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Der Geist von Al-Zarkawi begeht Anschläge

Elmar Getto – Jeder, der im Internet etwas auf eine Website stellt, kann unmittelbar zurückverfolgt werden, mit Adresse, Name und allem drum und dran. Würde tatsächlich eine Al Quaida existieren und im Internet Erklärungen auf eine Website stellen, könnte die entsprechende Adresse mit Hundertschaften von Polizei innerhalb von fünfzehn Minuten ausgeräuchert werden. Warum geschieht dies nicht, wenn Al-Quaida Erklärungen auf eine Website stellt? Für wie dumm halten die uns?

Da hat im Internet (!) eine angebliche Al-Quaida-Gruppe um den angeblichen irakischen Al-Quaida-Führer Al-Zarkawi die Verantwortung für die tödlichen und verbrecherischen Anschläge auf Zivilisten in Amman vergangenen Monat übernommen. Dies wird in den Medien gemeldet, zuerst noch vorsichtig. Dann, am folgenden Tag, steht schon fest, daß Al-Zarkawi hinter den Anschlägen steckt. Für wie dumm halten die uns?

Wie auch schon im Fall der Londoner Anschläge, bei denen ebenfalls eine Al-Quaida-Gruppe die Verantwortung übernommen haben sollte, wurde die Person dieser Website nicht im mindesten behelligt. Kann mal jemand dafür eine Erklärung geben? Damals war die Website bei einem Server in Texas beheimatet. Diesmal meldete man vorsichtshalber gleich gar nicht, auf welcher Site die Selbstanklage erschienen sei.

Es ist noch keine drei Monate her, als Premier Blair im US-Fernsehen erklärte, Al Quaida sei keine Gruppe, sondern ein Anschlagschema. Haben die Medien das vergessen? Erwarten sie, wir hätten das auch schon vergessen? Wie kann ein Anschlagschema eine Erklärung im Internet abgeben? Oder behauptet man, Blair sei ein Lügner? Kann das mal jemand erklären?

Wie kann jemand der Führer eines Anschlagschemas im Irak sein? Bitte? Für wie dumm halten die uns?

Aber unsere phantastischen Mainstream-Medien melden: „…der Jordanier Al Zarkawi, Führer der Al Quaida im Irak…“

Da wurden vor gar nicht langer Zeit zwei britische Geheimdienst-Männer in Basra im Irak ertappt, als sie ein ganzes Auto bis zum Stehkragen voll mit Sprengstoff und höchstkomplizierten Zeit- und Fernzündern zum Markt im Zentrum der Stadt fuhren.

Aufgrund von Zeugenaussagen von Personen, die nicht das geringste Interesse haben konnten, die Besatzer im Irak anzuklagen, wurde einwandfrei belegt, daß zumindest dieser eine der Sprengstoffanschläge mit Autos gegen schiitische Zivilpersonen von einem britischen Geheimdienst verübt worden wäre, wenn sie nicht daran gehindert worden wären. Es ist also extrem wahrscheinlich, daß auch die anderen Anschläge gegen schiitische Zivilisten von westlichen Stasi-Diensten durchgeführt werden, die ja eine bekannte Historie in diesen Dingen haben.

Genau dies hatten auch die Widerstandskämpfer im Irak immer gesagt, seit die ersten Anschläge auf Zivilisten begannen, was aber immer als Propaganda abgetan worden war. Die „Koalition der Willigen“ wolle unbedingt den Bürgerkreig zwischen Sunniten und Schiiten provozieren, den sie schon so lange voraussagt.

Aber westliche Regierungen, also die Chefs dieser Stasi-Dienste, bestehen weiterhin darauf, daß diese Anschläge von irakischen Al-Quaida-Gruppen unter Al-Zarkawi verübt würden. Und die Medien fressen das!

Es ist offensichtlich, daß jene Erklärungen im Internet auch von westlichen Stasi-Diensten stammen, sonst hätte man die Betreiber jener Websites natürlich zur Verantwortung gezogen – erst recht, wenn der Server in Texas beheimatet ist. Von ihnen hätte man zu den Personen gelangen können, die jene Erklärungen übergeben hätten und von diesen zu Al Zarkawi. Nur braucht man das ja nicht, den man hat ihn ja selbst erfunden.

Unter diesen Umständen gewinnt auch die Meldung der Al-Jazeera an Glaubwürdigkeit, daß der wirkliche Al-Zarkawi beim Nato-Überfall auf Afghanistan umgekommen ist. Man berichtete sogar von Interviews mit Personen, die auf der Beerdigung waren. Auch das war bisher als Propaganda abgetan worden.

Aber der wirkliche Al-Zarkawi, wenn er denn wirklich im Irak tätig wäre, würde natürlich ein Video an Al-Jazeera schicken mit der Erklärung, nicht für diese Anschläge verantwortlich zu sein. Da dies nicht stattfindet, muß man davon ausgehen, daß die Stasi-Dienste wissen, daß er tot ist.

Wir werden also wirklich nur ver….scht.

Das ist zwar noch kein Beweis, daß auch die Anschläge von Amman auf das Konto westlicher Stasi-Dienste gehen, aber alle Indizien weisen bis jetzt auf sie hin. Sie haben sich jetzt zu erklären, um sich von dieser Anklage zu befreien.

Theoretisch ist es denkbar, daß der Anschlag wirklich von arabischen islamistischen Rechtsextremisten begangen wurde, aber warum kommt keine Erklärung von ihnen dazu? Die im Internet kann nicht echt gewesen sein und islamistische Extremisten haben es an sich, mit ihren Anschlägen zu prahlen. Wo sind ihre Erklärungen?

Und die Mainstream-Medien tun so, als merkten sie diese offensichtlichen Dinge nicht. Die müssen uns wirklich für völlig idiotisch halten!

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Bush: „Ich führe die Terroristen der Gerechtigkeit zu“

Elmar Getto – Vor drei und einhalb Jahren, nicht lange nach dem Höhepunkt der Hysterie um die Anschläge des 11. September, ging eine Nachricht um die Welt, die Aufsehen erregte: Die US-Polizei hatte am Chicagoer Flughafen einen US-Bürger dingfest gemacht, der nach Erkenntnissen von US-Diensten eingereist war, um ein weiteres großes Attentat im Auftrag der Al Quaida gegen friedliche US-Bürger zu begehen: José Padilla. Er hätte eine „schmutzige Bombe“ zur Verfügung gehabt und die zünden wollen.

Unter „schmutziger Bombe“ versteht man eine konventionelle Bombe, die mit radioaktivem Material umgeben ist, so daß sie Radioaktivität in weitem Umkreis verstreut und damit die Menschen in der Nähe zu einem langsamen und qualvollen Tod, dem Tod durch eine Überdosis Radioaktivität, verurteilt.

Die US-Regierung verkündete, daß der hochgefährliche Mann in ein Gefängnis der US-Marine gebracht worden war und unter strengster Bewachung stünde. Diese Gefangennahme wurde als wichtigstes Argument angeführt, warum die vermutlichen Al-Quaida-Mitglieder in „Sondervernehmungen“ (jeder weiß heute, was damit gemeint ist) genommen werden müßten, denn dieses Vorhaben sei von einem führenden Al-Quaida-Mitglied unter „Sonderbehandlung“ herausgekommen, wodurch sich diese bereits als richtig und notwendig erwiesen hätte.

Nun war klar, daß auch dieser Herr Padilla einer solchen freundlichen Spezialbehandlung unterzogen würde und man bald die schmutzige Bombe finden und der Öffentlichkeit präsentieren würde. Wäre dies wirklich geschehen, hätte Präsident Bush wahrscheinlich heute noch eine 70-%-Mehrheit der US-Amerikaner hinter seiner Folter-Politik. Doch, wie jeder weiß, wurde niemals eine „schmutzige Bombe“ präsentiert. Sie war das gleiche wie die Massenvernichtungswaffen im Irak: Es gab sie einfach nicht.

Folter ist nicht gleich Wahrheit
Sie war nur ein weiterer Beweis, daß Folter das angebliche Ziel nie erreicht: Ein gefolterter wird nie die Wahrheit sagen, sondern das, was die Folterer hören wollen, was sie dem Gefolterten in den Mund legen oder was er glaubt, daß sie bewegen könnte, die Folter einzustellen. Man kann mit Folter keine bevorstehenden Anschläge verhindern.

Inzwischen hat auch das Oberste US-Gericht gemerkt, daß der naive Glaube, man brauche die „feindlichen Kämpfer“ nur lange genug zu foltern, dann werde man die Wahrheit herausfinden, auch heute nicht funktioniert, so wie sie nie funktioniert hat in der langen Geschichte menschlicher Justiz, die eine fast ebensolange Geschichte der Folter ist. Man hat der US-Regierung deutlich gemacht, daß im Fall Padilla nun endlich etwas auf den Tisch kommen muß, sonst würde man die Freilassung des angeblichen gefährlichen Terroristen anordnen.

Terrorjustiz
Nun hat der US-Generalstaatsanwalt klein beigegeben. Er hat – und dies genau war ja den Terrorverdächtigen in den USA bisher immer verweigert worden – die Anklage erhoben. Doch siehe da, Padilla ist überhaupt nicht mehr angeklagt, einen Sprengstoffanschlag vorbereitet zu haben, geschweige denn eine „schmutzige Bombe“, er wird lediglich der „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ beschuldigt.

Nun, das kennen wir zur Genüge hier in Deutschland. Das ist die Anklage, wenn man keinerlei Beweise in der Hand hat, den Betreffenden aber trotzdem nicht ungeschoren davonkommen lassen will. Oder – in anderen Worten: Terrorjustiz.

In Deutschland war genau dies bei den Prozessen gegen Motassedegh und Mzoudi geschehen. Zunächst hatte man nicht die geringste Verbindung der Angeklagten mit irgendwelchen Befehlsstellen in Berghöhlen in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion aufzeigen können, dies nicht einmal versucht.

Als zweites ging der Richter einfach davon aus, daß die offizielle Version der US-Regierung und des US-Senats über die Vorgänge, die zum 11. September 2001 führten, richtig und bewiesen seien, obwohl sie das nicht sind und dies leicht nachzuprüfen gewesen wäre.

Schließlich konnte man beiden auch nichts bezüglich einer Mitwisserschaft bei der Vorbereitung dieser Anschläge nachweisen. Statt nun den Prozeß einzustellen, wurden sie aufgrund von „Hinweisen“ der „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ angeklagt. Vor jedem objektiven Gericht hätte so eine Anklage mit dem vorliegenden „Beweisen“ nicht einmal zur Eröffnung des Verfahrens ausgereicht, aber in Deutschland ist es eben Tradition, ‚staatstreu’ zu urteilen, also gab es einen Prozeß und eine Verurteilung.

Etwas ähnliches, so muß man befürchten, wird jetzt Padilla in den USA passieren.

Newspeak: Nicht Folter
Padilla war nicht nur das wichtigste Argument für die Freigabe der Folter, die dann später zur „Nicht-Folter“ umgedeutet wurde, sondern auch eine wesentliche Begründung, warum man Terrorverdächtige ohne Verfahren unbegrenzt festhalten müsse. Da man in seinem Fall nur die Aussage eines vermutlichen Al-Quaida-Manns hatte, so wurde argumentiert, daß es eine geraume Zeit dauern würde, bis man genügend gerichtsverwertbares Beweismaterial gegen ihn gesammelt hätte und man könne ihn unmöglich währenddessen in Freiheit und seinen Anschlag durchführen lassen.

Das erschien im ersten Moment sogar einleuchtend. Nun aber, nachdem sich herausgestellt hat, daß er offenbar nie einen Anschlag vorbereitet hatte, dreht sich das Argument gegen die Argumentierenden.

Selbst die New York Times, einst ein „liberales“ Blatt, nach dem 11. September 2001 zu einem „Regierungs-Nachbet-Blatt“ mutiert, mußte in einem ‚Editorial’ vom 23.11.2005 zugeben:

„If he was only an inept fellow traveler in the terrorist community, he is excellent proof that the government is fallible and needs the normal checks of the judicial system. And, of course, if he is innocent, he was the victim of a terrible injustice.“

„Wenn er lediglich ein unwichtiger Reisebegleiter in der Terroristen-Szene war, so ist er ein ausgezeichneter Beweis, daß Regierungen sich täuschen können und die normalen Überprüfungen des juristischen Systems brauchen. Und, natürlich, wenn er unschuldig ist, so war er das Opfer einer fürchterlichen Ungerechtigkeit.“

Der Artikel in der New York Times schließt:

The same is true of the hundreds of other men held at Guantánamo Bay and in the C.I.A.’s secret prisons. This is hardly what Americans have had in mind hearing Mr. Bush’s constant assurances since Sept. 11, 2001, that he will bring terrorists to justice.“

„Das gleiche gilt für Hunderte von anderen Männern, die in Guantánamo Bay und in den geheimen CIA-Gefängnissen festgehalten werden. Dies ist wohl kaum, was die Amerikaner darunter verstanden, wenn sie Herrn Bushs wiederholte Versicherungen hörten, er führe die Terroristen der Gerechtigkeit zu.“

Krieg

Neblig bei klarer Sicht – wie die US-Medien die Berichterstattung über den Luftkrieg im Irak scheuen

Norman Solomon – Die US-Regierung führt einen Luftkrieg im Irak. „In den letzten Monaten scheint sich das Tempo des US-Bombardements verstärkt zu haben“, schreibt Seymour Hersh in The New Yorker vom 5. Dezember. „Die meisten Ziele liegen offensichtlich in den feindlichen, überwiegend sunnitischen Provinzen um Bagdad und an der syrischen Grenze“. Hersh: „Bis heute hat zu diesem Luftkrieg weder im Kongress noch in der Öffentlichkeit eine ernsthafte Debatte oder Diskussion stattgefunden“.


Das aktuelle Gerede aus Washington – Teilabzug der US-Truppen aus dem Irak – wird den Boden bereiten für weiteres militärisches Töten im Irak, nämlich aus der Luft.

Ein wichtiger Grund hierfür: Wenn es um die Dimension des Pentagon-Luftbombardements im Irak geht, stecken unsere großen US-Nachrichtenblätter den Kopf in den Sand – eine Verweigerungshaltung, die umso problematischer ist, da eine Reduzierung der US-Truppen im Irak mit ziemlicher Sicherheit zu einer Intensivierung des Luftkriegs führen wird.

Ich forsche im LexisNexis, wie oft der Begriff „air war“ (Luftkrieg) – im Zusammenhang mit dem aktuellen US-Militärengagement im Irak – im Jahr 2005 in der New York Times abgedruckt wurde.

Bis Anfang Dezember waren es exakt null mal.

Und in der Washinton Post?

Die Antwort lautet ebenfalls null.

Wie häufig stand der Begriff „air war“ 2005 im Time Magazine, dem größten amerikanischen Nachrichtenmagazin?

Null mal.

Diese extreme Vogel-Strauß-Politik unserer Medien muss sich ändern und zwar umgehend, zumal das aktuelle Gerede aus Washington – Teilabzug der US-Truppen aus dem Irak – den Boden bereitet für weiteres militärisches Töten im Irak, nämlich aus der Luft.

Die letzten Wochen haben einen dramatischen Umschwung in der nationalen Debatte zur amerikanischen Irakkriegspolitik gebracht. Die Möglichkeit eines raschen Abzugs aller US-Truppen – eine Option, die die meisten Parteiführer und Medien-Gurus bislang für undenkbar hielten -, wird plötzlich in den Mainstream-Medien erörtert und das allen Ernstes.

Zumindest implizit vermittelt die Nachrichtenberichterstattung in den USA den Eindruck, dass es hinsichtlich des amerikanischen Kriegsbeitrags im Irak vor allem auf die „boots on the ground“ ankomme, die Soldatenstiefel vor Ort. Deshalb wird in der öffentlichen Debatte – fälschlicherweise – davon ausgegangen, dass eine Verringerung der amerikanischen Truppen im Irak bedeutet, dass das Pentagon künftig in weniger Gräuel im Irak verwickelt wäre.

Die Wahrheit (unter der Oberfläche des Massenmedien-Diskurses) sieht so aus: Es gibt Anzeichen, die sehr dafür sprechen, dass das amerikanische Militäroberkommando das Bombardement des Irak verstärken wird – bei gleichzeitiger Reduzierung der US-Besatzungstruppen im Irak. Dies soll noch vor den US-Kongresswahlen im nächsten Herbst erfolgen, denn dem Weißen Haus ist sehr daran gelegen, Fortschritte beim amerikanischen Rückzug aus dem Irak vorweisen zu können. Machen wir uns daher auf einen massiven Medien-Spin rund um jeden möglichen Truppenteilrückzug im Jahr 2006 gefasst.


Die Dimension des amerikanischen Bombardements bleibt der amerikanischen Medienberichterstattung verborgen.

„Der amerikanische Luftkrieg im Irak ist momentan vielleicht der wichtigste – kaum berichtete – Aspekt im Kampf gegen den Aufstand“, schreibt Hersh in seinem Artikel für den New Yorker. Die Dimension des amerikanischen Bombardements bleibt der amerikanischen Medienberichterstattung verborgen. Schließlich verlässt sie sich auf Informationen, die ihr das Pentagon mit dem Löffelchen füttert. „Die Militärbehörden in Bagdad und Washington versorgen die Presse nicht mit täglichen Berichten über die Missionen, die die Air Force, die Navy oder Einheiten des Marine-Korps fliegen beziehungsweise über die Tonnen, die sie abwerfen; beim Vietnamkrieg wurde das routinemäßig gemacht“.

Aber die Medien-Spindocs im Weißen Haus sind sich sicher wohlig der Tatsache bewusst, dass das Radar der US-Medien den Luftkrieg im Irak kaum erfasst. Eine Ignoranz, die dem Szenario eines Truppenteilabzugs bei gleichzeitig intensiviertem Luftkrieg sehr zuträglich sein dürfte. Hershs Artikel lässt darauf schließen, dass uns genau das bevorsteht: „Ein Schlüsselelement der Truppenreduzierungspläne – das in den öffentlichen Statements des Präsidenten verschwiegen wird -, ist, die abziehenden amerikanischen Bodentruppen durch amerikanische Airpower ersetzen zu wollen. Schnelle, tödliche Schläge durch US-Kriegsflugzeuge – das wird als Weg angesehen, die Schlagkraft selbst noch der schwächsten irakischen Kombateinheiten drastisch zu stärken.“

Die Mainstream-Nachrichtenberichterstattung in den USA zieht die Möglichkeit nicht in Betracht, dass das US-Militär nach einer Reduzierung der amerikanischen Soldaten im Irak eventuell noch mehr Iraker töten könnte – eine Möglichkeit, die ebenso real wie problematisch ist. „Was viele vorschlagen, nämlich eine Reduzierung der US-Truppen und parallel dazu einen noch brutaleren Luftkrieg sowie die Schaffung einer irakischen Klientenarmee, würde die Zahl der getöteten Iraker sehr wahrscheinlich weiter in die Höhe treiben“, so Joseph Gerson vom American Friends Service Committee. „Die ‚Farbe der Leichen‘ würde sich ändern – und so den fortdauernden Krieg für die amerikanische Öffentlichkeit akzeptabler machen“.

Ein gutes Vorbild für eine solche politisch motivierte Strategie war die sogenannte „Vietnamisierung“ des Vietnamkriegs, deren Beginn Präsident Richard Nixon Mitte 1969 einläutete. Diese Politik sah eine Reduzierung der US-Truppen in Vietnam um fast eine halbe Million vor (über einen Zeitraum von 3 Jahren hinweg). Im gleichen Zeitraum wurde die Zahl der US-Bombentonnen, die über Vietnam abgeworfen wurden, gesteigert.

Ganz ähnlich könnten sich die Ereignisse im nächsten Jahr entwickeln – das heißt, vor den Wahlen im November 2006, die darüber entscheiden werden, welche Partei das Repräsentantenhaus und den Senat bis zum Jahr 2008 dominiert. Präsident Bush steckt in der Zwickmühle. Einerseits will er keine militärische Niederlage im Irak, andererseits muss er die innenpolitischen Chancen seiner Republikaner – auf dem Hintergrund des unpopulären Kriegs – verbessern. Daher scheint wahrscheinlich, dass Bush den US-Luftkrieg im Irak weiter ausweiten wird, während er gleichzeitig (einige) Truppen abzieht. Bush hat gute Gründe zu hoffen, dass die amerikanischen Nachrichtenmedien das Thema Luftkrieg – beziehungsweise die horrenden Folgen dieses Luftkriegs für das irakische Volk – auch in Zukunft scheuen werden.

Dieser Artikel von Norman Solomon erschien auf Deutsch erstmals bei Zmag. Übersetzung: Andrea Noll.
Norman Solomon ist Autor von ‚War Made Easy: How President and Pundits Keep Spinnging Us to Death

kultur

Harold Pinter – Nobelvorlesung

Kunst, Wahrheit & Politik

Harold Pinter – 1958 schrieb ich folgendes:
„Es gibt keine klaren Unterschiede zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist. Etwas ist nicht unbedingt entweder wahr oder unwahr; es kann beides sein, wahr und unwahr.“

Ich halte diese Behauptungen immer noch für plausibel und weiterhin gültig für die Erforschung der Wirklichkeit durch die Kunst. Als Autor halte ich mich daran, aber als Bürger kann ich das nicht. Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist unwahr?

Die Wahrheit in einem Theaterstück bleibt immer schwer greifbar. Man findet sie niemals völlig, sucht aber zwanghaft danach. Die Suche ist eindeutig der Antrieb unseres Bemühens. Die Suche ist unsere Aufgabe. Meistens stolpert man im Dunkeln über die Wahrheit, kollidiert damit oder erhascht nur einen flüchtigen Blick oder einen Umriss, der der Wahrheit zu entsprechen scheint, oftmals ohne zu merken, dass dies überhaupt geschehen ist. Die echte Wahrheit aber besteht darin, dass sich in der Dramatik niemals so etwas wie die eine Wahrheit finden lässt. Es existieren viele Wahrheiten. Die Wahrheiten widersprechen, reflektieren, ignorieren und verspotten sich, weichen voreinander zurück, sind füreinander blind. Manchmal spürt man, dass man die Wahrheit eines Moments in der Hand hält, dann gleitet sie einem durch die Finger und ist verschwunden.

Man hat mich oft gefragt, wie meine Stücke entstehen. Ich kann es nicht sagen. Es ist mir auch völlig unmöglich, meine Stücke zusammenzufassen, ich kann nur sagen, dies ist geschehen. Das haben sie gesagt. Dies haben sie getan.

Die meisten meiner Stücke entstehen aus einer Textzeile, einem Wort oder einem Bild. Dem gegebenen Wort folgt oft kurz darauf das Bild. Ich gebe zwei Beispiele für zwei Zeilen, die mir urplötzlich einfielen, danach kam das Bild und dann ich.
Es sind die Stücke Die Heimkehr und Alte Zeiten. Der erste Satz von Die Heimkehr heißt: „Was hast du mit der Schere gemacht?“ Das erste Wort von Alte Zeiten lautet: „Dunkel“.
Das war alles, was ich jeweils an Informationen besaß.

Im ersten Fall suchte jemand offenbar eine Schere und wollte von jemand anders, den er verdächtigte, sie gestohlen zu haben, ihren Verbleib erfahren. Aber irgendwie wusste ich, dass der angesprochenen Person die Schere ebenso egal war wie die Person, die danach gefragt hatte.

„Dunkel“ verstand ich als Beschreibung der Haare einer Person, der Haare einer Frau, sowie als Antwort auf eine Frage. In beiden Fällen musste ich der Sache nachgehen. Dies geschah visuell, ein sehr langsames Überblenden vom Schatten ins Licht.

Wenn ich ein Stück beginne, nenne ich die Personen immer A, B und C.

In dem Stück, aus dem Die Heimkehr wurde, sah ich einen Mann in ein kahles Zimmer kommen und seine Frage an einen jüngeren Mann richten, der auf einem hässlichen Sofa saß und eine Rennzeitung las. Ich ahnte irgendwie, dass A der Vater und B sein Sohn war, aber ich besaß keinen Beweis dafür.

Meine Vermutung wurde allerdings kurz darauf bestätigt als B (der spätere Lenny) zu A (dem späteren Max) sagt: „Ich würde jetzt gerne das Thema wechseln, ja, Dad? Ich möchte dich was fragen. Unser Essen vorhin, was sollte das darstellen? Wie heißt so was? Warum kaufst du dir keinen Hund? Der würde so was fressen. Ehrlich. Aber du kochst hier nicht für ein Rudel Hunde.“ Da B also A „Dad“ nennt, schien mir die Anna hme vernünftig, dass es sich bei ihnen um Vater und Sohn handelte. A war auch eindeutig der Koch, dessen Kochkünste offenbar keine hohe Wertschätzung genossen. Bedeutete das, dass es keine Mutter gab? Ich wusste es nicht. Aber, so sagte ich mir, anfangs wissen wir nie, worauf alles hinausläuft.
„Dunkel“. Ein breites Fenster. Abendhimmel. Ein Mann, A (der spätere Deeley), und eine Frau, B (die spätere Kate), sitzen und trinken. „Dick oder dünn?“ fragt der Mann. Von wem red en sie? Aber dann sehe ich am Fenster eine Frau, C (die spätere Anna ), sie steht in einer anderen Beleuchtung, mit dem Rücken zu den anderen, ihre Haare sind dunkel.

Es ist ein merkwürdiger Moment, der Moment, in dem man Personen erschafft, die bis dahin nicht existierten. Was dann kommt, vollzieht sich sprunghaft, vage, sogar halluzinatorisch, auch wenn es manchmal einer unaufhaltsamen Lawine gleicht. Der Autor befindet sich in einer eigenartigen Lage. Die Personen empfangen ihn eigentlich nicht mit offenen Armen.

Die Personen widersetzen sich ihm. Es ist schwierig, mit ihnen auszukommen, sie zu definieren ist unmöglich. Vorschreiben lassen sie sich schon gar nichts. In gewisser Weise spielt man mit ihnen ein endloses Spiel: Katz und Maus, Blindekuh, Verstecken. Aber schließlich merkt man, dass man es mit Menschen aus Fleisch und Blut zu tun hat, mit Menschen die einen eigenen Willen und eine individuelle Sensibilität besitzen und aus Bestandteilen bestehen, die man nicht verändern, manipulieren oder verzerren kann.

Die Sprache in der Kunst bleibt also eine äußerst vieldeutige Angelegenheit, Treibsand oder Trampolin, ein gefrorener Teich, auf dem man, der Autor, jederzeit einbrechen könnte.
Aber wie gesagt, die Suche nach der Wahrheit kann nie aufhören. Man kann sie nicht vertagen, sie lässt sich nicht aufschieben. Man muss sich ihr stellen und zwar hier und jetzt.
Politisches Theater stellt einen vor völlig andersartige Probleme. Moralpredigten gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Objektivität ist unabdingbar. Die Personen müssen frei atmen können. Der Autor darf sie nicht einschränken und einengen, damit sie seinen eigenen Vorlieben, Neigungen und Vorurteilen genügen. Er muss bereit sein, sich ihnen aus den verschiedensten Richtungen zu nähern, unter allen möglichen Blickwinkeln, sie vielleicht gelegentlich zu überrumpeln, ihnen aber trotzdem die Freiheit zu lassen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das funktioniert nicht immer. Und die politische Satire befolgt natürlich keine dieser Regeln, sie tut tatsächlich das genaue Gegenteil und erfüllt damit ihre eigentliche Funktion.
In meinem Stück Die Geburtstagsfeier lasse ich, glaube ich, in einem dichten Wald der Möglichkeiten einer ganzen Reihe von Alternativen Spielraum, bevor schließlich ein Akt der Unterwerfung in den Brennpunkt rückt.

Berg-Sprache behauptet einen solchen Spielraum nicht. Das Stück bleibt brutal, kurz und hässlich. Aber die Soldaten im Stück haben ihren Spaß. Man vergisst manchmal, dass sich Folterer rasch langweilen. Sie müssen etwas zu lachen haben, damit ihnen die Lust nicht vergeht. Die Ereignisse in Abu Ghraib in Bagdad haben das natürlich bestätigt. Berg-Sprache dauert nur 20 Minuten, aber es könnte Stunde um Stunde immer so weitergehen, nach demselben Muster, immer so weiter, Stunde um Stunde.

Asche zu Asche andererseits scheint mir unter Wasser zu spielen. Eine ertrinkende Frau reckt durch die Wellen die Hand nach oben, sie versinkt, sucht nach anderen, aber sie findet dort niemand, weder über noch unter Wasser, sie findet nur treibende Schatten, Spiegelungen; die Frau, eine verlorene Gestalt in einer ertrinkenden Landschaft, eine Frau, die dem Verderben, das nur anderen bestimmt gewesen zu sein schien, nicht entrinnen kann.

Doch so wie sie starben, muss auch sie sterben.

Politische Sprache, so wie Politiker sie gebrauchen, wagt sich auf keines dieser Gebiete, weil die Mehrheit der Politiker, nach den uns vorliegenden Beweisen, an der Wahrheit kein Interesse hat sondern nur an der Macht und am Erhalt dieser Macht. Damit diese Macht erhalten bleibt, ist es unabdingbar, dass die Menschen unwissend bleiben, dass sie in Unkenntnis der Wahrheit leben, sogar der Wahrheit ihres eigenen Lebens. Es umgibt uns deshalb ein weitverzweigtes Lügengespinst, von dem wir uns nähren.

Wie jeder der hier Anwesenden weiß, lautete die Rechtfertigung für die Invasion des Irak, Saddam Hussein verfüge über ein hoch gefährliches Arsenal an Massenvernichtungswaffen, von denen einige binnen 45 Minuten abgefeuert werden könnten, mit verheerender Wirkung. Man versicherte uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak unterhalte Beziehungen zu al-Qaida und trage Mitverantwortung für die Gräuel in New York am 11. September 2001. Man versicherte uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak bedrohe die Sicherheit der Welt. Man versicherte uns es sei wahr. Es war nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit sieht völlig anders aus. Die Wahrheit hat damit zu tun, wie die Vereinigten Staaten ihre Rolle in der Welt auffassen und wie sie sie verkörpern wollen.

Doch bevor ich auf die Gegenwart zurückkomme, möchte ich einen Blick auf die jüngste Vergangenheit werfen; damit meine ich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Ich glaube, wir sind dazu verpflichtet, diesen Zeitraum zumindest einer gewissen, wenn auch begrenzten Prüfung zu unterziehen, mehr erlaubt hier die Zeit nicht.
Jeder weiß, was in der Sowjetunion und in ganz Osteuropa während der Nachkriegszeit passierte: die systematische Brutalität, die weit verbreiteten Gräueltaten, die rücksichtslose Unterdrückung eigenständigen Denkens. All dies ist ausführlich dokumentiert und belegt worden.

Aber ich behaupte hier, dass die Verbrechen der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen wahrgenommen worden sind. Ich glaube, dass dies benannt werden muss, und dass die Wahrheit beträchtlichen Einfluss darauf hat, wo die Welt jetzt steht. Trotz gewisser Beschränkungen durch die Existenz der Sowjetunion, machte die weltweite Vorgehensweise der Vereinigten Staaten ihre Überzeugung deutlich, für ihr Handeln völlig freie Hand zu besitzen.

Die direkte Invasion eines souveränen Staates war eigentlich nie die bevorzugte Methode der Vereinigten Staaten.

Vorwiegend haben sie den von ihnen sogenannten „Low Intensity Conflict“ favorisiert. „Low Intensity Conflict“ bedeutet, dass tausende von Menschen sterben aber langsamer als würde man sie auf einen Schlag mit einer Bombe auslöschen. Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut wie der Faulbrand erblüht. Ist die Bevölkerung unterjocht worden oder totgeprügelt es läuft auf dasselbe hinaus und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften, bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet. Das war in den Jahren, auf die ich mich hier beziehe, gang und gäbe in der Außenpolitik der USA.

Die Tragödie Nicaraguas war ein hochsignifikanter Fall. Ich präsentiere ihn hier als schlagendes Beispiel für Amerikas Sicht seiner eigenen Rolle in der Welt, damals wie heute.
Ende der 80er Jahre nahm ich an einem Treffen in der amerikanischen Botschaft in London teil.

Der Kongress der Vereinigten Staaten sollte entscheiden, ob man die Contras in ihrem Feldzug gegen den nicaraguanischen Staat mit mehr Geld unterstützt. Ich gehörte der Delegation an, die für Nicaragua sprach, doch das wichtigste Delegationsmitglied war Father John Metcalf. Der Leiter der amerikanischen Gruppe war Raymond Seitz (damals nach dem Botschafter die Nummer Zwei, später selber Botschafter). Father Metcalf sagte: „Sir, ich leite eine Gemeinde im Norden Nicaraguas. Meine Gemeindeglieder haben eine Schule gebaut, ein medizinisches Versorgungszentrum, ein Kulturzentrum. Wir haben in Frieden gelebt. Vor einigen Monaten griffen Contratruppen die Gemeinde an. Sie zerstörten alles: die Schule, das medizinische Versorgungszentrum, das Kulturzentrum. Sie vergewaltigten Krankenschwestern und Lehrerinnen, schlachteten die Ärzte aufs brutalste ab. Sie benahmen sich wie Berserker. Bitte fordern Sie, dass die US-Regierung diesen empörenden terroristischen Umtrieben die Unterstützung entzieht.“

Raymond Seitz besaß einen ausgezeichneten Ruf als rationaler, verantwortungsbewusster und hoch kultivierter Mann. Er genoss in diplomatischen Kreisen großes Ansehen. Er hörte genau zu, zögerte und sprach dann mit großem Ernst. „Father“, sagte er, „ich möchte Ihnen etwas sagen. Im Krieg leiden immer Unschuldige.“ Es herrschte eisiges Schweigen. Wir starrten ihn an. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.
In der Tat, Unschuldige leiden immer.

Schließlich sagte jemand: „Aber in diesem Fall waren die ,Unschuldigen‘ Opfer einer durch Ihre Regierung subventionierten, entsetzlichen Gräueltat, einer von vielen. Sollte der Kongress den Contras mehr Geld bewilligen, wird es zu weiteren Gräueln kommen. Ist dem nicht so? Macht sich Ihre Regierung damit nicht der Unterstützung von Mordtaten und Vernichtungswerken schuldig, begangen an Bürgern eines souveränen Staates?“

Seitz ließ sich durch nichts erschüttern. „Ich bin nicht der Auffassung, dass die vorliegenden Fakten Ihre Behauptungen stützen“, sagte er.

Beim Verlassen der Botschaft sagte mir ein US-Berater, er schätze meine Stücke. Ich reagierte nicht.

Ich darf Sie daran erinnern, dass Präsident Reagan damals folgendes Statement abgab: „Die Contras stehen moralisch auf einer Stufe mit unseren Gründervätern.“

Die Vereinigten Staaten unterstützten die brutale Somoza-Diktatur in Nicaragua über 40 Jahre. Angeführt von den Sandinisten, stürzte das nicaraguanische Volk 1979 dieses Regime, ein atemberaubender Volksaufstand.
Die Sandinisten waren nicht vollkommen. Auch sie verfügten über eine gewisse Arroganz, und ihre politische Philosophie beinhaltete eine Reihe widersprüchlicher Elemente. Aber sie waren intelligent, einsichtig und zivilisiert. Sie machten sich daran, eine stabile, anständige, pluralistische Gesellschaft zu gründen. Die Todesstrafe wurde abgeschafft.

Hunderttausende verarmter Bauern wurden quasi ins Leben zurückgeholt. Über 100.000 Familien erhielten Grundbesitz.

Zweitausend Schulen entstanden. Eine äußerst bemerkenswerte Alphabetisierungskampagne verringerte den Anteil der Analphabeten im Land auf unter ein Siebtel. Freies Bildungswesen und kostenlose Gesundheitsfürsorge wurden eingeführt. Die Kindersterblichkeit ging um ein Drittel zurück. Polio wurde ausgerottet.

Die Vereinigten Staaten denunzierten diese Leistungen als marxistisch-leninistische Unterwanderung. Aus Sicht der US-Regierung war dies ein gefährliches Beispiel. Erlaubte man Nicaragua, elementare Normen sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit zu etablieren, erlaubte man dem Land, den Standard der Gesundheitsfürsorge und des Bildungswesens anzuheben und soziale Einheit und nationale Selbstachtung zu erreichen, würden benachbarte Länder dieselben Fragen stellen und dieselben Dinge tun. Damals regte sich natürlich heftiger Widerstand gegen den in El Salvador herrschenden Status quo.

Ich erwähnte vorhin das „Lügengespinst“, das uns umgibt. Präsident Reagan beschrieb Nicaragua meist als „totalitären Kerker“. Die Medien generell und ganz bestimmt die britische Regierung werteten dies als zutreffenden und begründeten Kommentar. Aber tatsächlich gab es keine Berichte über Todesschwadronen unter der sandinistischen Regierung. Es gab keine Berichte über Folterungen. Es gab keine Berichte über systematische oder offiziell autorisierte militärische Brutalität. In Nicaragua wurde nie ein Priester ermordet. Es waren vielmehr drei Priester an der Regierung beteiligt, zwei Jesuiten und ein Missionar des Maryknoll-Ordens. Die totalitären Kerker befanden sich eigentlich nebenan in El Salvador und Guatemala. Die Vereinigten Staaten hatten 1954 die demokratisch gewählte Regierung von Guatemala gestürzt, und Schätzungen zufolge sollen den anschließenden Militärdiktaturen mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Sechs der weltweit namhaftesten Jesuiten wurden 1989 in der Central American University in San Salvador von einem Batallion des in Fort Benning, Georgia, USA, ausgebildeten Alcatl-Regiments getötet. Der außergewöhnlich mutige Erzbischof Romero wurde ermordet, als er die Messe las. Schätzungsweise kamen 75.000 Menschen ums Leben. Weshalb wurden sie getötet? Sie wurden getötet, weil sie ein besseres Leben nicht nur für möglich hielten sondern auch verwirklichen wollten. Dieser Glaube stempelte sie sofort zu Kommunisten. Sie starben, weil sie es wagten, den Status quo infrage zu stellen, das endlose Plateau von Armut, Krankheit, Erniedrigung und Unterdrückung, das ihr Geburtsrecht gewesen war.

Die Vereinigten Staaten stürzten schließlich die sandinistische Regierung. Es kostete einige Jahre und beträchtliche Widerstandskraft, doch gnadenlose ökonomische Schikanen und 30.000 Tote untergruben am Ende den Elan des nicaraguanischen Volkes. Es war erschöpft und erneut verarmt. Die Casinos kehrten ins Land zurück. Mit dem kostenlosen Gesundheitsdienst und dem freien Schulwesen war es vorbei. Das Big Business kam mit aller Macht zurück. Die ‚Demokratie‘ hatte sich behauptet.

Doch diese „Politik“ blieb keineswegs auf Mittelamerika beschränkt. Sie wurde in aller Welt betrieben. Sie war endlos. Und es ist, als hätte es sie nie gegeben.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs unterstützten die Vereinigten Staaten jede rechtsgerichtete Militärdiktatur auf der Welt, und in vielen Fällen brachten sie sie erst hervor. Ich verweise auf Indonesien, Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, die Türkei, die Philippinen, Guatemala, El Salvador und natürlich Chile. Die Schrecken, die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt und nie verziehen werden.

In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man natürlich nichts.

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen. Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.

Ich behaupte, die Vereinigten Staaten ziehen die größte Show der Welt ab, ganz ohne Zweifel. Brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos, aber auch ausgesprochen clever. Als Handlungsreisende stehen sie ziemlich konkurrenzlos da, und ihr Verkaufsschlager heißt Eigenliebe. Ein echter Renner. Man muss nur all die amerikanischen Präsidenten im Fernsehen die Worte sagen hören: „das amerikanische Volk“, wie zum Beispiel in dem Satz: „Ich sage dem amerikanischen Volk, es ist an der Zeit, zu beten und die Rechte des amerikanischen Volkes zu verteidigen, und ich bitte das amerikanische Volk, den Schritten ihres Präsidenten zu vertrauen, die er im Auftrag des amerikanischen Volkes unternehmen wird.“

Ein brillanter Trick. Mit Hilfe der Sprache hält man das Denken in Schach. Mit den Worten „das amerikanische Volk“ wird ein wirklich luxuriöses Kissen zur Beruhigung gebildet. Denken ist überflüssig. Man muss sich nur ins Kissen fallen lassen.

Möglicherweise erstickt das Kissen die eigene Intelligenz und das eigene Urteilsvermögen, aber es ist sehr bequem. Das gilt natürlich weder für die 40 Millionen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, noch für die 2 Millionen Männer und Frauen, die in dem riesigen Gulag von Gefängnissen eingesperrt sind, der sich über die Vereinigten Staaten erstreckt.

Den Vereinigten Staaten liegt nichts mehr am low intensity conflict. Sie sehen keine weitere Notwendigkeit, sich Zurückhaltung aufzuerlegen oder gar auf Umwegen ans Ziel zu kommen. Sie legen ihre Karten ganz ungeniert auf den Tisch. Sie scheren sich einen Dreck um die Vereinten Nationen, das Völkerrecht oder kritischen Dissens, den sie als machtlos und irrelevant betrachten. Sie haben sogar ein kleines, blökendes Lämmchen, das ihnen an einer Leine hinterher trottelt, das erbärmliche und abgeschlaffte Großbritannien.

Was ist aus unserem sittlichen Empfinden geworden? Hatten wir je eines? Was bedeuten diese Worte? Stehen sie für einen heutzutage äußerst selten gebrauchten Begriff – Gewissen? Ein Gewissen nicht nur hinsichtlich unseres eigenen Tuns sondern auch hinsichtlich unserer gemeinsamen Verantwortung für das Tun anderer? Ist all das tot? Nehmen wir Guantanamo Bay. Hunderte von Menschen, seit über drei Jahren ohne Anklage in Haft, ohne gesetzliche Vertretung oder ordentlichen Prozess, im Prinzip für immer inhaftiert. Diese absolut rechtswidrige Situation existiert trotz der Genfer Konvention weiter. Die sogenannte „internationale Gemeinschaft“ toleriert sie nicht nur, sondern verschwendet auch so gut wie keinen Gedanken daran. Diese kriminelle Ungeheuerlichkeit begeht ein Land, das sich selbst zum „Anführer der freien Welt“ erklärt. Denken wir an die Menschen in Guantanamo Bay? Was berichten die Medien über sie? Sie tauchen gelegentlich auf – eine kleine Notiz auf Seite sechs. Sie wurden in ein Niemandsland geschickt, aus dem sie womöglich nie mehr zurückkehren. Gegenwärtig sind viele im Hungerstreik, werden zwangsernährt, darunter auch britische Bürger. Zwangsernährung ist kein schöner Vorgang. Weder Beruhigungsmittel noch Betäubung. Man bekommt durch die Nase einen Schlauch in den Hals gesteckt. Man spuckt Blut.

Das ist Folter. Was hat der britische Außenminister dazu gesagt? Nichts. Was hat der britische Premierminister dazu gesagt? Nichts. Warum nicht? Weil die Vereinigten Staaten gesagt haben: Kritik an unserem Vorgehen in Guantanamo Bay stellt einen feindseligen Akt dar. Ihr seid entweder für uns oder gegen uns. Also hält Blair den Mund.

Die Invasion des Irak war ein Banditenakt, ein Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung des Prinzips von internationalem Recht demonstrierte. Die Invasion war ein willkürlicher Militäreinsatz, ausgelöst durch einen ganzen Berg von Lügen und die üble Manipulation der Medien und somit der Öffentlichkeit; ein Akt zur Konsolidierung der militärischen und ökonomischen Kontrolle Amerikas im mittleren Osten unter der Maske der Befreiung, letztes Mittel, nachdem alle anderen Rechtfertigungen sich nicht hatten rechtfertigen lassen. Eine beeindruckende Demonstration einer Militärmacht, die für den Tod und die Verstümmelung abertausender Unschuldiger verantwortlich ist.

Wir haben dem irakischen Volk Folter, Splitterbomben, abgereichertes Uran, zahllose, willkürliche Mordtaten, Elend, Erniedrigung und Tod gebracht und nennen es „dem mittleren Osten Freiheit und Demokratie bringen“.

Wie viele Menschen muss man töten, bis man sich die Bezeichnung verdient hat, ein Massenmörder und Kriegsverbrecher zu sein? Einhunderttausend? Mehr als genug, würde ich meinen. Deshalb ist es nur gerecht, dass Bush und Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof kommen. Aber Bush war clever. Er hat den Internationalen Strafgerichtshof gar nicht erst anerkannt. Für den Fall, dass sich ein amerikanischer Soldat oder auch ein Politiker auf der Anklagebank wiederfindet, hat Bush damit gedroht, die Marines in den Einsatz zu schicken. Aber Tony Blair hat den Gerichtshof anerkannt und steht für ein Gerichtsverfahren zur Verfügung. Wir können dem Gerichtshof seine Adresse geben, falls er Interesse daran hat. Sie lautet Number 10, Downing Street, London.

Der Tod spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Für Bush und Blair ist der Tod eine Lappalie. Mindestens 100.000 Iraker kamen durch amerikanische Bomben und Raketen um, bevor der irakische Aufstand begann. Diese Menschen sind bedeutungslos. Ihr Tod existiert nicht. Sie sind eine Leerstelle. Sie werden nicht einmal als tot gemeldet. „Leichen zählen wir nicht“, sagte der amerikanische General Tommy Franks.

Ganz zu Beginn der Invasion veröffentlichten die britischen Zeitungen auf der Titelseite ein Foto von Tony Blair, der einen kleinen irakischen Jungen auf die Wange küsst. „Ein dankbares Kind“, lautete die Überschrift. Einige Tage später gab es auf einer Innenseite einen Bericht und ein Foto von einem anderen vierjährigen Jungen, ohne Arme. Eine Rakete hatte seine Familie in die Luft gesprengt. Er war der einzige Überlebende. „Wann bekomme ich meine Arme wieder?“ fragte er. Der Bericht wurde nicht weiter verfolgt. Nun, diesen Jungen hielt auch nicht Tony Blair in den Armen, weder ihn noch sonst ein anderes verstümmeltes Kind oder irgendeine blutige Leiche. Blut ist schmutzig. Es verschmutzt einem Hemd und Krawatte, wenn man eine aufrichtige Ansprache im Fernsehen hält.

Die 2000 toten Amerikaner sind peinlich. Sie werden bei Dunkelheit zu ihren Gräbern transportiert. Die Beerdigungen finden dezent statt, an einem sicheren Ort. Die Verstümmelten verfaulen in ihren Betten, manche für den Rest ihres Lebens. Die Toten und die Verstümmelten verfaulen beide, nur in unterschiedlichen Gräbern.

Dies ist ein Stück aus einem Gedicht von Pablo Neruda: „Erklärung einiger Dinge“:

Und eines Morgens brachen die Flammen aus allem,
und eines Morgens stiegen lodernde Feuer
aus der Erde,
verschlangen Leben,
und seither Feuer,
Pulver seither,
und seither Blut.
Banditen mit Flugzeugen und Marokkanern,
Banditen mit Ringen und Herzoginnen,
Banditen mit segnenden schwarzen Mönchen
kamen vom Himmel, um Kinder zu töten,
und durch die Strassen das Blut der Kinder
floss einfach, wie das Blut von Kindern.
Schakale, widerwärtig für einen Schakal,
Steine, auf die die trockene Distel gespien hätte,
Vipern, die Vipern verachten würden!
Vor euch habe ich das Blut
Spaniens aufwallen gesehn,
euch zu ersäufen in einer einzigen Woge
von Stolz und Messern!
Generäle
Verräter:
seht mein totes Haus,
seht mein zerbrochenes Spanien:
doch aus jedem Haus schiesst brennendes Metall
anstelle von Blumen,
aus jedem Loch in Spanien
springt Spanien empor,
aus jedem ermordeten Kind wächst ein Gewehr mit Augen,
aus jedem Verbrechen werden Kugeln geboren,
die eines Tages den Sitz
eines Herzens finden werden.
Ihr fragt, warum seine Dichtung uns nichts
von der Erde erzählt, von den Blättern,
den großen Vulkanen seines Heimatlandes?
Kommt, seht das Blut in den Strassen,
kommt, seht
das Blut in den Straßen,
kommt, seht doch das Blut
in den Strassen! 1

Ich möchte ganz unmissverständlich sagen, dass ich, indem ich aus Nerudas Gedicht zitiere, keinesfalls das republikanische Spanien mit dem Irak Saddam Husseins vergleiche. Ich zitiere Neruda, weil ich nirgendwo sonst in der zeitgenössischen Lyrik eine so eindringliche, wahre Beschreibung der Bombardierung von Zivilisten gelesen habe.
Ich sagte vorhin, die Vereinigten Staaten würden ihre Karten jetzt völlig ungeniert auf den Tisch legen. Dem ist genau so. Ihre offiziell verlautbarte Politik definiert sich jetzt als „full spectrum dominance“. Der Begriff stammt nicht von mir sondern von ihnen. „Full spectrum dominance“ bedeutet die Kontrolle über Land, Meer, Luft und Weltraum, sowie aller zugehörigen Ressourcen.

Die Vereinigten Staaten besitzen, über die ganze Welt verteilt, 702 militärische Anlagen in 132 Ländern, mit der rühmlichen Ausnahme Schwedens natürlich. Wir wissen nicht ganz genau, wie sie da hingekommen sind, aber sie sind jedenfalls da.
Die Vereinigten Staaten verfügen über 8000 aktive und operative Atomsprengköpfe. Zweitausend davon sind sofort gefechtsbereit und können binnen 15 Minuten abgefeuert werden. Es werden jetzt neue Nuklearwaffensysteme entwickelt, bekannt als Bunker-Busters. Die stets kooperativen Briten planen, ihre eigene Atomrakete Trident zu ersetzen. Wen, frage ich mich, haben sie im Visier? Osama Bin Laden? Sie? Mich? Joe Dokes? China? Paris? Wer weiß das schon? Eines wissen wir allerdings, nämlich dass dieser infantile Irrsinn – der Besitz und angedrohte Einsatz von Nuklearwaffen – den Kern der gegenwärtigen politischen Philosophie Amerikas bildet. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass sich die Vereinigten Staaten dauerhaft im Kriegszustand befinden und mit nichts zu erkennen geben, dass sie diese Haltung aufgeben.

Abertausende wenn nicht gar Millionen Menschen in den USA sind nachweislich angewidert, beschämt und erzürnt über das Vorgehen ihrer Regierung, aber so wie die Dinge stehen, stellen sie keine einheitliche politische Macht dar – noch nicht. Doch die Besorgnis, Unsicherheit und Angst, die wir täglich in den Vereinigten Staaten wachsen sehen können, werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schwinden.

Ich weiß, dass Präsident Bush zahlreiche ausgesprochen fähige Redenschreiber hat, aber ich möchte mich freiwillig für den Job melden. Ich schlage folgende kurze Ansprache vor, die er im Fernsehen an die Nation halten kann. Ich sehe ihn vor mir: feierlich, penibel gekämmt, ernst, gewinnend, aufrichtig, oft verführerisch, manchmal mit einem bitteren Lächeln, merkwürdig anziehend, ein echter Mann.

„Gott ist gut. Gott ist groß. Gott ist gut. Mein Gott ist gut. Bin Ladens Gott ist böse. Er ist ein böser Gott. Saddams Gott war böse, wenn er einen gehabt hätte. Er war ein Barbar. Wir sind keine Barbaren. Wir hacken Menschen nicht den Kopf ab. Wir glauben an die Freiheit. So wie Gott. Ich bin kein Barbar. Ich bin der demokratisch gewählte Anführer einer freiheitsliebenden Demokratie. Wir sind eine barmherzige Gesellschaft. Wir gewähren einen barmherzigen Tod auf dem elektrischen Stuhl und durch barmherzige Todesspritzen. Wir sind eine große Nation. Ich bin kein Diktator. Er ist einer. Ich bin kein Barbar. Er ist einer. Und er auch. Die alle da. Ich besitze moralische Autorität. Seht ihr diese Faust? Das ist meine moralische Autorität. Und vergesst das bloß nicht.“

Das Leben eines Schriftstellers ist ein äußerst verletzliches, fast schutzloses Dasein. Darüber muss man keine Tränen vergießen. Der Schriftsteller trifft seine Wahl und hält daran fest. Es stimmt jedoch, dass man allen Winden ausgesetzt ist, und einige sind wirklich eisig. Man ist auf sich allein gestellt, in exponierter Lage. Man findet keine Zuflucht, keine Deckung – es sei denn, man lügt – in diesem Fall hat man sich natürlich selber in Deckung gebracht und ist, so ließe sich argumentieren, Politiker geworden.

Ich habe heute Abend etliche Male vom Tod gesprochen. Ich werde jetzt ein eigenes Gedicht zitieren. Es heißt „Tod“.

Wo fand man den Toten?
Wer fand den Toten?
War der Tote tot, als man ihn fand?
Wie fand man den Toten?
Wer war der Tote?
Wer war der Vater oder die Tochter oder der Bruder
Oder der Onkel oder die Schwester oder die Mutter oder der Sohn
Des toten und verlassenen Toten?
War er tot, als er verlassen wurde?
War er verlassen?
Wer hatte ihn verlassen?
War der Tote nackt oder gekleidet für eine Reise?
Warum haben Sie den Toten für tot erklärt?
Haben Sie den Toten für tot erklärt?
Wie gut haben Sie den Toten gekannt?
Woher wussten sie, dass der Tote tot war?
Haben Sie den Toten gewaschen
Haben Sie ihm beide Augen geschlossen
Haben Sie ihn begraben
Haben Sie ihn verlassen
Haben Sie den Toten geküsst 2

Blicken wir in einen Spiegel, dann halten wir das Bild, das uns daraus entgegensieht, für akkurat. Aber bewegt man sich nur einen Millimeter, verändert sich das Bild. Wir sehen im Grunde eine endlose Reihe von Spiegelungen. Aber manchmal muss ein Schriftsteller den Spiegel zerschlagen – denn von der anderen Seite dieses Spiegels blickt uns die Wahrheit ins Auge.

Ich glaube, dass den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung darstellt, die uns allen zufällt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig.
Wenn sich diese Entschlossenheit nicht in unserer politischen Vision verkörpert, bleiben wir bar jeder Hoffnung, das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben – die Würde des Menschen.

1.aus Pablo Neruda: Dritter Aufenthalt auf Erden, 1937/1947.
Übersetzt von Erich Arendt, in Der unsichtbare Fluss – ein Lesebuch herausgegeben von Victor Farias. Luchterhand, Hamburg, 1994.
2. aus Harold Pinter: Krieg. Übersetzt von Elisabeth Plessen und Peter Zadek. Rogner und Bernhard, Hamburg, 2003.

Übersetzung von Michael Walter
© DIE NOBELSTIFTUNG 2005

zeitgeschichte

Folter und Elend im Namen der Freiheit

Harold Pinter – Die folgenden Anmerkungen stammen aus Harold Pinters Dankesrede, die er anlässlich der Überreichung des Wilfred-Owen-Preises Anfang des Jahres hielt.


Owen artikulierte die Tragödie, den Schrecken – und gewiss auch das Mitleid – des Krieges wie kein anderer Dichter.

Der große Dichter Wilfred Owen artikulierte die Tragödie, den Schrecken – und gewiss auch das Mitleid – des Krieges wie kein anderer Dichter. Allerdings haben wir nichts dazu gelernt. Fast 100 Jahre nach seinem Tod ist die Welt grausamer, brutaler, erbarmungsloser geworden.

Aber die „freie Welt“, wie sie von den USA und Großbritannien verkörpert wird, erklärt man uns, unterscheidet sich vom Rest der Welt, da unsere Handlungen von einer moralischen Autorität und einer moralischen Passion diktiert und sanktioniert und von jemanden, den man Gott nennt, geduldet werden. Es gibt Menschen, denen es schwer fällt, das zu verstehen, Osama bin Laden aber findet es leicht.

Was würde Wilfred Owen zur Invasion im Irak sagen? Eine verbrecherische Handlung, ein eklatanter Fall von Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung der Auffassungen des Völkerrechts demonstriert. Eine eigenmächtige Militäraktion, die durch eine Serie immer neuer Lügen und grober Manipulationen der Medien und deshalb der Öffentlichkeit hervorgerufen wurde. Eine Handlung, die darauf zielte, die militärische und ökonomische Kontrolle der USA über den Nahen Osten zu festigen und getarnt wurde als Befreiung – als letztes Mittel, nachdem alle anderen Begründungen bisher misslungen waren, um sich selbst zu rechtfertigen. Eine hervorragende Behauptung militärischer Stärke, die für den Tod und die Verstümmelung von Tausenden und Abertausenden von unschuldigen Menschen verantwortlich ist.

Eine unabhängige und vollkommen objektive Darstellung der getöteten Iraker in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ schätzt, dass sich die Zahl auf fast 100.000 beläuft. Aber weder die USA noch die Briten scheren sich darum die getöteten Iraker zu zählen. Wie Tommy Franks vom Oberkommando der US-Streitkräfte denkwürdigerweise sagte: „Wir stellen nicht die Zahl der Todesopfer fest.“

Wir haben den Menschen im Irak Folter, Streubomben, abgereichertes Uran, unzählige wahllose Morde, Elend und Erniedrigung gebracht und nannten es „Freiheit und Demokratie in den Nahen Osten bringen“. Wie wir aber alle wissen, wurden wir nicht mit den prophezeiten Blumen willkommen geheißen. Was wir entfesselt haben, sind ein heftiger und unaufhörlicher Widerstand und chaotische Zustände.

Sie könnten an dieser Stelle vielleicht einwenden: Was ist mit den Wahlen im Irak? Präsident Bush selbst hat diese Frage beantwortet, als er sagte: „Wir können nicht akzeptieren, dass es in einem Land, das unter ausländischer militärischer Besatzung steht, freie demokratische Wahlen stattfinden.“ Ich musste diese Äußerung zwei Mal lesen, bevor ich begriff, dass er über den Libanon und Syrien sprach.

Was sehen Bush und Blair nun tatsächlich, wenn sie sich im Spiegel betrachten?

Ich glaube Wilfred Owen würde unsere Verachtung, unseren Ekel, unsere Übelkeit und unseren Scham sowohl über die Sprache als auch über die Handlungen der amerikanischen und britischen Regierung teilen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei The Independent & ZNet
Übersetzung aus dem Englischen: Tony Kofoet

terror

Flugpassagier in Miami erschossen

Auf dem Flughafen von Miami haben bewaffnete US-Flugbegleiter einen Passagier erschossen. Er soll behauptet haben, eine Bombe mit sich zu führen. Bislang wurde jedoch kein Sprengstoff gefunden.

Bei einem dramatischen Zwischenfall auf dem Flughafen von Miami haben bewaffnete Flugbegleiter einen Passagier erschossen. Der 44-jährige US-Bürger war verdächtigt worden, eine Bombe bei sich zu haben. Sprengstoff wurde später keiner gefunden. Der Mann habe an Bord eines Passagierflugzeugs gesagt, er trage eine Bombe bei sich. Dies sagte James Bauerm, Chef der örtlichen Einheit bewaffneter Flugbegleiter, der so genannten «Sky Marshals».
Der Mann sei von den «Sky Marshals» gestellt worden, haben deren Anweisungen aber nicht Folge geleistet und sei geflohen. Daraufhin hätten die Beamten geschossen. Es sei jedoch kein Sprengstoff gefunden worden, als Spezialisten anschliessend das Gepäck des Mannes kontrolliert sprengten.

Kein terroristischer Hintergrund
Es gebe keine Verbindung des Falls zu einem terroristischen Hintergrund oder anderen Ereignissen, sagte Bauer. Der Mann sei in Miami offenbar in Begleitung seiner Frau in das Flugzeug der American Airlines gestiegen. Als er an Bord war, habe er behauptet, er trage eine Bombe bei sich.

Die «Sky Marshals» hätten sich daraufhin zu erkennen gegeben, der Mann habe Anweisungen aber ignoriert. Stattdessen floh er aus der Maschine und wollte über den Verbindungsgang in den Flughafen gelangen, wie eine Sprecherin des Ministeriums für innere Sicherheit sagte. Dabei habe es ausgesehen, als wollte er in sein Gepäck greifen. Die «Sky Marshals» hätten «geeignete Massnahmen» ergriffen und mehrmals geschossen.

Depressiver ohne Medikamente?
Anschliessend umstellten Polizei und Spezialkräfte das Flugzeug. Die Passagiere kamen mit erhobenen Händen aus der Maschine, wie es von den Sicherheitskräften angeordnet worden war. Spürhunde suchten das Gepäck der insgesamt 144 Passagiere nach Sprengstoff ab. Die Maschine hätte von Miami aus in das ebenfalls im US-Bundesstaat Florida gelegene Orlando fliegen sollen. Der Getötete soll Medienberichten zufolge aus der Nähe von Orlando stammen.
Die Behörden konnten nicht bestätigen, ob der Getötete unter Depressionen litt, wie es der Bericht einer Augenzeugin nahe gelegt hatte. Eine Flugreisende hatte gesagt, sie habe gehört, wie eine andere Frau hinter dem Mann hergelaufen sei und ihn als ihren Ehemann bezeichnet habe. Er leide an Depressionen und habe seine Medikamente nicht bekommen, rief die hysterisch wirkende Ehefrau demnach.

Tausende von «Sky Marshals»
Es ist der erste Fall, in dem bewaffnete US-Flugbegleiter einen Menschen erschossen haben. «Sky Marshals» werden in den USA seit einer Entführungswelle in den 70er Jahren eingesetzt. Waren es vor den Anschlägen des 11. September 2001 nach offiziellen Angaben nur 33 solcher bewaffneter Flugbegleiter, soll ihre Zahl heute in die Tausende reichen. Genaue Zahlen werden jedoch nicht veröffentlicht.

deutschland

Das Chaos war gewollt!

Elmar Getto – Zu welchen unerhörten Folgen in der Praxis Hartz IV führt, kann man wöchentlich auf den Montagsdemos am „offenen Mikrophon“ hören. Aber auch die Medien kommen nicht darum herum, zumindest gelegentlich die extremen Folgen der „Reform“ aufzuzeigen, die eigentlich die Arbeitslosigkeit bekämpfen sollte, aber doch nur die Arbeitslosen bekämpft und Niedriglohnbereiche schafft – und zudem zu keinerlei Einsparungen geführt hat.


Das Chaos war gewollt! Wie immer, muß dafür niemand gerade stehen. Im Gegenteil, die Bundeskanzlerin lobt ihren Vorgänger ausdrücklich hierfür

So berichtete „Report München“ unter dem Titel „Hartz IV absurd“ darüber, was einer Münchener Hartz-IV-Geschädigten zugestoßen ist. Die alleinerziehende Frau arbeitete 20 Stunden in der Woche und bekam vom Sozialamt, später von der Münchener ARGE ihre kärgliche Entlohnung mit Sozialhilfe aufgebessert. Doch im Oktober 2003 fand sie eine Arbeit mit 30 Stunden in der Woche und einem verbesserten Einkommen.

Wie vorgeschrieben, teilte sie sofort ihre neue Arbeit und das Einkommen der Behörde mit und erwartete einen neuen Bescheid. Nur mit diesem, voraussichtlichen ablehnenden, Bescheid kann sie nämlich eventuell Wohngeld und Kinderzulage beantragen. Und damit begann ihre Odysse.

Statt eines neuen Bescheids kam nämlich nichts vom Amt und es wurde weiter Sozialhilfe überwiesen. Wochen und Monate versuchte sie, das Sozialamt und später die ARGE dazu zu bringen, ihren Fall zu bearbeiten, mit Telefonaten und Besuchen. Wiederholt wurde ihr zugesagt, daß dies geschähe – aber es tat sich nichts.

Auf die wiederholte Vorhaltung, es sei doch sinnvoll, daß das Geld nicht mehr überwiesen würde, kam schließlich die pampige Antwort, was sie zuviel erhalten habe, müsse sie sowieso zurückzahlen. So ging es Woche für Woche, Monat für Monat. Im Juni 2004 schließlich, 9 Monate nach ihrer Arbeitsaufnahme, schrieb sie eine Beschwerde an den Amtsleiter. Keine Antwort!

Die Erklärungen, die ‚Report’ von der Behörde bekommt, lauten auf „Überlastung“. Man stelle sich vor, wie unsere beliebten Politiker, die sich mit Zapfenstreichen der Bundeswehr feiern lassen, die eigenen Behörden haben hängen lassen: Überlastung führt zu mehr als 1 Jahr Bearbeitungszeit! Selbst der Amtsleiter ist so überlastet, daß er nicht reagieren kann.

Nun hatten ja bereits vor Einführung von Hartz IV im Herbst 2003 verschiedene Persönlichkeiten davor gewarnt, diese Rückwärts-Reform auf der Basis eines komplizierten und nicht erprobten Softwaresystems sofort einzuführen und für Verschiebung plädiert.

Doch unsere Politiker-Kaste wußte es besser: Es war ja klar, es geht hauptsächlich darum, Angst und Schrecken zu verbreiten und so das Klima zu schaffen, in dem massiver Lohnabbau und Niedriglohnbereiche akzeptiert würden. Dafür kamen ihnen überforderte Bedienstete gerade recht. So wurde Hartz IV nicht nur auf dem Rücken der Arbeitslosen, sondern auch auf dem der Beschäftigten der früheren Sozial- und Arbeitsämter ausgetragen. Das Chaos war gewollt! Wie immer, muß dafür niemand gerade stehen. Im Gegenteil, die Bundeskanzlerin lobt ihren Vorgänger ausdrücklich hierfür.

Im August 2004 wurde die Sache noch absurder [Warum kann man nur keinen einzigen Artikel über Hartz IV schreiben, ohne das Wort ‚absurd’ gebrauchen zu müssen? Und da gibt es doch Kräfte in der Linkspartei, die nicht für die vollständige Abschaffung von Hartz IV plädieren, sondern es für ‚verbesserungsfähig’ halten]: Das Amt hatte zwar keine Zeit für die Bearbeitung des Falles der Münchnerin, aber dafür, ihr eine Aufforderung zu einem Gespräch bezüglich ‚langer Arbeitslosigkeit’ zu schicken – und das 10 Monate, nachdem sie Arbeit gefunden hatte.

Doch die hervorragende ‚Arbeitsmarktreform’, den Politikern von Huren-Hartz von VW in die Feder diktiert, kann, wie schon vorher bewiesen, die Absurdiditäten noch steigern: Im Oktober 2004, inzwischen schon ein Jahr wieder in Arbeit und ohne Bearbeitung ihres Vorgangs, erhält die Münchnerin einen erneuten Brief von der ARGE. Wiederum nicht den Bescheid. Diesmal soll sie am 31.Oktober vorsprechen bezüglich ihres ‚Bewerberangebots’. Nun konnte auch die Geplagte, von ‚Report’ befragt, das A-Wort nicht mehr vermeiden: „Es war so ein absurder Brief, daß ich schallend gelacht habe.“

Als sich dann aber ‚Report’ einschaltete und Fragen stellte, bekam die Münchnerin schließlich – nach mehr als einem Jahr – ihren Bescheid. Wie lange sie wohl ohne ‚Report’ hätte warten müssen?

5 Millionen Arbeitslose einstellen
Absurd, absurder, am absurdesten

vermischtes

Alle Jahre wieder stinkt Ihr wieder

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Harald Haack – Leider gibt es viele Zeitgenossen, die das umweltmedizinische Problem nicht begriffen haben und denken, dass Menschen, die parfümempfindlich wurden, nur geruchsempfindlich sind. Wenn es den Chemisch Verletzten, den Chemikalienempfindlichen, nur um Gerüche ginge, dann wären sie sicherlich alle psychisch gestört. Und das ist genau das, was die Chemische Industrie, die verantwortlich für die enormen Körperverletzungen ist, möchte, um sich aus der Affäre zu ziehen. Bei kaum einem Patienten mit MCS (Mehrfache Chemikalien Empfindlichkeit) oder MS (Multiple Sklerose) liegt die Erkrankungen in der Psyche begründet. Denn: Geruch und Gift sind zweierlei! Geruch tötet nicht, Gift dagegen sehr. Nicht der Geruch von Giftgas, das verschiedene, sehr angenehme Gerüche – zwischen grünem Apfel und frischem Heu – haben kann, tötet, sondern die Chemie des Giftgases, die lebenswichtige Enzyme des Organismus‘ blockiert und damit den Tod herbei führt.


Geruch tötet nicht, Gift dagegen sehr.

Über “Die weitgehend verdrängte Bedrohung der menschlichen Intelligenz durch die Vergiftung der Umwelt” schreiben Ulrich Berger und Christoph Stein in ihrem Artikel “Die Verblödung schreitet voran”: “Schwermetalle, radioaktive Stoffe, chemische Umweltgifte und Mangelernährung zerstören die menschliche Intelligenz. Weltweit ist das zentrale Nervensystem des Menschen bereits so stark geschädigt, dass ein globaler Rückgang der menschlichen Intelligenzleistung nicht mehr verhindert werden kann. Das menschliche Gehirn zerfällt. Dieser Zerfall wird seit Jahren von Ärzten und Neurophysiologen beobachtet. Die gesellschaftlichen Schutzinstitutionen, Recht, Wissenschaft und Politik haben versagt. Die Menschheit verblödet.”

Parfüme – ein tückischer Trugschluss
Völlig übersehen in der Liste all jener Stoffe, bei denen “Auswirkungen auf die innere Sekretion nachgewiesen worden sind” haben Ulrich Berger und Christoph Stein jene hochtoxischen Lösemittel-Mixes, die als “Parfüme” frei erhältlich sind und die von die meisten Menschen für gesundheitlich unbedenklich gehalten werden. Ein tückischer Trugschluss, denn gerade Parfüme verändern nachhaltig und in tragischer Weise das Leben und gehen im wahrsten Sinne des Werbeslogans eines Herrenduftes unter die Haut.

Parfüme werden seit den Zwanziger Jahren aus synthetischen Lösemitteln hergestellt. Die Parfümindustrie sucht zwar ständig nach neuen natürlichen Duftstoffen, doch die werden nie in einem Parfüm verwendet. Was später drin steckt, sind billige synthetische Nachahmungen. Leider sind diese Stoffe dann giftiger als die natürliche Vorlage. Wenn sie chronisch auf den Organismus einwirken, dann schädigen sie vor allem die Bluthirnschranke. Sie besteht aus Gliazellen, die die Blutkapillaren im Gehirn und im Rückenmark umgeben und sie fungiert als Barriere zwischen Gehirn und Blut; ein Schutzwall gegenüber giftigen Substanzen in der Atemluft. Ist die Bluthirnschranke aber erst einmal geschädigt, dann wirken Gifte, wie sie in Parfümen hundertfach enthalten sind, direkt aufs Gehirn und erzeugen ein körpereigenes Nervengift, das S-100-Protein. Das ist in etwa so, als würde man einem Menschen den Schädel trepanieren und ihm mittels einer Spritze zum Beispiel Nitroverdünnung ins Gehirn spritzen; zugegebenermaßen ein ziemlich heftiger Vergleich, aber keineswegs unpassend. Parfüm ist chemisch nichts anderes und besseres als Nitroverdünnung, es duftet manchmal scheinbar angenehmer. Es muß in Glasflakons aufbewahrt werden, weil es Kunststoffe angreift und zersetzt.

In synthetischen Parfümen gibt es mehr als 5.000 Gifte, die ihrerseits zu 95 % aus Petroleum hergestellt werden. In einem einzigen viel benutzten Parfüm wurden 182 verschiedene giftige Lösemittel gefunden. Parfüme sind ähnlich langlebig und fettlöslich wie Chlorpestizide. Sie verursachen reizende, sensibilisierende und phototoxische Reaktionen und können selbst in winzigen Dosen Wirkungen im Zentralen Nervensystem auslösen. Parfüme machen nicht nur süchtig, sondern auch aggressiv. Etliche Menschen wurden durch Parfüme zu Amokläufern. Wildtiere flüchten vor parfümierten Menschen, während sie zu nicht parfümierten Menschen unglaublich zutraulich sein können. Der weiße Tiger „Montecore“, ein ganz großer Liebling des 59-jährigen Magiers Roy Horn, fiel diesen Anfang Oktober 2003 vor mehr als 1500 Zuschauern an. Es war dies der erste Auftritt dieses Tieres vor Publikum in Las Vegas. Die Parfüme der Zuschauer hatten es sehr wahrscheinlich ausrasten lassen.

Der schiere Wahnsinn – “Duft-Marketing”
Es gibt Firmen, die Parfüme zur Verkaufsförderung anbieten. In Duftsäulen kommen sie bereits in vielen bekannten Kaufhäusern und Mode-Läden zum Einsatz – trotz ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung. Eine kriminelle Manipulation der Verbraucher! Angeblich sollen die verwendeten Substanzen unschädlich sein. Fragt sich nur: Unschädlich wofür? Für die Geräte? Jedenfalls tragen die Metallflaschen, in denen die Parfüm-Lösungen für solche Duftsäulen aufbewahrt werden, einen roten Warnaufkleber mit Totenkopf-Symbol – wie das RTL-Fernsehen in einer Reportage im Mai 2001 zeigte.

Doch wer sich bei Ärzten auf der sicheren Seite vor solchen kriminellen Taten wähnt, irrt. Wie die Ärzte-Zeitung schreibt, wollen bzw. sollen Patienten “von kaum wahrnehmbaren Düften” in die Arztpraxen gelockt werden. Wie gesagt: Duft und Duft ist nicht das selbe. Es gibt viele Gerüche in der Natur, die harmlos sind und nicht die Gesundheit schädigen. Es gibt allerdings auch in der Natur fleischfressende Pflanzen, die Düfte als Lockmittel einsetzen, um Insekten anzulocken und um diese dann zu verspeisen. Und es gibt Gerüche in der Natur, die für Menschen sehr interessant und lieblich duften, aber bei entsprechender Konzentration töten können. Der Duft von Maiglöckchen zum Beispiel.

Das Prinzip einiger Pflanzen Düfte als Lockmittel einsetzen, soll nun also auch Einzug in Arztpraxen halten. So werden aus vermeintlichen “Heilern” Handlanger einer weltweiten kriminellen Vereinigung, die auch noch von Politikern geschützt werden.

Die Ärzte-Zeitung schreibt:
“Ein Anbieter brachte sogar einen entspannenden Duft speziell für das Wartezimmer in Arztpraxen mit dem Namen „ohne Angst“ auf den Markt. Auch in den Praxen von Kinderärzten können die Verkäufer der Duft-Stoffe immer häufiger ihre Ware absetzen. Ärzte sind eine lukrative Zielgruppe für Duft-Marketing-Firmen. So zählt einer der führenden Anbieter am deutschsprachigen Markt etwa 80 Arztpraxen zu seinen Kunden.”

Alle Parfüme, egal, ob sie nun heftig duften oder angeblich nicht wahrgenommen werden, wirken direkt auf das Zentrale Nervensystem. Wenn es nicht so wäre, so wäre bislang niemand auf die Idee gekommen damit Menschen zu manipulieren. Chronische Einwirkung solcher “Kampfstoffe” – das Pentagon verfügt übrigens über chemische Kampfstoffe, deren Stärke im Duft liegt – schädigen, wie etliche Studien zeigten (siehe hierzu auch: “Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie”, BI Wissenschaftsverlag) alle Organe, besonders Leber, Herz und Gehirn. Wie Dr. Kuklinski (Rostock) kürzlich in mehreren Vorträgen mitteilte, habe man heraus gefunden, dass die Chemikalienempfindlichkeit aus einer Schädigung der Bluthirnschranke resultiere. Diese stelle eine Schutzmauer zwischen Schadstoffen in der Atmungsluft dar. Ist sie geschädigt, so können toxische Fremdstubstanzen – und dazu zählen auch die “kaum wahrnehmbare Parfüme” in Arztpraxen – direkt ins Gehirn gelangen und hier toxische Reaktionen auslösen. Werden solche Einwirkung nicht gestoppt, so Dr. Kuklinski, könnten die Patienten durch die dadurch entstehende Schädigungen von Hirnsubstanz in Demenz geraten. Auch Alzheimer könne eine Folge davon sein.

Dr. Kuklinski und auch andere umweltmedizinische Spezialistin empfahlen neben einer Kontaminationsvermeidung die Einnahme des Q10-Enzyms. In der ARD-Sendung „Plusminus“ wurde kürzlich behauptet, der Körper brauche es nicht. Der Verkauf von Q10-Enzym in Apotheken sei reine Geldmacherei. Prompt behaupte eine Apothekrin mir gegenüber etliche Tage später, als ich Q10 verlangte, sie führe das Produkt nicht, weil der Körper es nicht brauche.

Ich entgegenete: „Ihr Körper braucht es wohl nicht, doch meiner, da der vor einigen Jahren bei einem Bahnunfall chemisch verletzt wurde.“ Sie erwiderte: „Es sei nicht erwiesen, dass Q10 vom Körper angenommen und genutzt werde.“ So erklärte ich ihr, dass Dr. Runow (Klinik Bad Ems) den Fall einer Patientin erwähnte, deren S-100-Wert bei 0,58 lag. Nach einjähriger Einnahme von Q10 sei der dann auf die Hälfte zurück gegangen. Und ich hätte vor zwei Jahren meinen S-100-Wert im Blut messen lassen. Damals war der bei 0,14 gewesen. Täglich hätte ich 60 mg Q10 geschluckt. Nun wurde mein S-100-Wert erneut festgestellt und der sei auf 0,03 abgerutscht.


Das Medizinische Labor Bremen ermittelte am 23.9.2003 im Blut von Harald Haack einen S-100-Wert von 0,14. Gut zwei Jahre später, nach täglicher Einnahme von 60 mg Q10-Enzym fand das Labor Prof. Arndt & Partner am 18.10.2005 nur noch einen Wert von 0,03.

Dr. Kuklinski nennt in einem seiner Aufsätze den Tumormarker-Wert von 0,20. Der gelte für Patienten mit Schwarzem Hautkrebs. Werte von 0,07 und darüber könnten für eine offene Blut-Hirn-Schranke verstanden werden. Und da mein Wert inzwischen auf 0,03 dank der Einnahme von Q10 abgerutscht sein, muss mein Körper das Q10 also sinnvoll genutzt haben. Davon war die Apotherin überrascht und sagte, sie hätte die Behauptung, dass Q10 nichts bewirkt, aus dem Fernsehen erfahren. Ich konnte nicht anders und fragte sie, ob sie ihr Fachwissen nur vom Fernsehen bezieht, schließlich gebe es noch viele andere Sendungen mit zweifelhaften medizinischen Kenntnissen, zum Beispiel „Schwarzwaldklinik“, „Rettungsflieger“…

Übrigens, falls Sie es noch nicht wußten: In After Shaves, Haargels, Weichspüler, Geschirrspülmittel etc. sind Parfüme enthalten. In einigen Geschirrspülmitteln sind neuerdings Alkylpolyglycoside (APG) enthalten. Die werden aus Kokosöl und Maisstärke hergestellt und gelten als hautfreundlich. Doch die Industrie kann es nicht lassen und kompensiert den Verbrauchervorteil der Hautfreundlichkeit mit Parfüm und anderen Schadstoffen – wie zum Beispiel mit dem Biozit Isothiazolon, welches das Spülmittel konserviert und dem Geschirr (als wenn wir nur noch Plastikteller verwenden) antistatisch machen soll. Isothiazolon führt (bei sensibilisierten Personen, also Menschen, die schon durch andere Gifte geschädigt wurden) zu Hautekzemen.

Mehr über Isothiazolone berichten Markus Binder, Wigbert Maraun und Herbert Obenland vom Arquk-Umweltlabor:
„Isothiazolone werden häufig in Dispersionsfarben als Konservierungsstoff eingesetzt. Aufgrund ihres allergenen Potenzials ist diese Anwendung jedoch nicht unproblematisch, da sie bei Innenraum-Anwendungen auch noch nach dem Trocknungsprozess in die Raumluft freigesetzt werden. Sensibilisierte Menschen können mit Allergien und Hautekzemen reagieren.“

Aequk-Umweltlabor: Isothiazolone aus Wandfarben
Telepolis: Die Verblödung schreitet voran

spionage

Klage gegen Ex-CIA-Direktor wegen Verschleppung eines Deutschen

WASHINGTON – Wegen illegaler Verschleppung, Inhaftierung, Folter und anderer inhumaner Behandlung hat der deutsche Staatsbürger Khaled el Masri in den USA Klage gegen den ehemaligen CIA-Direktor George Tenet eingereicht.

„Ich will wissen, warum man mir das angetan hat, und ich will eine offizielle Entschuldigung“, sagte der 42-Jährige während einer Video-Konferenz in Washington.


Mit einer Spritze unter Drogen gesetzt und gewaltsam in ein Flugzeug nach Afghanistan gebracht worden.

Laut der Klageschrift wurde El Masri am 31. Dezember 2003 in Mazedonien festgehalten und dann von US-Geheimdienstmitarbeitern bis zur Freilassung im Mai 2004 in ein Geheimgefängnis in Afghanistan verschleppt.

El Masri war nach eigenen Worten am Samstag die Einreise in die USA und die persönliche Teilnahme an der Medienkonferenz ohne Angabe von Gründen verwehrt worden. Der Sohn libanesischer Eltern, der 1985 nach Deutschland zog und seit 1995 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wird durch die US-Bürgerrechtsunion ACLU vertreten.

El Masri erzählte während der Videokonferenz in deutscher Sprache, wie ein geplanter Urlaub in Mazedonien zu einem fast fünf Monate langen Albtraum ausartete. „Ich hatte ein bissel Stress und wollte ein paar Tage allein sein“, sagte Masri.

Am 31. Dezember sei er dann in Mazedonien festgenommen und danach an US-Geheimdienstmitarbeiter übergeben worden. „Jeder Kontakt zur Familie oder den deutschen Behörden wurde mir verweigert“, sagte Masri.

Nach 23 Tagen mit Verhören ist der Deutsche nach eigenen Angaben niedergeschlagen, mit einer Spritze unter Drogen gesetzt und gewaltsam in ein Flugzeug nach Afghanistan gebracht worden. Kurz vor der Freilassung habe ihm der amerikanische Gefängnisdirektor dann gesagt, dass es sich um eine Namensverwechslung handle.

ACLU erklärte, seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien Schätzungen zufolge rund 150 Ausländer wegen Terror-Verdachts verschleppt worden. US-Aussenministerin Condoleezza Rice habe in ihrer damaligen Funktion als nationale Sicherheitsberaterin schon zwei Monate vor der Freilassung El Masris im Mai 2004 von dessen Verschleppung gewusst.

Auch der damalige deutsche Innenminister Otto Schily sowie der damalige Kanzleramtschef und heutige Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sollen von den US-Behörden im Nachhinein informiert worden sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel bat den Aussenminister, dem parlamentarischen Kontrollgremium einen Bericht vorzulegen.

spionage

CIA-Agentin Plame quittiert Dienst

Stephan Fuchs – Die in den US-Medien enttarnte CIA-Agentin Valerie Plame quittiert nach einem Zeitungsbericht Ende der Woche ihren Job beim US-Geheimdienst.

Die 42-Jährige werde sich künftig mehr um ihre Familie kümmern, zitierte die «Los Angeles Times» am Dienstag Freunde Plames. Nach Auffassung eines anderen Ex-Agenten blieb Plame allerdings keine Wahl: Nach ihrer Enttarnung im Juli 2003 sei ihre Karriere als Agentin ohnehin zu Ende gewesen, sagte der CIA-Mitarbeiter dem Blatt. Die CIA wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren.


Sich wieder um die Familie kümmern

Plames Identität war an die Medien verraten worden, nachdem ihr Ehemann Joseph Wilson sich in der Kontroverse um den Irak-Krieg gegen die US-Regierung gestellt hatte. Konkret trat der frühere Botschafter der Behauptung von US- Präsident George W. Bush entgegen, der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein habe sich im westafrikanischen Staat Niger waffenfähiges Uran zu beschaffen versucht. Die darauf folgende Enttarnung seiner Frau wurde von vielen Beobachtern als Racheakt des Bush-Lagers an Wilson gedeutet, weil Plame damit nicht mehr länger als Undercover-Agentin arbeiten konnte.

Im Zusammenhang mit der Affäre wurde der frühere Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis Libby, im Oktober von einem Sonderermittler wegen Falschaussage, Meineids und Behinderung der Justiz angeklagt. Gegen den Präsidentenberater Karl Rove ermittelt Sonderermittler Patrick Fitzgerald weiter. Die Enttarnung von Agenten steht in den USA unter Strafe.

Bush steht mit dem Rücken zur Wand…
Karl Rove ist der Gewinner beim Russisch Roulette