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Schutzmacht rechtsradikaler Straftaten

Harald Haack – Geht es in Deutschland mit rechten Dingen zu? Bundeskanzlerin Merkel forderte „schnelle Fahndungsergebnisse“. Prompt nahm die Polizei auch zwei Tatverdächtige fest und will sie „intensiv“ verhört haben – was auch immer man darunter verstehen soll – und hüllte sich in Schweigen. Nach Angaben eines Sprechers des Lagezentrums im Potsdamer Innenministerium waren die Vernehmungen am späten Donnerstagabend noch nicht beendet.

Die beiden aus Potsdam und Umgebung stammenden 29 und 30 Jahre alten Deutschen wurden am späten Nachmittag des 20. April wegen des Verdachts des versuchten Mordes festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass sie am Ostersonntag, den 16. April 2006, einen 37 Jahre alten Mann brutal verprügelt und lebensgefährlich verletzt haben. Es legen „erhebliche Verdachtsmomente dafür vor“, dass die „Täter die Tat aus Ausländerhass und auf der Grundlage einer rechtsextremistischen Gesinnung begangen haben“, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Man wolle nach Abschluss der Vernehmungen entscheiden, ob die Verdächtigen voraussichtlich am Freitagvormittag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe vorgeführt werden. Aber: Sind die der Tat verdächtigten Festgenommen tatsächlich die Täter oder lediglich auf die Schnelle eingefangene „Sündenböcke“, nur weil Potsdam jetzt angeblich unter den Schlagzeilen leidet und weil die Angelegenheit auf Wunsch führender Regierungspolitker, die sich zur „Schutzmacht rechtsradikaler Straftaten“ machen, wie Juso-Chef Björn Böhning meint, ganz schnell vergessen werden soll? Weshalb leiden die Potsdamer unter den Schlagzeilen, wenn sie es zu solchen Straftaten kommen lassen? Regt sich bei einigen das schlechte Gewissen, nicht genügend und entschieden den Rechtsextremisten, den miesen Kleinbürgern, entgegen getreten zu sein? Sollen deshalb jetzt, wo es vielleicht zu spät ist, Demonstrationen gegen die „rechte Gewalt“ stattfinden?

Wieder einmal soll eine solche Straftat beerdigt werden – dies, obwohl sich das Opfer noch in Lebensgefahr befindet (eigenartig bildlicher Sprachgebrauch vom Presse-Mainstream: „Er schwebt noch in Lebensgefahr“) und man befürchten muss, dass aus dem Mordversuch ein Mord wird, bei dem die Täter, hätte man sie denn gefasst, sicherlich mit einer sanften Strafe wegen Totschlags davon kämen.

Interessant ist meiner Meinung nach auch, dass Merkel schnelle Ergebnisse fordert und die Polizei sich sogleich zwei Tatverdächtige greift und dass das Opfer, der in Äthiopien geborene 37-jähriger deutscher Staatsbürger schwarzer Hautfarbe, dessen Name und sein Foto bereits durch den Presse-Mainstream geworfen wurde, nun nur noch als „Mann“ erwähnt wird. Und: Bundesinnenminister Schäuble machte sich wieder einmal bei Oppositionellen unbeliebt, indem er „vor voreiligen Schlüssen“ warnend die Tat relativierte.

Die Grünen-Chefin Claudia Roth in Berlin sagte über Schäubles Äußerungen, diese seien „unerträglich“ und „eines Innenministers nicht würdig“. In Potsdam ringe „ein Mensch mit dem Tode, weil er schwarzer Hautfarbe ist“, ergänzte sie. Der Mailboxmitschnitt des Überfalls verweise auch auf einen rassistischen Hintergrund der Tat. „Eine solche rassistische Gewalttat durch andere Gewalttaten an ‚blonden blauäugigen Menschen‘ zu relativieren, ist zynisch und widerlich“, stellte sie fest.

Entgegen der fälschlichen Behauptung des CDU-Gespannes, dem Bundesinnenminister Schäuble und seines Brandenburgischen Kollegen, dem Innenminister Schönbohm, es sei in Potsdam nur ein Einzelfall gewesen in dem ein nicht blonder, blauäugiger Deutscher Opfer einer Straftat mutmaßlicher Rechtsradikaler wurde, gab es gleich nach Ostern einen erneuten Fall. Drei betrunkene „Schläger“, Männer im Alter von 17, 18 und 31 Jahren, hatten in einem Essener U-Bahnhof einen Inder zu Boden gestoßen und dann getreten und auf ihn eingeschlagen. Obwohl die Täter schon vor Wochen durch einen Angriff auf einen Schwarzafrikaner aufgefallen waren, behauptete ein Sprecher der Essener Polizei, es gebe keinen „rechtsextremistischen Hintergrund“, es handele sich um „Schläger, Klopper und Säufer“. Sie wurden inzwischen festgenommen und wurden, nach einem Aufenthalt in einer Ausnüchterungszelle, wieder laufen gelassen. Nur der Jüngste wurde angeblich einer Betreuerin übergeben.

Wie unter [journalismus – nachrichten von heute] bereits berichtet, wurde am Karfreitag ein 42-jähriger Wahlstedter, der aus Aserbaidschan stammt, von mehreren Personen am Zigarettenautomaten in der Waldstraße von Wahlstedt überfallen und niedergestochen. Als das Opfer zu Boden ging, wurde dort weiter auf ihn eingeschlagen.

Immer wieder werden brutale Angriffe auf Menschen bekannt, die nicht aus Deutschland stammen und keineswegs blond und blauäugig sind. Die Menge solcher Fälle, in denen aber solche Deutsche, die diesem stereotypen Bild entsprechen, Opfer so genannter ausländischer Straftäter wurden, tauchen nicht in den Medien auf. Gibt es sie denn eigentlich? Und überhaupt: Wie viele Deutsche sind blond und blauäugig? Gehören die Fälle nicht vielmehr der Vergangenheit an, einer Zeit, als Italiener, Albaner, Türken, Afghanen und andere als Messerstecher auffielen, weil sie Deutsche überfielen? Solche Fälle gab es besonders in den Siebziger und Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und noch vor der „Deutschen Wende“. Und darüber wurde viel und gerne berichtet, vornehmlich von der BILD-Zeitung. Aber nun, da die ehemalige DDR Teil der Bundesrepublik Deutschland wurde und westdeutsche Rechtsextremisten in den neuen Bundesländern sich gut etablieren konnten, blüht besonders in Brandenburg nicht nur der Rassen- und Ausländerhass, sondern auch der Hass auf Andersdenkende und Menschen mit nicht-christlicher Religion. Und so gab es wiederholt „Einzelfälle“, wenn Strafverfolger mit solchen Delikten wie kürzlich in Potsdam „immer wieder dienstlich“ zu tun haben. Verschwiegen wird dabei jedoch oft, dass viele der Strafverfolger mit Handlungsweisen auffielen, die sie als Schützer rechtsradikaler Straftaten ausgeben; siehe beispielsweise Essen.

Das „Eintreten oder Einschlagen auf wehrlose Andersartige mit dumpfer Vernichtungstendenz“ sei für Strafverfolger und die Politik Normalität geworden, gestand der Brandenburger Generalstaatsanwalts Erardo Rautenberg kürzlich. Kein Wunder, dass die „Einzelfälle“, die es wie am laufenden Band gibt, schnell im Presse-Mainstream untergehen.

Der Verein Opferperspektive kritisiert das. Er beklagt eine Vielzahl von Übergriffen mit rechtem Hintergrund, Fälle, die von der Potsdamer Staatsanwaltschaft und der Politik als „extremen Einzelfall“ relativiert werden. Zwei solcher Fälle gelangten in den vergangenen Monaten bundesweit an die Öffentlichkeit: Ein 15-Jähriger Jugendlicher mit dunkler Hautfarbe 19. Februar wurde Rathenow von zwei Rechtsextremisten beschimpft und mit Pfefferspray attackiert. Am 25. März gab es den Angriff auf einen Jugendlichen aus der linksalternativen Szene in Blankenfelde. Das Opfer soll von sechs Vermummten am Bahnhof geschlagen und auf die Gleise geworfen worden sein, wo die Täter auf ihn eingetreten hätten.

Seit Januar 2006 zählte der Verein landesweit 24 ähnliche Vorfälle. Vereinsprecherin Nadja Hitzel-Abdelhamid sagt: „Überfälle sind im Grunde Normalität“. Und das Szenario für die Tage nach einem solchen Vorgang kennen die Mitglieder der Opferperspektive zu gut. Es laufe immer gleich ab, „entweder die Taten bekommen überhaupt keine mediale Aufmerksamkeit und geraten einfach in Vergessenheit“. Oder in besonders schweren Fällen geht es anders – wenn auch nicht besser – aus: „Eine Woche lang sind alle ganz aufgeregt, bis die Empörung wieder verebbt.“

terror

Die ‚Süddeutsche’ und Mohammed Zammar

Karl Weiss – Die ‚Süddeutsche Zeitung’ hält sich viel zugute darauf, die einzige verbliebene überregionale große deutsche liberale Zeitung zu sein, nachdem die ‚Frankfurter Rundschau’ nun endgültig als überregionales Blatt abgedankt hat. Aber es ist nicht so weit her mit den liberalen Grundsätzen dieser Publikation. Sie tut nämlich genau das, was sie manchmal zu Recht an der US-Regierung kritisiert: Terrorismus-Verdächtige haben auch bei ihr keine Rechte.

Man lese sich aufmerksam diesen Teil eines Artikels der ‚Süddeutschen’ im Rahmen der Berichterstattung über die deutsche Beteiligung an US-Entführungen, -Folter und rechtlosen Internierungen durch:

„Würde Mohammed Haydar Zammar, 44 Jahre alt, aus Hamburg, noch in Deutschland leben, würde er vermutlich rund um die Uhr observiert. Denn der Mann hat alles, um als gefährlich zu gelten: Dreimal war er in den neunziger Jahren für viele Monate in Terrorlagern in Afghanistan, dort lernte er den Umgang mit Sprengstoff – und er hat die Attentäter des 11. September in Hamburg rekrutiert.“

In Rest des Artikels kann man lesen, daß der Mann Deutscher ist und seit geraumer Zeit in syrischen Folterkellern festgehalten wird. Nun, da fragt sich doch gleich, wenn er ein so wichtiger Terrorist ist und all dies gegen ihn bewiesen ist – sonst würde die ‚Süddeutsche’ es natürlich nicht behaupten – warum stellt man ihn nicht vor ein Gericht und urteilt ihn für seine Taten ab. Sei es in den USA, die ihn entführt und nach Syrien geschickt haben, sei es in Syrien selbst oder sei es in Deutschland.

Komischerweise – und spätestens da wird man stutzig – spricht die ‚Süddeutsche’ im ganzen Artikel nicht von dieser Selbstverständlichkeit. Sie prangert völlig zu Recht an, daß deutsche Beamte diesen gefolterten Gefangenen in Syrien verhört haben – so als ob Foltergeständnisse Bestand haben könnten – aber sie geht gar nicht auf die Inhalte ein. Was genau wollte man denn von ihm wissen? Man berichtet nämlich auch die erstaunliche Tatsache, daß die Ergebnisse der Befragung durch deutsche Beamte nicht an den Staatsanwalt weitergegeben wurden, der ein Untersuchungsverfahren gegen Zammer führt. Warum? Wäre interessant, wenn die Süddeutsche bei der darauffolgenden Bundespressekonferenz diese Frage gestellt hätte. Tat sie aber nicht.

Geht man der Sache nämlich nach, dann ist eben in Wirklichkeit nichts bewiesen gegen Zammar. Weder die Terrorlager, noch die Sprengstoff-Fähigkeiten noch die Anwerbung von Attentätern des 11. September. Die ‚Süddeutsche’ hat schlicht und einfach das gemacht, was man zu Recht immer wieder der ‚Bild’ vorwirft: Sie erklärt Verdächtige bereits zu Schuldigen. Während die ‚Süddeutsche’ üblicherweise sehr wohl zu unterscheiden weiß, gelten die Regeln journalistischer Sorgfaltspflicht nicht mehr bei Terrorverdächtigen. „ Er war…er lernte…er hat rekrutiert…“ ….Nein! „Er ist verdächtig, …..gewesen zu sein, …. gelernt zu haben ….rekrutiert zu haben…“!

Bei Terrorverdächtigen wendet das Blatt aus München nicht mehr den Zweifel an, der jeder verantwortliche Journalist jedem Verdächtigen zugestehen muß, bis er verurteilt ist. Sie werden rechtlos, so wie sie rechtlos werden, wenn sie von US-Stasi-Diensten gekidnappt und verschleppt werden.

Auch die offensichtliche Tatsache, daß natürlich mit solchen Befragungen in syrischen Folterkellern von Personen, die von US-Stasi-Diensten verschleppt wurden, deutsche Behörden zu Komplizen werden, möchte die Süddeutsche nicht verlauten. Sie zitiert lediglich einen Amnesty-International-Mann, der dies sagt.

Zumindest erfahren wir aber noch, daß die deutschen Behörden nichts wirklich Ernsthaftes versucht haben, damit Syrien den Deutschen aus seinem Gewahrsam entläßt und nach Deutschland ausliefert. Auch dies müßte man eigentlich als Komplizentum darstellen, aber dies tut die Süddeutsche wiederum nicht.

Kurz – die Rechte von Terrorverdächtigen sind auch in Deutschland schon aufgehoben. Man braucht gar nicht mit dem Finger auf US-Sauereien zeigen, wenn man selbst die bürgerlichen Rechte in Zeiten des Terrors glaubt nicht mehr anwenden zu müssen.

Krieg

Gott nicht auf Bushs Seite?

Karl Weiss – Nach einer Information des „Christian Science Monitor“ vom 14.4.06 ist Venezuela nach der Entdeckung einer Reihe von neuen Ölfeldern mit extra schwerem Rohöl im „Orinoko-Heavy-Oil-Belt“ nun das Land mit den größten nachgewiesenen Rohölvorkommen, vor Saudi-Arabien und auch noch vor Kanada unter Einbeziehung der dortigen Ölsände. Eine Ironie des Schicksals, daß US-Präsident Bush im Jahre 2002 genau gegen dessen Präsident Chavez einen Putsch gesponsort hatte und ihn damit zum Erzfeind der US-Regierung machte.

Heute könnte man Venezuala gut als Verbündeten gebrauchen, denn es ist eines der Länder, von dessen Ölimporten die US-Wirtschaft in deutlichem Maße abhängt. Auch die weitere Behandlung durch die USA, nachdem er wieder an der Macht war, hat Chavez nicht zu einem Freund der US-Regierung werden lassen. Man unterstützte mit allen Mitteln einen inszenierten vorzeitigen Abwahlversuch Chavez, der allerdings ebenfalls in die Hose ging, nicht zuletzt, weil Brasiliens damals neu gewählter Präsident Lula ihm mit Tankerlieferungen von Benzin zu Hilfe kam. Wollte Chavez an der Macht bleiben, blieb ihm nur ein Ausweg: Eine scharf feindliche Politik gegen die US-Regierung. Und genau das tat er.

Die US-Regierung ist bei der Behandlung ihres Hinterhofs, wie sie Mittel- und Südamerika auffaßt, seit der Deklaration der „Monroe-Doktrin“ 19. Jahrhundert nie davon ausgegangen, daß man sich mit dortigen Präsidenten oder Herrschenden arrangieren müsse. Man hat vielmehr immer dann, wenn einem einer davon nicht paßte, einen Militärputsch durchführen lassen, selbst miltärisch eingegriffen oder „Contras“ einen Krieg gegen die jeweiligen Herrscher führen lassen.

Südamerika wie einen Bären am Nasenring führen
Das hat mit der Ausnahme Kubas immer geklappt, auch vor zwanzig Jahren noch, als man die unliebsame Regierung in Nicaragua ablösen konnte und das arme unterdrückte Panama seines Diktators beraubte, indem man es faktisch annektierte. Doch plötzlich hat sich alles geändert. Es gelingt einfach nicht mehr, Mittel- und Südamerika wie einen Bären am Nasenring zu führen, ganz im Gegenteil:

Da gibt es nicht nur die natürliche Reaktion Chavez auf die Versuche, ihn seines Amtes zu berauben, da kommt auch in Argentinien nach einem Volksaufstand plötzlich ein Präsident an die Macht, der den Anweisungen des IMF (International Monetary Found) nicht mehr gehorchen will. Da werden in Brasilien und Uruguai Präsidenten gewählt, die eigene Ideen über internationale Beziehungen entwickeln, da werden in Equador zwei Präsidenten mit Volksaufständen zum Abdanken gezwungen, das gleiche in Bolivien, wo dann mit Ivo Morales erstmals seit der Eroberung der Amerikas durch die Europäer ein Indigener in einem Land in den Amerikas an die Macht kommt. Schließlich findet sich auch im bisher so gehorsamen Peru ein Präsidentschaftskandidat, der nicht im US-Chor mitsingt und er droht vielleicht sogar zu gewinnen. Jetzt fehlt nur noch, daß bei den Wahlen gegen Ende dieses Jahres Hugo Chavez für 6 Jahre wiedergewählt wird und auch in Mexiko der Oppositionskandidat gewählt wird – dann würde südlich des Rio Grande ein wirkliches Problem für die US-Regierung entstehen.

Dann lägen in den Amerikas auf US-Linie nur noch Kanada, Kolumbien, Chile und eine Anzahl von Klein-Staaten (damit ist gemeint, alle sind kleiner als Kuba mit seinen 11 Millionen Einwohnern und Guatemala mit 14 Millionen).

Genau in diesem Moment ist die Entdeckung großer Ölfelder in Venezuela in gewisser Hinsicht das falsche Signal für die US-Interessen. Christopher Walker, Ölexperte auf den internationalen Märkten, erzählt in einem Kommentar vom 16.4.06 in ‚margotbworldnews.com’, was ihm ein Wall-Street-Banker angesichts dieser Nachricht sagte: „Nun weiß Bush endgültig, daß Gott nicht auf seiner Seite ist.“

Der Platz unter den größten Ölförderländern war Venezuela schon sicher für die nächsten 80 Jahre – nun ist er es auf unabsehbare Zeit. Da spielt es eine wichtige Rolle, daß Venezuela seit Dezember letzten Jahres offiziell Mitglied des Mercosur/Mercosul ist, des gemeinsamen Marktes, der vorher Brasilien Argentinien, Uruguai und Paraguai umfaßte. Zwar gibt es bisher keine wirkliche Integration Venezuelas, man macht es hier umgekehrt wie bei der EU, zuerst wird beigetreten und dann werden die Details geklärt, aber die symbolische Bedeutung ist immens.

Ebenso wichtig ist, daß Venezuela mit seiner staatlichen Ölfirma PDVSA bereits eine gemeinsame Ölfirma mit Argentinien und Brasilien (ebenfalls mit staatlicher Ölfirma) gegründet hat. Auch Argentinien und Brasilien haben Erdölvorräte mit einer Ölförderung, die im Moment ungefähr in der Größenordnung des eigenen Bedarfs liegt. Gar nicht auszudenken, wenn sich Mexiko, ein anderes Land mit bedeutender Ölförderung und staatlicher Ölfirma, dieser Dreier-Gruppe anschlösse.

Es könnte ein Ölkonzern entstehen, der den schon bestehenden das Wasser reichen könnte und zusätzlich weit höhere Reserven hätte als diese. Für einen US-Präsidenten, der von genau diesen Ölkonzernen an die Macht gehievt wurde, nicht gerade positive Aussichten.

Aber gemach – bisher ist noch nichts dergleichen geschehen, es kann alles noch anders kommen. Aber immerhin: Angesichts dieser möglichen Aussichten nun bald den Krieg gegen den Iran zu beginnen, wenn sich kurz danach herausstellen könnte, daß der Krieg gegen Venezuela viel wichtiger wäre, bekommt einen zusätzlichen Risikofaktor. Und wie man aus dem Irak wieder herauskommt, ist auch noch nicht geklärt.

Kampf im Dschungel
Der Trumpf in der Hand der US-Regierung ist im Moment die äußerst östliche Provinz Venezuelas, Zulia. Dieses Gebiet an der Grenze zum US-freundlichen Guyana ist im wesentlichen noch unberührtes Dschungelgebiet mit einer hauptsächlich indigenen Bevölkerung, die sich nie Venezuela untergeordnet hat. Laut der venezuelanischen Nachrichtenseite ‚vheadline.com’ gibt es dort seit neuestem eine Gruppe, die die Unabhängigkeit dieses Gebiets von Venezuela fordert. Gleichzeitig gebe es Geheimdienstinformationen, daß „US-Berater“ auf der guyanischen Seite der Grenze eine „Rebellentruppe“ trainieren würden, die in das Gebiet einsickern soll. Bereits jetzt gibt es dort eine Missionsorganisation mit dem Namen „New Tribes Mission“, die aus US-Amerikanern bestünde und alles andere täte als christlichen Glauben zu verbreiten. Auch seien auffallend viele westliche „Beobachter tropischer Vögel“ in dieser Region gesichtet worden.

Bereits im Fall der Sandinisten in Nicaragua hatte die US-Administration sich dieser Mittel bedient. Man „missionierte“ unter primitiven Indio-Stämmen und brachte die dazu, in einen Krieg gegen die Regierung zu treten. Primitive Stämme lassen sich relativ leicht von plötzlichem Reichtum und allen Dingen beeindrucken, die das Herz erfreuen. Hat eine gut ausgebildete Einsatztruppe erst einmal einen sicheren Rückzugsraum in einem Indio-Gebiet, kann sie der Regierung das Leben schwer machen, so wie es damals die „Contras“ in Nicaragua taten. In diesem Fall gebraucht man genau die Vorteile der „asymmetrischen Kriegsführung“, die im Irak gegen die US-Truppen verwendet werden, nur in diesem Fall für die US-Regierung.

Allerdings ist Hugo Chavez offenbar ein anderes Kaliber als es damals die Sandinisten waren, nicht nur, weil er nun die größten Ölreserven aller Staaten hinter sich hat, sondern auch, weil er mehr von Politik versteht. Er ist dabei eine Volksmiliz aufzubauen, die er der militärischen Befehlsgewalt entzogen und ausschließlich sich selbst unterstellt hat. Eine „unsymmetrische Kriegsführung“ (ein anderes Wort für Guerrilla-Krieg) klappt ja nur gegen reguläre Truppen, wenn man selbst irgendwo im Volk untertauchen kann. Gegen Milizionäre, die aus dem Volk kommen und im Volk verankert sind, ist sie unnütz.

Ob Chavez allerdings rasch genug eine funktionierende Miliz schaffen kann, ist noch ungewiß. Es muß sich also noch herausstellen, ob Gott nicht doch auf der Seite Bushs ist – was ihm absolut zuzutrauen wäre.

vermischtes

Zwangsprostitution in Deutschland

Karl Weiss– Trotz mehrfacher Hinweise von Frauenorganisationen hat die Organisation der Fußball-WM sich geweigert, strikte Maßnahmen gegen das Einschleusen von Zwangsprostituierten während der WM nach Deutschland zu unternehmen. Es wurde darum die Kampagne „Abpfiff der Zwangsprostitution“ gegründet.

Wer Zwangsprostitution indirekt hinnimt oder sogar bewußt fördert, macht sich mitschuldig. Statt rigoroser Kontrollen haben deutsche Behörden Lizenzen für sogenannte „Verrichtungsboxen“ vergeben, in denen die Geschäftemacher ungestört die Zwangsprostituierten den Freiern zuführen können.

Die Behörden weisen demgegenüber daraufhin, daß in Deutschland seit 2002 das „Gesetz zur Verbesserrung der Rechtsstellung der Prostitiuierten“ gilt, das einen wesentlichen Fortschritt darstelle. Demgegenüber sagt ein Fachmann, der Strafrechtler Prof. Dr. Renzikowski:

„…[Es] haben sich viele, allzu naive Hoffnungen des Gesetzgebers nicht erfüllt. So lassen sich die Prostituierten, die bei den Sozialversicherungsträgern gemeldet sind, an den Fingern einer Hand abzählen. Die Möglichkeit zum Ausstieg aus der Prostitution steht nur auf dem Papier, tatsächlich gibt es kaum Hilfsangebote. Am schwersten wiegt der Vorwurf, das [Gesetz] mache die Prostitution erst salonfähig. In diesem Sinne dient [es] den Strafverfolgungsbehörden häufig als Ausrede, jetzt, wo die Prostitution legal sei, gebe es keinen Grund mehr, die Bordelle zu kontrollieren.“

Damit zeigt sich, daß es sich hierbei ebenfalls um eine der Reformen handelte, für die unsere geliebte Politkerkaste bekannt ist: Tatsächlich Verschlechterungen, nur in Worten das positive. Natürlich hätte eine solche Reform nur wirklich etwas bringen können, wenn den Prostituierten echte Ausstiegschancen gegeben worden wären. Aber dann hätte es ja eventuell nicht mehr die Prostituierten gegeben, die man schließlich braucht, nicht wahr? Und die Verschlechterungen bestehen eben darin, daß nun nicht mehr kontrolliert wird, ob die Zuhälter die Prostituierten ausbeuten und ob es keine Zwangsprostitution gibt.

Der Frauenverband Courage, eine der die Kampagne tragenden Verbände, ruft auf: „Gemeinsam für die Befreiung der Frau!Wir fordern Frauen und Männer in Politik, Wirtschaft, Kirche, Gewerkschaft, Medien, Sport oder Wissenschaft auf: Unterstützen Sie aktiv diese Kampagne!“

Frauenverband Courage

vermischtes

Eigenartige Ähnlichkeit zweier Mordversuche

Harald Haack – Es geschah in Potsdam. Am Ostersonntag gegen 4.00 Uhr wurde ein in Äthiopien geborener 37-jähriger deutscher Staatsbürger schwarzer Hautfarbe von bislang unbekannten Tätern angegriffen und ausgeraubt. Durch „stumpfe Gewalteinwirkung“ erlitt das Opfer ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und wurde von Ärzten einer Klinik in ein künstliches Koma versetzt. Die Stimmen der Täter konnten aufgezeichnet werden, weil das Opfer in dem Moment des Überfalls eine Nachricht auf der Mailbox seiner Frau hinterließ. Die Staatsanwaltschaft will die Stimmen im Internet veröffentlichen und erhofft sich damit einen Fahndungserfolg.

Nun, nachdem wieder einmal eine Welle der Entrüstung durch die Medien brandete, aber leider fast nur durch die Medien – es gab eine kleine Demonstration in Potsdam, hat der Generalbundesanwalt Kay Nehm die Ermittlungen im Fall des Neonazi-Überfalls auf einen Deutschafrikaner in Potsdam an sich gezogen. Die Tat sei „geeignet, die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen“, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft heute in Karlsruhe. Die Tat habe zudem eine „besondere Bedeutung“. In seinem Namen habe Nehm das Polizeipräsidium Potsdam beauftragt, die weiteren Ermittlungen zu übernehmen. Eine Belohnung von 5.000 Euro hat die Staatsanwaltschaft inzwischen für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

Eigenartig ist, dass sich ein ähnlicher Fall schon am Karfreitag gegen 8 Uhr in Wahlstedt im Kreis Segeberg des Bundeslandes Schleswig-Holstein ereignete. Doch dieser Fall fand bislang keinerlei Beachtung im Presse-Mainstream.

Laut Polizeibericht wurde ein 42-jähriger Wahlstedter, der aus Aserbaidschan stammt, von mehreren Personen am Zigarettenautomaten in der Waldstraße von Wahlstedt überfallen und niedergestochen. Als das Opfer zu Boden ging, wurde dort weiter auf ihn eingeschlagen. Die Polizei schreibt, „die mutmaßlichen Täter hatten entweder in einem PKW auf den Mann gewartet oder fuhren mit dem Wagen vor. Nach dem Angriff gelang es dem Opfer noch, sich etwa 400 Meter weiter zu der Wohnung einer Bekannten zu schleppen. Diese brachte den blutenden Mann dann ins Krankenhaus. Dort wurden mehrere Stichverletzungen sowie schwere Kopfverletzungen festgestellt, so dass der Mann in eine Spezialklinik verlegt werden musste. Er ist noch nicht vernehmungsfähig. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und sucht dringend Zeugen, die sachdienliche Angaben zu dem Vorfall machen können.“

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Agrarsubventionen unter Beobachtung

Karl Weiss – Eine Anzahl von „Nicht-Regierungs-Organisationen“, unter ihnen ‚Greenpeace’, ‚Oxfam’, ‚Brot für die Welt’, ‚Germanwatch’ und ‚WWF’, haben eine ‚Initiative für Transparenz der EU-Agrarsubventionen’ gegründet. Es ist nämlich nicht nur so, daß diese Agrarsubventionen ihren angeblichen Zweck nicht erfüllen, sondern auch so, daß in den meisten europäischen Ländern, so vor allem in Deutschland, fein säuberlich geheim gehalten wird, wer und wie viel Subventionen bekommt.


Tatsächlich allerdings geht das Sterben der bäuerlichen Kleinbetriebe in Europa seit Jahrzehnten ungezügelt voran.

Die behauptete Begründung für die Ausgabe von 43 Milliarden Euro jährlich ist, daß man die bäuerlichen Kleinbetriebe erhalten müsse. Tatsächlich allerdings geht das Sterben der bäuerlichen Kleinbetriebe in Europa seit Jahrzehnten ungezügelt voran. In weiten Landstrichen Deutschlands z.B. ist schon kein einziger Kleinbetrieb mehr übrig geblieben. Da ist es erlaubt zu fragen, warum der Aufwand von solchen Mengen Geld keinen Effekt zeitigt.

Im wesentlichen gibt es die (damals noch) EG-Agrarsubventionen schon lange, aber etwa ab Mitte der Siebziger Jahre wurden sie wirklich teuer, als die jährlichen Ausgaben in Mark die 50-Milliarden-Grenze überschritten. Gehen wir also von einer durchschnittlichen Leistung von 35 Milliarden Euro (nach heutigem Geld) über diesen Zeitraum aus (31 Jahre), so kommen wir etwa auf lockere eine Billion Euros nach heutigem Geld, die für dieses hehre Ziel durch die EG und dann die EU ausgegeben wurden.

Eine Billion sind Tausend Milliarden oder eine Million Millionen. Man stelle sich vor, wenn all dies Geld für vernünftige Dinge ausgegeben worden wäre und nicht für – ja für was eigentlich? Wenn der angegebene Zweck nicht erreicht wurde, für was wurde das Geld dann ausgegeben?

Eine geringe Ahnung davon bekommt man, wenn man den letzten Bericht der ‚Oxfam’ liest, in der eine Anzahl derer aufgezählt sind, die große Mengen dieses Geldes bekommen haben. Zitieren wir aus einem Artikel der ‚Berliner Umschau’ vom 11.11.2005:

Frankreich:
Dies ist das Land mit dem größten Anteil am EU-Agrarsubventionen mit 9,4 Milliarden Euro (…). Lediglich 15% der französischen Empfänger erhalten 60% dieser Summe, also etwa 5,6 Milliarden Euro. Dagegen erhalten 70% der französischen Landwirte zusammen nur 17% der Subventionen.Die 12 größten Empfänger in Frankreich erhalten jeweils mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr. Die zwei größten jährlich allein 1,7 Millionen.

Großbritannien:
Einer der großen Empfänger dort ist die königliche Familie, die sowieso zu den reichsten der Welt gehört. Ebenso wird der Zucker-Großkonzern Tate & Lyle mit hohen Subventionen bedacht.

Dänemark:
Die europäische Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bedenkt in Dänemark vier Minister der Regierung mit Zahlungen, mehrere Parlamentsabgeordnete und die dänische EU-Kommissarin. Diese gehen in den Bereich von Millionen Euro.

Belgien:
In Belgien waren unter den Topbegünstigten die Bank Crédit Agricole, Nestlé, Campina und BASF.

Slowakei:
In der Slowakei wurde kürzlich berichtet, daß Landwirtschaftsminister Zsolt Simon Besitzer einer Firma ist, die 2003 und 2004 1,3 Mio. Euro an Subventionen erhielt.

Niederlande:
In den Niederlanden erhielt der Landwirtschaftsminister, Cees Veerman, 150.000 Euro an Subventionen. Frühere Berichte geben an, daß die größten Empfänger von Direktzahlungen und Exportsubventionen von 1999-2003 der niederländische Zweig von Mars, der Bierkonzern Heineken NV und der US-Tabak-Hersteller Philip Morris sind.“

Nun haben wir also in etwa einen Eindruck bekommen, um was es sich handelt: Um Geldtransfer im wesentlichen an Superreiche, Konzerne und an bedürftige Politiker.

Es kann also keine andere Forderung geben als die sofortige und vollständige Abschaffung der Agrarsubventionen. Das Geld könnte man anderweitig sinnvoll ausgeben, z.B. für ein großes Investitionsprogramm für Umwandlungsanlagen von Pflanzen, Pflanzenteilen und Tierexkrementen in Biogas, Bioalkohol, Biodiesel und andere Bio-Energieträger.

Dann wäre der Landwirtschaft auch wirklich geholfen, denn sie könnte statt Lebensmitteln, die in anderen Gegenden kostengünstiger herzustellen sind, sich auf die Herstellung von Energiepflanzen konzentrieren und so einen wesentlichen Teil des europäischen Energiebedarfs decken, billig, ohne Abhängigkeit von Importen und ohne Gefahr von Verknappung und damit einhergehenden Preissteigerungen. Und gleichzeitig hätte man die Entwicklungsländer von einem Konkurrenten für ihre Agrarexporte befreit und den Ausstoß von Kohlendioxid und den damit einhergehenden Treibhauseffekt und die globale Erwärmung bekämpft, die zu einer Klimakatastrophe zu führen droht.

Allerdings scheint es den Nicht-Regierungs-Organisationen gar nicht darum zu gehen. Verwunderlicherweise sieht Sarah Kahnert von ‚Germanwatch’ da unsinnige Alternativen: Letztlich gehe „es auch nicht darum, den einen oder anderen Betrieb an den Pranger zu stellen, sondern darum herauszufinden, wohin die Milliarden an Steuergelder fließen und wofür sie verwendet werden“.

Wer an den Pranger gestellt werden muß, sind unsere Selbstbedienungs-Politiker und was sie mit unseren Steuergeldern machen und warum sie das verstecken.

vermischtes

Leben auf der Venus?

Harald Haack – Der Astrobiologe David Grinspoon vom Southwest Research Institute in Boulder, im Diensten der NASA tätig, vermutet trotz aller bisheriger Erkenntnisse, dass Leben auf dem Planeten Venus existiert. Eigentlich müsste es dafür angesichts einer Oberflächentemperatur von 460° C viel zu heiß sein. Doch die Atmosphäre böte in den höheren Bereichen ideale Voraussetzungen für Leben auf Basis von Bakterien, die sehr hohe Temperaturen aushalten können. Sie wachsen oft in hoher Dichte und in Bereichen, die für tierisches Leben zu heiß sind. Bilden demnach Bakterien in der Venus-Atmosphäre üppige, schwebende Matten und sorgen damit für den hohen Kohlenstoffanteil?


Bakerienmatten in 400 Meter Tiefe vor der Küste Mittelamerikas
Foto: MARUM, Bremen


Coronae sind blasenartige Anhebungen auf der Venus-Oberfläche, die aufbrechen und wieder zusammensinken, Heisse Schwefelsäuregase füllen die tieferen Regionen. Künstlerische Darstellung von Harald Haack.

Erde und Venus waren sich seiner Meinung nach ähnlich. Das müsse vor vier Milliarden Jahren gewesen sein, schätzt er: „Die Mechanismen, welche die Erde am Anfang mit Wasser versorgten, waren höchstwahrscheinlich auch bei der Venus am Werk“. Doch dann habe der Nachbarplanet „das Element des Lebens“ verloren, „weil er näher an der Sonne lag und deswegen wärmer war als die Erde“. Er glaubt, die Atmosphäre sei derart voller Wasserdampf gewesen, dass sich ein Teil des Wassers unaufhaltsam in den Weltraum verflüchtigte. Wann dies passierte, sei ihm unklar.

Der Geochemiker James Kasting von der Pennsylvania State University habe errechnet, so erklärt Grinspoon, die Ozeane der Venus seien etwa 600 Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems verdampft – also vor 4 Milliarden Jahren.

Grinspoon will die Verhältnisse auf der jungen Venus erneut simuliert haben und im Gegensatz zu Kasting integrierte er die Wolken in sein Modell. Demnach könnten die Wolken den Planeten gekühlt haben, womit der Verlust der Ozeane zwei Milliarden Jahre lang verzögert wurde.

Laut Grinspoon gibt es auf der Venus nur noch kleine Flecken einer alten Welt, der ältesten Kruste dieses Planeten, die vor etwa 600 Millionen Jahren bei massiven Vulkanausbrüchen erneuert wurde. Die Flecken seien die Hochländer dieses Planeten.

Eine Plattentektonik könne es auf der Venus nicht mehr geben, weil das Wasser dazu fehle, sagt Grinspoon und erklärt, Wasser sei sozusagen das Schmiermittel der Plattentektonik. Weil es auf der Erde Ozeane gibt, gebe es hier die Plattentektonik. Um nun in den Hochländern nach Lebensspuren suchen zu können, wünscht er sich eine Mission zur Venusoberfläche und ist sich bewusst, dass sein Wunsch so gut wie gar nicht realisierbar ist: „Eine Stunde auf der Venusoberfläche Messungen zu machen wäre teurer als eine einmonatige Mission zum Mars.“

Doch wahrscheinlich muss er so schnell noch nicht zur Venus reisen. Die Expedition M66-2 mit dem Forschungsschiff METEOR unter der Leitung von Dr. Gregor Rehder vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (IFM-GEOMAR), untersuchte, ausgerüstet mit modernster Meerestechnik, die Tiefsee vor den Küsten Costa Ricas und Nicaraguas. Auch in dieser lebensfeindlich anmutenden Umgebung gbt es hoch spezialisierte Lebensformen, die angepasst an diese Verhältnisse sind. In solchen Regionen brodelt es, Gase entweichen aus dem Boden, Erdbeben erschüttern den Meeresgrund und können Schlammlawinen auslösen. Die Ursache liegt tiefer unter dem Meeresboden. Große Mengen wasserreicher Sedimente werden am mittelamerikanischen Tiefseegraben unter die Festlandsplatte geschoben. Auf dem Weg in immer größere Tiefe entstehen mit Methan und Nährstoffen angereicherte Fluide, die unter zunehmender Hitze und unter der Last des Kontinents aus den Sedimenten ausgedrückt werden und auf verschiedenen Wegen an die Oberfläche des Meeresbodens zurückgelangen. Die Expedition fand Bakterienmatten bereits in einer Tiefe von 400 Metern in einem Bereich, den man wegen seiner natürlich vorkommenden Schadstoffe bislang für absolut lebensfeindlich angesehen hatte.

Der„Titanic“-Regisseur James Cameron, sieht die Tiefsee als „Schule“ für Astrobiologen. Ein Astrobiologe sei jemand, der sich mit etwas beschäftigt, was er nicht anfassen kann, sagt Cameron, „er studiert theoretisches Leben und überlegt, wo er es finden und wie er es erforschen könnte.“

Cameron versammelte eine Mannschaft von Astrobiologen und Meeresforschern um sich und unternahm mit ihnen U-Boot-Tauchgänge. Herausgekommen ist dabei der Dokumentar-Kinofilm „Aliens der Meere“, der inzwischen auch auf DVD erhältlich ist. Cameron plädiert darin nicht nur für eine Erforschung der Tiefsee, sondern hofft auch, dass das gewonnene Wissen hilft, bislang unbekannte Wesen zu schützen – hier auf der Erde wie auch auf anderen Planeten. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Lebensbedingungen an Hydrothermalquellen in der Tiefsee auf der Erde denen gleichen, die auf anderen Planeten existieren. Die Suche nach fremden Leben beginnt also in der Tiefe – hier auf der Erde.

vermischtes

Brasiliens Fußball-Meisterschaft beginnt

Karl Weiss – Die brasilianischen Vereine in der Copa Libertadores, dem Gegenstück zur ‚Champions Leage’ in Südamerika, sind ein Spiel vor Ende der Gruppenphase entweder schon klassifiziert oder haben gute Chancen – mit einer Ausnahme. Von Februar bis in die erste Aprilwoche werden in Brasilien noch die Meisterschaften der einzelnen Bundesländer ausgetragen.


Fussball der Götter

Erst jetzt, ab dem Ostersonntag, beginnt die brasilianische Meisterschaft, die erst seit drei Jahren im in anderen Ländern längst üblichen Turnus von Hin- und Rückrunde aller gegen alle ausgetragen wird und bis Ende Dezember geht. Die einzelnen Ländermeisterschaften hatten z.T überraschende Ergebnisse.

Wie die Champions Leage, wird auch in der Copa Libertadores, die im Februar beginnt, zuerst eine Gruppenphase ausgetragen, bei der zwei von vier Mannschaften der Gruppe weiterkommen. Alle brasilianischen Mannschaften liegen jetzt, ein Spiel vor Ende der Gruppenphase, auf einem der begehrten ersten zwei Plätze, mit der Ausnahme von Pokalsieger Paulista, einem Zweitligaverein, dem sowieso nicht zugetraut worden war, in der Libertadores Bäume auszureißen. Er hatte auch noch mit dem argentinischen Club River Plate und dem paraguaianischen Libertad zwei starke Teams zugelost bekommen, so daß wohl nicht anderes als ein Ausscheiden in der Gruppenphase herauskommen wird, auch wenn noch rechnerische Chancen bestehen.

Dann würden nur 5 der 6 gestarteten brasilianischen Clubs übrig bleiben. Normal hat Brasilien „nur“ 5 Plätze in der Libertadores, aber dieses Mal kam der letztjährige Gewinner São Paulo dazu, so daß Brasilien mit einer Rekordzahl von Vereinen anfing. Allerdings hatten sich die dritten und vierten der brasilianischen Meisterschaft in eine Klassifizierungsrunde begeben müssen, aber dort trifft man üblicherweise auf leichte Gegner.

Fussball auf 3400 Meter Höhe
Ausgerechnet Vorjahrssieger São Paulo war vor dem fünften Spiel aber der gefährdeteste der anderen 5 Vereine. In seiner Gruppe ist überragend der mexikanische Club Chivas aus Guadalajara, der bisher nur einen Punkt abgab und unter anderem São Paulo zweimal geschlagen hat. So mußte man nun den zweiten Platz mit den beiden anderen Clubs der Gruppe, Caracas aus Venezuela und Cienciano aus Peru, austragen. Mit einem Sieg über Cienciano in Cuszco, Peru in 3.400m Höhe schaffte São Paulo das am 12.4.

Die anderen vier brasilianischen Vereine, Meister Corinthians, Zweiter Internacional Porto Alegre, Dritter Goiás und Vierter Palmeiras São Paulo, sind schon endgültig (die beiden letzteren) oder praktisch (die beiden ersteren) klassifiziert. Allerdings werden in der nächsten Phase, den Achtelfinalspielen, voraussichtlich bereits São Paulo und Palmeiras aufeinander treffen. In den darauffolgenden Viertelfinals werden die verbliebenen brasilianischen Vereine gegeneinander spielen (so sie die Achtelfinals überstehen), so daß sicher gestellt ist, daß in die Halbfinals wahrscheinlich höchstens zwei brasilianische Vereine kommen.

Der südamerikanische Verband lädt zur Copa Libertadores nun schon seit Jahren regelmäßig die ersten drei der mexikanischen Liga ein, so daß diese eigentlich südamerikanische Liga zu einer lateinamerikanischen oder sogar zu einer Liga der Americas wird. Bisher hat aber noch kein mexikanischer Verein den Pokal holen können, wenn auch schon einmal einer im Endspiel war. Dieses Jahr hat wieder ein Club aus Mexiko, Chivas, gute Chancen, so weit zu kommen.

Daneben haben die verbleibenden brasilianischen Clubs Chancen, während von den vier gestarteten argentinischen Clubs bereits zwei in der Gruppenphase drohen stecken zu bleiben: Estudiantes ist letzter seiner Gruppe und Rosário Central kann nur noch durch eine spezielle Kombination von Ergebnissen Atletico aus Kolumbien vom zweiten Gruppenplatz vertreiben. Die beiden anderen argentinischen Clubs aber, River Plate und ein in Hochform befindliches Velez Sarsfield, gehören mit zu den Favoriten des Wettbewerbs.

Die brasilianischen Landesmeisterschaften:
Um mit der Rio-de-Janeiro-Meisterschaft zu beginnen: Mit einem 3: 1 Sieg über Madureira im Endspiel sicherte sich Botafogo, der Club von Garrincha, zum 18. Male die lokale Meisterschaft, die dieses Jahr zum hundertsten Male ausgetragen wurde. Daß damit einer der vier großen Clubs aus Rio gewonnen hat, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß alle vier in Krisen stecken, wenn auch in unterschiedlichen Maße.

Die vier großen, die alle in der ersten brasilianischen Liga spielen, hatten es in der lokalen Meisterschaft mit einer Anzahl von „Kleinen“ zu tun, von denen nicht einer auch nur in der zweiten brasilianischen Liga spielt. Trotzdem schafften es weder Flamengo, noch Vasco da Gama, noch Fluminense, auch nur die Halbfinals zu erreichen, die mit eigenen Cups ausgetragen werden. Lediglich Botafogo wischte noch ganz knapp in eines dieser Halbfinals. Im anderen waren zwei „kleine“ unter sich, Americano und Madureira, wobei Madureira das bessere Ende erwischte und in die zwei Endspiele gegen Botafogo einzog.

Geheimvaforit
Die bei weitem leistungsstärkste Landesmeisterschaft wird in São Paulo ausgetragen. Doch nicht die Favoriten gewannen, weder der brasilianische Meister von Ende 2005, Corinthians, der nur Sechster wurde, noch der Geheimfavorit Palmeiras, noch die in der Endphase groß auftrumpfende Mannschaft von F.C. São Paulo, dem Gewinner des Confederations-Cup der Vereine (Vereins-Weltmeister) vom Dezember, als man den europäischen Vertreter Liverpool auf den zweiten Platz verwies. Meister wurde vielmehr nach einer Pause von 21 Jahren wieder der Santos F. C., der Club Pelés. Das war der 16. São-Paulo-Titel für Santos, wobei der größte Teil davon aus der Zeit Pelés stammt.

São Paulo war nach der Vereins-Weltmeisterschaft äußerst schwach gestartet, verlor gegen mehrere „kleine“, sogar im eigenen Stadion, legte dann aber einen sehenswerten Endspurt hin, der aber nur bis auf einen Punkt an Meister Santos heranführte. Die São-Paulo-Meisterschaft war dieses Jahr nach langer Zeit wieder nach dem Punktsystem mit einer einfachen Runde jeder gegen jeden ausgetragen worden.

Einen sicherlich wesentlichen Anteil am Sieg von Santos hat sein neuer Trainer, Luxemburgo. Noch vor kurzem bei Real Madrid als Trainer entlassen, ging er zurück nach Brasilien und setzte seine Arbeit genau dort fort, wo er sie vor dem Gastspiel in Madrid unterbrochen hatte, bei Santos. Das dann auch gleich die Meisterschaft heraussprang, war aber dennoch unerwartet. Luxemburgo hat ein wahres „Händchen“ mit brasilianischen Mannschaften, solange es gegen andere brasilianische geht. Er ist aber offenbar nicht in der Lage, andere Spielanlagen als die brasilianische zu verstehen und Mannschaften darauf einzustellen.

Grosse Clubs
Eine andere starke Landesmeisterschaft ist die von Rio Grande do Sul, wo die beiden großen Clubs aus Porto Alegre, Gremio und Internacional, mehrfache Brasilien-Meister und zusammen mit Juventude die einzigen Erstligaclubs im Staat, das Endspiel austrugen, was seit sechs Jahren nicht mehr der Fall gewesen war. ‚Inter’ war der Favorit, denn man hatte gerade vor kurzem die brasilianische Vize-Meisterschaft errungen. Wären nicht die Spielwiederholungen wegen des Wett-Skandals angesetzt worden, wäre ‚Inter’ Meister gewesen. Gremio dagegen war vorletztes Jahr in die zweite brasilianische Liga abgestiegen, hat aber Ende letzten Jahres den direkten Wiederaufstieg geschafft. ‚Inter’ steht auch an der Spitze seiner Gruppe in der Copa Libertadores, während Gremio von einem Platz in der Libertadores vorläufig nur träumen kann.

‚Inter’ hatte außerdem die letzten vier Jahre ununterbrochen die Landesmeisterschaft gewonnen. Im Hinspiel vor einer Woche im Stadion von Gremio hatte es ein 0 : 0 gegeben. So mußte am Sonntag vor Ostern im ’Inter’-Stadion „Beira Rio“ die Entscheidung fallen. Gremio erreichte ein 1 : 1-Unentschieden und trug die Meistertrophäe davon, denn auswärts erzielte Tore zählten doppelt. Zwar ist „auswärts“ hier etwas relativ, denn die Stadien der beiden Vereine sind weniger als einen Kilometer voneinander entfernt, aber Regel ist Regel.

Unschlagbar
Eine andere hart umkämpfte Meisterschaft ist die des Bundestaates Paraná. Am Anfang blieb Atlético Paranaense lange Zeit ungeschlagen und sein neuer Trainer, niemand geringeres als Lothar Mathäus, schien gut einzuschlagen. Er war der erste deutsche Trainer, der je in Brasilien gearbeitet hat und man war gespannt, wie er sich halten würde. Er ist in Brasilien bekannt – als Spieler natürlich – und erregte viel Aufsehen. Dann aber, mitten in der Meisterschaft, reiste er plötzlich „aus persönlichen Gründen“ nach Deutschland und seine Rückkehr verzögerte sich ein ums andere Mal. Schließich ließer mitteilen, er werde nicht zurückkehren, er leide an Heimweh. So bekamen dann die Brasilianer einen Eindruck davon, was deutsche Zuverlässigkeit heisst. Statt Atlético wurde schließich Paraná Clube Meister.

Weitere Landesmeisterschaften: In Minas Gerais setzte sich erwartungsgemäß Cruzeiro Belo Horizonte durch, genauso wie in Goiás Goiás. Die Meisterschaft von Santa Catarina gewann Figuerense, gerade aus der ersten Liga der brasilianischen Meisterschaft abgestiegen.

kultur

The secret Life of Words

Sonja Wenger – «The secret life of words»; ein stiller, zutiefst bewegender Film darüber, wie der Mensch mit seiner Vergangenheit umgeht und der Frage, ob es möglich ist, durch Liebe und Verständnis die seelischen Wunden von Kriegsopfern heilen können.

Hanna (Sarah Polley) ist beinahe taub und lebt in einer abgeschotteten, klinisch sauberen, bis ins letzte Detail geregelten Welt. Als ihr Vorgesetzter sie quasi dazu zwingt, einmal Urlaub zu nehmen, lässt sie sich auf einer Ölbohrinsel im graukalten Atlantik als Krankenschwester anstellen. Sie soll den bei einem Feuer schwer verletzten Josef (Tim Robbins) so lange pflegen, bis er transportfähig ist.

Das Zusammenleben mit den Eigenbrötlern der Insel öffnet Hanna eine völlig neue Welt und aus der anfänglich professionellen Distanz zu Josef entwickelt sich bald eine für beide überraschende Intimität. Sie geht soweit, dass sie einander in ihre Geschichten einweihen, was für Hanna jedoch auch den Abbruch der Beziehung bedeutet. Als Josef wieder gesund ist, macht er sich auf die Suche nach Hanna.

Nach «My life without me» ist dies die zweite Zusammenarbeit der kanadischen Schauspielerin Sarah Polley mit der spanischen Regisseurin Isabel Coixet. Auszüge aus einem Interview mit der Regisseurin.

Sonja Wenger: Frau Coixet, worum geht es in wenigen Worten in diesem Film?

Isabel Coixet: Es geht um das Überleben. Wie ein menschliches Wesen durch die Hölle (der Folter) gehen muss und mit diesen Erfahrungen umgeht. Als ich ein Kind war, habe ich mich immer gefragt, was in Menschen vorgeht, die in einem Konzentrationslager waren. Ich dachte: Sie haben überlebt und nun wird ihr Leben wieder wunderbar sein. Erst Jahre später realisierte ich, dass für diese Menschen danach nur eine andere Art der Hölle beginnt.

So wie Hannas Therapeutin im Film einmal sagt: «Die Scham, noch am Leben zu sein». Hanna wird im real existierenden Internationalen Zentrum für die Rehabilitierung und Beratung von Folteropfern (IRCT) in Dänemark betreut. Wie ist dieser Bezug entstanden?

Nach meinem letzten Film «My life without me», bot man mir an, einen Dokumentarfi lm über eine Nichtstaatliche Organisation zu machen. Ich hatte Jahre zuvor ein Interview mit der Gründerin des IRCT, Inge Genefke, gehört und war sehr beeindruckt von ihr. Diese Organisation kämpft auf zwei Ebenen: Zum einen auf der politischen, indem sie ganz direkt gegen die Folter kämpft, zum anderen entwickelt sie Therapien, um Folteropfern zu helfen. So kam ich für Interviews mit ihr nach Kopenhagen und habe dort und in Sarajewo, wo das IRCT ein Center hat, auch mit vielen Folteropfern direkt gesprochen. Als ich nach Spanien zurückkehrte, haben mich diese Geschichten nicht mehr losgelassen. Es war aber nie meine Absicht, einen Film über den Balkan oder den Krieg zu machen. Ich glaube nicht, dass man das als aussenstehende Person kann, zu diesem schweren Thema fehlte mir auch der Bezug. Was ich aber mitbrachte, war eine grosses Wissen über das Leiden, denn ich empfi nde schon seit meiner Kindheit eine grosse Empathie für Menschen, die gelitten haben. Ich weiss aber nicht, weshalb das so ist. In meinem Leben gab es nie eine grosse Tragödie.

Wie gehen sie mit dieser Empathie um?

Ich weiss es nicht. Aber als wir diese Dokumentation gemacht haben, konnten wir abends kaum darüber sprechen. Man hört all diese schrecklichen Geschichten und weiss gleichzeitig, dass man diesen Film machen und sich irgendwie davor schützen muss. Jeder Therapeut auf der Welt weiss, dass man einem Menschen nicht helfen kann, wenn man selber schwach ist. Ich sehe diese Fähigkeit als ein Geschenk.

Sie haben die Rolle speziell für Sarah Polley geschrieben. Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit einer solchen Schauspielerin oder mit Tim Robbins vorstellen?

Mit guten Schauspielern ist die Arbeit sehr viel einfacher, denn sie stellen immer die richtigen Fragen. Tim ist einer dieser wenigen Schauspieler, die an einem Punkt in ihrer Karriere stehen, in denen sie nur noch Rollen annehmen, die sie auch persönlich herausfordern. Und Sarah ist für mich eine der besten Schauspielerinnen dieser Generation. Es gab nur etwas, was mir wirklich Sorge bereitet hat. Ich wusste, dass beide perfekt für die Rollen sein würden. Aber was würde passieren, wenn sie zusammen kommen? Denn sie haben sich vorher nicht gekannt. Ich erinnere mich, dass Tim einen Tag, nachdem George Bush wiedergewählt worden war, für die erste Drehbuchlesung ankam. Entsprechend war er in einer ziemlich miesen Stimmung. Als wir die beiden das erste Mal zusammen sahen, dachten wir, dass dies niemals funktionieren kann. Man muss sich den physischen Unterschied vorstellen. Sarah ist diese zierliche kleine Frau und Tim… Aber vom ersten Moment an, als wir das Skript lasen, entstand diese unglaubliche Chemie zwischen den beiden und das war phantastisch!

Diese Filmschau erschien im Berner ensuite kulturmagazin

kriminalitaet

Rio: Bürgerkrieg in den Favelas

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Am Montag, den 10. April frühmorgens wurde man durch den Widerhall von Schußwechseln geweckt, wenn man, wie der Autor, in der Nordzone der Stadt Rio wohnt, in der Nähe des Maracanã-Stadions. Eine der Favelas dort wurde durch die kriminelle Mafia-Organisation der Nachbarfavela überfallen, weil man die lukrativen Verkaufspunkte für Drogen in jener Favela erobern wollte.

Die Favelas werden seit neuestem ‘comunidades’ (Communities) genannt. Das Rezept, das Politiker der cleveren Sorte (Typ Schröder) immer wieder anwenden: Wenn man schon die Wirklichkeit nicht verändern will, verändert man stattdessen den Namen. So wurden aus den Fremdarbeitern die „Gastarbeiter“ und aus Bombenkriegsopfern „Lateralschäden“, na und so macht man aus Favelas eben „Communities“.

Tod durch die Mafia
In der „Community“ Morro de São Carlos (der Hügel Karls des Großen) war vor einer Woche der Anführer der dort herrschenden Unterabteilung einer der Mafia-Drogenbanden, Aritana, ermordet worden. Nun versucht die Unterabteilung einer anderen Bande, die den benachbarten Hügel Morro da Mineira (Hügel der Frau aus Minas) terrorisiert, diesen Hügel im Sturmlauf zu erobern, während die dort sitzende Terrorbande ihn verteidigt. Man konnte deutlich die Bewaffnung unterscheiden. Zum Teil werden Maschinenpistolen verwendet, die zwar einen Feuerschutz bieten, aber kaum zum gezielten Treffen in Entfernung zu gebrauchen sind. Dazwischen hört man immer wieder Gewehrschüsse, wenn gezielt versucht wird zu töten. Dagegen erscheinen die dumpfen Pistolenschüsse eher wie Platzpatronen.

Nachdem die Kämpfe über Stunden andauerten und die Polizei abwartete, wer gewinnen würde, war der Krieg gegen 10 Uhr morgens beendet und die Polizei besetzte den Hügel.

Es wird einmal mehr deutlich, daß es mitten in der Großstadt Rio (mit den angrenzenden Städten 10 Millionen Einwohner) „No-go“-Bereiche existieren, die allein von Drogenbanden beherrscht werden und in die sich die Polizei bestenfalls hineintraut wenn alles vorüber ist.

Wiederum wurden unbeteiligte Zivilisten verletzt und es gab eine noch nicht genau feststehende Zahl von Toten. Die Polizei ließ weder verlauten, ob die Toten Zivilisten oder Bandenmitglieder sind, noch, wer gewonnen hat. Naja, für die Polizeioberen sind alle Favelabewohner Bandenmitglieder. In Wirklichkeit terrorisiert eine kleine bis an die Zähne bewaffnete Clique diese Bewohner, die von der Polizei keinerlei Hilfe mehr empfangen, nur noch Kugeln.

Tief fliegende Kugeln
Am gleichen Tag hörte der Autor, was einem Bekannten von ihm letzte Woche passiert war. Er fuhr auf der „linha vermelha“, einer der wichtigsten Stadtautobahnen, mit seinem Auto an der Favela „Complexo da maré“ vorbei („Gezeiten-Komplex“), als plötzlich eine Kugel sein Auto traf. Zum Glück wurde nur eine hintere Seitenscheibe pulverisiert. Zehntelsekunden vorher hätte es ihn getroffen. Man weiß nicht, ob es einfach eine verirrte Kugel war oder ob sich jemand ein Vergnügen daraus machte, aus der Ferne auf vorbeifahrende Autos zu schießen.

Das sind die Zustände, wie sie sich auch in den noch immer naserümpfenden Metropolen der Industriestaaten entwickeln werden, wenn es uns nicht gelingt, den Kapitalismus zum Teufel zu schicken. In Deutschland z.B. ist fast jegliche Verfolgung der organisierten Kriminalität bereits eingestellt worden. Im Frankfurter Bahnhofsviertel z.B., aber auch an manch anderen Orten, beginnen sich schon langsam die ersten Anzeichen solcher Strukturen herauszubilden. Die kapitalistische Barbarei winkt aus dem Süden!