vermischtes

Der Papst liegt im Sterben

In Rom mehren sich die Anzeichen für einen nahen Tod des Papstes. Der Vatikansprecher sagte am Abend, der Gesundheitszustand des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche habe sich weiter verschlechtert. Der römische Kardinal Ruini sagte in einem Gottesdienst, der Papst «sehe und berühre bereits den Herrn».

Die engen Vertrauten des Papstes haben sich am Freitagabend um den sterbenden Johannes Paul II. versammelt. Das berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Inzwischen überschlugen sich die Nachrichten aus Rom.

Der italienische Kardinal Camillo Ruini dankte am Freitagabend dem Todkranken in einem bewegenden Gottesdienst in der römischen Laterankirche, an der auch die Spitzen des italienischen Staates teilnahmen. Johannes Paul «sieht und berührt bereits den Herrn», sagte er in seiner Predigt. Am Gottesdienst nahmen 100 Priester teil.

Ruini war einer der wenigen, die den Papst am Freitag noch persönlich gesehen haben. Er hat als Generalvikar von Rom die Pflicht, der Welt den Tod des polnischen Kirchenführers bekannt zu geben.

Kaum mehr Hoffnung in Rom

Zuvor hatten das Fernsehen und die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, die Ärzte hätten keine Hoffnung mehr. Und der Fernsehsender Sky Italia berichtete, der 84-Jährige habe das Bewusstsein verloren. Nach Fernsehberichten wurde das rechte Bronzetor des Petersdoms geschlossen. Das gilt in Rom als Hinweis auf einen Papsttod. Der Vatikan hat aber Berichte italienischer Medien dementiert, wonach der Papst gestorben sei.

Am Freitagabend hatte Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls von einer weiteren dramatischen Verschlechterung der Gesundheit des Kirchenoberhauptes gesprochen. Es gebe massive Herz-, Kreislauf- und Nierenprobleme; es drohe ein Nierenversagen.
Gläubige verharren auf dem Petersplatz

Auf dem Petersplatz in Rom haben sich am Abend über 60’000 Personen zum Gebet für den Papst versammelt. Sie beteten den Rosenkranz für den im Sterben liegenden Kirchenführer. «Diesen Abend oder diese Nacht wird Christus die Pforten öffnen für den Papst», sagte Monsignor Angelo Comastri beim Gebet für den Papst. In den Privatgemächern im dritten Stock des Apostolischen Palastes brannte Licht.

Eine erste dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustandes hatte es am Donnerstagabend gegeben. Am Freitagmorgen hatte der Vatikan mitgeteilt, dass der Papst nach einer Harnwegsinfektion einen Herz- Kreislauf-Kollaps und eine Blutvergiftung erlitten habe.

medien

NEUES INFORMATIONSGESETZ AB 2006

1. April 2005 – Als George Turklebaum 51, am Samstag in seinem New Yorker Büro von der Putzfrau angesprochen wurde, war George schon seit Montag tot. Herzattacke attestierte der Arzt. Makaber, denn Turklebaum hockte volle 5 Tage vor seinem Schreibtisch und starb unbemerkt von seinen 23 Arbeitskollegen die mit ihm das Grossraumbüro teilten. Die Londoner Times, der Guardian und die BBC übernahmen die Meldung. Nur: die Gräuelvorstellung war eine Urbane Legende, ein Hoax, ein blöder Witz, der sich über Internet, Emails und schlussendlich in der Zeitung manifestierte.

Der Begriff Urban Legend wurde zum ersten Mal von Jan Harold Brunvand, einem Professor für Englisch bekannt gemacht. In seinem 1981 erschienenen Buch «Der verschwundene Anhalter: Amerikanische Urban Legends und deren Bedeutung» benutzte er eine Sammlung dieser Geschichten, um zwei Aussagen zu machen: Legenden, Mythen und Folklore kommen nicht nur bei so genannten primitiven oder traditionellen Gesellschaften vor und zweitens, durch die Untersuchung solcher Legenden kann man viel über urbane und moderne Kultur lernen. Einige frühe Historiker wie z. B. Tacitus, Geoffrey von Monmouth und Herodot waren die Stammväter der urbanen Mythen. Sie überlieferten Gerüchte und anekdotische Berichte als historische Fakten. Diese Aufzeichnungen waren dann wiederum die Grundlage für andere Berichte, und so wurden vielfach wiederholte nicht exakte Überlieferungen zu einem selbstlaufenden Teufelskreis. Heutzutage behandeln Historiker historische Belege von Geschichtsschreibern wie den erwähnten mit äußerster Vorsicht, doch mit dem Internet ist noch eine weitere Gefahrenquelle hinzugekommen:

Im Informationszeitalter finden Urban Legends rasend schnell fruchtbaren Boden. So schnell, dass sich die Internetbehörde ICANN zu drastischen Maßnahmen genötigt sieht: Ab 2006 müssen ins Internet gestellte Informationen durch den Truth Verification Act geprüft werden und dürfen nur mit deren Zertifikat online publiziert werden. Ob die neue Gesetzgebung eingehalten werden kann, wird bei ICANN allerdings bezweifelt.

kultur

…und ging des Weges.

Stephan Fuchs – Meine Vermutung einen sterbenden Dinosaurier anzutreffen hat sich nicht bestätigt. Christoph Balmer, noch Betriebsleiter der Kulturhallen Dampfzentrale in Bern ist ruhig, gelassen und zuversichtlich. Im Gespräch mit ihm lässt sich sogar heraushören, dass Begeisterung aufkommt. Dann, wenn sich für ihn die Dampftüren Ende April zum letzten Mal schliessen werden.


Balmer ohne Groll

Ich bin doch kurz irritiert. Wie kann ein Mann, der 12 Jahre Kultur veranstaltet hat und meines Erachtens öffentlich skandalös demontiert wurde, keinen Groll haben? Ist es möglich, dass ich mich mehr geärgert habe als Balmer? Vielleicht nicht, aber offensichtlich hat Balmer einen besseren Charakter als ich. «Ich habe überhaupt keinen Grund meine 12 jährige Dampfgeschichte mit Groll oder gar einem gebrochenen Rücken zu beenden» sagt er in einem ruhigen überlegten Ton. Christoph Balmer ist nicht einer der den Hampelmann spielt, ist nicht einer der auf dem Ego Trip segelt und sich bei jeder Gelegenheit selbst zelebrieren muss. Das unentwegte schrillen und summen seiner Telefone irritiert ihn nicht, er hört meinen Fragen zu, überlegt… das Telefon schrillt… und er gibt in zwei Sätzen eine klare Antwort. 12 Jahre Dampfzentrale machen wohl gelassen. Ich bin erstaunt, der Mann muss einen Stahlrücken haben, man sieht ihm die Jahre der Kulturarbeit nicht an.

Er, als Betriebsleiter, hat die Dampfzentrale da hin geführt wo sie jetzt vom Publikum geschätzt wird. Die öffentliche Institution ist ein Markenzeichen des kulturellen Lebens in Bern, mit einer breiten Palette an Darbietungen. «Wir bringen hier Klassik mit Experimental Groove, Schauspiel mit abstrakten Tanzvorführungen und Cybertech Sounds mit Brunch-Symphonie zusammen. Das ist eine Herausforderung, die verschiedene Sprachen voraussetzt, um den weiten Spagat zu kommunizieren. Töchter und Söhne gehen hier nach einer Veranstaltung raus, am nächsten Morgen kommen deren Eltern und geniessen ein Streichquartett. Interdisziplinär. Das Haus bringt Leute und Kulturen zusammen, die sich sonst nicht treffen. Das Haus verbindet.» Ist das tatsächlich so?

«Nein natürlich nicht!»
Es sei schwierig das Ausgehpublikum für ein Theater zu motivieren. Dann kämen die Theater Liebhaber und fänden es sei zuviel Ausgehkultur und die Klassikfreunde scheuen sich, weil die Dampfzentrale auch als Hotpot Sound Tempel gelte, meint Balmer. Tatsächlich aber ist die Dampfzentrale ein Mehrsparten-Haus, durchaus vergleichbar mit einem Stadttheater. Nur, dass die Aareluft die Kreativität zu beflügeln scheint. Balmer verneint: «Das war nicht ich. Die Leute hier sind professionell, zuverlässig und wir haben ein gut funktionierendes, eingespieltes Team. Ich muss nicht einem Stempelkissen für die Kasse nachrennen und ich muss nicht um zwei Uhr morgens kommen, um Kleingeld zu wechseln. Wir machen unsere Jobs und wir machen sie gut.»

Kultur ist gratis
Geld ist ein gutes Schlagwort, dacht ich mir, das muss ihn ins schwitzen bringen. Was sind denn all die Vorwürfe in der Presse? Geld Probleme? Balmer schwitzt nicht. «Ich bin froh, dass sie das erwähnen, das liegt mir wirklich am Herzen», meint er. «Wir haben nie ein Budget überschritten, wir haben die nötigen Finanzreserven, das Unternehmen Dampfzentrale steht auf gesunden Füssen da.» Geld ist natürlich ein Thema, denn die Dampfzentrale bekommt öffentliche Gelder und ist somit auch in öffentlicher Verantwortung stehend. Der Kulturtempel bekommt Geld von der Stadt, dem Kanton, der Burgergemeinde und aus dem Mirgros Kulturprozent und trotzdem ist die Dampfzentrale gezwungen einen relativ hohen selbstfinanzierungsgrad bereitzustellen. Kunst kostet Geld, grosse Namen kosten grosses Geld und dabei wird die Sitzplatz Kapazität verständlicherweise nicht grösser. Einerseits will man qualitativ Grossartiges zeigen, es darf aber nichts kosten. Um trotzdem die guten Namen auf hohem Niveau zu bekommen ist die Dampfzentrale somit gezwungen mehr Party Events zu machen, mit dem Resultat, dass das Haus zu einem Discotempel werden könnte, der ab und an mal eine Lesung macht. Die Situation ist paradox.

«Kann dies das Ziel sein?»
Kann nicht. «Jene die meinen Job übernehmen werden, müssen sich überlegen wie sie die Dampfzentrale positionieren wollen. Ich hoffe die Strukturreform kommt zu einem positiven Ende». Balmer hat recht, denn selbst bei Partyanlässen sind die Zeiten vorbei, als der Veranstalter einem DJ 200 Franken in die Hand drückte und er sich danach mit Geld zählen auseinander setzten konnte. «Wirtschaftsponsoren?» fragt Balmer. Ich nahm einen Schluck Bier, in der Hoffnung er möge sich selber antworten und er macht’s: «Nein! Die Wirtschaft investiert nicht mehr in die Nischenkultur, auch wenn sie sich eigentlich etabliert hat.» Er weiss wovon er spricht, Balmer hat’s versucht und er ist nicht der einzige. Die grosszügigen Sponsoring Quellen sind versiegt, doch das ist offensichtlich noch nicht in aller Munde.

WC putzen ist auch gratis
Balmer, der den Betrieb 1993 übernommen hatte, krempelte den Laden zum Güte Siegel um. Mit ihm wurde der ganze Betrieb professionalisiert. «Ohne Professionalisierung hätte die Dampfzentrale den steigenden Bedürfnissen des Publikums und den Künstlern nicht gerecht werden können. » Ich muss ihm das bestätigen: Denn die Dampfzentrale wird bei Promotern und Künstlern in ganz Europa als eine Hochangesehene Gaststätte mit kompetentem Personal geschätzt. Trotz gutem Leistungsausweis und erfolgreichen Veranstaltungen, wird ihm vorgeworfen sein Betriebskredit von 400‘000 Franken hauptsächlich in Lohnkosten verheizt zu haben. Das wären 10 Personen Entourage zu Mikrolohn. Plakataushang, Technik, Kasse, Sicherheit, WC Putzen, Licht, Backstage, Büro etc. Aufwendiger wurde die Professionalisierung 1999, als die Dampfzentrale eine eigene Haustechnik erhielt. «Eine komplexe Angelegenheit. Wir haben ein gutes System, das den Anforderungen grosser Produktionen gerecht wird. Es hat aber auch Tücken. Unser Licht ist auf 9 Meter Höhe. Stellen sie sich vor: wir können nicht verantworten, dass irgendwelche halbseidenen da mit weiss was im Kopf rumrutschen.» Wer auf Stage gearbeitet hat, der weiss wie der Schweiss trieft. «Dies soll nicht Fronarbeit sein, ganz bestimmt nicht. Meinen sie, am Sonntagmorgen, nach langer Tanznacht des Ausgehpublikums die WC Anlagen zu putzen sei lustig?» Das ist nicht lustig…

Das Ass von der Planke stossen
12 Jahre schlimmer Balmer. Offensichtlich ist man nicht zufrieden mit seinen Leistungen. Er sei nicht dynamisch, nicht engagiert, man schenke ihm kein Vertrauen. Nach zwölf Jahren, nonstop Einsatz, die meisten Wochenenden dazu, ein kläglicher Versuch einer Demontage. 12 Jahre beweisen das Gegenteil. «Windwechsel» sagt Balmer ohne Groll. «Es habe natürlich schon mit dem Weggang von Bejazz und dem Konkurs des Restaurants und der eingeleiteten Strukturreform zu tun. Wenn man jene wirklich Umsetzen will, dann ist es die richtige Entscheidung mich von der Planke zu stossen.» Und doch wurde Balmers Arbeit vorher gelobt. «Ja, natürlich, sonst wäre ich kaum 12 Jahre mit ähnlichem Produkt hier gewesen oder?» Balmer sieht sich nicht in der Rolle des Opfers. «Nein, die Opferrolle spiel ich nicht mit. Ich weiss was ich hier geleistet habe, was ich gutes gemacht und… stellen sie sich vor, ich weiss auch ganz genau was ich nicht gut gemacht habe. Klar! Ich gehe mit einem geraden Rücken und freue mich auf meine dampflose Zeit.»

Balmer schaut mich an. Ich klopf mir auf das Bein und denk: Der Kerl ist ein Ass, sein Weggang ein Verlust für die Kultur Bern.

Bild: Christoph Balmer
Foto: Pierre Marti

…und ging des Weges erschien in der April Ausgabe von ensuite kulturmagazin

Zur Dampfzentrale:
Die Kulturhallen Dampfzentrale liegen direkt an der Aare auf dem Areal des Marzilibads. Ihre Geschichte beginnt am Anfang des 20. Jahrhunderts, als der Elektrizitätsbedarf Berns sprunghaft anstieg und das bestehende Flusskraftwerk Matte bei geringer Wasserführung zu wenig Strom lieferte.

1904 baute der Architekt Eduard Joos, der sich zuvor mit dem Bau des Uni-Hauptgebäudes auf der Grossen Schanze einen Namen gemacht hatte, im Auftrag des Elektrizitätswerks der Stadt Bern das thermische Kraftwerk. Die kohlegefeuerte Dampfzentrale sollte diese Lastspitzen decken. Per Schiff gelangte die Kohle, die in der Brienzersee-Region abgebaut wurde, zur Dampfzentrale. Im Kesselhaus wurden die Heizkessel eingefeuert und im Turbinensaal standen die Drehstrom-Turbinen, die elektrische Energie erzeugten.

1924 wurden die Kohlenkessel durch Dieselaggregate ergänzt. 1939 wurde der Kohlebetrieb eingestellt und das weithin sichtbare Wahrzeichen der Dampfzentrale, ein 50m hoher Kamin, abgebrochen.

1973: Mit der Demontage der Dieselaggregate wurde die Dampfzentrale zur Industriebrache und mehr schlecht als recht als Lager genutzt. Nach der Stilllegung der Kraftwerkräume gab es Projekte für neue Schwimm- und Turnhallen. Die Dampfzentrale wäre abgerissen worden, wenn 1981 nicht die Denkmalpflege eingegriffen hätte.

Mitte der achtziger Jahre war das Veranstaltungsangebot der Bundesstadt äusserst bescheiden. Die freie Tanz- und Theaterszene suchte nach Auftrittsorten. Die Reitschule war verbarrikadiert, die Hüttensiedlung Zaffaraya niedergewalzt, Kulturorte wie Wasserwerk, Stufenbau, Cinématte etc. noch in den Sternen.

1986 gründeten aus dieser Notsituation heraus verschiedene kulturelle Organisationen der Stadt Bern den Verein Dampfzentrale. Mit dem Ziel, die Dampfzentrale kulturell zu nutzen, reichten sie ein Gesuch beim Gemeinderat der Stadt Bern ein.

1987: Im Mai kam es für eine Nacht zu einer inzwischen legendären Besetzung. Züri West machten darüber den Song «Hansdampf»: «D Wäut schteit uf em Chopf u dräit sech überem Parkett, 1000 Bärner dräie mit u i schtah irgendwo ir Mitti, u cha nid gloube, was i gseh.» Was Kuno Lauener 1987 nicht glauben wollte, war tatsächlich ein kleines Wunder. Denn es hätte auch anders kommen können.

19.10.87: Der bürgerliche Gemeinderat sah Handlungsbedarf und bewilligte den Versuchsbetrieb der Kulturhallen Dampfzentrale. Gleichzeitig beauftragte er das Architekturbüro Haltmeyer + Flückiger, ein Projekt zur Renovation und Neunutzung des geschützten Industriebaus auszuarbeiten. Im bald eingespielten Dauerprovisorium bespielte zeitgenössiche Kultur die Kraftwerkhallen.

1995: Die Dampfzentrale-Crew war hungrig und der Sandwiches überdrüssig. Es geisterten erste Ideen zum Bau eines Restaurants in den Köpfen herum, die bald konkreter und zu handfesten Plänen wurden.

1997: Im September war es soweit: Das Restaurant Dampfzentrale wurde eröffnet. Zu Beginn fanden eher wenig Menschen den Weg in die Beiz fern der ausgetrampten Pfade. Doch bald sprach sich herum, dass hier in besonderer Atmosphäre fein gespiesen werden kann. Das Restaurant ist aus der Dampfzentrale nicht mehr wegzudenken.

1997, zehn Jahre nach Aufnahme des Kulturbetriebs, sprach der Berner Stadtrat einstimmig 4.1 Mio. Franken für die Sanierung der Kulturhallen Dampfzentrale. Das Architekturbüro Haltmeyer + Flückiger passte das Renovationsprojekt von 1992 an und führte – in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsleiter Christoph Balmer – von September 1998 bis August 1999 die Gesamtsanierung durch. Der Kulturbetrieb war während dieser Zeit eingeschränkt, jedoch keineswegs lahm gelegt.

1999 startete die Saison in den frischen Hallen. Die Gesamtsanierung hievte die Kulturhallen Dampfzentrale in höhere Gefilde. Die Räume blieben in ihrem Charakter erhalten, die technische Infrastruktur jedoch den Bedürfnissen eines zeitgemässen Kulturbetriebs angepasst. Sichtbarste Veränderungen sind die neue Bühne mit einer Zuschauertribüne für 400 Personen im Turbinensaal und ein grosses Foyer mit Bar. Das «Foyer International» wurde dank der besonderen Atmosphäre bald zum einzigartigen Veranstaltungsort, wo häufig Konzerte, Lesungen, Dancefloors und Lounges stattfinden.

Seither ist der Kulturbetrieb in allen Dimensionen gewachsen. Derzeit arbeiten der Vorstand, bestehend aus einem 6-köpfigen KünstlerInnengremium, zehn fest Angestelle und zahlreiche freie MitarbeiterInnen und externe VeranstalterInnen für jährlich über 500 öffentliche Anlässe mit 2000-3000 beteiligten KünstlerInnen. Daneben gibt es Probelokale und Probebühnen für regionale TäterInnen.

2002 erhalten die Kulturhallen Dampfzentrale den mit 100’000 Franken dotierten Kulturpreis der Burgergemeinde Bern. Danke! Damit wird KD-Digital lanciert, ein Internet-Projekt, das den Kulturbetrieb um eine Dimension erweitert – die digitale. Auf der Internetbühne werden Bild- und Tonübertragungen von Liveanlässen ins Internet möglich und die Artmap ist ein Kunstprojekt, das die digitale und die analoge Welt verbindet.


terror

Prozess in Paris wegen Mord an Massud

Dreieinhalb Jahre nach dem Attentat auf den afghanischen Kriegsherren Ahmed Schah Massud müssen sich in Paris vier mutmaßliche Komplizen der Mörder vor Gericht verantworten. Der als „Löwe von Pandschir“ bekannte Massud, war am 9. September 2001 – zwei Tage vor dem Anschlag auf das World Trade Center in New York – ermordet worden. Massud galt als ein erbitterter Widersacher der radikal-islamischen Taliban und war bis zur Machtergreifung der Taliban 1996 Verteidigungsminister in Afghanistan.


Massud wird in Frankreich als Freiheitskämpfer verehrt.

Die Täter, die sich mit gefälschten Papieren als tunesische Journalisten ausgegeben hatten, sprengten sich bei einem Interview mitsamt Massud in die Luft. Bereits zwei Jahre nach der Ermordung hat es in Frankreich eine Festnahme im Zusammenhang mit dem Mord gegeben. Es wurde bekannt, dass die bei dem Attentat auf den Tadschikenführer benutzte Videokamera in Grenoble gestohlen worden war. Der Sprengsatz war offensichtlich in der Videokamera versteckt. Massud starb eine Woche später an seinen schweren Verletzungen. Als Drahtzieher des Attentats wird Al-Qaida verdächtigt.

Die französische Justiz ermittelt seit 2001 gegen mögliche Helfer der Terroristen und leitete Ermittlungsverfahren gegen zwei Franko-Tunesier, einen Algerier und einen aus dem Maghreb stammenden Franzosen ein. Der Vorwurf lautet auf Dokumentenfälschung und Bildung einer terroristischen Vereinigung. Zwei Verdächtige wurden mit falschen Pässen an der belgischen Grenze gefasst. Die Mörder Massuds trugen belgische Papiere bei sich.

Vier der insgesamt acht Angeklagten in Paris werden direkt zu den Helfershelfern der Attentäter gezählt. Drei anderen wird vorgeworfen, Kämpfer für Afghanistan ausgebildet zu haben. Der achte Angeklagte steht nur wegen illegaler Einwanderung vor Gericht. Massud wird in Frankreich als Freiheitskämpfer verehrt. Sein Porträt ziert eine Sondermarke der französischen Post.

spionage

„Corriere“: Stasi-Akten zum Papst-Attentat bringen Klarheit.

Stasi-Akten bestätigen einem Bericht der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ zufolge, dass der ehemalige sowjetische Geheimdienst KGB das Attentat auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 beim bulgarischen Geheimdienst in Auftrag gab.


Papst & Geheimdienst?

DDR involviert
Die deutsche Regierung habe in den Stasi-Unterlagen Akten gefunden, welche die These stützten, dass der KGB den Anschlag in Auftrag gab, der bulgarische Geheimdienst für die Ausführung sorgte und die DDR für die gesamte „Operation“ sowie für das Verwischen der Spuren verantwortlich war, berichtete das Blatt in seiner Mittwoch-Ausgabe.

Die deutsche Regierung habe die Stasi-Dokumente der bulgarischen Regierung ausgehändigt, die die Informationen wiederum an Italien weitergeleitet habe, wo sich eine parlamentarische Untersuchungskommission mit den Aktivitäten der Geheimdienste der ehemaligen Ostblockstaaten in Italien beschäftige.

Schriftliche Beweise
Bis jetzt, so der „Corriere“, habe es immer nur Vermutungen gegeben. Nun habe man aber schriftliche Beweise in Form einiger Dutzend Seiten vorliegen.

1981: Agca schießt auf den Papst
Der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca hatte 1981 auf dem Petersplatz in Rom auf den Papst geschossen, ihn aber nicht lebensbedrohlich verletzt. Die Hintergründe der Tat sind immer noch ungeklärt.

Vermutet wurde aber, dass die Fäden für das Attentat in Moskau zusammenliefen. Immerhin hatte der Papst-Besuch 1979 in Polen vor allem politischen Sprengstoff in sich gehabt.

„Wie die Nazis“
Johannes Paul II. setzte sich für die Solidarnoscz ein und schrieb dem damaligen Kreml-Chef Leonid Breschnew, als die Sowjets drohten, in Polen einzumarschieren: „Dann wärt ihr wie die Nazis 1939.“

Der Papst hatte in seinem jüngsten Buch „Erinnerung und Identität“ angedeutet, dass er Agca nicht für einen Einzeltäter halte. Agca hatte den KGB belastet, dann den bulgarischen Geheimdienst und sich später auch als Einzeltäter bezeichnet.


Papst schwieg über „den Dritten“

Agca sei ein Profi-Killer gewesen, der nicht aus eigenem Antrieb, sondern im Auftrag eines Dritten gehandelt habe, schrieb der Papst. Über die Frage, wer dieser Dritte sein könnte, schwieg sich Johannes Paul II. aber aus.

Die Stasi-Akten befinden sich laut „Corriere della Sera“ in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Es handle sich überwiegend um Briefe, in denen die Stasi ihre bulgarischen Kollegen um Hilfe bei der Verwischung der Spuren bitte.

Links:
Papst Johannes Paul – CIA Files

spionage

Im Labyrinth der Glücksritter

Stephan Fuchs – Im März dieses Jahres wird Dr. Wouter Basson in Südafrika sein Urteil vernehmen. Er wurde in 63 Punkten angeklagt, unter anderem wegen vielfachen Mordes, wegen Beihilfe zum Mord, wegen schweren Betrugs und Drogenhandels. Basson wird es mit einem Lächeln goutieren. Es ist nur die Spitze entgleister Glücksritter und der ABC Mafia.

Es war eine Zeit der kollektiven Paranoia, in der die Burenrepublik Südafrika alle Regeln eines zivilisierten Staates aufhob. Der Generalstab der südafrikanischen Streitkräfte beschloss das Project Coast, die Aufrüstung mit chemischen und biologischen Kampfstoffen, die zum Teil auch offensiv gegen die schwarze Mehrheit eingesetzt werden konnte.

Das streng geheime Militärprogramm der Apartheid war zwar ursprünglich defensiv angelegt, aber bald schon kam die Produktion offensiver B- und C-Waffen hinzu. Mit der Umsetzung dieser Pläne wurde Oberstleutnant Wouter Basson betraut, ein junger, gutaussehender, ebenso ehrgeizig wie scharfsinnig und man mag es nicht für möglich halten, humorvollen Mann. Basson war Herzspezialist und Militärmediziner. Er leistete ganze Arbeit: Am Ende besaß Südafrika eines der umfassendsten Arsenale an todbringenden Viren und Waffen die seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurden und einen riesigen Schlamassel der nicht nur über Südafrika, sondern über alle Kontinente und Ideologien hinweg einen Schleier des Unfassbaren gezogen hat.

400 Seiten dicke Anklageschrift
Am Montag, dem 4. Oktober 1999, eröffnete das Oberste Gericht in Pretoria die Verhandlung. Es beginnt der aufwändigste Prozess, der der Apartheid je gemacht wurde. Sieben Jahre ermittelten die Strafverfolgungsbehörden in Sachen Basson und Project Coast. Die Anklageschrift, 400 Seiten dick, ist ein Handbuch der Grausamkeiten. Wouter Basson ist in 63 Punkten angeklagt, unter anderem wegen vielfachen Mordes, wegen Beihilfe zum Mord, wegen schweren Betrugs und Drogenhandels. Aber Basson hat sich, so die Beobachter, blendend geschlagen. Mal Freund, mal der ernste Herr Doktor, mal der paranoide Geheimdienstagent und immer der Gewinner. Dem Gericht wurde vielfach schwindlig, denn in hundert Masken und hundert Rollen jagt er es durch seine Labyrinthe die nur er kennt und die voller Fallen sind, in dessen sich die Opfer verfangen und man fragt sich, ob er selber noch Schein und Sein, Fakten und Fiktionen auseinander halten kann. Die Gerichtsprache ist Afrikaans, die Sprache der Buren, Weiße richten über Weiße in einem Staat, der noch immer fanatisch rassistisch ist. Im März dieses Jahres 2002 wird Wouter Basson, sollte nichts dazwischen kommen, in Südafrika sein Urteil hören, er wird es mit einem freundlichen Lächeln goutieren.

Glücksritter, Killer und mysteriöse Helfer
Damals, am Beginn von Project Coast, bekam Spezialagent Basson eine Carte blanche. Er konnte tun und lassen was er wollte. Basson wechselte seine Identitäten wie die Anzüge, benutzte vier Pässe, seinen südafrikanischen und drei weitere, die er sich durch Scheinehen mit Frauen aus Bulgarien, Belgien und Russland beschafft hatte. Er gründete Firmen, Scheinfirmen, Offshore Firmen, legte Netze und Köder aus, schlich sich in hochsicherheits- Firmen ein und legte sich mit zu vielen Geheimdiensten an. Aber nicht nur das, er verhandelte mit der ABC- und Waffen Mafia, mit russischen, israelischen, schweizerischen und amerikanischen Glücksrittern, Killern und mysteriösen Helfern, die ihm ein EXIT Programm in England offen hielten für den Fall, dass er schnell verschwinden musste und eine neue Identität benötigte. Keine halbe Stunde von Heathrow entfernt, sollte ein „sicheres Haus“ bereit stehen, das er über ein ex- Special Force Mitglied beziehen könnte.

Doch zu dem Notprogramm kam es nicht. Basson wurde selber zum Köder, eventuell wurde er zu gefährlich für andere, vielleicht musste das Problem elegant beendet werden. Am 29. Januar 1997 wurde Basson mit 1000 Ecstasy Tabletten im Magnolia Dell Park in Pretoria durch einen V-Mann an die Angel genommen. Er rannte um sein Leben, sprang in einen vermeintlichen Fluss, wo seine heroische Flucht bereits schon endete. Er stand von oben bis unten im Schlamm, die Polizei verhaftete ihn. Das war das Ende des gefürchteten Dr. Death.

Jetzt sitz er da im Gericht und er weiß, solange er nicht wirklich sagt was geschehen ist, solange wird er leben. Es gibt genug Tote denen er schön verteilt, alles unterjubeln kann. Und es werden immer mehr:

Dann hat Jacomet den Koffer aufgemacht.
Erst vor Weihnachten verstarb ein Schweizer Glücksritter in einem Spital in Zürich an Krebs. Er hatte mit angereichertem Uran rumgespielt, das er von dubiosen Leuten aus Moskau bekommen haben will. „Damit bin ich von Kloten nach Rümlang in unser Büro gefahren. Dann hat Jacomet den Koffer aufgemacht. Drei Fläschchen waren drin, in Schaumgummi eingebettet. Jedes hatte eine andere Farbe. Es war Plutonium und Uran und noch irgendwas. Eines dieser Fläschchen hat geronnen. Das hat mir Jacomet erst sehr viel später erzählt. Ich habe eine Dummheit gemacht.“ Jacomet, der Tausendsassa, der mit Russen über Plutonium und Uran verhandelte, den Südafrikanern Waffen verkaufte, Deals mit den Kroaten und den Serben tätigte, ist ehemaliger Luftwaffen Kamerad von ex Geheimdienstchef Peter Regli, der von Jacomet in arge Bedrängnis gebracht wurde. Jacomet verstarb bereits im Oktober 1998. An Krebs.

Jacomet war Waffenhändler mit Lizenz und Konzession vom Bund, zum Handel mit Kriegsgerät. Bei einem Waffendeal hat er Lothar Neethling, den stellvertretenden Chef der südafrikanischen Polizei, kennen gelernt. „Er brauchte Schrotflinten für seine Polizisten. So lieferten wir 10’000 Pump-Actions nach Südafrika.“ Extra für diesen Deal gründete Jacomet die Firma „Intermagnum“. Danach vermittelte er Geschütze der südafrikanischen Waffenfirma Armscor, mit denen Giftgas verschossen werden kann, in den Irak. Durch seine Beziehungen mit Lothar Neethling kam Jacomet auch in Kontakt mit Wouter Basson, dem Leiter des Massenvernichtungsprojekts. Neethling seinerseits, war ein Flüchtlingskind aus dem besiegten Deutschland. 1948 wurde er, als 13 Jähriger, der schon 5 Jahre in der Hitlerjugend diente, von einer Südafrikanischen Kinderhilfsgruppe die stark mit den Nazis liebäugelte, evakuiert. Die Gruppe setzte Wert darauf, dass die 83 Kinder, die von verschollenen Hitlertreuen Eltern kamen, in Burische Familien integriert wurden und somit den Wert der Rasse weiterhin schätzen und verteidigen würden. Neethling, das Führerkind in der Jungnazigruppe, tat sein Bestes.

Krebserregende Stoffe in Unterhosen
Sie alle taten ihr Bestes. Verbürg ist, dass im Dezember 1982 mindestens 200 Inhaftierte SWAPO Mitglieder vergiftet wurden und anschließend über dem offenen Meer aus dem Flugzeug geworfen wurden. Dass Ebola, Cholera, Marburg und Gelbfieber Virus in Flüchtlingslagern getestet wurde, Thallium in Lebensmitteln, Krebserregende Stoffe in Unterhosen, sterilisierende Schokolade, selbst Mandela wollte man mittels präparierten Lebensmitteln die Krebs erzeugen, frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Man tat sein Bestes in allen Belangen.

Für die Q Utensilien, die wohl besser in einen James Bond Film passen, reiste von Zeit zu Zeit ein Amerikaner ein. Dr. Larry Ford, spezialisiert auf AIDS, Biologische Kriegsführung und Geburtenkontrolle. Er führte in Kalifornien die Firma BioFem. 1997 erhielt er sogar ein Patent auf eine neue Technik der Geburtenkontrolle. Bereits 1984 reiste Ford in das Military Hospital One wo er an Plazentas Virus Versuche vornehmen wollte. Er unterrichtete in Südafrika auch das Fachgebiet: „Wie töte ich gezielt mit einem Virus?“ Ford war ein Draufgänger. Um seine Untersuchungen vorzunehmen, schreckte er nicht davor zurück über Kriegsgebiet abzuspringen, um Toten angolanischen Kämpfern Blut abzunehmen, die im Bio oder Gas Krieg gestorben sind. Dr. Ford hat sich am 2 März 2000 erschossen, kurz nach dem sein Geschäftspartner James Patrick Riley, am 28 Februar vor der Firmentüre erschossen wurde.

Bakterien gegen Schwarze
In Südafrika wurde speziell für das Coast Programm eine Firma gegründet. Eine von vielen und sie war wohl maßgeblich an der Erforschung beteiligt. Sie war unterirdisch gebaut, stark gesichert, mit Käfigen für bis zu 3000 Ratten, Affen, für Pferde, Schafe und Ziegen. Roodeplaat Research Laboratories, werkelte neben anderen Projekten wie Ebola, Anthrax und Marburg an einer eigentlichen Ethnowaffe: An Bakterien, die dunkle Hautpigmente erkennen und so nur Schwarze befallen sollte. Dazu brauchte Roodeplaat ein BL-4 Labor, die höchste Sicherheitsstufe überhaupt und dafür war Basson der Mann für die Kontakte.

Die bekam er 1985 in England bei Porton Down, einer Firma des englischen militärischen Versuchslabors „Center for Applied Microbiology and Research“ CAMR, das Center für bio-chemische Verteidigung. Porton, hatte einen merkwürdigen Privatisierungsvorgang. CAMR, wurde durch die britische Regierung, als Teil von Porton Products integriert. Porton gehörte der Firma Speywood Holdings Ltd, welche wiederum der I&F Holding, die in den niederländischen Antillen Immatrikuliert ist, gehört. I&F Holding ist im Besitz von Ibrahim El-Hibri, der auch im Verwaltungsrat einer Firma im schweizerischen Zug seinen Einsitz hat. Ob El-Hibri alleiniger Inhaber von I&F Holding ist, weiß niemand so recht. Porton siedelte nach Amerika in den US-Bundesstaat Michigan und wechselte den Namen in Bioport Corporation. Fuad, deutsch-libanesischer Abstammung und Ibrahims Sohn war für den Transfer von CAMR verantwortlich. 22.5% der Firmenanteile werden vom pensionierten Admiral und ehemaligen Mitglied der Joint Chiefs of Staff unter Ronald Reagan gehalten, 30% von Fuad El-Hibris Frau Nancy und der Rest der Firma ist in den Händen von I&F Holding in den Niederländischen Antillen. Vor dem Abenteuer mit der Biofirma, war Fuad in Jedda, Saudi Arabien für die Citibank tätig. Ein Fachmann für Geschäftsübernahmen, hat er doch einen Management Degree von der Elite Universität Yale.

Bioport ist der einzige Lieferant von funktionierenden Anthrax Impfungen, dem Totimpfstoff gegen Bacillus anthracis. Sein einziger Abnehmer ist das amerikanische Verteidigungsministerium, das für alle Golfkriegssoldaten das Serum herstellte. Ein guter Kunde, schlecht für die 85’000 Soldaten, die mit dem mysteriösen Golfkriegsyndrom heimgekehrt sind. Die Beweise verdichten sich, dass die Impfung mitverantwortlich ist. Und dem nicht genug, die Sporen der „Anthrax Briefe“ wurden eingehend untersucht. Durch DNA Analysen kam die Northern Arizona University in Flagstaff zum Schluss, dass die verwendeten Anthrax Sporen ursprünglich aus dem U.S Army Medical Research Institute of Infectious Desease Fort Detrick kommen müssen. Gerade dieses Institut versorgte Porton in England und Project Coast mit Sporen.

Die verworrene Biowaffenindustrie, die sich in den Labyrinthen diverser Geheimdienstler und Glücksritter verheddert wird für die Zivilgesellschaft noch viele künstliche Gefahren entwickeln und manche Überraschungen und Skandale bieten. Wouter Basson, der smarte Dr. Death, weiß das schon.

Quellen:
Handelsregisteramt des Kanton Zug.
Gavin Evans Weekly Mail & Guardian.
Centre for Conflict Resolution South Africa.
Testimony of Mr. Fuad El-Hibri Presented to The Subcommittee on National Security,
Veterans Affairs, and International Relations of the House Committee on Government Reform June 30, 1999.
THE ROLLBACK OF SOUTH AFRICA’S BIOLOGICAL WARFARE PROGRAM Stephen Burgess and Helen Purkitt INSS Occasional Paper 37 Counterproliferation Series February 2001 USAF Institute for National Security Studies USAF Academy, Colorado.
Elnette Oelofse Südafrika/Japan, Oracle Syndicate.
Register.com Biofem intrigue heightens Wednesday, January 23, 2002.
Bericht der Delegation der Geschäftsprüfungskommissionen vom 12 November 1999. Beziehung zu Südafrika: Rolle des Schweizer Nachrichtendienstes.
Grafik: Gregor Thoma, Oracle Syndicate.

spionage

Enge Schweizer Bande zum Apartheid-Regime

Illegale Rüstungsexporte, geheime Atomgeschäfte, intensive Geheimdienst-Aktivitäten: Eine Nationalfonds-Studie rügt die Schweiz. Die Schweiz lieferte der südafrikanischen Apartheid-Regierung mehr heikle Dienste als bisher bekannt war.

Der Berner Historiker Peter Hug untersuchte für das Nationale Forschungsprogramm NFP 42+ „Beziehungen Schweiz – Südafrika“ die militärischen, rüstungsindustriellen und nuklearen Beziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika in der Zeit der Apartheid.

Er sei über das Ausmass, in dem die Schweizer Industrie die schweizerische Gesetzgebung und UNO-Sanktionen unterlaufen habe, überrascht, sagt Hug gegenüber „Horizonte“, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Nach dem sogenannten Stopp der Waffenausfuhr im Jahre 1963 seien die illegalen Lieferungen aus der Schweiz in grossem Stil weitergegangen.

Begrenzung der Strafuntersuchung

Ein Teil sei zwar mit dem Bührle-Prozess von 1970 publik geworden. Die von ihm eingesehenen Akten aus Südafrika zeigten aber heute, dass damals wegen der bundesrätlichen Begrenzung der Strafuntersuchung nur rund ein Drittel der illegalen Lieferungen der Schweizer Rüstungsindustrie zwischen 1963 und 1970 bekannt geworden seien.

Der Waffenindustrielle Dieter Bührle sowie drei seiner Mitarbeiter waren am 27. November 1970 vom Bundesstrafgericht wegen illegaler Lieferungen von Geschützen und Munition an Südafrika verurteilt worden.

Die rüstungsindustriellen Beziehungen der Schweiz zu Südafrika haben sich gemäss Hug nach dem obligatorischen UNO-Waffenembargo von 1977 noch einmal massiv verstärkt. Die Schweiz sei das einzige Land überhaupt gewesen, das dessen Anwendbarkeit grundsätzlich bestritten habe.

Beitrag für geheimes Atomwaffen-Programm

Gross war die Bedeutung der Schweizer Industrie laut dem Historiker zudem für das frühere geheime Atomwaffen-Programm Südafrikas. Die Firma Gebrüder Sulzer AG in Winterthur habe nach eigenen Angaben in dreistelliger Millionenhöhe zur geheimen Uran-Anreicherung beigetragen.

Wesentliche Teile, nämlich Ventile, habe auch die Firma VAT in Buchs (SG) dazugeliefert.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat schon in einer internen Aktenauswertung rekonstruiert, dass Sulzer die „sensitiven“ Bestandteile für die Uran-Anreicherung auf Drängen der Bundesbehörden direkt in Südafrika herstellen liess. So habe sich die Schweiz damals der internationalen Kritik „relativ elegant“ entziehen können.

Intensive nachrichtendienstliche Kooperation

Bezüglich der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Südafrika kam Hug zum Schluss, dass diese weiter zurückreichte, als bisher bekannt war. Zudem habe sie konkrete polizeiliche, politische und geschäftliche Massnahmen ausgelöst.

Auf Schweizer Initiative hin habe Anfang der 1970er-Jahre ein intensiver Austausch von nachrichtendienstlichen Berichten eingesetzt, und nicht erst 1977, wie in den jüngsten Untersuchungsberichten des Parlamentes und des Verteidigungs-Departementes (VBS) beteuert wurde.

In der bisher offensichtlich verschwiegenen ersten Kooperationsphase stand der Nachrichtendienst unter der Leitung von Brigadier Carl Weidenmann. Dieser engagierte sich später mit dem heutigen Bundesrat Christoph Blocher und Nationalrat Ulrich Schlüer von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) in der „Arbeitsgruppe Südliches Afrika“ (ASA) für den Apartheid-Staat.

Hochbrisante Zusammenarbeit

Im Nationalfonds-Magazin „Horizonte“ weist Hug auf ganz heikle Aspekte der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit hin. Denunziationen von südafrikanischer Seite hätten direkt zu fremdenpolizeilichen Massnahmen gegen Apartheid-Kritiker in der Schweiz geführt, schreibt Hug. Agenten hätten auch konkrete Rüstungsgeschäfte angebahnt.

Da stellt sich die Frage, ob die parlamentarische Geschäftsprüfungs-Kommission bei ihrer Untersuchung der Südafrika-Kontake des Schweizer Nachrichtendienstes unvollständig informiert oder gar belogen worden ist. Das VBS will sich dazu nicht äussern, bevor es Hugs Studie vollständig gelesen hat.

Publikation erst nach behördlicher Manuskript-Prüfung

Hugs Untersuchung ist abgeschlossen, darf aber erst nach der behördlichen Manuskript-Prüfung publiziert werden. Das Bundesarchiv und betroffene Amtsstellen in fünf Departementen müssen nachprüfen, ob sich der Historiker an ihre Auflagen gehalten hat.

Um Zugang zu Akten zu erhalten, hat Hug unter anderem die Anonymisierung von Personen- und Firmennamen versprechen müssen.

Wann die Studie erscheinen darf, weiss der Historiker nicht. „In einem anderen Fall ging die Manuskript-Prüfung zwei Jahre lang. Ich hoffe, dass es bei mir weniger lange dauern wird“, sagt er gegenüber swissinfo.

In dem anderen Fall sei dann alles freigegeben worden, nur kleinste Änderungen hätten vorgenommen werden müssen. „Ich hoffe, dass mir das auch gelingt, aber ich stelle mich auf schwierige Verhandlungen ein“, so Hug.

Der Bundesrat hatte im April 2003 vorerst den Zugang zu den einschlägigen Akten im Bundesarchiv für die Forschungsarbeiten gesperrt, weil er eine Benachteiligung von Schweizer Firmen bei den US-Sammelklagen befürchtete.

Später habe dann eine differenzierte Praxis geherrscht, sagt Hug. Einzelne Archivbestände würden aber weiterhin vollkommen gesperrt bleiben, andere konnte er mit Auflagen einsehen. Insbesondere die Bundesanwaltschaft, das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), das VBS und das EDA hätten neue Gesuche seinerseits bewilligt, so Hug zu swissinfo.

Auch Armscor-Archiv geöffnet

Hug sagt, er habe sich nach der bundesrätlichen Archiv-Sperrung 2003 sofort um Gegen-Akten in Südafrika bemüht. Zwar wurde Hug der Zugang zu südafrikanischen Militärarchiven gewährt, aber die Leitung des südafrikanischen Waffenherstellers Armscor verweigerte ihm die Einsicht in ihre Unterlagen.

Mit der Entscheidung der südafrikanischen Regierung, auch Privatarchive zugänglich zu machen, ging ein zwei Jahre langes juristisches Tauziehen zugunsten des Schweizer Historikers zu Ende.

Armscor hatte seit den 60-er Jahren die Anschaffungen von Feuerwaffen für die Apartheid-Regierung koordiniert. Nicht nur für die Schweiz sei die Öffnung der Armscor-Archive von Bedeutung, auch für die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte Südafrikas hätten diese Archive einen grossen historischen Wert, erklärte ein Vertreter der Südafrikanischen Historischen Gesellschaft (SAHA).


Intensive Zusammenarbeit mit dem Apartheid-Regime

„Die Schweiz war eine wichtige Stütze der Apartheid-Regierung“, sagt Peter Hug. Es sei erstaunlich, in welchem Ausmass es für die meisten Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft und allen Departementen selbstverständlich gewesen sei, eng mit der Apartheid-Regierung Südafrikas zusammenzuarbeiten.

Ebenso überrascht habe ihn, dass es in der Bundesverwaltung kaum jemals Äusserungen von Bedenken über diese Kooperation gab. Solche Bedenken seien erst in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre laut geworden, während die UNO schon seit Beginn der 50-er Jahre die südafrikanische Apartheid-Poltik als menschenrechtswidrig bezeichnet habe, so Hug gegenüber swissinfo.

Und der Historiker weiter: „Der Bundesrat hatte über zahlreiche Aktivitäten, nicht nur des Nachrichtendienstes, keine Ahnung.“

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

kriminalitaet

Visa-Affäre auf der Schweizer Botschaft in Peru

Die Visa-Vergabe scheint ein kritisches Gebiet für Korruption zu sein. Auf Schweizer Botschaften sind Visa-Affären aufgeflogen. Die Bundesanwaltschaft und das eidgenössische Untersuchungsrichteramt ermitteln in vier Fällen. Im Falle der Botschaft in Peru sitzt seit dem 7. März ein Mitarbeiter wegen Bestechungsverdachts in Untersuchungshaft.

Die Schweizer Botschaft in Peru soll gegen Bezahlung Visa für die Schweiz ausgestellt haben. Ein Botschafts Mitarbeiter wurde deshalb festgenommen. Die Bundesanwaltschaft (BA) eröffnete ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren.

Die Affäre wurde durch die Westschweizer Sonntags-Zeitung „Le Matin dimanche“ bekannt gemacht. Laut einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) geht sie auf den vergangenen November zurück.

Ende November 2004 sei gegenüber einem Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Peru ein Bestechungsversuch zwecks missbräuchlicher Visa-Ausstellung unternommen worden.

Keine Angaben über die Anzahl Visa

Dabei habe sich der Verdacht ergeben, dass seit einiger Zeit missbräuchlich Visa ausgestellt worden seien. Anfang Dezember 2004 sei das EDA über diesen Sachverhalt in Kenntnis gesetzt worden und habe die Angelegenheit unverzüglich an die Bundesanwaltschaft (BA) überwiesen.

Deren Sprecher, Peter Lehmann bestätigte auf Anfrage, dass die BA am 16. Dezember ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren eröffnet habe. Es betrifft den Verdacht des Sich-Bestechen-Lassens, des Amtsmissbrauchs und eventuell der ungetreuen Amtsführung im Falle eines EDA-Mitarbeiters.

Dieser sitzt seit dem vergangenen 7. März in Untersuchungshaft. Das Verfahren richtet sich umgekehrt auch gegen eine Person wegen aktiver Bestechung und wegen Bestechung schweizerischer Amtsträger, wie Lehmann weiter sagte.

EDA-Sprecher Ivo Sieber wollte auf Anfrage keine Informationen über die Anzahl der missbräuchlich ausgestellten Visa geben. Das Verfahren sei zur Zeit noch hängig, so die Begründung.

Behörden wollten Ermittlungen nicht gefährden

Wegen der möglicherweise länger zurückliegenden Verfehlungen wird auch auf Grund des alten Korruptions-Strafrechts ermittelt, das bis zum 1. Mai 2000 gegolten hatte. Bestechungsdelikte können gemäss Strafgesetzbuch mit bis zu fünf Jahren Zuchthaus bestraft werden.

Sowohl das EDA wie auch die BA verweisen auf die Unschuldsvermutung, die bis zum einem allfälligen Schuldspruch gelte. Zur Person des inhaftierten EDA-Mitarbeiters wurden unter Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz keine Angaben gemacht. Das Verfahren wurde dem Vernehmen nach bisher nicht publik gemacht, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Unregelmässigkeiten auch in Moskau

Die Affäre in Peru ist kein Einzelfall, wie BA-Sprecher Lehmann auf Anfrage sagte. Er erinnerte an das Verfahren gegen den ehemaligen stellvertretenden Schweizer Honorarkonsul eines Landes im Nahen Osten, über das die BA am 25. Mai letzten Jahres informiert hatte.

Dieser Fall, der Oman betrifft, ist zurzeit beim eidgenössischen Untersuchungsrichter hängig. Zudem ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Unregelmässigkeiten bei der Visa-Erteilung auf der Botschaft in Moskau. Dieser Fall dürfte zur weiteren Abklärung noch in diesem Monat dem eidgenössischen Untersuchungsrichter übergeben werden, sagte Lehmann.

Jährlich eine halbe Million Visa

Schliesslich seien Ermittlungen im Falle der Schweizer Vertretung in einem afrikanischen Land bei der Bundesanwaltschaft im Gang. Zu Verhaftungen ist es in diesen beiden Fällen bisher nicht gekommen.

Das EDA wies in der Mitteilung zum Fall Peru darauf hin, dass die Schweizer Vertretungen im Ausland jährlich über eine halbe Million Visa ausstellten. Dies sei eine anspruchsvolle Aufgabe, bei deren Ausführung keine Missbräuche toleriert würden.

terror

Japaner gedenken Opfer des Sarin-Anschlags vor zehn Jahren

Mit stillen Gebeten und Hilfsappellen haben Japaner heute Sonntag der Opfer des verheerenden Saringas-Anschlags auf die Tokioter U-Bahn vor zehn Jahren gedacht. Damals starben 12 Menschen, mehr als 5500 wurden verletzt. Die japanische Aum Sekte, unter dem Sektengründer Shoko Asahara wurde für den Anschlag verantwortlich gemacht.


„Mit Hilfe von Sarin werden wir große Städte ausradieren“

20. März 1995, gegen acht Uhr morgens: Fünf Züge der U-Bahnlinien Eidan, Chiyoda, Hibiya und Marunouchi haben fast die Stadtmitte von Tokyo erreicht. Nahezu gleichzeitig stechen Mitglieder der Endzeitsekte Aum Shrin Kyo-Sekte Plastiktüten voll mit Sarin auf und setzen dabei das tödliches Nervengas frei. Zwölf Fahrgäste sterben, über 5500 Menschen werden verletzt. Insgesamt waren 15 Stationen in Tokio betroffen. An diesem Tag wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des Terrorismus geschrieben.

Die Aufnahme von Sarin ist über die Haut und die Atmung möglich. Nur ein Ganzkörperschutz verhindert sicher eine Aufnahme des Stoffes. Der Tod tritt durch Atemlähmung ein. Die Wirkung ähnelt den verwandten chemischen Kampfstoffen Tabun, Soman und VX, aber auch Vergiftungen mit verschiedenen Insektiziden wie Parathion.

Die in Tokio freigesetzte Substanz Sarin wurde 1939 während der Forschung an Phosphorverbindungen für den Einsatz als Insektenvernichtungsmittel entdeckt. Auftraggeber der Forschung war wie auch bei Tabun und Soman die IG-Farben.

Als letzte Aktion versuchten die Aum-Mitglieder am 5. Mai 1995, dem nationalen „Kinderfeiertag“ in Japan, einen Angriff mit Hydrogenzyanid (auch bekannt als Zyklon B) durchzuführen. Die Operation Scheiterte zum Glück, denn der Anschlag hätte Zehntausenden von Menschen das Leben kosten können.

Frühere Anschläge der Sekte

Bereits im April 1990 versprühte die Aum-Sekte im Zentrum von Tokio und vor dem Parlamentsgebäude Botulintoxin (bakterielle Lebensmittelvergiftung). Der Anschlag erwies sich zum Glück als unwirksam. Ein weiterer Anschlag im Juni 1990 mit Botulin im Stadtzentrum von Tokio scheiterte ebenfalls.

Man vermutet, dass die Gruppe im Juli 1990 Anthrax verteilen wollte. Im Juni 1994 versuchten Mitglieder der Sekte drei Richter wegen einem Zivilprozeß gegen die Aum-Sekte im Ferienort Matsumoto mit Sarin zu töten. Sektenmitglieder besprühten einen Wohnblock mit Sarin, wodurch 7 Personen starben und weitere 250 in das örtliche Krankenhaus eingeliefert wurden. Die Richter erkrankten schwer, überlebten aber den Anschlag. Der Anschlag in Matsumoto gilt als erster ziviler Sarin Anschlag.

Chizuo Matsumoto: Gottes Heer führen

Die japanische Endzeit-Sekte wurde durch Shoko Asahara (eigentlich: Chizuo Matsumoto) 1987 gegründet. Ashara war früher ein Händler von Heilkräutern sowie Eigentümer von mehreren Yogaschulen in Japan. Nach seiner Reise 1986 in den Himalaja, kehrte er als selbsternannter Prophet und Visionist zurück. Laut Ashara sei er auserwählt worden „Gottes Heer zu führen“. Er glaubte, dass nach der Jahrtausendwende nur eine göttliche Rasse überleben und ein Japaner diese leiten wird.

Die Sekte eröffnete mehrere Büros in Japan und fand wegen seiner mystisch spirituellen Art aus Buddhismus und Hinduismus verbunden mit apokalyptischen Auffassungen sehr schnell Anklang bei den Japanern. Ende 1987 verfügte die Aum-Sekte bereits über 1500 Mitglieder in verschiedenen Städten.

Auf einem Aum-Kongreß 1987 verkündete Ashara den Ausbruch des Atomkrieges mit Sicherheit zwischen 1999 und 2003. Jeder solle daher Mitglied der Aum-Sekte werden um diese Katastrophe abzuwehren. Ashara sah die USA auch als eine „nukleare Gefahr“ für Japan und sagte einen Angriff der Amerikaner mit Nervengas und Atomwaffen voraus. Ashara erfand immer mehr groteskere Verschwörungstheorien, von rätselhaftem Zusammenwirken von Freimaurern, Juden und Großkonzernen bis zu Behauptungen von der Unterwanderung der japanischen Regierung durch die USA und deren Verantwortung an der Erdbebenkatastrophe von Kobe 1995.

Im November 1989 wird in Yokohama der japanische Rechtsanwalt Tsutsumi Sakamoto, der Angehörige von Aum-Anhängern vertritt, zusammen mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn getötet, nach dem Stand der Ermittlungen auf Anordnung von Asahara.

1995 hatte die Aum-Sekte in Japan 10000 Mitglieder, organisiert in 24 Unterorganisationen, in Rußland schätzungsweise 20.000 und in 6 weiteren Ländern nochmals insgesamt 15.000 Anhänger, u.a. in den USA, Australien, Deutschland, Russland und Sri Lanka. Das Vermögen der Sekte wurde auf mehr als 1 Milliarde US-Dollar geschätzt.

Kontakte zum sowjetischen Geheimdienst

Die Aum-Sekte hatte gute Kontakte zur „Alpha“ -Anti-Terroreinheit des ehemals sowjetischen Geheimdienstes KGB. Aum-Aktivisten in der verdeckten Kriegsführung (Sabotage, Attentate, Entführung, Spionage) ausgebildet. So sollen auch große Mengen an Raketenwerfern und Sturmgewehren aus Beständen des ehemaligen KGB gekauft worden sein. Auch ein Hubschrauber russischen Typs zum Versprühen von Chemikalien konnte geordert werden. Eigene Produktionsanlagen konnten das Sturmgewehr AK-47 Kalaschnikow nachbauen und Sprengstoff vom Typ TNT und RDX herstellen können.

1993 forderte Ashara zur Verhinderung des Weltuntergangs die schnelle Beschaffung von Waffenmaterial. Um diese Ziel zu erreichen rekrutierten die Sekte Wissenschaftler und Techniker aus Japan, Russland und anderen Ländern. Aus Russland sogar zwei Nuklearwissenschaftler. In Westaustralien kaufte die Aum-SekteAnfang der 90er Jahre ein großes Stück Land einer ehemaligen Schaffarm, genannt Banjawarn Station, in der Hoffnung dort Uranmaterial zu finden. Am 28. Mai 1993 kam es in der Nähe zu einer gewaltigen Explosion, deren Ursache nicht geklärt werden konnte.

Ermittlungen

Zwei Tage nach dem U-Bahn Anschlag, am 22. März, begann die Polizei an verschiedenen Orten in Gebäuden der Aum-Sekte zu ermitteln. Anlass war jedoch nicht der Verdacht der Benutzung von Sarin, sondern die Entführung von Herrn Kariya, Geschäftsleiter am Meguro-Notariat, die am 28. Februar stattgefunden hatte.

Mehrere Leute vermuteten jedoch schon zu diesem Zeitpunkt, dass auch der Sarin-Anschlag von der Aum-Sekte begangen worden sei: zum einen, weil diese Tat so abnorm war, dass sie nur von Überzeugungstätern mit religiösem Hintergrund begangen worden sein konnte, und zum anderen, weil schon im Herbst des Vorjahres in einigen Zeitschriften berichtet worden war, dass von einem Gebäude der Aum-Sekte üble Gerüche ausgegangen waren und im Gras in der Nähe dieses Gebäudes Sarinrückstände nachgewiesen wurden. Es war allerdings bekannt, dass die Aum-Sekte auf solche Behauptungen mit Anzeigen wegen „Ehrverletzung“ reagiert hatte und mit den Klägern nicht zimperlich umsprang.

Nach der Erstürmung des Sekteneigenen Satian-7-Laboratorium durch japanische Sicherheitskräfte, fand man eine ausreichende Menge Sarin, um schätzungsweise 4 Mio. Menschen zu töten. Außerdem fand man bereits produzierte oder in Zukunft zur Herstellung vorgesehene Nervengase wie Tabun, VX-Gas und Soman. Auch chemische Kampfstoffe wie Senfgas und Sodiumzyanid sollte hergestellt werden. 100 Gramm der halluzinatorischen Droge LSD und 3 Kilogramm Meskalin wurde ebenfalls gefunden.

Schliesslich wurde Shoko Asahara am 16. Mai 1995 verhaftet. Nach einem achtjährigen Prozess war der inzwischen 50-jährige Asahara wegen des Anschlags auf die U-Bahn in Tokio und anderer Verbrechen zum Tod verurteilt worden.

Schweigeminute für die Opfer

Am Bahnhof des Regierungsviertels Kasumigaseki legten Bahnbeamte und Betroffene um 8.00 Uhr eine Schweigeminute ein. Noch heute müssen viele der Opfer des Anschlages weiter unter den psychischen, physischen und finanziellen Folgen leiden. Die Betroffenen werfen der Regierung vor, die Opfer praktisch im Stich gelassen zu haben. Trotz wiederholter Appelle habe der Staat es an substanzieller Hilfe in all den Jahren fehlen lassen.

Die inzwischen in Aleph umbenannte Sekte entschuldigte sich anlässlich des 10. Jahrestages der Anschlags erneut bei den Opfern und versprach, so etwas nie wieder zu tun und sich weiter um Entschädigung zu bemühen.

vermischtes

Pakistan testet neue atomwaffenfähige Langstreckenrakete

Stephan Fuchs – Pakistan hat heute Samstag, 19. März 2005, eine atomwaffenfähige Langstreckenrakete getestet. Die Shaheen-2-Rakete sei in Anwesenheit von Präsident Pervez Musharraf gezündet worden, erklärte das Militär in Islamabad.

Glückliche Tage für das pakistanische Militär, denn erst vor wenigen Tagen war Condoleezza Rice mit speziell explosiven Geschenken in Islamabad zu Besuch. In ihrem Reisegepäck brachte sie F-16 Kampfflieger mit. Die aus den USA importierten F-16 können so modifiziert werden, dass sie eine Nuklearwaffe tragen können. Die pakistanische Flugwaffe, bereits im Besitz einiger F-16, möchte gerne noch einige Stücke von der Firma Lockheed Martin kaufen. Rice stellte dem pakistanischen Präsidenten General Pervez Musharraf ein gutes Zeugnis aus und pries die Schritte, die er gegen die militanten Islamisten unternimmt und nannte ihn einen stabilisierenden Faktor in der Region. Grund genug offensichtlich, Musharraf neue Jets zu verkaufen. Und das obwohl Pakistan im Verdacht steht Nordkorea, Iran und Libyen wichtige Informationen zur Herstellung von Atomwaffen weitergegeben zu haben.

Wohl als Jubelgeste, zündeten die pakistanischen Militärs nun die HATF-6 / Shaheen-2 Rakete. Die Rakete kann mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern alle Arten von konventionellen und nuklearen Sprengkörpern ins Ziel befördern. Bereits im Dezember 2004 hatte Pakistan die Shaheen-1 getestet, die über eine mittlere Reichweite von bis zu 1500 Kilometer verfügt. Bei der Shaheen-2-Rakete handelt es sich um eine Weiterentwicklung der chinesischen M-11 Raketen.

Die pakistanische Raketenentwicklung begann im Jahre 1961 mit Gründung der „Space and Upper Atmosphere Research Commission“ (SUPARCO). Im Juni 1962 wurde die erste Kurzstreckenrakete Rehbar getestet. Bis heute haben die Pakistanis bei rund 2.500 Versuchsstarts verschiedener Raketentypen umfassende Erfahrungen auf dem Gebiet der modernen Raketentechnologie angehäuft.

Die von der SUPARCO in den 1980er Jahren eigenständig entwickelte Hatf-1 Kurzstreckenrakete verfügte allerdings noch nicht über eine nukleare Trägerfähigkeit. Erst mit aus China gelieferten Komponenten der M-11 Rakete konnte 1987 eine entsprechende neue Raketengeneration entwickelt werden die dazu in der Lage war, Atomsprengköpfe zu transportieren.

Ein erster Test der folgenden Hatf-3, eine verbesserte Version der M-11, erfolgte im Juli 1997. Obwohl die Hatf-3 mit einem 500 kg Nuklearsprengsatz versehen werden konnte war, ganz zum Unmut der Generalität, ihre Reichweite nicht ausreichend um größere indische Bevölkerungszentren zu treffen. Erst im April 1998 dann, gelang die Entwicklung der Hatf-5 oder Ghauri Rakete. Die Ghauri Rakete konnte nicht nur einen größeren Sprengsatz transportieren, sondern auch, wie ein Jahr später beim Test der Ghauri II Rakete bewiesen wurde, eine Entfernung von mehr als 1 000 km zurücklegen. Geheimdiensten zufolge scheint die Ghauri Technologie jedoch weniger auf der chinesischen M-11 als auf der Nordkoreanischen Nodong Rakete zu basieren.

Im Februar 2004 hat Pakistans führender Nuklearforscher Abdul Qadeer Khan gestanden, zwischen 1986 und 1993 im Tausch gegen Raketentechnologie wichtige Informationen zur Herstellung von Atomwaffen an Nordkorea, Iran und Libyen weitergegeben zu haben.

Die neuste Generation, die Shaheen-2-Rakete, schafft es nun, atomare Sprengköpfe rund 2000 km ins Ziel zu bringen. Das hat die Generalität gefreut: Musharraf gratulierte den am Raketenprogramm beteiligten Wissenschaftern und Technikern für ihre „strategische“ Leistung.