kriminalitaet

Aryan Brotherhood auf der Anklagebank

Stephan Fuchs – In den Vereinigten Staaten kommt die Arische Bruderschaft wegen 16 Tötungen vor Gericht. Der Prozess wird am 14. März eröffnet. Es ist der grösste Mordfall der US-Geschichte.

Die amerikanische Gefängnis Gang mit dem sinnigen Tatoo Slogan „Kill to get in. Die to get Out“ wurde 1964 im berüchtigten Gefängnis von San Quentin in Nordkalifornien gegründet. Ziel der «Aryan Brotherhood» war es, in einem Rassenkrieg gegen die «Black Power»-Bewegung anzutreten. Anfänglich ging es vor allem darum, schwarze Mithäftlinge umzubringen.


„Kill to get in. Die to get Out“

Freilich hat sich die Gang weiterentwickelt und knüpfte Kontakte zur Unterwelt, speziell zur New-Yorker Mafia.. Für die Gambino Mafia Familie um den mittlerweile verstorbenen Don John Gotti soll die «Bruderschaft» mindestens zwei Auftragsmorde ausgeführt haben. Die Bruderschaft mutierte zu einer kriminellen Organisation mit rund 15’000 Gangmitgliedern die im grossen Geschäft des Drogenhandels und bei Schutzgelderpressungen mitmischten Den Anführern gelang es, dank entlassenen „arischen Brüdern“, korrupten Wärtern und einem ausgeklügelten Code-System mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

Sechs Jahre lang hat das FBI ermittelt. Jetzt steht die 110-seitige Anklage und der Prozess kann am 14. März eröffnet werden. Im Prozess geht es um 16 ausgeführte und 16 versuchte Morde. 40 Personen sind angeklagt, darunter die Anführer Tyler «The Hulk» Bingham und Barry «The Baron» Mills. Ihnen und 14 weiteren Mitgliedern droht die Todesstrafe.

FBI Dokumente. Abhörungen & Observationen der Aryan Brotherhood. PDF File 156 Seiten. 4,5 Megabyte

vermischtes

Gesundheitsschädigungen mittels eines unnötigen Zusatzstoffes in Arzneien

ARD/Harald Haack – Wer ständig unbeirrt alle Pillen und Kapseln schluckt, die ihm von Ärzten verschrieben oder vom Apothekern empfohlen werden, sollte wissen, dass sich selbst in pflanzlichen Arzneimitteln ein unnötiger Zusatzstoff befinden könnte, der gesundheitsschädlich ist. Wie das ARD-Fernsehmagazin [plusminus berichtete, greifen schwangere Frauen und Eltern aus gesundheitlichen Gründen gerne auf pflanzliche Arzneimittel zurück, die die Chemikalie Dibutylphthalat (DBP) enthalten. Die Hersteller dieser Medikamente behaupten fälschlicherweise in Beipackzetteln solcher Medikamente, es gebe praktisch keine Nebenwirkungen. Doch DBP wird von der Weltgesundheitsorganisation und der EU als „frucht-und entwicklungsschädigend“ eingestuft. In wichtigen Bereichen des menschlichen Lebens, in Babyartikeln, Kosmetika und Spielzeug ist es inzwischen verboten. Doch nicht in Arzneien. Als so genannter Hilfsstoff in den Hüllen von Medikamenten ist DBP weiter zugelassen.


Der Duden habe sich noch nicht mit Phthalaten auseinandergesetzt und wenn man das Wort auszusprechen beabsichtige, sollte man auf sein Gegenüber achten. Es könnte feucht werden. Mit dieser Bemerkung leitete der [plusminus-Moderator zu den Gefahren der Chemikalie über.

Beispiel GeloMyrtol® forte: Im Beipackzettel des Herstellers G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG. ist nachzulesen, dass GeloMyrtol unter die sonstigen Bestandteile wie Rüböl, Gelatine, Glycerol, Hypromellosephthalat und Sorbitol auch Dibutylphthalat (DBP) enthält und „auch in der Schwangerschaft nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ohne Risiko eingenommen werden kann.“ Laut [plusminus ist dies die halbe Wahrheit. Der Wirkstoff der Arznei selbst sei harmlos, doch in der Kapselhülle stecke die gefährliche Chemikalie DBP.

Prof. Andreas Lischka vom Wilhelminenspital in Wien fand Hinweise, das DBP bei ungeborenen Kindern zu Missbildungen der Geschlechtsorgane führt und sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt hat: „Wir finden neben dem Hodenhochstand noch weitere Missbildungen, vor allem die Größe des Genitales kann betroffen sein, aber auch sehr schwere Missbildungen wie eine Harnröhre, die an der Unter- oder Oberseite des Penis’ wie eine Rinne verläuft. Wir sehen heute Zusammenhänge … bei denen vor allem Phthalat eine Hauptursache sein kann.“

Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel gab sich vor der Kamera von [plusminus bigott: „Wir meinen, dass von den Phthalaten in den Mengen wie sie in Arzneimitteln verwendet werden, kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher ausgeht.“ Doch gerade solche Meinungen über chemische Produkte sind es, mit denen viel Geld verdient wird – egal, ob medizinische Erkenntnisse längst Fakten lieferten, die solche „Meinungen“ als niedrige Beweggrund entlarvten und gleichfalls egal, ob Menschen dadurch geschädigt werden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Skandal um das Schmerzmittel Contergan, das Schwangeren verschrieben wurde und das schwerste Missbildungen ihrer Kinder verursachte.


Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel gab sich vor der Kamera von [plusminus bigott.

[plusminus untersuchte gemeinsam deshalb mit dem Institut für Umwelt- und Arbeitsmedizin der Universität Erlangen Urinproben von neun Männern und Frauen auf die Konzentration des gefährlichen Weichmachers DBP in ihrem Körper. Er bewirkt, dass sich die Inhaltsstoffe des jeweiligen Medikaments noch nicht im Magen auflösen. Jeweils ein freiverkäufliches pflanzliches Mittel gegen Erkältung nahmen alle Testpersonen ein. Das Ergebnis der Untersuchung ist erschreckend: Der Grenzwert der Europäischen Lebensmittelbehörde für die Langzeiteinnahme von DBP wurde bis zu 63-mal überschritten. „Dies ist eine Größenordnung, bei der man mit Gesundheitsschäden zu rechnen hat“, bewertet Prof. Dr. Jürgen Angerer das [plusminus-Testergebnis.

Insgesamt gibt es in Deutschland 51 Arzneimittel, in denen der Hilfsstoff DBP enthalten ist. Rund die Hälfte davon ist frei verkäuflich. Bei den Präparaten handelt es sich zum Beispiel um Medikamente gegen Erkältungen, Bronchitis, Asthma, Schlafstörungen, erhöhte Cholesterinwerte oder Eisenmangel. Einige davon sind im Beipackzettel ausdrücklich als für Schwangere geeignet gekennzeichnet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn will die [plusminus-Untersuchungsergebnisse nun „prüfen und dann über eine Einschränkung der Anwendung oder über neue Hinweise auf den Packungsbeilagen von DBP-haltigen Arzneimitteln entscheiden“.

Die Wiederholungstermine der [plusminus-Sendung vom 7.3.:

EinsExtra, Dienstag Nacht, um 01.20 Uhr
Das Erste, Dienstag Nacht, um 05.05 Uhr
EinsExtra, 08.03., 15.30 Uhr
EinsExtra, 11.03., 15.05 Uhr
EinsPlus, 12.03., 20.15 Uhr

[plusminus veröffentlichte zum Sendebeitrag eine Liste mit Arzneimitteln, die Phthalate als Hilfsstoffe enthalten.

deutschland

Der ZDF-Bräunungseffekt

Harald Haack – Anhänger von Verschwörungstheorien sind nicht gerade selten. Glaubt man dem britischen Historiker Richard Overey, so zählen der Österreicher Adolf Hitler und der Georgier Josef Stalin zu den prominentesten, historischen Vertretern dieser Spezies. Sie wurden nicht nur zu Todfeinden, sondern auch zu eifrigen Verfechtern von Verschwörungstheorien, die damals dem weit verbreiteten Bedürfnis nach Feindbildern entsprachen. Hitler und Stalin bogen sich die Wirklichkeit so hin, wie sie gerade in ihre Verschwörungstheorien hinein passte.


Hitler bog sich die Wirklichkeit nach seinem Bedürfnis hin.
Der „deutsche Gruß“ wegen Hitlers Prostata-Leiden?

Laut Overy, der sich vom Zweiten Deutschen Fernsehen für den teuren Liebesfilm „Dresden“ einspannen ließ, glaubte Hitler, Juden müssten überall auf der Welt daran arbeiten, Deutschland zu zerstören und dass wissenschaftliche Erkenntnisse seine Meinung dazu stützten. Dagegen basierte Stalins Weltsicht auf der Idee, bürgerliche Kräfte gefährdeten stets die sozialistische Revolution. Stalin, dessen bürgerlicher Name „Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili“ war, sah in vielen seiner Zeitgenossen, die sich als Kommunisten ausgaben, heimliche, bürgerliche Spione. Wie Hitler war er im Lauf seines Lebens trotz seiner relativ hohen Intelligenz ein primitiver Bastler seiner Weltsicht geblieben und hatte sich unnachgiebig und starr – daher sein Parteiname „Stalin“ (der Stählerne“) seine eigene kleine Welt zusammengekleistert. Diese Phantasiewelt hatte er gefüllt mit überall lauernden, maskierten Feinden.

Hitler und Stalin fanden denn auch unter der Bevölkerung ihrer Länder viele Leute, die einen massiven Feind brauchten. Kleingeistige Bürger gab es damals schon viele. Von mächtigen, weniger mächtigen oder gar ohnmächtigen Feinden konnten sich die Bürger nur distanzieren, weil dies ihr tugendhaftes Empfinden, das ihnen die Propaganda der „großen Diktatoren“ eingeredet hatte, unterstützte und damit die idealistischen Utopien jener Despoten zu verwirklichen schien.

Doch Stalin litt 1936 durch den Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs unter Einkreisungsängste; sie ließen ihn überall nach Agenten suchen. Und weil Hitler angeblich überzeugt war, die Juden zögen Amerika in den Krieg, erklärte er Ende 1941 den USA den Krieg.

Wie viele Möglichkeiten einer anderen Welt bzw. historischer Ereignisse gibt es? Wird es jemals Menschen geben, die sich auf solche komplexen Gedankenspiele einlassen und literarisch Alternativ-Welten zu Hitler und Stalin erfinden und glaubhaft durchspielen? Es wäre zumindest unterhaltsam, und dass Horror zu Unterhaltung genutzt wird beweist die Filmindustrie; nicht nur Hollywood allein. Das Kino des Grauens hat sich schon zu Zeiten des Stummfilms etabliert.

Wie dem auch sei, Hitler und Stalin selbst wurden für heutige Verschwörungstheoretiker zu Artefakte; schließlich kommen Verschwörungstheorien ohne reale Artefakte nicht aus. Und es gibt mittlerweile sicherlich ebenso viele Verleugnungen historischer Tatsachen wie deren Bestätigung. Obwohl die Datenlage umfassend ist, zweifeln immer mehr Menschen an Fakten, die ihnen präsentiert werden.

Erleben wir gerade eine Zeit, in der das Böse relativiert wird? Mehr denn je gibt es Menschen, die an allem zweifeln; besonders wohl an sich selbst und weshalb sie Verschwörungstherorien brauchen, und nicht wenige fragen sich: „Wer war Hitler, wer Stalin? Gab es beide tatsächlich? Sind sie nicht viel mehr Erfindungen einfallsreicher Hollywood-Autoren oder eifriger Historiker unter der Leitung von Guido Knoop?“ Der hatte Hitler vor einigen Jahren in einer ZDF-Dokumentation zum Slow-Motion-Monster stilisiert und mit dramatischer Musik unterlegt – so perfekt gruselig bearbeitet, dass seine Hitler-Darstellung Neo-Nazis erfreute und nun in der braunen Szene kursiert. Gerade das Grauen ist es, das immer mehr Anhänger findet, und Knoop liefert die historischen Zappelbilder. Offenbar ist ihm nicht bewusst, dass seine Kommentare oder die seiner Autoren gelöscht, mit faschistischer Propaganda ersetzt werden und auf DVD gebrannt verteilt werden.

Dank der eifrigen ZDF-Historiker hat „der Führer“, wie er noch heute ehrfürchtig von jenen genannt wird, die die Dokumentationen über das Nazi-Deutschland mit braunen Augen sehen, eine unheimliche Popularität. Hinzu kommt, dass Hitlers Gegröle auch noch aus anderen Fernsehkanälen dröhnt. Aber können Sie sich an eine ZDF-Dokumentation erinnern, in der seine Opfer, als sie noch lebten, ein paar Worte in Richtung einer Filmkamera sagten?

Hitler ist uns allen im Ohr. Es scheint, als würde der Kerl nie mehr verstummen – im Gegensatz zu den Millionen von Toten, die aufs Konto von Hitler und seinen vielen Mittätern gingen. Sie schweigen, wahrscheinlich deshalb – verstehen Sie dies ruhig als Verschwörungstheorie – weil das ZDF deren Stimmen für weniger publikumswirksam hält.

Eigenartigerweise sind sich Anhänger von Antifa und Anti-Antifa angesichts des 10 Millionen Euro teuren ZDF-Zweiteiligers „Dresden“ einig. Sie halten den TV-Quotenrenner, der sicherlich nur durch die Neugier der Zuschauer dazu wurde und keineswegs wegen seiner dramaturgischen und künstlerischen Qualität, als „Verbiegung der Historie“.

War ein von der deutschen Flak abgeschossener, britischer Bomberpilot, danach mehrfach von einer deutschen Krankenschwester gerettet, am Einsturz der Dresdner Frauenkirche schuld?

Im Film hatte das Kirchengebäude den Feuersturm überstanden, brach dann aber zusammen, nachdem der Brite zur Aussichtsplattform hochgestiegen war und diese wieder verlassen hatte, um sich das zerstörte Dresden von oben anzuschauen.

Mit diesem Fauxpas, der wohl aus der Krücke heraus entstanden war, den Fernsehzuschauern ein zurechtgebasteltes, atemberaubendes Panaroma des zerbombten Dresden zu zeigen, aber bricht auch der Film in seiner Glaubwürdigkeit zusammen und findet sich in einem revanchistischen Trümmerhaufen wieder. Daran vermögen auch die nachfolgenden Einstellungen von der Einweihung der wieder aufgebauten Frauenkirche, die als Mahnung gegen den Krieg und als Symbol für Versöhnung gelten soll, nichts zu ändern. Und mit dem Auftreten von Bundespräsident Köhler in „Dresden“, dem ZDF-Spielfilm, an diesem Tag der Einweihung, rutscht sogar noch der Trümmerhaufen der fiktiven Liebegeschichte mit ihrer historischen Rahmenhandlung in eine befremdende Situation. Manch Zuschauer wird sich gefragt haben: Ist der Köhler gar nicht echt?

Kultur des Grauens

kriminalitaet

Militär gegen Drogenmafia

Rio de Janeiro – Erstmals seit Mitte der 90er Jahre sind in Brasilien die Streitkräfte wieder gegen die Drogenmafia in den Armenvierteln von Rio de Janeiro eingesetzt worden. Rund 1200 Soldaten besetzten am Montag insgesamt acht Favelas.

Es habe mehrere Schiessereien gegeben, bei denen ein 15- Jähriger durch einen Querschläger getötet worden sei, hiess es. Vizepräsident José Alencar rechtfertigte die umstrittene Aktion. Der Militäreinsatz in den Slums erfolge im Rahmen einer richterlichen Anordnung.

Auslöser der Aktion, die mit kleineren Einsätzen bereits am Wochenende begonnen hatte, war der Raub von zehn Gewehren und einer Pistole bei einem Überfall auf eine Militärkaserne in Rio am vergangenen Freitag. Die Behörden beschuldigen die Drogenmafia des Überfalls.

„Das Militär will einfach die Waffen zurück und die Verantwortlichen festnehmen“, sagte Alencar. Die Bewohner der Armenviertel kritisierten dagegen das Vorgehen der Militärs. Bei Razzien würden sogar kleine Kinder durchsucht, beklagten sie sich.

deutschland

Hartz IV: Hausbesuche nur bei konkretem Verdacht

Karl Weiss – Ein wichtiges Gerichtsurteil über das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung, auch für Hartz-IV-Empfänger: Das Landessozialgericht Hessen in Wiesbaden hat grundsätzlich entschieden: „Hausbesuche“ der Beschäftigten der Ämter für Arbeit oder der ARGEs darf es nur geben, wenn ein konkreter Verdacht vorliege, nicht als „Routineüberprüfung“, weil es angeblich schon Missbräuche gegeben haben soll. Das letztere würde vielmehr alle Hartz-IV-Empfänger in Generalverdacht stellen, was grundgesetzwidrig ist.

Der konkrete Fall: Eine Wiesbadenerin beantragte Arbeitslosengeld II, nachdem sie aus gesundheitlichen Gründen ihre vorherige Arbeit nicht mehr durchführen konnte und keine andere Arbeit fand. Man teilte ihr mit, der Antrag könne erst genehmigt werden, wenn ein Hausbesuch bei ihr durchgeführt worden sein, um zu überprüfen, ob sie nicht eventuell mit jemandem zusammenlebe, der mit ihr eine „Bedarfsgemeinschaft“ bilde. Sie sah nicht ein, warum sie einen solchen Hausbesuch hinnehmen sollte, nach dem diese weder irgendeinen konkreten Verdacht hatten noch ihr irgendeine Unkorrektheit vorwerfen konnten. Das Grundgesetz aber garantiert die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Ihr wurde die Leistung verweigert, „bis eine Inaugenscheinnahme der Wohnung erfolgen könne“. Sie zog vor Gericht, ohne Geld für einen Anwalt und von Resten lebend. Nun gab ihr letztendlich das Landessozialgericht Recht. Das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung könne nur bei einem konkreten Verdacht angetastet werden, nicht auf der Grundlage, es habe doch schon einmal Missbrauch gegeben.

Das bedeutet, dass in Zukunft kein Hartz-IV-Geschädigter mehr Besuche der Behörde in seiner Wohnung zulassen muss, ohne dass man ihm konkret angibt, mit was er genau Anlass zu einem Verdacht gegeben habe. Allerdings sitzt die Behörde so oder so am längeren Hebel. Sie kann ihm auch nach diesem Urteil die „Stütze“ streichen und dann durch die Instanzen gehen. Es ist keine Straftat, nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit, wenn ein deutscher Behördenmensch gegen das Grundgesetz verstößt.

Wenn man Monate oder Jahre ohne Geld ist, bis man Recht bekommt, dann muss man schon Reste haben, von denen man leben kann. Die ganze Unmenschlichkeit unserer Hartz-IV-Politiker kommt darin so richtig zum Ausdruck.

deutschland

Fake: Vogelgrippe-Bekämpfung am Bodensee

Karl Weiss – In einem sensationellen Augenzeugenbericht hat die Internet-Site rf-news.de mit Datum vom 27.2. 06 aufgedeckt, dass das deutsche Fernsehen (in diesem Fall der SWR) in Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Gesundheitsbehörden einen Fake-Einsatz gegen angebliche Vogelgrippe-Fälle in Überlingen am Bodensee inszeniert hat.

Hier der Augenzeugenbericht: „Ich stand am letzten Freitag auf der Uferpromenade des Bodensees, exakt an der Stelle (Seepromenade vor der Hausnummer 19), an der Feuerwehr und Fernsehteams zusammen kamen, nachdem bekannt geworden war, dass eine hier gefundene tote Ente durch den H5N1-Virus der Vogelgrippe infiziert war. Ich schwöre es: Die anwesenden Enten waren alle im Wasser und munter. Deshalb wurden am Abend im Fernsehen keine Kadaver gezeigt: Es gab keine! Die angeblich infizierte Tafelente wurde auch schon vor zehn Tagen gefunden. Die Feuerwehr hat in aller Ruhe eine kleine Ecke (keine 30 Meter lang) der Promenade abgeriegelt. Davor hatten viele Spaziergänger und Touristen, so wie ich, die Zeit gehabt, auf dem vermeintlich verseuchten Boden rumzutrampeln, und die Viren waren schon längst bis nach Holland verteilt. Ein Riesenzelt wurde errichtet, zwei Feuerwehrleute mit Schutzanzug und Schutzmaske spazierten dann, willkürlich hier und da sprühend vor den Kameras, während ihre Kollegen und die Fernsehleute ungeschützt umher liefen.

Nach knapp zwei Stunden wurde dann alles wieder abgebaut und eingepackt und weg waren sie. Leider habe ich nur wenige Fotos gemacht, denn mir war nicht klar, was die Medien aus diesem Theater machen würden! Am Abend habe ich dann mit großem Interesse das Desaster im Fernsehen verfolgt.

Am Samstag waren die zwei Feuerwehrmänner auf der ersten Seite einiger Zeitungen abgebildet. Die „Süddeutsche Zeitung“ betitelte das Bild mit: „Seuchenbekämpfung an der Uferpromenade“. Weiter heißt es bei der SWR-Internetseite: „Die Behörden bereiten sich auf ein mögliches Massensterben von Wildvögeln am Bodensee vor. Seit dem Vormittag ist deshalb ein Hubschrauber im Bodenseeraum auf Kontrollflug unterwegs.“ Na dann sind wir ja beruhigt …“

Bleiben nur noch Fragen: Warum machen uns die Behörden in Zusammenarbeit mit dem Fernsehen etwas vor? Warum nehmen Fernsehjournalisten nicht ihre Aufgabe wahr, die Wahrheit aufzudecken, sondern arbeiten an Fake-Einsätzen mit? Kann man dem Fernsehen noch irgendetwas glauben?

Um was geht es eigentlich? Sollen wir glauben gemacht werden, man habe bei der Vogelgrippe alles in der Hand und niemand brauche sich Sorgen zu machen?

Aufmacher
Vogelgrippe und Merkel schießt den Vogel ab
Mobile Tötungseinheiten für Schweizer Geflügel
Deutschland: Präventiver Freiheitsentzug für Hühner
Impfstoff gefunden?
Deutschland vor der Katastrophe

Krieg

Die Hetze brandet hoch

Karl Weiss – Im Vorfeld des anstehenden Luftschlages gegen den Iran, der wohl den Iran-Krieg eröffnen wird, haben sich einige Medien bereits auf eine Anti-Moslem-Hetze der niedrigsten möglichen Schublade eingeschossen. Es wird versucht, im Takt von Tagen das plumpest mögliche Niveau von Kriegshetze und Völkerhetze zu erreichen und manches Presseorgan hat dies auch schon geschafft.


Cartoon: Kirk Anderson

Hatte die ‚Welt’ zum Beispiel am 16.2. noch die Hetze eines gewissen ‚Lord Weidenfeld’ ungekürzt im Forum abgedruckt,

„Dieses Regime [das in Teheran] ist ein Gemisch aus populistischer Gossen-Demagogie und religiösem Fanatismus, Bilderstürmerei und dem Lechzen nach moderner Technologie – ein tödliches Elixier des Teufels. Teherans Fixierung auf die Vernichtung Israels, die Dämonisierung des Weltzionismus und die Holocaust-Leugnung sind wohl ernst gemeint, aber nur eine erste Haltestelle auf dem Weg zu einem islamistischen Weltreich.(…) Das Risiko einer militärischen Intervention könnte zwar Opfer in Größenordnungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs mit sich bringen, doch der Triumph des islamistischen Terrors würde an Grässlichkeit alles überbieten, was uns die Weltgeschichte vermittelte.“

so meinte man schon am nächsten Tag, noch einen oben drauf setzen zu müssen und zu beweisen, dass es die Redaktion noch besser kann:

‚Welt’ vom 17.2.2006

„Die größte Gefahr aber geht für die Despoten-Regimes der Region von dem aus, was unter der Zauberformel „Euro-Islam“ immer hartnäckiger durch ihre Grenzen einsickert: das Bestehen darauf, dass Islam und Demokratie eben doch keine unversöhnlichen Gegensätze sind (oder jedenfalls keine bleiben sollten), dass Scharia und Koran doch immer noch getrennte Reiche bilden …“„Nicht die Gotteslästerung, sondern die der tristen Wirklichkeit abgeschaute Darstellung von Moslems als Herdentiere, die sich im Namen der Religion zu allem bereit finden – und dann noch um den Preis der Jungfrauen gebracht werden; finstere, tumbe, in Hass, Neid und Rachsucht zementierte Hinterwäldler, die als menschliche Zeitbomben durch die Welt schleichen.“

Rekapitulation
Also rekapitulieren wir: DIE Moslems (keinerlei Einschränkung gemacht) sind Tiere! Sie sind noch viel mehr: Herdentiere! Und als solche sind sie finstere, tumbe, in Hass, Neid und Rachsucht zementierte Hinterwäldler! Nur eins wird nicht ganz klar: Wie können Tiere als ‚menschliche’ Zeitbomben durch die Welt schleichen?

Also wie war das? Als letztes Jahr im Vorfeld der Bundestagswahlen einige, darunter auch der damalige SPD-Chef und Lafontaine, die „Hedge Fonds“ als Heuschrecken bezeichneten oder die ‚metall’ als blutsaugende Insekten, da ging ein Aufschrei durchs Land. Man dürfe Menschen nicht mit Tieren vergleichen, dies seinen vielmehr Methoden der Hitler-Faschisten gewesen. Lafontaine, so hörten wir damals von einem Geschichtsprofessor der Münchner Bundeswehr-Hochschule, sei daher ein rechter Populist usw. usw.

Und nun? Nun darf man DIE Moslems als Tiere bezeichnen, als Herdentiere? Wo ist der bundesweite Aufschrei? Wo die Stimme des Münchner Professors?

Nichts ist verabscheuenswerter in der Publizistik als Heuchelei. Das ganze Mitleid mit den armen Menschen, die hinter den Hedge-Fonds stehen, war also nichts als Heuchelei. Man wollte lediglich etwas gegen Lafontaine finden. Jetzt plötzlich ist die Tendenz mehr die, einzustimmen in den Chor: „Die Moslems sind Tiere!“

Nicht Fussball sondern Sprengstoff?
Oder beispielsweise die Karikatur in ‚Der Tagesspiegel‘ vom 10. Februar, in der Mitglieder der iranischen WM-Fußballmannschaft mit umgebundenen Sprengstoffgürteln dargestellt sind? (Was soll uns diese Darstellung sagen? Dass der Iran Sprengstoffanschläge in Deutschland plant? Dass der Iran Selbstmordattentäter exportiert? Dafür gibt es keinen Beleg – ebenso wenig wie für die Existenz eines iranischen Atomwaffenprogramms (im Gegensatz zu den bewiesenen israelischen, pakistanischen und indischen Atomwaffenprogrammen).

Auch hier: Man darf Vorbereitung zum Völkermord betreiben, so viel man will, man darf Volksverhetzung betreiben, zum Beispiel alle Moslems als Tiere bezeichnen, man darf Kriegshetze betreiben, DIE Moslems als sinister, tumbe Hinterwäldler bezeichnen, die lebende Zeitbomben darstellen. All das ist erlaubt!

Kein Problem für deutschen Presserat
Kein deutscher Presserat, der irgendein Problem damit hat, kein Münchener Professor – auch H.M.Broder, der immer heuchlerisch darum bemüht ist, dass man Israels Schlächtereinen nicht mit den faschistischen Verbrechen vergleicht, hat keine Problem, wenn die Welt sich versucht mit aller Macht auf „Stürmer“-Niveau zu begeben. Nun, sie mag es noch nicht erreicht haben, aber das Bemühen muss man doch anerkennen. Man sucht und sucht und sucht im Spiegel, im Focus, in den ZDF-Sendungen, bei allen jenen, die so leicht aufschreien und so oft aufschrien – kein Schrei, kein Aufschrei, nichts.

Es ist Kriegshetze-Zeit, da darf man schon mal etwas härter zulangen, nicht, liebe Tagesspiegel-Redaktion? Da ist kein Raum für Aufschreie! Da muss man die Bevölkerung einstimmen, nicht wahr, liebe Welt-Redaktion?

Wieder, wie vor den Jugoslawien-Krieg, vor dem Überfall auf Afghanistan, sind sich die Medien einig: Alle an einem Strang ziehen – in Kriegszeiten kann man nicht fein differenzieren, da muss man gegenhalten, auch wenn’s weh tut, nicht wahr, liebe HaGalil-Redaktion?

Fette Frucht
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“Ja, die Früchte sind zu sehen, sie sind fett und faulen bereits – und sie stammen durchweg von jenen, die Israel hochzujubeln pflegen, es besteht ein enger Zusammenhang von militantem Zionismus und Völkerhetze, Kriegshetze und Rassenhetze gegen DIE Moslems und gegen den Iran. Ihr seid zu erkennen, an euren faulen Früchten!

Und die Hetze hat bereits ihre Spuren hinterlassen: Fast ein Drittel der Deutschen sollen in einer Umfrage bereits positiv zu einem Krieg gegen den Iran stehen. Es hagelt auf die Deutschen herein: „DIE Moslems sind sinister, Zeitbomben!“ „Sie tragen Bombengürtel.“ „Im Turban: Eine Bombe!“ „Es sind Tiere!“

Würde man eine Umfrage in Deutschland machen: „Glauben Sie, dass bewiesen ist, dass das Regime des Iran für die Unterstützung von Terroranschlägen auf Zivilbevölkerung in USA und Europa verantwortlich ist?“ bekäme man wahrscheinlich bereits heute eine hohe Zahl von Ja-Antworten. Dabei hat kein einziges der großen Massenmedien diese Behauptung aufgestellt. Es wäre auch zu einfach, sie der Lüge zu überführen. So arbeiten sie mit Karikaturen, der Bombe im Turban und dem Bombengürtel der iranischen Fussballmannschaft. Das bleibt haften.

Back to the Future?
Die Deutschen wurden schon einmal mit einer solchen Propagandakampagne überzogen, die hauptsächlich mit Eindrücken, Gefühlen, Appellen ans Unterbewusstsein arbeitete. Als die große Politik die Grundgesetzänderung vorbereitete, die das Asylrecht am Ende praktisch völlig aufhob, wurde mit fast täglichen Wellen von Meldungen über „Asylmissbrauch“, „überschwappende Wogen von Asyl-Einwanderern“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“ die öffentliche Meinung in Deutschland vorbereitet. Die Tagesschau im Ersten zeigte täglich mindestens eine Meldung darüber, die jeweils von einem Symbol begleitet war, das über dem Sprecher schwebte wie ein drohendes Ungeheuer: Eine stilisierte Menschenmenge, die den Grenzzaun überschreitet.

Das Ergebnis dieser Hetz-Kampagne war damals, dass in einer Umfrage ein großer Teil der Deutschen angab, es seien bereits die Hälfte der deutschen Bevölkerung Ausländer, obwohl der Ausländeranteil an der Bevölkerung damals wie heute nicht einmal 4% erreicht (und darunter viele, die in Deutschland geboren wurden und längst eingebürgert sein müssten).

In den USA z.B., in dem der Irak-Krieg mit einer solchen Hetzkampagne vorbereitet wurde, glauben heute noch mehr als vierzig Prozent der Befragten, dass Saddam Hussein Chemische und Biologische Waffen hatte und nach der Atombombe strebte.

Wir müssen darum unseren Teil dazu beitragen, dass es diesmal nicht gelingt, das deutsche Volk in Kriegsstimmung zu bekommen. Sprechen wir in der Familie und mit Freunden über diese Hetze und was da wirklich dran ist. Entdecken wir in den Aussagen in Fernsehnachrichten und –Magazinen und in unseren lokalen Zeitungen solche absurden Hetzartikel und -texte und senden wir sie an die Redaktion von Journalismus Nachrichten von Heute, um sie anzuprangern oder stellen wir sie gleich als abschreckende Beispiele ins Forum!

Illustration: Kirk-Anderson

kultur

Syriana

Sonja Wenger – Syriana» bedeutet im Fachjargon der amerikanischen Politik ein fiktives Staatsgebilde im Nahen Osten, welches nach westlichen Vorstellung geformt und kontrolliert werden kann. Basierend auf diesem Gedanken ist der Film «Syriana» eine lockeres Geflecht von über acht Handlungssträngen, die aber genau so passieren könnten oder vielleicht in diesem Moment gerade zu Realität werden.


Politischer Film der unter die Haut geht

Regisseur/Drehbuchautor Steven Gaghan («Traf. c»), hat zusammen mit dem Produzenten Steven Soderbergh («Erin Brockovich») und dem Schauspieler/Produzenten George Clooney («Ocean’s Eleven», «Three Kings») einen politischen Film geschaffen, der unter die Haut geht. Basierend auf dem Buch des ehemaligen Geheimdienstlers Robert Baer «Der Niedergang der CIA» geht es um die Verstrickungen der US-amerikanischen Öl-Interessen im Nahen Osten. Clooney ging es jedoch nicht in erster Linie darum, einen politischen Film zu machen, sondern um die Debatte darüber: «Filme können bestenfalls Diskussionen anregen.» Und der Regisseur fügt hinzu: «Die grösste Sucht, unter der wir heute in den USA leiden, ist die Abhängigkeit von billigem Öl aus dem Ausland.»

Diese Abhängigkeit wird aufgezeigt durch die Vernetzung der Geschichten um den Zusammenschluss zweier US-Ölkonzerne, dessen Kontrolle durch das amerikanische Justizministerium, einer Anwaltskanzlei und einem arabisches Emirat. Dessen Königshaus wird aufgerieben zwischen den Interessenskonflikten um den Ausverkauf seiner Ressourcen.

Der Bogen zieht sich weiter über einen Wirtschaftsberater, einen desillusionierten Agenten der CIA, der Hisbollah in Beirut bis hin zu den pakistanischen Gastarbeitern im Emirat, welche am untersten Ende der Nahrungskette die Konsequenzen der politischen Entscheidungen zu tragen haben. Hinter jedem dieser Handlungsstränge steht ein Mensch mit seinem Alltag, seinen Bedürfnissen, seiner Familie und genau dieser Erzählstil bringt den Film dem Publikum so nahe, macht ihn nachvollziehbar.


«Syriana» ist keine leichte Kost und die Hoffnungsträger gewinnen nicht.

Aber auch die Details in Ausstattung und Kostümen, der Dreh zum Teil an Originalschauplätzen, die Konsistenz der Sprachen (Clooney als Farsi sprechender Agent ist absolut glaubwürdig) tragen zur Authentizität des Films bei. Zudem ist es eine Ensemblestück für grosse Schauspieler und Schauspielerinnen, der Film ist bis zu den kleinsten Nebenrollen treffend besetzt. Neben George Clooney sieht man unter anderen Chris Cooper («Adaption»), Jeffrey Wright (Titelrolle in «Basquiat»), Christopher Plummer («The Insider»), Matt Damon («The Bourne Identiy»), Alexander Siddig («Star Trek: Deep Space Nine»), Amanda Peet («Something’s Gotta Give»), William Hurt («Broadcast News») und in seinem Kinodebüt Mazhar Munir («Doctors» auf BBC) als ein junger pakistanischer Gastarbeiter.

Es ist diese Geschichte eines jungen Pakistani, die alles miteinander verbindet und einen besonderen Nachklang hat. Beinahe zum ersten Mal kann man mitverfolgen, wie «ein Mensch von den Fundamentalisten vereinnahmt und mit dem Terror in Berührung kommen kann.» Die unheilvolle Spirale aus Armut, Diskriminierung und Hoffnungslosigkeit soll «keine Entschuldigung sein, aber Schubladendenken funktioniert hier eben nicht mehr.»

Eine weitere Schlüsselszene des Films handelt von der Korruption. Sie sei «die Einmischung des Staates in die Selbstregulierung des Marktes durch gesetzliche Bestimmungen.” Und weiter: «Gesetze gegen die Korruption sind doch nur dazu da, um sie florieren zu lassen. Korruption schütz uns, sie hält uns warm. Korruption bedeutet, dass wir am Ende immer gewinnen.» «Syriana» ist keine leichte Kost und die Hoffnungsträger gewinnen nicht. Doch der Film dämonisiert, pauschalisiert oder urteilt nicht, denn keine der dargestellten Personen sind nur Opfer oder Täter. Allerdings gibt er auch keine Antworten auf die brennenden Fragen, und vor allem keine «netten kleinen Lektionen fürs Leben ». Keine Rede also von der vielbesungenen Ignoranz der USA, sondern vielmehr ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Realitäten.

Es ist wohltuend intelligentes Kino, kurzweilig und topaktuell. Es gehört zu jener Sorte Geschichten, die man sich wünscht, wenn man wieder einmal an der Komplexität der Welt, ihren unüberschaubaren Verknüpfungen oder an einer Überdosis CNN zu scheitern droht.

Diese Filmkritik erschien Berner ensuite kulturmagazin.

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„Das System ist korrupt!“

Karl Weiss – Am Sonntag, den 19.2.06 gab es ein bemerkenswertes Spektakel auf dem Sender CNN International zu sehen: Larry King interviewte die beiden Helden des Watergate-Skandals, Woodward und Bernstein, zur aktuellen Situation in der Politik der Vereinigten Staaten. Bernstein sagte u.a.: „Das ganze politische System in den Vereinigten Staaten ist korrupt.“


Wie viel Journalisten gibt es schon, von denen man sagen kann, sie hätten wesentlich zum Rücktritt eines US-Präsidenten beigetragen.

Die beiden, damals junge Journalisten im Dienst der ‚Washington Post’, wurden durch einen Informanten, der anonym blieb („Deep Throat“), auf die Machenschaften des damaligen US-Präsidenten Nixon und seiner führenden Assistenten aufmerksam gemacht. Sie recherchierten und die Chef-Redaktion der ‚Washington Post’ entschied, den Skandal ans Tageslicht zu bringen (was das letzte Mal war, dass diese einen solchen Mut aufbrachte). Kriminelle waren im Auftrag des Präsidenten in das Wahlhauptquartier der gegnerischen demokratischen Partei im Watergate-Hotel in Washington eingebrochen und hatten sensibles Material gestohlen, das mit dazu beitrug, dass Nixon damals die Wahlen für eine zweite Amtszeit gewann.

Im weiteren Verlauf des Skandals versuchte Nixon verzweifelt, den Skandal zu vertuschen. Die Helfer Ehrlichmann und Haldemann mussten für ihn die Schuld auf sich nehmen und bekamen sogar kleine Gefängnisstrafen. Am Ende stolperte Nixon über seine eigenen Lügen bei den Vertuschungsversuchen und musste zurücktreten.

Woodward und Bernstein wurden für einen Teil der US-Amerikaner und viele Journalisten zu Helden. Wie viel Journalisten gibt es schon, von denen man sagen kann, sie hätten wesentlich zum Rücktritt eines US-Präsidenten beigetragen. Es wurde ein Film gedreht, in dem Robert Redford den Woodward und Dustin Hoffman den Bernstein spielte. Der Film war ein grosser Erfolg.

Das alles war in den Siebziger Jahren. Heute sind Woodward und Bernstein ältere Herren und wohletablierte Journalisten in den USA, die hauptsächlich von ihren Büchern leben. Umso interessanter, was sie nun auf Larry Kings Fragen zu dem Lobby-Skandal oder auch Abramoff-Skandal (Die Berliner Umschau berichtete schon davon) sagten. Ihr Urteil war vernichtend, nicht nur für den Präsidenten und seine republikanische Partei, sondern für das ganze politische System der USA. „It`s all about money.“ „Es geht nur ums Geld.“ „Its not about this lobbyist, it`s all corrupt.“ „Es geht nicht um diesen Lobbyisten (Abramoff), es ist alles korrupt.“ „It`s a corrupt system.“ „Es ist ein korruptes System.“

Der Skandal hatte u.a. aufgedeckt, dass das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten des Repräsentantenhauses wie auch von Senatoren von zahlungskräftigen Interessengruppen für gutes Geld zu kaufen war, wenn bestimmte Lobbyisten an bestimmten Abstimmungen interessiert waren. Im Einzelfall schrieben sogar Interessenvertreter die Reden von Parlamentariern. Das betraf zwar überwiegend republikanische Volks-„Vertreter“, aber auch demokratische.

In der US-Öffentlichkeit versucht die Politik krampfhaft den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Einzelfälle, um einige wenige „faule Äpfel“, aber was die beiden renommierten Journalisten sagen, ist etwas anderes. Man kann davon ausgehen, daß sie solche Dinge nicht leichtfertig aussprechen, denn sie, wenn überhaupt jemand, wissen um die Brisanz von weitgehenden Aussagen, die man an die Öffentlichkeit bringt.

Wohlgemerkt handelt es sich nicht um den Irak-Krieg, nicht um die Abhör-Affäre, jene beiden Themen, die momentan die Hauptgründe für die niedrige Popularität des Präsidenten Bush in seinem Land sind, sondern „nur“ um den Skandal des Kaufs von Abgeordnetenstimmen, der in großen Teilen außerhalb des Interesses der europäischen Medien abläuft.

Damit kann man davon ausgehen, dass das politische System der Vereinigten Staaten von Amerika heute nicht einmal mehr formal eine Demokratie ist, dass Wahlen und Abstimmungen nichts als ein Rauchvorhang sind, um die unmittelbare Auslieferung der US-Machtorgane an die Meistbietenden zu verschleiern.

Deep Throat outet sich
Geheimnis um Watergate bald gelöst – Deep Throat angeblich todkrank
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vermischtes

Coca Cola bald pleite?

Harald Haack – Droht dem Coca-Cola-Kern weltweit die Pleite? Oder ist es nur eine deutsche Kränkelei, die den Konzern veranlasst in Deutschland ein Drittel von insgesamt rund 9.000 Stellen zu streichen?

Fest steht, obwohl nach Angaben des Unternehmens noch keine Entscheidung gefallen ist, dass es Schwund bei Coca Cola geben wird. Acht Abfüllbetriebe, die in Lizenz von Coca-Cola arbeiten, will der amerikanische Konzern bündeln, um damit die Kosten zu senken. Standortschließungen seien nicht geplant, sagte der Konzernsprecher, aber nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) wackelt jeder dritte Job bei der deutschen Coca-Cola-Tochter Erfrischungsgetränke.

Als Grund für den möglichen Stellenabbau nannte Coca Cola die bevorstehende Änderung des Pfandsystems. In Deutschland wird von Mai an ein einheitliches Rückgabesystem eingeführt. Sämtliche Einwegflaschen müssen von Händlern zurückgetauscht werden. Elitäre Lösungen wie von Aldi und Lidl, nur selbst ausgegebene Flaschen zurückzunehmen, werden dann der Vergangenheit angehören. Da dann angeblich weniger Personal benötigt wird könnten nach Angaben von Experten bei den Abfüllern viele Stellen wegfallen. Die rot-grüne Regierung hatte das Pfand für Einwegflaschen eingeführt und Arbeitsplätze geschaffen, aber unter der rot-schwarzen Regierung werden demnach Arbeitsplätze vernichtet. Ob der Coca-Cola-Konzern die Kostenersparnis an die Verbraucher weitergeben und die Preise für seine Getränke senken wird, wurde bislang nicht bekannt. Falls es keine Preissenkung gibt, muss es wohl kritisch um Coca Cola stehen.

Die Welt ohne Coca Cola? Ist das denkbar?