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USA inhaftieren ebenso viele Journalisten wie Burma

Die USA stehen auf einer Liste von Ländern, die die meisten Journalisten inhaftiert haben, an sechster Stelle – gleichauf mit der Militärdiktatur Burma (Myanmar). Die am Mittwoch in New York veröffentlichte Liste wurde vom Committee to Protect Journalists erstellt, einer unabhängigen Journalistenorganisation, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt.

Die USA hielten demnach am 1. Dezember dieses Jahres fünf Journalisten gefangen, vier Iraker und einen Sudanesen. Die vier Iraker sitzen den Angaben zufolge in amerikanischen Gefängnissen im Irak, der Sudanese – ein Kameramann des arabischen Senders Al Jazira – im Lager Guantánamo Bay auf Kuba. Gegen alle fünf sei bisher keine Anklage erhoben worden. Es sei „besonders beunruhigend“, dass ausgerechnet die USA nun zu den Ländern gehörten, die Journalisten ihrer Arbeit wegen einsperrten, sagte die Direktorin des Komitees, Ann Cooper.

Insgesamt sind 125 Journalisten und Fotoreporter weltweit in Haft. Mit 32 Häftlingen führt China die Liste an, gefolgt von Kuba (24), Eritrea (15) und Äthiopien (13). China steht schon seit sieben Jahren an erster Stelle. Fast die Hälfte der dort inhaftierten Journalisten arbeiten für Internet-Websites.

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Am Gittertor von San Quentin

Norman Solomon – Nein, keine Bussarde kreisen am Himmel, nur ein paar Helikopter. Der Himmel ist schwarz mit einem Stich ins Blaue, darunter die beeindruckende Küstenlinie der Bucht von San Francisco. Ein friedlicher Moment – in dem sich der Staat zum Töten anschickt.

Vor den Toren von San Quentin versammeln sich die Menschen, um gegen die bevorstehende Hinrichtung von Stanley Tookie Williams zu protestieren. Je näher Mitternacht rückt, desto mehr Menschen sind es – zuerst Hunderte, dann Tausende. Zorn liegt in der Luft aber auch beruhigende Gebete.

In dieser Nacht heißt der Herrgott vom Dienst Gouverneur Schwarzenegger: „Ohne eine Entschuldigung (des Delinquenten) und ohne Buße für die sinnlosen und brutalen Tötungen kann es keine Erlösung geben“, hatte Arnold Schwarzenegger erklärt. Wenige Stunden nach dieser Aussage kam es zu einer weiteren Tötung – diesmal abgesegnet vom Gesetz und legitimiert durch einen Euphemismus (kurz vor Morgengrauen sendet NPR ‚Morning Edition‘ die Aussage eines Medien-Augenzeugen, der bei der Giftspritzen-Hinrichtung anwesend war: Williams sei durch einen „medizinischen Eingriff“ getötet worden, sagt der Zeuge live ‚on air‘, er gebraucht diesen Ausdruck gleich zweimal innerhalb weniger Sekunden).

Draußen, vor dem Gefängnistor, tauchen Schilder auf.

„Nur die Schwachen können niemals vergeben“.

„Tod nicht in meinem Namen“.

„Hinrichtungen lehren uns Gewalt und Rache“.

Für den Warfare-Staat sind Rache und Gewalt Rudimente einer Politik, deren Lektionen uns tagtäglich begegnen – vor allem in Gestalt von Akzeptanz, Passivität und Budgetfragen. Dabei ist der Warfare-Staat selbst, in der Ära der großen Regierung, ein Relikt der Vergangenheit – ausgenommen Pentagon, Polizei und Gefängniswesen.

Die Hinrichtung ist auf exakt eine Minute nach Mitternacht angesetzt. 25 Minuten vorher beginnen die Menschen vor den Toren, „We shall overcome“ anzustimmen. „We shall live in peace…“

Über den Köpfen kreisen immer noch die Bussarde – Hightech-Bussarde. Auf einem Schild steht: „Auge um Auge – und die Welt wird blind“. Irgendwer aus der Menge fragt: „Sind wir vielleicht schon blind?“ 7 Minuten vor Mitternacht. Mir kommt in den Sinn, wie sehr diese Exekutions-Countdowns doch an die Uhr des ‚Jüngsten Gerichts‘ (Doomsday Clock) erinnern – jene Uhr, die Atomwissenschaftler vor mehreren Jahrzehnten erfanden, um uns klarzumachen, wie nah die Welt der atomaren Auslöschung schon gerückt ist. Auf dem Podium preisen Redner Williams Absage an die Gewalt und sein Eintreten für Gewaltlosigkeit. Noch 2 Minuten bis Mitternacht. Ein TV-Nachrichtenreporter klettert auf das Dach eines weißen Van und bereitet seinen Beitrag vor – die Topnachricht der Stunde. Genau um Mitternacht startet sein Live-Report, genau zwei Minuten nach Mitternacht endet er.

Ein Redner fordert ein Todesstrafen-Moratorium in allen Bundesstaaten der USA. Auf einem Schild steht: „Keine Karrieren auf Todesmaschinen aufgebaut“.

„Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, steht auf einem andern.

Um 24 Minuten nach Mitternacht wird es plötzlich vollkommen still. Dann erklingt wieder das alte Lied: „We shall… overcome… some… day“.

Um 38 Minuten nach Mitternacht gibt es eine Erklärung: Stanley Tookie Williams ist tot.
Das Land ist dadurch nicht sicherer geworden, nur brutaler. Der Unantastbarkeit menschlichen Lebens wurde nicht Rechnung getragen, diese Unantastbarkeit wurde verletzt.

Ein Redner sagt: „Es ist vorbei – aber es ist nicht vorbei…“

Von San Quentin bis Irak – der Tod als politisches Ziel. Im Namen der Mordopfer wird staatlich gemordet. Im Namen der Gefallenen müssen noch mehr Soldaten töten, müssen noch mehr Soldaten sterben.

Gründer der Crips Hingerichtet

Dieser Artikel von Norman Solomon erschien auf Deutsch erstmals bei Zmag. Übersetzung: Andrea Noll.
Von Norman Solomon erschien aktuell das Buch War Made Easy

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Parfüm und Weichmacher im Gehirn

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Harald Haack – Nach den neusten Ergebnissen der PISA-Studie schnitten Schulkinder in Berlin und Brandenburg am schlechtesten ab. Ob diese Kinder auch am aggressivsten sind, sollte untersucht werden. Doch welcher Politiker möchte sich dafür stark machen, damit Forschungsgelder fließen können? Berichte über den Terror der Schüler in Berliner Schulen, besonders jene im Stadtteil Kreuzberg, gab es etliche. Doch Boulevard-Nachrichten verzerren die Realität, weil so gut wie nichts darin hinterfragt wird.

Warum Kinder aggressives Verhalten zeigen, darüber gibt es weltweit Forschungsergebnisse. Besonders in den USA, den Homelands wild um sich schießender Schulkinder, wurde nach den Ursachen geforscht. Die Ergebnisse wurden jedoch meistens für die Öffentlichkeit unter Verschluss gehalten. Will man mehr erfahren, muss man sich durch medizinische Fachbücher quälen und Wissenschaftler direkt befragen.

Quellensuche
Eine exzellente Quelle stellt ein Buch über Kindermedizin dar, das nach etlichen Neuauflagen inzwischen ebenso zum Standardwerk wurde wie die „Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie“ des Bibliographischen Instituts Mannheim/Wien/Zürich. In dem von LANGE-Medical-Books/McGraw-Hill veröffentlichten Buch „Current Pediatric Diagnosis & Treatment“ berichten die Professoren William W. Hay, Jr,, MD, Anthony R. Hayward, MD, PhD, Myron J. Levin, MD und Judith M. Sondheimer, MD, über plötzliche „Stimmungsveränderungen“ bei Kindern wie auch über „Angst- und Panikattacken“, deren Kausalität sie als Überempfindlichkeits-Reaktion auf Parfüme und anderen toxischen Chemikalien erkannt haben. Besonders Parfüm machen sie dafür verantwortlich.

Laut des in Trier ansässigen Nervenarztes Dr. Peter Binz werden die Folgen solcher schweren Überempfindlichkeiten gegenüber Parfüm häufig „als böse Absicht gedeutet“ und als Aggression missverstanden, was „nicht selten“ sei und „zu schweren Konsequenzen“, besonders in strafrechtlicher Hinsicht, führen kann. Seiner Ansicht nach gibt es gegenwärtig „nur eine kausale Behandlung, nämlich Expositionsvermeidung“. Leider aber stellt dies die Betroffenen, in unserer heutigen vom Parfüm-Terror beherrschten Welt, vor ein schier unlösbare Problemen.

In den USA erkannten international anerkannte Wissenschaftler, darunter die Professorin Betty Bridges, wie auch in Deutschland beispielsweise Dr. Runow von der Klinik Bad Emstal und Doz. Dr. sc. Med. Bodo Kuklinski, vom Diagnostik- und Therapiezentrum für umweltmedizinische Erkrankungen in Rostock, dass Parfüme und viele andere Chemikalien, mit denen wir im täglichen Leben in Kontakt geraten, zum Beispiel Weichmacher in Kunststoff-Laminat-Fussböden, Hirnzellen dauerhaft schädigen.

Zu solchen Schäden käme es, wie die Autoren Kuklinski, Schiefer und Beyer in ihrem Aufsätzen „Hirnschrankenprotein S-100 und Xenobiotika-Suszeptibilität“ und „Zur Praxisrelevanz von nitrosativem Stress“ erklären, dass die in Parfümen enthaltenen toxischen Lösemittel Stress im menschlichen Körper auslösen – nitrosativer Stress – der die Hirnrinde veranlasst (die ihre Funktion als Bluthirnschranke hat und verhindern soll, dass toxisches Stoffe ins Gehirn gelangen und damit unmittelbar in den Stoffwechsel eingreifen können) das saure und hirnzellenschädigende Protein S-100 zu produzieren. Dr. Kuklinski teilte auf Anfrage mit: „Wenn S-100 pathologisch erhöht ist, liegt eine offene Bluthirnschranke und eine gesteigerte Schadstoffempfänglichkeit vor, da Fremdsubstanzen sofort ins Gehirn gelangen und toxische Reaktionen auslösen“, zum Beispiel solche, die allgemein als psychisch fundierte Aggressivität mißgedeutet werden.

Wissenschafts-Zirkus
In der Tiermedizin waren die Auswirkungen von S-100 schon lange bekannt, ja, anfangs hielten einige Forscher es für die Ursache des Rinderwahnsinns, der BSE. Dass sie damit nicht so falsch lagen, bestätigten nachfolgende Forschungsergebnisse, demnach eine andere Art von Protein, so genannte Prione, sich rasant vermehren können, womit die BSE zumindest in neurologischer Hinsicht erklärt wurde. Die Erkenntnisse der Veterinäre landen aber leider immer wieder zu spät auf den Tischen der Humanmediziner, weil offensichtlich Interessen der für Gesundheitsschäden verantwortlichen Chemischen Industrie eine Verbesserung interdisziplinärer Zusammenarbeit verhindern. Allzu oft müssen Tiere leiden und sterben für hirnrissige Studien, deren Ergebnisse von den Auftraggebern lange vorher festgelegt wurden. An Studien beteiligte Wissenschaftler werden oftmals in ein Scheuklappendenken gezwungen, welches wichtige Randergebnisse unberücksichtigt und nur solche Ergebnisse gelten lässt, die bewiesen werden sollen. In den Medien, in denen dann die „erfolgreichen“ Studien breitgetreten werden, wagt so gut wie kein Journalist – vielleicht aus Nichtwissen und Ehrfurcht vor dem Rang der beteiligten Wissenschaftler – Studien zu hinterfragen.

Verbrauchern kann man nur raten, bei Berichten über Studien, in denen irgendwelche Lebens- und Genussmittel hochgelobt und ihnen wundersame Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben werden, als plumpe Public-Relation aufzufassen.

Industrielle Quacksalberei
Scheinbar über Leichen scheinen die spanischen Verfasser einer jüngsten Studie zu gehen, in der „bestimmte Inhaltsstoffe“ von Olivenöl nach fettem Essen die Blutzirkulation „ankurbeln“ sollen. Einmal davon abgesehen, dass Ernährungsberater von fettem Essen abraten und zu leichter mediterraner Kost raten, in denen Öle und Fette sparsam verwendet werden, dreht der PR-Text über die angebliche Olivenöl-Studie die Fakten um. Es wird suggeriert, als sei Olivenöl Hauptbestandteil einer „Mittelmeer-Diät“, dessen „positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System seit langem bekannt“ sei. Schnell wird vom Phenolgehalt des Olivenöls gesprochen und Phenol, als Biozit und Nervengift bekannt, zum Elixier erhoben, das den Cholesterinspiegel senken soll. Während in seriösen Studien mit Hunderten von Probanden gearbeitet wird, um zu verlässlichen Ergebnissen zu kommen, werden für die Olivenölstudie lediglich 5 Männer und 16 Frauen genannt. Dennoch sei das Ergebnis der „Studie“ eindeutig gewesen. Klar doch, das Ergebnis stand mutmaßlich schon zu Beginn fest. Demnach soll Phenol „die Anpassungsfähigkeit der Gefäßwände an schnelle Schwankungen der Blutmenge“ verbessern. Die Tatsache, dass Phenol gefässwanderweichend wirkt, war schon im 19. Jahrhundert als Symptom für eine akute Vergiftung bekannt.

Phenol wird auch als Karbolsäure bezeichnet. In Konzentrationen über 3 Prozent kann es auf der Haut zu Gewebsschädigungen führen. Bei Aufnahme über den Magen führt Phenol zu Nierenschäden und in schweren Fällen zu Störungen des Zentralen Nervensystems, besonders der Bluthirnschranke, deren Zellen unrettbar geschädigt werden und damit anderen Schadstoffen den Zutritt zum Gehirn und zum Stoffwechsel ermöglichen. Der Tod aufgrund einer Phenol-Vergiftung tritt somit durch Atemlähmung ein.

Wer sich also unbedingt mit Olivenöl vergiften will, der sollte so dumm sein und die Ausführungen der von der spanischen Olivenölindustrie in Auftrag gegebenen Studie glauben und „daher nach Olivenölsorten greifen, die mit VIRGIN oder EXTRA VIRGIN bezeichnet werden: Sie weisen den höchsten Phenolgehalt auf.“ Wie gut, dass es toxikologisches Wissen gibt, auf das trotz solcher industriellen Quacksalbereien und Verblödungskampagnen zugegriffen werden kann. Wer solchen kommerziellen Unsinn, wie der Olivenöl-Studie“ folgt, für den kann es rasch zu spät sein.

Babykiller und Verblöder
Als zu spät könnte man auch die Erkenntnis eines Forscherteams um Scott Belcher von der Universität von Cincinnati bezeichnen. Die Forscher konnten in Tierversuchen nachweisen, dass der Weichmacher Bisphenol A(BPA) gerade in kleinsten Dosierungen die Hirnentwicklung von Kindern beeinflusst. Die Ergebnisse ihrer im Fachblatt „Endocrinology“ veröffentlichten Studie erklären die Substanz zum Hirnkiller. Dies könnte nun endlich massive Auswirkungen auf den europäischen Verbraucherschutz haben, denn Experten verdächtigten Bisphenol A schon länger, die Gesundheit von Verbrauchern nachhaltig zu schädigen. Wie die Forscher schreiben, blockiert die über die Nahrung aufgenommene Chemikalie die Aktivität des körpereigenen Hormons Östrogen, das für die Entwicklung bestimmter Hirnregionen unerlässlich ist.

Das Ergebnis der Untersuchung der von BPA geschädigten Rattenhirne könnte sich als „kleine Sensation in der BPA-Diskussion erweisen, falls es auch anderen Forschergruppen gelingt, die Ergebnisse zu reproduzieren“, kommentiert Jürgen Kundke, Sprecher des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Zu ihrem Ergebnis gelangten die Forscher über Tierversuche. Über einen Zeitraum von lediglich sechs Minuten hatte man Ratten eine hoch verdünnte BPA-Lösung in den Teil des Gehirns gespritzt, der bisher als unempfindlich gegenüber BPA galt: den so genannten zerebralen Kortex. Schon wenige Minuten nach Verabreichung erzeugte der Weichmacher eine verheerende Wirkung: Der Signalweg des weiblichen Sexualhormons Östrogen wurde gestoppt und damit die natürliche Entwicklung der Gehirnzellen. Das Geschlecht der getesteten Tiere spielte hierbei keine Rolle, da Östrogen bei beiden Geschlechtern erzeugt und genutzt wird.

Seit den fünfziger Jahren setzt die Chemische Industrie den Weichmacher Bisphenol A bei der Herstellung von Plastikverpackungen aller Art ein. Jährlich werden Millionen Tonnen dieses Hirnkillers produziert. Immer wieder wurde vor der Gefahr der Weichmacher gewarnt. Dennoch fand er ungehindert Verwendung in unzähligen Produkten, vom Kunststoff-Laminat-Fussboden bis hin zu Plastikflaschen, wie sie für die Ernährung von Säuglingen genutzt werden.

Die Unverbesserlichen
In Deutschland scheint es aber immer noch unverbesserliche Ignoranten zu geben. Thomas Simat, Professor am Institut für Lebensmittelchemie der TU Dresden, hält die Grundchemikalie für toxikologisch „sehr gut untersucht“. Dem widerspricht jedoch das Ergebnis der amerikanischen Studie zweifellos.

Endlich wurde jetzt erforscht wie der Weichmacher BPA in kleinsten Dosierungen wirkt. Bis vor kurzem noch hieß es – manchmal als Verkaufsargument -, die toxisch wirksame Menge des BPA in den Produkten sei zu gering, um Schäden verursachen zu können. Eine tückische Meinung, keine wissenschaftliche Erkenntnis! So kam bisher (in Deutschland) niemand auf die Idee ein entsprechendes Forschungsprojekt einzuleiten.

Der Professor für Pharmakologie und Zell-Biophysik, Scott Belcher, erklärt, dass die Gefährdung des Menschen schon vor der Geburt einsetzt, weil BPA die Embryonalentwicklung des Gehirns stört. Aus diesem Grund hatte sein Team auch das Fötenwachstum der Ratten verfolgt und die Tiere nach Ablauf bestimmter Fristen seziert. Junge Ratten gelten als außerordentlich gutes Tiermodell. Aus ihnen lassen sich Rückschlüsse auf die Entwicklung des menschlichen Fötus ziehen. Die Zeit vom Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels bis zu den ersten Lebensjahren des Kindes kann so nachvollzogen werden. Es gebe zwar Unterschiede zwischen Menschen und Ratten, sagt Belcher, doch BPA habe bisher bei jeder Art von Tieren zu ähnlichen schädlichen Effekten geführt, und damit bestünde Grund zur Sorge.

Wie SPIEGEL-ONLINE berichtet, sieht PlasticsEurope, der Verband der Kunststofferzeuger in Deutschland, das, wie sollte es auch anders sein, anders. In einer internen Bewertung, die der Redaktion von SPIEGEL ONLINE vorliegen soll, heißt es über Belchers Arbeit: „Aus der Studie liegen keine Hinweise vor, dass die Beobachtungen beim Menschen zu nachteiligen Folgen führen“. Belchers Methodik bei den Versuchen werde angegriffen. Direkte Injektionen ins Hirn seien nicht mit oraler Aufnahme zu vergleichen.

Bei PlasticsEurope übersieht man offensichtlich gerne, dass die direkte Injektion von BPA ins Gehirn mit der Aufnahme über den Luftweg zu vergleichen ist, wenn die Bluthirnschranke mittels Parfüme und anderer Schadstoffe geöffnet wurde, was heutzutage der Fall bei Kindern ist, deren Mütter und Väter geradezu fanatisch und unbedenklich Parfüme verwenden. Es trifft zu, dass u.a. Parfüme in Weichspülern, mit denen die Wäsche der Kleinen behandelt wird, den Weichmacher Bisphenol A seinen Weg ins Gehirn – von Kindern und Erwachsenen – selbst in sehr geringen Mengen ermöglichen – als sei es eine direkte Injektion.

So werden Kinder noch vor ihrer Geburt im Leib der Mutter chemisch verblödet und viele werden es lebenslang bleiben. Daran zu ändern vermag die PISA-Studie, für deren Namen die Microsoft-WORD-Rechtschreibhilfe (neue Rechtschreibung) die Alternative „Piss-Studie“ vorschlägt, allein nichts zu ändern.

Literatur:

Allgemeine und spezille Pharmakologie und Toxikologie
Herausgeben von W. Forth, D. Henschler und W. Rummel im B.I. Wissenschaftsverlag, Bibliografisches Institut, ISBN 3-411-01660-4

Current Pediatric Diagnosis & Treatment
Hay, William W., Levin, Myron J., Sondheimer, Judith M., Deterding, Robin R. ISBN 0071429603

Hinrschrankenprotein S-100 und Xenobiotika-Suzeptibilität.
Erste eigen Ergebnisse, Bodo Kuklinski, Raimund Schiefer, Holm Bleyer
umwelt – medizin – gesellschaft 2/2003

Zur Praxisrelevanz von nitrosativem Stress
umwelt – medizin – gesellschaft 2/2005

Links:

Betty Bridges, RN Fragranced Products Information Network (FPIN) For information on health effects of fragrances
Hazardous pleasant odors. Scented substances cause asthma in asthma patients
A common fragrance component increases airway responsiveness after skin sensitisation
Young worker first to be granted chemical sensitivity compensation
chemical-survivors
chemical-survivors
Endocrinology
University of Cincinnati

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Gründer der Crips Hingerichtet

Stephan Fuchs – Heute morgen um 09.01 MEZ wird Stanley „Tookie“ Williams (51) mit der Giftspritze hingerichtet. Tookie wurde 1981 wegen vierfachen Mordes schuldig gesprochen. Prominente – vom südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu bis Schauspieler Russell Crowe – setzten sich für Tookie ein. Der Schweizer SP-Nationalrat Mario Fehr schlug ihn 2001 gar für den Friedensnobelpreis vor.


Der Terminator hätte die Möglichkeit gehabt die Tötung in letzter Minute zu verhindern. Er tat es nicht.

Williams ist die Ikone einer ganzen Generation: er gilt als Mitbegründer der legendären Grossstadt Jugendgang Crisp. Die Crips wurden 1969 unter anderem von Raymond Washington, LoC Daddy Angelo, Joe „Hover“ Ben, als Antwort auf die herrschende Gewalt in Los Angeles‘ Straßen gegründet und wurden sehr schnell populär. Schon bald stieg ihre Dominanz auf L.A.s Straßen auf das dreifache aller anderen Jugendbanden zusammen. Als bis 1972 immer wieder Mitglieder der kleineren Gruppen von Mitgliedern der Crips ermordet wurden, schlossen sich die meisten dieser Gruppen zu den Bloods zusammen, so die L.A. Brims, Denver Lanes, Bishops, Lueders Park Hustlers, Athens Park Boys, Pueblos und die Inglewood Family.


Noldi endlich wie im Film: Judgment Day

Von da an gab es über Jahre immer wieder blutige Bandenkriege, die jährlich viele hundert Bandenmitglieder das Leben kosteten (über 800 allein im Jahr 1995).

Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass Gewalt zwischen Crips und Bloods bei weitem nicht der Hauptgrund für die Opferzahlen ist – die knapp 200 Crip Gangs in Los Angeles sind zum größten Teil untereinander verfeindet – so sterben sehr viel mehr Crips durch Angriffe anderer Crips als durch Bloods. Als erster großer Konflikt von Crips untereinander gilt die Feindschaft der Rollin´ 60s N-Hood Crips und der Eight Tray Gangster Crips, die bis ins Jahr 1979 zurückreicht und bis heute allein über 500 Bandenmitgliedern den Tod gebracht hat.

Gewalt unter Blood Gangs ist im Gegensatz dazu sehr selten. Im Jahr 1992 wurde unter dem Eindruck der Rassenunruhen ein Friedensvertrag auf den Weg gebracht, der für den Nobelpreis nominiert wurde. Auf Dauer hatte diese Übereinkunft jedoch keinen Bestand, so dass die Zustände und Opferzahlen heute wieder dem Stand von vor 1992 entsprechen. Die dritte große US-amerikanische Gang ist die Mara salvatrucha, die jedoch im Zusammenhang mit den Bloods und Crips seltener erwähnt wird.

Stanley „Tookie“ Williams indes, wurde 1981 wegen Mordes verhaftet, seither sitzt er in der Todeszelle. Der Terminator, Arnold Schwarzenegger, hätte die Möglichkeit gehabt die Tötung in letzter Minute zu verhindern. Er tat es nicht.

Kinderbücher schreiben
Stanley Williams brachte sich im Gefängnis sich Lesen und Schreiben bei und begann dann mit dem Schreiben von Kinderbüchern, in denen er sich gegen Drogen, Gewalt und Rassismus ausspricht. Aufgrund dessen ist er insgesamt zehnmal für einen Nobelpreis nominiert worden (sechsmal für den Friedensnobelpreis und viermal für den Literaturnobelpreis). Erstmals wurde er im Jahr 2001 von Mario Fehr nominiert. Er bestreitet bis heute die ihm vorgeworfenen Morde begangen zu haben, dennoch hat er sich für die Gründung der Crips in aller Öffentlichkeit entschuldigt.

Das Einsitzen in der Todeszelle ist grauenhaft:
Die Psycho-Qual begann für Williams schon am 26. Oktober. Da liest ihm Gefängnis-Direktor Warden Stokes die Hinrichtungs-Vorschrift vor. 43 Seiten: «San Quentin Verfahrens-Prozedur Nr. 770». Zuerst kommt der Geistliche, um die «Gedanken über Sterben und Tod» des Häftlings zu erforschen. Dann wird Williams aus der Zelle, in der er 24 Jahre sass, in eine grössere verlegt – ein «Geschenk».

Am letzten Donnerstag zieht dann ein Spezial-Team von Gefängniswärtern auf, das alle 15 Minuten über die Lage in der Todeszelle Protokoll führt. Um Selbstmord zu verhindern.

Ein Privileg für Todeskandidaten: Sie dürfen mehr Besucher empfangen. Aber auch für Tookies Freunde wie Rapper Snoop Dogg oder Schauspieler Jamie Foxx gilt: «Der Häftling und seine Besucher dürfen sich zu Beginn und am Ende der Visite kurz umarmen oder die Hände schütteln. Kein anderer Kontakt ist erlaubt.»

Vor drei Tagen beginnt Tookies Isolierung. Schon seit Donnerstag darf er keine persönlichen Gegenstände mehr bei sich haben – nicht einmal seine Zahnbürste. Am Sonntag inspizierte der Aufseher die Henkers-Utensilien: «12 Rollen Klebeband, 20 Spritzen, 10 Nadeln, 4 Behälter mit Kochsalzlösung, 6 Binden, 2 Kästen Gummihandschuhe, je 1 Kasten mit Operationsmasken und alkoholgetränkten Wischtüchern.»

Letzter Absatz von Prozedur 770: «Der Leichnam soll mit Vorsicht und Würde entfernt und die Todeskammer sorgfältig gereinigt werden.»

Tookie’s Corner
On death row, an author and Nobel nominee
Stanley „Tookie“ Williams
What is the relationship between prisoner and guard? Is it slave versus master?

Foremost, the interactions between captor and captive can vary from person to person. All guards do not behave the same way; neither does every prisoner exhibit an identical pattern of behavior. But a relationship of any kind that is based on distrust, caution or fear will eventually give rise to open hostility.

In prison, the basis of the so-called relationship between guards and prisoners is that guards issue institutional orders and prisoners must comply – or the prisoners suffer the consequences. These consequences include prisoners being placed in solitary confinement in „The Hole,“ which is known as receiving „hole time,“ or prisoners are forced to comply through violence inflicted on prisoners.

In the matter of the master-slave concept, there are commonalities between a guard as master and a prisoner as slave.

Similarity between the guard’s role and the master’s role can be found in the guard’s absolute power to control the prisoner. This control is carried out by enforcing rules on the prisoner; closely watching the prisoner to ensure compliance with those rules; punishing, abusing and, if need be, eliminating the prisoner through banishment to solitary confinement or through violence.

On the other hand, the resemblance of the prisoner to the slave is that both are subjected to strict rules, confined like animals, controlled, often brutalized physically as well as psychologically, and deprived of basic human rights.

Dare I take the master-slave connection a step further to point out that many people – of all races and ethnicities – have allowed themselves to be modern-day slaves. Indeed, a person does not have to be Black to exhibit a slave mentality. Unwittingly, too many of us – and it does not matter whether we are Black, Asian, Chicano or White – perpetuate „the Master’s will“ through our own self-hatred and destructive behavior. For those individuals who are in denial, here are some recognizable signs of self-perpetuation of slave behavior, be it in prison or in society.

Modern-Day Slave Traits

1. A modern-day slave will neglect to educate himself, which in turn creates mental slavery. (During slavery, Blacks were prohibited from learning to read or write. So, these days, everyone should take advantage of the opportunity to get an education.)
2. A modern-day slave will swindle and commit other crimes against his own people and others instead of helping to break the chains of poverty by earning an honest living.
3. A modern-day slave will perpetuate self-hate through committing violence on people of his same ethnicity, such as black-on-black violence, including murder, which is a form of genocide.
4. A modern-day slave will deal, buy and/or use drugs that will make him and others function as slaves (addicts) to drugs, slaves to misery and slaves to defeat.
5. A modern-day slave will adopt the wicked ways of the slave master, who disrespected and abused women.
6. A modern-day slave will abandon his children – leaving them for someone else to raise – just as the old masters abandoned Black children by selling them off to other slave owners, not caring about their fate.
7. A modern-day slave will foolishly commit crimes that cause him to end up behind bars, incarcerated, in mental and physical bondage.

Take a look at this list and then read it again. Look within yourself for any similarities and eliminate your modern-day slave traits. If you cannot admit to any of the seven signs, you are in denial. But all is not lost. The first step toward defeating a slave mentality begins with your acknowledgment that it exists.

Krieg

Kennedy-Berater mischen sich in aktuelle US-Politik ein

Elmar Getto – Die beiden Präsidentenberater von Kennedy, Arthur M. Schlesinger jr. und Theodore Sorensen, haben in einem Artikel in der New York Times vom 4. Dezember einen dreiteiligen Abzugsplan vorgeschlagen, um die USA aus dem Engagement im Irak freizubekommen.

In dem Artikel wird der Überfall auf den Irak kritisiert, aber nur, weil er nicht professionell genug durchgeführt wurde. Es wird gesagt, daß das Ziel militärisch und politisch nur vage definiert war, daß die Kosten des Krieges selbst für eine so größe Ökonomie wie die der USA auf die Dauer nicht mehr zu tragen sind, daß der Einsatz einer großen Zahl von Truppen zu lange dauert – im Frühjahr werden es drei Jahre – und daß für das angestrebte Ziel zu wenig Truppen eingesetzt wurden.

Andererseits kritisiert der Artikel aber auch die „unverzeihliche Mißhandlung von Gefangenen“ und das völligen Fehlen eines Planes für eine zeitliche Begrenzung des Engagements.

Der Artikel enthält auch den Versuch, ihren damaligen Chef, den Präsidenten Kennedy, reinzuwaschen von dem Vorwurf, daß er es im wesentlichen gewesen ist, der damals das US-Engagement in Vietnam begann. Er habe bestehende Verbindungen mit der südvietnamesischen Diktatur von seinem Vorgänger Eisenhower übernommen und habe im Jahr seiner Ermordung bereits den Abzug vorbereitet. Diese Weißwaschmanöver können aber unbeachtet bleiben, denn sie gelten wohl vor allem der eigenen Rolle als wesentliche Präsidentenberater.

Beachtenswerter ist wohl der Abzugsplan, den sie dem jetzigen Präsidenten nahelegen.

Er beinhaltet drei Stufen:
– Klarmachen, daß man abziehen wird.
– Eine förmliche Bitte zum Abzug von der irakischen Regierung verlangen.
– Zurückziehen der Truppen in Stufen, mit sofortigem Beginn und einer Umstellung der „Unterstützung“ des Regimes auf Luftunterstützung und eventuell Luftlandetruppen, die in der Nähe stationiert bleiben können.

Dadurch, daß sie offiziell gebeten werden, das Land zu verlassen, könnten die US-Truppen das Gesicht wahren. Auf die Aussage von Präsident Bush, daß ein Abzug zu einer Katastrophe führen würde, antworten sie, daß bereits eine im Land herrscht. Sie sagen, daß gesetzestreue Iraker nach einem Abzug mehr Clan-Gewalt, einer ‚Balkanisierung’ und ausländischer Eingriffe ausgesetzt sein könnten, aber das gleiche wäre auch möglich, wenn man bliebe.

Dieser ‚Schlesinger-Plan’ gibt allerdings keine Antwort auf die Frage, wie man dann das Hauptziel erreichen soll, dessentwegen der US-Imperialismus den Irak versucht, in eine Kolonie zu verwandeln: Die Kontrolle der ganzen Region durch die US-Regierung. Damit dürfte er keine Chance haben, verwirklicht zu werden und muß wohl mehr im Sinne eines Entlastungsangriffs der Seite der Demokraten durch die beiden alten Haudegen verstanden werden.

terror

Syrien-kritischer Politiker bei Anschlag in Beirut getötet

Beirut – Bei einem Autobomben-Anschlag in Beirut ist laut Polizei am Montag der Syrien-kritische Abgeordnete und Journalist Gebran Tueni ums Leben gekommen. Er gehörte zu den Anführern der so genannten Zedernrevolution, die nach der Ermordung von Ex-Premier Rafik Hariri im Februar mit wochenlangen Massendemonstrationen zum Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon nach 29 Jahren führte. Drei weitere Menschen seien getötet, zehn Personen zudem verletzt worden.


Der Syrien-kritische Abgeordnete und Journalist Gebran Tueni ist ums Leben gekommen.

Den Ermittlern zufolge sprengten Attentäter Tuenis gepanzerten Geländewagen in die Luft, als er durch das vor allem von Christen bewohnte Viertel Mekalis fuhr. Mindestens drei der Insassen seien so stark verbrannt, dass sie nicht mehr zu erkennen seien. Mehrere andere Autos gerieten den Angaben zufolge in Brand. Nahe liegende Gebäude wurden beschädigt.

Der 1957 geborene Herausgeber der Beiruter Tageszeitung „An-Nahar“, die sein Großvater 1933 gegründet hatte, entstammte einer Beiruter Politikerdynastie griechisch-orthodoxer Konfession, die eine Reihe von libanesischen Staatsmännern und Diplomaten gestellt hat, wie den früheren langjährigen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Ghassan Tueni.

Serie von Bombenanschlägen
Seit dem Mordanschlag auf Ex-Premier Hariri am 14. Februar wurde im Libanon eine ganze Serie von Bombenanschlägen verübt. Diese wurden in erster Linie syrischen Geheimdiensten zur Last gelegt, wie die Ermordung des Journalisten und Schriftstellers Samir Kassir und jene des ehemaligen libanesischen KP-Chefs Georges Haoui (Hawi).

Der libanesische Drusenführer und Vorsitzende der Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP), Walid Joumblatt, hat in einer ersten Reaktion Syrien beschuldigt, für die Ermordung Tuenis verantwortlich zu sein. Joumblatt äußerte sich kurz nach dem Terroranschlag gegenüber dem arabischen TV-Nachrichtensender „Al-Jazeera“. Joumblatt, ein früherer politischer Verbündeter Syriens, hatte erst in den vergangenen Tagen der Führung in Damaskus „Subversionspläne“ vorgeworfen.

Bei einem Anschlag am 14. Februar hatten Attentäter mit einer Bombe den ebenfalls anti-syrischen Ex-Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri und 20 weitere Menschen getötet. Hariri war ein vehementer Kritiker der langjährigen Präsenz Syriens in dem Nachbarland. Die syrische Führung streitet jede Verwicklung in das Attentat ab, obwohl eine Ermittlungskommission der Vereinten Nationen unter Leitung des deutschen Oberstaatsanwalts Detlev Mehlis dem widersprechende Hinweise gefunden hat.

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Advent, Advent – ein Feuer brennt…

Harald Haack – Für den britischen Biologen Rupert Shaldrake gibt es keinen Zufall. Alles hängt mit allem zusammen, den Erkenntnissen seiner Forschungen entsprechend, und ist über ein so genanntes morphogenetisches Netz miteinander verbunden. Bislang wurde Shaldrakes These als Theorem belächelt, doch längst gilt es als bewiesen, wie die Forschungen anderer namhafter Wissenschaftler zeigen konnten.

Frei nach Shaldrake ist es kein Zufall, wenn ein Affe im Weißen Haus vom Sofa fällt und zur selben Zeit ein anderer Affe Tausende Kilometer weit entfernt das selbe Schicksal erleidet, wobei sich die Inneneinrichtung der Häuser durchaus unterscheiden und Affen austauschbar mit Menschen und deren Präsidenten sein können. Jedenfalls wird in den meisten Fällen jener Fälle nur das Schicksal des mächtigeren Affen bekannt.

Netzwerke kennen wir inzwischen zur Genüge. Das Internet ist eines, die Netzstrümpfe einer „Bordsteinschwalbe“ ebenso wie das jenes terroristische namens Al-Qaida oder jene der Geheimdienste rund um die CIA. Als anrüchig und tückisch gelten sie alle. Wer ein Computernetzwerk nutzt, weiß Bescheid. Was sich im kleinen Rahmen abspielt, kann sich auch im Großen ereignen und umgekehrt. Zu Advent wissen wir, dass es kein Zufall sein kann, wenn wir eine Kerze anzünden und unsere Nachbarn dasselbe tun. Aber könnte es einen Zusammenhang mit dem Feuer unserer kleinen Adventskerze mit dem Brand eines Tanklagers wie in Hemel Hempstead nördlich der Londoner City geben?


Die britische Polizei behauptet, es gebe keine Verwicklung mit einem Flugzeug und der Explosion des Tanklagers. Doch Bewohner hatten kurz vor der ersten Detonation das Geräusch eines Flugzeuges gehört.

Morgens gegen 6 Uhr Ortszeit explodierte am 3. Advent, Sonntag, 11. Dezember 2005, eines der größten Tanklager Großbritanniens. Es gab gewaltige Detonationen, die in weiten Teilen Londons und Südenglands zu spüren waren. Bis zu 100 Meter hoch schlugen die Flammen. Die fette, schwarze Rauchwolke ist sogar aus dem Weltall zu erkennen. Das Lager versorgt den Flughafen Luton und wird von mehreren großen Ölgesellschaften genutzt. Den Angaben nach handelt es sich um insgesamt 20 Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils rund 13,6 Millionen Litern. Die Polizei spricht von mehr als vierzig Verletzten, davon vier schwer.


Auf einem Feld nahe des Unglücksortes umherwieselnde
Polizisten.

Am Abend zuvor hatte es gegen 6 Uhr in einem Chemiewerk im oberbayerischen Münchsmünster eine Explosion gegeben. Danach war ein Feuer ausgebrochen. Die Rauchwolke verdunkelte die Ortschaft und zog in westlicher Richtung, d.h. in Richtung Stuttgart, ab. Bei dieser weithin sichtbaren Explosion auf dem Gelände der Firma „Petrochemie“ gab es nach Angaben der Polizei einen Toten und zwei Schwerverletzte.

Alles nur Zufall? Kein terroristischer Hintergrund? Dann muss der Advent daran Schuld sein. „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier.“ Es gab in Hemel Hempstead weitere Explosionen. Das Feuer soll abgeblich nicht zu löschen sein.

Wirklich kein terroristischer Anschlag? Nach Angaben eines Sprechers von Total UK ist das explodierte Buncefield Öl-Depot ein Joint Venture zwischen dem britisch-französischen Unternehmen und dem US-Konzern Texaco. Die beiden Flughäfen Luton und Heathrow wurden von der Pipeline mit Treibstoff versorgt.

Was für ein folgenschwerer (Zu-)fall!

Doch es kommt schlimmer. Offenbar überfordert die Katastrophe die britischen Behördenvertreter. Die Leiterin des Gesundheitsamtes der betroffenen Grafschaft Hertfordshire, Jane Halpin, sagte, der Rauch bestehe wahrscheinliche aus Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid: „Wenn sich diese Annahme als richtig erweist, ist es beruhigend.“

Das ist beruhigend? Wozu dann noch Schornsteinfeger, die eine Kohlenmonoxidvergiftung der Bewohner eines Hauses verhindern können, wenn die Leiterin eines Gesundheitsamtes Kohlenmonoxid als „beruhigend“ bezeichnet und Mutmaßungen anstellt, um welches Gas es sich handeln könnte, anstatt angemessen und fachkundig zu handeln.


London unter schwarz-braunem Rauch: Aufnahme von Sonntag, 11.12.2005 des Medium Resolution Imaging Spectrometer (Meris) an Bord des Esa-Satelliten Envisat.

Der Meteorologe Jeremy Plaster sagte, der Wind treibe die Wolke über den Ärmelanal Richtung Frankreich. Sie werde sich schnell auflösen. Mit dieser Ansicht aber ist er allein.


Webcam-Bild aus Paris vom 12.12.2005 – 10 Uhr

Industrie-Emissionen der Sechziger und Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die von der Schwermetall- und Chemieindustrie im Ruhrgebiet stammten, lösten sich nicht auf und wurden bis nach Südschweden getragen, wo dadurch die Seen versauerten. Man sollte damit rechnen, dass Russ, Rauchgase (die eigentlich immer giftig sind) und vor allem das bei der Verbrennung enstandene Dioxin, breit gestreut ins Münsterland und weiter in den Hamburger Raum getragen wird. Nach Süden hin werden Frankfurt, Stuttgart, Leipzig und Dresden „ihren“ Dreck aus der Brandkatastrophe abkriegen. So wie es gegenwärtig aussieht, könnte es Schwarzen Nieselregen in den genannten Regionen geben. Gegenwärtig, am 12.12.2005 gegen 10 Uhr, ist die Luft in der Region rund um Paris dick und voller Russpartikel.

deutschland

„Der Widerspenstigen Zähmung“

Elmar Getto – Als die Grünen Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal in eine Koalition mit der SPD geholt wurden, das war in Hessen unter Ministerpräsident Börner, begann ihr Prozeß des Übergangs zu einer kapitalistischen Partei. Genau die gleichen Erscheinungen kann man nun bei der Partei ‚Die Linke’ beobachten, nur im Zeitraffer.

Unter ständigen Hinweisen auf die ‚Einheit der Partei’ und ‚man müsse doch die Querelen überwinden’, werden die Linken systematisch, ein Grüppchen nach dem anderen, ausgegrenzt, bis nur noch eine systemtreue Partei, basiert auf Antikommunismus, übrig ist. Dann ist „Der Widerspenstigen Zähmung“ gelungen und es ist nicht mehr schwierig, in einem zweiten Schritt die Partei auf den Weg zu bringen, den imperialistischen Agressionskurs mitzutragen.

Das nannte man bei den Grünen die ‚Schaffung der Koalitionsfähigkeit’. Das Schema ist einfach und verständlich. Man gibt in kleinen Dosen ‚Kröten zu schlucken’, begründet das immer damit, man müsse in Koalitionen eben Kompromisse eingehen – aber andererseits könne man eben auch auf Entscheidungen einwirken – erwähnt immer wieder die berühmten Sachzwänge – wenn man an der Regierung sei, könne man sich gewissen Dingen eben nicht entziehen -, und bekommt so immer Mehrheiten für die Kröten, wenn auch manchmal knappe. Wenn die Mehrheit einmal nicht zustande kommt, wird solange weiter Druck gemacht und neu abgestimmt, bis die richtige Mehrheit da ist.

Das führt nach und nach dazu, daß sich immer wieder Einzelpersonen und kleine Gruppen von der Partei verabschieden, die ihre Grundprinzipien verletzt sehen. Andererseits führt diese Politik dazu, daß der Abschaum der kleinbürgerlichen Intellektuellen nach oben und in die Partei gespült wird, Karrieristen, die für fette Pfründe die eigene Mutter verkaufen würden und so viel Grundsätze haben wie eine Kuh (das Rindvieh sei um Entschuldigung gebeten).

So wurde aus einer linken, basisdemokratischen und umweltbewegten Partei jenes Zerrbild, das unter Schröder jedes imperialistische Eroberungsabenteuer mitmachte ebenso wie die Brutalisierung der Polizei im eigenen Lande und sogar bis zu den Knöcheln in Blut watete, sei es bei der Bombardierung Serbiens, beim Eingreifen im Kosovo oder beim Überfall auf Afghanistan.

Leute wie Fischer, Beck und Schmierer sind die Symbole dieser Partei und das sagt alles. Die überwiegende Mehrheit der Umweltaktivisten haben der Partei den Rücken gekehrt, praktisch alle, die Umwelt- und soziale Protest-Aktivitäten verbanden und links waren, ebenso wie alle, denen die Basisdemokratie Anliegen und nicht nur schöner Schein war. Auch einige Sponti- und feministische Gruppen sowie die gesamte Trotzkisten-Truppe haben die Partei verlassen, sofern sie nicht selber zum Imperialismus überliefen. Außer der Masse der passiven Parteimitglieder besteht sie heute praktisch nur noch aus karrieristischen Kleinbürgern und Intriganten. Sie ist eine imperialistische Partei geworden mit allen Attributen. Wenn heute ein grüner Würdenträger (außer Ströbele) bei den Anti-Castor-Demos in Aahaus auftauchen würde, liefe er Gefahr, verprügelt zu werden.

Nun, angesichts der Regierungsbeteiligungen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, zu der die WASG jetzt gleich noch mitverdonnert ist, beginnt der identische Prozeß in der Linkspartei, die sich eben mit der WASG vereinigen will, nur diesmal schneller. Es wird an keiner Stelle erlaubt, offen zu diskutieren, was dort in der Regierung bereits an mit „links“ unvereinbaren Zugeständnissen gemacht wurde und was man dafür wirklich positiv erreichen konnte. Die Protagonisten dieser Regierungsbeteiligungen werden bestenfalls einmal freundlich ermahnt, so wenn Lederer sagte, der Diskussionsprozeß sei bereits gescheitert. Wer dagegen die notwendige Diskussion über Mindestkriterien für eine Regierungsbeteiligung anmahnt, wie die Berliner WASG, wird praktisch zum Austritt gedrängt oder sogar mit Ausschluß bedroht.

Fast wortgetreu identisch die Aussage von Klaus Ernst „man habe nichts zu verlieren als die Zerstrittenheit“ mit einer damaligen von Joseph Fischer.

Natürlich kann man in Regierungskoalitionen eintreten oder sogar allein eine Regierung übernehmen, wie es bei der Linkspartei im Osten gar nicht mal unmöglich wäre, wenn sie es sich jetzt nicht gleich mit allen Wählern verdirbt, so wie sie es in Berlin tut (Wer jeden Tag die Nahverkehrspreise in Berlin zahlt, hat eben Schwierigkeiten, nicht „auf die Politik des Senats fixiert“ zu sein).

Wenn man zum Beispiel Hartz IV zu Fall bringen kann, das wäre ein Preis, für den es sich lohnte, in die Regierung zu gehen. Oder wenn man dann die gesetzliche 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich durchsetzten könnte, was wirklich viele in Arbeit bringen würde. Oder wenn man einen Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde durchsetzen könnte, mit hohen Strafen für Arbeitgeber, die darunter bleiben. Aber all dies steht gar nicht an und könnte sowieso nur durchgesetzt werden, wenn das Volk auf der Straße ist – doch von diesem redet die neue Partei nur mit spitzen Fingern.

Aber wer in Regierungskoalitionen eintritt und dann die Nahverkehrspreise mit hochsetzt, mit für brutale Polizeieinsätze gegen Linke verantwortlich ist, Hartz IV mit umsetzt und mithilft, die Arbeitslosen aus den Wohnungen zu werfen, Ein-Euro-Job-Zwangsarbeit mit hochfährt und schließlich noch seine Stimme für die imperialistische EU-Verfassung abgibt, der führt die Taktik des „eine-Kröte-nach-der-anderen-schlucken-bis-kein-Prinzip-mehr-übrig-ist“ durch. Charakteristisch, daß weder auf dem jüngsten Parteitag der Berliner Linkspartei noch auf dem jüngsten Einigungstreffen zwischen WASG und PDS von auch nur einem dieser Themen die Rede war. Solche Dinge werden ausgespart und stattdessen Nebelschwaden von „Schönsprech“ verbreitet.

Die Teile der WASG, die biedere Sozialdemokratie aus der Ecke der Gewerkschaftsführung mit einem soliden Schuß Antikommunismus verbinden, für die Klaus Ernst stellvertretend steht, können natürlich ohne Schwierigkeiten integriert werden. Dagegen wird ausdrücklich betont, daß die Tür der Linkspartei für niemanden offen steht, „der nicht mit am Tisch sitzt“. Das heißt, die Ausgrenzung von DKP und MLPD, die im Wahlkampf noch feige mit Schwierigkeiten wegen der Eile begründet worden war, ist in Wirklichkeit eine heimliche inhaltliche Festlegung auf den Antikommunismus. Auch die Aussage, daß man für Sozialismus „im Rahmen der Demokratie“ sei, ist identisch damit. Im Jargon der kapitalistischen Parteien heißt das: Strikt antikommunistisch, mit uns ist Revolution nicht zu machen! Gleichzeitig werden „Parteilose“ willkommen geheißen, d.h. dem trotzkistischen Entrismus ausdrücklich die Tore geöffnet. Na ja, wo Antikommunismus ist, sind Trotzkisten nie weit.

Der Schreiber dieser Zeilen war damals, Anfang der 80er-Jahre guter Bekannter eines Grünen, der zu jener Zeit fleißig zu den Demonstrationen gegen die damals geplante Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf fuhr. Dort bekam er öfters Polizeiknüppel zu spüren, dabei auch immer hessische Polizei vertreten, also Polizeieinsätze, für die Grüne mit verantwortlich waren. U.a. gab es dabei auch einen Toten.

Damit begann langsam sein Weg von den Grünen weg, denn ein Polizeiknüppel auf dem Kopf ist ein sehr überzeugendes Argument – gegen jene, die verantwortlich sind für die Polizei.

Nun ist es ein WASG-Mitglied, das zu den Bekannten des Schreiberlings gehört und bereits beginnt, „Bauchweh“ zu bekommen angesichts der strikten Gleichschaltung der WASG mit dem Berliner Senat und der Mecklenburgischen Regierung.

Die Selbstverständlichkeit, daß VOR der Vereinigung eine gemeinsame Diskussion und Entscheidung der beiden Gesamt-Parteien über das Verbleiben der zukünftigen Vereinigten Partei in jenen Regierungen zu erfolgen hat, ist bereits vom Tisch gewischt. Man tut so, als seien das Entscheidungen der Berliner bzw. Mecklenburger, aber das hat Auswirkungen auf die gesamte zukünftige Partei, deshalb müßte es von allen entschieden werden.

Nun – da kann man das „Bauchweh“ verstehen.

Bereits im kommenden März können nach den Landtagswahlen in drei Bundesländern neue Regierungsbeteiligungen (oder jedenfalls eine) anstehen und bisher hat man nicht einmal angefangen über die Inhalte der bereits bestehenden in den beiden Gesamt-Parteien zu diskutieren. Man kann bereits voraussehen, daß dann die Krötenschluckerei in den Wochenrhythmus übergehen könnte. Der Prozeß, der bei den Grünen in etwa 18 Jahre von 1980 bis 1998 dauerte, könnte so von der Linkspartei in wenigen Jahren absolviert werden.

Das ist auch logisch, denn wir haben heute eine andere Situation. Arbeiter und Volk haben begonnen aufzuwachen und die Kämpfe beginnen sich auszuweiten. Mit dem Schröder-Kabinett wurde die erste Regierung schon gestürzt. Auch wenn sich die politische Krise jetzt mit der Übernahme der neuen Regierung zeitweise etwas beruhigt hat, werden doch die verschärften Angriffe, die sich bereits abzeichnen, auch auf einen verschärften Widerstand stoßen. Auf welcher Seite die Linkspartei, einmal vereinigt, stehen wird, auf der Seite derer, die die Polizei gegen diese Kämpfe einsetzen, so wie beim Streik bei Infineon in München, oder auf der Seite derer, gegen die Polizei eingesetzt wird, wird sich zeigen.

deutschland

Verseuchen und vergiften – wie man Flüchtlinge bekämpft und die Krankenkassen belastet

Harald Haack – Flüchtlinge wurden in Deutschland noch nie wirklich gut behandelt. Versuchten die ihr Leid, das sie bei ihrer Flucht erlitten hatten, zu verarbeiten, so wurden sie von Behörden gemobbt und von Nachbarn bespuckt.

Meine Eltern sind aus politischen Gründen 1954 aus der ehemaligen DDR geflohen. Zuerst musste mein Vater bei Nacht und Nebel Salzwedel verlassen. Die Stasi war ihm auf den Fersen. Er schlug sich durch den Wald bei Bodenteich über die Grenze. Nach etlichen Stationen, in die ihm westdeutsche Behörden verfrachtet hatten, fand er sich im Durchgangslager für Flüchtlinge in der Barkhausenstraße in Bremerhaven wieder.

Meine Mutter, mein Halbbruder und ich, der damals gerade 2 ½ Jahre alt war, folgten ihm ein halbes Jahr später über Berlin und Hamburg. Ich litt als Kleinkind an Asthma, was vermutlich durch den Braunkohlensmog Salzwedels verursacht wurde. Nach dem Flug – die Flugzeuge hatten damals noch keine Druckkabinen – löste sich mein Asthma schlagartig. Aber in Bremerhaven kam ich vom Regen in die Traufe: Die Baracken in der Barkhausenstraße waren ein Geschenk der US-Army an die Stadt Bremerhaven gewesen. Einst von US-Soldaten genutzt, sollten in ihnen die so genannten Ostzonenflüchtlinge ein Dach über den Kopf erhalten. Was ich leider erst vor wenigen Jahren heraus fand: Die US-Army hatte damals schon, wie später in den US-Houses oder im Golf-Krieg die eigenen Soldaten (Golf-Kriegs-Syndrom), die Macke besessen, alles und jeden mit Pestiziden besprühen. So waren die Baracken bis zur Dachkante mit dem Umweltgift DDT kontaminiert und wir mussten darin ein Jahr lang in diesen „Giftkammern“ hausen. Ich erinnere mich noch heute an den typischen Geruch des DDT: Wenn man Speckkäfer zerdrückt, dann stinkt es ähnlich „medizinisch“.


Gewindeltes, 5-jähriges Flüchtlingskind Harald anno 1956 in Bremerhaven. Das DDT hatte schon gewirkt: Herz- und Blasenschwäche, Blässe…

Vor drei Jahren besuchte ich mit Freunden das brach liegende Grundstück an der Barkhausenstraße; die Baracken hatte man 1965 abgerissen. Auch meine Freunde konnten das DDT wahrnehmen und sind sofort wieder ins Auto gestiegen. Ich kam Tage später zurück, nahm eine Bodenprobe und ließ die von einem Labor untersuchen. Das Resultat war eindeutig: „volle Granate“ DDT.

Hätten meine Eltern gewusst, dass die Baracken chemisch versucht waren, so hätte ich das sicherlich später bei meiner Berufswahl auch erfahren und berücksichtigt. So wurde ich Fotograf und kam mit vielen Chemikalien in Kontakt. Und als Kameraassistent und Kameramann hatte ich oft Einsätze im Industriebereich. Mein Vater erkrankte chronisch an einer Empfindlichkeit gegenüber diversen Chemikalien. Da er starker Raucher war, wollte man die Ursache für sein Leiden in seiner Nikotinsucht erkannt haben. Er aber sah die Ursache im Krieg, der ihn psychisch belastet hatte. Mein Halbbruder erkrankte am Herz wie auch ich. Mein Pech jedoch war, dass ich beruflich sehr häufig mit toxischen Chemikalien in Berührung kam. Ich hätte mir einen anderen Beruf wählen sollen. Aber da gab es die Heimtücke vom DDT, das Schweigen der US-Army und auch der deutschen Behörden.

Wer jedoch glaubt, dies sei alles Vergangenheit und in Deutschland hätten die Behörden inzwischen mehr Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein entwickelt, sollte nach Bayern in ein Asylantenheim ziehen. Dort nämlich verteilte die für die Heime zuständige Bezirksregierung von Oberbayern Gammelfleisch an die Flüchtlinge, von denen etliche nach dem Verzehr über Übelkeit und Leibschmerzen klagten.

Sie habe sofort entsprechende Maßnahmen eingeleitet, betonte die Behörde, doch in neun Unterkünften konnten noch 324 abgelaufene Produkte sichergestellt werden. Ausgeliefert worden seien die vergammelten Essenspakete am Donnerstag.

Asylbewerber hatten in Neuburg an der Donau am Freitag-Abend wegen Übelkeit das Krankenhaus aufgesucht. Daraufhin waren entsprechende Nachforschungen eingeleitet worden. Nach Angaben des Flüchtlingsrates klagten auch in München Asylbewerber über Übelkeit und Leibschmerzen.

Der Flüchtlingsrat prangerte die Verteilung von abgelaufenen Lebensmitteln mit Worten wie „Fleischskandal im Essenspaket“ und „Regierung von Oberbayern verteilt Gammelfleisch an Flüchtlinge“ an. In einer Mitteilung des Flüchtlingsrat heißt es: „Flüchtlinge, die gegen die Vergabe von Essenspaketen protestieren, werden von der Regierung von Oberbayern immer abgefertigt, es sei doch alles bestens“.

vermischtes

Zur sozialen Jugend-Revolte in Frankreich

Elmar Getto – Wer genau sind die Jugendlichen, die da in den Pariser Vorstädten, aber auch in vielen Provinzstädten Frankreichs, Autos anzündeten und auch anderes? Was trieb sie zu solchen scheinbar sinnlosen Destruktionsakten? Die Erklärungen sind weit gestreut. Da wird von Vandalen und Abschaum gesprochen, von Migranten und Islamisten, von Subproletariat und Lumpenproletariat. Es wird die Architektur als Ursache angegeben oder auch die mangelnden Integration von Zuwanderern oder aber der Kolonialgeschichte Frankreichs die Schuld gegeben. Doch all dies überzeugt nicht.

Zum einen kann man aus den Fernsehbildern, auf denen etwas zu erkennen ist, leicht feststellen, daß ein Teil der Jugendlichen weder schwarz noch „arabisch“ aussieht. Die Statistik der Festgenommenen zeigt: Es handelt sich fast ausschließlich um französische Staatsbürger. Es geht also in keiner Weise um ein Problem der Migration oder des Rassismus, auch wenn dies manchen Ultrarechten nicht paßt. Das gleiche konnte man auch seriösen Analysen über die französischen Vorstädte entnehmen: Dort leben zwar überwiegend Jugendliche, deren Familien erst seit ein, zwei oder drei Generationen in Frankreich sind, aber es leben dort auch um die 20% „normale“ Franzosen, deren Lebensbedingungen allerdings genauso schlecht sind.

Es mag jemand einwenden, daß ein wesentlicher Teil der Jugendlichen Kinder oder Enkel oder Urenkel von Migranten sind, aber das bringt uns in der Analyse nicht voran, denn wo will man da Grenzen ziehen? Auch 99% der US-amerikanischen Bevölkerung sind Nachkommen von Immigranten – ja und? Wenn sie Seite an Seite mit Jugendlichen, deren Familien seit Generationen in Frankreich leben, Steine gegen Polizisten werfen, kann es sich nicht vornehmlich um eine Anti-Rassismus- oder Islamismus- oder Anti-Ausländerfeindlichkeit-Revolte handeln.

Ja, es sind praktisch nur Jugendliche. Die Jugend war schon immer ein Seismometer der Gesellschaft. Die Jugend, leichter als angepaßte Erwachsene, drückt am ehesten Wut und Empörung über unhaltbare Zustände aus. Bei der Jugend haben Hemmungen und die Resignation noch nicht so häufig Platz gegriffen. Es sollen sogar 11-jährige dabei sein und kaum einer sei schon dreißig, wird berichtet. Es ist der Aufschrei der geschundenen Kreatur, ein Protest gegen die Ausgestoßenheit aus der Gesellschaft und nicht zuletzt auch gegen die brutalisierte und faschistoide Polizei.

Es ist eine Revolte, es ist eine Massen-Revolte und es ist eine Jugendrevolte, in diesem Fall eine spontane Revolte. Spontane Revolten sind in der Geschichte der Menschheit Legion. Die unterdrückten Klassen haben ihre Wut immer wieder in Revolten zum Ausdruck gebracht, manche rein spontan, manche mehr oder weniger organisiert. Die Spartakus-Sklavenrevolte im alten Rom erlangte Berühmtheit. Während der Zeit des Feudalismus gab es Hunderte von Bauernrevolten allein in Europa. Selbst jene, die organisiert waren, hatten keine Chance. Luther machte seine neue Religion hoffähig, als er die brutale Unterdrückung einer solchen Revolte empfahl. Goethe hat in seinem „Götz von Berlechingen“ einer sogar recht organisierten Revolte ein Denkmal gesetzt. Alle diese Revolten waren und sind im Kern soziale Revolten.

Es sind Arbeiterjugendliche, die da Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Die Tatsache, daß sie keine Arbeit haben, macht sie nicht zu Lumpenproletariern. Ihnen wird wohl auch kaum je geregelte Arbeit angeboten werden (bestenfalls einmal irgendwelche Zeit- und Hilfs-Jobs), aber das macht ja gerade die Aussichtslosigkeit aus, die sie zur Revolte treibt. Lumpenproletarier dagegen sind heruntergekommene Kleinbürger, die niemals eine Handarbeit annehmen würden. Nein, dies ist ein Teil der Arbeiterjugend Frankreichs.

Es wäre Unsinn anzunehmen, Arbeiterjugendliche würden keine spontanen Revolten anzetteln , sondern nur organisierte. Wer hätte sie denn organisiert? Die „Sozialisten“ oder die agonierende „kommunistische“ Partei Frankreichs haben mit ihnen nichts am Hut. Eine marxistisch-leninistische Organisation ist noch zu schwach, um die Organisation von sinnvollen Protesten anzuleiten. So machen sie eben unsinnige Revolten.

Nun, einen gewissen Sinn macht es, haufenweise Autos anzuzünden. Die Aufmerksamkeit der Medien haben sie jedenfalls. Eine Demonstration, die kurz vor Ausbruch der Revolte in einem der Vorstadt-Ghettos durchgeführt wurde, kam in keinem der Mainstream-Medien. Es sage also keiner, Autos anzuzünden sei sinnlos. Daß es kontraproduktiv ist, die Autos der Nachbarn abzufackeln, steht auf einem anderen Blatt. Es mögen sich auch Lumpenproletarier und kriminelle Elemente daruntergemischt haben, vielleicht auch ‚agents provocatoire’ der französischen Stasi-Dienste, aber das ändert nicht den Charakter.

Natürlich hat diese soziale Revolte – so wie es bei Revolten fast immer ist – keine Perspektive. Aber – keine Perspektive, das hatten diese Jugendlichen auch vorher – darum begannen sie ja gerade die Revolte. Wie sagte einer der Redner auf der Demonstration am 5.11. in Berlin so richtig: „Ein System, das keine Zukunft für die Jugend hat, hat selbst keine Zukunft!“

Es zeigt sich, wie notwendig es ist, diese Jugendlichen zu organisieren, zu überzeugen, daß es wirklich eine Perspektive gibt – den Sozialismus.

Die Jugendrevolte in Frankreich stellt eines der ersten klaren Anzeichen dar, daß der Kapitalismus ans Ende seiner höchsten und Endphase gekommen ist. Er beginnt bereits in bestimmten Bereichen in die kapitalistische Barbarei überzugehen. Zustände, in denen ganze kommende Generationen keinerlei Perspektive mehr haben als Elend und Tod, das ist ja gerade die Essenz der kapitalistischen Barbarei.

Mehr und mehr offen zeigen die Großkonzerne und Bank-Agglomerationen ihr nacktes, brutales Gesicht. Ihr Profit ist das einzige, was die Gesellschaft noch zu interessieren hat – man sehe sich nur den diesjährigen Profit der deutschen Bank an. Der Aufwand, der für den Betrug der Massen getrieben wird, nimmt ab. Während 12 Milliarden Menschen von der heutigen Lebensmittelproduktion leben könnten, läßt man einen Teil der 6 Milliarden hungern und sterben.

Schon ausgerottete und weitgehend zurückgedrängte Krankheiten beginnen sich wieder auszubreiten. Die globale Erwärmung – der Klimawandel? „Seis drum, wir machen Profit.“ Nackte blanke Gewalt, Überfälle auf arme Völker wie in Afghanistan und im Irak treten auf die Tagesordnung. Die größten Konzerne haben fast alle Ihre Profite um 50 bis 500% in einem Jahr erhöht – wer nicht mitkommt, wird erbarmungslos abgehängt.

>>Arbeitslosenunterstützung – für was? Sozialhilfe? Kürzen! Empfehlen Sie den Kirchen, Suppenküchen einzurichten!

Wir tanzen auf dem Vulkan! 2005 wird die ExxonMobil den höchsten Profit einfahren, den je irgend eine Firma gemacht hat! Das ist es, worauf es ankommt! Und die Politiker? Laß sie einfach ununterbrochen wiederholen, sie würden Arbeitsplätze schaffen. Vielleicht glaubt ihnen das Volk ja noch. Und wenn nicht – auch nicht weiter schlimm. Wir haben eine brutalisierte Polizei – wir haben modernste Armeen.<<

Es hat begonnen die Zeit, in der wir nur noch zwei Alternativen haben: Hilflos zusehen, wie der Kapitalismus in die kapitalistische Barbarei übergeht und zu lamentieren oder für den Sozialismus zu kämpfen.