deutschland

Sozialversicherung: Beitragszahlern drohen offenbar drastische Einschnitte

Ist Deutschland der Selbstbedienungsladen für Politiker, wie es Karl Weiss andeutet? Oder bewerfen sie, die Rechten und Selbstgerechten in ihrem Glashaus, Kritiker und Volk mit verleumderischen Behauptungen, wie Harald Haack es erkannte? Überrascht hat uns ein Text, den der Unternehmensberater Egon W. Kreutzer schon Mitte 2003 als Leserbrief veröffentlichte. Sein Inhalt hat nichts an Aktualität verloren, obwohl es in Deutschland inzwischen einen Regierungswechsel gab. Die Politiker wechselten, aber die Lobbyisten nicht. Am Drama des Polittheaters „Deutschland“ hat sich nichts geändert. Müssen sich Deutsche nun ernsthaft fragen: Wozu eigentlich die Landtags- und Bundestagswahlen, wenn die Lobbyisten regieren und bei den Wahlen nur wieder neue Marionetten für diese „Puppenspieler“ gewählt werden?

Sozialversicherung: Beitragszahlern drohen offenbar drastische Einschnitte

Leserbrief von Egon W. Kreutzer – Wäre Raffelhüschen der erste und einzige Wissenschaftler/Politiker/Lobbyist, der das Heil des Sozialstaates in einer erhöhten Vermehrungsrate sieht, man könnte lächelnd darüber hinweggehen.

Wahr ist, daß wir derzeit über vier Millionen erwachsene arbeitsfähige Menschen mehr haben, als die Wirtschaft in Deutschland zu beschäftigen gewillt ist.

Wer unter diesen Rahmenbedingungen mehr Kinder, längere Wochen- und Lebensarbeitszeiten und den Verzicht auf Lohnbestandteile fordert, um die Sozialsysteme zu stützen, wird im Endeffekt nichts anderes erreichen, als die Summe der Bruttolöhne- und Gehälter weiter zu senken, was – bei unveränderten Kosten – zu steigenden Sozialversicherungsbeiträgen führen muß.

Wahr ist, daß alle Finanzierungsprobleme weitaus geringer wären, wollte man sich endlich von der einseitigen Belastung des Faktors Arbeit verabschieden und wahr ist auch, daß viele Probleme und Kosten in unserer Gesellschaft erst dadurch entstehen, daß wir zu den Ländern mit der größten Bevölkerungsdichte auf dieser Welt gehören.
Auch die ungünstige Form der Alterspyramide – um den Einwand vorwegzunehmen – ist doch zunächst nur eine Information, die nur einen Parameter im Umfeld des Problems beleuchtet. Stellt man dieser Information eine Übersicht der Verteilung der Vermögen der Privathaushalte gegenüber, wird die Bevölkerungspyramide schnell zur belanglosen Größe!

Das „deutsche Problem“ besteht hauptsächlich darin, daß man das eigentliche Problem nicht zur Kenntnis nimmt und stattdessen immer nur in dem kleinen Bereich herumstochert, in dem die Lebensinteressen der sogenannten „kleinen Leute“ als Dispositionsmasse zur Verfügung stehen. Daß es nach vielen Jahren falscher Politik auch dort schmerzhaft eng wird, scheint aber noch lange keine Grund zum Umdenken zu sein, ganz im Gegenteil, jetzt muß dort erst recht gekürzt und gespart, und schmerzhaft eingeschnitten und enger geschnallt werden, während Vermögen und Vermögenseinkünfte immer weiter entlastet werden (damit sich „Leistung“ wieder lohnt) und wenn das alles nichts hilft, dann müssen eben die Frauen ran und die dringend benötigten Verbraucher in die Welt setzen.

Wir, als Exportweltmeister im Lohnstückkostenwunderland und Milliardärseldorado, sollten gelegentlich den Blick über den Tellerrand wagen und vielleicht einmal zuhören, wenn z.B. Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt der UNCTAD, über unsere vermeintlichen Probleme, über die untauglichen Rezepte von Rürup, Raffelhüschen, Hartz, Hundt & Co. spricht und dazu die in der deutschen Öffentlichkeit nicht diskutierten Lösungsansätze anbietet.

Mittwoch, 30. Juli 2003 08:48
Egon W. Kreutzer, Kühbach

Egon W. Kreutzer
Wie leicht man sich übers Ohr hauen lässt
Steinewerfer im Glashaus?
Rentenschlappe und Kalter Krieg

terror

Sinn-Fein-Chef Adams auf US-Flughafen verhört

Karl Weiss – Die Sinn Fein, politischer Flügel der IRA, Irisch-Republikanische Armee, wurde nach dem „Karfreitags-Frieden“ mit den britischen Behörden nicht mehr als „terroristische Organisation“ angesehen, sondern als „Friedenspartner“. In den Vereinigten Staaten hat man dies allerdings noch nicht bemerkt.


Nach einem Empfang im Weißen Haus verhört worden

Gerry Adams, der gewählte Führer dieser Organisation, wurde bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten aus Anlass des St.-Patrick-Day nach einem Empfang im Weißen Haus am Washingtoner Flughafen als Mitglied einer terroristischen Vereinigung einer stundenlangen Befragung in einem geschlossenen Bereich des Flughafens unterzogen. Er war in Begleitung eines US-Kongressabgeordneten, wurde aber in den geschlossenen Bereich ‚gebeten’, ohne dass dieser etwas machen konnte.

Die Liste der US-Regierung über terroristische Personen enthält, wie man aus US-Medien entnehmen konnte, mehr als 300.000 Personen. Wenn Sie also das nächste Mal in die USA reisen, sehen Sie sich zunächst an, ob Ihr Name nicht mit einem arabischen Namen verwechselt werden könnte. Fängt Ihr Name vielleicht mit Al an? Oder auch Hamann könnte verdächtig sein. Aber auch ohne solche Ähnlichkeiten sind sie keineswegs gefeit, wie der Fall Gerry Adams zeigt.

Vielleicht überlegen Sie sich doch einmal, ob die Reise unbedingt notwendig ist. Es kann einem nämlich leicht passieren, dass man, bevor man sich versieht, in Guntánamo oder einem der beliebten Folterlöcher in Drittstaaten landet. Man glaube nicht, dass die Tatsache, dass Sie nichts mit Terror am Hut haben, sie da beschützt. Wie die letzten Erkenntnisse über die in Guantánamo Gefolterten zeigten, hatten die auch fast alle nichts damit am Hut.

Adams war begleitet von einem US-Abgeordneten und konnte so nach einigen Stunden schon freikommen. Ausserdem ist er, wie man den Sheriffs wohl mitgeteilt hat, eine berühmte Person. Aber Sie?

Wenn Sie erst einmal gefoltert wurden, werden Sie schnell zugeben, dass Sie in Wirklichkeit bei Al-Qaida sind.

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Wie leicht man sich übers Ohr hauen lässt

Karl Weiss – Landauf, landab wird der Zusammenhang zwischen einer angeblich mangelnden Bereitschaft, in Deutschland Kinder zu bekommen und der gähnenden Leere in den Rentenkassen hergestellt. Politiker und Schein-Wissenschaftler wie Eekhoff und Raffelhüschen schlagen vor, Kinderlosen die Renten noch weiter zu kürzen.

Ein Journalist meinte gar, bei den Sozialhilfeempfängern, die angeblich auf Kosten Anderer leben würden, die wahren Schuldigen gefunden zu haben. Es wurde sich sogar zu der Formulierung verstiegen, bei einer Geburtenzahl von um die 600.000 neuen Deutschen pro Jahr würden in Zukunft ganze benötigte Müttergenerationen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Dass der Medien-Mainstream in der Regel die Sprechblasen der Politiker nachbeten und noch gehorsamst etwas runder ausfüllt, ist nicht neu. So wundert es nicht, dass ‚Süddeutsche’, ‚Welt’, die ‚Tagesschau’, ‚heute’ usw. wie in einer Gebetsmühle wiederholen: „Die Renten müssen sinken, weil die Deutschen so wenig Kinder bekommen…..“. Aber auch in alternativen Medien und im Internet liest man Artikel, in denen dieser Quatsch für bare Münze genommen wird.

Also, lasst uns das Politikergerede durchschauen: Die Rentenkasse und die Geburtenzahlen haben nichts, absolut nichts miteinander zu tun! Nichts! In die Rentenkasse fließt immer weniger Geld, weil an die 10 Millionen Arbeitsplätze abgebaut wurden in der Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten! Wer keine Arbeit hat, kann auch keine Rentenbeiträge zahlen (die geringfügigen Zahlungen des Staates für die Arbeitslosen können unberücksichtigt bleiben). Die Verursacher der Ebbe in der Rentenkasse sind hauptsächlich (neben den Politikern) die Arbeitsplatzvernichter in den Konzernzentralen! Die 10 Millionen vernichteten Arbeitsplätze entsprechen annähernd der Gesamtzahl der Arbeitslosen in Deutschland, wenn man alle aus der Statistik hinausgesäuberten mitzählt. Hätten die Deutschen sich weiterhin vermehrt wie im Spitzenjahr 1964, hätte man heute in Deutschland 20 Millionen Arbeitslose statt 10 und so gut wie keinen Pfennig mehr in der Rentenkasse!

Aber es gibt noch einen ganz anderen Grund, warum Geld in den Rentenkassen fehlt: Die Politiker haben sie geplündert. Im Einzelnen hat dies bereits vor einem halben Jahr die Elmar Getto in der Berliner Rundschau berichtet.

Für jene, die es kurz und heftig lieben: Zu Beginn der Bundesrepublik war die Rentenversicherung keineswegs ein ‚Generationenvertrag’. Sie war vielmehr wie eine Lebensversicherung mit Rentenauszahlung aufgebaut. Als sich dann aber Milliarden und Abermilliarden in dieser Rentenkasse angehäuft hatten, wurde die Begehrlichkeit der bürgerlichen Politiker geweckt. Sie führten die Milliarden in ihren normalen Haushalt über und stellten die Rentenkassen auf das ‚Generationenvertrag-Modell’um.

Hoch und heilig versprochen
Tut man dies aber, so muss man sicherstellen, dass die Renten im Großen und Ganzen auf der gleichen Höhe verbleiben, wie beim Lebensversicherungsmodell. Das hatten damals die Politiker natürlich auch hoch und heilig versprochen, aber inzwischen wissen wir ja, was man auf Politikerschwüre geben kann. Auch später wurde immer und immer wieder, mit jeder neuen Rentenverschlechterung unter dem Deckmantel „Rentenreform“ versichert, die Renten seien „sicher“. Nun plötzlich glaubt Müntefering es sich leisten zu können, einfach zu sagen, sie seien eben nicht sicher, man brauche vielmehr eine private Zusatzversorgung.

Faktisch werden die Beitragszahler der Rentenversicherung enteignet. Sie bekommen oft nicht einmal zurück, was sie eingezahlt haben, ganz zu schweigen von der Summe, die ihnen eigentlich zusteht, nämlich jene, die sie bekämen, wenn sie die gleichen Beiträge in eine durchschnittliche Lebensversicherung mit Rentenauszahlung eingezahlt hätten. Da es sich um eine Pflichtversicherung handelt, hätten natürlich die Politiker auch die Pflicht gehabt, diese Höhe im Grossen und Ganzen zu garantieren.

Nun haben die Politiker Angst, dass die breite Bevölkerung diese Zusammenhänge erkennt und sie dorthin schickt, wo sie hingehören. Deshalb müssen sie mit abenteuerlichen Argumentationen über niedrige Geburtenraten und wahnwitzigen Lebenserwartungen die Aufmerksamkeit von den Fakten ablenken.

Es lohnt sich, die Wahrheit im genannten Artikel nachzulesen.

Aktuelles Dossier „Renten“ von Elmar Getto im PDF Format
Steinewerfer im Glashaus?
Rentenschlappe und Kalter Krieg

weird world

Kein Porridge für Her Majesty’s Gefangene

Stephan Fuchs – das schottische Frühstücksgericht, bei den Britten äusserst beliebt, war auch den Häftlingen in englischen Gefängnissen täglich vergönnt. War. Das gekochte Papgericht aus Haferflocken, Milch und Zucker wird nun gestrichen. Es ist zu teuer.

Anstelle des warmen und stärkenden Frühstücks kommt nun ein Breakfast Pack zum Einsatz. Das Packet wird abends in die Zellen verteilt und der Inhalt morgens gegessen werden. Im Packet sind Flocken, UHT Milch, Brot, Marmalade und selbstverständlich Tee enthalten. Das Set kostet 27 Penny, umgerechnet 0,38 Euro.

Das Essens- Budget für Erwachsene Häftlinge à drei Malzeiten beträgt 1,87£, rund 2,7 €. Geschätzt werden die Pakete weder bei den Häftlingen noch bei den Wärtern. Für die Gefangenen heisst das Packet vermehrte Eintönigkeit bei den Malzeiten und weniger Kontakt. Für die Wärter bedeutet das Schachtelfrühstück weniger Arbeit… und logischerweise Entlassungen.

Porridge ist ein wichtiger Bestandteil britischer Kultur. Es ist Fettarm, aber reich an Proteinen. Mit dem Wegfall von Porridge gibt es nun nur noch eine warme Malzeit. Das Mittagessen. Für Spitäler werden pro Tag 2.50£ und für die Armeeangehörigen 2£ eingerechnet.

kriminalitaet

Unglaubliche Zusammenarbeit von Behörden mit Mafia-Organisation

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Die größte Tageszeitung Brasiliens hat am Dienstag berichtet, dass die brasilianische Armee ohne Erfolg auf der Suche nach gestohlenen Waffen einen unerhörten „Deal“ mit einer der großen kriminellen Mafia-Organisationen eingegangen sei: Gegen die Rückgabe der Waffen sollen die Einkreisungen der Favelas aufgehoben werden, damit die Mafia wieder ungestört ihren Drogen-Geschäften nachgehen kann.


Deal mit dem Heer

Die brasilianische Armee dementierte diese Meldung, aber die „Folha de São Paulo“ bestätigte erneut, dass ihr eindeutige Informationen über diesen Deal vorliegen. Nach Angaben der Zeitung hatte die kriminelle Drogen-Organisation „Rote Fraktion“ bereits am Sonntag die gestohlenen Waffen an das Heer übergeben, nachdem man einen umfangreichen Deal abgeschlossen hatte.

Der hätte im Einzelnen folgende Punkte beinhaltet:
Die Eingänge zu den Favelas würden wieder freigegeben, so dass die Drogenorganisation wieder ihren kriminellen Geschäften nachgehen kann.
Die Waffen würden präsentiert, als hätte sie das Heer gefunden – und zwar in einer Favela, die nicht von der „Roten Fraktion“ beherrscht wird.
Einer der Unterführer der „Roten Fraktion“, der in einem Hochsicherheitsgefängnis einsitzt, wird in ein normales Gefängnis überführt.

Tatsächlich sind seit Montagvormittag die Eingänge der Favelas wieder freigegeben. Tatsächlich hat das Heer am Dienstagnachmittag die gestohlenen Waffen angeblich gefunden und sie dann der Öffentlichkeit präsentiert. Sie seien in der Nähe der Favela Vidigal gewesen. Diese Favela wird nicht von der „Roten Fraktion“ kontrolliert.

Die Armee erklärte, man werde nun auf die Suche nach den Verantwortlichen für den Raub gehen. Dazu werde man in einzelne Favelas eindringen und bestimmte Personen suchen.

Die Darstellung der Zeitung ist glaubwürdig. Ein solcher Deal ist umso unglaublicher, da es sich lediglich um zehn Gewehre und eine Pistole handelt, ein Klacks gegen die bereits vorhandene Bewaffnung der Drogen-Banden. Damit hätte sich der brasilianische Staat in eine Zusammenarbeit mit kriminellen Großorganisationen begeben, die allen Grundregeln eines souveränen Staates widersprechen. Zumindest eine der Mafia-Organisationen, die bereits Teile des brasilianischen Staatsgebiets kontrollieren, hätte einen fast-offiziellen Charakter als Verhandlungspartner der Behörden bekommen. Dies ist Kapitalismus in seinem Verfallsstadium.

vermischtes

Der Tod ist ein Grinsemann

Harald Haack – Alle Menschen haben wenigstens eines gemeinsam, auch wenn sie künftig keine natürliche Geburt mehr haben werden – was gegenwärtig schon anklingt wie das zarte Ping eines beschwipsten Mauerseglers, der die Kurve nicht kriegt und gegen eine Kirchenglocke prallt. Der Tod erwartet sie alle – Mauersegler mit gebrochenem Genick und Menschen, die wussten, wann sie den Kopf einzuziehen hatten.

Geburt und Sterben sind die intimsten Augenblicke des Lebens. Sie wurden aber nicht so lukrativ vermarktet wie der Zeugungsakt, der in Abermillionen mehr oder weniger schmuddeligen Fotos und Filmen wie auch in archaischen Darstellungen früher Zivilisationen immer wieder dargestellt wurde. Die Brutalität von Geburt und Tod jedoch ist alles andere als inspirierend.

Wer seinen letzten Atemzug tat und zum Fraß von Maden und Bakterien wurde, der grinst in seinem dunklen Grab; nicht gerade für die Ewigkeit, aber manchmal länger als ein Menschenleben.

Doch nicht alle Toten grinsen in ihrem Grab. Wer während seines Lebens andere Menschen erheiterte, fürchtet sich offenbar vor diesem Dauergrinsen als Toter, will sich nicht mit Grinsspangenträgern der Stars der Schlager- und Volksmusikbranche in einen Sarg bzw. in ein Massengrab werfen lassen; irgendwann muss die Volksbelustigung, mit der man sich seinen Lebensunterhalt einst verdiente, zu Ende sein. Auch ein Komiker hat schließlich das Recht auf Würde nach seinem Ableben.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich, dass ich mich an keinen exzellenten Komiker und Unterhalter erinnere, der sich jemals während seiner Sketche entwürdigte.

Wer sich aber entwürdigte, kann kein Komiker sein; oder er ist ein Versager wie Adolf Hitler, der als Despot nur wie ein Komiker wirkte. Charles Chaplin, der ihn persiflierte, war ein dagegen ein Komiker, der Menschen zum Lachen brachte und keineswegs zum Weinen. Hitler aber trieb Menschen in den Tod und entwürdigte sich. Chaplin blieb dagegen Mensch und bewahrte sich seine Würde, wenn auch die amerikanische Justiz ihn verfolgte.

Komisch ist das Unerwartete. Ephraim Kishon war einer dieser Meister des Unerwarteten – desgleichen die Erwartung mit jeder seiner Satiren stieg. Und er lehrte uns: Komisch ist nicht nur das Unerwartete, sondern auch die Leichtigkeit, mit der uns das Unerwartete dargeboten wird. Wer sich jemals wie Kishon an komischen Erzählungen versucht hat, weiß, wie schwer diese „Leichtigkeit“ sein kann. Vom deutschen Showmaster Peter Frankenfeld, dessen einziger Makel sein Grinsen war (aber zugleich auch ein Sympathie tragendes Element für seine Zuschauer) wurde überliefert, wie sehr er sich mit dem Unerwarteten plagte. Auch von Heinz Ehrhardt, dessen Grab ich übrigens regelmäßig besuche, wenn ich mit dem Fahrrad über den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg radle, ist bekannt, dass er für sich selbst zu einem Despoten seiner witzigen Verse wurde. Millionen von Fernsehzuschauern und Kinobesuchern ahnten nicht, wie dieser Mann in der Erstellung dessen gelitten hatte, was anderen Menschen die Mundwinkel in die Höhe trieb und was gemeinhin als Grinsen verstanden wird. Die Natürlichkeit und die Menschlichkeit des Unerwarteten, der Komik, wurden zu seinem Markenzeichen.

Nicht immer musste ein Sketch neu sein, um bei Zuschauern im herzhaften Lachen zu zünden. Aber die Art und Weise wie dieser Sketch gespielt wurde und wie leicht und unvermittelt das vor allem wirkte, sorgte für den Erfolg. So gab es einst einen Sketch mit Dean Martin und Jerry Lewis. Für streng konservative und kreuzlahme amerikanische Fernsehzuschauer der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts war es der Brüller, als der „Tölpel“ Jerry Lewis seinen als Harlekin agierenden Dean Martin eimerweise auf der Bühne mit Wasser überschüttete und dieser dann den „Spieß“ umdrehte.

Im deutschen Fernsehen tauchte der Gag in einer der Shows von Rudi Carrell in den Siebziger Jahren wieder auf. Heinz Ehrhardt spielte den liebenswerten Tölpel während Rudi Carrell den klügeren Harlekin verkörperte. Rudolf Wijbrand Kesselaar, so Carrells niederländisch-bürgerlicher Name, verstand es, über den bloßen Klamauk hinaus, Sinnlichkeit, Herz und Seele in den Sketch einfließen zu lassen. Heinz Ehrhardt musste als Dummchen ein Regen-Lied singen und wurde nass geregnet. Rudi Carrell dagegen, ganz der glänzend-kluge Harlekin, durfte ein Sonnenschein-Lied singen und blieb trocken. Die Poente jedoch bestand in der Beibehaltung des Prinzips, obwohl beide die Rollen aufgrund des protestierenden, den Dummen spielenden Ehrhardt tauschten. Dem „Dummen“ traf es doch wieder.

Heinz Ehrhardt wurde in einem Erdgrab bestattet. Wahrscheinlich grinst sein Schädel, falls noch erhalten, im Grab vor sich hin; so wie dies allen Totenschädeln zu Eigen ist.

Rudi Carrell lebt offenbar noch – wahrscheinlich schläft er – in diesem Moment, in dem ich diese Gedanken in den Speicher meines Computers tippe. Er zählt zu jenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die ich trotz aller Anfeindungen, die solchen Menschen entgegen gebracht werden, gerne einmal persönlich „kennengelernt“ hätte. Leider aber sind sie alle, als sie reif genug für mein Bedürfnis waren, weggestorben.

Zur größten Anfeindung gegenüber von Rudi Carrell zählt wahrscheinlich sein „holländischer“ Akzent, obwohl er Niederländer war. Nun gut, Chris Howland, ein britischer Spassmacher des Deutschen Fernsehens, bemühte sich auch um den Erhalts seines muttersprachlichen Akzents – wenn auch ihm dies mit den Jahren immer schwerer fiel. Aber besonders Niederländer zählten zu den Carrell-Hassern, weil er es ihrer Meinung nach nicht fertig brachte ein gutes Deutsch zu sprechen und somit einen „dummen“ Niederländer, einen „Käskop“, verkörperte. Gerne würdigen sie ihn zu einem Holländer herab. Niederländer verstehen unter einem solchen „Holländer“ eigentlich jene Menschen, die im Land Holland leben und reichlich „unterbelichtet“ sind – vielleicht deshalb, weil sie sich von der naiven „Frau Antje“ und deren Käse-Consorten so platt, wie das platte Land der Niederlande, haben vermarkten lassen.

Deutsche kennen Holländer dagegen als Hardcore-Wohnwagen-User und haben diese wegen ihrer Geselligkeit lieb gewonnen. Ein ziemlich blödes Klischee. Und dies nur, weil etliche Niederländer ihre Wohnwagen über deutsche Autobahnen ziehen. Das hat sich zwangsläufig auf Rudi Carrell, auf „unseren Rudi“, übertragen. Er musste sich vieles gefallen lassen, und wahrscheinlich hat er sich die Plattitüden selbst auf den Leib geschrieben.

Also Rudi! Sagen Sie uns, wie das wirklich war. Sagen Sie es uns, solange Sie noch unter den Lebenden weilen. Es schmälert Ihren Ruhm nicht, wenn Sie zugeben, dass Ihr Job harte Arbeit war, dass Sie sich stets gespielt haben. Klar, Arbeit kann auch Spaß machen, aber immer das Attribut „Ausländer“ angeklebt zu kriegen, ist bestimmt nicht das, was man sich nach dem Tod erhofft. Sie gingen nach Deutschland mit viel Hoffnung und Sie sagen, dass ihre Hoffnung nicht enttäuscht wurde. Danke dafür, dass Sie uns Deutsche unterhalten haben. Ich hoffe, Deutschland hat sie nicht enttäuscht.

Sie spüren den Tod kommen. Sie wollen, dass ihr Leichnam verbrannt wird. Asche grinst nicht mehr. Ihre Entscheidung in allen Ehren! Auch ich, der wie Sie gegenwärtig die Nähe des Todes spürt, muss sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass dann, wenn es denn das endlich war, er verbrannt wird und damit seinem Tod das Grinsen genommen wird.

Mit dem Tod verlieren wir unser Leben. Es ist aber unsere Entscheidung, ob wir über unser Leben hinaus unserer Mutter Erde – und wenn es nur im dunklen Erdreich ist – ein Grinsen schenken. Über mich muss ich ehrlich sagen, dass mir der Ort, wo meine Asche verstreut wird, wichtiger ist als ein Grinsen, das Ewigkeit vorgaukelt, aber tatsächlich nicht so lange hält. Sterben Sie sanft, Rudi Carrell. Und: Nochmals Danke für die unterhaltsamen Stunden, der Ihr Lebensunterhalt war und uns zum Grinsen und Lachen brachte.

Rudi Carrell: Mehr Angst vor Jacob Sisters als vor dem Tod

deutschland

Steinewerfer im Glashaus?

Harald Haack – Nach dem ein Professor der Freiburger Universität aus seinem „Glashaus“ heraus mit „Steinen“ nach kinderlosen 30- bis 50-jährigen Deutschen warf und diese als „Jammerlappen“ beschimpfte, obwohl er doch selbst, als es fürs Rentensystem notwendig war, keine in die Welt gesetzt hatte (seine drei gegenwärtig noch kleinen Kinder hatte er demnach „zu spät“ gezeugt), „steinigen“ weitere Anhänger der rechten Seite der Regierung kinderlose Deutsche. Ihnen dient dabei die „Bild“-Zeitung als Schleuder für ihre abstrusen Vorschläge.

Der Kölner Wirtschaftswissenschaftler Johann Eekhoff will die Renten von Kinderlosen um die Hälfte senken.
Eekhoff, der zur Regierungszeit von Kanzler Helmut Kohl (CDU) Staatssekretär im Wirtschaftsministerium war, sagte der Zeitung: „Kinderlose hätten nie in das Rentensystem aufgenommen werden dürfen, weil es nur funktioniert, wenn es von nachfolgenden Generationen finanziert wird.“ Er hält es für „dringend geboten, die Rentenansprüche von Versicherten mit Kindern zu erhöhen und die von Kinderlosen zu verringern“.

Unterstützung erhielt er für sein zu kurz Gedachtes vom CSU-Abgeordneten Norbert Geis.
Geis sagte der „Bild“: „Kinderlose sollten entweder eine verminderte Rente bekommen oder mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen. Denn Mütter und Familien, die daheim bleiben und Kinder erziehen, erbringen eine Leistung für die nächste Generation. Die Leute, die dagegen voll erwerbstätig sind und keine Kinder haben, profitieren später davon, indem sie Rente beziehen.“ Und als wenn das „Kuckucksnest“ unsinniger Vorschläge noch nicht voll genug wäre, forderte der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU) in der „Bild“, „das Verhältnis zwischen Beitragszahlern mit Kindern und ohne Kinder“ neu auszurichten.

Singhammer: „Denn Beitragszahler mit Kindern erbringen eine besondere Leistung für den Generationenvertrag, der auch honoriert werden muss.“

Potemkinsche-Kohlsche Dörfer
Der Generationsvertrag aber kann nur funktionieren, wenn alle Kinder später und irgendwann deren Kinder wieder Arbeit und Einkommen haben. Die rechten Herren haben offensichtlich vergessen, dass unter der Kohl-Regierung arbeitslose und von der Sozialhilfe lebende Ehepartner ab dem 6. Kind für ihre Familie ein Reihenhaus auf Kosten der Sozialhilfe kriegten. Andere Bürger rackerten sich mit ihrer Arbeit ab und sorgten mit den Sozialabgaben ihrer Einkommen dafür, dass die Sozialämter solche Familien, die keineswegs für den Erhalt des Rentensystems sorgten, großzügig unterstützen konnten. Viele jener Kinder, die in die von der Sozialhilfe lebende Familien hineinwuchsen, leben als Erwachsene mittlerweile selbst von der Stütze. Etliche fanden angeblich weder Lehrstelle noch Arbeit. Und einige von ihnen, werden inzwischen von Politikern als „Sozialschmarotzer“ lokalisiert.

Korrelation
Wie Worldwatchers.org in einer Studie zeigte, sind u.a. sehr wahrscheinlich chemische Produkte am Rückgang der Geburtenraten schuld, die uns die Chemische Industrie verkauft: Haushaltsreiniger, Holzschutzmittel, ausgasende Laminat-Fußböden und Möbel, Abgase von PKW und LKW, Industrie-Emissionen und nicht zu vergessen Körperpflegemittel und Parfüme. Besonders mit den in vielen Parfümen verwendeten Nitro-Moschus-Verbindungen sollen laut Dr. Rimkus, einem Veterinär-Wissenschaftler im Bundesland Schleswig-Holstein, inzwischen alle Meere und Ozeane verseucht sein, weil wir Parfüme wie wahnsinnig konsumieren. Über die Haut nehmen wir die toxischen Anteile der Parfüme auf und scheiden sie mit dem Urin wieder aus. Klärwerke aber sind gegen Nitro-Moschus-Verbindungen machtlos. Und so gelangen sie mit den „geklärten“ Abwässern in die Flüsse und von dort in die Meere, wo sie von Fischen aufgenommen werden – Fische, die dann irgendwann von uns gegessen werden. Ein Teufelskreis! Die japanische Regierung hatte diese Gefahr erkannt und deshalb sind Nitro-Moschus-Verbindungen und Parfüme, die sie enthalten, in Japan verboten.

In den Jahren von 1950 bis 2000 verringerten sich besonders in Westdeutschland die Geburtsraten in dem Maß wie sich der Absatz chemischer Produkte steigerte.

Stunk in der Koalisation
Der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach lehnte den irrsinnigen Vorstoß des ehemaligen Staatssekreträrs Eekhoff ab. Kinderlosen die Rente zu kürzen halte er für ungerecht, sagte er ebenfalls bei n-tv: „Niemand kann dafür bestraft werden, dass er kinderlos ist. Viele Menschen sind unfreiwillig kinderlos. Ich halte es für richtig, dass wir insbesondere für einkommensschwache Familien die Rentenansprüche erhöhen, beispielsweise indem wir die Erziehungszeiten für Einkommensschwache höher gewichten.“

Franz Müntefering (SPD), Arbeitsminister und zum linkeren Teil der rechten Bundesregierung gehörend, schließt kategorisch eine Rentenkürzung für Kinderlose aus. Dies sei eine „Verrücktheit, ein abstruser Vorschlag, so wie er immer mal wieder hochkommt““, sagte er. „Mit seriöser Rentenpolitik, so wie sie die Bundesregierung verfolgt, hat das jedoch nichts zu tun.“

Wir dürfen gespannt sein, wie das Renten-Kaperletheater der Koalisation aus SPD und CDU/CSU weitergeht.

terror

Es riecht nach Sprengstoff

Karl Weiss – Seltsamerweise geschehen immer dann große Terroranschläge in westlichen Ländern, wenn die Politiker in diesen Ländern sie am dringendsten brauchen. Das war so mit dem 11. September in den USA, mit den Anschlägen in Madrid, die jetzt genau zwei Jahre zurückliegen und war so mit den 4 Bomben, die letztes Jahr in London in U-Bahn und Omnibus hochgingen.

Im ersten Fall boten sie dem unbeliebten Präsidenten Bush die Gelegenheit, die Kriege gegen Afghanistan und später gegen den Irak mit weiter Unterstützung in der Bevölkerung seines Landes zu beginnen. Die Zustimmung zu Bushs Politik ging bis auf 70% hoch. Der Anschlag in Madrid sollte anscheinend dem damaligen Ministerpräsidenten Aznar einen erdrutschartigen Wahlsieg bringen, was allerdings schief ging, da man so tun wollte, als sei es die ETA gewesen, doch bald war klar, dass die nichts damit zu tun hatte. Im dritten Fall kam der Anschlag gerade rechtzeitig zum G8-Gipfel in Schottland, der dann sofort seine Agenda änderte und nur noch vom „Kampf gegen den Terrorismus“ redete. Eigentlich hätte er sich Gedanken machen sollen, ob man eventuell zumindest aus einigen Entwicklungsländern nicht mehr ganz so brutal Geld herauspresst. Nach den Anschlägen schoss das Ansehen Tony Blairs raketenhaft in die Höhe.

Heute ist wieder so eine Situation herangereift. Was Bush und seine Vasallen auch im Irak machen, es wendet sich automatisch gegen sie. Bush ist zu Hause so unbeliebt wie nie. Der vorgesehene Krieg gegen den Iran hat noch keine allgemeine Zustimmung in den USA und Europa gefunden, obwohl der PR-Gag, die völlig unbekannten Karikaturen in einem kleinen dänischen Provinzblatt an die große Glocke zu hängen, phantastisch geklappt hatte. Weiterhin weigern sich mehr als die Hälfte der Europäer und Nord-Amerikaner, mit Plakaten „Krieg gegen die Ayatollahs jetzt sofort!“ auf die Straße zu gehen oder, wie es ein Diskutant im Forum der Berliner Umschau ausdrückte: Nicht gegen die Moslems zu hetzen sei „der Kotau vor der puren Gewalt, vor einem entfesselten Mob. Den werde ich keinesfalls mitmachen.“

Auch einer der Autoren der Berliner Umschau riecht bereits kommendes Unheil: „Jetzt bräuchte man nur einen „schönen“ Vorwand, um die geplante Eskalation mediengerecht inszenieren zu können – kurz, so etwas wie den 11. September 2001.“ schrieb Mathias Hartmann am 11.3.06.

Aus Langley oder Pullach?
Tatsächlich, der scharfe Geruch von Sprengstoff zieht durch die westlichen Länder. Wo wird die „Al Quaida“ mit Sitz in Langley oder Pullach oder sonst wo diesmal zuschlagen? Wieder im Kernland USA, weil Bush dringend eine Aufbesserung des Ansehens braucht? Oder sind diesmal die „alten Europäer“ dran, Frankreich vielleicht oder Deutschland, damit die endlich mal lernen, dass man sich im „Krieg gegen den Terrorismus“ dringend notwendiger Überfälle auf kleine arme Länder nicht entziehen darf.

Nun, falls unser Riechorgan richtig gelegen haben sollte, darf man jetzt schon vorhersagen, was nach den Anschlägen passiert: Innerhalb kürzester Zeit wird einer der berühmten Repräsentanten der Al Quaida, vielleicht Al Zarkawi persönlich, auf einer Site im Internet (die leider zufällig in Texas beheimatet ist und um die sich keine Polizei kümmern wird) mitteilen, dass man wieder zugeschlagen hat. Bin Laden selbst wird diesmal nur um Haaresbreite dem Tod durch einen Lachkrampf entgehen, da man seiner allmächtigen Organisation erneut eine phantastischen Anschlag ankreidet und er somit zum berühmtesten Araber der Geschichte aufsteigen wird.

Anschlagsschema
Zwar hat Tony Blair bereits vor Millionen von Fernsehzuschauern gesagt, dass Al Quaida keine Organisation, sondern ein Anschlagschema ist, aber das hält die munteren Bombenbastler nicht davon ab, ihre Taten immer der Al Quaida, also einem Anschlagschema, in die Schuhe zu schieben. Vielleicht werden sie diesmal sogar wieder eine Frau mit den Zügen einer Gefolterten der Öffentlichkeit präsentieren auf einem Photo mit Sprengstoffgürtel, der nur leider nicht explodierte, während ihr Mann sich natürlich planmäßig in die Luft sprengte. Erneut wird sich herausstellen, dass die Täter unglücklicherweise nicht vor Gericht gestellt werden können, weil sie das Zeitliche gesegnet haben oder weil sie sich programmgemäß in die Luft gesprengt haben, als sie von der Polizei umstellt waren.

Die Erfahrungen mit Terroristen vor Gericht, denen man immer schier einfach gar nichts nachweisen kann, waren denn auch zu unschön. Man kann ja schließlich nicht anfangen, die wirklichen Terroristen vor Gericht zu stellen.

Nun, gerade hat nach zweijährigen intensiven Untersuchungen (der Leiter der Kommission muss glatte zehn Tage auf das Ergebnis verwandt haben in den zwei Jahren) die Untersuchungskommission der Madrid-Anschläge ihren Bericht vorgelegt. Zuerst fällt auf, was bereits in einer Kurzmeldung berichtet wurde: Die angeblichen Täter hätten nichts mit der Al Quaida oder einer anderen ausländischen Organisation zu tun gehabt. Moment mal, so geht das aber nicht! Kurz nach den Anschlägen hatte Al Quaida die Verantwortung übernommen! Also wer war das dann? Wollen die etwa behaupten, es gäbe hier Zeitgenossen, die sich bei Anschlägen immer als Al Quaida ausgeben?

Das sind absurde, aus der Luft gegriffene Verschwörungstheorien! Man hat nur Osama Bin nicht den Ruhm gegönnt! Neidhammel!

Doch damit nicht genug. Alle offenen Fragen wurden so gelassen, wie sie waren: offen.

Z. B. die Fragen:
Warum wurde nie eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt, sondern nach jener der Abgeordneten eine der (offensichtlich beteiligten) Sicherheitskräfte, allen voran der verdächtige Richter del Olmo.
Warum hat del Olmo bisher (nach zwei Jahren) gegen Niemand Anklage erhoben, auch nicht gegen die im Bericht genannten Verdächtigen?
Warum sind die Personen, die wegen dieses Anschlages in Untersuchungshaft sind, nach zwei Jahren noch immer nicht angeklagt worden?
Warum versucht del Olmo der Opferorganisation 11-N den Zugang zu den Akten zu verwehren?
Warum hat del Olmo den Nationalpolizisten, der in die Beschaffung des Sprengstoffs verwickelt war, bis heute weder festgenommen noch angeklagt?
Warum ist del Olmo stattdessen gegen die Tageszeitung El Mundo vorgegangen, die diese Informationen veröffentlicht hatte?
Was ist mit dem Spitzel der Guardia Civil, der den Terroristen den Sprengstoff übergeben hatte? Warum wurde er nicht festgenommen noch angeklagt?
Und der Ermittlungsrichter Baltazar Garzón? Immerhin war er über seinen Spitzel live dabei, als der Sprengstoff von der Mine nach Madrid überführt wurde und unternahm nichts?
Was ist mit dem Geheimdienst CSI, der direkte Kontakte zu den Terroristen hatte? Warum hat man ihn von aller Schuld ausgenommen?
Warum behauptet del Olmo, die Sicherheitskräfte seien von den Spitzeln nicht informiert worden, als er sie noch gar nicht vernommen hatte?
Wenn die Polizei die Führer der Terroristen kontrollierte über den Spitzel ‚Cartagena’, warum wurde der dann exakt abgezogen, als er die Information weitergab, daß ‚Märtyrer’ für Anschläge gesucht wurden?
Warum ist dagegen ein anderer Spitzel der Guardia Civil, der sogar ein Muster des Sprengstoffes Goma 2 Eco besorgt hatte, seit zwei Jahren in Untersuchungshaft, obwohl er ständig bestreitet, mit jemand anderem als der Guardia Civil zusammengearbeitet zu haben?

Aber es gibt nicht nur offenen Fragen nach zwei Jahren in Spanien, es gibt auch einen Terroristenprozess, der sich auf die Unterstützung der Anschläge des 11. September bezieht. Im ersten Prozess gab es auf der Basis von zweifelhaften Beweisen eine Anzahl von Verurteilungen wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, aber der Staatsanwalt ist sich schon klar, dass die in der Berufung keinen Bestand haben werden.

Die meisten der angeblichen Täter wurden freigesprochen.
Die verurteilten Saik Merizak und Adbulaziz Beniaich sollen nach dem Antrag des Staatsanwalts nun freikommen. Es ist nicht beweisen, dass sie zum heiligen Krieg in Tschetschenien waren. Zwei andere, zu je 9 Jahren verurteilt, mussten freigelassen werden, weil der Staatsanwalt vorsichtshalber nicht rechtzeitig geantwortet hatte und sie so die zulässige Zeit für die Untersuchungshaft überschritten hatten.

Das Justiz-Chaos in Spanien wird nur noch von dem in Deutschland in den Prozessen gegen Motassedegh und Mzoudi übertroffen. Obwohl schon nach kurzer Zeit klar war, dass es keinerlei Beweise für eine Mitwisserschaft der beiden gibt, verfolgt die Bundesanwaltschaft sie wie ein Bluthund. Verurteilungen wurden auf der Basis von Aussagen eines Zeugen vorgenommen, der nicht vor Gericht war und auch nicht vernommen wurde, sondern von dem es lediglich US-Geheimdienst-Aussagen über das gibt, was er gesagt haben soll in seiner Folterzelle. Natürlich waren diese Verurteilungen nicht aufrechtzuerhalten und die Angeklagten kamen in Freiheit. Dann wurde mit dem Gummiparagraphen „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ erneut verhaftet und prozessiert. Am Ende wird alles ausgehen wie das bekannte Hornberger Schiessen.

Nun, von alledem kann man perfekt ablenken, wenn endlich wieder ein Terroranschlag geschieht. Dann wird er wieder alles andere aus den Schlagzeilen drängen und man kann endlich zum Angriff auf den Iran übergehen.

terror

Vierter Bombenalarm in der Schweiz

Eine Bombendrohung hat gestern in Zürich während der Hauptverkehrszeit zu einem Bahnchaos geführt. Die S-Bahn-Strecke zwischen Hauptbahnhof und den Bahnhöfen Tiefenbrunnen und Stettbach wurde gesperrt. Nach drei Stunden gab die Polizei Entwarnung.

Kurz vor 15 Uhr ging bei der Stadtpolizei per Fax eine Bombendrohung ein. Eine Viertelstunde später meldete sich eine Passantin. Sie habe beim Bahnhof Stadelhofen einen Mann mit einem Rucksack gesehen, der den Tunnel zum Bahnhof Tiefenbrunnen betreten habe. Kurz darauf sei er ohne Rucksack wieder herausgekommen.

Ein Grossaufgebot der Polizei sperrte den nahe des Bellevue gelegenen Bahnhof Stadelhofen ab. Die Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und den Aussenbahnhöfen Tiefenbrunnen und Stettbach wurde für jeglichen Verkehr gesperrt. Damit war das Herz der Zürcher S-Bahn lahm gelegt – und das präzise auf die abendliche Stosszeit hin. Die SBB reagierten rasch mit Umleitungen. Sie empfahlen den Pendlern, innerhalb der Stadt Trams und Busse zu benutzen.

Dies ist die vierte Bombendrohung / Bombenalarm innert kurzer Zeit in der Schweiz.

Bombenalarm in Regionalzug
Zug nach Bombendrohung in Bern evakuiert
Bombendrohung gegen Westschweizer Fernsehen

medien

Anklage gegen «Cicero» Journalisten

Stephan Fuchs – Rauer Wind im Journalismus. Im Streit um Geheimdienstenthüllungen des Polit-Magazins Cicero geht die Staatsanwaltschaft nun auf Angriff. In Potsdam erhob sie Anklage gegen zwei namentlich nicht genannte Journalisten wegen Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen.

Der Vorwurf richtet sich offenbar gegen den Cicero -Autoren Bruno Schirra und den Auslandschef des schweizerischen Sonntagsblicks, Johannes von Dohnanyi. Dohnanyi ist der Autor des Buches „Schmutzige Geschäfte und Heiliger Krieg“ und einer der brisantesten Recherche-Journalisten der Schweiz.

Schirra hatte im April aus einem internen Papier des Bundeskriminalamtes über den Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zitiert. Darin beschreibt er Wandlung und Aufstieg des Terroristen der nach Einschätzung des jordanischen Geheimdienstes der „gefährlichste Mann der Welt“ sein soll und für den sich auch die deutschen Ermittlungsbehörden interessierten. Dohnanyi soll ihm den BKA-Bericht zugespielt haben.

Nach der Publikation folgte die Razzia. Im September waren die Redaktion des Politmagazins und das Wohnhaus von Schirra auf Antrag der Potsdamer Staatsanwaltschaft durchsucht worden, was für harte Kritik nicht nur von Journalisten gesorgt hatte. Das Bundeskriminalamt (BKA) wirft den Journalisten „Beihilfe zum Geheimnisverrat“ vor.

Der Chefredakteur von Cicero, Wolfram Weimer, kritisierte die Anklageerhebung auf das Schärfste. „Es ist ungeheuerlich und empörend, dass Journalisten dafür angeklagt werden, dass sie ihre Arbeit machen.“ Es ist in der Tat empörend. Und… Cicero ist keine Ausnahme. Auch in der Schweiz ist die Pressefreiheit offensichtlich verloren. Auch in der Schweiz werden Journalisten und Chefredaktoren in Untersuchung genommen.

Jüngstes Beispiel ist die Publikation des Geheimfax aus Ägypten. Der Schweizer Geheimdienst und die Militärjustiz ermittelt gegen Unbekannt.

Schlechte Zeichen in schlechten Zeiten? Offensichtlich. Denn guter Journalismus endet nicht dort wo es ungemütlich wird. Dort beginnt Journalismus erst… Zumindest in einer Demokratie.

Schmutzige Geschäfte und Heiliger Krieg. – Das Interview zur Publikation
Das dürfen wir nicht schreiben
Cicero
„SonntagsBlick“-Chef verweigert Zusammenarbeit mit Militärjustiz
Eingelullte Schweizer Presse?
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