfen’ konnte bei einer Anzahl von Gemüse- und Obst-„Revolutionen“, aber entgegen den Hoffnungen der Neocon-Denkfabriken in den USA erholte sich Russland rasch von der Abwertung der Währung und vermochte es vor allem, die großen Energie-Vorkommen wieder in staatliche Hände zu bekommen. Damit gelang es den US-Strategen trotz aller zeitweisen Erfolge nicht, das wesentliche Ziel zu erreichen. Russland ist trotz allem erneut auf dem Wege, eine der wesentlichen Großmächte zu werden. Dabei darf man ja nie vergessen, dass Russland die strategischen Atomraketen von der Sowjetunion geerbt hat. Selbst wenn man davon ausginge, dass davon nur noch die Hälfte funktioniert, reicht das immer noch, die Menschheit mehrfach auszulöschen.

Sobald die Think-Tanks in den USA diese Entwicklung registrierten, begann eine hektische Geschäftigkeit, um einen anderen großen Deal aus der Tasche zu ziehen, der die Vorherrschaft des US-Imperialismus auf der Welt für unabsehbare Zeit sichern könnte. Man mochte vielleicht einen Moment daran gedacht haben, sich mit China zu verbünden, aber bei näherem Hinsehen wurde klar, dass China nicht im Traum an diese Verbindung denkt, aus einem einfachen Grund: Die chinesische Führung träumt selbst von der Weltherrschaft: Sie will die USA als Weltenherrscher beerben.

Damit war für die USA die Aufgabe gestellt, genau dies zu verhindern. So war es nicht weit hergeholt, sich mit der anderen großen aufsteigenden Macht zu verbünden, mit Indien, einem traditionellen Gegner Chinas und einem Land, das keine unmittelbare Chance hat, selbst schnell zum Weltenherrscher zu werden. So bereitete man also ein für Indien interessantes Paket vor und lancierte die Möglichkeit einer „strategischen Allianz“. Sicher ist dies den US-Denkern nicht leicht gefallen, denn Indien war traditionell noch aus Zeiten der Sowjetunion mit Russland verbunden, hatte seine Atombombe mit Hilfe Russlands erreicht und war immer ein Todfeind eines strategischen Partners der USA in Südasien, Pakistan. Man wird zwangsläufig seine speziellen Beziehungen zu Pakistan aufgeben müssen, wenn man sich mit Indien einlässt. Dazu bestand traditionell ein kühles Verhältnis zwischen Washington und New Delhi. Aber all das war zu überwinden.

Wenn man es richtig betrachtet, wurde all dies überwunden und die USA und Indien sind in eine strategische Partnerschaft eingetreten. Zwar besteht noch die Möglichkeit, dass diese Planung noch auf Hindernisse stößt, die eine weitere Entwicklung der Partnerschaft behindern, aber diese Chance ist klein. Viel wahrscheinlicher ist, dass die beiden Regierungen von Indien und den USA nun Schritt für Schritt alles aus dem Weg räumen, was stören könnte und in eine enge Partnerschaft treten, die natürlich nicht gleichberechtigt ist, sondern einen hat, der lenkt und einen, der im wesentlichen gelenkt wird. Da aber für die Inder im Moment nicht der unmittelbare Weg zur Weltherrschaft möglich ist, setzt man zunächst nur auf eine schnelle und sicherlich von den USA geförderte Entwicklung zu einer Großmacht – und alles Weitere kann sich dann ergeben.

Wenn dies so ist – und vieles deutet darauf hin -, dann sind wir im Moment Zeuge einer geopolitischen Neuorientierung in umfangreichem Ausmaß. Hatte letztes Jahr noch eine mögliche Zusammenarbeit China-Indien-Rußland am Horizont gestanden, so wäre davon jetzt keine Rede mehr. Wenn dies so eintritt, ist dies ein glanzvoller Sieg der US-Diplomatie, der das Desaster des Irak-Krieges glatt aufwiegt, ein Meisterstück von Condoleezza. China steht im Falle einer solchen strategischen Allianz im Wesentlichen isoliert da. Zwar bleibt für China noch die nähere Allianz mit Russland, aber das wird nicht ausreichen, um in absehbarer Zeit das Gewicht einer Allianz USA-Indien auszugleichen. Die Chancen, dass sich die andere noch bestehende Großmacht, die EU, auf die Seite von China und Russland schlägt, sind gering.

Die Gruppe der 20
Als weiterer Faktor im Spiel der Großen gibt es auch noch eine sich enger zusammenschließende Gruppe von Entwicklungsländern, die in Opposition, hauptsächlich zu den arroganten Großmächten USA und EU stehen. Es könnte für China und Russland interessant werden, die Verbindungen zu diesen Ländern zu intensivieren. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Brasilien, Argentinien und Venezuela, um Südafrika, um den Iran und eine Anzahl weiterer Entwicklungsländer, die sich von Zeit zu Zeit dieser Gruppe anschliessen. Diese Allianz hatte sich im Wesentlichen in den Sitzungen der Welthandelsorganisation WTO (und deren Vorbereitungen) herausgebildet, wo diese Länder bisher verhinderten, dass weitgehende Beschlüsse im Sinne der USA und der EU gefasst wurden.

Diese Gruppe von Entwicklungsländern trat bei den WTO-Verhandlungen als‚Gruppe der 20’ auf.

Allerdings würde das Lehnen an Indien auch einen anderen Effekt haben, der noch kaum in seinen Folgen abzuschätzen ist: Die USA würde sich im gleichen Maße nicht mehr an die europäischen Länder lehnen. Wie diese darauf reagieren, kann nur vermutet werden. Sicherlich würden angesichts eines starken Blockes USA-Indien die „Atlantiker“ in den europäischen Ländern nicht gerade ein leichteres Spiel haben. Es muss damit gerechnet werden, dass sich die EU angesichts einer solchen Entwicklung zu mehr Eigenständigkeit entschließen würde. Im ungünstigsten Fall könnte das also für die USA ein schlechter Tausch werden. Allerdings sind die Think Tanks der Neocons offenbar der Meinung, dass man die Europäer an der Leine halten kann. Angesichts einer Kanzlerin Merkel kein verwegener Gedanke.

Europäisches Manöver
Da man inzwischen auch weiß, dass die scheinbare Ablehnung des Irak-Kriegs durch die damaligen Regierungen Frankreichs und Deutschlands bestenfalls ein Manöver war und wohl auch mehr innenpolitische als außenpolitische Gründe hatte, so kann man den Denkern in Übersee nur zustimmen: Europa ist weit davon entfernt, sich zu einer eigenständigen, unabhängigen Macht zu entwickeln. Dies mag für uns Europäer auch einen positiven Effekt haben: In einem möglichen zukünftigen Weltkrieg zwischen den USA und Indien auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite könnte Europa sich eventuell (zumindest zunächst) heraushalten.

Es könnte also durchaus sein, dass wir es mit einer neuen „Entente Cordiale“ zu tun haben.

Entente Cordiale
Was war die „Entente Cordiale“? Am Ende des 19. Jahrhunderts war Grossbritannien der „alleinige Weltenherrscher“, aber es gab auch andere große Mächte. Frankreich, das unter Napoleon fast ganz Europa beherrscht hatte, war ein traditioneller Gegner der Engländer. Man hatte auch und gerade wegen der Kolonien andauernd Streit, denn die beiden Länder waren die größten Kolonialisten. Nordamerika hatte England von Frankreich in einem langen Krieg gewonnen, aber zu jenem Zeitpunkt waren die Staaten Nordamerikas schon lange unabhängig. Afrika war mehr oder weniger aufgeteilt unter den beiden, Asien umkämpft.

Die USA waren zu diesem Zeitpunkt noch ein schlafender Riese unter den imperialistischen Mächten, auch wenn man bereits damals eine Oberherrschaft über den ganzen amerikanischen Kontinent deklariert hatte („Monroe-Doktrin“) und sich nicht scheute, den Spaniern mal ganz schnell mit einem Krieg seine letzte Kolonie, Kuba, zu entreissen.

Genau in dieser Situation trat ein neuer Imperialist auf der Weltbühne auf, fast wie aus dem Nichts: Das Deutsche Reich. Vereint erstmals (wenn auch ohne Österreich) nach dem Krieg von 1866, hatte der ‚Deutsche Bund’ es 1870/1871 in einem Krieg mit Frankreich aufgenommen, das von revolutionären Unruhen erschüttert war („Die Pariser Kommune“). Frankreich wurde entscheidend geschlagen, die Provinzen Elsass und Lothringen wurden annektiert und man krönte den neuen deutschen Kaiser, auf der Seele Frankreichs herumtrampelnd, ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles.

Im Weiteren wurde das gerade entstandene Kaiserreich Deutschland durch seine fortgeschrittenen Wissenschaft und seine moderne Technologie schnell zu einem neuen Herausforderer an die englische Großmacht auf den Weltmärkten. Bis zum Beginn des neuen Jahrhunderts im Jahr 1900 hatte sich diese Auseinandersetzung auf den internationalen Märkten, die bis dahin reines Gebiet der englischen Waren gewesen waren, beachtlich zugespitzt. Das deutsche Reich war plötzlich zu einer ernsten Bedrohung der Weltherrschaft des britischen Imperiums geworden. Zwar hatten die deutschen Kolonialisten nur noch wenige Reste der bis dahin noch nicht unterjochten Länder als Kolonien erhalten, aber die Herausforderungen des deutschen Kaiserreichs an die Briten wurden Jahr für Jahr schwerwiegender.

Bedrohung Panzerkreuzer
Dazu gehörten nicht nur die verbalen Entgleisungen des nicht gerade zurückhaltenden Kaisers Wilhelm des Zweiten, die „nur“ psychologische Folgen hatte, sondern auch ganz konkrete Kriegsvorbereitungen wie der Bau von schweren Kriegsschiffen, den so genannten Panzerkreuzern. Zu jener Zeit – es gab noch keine Flugzeuge – war die britische imperiale Überlegenheit nicht zuletzt auf der Seehoheit basiert, so wie heute die US-Dominanz auf der absoluten Lufthoheit beruht, die die Vereinigten Staaten in jedem Gebiet der Erde herstellen können. Der fieberhafte Bau schwerster Kriegsschiffe war also eine nicht zu übersehende Bedrohung des britischen ‚Empire’ und im Kern schon eine Kriegsvorbereitung.

Es gab zwar Verhandlungen zwischen den beiden Mächten, die wurden aber im Jahre 1904 ergebnislos abgebrochen. Doch das britannische Königreich hatte heimlich schon seinen Trumpf vorbereitet: Noch im selben Jahr wurde die strategische Partnerschaft der vormals verfeindeten Mächte Frankreich und England, die „Entente Cordiale“ (französisch für „herzliche Übereinkunft“) verkündet. Damit war im Kern bereits die Konstellation der beiden Weltkriege des 20. Jahrhundert vorgezeichnet: England und Frankreich auf der einen Seite und Deutschland mit Österreich auf der anderen.

Im weiteren Verlauf brachte es die nicht gerade diplomatische deutsche Diplomatie auch noch fertig, sich mit Russland anzulegen, das eigentlich ein Verbündeter gewesen war und so stand dann auch schon die Aufstellung für den 1.Weltkrieg fest: Deutschland und Österreich gegen England, Frankreich und Russland, während die andere Großmacht, die USA, zunächst ‚neutral’ zu blieben schien, um dann rechtzeitig vor Kriegsende auf der Siegerseite in den Krieg einzusteigen, ein Rezept, das auch im 2. Weltkrieg noch einmal wiederholt wurde.

Die Ähnlichkeiten mit der jetzigen Situation sind offensichtlich. So wie damals gibt es auch heute einen imperialen Weltenherrscher, damals Großbritannien, heute die USA. So wie damals gibt es auch heute eine wichtige, aufstrebende neue Weltmacht, die in absehbarer Zeit die Vorherrschaft des Weltenherrschers gefährden könnte, damals Deutschland, heute China. So wie damals gibt es auch diesmal die Bildung einer strategischen Allianz des Weltenherrschers mit einer anderen Großmacht, damals Frankreich, heute Indien. Das heißt nun natürlich nicht automatisch, dass es nun so wie damals den 1. Weltkrieg auch wieder einen Weltkrieg geben muss, aber der Gedanke ist nahe liegend.

Söldnerheere ohne Pardon
Immerhin muss man auch heute, so wie damals bei den deutschen Führern, von den chinesischen Führern erwarten, dass sie nicht die geringsten Skrupel haben werden, durch Ströme von Blut zu waten, um ihr Ziel, die Weltherrschaft zu erreichen. Ebenso sieht es auf der anderen Seite aus. Die britischen imperialen Truppen und deren Söldnerheere waren berühmt, keinen Pardon zu kennen und nach Möglichkeit keine gefangenen zu machen. Gerade zur zeit der Bildung der „Entente Cordiale“ hatte man alle seine Grausamkeit im Burenkrieg in Südafrika gezeigt und dort auch u.a. die Konzentrationslager erfunden.

So sind auch heute die Truppen und staatlichen Organisationen des Weltenherrschers USA berühmt dafür, kriegsverbrecherisch vorzugehen und nicht die mindesten Regeln des Völkerrechts einzuhalten. Es seien nur die Stichworte völkerrechtswidriger Angriffskrieg gegen den Irak, Abu Ghraib, Guantánamo, „Lateralwirkungen“, CIA-Folterflüge, Auslagerung von Folter in andere Länder, Mordkommandos für politische Führer und Täuschen der Weltöffentlichkeit durch massive Lügen genannt. Man wird also, so erschreckend das sein mag, die Möglichkeit ins Auge fassen müssen, dass diese beiden mit voller Geschwindigkeit aufeinander zurasenden Züge wirklich den Punkt des Zusammenstoßes erreichen, d.h. trotz aller Bedenken in einer von Atomwaffen beherrschten Welt, einen neuen Weltkrieg vom Zaum brechen.

China muss, da gibt es keinen Zweifel, die Allianz zwischen Washington und Delhi als gegen sich gerichtet empfinden. China hat im Moment nicht allzu viele Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Umso eher wird man die Möglichkeit eines Krieges ins Auge fassen.

Es gibt sehr wohl Möglichkeiten zu reagieren, aber die sind riskant. So hat China z.B. die größte Devisenreserve von US-Dollar aller Länder. Würde es die auf den Markt werfen, hätte der Dollar eine immense Abwertung hinzunehmen, was die US-Ökonomie zutiefst erschüttern könnte. Gleichzeitig würde China aber damit sein „Erspartes verfeuern“. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass China diese Antwort benutzen wird.

Was man nun sicherlich erwarten kann, ist das Benutzen des Vetos im UN-Sicherheitsrat gegen die USA bei diversen Gelegenheiten bzw. das Drohen damit. Die nächste Gelegenheit könnte schon bald anstehen, wenn die US-Regierung ihren Krieg gegen den Iran vom Sicherheitsrat abgesegnet bekommen will. Hatte Peking vor kurzer Zeit noch angedeutet, das es sich bei einer geschickt formulierten Resolution der Stimme enthalten könnte, durfte nun das Veto Chinas sicher sein. Das wird dazu führen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit gar kein text vorgelegt wird, der den überfall auf den Iran als Möglichkeit erwähnt. Nicht dass Präsident Bush sich dadurch von diesem überfall abhalten lassen würde, er hat seine völlige Missachtung der UNO schon beim Irakkrieg bewiesen, aber es wäre, speziell für die „Willigen“, wie z.B. Deutschland, doch viel besser gewesen, hätte man eine einschlägige Sicherheitsratsresolution im Rücken gehabt.

Man kann gespannt sein, wie Kanzlerin Merkel ihre Zustimmung zum völkerrechtswidrigen Überfall auf den Iran ohne Sicherheitsratsresolution erklären wird.

Chinas Antwort
Aber dies sind mit Sicherheit noch nur die geringsten Auswirkungen, die das Abkommen zwischen Indien und den USA haben wird. Man kann erwarten, dass China Antworten entwickeln wird. Im Moment muss China noch äußerst vorsichtig vorgehen, denn man ist in extremer weise auf Einfuhren von Erdöl aus Quellen angewiesen, die vom Westen kontrolliert werden. So kann man denn auch vermuten, dass es genau diese Abhängigkeit sein wird, die man im fernen Osten zuerst angehen wird.

Es gibt bereits Lieferabkommen mit Venezuela und dem Iran, die dürften drastisch ausgeweitet werden. Sowohl Erdöl als auch Erdgas wird man verstärkt von Russland importieren (Russland und China haben eine Tausende von Kilometern lange gemeinsame Grenze). Eines der nächsten diplomatischen Ziele könnte Brasilien sein, das ab der zweiten Hälfte dieses Jahres ebenfalls schon Überschussmengen von Erdöl exportieren kann. Auch Argentinien könnte ein zukünftiger Partner sein.

Auf dem eigenen amerikanischen Kontinent verbündete gegen die USA zu finden, dürfte besonders interessant für China sein. Man stelle sich nur vor, Venezuela und China würden einen Nichtangriffs- und Beistandspakt schliessen – oder noch verwegener – China und der Iran.

Allerdings sind alle solche Antworten nicht kurzfristig zu erwarten, denn im Moment ist China noch extrem verwundbar. Wenn die US-Regierung, unter irgendeinen beliebigen Vorwand, morgen einen Boykott der Lieferung von Erdöl an China als Sanktion seinen verbündeten aufs Auge drücken würde, wäre das der wirtschaftliche Zusammenbruch Chinas. Aber auch China weiß, dass es Alternativen zum Erdöl gibt, wenn auch nicht kurzfristig.

Wie es auch genau ablaufen wird, diese nächsten Monate und Jahre werden auch im geopolitischen Sinne ereignisreich und interessant werden.

kriminalitaet

Rio de Janeiro: Wird wirklich Militär gegen die Drogenmafia eingesetzt?

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Eine Agentur-Meldung ging am 7.März. um die Welt: In Brasilien wird Militär gegen die Drogenmafia eingesetzt. Auf richterliche Anordnung hin seien acht der größten Favelas von Rio de Janeiro vom Militär abgeriegelt und durchsucht worden. Wenn man beim täglichen Weg zur Arbeit an zwei dieser Favelas vorbei kommt, kann man tatsächlich feststellen:. Es stehen dort an einigen der Favela Eingängen Mannschaftstransporter des Heeres und eine Anzahl von Soldaten mit Sturmgewehren. In Wirklichkeit sind die Meldungen aber pure Desinformation.

Was war geschehen? Letzte Woche wurde eine Kaserne in Rio de Janeiro von einem Trupp von Gangstern überfallen. Sie drangen dort ein und stahlen 10 Gewehren und eine Pistole sowie Munition. In der Kaserne wurden sie nicht aufgehalten. Der Verlust wurde überhaupt erst bemerkt, als sie schon geflohen waren mit der Beute.

Diese Geschichte ist höchst verdächtig. Auch in Brasilien werden Kasernen von bewaffneten Soldaten bewacht. Es gibt normalerweise keine Möglichkeit, dort mit Gewalt einzudringen, ohne sich einen Schusswechsel auszusetzen. Es kann also getrost davon ausgegangen werden, dass die Räuber Komplizen in der Kaserne hatten, wahrscheinlich waren einige Soldaten bestochen. Auch die extrem geringe Beute fällt auf. Normalerweise bewegen die kriminellen Mafiaorganisationen Brasiliens wegen lächerlicher zehn Gewehre nicht einmal den kleinen Finger. Sie haben Hunderte und Tausende davon.

Zur Klärung der Sache hätte man dort in der Kaserne suchen müssen. Das tat man aber nicht. Stattdessen wurde angeordnet, dass alle großen Favelas von Rio de Janeiro von Soldaten durchsucht werden sollten, um die Waffen zu finden, nachdem man vorher den kriminellen Organisationen der Favelas zwei Tage Zeit gelassen hatte, um die Waffen und sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Außer kleinen Helfern der Mafia-Organisationen wird man also in den Favelas nichts mehr antreffen. So werden die Durchsuchungsaktionen zu reiner Schikane der Bevölkerung dort. Gleichzeitig will man vor den in diesem Jahr anstehenden Wahlen bei der Bevölkerung außerhalb der Favelas punkten, indem man scheinbar gegen die Mafia-Drogen-Banden vorgeht. In Wirklichkeit sind die staatlichen Autoritäten und die Politik selbst mit diesen Drogenorganisationen verbändelt – und sei es nur, dass sie regelmäßig Geld von dort bekommen, um entsprechende Razzias immer rechtzeitig anzukündigen.

Das Ergebnis der Durchsuchungsaktion ist einmal mehr ein Desaster. Man hat nicht nur die gestohlenen wenigen Waffen nicht gefunden, man hat auch die weit größere Zahl von Waffen, die dort vorher schon gehortet waren, darunter Raketenwerfer, nicht gefunden (weil ja rechtzeitig gewarnt worden war). Aber ein Fünfzehnjähriger wurde von der Polizei erschossen, willkürlich, wie Augenzeugen angeben. Die Polizeiversion ist: Man habe auf die Soldaten geschossen und sie hätten das Feuer erwidert. Dabei sei der Junge getroffen worden. Die Bewohner der Favelas klagen, dass selbst kleine Kinder hochnotpeinlich durchsucht wurden.

Vor der Bevölkerung, die nicht in diesen Favelas wohnt, hat man den starken Mann gezeigt. Irgendetwas erreicht wurde nicht. Die dortigen Bewohner wurden zum x-ten Mal bestraft, anstatt der wirklichen Täter, die man schützt. Es bleibt dabei, dass in Brasilien eine Doppelherrschaft zwischen einerseits dem staatlichen Apparat herrscht, der wesentliche Teile Brasiliens in der Hand hat und andererseits einer Anzahl von Favelas in großen Städten, wo längst die Gesetze der Drogenmafia gelten und Polizisten sich nicht sehen lassen dürfen. (außer zum Abholen ihrer Bestechungsgelder und um Warnungen weiterzugeben).

Inzwischen kontrolliert das Heer auch Fahrzeuge an allen großen Ein- und Ausgangsstraßen Rios, angeblich weil man annimmt, dass die gestohlenen Waffen aus Rio herausgeschafft werden könnten. Nun, auch das wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. Die gewarnten Kriminellen haben natürlich nicht nur diese Waffen, sondern auch die bisherigen und sich selbst vorsorglich längst aus der Stadt gebracht, bevor das Militär kam.

Es wäre vielleicht wirklich ein Schritt gegen die Drogenbanden, die jene Favelas terrorisieren, wenn das Militär auf Dauer dort bleiben würde. So könnte vielleicht weitgehend die Rückkehr der Anführer mit Tross und Waffen verhindert werden. Aber jeder Kenner brasilianischer Verhältnisse wettet darauf, dass das Militär bald wieder abzieht und sich die kriminellen Drogenbanden einen Ast lachen, noch viel mehr ihre Hintermänner in der brasilianischen Oligarchie.

weird world

Vergiftung Milosevics nicht auszuschließen

Den Haag/Belgrad (AFP) – Zwei Tage nach dem Tod von Slobodan Milosevic kann eine Vergiftung des jugoslawischen Ex-Präsidenten weiter nicht ausgeschlossen werden: Zwar ergab die Autopsie dass der ehemalige Staatschef an einem Herzinfarkt gestorben ist; die Infarkt-Ursache könne aber erst durch das endgültige Ergebnis der Autopsie ermittelt werden, hieß es. Dies könne noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Der Leichnam Milosevics soll heute der Familie übergeben werden. Noch steht nicht fest, wo der Ex-Präsident beigesetzt wird.


Giftstoffe im Blut?

Milosevic war am Samstag tot in seiner Zelle im UN-Gefängnis gefunden worden. Laut dem in Den Haag veröffentlichten Autopsiebericht stellten die Ärzte bei ihm zwei Herzkrankheiten fest, die den Infarkt verursacht haben könnten. Gerichtsmediziner hatten Milosevics Leiche am Sonntag mehr als vier Stunden lang autopsiert. Neben der Leichenschau sollte das Blut des Verstorbenen untersucht werden, um mögliche Giftstoffe aufzuspüren.

Milosevics Anwalt Zdenko Tomanovic hatte einen am Freitag von Milosevic aufgesetzten Brief vorgelegt, in dem dieser die Befürchtung äußerte, er könne in UN-Haft vergiftet werden. „Sie wollen mich vergiften, ich bin ernsthaft besorgt und unruhig“, schrieb Milosevic darin. Bei Untersuchungen seines Blutes am 12. Januar seien darin hohe Dosen eines Medikamentes gefunden worden, das normalerweise bei der Behandlung von Lepra oder Tuberkulose verwendet wird, hieß es in dem Brief.
Kondolierende vor Milosevic-Bild
©AFP – Andrej Isakovic

Der niederländische Fernsehsender NOS berichtete, bei Untersuchungen vor Milosevics Tod seien darin „fremde Substanzen“ gefunden worden. Diese hätten die Wirkung von Milosevics Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzproblemen aufgehoben.

Noch ist unklar, wo Milosevic beigesetzt werden soll. Die serbische Regierung schloss ein Staatsbegräbnis bereits aus. Milosevics Gattin Mirjana (Mira) Markovic sprach sich in einem Interview mit der serbischen Zeitung „Vecernje novosti“ für eine Beisetzung in Pozarevac, der Heimatstdt ihres Mannes aus. Der serbische Präsident Boris Tadic bezeichnete ein von Nationalisten ins Spiel gebrachtes Staatsbegräbnis für Milosevic für „absolut unangemessen angesichts der Rolle, die Milosevic in der jüngsten serbischen Geschichte gespielt hat“.

Milosevic war Schlüsselfigur der Balkankriege. Ihm drohte lebenslange Haft wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er stand seit Februar 2002 in Den Haag vor Gericht.

Leprosy drug in Milosevic’s blood
Milosevic feared he was being poisoned: Lawyer
Excerpt: U.N. Official: Milosevic Had Heart Attack

Krieg

Das Iran Dossier

Stephan Fuchs – Ein militärischer Schlag gegen den Iran ist möglich. Zur Zeit ist es fast aussichtslos ein vernünftiges Lagebild aufzugleisen. Die Propagandamaschinerie läuft auf Hochtouren. Auf allen Seiten. Mindestens 75 Millionen Dollar werden für die anti- iranische Propaganda eingesetzt. Konservativ geschätzt. Bei den Iranern sieht es wohl nicht anders aus.

Interessant zu beobachten ist, wie sich die Maschinerie und Mechanik vor den Kriegshandlungen immer wieder gleicht. Wann der Krieg kommen wird, das wissen wohl nur die Top Strategen im Pentagon- jene werden wohl kaum im Kriegsgebiet zu finden sein. Was der Krieg für Auswirkungen haben wird, das weiss niemand. Wir können nur zurückblicken und uns Wundern. Die nachfolgenden Links zu Geheimdienst & Strategie Seiten, zu Medien, zivilen Organisationen und eine Artikel Sammlung aus diesem Weblog, machen eines Klar: Die Highway zum Krieg ist bereit.


Zeitachse / Landesrecherche

Center for Cooperative Research

European Country of Origin Information Network (d)

Timeline: US Confrontation with Iran

Chronik wichtiger Ereignisse


Intelligence / Militär

Intelligence Online

International Institute for Strategic Studies

Jane’s Information Group

Federation of American Scientists

Global Defence

Global Security


Medien / Nachrichten

IRNA

Iran Report der Heinrich Böll Stiftung

Press TV

Institut für Völkerrecht & internationale Beziehungen

Fars News

Auswärtiger Ausschuss des Nationalen Wiederstandes

Iran-Press Service

Iran-Infos

IRIB World Service English Radio

News Now

IRVAJ

Iran Now


Organisationen

Grüne Partei Iran

American-Iranian Council

Nationaler Wiederstandsrat


Artikel in chronologischer Folge von [journalismus] nachrichten von heute

Amerikaner verhaften Iraner in Bagdad
Stephan Fuchs – Iran hat offiziell gegen die Verhaftung einer iranischen Delegation in Bagdad protestiert. Der iranische Aussenminister hat den Schweizer Botschafter aufgefordert eine Prtestnote… …

Iran baut intelligente Bomben, Bush sieht nuklearen Holocaust
Stephan Fuchs – Iran hat die Serienproduktion von „intelligenten“ lasergelenkten Fliegerbomben mit der Bezeichnung „Kased“ „Botschafter“ in die Wege geleitet. Mit den… …

US preparing ‚massive‘ military attack against Iran
Larisa Alexandrovna and Muriel Kane – „The U.S has the capacity for and may be prepared to launch without warning a massive assault on Iranian uranium enrichment facilities, as well as government buildings… …

Kabul: Erneuter Opium Rekord
Stephan Fuchs – Was in England und Kontinentaleuropa gefixt wird, kommt zum größten Teil aus Afghanistan’s Opiumproduktion. Pentagon Chef Donald Rumsfeld war zu Beginn des Afghanistan… …

‘They still need a trigger,’ former official says
Larisa Alexandrovna – „In an effort to build congressional and Pentagon support for military options against Iran, the Bush administration has shifted from its earlier strategy of building a case based… …

Iranian government clandestinely supporting Taliban
Hamid Mir – The US government has urged President Hamid Karzai to stop a secret Iran-Taliban cooperation against Nato troops in Afghanistan. President Karzai is not ready to admit any negative Iranian… …

Pakistan: „The Taliban’s Godfather“?
Barbara Elias – A collection of newly-declassified documents published today detail U.S. concern over Pakistan’s relationship with the Taliban during the seven-year period leading up to 9-11. This new… …

Keine Freilassung des Waffenhändlers Nahum Manbar zu erwarten
Dr. Alexander von Paleske – In Israel wird zurzeit geprüft, ob der Waffenhändler und Lieferant von Massenvernichtungswaffen in den Iran, Nahum (Nachum, Nahoum) Manbar vorzeitig wegen guter Führung… …

Interview of Dr.Samar Mubarak-Head of Pakistan Missile Program in WMDs & Missiles
Hamid Mir- This interview is bit outdated as it was given on May 3, 2004 to a popular local channel Geo(live).This interview gives useful insights about Pakistan’s Missile and Nuclear related matters…. …

Schweizer Soldaten in Teheran: NZZ wusste es 2006
Was gestern von der Nachrichtensendung 10vor10 publik gemacht worden ist und Politiker überraschte, wurde in der NZZ bereits am 8. Oktober 2006 erwähnt, die Diskussion ist ein… …

CIA hires terrorist group to operate inside Iran
The Central Intelligence Agency (CIA) has hired a Pakistani terrorist group that has carried out a series of deadly terrorist attacks inside Iran, ABC News has reported on Wednesday. The group, members… …

Gefangenenfreilassung: Ahmadinedschad läßt Angriffsträume platzen
World Content News – Uff, erstmal ist die Luft raus – so oder ähnlich mögen die meisten gedacht haben, die die mehrstündige Sondersendung auf CNN verfolgten, in der ein aufgeräumter iranischer Präsident dem Westen 45 Minuten lang in freundlich gestimmten…

Britische Marinesoldaten gehen nach Hause
Stephan Fuchs – Die iranische Nachrichtenagentur meldet, dass die britischen Marinesoldaten am Donnerstagmorgen die iranische Hauptstadt verlassen können. Um 08.00 sollen die 15 Soldaten per Flugzeug nach England ausgeflogen werden. In einer von heute MIttwoch…

Flugzeugträger USS Nimitz auf dem Weg in iranische Gewässer
Stephan Fuchs – Am 2. April hat die nuklear betriebene USS Nimitz ihren Heimathafen bei der North Island Naval Air Station in Kalifornien verlassen und befindet sich auf dem Weg in den persischen Golf. Die USS Nimitz wird mitte bis ende April in der Region erwartet…

US Bomber über Iran
Onlineredaktion / Stephan Fuchs – Am Samstag sollen amerikanische Bombenflugzeuge den iranischen Luftraum verletzt haben, wie der iranische Fernsehsender Al-Alam auf Berufung der islamischen Revolutionsgarden meldete. Die Bomber sollen die irakisch-iranische Grenze…

Russischer Nachrichtendienst: USA schließen Vorbereitungen für Angriff…
RIA – Nach Angaben des russischen Nachrichtendienstes haben die amerikanischen Streitkräfte die Vorbereitung zum möglichen Militärschlag gegen Iran abgeschlossen. Das teilte ein Sprecher des russischen Geheimdienstes RIA Novosti mit. Die Angaben des Nachrichtendienstes…

U.S. ready to strike Iran in early April
RIA – Russian intelligence has information that the U.S. Armed Forces have nearly completed preparations for a possible military operation against Iran, and will be ready to strike in early April, a security official said. The source said the U.S. had already compiled a…

Seezwischenfall erhöht Kriegsgefahr
Malte Olschewski – Die USA und England haben bisher nicht die Koordinaten des Zwischenfalls im Schatt El Arab bekannt gegeben. Ebenso sind keine Satellitenfotos veröffentlicht worden. Der Iran hat 15 gefangene Marinesoldaten nach Teheran gebracht, wo sie von Offizieren…

Kann der Iran erobert werden?
Michael Schulze von Glaßer – Ob der Konflikt zwischen den USA und der islamische Republik Iran in Zukunft mit Waffen ausgetragen wird lässt sich nicht genau sagen. Doch kann der Iran… …

Landesweite Atomschutzübung in Israel
AFP – Israel plant für den kommenden Monat eine landesweite Atomschutzübung. Bei dem für den 21. und 22 März vorgesehenen Test solle der Fall eines Atomangriffs auf das Land durchgespielt werden, teilten die Rettungsdienste am Montag…

USA-Schlag gegen Iran schon zu Ostern?
Novosti – Die Militäraktion der USA gegen Iran wird in der ersten Aprilwoche, knapp vor dem diesjährigen Ostern, wahrscheinlich schon am Freitag, dem 6. April, stattfinden, der in den moslemischen Ländern ein arbeitsfreier Tag ist, schreibt…

Ist der Iran-Krieg abgesagt?
Karl Weiss – In einem wirklich Aufsehen erregenden Artikel hat Michael Schulze von Glaßer in „Journalismus – Nachrichten von heute“ die Frage gestellt „Kann der Iran erobert werden?“ und kommt zu dem Schluss: Nein. Allerdings…

Irans Gegenschlagskapazität
Malte Olschewski – Die Gefahr eines amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran hat sich in den letzten Tagen erhöht. Trotz eines am 21.2. abgelaufenen Ultimatums des UNO-Sicherheitsrates will Teheran an seinem Atomprogramm festhalten….

US against Iran – Apocalypse now?
Dr. Alexander von Paleske – The US Government apparently continues to prepare for war against Iran. A second aircraft carrier is on its way to the Persian Gulf. Openly the options, how to destroy the Iranian alleged nuclear facilities, are being…

Wurde Anschlag auf Revolutionsgarden von Drogenclans verübt?
Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus der Revolutionsgarden (Pasdaran) sind im Südosten des Iran nach jüngsten Angaben elf Menschen getötet worden. 30 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete…

Iran-backed group has occupied northern West Bank
World Tribune – The Israel Security Agency has determined that Islamic Jihad, an Iranian-sponsored insurgency, has imposed control over large parts of the northern West Bank. The agency concluded that Jihad has been operating in areas evacuated…

WM: Attentat mit anschließendem Iran-Überfall?
Karl Weiss – Es gibt Hinweise, daß ein Attentat während der WM in Deutschland geplant ist, das dann als Vorwand für den Krieg gegen den Iran dienen soll. Die Hinweise kommen von einem Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA. Sie…

Geheimer Waffendeal mit MEK Terroristen?
Stephan Fuchs – Wie in den 80er Jahren mit Drogengeldern illegal Waffen für die nicaraguanischen Contras bereitgestellt wurden, sind es heute die Mujaheddin-e Khalq (MEK) Einheiten die in den Genuss der Waffen gekommen sind. Jene…

Wird WM Attentat in Deutschland Auftakt zum Irankrieg?
Stephan Fuchs – Wie eine Eilmeldung von Christoph R. Hörstel erwähnt, mehren sich Hinweise auf einen grösseren Anschlag auf deutschem Boden während der Fussball WM. Der Anschlag soll die westliche Welt wieder auf Kriegskurs…

Das Killing-Street-Memo
Norman Solomon – Es gibt in den USA Leute, die den Betrug um den jüngsten Krieg bloßlegen, und es gibt solche, die stetig bemüht sind, die Grundlage für den nächsten Krieg zu legen. Im Memo dieser Leute steht: Lege…

Iran-Überfall wird Wirtschaftskrise auslösen
Karl Weiss – Auf der Site „Goldseiten.de“ erschien dieser Tage ein langer Artikel, der die einzelnen Faktoren für eine kommende Welt-Wirtschaftskrise analysiert. Er kommt zu dem Schluss, dass die Vorausschau, eine solche Krise würde…

„US-Dollar oder Mini-Nukes“
Karl Weiss – Laut Professor D. Zeitel , der in einer Veröffentlichung der ‚Staats- und wirtschaftspolitischen Gesellschaft’ (SWG), Hamburg schreibt, ist einer der wesentlichen Gründe,… …

Die Hetze brandet hoch
Karl Weiss – Im Vorfeld des anstehenden Luftschlages gegen den Iran, der wohl den Iran-Krieg eröffnen wird, haben sich einige Medien bereits auf eine Anti-Moslem-Hetze der niedrigsten möglichen… …

Sind Mini-Nukes harmlos?
Elmar Getto – Im Zuge des offenbar vorgesehenen Einsatzes von Atomwaffen beim ebenso offenbar vorgesehenen Luftüberfall auf den Iran wird nun gezielt das Thema der Verwendung von Atomwaffen überall… …

Wie viele U-Boote hat der Iran wirklich?
Harald Haack – Der Iran ist, was die Fläche betrifft, ein großes Land. Ein Land mit sehr langer Küste zum persischen Golf und eines kürzeren Abschnittes zum Schwarzen Meer. Platz für… …

Die Iran-Krise
Norman Solomon – Die Welle, die die westliche Diplomatie derzeit schlägt, wird sich im Nachhinein wahrscheinlich als Grundlage für den Abschuss von Raketen auf den Iran entpuppen. Luftschläge… …

Countdown zum Atomkrieg?
Harald Haack – Es ist wieder einmal so weit. Die atomare Abschreckung der Großmächte funktioniert nicht mehr. Die Welt hat ihren antisemitischen Hass-Führer zurück, der offensichtlich… …

Grand Nation droht mit Atomwaffen
Stephan Fuchs – Wie AFP heute vermeldete rasselt Frankreichs Staatschef Jacques Chirac mit Atomwaffen gegen Terror Staaten. Frankreich behalte sich das Recht auf eine Vergeltung in „nicht konventioneller“… …

Achmed Huber, The Avalon Gemeinschaft, and the Swiss „New Right“
Kevin Coogan – Achmed Huber is not only a devout Muslim and supporter of political Islam; he also a leading member of the avowedly pagan Swiss-based Avalon Gemeinschaft („Avalon Society“ also known as… …

Islamische Mullahs & kalte Krieger in der Liebkosung
Stephan Fuchs – Am 4. November 1979 fordern vor der amerikanischen Botschaft in Teheran mehrere tausend islamische Studenten in Sprechchören die Auslieferung des Schahs. Der gestürzte Diktator… …

Dunkelmänner der Desinformation
Stephan Fuchs – Am 13. Mai 1981 verübte der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Ağca auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat auf Johannes Paul II. Sofort zeigten alle Finger auf den bulgarischen Geheimdienst… …

Pentagon bestätigt Iran Contra Mit-Konspirator als Chief of Staff
Stephan Fuchs – Alte Geister verschwinden nicht so leicht. Auch wenn sich Pentagon Sprecher Bryan Whitman erstaunt zeigt, dass man sich an alte Geschichten zu erinnern vermag. “Schliesslich arbeitete Robert Earl… …

Freunde im Gruselkabinett
Stephan Fuchs – Höchstwahrscheinlich dürfte er der nächste Staatspräsident Irans werden: Akbar Hashemi Rafsanjani. Er ist Milliardär, ist einer der mächtigsten Männer des schiitischen… …

Der mysteriöse Achmed Huber:
Kevin Coogan – Am 7. November 2001 gab das Büro des amerikanischen „Office of the Coordinator of Counterterrorism“ (Büro der Antiterrorbehörde des State Department) eine Liste von 62 Organisationen… …

Plant Bush einen Angriff auf den Iran?
Doug Lorimer – In der Ausgabe der amerikanischen Wochenzeitschrift The New Yorker vom 16. Januar berichtete Investigativjournalist Seymour Hersh, das Pentagon hätte damit begonnen seine Pläne… …

deutschland

Rentenschlappe und Kalter Krieg

Harald Haack – Die Abgeordnete Silvia Schmidt (SPD), deren Wahlkreis das tief gebräunte Mansfelder Land im südlichen Sachsen-Anhalt ist, lobte in ihrer Rede vor dem Bundestag in der „Aktuellen Stunde zur Zukunft der Rente“ die alten Bundesländer für den enormen Einsatz zur Anhebung der Renten für alle ehemals ostzonalen Bürger, obwohl diese in die Rentenkasse der alten Bundesländer nichts eingezahlt hätten. Auch habe sich die Lebenserwartung nach der Wende in den neuen Bundesländern deutlich erhöht, wie sie ausdrücklich betonte. Vor der Wende hätte die Lebenserwartung dort noch um 2,5 Prozent unter der in den alten Bundesländern gelegen. Nun habe sie sich angeglichen.

Damit brachte sie einen wunden Punkt in der Debatte um die Rente zur Sprache. Neben dem Erstarken rechtsradikaler Grölfatze eine weitere negative Folge der deutschen Wiedervereinigung. Alle wissen davon, alle aber waren bisher zu feige offen darüber zu sprechen. Schon gar nicht vor dem deutschen Bundestag.


Silvia Schmidt (SPD) versteckte sich unter ihrer Haarpracht und betete dem Bundestag trocken ihre statistischen Erkenntnisse vor.

Kritik, bei den Abgeordneten verpönt
Während man sich in der NPD darüber schon die Hände reibt und über die demokratische Rentenschlappe freut, waren sich die abgeordneten Rednerinnen und Redner im Bundestag darin einig, dass sie selbst und auch ihren Vorgängerinnen und Vorgänger keine Schuld trifft für den brüsken Abschied von der sozialen Ideologie, die einst größtenteils von Otto von Bismarck, Kanzler im 19. Jahrhundert, erdacht worden war und zur Rente mit staatlicher Garantie und Absicherung geführt hatte. Aber über Bismarck verlor niemand ein Wort. Die vielen, eigentlich überflüssigen Worten galten letztendlich nur der Selbstverteidigung. Kritik an den erbrachten Leistungen zur Rente wiesen viele zurück.

Vielfach benutzte Plattitüden: „Mit dem Jammern kann man keine Toten wieder lebendig machen.“ „Mit Kritik löst man keine Probleme“.


Glaubt er noch an sein Rentenkonzept: Walter Riester?

Was nütze es angesichts der misslungenen Versuche, die Rente in Deutschland wieder zu dem zu machen was sie einst war, anstatt daran herumzumäkeln! Nein, Schuld allein hätten nach Ansicht der Abgeordneten nur die Bürger, weil sie nicht genügend Kinder gezeugt und großgezogen hätten.


Vorherrschende Abgeordneten-Meinung: „Bürger sind an der Rentenschlappe schuld“.


Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Träumte er während der „Aktuellen Stunde zur Zukunft der Rente“ von seiner zukünftigen üppigen Rente?

Groß in Mode: Diskriminierung der Deutschen
„Jammerlappen“ seien sie, urteilte ein der breiten deutschen Öffentlichkeit bislang wenig bekannter Professor nordfriesischer Herkunft, der sich jetzt im Presse-Mainstream als „Rentenexperte“ loben ließ und wohl zum Vorredner der Abgeordneten-Seilschaft wurde.

Sie hätten doch selbst Schuld, weil sie unzureichend Kinder in die Welt gesetzt hätten, hatte er verbreitet. Konkret bezog sich Prof. Bernd Raffelhüschen, der von gegenüber der Sächsischen Zeitung behauptete hinter der derzeitigen Regierung zu stehen, auf die 30 bis 50-jährigen; als 1957 geborener also genau seine Altersklasse.

Nun gut, immerhin hat er entgegen seinen schlechter gestellten Altersgenossen den patriotischen Standard von drei Kindern geschafft und im Gegensatz zu vielen anderen Deutschen, die nicht wie er das Glück hatten, in Skandinavien und vornehmlich in den USA mittels Stipendien herumgereicht zu werden. Es gibt leider wenige Deutsche, die frühzeitig schon so gut abgesichert waren, wie er. Und die es sich leisten konnten, mehrfach Kinder zu zeugen ohne einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, ob es die Kinder denn später gut haben würden oder ob sie Hunger leiden müssten. Raffelhüschens Vorpreschen in die Promi-Klasse ist meiner Meinung nach voll von der gegenwärtigen angesagten Volksdiskriminierung („Deutschland – einig Jammerland“) und leer jeglichen historischen Gehalts.

Angst vor dem Kinderkriegen während des Kalten Krieges
In jener Zeit, als in Deutschland die so genannten 68er aktiv waren, herrschte bereits eine von den Alliierten angestoßene Abneigung der Westdeutschen vor, sich zu vermehren. Man befand sich mitten im Kalten Krieg. Den Alliierten war es rechtens, wenn die Deutschen, von denen so viel Unheil und Leid ausgegangen war und die den Holocaust zu verantworten haben, sich nicht nennenswert vermehrten. „Weniger Deutscher, desto geringer die Gefahr neofaschistischer Umtriebe.“ Dies war die Meinung vieler in Deutschland tätiger alliierter Soldaten und deren Angehöriger. Für die Deutschen aber gab es noch eine Angst, die seitens der Siegermächte geschürt wurde. Es war die Angst vor einem Atomkrieg. 1983 sah es dafür sehr bedrohlich aus.

In Bonn demonstrierten rund 300.000 junge wie auch etliche alte Leute gegen den atomaren Rüstungswahnsinn von Russen und Amerikanern. Auch ich und meine Frau, beide damals noch ledig, zählten zu den friedlichen Demonstranten. Das für mich wichtigste Foto, das ich während der Demo auf der Bonner Schlosswiese machte und das für mich einen Symbolcharakter zur Demo enthielt, zeigte eine junge Frau, alternativ mit Selbstgestricktem gekleidet, die, wie eine Madonna, ein Baby, natürlich in gestrickter Decke, in den Armen hielten und im Schlamm der Wiese saß.

Wir alle dachten damals an unsere möglichen Nachkommen und wir sorgten uns um sie und wir wollten sie nicht der Gefahr kriegslüsterner Herrscher der Großmächte aussetzen. Ungezeugtes Leid!

Und natürlich waren wir mit unseren Gedanken ein Produkt der Kapitulation Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Und ich denke, das war auch ganz gut so. Die westlichen Alliierten hatten die Deutschen zur Verantwortungen und zur Kritikfähigkeit erzogen. So war allgemein die Angst vorherrschend, dass man seine Kinder in einen atomaren Weltuntergang hinein zeugen müsse, wenn die Alliierten nicht die atomare Aufrüstungen stoppten. Es sah düster aus.

Falsche Helden
Für alle überraschend kamen dann „Glasnost und Perestroika“. Viele Menschen glaubten, dieser friedliche Wind käme aus der ehemaligen Sowjetunion. Doch heutzutage, wo amerikanische Republikaner glauben die Welt zu beherrschen, gibt es immer öfter „Historiker“ die dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan die Ehre andichten wollen, für die Beendigung des Kalten Krieges gesorgt zu haben. Und wer war Gorbatschow?

Ganz dreist aber wurde ein damals unbedeutender polnischer Elektriker der Danzig-Werft, Lech Walesa, der seit dem Frühjahr 2005 verbreitet, er und der Papst hätten die friedliche Entwicklung eingeleitet. Tatsächlich nannte er selbstherrlich zuerst sich selbst und dann erst den damaligen Papst polnischer Herkunft vor den TV-Teams westlicher Sender als Held des Friedens. Versuche, die geschichtlichen Ereignisse und Entwicklungen sich anzueignen, um als Held auszusehen, gibt es noch weit mehr.

Bernd Raffelhüschen, der laut seiner Biografie mehrere Professuren ablehnte bevor er im August 1995 die C4-Professur VWL, insb. Finanzwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg annahm, der sich von der Energie-Wirtschaft und der Chemischen Industrie fördern ließ, zählt zweifellos zu den bevorzugten Günstlingen Deutschlands – zur Elite. Die Behauptung, die er meiner Meinung nach mittels niederträchtiger Diskriminierung zu untermauern versucht und die das Nachrichtenmagazin FOCUS lapidar in dem zusammenfasst, man müsse zusätzlich vorsorgen, um im Alter nicht zu verarmen, schießt leider vielfach an der Realität vorbei. Es werden immer mehr, die sich eine private Rentenversorgung nicht leisten können; einfach deshalb, weil sie trotz ihres Verzichts auf Luxus kein Geld dafür zur Verfügung haben.

Skandalös
Die fürs Alter bestens versorgten Abgeordneten sind denn auch nicht bereit, mit dem Volk zu teilen. Vorschläge, sie sollten ebenso ihre Altersversorgung herunterfahren und die dadurch erzielten Ersparnisse der Solidargemeinschaft zukommen lassen, wiesen viele entrüstet zurück. Und letztendlich bleibt noch eines zusagen: Professor Raffelhüschen beschimpfte, wie schon erwähnt, die 30 bis 50-jährigen als „Jammerlappen“, weil sie keine Kinder in die Welt setzten und behauptet sie hätten selbst Schuld, wenn sie nun weniger Rente kriegen. Er behauptet, die gegenwärtige Regierung, vornehmlich die CDU/CSU damit zu unterstützen, doch weshalb ist Kanzlerin Merkel, die zum Jahrgang 1954 zählt und der Chemischen Industrie sehr nahe steht, kinderlos? Laut der internationalen Organisation „Worldwatchers.org“ gibt es besonders in Deutschland seit 1950 einen Rückgang der Geburtenrate, was sehr wahrscheinlich auf die Zunahme der Anwendung von chemischen Produkten, zu denen auch Umweltgifte zählen, zurückzuführen ist. In dem Maß, wie der Absatz solcher chemischer Produkte erfolgte, gab es weniger Geburten und immer häufiger Missgeburten und Menschen mit Missbildungen.

Fazit
Wäre es nicht schön, wenn den drei niedlichen Kindern von Professor Bernd Raffelhüschen, dem P., der A. und dem M., künftig eine chemische Verletzung durch Umweltgifte erspart bliebe, was zu einer Erwerbslosigkeit führen könnte, und sie sich an dem von ihrem Vater ererbten Reichtum auch noch im Alter erfreuen und auf die Rente verzichten könnten?

Sollten wir Bürger uns ganz einfach wegdenken? Deutschland – ohne Ottonormalverbraucher? Kein Volk, keine Rente. Ein Staat ohne Volk – das wäre das Perpetuum Mobile, das Schlaraffenland für unsere gewählten Volksvertreter.

Nachtrag
Am 10. März 2006 gegen 16.20 Uhr rief mich Prof. Raffelhüschen auf meinem Handy an. In aggressiven Ton forderte er mich auf, diesen Artikel verschwinden zu lassen. Auf meine Frage, weshalb er dieses wolle, antwortete er, ich habe unter dem Fazit seine Kinder erwähnt. Die solle ich doch gefälligst herauslassen. Ich antwortete: „Gerade um Ihre Kinder und die Kinder vieler anderer Deutscher geht es doch.“ Er schnauzte mich an und behauptete, die Erwähnung seiner Kinder sei eine Verleumdung, und er wolle dafür sorgen, dass mir das Handwerk gelegt werde. Ich entgegnete, dass ich in diesem Artikel keine Verleumdung wüsste. Er aber habe die Deutschen öffentlich als „Jammerlappen“ bezeichnet, was ich als Verleumdung verstünde. Gerne noch hätte ich die Diskussion mit ihm auf eine sachlichere Weise zu Ende geführt, doch er beendete abrupt das Telefonat.

Herr Prof. Raffelhüschen, weshalb nennen Sie selbst die Namen Ihrer Kinder und zeigen auch Fotos von Ihnen auf der offiziellen Universitäts-WebSeite, wenn sie nicht wünschen, dass irgendwann in einem Artikel, der auch die Zukunft Ihrer Kinder betrifft, Ihre Kinder beim Vornamen genannt werden. Sie selbst sind es, der sich Vorwürfe machen sollte. Gut finde ich, dass Sie Ihren Fehler inzwischen erkannt haben, und wenigstens die Fotos Ihrer Kinder aus dem Web genommen haben. Aber jemand, der wie Sie derart fahrlässig seine Kinder an die Öffentlichkeit zerrt und sie möglicherweise damit gefährdet und sich zugleich mit verleumderischen und diskriminierenden Äußerungen gegenüber der Presse mitteilt, sollte sich nicht wundern, wenn er kritisiert wird.


Prof. Raffelhüschens Biografie-Seite der Universität Freiburg – Link auf seine Kinder.

Sie selbst waren es, der gegen die Richtlinie 4.2 des Pressekodex’s „verstoßen“ hat. Sie sind zwar kein Journalist, doch mit der Ihrer eigenen Publikation der Namen und der Fotos Ihrer Kinder haben Sie signalisiert, dass Ihnen nicht an einer besonderen Zurückhaltung, wie in der Richtlinie erwähnt, gelegen ist.

Richtlinie 4.2 „Bei der Recherche gegenüber schutzbedürftigen Personen ist besondere Zurückhaltung geboten. Dies betrifft vor allem Menschen, die sich nicht im Vollbesitz ihrer geistigen oder körperlichen Kräfte befinden oder einer seelischen Extremsituation ausgesetzt sind, aber auch Kinder und Jugendliche. Die eingeschränkte Willenskraft oder die besondere Lage solcher Personen darf nicht gezielt zur Informationsbeschaffung ausgenutzt werden.“

Selbstverständlich haben Sie die Möglichkeit einer Gegendarstellung in [journalismus] – nachrichten von heute. Obwohl dieser news-blog in der Schweiz publiziert wird, richten wir uns gerne nach dem deutschen Presse-Kodex.

Krieg

„US-Dollar oder Mini-Nukes“

Karl Weiss – Laut Professor D. Zeitel , der in einer Veröffentlichung der ‚Staats- und wirtschaftspolitischen Gesellschaft’ (SWG), Hamburg schreibt, ist einer der wesentlichen Gründe, warum ein Angriff auf den Iran, hauptsächlich auf Betreiben der Regierung der USA, vorbereitet wird, die Ankündigung Teherans, ab März (nicht genanntes Datum) 2006 eine Erdölbörse auf Euro-Basis betreiben zu wollen. Nach seinen Angaben würde dies die absolute Vorherrschaft des Dollars im Erdölgeschäft gefährden und damit die Gefahr riesiger Verluste der US-Wirtschaft heraufbeschwören.

In seinem Artikel legt er unter anderem dar, daß dasjenige Land, in dessen Währung die gigantischen weltweiten Erdölgeschäfte abgewickelt werden, gewaltige konkrete zusätzliche ´monetäre Mittel zufliessen, die unter Ökonomen mit dem Begriff „Seigniorage-Gewinne“ (Münzprägegewinne) gekennzeichnet werden.

Für Nicht-Ökonomen kann dies in etwa so erklärt werden, daß jenes Land die Möglichkeit hat, in großem Umfang neues Geld zu drucken (Münzen zu prägen), ohne daß, wie normal, dadurch die interne Inflation im Lande angeheizt würde. Die imperialen Abenteuer der US-Regierung, wie der jetzige Irak-Krieg, aber auch generell das riesige US-Rüstungsprogramm hängen vollständig davon ab, daß diese Gewinne fließen. Auch daß die gigantische Verschuldung des US-Staates und das massive Aussenhandelsdefizit keine negativen Auswirkungen auf die US-Ökonomie haben, hängt von diesen Gewinnen ab.

Mit anderen Worten, die ganze imperiale Machtstellung der USA hängt wesentlich davon ab, daß weltweit das gesamte Erdöl (und nicht nur das Erdöl) in Dollar gekauft und verkauft wird.

Es wird darauf hingewiesen, daß Saddam Hussein, kurz bevor die Vorbereitungen des Irakkrieges begannen, seine Ölverkäufe auf Euro umgestellt hatte und die These aufgestellt, daß dies einer der wesentlichen Gründe des Irak-Krieges war.

In US Händen
Eine Ölbörse ist aber noch etwas anderes als einfach nur die Währung, in der das Öl eines Landes verkauft wird. Sie wäre vielmehr ein Konkurrenzunternehmen zu den beiden einzigen Ölbörsen, die es momentan gibt, New York Mercantile Exchange (NYMEX) in New York und International Petroleum Exchange (IPE) in London, beide in US-Händen.

Die Bedeutung der Ölbörsen ist eine mehr indirekte, denn in Wirklichkeit wird 90% des weltweiten Rohöles in langfristigen Kontrakten verkauft, die bestenfalls formal über eine der Ölbörsen gelaufen sind, bzw. gleich von vornherein in Weiterverarbeitungsanlagen des Ölkonzerns genutzt, dem auch die Ölquelle gehört. Nur größenordnungsmäßig 10% des Rohöles kommt überhaupt auf den Markt, d.h. wird in einer der Ölbörsen wirklich angeboten und gekauft.

Was die Ölbörsen so wichtig macht, ist die Tatsache, daß sich die Preise des Rohöls an den Preisen an der Börse orientieren. Steigt der Preis, z.B. für den Barrel von Brent-Öl, so werden ab diesem Zeitpunkt auch die langfristigen Kontrakte zu diesem höheren Preis getätigt bzw. in der internen Abrechnung der Konzerne dieser höhere Preis zugrunde gelegt.

Viel mehr gilt dies natürlich noch für die Währung, in der sich das alles abspielt. Dies ist und war seit Urzeiten der US-Dollar.

Würde nun eine Ölbörse in Euro aufgemacht, würde deren Bedeutung natürlich eindeutig davon abhängen, wieviel Erdöl dort nun tatsächlich überhaupt angeboten würde. Steht hinter einer solchen neuen Börse nun einer der großen Erzeuger von Rohöl, so könnte sie durchaus an Bedeutung gewinnen. Der Iran ist immerhin die Nummer 5 (nach anderer Zählung No. 4) unter den Erdölstaaten, wenn er auch andererseits natürlich den größten Teil seines Erdöls in festen Verträgen verkauft, die nicht von heute auf morgen aufgelöst oder umgestellt werden können.

Würde aber nun der Iran darauf bestehen, daß jeder auslaufende Vertrag auf einen Vertrag über jene Ölbörse umgestellt wird, so könnte die Börse im Verlauf von ein, zwei Jahren größere Mengen von Erdöl anbieten als jede Einzelne der anderen beiden. Es könnten auch andere Länder auf die Idee kommen, einen Teil des Öls an dieser Börse anzubieten. So hat z.B. Venezuela, immerhin Nummer 6 (nach anderer Zählung No. 5) unter den Ölstaaten, bereits Interesse angemeldet.

Wer ein ganz spezielles Interesse an einer solchen Ölbörse hätte, sind natürlich die europäischen Staaten, deren Währung der Euro ist. Zwar konnten sie es nicht wagen, selbst eine solche Ölbörse aufzumachen, denn dies wäre einer Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten gleichgekommen, sie könnten aber, nach und nach und mehr oder weniger heimlich, beginnen, ihren Ölbedarf über diese Börse, und daran anschließend mit Euro-Verträgen, zu decken.

Immerhin sind die Länder der Euro-Zone, als Block genommen, der weltweit größte Importeur von Rohöl bzw. dessen Folgeprodukten. Würden die „Seigniorage-Gewinne“ in Zukunft im wesentlichen den Ländern des Euro-Blocks zufließen, wären deren Haushaltsprobleme und die Probleme stagnierenden Wachstums gelöst. Allerdings muß man auch sehen, daß die US-Regierung einer solchen Entwicklung nicht tatenlos zusehen würde und eine Menge Möglichkeiten hat, einzugreifen.

Wenn Prof. Zeitel in seiner Schrift ‚US-Dollar oder Mini-Nukes’ es so darstellt als ob es nur die Alternative eines militärischen Überfall auf den Iran oder den Fall des Dollars als Ölwährung gäbe, ist dies einseitig. Die US-Regierung hat es noch fast jedesmal geschafft, die europäischen Mächte zu überzeugen, lieber ihr zu folgen als sich mit ihr anzulegen. Das letzte Beispiel sind die Fragen nach den CIA-Folterflügen. Man hat ein allgemeines Schweigegebot erlassen und seitdem halten alle europäischen Regierungen ohne Ausnahme den Mund. Lediglich die Kommission in Brüssel ist noch etwas aufmüpfig.

Würde die USA die Europäer verpflichten, jene Ölborse am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen, so wäre kaum etwas dagegen zu machen. Trotzdem ist sie natürlich zumindest einer der Gründe, warum man den Überfall auf den Iran bereits geplant hat und im Moment nur noch genau abscheckt, ob er wirklich notwendig wird, oder ob man auch ohne dies die generelle Oberhoheit über die ganze Nahostregion einnehmen kann.

Die Europäer haben auch gar keinen Grund, sich deshalb mit den Partner auf der anderen Seite des Atlantik anzulegen, denn sie können schlicht und einfach auf die Zeit bauen. Der Euro als zukünftige Ölwährung wird ihnen wahrscheinlich mit der Zeit sowieso in den Schoß fallen, spätestens dann, wenn China, das im Moment die Hauptlast des US-Dollar trägt, diesen fallen läßt. Der Euro ist der automatische Ersatz und in Europa könnte man auch noch mit Recht betonen, daß man ja gar nicht Schuld ist.

Immerhin hat der Atom-Deal zwischen den Vereinigten Staaten und Indien von letzter Woche eine neue weltweite Kräftekonstellation angedeutet. Wenn die USA und Indien sich eng verbünden, ist damit der Versuch der Isolierung Chinas verbunden, das sich nach Partnern wird umsehen müssen. Es stehen bewegte Zeiten vor uns. Selbst ein Welt-Atomkrieg in absehbarer Zeit ist nicht mehr ausgeschlossen.

Sind Mini-Nukes harmlos?

deutschland

Künftig so gut wie keine Rentenversorgung

Harald Haack – Der deutsche Sozialstaat ist am Ende. Deutlichere Hinweise für diese Schande als der aktuelle Rentenversicherungsbericht, den Arbeits- und Sozialminister Franz Müntefering (SPD) in Berlin vorstellte, wird es kaum noch geben.


„Ihre individuelle Rente“ – „Bitte beachten Sie, dass dies nur eine grobe Einschätzung ist und wir keine zuverlässige Aussage über Ihre individuelle Rente machen können“. – Werbeaussagen von Rentenhaien.

Künftig werden Arbeitnehmern weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung vom Gehalt abgezogen werden, die Beiträge werden sogar noch steigen, doch die Höhe der Rente, die ihnen die Deutsche Rentenversicherung kürzlich als Prognose schriftlich mitteilte, wird niemand erhalten. Gemessen am Beispiel Hartz IV, wie Arbeitslose seitens gut versorgter Politiker gegenwärtig als Sozialschmarotzer diskriminiert werden, wird es Rentnern in Deutschland bald nicht viel anders ergehen.

„Es ist klar, dass von der gesetzlichen Rente alleine der Lebensstandard im Alter künftig nicht mehr gehalten werden kann“, sagte Müntefering und er hätte es auch wesentlich einfacher sagen können: „Kümmert Euch gefälligst um Euren eigenen Dreck!“ Er dringt angesichts des sinkenden Renten-Niveaus auf mehr Privatvorsorge und verschweigt, dass sich damit die Regierung aus der gesetzlich verankerten Rente stiehlt und die Versicherten in die Fänge skrupelloser Rentenhaie treibt.

Nachdem er eine Heraufsetzung des Renteneintrittalters von 65 auf 67 Jahren forderte und dabei mutmaßlich mit dem vorzeitigen Tod etlicher Neu-Rentner spekuliert, womit teilweise Rentenauszahlungen gespart werden könnten, stellt der von ihm präsentierte Bericht nach Modellrechnungen Prognosen für die Entwicklung der Altersvorsorge in Deutschland bis zum Jahr 2019 auf. Demnach soll im kommenden Jahr der Beitrag zur Rentenversicherung von heute 19,5 auf 19,9 Prozent steigen. Dieser Wert soll bis 2012 gehalten werden. Aber gemessen am Unvermögen deutscher Regierungen das Rentenproblem sozial zu lösen und der Sucht der an die Macht gelangter Politiker ständig Reformen durchzuführen und mit Reformen die gerade geleistete Arbeit vorheriger Regierungen zu negieren, sollte man Münteferings Behauptung getrost für das halten was es ist: Reine Augenwischerei und damit Müll.

Nach Münteferings Rechnung müsste der Bund wegen der dünnen Finanzdecke der Rentenkassen 600 Millionen Euro im Jahr 2008 zusätzlich zuschießen. War das nicht der Betrag, den man mit der LKW-Maut zugunsten der Rentenversicherung einnehmen wollte und zwar jährlich? Und hatte man nicht 600 Millionen Euro in das niedersächsische Atomendlager Schacht Konrad investiert, obwohl die 2002 vom niedersächsischen Umweltministerium erteilte Genehmigung durch Klagen zu kippen drohte? Hat die Merkel-Regierung das Geld heimlich für andere Dinge verplant?

Müntefering trommelt jetzt schon den Trauermarsch, obwohl erst 2007 über die Renten entschieden werden. Für das Jahr 2013 nimmt er einen Beitragssatz von 19,6 Prozent an, für die Jahre danach bis 2019 eine Verringerung auf 19,4 Prozent.

Arbeitnehmer, die in diesem Jahr in den Ruhestand gehen, sollen noch mit 52,2 Prozent „Sicherungsniveau“ rechnen dürfen, bezogen auf die Durchschnittseinkommen nach Abzug der Sozialabgaben aber vor den Steuern. 2009 sollen es nur noch 49,9 Prozent sein, 2019 dann 46,3 Prozent: Zielwerte, die bereits mit der jüngsten Rentenreform gesetzt wurden, und bis 2030 soll das Niveau nur noch 43 Prozent betragen. Was Müntefering verschweigt: 2030 wird die Talfahrt der Rentenversorgung gemäß seiner Rechnung nicht abgeschlossen sein. Letztendlich wird es irgendwann trotz einbehaltener Rentenbeiträge keine Rentenauszahlung mehr geben.

Rechtsbeugung in letzter Instanz?

deutschland

Rechtsbeugung in letzter Instanz?

Harald Haack – Selbst der Ex-Ministerpräsident Niedersachsens und nun als Bundesumweltminister tätige Sigmar Gabriel (SPD) zählt zu den Gegnern des Atomendlagers Schacht Konrad bei Salzgitter. Doch das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wies vier Klagen zur Genehmigung von Schacht Konrad ab. Damit hat erstmals ein deutsches Gericht die atomrechtliche Genehmigung eines Endlagers für radioaktive Abfälle bestätigt. In der ehemaligen Eisenerzgrube Schacht Konrad bei Salzgitter sollen bis zu 303.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall eingelagert werden.

2002 hatte das niedersächsische Umweltministerium die Genehmigung für das Endlager für radioaktive Abfälle erteilt. Dagegen waren die Stadt Salzgitter, zwei Nachbargemeinden und zwei Anwohner vor das Gericht gezogen. An drei Tagen hatte das Gericht über die Klagen verhandelt. Laut Gabriel gibt es jetzt nur wenig Spielraum, das Projekt noch zu stoppen. Als Minister sei er wie jeder Bürger auch an Recht und Gesetz gebunden, und ein Gerichtsurteil in letzter Instanz sei bindend. Aber gilt dies auch für ein Urteil, bei dem sich die Richter mutmaßlich der Rechtsbeugung schuldig gemacht haben, weil sie Beweisanträge ablehnten? Zu den Beweisanträgen zählte eine Überprüfung zur der Langzeitsicherheit des Endlagers.

Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, drängelt Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in einem Brief an Gabriel, wie das „Handelsblatt“ berichtet: Glos gehe davon aus, der Umweltminister werde alles Notwendige veranlassen, um die Umrüstung des Schachts Konrad zu einem Endlager zügig zu beginnen. Immerhin habe man schon rund 800 Millionen Euro in den Schacht Konrad investiert, um diesen zu einem Atomendlager zu machen, und mutmaßlich geschah dies fahrlässig und ohne rechtliche Absicherung.

Woher kam das Geld? Hatte man es u.a. den Rentenversicherten „gestohlen“? Der deutschen Rentenversicherung fehlen nämlich 600 Millionen Euro. Aus welcher Ecke kamen die restlichen 200 Millionen Euro?

Glos drängelt, weil das bisher verprasste Geld „aus wirtschaftlicher Sicht eine Realisierung von Schacht Konrad dringen erforderlich“ mache.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa forderte der Umweltminister Gabriel den Wirtschaftsminister Glos zur Einhaltung des Koalitionsvertrages auf. Es sei darin sei festgelegt, es bleibe beim Atomausstieg. Der Koalitionsvertrages enthält laut Gabriel ausdrücklich die Vereinbarung, dass in Schacht Konrad keine Baumaßnahmen erfolgen vor Abschluss des Hauptsacheverfahrens. Minister Gabriel sagte: „Und das gilt solange, wie wir noch kein rechtskräftiges Urteil haben. Ich hoffe, dass Herr Glos allmählich damit beginnt, den Koalitionsvertrag zu lesen, damit er weiß, was er unterschrieben hat.“

Vielleicht ja erfahren die Bürger bis zur Rechtskräftigkeit des Gerichtsentscheids mehr über eventuelle Betrügereien, und wie es dazu kommen konnte, dass unbeirrt 800 Millionen Euro investiert wurden, obwohl die 2002 vom niedersächsischen Umweltministerium erteilte Genehmigung für das Endlager durch die Klagen gefährdet war. Sicherlich ein Grund mehr, die Entscheidung des Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht zu rüffeln und an Rechtsbeugung zu denken. Haben sich die Richter von den getätigten Investitionen „blenden“ lassen?

Künftig so gut wie keine Rentenversorgung
Ein bißchen Rechtsbeugung ist erlaubt. Ein Kommentar von Erich Schöndorf.