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Finanzgauner, ihre Opfer und die BaFin

Dr. Alexander von Paleske —12.9. 2008 —
Zehntausende von Geschädigten, etliche davon, die ihre ganzen Lebensersparnisse verloren haben. Das ist die traurige Bilanz von Betrugsskandalen, die Schlagzeilen machten. An erster Stelle der Phoenix Skandal, aber auch, wenn nicht so bekannt, der Amis Skandal. Diese Skandale dürften jedoch nur die Spitze eines Eisbergs darstellen, denn die vielen kleineren Gaunereien auf dem Finanzsektor z.B. im Bereich des Telemarketing schaffen es erst gar nicht als Nachricht in die Medien.

Und immer wieder stellt sich heraus: Die Gauner konnten jahrelang in grossem Stil agieren trotz der Aufsichtsbehörde BaFin.

Aber nicht nur das, jetzt stellt sich ausserdem heraus, dass die Entschädigungseinrichtung EdW kein Geld hat, die Opfer daher bisher nicht entschädigt werden konnten. Da stellen sich Fragen.
Werfen wir zunächst einen Blick zurück.
.
Der Phoenix Skandal
Dieser Skandal wird wohl nach der Göttinger Gruppe als der grösste Finanzanlagebetrug in die deutsche Wirtschaftgeschichte eingehen 30.000 Geschädigte, mehr als 600 Millionen Euro Schaden, bisher keinerlei Auszahlungen der Insolvenzsumme von etwa 200 Millionen Euro an die Geschädigten.

Im Jahre 1998 ging der Betrug so richtig los. In diesem Jahre wurde die Betrugsfirma in Deutschland zum Wertpapierhandel zugelassen, es war auch die Zeit, als der Neue Markt an der Börse richtig in Schwung kam. Weitverbreitet die Ansicht, an der Börse liesse sich mühelos Geld verdienen.

Die Kunden wurden über Telefonate gewonnen sogenanntes Telemarketing. Ihnen wurde märchenhafte Gewinne versprochen, und nur allzu viele fielen auf die Versprechungen herein. Die Warnhinweise der Firma im Kleingedruckten der Prospekte nahm dann kaum noch einer der Hereingelegten zur Kenntnis.

Dieses betrügerische Telemarketing wird normalerweise international von sogenannten „Boiler Rooms“ aus betrieben, und zwar von Ländern aus, die nicht über über eine eigene etablierte und erfahrene Finanzaufsicht verfügen, meistens Dritte Welt Länder. Von diesen Boiler Rooms werden dann die Schrottpapiere verhökert und zwar an Bewohner in weit entfernt liegenden Ländern wie z.B. Kanada oder Grossbritannien.
Die Gangster, zu denen internationale Grossbetrüger wie Rakesh Saxena Regis Possino und vor allem Amador Pastrana gehören sind von der Finanzaufsicht in den Ländern der Geschädigten, wie z.B. der FSA in Grossbritannien wegen der Distanz nicht zu fassen. Aber immerhin gibt es regelmässige Warnhinweise auf den Websites der Aufsichtsbehörden.

Aber bei Phoenix und zum Schluss auch bei der AMIS war das alles viel einfacher. Beide operierten naemlich nicht von irgendeinem exotischen Land aus, sondern arbeiteten in Deutschland. Also, so würde man meinen, nach kurzer Zeit würde die Finanzaufsicht den Gaunern das Handwerk legen. Doch es kam alles ganz anders.

Die BaFin
Die Finanzaufsicht in Deutschland wird durch die Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht (BaFin) ausgeübt.

Und zwar, wie im Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetz (FinDAG) festgelegt „nur im öffentlichen Interesse“ . Was das im Klartext bedeutet, darauf kommen wir noch zurück. Der Präsident der BaFin ist Jochen Sanio, als umtriebig bekannt, der SPD nahestehend, von der Financial Times Deutschland auch als Dampfplauderer bezeichnet.

Die BaFin ist die zusammengelegte Aufsichtsbehörde, errichtet am 1. Mai 2002 und hervorgegangen aus vormals dreien, nämlich dem Aufsichtsamt für das Versicherungswesen, für das Kreditwesen und den Wertpapierhandel.

Typisch staatliche Aufgaben, die kaum geoutsourced werden können. Und die Aufsichtsämter sollten auch völlig unabhängig von den zu Überwachenden agieren. Darüberhinaus sollten sie als hoheitliche Tätigkeit der vollen im Grundgesetz verankerten Staatshaftung nach Artikel 34 Grundgesetz, konkretisiert durch Paragraph 839 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) unterliegen. So wie das auch in Österreich bei der Finanzmarktaufsicht FMA der Fall ist.

Aber für die BaFin, die nach der Zusammenlegung der drei genannten Aufsichtsbehörden eine grössere Schlagkraft haben sollte, und wo immerhin rund 1600 Mitarbeiter tätig sind, hatte sich der Gesetzgeber etwas anderes ausgedacht, möglicherweise unter Verstoss gegen die EU-Richtlinie über Einlagensicherung und Anlegerentschädigung:

Finanziert werden die Aufseher im Umlageverfahren durch die zu Überwachenden, nämlich von Banken, Versicherungen und Wertpapierhändlern. Eine Schadensersatzpflicht für Schäden aus mangelnder Überwachung gibt es auch nicht.

Wo keine Verpflichtung zum Schadensersatz besteht, da fehlt dann offenbar auch der Druck, hier sorgfältig zu überwachen. Und so kam es offenbar wie es kommen musste: Erst Phoenix, dann Amis und sonstige Betrügereien, alles unter der Nase der BaFin.

Aber offenbar selbst im eigenen Hause klappte die Aufsicht nicht. So konnte ein Leitendender Regierungsdirektor, der noch nicht einmal die mittlere Reife besass und durch gefälschte Dokumente Anstellung fand, offenbar mühelos 6 Millionen Euro ergaunern Der Bundesrechnungshof und die Strafkammer des Landgerichts Bonn rügten das mangelnde hauseigene Kontrollsystem.

Aber schon wieder hat die Staatsanwaltschaft Bonn einen BaFin-Mitarbeiter angeklagt. Auch der soll angeblich bei der BaFin Betrügereien in grossem Stil begangen haben.

Phoenix – viele ungestörte Betrugsjahre oder: mein Gott Jochen (Sanio)
Schon sehr frühzeitig geriet die Phoenix auf den Radarschirm des BaFin bzw. der Vorgängerin, des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen. Die untersagte die Anlage von Kundengeldern in „managed accouts“ also auf einem Sammelkonto, mit dem die Phoenix dann nach Belieben verfahren konnte.

Nun würde man erwarten, dass unverzüglich die Durchsetzung dieser Verfügung engmaschig überprüft würde, aber Phoenix konnte weitermachen wie gehabt. Die BaFin als zahnloser Tiger. Hinzu kam, dass die BaFin zur Überprüfung der Phoenix sich der Wirtschaftprüfungsgesellschaft Ernst & Young bediente, welche offenbar nicht den rechten Durchblick gewann , dass dort nämlich Teile der Buchführung gar nicht stimmten.

Und diese (un)seriösen Prüfergebnisse benutzte dann die Phoenix wiederum offensiv und sehr erfolgreich, um weitere Kunden zu ködern.

Der ganze Betrugsladen flog aber erst auf, nachdem deren Chef Dieter Breitkreuz im Jahre 2004 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam und die BaFin von den Nachfolgern des Herrn Breitkreuz ueber die „Unregelmässigkeiten“ informiert wurden.

Erst im Jahre 2005 wurde dann von der BaFin schliesslich der Laden dichtgemacht und die Insolvenz festgestellt.

Amis und die BaFin
Über die Betrugsfirma Amis, die von Oesterreich aus operierte und auch in Deutschland rund 6000 Kunden hereinlegte – Schadenssumme rund 200 Millionen Euro – , hatten wir bereits ausführlich berichtet.

Bereits in dem Zeitraum von 2002-2003 beschäftigte sich die BaFin offenbar mit diesem Betrugsladen.

Mehrere Vertreter dieser „Keilertruppe“ der AMIS in Deutschland wurden aufsichtsrechtlich verfolgt. Aber ansonsten geschah weiter nichts.

Die Luxemburger Finanzaufsicht hingegen fror die Amis Vario- und SICAV Betrugs-Fonds am 4. März 2004 bei der Depotbank Investmentbank Luxembourg IBL (jetzt Sella Bank) wegen mangelnder Bewertbarkeit ein Davon hat sicherlich die BaFin im Rahmen der gegeseitigen Informationsverpflichtung Kenntnis erhalten.

Macht nichts. Am 20. November 2004 eröffnete die AMIS eine Betrugszweigstelle in Holzwickede. Anstatt diesen Laden sofort zu schliessen, konnten die Amis-Leute so richtig loslegen, betrugsmässig versteht sich. Als „Rechtfertigung“ heisst es in dem Schreiben der Bafin an die HelpAmis vom 12.7.2007

„Darüberhinaus unterhielt das Unternehmen (die Amis) in der Zeit vom 20 November 2004 bis 31 Oktober 2005 in Holzwickede eine Zweigniederlassung. Für diese wäre erst….nach Ablauf des ersten Geschäftsjahres eine Prüfung durchzuführen gewesen. Eine solche Prüfung kann aber aufgrund der Schliessung der Zweigniederlassung nicht mehr erfolgen.“

Willkommen im Bafin-Land, wo man zumindest ein Jahr lang ungestört Betrügereien begehen kann – oder eben auch länger siehe Phoenix.

Spätes Erwachen bei ARS
Auch bei den Auction Rate Securities (ARS) , ueber die wir hier berichtet haben („Die Grossbanken und der Staatsanwalt“), scheint es bei der BaFin Aufwachprobleme gegeben zu haben.
Wie die Wirtschaftswoche im August berichtet hat erst kürzlich die BaFin die Banken um Mitteilung gebeten, ob sie diese Papiere auch in Deutschland verkauft haben, obgleich der Zusammenbruch dieses Marktes bereits im Februar diesen Jahres stattfand.

Ein „Tante Emma Laden“ soll Schadensersatz leisten
Nachdem der Schadensersatz von der BaFin abgekoppelt war, wurde er, soweit es Betrügereien von reinen Wertpapierhändlern betraf auf eine Art „Tante Emma Laden“ übertragen: Die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhändler (EdW), in den die kleinen und mittelständischen Händler einzahlen müssen (Die Banken haben eine separate Entschädigung).

Entsprechend unzureichend ist die Entschädigung: 90% – hört sich gut an, maximal aber nur 20.000 Euro. Und ein einziger Schadensfall wie Phoenix zeigt, dass diese Entschädigungseinrichtung diesem Masseschaden nicht gewachsen ist, denn sie hat nur lächerliche 2,2 Millionen im Entschädigungstopf, wie die ZEIT berichtete. Deshalb klopfte nun die EdW zwecks Kreditaufnahme beim Vater Staat an. Aber dieses Begehren wurde vom Haushaltsausschuss des Bundestages barsch zurückgewiesen.
Das kann man verstehen, denn schliesslich gibt es im Bund und bei den Ländern Wichtigeres.

Zum Beispiel Steuergelder abzuzweigen für die Abdeckung von Verlusten nach windigen Spekulationsgeschäften mit Schrottpapieren. Der Bund ist bei der IKB mit 9 Milliarden Euro dabei, Sachsen bei der Sachsenbank mit 6 Milliarden und Bayern bei der Bayerischen Landesbank mit 4 Milliarden um nur einige zu nennen. Da muss anderweitig eben jetzt eisern (auf Kosten der „kleinen Leute“) gespart werden

Und so versucht die EdW nun durch Nachforderungen von den Wertpapierhändlern das Geld hereinzutreiben. Also Nachschlag von den Kleinen, und die klagen dagegen oder verlegen den Geschäftssitz ins Ausland.. Ein schönes Kuddelmuddel und die Geschädigten haben das Nachsehen.

Nun wird also ein Rattenschwanz von Prozessen folgen. Das wird die Anwälte und Prozesskostenfinanzierer freuen. Dabei hatte bereits der Bundesgerichtshof in seiner Meilenstein-Entscheidung zu der 1974 zusammengebrochenen Herstatt Bank (BGH NJW 1979, 1879) – festgestellt, dass nach dem Kreditwesengesetz (dem Vorläufer des FinDAG), eine grundsätzliche Amtshaftung bestehe, da das Kreditwesengesetz zumindest (auch) dem Schutz des einzelnen Bürgers diene, etwas, was der Gesetzgeber jetzt durch Paragraph 4 FinDAG aushebelte „nur im öffentlichen Interesse“.

Doch dies dürfte wohl ein erheblicher Grundgesetzverstoss sein, eine Missachtung des Artikels 34 Grundgesetz.

Und, als das FinDAG dieses Jahr parlamentarisch zur Nachbesserung anstand, da wurde der Schadensersatz erst gar nicht behandelt. Welch eine Fürsorglichkeit für die Geschädigten

Ein Präsident und seine Gebete
Mittlerweile erklärte der Präsident der BaFin, Jochen Sanio, „man möge dafür beten, dass sich an der gegenwärtigen Gesetzeslage nichts ändert“ , insbesondere das Bundesverfassungsgericht die Regelung des Paragraphen 4 des FinDAG nicht für verfassungswidrig und nichtig erklärt.

Zwar kann man verstehen, weshalb Herr Sanio sich aufs Beten verlegt, aber man kann nur hoffen, dass diese Gebete, in die er offenbar vergass, auch das Wohlergehen der Kleinanleger mit einzubeziehen, nicht erhört werden.

Bis eines Tages die Prozesse durch alle Instanzen gegangen ist, dürften etliche der Geschädigten bereits verstorben sein. Aber hier geht es ja nur um das Geld der „kleinen Leute“ weniger als Peanuts in der Sprache der Deutschen Bank.

Und frei nach einem 1848er Lied
„Es hängt an keinem Baume,
es hängt an keinem Strick
es hängt nur an dem Traume
vom Kleinanlegerglück“

linkDer Fall Amis – ein gigantischer europäischer Betrugsskandal
Die Grossbanken und der Staatsanwalt
linkDefault Swaps oder: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
linkNeues von den Finanzskandalen, BayernLB, Hypo Alpe, Meinl</a
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Alle (Ab)wege fuehren nach Liechtenstein
Der Fall Hypo-Alpe-Adria- Bank (Skandalpe) – Ein österreichisch-deutsches Schmierenstück.</a>
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Republik Oesterreich – Finanzskandale ohne Ende
linkEs war einmal eine Arbeiterbank in Wien
linkFreispruch im General-Partners-Prozess – Wiener „Kaffeehausjustiz“ überfordert?
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Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe

afrika

Machtteilung in Simbabwe – Mugabe ist der Sieger

Dr. Alexander von Paleske – Wie soeben gemeldet wird, haben sich Robert Mugabe und der Oppositionsführer Morgan Tsvangirai auf eine Regierung der nationalen Einheit geeinigt.
Dies kommt keineswegs überraschend.
Die Wahlergebnisse der „relativ“ freien Wahlen in Simbabwe am 29. März waren eindeutig. Diktator Mugabe hatte die Wahlen verloren. Die Parlamentswahlen absolut, die Präsidentschaftswahlen relativ. Es folgte ein Terrorwahlkampf Mugabes vor der Präsidentschaftsstichwahl. Schliesslich stieg Tsvangirai aus dem Rennen. Was dann stattfand war eine Wahlfarce, die Mugabe in seinem Amt bestätigte. Nun hat der Diktator sein endgültiges Ziel erreicht.

Ein bisschen Macht, ein bisschen Frieden
Mugabe bleibt also Präsident, das stand von vorne herein fest. Dies allein hätte ihm allerdings nichts genutzt. Er benötigte die Opposition im Boot, die jetzt im Ausland Kredite lockermachen soll, um die zusammengebrochene Wirtschaft wieder flott zu machen. Denn aus der einstmals zweitgrößten Wirtschaftsmacht Afrikas nach der Republik Südafrika ist ein Armenhaus geworden. Die Arbeitslosenquote liegt bei mehr als 80 Prozent. Das Gesundheitswesen, einst Vorzeigestück, ist kollabiert, die Krankenhäuser haben nicht einmal mehr Medikamente, die Aerzte streiken zur Zeit.
Tourismus und Landwirtschaft sind nur noch ein Schatten dessen, was sie einst waren. Ein Drittel der Bevölkerung hat das Land verlassen. Nun hat Mugabe die Opposition mit im Boot und hat ihr so wenig Macht und Einfluss überlassen, wie nur irgendwie möglich.
Und der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki war zu keinem Zeitpunkt ein neutraler Vermittler. Er stand immer auf der Seite Robert Mugabes.

Alle Seiten werden nun versuchen, das Ergebnis der Verhandlungen als großen Erfolg zu verkaufen. Dass die Bevölkerung den Präsidenten ablehnt und nicht haben wollte, denn es ist Mugabe und seine Regierung, die für den Niedergang verantwortlich sind, spielt dabei keinerlei Rolle mehr. Der eigentliche Sieger ist Robert Mugabe, doch mit Demokratie hat das alles nichts zu tun.

Wirtschaft am Boden
Es bleibt abzuwarten, ob es zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung überhaupt kommen kann. Möglicherweise wird sich der Tourismus am schnellsten fangen, die einzigartige Schönheit des Landes und die Infrastruktur sind nach wie vor vorhanden. Die produzierende Industrie dürfte sich kaum erholen. Deren Fachkräfte sind längst ausgewandert, die meisten Fabriken geschlossen. Südafrikanische Firmen freuen sich schon auf den Exportmarkt. Hinsichtlich der Landwirtschaft wird es sehr lange brauchen, bis sich wieder maßgeblich Erträge zeigen. Die meisten Großfarmen befinden sich in Händen von Mugabes Schergen und arbeiten völlig unproduktiv. Nur eine Landreform, die wirklich den Namen verdient, könnte dies ändern. Doch Mugabes Gefolgsleute werden alles tun, um dies zu verhindern.

Es bleiben die Minen. Gold, Platin, Kohle, Nickel Kupfer, aber auch Diamanten sind reichlich vorhanden. Allerdings fallen die Rohstoffpreise derzeit und die meisten Minen, wie etwa Hwange, benötigen erhebliche Investitionen, um sie wieder produktiv zu machen. Alles in allem kann mittelfristig wohl mit einer bescheidenen Erholung gerechnet werden. Für die hungernde und gequälte Bevölkerung wäre dies schon ein Hoffnungsschimmer.

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afrika

Simbabwe: Einigung steht offenbar kurz bevor

Dr. Alexander von Paleske – Die Verhandlungen zwischen Mugabe und der Opposition wurden heute wiederaufgenommen. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki ist eigens angereist.

Aus den Aeusserungen der Verhandlungsteilnehmer ist zu entnehmen, dass offenbar Fortschritte erzielt wurden. So erklärte Mugabe beim Verlassen des Verhandlungsortes auf die Frage eines Reporters, ob man sich geeinigt habe „Noch nicht, aber wir bewegen uns vorwärts“

Gestern noch hatte der Oppositionsführer Morgan Tsvangirai erklärt, dass er Neuwahlen befürworten würde, wenn die Gespräche scheitern sollten.

Diese Bemerkung löste in weiten Kreisen nur Unverständnis aus, denn bei Neuwahlen ist nur mit einer Neuauflage des Terrors zu rechnen.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Terror bei Nachwahlen weitergeht.

So steht eine Nachwahl in Matobo, südwestlich von Bulawayo an. Mugabes Terrorbanden sind bereits dort aufgetaucht, um die Bevölkerung einzuschüchtern, dabei steht der Termin für die Nachwahl noch gar nicht fest.

So ist die weitverbreitete Meinung mittlerweile „Auch wenn wir Mugabe nicht loswerden können, es muss jetzt alles irgendwie zu einem Ende kommen“.

Nach einer Bestrafung der Verantwortlichen für den brutalen, von Mugabes Schergen vor der Präsidentschaftsstichwahl inszenierten Terror, wird schon gar nicht mehr gefragt.

Mugabes Rechnung scheint aufzugehen.

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Krieg

Sarah Palin: Der Irakkrieg war Gottes Plan

World Content News – Die neue Skandalnudel von Gottes Gnaden, die kürzlich von Präsidentschaftsbewerber McCain nominierte Anwärterin auf das Amt des Vize-Präsidenten, Sarah Palin, hatte am 8. Juni dieses Jahres eine äußerst erstaunliche Einlassung, als sie ihren Sohn Track in den Krieg im Irak verabschiedete:

„Betet alle für unsere Männer und Frauen in Uniform, die sich so mühen zu erfüllen, was auch für das ganze Land richtig ist; unsere Führung, unsere nationale Führung schickt sie dort hinaus für ein Ziel, das Gott gesetzt hat.“

„Deshalb müssen wir für unsere Soldaten beten; es gibt ganz sicher einen Plan, und der Plan ist Gottes Plan. Behütet sie also mit euren Gebeten, die Gebete schützen sie.“

Das muss ihr ihr hauseigener Pastor Ed Kalnins in die Wiege gelegt haben. Der hatte sich in einer Predigt wie folgt geäußert:

Kritiker Präsident George W. Bushs kämen in die Hölle. Kalnins habe auch bezweifelt, dass Wähler, die 2004 für den Demokraten John Kerry stimmten, eine Chance hätten, in den Himmel zu kommen. Die Sarah Palin: Der Irakkrieg war Gottes PlanAngriffe des 11.September und der Sturz Saddam Husseins seien Bestandteile eines „Krieges um Euren Glauben“, und Jesus habe seine Botschaft „als Krieger“ verkündet. (Quelle: Berliner Morgenpost)

Kommentar: Fragt sich nur, wer jetzt recht hat: diese Kriegsnutte oder der Fürst der Finsternis, Osam Bin Laden? Die „Vernünftigen“ jedenfalls nicht, die greifen – wenn überhaupt – nur dann ein. wenn schon alles in Schutt und Asche liegt. Und in Europa sieht es nicht besser aus. Dort gibt sich derzeit alles was Rang und Namen hat, beim georgischen Kriegsverbrecher Saakashvili die Klinke in die Hand. Gott hat einen Namen: „Geostrategie“.

linkDieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

Unkategorisiert

Simbabwe – Mugabe klammert sich an die Macht, seine Parteioffiziere plündern

Dr. Alexander von Paleske – Die Verhandlungen zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit ziehen sich in die Länge. Am vergangenen Wochenende wurde wieder einmal erfolglos in Südafrika verhandelt.Mugabe will der Opposition bestenfalls ein Zipfelchen der Macht überlassen und die lehnt diesen Vorschlag verständlicherweise ab.

Mugabes Zeit läuft ab. Sein Freund, der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki,wird im April nächsten Jahres abtreten..Jeder der möglichen Nachfolger hätte keinerlei Geduld mehr mit Mugabe.
Der Jugendverband der südafrikanischen Regierungspartei ANC, ANCYL, hat in einem vorgestern veröffentlichten Statement Mugabe zum unverzüglichen Nachgeben aufgefordert.

Mugabe und seine Plünderer
Wie wir von Augenzeugen erfahren haben, bereiten sich mittlerweile Mugabes Kameraden und Kameradinnen auf eine standesgemässe Nach-Mugabe Zeit vor, in der es ihnen weiter so richtig gut gehen soll: Sie plündern.
Das wenige Getreide, mit dem die Bevölkerung versorgt werden soll, holen sie aus den Silos des staatlichen Grain Marketing Board (GMB) ab und bezahlen den von der Regierung unterstützen geringen Preis.
Mit dem Getreide fahren sie dann in die ländlichen Gebiete und tauschen 150kg Mais gegen ein Rind oder 8 Ziegen ein. Sie nutzen damit die Verzweiflung der schwer hungernden Bevölkerung aus, denn unter normalen Umständen repräsentiert der getauschte Mais nur etwa 10% des Wertes eines Rindes.
Das Vieh transportieren sie dann auf die ihnen von Mugabe im Rahmen der „Landreform“ zugeteilten Farmen.
Simbabwescher „Sozialismus“ im Jahre 2008.

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Krieg

Erneuter Alarm: USA ziehen starken Flottenverband zusammen

World Content News – Nach den Dementis in den vergangenen Tagen, dass ein Verband von US-Kriegsschiffen in den Persischen Golf unterwegs sei, gibt es jetzt doch eine Bestätigung dafür, dass sich starke maritime Kräfte in der Region zusammenziehen.


Zusammenballung wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr …

So sind Teile der Iwo Jima Expeditionary Strike Group (LHD-7, Truppenstärke: 6000 Mann) letzte Woche aus ihrem Heimathafen Norfolk ausgelaufen. Ziel seien das Mittelmeer und/oder der Persische Golf, heißt es, die geplanten maritimen „Sicherheits-Übungen“ sollen sechs Monate andauern. Dabei ist auch ein Zerstörer, die USS Ramage, der mit dem Aegis Ballistic Missile Defense-System nachgerüstet wurde. Am 8. September soll sich dann die Theodore Roosevelt Strike Group (CVN 71) mit insgesamt mehr als 7300 Mann an Bord auf den Weg machen.

Beide Verbände wären dann in der Lage, in kurzer Zeit zu den bereits im Persischen Golf patrouillierenden Schiffen „Peleliu“, „Abraham Lincoln“ und „Ronald Reagan“ aufzuschließen, eine Zusammenballung einer solch großen Streitmacht auf relativ engem Raum gab es seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr.

Dadurch wäre die USA theoretisch in der Lage, eine Seeblockade gegen den Iran zu verhängen. Der US-Kongress hatte im Juni eine Resolution verabschiedet, die vorsieht, dass der Export von raffiniertem Petroleum in den Iran verboten und jeglicher Warenverkehr des Iran strikten Inspektionen unterworfen werden soll.

Der stellvertretende Oberbefehlshaber der Iranischen Streitkräfte hat am Samstag davor gewarnt, dass ein militärischer Angriff auf die iranischen Atomanlagen einen neuen Weltkrieg auslösen würde.

Die niederländische Tageszeitung „De Telegraaf“ will am Freitag aus Geheimdienstkreisen erfahren haben, dass es konkrete Pläne für einen US-Luftangriff auf den Iran gäbe.

Vom 3.-4.September findet eine nicht öffentliche Sitzung des U.S. Nuclear Command auf dem US- Luftwaffenstützpunkt Offutt AFB in Nebraska statt. Der Kriegsrat wird sich dort wohl hauptsächlich mit der veränderten Weltlage befassen.

Vom 25.-26.September findet dann eine weitere nicht öffentliche Sitzung des Defense Policy Board Advisory Committee im Pentagon statt. Dort soll es dann um grundsätzliche Fragen der Verteidigung gehen.
<br

Quellen:
Schweiz Magazin (Schweiz Magazin, 31.08.2008)
Theodore Roosevelt Strike Group to Deploy Early September (navy.mil, 29.08.2008)
USS Ramage deploys with state-of-the-art missile defense system (wvec.com, 29.08.2008)
USS Vella Gulf Headed To Mediterranean Sea
(wtkr.com, 30.08.2008)
Stunde der Entscheidung naht
(prcenter.de, 01.09.2008)
The Silly Season Is Here… Again
(atlanticfreepress.com, 31.08.2008)
Stoking Tensions, Risking Confrontation: A High Stakes US Gamble with Russia
(globalresearch.ca, 01.09.2008)

siehe auch:
Weitere Anzeichen für einen bevorstehenden Schlag gegen den Iran?
(WCN, 30.08.2008)
Stratfor dementiert Entsendung von US-Kriegsschiffen in den Persischen Golf
(WCN, 18.08.2008)
Iran warnt vor „Überraschungsangriff“, großes See-Manöver geplant
(WCN, 13.08.2008)

linkDieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

medien

Josef Joffe und das Gespenst des drohenden Todes der Tageszeitungen

Dr. Alexander von Paleske —31.8. 2008 —- Josef Joffe, Mit-Herausgeber der Wochenzeitschrift Die ZEIT ist um die Zeitungen und den Journalismus besorgt. In einem Artikel auf Seite 1 der ZEIT vom 14 August 2008 sieht er Schlimmes drohen: Das völlige Verschwinden der Tageszeitungen im Jahre 2048, wenn der jährliche Auflagenrückgang von 2% anhält. Internetzeitungen wie die Huffington Post und die Blogger macht er als die Totengräber aus. Was ist davon zu halten?

Zunächst einmal wäre dies ein Thema für ein Dossier, aber dort findet man in der gleichen Ausgabe stattdessen als „Dossier“ die Auslassungen des ehemaligen Aussenministers J. Fischer, jemand, den der verstorbene Journalist Günter Gaus als den grössten Opportunisten bezeichnete, den er je kennengelernt habe. Und, wie er sogleich hinzufügte, er würde eine ganze Reihe kennen. Ob derartige Fischer- Auslassungen wirklich Thema für ein Dossier sein sollten mag man mit Fug und Recht bezweifeln. Aber das soll nicht das Thema heute sein, sondern wir wollen uns den angeblichen oder wirklichen Gefahren für die Tageszeitungen und den Journalismus zuwenden.

Ein Blick zurück
Um den jetzigen Zustand der Tageszeitungen , und nur um die geht es hier, einschätzen zu können und deren zukünftige Entwicklung zu prognostizieren, müssen wir zunächst einen Blick zurück werfen.

Die Blütezeit der Tageszeitungen war sicherlich die Zeit vor der Einführung von Rundfunk und Fernsehen. Damals waren sie die wesentliche Nachrichtenquelle überhaupt. Der Transport und die Aufbereitung der Nachricht, die von den Journalisten aus der Fülle der Nachrichten ausgesondert wurde, sowie die Qualität der Kommentierung machten schliesslich die Qualität der Zeitung aus.

Hörfunk, Fernsehen und die Tageszeitungen
Das änderte sich ansatzweise schon mit dem Hörfunk, denn nunmehr trat ein weiteres Medium zum Transport der Nachrichten in Konkurrenz zu den Printmedien, insbesondere was die Aktualität betraf. Mit der Schnelligkeit des Hörfunks konnten die Tageszeitungen nicht konkurrieren.

Aber die Zeitungen hatten demgegenueber eine grössere Reichhaltigkeit zu bieten, sie konnte dataillierter und mit Bildern unterfüttert berichten, Hintergrundinformationen liefern und man konnte sie lesen, wann immer man Zeit dazu hatte.

Der nächste Konkurrent kam mit der Einführung des Fernsehens. Das Fernsehen lieferte nun lebendige Bilder, aber die Reichhaltigkeit und die Fülle der Informationen blieb weiterhin den Tageszeitungen vorbehalten., insbsondere auf dem Lokalsektor. Aber ein Teil der Einnahmen der Medien, nämlich das Anzeigengeschäft ging zurueck.

Nachrichtenagenturen nur fuer die Medien
Die Nachrichtenagenturen wie dpa, UPI, AP, AFP als Nachrichtenquellen waren den Medien exklusiv zugänglich. Die Nachrichten wurden per Funkfernschreiber über Kurzwelle, z.B. die Deutsche Presse Agentur über die Sender der DENA, verbreitet. Ausserhalb der Medien hatten nur wenige Funkamateure, wie der Verfasser, mit angeschlossener Funkfernschreibmaschine Zugang zu den Meldungen der Nachrichtenagenturen. Hinzu kamen die Berichte von Korrespondenten der Zeitungen über den Fernschreiber (Telex).
Durch den Exklusivzugang hatten alle Medien nicht nur die Auswahlmöglichkeit, sondern in gewisser Weise auch noch die Deutungshoheit und zwar sowohl über die Auswahl der Nachrichten, wie auch deren Platzierung und Kommentierung.

Unabhängiger Journalismus?
Aber hinter dem sogenannten unabhängigen Journalismus verbarg und verbirgt sich oftmals nichts anderes als Meinungsjournalismus.

Dieser Meinungsjournalismus zeigte sich in Deutschland am deutlichsten bei der Springer-Presse in den 60er, 70er und 80er Jahren. Springer dominierte in Hamburg und Berlin den Zeitungsmarkt und national war er mit der Bild-Zeitung mehr als präsent.

Das hässliche Gesicht des Meinungsjournalismus zeigte sich insbesondere bei dem Bekämpfen von Willy Brandts Ostpolitik und Verteufelung der Studentenbewegung. Dieser Aspekt fehlt völlig in Joffes Artikel. Zeitungen sind eben oftmals keine neutralen Medien sondern werden häufig in ihrer Ausrichtung von den Eigentümern/Verlegern und Herausgebern beeinflusst, wenn auch meistens nicht so krass, wie Axel Springer dies seinerzeit betrieben hatte.

Die Redakteure müssen sich vielfach unterordnen. Dies lässt sich auch ausserhalb Deutschlands in den Medien beobachten, ganz besonders in denen, die von Rupert Murdochs News Corporation beherrscht werden, also in Grossbritannien die SUN , NEWS OF THE WORLD und TIMES, in den USA die NEW YORK POST. Im Fernsehen in Grossbritannien sind es Sky und in den USA „Fox News“. Und Murdoch drängt nun auch auf den deutschen Markt .

Das Internet als Info-Demokratie
Mit dem Internet änderte sich alles. Keine Exklusivität der Medien mehr beim Zugang zu den Nachrichten und Nachrichtenagenturen. Alle Nachrichten sind nun, Internetanschluss vorausgesetzt, für jedermann frei zugänglich.Das Internet wurde zum zentralen Medium im Transport von Nachrichten schlechthin, unschlagbar in der Schnelligkeit, der Fülle der Information und der Reichhaltigkeit des Bildmaterials. Und die Verbreitung der Nachrichten , anders als bei Druckmedien, kostete nichts. Dies kann man mit Fug und Recht als eine Demokratisierung des Zugangs zu den Nachrichtenquellen bezeichnen.

Damit verloren die Tageszeitungen, die als alleiniger Nachrichtenträger mit der Einführung von Rundfunk und Fernsehen schon ein halbes Standbein eingebüsst hatten, jetzt die andere Hälfte.

Aber sie könnten mit der professionellen Aufbereitung von Nachrichten, den Kommentaren und Hintergrundinformationen und vor allem investigativem Journalismus mithalten.
Aber mit der Bloggerei und dem Bürgerjournalismus drohen ihnen auch Teile davon verloren zu gehen.

Gleichzeitig verringern sich auch die Haupteinnahmequellen für die Tageszeitungen: die Anzeigen beginnen ins Internet abzuwandern. Interessanterweise tauchen die Anzeigen, die ja gerade die Zeitungen finanzieren, – der Verkaufspreis einer Zeitung deckt nur einen Bruchteil- , bei Herrn Joffe überhaupt nicht auf. Die Zeiten, in denen, z.B. der STERN in den 70er Jahren, ohne Rücksicht auf seine Anzeigenkunden berichten konnte, weil es sich die Kunden nicht leisten konnten, nicht im STERN präsent zu sein, sind längst vorbei. Die Anzeigenkunden werden umworben, die Redaktionen müssen oftmals Rücksicht nehmen aus der Angst, sonst Anzeigenkunden zu verlieren.

Und eine weitere Konkurrenz trat auf den Plan: Die kostenlosen Anzeigenblätter.Anders als in Deutschland kommen diese z.B. in England vielfach bereits jeden Tag als kostenlose Tageszeitungen heraus, herausgebracht zum Teil von den Tageszeitungen selbst, um sich vorsorglich eine auswärtige Konkurrenz vom Leibe zu halten.

Kostensenkung statt Innovation
Die Antwort der Verleger bestand meistens in einer radikalen Zurechtstutzung des Redaktionsstabes. Ganze Redaktionen wurden ausgelagert bestimmte Teile der Zeitungen zentral versorgt, insbesondere der internationale Nachrichtenteil. Und immer mehr wird auf freie Journalisten zurückgegriffen, die zudem oftmals auch noch schlecht bezahlt werden.

Aber mit der Schrumpfung des Redaktionsstabes verlieren die Tageszeitungen die Vorteile, welche sie noch gegenüber dem Internet haben: Die professionelle Aufbereitung der Nachricht und der investigative Journalismus sowie das nicht alltägliche Interview. Denn mit der Beschränkung auf den reinen Kommentar und den unaufbereiteten Transport von Nachrichten haben sie keinerlei Standortvorteile gegenueber den Nachrichten und den Kommentarbloggern im Internet mehr.

So schaufeln die Verleger ihren Tageszeitungen selbst das Grab.

Statt Kostensenkung Neuausrichtung
Gefragt ist eine Neuausrichtung. Aber stattdessen: Kleineres Format. Statt Innovation: Kostensparen.

Korrespondenten werden abgezogen, die FAZ hatte einstmals zwei Korrespondenten im Afrika südlich der Sahara, heute ist es nur noch einer. Die Informationen werden aus dem Internet und von den Nachrichtenagenturen abgeschöpft.

Aber auch Herr Joffe muss sich das vorhalten lassen: Die ZEIT hat keinen Korrespondenten im Afrika südlich der Sahara mehr, seitdem Herr Grill nach Deutschland zurückgekehrt ist.

Stattdessen hat sie jetzt reisende Reporter wie Andrea Boehm, die heute hier und morgen dort ist. Ein stationärer Korrespondent, der dort verwurzelt ist, kann nur ungenügend durch einen „Besuchsreporter“ oder besser als „Brennpunktreporter“ bezeichnet, ersetzt werden. Aber es kommt billiger, und die Qualität sinkt.

Und so haben dann fast alle Zeitungen schliesslich selbst auch den Gang ins Internet angetreten, verspätet, in der Hoffnung, hier Boden gutzumachen. Aber hier hat sich mittlerweile der von Joffe beklagte Bürgerjournalismus breitgemacht.

Soll man den beklagen? Natürlich ist vieles, was sich Bürgerjournalismus nennt, nichts weiter als Stammtischgerede, es sind Bürger, aber keine Journalisten.

Der grösste Teil der Blogger sind „Kommentarblogger“ also Blogger, die kommentierend zu den Ereignissen und Nachrichten Stellung nehmen, einige unter ihnen, die abstruse Theorien konstruieren und dann natürlich die Blogs mit klarer politischer Ausrichtung, z.B. die Rechten auf Altermedia.
.
Weiter gibt es die Aquisitionsblogger, die Nachrichten und Kommentare von anderen Blogs und Nachrichtenagenturen zusammensammeln.

Es gibt jedoch auch den investigativen Bürgerjournalismus. Bürger, die ein Thema gründlich recherchieren, die auch selbst vor Ort recherchieren, oftmals gerade in Nischen tätig werden, die von den Medien vernachlässigt oder ignoriert werden.

Und längst haben jedenfalls die Zeitschriften wie der STERN begonnen, diesen Journalismus als kostenlosen Zubringerdienst für sich zu nutzen. Beim STERN sind es die „Tausendreporter“.

Aber auch die ZEIT veröffentlicht auf ihrer Internetpraesenz ZEIT-ONLINE Artikel von Lesern, der von Joffe beklagte Bürgerjournalismus im eigenen Haus. Ob Herr Joffe das nicht weiss?

Beim Bürgerjournalismus in der Form der Blogger wird sich im Laufe der Zeit die Spreu vom Weizen trennen. Blogs, die nichts Substantielles liefern, werden nicht besucht und dann von den Betreibern auch irgendwann eingestellt. Blogs, die investigative Beiträge bringen, professionell redigiert und auf Richtigkeit überprüft, werden sicher weiterbestehen.

Tod der Tageszeitungen im Jahre 2048?
Wird es also zum Tod der Tageszeitungen kommen?
Sicherlich nicht. Die Auflagen werden sinken, aber sich dann wohl auf niedrigerem Niveau stabilisieren. Auch im Jahre 2048 wird es sicherlich noch Zeitungen geben, allerdings wohl weniger Meinungs-sondern Qualitätsjournalismus und Journalisten, die investigativ tätig sind, die Zeit bekommen, einer Sache auf den Grund zu gehen und die sich nicht scheuen, auch Beitrage von Bürgerjournalisten zu drucken, sowenig wie sich professionelle Journalisten heute scheuen, bei Wikipedia nachzuschauen.

Aber Zeitungen, die einfach so weiterwursteln wollen, zu geringeren Kosten, mit abnehmender Qualität, die werden dann wohl verschwunden sein.

Der Autor ist leitender Arzt in Gaborone/Botswana, Ex Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M) und ehemaliger Amateurfunker (DL2DS)

Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Aera der Globalisierung
Ein Bankenskandal, die Presse und Wikipedia

Krieg

Weitere Anzeichen für einen bevorstehenden Schlag gegen den Iran?

World Content News – Die größte holländische Zeitung „De Telegraaf“ hat am Freitag mit einem Aufsehen erregenden Artikel auf der Titelseite die Behauptung aufgestellt, dass der niederländische Geheimdienst AIVD kürzlich seine Aktivitäten im Iran vorübergehend eingestellt hat und seine Agenten zurückzog, weil „innerhalb von Wochen“ eine militärische Aktion gegen den Iran erwartet wurde. In der Vergangenheit soll der AIVD dort die CIA bei Sabotage- und Infiltrierungsaktionen unterstützt haben. Ein iranischer General hat heute davor gewarnt, ein Angriff auf den Iran „würde einen Weltkrieg auslösen“.

Demnach ist (oder war) vorgesehen, den Iran mit unbemannten Flugzeugen anzugreifen. Eine entsprechende Entscheidung sei in den USA getroffen worden – diese Informationen hatte ein niederländischer Agent dem bekannten holländischen Journalisten Joost de Haas anvertraut. Als Ziele für die Bombardements wurden Kernkraftwerke, militärische Einrichtungen und vom AIVD ausspionierte Objekte genannt. Westliche Geheimdienste befürchten, dass der Iran bis zum Jahr 2010 über eine funktionierende Atombombe verfügen wird.

Iranische Medien haben diesen Artikel heute ebenfalls aufgegriffen. Ob es sich hier um eine False-Flag Operation des niederländischen Geheimdienstes handelt oder nicht, dem Journalisten, der auch in der Vergangenheit dank guter Beziehungen zu den Schlapphüten diverse Korruptions-Skandale in der holländischen Politik aufdeckte, kann man jedenfalls keinen unseriösen Journalismus vorwerfen.

Warnungen, dass die USA den Iran angreifen wolle, hat es in den letzten Wochen immer wieder gegeben. So zuletzt durch den investigativen Journalisten Samuel Hersh, der mit dem populär gewordenen Artikel „Preparing the Battlefield“ erfahren haben will, dass Bush noch vor dem Ende seiner Amtszeit entsprechende Pläne hege. Oder der ehemalige US-Regierungsberater und CIA-Analyst Ray McGovern, der jüngst von einem „perfect storm seems to be gathering in late summer or early fall“ sprach. Ein Bericht der „Asian Times“ datierte sogar den möglichen Angriff auf August 2008.

Bloß, wie wir alle wissen, hatte in diesem Monat ein Verbündeter der USA „mißverständliche Signale“ aus dem Weißen Haus erhalten, die ihn zum Einmarsch in Südossetien veranlassten und damit eine Kettenreaktion auslöste, die momentan als „Kaukasus-Krise“ die Welt in Atem hält. Spekulationen über eine synchron geplante militärische Aktion seitens Georgiens und den USA, um Russland vom Beistand gegen den Iran abzuhalten, entbehren im Moment natürlich jeder Grundlage.

Ein hochrangiger militärischer Befehlshaber des Iran hat heute jedenfalls schon mal vorsorglich darauf hingewiesen, ein Militärschlag gegen das Land „würde einen Weltkrieg auslösen„.

Quellen:
Aanval op Iran verwacht
(De Telegraaf, 29.08.2008)
Artikel-Übersetzung ins Deutsche
(Google Translator)
Amsterdam: Attack On Iran Within Weeks
(newworldliberty.wordpress.com, 30.08.2008)
Dutch Spy Recalled from Iran on US Attack Plan
(FARS [Iran], 30.08.2008)

linkDieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

Krieg

Deutsche Soldaten erschießen in Afghanistan eine Frau und zwei Kinder

World Content News – Nach dem Massaker von Asis Abad, bei dem US-Soldaten mindestens 89 Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder in den Tod bombten, haben jetzt erstmals auch deutsche Soldaten offenbar unschuldige Zivilisten getötet, als sie in einem Vorort von Kundus bei einer Drogenrazzia an einem Checkpoint das Feuer auf Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft eröffneten.

Aus einer Pressemeldung von DPA: Bei einem Zwischenfall mit deutschen ISAF-Soldaten in Afghanistan sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin mehrere Zivilisten getötet worden. Laut afghanischer Polizei handelt es sich um eine Frau und zwei Kinder. Zwei zivile Fahrzeuge hätten sich am Donnerstagabend einem Checkpoint der afghanischen Polizei und deutschen Kräften der Afghanistan-Schutztruppe südöstlich von Kundus genähert. Das teilte Ministeriumssprecher Thomas Raabe mit.

Trotz eindeutiger Zeichen der Sicherheitskräfte hätten die beiden Fahrzeuge ihre Fahrt fortgesetzt. Daraufhin hätten die Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet. Vier weitere Kinder sollen verletzt worden sein. Der Vorfall werde untersucht.


Die Nervosität wächst: Besatzer in Afghanistan (© ddp)

Wer die tödlichen Schüsse letztendlich abgegeben hat, wurde nicht mitgeteilt.

Die ISAF vermeldete auf ihrer Webseite, sie bedauere den Zwischenfall zutiefst, wies die Schuld aber von den Soldaten. Die Toten wären vermeidbar gewesen, wenn sich die Zivilisten korrekt verhalten hätten.

Der Sicherheitschef der afghanischen Polizei, Abdul Rahman Aqtash, teilte mit, die tödlichen Schüsse wären von Deutschen abgegeben worden. Im Dorf Kharooti südöstlich von Kundus hätten afghanische und deutsche Kräfte einen Kontrollpunkt eingerichtet, als sie die Information erhielten, ein Schmuggel-Fahrzeug mit Drogen beladen sei in die benachbarte Takhar-Provinz unterwegs.

„Zuerst erreichte ein Fahrzeug den Checkpoint, das flüchten wollte, als die Soldaten es stoppen wollten. Daraufhin eröffneten sie das Feuer auf ein dahinter fahrendes zweites Fahrzeug, das nicht auf entsprechende Stoppsignale reagierte.“

Laut der afghanischen Nachrichtenagentur „Pajhwok“ waren die Insassen Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft, die von Khanabad nach Kundus unterwegs waren.

Ein erster Vorab-Bericht erfolgte bereits gestern abend auf dem Blog „soldatenglueck.de„, es dauerte mehr als zwölf Stunden, bis das Verteidigungsministerium dazu Stellung nahm.

Offenbar wächst die Nervosität unter den Soldaten, nach dem vor zwei Tagen ein deutscher Fallschirmspringer ums Leben kam, der mit seinem Fahrzeug in eine Sprengfalle der Taliban geraten war. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sprach danach von einem „feigen und hinterhältigen Anschlag„.

Erste Stellungnahmen zu dem jüngsten Geschehnis:

„Die Bundesregierung versagt in Afghanistan in jeder Hinsicht: Sie verstrickt die Bundeswehr immer tiefer in einen Krieg, bei dem völkerrechtswidrig immer mehr Zivilisten getötet werden. Es war nur eine Frage der Zeit, dass nun auch Deutsche daran beteiligt sind. Spätestens jetzt ist ein Umdenken erforderlich. Der Truppenabzug muss sofort eingeleitet werden“, fordert der verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Paul Schäfer. Die GRÜNEN warnten derweil vor einem „Enfremdungssschub“ zwischen Soldaten und der Bevölkerung. Weitere Reaktionen hier

Im Herbst 2008 wird im Bundestag über die Verlängerung der Mandate für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan abgestimmt. Unter dem Motto „Dem Frieden eine Chance, Truppen raus aus Afghanistan“ ruft die deutsche Friedensbewegung für den 20. September 2008 zu bundesweiten Demonstrationen nach Berlin und Stuttgart gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan und die Mandatsverlängerung auf. (Infos zur Anreise hier)

Quellen:
Zivilisten sterben an Straßensperre der Bundeswehr
(Die Zeit, 29.08.2008)
Todesschüsse nach der Hochzeit
(Spiegel Online, 29.08.2008)
Bundeswehr soll Kinder getötet haben
(Stern, 29.08.2008)
Three Afghan civilians die in shooting at German checkpoint
(Earthtimes, 29.08.2008)
Hintergrund: Zivile Opfer im Afghanistan-Konflikt
(N24, 29.08.2008)

deutschland

Antirassismus- und Klimacamp: „Für globale Bewegungsfreiheit und ein ganz anderes Klima!“

Felix Werdermann – Da ist sie, die Klimabewegung. Das erste deutsche Klimacamp lockte vorige Woche Tausende nach Hamburg: Autonome, Globalisierungskritiker, klassische Ökos. Zusammen mit dem Antirassismus-Camp standen viele Aktionen auf dem Programm: Von der antirassistischen Schnitzeljagd bis hin zur Besetzung des Kohlekraftwerksplatz in Hamburg-Moorburg.


Die Polizei bewacht die Baustelle für das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg

Es erinnert ein bisschen an Heiligendamm: das Klimacamp im Hamburger Volkspark. Ein Schild am Eingang weist die Presse darauf hin, keine Fotos ohne Absprache zu machen. In der Mitte des Campgeländes sind die Infozelte des Antirassismus- und des Klimacamps aufgebaut. Hier liegen zahlreiche Infobroschüren, Zeitungen, Hefte und Postkarten aus. Auf dem Tisch steht eine Spendendose. Ein Schild aus Pappe bittet alle, täglich etwa fünf Euro zu spenden, um das Camp zu finanzieren.

Schon einige Tage vorher war auf der Internetseite des Klimacamps ein Programm mit Workshop-Angeboten zu finden. An der etwa zwei Meter hohen Holzwand, vor der meist eine Traube an Menschen steht, lässt sich aber auch erkennen: Tatsächlich werden mehr Arbeitsgruppen und Aktionen angeboten. Jeder Programmpunkt hat seine eigene bunte Papierkarte.

Bunt gemischt
Autonome und Hippies, Punker und Wissenschaftler/innen, Parteisoldaten und überzeugte Außerparlamentarier. Alle haben den Weg zum Camp gefunden. Die Antifas haben es sich am Eingang gemütlich gemacht, das Lagerfeuer brennt noch bis tief in die Nacht. Ganz links ist die Linksjugend, daneben noya, das globalisierungskritische Jugendnetzwerk, und dann gibt es noch das öko-anarchistische Barrio. In dem Papierplan am Infozelt sind viele weitere Barrios eingezeichnet: Berlin, Leipzig, Nordrhein-Westfalen. Wem die Spalterei zu viel wird, für den gibt es ganz am Rand das „Anti-Barrio-Barrio“.


Die Postkarte zum Klimacamp

Die Ökos haben sich ihre eigene Öko-Toilette aus Holz gezimmert, etwas weiter stehen die Dixi-Klos. Während viele Umweltbewegte Gewalt ablehnen, diskutieren am Abend einige Autonome über Militanz. Bekocht werden sie alle von „Le Sabot“ , der Volksküche aus den Niederlanden. Vegan und bio – und dazu kostenlos. Eine Spende wird aber dennoch erbeten.

Streit mit der Stadt
Über dem Camp kündigen dunkle Wolken heftigen Regen an. Ines Koburger ist dennoch zufrieden. Sie gehört zu den Organisatorinnen des Camps und freut sich, dass sie den Platz bekommen haben. Wochen vorher hatte es Streit zwischen den Klimacampern und den Hamburger Behörden gegeben. Die Camper hatten sich einen zentraleren Ort gewünscht, die städtischen Behörden waren dagegen. „Der schwarz-grüne Senat will unseren Protest unsichtbar machen“, sagt Koburger. Erst nach der Androhung einer Besetzung hatte die Stadt eingewilligt und sich auf einen Kompromiss eingelassen. Nun haben die Organisator/innen mit der Stadt ein Nutzungsvertrag für die Grünfläche in Hamburg-Lurup geschlossen.


Ines Koburger und Tadzio Müller auf der ersten Pressekonferenz des Klimacamps

Vielleicht mag der städtische Unwillen an den scharfen Tönen liegen, mit denen die Politik der schwarz-grünen Koalitionen kritisiert wird. „Auch die Grünen mutieren zur Kohlepartei“, heißt es im Leitartikel der Mobilisierungszeitung für das Camp. Hintergrund ist der Kampf um das geplante Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg. Die Grün-Alternative Liste (GAL) hatte im Wahlkampf versprochen, die Pläne des Energieriesens Vattenfall zu durchkreuzen. Aber in den Koalitionsverhandlungen mit den Konservativen wurden Kompromisse eingegangen: Nun soll in den nächsten Wochen die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk über die Rechtmäßigkeit des Neubaus entscheiden. Zu einem grundsätzlichen Verbot konnte sich die Koalition nicht durchringen, nachdem Vattenfall mit Schadensersatzforderungen im Milliarden-Bereich gedroht hatte.

Die Klima-Aktivisten sind daher enttäuscht und zugleich wütend. Und das bekam die GAL zu spüren: Vor dem Büro in Hamburg-Ottensen kippten die Aktivisten einen Sack Kohle aus.

Grüne sind out, Linkspartei ist in
Im besseren Licht steht da die Linkspartei , die inzwischen auch in Fraktionsstärke im Hamburger Parlament sitzt. Fraktionschefin Dora Hayenn besuchte sogar das Camp. Und auch der Parteinachwuchs ist zahlreich vor Ort: Die Linksjugend [’solid] hat ihr eigenes Barrio aufgebaut, so heißt ihr eigener Bereich auf dem Zeltplatz, inklusive Infozelt und Lagerfeuer. Auch Ines Koburger ist bei der Linksjugend aktiv.

Vielleicht liegt die starke Präsenz der parteinahen Jugendorganisation an der inhaltlichen Ausrichtung des Camps: Immer wieder wird auf den engen Zusammenhang von Kapitalismus und Klimawandel hingewiesen. In Arbeitsgruppen wird über öko-sozialistische Alternativen diskutiert, und auch in der Camp-Zeitung heißt es: „Die Erwärmung der Atmosphäre ist kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis einer Wirtschaftsform, die auf Profit und Wachstum beruht.“

In der Szene angekommen
Mit dieser Fokussierung wurde das Klima-Thema in die linke Szene geholt. Verschiedene linke Zeitschriften hatten zuvor Schwerpunkte oder Sonderausgaben zum Klimawandel herausgebracht. Zum Beispiel haben „sul serio“ und „arranca“ dem Thema eine Gemeinschaftsausgabe im Sommer gewidmet. Schon zu dem Klima-Aktionstag im Dezember vergangenen Jahres hatten nicht nur die Klima-Allianz, ein Zusammenschluss von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, sondern auch linke Gruppen aufgerufen. Nun wurde auch noch das Klimacamp nach Deutschland importiert.

Die Idee stammt nämlich aus England. Dort fand vor zwei Jahren das erste Klimacamp statt, in diesem Sommer sind es schon sechs Länder: Neben England und Deutschland wird auch in Australien, Kanada, Neuseeland und den USA für ein besseres Klima gecampt. „Wir versuchen eine internationale Klimacamp-Bewegung aufzubauen“, erklärt Tadzio Müller das Ziel. Er hat fünf Jahre in Großbritannien gelebt und von dort viele Erfahrungen mitgebracht. Die tageszeitung nennt ihn deshalb „Importeur des Klimacamps“ .

Die „Chaos-Camper“
Der Import nach Deutschland ist zumindest fürs Erste gelungen: Über tausend Menschen sind in die Hansestadt gekommen. Ständig werden über ein Megafon die neuesten Nachrichten durchgegeben aktuelle Workshops angekündigt oder auf anstehende Aktionen hingewiesen. „In zehn Minuten beginnt der Wokshop zu Uranabbau im Zelt eins!“ Etwas chaotisch ist es schon. Die Hamburger BILD-Zeitung wusste das schon lange vor dem Camp. „Linke planen Chaos-Camp!“ , titelte sie bereits im Juli. Danach schrieb sie immer wieder von den „Chaos-Campern“.

Neben der Stimmungsmache der größten deutschen Boulevardzeitung hat auch ein Farbanschlag auf Häuser von Mitarbeitern der Ausländerbehörde dazu beigetragen, dass das Camp von einigen durchaus kritisch beäugt wird. „In einem Bekennerschreiben wurde ein Zusammenhang mit dem Klimacamp hergestellt“, heißt es im Hamburger Abendblatt . Der Bürgerschaftsabgeordnete Gunnar Eisold (SPD) war betroffen und reagierte prompt mit heftigen Vorwürfen: „Dieses Camp hätte es nicht geben dürfen.“


Die Polizei greift durch: Zwei Demonstranten werden festgenommen.

Spagat der CDU
Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders stieß ins selbe Horn. Er kritisierte, vor „lauter Deeskalationsstrategie“ sei „keine klare innenpolitische Linie des Senats mehr zu erkennen.“ Lenders ist CDU-Mann. Seine Parteigenossen aber zeigen sich von ihrer liberalen Seite – vielleicht auch um ihre Koalitionspartnerin nicht zu vergraulen. Dabei war Hamburg lange Zeit für eine sehr repressive Innenpolitik bekannt. Damals koalierten die Christdemokraten noch mit der rechtsgerichteten Schill-Partei. Heute amüsieren sich die Kommentatoren über den Spagat der CDU: „Gestern Schill, heute Camp – mit der CDU geht alles“.

Gegen das Kohlekraftwerk
Die meisten Aktivist/innen auf dem Camp sind ohnehin friedlich. So war für den Samstag geplant, die Baustelle für das Kohlekraftwerk in Hamburg-Morburg zu besetzen. Felix Pithan von der Kampagne „Gegenstrom08“ sagt: „Wenn Bundes- und Landesregierungen den Profitinteressen der Konzerne Vorrang vor dem Klimaschutz geben, nutzen wir dagegen die Mittel des zivilen Ungehorsams. Wir suchen keine Konfrontation mit der Polizei, aber wir lassen uns auch nicht aufhalten.“


Das Plakat der Kampagne „Gegenstrom08“.

Und tatsächlich: Am Mittwoch gelangt er zusammen mit etwa 40 anderen Aktivist/innen auf das Gelände. Die Polizei hat damit nicht gerechnet. War die Besetzung doch eigentlich für den Samstag erst angekündigt. Pithan stört das wenig, er klettert auf einen Kran. Von dort lassen er und vier seiner Mitstreiter ein Transparent herab: „Energiekonzerne enteignen“ lautet die Forderung und daneben steht „Kapitalismus abschaffen“.

Auf dem Camp verbreitet sich die Meldung in Windeseile. Die Aktivisten wollen sich solidarisch zeigen und versuchen ebenfalls zur Baustelle zu kommen. Dort aber ist die Polizei längst aufgekreuzt und schirmt das Gelände ab. Sie stehen auf dem Damm, der das Gelände für das geplante Kraftwerk umgibt. Einige Polizeihunde sind auch mit dabei. An einer Kreuzung hält die Polizei die Demonstration in Schach, die zuvor durch Hamburg-Wilhelmsburg gezogen war und auf die gesundheitlichen Gefahren der Kohlenutzung wie Atemwegserkrankungen aufmerksam machen wollte.


Die Polizei bewacht die Baustelle. Der Kran ist besetzt.

Unangenehm wird es für die Demonstranten am Samstag. Die Polizei ist mit Wasserwerfern hochgerüstet, hinter dem Zaun, der das Kraftwerk schützen soll, stehen Polizisten in Kampfmontur. Die Kraftwerksgegner kommen nicht durch. Die Medien berichten dennoch, der Konflikt zwischen dem Neubau in Moorburg und den klimapolitischen Zielen der Bundesregierung erfährt öffentliche Aufmerksamkeit.

Flughafen geflutet
Was dem Klimacamp die Besetzung von Moorburg ist, ist dem Antirassismus-Camp die Blockade des Flughafens. Von hier aus werden Menschen in alle Welt abgeschoben. Weil Passagiere sich immer öfters querstellen, in dem sie sich beispielsweise weigern, ihren Platz einzunehmen, werden nun zunehmend Sammelabschiebungen organisiert. Ein Grund mehr, den Flughafen zu „fluten“ , wie es die Aktivisten nennen. Da machen auch die Leute vom Klimacamp mit.


Die Demonstration auf dem Weg zum Flughafen.

Etwa tausend ziehen auf der angemeldeten Demonstration zum Flughafen, während Kleingruppen in das Terminal 1 gelangen. Dort spielen sie Abschiebeszenen nach. „Achtung, alle Passagiere des Abschiebefluges Lufthansa 707 nach Togo, Guinea und Benin. Bitte kommen Sie umgehend mit den Begleitern der Bundespolizei zum Ausgang A 14“, schallt es durch ein mitgebrachtes Megafon. Andere verteilen Flugblätter, hängen Transparente auf oder rufen Slogans gegen die Abschiebepolitik.

„Ihr Ticket, bitte!“
Draußen warten die Demonstranten. Aktivisten vom Antirassismuscamp, aber auch Migranten, denen eine Abschiebung droht. Auch die Demonstranten würden gern in den Flughafen, werden von der Polizei aber nicht durchgelassen. Einige Aktivisten haben sich von vornherein darauf konzentriert, wichtige Zufahrtsstraßen zum Flughafen zu blockieren. Einer berichtet: „Nach etwa fünfzehn Minuten hat uns die Polizei geräumt.“ Nun ist er noch zu der Demo gestoßen. Dort ist aber nicht viel los.


Die Demonstranten fordern Papiere für alle.

Die meisten versuchen über andere Zugänge zum Flughafen zu gelangen. Bei der Demo bleiben nur noch ein paar Leute, um die Anwesenden ohne Pass vor dem Zugriff der Polizei zu schützen. Sie wissen genau: Werden diese Menschen kontrolliert, kann das ihre Abschiebung bedeuten.

Einige Aktivisten versuchen es mit Tarnung: In schicker Kleidung und mit Roll-Koffer wollen sie durch die Polizeikette. Aber der Plan geht nicht auf. Die Polizei möchte die Flugtickets sehen. Und so muss auch der Herr im Anzug seinen silbernen Rollkoffer öffnen und sein Ticket vorzeigen, damit er durchgelassen wird.

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