afrika

Manto Tshabalala-Msimang – Tod einer AIDS-Leugnerin

Dr. Alexander von Paleske – 22.12. 2009 — Eigentlich halte auch ich mich an den Grundsatz “ De Mortuis Nihil Nisi Bene“ – Nichts als Gutes über die Toten. Aber hier geht es um eine Person, die direkt und indirekt für den Tod von Tausenden von Menschen verantwortlich ist. Und die Mitverantwortlichen sitzen nicht nur in Südafrika, sondern auch in Deutschland – straffrei versteht sich.

Schlagzeilen machte die 1940 geborene südafrikanische Gesundheitsministerin als „Dr. Beetroot“. Statt antiretroviralen Medikamenten propagierte sie rote Bete (Beetroot) Gemüse, Olivenöl, Knoblauch und afrikanische Kartoffeln als Mittel gegen die HIV-Krankheit.

Mit Gemüse zur Lächerlichkeit
Auf einer internationalen AIDS Konferenz in Toronto im Jahre 2006 packte sie sogar diese Produkte auf einen Stand und gab damit sich selbst und Südafrika der Lächerlichkeit preis.

Schlimmer noch: Mindestens 30.000 Südafrikaner – nach Schätzungen von Forschern der Harvard-Universität aber 350.000 – könnten heute noch leben, wenn Manto ihren medizinischen Sachverstand benutzt hätte, statt papageienartig das nachzuplappern, was Südafrikas damaliger Präsident Thabo Mbeki – ohne jeglichen medizinischen Sachverstand – falsch vorsang. Sie hätte dem Präsidenten Mbeki die Leviten lesen sollen, als dieser anfing, die abstrusen Thesen der internationalen AIDS-Leugner aufzugreifen, zu denen auch der Kieler Internist Claus Koehnlein gehört, und diese Herrschaften dann auch noch zu seinen Beratern machte.

Manto lieferte aber pseudowissenschaftliche Schützenhilfe, statt medizinischem Allgemeinwissen.
AIDS wurde nun – wider alle wissenschaftliche Vernunft – als eine Folge von Unterernährung angesehen und damit leicht behandelbar. Schlimmer noch: Die AIDS-Seuche wurde mit den uverantwortlichen Stellungnahmen des Präsidenten Mbeki verharmlost. Und dies in einem Land, wo 10% der 50 Millionen Einwohner mit dem HIV-Virus infiziert sind.

Ein deutscher Mitstreiter namens Dr. Matthias Rath
Ausserdem liess Manto Tshabalala Msimang umstrittene Personen wie den Deutschen Dr. Matthias Rath ins Land, der seine Pillchen und Nahrungs-Ergänzungstoffe, für die er in Grossanzeigen warb, an HIV-Kranke verhökerte.

Und beide, Rath und Manto, ermutigten Patienten, die bereits mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden, die Einnahme von Anti-Aids-Medikamenten zu stoppen und auf Raths Zeugs umzusteigen, mit katastrophalen Folgen.

Waffen ja, Medikamente nein
Schliesslich behauptete Manto noch, Südafrika habe nicht genügend Geld für die Behandlung von HIV-Kranken, wies aber gleichzeitig eine Geldspende zur Behandlung Aids-Kranker in Höhe von 75 Millionen US-Dollar zurück.

In der Folgezeit wurden dann zwar jede Mengen hochmoderner Waffensyteme für Südafrika in Europa eingekauft, noch dazu unter skandalträchtigen Umständen, aber nur unzureichend antiretrovirale Medikamente importiert.

Erst mit der erzwungenen Abdankung Thabo Mbekis im Jahre 2008 kam der Spuk zum Ende. Manto wurde als Gesundheitsministerin abgelöst.

Das tragische Ende
Es ist das in gewisser Weise tragische Ende einer einst mutigen jungen Frau, die sich dem ANC, der jetzigen Regierungspartei und damaligen schwarzen Oppositionspartei Südafrikas, anschloss, und von ihr zusammen mit Thabo Mbeki und anderen zum Studium ins Ausland geschickt wurde.

Manto studierte Medizin in Moskau und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Danach arbeitete sie als Aerztin unter anderem in Botswana, aber da wurde sie straffällig. Sie stahl Wertgegenstände von Patienten und Krankenhausinventar. Ein Gericht in Botswana verurteilte sie dewegen zu einer Geldstrafe und verwies sie für 10 Jahre des Landes.

1990 kehrte Manto nach Südafrika zurück, wurde nach den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 Parlamentsabgeordente und machte sich im Parlament einen Namen für ihren Sachverstand im Gesundheitsausschuss. Im Jahre 1999 wurde sie Gesundheitsministerin.
Manto Tshabalala-Msimang starb am 16. 12. 2009 an den Folgen einer im Jahre 2007 durchgeführten Lebertransplantation, auch diese skandalträchtig, da sie die Warteliste übersprang und als chronisch Alkoholkranke ohnehin ein ungeeigneter Kandidat für eine Transplantation war.

linkKampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome
linkDas Ende einer Rath-Fahrt – Pillensendung in Südafrika beschlagnahmt
linkWelt AIDS-Tag – ein Blick nach Südafrika
linkSüdafrika – Mbeki-Nachfolger Kgalema Motlanthe vereidigt
linkSüdafrika, 46664, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS
HIV kein Virus oder harmloses Virus ??
Sehr geehrter Herr Engelbrecht

Zu den Waffengeschäften mit Südafrika
Der Airbus–Militärtransporter-Deal mit Südafrika – Ein bitter notwendiges Ende
Deutschland, Südafrika und ein Waffenskandal ohne Ende
Südafrika – Auf dem Weg in eine Bananenrepublik?

Klimakatastrophe

Klima-Konferenz in Kopenhagen – Am Ende nur Peanuts

Dr. Alexander von Paleske — Es solte ein Wendepunkt werden, angesichts der Klimakatastrophe. Durchgreifende Massnahmen sollten beschlossen werden, um der weiteren Erwärmung Einhalt zu gebieten. Es sah aus, als sei ein Berg schwanger, aber zum Schluss wurde lediglich ein Mäuslein geboren.

Treibhausgas- abhängige Länder wie Australien und Kanada versuchten zu blockieren, wo es nur ging, und die Volksrepublik China, neben, den USA der grösste Produzent von Treibhausgasen, etablierte sich in der Rolle der aufsteigenden Supermacht, ohne die nichts mehr läuft, während die USA sich in der umgekehrten Rolle wiederfanden – trotz Obama.

Abgesehen von einer Absichtserklärung, die Temperatursteigerung auf 2 Grad zu begrenzen, gab es schon beim „wie“ daher keine Einigung mehr.

Und die begrenzten finanziellen Zusagen der Industriestaaten – 20 Milliarden US Dollar – für die am meisten von den Klimaveränderungen betroffenen Länder sind Peanuts, angesichts der enormen Kosten, die z.B. ein Land wie Bangladesh aufbringen müsste, um sich wirksam gegen Ueberflutungen zu schützen oder afrikanische Länder sich gegen die Dürre.

Und es sind Peanuts, angesichts der Multimilliardenbeträge, die den Banken in den Rachen geworfen wurden. Die Hypo Real Estate in Deutschland erhielt allein mehr als 100 Milliarden Euro, also mehr als das fünffache dessen, was von den Industrienationen insgesamt jetzt in Kopenhagen versprochen wurde.
Simbabwes Präsident Robert Mugabe hatte Recht, als er sagte:
,
„ If the climate had been a bank, it would have been bailed out”

Es sind zwar die richtigen Worte, aber aus dem Mund eines Politikers, der nur mit Hilfe von brutaler Gewalt seine Wiederwahl vor 18 Monaten erreichen konnte, und die deshalb wenig Gewicht auf der Konferenz hatten. Zumal er dann auch noch beklagte, dass die Industrieländer so besorgt um Menschenrechte, aber so wenig besorgt um das Klima seien.

Immerhin hatten sich die afrikanischen Staaten auf gemeinsame Forderungen geeinigt, die sie in der „Nairobi-Declaration“ verabschiedet hatten und die von Südafrika nachdrücklich vertreten wurden. Nur Aethiopien scherte aus der gemeinsamen Front aus, sehr zum Aerger Südafrikas, und versuchte sich mit Frankreich und Grossbritannien im Alleingang zu einigen. Aethiopiens Premier Meles Zenawi forderte nur die Hälfte des in der „Nairobi-Declaration“ verlangten Betrages.

Ausser Spesen nichts gewesen?
Also: Ausser Spesen nichts gewesen? In den nächsten Monaten wird sich das herausstellen. Man kann nur hoffen, dass von der Klima-Konferenz von Kopenhagen mehr als nur die Erinnerung an die Brutalität der Polizei gegen Demonstranten bleibt und der weitgehende Ausschluss der Delegierten der Nichtregierungsorganisationen wie „Friends of the Earth“ . Vom Dienstag an waren nur noch insgesamt 1000 statt der zuvor 15.000 zur Konferenz zugelassen.
Bei den nächsten Treffen sollte auch auf der Tagesordnung stehen , was einzelne Länder bereits als Resultat von Kopenhagen in Angriff nehmen wollen, um der Klimakatastrophe Einhalt zu gebieten.

medien

Der Fall Hypo Alpe-Adria (Skandalpe) – Eine Abschlussbetrachtung

Dr. Alexander von Paleske — 17.12. 2009 — Der Fall Hypo Alpe Adria ist vordergründig erledigt. Die Skandalbank wird zur österreichischen Staatsbank, die Steuerzahler müssen für die Milliardenverluste aufkommen, in Oesterreich, aber vor allem in Bayern.

Was jetzt noch aussteht ist ein Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags zur Aufklärung der Hintergründe des Milliardendebakels, der Anfang nächsten Jahres seine Arbeit aufnehmen soll.

Dann die Bearbeitung der Strafanzeigen der Fraktion der Grünen im bayerischen Landtag gegen die angeblich Verantwortlichen durch die Staatsanwaltschaft.
Anzeigen, in erster Linie gegen den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Beckstein und den ehemaligen bayerischen Finanzminister Faltlhauser.

Auch gegen Tilo Berlin wird ermittelt
Aber auch eine Strafanzeige gegen den Finanzinvestor und ehemaligen Hypo-Alpe-Vorstand Tilo Berlin, der angeblich durch unerlaubte Machenschaften für sich und seine Klienten, darunter offenbar auch die Flick Erben, gut Kasse gemacht haben soll.

Das scheint jedenfalls ein Gutachten der ehemaligen Chef -Controllerin der Commerzbank, Corinna Linner, nahezulegen, welches im Auftrag des bayerischen Finanzministers Fahrenschon im Januar 2009 in Angriff genommen und im Mai fertiggestellt wurde. Darin weist sie offenbar nach, dass die Hypo-Skandalbank seinerzeit übereilt und viel zu teuer von der BayernLB gekauft wurde.

Der Hypo-Alpe Skandal und die Presse
Die Abschlussbetrachtung würde aber zu kurz greifen, ohne die Rolle ausser acht zu lassen, welche die Presse in diesem offenbaren Skandal-Schmierentheater gerade zu Beginn gespielt hat.

Wir sind bei unseren Recherchen über die internationalen Berufsbetrüger Rakesh Saxena, Amador Pastrana, Adnan Khashoggi, Sherman Mazur, Raoul Berthamieu (Berthaumieu alias Lee Sanders) und Regis Possino auf die Hypo Alpe und die mit ihr verbundenen Skandale gestossen, und zwar zu einem Zeitpunkt, als der Verkauf an die BayernLB noch gar nicht über die Bühne gegangen war.
Das von uns recherchierte Material haben wir dann – kostenlos – der Financial Times Deutschland zur Verfügung gestellt, wie bereits zuvor eine Recherche meinerseits über Wertpapier-Betrügereien, in die Adnan Khashoggi und die Deutsche Bank in Toronto verwickelt waren, der Genesis Intermedia Skandal. Diese Recherche, von der FTD übernommen,führte Dezember 2005 dort zu einem Exklusivartikel.

Die FTD nahm auch diesmal sofort die Spur auf, zuckte dann aber vor einer Veröffentlichung zurück, als Tilo Berlin, die Hypo-Alpe und die Bayern LB ihre Anwälte in Stellung gebracht hatten. Einen Prozess wollte man nicht riskieren.

Auch ein Journalist der Süddeutschen Zeitung, der immerhin das Zusammentreffen des österreichischen Rechtsaussen Haider mit den Ministern Faltlhauser und Beckstein in einem Artikel im Mai 2007 kritisiert hatte, winkte ab.

Bloggen statt drucken
Daraufhin entschlossen wir uns, die Ermittlungen selbst weiterzuführen und und nicht mehr auf die Uebernahme durch Printmedien zu warten.

Wir haben dann über die ganze Chronique scandaleuse kontinuierlich berichtet und im Dezember 2008 die bisherigen Ergebnisse in einem langen Artikel zusammengefasst.

Selbst als in diesem Jahr nach dem Rücktritt des Vorstands Tilo Berlin als neuer Vorstand der Banker Franz Pinkl berufen wurde, ein Banker mit einer offenbar zweifelhaften Vergangenheit als Aufsichtsrat bei der österreichischen Kommunalkredit, fand dies keineswegs die nötige Aufmerksamkeit in der Presse.

Es zeichnet sich eine Entwicklung ab, die in den USA längst zu beobachten ist: Die Blogsphäre wird gerade auch für die Aufdeckung von Skandalen immmer bedeutsamer.

Heute würden wir uns nicht mehr der Mühe unterziehen, derartiges explosives Matarial einem Presseorgan anzubieten.
Und so handelten wir dann im Falle der Kaperung der Arctic Sea im Juli diesen Jahres.

Zum Beispiel Arctic Sea
Wir haben in diesem Online Magazin von Anfang an die Piratengeschichte der Arctic Sea als das bezeichnet, was sie ist: Ein Märchen. Aufgrund der vorliegenden Indizien deuteten wir in die einzig logische Richtung: Mossad.
Die Printmedien hingegen „verkauften“ der Oeffentlichkeit lange eine erbärmliche Piratengeschichte und zeigten entweder nur unzureichend oder gar keinen Ansatz von investigativem Journalismus.

Heute bestehen kaum noch Zweifel an der Mossad-Beteiligung daran. Die Angelegenheit soll nun schnellstmöglichst in Vergessenheit geraten.

Warum soll man für derartige Printmedien überhaupt noch Geld auf den Tisch legen?

Die wenigen Aufrechten in der Presselandschaft, wie jüngst der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, werden gefeuert oder droht die Entlassung, weil sie angeblich nicht „genügend“ Rendite erwirtschaften.

Nicht Journalismus sondern Rendite, unrealistische Rendite, wird offenbar zur ausschliesslichen Messlatte. Das kann nicht gutgehen.
Und über die Umwandlung des Pressehauses Gruner und Jahr, das unter anderem auch den STERN herausgibt, unter seinem Vorstand Buchholz in einen Firmen-Dienstleister haben wir bereits mehrfach geschrieben.

Printmedien-Journalismus ade?


Links zum Hypo-Alpe Skandal

linkHypo-Alpe-Skandalbank – Am Ende Sozialisierung der Verluste
linkVerlustbank BayernLB zahlt weiter: Noch eine Milliarde Euro an die Hypo- Alpe
linkHypo Alpe Adria und BayernLB – Haben die Flick -Erben mitverdient?
linkHypo-Alpe-Adria-Bank – vorwärts abwärts
linkVon Milliardengrab zu Milliardengrab: BayernLB-Tochter Hypo- Alpe Adria hat neuen Vorstand
linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale

Links zu Rakesh Saxena
Globale Milliardenschäden – Rakesh Saxena wird ausgeliefert
Ganoven, Goldgräber, Geheimdienste und Diplomaten
linkSöldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Bill Clinton und seine grosszügigen Spender
Craig Murray: Ein Autor ohne Verlag. Rakesh Saxena: Ein Mann ohne Strafe

Links zur Arctic Sea-Story
Pressebericht bestätigt Mossad-Beteiligung an der Arctic- Sea Kaperung
Kaperung der Arctic Sea – die Indizienkette beginnt sich zu schliessen
Kaperung der Arctic Sea – Mehrfacher Waffenschmuggel?
Arctic Sea: Die Öffentlichkeit wird getäuscht
Die Kaperung der Arctic Sea – oder: Windiges aus der russischen Seefahrt
Die Kaperung der Arctic Sea: Fakten, Indizien, Spekulationen
Arctic Sea“- Kaperung: Indizien deuten auf Geheimdienstaktion – vermutlich Mossad – und nicht Piraten

Links zur Zukunft des Journalismus
Gruner und Jahr Verlag: Trübe Aussichten, finanziell und journalistisch
Die neue Gruner und Jahr Story oder: Von Gruner und Jahr zu Anzeigen und Spar
Darfs ein bisschen weniger sein? Oder: Neues zum Niedergang des Qualitätsjournalismus
Untergang des Qualitätsjournalismus? – oder: Josef Joffe und seine Albträume

europa

Hypo-Alpe-Skandalbank – Am Ende Sozialisierung der Verluste

Dr. Alexander von Paleske – 14.12. 2009 — Was sich im Zusammenhang mit der BayernLB-Tochter Hypo-Alpe (Skandalpe) abgespielt hat, ist an Erbärmlichkeit kaum noch zu unterbieten.

Vergangene Nacht wurde eine Lösung zusammengezimmert, die Kärntens „Fass ohne Boden Bank“ zu einer österreichischen Staatsbank macht.

Die BayernLB ist ihre Tochter los, und mit ihr auch noch 2,8 Milliarden Euro – durch den Schornstein.
Anders ausgedrückt: aus 2,8 Milliarden Euro wurde ein Euro, denn zu diesem Preis hat die Verlustbank BayernLB die Hypo Alpe an den österreichischen Staat „verkauft“.
Der Verlustbetrag setzt sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis von rund 1,7 Milliarden Euro und zwei Kapitalerhöhungen zusammen.

Aber damit nicht genug: Ausserdem verzichtete die BayernLB auf satte 825 Millionen Euro, die sie an Forderungen gegenüber ihrer „heissgeliebten“ Tochter hatte. Macht summa summarum rund 3,6 Milliarden Euro.

Und als wäre das nocht nicht schlimm genug, da bleiben noch weitere zugesagte „Liquiditätshilfen“ der BayernLB in Höhe von 3,1 Milliarden Euro bei der Kärntener Skandalbank, wie die Nachrichtenagentur dpa meldete.

In den Büchern der BayernLB fand sich die Hypo-Alpe bis zum gestrigen Tage mit einem Buchwert von etwas mehr als 2 Milliarden Euro. Damit ist es nun vorbei. Die BayernLB kann von schwarzen Zahlen nur träumen.

Nicht nur Verlierer
Aber nicht jeder ist in diesem Zusammenhang ein Verlierer:
Die Liste der Gewinner ist nicht lang, aber gleichwohl eindrucksvoll:
Da ist offenbar einmal der Finanzinvestor Tilo Berlin, auch mal Vorstandsvorsitzender der Hypo Alpe, und da sind, so darf man vermuten, auch die Flick- Erben unter den Gewinnern.

Eine Insolvenz kam nicht in Frage. Die ehemalige „Jörg Haider Bank“ als sechstgrösste Bank der Alpenrepublik wird als „systemrelevant“ eingestuft. Wie schön.

Es gibt eben Unternehmen, die dürfen nicht pleite gehen, komme was da wolle. Steuergelder gibt es ja offenbar genug und notfalls kann man ja die Druckerpresse in Gang setzen oder z.B. bei Hartz IV Empfängern sparen.

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Unkategorisiert

1 Milliarde für Kopenhagen, 1 Milliarde für die marode Hypo-Alpe Bank (Skandalpe)

Dr. Alexander von Paleske 1 Milliarde Euro hat Deutschland in Kopenhagen auf dem Weltklimagipfel für Dritte-Welt Länder angeboten, um die Folgen der von den Industrienationen verursachten Klimaveränderungen abzumildern.

Fast unbemerkt vom Klimagipfel finden in Oesterreich Verhandlungen ganz anderer Art statt, die nicht die Menschheit vor dem Klimawandel bewahren sollen, sondern eine marode Bank in Kärnten, Tochter der Verlustbank BayernLB, vor dem Untergang.

1 Milliarde Euro braucht die „Fass ohne Boden Bank“ jetzt, eine Skandalbank, die eher heute als morgen in die Insolvenz geschickt werden sollte, die, so wie es aussieht, technisch pleite ist, aber nicht untergehen darf.Die Parole heisst offenbar: „Keep a dead warm body alive“.

Wir haben uns hier mit dieser Skandalbank, in der bis zum Verkauf an die BayernLB im Jahre 2007 der mittlerweile verstorbene Rechtsaussen Oesterreichs, Jörg Haider das Sagen hatte, und der seinerzeitige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kulterer mittlerweile wegen Bilanzfälschung verurteilt wurde, seit drei Jahren beschäftigt, während gleichzeitig die Finanzpresse lange Zeit die Skandale um die Bank weitgehend ignorierte.

Selbst eine führende Finanzzeitung in Deutschland, von uns auf die Skandale aufmerksam gemacht, warf nach anfänglichen Recherchen seinerzeit das Handtuch, nachdem die BayernLB, die Hypo-Alpe und der Finanzinvestor Tilo Berlin ihre Anwälte in Stellung gebracht hatten.

1 Milliarde Euro, genau so viel, wie Deutschland auf dem Weltklimagipfel angeboten hat, sollen in diesen unersättlichen Finanz-Moloch jetzt geschaufelt werden, um ihn über Wasser zu halten – bis zum nächsten Zahltag.

Streit besteht zur Zeit lediglich darüber, wer wieviel bezahlt. Oesterreichs Finanzminister Pröll will erst dann zahlen, wenn Bayerns Finanzminister Fahrenschon auch ordentlich was auf den Tisch legt.

Der Vergleich Weltklimagipfel einerseits und Hypo-Alpe andererseits zeigt nur, wie in Wirklichkeit die finanziellen Prioritäten gesetzt werden: Eindeutig falsch.

Siehe auch den Folgeartikel „Hypo-Alpe- Skandalbank – Am Ende Sozialisierung der Verluste“

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kriminalitaet

Im Interview: Professor Christoph Broelsch

Dr. Alexander von Paleske — Professor Christoph Broelsch ist einer der Pioniere der Lebendtransplantation und eine international anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Transplantation schlechthin. Er war zuletzt Ordinarius und Leiter der Transplantationschirurgie am Klinikum der Universität Essen.
Seit 2 Jahren ist er vom Dienst suspendiert und steht nun vor Gericht. Angeklagt wegen angeblicher Vorteilsgewährung, Betrug und Nötigung.

Das nun folgende Interview, das ich nach einem Hauptverhandlungstermin am 20.11 in Essen machte, kam durch Vermittlung eines Lebendspenders zustande und folgt meinem hier veröffentlichten Artikel über Professor Broelsch.

Dieser Hauptverhandlungstermin hat mich nachdenklich gemacht.
Dort traten Patienten auf, die als „hoffnungslose Fälle“ gleichwohl erfolgreich von Professor Boelsch operiert wurden und deren Dankbarkeit in keiner Weise geheuchelt war.

Demgegenüber versuchten Staatsanwaltschaft und das Gericht, in akribischer Weise herauszufinden, ob der Professor an diesem Tag selbst operiert hatte, oder sein ständiger Vertreter bzw. ein anderer Oberarzt oder ob Professor Broelsch in Sofia war, um dort am Aufbau eines Transplantationszentrums Hilfestellung zu leisten.

Als leitender Arzt und ehemaliger Rechtsanwalt kenne ich beide Welten, die juristische wie die medizinische, und weiss nur allzu genau und, wie wenig beide Gruppen wirklich voneinander wissen, es sind praktisch Parallelwelten, in der sie leben und die ihr Denken bestimmen.


Prof Broelsch, Patienten


Prof. Broelsch, Verteidiger
Fotos: Dr. v. Paleske

Herr Professor Broelsch, Ihnen wird vorgeworfen, Geld von Patienten, von Kassenpatienten, die von Ihnen operiert werden wollten, verlangt oder erbeten zu haben. Geld, dass dann auf ein Drittmittelkonto zur Finanzierung von Forschungsprojekten eingezahlt wurde, bzw. werden sollte.
Die Zeugenvernehmungen vor dem Landgericht Essen sind keineswegs abgeschlossen.
Sehen Sie sich angesichts der negativen Berichterstattung durch die Presse nicht bereits als vorverurteilt an? Immerhin hat es selbst in der ansonsten seriösen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ vor Prozessbeginn einen langen Artikel gegeben unter dem reisserischen Titel „Der Kassierer.“

Nicht nur vorverurteilt, man kommt sich gelegentlich ein wenig dekapitiert vor. Das ist ein nicht sehr schöner Zustand, allerdings auf Deutschland begrenzt. Das hat mit meinem internationalen Ansehen kaum etwas zu tun. Ich will das nicht unterschätzen, weil es mich wirklich vor zwei Jahren ziemlich aus der Bahn geworfen hatte, die letzten zwei Jahre meiner beruflichen Lebensplanung. Ich kann allerdings von von Glück sagen, dass es die letzten ein zwei Jahre sind, denn an dieser Institution hätte ich sowieso keinen Tag länger gearbeitet (gemeint ist das Klinikum Essen, der Verf).

Das Verfahren behindert mich auch in der Zwischenzeit mental, es behindert mich seelisch, die Familie ist belastet, die Umwelt und Freunde, wobei der gute Teil aber daran ist, dass man zwischen den Freunden und den anderen nun gut unterscheiden kann..
Der schlechte Teil ist natürlich, dass mir hier etwas vorgeworfen wird, was zum grössten Teil so nicht stimmt . Aber das ist eine Welt, in der wir jetzt leben, die ihre Opfer haben will,. Es scheint wichtig zu sein, dass man irgend wann einmal von seinem Sockel geholt wird. Das ist eine Lehre und ich würde vieles jetzt anders machen, wenn ich das so überblicke.

Was die Vorwürfe zur Spendenaquisition angeht, so denke ich, gibt es da sicherlich zwei Aspekte:
Ganz schlicht gesagt ging es ja da um Patienten, Kassenpatienten, die von mir aber privat behandelt werden wollten, als sogenannte Wahlleistung, die sie aber in gar nicht bezahlen konnten.

Wenn man privat von einem Professor operiert werden will, gibt es eine Wahlleistungsvereinbarung, da gibt es Honorare, es wird dies den Patienten mitgeteilt und da ergibt sich dann durch die notwendige Einschaltung anderer Disziplinen (Anaesthesie z.B.) ein erkleckliches Sümmchen. Nun wäre es rechtlich völlig korrekt gewesen, den Patienten ganz brutal zu sagen: „Ich operiere Sie nachdem Sie ihre Honorarsicherung eingezahlt haben“.

Das machen ja die anderen Chefärzte so

Ja. . Bei den 40 oder so Patienten, die ich im Laufe der Zeit gesehen habe, hielt ich genau das für die brutale und unsoziale Methode: Die Patienten neben der Krankheit nun noch in eine Problematik zu bringen, woher sie denn das ganze Geld auftreiben sollten und damit auf eine Operation in kurzer Zeit zu verzichten, von der sie meinten, dass sie ihnen möglicherweise das Leben retten könnte.

Können Sie vielleicht mal einen Betrag nennen, damit man eine Vorstellung gewinnen kann was die Operation mit allem Drum und Dran als Wahlleistung gekostet hätte und was im Vergleich dazu Sie als Spende für Ihr Forschungskonto verlangt bzw. erbeten haben.

Patienten, die als Privatpatienten, also als Wahlleistungspatienten zu mir kamen, mussten damit rechnen, einen Betrag zwischen 30.000 und 40.000 Euro aufbringen. Dies ist nicht mein Honorar, brutto 7000 bis 8000 Euro gingen an uns , eingeschlossen Anaesthesie usw.
Wenn Sie jetzt von einem Betrag von 30-40.000 Euro ausgehen, dann hätten diese Patienten nach den Regularien des Krankenhauses vorab den Gesamtbetrag entweder auf irgendeine Kasse einzahlen müssen und meinen Anteil auf mein Konto und den Anteil der Kollegen auf deren Konto, für die bin ich aber nicht verantwortlich.
Dieser Betrag hat den Patienten eindeutig einen Schreck eingejagt. Dann habe ich sie gefragt, ob sie anstelle eines Honorars eine Spende für unsere Forschung leisten würden. Das brauchen Sie nicht, das können Sie aber. Dann würde ich Sie operieren und sehen, dass wir einen Operationstermin zusammenbekommen.

Die Patienten haben teilweise lange überlegt, teilweise sehr schnell überlegt , nachgerechnet , ist ja viel billiger für uns, kann ja auch von der Steuer abgesetzt werden und ist für die Forschung, tun wir also auch noch was Gutes dabei.
Ich habe gedacht: Für alle Beteiligten eine „Win Win Situation“. Es gab auch welche, die sagten „Nee möchten wir nicht, wir wollen dann doch lieber vom Oberarzt operiert werden..
In den fünf Jahren, in denen das betrieben wurde, gab es sagen wir mal 10 solcher Patienten pro Jahr , die sind neben den vielen anderen 100 Patienten irgendwann einmal aufgetaucht .
Ich habe mir dabei nie etwas Böses gedacht, vor allem nicht, dass es bei diesen Patienten zu irgendwelchem Druck oder räuberischen Erpressungsphaenomenen kommen könnte, wie die Staatsanwaltschaft das wirklich in nicht akzeptabler Weise in die Oeffentlichkeit hinausposaunt hat.
Dem steht auch entgegen, das haben auch andere Zeugen inzwischen ausgesagt, dass sie auf den Stationen glücklich und froh waren, und nicht in irgendeiner Weise sich geäussert hatten, dass sie benachteiligt, bevorteiligt , dass alles mit schlechten Dingen zugegangen sei weder während des stationäen Aufenthalts, noch bei den Nachuntersuchungen. Dies ist dokumentiert in den vielen Dankeschön-Briefen , die wir bekamen, auch noch in dem Steuerbescheiden, die sie dann bekamen. Keiner kam auf die Idee, zu sagen, „das scheint alles doch ein bisschen anrüchig zu sein“
Daraus einen Straftatbestand zu machen, einen Vorwurf der Bestechlichkeit , ist mir unverständlich, weil man sich ja auf einen Geldbetrag als Spende für ein Forschungsvorhaben geeinigt hatte, um dann nach Terminplan des Professors, es ging gar nicht um schnelle Termine, meine Privatpatienten haben immer zügig Termine bekommen, weil ich einfach wegoperieren wollte. Das ist im übrigen gang und gäbe in Deutschland.

Nun kann man ja schon in gewisser Weise moralische Bedenken haben in der Weise, dass die Bezahlung vor der Operation, also einer oft für den Patienten verzweifelten Lage, aber nicht hinterher erbeten wurde.

Ja, wenn Sie Moral gegen Moral abwägen, dann ja, aber nicht, wenn sie das gegen die steinharte Moral abwägen, die üblich ist, bei Privatpatienten“Jetzt zahlen sie erst einmal bevor wir überhaupt einen Termin reden“ . Und letzteres ist die Realität in der deutschen Medizin.
Nur bei meiner Vorgensweise kam man auf die Idee, „ja, die müssen die Leistung doch auch kostenfrei bekommen“. Müssen sie ja auch, aber über die Poliklinik und entsprechend der Bettenkapazität , unter Berücksichtigung des deutschem Arbeitszeitgesetzes usw. Das muss alles in Betracht gezogen werden.

Die Patienten hatten sich damit eine gewisse Sonderregelung „erkauft“, weil Professoren und die in freier Praxis tätigen Aerzte sich nicht um die Arbeitszeitregeln kümmern, soweit es die eigene Person betrifft.Wir sind Pfingsten da, wir sind auch Weihnachten da und pochen nicht auf irgendein Dienstzeitrecht.
:
Nun wirft Ihnen die Statsanwaltschaft auch noch Betrug vor,insoweit, dass sie als Chef bei Privatpatienten (Wahlleistungspatienten) abgerechnet haben auch wenn Sie die Operation gar nicht selbst durchgeführt sondern duch Ihren 1. Oberarzt oder einer Ihrer anderen Oberärzte haben ausführen lassen, bzw. die Operationen nicht in voller Gänze durchgeführt sondern teilweise nur bzw. sozusagen „Gewehr bei Fuss“ gestanden haben.

Ja, weder permanent, noch bei manchen Operationen wegen Abwesenheit z.B. im Urlaub
Das ist aber gängige verständliche Praxis, für Patienten auch, ich hielt das für absolut rechtmässig.
Insbesondere, aber nicht nur dann, wenn Patienten als Notfall kommen und der Chef nicht erreichbar oder verhindert ist , der diensthabende Oberarzt als Vertreter operiert und dann am Ende der Behandlung die Rechnung vom Chef bekommt .
Das ist mein Wisensstand, daran können auch noch so ausgefeilte neuere Verträg nichts ändern. An der Honorarleistung verdient ja der Chefarzt das Allerwenigste, das wollen wir mal festhalten.

Der an die Verwaltung abzuführende Anteil ist ja in den letzten Jahren ständig gestiegen und insbesondere Sie haben ja mit ihrer Reputation die „Ladenkasse“ des Klinikums Essen ordentlich zum Klingeln gebracht. Kann man das so sagen?

Ja, wir gehörten , im Jargon ausgedrückt, zu den „Trüffelschweinen“ des Klinikums. Die wussten, da kommen zahlungskräftige Patienten. Im übigen, man kann nicht an allen Stellen gleichzeitig sein.

Bei den Chirurgen, und jeder der mit den Verhältnissen in der Klinik vertraut ist, sicherlich gehören die Juristen nicht dazu, weiss, dass entscheidend die „Präsenz“ des Chefs ist, vorausgesetzt er hat ein eingespieltes Team, aber nicht notwendigerweise dessen Schnitt. Da ansonsten der Chef bestenfalls eine Lebertransplantation pro Tag durchführen und nicht bei anderen Op’s gegebenenfalls eingreifen könnte.

Ja, die Präsenz des Chefs kann man so oder so deuten. Der Chef hat ja selber Interesse zu operieren, ist ja selber Chirurg, aber er wird ja nicht von Anfang bis Ende, also von „Haut bis Haut“ dabei stehen, sondern es geht um wesentliche Schritte bei der Operation und die können so oder so abgesprochen und dann vom Oberarzt durchgeführt werden. Die Präsenz muss nicht immer gegeben sein. Die Präsenz zeigt sich auch und gerade an dem Team und Teamgeist, der da herrscht, dass die Direktiven des Chefs, so und so zu operieren, auch befolgt werden. Man nennt das in Deutschland auch eine Chirurgenschule, das ist wesentlich wichtiger als Tag und Nacht als Chef am OP-Tisch zu stehen .

Haben Sie den Eindruck, dass das Gericht diese klinikinternen Vorgaenge überhaupt versteht?

Wenn Sie mich so fragen, diese Wirtschaftsstrafkammer hat einen Einblick in solche Abläufe sicher nicht gehabt, sie versteht dies vermutlich auch gar nicht. Die müssten sich mal, wie jüngst der Verteidigungsminister, eine Woche ins Klinikum begeben und schauen, wie solche Dinge ablaufen, dann würden sie ihre „Weltanschauung“ definitiv ändern und würden nicht auf die Idee kommen, noch ein neues Formular zu verlangen, wo drin dann ganz ausführlich dargelegt wird, dass der Professor möglicherweise verhindert ist, weil er da und da ist und in seiner Vertretung macht der und der die Leistung, dann sind wir nur noch beschäftigt, Formulare auszufüllen und zur Unterschrift vorzulegen und das kann es ja nicht sein.

Wenn wir die Aerzteprozesse aus den letzten Jahren Revue passieren lassen, dann ging es doch im Wesentlichen um ärztliche Behandlungs- oder Kunstfehler.
Ist Ihnen Derartiges jemals vorgeworfen worden?

Nicht dass ich wüste, nein ich bin niemals wegen eines Kunstfehlers gerichtlich belangt worden. Es gab Fälle, die gutachterlich dann mal geklärt wurden. Die Staatsanwaltschaft hat offenbar nach derartigen Vorfällen seit 2007 gesucht und keine gefunden.

Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, dass Sie hier als Sündenbock vorgeführt werden sollen, dass die „Raffgier der Aerzte“ hier zum Thema gemacht werden soll und abgelenkt werden soll, von der wirklichen Raffgier, welche die die internationale Finanz-und Wirtschaftskrise ausgelöst hat mit Milliardenverlusten, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen, ich meine die Raffgier der Banker, Fondsverwalter etc.

Ich würde mich mit denen nicht in einen Kontext oder Wettbewerb der Uebelkeiten begeben.
Dass Aerzte Zielscheibe sind, der ganze Berufsstand findet sich ja entsprechend in den Medien wieder, dennoch gibt es genügend Patienten, die sich mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit den Aezten anvertrauen.
Ich denke dass das Feindbild Chefarzt oder Ordinarius in Deutschland weiter gepflegt werden wird.

Wenn man diejenigen betrachtet, die sich sozusagen gegen Sie gewendet haben, dann sind das fast ausschliesslich Angehörige von Verstorbenen. Also z.B. jemand der an Leberkrebs litt, und dem durch eine Transplantation nur eine bescheidene Lebensverlängerung ermöglicht werden konnte, weil natürlich mit der Transplatation die Krebsabsiedelungen in andere Organe nicht behandelt werden konnten. Ist es möglich, dass von Ihrer Seite der Ausblick zu positiv geschildert wurde, um den Patienten für eine Operation zu gewinnen, und nachher die Enttäuschung dann umso grösser war.

Ich denke, dass ich in meiner Einschätzung immer sehr objektiv gelegen habe.
Es gab von der gleichen Journalistin der ZEIT vor Jahren einen Artikel mit dem Titel „Ein Mann für hoffnungslose Fälle“ und wenn ich mir heute die hoffnungslosen Fälle ansehe, dann ist die Guppe derer, die am Leben sind, deutlich grösser als die Gruppe derer, die leider verstorben sind.

Wir haben ja heute eine derartige Patientin als Zeugin in der Hauptverhandlung gesehen: Eine Frau, die bereits im Leberausfallskoma mit Nierenversagen lag, einem sogenannten hepatorenalen Syndrom.

Ja, auch eine andere Patientin, die heute als Zuhörerin anwesend war, war ein solcher „hoffnungsloser Fall“, aber ich sehe es natürlich als meine Aufgabe, Patienten objektiv zu beurteilen, ich kann ihnen aber auch nicht die letzte Hoffnung nehmen, weil ich weiss, dass Alternativtherapien wie Chemotherapie oder Bestrahlung im Falle von Leberkrebs keinen Nutzen haben und ich will die Patienten nicht in die Hände von anderen Leuten treiben, die noch grösseren Schaden anrichten (hier sind nicht die Onkologen und Strahlentherapeuten gemeint, der Verf.)
Aber das ist alles ein schwieriger Balanceakt.

Kommen wir jetzt zu ihrem persönlichen Werdegang und zur Situation der Organtransplantation in Deutschland
Sie haben also Ihre Weiterbildung in Deutschland gemacht, und haben dann ein Angebot von einer der renommiertesten Universitaeten in den USA bekommen?

Die „ Luft der Transplantation“ habe ich in den USA „gerochen“ und mich mit der Leberforschung befasst. Ich kam ja eigentlich von der Neuropathologie von meiner Promotionsarbeit her.
Dann suchte ich die entstehenden Transplantationszentren in Deutschland auf das war Hannover damals, die Medizinische Hochschule mit den Professoren Borst und Pichlmayr und in Essen mein Vorgänger Prof Eickler.
Das waren so grössere Transplantationszentren in Deutschland damals. Hannover war seinerzeit schon sehr international, auch München mit Walter Land, und dazu kamen nach und nach Köln und Heidelberg. Das hatte erhebliche strukturelle Veränderungen zur Folge.
:
Aber das waren nicht Lebendtransplantationen, sondern die Organe waren Toten entnommen worden. Was brachte Sie denn auf die Lebendtransplantation?

Ja das ist jetzt schon ein grosser Sprung. Ich sage mal 40 Jahre Transplantation in Deutschland aber die Lebendtransplantation entwickelte sich zunächst bei der Nierentransplantation bei Kindern, wo mein damaliger Chef Pichlmayr meinte, da sei es gerechtfertigt, Spenden von Eltern zu ermöglichen, um die lange Wartezeit zu eliminieren und den Kindern wieder eine bessere Lebensqualität und längere Lebensdauer zu ermöglichen.

Die Initialzündung kam aber nicht aus Deutschland sondern aus Holland und Belgien und anderen Ländern, die auch in der Entwicklung der Transplantation wesentlich weiter waren.

Die Entwicklungen gingen damals von der Universität von Leiden in Holland aus, von dem berühmten Herrn van Rood, der die Gewebeverträglichkeit Spender/Empfänger zum Leitfaden der Organzuteilung gemacht hatte. Die ersten Entwicklungen der immunsuppressiven Therapie waren dem vorausgegangen.
Die erste Transplantation überhaupt war ja eine Lebendtransplantation in Boston, übrigens damals durchgeführt von einem plastischen Chirurgen.

Die Transplantation in Deutschland war also irgendwo steckengeblieben

Es wurden Nierentransplantation seit Anfang der 60er Jahre durchgeführt, München war damals das führende Zentrum und Professor Grosse- Wilde in Essen kam ja aus dem Münchener Labor.

In Deutschland gab es Vorbehalte 1990 genau so wie 1960 die darin ihren Ursprung finden, dass die postmortale Organspende hier nicht wirklich akzeptiert ist. Zweifel an der Feststellung des Hirntodes, dass etwas mit angeblich Lebenden durchgeführt wird, die dann noch, auch wenn sie hirntod sind, immer noch angeblich Narkose bei der Organentnahme brauchen. Ich erwähne dies, weil ich erst letztlich wieder diese Frage gehört habe.

Worauf ist das zurückzuführen?

Dies ist auf eine bewusst gehaltene Unkenntnis, auf Urängste, auf Sorgen zurückzuführen, die ja bedingen, dass man sich auch mal mit dem eigenen Tod, bzw. mit dem eigenen Unfalltod befassen muss, was Angste aufrührt .

Dann gibt bes hier in Deutschland noch Zweifel an der Ehrlichkeit der Aerzte, an der Korrektheit der Diagnosen, an dem Image und Vertrauen in die Aerzteschaft, alle Faktoren mischen sich da mit rein . Dann sind da noch ethische Bedenken, einen Verstorbenen noch einmal operieren zu können oder ihn, wenn man daran denkt, dass viele Organe entnommen werden, dass er auch „ausgeweidet“ wird, dass er als „Ersatzteillager“ gebraucht wird.

Da gibt es endlose Symposien, die sich mit dem Menschenbild, mit der Würde des Toten befassen und dort immer wieder Zweifel aufrühren lassen, ob dies alles nicht richtig sei, dass man auch noch Organe entnimmt, um anderen Menschen zu helfen. In diesem Wirrwar der Argumente sich auch zurechtzufinden tut nur der, der die eigene Not verspürt hat, ein Organ bekommen zu müssen.

Meinen Sie denn, dass von denjenigen, die transplantiert worden sind und davon einen richtigen Vorteil erfahren haben, genug getan wird, um das auch in der Oeffentlichkeit besser zu vermitteln.Oder halten die sich eher zurück und freuen sich, dass es für sie geklappt hat.

Sie haben es heute während der heutigen Gerichtsverhandlung gesehen, das sind normale schlichte, gradlinige Menschen, die froh sind, dass sie ein Organ bekommen haben und die daran glauben, dass es Organisationen wie Eurotransplant gibt, die ihnen vermitteln können, dass sie bei Bedarf eben ein Organ bekommen.
Man muss ja bis zu 6 Jahre auf ein Organ warten. 6 Jahre Warten auf eine Nierentransplantation heisst: 6 Jahre Dialyse mit Komplikationsmöglichkeiten und die Energie, dann noch in die Oeffentlichkeit zu gehen und zu sagen: Wir brauchen mehr Organe, ist einfach nicht vorhanden.

Sporadisch, wie so kleine Eisspitzen , guckt das mal raus aus dem Schnee, aber im Grunde ist das Feld flach und ruhig und da können auch die nichts dran ändern, die sich hauptberuflich damit befassen.
Zwar ist etwas besser geworden, vor Jahren machten die Transplantationszentren die ganze Oeffentlichkeitsarbeit.

Das war eigentlich gar nicht schlecht , es war eine Freude das zu tun, Aufklärung zu betreiben, bei der gleichen Gelegenheit konnte man ja auc h seine eigene Institution in der Oeffentlichkeit darbringen.

Damals war es ja ansonsten unmöglich, Reklame für seine medizinische Einrichtung zu machen, diese Regeln sind jetzt wesentlich gelockert, damals war es also ein gutes Vehikel, z.B . eine urologische Klinik oder eine chirurgische Klinik in das Blickfeld der Oeffentlichkeit zu bringen, mit dem Schlagwort der Transplantation. Das wurde also ausgenutzt, aber es war mehr so eine Art Eigenbefriedigung , eine teilweise sachbezogene Promotion , aber im Grunde hat das letztlich nicht wirklich etwas gebracht.

Wird von Seiten der Politik genügend unternommen, um hier entsprechende Bereitschaften zur Organspende zu erzugen?

Das ist sehr unterschiedlich, aber es gibt keine wirkliche Energie, um hier für eine Verbesserung zu sorgen. Einzelne kleine Aktionen, die man eher mit Bienenzüchtervereinen oder Laubengärtnerkolonien vergleichen kann. Aber seit dem Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes ist es nicht ein einziges Spenderorgan mehr geworden.

Gesetzlich wird man an die Sache nicht weiter herangehen wollen, sehen Sie sich die Themen an, die heute verhandelt werden und über die die Medien berichten, da ist von Organtransplantation nicht die Rede.
Knochenmark ja, Medienrummel, Suche nach Spender, aber wenn ein älterer Mann oder eine ältere Frau eine neue Leber braucht, das kann der Patient im Stillen mit sich abmachen.
Wenn er Glück hat, dann bekommt er über Eurotransplant ein Organ.
Der Patient geht ins Ausland, wenn er die Mittel hat, versucht dort sein Glück, was ja nicht zu raten ist, weil die Qualitätskontrolle dort nicht existiert.

Hier in Deutschland wird dafür deutlich zu wenig getan obgleich es mittlerweile die Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) gibt. Die hat immerhin hauptamtliche Mitarbeiter.
Wenn sie das aber im Vergleich setzen mit den Resourcen, in den USA, z.B. in Chicago oder Pittsburgh, dann ist das ein Verhältnis von 1:10, ein „Kleingärtnerverein gegenüber einer Grossgärtnerei“.

Können Sie denn ein Land in Europa herausheben, das wesentlich besser dasteht als Deutschland?

Es gibt zwei, die eindeutig besser sind: Oesterreich und Belgien. In Oesterreich gibt es keinen Organmangel auf lange Sicht, in Spanien auch nicht mehr , sodass europäische Nachbarn uns längst zeigen, wie das geht.

In Oesterreich ist jeder ein Organspender, der einer Organentnahme nach seinem Tode nicht ausdrücklich widersprochen hat. Sie haben also die Widerspruchsklausel und das ist das Einzige, wo wir von der gesetzlichen Seite noch etwas tun können, denn alles andere muss aus den Initiativen der Professionals kommen.

Herr Professor Broelsch, das kann man wohl ohne Zweifel sagen, Sie sind eine internationale Kapazität auf dem Gebiet der Lebertransplantation. Und wenn ich an die Patienten denke, die heute als Zeugen vernommen wurden, das waren ja nicht nur alles erfolgreiche Behandlungen, sondern die Patienten haben auch ihre ärztliche Zuwendung ausserordentlich gelobt.

Das Verhältnis zu den Patienten von meiner Seite war ein besonders persönliches und vertrauensvolles Verhältnis. Mir hat dieses Arzt-Patienten-Verhältnis immer besonders viel Freude gemacht

Kommen wir noch auf die Lebendtransplantation zu sprechen. Hier ist ja so, dass ein prinzipiell gesunder Spender sich den Gefahren einer nicht gerade kleinen Operation aussetzt, um einem anderen Menschen, einem Verwandten zu helfen. Wie hoch ist denn die Komplikationsrate, d.h. dass ein Spender an den Operationsfolgen stirbt, ein ausserordentlich tragischer Ausgang

Die Voraussetzungen für eine Lebendtransplantation ist nicht ein populistisches sondern ein intimes Vertrauensverhältnis, weil man sein Leben als Gesunder in die Hand von ein zwei Aerzten legt und das tun sie nicht, wenn sie nich ein unbedingtes Vertrauen in diese Aerzte haben, nicht nur in ihre ärztliche Kunst, sondern auch in ihre menschliche Fürsorge, die ja bei Spender und Empfänger sich deutlich über den Operationszeitpunkt, also davor und danach, hinausstreckt.Sonst können sie Lebendspenden überhaupt nicht machen.

Es ist eine mechanistische Vorstellung, dass man einfach hingeht , schneidet jemanden auf, nimmt ein Stück Niere oder Leber heraus und macht ihn wieder zu und das wars dann.
Die tödliche Komplikationsrate beträgt 1 Spender-Todesfall bei 1000 Operationen.

Daten zur Person Prof. Broelsch
Am 14.9 1944 in Hanau/M geboren, in der Hansestadt Bremen aufgewachsen, in Berlin Abitur, danach Studium der Medizin und Zahnmedizin in Köln und Erlangen , klinische Semester an der Universität Düsseldorf. Staatsexamen 1969, promoviert in Gebiet der Neurologie, 5 Jahre theoretische Forschung Pathologie, Physiologie, dann 2 Jahre Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität von South California in San Diego. Erstmals Kontakt mit Leberforschung, zurück nach Düsseldorf 1974 für 10 Jahre Arzt und Oberarzt bei Prof Pichlmayr in Hannover, dem Pionier der Transplantation in Deutschland. 1979 Habilitation, apl. Professor in Hannover, 1984 Ruf an die Universität von Chicago Lehrstuhl für hepatobiliäre Transplantation. 1991 Ruf an das Universitätskrankenhaus Eppendorf, dort 7 Jahre Chef der Abdominal- und Transplantationschirurgie, 1998 Ruf nach Essen.

Professor Christoph Broelsch – Die lange Reise eines Starchirurgen auf die Anklagebank

Das Interview erschien zuerst in redaktioneller Ueberarbeitung bei Spreerauschen

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Was ist hier los – haben die Autoren Urlaub?

Dr Alexander von Paleske – 11-12. 2009 …….so lautete gestern die Frage eines Lesers, der offenbar ungeduldig auf weitere Artikel auf diesem Blog wartete.

Nein, die Autoren haben keinen Uralub, aber der Betreiber des Blogs, Stephan Fuchs, und ich als einer der Hauptautoren stecken bis ueber den Kopf in der Arbeit.

Bei mir kam noch ein Umzug von Botswana nach Simbabwe hinzu, sodass ich mich ausserstande sah, weitere Artikel reinzustellen. Das war nicht geplant.

Ich stelle also in Kuerze noch ein Interview mit dem Essener Professor Broelsch, der zur Zeit vor Gericht steht, rein. Auch habe ich noch vor, etwas mehr ueber meine acht Jahre als Krebsarzt in Botswana zu berichten und natuerlich ueber den erneuten Beginn meiner Taetigkeit in Bulawayo/Simbabwe, und was ich im dortigen Krankenhaus, wo ich als unbezahlter Mitarbeiter nun halbtags arbeite, vorgefunden habe.

In der Zwischenzeit freuen wir uns ueber Kommentare, so sie denn kommen.

terror

Tiraden in Rom, Gewalt zu Hause – Simbabwes Präsident Mugabe im Vor-Wahlkampf

Dr. Alexander von Paleske 19.11. 2009 – Im nächsten Jahr sollen Wahlen in Simbabwe stattfinden.
Nach der gegenwärtigen Stimmungslage hat Mugabes Partei ZANU/PF gute Aussichten 10-20% der Stimmen zu bekommen.

Seit die Regierung der nationalen Einheit im Amt ist, hat sich die Lage im Lande etwas gebessert. Der neue Finanzminister Tendai Biti beseitigte das finanzielle Chaos. Zuletzt kostete eine Cola 12 Milliarden Zimbabwe Dollar. Biti schaffte die lokale Währung erst einmal ab. Seitdem hat sich die Versorgungslage wieder gebessert, in den Geschäften sind wieder Waren vorhanden.

Die Bevölkerung weiss aber nur zu genau, dass Mugabe sich dies kaum auf seine Fahnen schreiben kann.


Robert Mugabe

Diese negative Beurteilung seiner Partei muss sich ändern, findet der Präsident, das finden auch seine Gefolgsleute im Regierungsapparat, Polizei und Armee.

Da wortreiche Ueberzeugungsarbeit und Tiraden im Ausland wie jetzt auf der Welternährungskonferenz in Rom, nicht ausreichen, soll mit bewährten Mitteln nachgeholfen werden: Mit Gewalt und Terror.


Willkommensschild, Plumtree (Zimbabwe), Grenze zu Botswana – Foto: Dr. v. Paleske

Dieses Vorgehen hatte sich schon im vergangenen Jahr bei der Präsidentschaftsstichwahl „gut bewährt“. Aber anders als letztes Jahr soll es diesmal offenbar von langer Hand vorbereitet werden.
Im Juni kreuzten die ersten „Unterrichtskommandos“ in den ländlichen Gebieten auf. Seitdem gibt es immer wieder Berichte über Gewalttätigkeiten gegen Oppositionsmitglieder.

Jetzt wurde auch der deutsche Jesuitenpater Wolfgang Thamm von Mugabes Schergen verprügelt und gedemütigt.
Aber das dürfte erfahrungsgemäss nur die Spitze des Eisbergs sein.

Jubelparteitag im Dezember
Im nächsten Monat findet der Parteitag von Mugabes ZANU/PF Partei statt. Ein Jubelparteitag ist zu erwarten.
Zwar gibt es innerhalb seiner Partei bereits einen Kampf um die Nachfolge, aber Mugabe denkt offensichtlich gar nicht an Abtritt. Er hält sich für erwählt und nicht nur (durch Wahlterror) für gewählt.
Und er hält sich vor allen Dingen für unersetzlich.

Simbabwe – Auferstehung aus den Ruinen?
Ein fauler Kompromiss wird Wirklichkeit</b
linkSimbabwe: Verlängerung des Terrors befürchtet – Stichwahl erst in drei Monaten
Simbabwe: Mugabes Terrorkampagne erreicht neuen Höhepunkt
Simbabwe – Der Wahlterror hat begonnen
Simbabwe – Mugabe plant Terrorwahlkampf
linkSimbabwe: Erfolg des Terrors, Mugabe bleibt Präsident
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linkSimbabwe: Prämien fuer Tötung von Oppositionsaktivisten
linkSimbabwe: Mugabes Umzug in Paradies<br /

europa

Der Airbus–Militärtransporter-Deal mit Südafrika – Ein bitter notwendiges Ende

Dr. Alexander von Paleske – 16.11. 2009 —- Die südafrikanische Verteidigungsministerin Lindiwe Sisulu zog Anfang des Monats die Reissleine: .Sie kündigte den Vertrag mit Airbus über die Lieferung von acht Militärtransportern des Typs Airbus M 400.

Die deutsche Presse berichtete höchst unvollständig über die Hintergründe.

Südafrika straft Airbus ab

so lautete die Schlagzeile der süddeutschen Zeitung am 5.11. 2009. Und weiter:

Südafrika ist das erste Land, das wegen der immer wieder verschobenen Auslieferung nun die Reißleine zieht. „Die Kündigung des Vertrags erfolgt wegen des starken Kostenanstiegs und weil es der Hersteller nicht schafft, das Flugzeug innerhalb des vereinbarten Zeitrahmens auszuliefern“, sagte Südafrikas Regierungssprecher Themba Maseko. Verteidigungsminister Lindiwe Sisulu erklärte, Südafrika schaue sich nun nach Alternativen um.

Diese Meldung nennt aber nicht alle wirklich wesentlichen Gründe für die Kündigung des Airbusvertrages.

Ein Blick zurück
Im Jahre 2004 schloss die Regierung Südafrikas unter Präsident Thabo Mbeki einen Vertrag mit Airbus über die Lieferung von 8 Transportern des Typs A 400M.

Zutreffend ist, dass es erhebliche Verzögerungen bei der Lieferung gegeben hat, aber das wäre letztlich nicht ein ausschlaggebender Grund für die Regierung Südafrikas gewesen, den Vertrag zu kündigen.

Vielmehr: Bei Vertragsabschluss lagen die Kosten für den Gesamtauftrag bei 8 Milliarden südafrikanischen Rand, umgerechnet damals 1,5 Milliarden US Dollar. Man muss den dringenden Verdacht äussern, dass damals der Oeffentlichkeit absichtlich von der Regierung Mbeki ein falscher Preis genannt wurde.

Preiseskalation
Mittlerweile liegt der Preis nämlich bei 47 Milliarden Rand, also 6 Milliarden US Dollar, dem fast sechsfachen in Rand, dem vierfachen in US-Dollar. Das entspricht in etwa dem gesamten Nachrüstungsprogramm nach dem Ende der Apartheidzeit. Und dies in einem Land, das z.B. Schwierigkeiten hat, den 5 Millionen HIV-Infizierten eine adäquate Diagnostik und Behandlung zuteil werden zu lassen.

Ein Auftrag in dieser Grössenordnung von einem Land mit einer deratig drückenden Last von Problemen, von HIV über TB bis zur Armut in den Townships, kann nachgerade nur als pervers bezeichnet werden, es sei denn, das Land befände sich im tatsächlichen oder potentiellen Kriegszustand, wovon jedoch keine Rede sein kann.

Hinzu kommt, dass dem Land nach dem Ende der Apartheid bis heute ein umfassendes Konzept für eine Verteidigungspolitik fehlt, an dem sich Waffenkäufe orientieren könnten.

Mbekis Erbe
Die Waffen-Beschaffungspolitik der desaströsen Regierung Mbeki ist an dieser Stelle mehrfach kritisiert worden.
Sie war skandalträchtig: Vom massiven Bestechungsverdacht bis zum überteuertem Einkauf.

Nicht etwa die preiswertesten Anbieter erhielten seinerzeit den Zuschlag. Bei der Luftwaffe kam das kostengünstigste Angebot von der italienischen Firma Aeromacchi, das darüberhinaus auch von der Armee selbst favorisiert wurde, und deren Angebot 50% niedriger lag als das Angebot des Konsortiums British Aerospace/SAAB.

Nicht anders bei der Marine: Statt an ein italienisches Konsortium ging das Fregatten/Korvettenbauprogramm an das deutsche Konsortium Thyssen / Blohm & Voss. Allerdings wurden angeblich den Italienern von dem Mittelsmann Shabir Sheik gesagt, dass sie das angebliche deutsche Bestechungsangebot 15 Millionen US Dollar noch „verbessern“ könnten.

Der damalige Vizepräsident und spätere Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, entschied nach einem Besuch in Europa, auf welcher Basis auch immer, dass Thomson/Thint sowie Thyssen / Blohm & Voss den Zuschlag bekommen.

Die Folgen: Kürzungen bei anderen Ministerien als auch Kürzungen innerhalb des Verteidigungsbudgets.

Mbeki schlug alle ihm zuvor gegebenen Warnungen in den Wind. Das absurde Programm stand auch noch im Widerspruch zu den erklärten Zielen der Regierung, nämlich eine reine Verteidigungsarmee aufzubauen, und vormals zu Apartheidzeiten in den Militärbereich üblicherweise geleitete Gelder nunmehr zur sozioökonomischen Entwicklung des Landes zu nutzen

Bedingt einsatzbereit
Die Folgen sind heute zu besichtigen. „Nur bedingt einsatzbereit“ so lässt sich der Zustand der südafrikanischen Armee heute beschreiben. Und zwar nicht nur für einen konventionellen Krieg mit einem nicht existierenden Feind, sondern auch und gerade für Friedensmissionen .

Für die Behandlung von HIV-Aidskranken war angeblich dann seinerzeit kein Geld vorhanden.Gleichzeitig nahm die Müttersterblichkeit zu.

Skandalträchtig auch die Auftragsvergabe für die jetzt in Frage stehenden Transportflugzeuge: Es gab keine Ausschreibung. Diese Notwendigkeit umging die Regierung Mbeki mit einem Trick: Da Teile des Airbus von der südafrikanischen Frima Denel hergestellt werden sollten, wurde flugs die These vertreten, es handele sich um eine Gemeinschaftsproduktion und nicht um einen echten Kaufauftrag.

Ein erbärmliches und durchsichtiges Manöver. So sind leider die unerquicklichen Realitäten, und nicht anders.

Nun hat die Regierung Zuma endlich aufgeräumt – Airbus verzeichnete eine Verkaufs-Bruchlandung.
Aber es bleibt ein Trost für Airbus: Die europäischen Länder werden den A 400M kaufen, komme was da wolle, oder im Englischen: Come rain, come sunshine.

Deutschland, Südafrika und ein Waffenskandal ohne Ende
Südafrika – Auf dem Weg in eine Bananenrepublik?

medien

Geld stinkt nicht – oder: Ein Wissenschaftsverlag auf Abwegen?

Dr. Alexander von Paleske
Nicht nur Verlagshäuser wie Gruner und Jahr beschreiten offenbar merkwürdige Wege, die Zweifel am Qualitätsjournalismus aufkommen lassen. Wir berichteten mehrfach darüber.

Auch der Elsevier Verlag , ein hochrenommierter Wissenschaftsverlag mit Schwerpunkt im Medizinbereich, kommt jetzt wohl in den Geruch, eine Art Büttel der Pharmaindustrie zu sein.

Der Elsevier Verlag bringt unter anderem auch die hochangesehene Medizinzeitung LANCET heraus.

Medizinzeitungen als Werbepostillen
Nun beschwerten sich Wissenschaftler der Universität von Adelaide/Australien darüber, dass eine als Medizin-Journal aufgemotzte Medizinzeitung namens „Australasian Journal of Bone and Joint Medicine“ herausgebracht wurde, in welcher unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit Werbung für das von der Firma Merck/USA hergestellte Schmerzmittel Rofecoxib betrieben wurde.

Aber damit nicht genug: Ueber insgesamt neun weitere „Journale“ und die Registrierung von weiteren 13 des Verlags Elsevier, allesamt bestenfalls Werbepostillen der Pharmaindustrie, beschwerten sich Jon Jureidini und Robyn Clothier (LANCET 2009, Vol 374, S. 375).

Und weiter: in dem vom gleichen Verlag herausgebrachten Dienstleistungsarm für die Pharmazeutische Industrie namens Excerpta Medica, rühmt der Verlag sich, ein von einer Pharma- Firma gesponsertes „Blättchen“, für Internisten in Europa und Kanada erfolgreich herausgebracht zu haben.

In erfrischender oder soll man sagen: deprimierender Offenheit, sagt der Verlag, dass man es von einer schmalen und flachen Basis klinischer Forschung entwickelt habe mit dem einzigen Ziel, den Kunden als Marktführer in einem hart umkämpften Markt (für Herzpräparate) zu positionieren.

Reputation als Zugmaschine
Der Gruppen-Manager für Excerpta Medica erklärte ganz offen, dass man den LANCET mit seiner ausgezeichneten Reputation über die von ihm veranstalteten Konferenzen als Vehikel für das eigene Produkt nutzen wolle.

Die australischen Wissenschaftler greifen zu Recht diese widersprüchliche Verlagspolitik an, zumal wohl auch die Gefahr besteht, derartig merkantile Gesichtspunkte könnten ihren Eingang in seriöse Medizinpublikationen wie den LANCET finden.

In einer Stellungnahme dazu distanziert sich Elsevier zwar lauwarm von den Aktivitäten ihrer Zweigniederlassung in Australien, versucht aber die Aktivitäten von Excerpta Medica als Gehilfe der Pharmazeutischen Industrie zu rechtfertigen.

Keine wirklich überzeugende Rechtfertigung.

Gruner und Jahr Verlag: Trübe Aussichten, finanziell und journalistisch
Die neue Gruner und Jahr Story oder: Von Gruner und Jahr zu Anzeigen und Spar
Darfs ein bisschen weniger sein? Oder: Neues zum Niedergang des Qualitätsjournalismus
Untergang des Qualitätsjournalismus? – oder: Josef Joffe und seine Albträume