vermischtes

«The Kingdom»

Sonja Wenger – Es ist ein entspannter Feiertag in dem abgeschotteten Wohnviertel von US-Amerikanern im saudiarabischen Riad. Das Baseballspiel nähert sich dem Höhepunkt und das Barbecue ist in vollem Gange. Nur die schwerbewaffneten Polizisten der saudischen Nationalgarde mögen nicht so recht zu dieser Idylle passen.

Doch auch sie sind nicht in der Lage zu verhindern, dass muslimische Fundamentalisten in falschen Polizeiuniformen ein Fahrzeug kapern und auf dem Sportplatz willkürlich in die Menge schiessen. Erst das mutige Eingreifen von Sergeant Haytham (Ali Suliman) setzt dem ein Ende und macht klar, dass es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver gehandelt hat. Ein zweiter Selbstmordattentäter sprengt sich in der panisch fliehenden Menge in die Luft.

Der FBI-Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) spricht gerade telefonisch mit seinem Kollegen in Riad, der den Anschlag untersuchen soll, als eine zweite, noch grössere Bombe explodiert. Diese seit einigen Jahren praktizierte Methode eines zeitlich verzögerten Doppelanschlages zielt darauf ab, unter den Hilfs- und Sicherheitskräften nach einem Anschlag so viele Opfer wie möglich zu fordern. Über hundert Menschen sterben dabei, darunter auch Fleurys Kollege.

In dem neuen Actionfilm von Regisseur Peter Berg («Welcome to the Jungle») versucht Fleury daraufhin alles, um ein kleines Spezialistenteam trotz diplomatischer Streitereien nach Riad zu bringen. Schliesslich ist das FBI die führende Organisation bei Untersuchungen von Angriffen gegen US-Bürger im Ausland. Es gelingt Fleury eine Genehmigung für den Sprengstofffachmann Grant Sykes (Chris Cooper), die forensische Expertin Janet Mayes (Jennifer Garner) und den Analysten Adam Leavitt (Jason Bateman) zu erhalten. Doch kaum in Riad angekommen, werden sie zum Spielball politischer Ränkespiele.

Auch der zu ihrem Schutz und noch mehr zu ihrer Kontrolle abkommandierte Colonel Al Ghazi (Ashraf Barhoum) betrachtet sie zu Beginn vor allem als unerwünschte Eindringlinge. Erst als er begreift, dass sie beide das gleiche Ziel verfolgen und er das Fachwissen der FBI-Leute zu respektieren beginnt, können sie am gleichen Strang ziehen – und werden dadurch zur neuen Zielscheibe der Terroristen.

Die klassischen Elemente der Buddy-Action- Filme, in denen sich zwei Welten, zwei Philosophien und zwei Stile zusammenraufen müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, funktionieren auch in «The Kingdom». Der Film ist einerseits gut gemachte Popcorn-Unterhaltung, andererseits ein eher intelligenter Politthriller. Diese Mischung vermag sich in den letzten Jahren immer mehr an der Kinokasse durchzusetzen, wie die Beispiele von «Munich», «A Mighty Heart» oder «United 93» zeigen.

«The Kingdom» ist allerdings weder ein komplex aufgebautes Politdrama wie «Syriana», noch eine jener unerträglich eindimensionalen «Hoppla- jetzt-kommt-Onkel-Sam»-Ballerorgien. Dennoch ist die dramaturgische Handschrift von Produzent Michael Mann gut erkennbar. Spätestens bei der bleilastigen Befreiungsaktion am Ende fühlt man sich an Manns «Heat» erinnert.

Es geht in «The Kingdom» nicht darum, eine Seite als gut und die andere als schlecht darzustellen. Der Film erhebt keinerlei Anspruch auf irgendeine moralische Überlegenheit und ist eindeutig anti-fundamentalistisch, nicht aber antimuslimisch. Es ist Regisseur Berg gelungen, ein spannendes wie auch berührendes Plädoyer dafür zu schaffen, dass die menschlichen Grundwerte unabhängig von der jeweiligen Kultur gelten, und dass die Politik in der Regel keine brauchbaren Lösungen bietet.

Tratschundlaber erscheint im Berner und Zürcher Kulturmagazin ensuite

Unkategorisiert

Tratschundlaber

Sonja Wenger – Kleine weisse Schäfchen huschen mit Adolf- Schnauz auf «Spiegel-Online» herum. Die deutsche «taz» bringt ein Schweizerkreuz auf der Titelseite, an dem an allen vier Enden ein braunes Pflaster im rechten Winkel nach rechts angeklebt ist, und die halbe Medienwelt kommentiert wie die «Süddeutsche Zeitung» die «Abkehr von der Kuscheldemokratie» in der Schweiz. Nur uns Schweizer und Schweizerinnen scheint schleierhaft (ha!) zu sein, was sie uns damit sagen wollen.

Vermutlich ist es so, dass man im Ausland schon lange kapiert hat, in welche politische Richtung unser Land marschiert, nur wir zu Hause haben den rechten Überblick verloren. Ist aber auch kein Wunder, wenn alle schwarzen Schafe nach rechts rausgekickt werden. Unser Justizminister meinte zwar, dass es sich damit um ein rechtes, Verzeihung, echtes Wortspiel, und nicht etwa um eine rassistische Andeutung handle. Aber man sagt ja auch, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Doch der Volkssouverän hat nun einmal entschieden, dass er lieber eine recht laut blökende Herde sein will, als selbstdenkende, angstfreie Menschen. Das ist wahre Demokratie – die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit – das muss man respektieren, deshalb blöken wir von nun an fröhlich mit.


Duell der Vize-Missen: Xenia Tchoumitcheva

Aber was soll man denn auch anderes tun in einem Land, in dem «20 Minuten» ein Duell der Vize-Missen ankündigt, und das Fetzigste daran dann ein lauwarm konstruierter Vergleich der «Markenzeichen, des Zickentalents, der peinlichsten Momente und der Höhepunkte» von «sexy Xenia Tchoumitcheva» und der «ehrgeizigen Sabrina Knechtli» ist.

Da lob ich mir die durchaus interessante Antwort von Amanda Ammann, der neuen schönsten Frau der Schweiz, auf die Frage, wen sie denn nicht von der Bettkante stossen würde, nämlich «kleine, süsse Hundewelpen». Das ist wahre Tiefe! Gegen soviel Charisma kann die Vize-Miss Knechtli ja nur zweite machen, die höchstens «Mister-süsser-Hundewelpen-Blick» Orlando Bloom auf der Bettkante belassen würde.

Doch es naht Rettung: Eine Firma aus Amiland will nämlich eine Jacke auf den Markt bringen, die den Spielern von Kriegsvideogames das Gefühl vermitteln kann, am Oberkörper Schmerzen wie von Schlägen oder Schüssen zu fühlen. Wenn das Ganze ein Hit wird, gibt es dann vielleicht bald ein Äquivalent um das Gefühl von Blödheit spürbar zu machen. So zum Beispiel mit einem Helm, in dem der Klang blökender Schafe und das Gebimmel von Ziegenglöcklein zu hören sind – dann wird man sich wohlig abgeschottet sicher fühlen und ist endlich wieder frei.

Tratschundlaber erscheint im Berner und Zürcher Kulturmagazin ensuite

spionage

Yemen Hub, MI6 Informer in Embassy Bombings, and Afghanistan

Cooperativeresearch – One new entry that may go some way to explaining the mystery surrounding al-Qaeda’s communications hub in Yemen, which was called by the 9/11 hijackers from the US and monitored by the NSA, highlights a section of Bob Woodward’s last book that says the CIA obtained domestic phone and financial information to support “Black Ops”.

However, the corporate CEOs that provided the information started to complain after 9/11. Vice President Dick Cheney claimed exploitation of monitored calls to the hub by Khalid Almihdhar and Nawaf Alhazmi could have prevented 9/11, but Director of National Intelligence Mike McConnell claimed the US did not detect the communications.

One of the members of the al-Qaeda cell that bombed the US embassy in Nairobi, L’Houssaine Kherchtou, appears to have become an informer for the British intelligence service MI6 before the bombing. After the bombing, MI6 debriefed him, but failed to inform the FBI of the information it gained. When he was finally turned over to the FBI two years later, the Bureau extracted a full confession by treating him well, and he told them al-Qaeda was interested in air traffic procedures.

In Afghanistan, in May 1979 the CIA began working with mujaheddin leaders chosen by the ISI, which the US knew was supplying the Taliban with weapons by late 1996. By this time the CIA was aware the ISI was funding a radical group linked to Osama bin Laden and that the Taliban were keeping bin Laden’s camps open. A year later, the US became aware that the Taliban was paying the Pakistani government in drugs.

Osama bin Laden, whose wife and sons received Sudanese passports, issued an audio tape praising 9/11 hijacker Waleed Alshehri in September 2007, after which terrorism analyst Peter Bergen said it would be better to let him issue videos – they might be the best chance of finding him.

Miscellaneous entries include a dubious warning al-Qaeda may strike LA and Chicago shopping malls, the operative who was supposed to video the bombing of the USS Cole oversleeping and missing it, and al-Qaeda’s desire for war in Iraq. In addition, future 9/11 Commissioner Lee Hamilton did not cover himself in glory in the October Surprise investigation, various explanations were offered for the Pentagon exit hole, and the Guantanamo Bay tribunals descended into chaos.

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Krieg

Democrats Greedily Blocking Healthcare for our Returning Veterans

Rachel Alexander – Whether one agrees with the war or not, individual patriotic Americans who signed up to serve our country, putting their lives in danger, should not be blamed.

The Democrats in Congress did a sneaky thing to try and force massive spending increases for social welfare programs and government education through – they included them in a bill that provided funding for veterans’ healthcare. Instead of including all funding for veterans’ healthcare in a defense appropriations bill, Democrats put part of the authorization for funds for veterans’ healthcare in a $606 billion dollar domestic spending bill that contained more than 2,000 pork earmarks, including a sailing school taught aboard a catamaran, a prison museum, a Portugese language program, $665 million in sheer giveaways to private community organizations, and $225 million for community health centers, something that is already well-served by the private sector.

The bill would have increased spending for social services and government education by more than $10 billion over what Bush told the Democrats the country could afford, another 4.3% more for these programs than last year. 56 of the programs are ineffective or duplicative and should be eliminated. Bush observed that although the Democrats ran on a platform of fiscal responsibility last year, they’ve acted like a teenager with a new credit card.

Consequently, Bush was forced to veto this spending monstrosity until a compromise could be made to allow the veterans’ healthcare provisions to pass. Democrats, not surprisingly, led by Senator Joe Biden, have used the opportunity to blame Bush for blocking veterans’ healthcare provisions. This is a transparent attempt at fooling the voters, considering the Democrats‘ tradition of advocating for reductions to all things military while Republicans have consistently asked for more support for our troops.

This is despicable considering that our wounded veterans are this country’s greatest heroes. Whether one agrees with the war or not, individual patriotic Americans who signed up to serve our country, putting their lives in jeopardy, should not be blamed.

Since the war in Iraq began in 2003, over 60,000 troops have returned with physical injuries or mental health problems. 1/3 of the troops returning from Iraq are diagnosed with some kind of mental health problem within 3-5 months. Coincidentally, Post Traumatic Stress Disorder wasn’t diagnosed until the Vietnam War – when war protesters first emerged, calling our troops “babykillers” and taunting them when they came home.

With the emergence of TV during that war, and now the ever present media of today, hatred towards our troops is magnified. It was appalling to hear of the rude protesters who showed up at Veterans’ Day parades around the country last week. Hollywood actors and stars like the Dixie Chicks are contributing to the psychological toll that is demoralizing our troops and contributing to mental health issues like depression. According to CBS, over 120 veterans per week across the U.S. committed suicide in 2005, a total of 6,256 that year.

It is impossible to determine how many of our veterans’ mental health issues have been caused or made worse by the American left’s harsh criticism and ridicule. The number is probably in the thousands, but we’ll never know. Similarly, it’s unknown how many of our enemies have decided to continue their terrorism and killing due to encouragement from American leftists.

If we could identify an absolute number of American troops who have been killed due to leftist criticism of the war, perhaps the left would be shamed into subduing their criticism of our government during times of defensive war. The American left is gambling that if the U.S. withdraws from Iraq, the terrorists won’t attack us again. We already know the terrorists are irrational, and are becoming increasingly emboldened, so why would we think they would be satisfied with killing just 2,996 Americans on 9-11?

Our troops who return from Iraq unable to work requiring disability income are encountering bureaucratic delays, no doubt caused by government giving priority to other interest groups over our veterans. There is only so much money to go around in government to administer programs. War veteran D.A. King recently observed that illegal immigrants have more powerful lobbyists in Congress than our veterans , because illegal immigrants have unfettered access to no-cost healthcare paid for by American taxpayers under federal mandated law.

Whereas according to the American Journal of Public Health, more than one million of our vets have no insurance or access to VA medical care. Unlike illegal immigrants, veterans are screened out from healthcare coverage by income, number of dependents, and the nature of their condition. This is a direct result of Democrats prioritizing medical care for illegal immigrants and designating the medical care of our vets to second-rate citizen status instead, ironically.

Democrats are playing similar games with providing adequate funding for our troops who are still in Iraq. They’ve tacked a “cut-and-run” withdrawal deadline onto a defense bill authorizing continuing funds for our troops in Iraq. They won’t authorize necessary supplies, ammunition, and basic living expenses for our troops unless a deadline for withdrawal is included in the bill. By cutting funds for the troops in Iraq and Afghanistan and setting a timeline to leave, Democrats are sending a clear message to our enemies that we are giving up. Democrats are gambling on the risky chance that the terrorists will never make a major attack on the U.S. again. Which party do you feel safer with? If you serve your country, which party do you think will consistently value that service?


Rachel Alexander ist praktizierende Anwältin für die Regierung in Phönix im U.S. Staat Arizona. Als ehemaliges Redaktionsmitglied und Kolumnistin des Arizona Daily Wildcat, gewann sie für ihre journalistischen Arbeiten drei Auszeichnungen und schreibt Kolumnen für IntellectualConservative.com

spionage

Terrorism case of Luis Posada debated on Capitol Hill

National Security Archive – In the first Congressional hearing held on the controversial case of violent Cuban exile Luis Posada Carriles, the House Foreign Affairs Subcommittee on International Organizations, Human Rights, and Oversight invited National Security Archive Senior Analyst Peter Kornbluh to testify on formerly top secret CIA and FBI intelligence reports linking Posada to the October 6, 1976 bombing of a Cuban civilian airliner.

In his testimony, Kornbluh argued that the declassified records demonstrated that Posada had concrete foreknowledge of the bombing; was in possession of a surveillance report on Cuban targets that included the doomed plane; received coded messages immediately after the plane went into the ocean from the men who placed the bombs; and was quickly identified by multiple FBI and CIA sources in Venezuela as one of two masterminds of the attack that claimed the lives of all 73 passengers and crew.

Kornbluh called Posada “one of the most prolific purveyors of political violence in recent history” and said that the evidence in the plane bombing was “more than sufficient” to have detained Posada for acts of international terrorism under the Patriot Act. Former Attorney General Alberto Gonzales refused to designate Posada as a terrorist and a judge dismissed immigration fraud charges against him last spring. Posada now lives freely in Miami, as does Orlando Bosch, who the CIA and FBI both identify as a co-conspirator in the plane bombing. “The United States now finds itself in the frankly inexplicable position of having not one but both men who our own intelligence agencies identified as responsible for bringing down a civilian airliner living free and unfettered lives in Florida,” Kornbluh told the Committee.

Kornbluh was joined at the hearing by Dr. Roseanne Persaud Nenninger, the sister of one of the Guyanese teenagers killed on the plane. In her testimony, Dr. Nenninger said she wanted to put a “human face” on the victims of the plane bombing by talking about her brother Raymond Persaud, a 19-year-old science student on his way to Havana with a full scholarship to study medicine. She called on the Subcommittee, chaired by Congressman William Delahunt, to investigate fully how the Bush administration had allowed Posada to go free, so that her family and those of all the other Cuban, Guyanese and Korean passengers could finally see justice done for their loved ones. Ann Louise Bardach, who interviewed Posada for The New York Times in 1998 on his involvement in a string of hotel bombings in Cuba, also testified on her extensive research into Posada’s many violent activities.

The Files @ National Security Archive

vermischtes

Hugo Chávez “Ein faschistischer Diktator”

Karl Weiss – Freitag, den 16. November 2007, 8 h morgens Ortszeit: Im größten Radio-Nachrichtensender Brasiliens, dem CBN, ein Sender der Globo-Gruppe, die wesentliche Teile des brasilianischen Medienmarktes beherrscht, wird ein Kommentar von Arnaldo Jabor in den Äther geschickt, in dem dieser sagt. „Jener faschistische Diktator, Hugo Chávez von Venezuela …“. Am gleichen Tag hört man auf dem gleichen Sender: Die PSDB, die große neoliberale konservative Partei Brasiliens, aus der der frühere Präsident Cardoso hervorging, ließ verkünden, man werde wegen Chávez alles tun, um zu verhindern, dass Venezuela in den Mercosur (Mercosul) aufgenommen werde.

Der Mercosul(r) ist die Freihandelszone in Südamerika, der bisher Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay angehören und in den in einer offiziellen Zeremonie auch Venezuela aufgenommen wurde. Allerdings müssen die einzelnen Parlamente der Mitgliedsländer noch diese Erweiterung ratifizieren.

Gift und Galle spucken
Nun hat die brasilianische Oligarchie ein Mittel entdeckt, wie sie die mit ihr befreundete Venezuelanische Oligarchie rächen kann, die von Chávez um einen Teil ihrer Alleinherrschaft im Land gebracht wurde und seither Gift und Galle spuckt.

Die Medien helfen dabei nach Kräften mit. Wie Jabor auf die Idee kam, Chávez könnte ein faschistischer Diktator sein, weiss wohl nur er selbst.

Hat Chávez in einem Putsch die Macht ergriffen wie Pinochet? Nein, er wurde gewählt und später mit klaren Mehrheiten vom Volk bestätigt.

Hat er alle Linken und Gewerkschafter in Gefängnisse oder Lager geworfen? Nein, Linke und Gewerkschaften können in Venezuela frei agieren.

Hat er politisch gegen ihn Stehende einsperren lassen? Nein, es gibt keine politischen Gefangenen in Venezuela – im Gegensatz zu den USA, von Jabor bevorzugt als demokratisches Beispiel, wo willkürlich als terrorverdächtig Eingestufte ohne Anklage, ohne Möglichkeit der richterlichen Überprüfung, ohne Benachrichtigung der Angehörigen, ohne Prozess, ohne Kontakt zu einem selbst gewählten Anwalt, ohne Aussicht auf Freilassung in Tierkäfigen in Guantánamo gehalten werden.

Gibt es Folter in Venezuela, so wie in Jabors Vorbildland USA? Nicht einmal die Opposition behauptet dies.

Gibt es irgendeinen ernst zu nehmenden Hinweis auf Wahlbetrug in Venezuela? Nein. Nicht einmal die Opposition behauptet dies ernsthaft. In den USA allerdings stehen die beiden letzten Präsidentenwahlen ernsthaft im Verdacht, vollständig manipuliert worden zu sein.

Was also hat Chávez verbrochen? Zunächst hat er die Konzession eines Fernsehsenders auf ein „Fenster“ im Äther für seine Wellenlänge auslaufen lassen, was den Sender zwang, in Zukunft über Kabel und Satellit erreichbar zu sein, so wie es in allen westlichen „demokratischen“ Staaten mit Sendern alle paar Jahre geschieht. Dann hat er einen neuen Verfassungsentwurf vorgelegt, der jetzt dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Darin ist als Möglichkeit vorgesehen, dass der Präsident sich auch nach zwei Amtszeiten erneut zur Wahl stellen kann.

Wo ist da faschistische Diktatur? Wenn die Möglichkeit wiederholter Amtszeiten eine Land zu einer faschistischen Diktatur macht, dann ist es die Bundesrepublik schon lange. Sowohl Adenauer als auch Kohl haben mehr als zwei Amtszeiten hinter sich gebracht.

Offensichtlich geht es dem Kommentator nur um billige Polemik. Interessant, dass genau dies immer einer der Vorwürfe gegen Chávez ist. Er versteht sich nicht gestelzt auszudrücken wie die Vertreter der Oligarchie, denn er ist Militär und da wird eine direktere Sprache benutzt. So fällt das Naserümpfen über Chávez nun auf den Kommentator Jabor zurück.

Anlässlich der Debatte im brasilianischen Bundestag über den Beitritt Venezuelas in den Mercosul(r) traten auch zwei andere Personen mit Schlägen unter die Gürtellinie Chávez auf. Der frühere Präsident Sarney erklärte Chávez zum Diktator, weil er eine dritte Amtszeit anstrebt und schalt Präsident Lula, weil der Chavez in seinem Disput mit dem spanischen König verteidigt hatte.

Betrüger, Hundsfot und Drecksau
Der in ganz Brasilien berühmte Abgeodnete und Ultrareaktionär Paulo Maluf, früherer Bürgermeister von São Paulo und Governeur des Staates São Paulo, hatte den Bericht der Kommision vorzulegen, die über den Beitritt Venezuelas zu befinden hatte. Er ging soweit, Chávez einen „Durchgedrehten“ und „Cafajeste“ zu nennen. Das ist ein fast unübersetzbares Wort. Es hat Anklänge an „Canaille“, aber auch an „Betrüger“, „Drecksau“, „Hundsfot“, „das Letzte“ oder „Abschaum“.

Dies war allerdings ein besonderes Ereignis für Brasilien, denn ein wesentlicher Teil der Bevölkerung hat den Begriff Cafajeste auf den Lippen, wenn sie den Namen Paulo Maluf hören, der bereits mehrfach wegen Abzweigen öffentlicher Gelder in Milliardenhöhe (!) verurteilt ist, aber aufgrund der – nennen wir sie -Besonderheiten des brasilianischen Justizsystems bis heute frei herumläuft und sich sogar zum Abgeordneten wählen lassen konnte.

So schrieb denn auch ein anderer Kommentator in einer Internet-Zeitung, es sei immerhin bemerkenswert, dass ausgerechnet Sarney und Maluf sich als Spezialisten in Demokratie ausgeben, denn dies waren die beiden führenden Politiker der Partei PDS, die während der Militärdiktatur die einzige zugelassene Partei war und nach deren Ende von den beiden gespalten wurde: Der eine Teil wurde von Sarney geführt und nannte sich „Frente Liberal“ (Liberale Front) (heute hat man schon wieder einen anderen Namen), der andere Teil nannte sich PPL und ging unter Maluf ins Rennen (auch diese Partei wurde bereits zweimal umbenannt).

Bei den ersten Präsidentenwahlen in Brasilien nach der Militärdiktatur wurde der Präsident noch von den Abgeordneten gewählt, nicht vom Volk. Der Kandidat der Militärs war Paulo Maluf, dagegen ging Tancredo Neves von der erstmals zugelassenen Oppositionsbewegung MDB ins Rennen. In einem Meister-Streich sicherte sich Neves einen wesentlichen Teil der Stimmen der ehemaligen PDS, indem er Sarney als Vize aufstellte. So verlor Maluf die Wahl. Neves starb, bevor er das Amt antreten konnte. So kam Sarney zu einer Präsidentschaft wie die Jungfrau zum Kind.

Was da gegen Chávez in Stellung geht, ist die Auslese der Repräsentanten der brasilianischen Oligarchie. Man mag kein spezieller Freund Chávez sein, aber der kann so schlecht nicht sein, wenn solche Leute Schaum vor den Mund bekommen, wenn sie den Namen Chávez aussprechen.

Ob es, angesichts der für ganz Südamerika interessanten Ölfelder Venezuelas, sehr klug ist, dies Land nicht in den Mercosur(l) aufzunehmen sei dahingestellt. Chávez kann sicherlich auch ohne diese Mitgliedschaft leben, denn er sitzt auf den größten Ölvorräten der Welt.

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Ihr Freund, die Rosskastie – Anne Franks Baum könnte überleben

Marcel-Franz Paulé – Annelies Marie Frank sah ihn von ihrer kleinen Kammer aus: Ein Kastanienbaum. Er steht noch heute in einem von der Straße aus nicht einsehbaren Hinterhof zwischen der Prinsengracht und der Keizersgracht im Zentrum von Amsterdam. Und sie, die als Anne Frank weltberühmt wurde wegen ihrer Tagebuchaufzeichnungen, war ein in Deutschland geborenes Mädchen, das während des Zweiten Weltkriegs seine deutsche Staatangehörigkeit im niederländischen Exil verlor und Todesopfer des Holocaust wurde – kurz vor Kriegsende.

In ihrem Tagebuch hielt sie fest, wie sehr sie sich über die Blüte dieses Baumes freute. Nun aber sollte der Baum abgesägt werden. Angeblich bestand Einsturzgefahr.

Doch mehrere Kläger, unter ihnen die niederländische Baumstiftung, legten gegen die Genehmigung zum Fällen der 27 Tonnen schweren weißen Rosskastanie Einspruch ein und scheinen nun diesen Baum retten zu können. Im Gegensatz zu den Gutachten der Stadt sind sie nämlich wegen eigener Untersuchungen überzeugt, der symbolträchtige Baum könne durch Stützen gerettet werden.

Es gibt noch kein Urteil wegen des Antrags einer Einstweiligen Verfügung zugunsten der Kläger, die den Baum erhalten wollen. Das Gericht kann das Fällen des Baumes später noch genehmigen, doch es rief beide Seiten auf, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Ein Sprecher der zuständigen Stadtteilverwaltung sagte, man habe sich die Entscheidung zum Fällen nicht leicht gemacht, denn bei einem Umsturz des Baumes wären Menschen akut gefährdet.

Seit die Pläne zum Fällen des Anne-Frank-Baums bekannt wurden, haben sich Menschen aus aller Welt mit Briefen und E-Mails bei der Stadt Amsterdam für dessen Erhalt eingesetzt. Der Grund dafür ist sicherlich Annes Vater, der als einziger seiner Familie die unmenschliche Vernichtungsmaschinerie überlebte, für die viele Deutsche wie blind und blöd arbeiteten und davon zeitweise sogar im Luxus lebten. Er berichtete viele Jahre später, wie ergriffen er war, als er im Tagebuch seiner Tochter las, was der Blick aus dem Versteck auf die Natur und insbesondere auf die Kastanie für sie bedeutete.

Die Stadt Amsterdam sollte sich im Klaren darüber sein, dass sie es nicht mit „Goethes Eiche“ zu tun hat, einem Baum, über dem ein Häftling des KZ Buchenwald berichtet, von dem nur die Nummer bekannt ist, die ihm die Nazis verpassten. Er schreibt:

„Einzig die Goethe-Eiche hat der Satan verschonen lassen. Sie stand einsam in der Mitte des Lagers und schaute aufs Waschhaus, in dem die Qualen des Häftlings begannen, auf den Appellplatz, auf dem sie tagtäglich wiederholt wurden, und auf das Krematorium, in dem sie ihr Ende fanden. Der Satan gab auch die Idee ein, an der Goethe-Eiche Gefangene aufzuknüpfen. Und man hängte Dichter und Priester, Sozialisten und Juden an ihren Ästen auf – man hängte sie am Hals zum Tode und an den gefesselten Händen zur Qual. Die Hunde hatten die Rinde vom Stamm der Eiche heruntergerissen – rasend, weil sie die Hängenden nicht erreichen konnten. Die Gefangenen verfluchten aber die Eiche als ihren Marterpfahl.“

An Anne Franks Kastanienbaum starb kein Mensch. Es muss dort auch kein Mensch sterben, wenn sich die Stadt für seinen Erhalt einsetzt. Es sei denn, Amsterdam und die niederländische Monarchie solle untergehen wie einst das „Deutsche Reich“:

„Die Eiche brannte die ganze Nacht. Am nächsten Morgen stand nur noch der verrußte und zersplitterte Stamm. Man erlaubte uns, ihn zu fällen, den Wurzelstrunk auszugraben und das Loch zuzuschütten. Das war am 24. August 1944. Das Deutsche Reich hat diesen Tag um lediglich neun Monate überlebt.“

Die niederländische Krone hat es bis jetzt vermieden sich zur vorgesehenen Fällung des Kastanienbaums zu äußern. Kann es sein, dass sie befürchtet ihre braune Flecken, die sie jahrzehntelang mittels Weisswäscher bekämpfte, könnten wieder durchschimmern?

afrika

Wenig Trauer – Rhodesiens ehemaliger Premier Ian Smith gestorben

Dr. Alexander von Paleske – Heute verstarb in Kapstadt der ehemalige Premier Rhodesiens Ian Smith im Alter von 88 Jahren. Das wäre normalerweise keine Zeile wert gewesen, denn Ian Smith war ein Rebell gegen die britische Krone indem er im Jahr 1965 die einseitige Unabhängigkeit Rhodesiens erklärte (UDI). Freie Wahlen gab es nur für die weiße Minderheit, die 1 Prozent der Bevölkerung ausmachte und der mehr als 70 Prozent des fruchtbaren Bodens gehörte.

Die Folge war der blutige Befreiungskampf der schwarzen Befreiungsbewegungen ZAPU und ZANU, der 1966 begann und 1980 mit der Unabhängigkeit und dem Wahlsieg Robert Mugabes und seiner ZANU-Partei endeten.

Doch die Nachricht vom Tode des Ian Smith lief heute über alle Nachrichtenkanäle. Der Grund dafür heißt Robert Mugabe.


Ian Smith führte nach der Unabhängigkeit die weiße Opposition an, aber seine ständigen Angriffe gegen Robert Mugabe und seine Regierung waren nicht mehr als die Ausbrüche eines alternden Rassisten, den niemand mehr ernst nahm.
© Foto: Robin Wright / Alicia Patterson Foundation, New York.

Die Versöhnungsrede des Premiers Mugabe nach seinem Wahlsieg 1980 überzeugte die Mehrheit der Weißen, die bereits für den Umzug nach Südafrika, England und Australien gepackt hatten, dazubleiben und das neue Zimbabwe mit aufzubauen.

Ian Smith nutzte die Zeit, um neben seiner Farm sich um das Buchschreiben zu kümmern. Heraus kam das Buch „The Great Betrayal“, der große Verrat, ein Angriff auf Mugabe und der Versuch einer nachträglichen Rechtfertigung seiner einseitigen Unabhängigkeit.

Als das Buch im Jahre 2001 herauskam, hatte der Niedergang Zimbabwes begonnen, heute liegt das Land wirtschaftlich in Trümmern, und dies ohne einen Bürgerkrieg.

Also schien der alte Smithy, wie er genannt wurde, doch recht gehabt zu haben? Davon kann jedoch keine Rede sein. Es war die Politik des Ian Smith und seiner Rassisten in der Rhodesien-Front, die den blutigen Bürgerkrieg, der 30.000 Menschen das Leben kostete, zur Folge hatte.

Wäre Robert Mugabe 1965 auch Premier geworden, wenn das Land ordnungsgemäß wie die anderen Kolonien Englands unabhängig geworden wäre? Die Frage kann mit Nein beantwortet werden. Es wäre entweder Joshua Nkomo, der Führer der Zapu oder aber Leopold Takawira, der überragende und im Gefängnis unter Ian Smith 1970 verstorbene Gründer der ZANU geworden.

Mugabe kam erst zum Zuge, als Herbert Chitepo, der Nachfolger Takawiras, auf Anweisung von Ian Smith im sambischen Exil mit einer Autobombe ermordet wurde.

Es gibt keinen Grund, Ian Smith nachträglich zu rechtfertigen.

Die Geschichte Zimbabwes wäre wohl anders, auf jeden Fall unblutig und vermutlich ohne diesen wirtschaftlichen Niedergang gelaufen.

Bad News und Sad News
Derweil sinkt das Land immer weiter. Die Geschäfte sind leer, Güter sind praktisch nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. Die Inflation liegt bei 13.500 Prozent und das Monatsgehalt eins Lehrers reicht für 4 Brote. Die Folge ist ein Massenexodus der Lehrer in Nachbarländern und der Kollaps des Schulwesens, einst das Aushängeschild mit der niedrigsten Analphabetenrate in Afrika.

Die Opposition verhandelt derweil unter der Schirmherrschaft des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki mit der Regierung Mugabe über die Teilhabe an der Macht. Die tief gespaltene Opposition ist unfähig, die Unzufriedenheit in einem Massenprotest zu bündeln und Mugabe davonzujagen.

Und Thabo Mebki sucht vor der ANC-Konferenz im nächsten Monat in Polokwane, wo er sich zur Wiederwahl gegen starke Konkurrenz stellt, dringend nach einem außenpolitischen Erfolg, nachdem seine seinerzeit von ihm lautstark verkündete „Afrikanische Renaissance“ wegen des Niedergangs in Zimbabwe ebenfalls in Trümmern liegt.

Es läuft gut für Mugabe, nicht jedoch für die gequälte und hungernde Bevölkerung der einstigen Kornkammer des südlichen Afrika.

deutschland

Islamophobie – Deutschland im Wahn – Islam und Islamismus – Teil 4

Michael Schulze von Glaßer – Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der immer wieder zu Fehlern und Verwechslungen führt, dreht sich um die Worte „islamisch“ und „islamistisch“. Gemeinhin wird das Wort „islamisch“ als Sammelbegriff für die Religion und Kultur der Moslems verwendet.

Wohingegen „islamistisch“ ein politischer Begriff ist. Islamisten haben aus der Religion eine Politik gemacht. Ungeklärt ist nach wie vor, ob nur radikal-fundamentalistische Moslems als Islamisten bezeichnet werden dürfen oder auch andere – nicht militante – Moslems, die ihre Religion in der Politik vertreten wie beispielsweise der „Koordinationsrat der Muslime in Deutschland“? Doch alle Islamisten sind Moslems und nicht alle Moslems sind Islamisten.

Was von islamophoben Organistaionen und Medien übersehen oder gar absichtlich ignoriert wird, ist, sind die Muslime, die sich eindeutig gegen Terrorismus aussprechen – und das ist bei weitem die Mehrzahl. Für die Schwarz/weiß-Denker von „Politically Incorret“ und der Pro-Bewegung sind gleich alle Moslems militante Islamisten, was vollkommen falsch ist. Moslems sind die von islamistischen Terrorismus am stärksten betroffene Menschengruppe.

Im Irak liefern sich islamische Schiiten und Sunniten blutige Kämpfe. Terroranschläge in Afghanisten richten sich zunehmend gegen gemäßigte Muslime, die sich für eine multikulturelle Gesellschaft und somit für ein friedliches Zusammenleben der Religionen aussprechen – wie beispielsweise beim Anschlag auf eine Zuckerfabrik in Afghanistan am 6. November 2007, bei dem 41 Menschen ums Leben kamen und rund 120 verletzt wurden. Der Anschlag wird den radikal islamischen Taliban zugeschrieben und richtete sich gegen afghanische Parlamentarier.

Gegen den Terror gehen die Moslems immer wieder auf die Straße. Zum Beispiel: Am 10. Dezember 2003 demonstrierten über 10.000 Iraker in Bagdad gegen islamistischen Terrorismus. In Köln protestierten am 21. November 2004 rund 25.000 Moslems aus ganz Deutschland gegen Terrorismus und islamischen Extremismus – eine Zahl, mit der selbst die Veranstalter nicht gerechnet hatten.

Nach den gescheiterten Attentaten auf Nahverkehrzüge in Nordrhein-Westfalen distanzierten sich die größten muslimischen Organisationen und Verbände in Deutschland am 25. August 2006 mit einer Erklärung, in der sie betonten, dass solche Taten durch den Islam nicht gerechtfertigt werden können. Im Oktober 2006 verabschiedeten sunnitische und schiitische Religionsgelehrte in Mekka eine Erklärung, die Selbstmordattentate und Anschläge auf heilige Stätte zur Sünde erklärt. Auf der Website http://www.muslime-gegen-terror.de finden sich zahlreiche Erklärungen muslimischer Organisationen die sich gegen Terrorismus aussprechen.

Der höchste islamische Würdenträger Syriens, Großmufti Ahmad Badr Eddin Hassoun sprach sich auf seiner Deutschlandreise Anfang November abermals für eine multikulturelle Gesellschaft aus. Weltweit gibt es nur sechs Großmuftis – somit ist Hassoun einer der führenden Geistlichen der islamsichen Religion.

Der liberale Vertreter des Islam äußerte sich auch zum Thema Integration: „Wenn ich in Deutschland Auto fahre, muss ich mich nach den deutschen Verkehrsregeln richten“, will heißen: Deutsche Muslime müssen nach deutschen Gesetzen leben und ihre Kinder deutsch erziehen – trotzdem findet der Mufti bei der Pro-Bewegung oder „PI“ keine Unterstützung – er wird schlicht ignoriert.

Hassoun forderte bei seinem Besuch im nordrhein-westfälischen Münster einen deutschen Islam für Deutschland. Außerdem dürften Moscheen nicht „provozieren“ – das Zeigen religiöser Symbole und somit die Wahrung der religiösen Freiheit müsse jedoch erhalten bleiben, so Hassoun. Der Geistliche forderte ein Mitspracherecht des deutschen Staates bei der Errichtung von Moscheen.


Großmufti Ahmad Badr Eddin Hassoun sprach sich auf seiner Deutschlandreise für einen deutschen Islam aus.

Der Großmufti betonte aus seiner Reise die Gemeinsamkeiten von Islam, Christentum und Judentum – eine Gleichsetzung von Islam und Terror lehnt er strikt ab: „Die Reden der Radikalen dürften nicht das Bild bestimmen.“ Er glaube „nicht, das ein echter Muslim oder Christ in der Lage ist, Taten zu begehen wie den 11. September“. Attentäter müssten ihre Religion „falsch“ verstanden haben. „Wer einen Menschen tötet, verübt ein Attentat auf Gott, weil Gott der Schöpfer aller Menschen ist“, so der Geistliche. Ahmad Badr Eddin Hassoun warb weiterhin für Dialog und Integration und verurteilte den Terrorismus: „Wer im Namen Gottes Morde verübt, kann kein Muslim sein, denn das lässt die Religion nicht zu“.“ Für islamistische Gewalttaten seien „falsch verstandene Religion, Beeinflussung von Dritten, geschehenes Unrecht und die Unwissenheit um die Andersartigkeit anderer Menschen“ verantwortlich – Hassoun hielt in Münster einen Vortrag zum Thema „Es gibt keine Heiligen Kriege“. Er setzt sich für einen umfassenden christlich-islamischen Dialog aller Gesellschaftsschichten in Deutschland ein: „Wir müssen raus aus den Kirchen, Moscheen und Konferenzen.“ Religion und Staat trennt der Großmufti klar. Der Staat stehe für Gesetz und Verfassung, die Religion für Moral und Werte. Hassoun: „Ich glaube nicht an den religiösen, sondern an den gerechten Staat, in dem Muslime, Christen, Juden und Andersgläubige miteinander leben.“

Wie auch bei anderen Religionen sind auch viele Anhänger des Islam nicht sehr religiös. Wenn in den Medien über islamistische Terroranschläge berichtet wird, wurden diese natürlich von militanten extremistischen Anhängern des Islam ausgeführt – wenn Moslems in den Medien sind, dann meist radikale Islamisten – wodurch schnell das Bild einer sehr radikalen Religion aufkommt ; dabei sind die militanten Islamisten eine Minderheit unter den weltweit 1,3 Milliarden Moslems. Die breite Mehrheit der Moslems ist friedlich.

Islamophobie in Deutschland?
Nicht nur durch die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 in den USA ist der Islam ins Zentrum vieler Debatten gerückt. Der vom US-Präsidenten George W. Bush ausgerufenen „Krieg gegen den Terror“, an dem sich auch Deutschland beteiligt, betrifft vor allem Menschen islamischen Glaubens. Die Wogen schlagen immer höher. Im zum Großteil von Muslimen bewohnten und von den USA besetzten Irak kommt die Lage nicht zur Ruhe – Anschläge, die sich gegen die vermeintlichen Besatzer aber auch gegen die Muslime selbst richten sind an der Tagesordnung. Ein Krieg gegen die islamische Republik Iran scheint nicht mehr unrealistisch.

Der „Krieg gegen den Terror“ führte jedoch auch zu verstärktem Fremdenhass und Islamophobie innerhalb der westlichen Länder. Ebenso nimmt der Hass gegen den Westen so wie Antisemitismus in der islamischen Welt weiter zu. Ein Kampf der Religionen ist entbrannt. Dieser Konflikt schaukelt sich immer weiter hoch: Rasterfahndung und allgemeines Misstrauen gegen arabisch-aussehende Bevölkerungsteile sind Folgen dieser gefährlichen Entwicklung in Deutschland.

Die CDU versucht den Islam geschickt zu bändigen und die christlich-deutsche-Leitkultur zu etablieren. Organisationen wie die Pro-Bewegung vertreten eine radikalere, kompromisslose Anti-Islam-Position, die gefährlich an die antisemitische Hetze der Nationalsozialisten erinnert. Beide Parteien haben jedoch dasselbe Ziel: den Islam zu unterdrücken – keine Gleichberechtigung der Religionen. Damit wird die Religion zum Politikum.

Die Kunst ist es, neutral zu bleiben. Wer gegen islamistischen Fundamentalismus redet, muss aufpassen nicht zu einseitig zu argumentieren und sollte besser gegen jeden (religiösen) Fundamentalismus kämpfen. Wer – wie „Politically Incorrext“ – von einer islamischen Verschwörung redet, verkennt schlicht die Realität – Muslime sind immer noch eine Minderheit in Deutschland und nach neuesten Statistiken wird sich daran auch so schnell nichts ändern.

Die Verschwörungstheorie der „PI“ anhängt erinnert stark an die „Zionist Occupied Government“ (kurz „ZOG“ – englisch für „Zionistisch besetzte Regierung“). Dieser Verschwörungstheorie hängen vor allem Neonazis an, die behaupten alle Medien, die Banken und die Regierung, würden von Juden kontrolliert.


„Fuck ZOG“ – Transparent der NPD beim Aufmarsch der Neonazis am 14. Oktober 2006 in Hamburg.

Der deutsche Staat muss das Gebot der Trennung zwischen Staat und Kirche beziehungsweise Staat und Religion strikt beibehalten – die Trennung endlich strikter vollführen. Doch wie will eine Regierungspartei, die das Christliche schon im Namen trägt, bei Religionsfragen neutral bleiben?

Islamophobie ist ebenso wie Rassismus oder Antisemitismus ein Phänomen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die gespeist von Vorurteilen, übertriebener Angst und Furcht vor dem Islam zu einer vollkommen überzogenen Abwehrreaktion führt. Diese Reaktion besteht neben der Ablehnung in allem, das mit der Religion zutun hat auch darin eine weitere Auseinandersetzung mit dem Islam nicht zuzulassen.

Islamophobie ist eine dogmatische Position, die einen Dialog nicht zulässt. Eine Islamophobiesierung der Gesellschaft sollte deshalb verhindert werden und über ein Verbot solch Volksverhetzender Medien wie „Politically Incorrect“ nachgedacht werden – Meinungsfreiheit für alle, die allen die Meinungsfreiheit zugestehen. Eine weitere Verbreitung von Islamophobie kann zu einer neuen Minderheitenverfolgung aufgrund der Religionszugehörigkeit führen – sicherlich nicht von staatlicher Seite, aber von einem Teil der Gesellschaft ähnlich der hetzenden Meute in Mügeln.

Der religiöse Konflikt scheint sich immer weiter zuzuspitzen. Die radikalen Lager gewinnen an Mitglieder sowohl im Islam als auch im Christen- und im Judentum. Konflikte werden immer aggressiver ausgetragen anstatt zu reden. Beim Atomkonflikt zwischen dem Iran und den westlichen Ländern – vor allem den USA – stellt sich die Frage, ob es nicht auch einen religiösen Hintergrund des Konfliktes gibt. Immerhin ist der Iran eine islamische Republik und der US-amerikanische Präsident George W. Bush ein sehr religiöser Christ – wenn man seinen Glaubensbekenntnissen glaubt.

Doch Gewalt kann auch in religiösen Konflikten keine Lösung sein. Der Dialog zwischen den Religionen und den Kulturen sollte gefördert werden. Dies schließt jedoch solche aus, die – wie die Autoren des Webblog „Politically Incorrect“ – Vorurteile verbreiten und einem Dialog der Kulturen schlicht entgegenstehen. Wer keinen Dialog will, muss den Mund halten können.

Der seit 1997 alljährlich am 3. Oktober – dem Tag der Deutschen Einheit – stattfindende „Tag der offenen Moschee“ ist ein Zeichen des Dialogs, der nicht verschmäht werde darf , wie es beispielsweise die Pro-Bewegung vormacht.

Neben dem Dialog sollte die Politik vor allem für die strikte Trennung von Religion und Staat sorgen. Momentan gibt es – auch dies wird gerne verschwiegen – noch viele Verzweigungen zwischen Religion bzw. Kirche und Staat in der Bundesrepublik. Bestes Beispiel ist der staatliche Religionsunterricht an Schulen. Der Staat sollte Atheist sein, um eine Zuspitzung des Konflikts zwischen den Religionen zu vermeiden. Das heißt nicht, dass er einen Dialog mit Religionen ausschlägt oder diese gar verbietet. Der atheistische Staat sollte ein den Religionen gegenüber neutraler Staat sein, der keine Religion bevorzugt aber alle Religionen dem Gesetz der Religionsfreiheit folgend erlaubt.

Teil 1: Islamophobie – Deutschland im Wahn
Teil 2: Islamophobie – Deutschland im Wahn – Chaos lechts und rinks
Teil 3: Islamophobie – Deutschland im Wahn – Islam-feindliche Medien
Teil 4: Islamophobie – Deutschland im Wahn – Islam und Islamismus

Rückblick: Eine Welt wütender Fanatiker

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Arroganz der Macht – Münsteraner Skulpturen-Skandal

Michael Schulze von Glaßer – Vom 16. Juni bis 30. September fanden im kleinen Provinz-Nest Münster (Nordrhein-Westfalen) zum vierten Mal die „Skulptur Projekte 07“ statt. Skulpturen von 36 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt zierten den öffentlichen Raum der 270.000 Einwohner-Stadt. Selbst internationale Medien berichteten über die Kunstausstellung in Münster, immerhin in der Kunstwelt sind die alle 10 Jahre stattfindenden Münsteraner Skulptur-Projekte ein Jahreshöhepunkt.

Nach Ende der Skulptur-Projekte darf die städtische Kunstkommission darüber beraten, welche Kunstwerke die Stadt von den Künstlerinnen und Künstlern kaufen soll, um Münster weiterhin kulturell zu bereichern. Neun Skulpturen wählte die Kunstkommission dieses Jahr aus, darunter auch der so genannte „Arkaden-Adler“ von Martha Rosler – ein Reichsadler ohne Hakenkreuz, der vor die Münsteraner Arkaden platziert wurde, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Arkaden dem Baustil von Albert Speer nahe kommen.


Das Kunstwerk „Unsettling the Fragments“ (Erschütterung der Fragmente) der Jüdin Martha Rosler beschäftigt sich mit der NS-Vergangenheit. Es zeigt das Adler-Emblem des ehemaligen, unter der Leitung von Ernst Sagebiel 1935 errichteten Lufttransportkommandos der Wehrmacht (heute Lufttransportkommando der Bundeswehr).
© Foto: Michael Schulze von Glaßer


Das Hakenkreuz in den Klauen des Adlers wurde nach dem Krieg weggemeißelt. Die Skulptur steht vor den „Münster Arkaden“ – einem Einkaufszentrum mitten in der Stadt.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer

Der absolute Favorit der Kunstkommission ist jedoch die „Paul Wulf Statue“, die auch von den Leserinnen und Lesern der lokalen Zeitungen zur beliebtesten Skulptur gewählt wurde. Die Statue ist ein Abbild des im Nationalsozialismus im Alter von 16 Jahren zwangssterilisierten Antifaschisten Paul Wulf. Die Statue von Künstlerin Silke Wagner und dem Umweltzentrum-Archiv-Verein trägt zu Recht den Namen „Münsters Geschichte von unten“ – die Statue ist eine Art Litfasssäule und wurde während der Skulptur-Projekte 2007 mit vier verschiedenen Themen plakatiert: Beginnend mit der „Lebensgeschichte und Gesellschaftspolitischen Arbeit von Paul Wulf“ über die „Geschichte der Hausbesetzungen in Münster“ und „Politische Zensur von Texten in Deutschland von 1970 bis heute“ und endend mit der Plakatierung „Anti-Atom-Bewegung in Münster“ war die Skulptur sehr abwechslungsreich.


Viel beachtet: Paul Wulf Standbild bei den Skulptur-Projekten Münster’07.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer


Das Standbild befand sich mitten in der Münsteraner Innenstadt am Stadthaus I.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer

Selbst die internationale Ausgabe der renommierten New York Times, die „International Herald Tribune“, hatte die Skulptur auf der Titelseite – das hat selten ein Münsteraner geschafft.

Die Absegnung durch den städtischen Kulturausschuss war nur noch Formsache – denkste! Sowohl die CDU als auch die FDP verwehrten den beiden provokanten Skulpturen – die anderen Skulpturen waren unpolitisch – ihre Stimmen. Die Wellen schlugen während der öffentlichen Sitzung des Münsteraner Kulturausschusses hoch: „Sie spucken auf das Grab von Paul Wulf!“ rief ein Zuschauer. Die Fraktion der Grünen beantragen Rederecht für ein Mitglied des nach dem Tod Paul Wulfs 1999 gegründeten „Freundeskreis Paul Wulf“, was jedoch mit der absoluten Stimmmehrheit von CDU und FDP verwehrt wurde. Eine Schulklasse, die sich während der Skulptur-Projekte mit Paul Wulfs Leben auseinander gesetzt hatte und extra zur Ausschusssitzung kam, war völlig verdutzt. Ebenso die vor den Kopf gestoßene Kunstkommission, in der übrigens auch Mitglieder von CDU und FDP sitzen. Der Direktor des Landesmuseums Dr. Hermann Arnold sprach von einem „fatalen Image-Schaden für die Stadt Münster“. Warum das Ganze?

Politische Gründe machte die CDU nicht geltend. CDU-Vertreter Berthold Socha begründete die Ablehnung des Paul-Wulf-Standbildes mit einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte: „Ich kannte Paul Wulf gut“ sagte Socha, „er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass er posthum zu einer Litfasssäule degradiert und mit Botschaften beklebt würde, die nicht die seinen sind“. Dr. Bernd Drücke vom Freundeskreis Paul-Wulf, der auch die Plakattexte für die Skulptur sowie für die dazugehörende Internetseite http://www.uwz-archiv.de geschrieben hat und ein sehr guter Freund Paul Wulfs war, widerspricht: „Wir haben bewusst Themen ausgesucht die nicht in staatlichen Bibliotheken zu finden sind und mit denen sich auch Paul Wulf beschäftigt hat“. Dr. Bernd Drücke spielt hier auf die politischen Tätigkeiten Paul Wulfs an, der sich selbst als Anarchist und Kommunist verstand. Wulf selbst lebte eine Zeit lang in besetzen Häusern und war in der Anti-Atomtod-Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr aktiv. Der am 2. Mai 1921 geborene Wulf setzte sich stark mit dem Nationalsozialismus und Zwangsterilisierungen auseinander und wurde zur Stimme der rund 350.000 durch die Nazis zwangsterilisierten Menschen, die sich für ihre Unfruchtbarmachung meist schämten und in der Öffentlichkeit nie wahrgenommen wurden. Die Paul-Wulf-Statue in Münster wäre das einzige Denkmal für Zwangsterilisierte in ganz Deutschland, so Dr. Bernd Drücke.

Der Freundeskreis vermutet hinter der Ablehnung andere Gründe als CDU und FDP zugeben: Paul Wulf gehörte nie zur Münsteraner Elite, ganz im Gegenteil war Wulf während seines Lebens arm. Das Bundesverdienstkreuz für seine gesellschaftlich wertvolle Arbeit nahm der Anarchist nicht zuletzt deshalb an, weil er dadurch eine Rente erhielt – Wulf hatte nur eine sehr karge Rente. Paul Wulf war besonders für die CDU sehr unbequem, da er in zahlreichen Ausstellungen CDUler und andere Menschen, die nach dem verlorenen Weltkrieg Karriere machten, als fanatische Nazis während des Dritten Reiches entlarvte. Daher war er konservativen Kreisen schon immer ein Dorn im Auge – einige Anschläge auf seine entlarvenden Ausstellungen sollen sogar aus Reihen der Jungen Union ergangen sein.

Dr. Bernd Drücke sieht dennoch keine einheitliche Meinung in der CDU – die Ablehnung der Skulptur ist in der Partei kein Konsens. Dennoch sieht es für den Erhalt der Skulptur schlecht aus – zwar sind genug Spenden gesammelt worden, um die Skulptur zu kaufen, doch die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, so dass sie den Verkauf der Statue blockieren kann.

Den Worten Hartmut Viehoffs (FDP) während der Sitzung mochte dann auch niemand mehr wirklich glauben schenken: „Wir arbeiten permanent und ständig an der Bewältigung unserer Geschichte“. Während der Ausschusssitzung sollen nach Anwesendenberichten auch die Worte „Wir wollen nicht dauernd an die Vergangenheit erinnert werden“ von Seiten der Wulf-Gegner gefallen sein. Viele Argumente der CDU und FDP Mehrheit scheinen an den Haaren herbeigezogen: So fürchten die Politiker, die Skulptur könnte oft beschädigt werden. Ein anderes Argument: Die Skulptur könnte beklebt oder besprayt werden – während der Skulptur-Projekte 2007 gab es einen Farbbombenanschlag auf die Skulptur. Die Politiker vergessen, dass jede Statue im öffentlichen Raum Ziel eines Anschlags werden kann – es drängt sich zunehmend der Verdacht auf, dass die Ablehnung der Skulptur einen ideologischen Hintergrund hat: Was wäre wenn Paul Wulf liberal-konservativ gewesen wäre?

Die FDP ging nun auf Distanz und schob alles auf die Münsteraner CDU: „Wir befinden uns [..] in einer Koalition, die einvernehmlich abstimmt. Dazu stehen wir“, so die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff.

Die Blockadehaltung der CDU und FDP schadet offensichtlich der Stadt Münster. Selbst der Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann (CDU) hat sich nun in die Posse eingemischt und die Diskussion für beendet erklärt – Argumente hat er keine genannt und ob das, was gegenwärtig in Münster läuft, als Diskussion bezeichnet werden kann, ist zweifelhaft: Bürgerinnen und Bürger sprechen sich in zahlreichen Leserbriefen für den Erhalt der Paul-Wulf-Statue aus – die Paul Wulf-Gegner CDU und FDP im Kulturausschuss aber ignorieren dies, wie auch schon das abgelehnte Rederecht während der Ausschusssitzung zeigte. Münster ist demnach momentan alles andere als demokratisch: Städtische Schwimmbäder wurden gegen den Willen der Bevölkerung mit der Begründung sparen zu müssen geschlossen – dafür soll eine 30 Millionen Euro teure Luxus-Musikhalle vor das bekannte Stadtschloss geklotzt werden, obwohl die Bevölkerungsmehrheit dies laut Umfragen ablehnt.

Trotz des massiven Protests scheint die Bevölkerungsmehrheit – die für den Erhalt der Paul Wulf Skulptur ist – das Nachsehen zu haben. Die knappe Entscheidung des Kulturausschusses in der Sitzung vom 7. November – eine Stimme Mehrheit – ist so schnell nicht revidierbar. Zwar soll es bald eine „Aktuelle Stunde“ im Stadtrat von Münster geben, die sich mit dem Thema beschäftigt, aber eine Entscheidung kann wohl erst wieder nach einer Frist von sechs Monaten gefällt werden – rechtliche Hindernisse.

Weitere Informationen zu Paul Wulf und der Statue sowie einen Pressespiegel findet sich auf der Website des Umweltzentrum Archiv e.V.: http://www.uwz-archiv.de und auf http://www.paul-wulf.net gibt es weitere Informationen über Paul Wulf und die Skulptur-Projekte 2007.

Im März 2007 erschien das sehr empfehlenswerte Buch „Lebensunwert?“ über NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand, dass sich mit den Schicksalen von Paul Wulf und dem Zwangspsychiatriesierten Paul Brune befasst, im Verlag Graswurzelrevolution – Herausgegeben vom Freundeskreis Paul Wulf (208 Seiten; 14,90 EUR; ISBN 3-939045-05-5).