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Die Farbe der Arschkarte

onlineredaktion – Sie hätten besser auf Henryk M. Broder hören oder seinen Artikel „Der programmierte Eklat“ in SPIEGEL-Online lesen und schweigen sollen: Laut Hamburger Abendblatt belehrten die Hamburger Tobias Hagen und Fabian Rehberg von der Jungen Union (JU) den ZDF-Moderator Johannes B. Kerner in einem Schreiben nach dem Rauswurf der wegen ihrer Äußerungen umstrittenen Ex-NDR-Mitarbeiterin Eva Herman aus Kerners Talk-Sendung. Niemand sei Nazi, schreiben sie, „nur weil er Fakten aus dem Dritten Reich kennt und benennt.“ Hagen und Rehberg erinnern dann daran, Hitler habe eine Truppenvergrößerung an den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt (1934) gekoppelt: „Ein, aus Hitlers Sicht, überaus kluger Schachzug. Sind wir deshalb Nazis, weil wir von einem klugen Schachzug Hitlers sprechen? Na wohl kaum!“

Henryk M. Broder hatte zuvor in Spiegel-Online geschrieben: „Es gibt eine Regel bei Diskussionen über aktuelle Themen, die sich jeder Teilnehmer merken sollte: Wer zuerst Hitler, Nazis, Drittes Reich sagt, hat die Arschkarte gezogen. So einer ist entweder NS-Sympathisant oder – noch schlimmer – er missachtet das 11. Gebot: Du sollst nicht vergleichen!“
Wie das Hamburger Abendblatt heute schreibt, sorgt das Schreiben von Hagen und Rehberg derzeit für einen „erheblichen Wirbel“. Der Vorsitzende des JU-Kreisverbands Wandsbek, Dennis Thering, soll gesagt haben, in der JU sei man entsetzt und betroffen: „Wir distanzieren uns entschieden von den gemachten Äußerungen.“ Der Brief von Hagen und Rehberg an Kerner sei nicht abgesprochen gewesen, soll JU-Chefin Ina Diepold dem Hamburger Abendblatt gesagt haben. Nachdem sie ein ernstes Gespräch mit Hagen und Rehberg geführt habe, will sie beide über die Reaktionen „sehr betroffen““ erlebt haben. Dennoch soll in der JU in Kürze über die Konsequenzen für die Briefeschreiber entschieden werden. Alles ist drin: Eine Rüge, eine Ämterenthebung und sogar der Rauswurf aus der JU drohen nun angeblich Tobias Hagen und Fabian Rehberg.

spionage

Guantanamo: Gefangene „mussten auf den Koran urinieren“

World Content News – Einer der jüngsten in Guantanamo inhaftierten Gefangenen, Mohamed Lemine Ould Sidi Mohamed, ist nach fünfjähriger Gefangenschaft seit letzter Woche wieder in Freiheit, berichtet die BBC. Der gebürtige Mauretanier soll eigenen Aussagen zufolge physisch und psychisch schwer gefoltert worden sein, nach seinen Beobachtungen wurden Muslime dazu gezwungen, vor den Augen bewaffneter Wärter auf den Koran zu urinieren. Er war zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Jahr 2002 gerade mal 17 Jahre alt. Über die Umstände seiner Verschleppung ist nur wenig bekannt.

His family is calling for his immediate release because this young man is innocent. He has nothing to do with al Qaeda or terrorism,“ sagte ein Aktivist, der sich für die Befreiung von Mohamed einsetzte

Weiterhin in Haft sind die Mauretanier Ahmed Ould Abdelaziz, 37, und (entgegen einer ersten Meldung) Mohamedou Ould Slahi, 36. Slahi, der in Deutschland lange studiert und gearbeitet hatte, wurde laut Amnesty International Ende November 2001 von mauretanischen Behördenvertretern festgenommen, nachdem er sich selbst gestellt hatte. Acht Tage später wurde er nach Jordanien überführt, wo er nach eigenen Angaben gefoltert wurde. Nachdem er acht Monate lang ohne Kontakt zur Aussenwelt in Militärhaft gehalten worden war, wurde er von der CIA am 19. Juli 2002 nach Afghanistan verschleppt, wo er erneut misshandelt worden sein soll.

Er ist einer der Opfer, dessen Entführung sich anhand von Flugdaten nachweisen lässt: Täterflugzeug war eine Gulfstream mit der Registriernummer N379P , bekannt auch als „Guantanamo-Express“.

Flugdaten N379P:

18.07.02 von Washington nach Frankfurt
18.07.02 von Frankfurt nach Adana-Incirlik
18.07.02 von Adana-Incirlik nach Frankfurt
19.07.02 von Frankfurt nach Amman,Jordanien
19.07.02 von Amman, Jordanien nach Kabul

21.07.02 von Islamabad, Pakistan nach Rabat, Marokko
22.07.02 von Rabat, Marokko nach Shannon, Irland
23.07.02 von Shannon, Irland nach Washington DC

Dieses Flugzeug ist heute für den reichsten Mann Australiens, James Packer, im Casino-Geschäft unterwegs, dem auch eine enge Bindung zur Scientology Church nachgesagt wird. Erst im Sommer hatte der 7,25 Milliarden Dollar schwere Medienverleger und Besitzer der Crown-Hotelkette das Star-Model Erica Baxter mit einer besonderen Zeremonie geheiratet, bei der auch sein enger Freund Tom Cruise und Rupert Murdoch anwesend waren. Die aktuelle Registriernummer der berüchtigten Gulfstream (Serien-Nr. c/n 581) ist derzeit VH-CCC.

Deutschland spielte als Ausgangspunkt für die Verbringung von Ould Slahi nach Kabul offenbar eine wichtige Rolle:

Kurz zuvor, vom 17.-19. Juli gaben sich unüblicherweise in Frankfurt/Main gleich vier Entführungsflugzeuge regelrecht die Klinke in die Hand: Der investigative Journalist Stephen Grey, der maßgeblich dafür gesorgt hat, dass die geheimen Flüge der CIA der Öffentlichkeit und den Sonderermittlern des Europaparlaments bekannt wurden, notiert auf seiner Webseite:

July 17-19, 2002 – CIA planes meet in Frankfurt. Within two days, logs show N85VM (The ‘Red Sox’ Gulfstream), N8183J (Rapid Air Transport/ Tepper AC130), N379P, (the Gulfstream 5, /Premier Executive), N168D, (Devon Holding and Leasing) visit the airport (Quelle: ghostplane.net)

Stellt sich die Frage: War der sonst so aufmerksame Bundesnachrichtendienst über diese Flüge informiert, wurden etwaige Informationen an die damalige Bundesregierung weitergegeben?

Nach zwei Wochen Aufenthalt in Kabul wird Ould Slahi am 5. August 2002 nach Guantanamo Bay überstellt.

In der Folgezeit scheint der Informationsfluss zwischen der USA und Deutschland hervorragend gewesen zu sein: Bereits am 23. September trifft eine Delegation des Bundesnachrichtendienstes (BND) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) auf Guantanamo ein, um den gebürtigen Bremer Murat Kurnaz und eben auch Ould Slahi zu vernehmen. Darunter soll auch ein Mann gewesen sein, der Kurnaz nach dessen Aussagen im April 2004 noch einmal aufsuchte und ihm eine Motorradzeitschrift aus Deutschland mitbrachte. Dessen Beschreibung soll eine verblüffende Übereinstimmung mit der Schilderung von Khaled el Masris mysteriösen Befrager „Sam“ in seiner Gefangenschaft in Kabul ergeben haben, lediglich bei der Körpergröße gab es eine Differenz von fünf Zentimetern.

Stellt sich die Frage: Wie schnell wurden die Beamten soweit gebrieft, um auch Ould Slahi ausführlich vernehmen zu können?

Slahi wird wohl weniger Hoffnung eingeräumt bald freizukommen wie sein Landsmann Sidi Mohamed. Erst vor wenigen Wochen geisterte eine Meldung durch die Presse, dass Ould Slahi die Attentate des 11. September maßgeblich mit vorbereitet haben soll. Als bisher in der Öffentlichkeit bekannt gewordenes Indiz wird aber lediglich die Aussage von Ramzi Binalshibh herangezogen, er habe zusammen mit zwei Mitgliedern der Hamburger Terrorzelle um Atta, nämlich Ziad Jarrah und Marwan Al Shehhi, den mauretanischen Studenten Ould Slahi im Oktober 1999 in Duisburg getroffen. Der habe ihnen Hinweise und Kontakte für die Einreise nach Afghanistan und ein Treffen mit Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden verschafft.

Dies soll sich also volle zwei Jahre vor den Anschlägen ereignet haben. Man kann durchaus davon ausgehen, dass das Geständnis Binalshibhs unter schwerer Folter erzwungen wurde.

Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

vermischtes

Auf zum letzten Gefecht!

Karl Weiss – Heribert Prantl, der Leiter der Redaktion Innenpolitik der „Süddeutschen“ hat sich schon verschiedentlich als weitblickender Journalist bewiesen. Wenn er einen Kommentar schreibt, wird er in der Sozialdemokratie meist mit Aufmerksamkeit gelesen.

Er hat nun am 5. Oktober in einem Kommentar so etwas wie das Ende der Demokratie vorausgesehen, wenn die Enteignung der Steuer- und Sozialabgabenzahler so weitergeht. Er sieht die Möglichkeit, die Mehrheit des Volkes könnte sich erheben gegen die steigenden Zumutungen und kleidet das in die Worte: „Es geht darum, die Demokratie zu sichern.“

Er darf natürlich nicht die Wahrheit schreiben: „Es geht darum, den Kapitalismus zu sichern.“, sonst wäre er seinen Job schnell los. So verwendet er denn den Begriff Demokratie, der eigentlich etwas ganz anderes meint, genauso wie Präsident Bush als Synonym für Kapitalismus.

So gesehen ist sogar Pakistan ein demokratisches Land, wie jetzt behauptet wird, wenn dort Wahlen stattfinden. Die kleine Nebensächlichkeit, dass eine Militärdiktatur herrscht und auf den Straßen ist, der Diktator gleichzeitig Chef der Armee und Hauptkandidat ist und Gegenkandidaten deportieren ließ, spielt da keine Rolle. Er sichert die „Demokratie“.

Was Prantl im wesentlichen sagt, ist einfach: Wenn es so weitergeht, wird die SPD bald zu einer Splitterpartei verkommen sein. Darum muss einiges ein klein wenig zurückgenommen werden an der Agenda 2010. Im wesentlichen will er drei Dinge: Die von Beck bereits vorgeschlagene Verlängerung des Arbeitslosengelds I, die von Müntefering befürwortete Einführung eines Mindestlohns und eine Mindestabsicherung im Alter. Ebenso deutet er an, man müsse den Freibetrag für Erspartes im Hartz IV erhöhen. Das sei, so unkt er, das Gefecht um das Überleben der Sozialdemokratie und nennt denn auch seinen Kommentar „Das letzte Gefecht der SPD“.

Der Begriff „das letzte Gefecht“ stammt aber aus der ‚Internationalen’, wo geschmettert wird „Auf zum letzten Gefecht!“, dem Lied des Sozialismus-Kommunismus. Nicht von ungefähr kam ihm diese Assoziation, denn das ist es genau, wovor er vor Angst bibbert, was ihm die kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen lässt: Die Arbeiter zusammen mit den anderen Teilen des Volkes lassen sich nicht mehr alles gefallen, proben den Aufstand und führen ihn dann auch durch. Das will er verhindern, wenn er sagt, die „Demokratie“ müsse gerettet werden.

Er hat nämlich, so wie andere Weitblickende auch schon, die deutliche Linkstendenz im deutschen Volk gemerkt, die zeitgleich mit einer Rechtstendenz der Politikerkaste und der Wirtschafts- und Finanzbosse abläuft. Er hat die Umfragen gelesen, wo fast 50% der Befragten bundesweit erklärten, sie fänden die Idee des Sozialismus gut, sie sei in der DDR nur nicht verwirklicht worden.

Er bemerkt, die Menschen lassen sich nicht mehr so leicht gegen Streiks aufhetzen, wie es seine Zeitung unter seiner Verantwortung gerade gegenüber dem Streik der Zugführer versucht hat. Ein wenig oberhalb seines Kommentars kann mal lesen: Der Streik wurde weithin mit Verständnis aufgenommen.

Er hat registriert, dass es nicht gelungen ist, die Montagsdemonstrationen abzuwürgen. Er weiss, sie können jederzeit wieder zum Sammelbecken der Empörten werden, wenn eine der nächsten Brutalitäten fällig ist.

Er ist sich vermutlich bewusst, wie die MLPD, gerade 25 geworden, an Rückhalt gewinnt und bereits Streiks ausgelöst und beeinflusst hat. Er ist sich deren Mitgliederwachstum bewusst und dass sie eben dabei ist, die relative Isolation, in der sie sich befand, zu durchbrechen.

Er spürt wohl, die alten Mittel des Antikommunismus, zu schreien „Stalinismus! Stalinismus!“ und „Bolschewiken, Bolschewiken!“ wirken nicht mehr wie früher.

Denn alles Ideelle, so lehrte Marx schon im vorletzten Jahrhundert, hat eine materielle Basis. Die materielle Basis des Reformismus, gleichlautend mit SPD und Rechte Gewerkschaftsführung, ist auf Dauer ausgehöhlt, nur noch Hülse fast ohne Inhalt. Da bricht auch der Überbau zusammen, der sich auf der materiellen Grundlage von Lohnsteigerungen, Altersabsicherung, Arbeitlosen-Vergütung und sozialen Rechten erhob.

Man höre, wie er das auszudrücken beliebt: „Soziale Rechte sollen den Zusammenhalt der Gesellschaft wahren. Wenn das nicht mehr Agenda der Politik ist, dann verwahrlost zuerst die Sozialdemokratie und dann die Gesellschaft.“

Nun, wenn das Verwahrlosung ist, dann kann man nur sagen: „Wacht auf, Verdammte dieser Erde! Verwahrlost Euch!“

vermischtes

Geissbock Zottel im Krieg von Bern?

Stephan Fuchs – Allen voran freut es Christoph Blocher, Bundesrat und Ikone der rechtsaussen Bürgerpartei „Schweizerische Volkspartei“ SVP. Er und der SVP Glücksbringer Geissbock Zottel konnten ihren geplanten Volksdemonstrationszug vom Bärengraben bis zum Bundesplatz nicht wie geplant einhalten. Terroristen haben – laut SVP Grossrat Thomas Fuchs, die Polizei und friedliche Kundgebungsteilnehmer frontal angegriffen und verhinderten das geplante Volksfest auf dem Bundesplatz. Der Festplatz wurde von „Terroristen“ zerstört.


Krieg in Bern

Auf dem Bundesplatz sollen Kriegsszenen geherrscht haben. Weinende Frauen die ihre Männer suchten, blutende schreiende Menschen die sich von der Polizei verlassen fühlten und sich schutzlos dem Mob ausgesetzt sahen. Das gross des SVP Demonstrationszuges, eben die 10’000 Mann, mit Trycheln (Viehglocken) Alphörnern, Sennentrachten und Jodlern, mussten gleich nach der Nydeggbrücke, keine 500 Meter nach dem Start der Manifestation eine Schleife drehen und in der Nähe der Matte am Fluss der Aare das Folksfest feiern. Die Matte galt jeher als Seuchenquartier.

10’000 Schweizer und Schweizerinnen seien in über 60 Reisecars und Extrazügen nach Bern gepilgert um dem angeschlagenen Bundesrat Blocher und der Partei den angebrochenen Rücken zu stärken. Mit Zottel waren auch hunderte von Kindern in den Reihen des Demonstrationszuges. Einhellig sprechen alle von 10’000 Eidgenossen. Die Schweizerische Depeschen Agentur und dem zu Folge alle Medien, haben diese Zahl ohne wenn und aber übernommen.

Auch wenn die Extrazüge mehr oder weniger leer waren, in Wankdorf etwa 300 Leutchen am Stade de Suisse zum Sammelplatz vorbeimarschierten und in Bern über den Hauptbahnof etwa 100 Basler nach Bern gezogen sind, multipliziert mit den 26 Kantonen, dann kommt die Zahl 2600 – höchstens 3000 eher hin. Mehr passen denn auch nirgendshin, da wo die „Eidgenossen“ ihrem Fürsten bei der Felsenburg lauschten. Jener war, bereits auf der Nydeggbrücke von Sicherheitspersonal dermassen eingekesselt, dass man sich fragen muss, ob Bundesrat Blocher nicht vielleicht eine Vorahnung gehabt habe?


Blocher freuts

Was über die Medien, allen voran von Blick und 20Min zu einem terroristischen Kriegsszenario hochstilisiert wurde und von der SVP wiederum dankbar aufgenommen und in sich bestätigend als „Linke Gewalt zerstört die Demokratie“ in die Rückfuhrschlaufe kommuniziert wird, lässt sehr sehr viele Fragen offen.

Wie passen 10’000 Schweizer auf einen so kleinen „Alternativfestplatz“. Wieso sieht man auf den Filmen und Fotos keine „hunderte von Kindern“? Was geschah mit den gesichteten Nazis und „Faschos“? Wie konnte so schnell die nötige Technik und Logistik bereitgestellt werden? Mal unter uns: waren das denn wirklich „linke Chaoten“, die das Volksfest der SVP gestört haben und Herrn Blocher so gut in die Hände gespielt haben?

Agent Provocateur – Welche Glatze passt unter welche Kaputze?
Bundesrat Blocher’s Kontakte zum Geheimdienst
Right wing leader Blocher elected to the Swiss federal Council
SVP Demomitschnitte Bern

afrika

Ein Besuch in Afrika

Dr. Alexander von Paleske – Bundeskanzlerin Merkel besucht dieser Tage einige wenige Staaten in Afrika. Äthiopien, Liberia und Südafrika stehen auf dem Reiseprogramm. Nach Ghana braucht sie nicht, deren Präsident Kufuor, der auch derzeit Präsident der Afrikanischen Union ist, kam nach Äthiopien.

Was hat Frau Merkel im Gepäck? Da lohnt es sich das Interview in der Wochenzeitung „ZEIT“ zu lesen. Dieses lässt sich auf drei Eckpunkte reduzieren.

China und Afrika.
Langsam dämmert es auch der deutschen Regierung, dass Europa und Deutschland gegenüber China ins Hintertreffen geraten. China leistet in grossem Umfang Entwicklungshilfe und hat seit dem Bau der Tazara-Eisenbahn, eine 1850 km lange Eisenbahnstrecke die Dar-es-Salaam/Tansania mit dem Kupfergürtel Sambias verbindet, enormen „Good Will“ in Afrika. Die Strecke wurde vor 32 Jahren nach zehnjähriger Bauzeit von zehntausenden chinesischer Arbeiter und Ingenieure zusammen mit zehntausend afrikanischen Arbeitern fertiggestellt, zu einem Zeitpunkt, als China selbst noch ein Entwicklungsland war.

China hatte darüber hinaus konsequent alle Befreiungsbewegungen in Afrika unterstützt und verfolgte und verfolgt eine strikte Politik der Nichteinmischung. Der legendäre tansanische Staatspräsident Julius Nyerere war insgesamt 13 mal zu Staatsbesuch in China.

Das Interesse an Afrika konzentriert sich in erster Linie auf die Rohstoffe, wobei an der an der Spitze Erdöl, Eisenerz, Kohle, Coltan und neuerdings wieder Uran stehen. In zweiter Linie dann als Absatzmarkt.

Die Antwort der USA, die 25% des international geförderten Erdöls für sich verbrauchen, auf diese Herausforderung kennen wir: Es ist eine militärische Antwort und heisst Africa-Command (Africom), zur Zeit noch in Stuttgart- Möhringen, das aber jetzt aber nach Botswana verlegt werden soll.

Mittlerweile liefert Angola einen erheblichen Teil seiner Erdölausfuhren nach China und hat dabei insoweit Saudi-Arabien überholt.

Europa und Afrika
Im Dezember soll die Europäisch-Afrikanische Konferenz in Portugal stattfinden, ein Gegenstück zu dem chinesisch-afrikanischen Gipfeltreffen im November letzten Jahres in Beijing.

Hier macht allerdings der britische Premier Gordon Brown Probleme, weil er auf gar keinen Fall mit Simbabwes Diktator Robert Mugabe zusammentreffen will.

Das verwundert, denn Grossbritannien hatte sich ja auch nicht gescheut, über Jahrzehnte das Apartheidregime in Südafrika zu unterstützen und Sanktionen strikt abgelehnt, von den guten Kontakten zu Zaire’s (heute Demokratische Republik Kongo) seinerzeitigen Präsidenten Mobuto Sese Seko ganz zu schweigen. Da ist Frau Merkel einfach pragmatischer: Wir können wegen Robert Mugabe doch Afrika nicht einfach China überlassen.

Klimaschutz
Hier hätte man gerne gehört, wie dem Treiben der internationalen Holzkonzerne, die jetzt in Angola und im Kongo, aber auch in Westafrika dem Tropenwald den Garaus machen, Einhalt gebieten will, zum Beispiel durch das Verbot oder zumindest die Beschränkung der Einfuhr dieser Tropenhölzer. Leider Fehlanzeige.

Südafrika und DIE ZEIT
Zu Südafrika findet sich ein längerer Artikel von Bartholomäus Grill, dem ehemaligen Südafrika-Korrespondenten der ZEIT . Der Artikel überrascht, weil er Thabo Mbeki über den grünen Klee lobt und gleichzeitig das Gespenst einer drohenden Nachfolge durch den ehemaligen Vizepräsidenten Jacob Zuma an die Wand malt.

Vergessen machen will der Artikel, der vor allem auf das gute Wirtschaftswachstum Südafrikas unter Mbeki verweist dass

Mbeki eine sechsjährige Wahnfahrt in Sachen AIDS hinter sich hat, die vielen Menschen in Südafrika das Leben gekostet hat und noch kosten wird.

Mbeki seine Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang , die wegen Diebstahls an Patienten in Botswana vorbestraft ist und dort für 10 Jahre des Landes verwiesen wurde, statt zu feuern oder auf das Altenteil zu schieben, politisch massiv unterstützt hat. Die ausserdem Südfrika durch die Propagierung von Knoblauch und Rote Bete als Mittel gegen AIDS sich und Südafrika der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

Mbeki die stellvertretende Gesundheitsministerin Madlala-Routledge, die ein vernünftiges Programm gegen AIDS auf die Beine stellt hatte, als die Gesundheitsministerin wegen alkoholbedingtere Leberzirrhose sich einer Lebertransplantation unterzog, unter fadenscheinigen Gründen gefeuert hat.

Mbeki gegen den ausdrücklichen Rat seines Vorgängers Nelson Mandela, statt Cyril Ramaphosa den angeblich korrupten Jacob Zuma zum Vizepräsidenten machte, der, so lamentiert Herr Grill, nun Präsident werden könnte. Mbeki schlug den Rat Mandelas in den Wind und suchte stattdessen einen schwachen Vizepräsidenten und fand jemanden, von dem er glaubte, dass er nach seiner Pfeife tanzen würde. Ein grosser Irrtum

Die Kriminalität, vor allem die unbeschreibliche Gewaltkriminalität, unter Mbeki massiv weiter angestiegen ist und damit viele Professionals ins Ausland treibt.

Das Problem Robert Mugabe im heruntergekomenen Nachbarland Simbabwe, trotz siebenjähriger diplomatischer Bemühungen Mbekis keinen Schritt einer Lösung näher gebracht wurde. Ein Kollossalversagen Mbekis, des Mannes, der gerne Shakespeare zitiert wobei ihm offenbar der „ Hamlet“ nicht so geläufig ist „Es ist etwas faul im Staate ….“

Afrika erwartet von der EU keine Belehrungen, sondern den Abbau der Zollschranken, das ware der beste Beitrag zur Uberwindung der Armut, aber so etwas hat Frau Merkel natürlich nicht im Gepäck, obwohl es Bundespräsident Köhler dieser Tage ja wieder gefordert hat.

Heuchler, Helden und Pillendreher
Eine Verhaftung und ein Todestag.
Der Freie Fall eines Erzbischofs.
Simbabwe: Putschversuch – Polizisten quittieren Dienst, Hunger allenthalben
Südafrika: Thabo Mbeki auf dem Kriegspfad
Südafrika: Tokyo Sexwale kandidiert
Tokyo Sexwale nächster Präsident Südafrikas?
Machtkampf am Kap
Bulelani Ngcuka and his Apartheid Soldiers
Simbabwes 27. Geburtstag: Kein Grund zum Feiern, außer für Mugabe und seine Lakaien
SIMBABWE – Polizei mordet, Minister buddeln nach Diamanten
Machtkampf am Kap
Tokyo Sexwale nächster Präsident Südafrikas?
Simbabwe – Katholische Bischöfe warnen vor Massenaufstand
Simbabwe – Streiks im Öffentlichen Dienst
Söldner für das letzte Gefecht – Angolanische Crack-Unit kommt nach Simbabwe“
Erzbischof greift Südafrikas Haltung im Simbabwe-Konflikt an
Simbabwe – Regierungsterror ohne Ende
Simbabwe vor Bürgerkrieg
Präsident der Afrikanischen Union distanziert sich von Mugabe
Simbabwe: Oppositionspolitiker schwer gefoltert
Mugabes Ende naht, Polizei schiesst mit scharfer Munition.
Zimbabwes Diktator Mugabe feiert seinen 83. Geburtstag – und sein Volk hungert
Ob die Israelis noch zuhören? Seht euch Zimbabwe an!
Zimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
Südafrika: Thabo Mbekis Abschlussplan ohne AIDS

Krieg

Der Zauber der Zahl 9 – Burmas Generäle und der Aberglaube

Malte Olschewski – Unter tosendem Jubel kam der Erlöser im Jahr 2003 auf einem Floss den Irrawadifluss herunter. Er wurde von geschmückten Soldaten in einen eilig errichteten Tempel geleitet. Mönche stimmten Gesänge an. Man schlug den Gong. Die Generäle der Staatsführung verneigten sich mehrfach. Dann warf man dem Erlöser riesige Mengen Blätter zum Frass vor, denn der neue Messias von Myanmar war ein weisser Elefant. Nach altem Volksglauben bringt ein Elefant mit einer Albinohaut seinem Finder grosses Glück und muss daher in Burma (Myanmar) sofort per Adresse der regierenden Militärjunta abgeliefert werden. Die Politik Myanmars muss immer mit einem Blick auf die Staatsgewalt des Aberglaubes beschrieben und verstanden werden.


Die Generäle um Than Shwe, die Ne Win an der Macht nachgefolgt waren, standen zwar nicht mehr unter der Diktatur der Zahl 9, waren aber dennoch extrem abergläubisch.

Die Burmesen sind ein kriegerisches, doch extrem abergläubisches Volk. In der Vergangenheit hatten sie mehrmals ihre thailändischen Nachbarn überrannt und besiegt. Burma war einer der Hauptschauplätze im Zweiten Weltkrieg. Anfangs waren die Burmesen mit Japan verbündet. Da ihnen Tokio die Unabhängigkeit nicht geben wollte, begann Aung San mit britischer Hilfe einen Guerillakrieg gegen die Japaner. 1947 hat er den Briten die Unabhängigkeit entwunden. Aung San wurde bei einer Kabinettsitzung erschossen. Er gilt als Nationalheld und Staatsgründer. Das ist so ziemlich der einzige Konsens, der zwischen den seit 1962 diktierenden Militärs, der demokratischen Opposition und den vielen Minoritäten des Landes aufzufinden ist.

Die Kampfkraft der burmesischen Armee wird durch die bewaffneten Truppen der Minderheiten stark eingeschränkt. Die mit den Thais verwandten Shan, die christlichen Karen, die Kachin und die Mon kämpfen alle für einen eigenen Staat oder für mehr Unabhängigkeit. Dem Regime in Rangun gelang es, Teile des „Roten Wa“ von der chinesischen Grenze nach Süden umzusiedeln und als Speerspitzen gegen andere Volksgruppen einzusetzen. Als Gegenleistung wurde den Wa die Herstellung von Opium und die Produktion von Amphetaminen erlaubt, die sie nach Thailand und weiter nach Europa und in die USA schleusen. Armeechef Ne Win (d.h. Glänzende Sonne/ 1911-2002/ Amtszeit: 1962-81) hatte 1962 in einem Putsch die Macht an sich gerissen und eine vorsichtige Demokratisierung beendet. Seine „Sozialistische Programmpartei“ ging mit Unterstützung Chinas auf kommunistischen Kurs.

Ne Win aber traute weniger Karl Marx als der Zahl „9“. Er war Nummerologe, da ihm ein Magier versichert hatte, er sei der neunte, illegitime Sprössling der historischen Alaungpaya-Dynastie. Daher wurde die Zahl 9 zum Programm der Programmpartei. Der 9.9. wurde ein Staatsfeiertag. Ne Win suchte Burma entlang dieser Zahl neu zu ordnen, was katastrophale Folgen hatte. Dem Schein nach trat er 1981 vom Amt des Staatschefs zurück, behielt aber als Parteichef alle Macht. Das bisherige Zehnersystem war ihm ein Dorn im Auge.

Daher zog er 1985 die Banknoten von 50 und 100 Kyat aus dem Verkehr und ersetzte sie durch 45 und 90 Kyat. 1986 war der 75. Geburtstag des obersten Nummerologen mit 75 Kyat zu feiern. Ne Win trat auf den Scheinen nie auf und überließ das Kopfbild seinem ehemaligen Mitkämpfer Aung San, wobei mythische Figuren und Fortschrittsbilder auf den Rückseiten wechselten. Höchste Note blieben 90 Kyat, doch war Aung San vom Geld bald verschwunden, da seine Tochter Aung San Suu Kyi mit der Opposition gegen New Win begonnen hatte. Daher trat der historische Bauernrebellen Seya San auf den Neunziger als der höchsten Banknote.

Ne Win baute sich einen Palast, in dem alle Maße durch die Zahl 9 bestimmt waren. Als er bezichtigt wurde, kommunistischen Linkskurs zu steuern, befahl er per Dekret einen Fahrbahnwechsel auf die rechte Straßenseite. Da nur wenige Burmesen ein Auto hatten, hielt sich der Schaden in Grenzen. Ne Win trat 1981 als Staatschef zurück, behielt aber als Parteichef die Fäden in der Hand. Dies auch, um seine Tochter Sanda als Nachfolgerin aufzubauen. Am 8.8.1988 begannen Studentenunruhen gegen Programmparteichef Ne Win und die herrschende „9“. Für Ne Win war alles klar: Die 8 rebelliert gegen die 9.

Das konnte Ne Win nicht dulden. Er liess die Unruhen blutig niederschlagen. Es soll über 2000 Tote gegeben haben. Im Gegenzug ließ der abergläubige Diktator am 9.9.1988 (dreimal 9 gegen zweimal 8) die Militärjunta mit dem Akronym SLORC gründen. Für den 27.5.1990 (2 plus 7 sind 9 samt zweimal 9 in der Jahreszahl) wurden all-gemeine Wahlen ausgeschrieben. Fast 100 Parteien beteiligten sich am Urnengang. Die Wahlen wurden von der Demokratiebewegung unter Führung von Aung San Suu Kyi gewonnen. Die Militärs annullierten die Ergebnisse und schlugen die folgenden Demonstrationen neuerlich nieder. Kyi wurde unter Hausarrest gestellt. Aber auch Ne Win wurde langsam von jüngeren Kräften entmachtet.

Mit dem Aufstieg des Geheimdienstchefs Khun Nhint verbanden sich viele Hoffnungen, doch auch er ist von dem „alten Kameraden“ um Than Shwe gestürzt worden. Der Name des Landes wurde 1989 in „Union von Myanmar“ geändert. Die nummerologische Währung wurde abgeschafft. Man kehrte zum Dezimalsystem zurück. Burma war ins Kreuzfeuer internationaler Kritik geraten. Aug Sans Tochter war mit 1991 dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Sie steht seitdem unter Hausarrest und verweigert das Exil. Sie sieht ihrem Vater ähnlich. Große, von Banknoten abgenommene Kopien seines Porträts waren bei den Studentenunruhen aufgetaucht.

Die Zahl „9“ droht weiter aus dem Hintergrund. Das Militär ließ vor dem 19.9.1999 hunderte Personen verhaften, weil man am Tag der fünffachen Neun einen Aufstand befürchtete. Ne Wins Clan war langsam entmachtet worden. Sanda Win verlor ihre Posten. Die von Zahlen berauschte Familie scheiterte am 2.2.2002 mit einem Putsch. Monate danach ist Ne Win gestorben. Sein letzter Wunsch ist ihm erfüllt worden. Er hat das neunte Lebensjahrzehnt erreichen dürfen.

Die Generäle um Than Shwe, die Ne Win an der Macht nachgefolgt waren, standen zwar nicht mehr unter der Diktatur der Zahl 9, waren aber dennoch extrem abergläubisch. Ziffern und Zahlen erklären ihnen die Welt. Juntachef Than Shwe hält sich eine oberste Wahrsagerinn, die vom Volk ehrfürchtig als „ET“ bezeichnet wird. Von ET stammt die Idee, im Landesinneren eine neue Hauptstadt zu errichten. Unter enormen Kosten hat man in einer Einöde die Stadt Naypyidaw (Königliches Land) errichtet. Der Erstbezug soll von ET mit dem 6.11.2005 festgelegt worden sein. Die Junta fühlte sich durch Zuspruch von ET vor weiteren, gefährlichen Kalendertagen sicher, wäre da nicht der 9.9.2007 (Zweimal 9 mit 2 plus 7 „ 9 in der Jahreszahl) gewesen. Es war genau der Tag, an dem sich ein paar wenige Mönche erstmals aus den Tempeln und Pagoden gewagt hatten.

vermischtes

Brasilien: Oberstes Bundesgericht nimmt Anklagen gegen Vertraute Lulas an

Karl Weiss – Die von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss angeklagten Politiker der PT Lulas und andere Vertraute des brasilianischen Präsidenten wurden vor dem obersten Bundesgericht angeklagt. Es nahm fast alle Anklagen gegen alle Angeklagten an und wird nun in einem langen Gerichtsverfahren die Schuld zu klären haben.

Vor etwa eineinhalb Jahren (März 2006) wurde ein umfangreiches mafia-gleiches System der Bereicherung aus Steuergeldern, der Korruption und von nicht deklarierten Spendengeldern von Lulas PT in Brasilien mit dem Abschlussbericht eines Untersuchungsausschusses des Parlaments offiziell verurteilt. Der Skandal, der zunächst als „Mensalão“ in die Schlagzeilen kam, dann aber weit über monatliche Korruptionsgelder an verbündete Politiker hinausging, führte zum Rücktritt praktisch der ganzen Führungsspitze der PT mit Ausnahme von Lula selbst.

Der Höhepunkt des Skandals war erreicht, als im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses Super-Minister Palocci zurücktreten musste, der wichtigste Vertraute Lulas, der bei einem Versuch erwischt wurde, seine Verwicklung in eine ähnliches Korruptions-System aus seiner Zeit als Bürgermeister der großen brasilianischen Stadt Ribeirão Preto zu vertuschen, indem er seine Macht missbrauchte, um eventuell belastende Dokumente gegen einen Zeugen zu erlangen, der gegen ihn ausgesagt hatte.

Was die Entlassung des Finanzministers Palocci damals so bedeutsam machte, ist die Tatsache, daß er es war, der ohne Zweifel die Richtlinien der brasilianischen Politik bestimmte. Lula war und ist ein begabter Schauspieler, eine Symbolfigur –ähnlich wie Bush jr. – gut als Darsteller, aber unfähig, eine eigene Politik zu entwickeln. Brasilianische Politik – und das gilt für die meisten Entwicklungsländer – heißt zu bestimmen, wieviel Prozent Zinsen man den imperialistischen Regierungen, Banken und Großkonzernen pro Jahr zahlt. Zahlt man soviel wie von Weltbank und Internationalem Währungsfond gefordert – und das war die Politik Paloccis – bleibt sowieso kaum noch etwas übrig, von dem man noch irgendetwas anderes bezahlen könnte. Wenn sich Politik fast ausschließlich auf Dinge bezieht, die nichts oder fast nichts kosten, z.B. Aussenpolitik, ist das logischerweise etwas spärlich.

Paloccis Politik lautete damals, 18 bis 19 Prozent Zinsen jährlich auf die Milliarden-Schulden zu zahlen. Das war wohlgemerkt der Leitzins (heute bei etwa 11%). Mit anderen Worten, alle internationalen Spekulanten konnten, wenn sie ihr Geld in brasilianischen Regierungsanleihen anlegten, eine phantastische Superverzinsung erreichen, die sonst nur mit extrem riskanten Hedge-Fonds, mit noch riskanteren reinen Spekulationen oder ähnlichen Anlagen möglich ist.

Abzüglich der Inflation, die unter 5 Prozent jährlich lag (und auch heute noch liegt), ergab das um die 13 Prozent Netto-Zinserlöse. Das zahlt nicht die Aktie des profitabelsten Konzerns, nicht der KKR-Hedge-Fond, nicht einmal der Besitz einer Goldmine gibt soviel her. Mehr gibts nur noch, wenn man in illegale Geschäfte einsteigt – was daher von vielen Superreichen auch immer mehr getan wird.

Brasilianische Regierungsanleihen sind natürlich nichts, wo Otto Normalverbraucher Geld anlegen könnte, so er denn welches hat. Allein die Kosten für den Kauf oder Verkauf gehen in die Tausende von Dollar. Das lohnt sich also nur, wenn man im Bereich von zig oder Hunderten von Millionen oder mehr anlegt, dann sind diese Kosten verschwindend.

Der neue Minister Mantega, Nachfolger Paloccis, versicherte denn auch gleich, daß er alles genauso machen würde wie jener. Hätte er das nicht gesagt, hätte es massive Abwertungen des brasilianischen Real gegeben. So war denn auch das einzig Neue, er ging eine Politik der geringfügigen Verminderung der Zinsen an.

Die brasilianische Ökonomie war in jenem Moment ein reines Finanzspiel. Das Brutto-Sozialprodukt Brasiliens wuchs im Jahr davor (2005) lediglich um 2,3 Prozent. Das sind Zahlen, die in die Nähe des deutschen Wachstums kommen – und das nennt man in Deutschland einen ‚kranken Mann’. Es gab also keinerlei Grund zu frohlocken, die Wirtschaft stottert so vor sich hin. Trotzdem stieg der Wert des Real bis in die Nähe der Grenze von 50 Cents vom US-Dollar – ein völlig absurder Wert (heute liegt er aufgrund der Dollar-Schwäche sogar noch höher).

Dies alles, weil Milliarden und Abermilliarden spekulative Gelder nach Brasilien flossen (und heute noch fliessen) – kein Wunder bei diesen Zinserwartungen (auch wenn die heute etwas geringer sind). Keine wirklichen Gelder, keine Investitionen, nein, volatiles Geld, angelegt in Real und Staatsanleihen, das beim geringsten Anzeichen eines Problems wieder aus dem Land abgezogen wird und dann massive und ebenso absurde Verluste des Wertes der Währung verursacht.

Palocci war nicht gestürzt über die Korruption, auch wenn es wahrscheinlich ist, daß er dort auch verwickelt war, aber man hatte noch nichts wirklich beweisen können. Er war gestürzt, so wie viele Politiker (man erinnere sich nur an den damaligen US-Präsidenten Nixon) über seine Versuche, die Spuren zu verwischen bzw. in diesem Fall einen Zeugen unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Es ging um den Hausmeister einer Villa, der angegeben hatte, Palocci sei auch unter den PT-Politikern gewesen, die in jener Villa ein- und ausgingen, von der man bereits wußte, daß dort die Gelder aus den schwarzen Kassen verteilt – und nebenbei auch Gelage und Feste mit Prostituierten abgehalten wurden.

Na, kommt uns das nicht bekannt vor? Korruption gemischt mit Prostituierten in extra hierzu bereitgestellten Immobilien – und der Chef selbst, Hartz, geht dort auch ein und aus?

Man sollte also nicht zu schnell die Nase über eine südamerikanische Bananerepublik rümpfen, denn all diese Vorgänge haben direkte Parallelen zu der Hartz-VW- und SPD-Korruption und in jenen Teilen, die nicht gemeldete Spendengelder umfassen, auch zu Kohls und Schäubles Geldkoffern, deren Urheber sie nicht nenen wollten und doch nicht verurteilt wurden.

Nun ging es darum, diesem Hausmeister das Maul zu stopfen. Man begann zu suchen, ob da nicht auf seinem Konto bei Brasiliens Bundes-Sparkasse ‚Caixa Económica Federal’ Unregelmässigkeiten zu finden waren. Der Chef der ‚Caixa’ kam rein zufällig auf die Idee, sich einen Kontoauszug von dessen Konto geben zu lassen. Kurz zuvor – so ergaben die Ermittlungen – gab es einen Anruf aus Paloccis Büro bei ihm – Palocci war sein Chef. Mit dem Kontoauszug benachrichtigte er sofort Palocci: Dort waren Geldeingänge gefunden worden waren, die eventuell auf Illegales des Hausmeisters hinweisen könnten. Später stellte sich heraus, alle Geldeingänge waren legal, aber das spielte dann schon keine Rolle mehr.

Palocci hatte diese Information über eventuell illegale Geldeingänge über einen Politker seines Vertrauens an ein Nachrichtenmagazin heraussickern lassen, um die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu untergraben, doch nun kam die Sache heraus.

Einer der Beteiligten ließ im Gegenzug die Information über den Bruch des Bankgeheimnisses ‚aus persönlichen Gründen’ an einen Oppositionspolitiker durchsickern – und schon stand Palocci bis zum Hals im Dreck. Lula konnte nicht mehr anders, als ihn zu entlassen, um nicht selbst mit hineingezogen zu werden.

Die zweite geplatzte Bombe damals war der Abschlussbericht jenes Untersuchungsausschuß des Parlaments, der zunächst wegen bestimmter Unregelmässigkeiten bei der in Brasilien immer noch staatlichen Post eingerichtet worden war. Dieser Ausschuß hatte im vorhergehenden Jahr, als die ersten Korruptionsanklagen gegen Lulas PT aufkamen, diesen Komplex an sich gezogen und ermittelt. Sein Verdikt wäre ausreichend, um unter normalen Umständen jede beliebige betroffene Partei zur Bedeutungslosigkeit zu verurteilen. Nicht so die PT Lulas.

Der Bericht bestätigt die Hauptanklage, daß nämlich die ganze Direktion der PT (mit Ausnahme Lulas) ein Schema entwickelt und dann durchgezogen habe, wie man Gelder aus staatlichen Unternehmen herausholt und dann (zusammen mit nicht gemeldeten Spenden) über eine Art von Geldwaschanlage zu PT-Geld macht, das für die Wahl-Fonds der Kandidaten verwendet wird, wobei die Kandidaten allerdings keinerlei Rechenschaft darüber abzugeben hatten. Auch die Verbündeten wurden bedacht. Angeklagt (und damit der weiteren Behandlung durch die Staatsanwälte anheimgestellt) wurden 122 Personen.

Hier nur die Haupt-Anklagepunkte und die wichtigsten angeklagten Personen des Berichts:
José Dirceu, damaliger Kabinett-Chef und ‚rechte Hand Lulas’ (in Wirklichkeit war Lula seine linke Hand; er mußte bereits Mitte vorhergehenden Jahres zurücktreten), angeklagt der aktiven Bestechung;
Luiz Gushiken, ein anderer damaliger Minister (ebenfalls schon lange zurückgetreten), soll der Hauptakteur innerhalb der PT gewesen sein, angeklagt wegen aktiver Bestechung und Machtmißbrauch;
José Genoino, damals Vorsitzender der PT (auch er schon ein halbes Jahr aus dem Amt), angeklagt der Geldwäsche, Unterschriftsfälschung, aktiver Bestechung und Wahlvergehen;
Delúbio Soares, damaliger Schatzmeister der PT, angeklagt der Unterschriftsfälschung, Geldwäsche, aktiver Bestechung, Untreue und Wahlvergehen;
Marcos Valério, Unternehmer und „Berater“ Lulas, er soll die Geldwäsche und die Geldverteilung über zig Konten koordiniert haben, angeklagt insgesamt neun krimineller Taten, darunter Geldwäsche, Machtmißbrauch und Unterschriftsfälschung; die Geldflüsse waren so hoch, dass man dafür in Anlehnung an den Begriff Aquädukt den Namen Valerio-dukt erfand;
Roberto Jefferson, vom Koalitionspartner der PT, der PTB; er hatte den Stein ins Rollen gebracht; er war in die ursprünglich zu untersuchenden Unregelmäßigkeiten bei der Post verwickelt; als er merkte, daß er nicht davon kommen würde, beschloß er, die ganze Regierung mit in den Skandal zu ziehen und legte die ganzen Korruptionsschemata dar; angeklagt der passiven Bestechung, der Steuerhinterziehung und von Wahlvergehen;
Eduardo Azeredo, nicht von der PT, sondern früherer Präsident deren ärgster Gegner PSDB (des vorherigen Präsidenten Cardoso), angeklagt der passiven Bestechung und des Wahlvergehens. Sein Fall macht deutlich: es handelt sich keineswegs nur um eine PT-Mafia, vielmehr sind diese kriminellen Machenschaften schon lange fester Bestandteil jeglicher brasilianischen Politik.

Dazu wurden eine Reihe von damaligen Präsidenten und Direktoren von Staatsbetrieben der Untreue angeklagt. Zwei Politiker waren außerdem angeklagt, weil sie Dokumente der Kommission übergeben hatten, die sich später als gefälscht herausstellten.

Der Duchschnittsbrasilianer sieht in solchen Fällen meist schwarz: Es wird am Ende doch niemand verurteilt. In Brasilien gebraucht man hierfür das Bild der Pizza: Alle Beteiligten gehen in die Pizzeria, bestellen eine Pizza und alles bleibt unter dem Teppich.

So kam es dann auch zum Pizza-Tanz. Im März 2006 war u.a. einem der PT-Abgeordneten, die monatliche hohe Zahlungen bekommen hatten, vom Plenum des Bundestages sein Mandat nicht aberkannt worden. Eine Kollegin von ihm war nach der Absolution so erfreut, daß sie von ihrem Abgeordnetensitz aufstand und ein kleines Samba-Tänzchen hinlegte, das man in allen Fernseh-Nachrichten sehen konnte und dann sofort die Bezeichnung Pizza-Tanz bekam.

Nun also, was unerhört ist in der brasilianischen Politik: Die Angeklagten des Mafia-Schemas, die das Recht haben, nicht vor normalen Gerichten angeklagt zu werden, weil sie zur Zeit der Taten hohe staatliche Würdenträger waren, wurden von der Bundesanwaltschaft vor dem Obersten Gerichtshof angeklagt und der nahm Anklagen gegen alle Angeklagten an, insgesamt 29 „Würdenträger“.

Wahrscheinlich wird sich der Prozess nun Jahre hinziehen. Selbst wenn sie in erster Instanz verurteilt werden, haben die Mafia-Politkrer noch das Recht auf eine Berufung, wiederum beim Obersten Gerichtshof. Mit ein wenig geschickter Prozess-Verzögerung wird wohl schon keiner von ihnen mehr am Leben sein, wenn ein nicht mehr anfechtbares Urteil vorliegen würde.

Trotzdem ist es immerhin ein kaum glaubliches Ereignis, nicht nur für Brasilien, sondern international: Die gesamte Führung einer Regierungspartei, mit der einzigen Ausnahme des Staatspräsidenten, musste zurücktreten und ist einer Reihe von Verbrechen angeklagt, ohne dass dies Auswirkungen auf die tatsächlichen Wahlaussichten dieser Partei hat. Es sei daran erinnert: Lula wurde nach diesen Veröffentlichungen, als er bereits eine neue Equipe hatte, mit grosser Mehrheit in Direktwahl vom Volk wiedergewählt.

Palocci allerdings ist bis heute nicht angeklagt worden wegen seiner eigenwilligen Auslegung des Bankgeheimnisses, um einen Zeugen gegen ihn unglaubwürdig machen zu können.

Die brasilianische Bevölkerung nimmt all dies mit ziemlich stoischer Ruhe hin und geht dem schweren Tagewerk in einem Entwicklungsland nach. Die Politiker dürften aber unterschätzen, wieviel Wut auf sie und ihre Machenschaften sich da im Bauch eines ganzen Volkes ansammelt.

surveillance

Web-„Fangschaltung“ des BKA erfreut sich internationaler Aufmerksamkeit

World Content News – Ein sogenannter „Honeypot“, mit dessen Hilfe das Bundeskriminalamt glaubte, Mitglieder oder Sympathisanten der linksradikalen Untergrundorganisation „militante gruppe“ einkassieren zu können, hat dem ansonsten langweiligen Internetangebot des BKA einen unerhofften (und wohl auch unerwünschten) Zuwachs von neugierigen SurferInnen aus aller Welt eingebracht, nachdem ein verlinkter Hinweis auf die entsprechende Fahndungsseite im Nachrichtenportal „Digg.com“ gelandet war.

Die Behörde wollte laut einem Bericht des „Berliner Tagesspiegel“ mit der Speicherung von „möglicherweise relevanten IP-Adressen“ einen Teil der Computerbesitzer identifizieren, die diese Webseite angeklickt hatte, und „weiterführende polizeiliche Ermittlungen“ einleiten, um möglichen weiteren Mitgliedern auf die Spur zu kommen.

Die Empörung über „Germany’s FBI“ mit seinen „Nazi Roots“ hält sich zwar in Grenzen –

I wonder if the german government has ever heard of the ‚digg effect‘.

i clicked. i hope Hitler doesn’t rise from the dead and slap me across the face.

CLICK-CLICK-CLICK clickety click click mutha fucka…spy on my ass crack~!

– so manch einer fühlt sich jedoch in seinen alten Ressentiments bestätigt: Wird doch dem interessierten Leser als saftige Beilage ein Link zu einem Artikel aus dem internationalen Web-Angebot von „Spiegel Online“ über die unaufgearbeitete NS-Vergangenheit des BKA mitserviert. Darin heißt es gleich zu Anfang:

Germany’s federal police is admitting that most of its founding members had blood on their hands as active members of Hitler’s brutal security apparatus. It’s the first time one of Germany’s security services is examining its own history. But there may be more to come. (Quelle: siehe nazi roots)

Hmmh… Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Das Stichwort: Wie sollen Blogger angesichts dieses verunglückten Lauschangriffs und der geplanten Vorratsdatenspeicherung künftig verfahren, wenn sie Links zu einer Behördenseite anbieten wollen, ohne ihre LeserInnen in eine versteckte Speicherfalle laufen zu lassen?

Eine Webseite weiß Rat: Links zu Bundesbehörden und Regierung nur noch mit Warnhinweis, etwa so: „Vorsicht! Der Besuch dieser Website könnte dazu führen, dass Name und Anschrift des Websurfers in Erfahrung gebracht werden.“

Auch nicht lustig ist, wie skandalös das BKA mit vier Personen verfährt, die sie beschuldigt, einen Brandanschlag auf drei Lastwagen der Bundeswehr vorbereitet zu haben und der „militanten gruppe“ (mg) anzugehören: 23 Stunden Einzelhaft, kontrollierte Post, keine Teilnahme an Veranstaltungen in den Gefängnissen, Kontakt zu Besuchern mitunter nur mit Trennscheibe. Einer von ihnen ist ein Wissenschaftler, dem allein auf Grund der Verfassung von sozialkritischen Texten mit „Schlagwörtern und Phrasen“ wie etwa ‚Gentrification‘ oder ‚Prekarisierung‘, die auch von der „mg“ in ihren Bekennerbriefen benutzt wurden, der Prozess nach §129a als „Vordenker“ gemacht werden soll.

Gut möglich, dass demnächst sowohl beim BKA als auch in der Bundeswaltschaft in der Spitze einige Personalveränderungen vorgenommen werden müssen, wenn sich herausstellen sollte, dass man es mit dem Terrorhype ein bisschen zu weit getrieben hat. Und nicht auszudenken, was passiert, wenn sich bewahrheiten sollte, was sowohl ein ehemaliger britischer Diplomat in Usbekistan, Craig Murray, als auch ein Experte des baden-württembergischen Verfassungsschutzes aus dem Referat „Islamistischer Extremismus und Terrorismus“ behaupten:

„Die ‚Islamische Dchihad Union‘, so wie sie sich uns darstellt, ist erst einmal eine Erfindung im Internet…

Zusätzinformation: Murray’s Website ist erst vor kurzem zwangsweise aus dem Internet entfernt worden, weil er den usbekischen Milliardär Alisher Usmanov u.a. als Heroin-Schmuggler bezichtigt hat.

Quellen:
Visit this web page, be on the German terror watchlist
(digg.com, 02.10.2007)
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung!
(Kampagne für ein anonymes Internet)
Das braune Erbe der Polizei (Frankfurter Rundschau, 22.09.2007)
„Bundeslinkwarnung“: Links zu Bundesbehörden und Regierung nur noch mit Warnhinweis (schieflage.blogspot.com, 01.10.2007)
Vom BKA abgehört? Gefundene Wanzen nicht verkaufen!
(gulli.com, 10.09.2007)
Büchner und ein schwarzer Beutel (Telepolis, 04.10.2007)
Die Verteidigerin von Andrej H. über den aktuellen Stand des Ermittlungsverfahrens nach §129a
(mp3-Stream, freie-radios.net)

Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

deutschland

Wie sich durch Zufall einmal die tägliche Polizei-Praxis entlarvte

Karl Weiss – Deutsche Staatsgewalt in Aktion. Gegen Links immer „volle Pulle“. Die „Weimarer republik“ lässt grüßen. Von einem demokratischen Staat hat das nichts. Was seit Urzeiten Praxis deutscher (und nicht nur deutscher) Polizisten ist, der Korpsgeist über alles, das gegenseitige „Absichern“ von Polizisten mit falschen Zeugenaussagen bei illegalen Übergriffen, wurde nun an einem konkreten Fall öffentlich und belegt. Selbstverständlich passiert den Polizisten trotzdem nichts. Die Staatsanwaltschaft hat entsprechende Anklagen bereits niedergeschlagen.

Was war geschehen?
Am 2. Oktober 2004 hatten einige Gewerkschaftseinheiten, attac, PDS und weitere Organisationen zu einem Protest gegen Hartz IV aufgerufen. 45 000 Menschen kamen zur Demonstration (nach Angaben der Veranstalter über 100 000). Sie ging vom Berliner Alexanderplatz durch die Friedrichstrasse und Unter den Linden. „Weg mit Hartz IV – das Volk sind wir“ war das Motto.

Die Staatsgewalt suchte nun einen Vorwand zum Eingreifen. Bald hatte sie einen gefunden. Ein paar Eier waren gegen die Fassade der VW-Vertretung Unter den Linden geworfen worden. Schließlich war Hartz VW-Vorstand.

Schon rückte die Polizei mit Hundertschaften an und zielte genau mitten in die Demonstration. Einer der ersten, der getroffen wurde, war der Junge Felix K. Man deckte ihn mit Faustschlägen ein und er ging kurzzeitig bewusstlos zu Boden. Wieder erwacht, führte man ihn im Polizeigriff ab, brachte ihn auf die Wache, ohne seine Verletzungen behandeln zu lassen, später auf die Hauptwache, ohne Zugang zu Rechtsbeistand noch zu einem Arzt, obwohl die Verletzungen offensichtlich waren, behandelte ihn erkennungsdienstlich – und ließ ihn dann laufen.

Es wurde eine Platzwunde an der Lippe von den Schlägen konstatiert, beide Augen waren zugeschwollen von den Misshandlungen. Am Hals hatte er Abschürfungen mit der Marke von Stiefelsohlen, mit denen er gewürgt und auf den Boden gedrückt worden war.

Hatten nun die Polizisten, die dafür verantwortlich waren, ein Problem? Oder jener, der das Einsatzkommando gegeben hatte? Misshandlung in polizeilicher Obhut? Unbegründete Festnahme? Nein, keineswegs. Man sprach sich ab: Der Felix sei vermummt gewesen, darum habe man ihn „schnappen“ müssen. Er habe sich mit Gewalt gegen seine Festnahme gewehrt, dabei u.a. einem Polizisten gegen die Schienbeine getreten, da habe man ihn überwältigen müssen gegen schweren Widerstand. Dabei könnte es sein, dass man auch einen Faustschlag verteilt habe.

So wurde den Felix angeklagt, nicht die Polizisten oder der für den unbegründeten Einsatz Verantwortliche.

Vor Gericht sagten die drei beteiligten Polizisten alles eakt gemäss der Absprache aus. Weder Richter noch Staatsanwalt schien aufzufallen, dass man von einem Faustschlag nicht eine aufgeplatzte Lippe und zwei zugeschwollene Augen haben kann. Auch der Tritt gegen das Schienbein wurde geglaubt, obwohl der betroffene Polizist sagte, er habe das nicht gespürt. Der dritte Polizist sagte aus, er habe nichts von mehreren Faustschlägen gesehen und so kam es, wie es in der deutschen Unrechtsjustiz kommen muss: Das Opfer wurde zum Täter und verurteilt zu Arrest, sogar über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Der unsägliche Richter meinte, er müsse „eindringlich vor weiteren Straftaten gewarnt“ werden.

Soweit ging alles seinen geregelten Gang, wie in Deutschland (und nicht nur hier) üblich. Polizisten haben immer recht. Sie werden nicht einmal vereidigt, weil sie sowieso glaubwürdig sind. In diesem Fall sprachen die Verletzungen des Polizei-Opfers eine eindeutige Sprache, doch sie wurden einfach „übersehen“.

Dann allerdings kam eine kleine Unregelmässigkeit. Bei intensiven Suchen nach einschlägigen Fotos wurde Felix fündig. Es gibt ein Foto genau vom Moment seiner Festnahme und dem ersten Faustschlag, der ihn niederstreckte. Hier ist das Foto.

Man kann eindeutig sehen, er ist in keiner Weise vermummt, die Begründung für seine Festnahme ist also frei erfunden.

Nun ging Felix mit diesem Beweis in die Berufung vor dem Berliner Landgericht. Der Polizist, der bei einer Falschaussage erwischt wurde, wusste nichts weiter zu sagen als, dann sei es wohl ein Irrtum gewesen.

Wenn ich mit einem Trick über das Internet das Bankkonto meines Nachbarn anzapfe, erwischt werde und dann vor Gericht sage, das sei ein Irrtum gewesen, ob ich dann wohl davon komme?

Na, Felix wurde in der Berufung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte nun die gesetzliche Pflicht, die Falschaussage-Polizisten anzuklagen, tat es aber nicht. >Was kömmert mich eine gesetzliche Pflicht.<

Wenn ich meiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkomme und die Steuern nicht zahle, ob ich dann auch mit nichts wegkomme, wie dieser Staatsanwalt?

Schließlich wurde Anzeige gegen die Polizisten erstattet. Wegen Falschaussage und Körperverletzung im Amt. Antwort: Schweigen im Walde. Nach einem Jahr kommt endlich eine Reaktion: Der Staatsanwalt stellt das Verfahren ein!

Die Begründung ist abenteuerlich. Felix hätte doch vermummt gewesen sein können, andere waren es ja auch. Die Perspektive des Fotos lasse Raum für Missverständnisse.

Das ist deutsche Staatsanwaltschaft im 3. Jahrtausend: Gegen Links immer auf Draht, gegen die eigene Truppe von der Polizei ist jede noch so lahme Ausrede gut.

Gute Nacht, Demokratie!

Krieg

Blackwater faces Iraq deaths probe

Al Jazeera – US security contractor Blackwater was involved in nearly 200 shooting incidents in Iraq over the past two years and opened fire first in most of them, a US congressional report has said.

Blackwater is under investigation after some of its troops shot dead 11 Iraqis on September 16.

The private contractor in Iraq hired by the US state department has been the first to fire in more than 80 per cent of shooting incidents in which it has been involved according to a memorandum released on Monday, Henry Waxman, a Democrat, said.

The report said the company had been involved in 195 shooting incidents since 2005.

‚First to fire‘
„In 32 of those incidents, Blackwater were returning fire after an attack while on 163 occasions Blackwater personnel were the first to fire,“ said Waxman, the chair of the Committee on Oversight and Government Reform, which is investigating the company.

The revelation comes a day before Blackwater faces questions over the September shooting.

Details of the shootings, from Blackwater’s own reports, indicate involvement in an average of 1.4 shooting incidents per week since 2005.

Of the total cases, there were 16 Iraqi casualties and 162 incidences of property damage, Waxman said.

FBI investigation
The oversight committee will on Tuesday also question senior state department officials to assess whether the growing use of military contractors is undermining US efforts in Iraq.

State department rules say Blackwater’s actions should be defensive rather than offensive.

The US Federal Bureau of Investigation (FBI) is sending a team to Iraq to investigate the role of Blackwater in the September 16 shoot-out in Baghdad, an FBI spokesman said Monday.

Richard Kolko, an FBI agent, said the state department requested the FBI to examine evidence in the incident.

„The results of the investigation will be reviewed for possible criminal liability and referred to the appropriate legal authority,“ Kolko said.

Contractor criticised
Blackwater, which has received over $1bn from the US government since 2001, declined to comment on Waxman’s statement.

„We look forward to setting the record straight on this and other issues“ when Erik Prince, Blackwater’s chief, testifies before the committee, Anne Tyrrell, a spokesperson for Blackwater, said.

Waxman criticised the US state department’s handling of several incidents involving Blackwater.

He accused the department of trying to get the contractor to pay off victims‘ families rather than investigate.

„It appears that the state department’s primary response was to ask Blackwater to make monetary payments to put the ‚matter behind us‘ rather than to insist upon accountability or to investigate Blackwater personnel for potential criminal liability,“ said the memorandum.

Payments made
A security guard for Adel Abdul-Mahdi, Iraq’s vice-president, was killed by an allegedly drunken Blackwater contractor in December 2006.

The contract worker was then flown out of the country and faced no charges for the killing.

E-mail correspondence from the US embassy in Baghdad to Washington described Iraq concerns over the incident.

„Iraqis would not understand how a foreigner could kill an Iraqi and return a free man to his own country,“ it said.

The state department’s charge d’affaires recommended Blackwater make a „sizeable payment“ and an „apology“.

Waxman said the state department’s diplomatic security said such a move was too much and Blackwater later agreed on a $15,000 payment.

Tom Casey, a state department spokesman, declined to comment on Waxman’s specific examples but said the department was „scrupulous“ in its oversight of all contractors.

„These are tough jobs and these people often perform heroically in very difficult circumstances,“ Casey said.

„But at the same time they have to be held accountable for their actions.“

On The Road Again – Blackwater-Söldner dürfen weiter töten